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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Ist ABBA Jazz?

Heute war ich auf einem ABBA-Konzert.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Olaf – auf einem ABBA-Konzert! Die, die mich besser kennen, wissen, dass da ein Haken sein muss, denn ich bin nicht gerade ein ABBA-Fan.

Der Grund für den Konzertbesuch war auch weniger die Motivation, viele ABBA-Lieder zu hören, sondern Steve Gadd, einer der bekanntesten und renommiertesten Schlagzeuger, die zur Zeit so auf Erden herumlaufen.

Gespielt hat der schwedische Pianisten Anders Wihk mit seinem Projekt „Same Tree Different Fruit“, begleitet von dem ebenfalls schwedischen Bassisten Svante Henryson und eben Steve Gadd. Es war wirklich ein Erlebnis, so eine hochkarätige Besetzung in Skellefteå, welches sich ja nicht gerade als Kulturstadt präsentiert, zu erleben. Schade, dass der Sound ziemlich schlecht war, wobei es auch nicht leicht ist, ein Trio, welches hauptsächlich Powerplay betreibt, in einen eher für klassische Musik geeigneten Saal zu stecken.

Da die „Chefin“ vom Ganzen nichts dagegen hatte, dass ich Fotos mache und in diesem Blog veröffentliche, mache ich Gebrauch davon, auch wenn ich nur mein iPhone dabei hatte und in der zehnten Reihe saß.

Wenn Ihr auch beim Konzert gewesen wäret, wüsstet Ihr, dass auf dem Foto die Zugabe gespielt wird. Just eine Minute vor dem Foto hat der Ansager jedem nämlich einen Schal vom AIK – dem Eishockeyverein Skellefteås – überreicht. Das ist typisch Skellefteå: Keine Veranstaltung, in der man nicht noch ein bisschen die AIK-Vereinsfarben unterbringen kann. Denn im Gegensatz zur Kultur, die viele Menschen hier wenn überhaupt, dann nur als Randerscheinung wahrnehmen, hat Eishockey hier wirklich eine große Bedeutung. Und so ist vielleicht auch das Eishockeyspiel heute Abend dafür verantwortlich zu machen, dass der Saal nur halbgefüllt war.

Deutschland, ein Jazzmärchen

Heute morgen hatte es -6.6 °C. Dann wurde es ein bisschen wärmer und es fing ein wenig an zu schneien, ehe ich im Dunkeln zur Bushaltestelle lief. Schweden. Skelleftehamn.

Deutschland. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich übermorgen wieder in Deutschland sein werde. Für drei Wochen. In NRW. Und ich bin gespannt, wie alles auf mich wirken wird. Trist, eng und grau oder doch hell und golden, weil mich mit der Region so viel verbindet. Immerhin habe ich elf Jahre in Essen gelebt. Irgendwann früher mal.

Wie ich vorher schon einmal geschrieben habe, tausche ich vom 24. Oktober bis zum 11. November Nordschweden gegen Westdeutschland, Natur gegen Stadt und den Bürostuhl gegen einen Klavierhocker. Denn dann darf ich zusammen mit Sabine Kühlich und Stefan Werni eine Jazztour mit der wunderbaren Sheila Jordan spielen. Ich weiß nicht, wie ich meine Freude über die mit Musik gefüllte Zeit, die vor mir liegt, zum Ausdruck bringen soll. Toll wird’s.

Zu den Tourdaten >

Zugleich werden wir auch die CD „Wundascheen – Loverly!“ vorstellen, die wir nach der ersten Tour mit dieser Besetzung im März 2010 bei Pablo in Köln aufgenommen haben. Ich bin sehr gespannt auf die Aufnahmen, denn den endgültigen Master habe ich selbst noch nicht gehört.

Ich werde die Gelegenheit nutzen, alte Freunde, die ich teilweise einige Jahre nicht mehr gesehen habe zu besuchen und Familie, Freunde und Bekannte werden auch zu dem einen oder anderen Konzert kommen. Manche Freunde kenne ich schon zwanzig Jahre und meine Eltern und Schwester ein ganzes Leben. Hier kenne ich keinen länger als dreißig Monate.

So bin ich rundum mit schönen Dingen beschäftigt – selbst wenn ich ein, zwei Jobs auf einem der mir verhassten Digitalpianos spielen muss (ignoriert meine gemurmelten Flüche).


Aber doch. Es ist seltsam, aber … . Ich bin noch nicht losgefahren und vermisse jetzt schon Schweden. Die Ruhe, die Natur, das Wetter, welches gerade den Herbst hinter sich gelassen und den Winter angekündigt hat. Wird sich die erste Schneedecke auf Skelleftehamn legen und ein Nordlicht seine grünen Bögen und Girlanden tanzen lassen? Oder wird es einfach drei Wochen schneeregnen und sauungemütlich sein. Ich werde nicht dabei sein. Werde ich bis zum Bauch durch den Schnee waten, um wieder ins Haus zu kommen oder auf einer nassen Eispfütze ausrutschen und mich auf die Nase legen, wenn ich Mitte November wieder hier bin. Ich würde mich gerne zweiteilen und einen Teil hier lassen.

Aber nun. Während ich diesen Artikel schreibe, beginne ich mich wirklich auf die Zeit in Deutschland zu freuen. Nur noch ein Tag arbeiten, packen, einmal schlafen und dann geht’s auch schon los.

Dass ich mich auf die Musik und Freunde freue, habe ich schon geschrieben. Aber es gibt auch ein paar nette Nebensächlichkeiten, auf die ich mich freue:

  • Buchläden
  • richtiges Brot
  • Straßenbahn fahren
  • Indische Restaurants
  • Fotogeschäfte
  • Laubwälder
  • Euromünzen zum Sammeln
  • Lebkuchen!!!

Die beiden Fotos oben habe ich 2002 in Essen gemacht. Mit meiner ersten Digitalkamera. Ich habe sie allerdings für den Artikel noch ein bisschen verbessschlimmert.

Nicht über Lucia

Heute, am 13. Dezember ist Luciatag. Da könnte ich einiges drüber schreiben. Wenn es mich irgendwie betreffen würde. Denn von Lucia habe ich außer vielen Fotos auf Facebook nichts mitbekommen. Ich war zu Hause.

Gestern war Aufführung. Nach der Generalprobe am Dienstag hatte gestern das Stück „Julstämning“ – zu deutsch „Weihnachtsstimmung“ Premiere. Auf der Bühne: Saga die Schauspielerin, ein Chor und ich am Flügel. Die Premiere lief richtig toll und an sich sollte ich mich heute auf die zweite (und letzte) Aufführung freuen. Tue ich aber nur mäßig. Denn in der Nacht habe ich das bekommen, was die Einheimischen hier „Vinterkräksjuka“ – zu deutsch „Winterkotzkrankheit“ nennen. Ich erspare Euch die Aufzählung der Symptome. Jetzt habe ich immer noch ordentlich Fieber, werde mich aber gleich ins Auto setzen und zum Theater fahren. Da kann ich mich dann freuen, dass ich einiges an Routine als Pianist habe und die Stücke auch in meinem, sagen wir suboptimalen Zustand gut spielen werden kann.

Unterbrochen wurde der Tag, den ich hauptsächlich mit Schlafen und ekligen Magentee trinken ausgefüllt habe von einem Traktorgeräusch. Der Nachbar von gegenüber hat einen alten Freund, der einen ebenso alten Traktor (Baujahr 1957) sein eigen nennt. Und mit diesem herrlichen Gefährt hat der Freund für kleines Geld meine Einfahrt von den Schneemassen befreit. Das sieht zwar jetzt nicht mehr so romantisch aus, aber dafür komme ich auch wieder ohne Tiefschneegestapfe zur Garage.

Ansonsten war ich heute beleidigt! Nicht, weil ich krank bin. Sondern weil es in München viel kälter war als hier! Ich habe so eine Art Absolutheitsanspruch an den Winter in Skelleftehamn, meinetwegen auch noch den in der Stadt: Hier soll es am kältesten sein, am meisten Schnee liegen und ich will lächelnd abwinken, wenn jemand von Schneechaos redet, weil mein Haus bis zum Dach im Schnee steht.

Von daher habe ich es schon als Affront empfunden, dass vor zwei Wochen in Bureå 98 cm Schnee gefallen sind und hier nur 83 cm. Das ist so wie 4:5 verloren. Bin ich, der nie ein Fußballspiel live gesehen hat, vielleicht doch ein verkappter Wettbewerbsfan?

Und dann das hier!:

Am 4. Dezember schön und gut: München -2 °C, Skellefteå Flugplatz -22 °C. Das klingt doch richtig schön nordschwedisch. Aber heute morgen: Skellefteå Flugplatz -4 °C, München -19 °C. Hallo? Geht’s noch? Ich kann mich bei meinen Münchner Freunden doch gar nicht mehr sehen lassen, die lachen mich doch aus! -4 °C, da hätte ich auch nach Hannover ziehen können. Ich hoffe, dass, wenn ich die Silvestertage hier mit deutschen Freunden verbringe, mehr als das zu bieten habe.

So, jetzt gibt es wieder Magentee und dann setze ich mich ins Auto und mache Theater.

Nachträgliche Anmerkungen:

Über Lucia haben heute unter anderem Swedish freak (englisch) und Schwedenstube geschrieben. Und vor einem Jahr habe ich selber etwas geschrieben.

Die Screenshots von den Temperaturen habe ich von der iPhone-Applikation „AeroWeather Pro“ gemacht. Gibt’s auch für den Anfang als Light-Version.

Teater

Kennt Ihr „Toi, toi, toi“? Mit symbolisch über die linke Schulter spucken? Das macht man in Deutschland, um sich vor einer Theaterpremiere Glück zu wünschen. In Schweden macht man das anders: Man tritt sich symbolisch. Und wenn jemand eine Karte schreibt, um Erfolg zu wünschen, so steht darauf „Spark“, das bedeutet Tritt.

Auch in Schweden gibt es Kalauer: Als der Tonmensch den Chor nach der Pause wieder auf die Bühne schicken wollte, sagte er „Plastpåsen!“. Und erntete irritierte Blicke, denn das bedeutet „Die Plastiktüte“. Dann sagte er „Plats på scen!“. Klingt so ähnlich, heißt aber in etwa „Platz auf der Bühne“.

Was es auch hier gibt, sind Premierengeschenke. Ich habe ein Buch mit dem Titel „Iskall“ („Eiskalt“) über die nördliche Ostsee im Winter bekommen. Ein Volltreffer, denn mit genau diesem Buch hatte ich schon zwei Tage zuvor im Buchladen geliebäugelt.


Als Kind war ich einmal bei einem Freund. Und der hatte ein Plakat vom Bremer Theater im Zimmer hängen. Darauf stand „Teater“. Ich ging davon aus, dass das ein Druckfehler sei und das Plakat später einmal – so wie bei Briefmarken – unglaublich viel wert sein würde. Hier hingegen ist „Teater“ richtig geschrieben, das H schenkt man sich.

Genauso schenkt man sich jeglichen Ursprung der Worte, es wird geschrieben wie gesprochen. So heißt zum Beispiel das Theaterstück „pjäs“ (französisch pièce), die Bühne „scen“ (französisch scène) und Premiere schreibt man „premiär“. Als mir die Regisseurin gesagt hat, ich solle mir eine „Loge“ aussuchen, war ich allerdings irritiert. Für mich sind Logen diese mit roten Samt ausgeschlagenen Dinger, in denen Königs Platz zu nehmen pflegen. Im Schwedischen heißt „loge“ aber auch einfach die Künstlergarderobe.

Auf dem Weg nach Burträsk

Wintermarkt in Burträsk – das wäre doch was für heute. Und da ich zu früh losgefahren bin, habe ich ein paar Umwege genommen. Und bin einige Mal stehengeblieben, um zu schauen oder zu fotografieren. So zum Beispiel hier in Yttervik, keine 10 Kilometer hinter Skelleftehamn:

Dieses schöne Haus steht in Vikfors direkt am Bureälven. Was für eine schöne Lage!

In Ljusrotet, zehn Kilometer vor Burträsk, gab es zwei Anzeichen für Rentiere: Zum einen die offiziellen Verkehrsschilder, die dort fest stehen, zum anderen schwarze Müllsäcke. Diese binden die Sámi an Holzstecken und stecken sie in den Schnee, um den Autofahrern zu signalisieren, dass hier Rentiere in der Nähe sind. Und das waren sie. Eine kleine Herde von zwanzig Tieren äste auf den tief verschneiten Weiden. Das sieht ein bisschen lustig und auch ein bisschen dämlich aus. Da die Rentiere vom Boden äsen, sind Kopf und Vorderrumpf im Schnee verschwunden und nur die Hintern schauen hervor. Irgendwann schauen dann aber auch die Tiere selber, denn während ihnen die Autos selber egal sind, haben sie vor Menschen – also auch vor mir, der mit dem Teleobjektiv am Straßenrand steht – eine gewisse Scheu.

Hallo Rentiere, viele meine Leser finden Rentiere toll. Schaut doch bitte noch mal her. Cheeeeese! Danke schön!

Nun wollte ich eigentlich direkt zum Markt, wurde aber von einem Schild ausgebremst. Auf dem Schild stand „Loppis“, kurz für Loppmarknad – Läusemarkt und das bedeutet natürlich Flohmarkt. Ich liebe Flohmärkte! An diesem Flohmarkt war das Gebäude das Besondere. Ich habe erfahren, dass diese Bauart einer Scheune – 1820 oder 1830 erbaut – für Burträsk typisch ist, in Skellefteå wurden diese anders konstruiert. Ich habe zwar verstanden, dass oben das Heu lagerte, Kühe da waren und außen Pferde im Kreis herumgingen, aber den Rest, den mir die beiden Frauen erzählten, habe ich nicht wirklich verstanden, denn meine Schwedischkenntnisse, was Landwirtschaft anbelangt, halten sich sehr in Grenzen … . Eine blaue Glasschale „Made in Spain“ und ein Buch mussten mit. 40 Kronen.

Heute gelernt: Wenn man mit dem Fischauge („Dachkonstruktion“) fotografiert, immer die Fotos auf Lichtreflexe kontrollieren.

Schließlich bin ich aber – nach über 80 statt 50 Kilometern – in Burträsk angekommen. Und dort habe ich – glaubt es oder nicht – bestimmt zehn Minuten einen Parkplatz gesucht. So etwas habe ich hier in Nordschweden noch nie erlebt! An alle Straßenrändern, auf allen Parkplätze, vor der Kirche, in der Kurve am Rand – überall standen Autos. Aber dann habe ich doch noch einen Parkplatz gefunden, der gar nicht so weit weg war vom Markt. (Und leicht einzuparken, das kann ich nämlich nicht gut, weil ich es hier nie brauche.)

Da es hier kaum Gemüse gibt, sind Wochenmärkte hier unbekannt und deswegen ist ein Markt immer etwas besonderes. Und so kommt Volk von nah und fern, um zu schauen, zu essen und zu kaufen. Es gibt eine erstaunlich große Anzahl von Ständen, die warme Strümpfe oder Handschuhe und Mützen haben, Stände, an denen man Lachs, Elchwurst oder Rentierfleisch kaufen kann und Stände mit Godis – Süßigkeiten. Zwei Händler und ihre Stände kannte ich schon vom Jokkmokksmarkt. Einer verkauft warme Wollkleidung. Ich trage gerne Wolle und bin auch nicht besonders empfindlich, aber die langen Unterhosen, die ich hier fotografiert habe, möchte ich nicht auf der nackten Haut tragen. Der andere Händler handelt mit Fellen und mit Fellprodukten. Vor allem die Fellmützen und die unfassbar riesigen Fellhandschuhe sind sehenswert. Und wer dort kein fertiges Produkt kaufen möchte, der kann auch eines der Felle kaufen und sich die Sachen selber nähen.

Nach einem ausgiebigen Rundgang habe ich mich wieder auf dem Rückweg gemacht. Als ich durch Ljusrotet fuhr, waren die Rentiere immer noch dort. Sie lagen in der Sonne und schienen die Wärme zu geniessen, immerhin war es mit +3 °C heute wärmer als im frostigen Deutschland.

Nordanå

Gestern, beim Diskussionsabend mit Mores hatte ich eine schöne Aussicht auf Nordanå, Skellefteås Park westlich vom Zentrum. Das Kulturzentrum beherbergt unter anderem mehrere Museen und das Nordanåtheater, dessen großen Theatersaal ich schon von beiden Seiten gesehen habe: Als Teilnehmer des Creative Summit 2010, 2011, 2012 und als Pianist beim Theaterstück Julstämningen (Weihnachtsstimmung) letztes Jahr.

Ende April zum Erzählerfestival bin ich als Pianist bei zwei Programmen beteiligt, darauf freue ich mich schon.

Neu ist die kleine Eisbahn vor dem Kulturzentrum. Ein einsames Pärchen lief dort gestern auf dem farbig angestrahlten Eis Schlittschuh und die romantische Orchestermusik schwebte aus dem Lautsprecher bis zu dem Balkon empor, auf dem ich stand, als ich die Nachtaufnahme gemacht habe.

Heute hingegen ist die Kultur in Skelleftehamn, wenn auch nur virtuell. Als ich auf meinem Heimweg am „Folkets Hus“ in Skelleftehamn vorbeikam, parkten dort viele Autos. Normalerweise ein Zeichen, dass im Kino Eishockey live übertragen wird. Dieses Mal hingegen ist der Anlass ein anderer: Die königliche Oper in Stockholm sendet heute Puccinis Oper Turandot live in 67 Kinos, unter anderem auch nach Skelleftehamn. Ein Hauch Großstadtkultur gleich bei mir um die Ecke.

Flaggentag

Als ich heute in Skelleftehamn (ich habe zu Hause gearbeitet) zum Essen gefahren bin, habe ich gesehen, dass an der großen Flaggenstange gegenüber von ICA die schwedische Flagge im Wind wehte. Nanu, dachte ich, es ist weder Ostern, noch Mittsommer, noch Weihnachten, dann kann es ja fast nur mit Königs zu tun haben. Und richtig – im Blog Schwedenstube erschien just heute der Artikel Flaggentage in Schweden und dort stand unter dem 12. März Kronprinssesans namnsdag (Namenstag der Kronprinzessin).

Wisst Ihr, wann Ihr Namenstag habe? Ich nicht. Im Gegensatz zu Deutschland spielen Namenstage in Schweden eine wesentlich größere Rolle. Und an den Namenstagen des Königs, der Königin und der Kronprinzessin ist ein sogenannter Flaggentag, an dem die schwedischen Flaggen gehisst werden. Denn im Gegensatz zu den Wimpeln ist es streng festgelegt, an welchen Tagen, zu welchen Uhrzeiten, abhängig von Sonnenstand und Breitengrad die Flaggen gehisst werden.

Ich stelle mir belustigt vor, wie es wäre, wenn Deutschland plötzlich einen König hätte und an seinem Geburtstag alle Deutschlandflaggen gehisst werden. Völlig unvorstellbar! Auch wenn ich die schwedische Flagge hübsch finde, sind mir Nationen und Nationalitäten ziemlich egal. Wenn es aber irgendwann eine gemeinsame Weltflagge gibt, wer weiß, vielleicht stelle ich mir dann auch einen Flaggenmast in den Vorgarten.

Sápmi

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Artikel über Solberget.

Wenn man auf dem Solbergethof ist, so ist man natürlich in Nordschweden, aber auch in Sápmi, dem Siedlungsgebiet der Samen, welches sich von Norwegen und Schweden bis nach Finnland und Nordrussland erstreckt. Und einer von Solbergets Nachbarn, der gut vierzig Kilometer weit weg wohnt, ist Lars, der Same, der in den fünfziger Jahren aktiv Rentierzucht betrieben hat.

Er war schon oft auf Solberget zu Gast, um über die Rentierzucht und das Leben der Samen zu erzählen. Jedes Mal erzählt er wieder Neues und ich könnte ihm stundenlang zuhören. Dieses Mal sind wir zu ihm gefahren und haben ihn seinem kleinen urgemütlichen Café gesessen und er hat erzählt. Dieses Mal über die heutigen Probleme mit den Raubtieren, die viele Rentiere reissen, aber durch die EU geschützt sind. Die Samí dürfen diese Tiere selbst dann nicht töten, wenn sie damit nur ihre Herde verteidigen. Ebenfalls erzählte er über Kirche und Staat, die früher aus den Samí Schweden und Christen machen wollten. Die samische Religion wurde verboten, die Kultur wurde verboten und die Sprache wurde verboten. Da vor allem die samischen Männer aber Teile des Jahres nomadisch lebten und Pastoren und Amtsmänner weit weg waren, konnten der Joik und die Sprache überleben. Viele Samen heutzutage sprechen ausschließlich schwedisch, aber es gibt mehrere samische Schulen, eine davon im nahen Jokkmokk, in denen die samische Sprache gelehrt wird.

Lange waren wir bei Lars, haben seine Rentiere bewundert, sehr leckeren Moltebeerenkuchen gegessen, ihm zugehört und jede Menge Fragen gestellt und zum Schluss auch noch den winzigen alten Laden besucht, in dem Lars’ Frau alte Sachen zeigt, die sie über viele Jahre gesammelt hat.

Lars mit RentierRentierportrait
Lars’ gemütliches CaféDer alte Kaufmannsladen

Man sollte einen Samen übrigens nie fragen, wie viele Rentiere er hat. Da die Rentiere das Vermögen darstellen, wäre es das gleiche, als fragte man, wie viel Geld jemand auf dem Konto hat. Natürlich bekommt Lars die Frage dennoch oft zu hören und hat immer eine ausweichende Antwort parat.

Am nächsten Tag habe ich mit Freunden aus Südschweden eine Schneeschuhtour gemacht. Ehrlich gesagt ist das nicht so mein Fall. Sie haben zwar den Vorteil, dass man Berge einfacher hochlaufen kann als mit den Holzski, aber ich vermisse die gleitenden Bewegungen des Skilaufens und komme mir immer ein bisschen tapsig und unbeholfen vor. Auch die Skispuren finde ich schöner als die dicken Abdrücke der langen und breiten Schneeschuhe. Aber im Grunde ist mir das draußen sein wichtig und nicht, was ich unter die Füße geschnallt habe. Und da sollte man etwas haben, denn im hüfttiefen Schnee würde man ohne Ski oder Schneeschuh nicht weit kommen.

SchneeschuhspurenSchneeschuhwandern

Am Abend war ich wegen der Erkältung sehr früh wieder in der Holzfällerhütte, um zu schlafen, wurde aber netterweise wieder schnell geweckt, denn draußen war Polarlicht. Ich konnte noch ein paar Fotos machen, ehe das Polarlicht wieder schwächer wurde. Aber schon alleine der klare Sternenhimmel über dem tief verschneiten Hof ist wunderwunderschön.

PolarlichtPolarlicht über der Sauna

Klarer Sternenhimmel über Solberget

Am Donnerstag waren wir in Jokkmokk, um das Ájtte, das Samenmuseum zu besuchen. Hier kann ich mich stundenlang aufhalten, denn ich finde das Museum sehr informativ, schön gemacht und gerade richtig groß. Bis zur letzten Sekunde sind wir im Museum geblieben, ehe wir wieder nach Solberget zurückgefahren sind.

Ájtte – eIn DorfmodellÁjtte – geschnitzte MesserscheideÁjtte – SchamanentrommelÁjtte – bemaltes Trommelfell

Am nächsten Tag bin ich wieder nach Hause gefahren und habe genossen, dass dieser schöne Platz nur vier Stunden von meinem Haus entfernt liegt. Aber zu Hause sein ist auch schön und gleich werde ich hinausgehen, denn wie schon fast die gesamte Woche ist auch der heutige Sonntag klar und sonnig.

Finale

Final På svenska

Idag för två år sen sog jag min första hockeymatch, live i Skellefteå. I dag börjar finalen Skellefteå mot Luleå men det behöver jag inte berätta till er Svenskar. Ni vet ju!

Heute vor zwei Jahren habe ich mein erstes Eishockeyspiel live gesehen. Heute sitze ich, obwohl ich eigentlich ein totaler Sport-Anseh-Muffel bin, vor dem Fernseher eines Freundes und schaue Eishockey mit, denn heute ist das erste der Finalspiele und Skellefteå AIK ist mit dabei. Wer als erster vier Finalspiele gewonnen hat, wird schwedischer Meister. Skellefteå AIK war auch die letzten beiden Male im Finale, wurde aber beide Male nur Vizemeister. Natürlich hoffen jetzt alle Fans, dass Skellefteå AIK dieses Jahr Meister wird. So oder so wird der Meister aber aus Nordschweden kommen, denn der Gegner ist Luleå.

Das Thema Hockey ist in aller Munde. und überall in Skellefteå begegnen einem jetzt das AIK-Logo und die Farben schwarz-gelb.

Wolle in AIK-FarbenAIK-Flagge an einem Baukran

Nachtrag

Drei Mal dreißig Minuten dauert so ein Spiel und dann stand es immer noch 0:0. Skellefteå hat oft die Führung übernommen, ist aber immer wieder an Luleås herausragendem Torhüter gescheitert. Dann gab es Verlängerung mit der sogenannten „Sudden Death“-Regel: Wer das erste Tor schießt, gewinnt. Und – Skellefteå hat gewonnen!

Nachtrag 2 (14. April)

Heute auf der Anhängerkupplung eines parkenden Autos entdeckt:

Auch der Anhängerbär ist AIK-Fan

AIK! AIK! AIK!

Logo Skellefteå AIK HockeyNun haben Skellefteås Eishockeyfans – also gefühlt 98% aller Einwohner Skellefteås – wirklich etwas zu feiern! Heute hat Skellefteå AIK das vierte Finalspiel in Reihe gewonnen und ist damit schwedischer Meister! Das wird spannend, die Fans morgen zu erleben, denn bei keinem anderen Thema zeigen die Skellefteåeinwohner öffentlich so viel Emotionalität wie bei den Spielen ihrer geliebten Eishockeymannschaft und beim gemeinsamen Träumen vom Gold. Dieses Jahr ist ihr Traum in Erfüllung gegangen.

Das letzte Mal war Skellefteå 1978 Meister (Da bin ich in die fünfte Klasse gekommen, ist das lange her!). Um Meister zu werden, muss man vier Spiele gewinnen, es kann also bis zu sieben Finalspiele geben, bis die Meisterschaft entschieden ist. Skellefteå AIK hat das ganze abgekürzt und in 4:0 Spielen heute Gold geholt, das kommt auch nicht gerade oft vor. (In Spielen: 1:0 / 4:2 / 2:1 / 4:0)

Der Gewinn der „Elitserien“, der höchsten Klasse im schwedischen Eishockey wird morgen wohl DAS Thema auf der Arbeit sein, wenn nicht alle einfach zu Hause bleiben und blau machen. Ich selber habe das Schlussspiel nicht gesehen, auch da ich eine Probe hatte, aber mich interessiert Eishockey ja nicht so sehr. Dass, wenn ich ein „S“ in den Browser tippe, dort direkt www.skellefteaaik.se/ erscheint, verschweige ich lieber, denn sonst verliere ich meine Glaubwürdigkeit als erklärter Nicht-So-SehrFan. Aber ich habe doch immer während der Spiele geschaut, wie es gerade steht.

Was ich übrigens schön auf der Website finde, ist die Titelleiste, in der sich die Hockeyvereine untereinander verlinken.

Nachtrag – Ein kleiner Teil der Resonanz auf Facebook:

:-D :-) ;-)!!

J.

Jaaaaaaaaaarååååååååååååppppppppla smmmguuuuyyyylddd!!!

P.

….! Jaaaaaaaaasaaaaaaaaaassassssaaaaaaa!!!!

D.

Siis…Skellefteå on Ruotsin jääkiekkomestari!!!
Also … Skellefteå Schwedens Eishockeyspieler! (finnisch)

T.

Halleluja!

P.

Jaaaas. Skellefteå A I K!!!!!

T.

SM-GULD, SM-GULD, SM-GULD. […]

L.

Nu har jag ställt fram champagnen………………….
(Jetzt habe ich den Champagner hingestellt …)

S.

Nu kommer tårarna. #saik
(Nun kommen die Tränen)

E.

Grau – Blau – Gelb – Gold

grå – blå – gul – guld På svenska

Igår åkte jag till lotsstationen för att kolla om isen har brutit så att jag kan åka kajak igen. Men allt var fortfarande täckt med is som inte längre är turkos och vit men bara grå. Men kanske redan nästa helg är havet öppet.

Skellefteälven däremot är öppet nu, det finns många isflak som flyter förbi, några är visst 50 kvm. Och i vågorna speglar sig tusen små soler.

Mest snö i stan töade bort nu och längs älven blommar de första blommorna: hästhov och backskärvfrö.

Sen var det ett stort party på torget för Skellefteå AIK vann ju gold förra dagen. Kring 10000 fans firade tillsammans deras hockeyteam och flera sa att dom aldrig sog så mycket folk här på torget. Jag var ganska glad att jag stod på kanten eftersom jag trivs inte att stå mitt i så mycket folk, men i alla fall helt imponerande hur stan firade och hejade Skellefteå AIK.

Emma tog ett fint kort från torget ur fågelperspektiven. Tack, Emma, att jag får använda kortet här.

I Skelleftehamn finns lite mer vinter kvar än i Skellefteå, men nu är det ”bara” 30 cm snö kvar i trädgården och snart – hoppas jag – blir det barmark igen.

Als ich gestern um sechs aufgewacht bin, war die Sonne schon lange aufgegangen. Vor der Arbeit bin ich noch zur Lotsenstation gefahren, denn ich warte darauf, dass dort das Eis aufbricht und ich endlich wieder Kajak fahren kann. Aber alles war noch mit Eis bedeckt, und das ist nicht mehr länger glitzernd weiß und türkis, sondern wirkt einfach nur grau. Aber ich glaube, dass nächstes Wochenende das Meer schon offen ist und man wieder auf blaues, klares Wasser schauen kann.

Blick auf einige OstseeinselnAm Meeresufer – so ungefähr

Anders sieht jetzt der Fluss in der Stadt aus. Auf ihm treiben zwar noch viele Eisschollen, manche bestimmt 50 Quadratmeter groß, aber der Fluss selbst ist fast überall offen. Und tausend kleine Sonnen spiegeln sich in den kleinen blauen Wellen.

Eisschollen treiben vorbeiDie Sonne spiegelt sich im Skellefteälven

In der Stadt ist viel Schnee schon weggetaut und an den nach Süden ausgerichteten Böschungen oberhalb des Uferwegs blühen die ersten Blumen: Der gelbe Huflattich und – wenn ich mich nicht irre – das weiße Gebirgs-Hellerkraut.

Huflattich (schwedisch hästhov oder tussilago)Gebirgs-Hellerkraut (schwedisch backskärvfrö)

Warum ich am Fluss entlanggelaufen bin, hat einen besondereren Grund: Ich hatte noch ein bisschen Zeit bis halb sechs und dort war auf dem Marktplatz die große Goldfeier der Eishockeymannschaft Skellefteå AIK. Und diese Feier war groß! Etwa 10000 Fans haben sich auf dem Platz versammelt und so mancher meinte, er habe in Skellefteå noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen. Wie gut, dass ich am Rand stand, denn in großen Menschenmengen fühle ich mich überhaupt nicht wohl. Aber es war schon imponierend, wie die Menschen einer mit 34000 Einwohnern doch recht kleinen Stadt gemeinsam begeistert ihr Eishockeyteam feiern.

Großes Publikum auf dem „Torget“Die Mannschaft trägt Goldhelm

Emma: „Das ist total magisch“Wie viele Menschen da waren, sieht man sehr schön auf einem Foto, welches Emma gestern bei Instagram veröffentlicht hat. Sie stand ganz oben auf dem höchsten Haus am Platz und hatte einen guten Blick auf den gefüllten Platz. Danke, Emma, dass ich das Foto hier verwenden darf.

Wieder zurück in Skelleftehamn ist der Winter noch ein bisschen präsenter, denn das Ostseeeis kühlt die Uferregionen noch ein bisschen aus. Aber immerhin ist der Schnee jetzt auf 30 cm zusammengeschmolzen (vor fünfeinhalb Tagen noch 65 cm) und bald wird auch bei mir im Garten wieder Gras zu sehen sein.

Valborg

Gestern war Walpurgisnacht. Während ich das deutsche Wort hauptsächlich aus Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ kenne, ich das schwedische Wort „Valborgsmässoafton“, oder kurz „Valborg“ hier in aller Munde. Denn für die meisten hier ist das ein wichtiges Fest und symbolisiert den Frühlingsanfang.

Was gehört für mich zu einer typischen Valborg-Feier?

Das ist 5. Aprilwetter. Und das hatten wir gestern. Von wärmender Sonne und blauem Himmel bis hin zu Regen- und Graupelschauern war alles dabei. Nummer 4. Ein schöner Platz. Die Stuga meiner Freunde liegt wunderschön am Göksjön – zu deutsch Kuckuckssee. Für das Foto brauchte ich keine zweihundert Meter weit zu laufen.

Aprilwetter – Regenschauer über dem GöksjönEin schöner Platz. Blick auf den Göksjön

Nummer 3. Frühling bedeutet Blumen. Und neben dem Huflattich, der überall blüht, wo es lehmig ist, zeigten sich gestern auf dem Komposthaufen die ersten Krokusse. Und Nummer 2. Ein Maifeuer, denn das gehört auch mit dazu.

Die ersten KrokusseFunken sprühen aus dem Maifeuer

Doch das wichtigste ist natürlich Nummer 1. Freunde. Ich bin sehr froh, wieder so nett von A. und M. eingeladen wurden zu sein und jede Stunde Zeit, die ich mit ihnen verbringe ist mir eine Freude. Was täte ich nur ohne Freunde! Die Gegeneinladung ist schon ausgesprochen.

Nebendarsteller: Gutes Essen, Rotwein, Frühlingslieder, mit dem Hund toben, Vogelstimmen, am Bach entlang waten, sich freuen, dass es Mitternacht immer noch nicht richtig dunkel ist.


Nach einer Übernachtung und einem guten und späten Frühstück bin ich auf Umwegen wieder nach Hause gefahren. Die nicht asphaltierten Straßen sind recht spannend zu fahren und ich fragte mich bei der Fahrt, was wohl neue Stoßdämpfer kosten, wie leicht man sich im Lehm festfährt und wer mein Auto wohl aus dem Graben zieht, denn die Wege sind manchmal so weich und mit Spurrillen versehen, dass das Auto meine Steuerei recht frei interpretiert hat. Aber – ich bin gut zu Hause angekommen und die schönen Aussichten, an denen man vorbeifährt, rechtfertigen ein bisschen Eierei.

Besonders schön fand ich es am Bodträsket, einem der Seen, durch die der Fluss Bureälven fließt. Der blaue Himmel spiegelte sich im Wasser und ein frischer Wind blies kleine Wellen, auf denen leise raschelnd und klingelnd die letzten Eisstückchen trieben, an das überflutete Ufer.

Am Bodträsket – einem Teil des Bureälven

Über Valborg und den ersten Mai habe ich übrigens auch schon 2010, 2011 und 2012 geschrieben.

Lövånger Kyrkstad – das Kirchendorf in Lövånger

Heute war ich in Lövånger, 40 Kilometer südlich von Skelleftehamn, und war überrascht, dass es dort auch ein Kirchendorf gibt, wie hier die Bonnstan. Im Gegensatz zu den unlackierten Blockhäusern der Bonnstan sind hier die Häuser im typischen falunrot gehalten und wirken mit ihren gelben Fensterläden um Jahrhunderte moderner. Doch auch diese „Kyrkstad“ ist Jahrhunderte alt, die ersten Häuser wurden wohl 1642 errichtet, wenn auch bestimmt nicht die von mir fotografierten. Das nächste Mal muss ich mir auch die Kirche anschauen, denn die ist wohl um 1500 errichtet worden.

Lövånger kyrkstadLövånger kyrkstad

Lövånger kyrkstad

Erst schien die Sonne, die für freundliche Farben aber extrem harte Kontraste sorgte. Die Schattenseite der roten Holzhäuser wirkte fast schwarz. Dann kam eine große Quellwolke und parkte zwischen Sonne und Lövånger. Damit waren zwar die Kontraste milder aber die Häuser wirkten ein bisschen trist gegen den blauen Himmel. Man sollte einfach um die Mittagszeit keine Fotos machen.

Zum SockenmuseumSehr schön fand ich das Schild „Sockenmuseum“. Sollten hier all meine Socken gelandet sein, die nie den Wag aus der Waschmaschine wieder zurückgefunden haben? Zu Hause hat mir das Internet dann beigebracht, dass Socken ein altes nordisches Wort für Kirchspiel oder Landgemeinde ist. Das steht sogar in der deutschen Wikipedia.

Auf den Vesterålen

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Als ich auf der Vesteråleninsel Langøya bei Julia und René ankam, musste ich erst einmal direkt an den Strand vor dem Haus und ein Foto machen. Zu schön sah es dort aus, der Blasentang bei Ebbe im Vordergrund, die hohen Berge der Nachbarinsel Hinnøya. Und über dem Sund jagen die Seevögel.

Ein erstes Bild am Strand

Am Abend standen Simon, der gerade dort wwooft, und ich wieder am Strand und haben fotografiert. Wenn die Sonne niedrig steht, ist das Licht einfach schöner. Und dann ging hinter den Bergen der Vollmond auf.

AbendstimmungDer Vollmond geht auf

Vollmond über Hinnøya

Um halb zwölf sind René und Simon noch auf Tour gegangen. Das erste Ziel war der kleine See Rødsætervatnet, wo ich mit den beiden zusammen mit Sonya vor zwei Jahren schon einmal war. Während die beiden hauptsächlich mit Forellen fischen beschäftigt waren, habe ich – wen überrascht’s – fotografiert. Nun hatte ich zu Bergen, Sund und Mond auch noch den See und die Hurtigruten als Fotomotive zur Verfügung. Wenn die Hurtigruten durch das gespiegelte Mondlicht fährt, ist das schon fast kitschig, aber immer noch wunderschön.

Der See RødsætervatnetDie Hurtigruten im Mondlicht

Blick von halber Höhe des Dalbotntinden

Die beiden sind dann noch weitergelaufen, ich war dazu aber zu müde. Ich hatte zwar einen Schlafsack dabei, bin aber doch wieder zurück gelaufen, nicht nur, weil Wolken aufzogen, sondern auch, weil ich keine Lust hatte, alleine zu übernachten. Gegen vier Uhr nachts war ich wieder zu Hause.


Einige Fotos von den nächsten Tagen, die ich ruhig habe angehen lassen. Im vorigen Blogartikel zeige ich ein paar Seevogelfotos.

Die Brücke nach StokmarknesBerge Hinnøya

Auf dem Moor hinter dem Haus

An meinem letzten Tag sind wir nach Langbakkan gegangen, einem Hanggrundstück, auf dem René zusammen mit den Wwoofern Guilia und Simon Heu machen wollte. Ich muss zugeben – ich war faul, habe nicht mitgeholfen, sondern fotografiert und mich mit Julia unterhalten. Doch halt, eine Schüssel Moltebeeren habe ich gesammelt, immerhin etwas.

Langbakkan – Simon harkt

Sicht von LangbakkanRené mähtGuilia harktDas alte Haus auf Langbakkan

„Quallenwolken“ über Hinnøya

Später haben wir am Lagerfeuer gesessen, gegrillt und auf die schöne Landschaft geschaut. Ein herrlicher Abschluss meiner zu kurzen Zeit auf den Vesterålen.

Danke, Julia und René, für Eure liebe Gastfreundschaft.

Lagerfeuer – im Hintergrund spielt Julia mit dem Hund

Einige Tage später:

Einige Tage später (Foto: René Cortis)Als ich schon wieder zu Hause war, zeigte René dieses Foto auf Facebook. Nun ist das Gras nach traditioneller Art auf Harpfen (auf norwegisch: hesje) zum Trocknen aufgehängt, damit die Schafe, die zur Zeit noch frei über die Berge laufen, im Winter etwas zu essen haben. Frits, den Hund, scheint das Heu wenig zu interessieren, er findet Schafe spannender.

Links

Falkberget – Nordostseite

Heute Abend habe ich mich zum ersten Mal mit Kirchenslawisch beschäftigt. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Святей Троице во едином существе, с серафимы зовуще: “свят, свят, свят, еси Господи.” — Sṽı͡at̃éy Tróitse vo yed̃ínom sushchestṽé s S̃eraf̃ímï zovúshche: “Sṽı͡at, Sṽı͡at, Sṽı͡at, yes̃í Ghóspod̃i!”

Nun bin ich weder besonders sprachgewandt noch ausdrücklich an der Liturgie der russisch-ortodoxen Kirche interessiert. Nein, ich habe heute zum ersten Mal bei einer Probe von Skellefteås Kammerchor mitgesungen. Und auf dem Programm steht Sergei Wassiljewitsch Rachmaninows Opus 37 „Vesper“. Ein wunderschönes Stück, dessen Noten ich im Bass 1 ganz gut vom Blatt hätte singen können, wenn da nicht der kirchenslawische Text wäre. Die kyrillischen Buchstaben ignorieren wir eh alle, aber auch die Transkription in lateinischen Lettern hat es ganz schön in sich, zumal noch auf jedem dritten Konsonant eine Tilde steht, um diesen als weich zu markieren.

Ich war überrascht, wie gut die Choristen vom Blatt singen, denn die Musik ist nicht einfach zu lesen, auch da es keine Taktarten gibt. Ende Oktober sind die Konzerte, bis dahin muss ich noch oft in die Noten schauen, bis ich mich wohl fühle.


Die Chorprobe war heute um sieben. Da ich schon um viertel vor fünf mit der Arbeit fertig war, bin ich ein kleines Stückchen mit dem Auto gefahren und dann vom Süden her auf den flach ansteigenden Falkberget gegangen. Das schafft man vom Parkplatz in fünfzehn Minuten, wenn man flink ist. Ich bin deswegen einen anderen Weg hinunter gelaufen und war überrascht, wie schroff, felsig und steil die Nordostseite dieses Berges ist. Ich habe fein aufgepasst, dass ich nur dort hinabklettere, wo ich auch wieder hochkomme.

Schroffe Felsen an der Nordostseite

Steile AbbruchkanteEine kleine Schlucht

Toter Ast in der kleinen Schlucht

Leider war die Nordostseite im Schatten, die Sonne im Südwesten und bewölkt war es außerdem. Also nicht gerade günstige Voraussetzungen für schöne Photos. Eigentlich müsste ich einen der nächsten Tage mal vor dem Aufstehen dort hin, oder vielleicht lieber nächsten Juni gegen Mitternacht. Aber, ich hatte ja ohnehin nicht viel Zeit, denn auf mich wartete ja der Kammerchor. Und mit ihm das Kirchenslawisch.

Ganz schön mühsam, diese ganzen Sonderzeichen für das Zitat oben einzugeben. Das  ͡  -Zeichen heißt zum Beispiel „Combining Double Inverted Breve“. Toll!

Drängsmarks ångsåg

Gestern habe ich früher Schluss gemacht, mich mit Delle, der hier gerade zu Gast ist, ins Auto gesetzt und wir sind ohne Ziel einfach losgefahren. Dabei haben wir nicht nur ein paar schöne Schleichwege gefunden, sondern auch „Drängsmarks ångsåg“, Nordeuropas einziges noch funktionierendes Dampfsägewerk. Die Säge wird vermutlich sowohl durch Wasser als auch durch eine Dampfmaschine angetrieben. Obwohl die Saison schön länger zu Ende ist, waren fast alle Gebäude offen zugänglich und so haben wir uns in Ruhe alles angeschaut.

Hinter dem Teich liegt das Dampfsägewerk

Im Sägewerk – obenIm Sägewerk – untenDie DampfmaschineDas Sägewerk von außen

Der Tag war wieder ein Beweis meiner Faulheit: Ich hatte das Stativ im Auto, aber anstatt es für die dunklen Innenräume einfach zu holen, habe ich die Kamera aufgelegt: Auf ein Stück Holz, ein Geländer, eine Treppe. Bloß bei der Dampfmaschine hätte mir das Stativ nichts genützt, denn da habe ich die Kamera durch ein kaputtes Quadrat eines alten Sprossenfensters gehalten und das war ziemlich eng.

Angeblich sollte es gestern Mittag ja aufklaren, aber bis zum Abend war es dicht bewölkt und so liegt die Landschaft auf meiner gestrigen Herbstaufnahme wieder im Schatten der Wolken.

Blick auf den Kvarnbäck

Links (auf schwedisch)

Kanelbullens Dag

Gestern war laut Thementagkalender der Tag des Tieres, der Tag der Fahrgemeinschaften und der Internationale Wodkatag. Wirklich wichtig war gestern aber nur eines: Kanelbullens Dag – Der Tag der Kanelbulle. Diesen Thementag gibt es seit 1999 und er wurde von den Schweden begeistert aufgenommen, schließlich ist die Kanelbulle das vermutlich bekannteste und beliebteste süße Gebäck in Schweden.

Und da ich, als ich am 9.9. beschlossen habe, für zwei Monate auf Süßkrams zu verzichten, selbst gemachten Kuchen aus dem Verzicht ausgeschlossen habe, habe ich gestern auch zugegriffen, als eine Kollegin einen großen Teller selbst gemachter Kanelbullar mitgebracht hat. Lecker! Ich hätte natürlich auch Kanelbullar bei ICA kaufen können, aber erstens kaufe ich ja zur Zeit nichts Süßes und zweitens schmecken die bei weitem nicht so gut.

Selbst gebackene Kanelbullar in der BürokücheKanelbullar bei ICA

Seitdem ich auf Süßigkeiten und Limonaden verzichte, habe ich schon einige Kilo abgenommen. Morgen hätte ich die einmalige Chance, mir das alles wieder anzufuttern, denn da ist „Gräddtårtans dag“ der Tag der Sahnetorte.

Und das schreiben die Blogkollegen:

Всенощное бдение от Сергей Рахманинов

Dieses Wochenende hatte ich meine ersten Auftritte mit dem Skellefteå Kammarkör: Gestern in der großen Kirche in Burträsk, heute in Skellefteå in der Sankt-Olov-Kirche. Und ich bin gleich mit einem sehr anspruchsvollen Programm eingestiegen, den „Vespers von Sergei Rachmaninow“. Die 15 Stücke haben es wirklich in sich, denn zum einen haben die wenigsten feste Taktarten und teilen oft die Stimmen, und zum anderen ist das Kirchenslawisch auch mit lateinischer Umschrift schwer zu singen.

Burträsk vor dem AuftrittAuftritt in der Sankt-Olov-Kirche

Dafür, dass der Chor dieses Werk in kaum mehr als zwei Monaten einstudiert hat, können wir mehr als zufrieden mit dem Ergebnis sein. Ich war schon bei den Proben imponiert, wie gut viele Choristen vom Blatt singen. Ich finde es dennoch ein bisschen schade, dass wir nicht mehr Zeit zum Üben und Proben hatten, denn der Chor könnte das Stück noch wesentlich besser singen, wenn er sich sicherer fühlen würde.

Ein paar Dinge waren übrigens anders als meine früheren Chorauftritte in Deutschland oder England.

Positiv: Die Kirchen sind wohnzimmerwarm beheizt. Der dicke Rollkragenpullover, den ich wegen früherer Fröstelerfahrungen in eiseskalten deutschen Kirchen mitgenommen hatte, konnte getrost im Auto liegen bleiben.

Positiv: Die Kirchen haben passend zurechtgesägte Podeste für die Männer, die erhöht hinter den Frauen stehen und so alle problemlos den Dirigenten sehen (wenn sie nicht wieder ihre Nasen in die Noten vergraben).

Negativ und für mich extrem irritierend: Beide Male wurde das Werk durch eine Predigt unterbrochen. Ich habe schon in Gottesdiensten gesungen, dann ist man natürlich in den Ablauf eingebettet, aber dass bei einem richtigen Chorkonzert plötzlich mitten im Stück der Pastor kommt und von Heil und Jesus spricht und betet, finde ich extrem befremdlich. Heute wurde sogar mit dem Publikum ein Choral gesungen. Mit Orgelbegleitung! Und dann singen wir danach mit dem Kammerchor weiter, als wäre nichts gewesen. Für mich ist so eine christliche Werbeunterbrechung extrem störend und gehört meiner Meinung nach nicht in so ein Konzert! Ein Tenor, den ich darauf ansprach, fand das hingegen völlig normal. Es scheint aber auch so, dass die Kirche durch die unterbrechende Predigt irgendwelche Fördermittel bekommt, die ihr aus einem reinem Konzert nicht zuständen. Ja, das liebe Geld …

Mir haben die Konzerte auf jeden Fall großen Spaß gemacht und ich freue mich schon auf den nächsten Dienstag, denn dort wird die erste Probe für das Weihnachtskonzert sein. Ich hoffe, dass meine Basskollegen sich trauen, meine schwedische Aussprache zu verbessern, denn die klingt noch sehr deutsch.


Übrigens: Wer – so wie ich – den russischen Titel dieses Blogartikel nicht lesen kann, er bedeutet: „Vespers von Sergei Rachmaninow“

Übrigens: Wer wissen will, wo ich stehe und singe: Ich bin jener mit der am Abstand am schlechtesten gebundenen Krawatte.

Das historische Dorf Gallejaur

Heute war ich fast den ganzen Tag mit Freunden zusammen unterwegs. Ein guter Tag! Erst habe ich meine ehemaligen Nachbarn in Klutmark besucht, dann bin ich weiter nach Kusfors gefahren, um dort Lasse und Martine zu besuchen. Wir haben uns dort mit einem Paar getroffen, welches diesen Sommer von Dubai nach Skellefteå gezogen ist und gerade einige Freunde aus ihrer alten Heimat zu Gast hatte. Mit zwei Autos sind wir kleine vereiste Kieswege entlanggefahren, an Rentieren und leicht weiß bepuderten Wäldern vorbei, bis wir unser Ziel Gallejaur erreicht haben. Gallejaur ist ein historisches Dorf, dessen noch gut erhaltenen Bauwerke bis 1800 zurückreichen.

In einigen Häusern kann man übernachten und das Geschirr, das Besteck, die Möbel sind alle noch aus dem originalen Hausstand und mindestens hundert Jahre alt. In einem der Häuser steht eine alte „Tramporgel“ (zu deutsch Harmonium), welche mit Hilfe von Lochscheiben selbst Stücke spielen kann.

Ein altes SchlafzimmerEin selbstspielendes Harmonium

Erst fand ich es ein bisschen schade, dass es schon früh dunkel wurde, doch schnell habe ich gesehen, dass das trübe Dämmerungslicht sehr schön ist und die Gebäude ein bisschen kalt, abweisend und unwirklich aussehen lässt. Ich habe mir vorgenommen, noch einmal wiederzukommen, wenn mehr Schnee liegt und der Mond scheint. Hoffentlich sind dann die netten Schafe noch draußen, die bei 1.3 Sekunden Belichtungszeit überraschend still gehalten haben.

Ein alter ErdkellerDie meisten Schafe halten stillWeg durch das Dorf GallejaurWohnhaus – ungefähr 100 Jahre alt

Nachdem ich noch bei Martine und Lasse zu Hause war, habe ich mich in mein Raumschiff gesetzt und bin mit Überlichtgeschwindigkeit (etwa Warp 8) nach Hause gedüst. Die Sterne zogen grell leuchtend an mir vorbei und Sternnebel umwaberten mein Schiff.

Glaubt Ihr nicht? Ist auch nicht ganz richtig! Bei +1 °C bin ich durch Nebel und Schneeschauer gefahren und als ich Fernlicht anhatte und gerade ein besonders starker Schneeschauer über der Straße hing, da irritierten die blendenden Schneeflocken, die strahlenförmig zu allen Richtungen wegschossen, so sehr, dass ich fast nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Das kam einem Flug mit Überlichtgeschwindigkeit schon recht nahe mit der Ausnahme, dass man im Auto gerne Bodenhaftung hat und weiß, wo die Straße ist. Ich war froh, dass es in Richtung Küste wieder wärmer wurde und bald der Schnee wieder als Regen herunterkam. In Skelleftehamn zeigte das Autothermometer dann +5 °C.

Links

Nachtrag

Samisches VorratshausEin Bild habe ich noch: Das vom samischen Vorratshaus. Es ist so konstruiert, dass die Ratten nicht hineinkommen, denn die können zwar mühelos die Stelzen, auf denen das Haus steht erklimmen, aber nicht kopfüber unter dem Boden weiterlaufen.

Auf norwegisch heißen diese Gebäude Stabbur, auf schwedisch (sagt Wikipedia) Härbre. Auf der iberischen Halbinsel gibt es Dinger auch unter dem Namen Hórreo, aber das hat mit meinem Blog nordwärts ja gar nichts mehr zu tun. Ich habe es auch nur erwähnt, damit der Text neben dem Bild nicht zu kurz ist.

Baby, baby, baby oh!

Vor einiger Zeit schwirrten in den sozialen Medien Links zu einigen Youtube-Videos herum, in denen drei junge Musiker unfassbare Covers von bekannten Popsongs, wie „Rolling in the deep“ von Adele oder „Baby“ von Justin Bieber spielen. Mir haben diese abgefahrenen Arrangements von „Dirty Loops“ direkt schon beim ersten Hören unfassbar gut gefallen und immer wieder habe ich mir die Stücke angehört und jedes Mal sofort gute Laune bekommen.

Als ich im Internet ein bisschen geschaut habe, wer Dirty Loops überhaupt ist, erlebte ich eine Überraschung: Die Musiker sind Schweden und haben zusammen in Stockholm studiert. Doch anstatt einer Schwedentour – worauf ich gehofft habe – verschwand das Power-Trio erst einmal im Studio, um die erste CD aufzunehmen.

Aber heute hatte ich Glück, denn Dirty Loops spielte heute in Piteå, gerade 100 Kilometer von Skelleftehamn entfernt. Das war mit 40 Minuten eines der kürzesten Konzerte, welches ich je gehört habe, aber auch eines der Besten. Das Trio wurde von den geschätzt 300 Zuhörern in dem vollbesetzten großen Saal des acusticum in Piteå wie Popstars empfangen und ich habe selten Konzerte erlebt, die gleichzeitig so intelligente Musik bieten und so viel Spaß machen. Die Kombination von extrem tighten Grooves, strangen Harmonien, hoher Virtuosität und unglaublich originellen Details hat mich sehr angesprochen. Weltklasse!

Doch genug davon. Denn ich liebe es, Musik zu spielen, finde es toll, Musik zu hören, aber über Musik zu schreiben, da halte ich es mit folgendem Spruch

Writing about music is like dancing about architecture.

unbekannter Autor

Ich hatte die Erlaubnis, bei den ersten drei Stücken zu fotografieren. Ich freue mich darüber, dass ein paar Erinnerungsschnappschüsse entstanden sind, aber das nächste Mal höre ich glaube ich einfach wieder der Musik zu, denn so richtig dabei war ich bei den ersten drei Stücken doch nicht.

Jonah: Gesang und KeyboardsHenrik: BassAaron: SchlagzeugDirty Loops in Piteå

Nach vierzig Minuten war da Konzert vorbei. Mit Zugabe. Aber die Länge war genau richtig, denn „Dirty Loops“ betreibt so ein Powerplay, dass man nach dieser Zeit musikalisch satt und zufrieden ist.

Henrik, der Bassist hat mir anschließend erzählt, dass dies tatsächlich das erste richtige eigenständige Konzert unter dem Namen „Dirty Loops“ war. Und dass er ganz schön nervös war. Ich freue mich sehr – fühle mich faktisch ein bisschen geehrt – dass ich bei diesem ersten Konzert dabei sein durfte und immer noch schweben Musikfetzen in meinem Kopf herum. Und wenn es nicht vier Stunden Autofahrt bedeuten würde, dann würde ich mir Dirty Loops morgen noch einmal in Lycksele anhören.