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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Smultronställe

Wenn ein Schwede hört, dass wir Smultron mit Walderdbeere übersetzen, schüttelt er wahrscheinlich leicht verwundert den Kopf. Denn für die Schweden sind Erdbeeren (Jordgubbe) und Walderdbeeren (eben Smultron) völlig unterschiedliche Früchte.

Die Plätze, an denen es viele Smultron gibt, werden oft geheim gehalten oder nur wirklich guten Freunden gezeigt. Die oft ein wenig verborgenen Plätze heißen auf schwedisch Smultronställe und dieses Wort wird inzwischen auch im übertragenden Sinne für besonders schöne Plätze, die nicht jeder kennt, benutzt.

Diese kleine Sammlung Smultron – die ich heute schon auf meine Speisekarte gesetzt habe – wuchsen allerdings nicht sonderlich versteckt, sondern direkt am Wegrand. Dies ist die Ausbeute von zwanzig Metern und ich habe nicht besonders gründlich gesucht.


Dies ist übrigens der allererste Blogartikel, den ich vom Zelt aus schreibe. Ich besuche Freunde in Norwegen und bin im Gegensatz zu diesen – die Freunde sind noch bis heute Abend unterwegs – schon angekommen. Praktischerweise reicht das WLAN bis ins Zelt, welches ich im Garten aufgeschlagen habe.

Über alles andere schreibe ich aber mal in Ruhe, vor allem auch, weil Fotos sortieren und editieren am kleinen Laptopschirm überhaupt keinen Spaß macht. In einer Woche bin ich wieder zu Hause, dann geht’s hier im Blog weiter.

Reise nach Norwegen

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Die letzte Juliwoche bin ich nach Norwegen gefahren, um Astrid und Hein, Fridtjof und Fredrik zu besuchen. Sie waren im März letztes Jahres bei mir und es wurde Zeit für einen Gegenbesuch. Die Freunde leben in Nord-Trøndelag in der Kommune Inderøy und damit recht genau westlich von mir. Auf dem Hinweg bin ich aber nicht quer rüber gefahren, sondern erst einmal auf der E4 in Richtung Süden.


Den ersten Zwischenhalt habe ich in Salusanden, einer kleinen Strandstelle südlich von Umeå gemacht. Ich war erstaunt, den Strand an einem warmen und sonnigen Sommersamstag mitten in der Ferienzeit so leer zu finden. Am Ufer lagen einige Tellmuschelnschalen, bei mir ist die Ostsee zu salzarm für Muscheln.

Der nächste Halt war der bekannte Fjällräven-Outlet in Örnsköldsvik, ein gefährliches Pflaster für Outdoorfans. Ein Klassenkamerad in der Fünften hatte nicht wie wir alle Tornister, sondern einen himmelblauen Kånken-Rucksack von Fjällräven. Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals diesen Buchstabensalat aus Fj, V und zwei Ä-s bestaunt habe.

Der Küstenabschnitt südlich von Örnsköldsvik nennt sich die Höga kusten, die hohe Küste. Hier habe ich eine mehrstündige Wanderung durch diese herrliche Landschaft gemacht, aber davon erzählt ein anderer Artikel.

Nach der Wanderung, die länger als geplant wurde, habe ich mich ins Auto schlafen gelegt. Das nächste Mal klappe ich die ganze Rückbank um, denn beim Umdrehen war es ein bisschen eng, aber sonst war ich überrascht, wie viel Platz ich in meinem Auto habe. Sollte ich noch zum Saab-Fan werden, oder bin ich es schon ein bisschen?


Was passiert, wenn man nicht so gut schläft und früh wach wird? Man wird mit einer wunderbaren Morgenstimmung am Norrfjärden belohnt. Zu dem Blick gab es Apfelschorle und Nusskuchen zum Frühstück. Lecker! Ein guter Start in den zweiten Anreisetag.

Danach habe ich mich wieder ins Auto gesetzt. Nun ging es in Richtung Westen, dem schlechten Wetter entgegen. Nach einer Mittagspause im grau verhangenen Östersund war ich sehr auf Åre, das größte schwedische Skigebiet gespannt. Aber zumindest bei diesem trüben Regenwetter machte es einen extrem hässlichen Eindruck und ich habe nicht einmal angehalten. Von Åre war es gar nicht mehr so weit zur norwegischen Grenze. Hier gab es viele große offene Moorflächen. Schade, dass die Moltebeeren noch nicht reif waren. Parallel zur Autostraße gab es vermutlich einen alten Weg. Übrig geblieben sind die alten Steinbrücken, die jeden größeren Bach überspannen.

Nun war es gar nicht mehr so weit zu meinem Ziel. Ich wusste, dass meine Freunde nach in Oslo sind und erst am späten Abend des Folgetages wieder zu Hause waren, aber man kann ja auch ein Zelt im Garten aufschlagen und so hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Zeltplatz mit drahtlosem Internet. Daran kann man sich gewöhnen.

Meine Route: Skelleftehamn – Umeå – Örnsköldsvik – Docksta – Ullånger – Nyland – Bollstabruk – Bispgården — Hammarstrand – Östersund – Åre – Stormoen (Norwegen) – Verdal – Røra – Straumen – Utøya – Venneshamn.

Höga kusten

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Auf meiner Reise nach Norwegen habe ich einen Zwischenstopp an der Höga kusten gemacht. Diese Region ist mir schon mehrmals empfohlen worden und nun, wo ich es endlich geschafft habe, im Skuleskogen Nationalpark eine kleine Tour zu machen, kann ich nur sagen, dass die Höga Kusten einen Besuch wert ist.

Nachdem ich mein Auto am „Entré Syd“ abgestellt habe, bin ich den orange/roten Wegmarkierungen gefolgt. Am Anfang lief ich über Holzstege, bald über Baumwurzeln. Dann bin ich abgebogen, um auf den Slåttdalsberget zu gehen. Der blau markierte Weg führt über den roten Granitfels, der die Landschaft hier prägt.

Von den riesigen Granitformationen hat man herrliche Blicke über die Ostsee und die Inseln. Am Gipfel habe ich eine Pause gemacht. Gut, dass außen an meinem Fotorucksack auch eine Wasserflasche und eine Tüte mit Nusskuchen befestigt werden können.

Bekannter als der Slåttdalsberget ist die Slåttdalsschlucht, die sich tief in den Granit einschneidet. Wenn man die dunkle Schlucht durchquert, denkt man an Abenteuerromane, Räuber, Hinterhalte und hofft, dass einem kein Troll Felsen auf den Kopf wirft.

Ich bin dann weiter um den See Tärnättvattnen gelaufen. Hier war auch einer der Plätze, an denen man im Nationalpark sein Zelt aufstellen und übernachten darf. Weiter ging der Weg an der Küste – mal etwas höher, mal fast direkt am Meer. Das letzte Stück zog sich ganz schön, zum einen, weil es schon recht spät – wenn auch noch lange nicht dunkel – war, zum anderen, weil der Proviant längst aufgefuttert war und ich einen Bärenhunger hatte. Nach vier Stunden nach Tourbeginn war ich wieder am Parkplatz und habe erst einmal etwas gegessen. Dabei wurde ich leider ziemlich von Knott umschwärmt, kleinen Mücken, die alle gerne mein Blut wollten. Aber bald habe ich mich ins Auto geflüchtet, wo ich auch geschlafen habe, ehe ich am nächsten Tag weiter nach Norwegen gefahren bin.

Mosvik

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Nach einer zweitägigen Anreise bin ich in Norwegen angekommen. Da meine Gastgeber noch gar nicht da waren, habe ich mein Zelt aufgebaut und bin noch einmal an die Küste gefahren. Was für ein schönes Gefühl, mal wieder an der Nordsee zu sein, wo es nicht nur Ebbe und Flut gibt, sondern im Gegensatz zur nördlichen Ostsee auch Muscheln, Meeresschnecken und Seetang.

Am nächsten Tag habe ich eine kleine Runde mit dem Auto gedreht. An einer Bucht habe ich angehalten und fotografiert. Dabei musste ich feststellen, dass diese Bucht nicht sandig war, sondern sehr, sehr schlickig. Gut, wenn man nicht nur sich, sondern auch die Kamera wasserdicht eingepackt hat und vor allem auch weiß, wie man aus dem Zeugs wieder herauskommt.

An dieser Stelle – weiter oben, an der Straße – habe ich übrigens auch die Walderdbeeren gefunden.

Weiter ging der Weg per Auto zum Ende des Verrasundets, wo Sonne und Regenschauer sich abwechselten. Aber ich will mich nicht beschweren, denn zum Reisebeginn sagte der norwegische Wetterdienst yr sieben Tage Dauerregen vorher.

In der Nacht kamen Astrid, Hein und ihre Kids wieder und am nächsten Morgen sind wir gleich in den Wald gegangen. Denn wenn man mit Astrid und Hein unterwegs ist, dann immer auch, um Pfifferlinge, Blau- oder Moltebeeren zu pflücken oder Fische zu fangen. Am Abend haben wir aber nichts von den Funden gegessen, sondern Walfleisch gegrillt. Der Geschmack ist schwer zu beschreiben, aber man schmeckt, dass es sich um ein Säugetier handelt.

Norwegen ist eines der Länder, in denen Wal gefangen und verkauft wird. Die Quote liegt bei etwa 1000 Tieren pro Jahr, wird allerdings nie ausgeschöpft. Da der Bestand des Zwergwales sich in den letzten Jahren vermehrt hat und der Zwergwal im Gegensatz zu seinen Verwandten nicht bedroht ist, habe ich ehrlich gesagt ein besseres Gefühl, Wal zu essen als Schwein oder Huhn im Restaurant, welches vor seinem Tod vermutlich kein artgerechtes Leben führen durfte.

Die folgenden Tage waren ein schönes Gemisch aus Spielen mit den Kindern (und sie auseinander pflücken, wenn sie wieder das gleiche Spielzeug haben wollen), Beeren im Wald sammeln, mit Hein herumfahren, um französischen Käse vom katholischen Kloster(!) und Kartoffeln vom Bauern zu kaufen, sehr gut zu essen (von Elch mit Pfifferlingsoße bis hin zu Moltebeereneis) und abends zusammensitzen, bis ich irgendwann müde ins Bett fiel. Den Elch, der auf der Wiese hinter dem Haus graste, musste ich natürlich noch fotografieren. Schade, dass es schon so dunkel war und der Elch so scheu.

Viel zu früh musste ich wieder zurückfahren, aber am Montag geht die Arbeit wieder los und ich hatte ja auch wieder einiges an Strecke vor mir. Ich gehöre halt nicht zu den Typen, die gerne sieben-, achthundert Kilometer am Stück fahren und ein bisschen was auf der Fahrt sehen wollte ich ja auch.

Danke, Hein, Astrid, Fridtjof und Fredrik für Eure Gastfreundschaft. Jetzt seid Ihr wieder dran mit kommen ;-)

Rückreise nach Schweden

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Nach einem guten Frühstück auf der Terrasse habe ich mich von meinen Freunden in Norwegen verabschiedet und bin mit dem Auto zurück nach Hause gefahren. Schön in Ruhe und mit Pausen, man will ja auch was sehen.

Die erste Pause habe ich südlich des Sees Snåsavatnet gemacht. Dort in Bøla gibt es eine alte Felszeichnung eines lebensgroßen Rens zu bewundern. Das Alter wird auf sechstausend Jahre geschätzt.

Noch in Norwegen lagen oft Schafe auf der Straße, sie dösten auf dem warmen Asphalt und öffneten noch nicht einmal die Augen. Der Rotfuchs, der später auf der Fahrt einen Rastplatz nach Essbaren durchsucht hat, war wachsamer, ließ sich aber doch noch gerne aus dem Auto heraus fotografieren.

Dann bin ich die Straße südlich des Sees weitergefahren, bis ich auf der E6 war, die ich aber schnell verlassen habe, um auf der E74 nach Gäddede in Schweden zu fahren. Dort bin ich in den nach Norden führenden Vildmarksvägen abgebogen. Am Anfang führte die Straße noch an Seen vorbei durch kleine Ortschaften, dann wieder durch Wald, doch die Straße wand sich immer höher und die ersten schneebedeckten Gipfel, die man schon seit Norwegen sehen konnte, kamen näher und näher. Bald lichtete sich auch der Birkenwald und ich fuhr durch das Kahlfjäll über der Baumgrenze. Am und zu lugte die Sonne durch die aufgezogenen Wolken und beschien einen Teich oder ein Schneefeld. Ich beschloss, mir bald einen Zeltplatz zu suchen.

Ich bin sehr empfänglich für diese etwas kargen Landschaften und habe bald einen schönen Parkplatz im Nirgendwo gefunden und beschloss, dort mein Zelt aufzubauen. Schon beim Kochen – ich hatte noch Dorsch mit Basmatireis und Hummersoße von Astrid und Hein vom Vortag – umschwärmte mich eine Wolke von Mücken und ich habe die Kapuze festgeschnürt, um den kleinen Blutsaugern möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Gegessen habe ich dann im Gehen …

Wie gut, dass so ein Innenzelt mückendicht ist (nur einige Knott haben sich anscheinend durchmogeln können), denn schon beim Zeltaufbau schauten mir sämtliche Mücken der Umgebung zu. Pünktlich nachdem ich im Zelt zum Schlafen verschwunden war, fing es an zu regnen, mal leicht und mal heftig und so manche Mücke suchte mein Zelt als warmes und trockenes Plätzchen mit Chance auf ein Frühstück auf. Als ich morgens das Zelt verließ, war das Außenzelt voll: Schätzungsweise achthundert Mücken saßen trocken und lauschig unter dem Außenzelt und warteten auf mich.

Ich habe aber mein Zelt nicht sofort verpackt, sondern erst eine kleine Runde gedreht und den Raavre (932 m) bestiegen. Doch darüber schreibe ich später.

Erst habe ich mein nasses Zelt nur so ins Auto schmeißen wollen, aber der Gedanke an viele hundert Mücken, die im Auto herumschwirren haben mich meinen Plan ändern lassen und ich habe das Zelt in seine Tasche gestopft und diese – glaubt mir! – sehr, sehr gut verschlossen. Dann ging die Fahrt weiter. Ich wusste noch nicht genau, wie ich weiterfahren sollte, da ich nicht wusste, ob mein Benzin für den direkten Weg nach Storuman reichen würde oder ich nach Vilhelmina fahren müsste. Eine kleine Tankstelle in Saxnäs hat mich dann aber gerettet. Auf Schleichwegen habe ich mich über Stensele bei Storuman über die Käffer in Richtung Heimat bewegt.

Es gab allerdings noch zwei Hindernisse auf dem Weg nach Hause, die waren allerdings willkommen: Zwei kleine Rentierherden. Während die erste noch die Straße überquerte, stand die andere nur da und ließ Autos nur widerwillig durch. Kein Problem für mich, schnell das Tele draufgesetzt und Rentiere fotografiert. Ist ja schön, wenn diese schönen Tiere mal nicht gleich in den Wald flüchten.


Hier noch ein Video, welches ich vom Auto aus gemacht habe. Schade, dass ich vergessen habe, den Blinker auszumachen und sofort die Fenster zu öffnen, damit man die Geräusche, die die Rentiere machen, besser hören kann.


Bald war ich wieder in bekanntem Gelände: Die 370 führt fast an Kusfors vorbei, wo ich gute Freunde habe. Ich wollte aber nur noch nach Hause und die letzte Stunde hinter mich bringen. Um vier war ich zu Hause – todmüde, aber sehr zufrieden. Die Reise nach Norwegen war toll, aber wieder zu Hause in Skelleftehamn zu sein, war auch schön.

Norwegen, ich komme gerne wieder!

Die Route: Mosvik – Steinkjer – Snåase – Sandvika – Gäddede (Schweden) – Stekenjokk – Saxnäs – Skarvsjöby – Stensele – Gunnarn – Norrbyberg – Kristineberg – Bjurträsk – Boliden – Skellefteå – Skelleftehamn. Hin und zurück: 1663,3 km.

Auf dem Kahlfjäll

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Wo war ich – ach ja, auf der Rückreise nach Schweden. Nach einer Zeltnacht mitten im Kahlfjäll (aber an der Straße) habe ich noch den Raavre (932m) bestiegen. Leider hingen die Wolken so tief, dass man zwischendurch nicht viel gesehen hat. Aber dafür war es so windig, dass mich die vielen Mücken in Ruhe gelassen haben. Lieber Mütze als Mücke!

Wunderschön ist es auf dem Fjäll und während Nebel in der Stadt eher nervt, verleiht er hier der Landschaft etwas Geheimnisvolles. Mal blickt man nur in ein weißgraues Nichts, dann geben die tiefen Wolken plötzlich den Blick frei. Auf eine Bergkuppe, eine Wiese, einen Bach oder ein vom späten Winter übrig gebliebenes Schneefeld. Dann plötzlich hat man weite Sicht auf die karge Berglandschaft, ehe die nächsten Wolken durch das Tal heranziehen. Doch seht selbst.


Liebes Fjäll, wenn ich das nächste Mal zurückkomme, dann mit mehr Zeit. Versprochen! Du bist einfach zu schön, als dass man nur zwei Stunden durch Dich durchwandert. Doch jede Reise hat ein Ende und so auch meine Norwegentour. Morgen sitze ich wieder im Büro und arbeite. Und es gibt viel zu tun. Aber in drei, vier Wochen habe ich noch einmal eine Woche frei und dann geht es wieder nach Solberget in Lappland.

Sonnenuntergang

Gar nicht so einfach, die herrliche Lichtstimmung einzufangen, die wir heute gegen Sonnenuntergang hatten. Macht man das Bild so hell wie in Wirklichkeit, wirken die Farben zu pastellig. Macht man die Farben so satt wie in Wirklichkeit, wird das Bild zu dunkel.

Ach egal, lassen wir das Fotografieren Fotografieren sein. Interessanter ist vielleicht, dass es überhaupt wieder dunkel wird. Und wenn dann noch graue Wolken über Skelleftehamn liegen, dann ist es selbst jetzt um elf schon ganz schön finster. Kein Vergleich zu den taghellen Nächten zur Mittsommerzeit vor gerade mal sechs Wochen.

Ich finde das aber eigentlich ganz schön, dass es in der Nacht auch wieder dunkel ist. Dann kann man irgendwann wieder in den Himmel blicken und Sterne, die Milchstraße und irgendwann auch wieder schöne Polarlichter erblicken.

Gåsören

Eine der ersten Sachen, die mir aufgefallen ist, als ich April 2010 das erste Mal in Skelleftehamn gewesen bin, war eine Insel mit einem Leuchtturm drauf. Nicht irgendein Leuchtfeuer, sondern so ein richtig weiß-roter Turm. Später habe ich gehört, dass die Insel Gåsören – zu deutsch die Gänseinsel heißt.

Nachdem ich im März nur einmal um die Insel herumgekayakt bin und ich vor zweieinhalb Wochen wegen schlechten Wetters umgekehrt bin, habe ich es heute endlich geschafft, mir die Insel mal anzuschauen. Und – was soll ich sagen – die Insel gefällt nicht nur mir, sondern auch so manch anderem, der entweder mit dem Boot oder dem Wasserskooter den kleinen Hafen ansteuert, um eine Pause zu machen.

Der Leuchtturm (1921 erbaut) ist winzig, aber doch immer noch um einiges höher als die Leuchtkuppel auf dem alten „Fyrhus“ von 1881. Sonst gibt es auf der Insel zwei(?) private Stugas, das alte Lotsenhaus, ein paar Schuppen, ein Dass (das ist das schwedische Wort für Außentoilette) und – eine Sauna. Die Sauna darf wohl jeder einfach benutzen und da genug Treibholz an den Kiesstränden der Insel herumliegt ist auch das Befeuern des Ofens kein Problem.

Ich habe allerdings lieber in der warmen Augustsonne mir in Ruhe die Insel angeschaut, ehe ich mich wieder ins Kayak gesetzt und den Heimweg angetreten habe. Hoffentlich werde ich nicht ins Gefängnis geworfen, denn laut dem Schild auf dem letzten Foto ist das Fotografieren nach einem Gesetz vom 17. Mai 1940 verboten.


Gut übrigens, dass die Augustsonne so warm war, denn ich habe heute auch gebadet. Vom Kajak aus. Mit Klamotten.

Was ist passiert? Auf dem Weg zur Insel Gåsören habe ich zwei Zwischenstopps eingelegt, unter anderem auf der Insel Flottgrundet, auf der ich vor einigen Wochen zu Besuch war. Als ich an dem flachen Steinufer wieder ins Kajak gestiegen bin, habe ich mal eine andere Art probiert, wieder ins Kajak zu kommen. Daraufhin hat mich dieses kurzerhand abgeworfen wie ein Gaul seinen Reitschüler und ich saß im Wasser. Das war zwar nur ein paar handbreit tief, aber das reicht nicht nur zum nass werden, sondern auch dazu, ein Kajak sekundenschnell mit erstaunlichen Mengen Wasser zu füllen. Während ich das Kajak leergeschöpft habe, fing aber die Kleidung schon wieder an, in der Sommersonne zu trocknen und so habe ich die Ersatzkleidung in ihrem wasserdichten Packsack gelassen und bin einfach so, wie ich war, weitergefahren. Und außerdem: Nicht nur die Paddelbewegung, auch eine Schwimmweste wärmt.

Gegenvorschlag angenommen

Über das Pläne machen und Pläne ändern

Bei der Busrückfahrt nach der Arbeit erzählte ich dem Kollegen, der neben mir saß, dass ich den Abend arbeiten müsste. Ich muss morgen etwas fertig haben, um den Projektzeitplan nicht zu gefährden und habe mir vorgenommen, zu Hause direkt weiter zu arbeiten. Einige Minuten später bekam ich eine SMS.

Paddling i kväll? /Tobbe

– zu deutsch „Heute Abend paddeln?“. Etwa drei Zehntelsekunden später habe ich meinen Plan geändert und

Gärna. Jag är hemma i 30 minuter.

– „Gerne, ich bin in 30 Minuten zu Hause“ zurückgeschrieben. So viel zu meinem Plan.

Ich habe mich dann mit Tobbe getroffen, wir haben zwei Kajaks auf seinem Auto festgezurrt und sind zum nahen Harrbäckssand gefahren. Dort haben wir die Kajaks ins Wasser gelassen und bei Sonnenschein eine herrliche Kajakrunde auf der überraschend welligen Ostsee gemacht und dabei die Insel Björkskär und Djupskäret umrundet. Deswegen gibt es auch kaum Fotos, da ich mich bei den Wellen nicht getraut habe, meine Spiegelreflexkamera herauszunehmen. Tobbe hingegen hat eine kleine wasserdichte Kamera und so bin ich auch mal ganz auf einem Foto zu sehen – auch mal schön.

Es hat einen riesigen Spaß gemacht, sich in den Wellen auf- und abschaukeln zu lassen. Bloß in die Brandung bin ich nicht reingefahren, da ich zum Gegensatz zu Tobbe keinen Spritzschutz hatte (denn zwischen meinen Knien liegt wasserdicht verpackt die Kamera).

Allerdings hat mich eine kleine, miese Brandungswelle ganz zum Schluss doch noch erwischt, weil ich im flachen, ufernahen Wasser nicht schnell gegensteuern konnte. Platsch!

Ich liebe ja schon das Kajak fahren, wenn ich alleine unterwegs bin, aber mit einem Freund macht das noch viel mehr Spaß.


„Tack för idag, Tobbe“ – Danke für heute.

Nächste Woche wollen wir wieder paddeln, wenn das Wetter es zulässt.

Aber jetzt wird gearbeitet!

Mit dem Zug nach Bastuträsk

Heute habe ich den 7:40-Zug nach Bastuträsk genommen. Um halb acht war ich an dem kleinen Bahnhof in Skelleftehamn, der Zug stand schon da. Wie ich schon erwartet habe, waren wenige Leute da, um den Frühzug zu erwischen, die meisten nehmen wohl eine der späteren Verbindungen. Prompt steuerte ich eines der noch leeren Erster-Klasse-Abteile an und setzte mich auf die weichgepolsterte, sofagleiche Bank ans Fenster. Und schon fuhr der Zug ab.

Bald schon hatte man Blick auf die Brücke nach Örviken und später auf den Fluss Skellefteälven. Nur eine Viertelstunde später kamen wir in Skellefteå an. Mit keinem anderen Verkehrsmittel ist man so schnell und umweltfreundlich in der Stadt.

Dort standen auch schon Passagiere am Bahnhof und warteten darauf, dass sich die Türen öffnen. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter, nun mit kurzem Zwischenhalt in Medle nach Bastuträsk, wo man Anschluss an die Bahn Göteborg – Stockholm – Kiruna – Narvik hat, allerdings nicht um diese Zeit. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde waren wir da.

Spätestens jetzt wird sich meine Leserschaft gespalten haben. Während manche sich fragen, warum ich über irgendsoeine Zugfahrt einen Blogartikel schreibe, fragen sich andere vielleicht, ob ich nur geträumt habe und die Bilder aus dem Internet geklaut.

Lasst mich erklären. Ich bin heute wirklich Zug gefahren. Diese Strecke wurde allerdings schon 1990 stillgelegt und bis heute nicht wieder aufgenommen. Gestern allerdings war das große Jubiläum: 100 Jahre Skelleftebahn und deswegen fahren das ganze Wochenende Züge. Gerade jetzt ist wohl der letzte Zug eingefahren, das Zugsignal hört man bis hier.

Ich finde es nicht nur bedauerlich, sondern ein großes Manko, dass diese Strecke nicht mehr betrieben wird. Nicht nur wegen der Umweltfreundlichkeit und der Zeitersparnis, sondern auch, weil Bahnfahren Kultur ist. Hier sitzt man sich gegenüber, kommt ins Gespräch, Kinder klettern auf den Sitzen umher, Erwachsene holen sich einen Kaffee und eine Kanelbulle aus dem Restaurantwagen. Im Bus hingegen ist es langweilig, man schaut stur geradeaus oder spielt mit seinem Handy. Über das Auto gar nicht zu reden.

Liebe Investoren. Ich weiß, dass ihr mein Blog nicht lest, aber: Ich wette, die Strecke lässt sich gewinnbringend betreiben und wäre ein echter Gewinn für die Region. Das ist Eure Chance: Kohle machen und gut sein gleichzeitig! Wie wärs, wer will?

Wo war ich? Ach ja – immmer noch in Bastuträsk. Da bin ich aber nicht geblieben, sondern gleich wieder zurückgefahren. Wenn der Zug stand, habe ich Fotos von den herrlich alten Armaturen, Lampen, Aufhängern gemacht. Der zugehörige Waggon stammt aus dem Jahre 1942.

Draußen wurde die Landschaft an einem vorbeigezogen, vor allem die Fahrtabschnitte am und über dem Fluss fand ich schön.

Bald war ich schon wieder am Bahnhof in Skelleftehamn, bin dort aber nicht ausgestiegen, weil ich noch bis zur Endhaltestelle am Hafen gefahren bin. Und da war Tag der offenen Tür. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Zwei Fotos sind noch übrig, Welche? Ach ja …

Eisbrecher

Es ist Sommer und T-Shirtwetter. Dennoch habt Ihr richtig gelesen, nicht vom Eisbecher, sondern von Eisbrechern soll die Rede sein.

… ich war gerade von meiner Zugfahrt nach Bastuträsk am Hafen Skelleftehamn angekommen. Normalerweise darf man gar nicht das Gelände betreten, da dieser Hafen rein gewerblich genutzt wird. Es sei denn, es ist Tag der offenen Tür, so wie heute.

Staunend stand ich unter dem großen Kran und wurde dort direkt von einem Kranführer angesprochen. Ich könne gerne die Treppen hoch, um dort zu fotografieren. Ich muss schon sagen, auch wenn das kein Job für mich wäre, die Sicht ist schon schön, selbst wenn die Kabine nur in 14 Meter Höhe ist.

Von oben erspähte ich auch schon mein nächstes Ziel, das kleine Schiff „Baus“. Das wird wohl der Eisbrecher sein, von dem ein Kollege gestern erwähnt hatte, er sei am Wochenende zu besichtigen. Und richtig – im Winter hält das Schiff Baus hier die Fahrrinne frei. Auf der Brücke bin ich mit einem der Kapitäne ins Gespräch gekommen und habe angefragt, ob man im Winter wohl einmal mitfahren könne. Kein Problem, kam als Antwort und zwei Minuten später hatte ich Namen und Handynummer. Ich solle mich einfach melden. Toll – hoffentlich klappt das!

Nachdem ich meine Nase und Kamera in jede Ecke des Schiffes gesteckt habe, bin ich weiter gegangen. Weiter hinten lag noch ein ziemlich großer Pott vor Anker, den wollte ich mir auch noch gerne anschauen.

Was für ein Unterschied zur gemütlichen Baus. Durch das Schiff war ein Parcour mit Pfeilen und Absperrungen gelegt und man sah nur einen kleinen Teil. Dennoch bekam man ein Gefühl für die Größe der „Ymer“, ebenfalls ein Eisbrecher, Baujahr 1977. Alleine die Brücke war riesig.

Im Gegensatz zu der lokal in Skelleftehamn eingesetzten Baus wird die Ymer in ganz Schweden und teilweise in Finnland eingesetzt. Sie hat im Winter 20-30 Mann Besatzung und ist oft zwei Wochen am Stück auf dem Meer. Selbst bei 80 cm festem Eis fährt sie noch 8 Knoten, das sind etwa 15 km/h. Nach einem Besuch im Maschinenraum bin ich von Bord gegangen und zum Bahnhof zurückgelaufen, denn dort stand immer noch mein Fahrrad.

Die Woche

Ich komme aus einem langen Meeting mit viel Mathematik und wenig Sauerstoff bei 35 °C Raumtemperatur. Mein Kopf qualmt immer noch von der Hitze und linearen Regression über kumulierten Wertetupeln, deswegen gibt es heute einen Blogartikel zum selber machen. Mehr nicht. Bitte schön:

Bei Sommerwärme und blauem Himmel draußen essen ·:· einige letzte Moltebeeren finden und am gleichen Tag mit Eis verputzen ·:· einen Tag in Skelleftehamn arbeiten, mit einem Kollegen Doku schreiben und eine mehrstündige Mittagspause machen ·:· mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, auf dem Rückweg beim Kanuverein den Kids beim Training zuschauen und dann selbst ein bisschen Kajak fahren ·:· selbstgesammelte Himbeeren mit A-Fil essen ·:· In der Ostsee und nach dem Kajak fahren baden und es gar nicht so kalt finden ·:· auf dem Bürodach sitzen und zum Eis eingeladen sein ·:· Den Jugendlichen zuschauen, die sich in leeren Planschbecken sitzend auf dem Skellefteälven flussabwärts treiben lassen ·:· erstaunt feststellen, dass es um halb zehn schon ganz schön dämmerig ist

So geht’s:
Schneide die Textbausteine und die Fotos aus. Bringe die Textbausteine in eine Reihenfolge. Fasse den Inhalt der Textbausteine mit Deinen eigenen Worten zusammen. Füge die Fotos in den Text ein. Fertig ist der Blogartikel.

Zusatzrätsel für Fotografen:
Zwei Bilder habe ich mit der Nikon D300, zwei mit dem iPhone gemacht. Welche?

Kurz mal nach Bureå

Nach einem Regensamstag klarte der Himmel heute am Sonntag wieder auf und nur einige weiße Wattewolken schwebten über den blauen Himmel. Das allerdings mit Tempo, denn es war ganz schön windig und gleichzeitig im Gegensatz zum heißen Deutschland (Saarbrücken: 38.5 °C!) mit knapp 15 °C erfrischend kühl.

Heute Nachmittag habe ich mich kurz noch mal ins Auto gesetzt und bin in das nahe Bureå gefahren. Schon als ich die Fahrertür aufgemacht habe, konnte ich die Meeresbrandung hören. Und wenig später konnte ich auch sehen, wie der frische Wind die Wellen in die flache Sandbucht drückte, wo sie dann ruhig ausliefen. Außer zwei Surfern, die gerade ihr Equipment auf das Autodach verluden, war der öffentliche Strand menschenleer.

Der Strand ist eigentlich ganz schön, aber vermutlich so flach, dass man ewig laufen muss, bis man mal in schwimmtiefes Wasser kommt. Deswegen habe ich die Badehose im Auto gelassen und bin um die Bucht herum nach Landskär gefahren. Dort bin ich schon einmal Anfang Mai mit meinem Bruder gelaufen und ich musste wieder feststellen, dass das hügelige Gelände dort seinen Reiz hat. Ich mag sowohl diese Felder mit seinen flechtenbewachsenen runden Steinen als auch die vom Gletscher abgeschmirgelten Felsen.

Ich habe mir fest vorgenommen, noch einmal hierher zu kommen, am liebsten in der Dämmerung. Heute hatte ich aber noch etwas anderes vor, was mal so gar nicht mit Schweden, Natur und meinen sonstigen Passionen zu tun hat: In Skelleftehamn lief der Film „Madagaskar 3“ und den wollte ich mir gerne anschauen. Obwohl – das hatte doch etwas mit Schweden zu tun: Während selbst Filme für Jugendliche grundsätzlich im O-Ton mit schwedischen Untertiteln gezeigt werden, wurde dieser an Kinder gerichtete Film synchronisiert. Ich hatte böse Mühe, das Schwedisch zu verstehen, denn natürlich haben alle Tiere irgendwelche besonders überzeichneten Stimmen, die mich vor unerwartete Probleme stellten. Bei den ersten drei Sätzen dachte ich noch, der Film wäre auf Französisch!

Rosen

Die Rosen in meinem Garten haben wirkliches Glück, dass sie so selbständig sind. Sie haben mich mit dem Hauskauf als neuen Gärtner bekommen und ich kümmere mich wirklich nicht um sie. (Immerhin hat mir meine Mutter letztes Jahr gezeigt, wie man Rosen beschneidet.)

Heute morgen schwankte so manche Blüte wie ein begossener Pudel am Stengel, denn es hat fast die ganze Nacht geregnet. In ein paar Tagen werden diese Blütenblätter wohl abgefallen sein. Aber es gibt noch viele Knospen, dass ich wohl auch noch im September etwas von meinen tapferen Rosen haben werde.

Mond · Fern · Polar

Was haben die drei Worte Mond, Fern und Polar gemeinsam? Man kann -licht an sie dranhängen.

Heute ging mein zehntägiger Urlaub in Solberget und Narvik zu Ende. Doch dazu die nächsten Tage mehr.

Mondlicht hatte ich heute bei der fast neunstündigen Rückfahrt im Zug, als es irgendwo so bei Gällivare langsam dunkel wurde.

Fernlicht habe ich gebraucht, um mit dem Auto von Bastuträsk nach Hause zu fahren, denn als ich gegen halb zwölf ankam, war der Himmel bis auf das Mondlicht stockfinster. Die Zeit der hellen Nächte liegt viele Wochen zurück.

Polarlicht überzog den halben Himmel und strahlte mit dem Mond um die Wette. Ersteres grünlich, der Mond warmgelb.

Davon ließen sich die Nebelschwaden inspirieren, sie waberten um mein Auto herum. Zum Schluss trug der Nebel es allerdings etwas zu dick auf und verwandelte größere Teile der Stecke in eine dicke Suppe. Das führte dazu, dass ich unfreiwillig einen anderen Rückweg genommen habe als geplant. Aber schlechter war der auch nicht. Ab und zu lichtete sich der Nebel und gab den Blick wieder auf die Polarlichter frei, so zum Schluss auch an dem kleinen Bootshafen in Skelleftehamn, an dem ich manchmal mein Kajak einsetze.

Das ist übrigens das zweite Polarlicht diese Saison. Das erste habe ich vor einer Woche auf Solberget gesehen. Doch dazu – wie schon gesagt – die nächsten Tage mehr, denn jetzt ist es zwei Uhr nachts, ich bin müde von der langen Rückreise und morgen muss ich direkt wieder arbeiten. Im Laufe der Woche könnt Ihr hier neue Blogartikel lesen. Über ein zehnjähriges Jubiläum, eine sehr nasse Wanderung und über die norwegische Landschaft. Und vielleicht gibt es auch noch ein Polarlichtfoto.

10 Jahre Solberget

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Artikel über Solberget.

Am Samstag sollte das große Fest steigen: Dirk betreibt seit zehn Jahren das Wildnisdorf Solberget! Seitdem ich im Februar 2005 dort zum ersten Mal zu Gast war, bin ich dort immer wieder gewesen, meist im Winter. Erst, weil mir Solberget und Umgebung so gut gefallen haben, dann immer mehr, weil ich dort immer viele nette Leute kennenlerne oder wiedertreffe.

Und so war es auch dieses Mal. So manch anderer Freund und Bekannter hat das Jubiläum zum Anlass genommen, Solberget einen Besuch abzustatten, und so standen die Tage mehr im Zeichen des Zusammenseins als des einsam Durch-die-Natur-Streifens. Obwohl, nicht nur …

Solberget heißt auf deutsch „Der Sonnenberg“. Und zum Hof gibt es nebenan den entsprechenden Berg – mit wunderschönem altem Baumbestand – gleich mit dazu. Am Freitag habe ich mich einige Stunden nach der Ankunft mit zwei Freunden auf den kurzen Weg zum Gipfel gemacht. Gipfel ist vielleicht ein bisschen übertrieben, denn der Weg ist flach, aber oben steht ein alter Feuerwachturm, den man besteigen kann. Dort hatten wir weite Aussicht auf die hügeligen Wälder, die mit kleinen Seen durchsetzten Moorflächen und auf den Sonnenuntergang.

Der nächste Tag – der Tag des Jubiläums – war den Vorbereitungen gewidmet: Es wurden Kuchen gebacken, Tische und Stühle herausgestellt, Schilder geschrieben und Trinkwasser von der Quelle geholt, ehe mittags das Fest begann. Ein ganzes Rentier am Spieß wurde gebraten, um die Gäste am Abend zu verköstigen, denn auch viele Menschen aus dem 20 Kilometer entfernten Nattavaara haben die Gelegenheit genutzt, sich den Hof anzuschauen, Fika (Kaffeepause) zu halten und sich kreuz und quer zu unterhalten.

Wir waren währenddessen nicht untätig. Manche haben in heavy rotation gespült oder sind in die Rolle des Parkplatzkoordinators geschlüpft, während ich die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen habe, den Gummistiefelweitwurfwettbewerb durchzuführen. Nach den Testwürfen musste ich mich erst einmal mit Kuchen stärken.

Am Nachmittag wurde es langsam ruhiger. B. hat wunderschön auf dem Akkordeon gespielt und dazu gesungen und ich habe meinen Flügel sehr vermisst. Ich hätte gerne richtig mitmusiziert, so konnte ich nur ein bisschen mitsingen. Später hat Daniel Wikslund aus Tjautjasjaure auf seiner Geige gespielt und gesungen. Er ist sowohl ein hervorragender Musiker als auch ein erfahrener Entertainer. Einige von uns haben mitmusiziert, ich auf der Gitarre, obwohl ich das nicht wirklich kann. Später wurde es dämmrig und über dem dunkelblauen Himmel über Solberget – ja, es war den ganzen Tag warm und sonnig – zeigte sich das erste Polarlicht. Welch schöner Abschluss für ein gelungenes Jubiläum. (Andere haben noch stundenlang Disko gemacht, aber mit Tanzen habe ich es nicht so und ich bin ja auch eher Frühaufsteher.)

Einige Fotos vom Fest auf Facebook

Der nächste Tag: Da ich recht früh im Bett war, war ich auch früh wieder auf. Selbst die Familien mit Kindern haben noch geschlafen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, in den Bach „Myllyjoki“ zu steigen und dort Fotos zu machen. (Vielleicht heißt der Bach auch Njåmmelkietj-Jåkkå, aber das macht das Aussprechen auch nicht gerade einfacher …) Das letzte Foto zeigt nicht den Bach, sondern die Quelle, aus der Solberget sein Trinkwasser bezieht.

Nach und nach tauchten alle wieder auf, das Frühstück ging in das Mittagessen über, Kuchen war auch noch da und alle ließen es ruhig angehen. Manche gemütlich und warm eingepackt beim Lesen, andere beim Kubb spielen.

Weil ich weiß, dass Cat-Content heutzutage wichtig ist, ist dieses Mal auch ein Katzenbild dabei. Sesam, der heimliche Besitzer des Hofes und meistfotografierte Kater der Welt schaute mich verwundert an, als ich mit nasser Wathose bekleidet aus dem Myllyjoki stieg, um wieder in Richtung Hof zu gehen.

Am Sonntag Nachmittag wurde es ein bisschen trüber und es fielen einige Regentropfen. Das war aber nichts im Vergleich zum nächsten Tag, wo ich eine der nassesten Wanderungen meines Lebens unternommen habe.

Nasser geht’s nicht

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Regen. Pladderregen. kalter, fieser Pladderregen. So empfing uns der Montag, zwei Tage nach dem Fest auf Solberget. Doch ich hatte schon eine Tour im Hinterkopf. Angefangen hatte die Idee mit Sandras Hinweis, auf der topografischen Karte sei ein Pfad über das Moor eingezeichnet. Moor finde ich immer spannend, und die Aussicht, auch im Sommer zum Hof Tiurevaara zu laufen, zu dem ich im Winter 2006 mal mit Skiern unterwegs war, verlockte mich. Und der Regen – nun, nass wird’s im Moor wahrscheinlich ohnehin.

Bald waren ich, Kamera und Handy wasserdicht verpackt und ich bin losgelaufen. Anfangs führte ein klar erkennbarer Weg durch den Wald. Der erste Graben ließ sich mit einem großen Schritt überqueren und mit ein bisschen Handynavigation habe ich nach knapp zwei Kilometern die Stelle gefunden, wo der Weg ins Moor führen soll. Zuerst sah ich nur eines der roten Holzkreuze, mit denen in Schweden typischerweise die Winterwege markiert sind. Dann dann sah ich einige vermoderte Bohlen, die geradeaus ins Moor führten. Der Weg schien irgendwo im Nichts zu enden. Na gut – dann mal los, umkehren kann ich immer noch.

Ich habe nur Handyfotos durch die wasserdichte Hülle geschossen, die große Kamera wäre mir wahrscheinlich bei diesem Regen abgesoffen.

Bei der Überquerung des Baches auf dem unter der Wasser liegenden Bohle war Balancieren angesagt, denn wie tief das Wasser war, ließ sich nicht erkennen und auch die Wathose, die ich anhatte geht „nur“ bis zur Brust. Aber hier kam ich noch bequem rüber. Danach glich die Wanderung mehr einem Suchspiel. Wo ist die nächste Bohle? Teile waren unter Wasser, auf manchen wuchs schon Sumpfgras und Sonnentau und manche lagen einen halben Meter daneben. Bei manchem Fehltritt oder Ausrutscher landete ich tief im Matsch, wie praktisch, dass immer eine Bohle in der Nähe ist, obwohl auch sonst das Freikommen leichter ist als oft hin angenommen.

Auch im Wald lag der Pfad manchmal unter Wasser und die Markierungen wurden immer spärlicher, bis der Weg zum Schluss im Nichts verschwand. Aber im Wald ist das ja nicht so wild. Mit dem iPhone ist es sehr bequem zu navigieren, wenn man Netz hat und so waren auch die zweite und dritte Sumpfstelle schnell gefunden. Dort lagen keine Bohlen, aber der Boden war trittfest. Und das Schöne: Ich konnte mich auf dem ganzen Weg an Blau- und Moltebeeren sattessen.

Nach etwa sechs Kilometer waten, wandern und Wege suchen habe ich den Hof Tiurevaara gefunden. Während das Haupthaus noch in Gebrauch ist und sogar über ein Thermometer verfügt (5 °C – brrr!), ist manches Nebengebäude völlig verfallen und die Natur erobert sich das Gelände wieder zurück. Unter dem Vordach habe ich eine Pause gemacht und ein bisschen Schokolade gegessen. Während das Handy trocken geblieben ist, war ich selbst am ganzen Körper klatschnass. Deswegen habe ich mich bald auf den Rückweg gemacht.

Auf dem Rückweg musste ich mehr mit Kompass und (nasser) Karte navigieren, da der Ladezustand meines iPhones schon nach drei Stunden von 98% auf „Ich schalte mich jetzt aus“ abgesunken war. GPS + Internet (Kartendarstellung) + Fotografieren ist für so ein Schönwettersmartphone einfach zu viel. Aber egal, man kommt auch ohne nach Hause. (Und zugegeben, ein „normales“ GPS hatte ich auch noch mit dabei.)

Für ein letztes Foto ließ sich das Handy sogar noch einmal wieder anschalten: Diese schöne Kaffeekanne habe ich schon auf dem Hinweg bewundert und jetzt signalisierte sie mir, dass Solberget nicht mehr weit ist.

In der gemütlichen Holzfällerhütte habe ich mich umgezogen, ein Feuer gemacht, alles, was unterwegs mit war, zum Trocknen aufgehängt. Inklusive Karte und Rucksack.

Teilweise mögen Schweiß und Kondenswasser dafür gesorgt haben, dass ich so klatschnass war. Teilweise lief mir das Wasser aber auch einfach am Kinn unter die Jacke oder in die Jackenärmel, wenn der Unterarm mal eine zehntel Sekunde nach oben oder in Richtung Wind zeigte. (Auch supertoll-konstruierte Outdoorjacken haben ihre Grenzen.) Die Wathose hätte ich mir also echt sparen können, zumal ich mir bei der Wanderung auch das Knie etwas aufgescheuert habe. Einen Vorteil hatte das „Overdressing“ aber: Die meisten Sachen blieben sauber.

1000 Kommentare

Vor einigen Minuten habe ich den 1000. Kommentar in meinem Blog bekommen (meine eigenen nicht mitgezählt)!

Ich freue mich riesig über dieses „Jubiläum“, welches Ihr, die Leser möglich gemacht habt und bin schon gespannt auf Eure nächsten tausend Kommentare.

/Olaf

Besuch in Narvik – Teil 1

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Nach dem schönen Jubiläumsfest in Solberget habe ich mich nach Nattavaara zum Bahnhof bringen lassen und bin mit dem Zug nach Narvik gefahren, wo ich Elisabet, eine Freundin besuchen wollte.

Die vierstündige Bahnfahrt ist wirklich sehenswert: Man fährt erst durch Wald und Moor, dann hat man immer mehr Blick auf die Bergwelt und auf den Torneträsk, den siebtgrößten See Schwedens. In Abisko steigen die meisten rucksackbepackten und gutbestiefelten Reisenden aus, denn hier beginnt neben einigen anderen Wegen auch der Kungsleden, der wohl bekannteste Wanderweg Skandinaviens. Einige kleine Bahnhöfe weiter hält man in „Riksgränsen“, der Landesgrenze. Und dann ist man auch schon in Norwegen und hat bald Blick auf den ersten Fjord.

Kurz gesagt finde ich, dass Narvik eine der hässlichsten norwegischen Städte ist, die ich kenne, mit einer der schönsten Umgebungen, die ich kenne. Was für ein Kontrast! Wenn man klug ist, lässt man bei den Norwegern allerdings nichts über die Hässlichkeit Narviks verlauten, schließlich war es die deutsche Wehrmacht, die 1940 fast die ganze Stadt zerstört hat. Aber wenn man nur ein bisschen das Zentrum verlässt oder das Abendlicht die Stadt illuminiert, gefällt mir auch Narvik wieder ganz gut.

Auf den Reinnes

Elisabet hat sich zwei Tage freigenommen und so konnten wir zwei schöne gemeinsame Touren unternehmen. Am Donnerstag führte uns der Weg auf das Reinnesfjellet bei Elvegård. Der Weg dauerte länger als ich vermutet hatte, aber das ist kein Wunder, denn die Wege in Norwegens Norden führen selten geradeaus, sondern winden sich durch die von tiefen Fjorden und hohen Bergen geformten Landschaft. (Über die Verkehrsschilder „Kurvenreiche Strecke“ musste ich lachen, da reicht eigentlich ein Schild für ganz Nordnorwegen.)

Ganz auf den Gipfel haben wir es nicht geschafft, zum einen war das Gelände recht steil und nur eine große Steinfläche, zum anderen war es sehr stürmisch. Aber weiter unten war es ohnehin leichter, eine windgeschützte Stelle für unsere Mittagspause zu finden. Und die Aussicht war dort auch grandios. Bloß um den Gletscher Frostisen zu sehen, mussten wir aufstehen.

Auf dem Rückweg sind wir noch einige Kieswege gefahren. Es gibt wohl kaum ein Tal dort, wo nicht irgendwo ein kleines Wasserkraftwerk ist. Und zu Wasserkraftwerken gehören Stromleitungen und ein Kiesweg dorthin. Manche Wege führen viele Kilometer durch die karge Berglandschaft, einige davon bis nach Schweden.

Nach Harstad

Für den nächsten Tag war in Narvik Dauerregen vorhergesagt. Genau wie für Tromsø, für Abisko, für Bodø. Elisabet mutmaßte, dass weiter westlich in Richtung Atlantik das Wetter besser sein könnte. Als Ziel haben wir uns die Stadt Harstad auf der Insel Hinnøya ausgesucht. Und tatsächlich, auf der Autofahrt hörte der Regen auf und irgendwann kam sogar die Sonne heraus.

Ich finde, dass Harstad das ziemliche Gegenteil von Narvik ist. Hier habe ich mich sofort wohlgefühlt. Der Blick auf den Hafen, die Fußgängerzone mit verschiedenen Geschäften und das ganze Flair haben mir gut gefallen. Und – kann eine Stadt mit eigenem Kajakgeschäft schlecht sein?

Nach einem Mittagessen (Chili con Carne für 99 Kronen, also 13,50 Euro fand ich überraschend günstig für Norwegen) sind wir in den Nordwesten der Insel weitergefahren, um eine kleine Wandertour auf den Keipen zu machen. Es war nicht einfach, nach der Beschreibung in der Werbebroschüre den Weg dorthin zu finden, da diese es mit links—rechts oder erster See—dritter See nicht ganz so genau nahm. Aber wir hatten Glück (und GPS) und haben den Weganfang gefunden.

Über ein kleines Moor führte ein Weg erst durch einen Birkenhain, dann über das baumlose Fjell an einem See vorbei auf den überraschend nahen Gipfel, der dort steil in den Kasfjorden abfällt. So hat man dort wunderschöne Blicke über Fjell und Fjord.

Der Rückweg nach Narvik hat lange gedauert, auch weil ich uns durch Nebenstrecken gelotst habe. (Wunderschön!) Außerdem habe ich eine kleine Muschelsammelpause an einer großen Sandbucht gemacht. Ein Paradies für Sammler: 10 Zentimeter große Island- und Kammmuscheln liegen dort zuhauf herum. Dort hätte ich Stunden zubringen können. Gegen halb elf waren wir wieder in Narvik. Und im Regen.

Besuch in Narvik – Teil 2

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Heute am Samstag musste Elisabet, mit der ich die letzten zwei Tage schöne Touren in Narviks Umgebung unternommen hab, arbeiten und so habe ich mich bei sonnigem Wetter alleine auf den Weg gemacht.

Zuerst war ich an zwei benachbarten Buchten, die sich gut zu Fuß erreichen ließen. Die erste Bucht Taraldsvika war steinig und extrem schlickig, hatte aber ihre Reize mit dem kleinen Flüsschen Taraldsvikelva, dass dort in den Fjord mündet.

Die zweite Bucht war das genaue Gegenteil. Hier gab es Sandstrand und sogar einen Sprungturm, der allerdings gefühlt 50 Meter hoch war. Im flachen Wasser tummelten sich Einsiedlerkrebse und man musste aufpassen, dass man nicht auf einen der Seeigel trat.

Ich habe dann in der Wohnung gefrühstückt und die Gummi- gegen die Wanderstiefel gewechselt, da ich mit der Seilbahn auf den Fagernestoppen, den „Hausberg“ Narviks fahren wollte. Dort war aber schon eine halbe Stunde vor der ersten Fahrt so viel los, dass ich die Lust aufs Warten verloren habe und stattdessen lieber selbst gewandert bin, allerdings in Richtung Rombakstøtta, einen imposanten Gipfel, der sich schroff von seinen Nachbarn abhebt. Das war eine gute Wahl, auch wenn ich nicht sehr weit gekommen bin. Am Forsnesvatnet, einem Gebirgssee habe ich Pause gemacht. Nach kurzer Rast bin ich wieder abgestiegen. Wenn ich das nächste Mal dort sein sollte, laufe ich aber weiter.

Auf dem Rückweg hatte ich noch eine Begegnung der dritten Art: Eine große Spinne, von einer anderen Familie auf dem Weg gefunden. Sie war zwar etwas unwillig, sich fotografieren lassen, aber zwei Schnappschüsse zeige ich doch. (Kaum eine Wandertour, bei der ich ohne dreckige Hosen nach Hause komme.)


Am nächsten Tag haben Elisabet und ich die Fahrt auf den Hausberg nachgeholt. Das war zwar ein etwas eiliges Unterfangen, da die erste Seilbahn um zwölf geht und um halb drei schon mein Zug fuhr, doch es hat alles gut geklappt. Erst fährt man mit der Seilbahn auf die Bergstation. Dort ist auch ein Restaurant. Nach kurzem Weg führt ein Sessellift fast bis auf den ersten Gipfel, wo wir in einer windgeschützten Mulde allen Proviant aufgegessen haben. Und die Aussicht auf Stadt, Fjell, Berge, Gletscher und Wälder bewundert. Wahrscheinlich ist es völlig egal, wohin man mit der Kamera zielt, es sieht überall schön aus. Oder man trifft einen Strommasten. Viel zu früh mussten wir aufbrechen und wieder mit Sessellift und Seilbahn hinabfahren.

Dann ging alles ganz schnell. Elisabet hat mich zum Bahnhof gebracht und ist direkt zur Arbeit weitergefahren. Eine Viertelstunde später setzte sich der Zug in Bewegung und brachte mich in achteinhalb langen Stunden nach Bastuträsk, wo ich müde, aber sehr zufrieden über meine Reise mich ins Auto gesetzt habe und nach Hause gefahren bin.

Liebe Elisabet, danke für Deine Gastfreundschaft und die schöne gemeinsame Zeit.