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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Norwegenreise – Teil III – Vesterålen

Jetzt bin ich den vierten Tag auf Hadseløya, einer Insel, die zu den Vesterålen gehört. Heute ist es grau, es regnet und mit 2 °C ist es wärmer geworden. Auf den Straßen im Ort ist der Schnee weggetaut. Draußen im kleinen Park – mit Begeisterung auch im Graben – spielen die Kinder, die bei wirklich jedem Wetter draußen sind.

Die letzten Tage war ich viel draußen; entweder mit René wandern oder mit ihm und Julia fotografieren. Und eigentlich habe ich an jedem Punkt auf der Insel gedacht: „Hier ist es besonders schön“. Was mich vor allem fasziniert, ist die Vielfalt in der Landschaft: Von den meisten Punkten kann man das Meer sehen. Dahinter weitere Inseln. Manche haben eher vom Gletscher abgeschliffene Hügel, viele aber auch steile, schneebedeckte Berge, die erst kaum sichtbar und wolkenverhangen sind, um dann einige Minuten später warm und gelb von der tiefstehenden Sonne angestrahlt zu werden. Ein Teil der Küste ist von schroffen, kantigen Felsen geprägt, an anderen Stellen gibt es Buchten mit Sandstrand und türkisfarbenen Wasser. Überall wachsen Birken und auch Vogelbeeren, deren knallrote Beeren an den kahlen Ästen leuchten. Auch Hadseløya selbst hat runde Berge, die man einfach erwandern kann und schroffe Klippen, die nur für erfahrene Kletterer zu bewältigen sind. Und schöne Täler mit hunderten kleinen Bächen, in die man hinein wandern kann, bis man wieder von drei Seiten von der Bergwelt umgeben ist. Und bis gestern war alles von Schnee bedeckt und es hat auch immer wieder ein bisschen geschneit.

Liebe Schweden, seid mir nicht böse, aber das ist einfach eine der wunderbarsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Zur Beruhigung: Das schwedische Fjäll kommt gleich danach.

Die Touren will ich hier gar nicht groß beschreiben, das würde den Artikel doch zu lang machen. Daher nur in Kurzform:

  • Tag 1: Eine schöne Wanderung in ein Tal, erst noch mit Weg, dann über moosbewachsene Felsblöcke und kleine gluckerne Bächlein. Pause an einem See.
  • Tag 2: An verschiedenen Stellen der Küste, hauptsächlich zum Fotografieren.
  • Tag 3: Herrliche Wanderung auf Storheia, den Hausberg und im großen Bogen zurück. Die Blicke mit den ständig wechselnden Lichtstimmungen: atemberaubend!
  • Plan für heute: Eher faul, Geschäfte angucken, noch mal ans Meer.

Zum Schluss möchte ich Euch einen Blick von Storheia nicht vorenthalten. Durch Bewegung mit der Maus über dem Bild könnt Ihr das Panorama nach links und rechts verschieben.

blick-von-storheia

Nachtrag:

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist es aufgeklart und es gab schwache Polarlichter. Das führte dazu, dass René und ich noch lange wach waren in der Hoffnung, dass die Polarlichter noch stärker werden. Leider vergebens. In der selben Nacht ist das Thermometer am Haus auf -7.8 °C gefallen, ein Wert, der auch für die Vesterålen im Oktober eher ungewöhnlich ist. Der kälteste Oktoberwert im letzten Jahr lag bei -3.0 °C.

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

Sommer in Norwegen · Teil 3: Vesterålen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der dritte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Inzwischen sind wir auf den Vesterålen, wo wir bei und mit Freunden herrliche Tage zwischen Entspannung (und gutem Essen!) und Bergtour erleben.

Nachdem wir mit der Fähre nach Melbu übersetzt haben und nun auf den Vesterålen waren, hatten wir es nicht mehr weit zu Julia und René. Die beiden sind letztes Jahr nach Norwegen gezogen und haben ziemlich schnell einen Hof gekauft, den sie jetzt renovieren. Vor dem Haus läuft die Straße, direkt dahinter liegt das Ruderboot alten Stils am Hadselfjorden. Hinter dem Haus liegen Moore, Wälder und Berge, die meisten gut zu Fuß erreichbar.

Schon gleich am ersten Tag sind wir – nachdem wir für eine Besorgung Renés mit dem Auto um fast die ganze Insel gefahren sind – bei recht grauem Wetter eine schöne, große Abendrunde über Moor und durch Wald gelaufen. Danach habe ich mich erst einmal mit Fieber ins Bett gelegt und einen Tag Auszeit genommen. Aber am Abend des zweiten Tages ging es mir schon wieder gut genug, um mit Sonya von René über das Meer gerudert zu werden. Was für ein Luxus!

Abends klarte es dann auf und der Vollmond leuchtete über den wolkenumhangenen Bergen der benachbarten Lofoten. Was für eine herrliche Stimmung, die ich leider mit der Kamera nicht wirklich einfangen konnte.

Die nächsten beiden Tage hatte Julia frei und wir konnten zu viert zwei sehr schöne Tagestouren machen. Am Samstag sind wir auf den Dalbotntinden gelaufen. Schon bald waren wir am Fuß des ersten hügeligen Berges, wo wir auf einem kleinen, fast unsichtbaren Pfad an einem Bach aufwärts stiegen. Julia und René waren über die Bartflechten begeistert, die hier auf einigen Birken wuchsen, daraus kann man nämlich Suppe machen, die dann nach Pilzen schmeckt. Denn Pilz ist ja der Hauptbestandteil des Doppelwesens Flechte.

Bald waren wir über der Baumgrenze, die liegt ja in diesen Breiten nicht sehr hoch und haben an einem herrlichen See Pause gemacht. Julia war in dem eiskalten Wasser baden, ich hatte als gute Ausrede, dass ich ja am Vortag noch krank gewesen sei. Über den heißen Kakao, den René an Ort und Stelle gekocht hat, haben wir uns aber alle gefreut.

Nach der Pause ging es höher und höher, bis wir schließlich auf dem breiten und bequemen Grat den Gipfel erreicht haben. Während die eine Seite ganz sanft abfällt, geht es auf der anderen Seite senkrecht in die Tiefe. Ein Berg mit zwei Gesichtern.

Auf dem Rückweg haben unsere Gastgeber dann Gelegenheit gehabt, Flechten für die nächsten zwanzig Suppen zu ernten, so viele wuchsen an den kleinen, krummen Birken. Auf der Insel gibt es auch keine Rentiere, denen man das Futter streitig macht. Da wir erst recht spät losgekommen sind, war es später Abend, als wir wieder zu Hause waren. Aber das macht ja nichts, denn die Sonne scheint 24 Stunden. Leider wieder hinter dichten Wolken.

Am Sonntag schien die Sonne, ein herrlicher Tag. Da wir dieses Mal noch später losgekommen sind, haben wir uns eine kürzere Tour ausgesucht und sind auf den Hallartinden gestiegen. Wir hatten einen herrlichen Blick, Sonnenschein und genug Schokolade. Da kann man schon einmal länger oben bleiben.

Und das ganze als scrollbares Panorama:

Aber irgendwann ging es wieder heimwärts, wo Julia Pizza im heißen Wohnzimmerofen gemacht hat. Und dies war eine der besten Pizzen, die ich jemals gegessen habe. Wahrscheinlich fühlte sich auch der Ofen verpflichtet, der kam nämlich aus Italien.

Sonya und ich haben inzwischen beschlossen, die Gastfreundschaft unserer Freunde noch einen Tag länger in Anspruch zu nehmen. Nach zwei Tagen Bergen wollte ich noch einmal ans Meer. Muscheln sammeln und Vögel fotografieren. (An alle, die Austernfischer fotografieren wollen: Nehmt einen guten Gehörschutz mit, die Vögel sind extreme Schreihälse.)

Nachdem ich am Meer war, wollte ich nochmal ins Meer. Mit Neoprenanzug, Schnorchel und Renés Unterwassergehäuse für die Kamera. Die Aktion war eher lustig als erfolgsgekrönt. Zum einen hat der Neoprenanzug einen so starken Auftrieb, dass ich überhaupt nicht abtauchen konnte. Zum anderen konnte ich mit der Tauchermaske durch den Kamerasucher rein gar nichts erkennen und habe nur blind abgedrückt. Aber wie gesagt – lustig war’s und so ist der im Auto mitreisende Overall wenigstens zum Einsatz gekommen.

Abends gab es dann eine Suppe aus Flechten. Nach traditionellem samischem Rezept gehört Rentiermilch dazu, wir haben uns mit Sahne beholfen. Es ist schon faszinierend, wie sich die gekochten Flechten von komischer Pampf zu leckerer Suppe verwandelt haben.

Am nächsten Morgen haben wir in Ruhe gefrühstückt, unsere tausend Sachen gepackt und weiter zu Björn Klauer in Innset gefahren. Auch dieser Weg – wunderschön. Spät am Abend gab es einen herrlichen Regenbogen, der sich über die schönen, grasgedeckten Häuser von Björns Huskyfarm erstreckte. Am nächsten Tag sollte unsere Wandertour losgehen, aber das ist eine andere Geschichte …

Vielen Dank an Julia und René für ihre Gastfreundschaft, die gemeinsam erlebte Zeit und auch für das gute Essen.

Farbe tanken

Knallblauer Himmel empfängt mich am Samstag morgen. Ich habe mich ins Auto gesetzt und konnte mich an den intensiven Farben des herbstlichen Laubes kaum satt sehen. Die Birken sind leuchtend warmgelb, die Espen grün- bis zitronengelb. Die Ebereschen sind dunkelrot oder knallbunt und die wenigen Ahornbäume gelb-orange bis glutrot. Ich habe den Eindruck, dass mein gesamter Körper Farben tankt und sie in jeder Zelle für den langen Winter speichert.

Und so war der Blick vom Stackgrönnans Bootsmuseum über den Skellefteälven (Das Panorama lässt sich scrollen):

Drei Tage Lofoten

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

In Kabelvåg auf den Lofoten habe ich mich mit Elisabet getroffen, die diesen Sommer dort arbeitet. Ich habe einige Tage bei ihr gewohnt und wir haben einige Touren zusammen gemacht.

Mittwoch

Mutter und KindNach einem Mittagessen sind wir nach Utakleiv gefahren, da habe ich vor zwei Jahren schon einmal gezeltet. Unser Plan war, ein Stück den Berg „Mannen“ hochzusteigen, um Ausblick auf die schönen Sandbuchten mit dem türkisfarbenen Wasser zu bekommen. Erst führte ein gemütlicher Weg den Hang hoch und die Schafe äugten uns neugierig an, ehe sie vor uns wegliefen. Dann zweigte ein Pfad ab, der uns auf die Südseite des Hanges führte, von wo man aus einen herrlichen Blick über die Sandbuchten und türkisfarbenen Wasser hatte.

Blick auf Haukland und die Vikbukta

Unkorrigierte Version mit PlastiktüteDoch halt – dieses Bild ist nicht ganz real. In Wirklichkeit sah das Foto so aus →

Das Wetter war nämlich alles andere als schön. Es war kühl, sehr windig und es regnete. Kurzum, das Wetter war scheußlich. Und natürlich kam der Wind genau aus Motivrichtung. Deswegen habe ich immer eine durchsichtige Plastiktüte vor die Kameralinse gehalten, dadurch das Motiv anvisiert, dann die Tüte rasch weggezogen, sofort ein Bild gemacht und direkt danach die Linse wieder abgedeckt. Leider wurde hier die Tüte wieder zurückgeweht und bedeckt daher einen Teil des Bildes.

Weiter oben wurde es noch windiger. Stellte man sich in Windrichtung, so konnte man einzelne große Regentropfen schon in größerer Entfernung ausmachen und waagerecht auf einen zuschießen sehen. Da mir kalt war und ich bei diesem Wind nicht auf den Grat zum Gipfel wollte, sind wir bald umgekehrt und haben im Auto heißen Tee und die Sitzheizung genossen.

Donnerstag

Morgens bin ich erst bei Regenwetter durch Kabelvåg gelaufen und dann, als der Regen nachließ, nach Henningsvær gefahren. Dorthin führt eine Straße, die so schmal ist, dass zwei Autos gerade aneinander vorbeikommen. Die beiden Brücken sind sogar nur einspurig und mit Ampeln geregelt. Ist man angekommen und hat einen Parkplatz gefunden, erwartet einen ein kleines schönes, aber auch sehr touristisches Städtchen.

Henningsvær

Die Berge hängen in den WolkenRørvikstranda

Nachmittags sind Elisabet und ich in eine benachbarte Bucht gefahren. Zum Baden fanden wir es zu kühl und so haben wir statt dessen einen steilen Hügel bestiegen, die Aussicht genossen, Tee getrunken und Schokolade gegessen.

AusblickAusblick

Am Abend haben wir noch einen kleinen Spaziergang gemacht und waren rechtzeitig auf dem Kai, um die beiden Hurtigrutenschiffe Trollfjord und Nordkapp aneinander vorbeiziehen zu sehen.

Hurtigrutenschiffe vor Kabelvåg

Freitag

Schlammweg auf den ReinebringenDiesen Tag hatte Elisabet frei und wir sind fast bis an die Südspitze der Lofoten gefahren, um dort den Reinebringen zu besteigen. Der Weg ist nicht sehr lang und der Wanderführer spricht von 1-2 Stunden für den Aufstieg. Wir haben zwei Stunden gebraucht, was nicht so sehr daran lag, dass der Weg durchgängig steil ist – an zwei Stellen sind sogar Seile angebracht – sondern, dass der Boden sehr schlammig und rutschig war. Ich bin schon schönere und leichtere Wege den Berg hochgelaufen. Aber das wirklich grandiose Panorama von oben über die Bergketten der südlichen Lofoten, die kleinen mit Brücken verbundenen Inseln, auf denen die Stadt Reine liegt und das blaue Meer entschädigten uns voll für den Aufstieg.

Diese Tour kann ich wirklich jedem empfehlen, der ein wenig bergerfahren ist. Nur Geheimtipp kann ich sie nicht nennen, denn trotz des trüben Wetters haben wir viele Menschen aus vielen Ländern auf dem Weg getroffen. Der Abstieg war nicht weniger anstrengend, aber bald standen wir wieder am Auto und haben uns gefreut, dass wir diese schöne Tour gemacht haben.

Blick auf Reine und die südlichen Lofoten

Wir hätten jetzt die restlichen neun Kilometer nach Å fahren können, dem südlichsten Ort der Lofoten, haben uns aber für den Heimweg mit Umwegen entschieden. Wir haben manche Nebenstraße mitgenommen und dabei bei Fredvang diese getrockneten Fischköpfe gefunden.

Fischköpfe hängen zum TrocknenFischköpfe

Und an dieser Bucht musste ich auch kurz aussteigen und ein Foto machen:

Sonne und Berg über türkisfarbenem Meer

Viel zu schnell gingen die Tage vorbei und ich hätte auch noch länger bleiben können, aber Elisabet war ja zum Arbeiten auf den Lofoten und nicht zum Urlaub. Schön, dass sie trotzdem so viel Zeit hatte. Vielen Dank, Elisabet, für die schönen Touren, die gemeinsame Zeit und das Beherbergen.

Am nächsten Tag bin ich weiter auf die Vesterålen gefahren, um dort Freunde zu besuchen, aber davon erzähle ich ein andermal.

Skellefteå bei Nacht

Wer kennt sie nicht, die Postkarten „Mallorca bei Nacht“, „Paris bei Nacht“, „Oer-Erkenschwick bei Nacht“. Meistens sind das pechschwarze Hochglanzkarten, mit einem fürchterlichen Schriftzug „Irgendwas bei Nacht“ garniert. Das haben viele Städte nicht verdient. Auch Skellefteå nicht!

Gestern hatte ich abends ein bisschen Wartezeit am Südufer des Flusses und schaute auf die Silhouette der Innenstadt herüber. Das sah hübsch aus, vor allem, weil jetzt alles schneebedeckt ist. Deswegen habe ich mir heute nachmittag eine halbe Stunde freigegeben und bin an der gleichen Stelle wieder gewesen, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Ich hatte eine Kamera und Stativ dabei.

Skellefteå bei Nacht

Skellefteå bei Nacht – oder, wenn ich wirklich ehrlich sein sollte: Skellefteå um fünf nach vier.

Nachtrag

Das Ganze als skrollbares Panorama:

Stadtpanorama

Ein Abend auf der M/S Stormvind

Gestern war ich bei Freunden aus Dubai eingeladen und als ich gefragt habe, ob Annika mit kann, kam direkt ein „Sure thing mein herr!“ als Antwort. Praktischerweise brauchten wir nicht nach Dubai fliegen, denn die Freunde sind vor einem Jahr von Dubai nach Skellefteå gezogen. Wir hatten es sogar noch besser, denn die Feier fand auf der M/S Stormvind in Skelleftehamn statt, das ist quasi gleich um die Ecke. Und die Feier war rundum schön!

Zum einen war diese Feier ein „knytkalas“, das bedeutet, dass jeder etwas zu essen mitbringt. Es waren nicht nur lokale Gerichte, sondern auch viele asiatische, zum Beispiel aus Indien oder Syrien vertreten und natürlich musste ich alles probieren. Denn wann bekommt man schon einmal solches Essen im kulinarisch eher konservativen Skellefteå. Puh, wie satt ich war!

Dann der Himmel! Die meisten von uns saßen auf dem Oberdeck des Schiffes und immer wieder schaute ich fasziniert auf die Wolken, die von Süden aufzogen und das sich minütlich ändernde Licht. Immer näher rückten die bauschigen Wolken und glühten in warmen Orangetönen, als sie seitlich von der tiefen Sonne angestrahlt wurden.

Abendsonne auf dem Ursviksfjärdenleuchtender Wolkenaufzug

Wolkenpanorama

Doch ehrlich gesagt war es nicht das Essen oder das phantastische Somernachtslicht, sondern es waren die vielen unglaublich netten Leute, die mit dabei waren. Mit der Truppe wäre ich sofort ein paar Tage zusammen weggefahren, um jeden ein bisschen besser kennen zu lernen. Mit Zweien habe ich das Vergnügen, denn ich fahre nächsten Donnerstag mit Martine und Lasse, die gestern auch dabei waren, auf die Lofoten, um gemeinsam Elisabet zu besuchen. Darauf freue ich mich schon riesig!

Und als ich mich heute (schön modern per Facebook) bei den beiden Gastgebern bedankt habe, schrieb ich:

It’s nature why I came to Northern Sweden. It’s people, why I stayed.

Das trifft es eigentlich ganz gut.

Thank you, N. und S., for the invitation, it was a great pleasure meeting you.