Wo bitte schön ist Skellefteå?
Skellefteå (sprich „chälefteoh“, merke „Shell – F – T – O“) ist eine Stadt in der Provinz Västerbottens län in Nordschweden und hat so um die 32000 Einwohner.
In Skellefteå gibt es ein großes Musikgeschäft, eine Stadtbibliothek, eine Skiabfahrt, ein Antiquariat, eine Musikschule mit 2000 Schülern, einen Apple-Laden, einen Jazzclub und vieles mehr, was man in einer deutschen Stadt dieser Größe eher selten finden wird.
Vor allem aber gibt es eine rege Internetszene in dieser Stadt. Als ich im Februar in Lappland war, habe ich gesehen, dass die Webagentur Artopod eine Stelle ausgeschrieben hat. Ich habe mich gleich daraufhin beworben und bin einige Tage für ein Kennenlerngespräch später mit Zug und Bus nach Skellefteå gefahren. Das Ergebnis: Ende April fange ich bei Artopod an zu arbeiten und freue mich schon riesig auf das kleine, nette Team und die schöne Bürogemeinschaft.
„Wie kommt man nach Skellefteå?“, das frage ich mich seit einigen Wochen. Mitfahrgelegenheiten auf dieser Strecke finde ich nicht – das wäre ja auch ein riesiger Zufall. Nun gut …
Ein nicht näher genannter Autovermieter bietet an, ein Auto in München zu leihen und in Skellefteå abzugeben. Die dabei anfallende Einweggebühr beträgt allerdings fast 2000 Euro. Nun gut …
Fliegen wäre eigentlich gar nicht so teuer. Für rund 300 Euro kann ich von München (MUC) nach Skellefteå (SFT) fliegen. Allerdings schlägt das Übergepäck, welches ich garantiert reichlich haben würde, mit 11 Euro pro Kilo zu Buche. Nun gut …
Heute bin ich mit dem Fahrrad zum Bahnhof Pasing geradelt. Die erste Überraschung im Reisezentrum erinnert schon sehr an Schweden: Man muss erst einmal eine Nummer ziehen. An Schalter 1 werde ich dann bei dem Stichwort „Schweden“ gleich an Schalter 4 weiter verwiesen. Dort überrascht mich dann der Bahnmitarbeiter mit einer Geschwindigkeit und einem Tarifwissen, wie ich es noch nie erlebt habe. In Sekundenschnelle füllt er Zahlencodes in die Suchmasken, gibt Zwischenbahnhöfe ein, sucht nach günstigen Alternativen und kann mir zum Schluss die Strecke München—Sundsvall für knapp 175 Euro anbieten. Mit Platzreservierungen und Liegewagen. Gekauft!
Zu Hause sehe ich im Netz, dass ich für die sechsstündige Busfahrt Sundsvall—Skellefteå noch umgerechnet etwa 36 Euro zahlen muss, also bin ich für gut 210 Euro dabei. Mit so viel Gepäck, wie ich tragen kann.
Bloß die Frage nach einer möglichen Fahrradmitnahme entlockte dem Tarifprofi nur ein müdes Lächeln, gefolgt von einem leichten Kopfschütteln. Man kann eben nicht alles haben …
Also, am Mittwoch, den 21. April steige ich um 9:15 in München in den ICE und wenn ich alle Anschlüsse bekomme, steige ich am nächsten Tag um 16:15 nach schlappen 31 Stunden Fahrt in Skellefteå aus der Buslinie 100 und bin da.
Und für alle, die es ganz genau wissen wollen:
| München Hbf |
21.04. |
ab 09:15 |
| Hamburg Hbf |
|
an 14:54 |
| Hamburg Hbf |
|
ab 15:25 |
| København H |
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an 20:11 |
| København H |
|
ab 21:03 |
| Malmö Central |
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an 21:38 |
| Malmö Central |
|
ab 22:48 |
| Stockholm Central |
22.04. |
an 05:56 |
| Stockholm Central |
|
ab 06:30 |
| Sundsvall Central |
|
an 09:52 |
| Sundsvall Central |
|
ab 10:05 |
| Skellefteå busstation |
|
an 16:15 |
Heute in einer Woche um diese Zeit wache ich wahrscheinlich gerade in meinem Zimmer in Skellefteå auf. Ja, ein Zimmer! Seit gestern weiß ich, wo ich unterkomme. Ein Freiberufler, der auch immer wieder für Artopod arbeitet, vermietet mir einen Raum in seiner Wohnung, und da kann ich die erste Zeit bleiben. Das gefällt mir viel besser als jedes Hotel und günstiger ist es bestimmt auch. Außerdem habe ich, wenn ich nicht alleine wohne, gleich ganz viel schwedische Sprache um mich herum.
Toll, dass sich Leif von Artopod so intensiv um die Unterkunft gekümmert und das Zimmer für mich gefunden hat. Er holt mich nächsten Donnerstag vom Bus ab und abends gehen wir dann mit dem Wohnungseigentümer essen, damit er und ich uns kennenlernen. Einen besseren Empfang kann ich mir nicht vorstellen. Hoffentlich bekomme ich nach 31 Stunden Bahn- und Busfahrt mehr als ein „Äh …“ über die Lippen.
Von der Wohnung zur Arbeit sind es etwa drei Kilometer; ich werde also sehen, dass ich mir möglichst schnell irgendwo her ein Fahrrad leihen kann. Denn meines bekomme ich beim besten Willen nicht in der Bahn transportiert.
Der heutige erste Anreisetag steht wohl unter dem Motto „Immer knapp und dann doch nicht“.
Freunde haben mich mit dem Auto abgeholt. Dann haben wir gelernt, wie viele Staus es morgens in München gibt, so dass ich schon Angst hatte, den Zug nicht zu bekommen. Hat dann aber doch noch geklappt.
In München sind auffallend viele Schweden in den Zug eingestiegen, die alle ihre Flüge nicht wahrnehmen konnten. Wir sind pünktlich abgefahren, doch in einem Tunnel kurz vor Göttingen hat es ein Problem mit einer Bremse gegeben, so dass wir 43 Minuten Verspätung hatten. Damit war schon mal klar, dass der Anschlusszug Hamburg—København weg ist, wenn er nicht wartet. Aber vielleicht wartet er ja, sind ja immerhin so um die hundert Schweden im Zug. Wartet aber nicht. Ich will jetzt nicht alles im Detail aufzählen, also die Kurzfassung:
In Hamburg: warten auf …
… einen eingesetzten Bus Hamburg—Puttgarden. Nette Leute, meine ersten Worte Schwedisch.
In Puttgarden warten auf …
… die Fähre Puttgarden—Rödby. Nette Leute, meine zweiten Worte Schwedisch. Und Englisch.
In Rödby warten auf …
… irgendeinen Zug. Der fährt dann sogar nach København. Nette Leute, Englisch.
In København fährt dann auch direkt ein Zug nach Malmö. Und dieser Zug kommt fünf Minuten später an als mein Nachtzug nach Stockholm abfährt.
Die nette Zugbegleiterin versucht noch den Zug telefonisch zum Warten zu überreden. Vielleicht wartet er ja, sind ja immerhin nur fünf Minuten. Wartet aber nicht. Also sitze ich in Malmö fest.
Nachdem das erste Hotel 2500 SEK haben wollte, sitze ich jetzt in einem netten Einbettzimmer mit WLAN für 1000 SEK. Ich habe ohnehin nur ein paar Stunden Schlaf vor mir, denn morgen geht es um 5:11 nach Stockholm weiter. Und wenn alles gut geht, bin ich morgen um 20:15 in Skellefteå.
Mal schauen, was der zweite Anreisetag so bringt.
„Umeå 67 km“ sagt das Schild am Straßenrand.
Also wenn ich schon die einmalige Gelegenheit habe, im Bus nach Umeå kostenloses WLAN zu haben, dann schreibe ich auch mal, wie es weiter gegangen ist.
Um 4:20 hat mich der Wecker aus dem Schlaf geklingelt. Ich habe mich angezogen, meine Sachen zusammengepackt und bin zum Bahnhof gelaufen, der zum Glück gleich um die Ecke ist.
Nach Stockholm wollte ich ja eigentlich mit dem Nachtzug und hatte eine Fahrkarte mit Zugbindung. Als die Zugbegleiterin aber Teile meiner Reisestory gehört hat, hat sie direkt einen Haken gemacht und die Fahrkarte für gültig erklärt.
Aber fast schäme ich mich, die Fahrt aus München als lang zu bezeichnen. Eine Familie mit zwei kleinen Jungen wollte nach Uddevalla nördlich von Göteborg, sie kamen aus Rom. Hinter mir im Bus sitzt gerade eine Frau mit Tochter, die schon Tage aus London unterwegs sind und nach Hause wollen. Das ist irgendwo in Nordnorwegen zwischen Narvik und Tromsø. Da hab ich es doch eigentlich ziemlich gut.
In Stockholm habe ich meine Vorräte aufgefüllt, eine neue Fahrkarte abgeholt (ging problemlos) und auf den Zug nach Sundsvall gewartet. Nach einigen Malen Umsetzen habe ich auch Platz gefunden, obwohl der Zug ausgebucht war. Glück gehabt. Allerdings gab es eine Signalstörung und dann haben wir den Rest der Strecke sämtliche Gegenzüge durchgelassen und sind so mit 30 Minuten Verspätung in Sundsvall angekommen. Und ratet Mal, wer schon weg war. Richtig, der Bus 100 nach Skellefteå.
Aber es stand schon ein Ersatzbus nach Umeå bereit und mit ein bisschen Glück erreiche ich sogar noch die Buslinie 100 in Umeå und komme nach Plan 2 um viertel nach acht in Skellefteå an. Zwischendurch haben wir noch einen fliegenden Wechsel in einen anderen Bus gemacht, so dass ich verkürzt schreiben kann:
München | Auto · Zug · Bus · Fähre · Zug · Zug · Hotel · Zug · Zug · Bus · Bus · Bus | Skellefteå
Drückt mir die Daumen, dass es so bleibt.
Fotos und Reiseeindrücke gibt‘s später. Jetzt will ich erst einmal nur noch ankommen.
OK, ich mache es kurz. Ich bin angekommen. Ich bin angekommen. Angekommen. Ich bin angekommen. Angekommen!
Der Umstieg in Umeå ging problemlos und ich brauchte nur noch zwei Stunden Landschaft an mir vorbeiziehen lassen, eh ich in Skellefteå am Busbahnhof ausgestiegen bin. Nach neun Mal Umsteigen. Leif von Artopod hat mich abgeholt und wir haben zu sechst Abendbrot gegessen: Drei Artopodler, Meine Gastgeber und ich.
Hat das gut getan zu sitzen und etwas zu essen, was weder Keks, noch Brot, noch Schokolade ist. Bloß zum Englisch reden war ich fast zu müde und dabei sind alle so nett. Aber egal, ich bin ja erst einmal hier; war ja nicht das letzte Gespräch.
Jetzt sitze ich in einem schönen Zimmer* noch kurz am Computer und lasse meine Haare trocknen (Dusche, nicht Regen) und falle dann ins Bett.
*Schönes Zimmer = Nette Gastgeber × ( WLAN + Wald hinterm Haus + großes Bett + Ruhe + …)
Morgen mehr.
Zu Fuß sind es etwa drei Kilometer von meinem Zimmer in die Stadt. Keine Entfernung, wenn die Sonne aus einem strahlend blauen Himmel scheint und ich ziehe ganz schnell meine Jacke aus, weil es so warm ist. Beim Weg in die Stadt bin ich kurz beim ICA eingebogen um ein bisschen Frühstück zu kaufen. Danach bin ich am Skellefteälven ins Zentrum gelaufen. Der Fluss war im Februar noch komplett zugefroren. Nun fließt Wasser, die Krokusse blühen, Schmetterlinge flattern umher – der Frühling ist da.
In der Stadt war ich im Buchladen, um Karten von der Umgebung zu kaufen. Einen Stadtplan hat es auch gegeben. Dann war ich lange im überraschend großen Antiquariat, wo ich tatsächlich „Bilbo, en Hobbits äventyr“ gefunden habe. Das Buch hatte ich im Urlaub im Februar geliehen und kann es jetzt zu Ende lesen. Um halb zwei war ich bei Artopod und wir haben ein paar erste Dinge geklärt. Ein MacBook Pro steht schon bereit, die (deutsche) Tastatur bringe ich mit und als Telefon bekomme ich wohl ein Android. Mein erstes Projekt kenne ich auch schon ein bisschen. Gut die Hälfte haben wir schon auf Schwedisch gesprochen und wenn ich mich sehr konzentriere, verstehe ich doch so einiges. Das hat sich dann allerdings bei der Fika – der schwedischen Kaffeepause – geändert, als zehn Kollegen aus der Bürogemeinschaft munter durcheinander geplaudert haben. Das wird noch ein Weilchen brauchen, bis ich da mitkomme, aber ich bin ja froh, dass nicht die ganze Zeit englisch geredet wird und ich so die Sprache lernen kann.
Danach war ich beim Skatteverket wo ich als erstes natürlich eine Wartenummer gezogen habe. Dann musste ich aber nur einige Minuten warten, um dann auf Anders zu treffen, der für mich die Formulare ausgefüllt hat, die ich brauche, damit ich eine Personennummer bekomme. Und die bekomme ich wohl in so zwei, drei Wochen.
Die Personennummer ist entscheidend, um irgendwelche Verträge abzuschließen. Ob Telefon, Bankkonto, Miete oder was auch immer, man braucht seine Personennummer. Und da ich die auch für die SFI-Kurse (Svenska för invandrare = Schwedisch für Einwanderer) brauche, freue ich mich, wenn sie bald da ist.
Ich bin langsam zurück geschlendert und habe mich erst einmal eine Stunde hingelegt. Danach war ich noch zwei Stunden die Umgebung erkunden und habe meine Schneeschuhe vermisst. In den Wäldern liegen nämlich noch gut 40 cm fester Altschnee und bei jedem dritten Schritt bricht man durch, manchmal bis weit übers Knie. Für die wunderschöne Landschaft, die sich hier gleich hinter dem Haus anschließt, hat sich der anstrengende Gang aber gelohnt. Allerdings kann es im Moor schon ganz schön nass sein …
Nach einem ausgiebigen Frühstück – nennen wir es einfach Brunch – mit Spiegelei und Speck, gegrillten Tomaten, einer Art Eier-Käse-Auflauf und einem herrlichen grünen Tee haben Lasse, Martine und ich einen Ausflug mit dem Auto gemacht. Erst waren wir in Skelleftehamn, dem vorgelagerten Hafenstädtchen, welches 17 km weit entfernt an der Ostsee liegt. Teilweise ist das Meer schon eisfrei, an manchen Stellen ist es aber auch noch komplett mit Eis bedeckt. Dieses sieht aber schon ganz schön dünn aus, lange wird es nicht mehr dauern, bis das Eis weg ist.
Danach sind wir 4 Meilen südwärts nach Bjuröklubb gefahren, eine weit in die Ostsee ragenden Landzunge, auf der man fast bis nach Finnland herüberschauen kann. Die einzigen, die wir getroffen haben, waren ein Pärchen, welches vor dem Leuchtturmhäuschen eine Pause von ihrer Skitour(!) machte, ein sehr schneller Jogger und fünf Seidenschwänze, die in den Birken herum hüpften.
Abends gab es dann Surströmming, ein Gericht, bei dem sich wohl auch die Schweden streiten, ob es eine Delikatesse oder ungenießbar ist. Surströmming besteht im Grunde aus vergorenem Hering und das herausragende Merkmal ist der extreme Geruch, den dieser verbreitet. Deswegen macht man die Dose auch draußen auf. Aus dem Hering werden dann die Innereien heraus gedrückt und die Gräten entfernt. Das, was dann noch übrig geblieben ist, isst man mit Tunnbröd, zerstampften Kartoffeln, Zwiebeln, Sauerrahm und Dill als Sandwich. Dazu gibt es Bier und Schnaps. Letzterer wird mit Helan går, einem Trinklied begleitet. Surströmming werde ich jetzt nicht jede Woche begeistert essen, aber das ganze schmeckte wesentlich besser, als die vielen Horrorstories vermuten ließen.
Heute vor einer Woche war ich noch in Deutschland und stand kurz vor der Abreise. Ich habe den Eindruck, als sei das schon Ewigkeiten hier. Dabei ist hier alles noch neu für mich:
Die unterschiedlichen Wege von meinem Zimmer zur Agentur, das neue Android-Handy, welches ich von Artopod bekommen habe, der Bibliotheksausweis für die große, zweigeschossige Stadtbücherei und natürlich lange noch die Sprache. Und nachdem ich vorgestern an meinem ersten Arbeitstag wie immer den ganzen Tag lang installiert und Zugänge eingerichtet habe, war es richtig schön, gestern die ersten Umsetzungen zu machen. Ich bin immer froh, wenn diese ganzen Vorbereitungen vorbei sind und ich einfach was machen kann.
Skellefteå zeigt gerade, dass es weiß, wie Frühling geht. Der Schnee schmilzt rapide, Krokusse, Narzissen und Zilla blühen, die Sonne scheint und wenn es nicht gerade windig ist, ist es auch warm. Nächstes Wochenende kann ich wahrscheinlich im Wald wandern, ohne bis zu den Knien im Altschnee zu stecken. Man sieht aber auch die Schäden: Hier eine zerstörte Holzbrücke, dort ein Vordach, welches unter den Schneemassen zusammengebrochen ist. Die Wiesen sind noch patschnass, aber im Zentrum ist bis auf ein paar dunkelgraue Schneehaufen vom Winter nichts mehr zu sehen. Auch schön!
Am Dienstag waren Leute von Norran, der lokalen Zeitung Skellefteås da, um mich zu interviewen und zu fotografieren. Sie finden es wohl interessant, dass ein Deutscher nach Skellefteå kommt, um hier zu arbeiten. Nach einem kurzen Interview hat der Journalist dann beschlossen, heute mit mehr Zeit noch einmal wiederzukommen.
Mehr Zeit heißt zum einen ein kurzes Fotoshooting am Vormittag bei bestem Wetter, erst vor einem der Holzhäuser in der Bonnstan, dann auf der Lejonströmsbron, der ältesten Holzbrücke Schwedens, die 1737 erbaut wurde. Ich muss zugeben, dass ich schon ein bisschen zusammenzucke, wenn der Fotograf keine Verschlusskappen auf den Objektiven hat und die Linsen mit dem T-Shirt sauber reibt.
Mehr Zeit heißt zum anderen dann ein neunzigminütiges Interview auf Englisch nach der Arbeit. Ich frage mich, was der junge Journalist mit den vielen Seiten Notizen anfangen will. Leider wird durch den intensiven Kontakt mit der schwedischen Sprache mein Schwedisch nicht besser, wohl aber mein Englisch schlechter. Aber ich werde bestimmt bald lesen können, was ich gesagt habe.
…ist mal so ziemlich ins Wasser gefallen. Das schöne Wetter der ersten Woche hat sich gestern schon mit leichtem Schneefall bei Temperaturen knapp über null verabschiedet. Vor allem die Nacht war dann ganz schön ungemütlich nass-kalt. Wie Winter in Essen … . Der Schnee von gestern ist dann heute in Regen übergegangen und so habe ich meinen geplanten Fotoausflug lieber ausfallen lassen. Vielleicht morgen …
Gestern, am 30. April wurde Valborgsmässoafton, die schwedische Spielart der Walpurgisnacht gefeiert, bei der überall große Feuer entzündet werden. Da ich aber Lasse und Martine zu einer Einladung eines befreundeten Pärchen begleiten durfte und das total nett war und – habe ich schon das Wetter erwähnt – es drinnen doch sehr gemütlich war, haben wir die Feuer verpasst. Frischluft haben wir drei dann aber doch noch bekommen, als wir nach Hause gelaufen sind, weil partout kein Taxi zu bekommen war.
Der Vitbergsbacken, der hiesige Skihügel sah heute bei dem trüben Wetter doch sehr trostlos aus. Die Weidenkätzchen zeigen aber, dass der Frühling nicht mehr weit weg ist.
Falls von Euch jemand demnächst in Schweden eingeladen ist, so lerne er schon einmal folgendes Trinklied auswendig:
Helan går
sjung hoppfaderallanlallanlej,
helan går
sjung hoppfaderallanlej.
Och den som inte helan tar
han heller inte halvan får.
Helan går
sjung hoppfaderallanlej!
Das Wetter wurde schließlich doch noch besser und ich habe einfach mal ein paar Bilder gemacht. Ohne Kommentar.
Die Bilder kann man (wie immer) per Mausklick vergrößern. In der vergrößerten Ansicht blättert ein Klick auf die linke Hälfte rückwärts und einer auf die rechte Hälfte vorwärts.
Na gut, doch noch ein paar Kommentare:
- Beim Grillen kann man sich aussuchen, ob man im Nassen sitzen oder die Bänke aus dem Schnee ausbuddeln möchte.
- Im Tal fließt das Wasser überall. Im Bach, auf dem Weg, unter der Brücke, über der Brücke, unter und über dem Schnee.
- Die tolle Tankstelle steht drei Häuser weiter. Immer gut, eine Tanke in der Nähe zu haben.
Heute habe ich Post vom Skatteverket bekommen. Ich habe eine Personennummer! Ab jetzt kann ich wie jeder Schwede auch ein Konto eröffnen, einen Telefonanschluss bekommen und habe es auch leichter, eine Wohnung zu mieten. Zusätzlich kann ich nun an den kostenlosen Schwedischkursen (SFI – Svenska för invandrare) teilnehmen und damit endlich richtig beginnen, Schwedisch zu lernen. Genial!
Heute morgen ist der Artikel über mich ich in der Zeitung erschienen. Daniel, der Redakteur hat sich ins Zeugs gelegt und fast eine ganze Seite vollbekommen – ziemlich viel dafür, dass ich keinen Nobelpreis gewonnen, keinen Pop-Star geheiratet und auch keine Drogen verkauft habe. Auch wenn mir der Artikel ziemlich egal ist, eine Zeitung für meine Eltern und eine als Andenken habe ich doch gekauft.
Was ist sonst heute noch passiert? Ich habe ein Bankkonto eröffnet. Dazu habe ich ein kleines Gerät erhalten, welches Transaktionsnummern für das Onlinebanking generiert. Ich bin gespannt, wie lange ich für die erste Überweisung brauche, denn der Prozess ist doch recht aufwändig.
Dann habe ich zum ersten Mal in einem Meeting zu einem auf schwedisch formulierten Problem auf schwedisch etwas gesagt. War ich stolz! Den Rest habe ich dann leider wieder kaum verstanden, aber das wird schon. Hoffe ich.
Und – hurra! – ich habe ein Leih-Fahrrad. Das alte Mountainbike von Jonas ist mit geflickten Reifen und reparierten Bremsen aus der Werkstatt zurück und ich konnte nach Hause radeln. Toll! Ich habe dann auch gleich die eine Straße verpasst, weil ich viel schneller als zu Fuß war. Und ich weiß jetzt wieder, wofür ich aus München Handschuhe mitgenommen habe (Skellefteå: 3.2 °C).
Ich habe die Genehmigung bekommen, den Artikel der Norran in meinem Blog zu veröffentlichen. Hier isser:
Artikel Norran (452 kB)
Packt einfach das zip-File aus und Ihr werdet zwei Bilder finden. Die Qualität ist allerdings nicht so berauschend, da der Artikel nicht gescannt, sondern abfotografiert ist. Ach ja, und auf schwedisch ist er natürlich auch …
Theorie
Ich bin eigentlich schon fast entschlossen, hier ein Haus zu kaufen. Die günstigen Preise und die Aussicht auf Platz für einen Flügel sind einfach zu verlockend. Ich schnappe mir also am Samstag das Fahrrad und fahre in Ruhe nach Skelleftehamn und schaue mir dort und in Ursviken (das liegt 5 km vor Skelleftehamn) einige Häuser an. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und es ist warm.
Wirklichkeit
Ich bin eigentlich schon fast entschlossen, hier ein Haus zu kaufen. Die günstigen Preise und die Aussicht auf Platz für einen Flügel sind einfach zu verlockend. Am Freitag Abend stehe ich von einer meiner seltsamen Sitzpositionen am Fußboden auf und mache dabei eine komische Bewegung. Autsch – das tat weh! In der Nacht nimmt der Schmerz immer weiter zu und ich kann nicht besonders gut schlafen.
Am Samstag kann ich kaum noch auftreten und Lasse – danke dafür! – bringt mich zur Notaufnahme, wo ich über drei Stunden auf einen Arzt warten muss. Der ist total nett und entschuldigt sich dafür, dass gerade an diesem Tag so viel los ist, wo er ja auch nichts für kann. Er schließt zum Glück einen Anriss der Achillessehne und Schäden am Wadenbein aus und stellt dann seine Diagnose: Höchstwahrscheinlich ein Muskelfaserriss in der Wade. Zwei bis Drei Wochen Ruhe.
Nachdem mich Lasse auch wieder abgeholt hat – Lasse ist super! – verbringe ich einige Stunden mit Schlafen und mache den Rest des Tages auch nicht mehr viel. Die Fahrradtour nach Skelleftehamn (ca. 17 km pro Weg) muss ich erst mal verschieben. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint und es ist warm.
Die Vokabel des Tages: Akutmottagning – Notaufnahme. Listen and repeat …
Am Freitag bin ich mit dem Fahrrad entlang der südlichen Seite des Skellefteälven und dann über die Lejonströmsbron, die riesige, alte Holzbrücke zurückgefahren.
Eis am Rande des Skellefteälven
Noch kann man auf dem Eis sein Boot parken
Ein kleiner Teil der Lejonströmsbron
Die Skellefteå landförsamlingens kyrka
Die nächsten Fotos werden ein bisschen auf sich warten lassen, da ich mit meinem Muskelfaserriss nicht besonders beweglich bin. Das Gute: Dann ist wahrscheinlich auch der letzte Schnee geschmolzen und Eis gibt‘s dann nur noch in der Form Schoko oder Vanille.
Vor drei Wochen um diese Zeit war ich noch nicht einmal in Skellefteå angekommen und gerade zweieinhalb Wochen später möchte ich schon ein Haus kaufen. Ich denke, das zeigt, dass es mir soo schlecht hier nicht geht. Am Sonntag hatte mich Leif nach Skelleftehamn abgeholt und wir haben uns ein Haus am Tallvägen 35 angeschaut. Das Haus ist gut in Schuss und hat eine schöne Lage. Der Wald mit Weg zur Ostsee ist gleich um die Ecke und auch die Bushaltestelle ist nicht weit. Und ein Gästezimmer gibt es auch! Also habe ich beim Makler mein Interesse bekundet.
Ich bin nicht der einzige Interessent, also wird – wie in Schweden üblich – bald das Bieten anfangen. Der Makler ruft einen an und sagt, welcher Preis geboten wurde. Dann kann ich entweder aussteigen oder ein höheres Gebot abgeben. Daraufhin wird der Makler den nächsten Interessenten anrufen und das aktuelle Gebot mitteilen. Irgendwann bleibt dann einer übrig und kann das Haus kaufen.
Gestern um 10 hatte ich einen Termin bei der Bank und schon am Nachmittag habe ich telefonisch mein lånelöfte, mein „Darlehensversprechen“ bekommen. Normalerweise muss man 10% direkt zahlen und den Rest leiht einem die Bank. Da mich aber die Bank nicht kennt (stimmt ja auch), gewährt sie mir „nur“ 75% statt der üblichen 90%. Diese 75% sind aber ohnehin der „Bottenlån“, den man zu sehr günstigen Zinssätzen bekommen kann, während der „Topplån“ teurer ist.
Jetzt muss ich eigentlich nur noch das Haus bekommen. Oder ein anderes schönes. Und dann habe ich nach sechs Jahren auch endlich wieder Platz für meinen Flügel. Und für das Gästezimmer. @Freunde: War der Wink mit dem Zaunpfahl klar genug?
Es ist Himmelfahrt, es ist schönes Wetter und ich kann wieder Fahrrad fahren.
Also habe ich eine kleine Runde zu Rovön und Lustholmen – zwei Flussinseln gemacht. Und was machen die Schweden währenddessen?
Angeln · das Trampolin im Garten aufbauen · am Fluss picknicken · Balken fürs Haus streichen · Spazieren gehen · bei ICA Lebensmittel einkaufen · sich sonnen · unter dem Auto liegen · Marienkäfer suchen · sich über den Frühling freuen.