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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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In Deutschland – I

Das Erste, was mir nach der Landung in Düsseldorf auffiel: Alle sprechen deutsch. Das ist nicht wirklich verwunderlich. Was ich aber wirklich vergessen hatte, ist dass man sich siezt. Das war mir völlig entfallen. „Frau Soundso, könnten Sie bitte …“. Das nächste: Eine Etage eines Parkhauses am Flughafen: Da könnten wahrscheinlich ganze schwedische Kommunen bequem drin wohnen, so riesig ist die Fläche. Und natürlich voll mit Autos, Autos, Autos.

Apopros Sprache: Kurz nach dem Ankommen habe ich eine schwedische E-Mail gelesen und dazu zu Stefan, dem Bassisten, etwas gesagt. Drei Sätze und seinen irritierten Blick hat es gebraucht, bis ich gemerkt habe, dass ich Schwedisch spreche. Das ist mir vorher auch noch nie passiert.

Das erste Konzert in Recklinghausen war im Trio mit Sheila Jordan, Stefan Werni und mir. Die Recklinghauser Altstadtschmiede war rappeldickevoll und Sheila hat es wieder einmal phantastisch verstanden, alle Zuhörer von der ersten Note an in ihren Bann zu ziehen. Ein bisschen weniger erfreulich fand ich persönlich die Jazzsession danach. So viele Musiker auf der Bühne, die eigentlich wissen, wie man das Instrument spielt und wie Jazz funktioniert, aber völlig aneinander vorbei reden, nicht zuhören und teilweise auch nichts zu sagen haben. Manches scheint sich nie zu ändern – schade!

Natürlich weiß ich noch, dass es Autobahnen in NRW gibt. Viele Autobahnen. Und Autos. Und Staus. Viele Staus. Was ich lustigerweise vergessen habe, sind die Verkehrsnachrichten. Und das gespannte Zuhören mit dem entspanntem Zurücklehnen danach, wenn kein Stau auf der eigenen Strecke vorhergesagt wurde.

Unser zweites Konzert war in der Christuskirche in Köln-Dellbrück. Ein schönes Konzert, dieses Mal zusätzlich mit Sabine Kühlich (Gesang) und Klaus Osterloh (Trompete und Flügelhorn), auch wenn die Kirchenakustik mit den sehr seltsamen Delays das Spielen nicht gerade einfach gemacht hat. Statt der Kirche ein Foto von dem kleinen Eckkiosk, an dem wir beim Weg vom Restaurant vorbeigekommen sind.

Nach dem Konzert bin ich mit Freunden nach Hause gefahren und wir haben den ganzen Sonntag miteinander verbracht. Die Tour ist natürlich eine tolle Gelegenheit, Freunde wiederzutreffen. Was es mir angetan hat, war der deutsche Laubwald. Nicht nur, dass bei uns im Norden schon alles kahl ist und hier die Herbstfärbung erst beginnt, sondern vor allem die Größe, die Höhe, die Mächtigkeit der Buchen und Eichen hat mich beeindruckt. Kein Vergleich zu unseren dürren Birken, die vermutlich nicht halb so hoch wachsen.

Ein Gegensatz dazu bildeten die vielen Kohlekraftwerke, die mit ihren weißen Kühltürmen den Horizont zerschneiden und den klaren blauen Himmel mit großen Wolken füllten, aus denen es sogar ein wenig regnete. Auch imposant vielleicht, aber mir gefallen die Bäume besser.

Wir waren dann in Paffendorf. Dort gibt es ein Schloss, welches dem RWE gehört und welches einen englischen Garten mit sehr vielen alten Bäumen hat. Dort wachsen unter anderem auch Mammutbäume. Im Schloss gibt es eine Ausstellung über Braunkohnenabbau. Ich habe vergessen, wie sehr Ruhrgebiet und Rheinland mit dem Bergbau verbunden sind. Die Ausstellung zeigte unter anderem Zierbriketts, die früher zu besonderen Anlässen hergestellt und gesammelt wurden.

Gestern habe ich in Essen einen herrlichen Tag mit viel Gespräch und wenig Spaziergang (Regen!) mit einem guten Freund und alten Studienkollegen verbracht. Danach bin ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder zu Stefan nach Recklinghausen gefahren. Ich war ganz überrascht, dass alles geklappt hat, trotz mehrfachen Umsteigens von Bus in Straßenbahn, in den Regionalzug, in den nächsten Bus. Und das, obwohl der Zug auf Gleis 21 abfuhr. Und wer in Essen lebt und Zug fährt, weiß, wo das ist und nimmt für zwei Tage Proviant mit, um den Weg dorthin zu meistern.


Vermutlich hätte ich keines der Photos in Nordschweden machen können. Außer einem: Einem Konzertfoto. Und das hat Sophie gemacht, denn ich saß ja am Klavier.

Vermutlich habe ich das nordschwedische Wetter mit nach Deutschland mitgenommen. Auch in Recklinghausen hatte es morgens einige Minusgrade und in München hat es sogar Schnee gegeben. Heute wird es wieder wärmer. Hier in Deutschland und bei mir zu Hause in Skelleftehamn.

In Deutschland – II

Ich sitze im Auto, wir fahren nordwärts. Nicht nach Schweden, sondern nach Hamburg. Von heute bis Sonntag spielen wir noch vier Konzerte: Eben in Hamburg, in Düsseldorf, in Bonn und in Mannheim. Am Montag fliege ich wieder zurück nach Schweden.

Ich gehöre auch zu den Menschen, die das Jammern auf allerhöchstem Niveau kultiviert haben: Hej, ich bin in Deutschland, kann Konzerte mit Sheila Jordan und anderen tollen Musikern spielen, treffe viele Freunde und Familie und ich hatte genug Urlaub, um die drei Wochen für die Tour freizunehmen. Was will ich mehr?

Was ich will, ist nicht Mehr, sondern Weniger. Weniger Häuser, weniger Menschenmassen, weniger Autostraßen, weniger Lärm, weniger Abgasgestank. Und daher freue ich mich zwar sehr auf die kommenden vier Konzerte, aber ebenso wieder auf zu Hause.


Letzten Donnerstag war ich mit einem Freund wandern. Das ging nur, weil mit Allerheiligen ein Feiertag war und er daher frei hatte. Wald ist einfach immer herrlich und gemütlich im überdachten Hochsitz den Regenschauer abwarten (hat leider nichts genützt, es regnete weiter) hat auch etwas. Danke, U, für den schönen Tag.

Am nächsten Tag haben wir ein sehr schönes Konzert in Kall gespielt. Es gibt ein kleines Livevideo, das habe ich aber auch noch nicht angeschaut. Am Tag darauf haben wir auf einem Festival in Hürth gespielt. Während ich bis jetzt immer privat untergebracht war, habe ich jetzt das erste Mal im Hotel geschlafen. Ich mag sie nicht sonderlich, die Hotelzimmer. Für mich sind sie alle gleich: die weißen Handtücher, kleiner Fernseher, Minibar, ein meist zu weiches Bett und ein Stückchen Schokolade auf dem Kopfkissen. Aber eine schöne Aussicht hatte das Zimmer in Hürth.

Gestern war ich in Köln. Liebe Kölner, nehmt mir das Foto nicht übel, aber ich finde, Ihr habe unglaublich viele Baustellen und hässliche Leerflächen in Eurer Stadt.

Wenn ich in Köln leben würde, würde ich arm werden. Und daran wären nicht die hohen Mieten schuld, sondern zum einen die guten Fotogeschäfte und zum anderen der riesige Globetrotterladen im Zentrum.

Ab nächster Woche schreibe ich aber wieder aus Skelleftehamn. Wenn ich die Wetterprognose anschaue, werden mich wohl eher Regenpfützen erwarten als Neuschnee. Ist aber nicht wild, der Winter ist lang.

Und sonst: Auch in Deutschland sind die Bäume jetzt herbstlich, in Nordschweden schon seit Wochen kahl. · Ich mag den Schiffsverkehr auf Rhein und den Kanälen. Bei uns gibt es soviel Staustufen für die Wasserkraftwerke, dass an Schifffahrt nicht zu denken ist.

Zu Hause

Nach drei Wochen Jazztour in Deutschland bin ich wieder zu Hause. Ich bin ganz schön platt. Das Anstrengende am Musik machen ist nicht das Musik machen an sich, sondern die Autofahrten, das Warten und das Fehlen jeglichen Tagesrhythmus. Die letzten vier Tage haben wir in Hamburg, Düsseldorf, Köln und Mannheim gespielt. Dann bin ich wieder mit dem Auto nach Recklinghausen mitgefahren, um heute früh nach viereinhalb Stunden Schlaf den Regionalzug zum Flughafen Düsseldorf zu nehmen. Von dort bin ich erst nach Stockholm und dann weiter nach Skellefteå geflogen.

Als ich heute den 14:25-Flug von Stockholm nach Skellefteå genommen habe, bin ich nicht nur in den Norden, sondern auch in die Dunkelheit geflogen, denn hier geht die Sonne jetzt schon um kurz nach halb drei unter. Leider liegt kein Schnee, sondern es ist nass (und glatt). Dadurch wirkt es auch viel dunkler, als wenn der helle Schnee alles Licht reflektiert.

Wenn es nach mir ginge, läge hier jetzt mindestens ein halber Meter Schnee und die Ostsee wäre kilometerweit gefroren. Erzählt das aber bloß nicht weiter, denn wenn meine Nachbarschaft das erfährt, dann jagt sie mich womöglich davon. Hier verbindet man mit Schnee vor allem Arbeit, keine Naturromantik.

Ein freier (und ein fauler) Tag

Heute morgen war ich nach zehn Stunden Schlaf um halb acht wach. Eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang. Ich bin schnell mit dem Auto ans Meer gefahren und habe gesehen, die hinter der Insel Gåsören die Sonne aufging. Die Ostsee ist noch offen, der See Snesviken ist aber schon komplett zugefroren.

Den kurzen Tag habe ich mit Aufräumen, Essen, Einkaufen und noch einmal Schlafen zugebracht. Um halb drei ist die Sonne untergegangen. Ich muss mich wieder daran gewöhnen, nachmittags aus dem Haus zu gehen und es ist stockfinster.

Ich war bei meinen Nachbarn gegenüber, die während meiner Abwesenheit auf mein Haus aufgepasst haben, um mich zu bedanken. Sie haben erzählt, dass hier schon eine Woche lang Schnee lag, es dann aber wieder wärmer wurde und regnete.

Sie haben außerdem erzählt, dass sie Besuch aus dem Wald hatten: Eine Elchkuh war mit zwei Kälbern erst auf dem Nachbargrundstück und dann auf ihrem und hat die Apfelbäume leergefressen. Danach hat sie sich hinter dem Haus Schlafen gelegt. Ich glaube langsam, dass die Tiere so etwas nur dann machen, wenn ich weit weg bin, denn als vor zwei Jahren in der Parallelstraße plötzlich eine Robbe auftauchte, war ich auch nicht da.

Morgen beginnt die Arbeit wieder und auch wenn ich mit der Zeit anderes anzufangen wüsste, so freue ich mich auf die Projekte, mit denen ich es die nächste Zeit zu tun haben werde.

22:30

Halb elf ist eine prima Zeit, um das Licht auszumachen und zu schlafen. So der Plan. Als ich aber noch einmal kurz herausgeschaut habe, war der sternklare Himmel von Polarlicht bedeckt.

In der Zeit, in der ich mir Hose und Jacke übergeworfen habe, in die Winterstiefel geschlüpft bin, Objektiv gewechselt, Kamera eingepackt und mit dem Auto ans Meer gefahren bin (die gleiche Stelle wie heute), hat die Intensität aber leider schon stark nachgelassen und Schichtwolken sind aufgezogen. Nur die Langzeitbelichtung von 30 Sekunden verrät zeigt noch die typische Grünfärbung der Aurora.

Manchmal sollte man mal nicht ans Fotografieren (und seine Blogleser) denken, sondern sich einfach in den Garten setzen und schauen. Auch wenn’s schwerfällt. Aber jetzt: Gute Nacht.

Novemberwetter

Novemberwetter, das können wir hier auch. Im Gegensatz zu vor zwei Jahren, wo der Schnee Anfang November kam und ein halbes Jahr liegen blieb, zeigt sich der diesjährige November von seiner nass-kalten und grauen Seite. Während heute Dauerregen das Eis wegschmolz und die Wege auftaute und matschig werden ließ, war es gestern zumindest noch so kalt, dass man über den gefrorenen Boden durch den Wald laufen konnte. Manche Senken sind noch mit Eis bedeckt, unter dem Eis hängen lauter gefrorene Wassertropfen. Überraschenderweise sind trotz des nicht sonderlich kalten Wetters einige flache Bereiche einer geschützten Ostseebucht schon zugefroren und sogar an einem steileren Ufer vor Storgrundet zeigt sich das erste dünne Eis.

Eigentlich wollte ich heute ja Kajak fahren, aber der smhi, der schwedische Wetterdienst, hat vor Wind auf der Ostsee gewarnt. Warnstufe 1. Das bedeutet Windgeschwindigkeiten von 50 km/h und mehr. Da bleibt das Kajak in der Garage und ich lasse mich lieber auf dem Festland nass regnen.

Und weil es gestern so grau war, noch zwei Schwarzweißbilder von gestern. So groß ist der Unterschied nicht.

Schnee scheint weiterhin nicht in Sicht zu sein. Es bleibt vermutlich weiterhin trüb-grau-nass-feucht-kaltes Gummistiefelwetter. Ich glaube, ich werde noch ein Fan der Schwarzweißfotografie.

Plötzlich Polarlicht

Welch schöne Überraschung: Für heute Abend waren dicke Wolken vorhergesagt, doch viertel vor Acht schaut der Mond durchs Fenster. Ein Blick aus der Haustür, die nach Nordnordwest zeigt: Polarlicht! Ein heller grüner Bogen am nördlichen Horizont und einige Girlanden.

Packen in Rekordzeit: Kamera, Stativ, Stiefel, warme Jacke, Handschuhe, Mütze, Stirnlampe. Auto frei kratzen und auf nach Näsgrundet, wo weniger Licht und mehr Sicht ist.

Die Kamera auf’s Stativ · Weitwinkelobjektiv manuell auf unendlich stellen · ISO 800, 20″ … 30″, ƒ4.0 … ƒ5.6 · Bei einigen Fotos den Vordergrund mit Taschenlampe und Rotfilter etwas aufhellen.

Bald bewölkt sich der Himmel, das Polarlicht gibt noch einmal alles und scheint durch die Wolkendecke durch. Aber bald sind die Wolken zu dicht, die Aurora zu schwach.

Zu Hause die Fotos in Lightroom importieren und aus dem grellen Giftgrün wieder natürlichere Farben machen. Fluchen, dass die D300s bei ISO 800 schon so rauscht. Sich über den Rauschfilter freuen. Doch eine Vollformatkamera kaufen?

Es hat schon einige Male diesen Herbst Polarlicht gegeben, aber heute war die erste Gelegenheit zum Fotografieren da.

Big Steve und das Eisbaden

Big Steve from England lebt in Skellefteå und hat einen Youtube-Kanal, auf dem er zeigt, wie er viele für (Nord-)Schweden typische Dinge probiert, wie zum Beispiel Surströmming probieren oder Schneeskooter fahren. Gestern war er in Kusfors und das Thema war Eisbaden. Da der Winter im Inland immer kälter ist als an der Küste, war die große Bucht des Flusses Skellefteälven schon dick mit Eis zugefroren.

Also hat Jörgen, der mit Axt und Motorsäge umgehen kann, erst einmal ein großes Eisloch freigehackt. Gut, dass ich meinen knallroten Trockenanzug dabei hatte, den er sich dafür ausgeliehen hat.

Auch ohne Schnee war die Szenerie sehr winterlich, mit den dicken Eisblöcken, die Jörgen auf das Eis geschleudert hat. Ich habe keinen beneidet, der bei diesen Temperaturen ins Wasser geht, das ist nämlich bei einigen feuchten Plusgraden viel unangenehmer, als wenn es richtig frostig ist.

Schnell war das „vak“ – das Eisloch – groß genug und sogar ein Weg zum Ufer fertig. Allerdings nicht für Big Steve selbst. Das Drehbuch sah nämlich vor, dass statt ihm selbst sein Team baden soll. Und so stand Big Steve mit Mikrophon und Kopfhörer am Ufer, während Craig und Filip sich badefertig machten, barfuss über den kalten Sand ins Wasser liefen und zum ersten Mal in Ihrem Leben ein Eisbad genommen haben.

Big Steve hat aber fest vor, bei der nächsten Winterschwimmmeisterschaft, die am 9. und 10. Februar 2013 in Skellefteå stattfinden wird, mit teilzunehmen.

Nach einem schönen Abend bei Lasse und Martine bin ich um zehn mit dem Auto nach Hause gefahren. Nach 25 Kilometern musste ich das erste Mal abblenden, weil mir ein anderes Auto entgegen kam. So viel zum Autoverkehr in Nordschweden.


Das war gestern. Jetzt sitze ich – zwanzig nach drei – zu Hause. Draußen ist es stockfinster und der dicke Nebel hat den Mond verschluckt. Es ist kälter geworden und angeblich soll auch ab Mitte nächster Woche der erste Schnee fallen. Mal sehen, ob ich es dann am nächsten Wochenende bei den kurzen Tagen schaffe, zu paddeln und Ski zu laufen. Dann kann ich auch gleich meine neuen Skistiefel ausprobieren.

Ein bisschen Winter

Eigentlich wollte ich Ende der Woche einen dramatischen Bericht über den vielen Schnee schreiben, der hier die Woche gefallen sein wird. Aber wie es aussieht, kann ich mir den sparen. Aber fangen wir mit dem Wochenanfang an:

Montag, 26. November

Die Temperatur sinkt auf 0 Grad und ab und zu fällt eine einzelne Schneeflocke, die sofort auf dem nassen Boden schmilzt. Es soll die ganze Woche kälter werden, am Wochenende 20 cm Schnee geben, am Samstag mit viel Wind und dann am Montag sonnig und kalt (Minimum: -15 °C) werden.

Dienstag, 27. November

Über Nacht ist ein Millimeter Schnee gefallen. Im Laufe des Tages fällt Schneestaub – sozusagen die kalte Variante des Sprühregens – aus trübem Himmel. 1 cm Schnee liegt am Abend. Das reicht aber schon aus, um einen dunklen November- in einen hellen Winterabend zu verwandeln: Der Schnee reflektiert alles Licht und plötzlich sieht man nicht nur ein dunkelgrauschwarzes Nichts wie noch letzte Woche, sondern den schneebedeckten Garten und die weiße Straße.

Mittwoch, 28. November

Heute ist der erste Tag mit Dauerfrost. Das ganze bei Wolken und ab und zu mal ein Schneestäubchen, das vom Himmel fällt. Auf den Straßen ist das bisschen Schnee zu Eis festgefahren. Nach der heutigen Vorhersage bleibt es wohl trüb. Am Wochenende sollen ein paar Zentimeter Schnee fallen und windig und kalt werden. Das mit dem Wind fänd ich schade, denn ich möchte gerne noch einmal Kajak fahren, eh die Ostsee zufriert.


Und damit hier nicht nur Text steht, noch ein Foto von heute Abend. Eine sehr schöne Lage hat dieses Haus, vorne der zugefrorene See, hinten die Ostsee, die zur Zeit auch in den Buchten noch offen ist. Der vordere Teil des See ist übrigens blank, da der Wind den lockeren Schnee weggeblasen hat.

Winteranfang

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Heute ist für die Meteorologen Winteranfang. Und das schwedische Wetter hält sich daran. So kalt wie in Vittangi im Norden, wo in der letzten Nacht -33,5 °C gemessen wurde, ist es hier mit fünf Grad unter null zwar nicht, aber der kräftige Wind, der schon die ganze Nacht am Haus gerüttelt hat, lässt einen draußen die Kälte deutlich spüren. Dieser Wind bringt Wolken mit sich und die haben Schnee im Gepäck. Erst fegte der Neuschnee nur die Straßen und Wege entlang, jetzt – um ein Uhr mittags – bleibt er auch überall liegen. Es ist schon ganz schön dämmrig, mit Schnee, Wolken und der Sonne gerade noch 1.5 °C überm Horizont. Daher mache ich die nächsten Fotos erst morgen.

Ein paar Fotos vom Vormittag:

Bei den Wetterwarnungen des smhi liest sich das so:

Warnstufe 1 Schneefall […] An der Küste Schneeschauer die kräftig sein können. Es kommen 10-20 cm Neuschnee und es besteht Gefahr von Schneewehen […] · Warnstufe 1 mäßige Eisbildung (auf der Ostsee) · Warnstufe 1 Starker Wind. Ost oder Nordost ca. 15 m/s[…]

Der Winter ist da

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

„Daher mache ich die nächsten Fotos erst morgen.“ habe ich heute Mittag geschrieben. Ha ha ha! Am Nachmittag ging es erst richtig los: Der Wind hat zwar etwas nachgelassen, dafür ist die Temperatur auf -9 °C gefallen. Und seitdem schneit es. Teilweise so stark, dass man nicht einmal die halbe Straße entlang schauen kann. Dazu kommt das starke Schneetreiben. Und alles ist weiß. Nein, eigentlich orange, von den Neonlampen beschienen, die hier alle Straßen beleuchten. Heute Abend um neun lagen so um die 20 cm Schnee und es schneit noch weiter. Und wenn es so weiter schneit, dann haben wir morgen … aber erst mal abwarten, wie sich das Wetter entwickelt.

Wie schon heute Mittag wieder vier Schwarzweißbilder: Drei vom Schnee, eins von mir.

Meine Kameras fanden die Idee, bei diesem Wetter zu fotografieren, eher dämlich: Bei der Nikon D300s funktionierten zum Schluss das hintere Modusrad und die Cursortasten nicht mehr. Das iPhone, mit dem ich das letzte Bild gemacht habe, hat sich nach ein paar Dutzend Fotos einfach ausgeschaltet. Kein Bock mehr. Aber meine Fingerspitzen waren gar nicht böse. Jetzt ist allen wieder warm. Den Kameras und auch meinen Fingern.


Und vor einer Woche hat es noch bei 4 °C geregnet …

Drei Einleitungen zum Sonntag

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

1.

– Papa, was is’n Läikefekt?
– Ein Lake Effekt, weißt Du, das ist englisch. Der kalte Wind streift über das warme Meer und zieht feuchte Luft …
– Och nö, Papa, kein Geo!
– … also auf jeden Fall gibt’s dann an der Küste total viel Schnee. Schau einfach mal in das Blog Nordwärts, da siehst Du, was dann passiert.

2.

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3.

Ja hallo, bin ich denn in Kanada? War das jetzt ein Blizzard oder was? Gestern noch grün und heute … . 10 – 20 cm Schnee hat das Wetter gestern vorhergesagt, am Sonntag vormittag abnehmend. Ha, ha, ha! Abnehmend! – man konnte ja teilweise keine 20 Meter mehr schauen! Und windig war es auch noch ganz schön. So viel Schnee in 24 Stunden, das hat auch der Nachbar von gegenüber noch nicht erlebt. Und alle Nachbarn sind auf der Straße und schaufeln Schnee, schaufeln Schnee, schaufeln Schnee.


Geduld, liebe Blogleser, Fotos und ein Bericht kommen noch, aber jetzt muss ich mich ein bisschen ausruhen vom Schnee schaufeln. Und ich habe noch nicht einmal die Hälfte geschafft.

Im Schnee versunken

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Nur zur Erinnerung: Gestern mittag konnte man noch überall den Rasen sehen, denn es war zwar kalt, aber Schnee lagen nur ein paar Millimeter. Dann fing es an zu schneien, mehr zu schneien, noch stärker zu schneien. Entgegen der Vorhersage (10-20 cm Schnee, lässt vormittags nach), schneite es die ganze Nacht durch und auch heute vormittag kamen mit jeder weiteren Stunde fünf Zentimeter dazu. Und da kommt eine Menge zusammen …


Als ich heute aus dem Haus blickte, war alles tief verschneit und es schneite noch immer. Die Straße war eine einzige weiße Fläche und von meinem Auto schauten nur noch ein Teil der Scheiben, Dachreling und Rückspiegel hervor. Bis zum Oberschenkel ging mir das fluffige Weiß auf dem Weg zur Garage. Denn dort standen die Skier, die ich heute nehmen wollte. Inzwischen war der Schneepflug gekommen und hat zusätzlichen Schnee von der Straße vor das Grundstück geworfen. Da musste ich erst einmal durchwaten, um überhaupt auf die Straße zu kommen.

Mit Skiern bin ich dann bergauf die Straße in Richtung Storgrundet gelaufen, bin aber schnell wieder umgekehrt, denn im Wald trug der Schnee nicht und der Weg war schon geräumt, so dass die Skier auf dem Kies kratzten.

Mit den Winterstiefeln (gefüttert – wasserdicht – bequem) ging es dann viel besser. Bei der Skooterspur habe ich den Weg verlassen und bin die Waldwege entlanggelaufen. Oder das, was von den Waldwegen übrig war, denn überall lag der Schnee knie bis hüfthoch. Genau das Richtige, um sich an die alten Trendsportarten von vor zwei Jahren zu erinnern: Tiefsnow stapfing und Power snowangeling! Beim letzten Foto bin ich einfach die verschneiten Felsen heruntergerutscht und weitergerutscht und weitergerutscht. Keine Angst, so tief ist der Schnee dann doch nicht, ich liege hier halb auf den großen schrägen Felsen. (Beim Power snowangeling habe ich mich übrigens einfach rückwärts fallen lassen. Kein Anlauf oder so …)

Die Natur präsentierte sich hauptsächlich in Schwarzweiß. Eigentlich hauptsächlich in Weiß, denn der Schneefall wurde immer stärker und ich war froh, zur Sicherheit einen Kompass dabei zu haben, auch wenn ich die Umgebung inzwischen ganz gut kenne. Vor allem an dem kleinen See Rudtjärnen war alles weiß in weiß und das gegenüberliegende Ufer war nicht zu sehen.

Nach einer recht anstrengenden Runde zu Fuß durch den Tiefschnee bin ich wieder auf den geräumten Weg gekommen. Hier lag schon neuer Schnee. An dem (anderen) kleinen See, an dem ich vor ein paar Tagen noch fotografiert habe, ist es meistens sehr windig. So auch heute. Ich bin kaum zum Ufer gekommen, um ein Vergleichsfoto zu machen, denn der Wind hat die Schneeverwehungen schon hart werden lassen. Eingesunken ist man aber doch bis zum Bauch.

Nun war es bis zur Ostsee nicht mehr weit. Zu meinem Erstaunen war die Ostsee zwischen Insel und Festland zugefroren, auch wenn einige braune Stellen verrieten, dass das Eis noch lange nicht tragfähig ist. Hier habe ich eine Tee- und Esspause gemacht, die war aber bei dem Küstenwind trotz zweiter Jacke ganz schön ungemütlich. Die Insel Storgrundet war im Schneefall und Schneetreiben nicht einmal zu erahnen und auch die Nikon wollte nicht mehr so richtig. Zeit für den Rückweg …

Der Rückweg ging schnell, selbst wenn die geräumte Straße inzwischen wieder zugeschneit war. Als ich wieder in meine Straße einbog, sah ich alle Nachbarn auf einmal. Und alle schaufelten Schnee. Oder unterhielten sich über das Wetter. Manche hatten eine Schneefräse und später kam auch jemand mit einem alten Traktor dazu. Mein Auto war inzwischen bis auf den rechten Außenspiegel komplett unter den Schneemassen verschwunden und auch mein Trampelpfad von vor einigen Stunden war wieder zugeschneit.

Mittags – genau 24 Stunden später – hörte der Schneefall wieder auf. Und in diesen Stunden haben die Wolken 83 cm Neuschnee in meinen Garten geladen. 83 cm in 24 Stunden! Das hat auch der Nachbar von gegenüber noch nicht erlebt! Ich ahnte, dass ich den Rest des Tages mit Schneeschaufeln beschäftigt sein würde. Schon der Pfad zur Haustür hat seine Zeit gebraucht und danach kam das Auto dran, und der Schnee davor. Das ganze war ein bisschen wie Ostereier suchen: Oh, ich habe ein Auto, einen Briefkasten, eine Treppe, ein Kellerfenster! Bloss der Zaun zum Nachbarn ist immer noch im Schnee versteckt.

Ich schätze, ich habe 10 Kubikmeter, also etwa eine Tonne Schnee über meine Schulter geworfen und dementsprechend groggy bin ich jetzt. Richtig groggy! Aber während die meisten Nachbarn nur die Arbeit sehen, freue ich mich, dass der Winter mit einem Paukenschlag pünktlich zum ersten Advent (Stimmt, den haben wir ja heute auch) gekommen ist. Und so viel Schnee bleibt lange liegen, zumal die nächsten zehn Tage Dauerfrost sein soll. Winter wonderland!

Anmerkungen

Eigentlich war heute wieder Skyltsöndag in Skelleftehamn. Da war aber nichts, denn auch der Marktplatz war unter Schnee begraben.

Es hat wohl wieder einen „Lake effect“ gegeben, denn schon zehn Kilometer landeinwärts liegt ungleich weniger Schnee. Und den Lake effekt konnte das smhi vor zwei Jahren auch schon nicht vorhersagen.

Fotografen wird auffallen, dass manche Bilder vignettiert sind. Das liegt daran, dass um die Linse herum ständig Schnee klebte. Zum Schluss war die Hälfte der Bedienelemente an der Nikon eingefroren und das Fotografieren wurde immer schwieriger. Ich werde das nächste Mal die Nikon vorher schon herunterkühlen in der Hoffnung, dass der Schnee dann nicht so leicht am Gehäuse schmilzt und festfriert.

Am Tag danach

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Am Tag danach klarte der Himmel ein bisschen auf und die Temperatur fiel auf knapp -15 °C. Die Ostseebucht, an der ich vorgestern noch Wellen fotografiert habe, ist komplett mit Eisfladen bedeckt, die größtenteils schon zusammengefroren sind. Das war’s erst einmal mit dem Kajak fahren.

Am Haus ist der lockere Schnee schon ordentlich zusammengesackt, von 83 cm auf 67 cm. Die Sonne scheint fahlorange durch eine leichte Wolkenschicht aus der Schneestaub fällt. Es wird ein bisschen wärmer, -12 °C.

Gestern war so manches Auto komplett eingeschneit und das Auto eines Nachbarn war nur noch am Antennenstummel zu orten. Heute musste ich länger suchen, bis ich ein eingeschneites Auto als Fotomotiv entdeckt hat, denn die Menschen sind fleißig. Fast alle haben ihre Fahrzeuge freigeschaufelt und die Wege vom Schnee befreit. Aber zum Schluss habe ich doch noch eines gefunden.


Nachtrag: Und so sah es heute Mittag bei Storgrundet aus. Die Ostsee ist komplett eisbedeckt und wenn es weiter so kalt bleibt, kann ich vielleicht schon nächstes Wochenende zur Insel herüberlaufen.


Nachtrag 2 (20:20): Der Ort Bureå, knapp 10 km weiter südlich, hat noch mehr Schnee abbekommen: Laut Norran – Skellefteås Zeitung – einen Meter. Und im Gegensatz zu hier, wo alle Nebenstraßen und sogar der Fahrradweg sofort wieder freigeräumt waren, waren dort gestern Nachmittag noch viele eingeschneit.

Eisblumen

Ein Wintergarten im Winter ist eine schöne Möglichkeit, kurz vor dem ins Bett gehen noch einmal ein paar Eisfotos zu machen, ohne sich komplett in seine warmen Klamotten zu werfen. Praktisch!

Langer Donnerstag

Was war ich aufgeregt: Meine erste Bilbesiktning – das schwedische Pendant zum TÜV. Um 8:20 hatte ich den Termin und war natürlich viel zu früh da. Als ich dran war, hat mir eine junge Frau das Auto weggenommen und Licht, CO₂-Ausstoß, Bremsen, Unterboden und was weiß ich noch alles überprüft. Nach Ihrer abschließenden Probefahrt habe ich dann ein „Godkänt“ bekommen, also ein „Anerkannt“ – wie schön!

Dann bin ich zur Arbeit gefahren. Als ich über die Brücke gefahren bin, habe ich gesehen, dass ein großer Teil des Flusses Skellefteälven schon zugefroren ist. Also musste ich, statt sofort loszuarbeiten noch einmal zum Fluss laufen und ein paar Bilder machen. Wenn man sich die Fotos ansieht, kann man kaum glauben, dass ich mitten in Skellefteå stehe, welches ja immerhin 33000 Einwohner hat.

Nach der Arbeit hatte ich noch ein bisschen Zeit zum nächsten Termin. Also bin ich in die Bonnstan gefahren und habe dort ein paar Fotos gemacht. Leider war der Himmel bewölkt und ist deswegen auf den Fotos viel zu hell. Ich muss dort noch einmal hinfahren, wenn der Himmel klar und Neuschnee gefallen ist. Ich habe mich dann in den Schnee gesetzt, auf den Fluss hinuntergeschaut und ein kleines Abendbrot gegessen.

Dann ging es aber weiter zur Probe, denn nächste Woche bin ich auf der Bühne. Nicht als Schauspieler – das kann ich gar nicht! – sondern als Pianist. Ich bin gefragt worden, ob ich bei dem Stück „Julstämningen“ – Weihnachtsstimmung mitwirken möchte. Es ist eigentlich ein Einpersonenstück in vier Teilen, aber mit auf der Bühne steht ein Chor, der auch szenisch eingesetzt wird und ich spiele Klavier.

Das macht Spaß, auch wenn mir momentan alles ein bisschen viel ist. Denn am Dienstag Abend hatten wir unser wöchentliches Treffen mit Dark & Cold, mit dem wir unter anderem die nächste Winterschwimmmeisterschaft im Februar 2013 organisieren. Da ist viel zu tun und am Wochenende muss ich die Visitenkarten für uns machen. Gestern war der „Creative Summit Winter“ – eine halbtägige Konferenz unter dem Motto „Drive, Talent & Innovation“ mit anschließendem Dinner und Beisammensein. Sehr nett, aber ich habe das Lauterwerden der Musik zum Anlass genommen, früh zu gehen. Denn Schnee schaufeln musste ich ja auch noch fast jeden Morgen und Abend, auch wenn keine Massen mehr herunterkommen. Aber über Schnee, Kälte und all so was schreibe ich das nächste Mal wieder.

Einen Nachteil hatte mein langer Donnerstag heute: Ich konnte nicht das Nikolauspaket abholen, welches seit heute beim ICA auf mich wartet.

Der Winter diese Woche

Am Sonntag um zwei lagen also hinten im Garten 83 cm Schnee, alle von den letzten 24 Stunden. Am nächsten Morgen lagen dort nur noch 67 cm, denn der frisch gefallene Schnee ist so fluffig und leicht, dass er ziemlich schnell zusammensinkt. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn sonst würden hier erstaunliche Pulverschneemengen herumliegen und bei jedem kleinen Windstoß die halbe Nachbarschaft zuwehen.

Am Montag (3.12.) ca. 5 cm Neuschnee, am Dienstag morgen ca. 15 cm Neuschnee (eine halbe Stunde schaufeln), seitdem jeden Tag ein paar Zentimeter. Heute Mittag hatte ich hinten im Garten 56 cm, also ist der Schnee schätzungsweise auf die Hälfte seines Volumens zusammengesunken. Auch heute ist es wieder windig und es schneit, aber wirklich viel kommt nicht herunter.

Am Dienstag (4.12.) Abend wurde es mal kurz überraschend kalt: Am Flugplatz wurden -25 °C gemessen und auch bei mir in Skelleftehamn wurden zum ersten Mal in diesem Winter die -20 °C kurz unterschritten. Seitdem ist es aber langsam wieder wärmer geworden, heute mit Temperaturen zwischen -9 °C und -7 °C. Das ist schön, denn da kann ich noch ohne Handschuhe fotografieren.

Am Mittwoch (5.12.) wurde eine Schneewarnung für Stockholm gegeben und richtig – es kam auch einiges in der Stadt herunter, die damit viel größere Probleme hatte als der Norden, denn dort ist natürlich viel mehr Infrastruktur und die wird intensiver benutzt. Auch der Flughafen war am Vormittag wegen des Schnees geschlossen.

Ein bisschen lächerlich gemacht hat sich aber meiner Meinung nach die Zeitung „Dagens Nyheter“, die ein Bildspiel mit dem Titel „Snökaoset i Stockholm“ im Netz veröffentlicht hat. Da war unter anderem dieses schöne Bild zu sehen, von dem ich einen Screenshot gemacht habe. Als ich das bei Facebook gepostet habe, war die Freude der Nordschweden groß, denn hier denken ohnehin alle, dass der Süden nicht weiß, was Schnee und Winter sind.

Heute (7.12.) bin ich durch den Schneefall wie so oft vom Bus nach Hause gelaufen – mit Handschuhen, Halstuch, Mütze und dicker Kapuze auf. Dazu habe ich brasilianische Musik gehört – ein herrlicher Kontrast zum Wetter hier. Abends war ich dann noch einmal kurz draußen und habe Schneewehen und mein Haus fotografiert. Beim Bearbeiten ist mir aufgefallen, dass die vom Wind gewehten Strukturen den Schnee fast wie Sand aussehen lassen. Ich habe versucht, den Schnee wie Sand aussehen zu lassen, aber das Geglitzer verrät schnell, dass ich nicht in der Sahara unterwegs war.

An der Ostsee

Kleinere Ostseebuchten sind schon mit Eis bedeckt, auf der offenen Ostsee ist aber die Wellenbewegung noch gut zu sehen, auch wenn die Oberfläche mit Eis bedeckt ist.

Wo Wasser und Kälte sind, da ist auch Eis. Am Ufer bilden sich die ersten Eisformationen. Vermutlich stehe ich beim Fotografieren schon über dem Wasser, aber an dieser Stelle ist das Eis dick und trägt.

Mit dem Tele sieht man schön, wie die Häuser auf den Inseln schneebedeckt sind. Bei dieser Eislage sind die Inseln teilweise weder mit dem Skooter, noch mit dem Boot zu erreichen. Mit dem Kajak hingegen könnte man … . Ich habe schon erste Pläne gemacht, aber weil ich ein bisschen erkältet bin, lasse ich dieses Wochenende ruhig angehen.

Schneeloch Bureå

Heute bin ich mit dem Auto nach Bureå gefahren, der Ort, in dem letztes Wochenende noch mehr Schnee herunterkam. Und wenn ich mir den Friedhof von Bureå so anschaue, dann glaube ich das auch. Ganze Reihen von Gräbern waren komplett im Schnee verschwunden und nur ein Teil der Steine und Kreuze lugte aus dem Schnee hervor. Der Hauptweg war wohl mal geräumt waren, auf ihm lagen nur so 30 cm Schnee. Als ich die Fotos gemacht habe, musste ich schon sehr genau schauen, wo ich langgehe, damit ich nicht über irgendeinem Grab herumtrampele. Aber – seht selbst:

Als ich wieder am Auto war, stand eine alte Dame – eine kleine, zierliche Frau – vor dem Hauptweg. Sie wollte eigentlich zum Grab ihres Mannes und dort ein Licht anzünden, aber da der Weg nicht geräumt war, ging das nicht. Sie hat erzählt, dass letztes Wochenende 98 cm Schnee herunterkamen und soviel Schnee lag, dass sie ihre Haustür nicht öffnen konnte und nicht herauskam. Andere kamen dann mit Traktor und Schneefräse und haben ihren Eingang freigebuddelt.

Ich bin dann weiter zum Bureberget gefahren und der Weg zum Skilift war tatsächlich geräumt, auch wenn er noch nicht in Betrieb ist. Was für ein schöner Winterwald erwartete mich dort: Tief verschneit und immer wieder mit Blicken auf die Ostsee: Im Vordergrund die komplett zugefrorene Bucht Burefjärden, links am Horizont das Werk Rönnskär in Skelleftehamn – nur manchmal durch die Schneeschauer zu erkennen, und rechts am Horizont Wasser – denn dort ist das Meer noch offen.

Weit bin ich aber nicht gekommen, denn ich hatte keine Schneeschuhe dabei und so manches Mal stand ich bis zum Bauch im Schnee. Als ich dann von dem einen Schritt auf den anderen plötzlich bis über die Brust im Schnee steckte, bin ich umgekehrt. Da ich ein bisschen erkältet war, gibt so etwas meine Kondition noch nicht her. Abgesehen davon wird das Gelände schroffer und steiler, wenn man weiter geht, und das ist mir bei dem Schnee alleine zu gefährlich. Ich habe keine Lust, in irgendeine unsichtbare Ritze hineinzurutschen.

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich noch kurz zum Badestrand, aber die Straße war nicht geräumt und ohne Allradantrieb habe ich mich nicht getraut, dort entlangzufahren. Also bin ich zurückgefahren. Auf manchen Strecken ist es gar nicht so leicht zu sehen, wo der Weg entlangführt, denn alles ist weiß und kontrastarm und auch die leuchtenden Stecken, die den Wegrand markieren sollen, findet man nicht überall.

Als ich dann in meine Straße zu Hause einbog, dachte ich, „Dann hätte ich auch zum Strand fahren können!“, denn dort erwartete mich eine aufgewühlte Schneepiste. Beim Einbiegen driftete das Auto nach außen und ließ eher das Fahrgefühl einer Rodelschale als eines Autos aufkommen. Eine Stunde später kam dann das große Schneeräumfahrzeug und hat die Straße freigemacht. Wo bleibt der Schnee? Auf den Grundstücken! Also war wieder Schneeschaufeln angesagt. Da das Zeugs ja auch irgendwo bleiben muss, habe ich auf einen Schneehaufen eine Rampe angelegt, auf der ich dann den Schnee hochschiebe. Und das war heute richtig anstrengend, weil es mit -2 °C recht warm war und daher der Schnee zu großen und sackschweren Klumpen zusammengepresst ist. Ächz!

Ein Wintermorgen

Gestern war es klar – und damit recht kalt. So um -17 °C. Dann kamen abends die Wolken und es wurde wärmer. Heute morgen schaue ich aus dem Fenster, schaue zwei Mal. Viel ist nicht zu sehen, denn der Wind, den ich nachts schon gehört habe, treibt Schnee vorbei. Und der smhi hat ganz plötzlich Warnstufe 1 wegen 10 cm Neuschnee mit Verwehungen ausgerufen, die im Laufe des Tages kommen sollen. Wenn ich mir die Straße so anschaue, würde ich sagen, dass das Meiste davon schon angekommen ist.

Vorgestern hat hier ein Räumfahrzeug die Schneeberge am Straßenrand und auf den Fußwegen weggenommen und plötzlich ist die Straße doppelt so breit. Dabei hat das Räumfahrzeug den Schnee wohl weggefräst, denn die Kante am Rand sieht aus wie mit dem Stahllineal gezogen. Nun weht die Straße langsam wieder zu und vor allem am Rand sammelt sich der Pulverschnee.

Mein Auto hat wie die meisten Fahrzeuge einen Motorwärmer und ich schließe es nachts an die Steckdose an, damit der Motor morgens warm ist. (Das Auto springt aber auch bei -26 °C noch ohne Motorwärmer an, selbst getestet.) Jetzt hat man die Wahl: Im Fußraum ist ein kleiner Heizlüfter. Schließt man den an, so hat man es morgens schön warm im Auto und die Scheiben beschlagen nicht. Allerdings ist dann auch das Auto warm genug, dass außen der Schnee schmilzt, dann festfriert und man ganz ordentlich Eis kratzen muss. Lässt man ihn aus, so sitzt man in einer Wolke von gefrierender Atemluft. Ich halte es da mehr mit dem Kratzen.

Und Schnee geschaufelt, damit ich losfahren kann und freigekratzt habe ich schon. Als ich allerdings die Windschutzscheibe freigelegt habe, war die Heckscheibe schon wieder komplett zugeschneit. Also muss ich direkt vor dem Losfahren noch mal Schnee von den Scheiben fegen und dann aber los …!


Facebookkommentare heute mogen:

„Skitväder, igen.“ (Sch***wetter, wieder.)

„Trotsar snökaoset :)“ (Trotze dem Schneechaos).

Nicht über Lucia

Heute, am 13. Dezember ist Luciatag. Da könnte ich einiges drüber schreiben. Wenn es mich irgendwie betreffen würde. Denn von Lucia habe ich außer vielen Fotos auf Facebook nichts mitbekommen. Ich war zu Hause.

Gestern war Aufführung. Nach der Generalprobe am Dienstag hatte gestern das Stück „Julstämning“ – zu deutsch „Weihnachtsstimmung“ Premiere. Auf der Bühne: Saga die Schauspielerin, ein Chor und ich am Flügel. Die Premiere lief richtig toll und an sich sollte ich mich heute auf die zweite (und letzte) Aufführung freuen. Tue ich aber nur mäßig. Denn in der Nacht habe ich das bekommen, was die Einheimischen hier „Vinterkräksjuka“ – zu deutsch „Winterkotzkrankheit“ nennen. Ich erspare Euch die Aufzählung der Symptome. Jetzt habe ich immer noch ordentlich Fieber, werde mich aber gleich ins Auto setzen und zum Theater fahren. Da kann ich mich dann freuen, dass ich einiges an Routine als Pianist habe und die Stücke auch in meinem, sagen wir suboptimalen Zustand gut spielen werden kann.

Unterbrochen wurde der Tag, den ich hauptsächlich mit Schlafen und ekligen Magentee trinken ausgefüllt habe von einem Traktorgeräusch. Der Nachbar von gegenüber hat einen alten Freund, der einen ebenso alten Traktor (Baujahr 1957) sein eigen nennt. Und mit diesem herrlichen Gefährt hat der Freund für kleines Geld meine Einfahrt von den Schneemassen befreit. Das sieht zwar jetzt nicht mehr so romantisch aus, aber dafür komme ich auch wieder ohne Tiefschneegestapfe zur Garage.

Ansonsten war ich heute beleidigt! Nicht, weil ich krank bin. Sondern weil es in München viel kälter war als hier! Ich habe so eine Art Absolutheitsanspruch an den Winter in Skelleftehamn, meinetwegen auch noch den in der Stadt: Hier soll es am kältesten sein, am meisten Schnee liegen und ich will lächelnd abwinken, wenn jemand von Schneechaos redet, weil mein Haus bis zum Dach im Schnee steht.

Von daher habe ich es schon als Affront empfunden, dass vor zwei Wochen in Bureå 98 cm Schnee gefallen sind und hier nur 83 cm. Das ist so wie 4:5 verloren. Bin ich, der nie ein Fußballspiel live gesehen hat, vielleicht doch ein verkappter Wettbewerbsfan?

Und dann das hier!:

Am 4. Dezember schön und gut: München -2 °C, Skellefteå Flugplatz -22 °C. Das klingt doch richtig schön nordschwedisch. Aber heute morgen: Skellefteå Flugplatz -4 °C, München -19 °C. Hallo? Geht’s noch? Ich kann mich bei meinen Münchner Freunden doch gar nicht mehr sehen lassen, die lachen mich doch aus! -4 °C, da hätte ich auch nach Hannover ziehen können. Ich hoffe, dass, wenn ich die Silvestertage hier mit deutschen Freunden verbringe, mehr als das zu bieten habe.

So, jetzt gibt es wieder Magentee und dann setze ich mich ins Auto und mache Theater.

Nachträgliche Anmerkungen:

Über Lucia haben heute unter anderem Swedish freak (englisch) und Schwedenstube geschrieben. Und vor einem Jahr habe ich selber etwas geschrieben.

Die Screenshots von den Temperaturen habe ich von der iPhone-Applikation „AeroWeather Pro“ gemacht. Gibt’s auch für den Anfang als Light-Version.