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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Tag- und Nachtgleiche

Heute war Tag- und Nachtgleiche. Theoretisch gesehen sollte es also heute an jedem Punkt der Erde zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht geben.

Weil aber weder Sonne, noch Erde sich an so einfache Regeln halten, war heute in Skelleftehamn die Sonne schon zwölf Stunden und zwanzig Minuten über dem Horizont. Und sie hatte genug Kraft, um in der Stadt die Luft auf acht, neun Grad aufzuheizen und weißen Schnee in braune Pfützen zu verwandeln. Aber das ist ja für einen guten Zweck: Den Frühling, der heute astronomisch gesehen mit der Tag- und Nachtgleiche begonnen hat.

Ätschmodus an:
So – jetzt haben wir ein halbes Jahr lang mehr Licht als Ihr, Ihr Deutschen.
Ätschmodus wieder aus.

Erste Osterboten

Diese Woche habe ich in zwei Jahreszeiten gelebt. Im Garten hinter dem Haus liegen noch 80 cm Schnee und morgens war es mit Temperaturen um -10 °C noch ganz schön frisch. Aber tagsüber fühlen sich auch wenige Plusgrade schon richtig warm an. Vor allem wenn es windstill ist und die Sonne scheint.

So hat sich diese Woche auch der erste Schmetterling – ein Kleiner Fuchs – in die Innenstadt verirrt. Vielleicht haben ihn die Osterglocken des Blumenladens gelockt und ihm vorgegaukelt, der Frühling sei schon voll da.

Auch der ICA in der Innenstadt zeigt, dass sich Ostern nähert: Mit großen Plastikeiern, die knallbunt mit Süßigkeiten gefüllt sind. Das hat ja auch was, aber als hier geschrieben habe, dass ich mich auf den Frühling auch der Farben wegen freue, hatte ich nicht so etwas im Sinn.

Und wenn schon Süßes, so hoffe ich stark, dass man auch in Schweden Nougateier bekommt …

Die Fahrradsaison ist eröffnet

Oh – war das herrlich, mal wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit in die Stadt zu fahren. Das erste Mal seit dem 8. November! Die schönen Abkürzungen durch den Wald sind noch zugeschneit, aber alle anderen Wege sind schon frei, auch der eine Fahrradweg am Ufer.

Auf dem Hinweg habe ich anfangs ein bisschen geflucht, da gab es nämlich steinhart gefrorenen Schneematsch mit tiefen Rillen, die einen überall hinführten, nur nicht geradeaus. Das war aber zum Glück schnell vorbei. Ich habe ganz schön lange für den Weg gebraucht, schiebe das aber einfach mal auf die langsameren Spikereifen, die Fotopausen und natürlich den ständigen Begleiter, den Gegenwind. Wie man sieht, bin ich nicht der einzige, der radelt.

Heute hat das Thermometer die Zehngradmarke geknackt und auf dem nachmittäglichen Rückweg war es noch so warm, dass ich ohne Mütze und ohne Handschuhe fahren konnte. Sogar die ersten Insekten schauen heraus und kleine Fliegen landen auf meinem hellen Hosenbein. Da kann man den Schnee ganz gut ignorieren und einfach beschließen, dass dies der erste Frühlingstag ist.

Ich war dann noch kurz bei ICA, um mir drei Flaschen Nygårda-Limonade zu kaufen. Ich mag diese kleinen Glasflaschen, das etwas alt wirkende Etikett und vor allem die herrlich unspektakulären Namen:

Das Hallon in „Hallonsoda“ bedeutet Himbeer und „Apelsin“ muss ich wohl kaum übersetzen. Mein absoluter Favorit in der Namensgebung ist aber „Sockerdricka“! Eine Limonade (in etwa) einfach Zuckergetränk zu nennen ist so erfrischend einfach und auch so entwaffnend ehrlich, dass mir Nygårda alleine dafür schon sympathisch ist.

Autowandern

Dieses Wochenende bin ich mit meinem neuen Auto kreuz und quer durch die Gegend gefahren. 311,5 Kilometer oder (klingt schwedischer) „so etwa 30 Meilen“. Das Wetter war herrlich: Blauer Himmel und vor allem gestern überraschend warm. (Ich finde knapp 10 Grad und Sonnenschein überraschend warm). Deshalb habe ich gestern Nachmittag einen Teil meiner Holzterrasse vom Schnee befreit und konnte tatsächlich im T-Shirt draußen sitzen. Das fühlte sich schon so sehr nach Sommer an, dass ich ein Foto – sagen wir ein wenig manipuliert habe, um meinem Der-Sommer-kommt-bald-Gefühl Ausdruck zu verleihen.

Aber wieder zurück zum Autowandern. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von Euch dieses Wort in seinem aktiven Wortschatz hat. Hatte ich auch nicht. Aber ich fand, es trifft meine beiden Ausflüge ganz gut. Ich wusste gestern nur, dass ich in Richtung Kåge und heute, dass ich in Richtung Bureå aufbrechen wollte. Der Rest hat sich einfach ergeben, meist in dem Sinne „Oh, dort sieht‘s nett aus.“. Mein Auto ist jetzt pottendreckig, denn ein Teil der Straßen und Wege sind unbefestigt, zur Zeit ziemlich weich und mit tiefen dreckwassergefüllten Pfützen bestückt. Auf den meisten kleinen Straßen war ich allein unterwegs und da ich nicht immer in die Karte geschaut habe, war es immer spannend, ob man den Schotterweg nach einer Meile wieder zurückfahren muss oder nicht. Aber meistens geht es irgendwie weiter und wenn man dann plötzlich ein Vorfahrtschild und eine Asphaltstraße sieht, dann weiß man, dass man nicht umkehren muss.

Ich habe keine Ahnung, ob es damit zusammenhängt, dass ich Fahranfänger bin oder nicht, aber ich finde manche Geschwindigkeitsbegrenzungen nun ja … optimistisch. Gerne taucht das Tempo-70-Schild mit Warnung vor Bodenwellen und Warnung vor kurvenreicher Strecke auf, auf denen ich höchstens 50 fahre. Aber ich weiß, es sind ja Höchstgeschwindigkeiten.

Fotografieren

Eigentlich wollte ich ganz viele und ganz tolle Fotos machen. Und was passiert: Der nahe Adler ist wieder Weg, eh ich das Tele auf der Kamera hatte und übrig bleiben zwei Postkartenmotive von der Kirchen in Kåge und der Friedhofskapelle in Bureå. Na toll.

Ich finde es wirklich nicht einfach, mit dem Auto zum Fotografieren unterwegs zu sein. Sicher, es gibt manches schöne Motiv am Straßenrand, aber das sieht man immer erst, wenn man schon halb vorbei ist. Und es ist nicht immer einfach, das Auto irgendwo zu parken. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich mich bei so manchem Motiv frage, ob ich dafür das Auto parken, die Autofahrschuhe gegen Stiefel wechseln und die Kamera nehmen soll, um ein Foto zu machen. Und so bin ich an den drei verbeulten Milchkannen genau so vorbei gefahren wie an dem knallroten Auto, von dem nur die rechte Hälfte zu sehen war, weil die linke komplett im Schnee streckte. Und bei dem Hochsitz war ich so faul, dass ich das Foto sitzend durch die Windschutzscheibe gemacht habe. Dekadent, oder? Für die beiden nächsten Fotos vom Bootshafen in Kåge bin ich aber ausgestiegen …

Ich stelle fest, dass dieses Dinge-an-der-Straße-knipsen mit dem Fahrrad leichter ist. Man sieht noch mehr, da man langsamer ist und man muss nicht aussteigen, um ein Foto zu machen. Auf der anderen Seite erweitert sich der Aktionsradius im Auto natürlich erheblich. Und man kann so viele Sachen dabei haben. Gummistiefel, kein Problem. Schneeschuhe, ab in den Kofferraum. Stativ, na klar!

Beim Fahren habe ich nach einer Alternative zum Auto überlegt. Auch wenn er im Winter Nachteile haben mag, wäre mein derzeitiger Favorit ein fliegender Teppich. Hat zufällig jemand einen zu verkaufen?

Ist Frühling?

Es liegt noch Schnee. Aber es ist schön und recht warm. Ist das nun noch Winter oder schon Frühling. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, werde ich mich dieser entscheidenden Frage streng wissenschaftlich mit phänomenologischem Schwerpunkt annähern:

1. Meteorologischer Frühlingsanfang Der war am ersten März. Da war‘s aber noch ganz schön kalt hier. Aber egal – check!
2. Astronomischer Frühlingsanfang War auch schon vor ein paar Wochen. Check!
3. Kein Schnee mehr im eigenen Garten Oh jeh, noch bis zu 40 cm Schnee – das kann noch dauern
4. Ohne Handschuhe Fahrrad gefahren Morgens noch nicht, aber nachmittags auf dem Nachhauseweg ging das schon gut
5. Im T-Shirt Fahrrad gefahren Hallo? Wir reden von Frühling, nicht vom Hochsommer! Keine Wertung
6. Blumen im Garten gesehen Ja, aus dem Bus
7. Blumen im eigenen Garten gesehen leider noch nicht
8. Eisfreier Skellefteälven Teils ist der Fluss schon recht frei, teils noch komplett bedeckt
9. Eisfreies Meer Weiter draußen ja, direkt an der Küste ist noch alles eisbedeckt
10. Wasservögel Ja. Singschwan, Ente, Gänse und mir unbekannte Wasservögel
11. Insekten Ein paar kleine Fliegen und immerhin ein Schmetterling!
12. erstes Eis auf die Hand Ja!
13. Draußen Mittag gegessen Ich leider noch nicht (Aber andere schon)
14. Zu Hause auf der Terasse gesessen Ja. Sogar im T-Shirt. (Ein Mal)
15. Ohne Mütze und Winterstiefel ins Büro Ja
16. Man sieht wieder Waldboden Um die Bäume und auf allen Südhängen ist der Schnee weg. (Aber im schattigen Wald liegt noch einiges)

So, mal schauen. Zehn Mal und fünf Mal , das heißt eindeutig: Der Frühling ist da! Zudem – einige waren ja auch ein bisschen schwer.

Außerdem ist es doch immer schön, wenn noch Potential zur Verbesserung da ist.

Zum Schluss noch drei Fotos: Fluss · Wald · Meer.

Sonne, Strand und Meer …

… gab es an diesem Wochenende. Jetzt muss eigentlich nur noch das Eis weg und sowohl Luft- als auch Wassertemperatur kräftig steigen, ehe ich mich ohne Taucheranzug ins Wasser traue und barfuß am Strand laufe.

Ich habe mir am Wochenende ein paar Strände angeschaut, weil ich neugierig war, ob man schon Sand sieht, ob offenes Wasser bis an den Strand reicht oder meterhohe Eisberge im Meer treiben.

1. Byske

Byske ist gut 40 Kilometer entfernt und hat einen für hiesige Verhältnisse langen und breiten Sandstrand. Die ganze Bucht ins noch von Eis bedeckt, aber die offenen Bäche, die hier ins Meer münden, fräsen schon Mäander in das Eis. Kein Mensch weit und breit.

2. Boviken

Boviken ist mit dem Auto 26 Kilometer entfernt, mit dem Fahrrad nur 16. Wenn man ein Mountainbike hat. Diese Bucht ist noch komplett mit Eis bedeckt. Der weiche, nasse Sand federt unter den Stiefeln. Auch hier ist noch kein Strandleben in Sicht, aber immerhin Spaziergänger.

3. Storgrundet

Das ist quasi mein Hausstrand, denn er ist nur 1600 Meter vom Haus entfernt. Vor einigen Wochen bin ich noch über das Eis zur Insel Storgrundet gelaufen, dort ist jetzt offenes Wasser. Aber immer noch viel Eis.

Dann war ich aber auch neugierig, wie denn Killingörviken aussieht. Diese Bucht ist nur ein paar hundert von meinem Haus Meter entfernt. Und dort ergab sich ein lustiges Bild: Ein Großteil der Bucht ist schon offen. Am Nordufer der Bucht hält sich aber noch Eis und dort saßen und lagen tatsächlich noch drei Eisfischer in ihren knallbunten Overalls. Vielleicht die letzten, die ich diese Saison sehe, denn bald dürfte auch dort das Eis zu dünn sein.

Zum Abschluss noch zwei Fotos von Byske. Ich habe die kleinen Bäche einfach mal Eisprile getauft.

Drei Mal Wasser

1. Schön: Der Skellefteälven

Nun ist der Fluss nicht nur in der Stadt, sondern auch außerhalb offen. Es ist so schön, wieder Wasser fließen zu sehen und auch die Möwen und anderen Wasservögel, die zurückgekommen sind, scheinen es zu genießen. Nur vor dem Wehr in Bergsbyn stauen sich noch die Eisschollen.

2. Belanglos: Mein Outdoorpool

Ich habe es lange herausgezögert, aber heute ist es so weit. Ich lasse das Wasser im Outdoorpool ab. Es ist ja gechlort und kann daher lange im Pool bleiben, aber der Zeitpunkt, an dem ich das Wasser hätte wechseln sollen, ist eigentlich schon länger überschritten. So wie das Wasser jetzt gerade aus dem gelegten Schlauch heraustitschert, werden aber wahrscheinlich Stunden vergehen, ehe der Pool leer ist. Ich weiß noch nicht, wann ich ihn wieder neu fülle und chlore, denn alleine im Hellen macht mir das Baden keinen Spaß.

3. Alles andere als schön: Cryptosporidium

In der Stadt sind sieben Fälle von Menschen, die sich mit Kryptosporidien infiziert haben bekannt geworden. Das sind einzellige Parasiten, die sich im Wasser sehr wohl fühlen und fiese Magendarmerkrankungen auslösen. Es besteht der Verdacht, dass sich diese Parasiten über das Trinkwasser verbreitet haben. Und das heißt, dass sämtliches Wasser, welches zum Trinken, Kochen oder zum Zähneputzen verwendet wird, vorerst abgekocht werden sollte. Noch ist es nur ein Verdacht, dass das Leitungswasser von den Parasiten befallen sein könnte. Sollte sich dieser Verdacht aber bestätigen, wäre das schon ein großer Mist. Östersund hatte vor einigen Monaten das gleiche Problem und dort hat es zehn Wochen gedauert, bis das Leitungswasser wieder trinkbar war.

Drückt uns die Daumen, dass die Infektionen eine andere Ursache haben und das Wasser OK ist.

Das Mineralwasser wurde heute schon gehamstert und war sofort ausverkauft.

Nachtrag:

20. April, abends In den ersten Proben wurden keine Parasiten gefunden. Weitere Proben wurden heute entnommen. Es wird empfohlen, weiterhin das Trinkwasser abzukochen.
22. April, abends Auch in den am Mittwoch entnommenen Proben wurden keine Parasiten gefunden. Es wird weiterhin empfohlen, Trinkwasser abzukochen.

Ein Jahr Schweden

Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich übermüdet von der langen Anreise mit Rucksack, großer Tasche und zwei Koffern hier ankam. Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter mir und ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass jetzt auch einfach mal ein bisschen Alltag einkehrt.

Dementsprechend habe ich den heutigen Tag – den ersten der vier freien Ostertage – weder gefeiert noch habe ich groß zurückgeschaut. Statt dessen habe ich einfach das schöne Wetter genossen und mit mir die gesamte Natur. Die Vögel haben getwittert, äh gezwitschert, die ersten Frösche waren draußen und die ersten wilden Blumen am Straßenrand blühen.

Nur mein Auto musste heute ein bisschen leiden. Gestern habe ich mit netter Nachbarshilfe Sommerreifen aufgezogen und heute bin ich ein bisschen gefahren. Dieser eine schöne Waldweg wurde allerdings immer schlechter und immer matschiger und nach einer Kurve sah er mehr aus wie ein Übungsgelände für Jeeps. Also musste ich rückwärts zurück. Um die Kurve. Mit Sommerreifen auf rutschigen Boden. Und prompt bin ich auch – so richtig schön Fahranfänger – ein bisschen vom Weg abgekommen und habe mich im weichen Straßenrand festgefahren. Na toll! Ich hatte aber (eigentlich eher für Schnee gedacht) vier schmale, alte Bretter dabei, die ich dann unter die Reifen gelegt habe. Und mit vielen Mal vorwärts und rückwärts rangieren, ungefähr zehn Mal den Motor abwürgen, durchdrehenden Reifen bei Motorgeheul und einigen Flüchen bin ich tatsächlich wieder auf den Weg gekommen und habe auch ganz schnell eine Stelle zum Wenden gefunden. War ich erleichtert! Es hat sich zwar beim Zurückfahren gezeigt, dass ich keine 100 Meter hätte laufen müssen, um Hilfe zu bekommen, aber ich war trotzdem sehr froh, das Auto alleine wieder frei bekommen zu haben. Heute gelernt: Sommerreifen haben ihre Grenzen und mein Auto ist kein Kettenfahrzeug.

Zum Schluss noch zwei kleine Winter-Frühjahrsvergleiche:

P.S.: Zum halbjährigen Jubiläum habe ich den hundertsten Beitrag geschrieben, heute zum einjährigen den zweihundertsten. Zufall oder deutsche Wertarbeit?

Valborg

„Der Frühling ist da“ – So könnte ich eigentlich die letzten Artikel alle nennen. Ob ich das erste Mal Boot mitfahre, den ersten Marienkäfer oder die erste Wildblume sehe, das Eis auf dem Fluss aufbricht und verschwindet oder auch mein Fahrrad wieder Sommerreifen bekommen hat, alles handelt davon, dass der Winter vorbei ist und der Frühling beginnt.

Gestern wurde in Schweden Valborg gefeiert, die schwedische Version der Walpurgisnacht. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei ist das Valborgsbrasa, das Maifeuer, welches am Abend entzündet wird. Zwar ist es dann noch hell, aber so haben auch die vielen Kinder noch etwas davon. Sie springen hin und her, werfen kleine Zweige ins Feuer und schauen – wie die Erwachsenen auch – froh in die wärmenden Flammen.

Ich war um vier mit Freunden in der Stadt verabredet. Schon aus dem Bus in der Stadt konnte ich ein anderes Frühlingszeichen entdecken: Die Birken bekommen Blätter. Noch sind sie klein und zusammengefaltet, aber selbst dieser Hauch von Grün lässt die Natur weniger karg wirken.

Bei den Freunden wurde ich mit einem phantastischen Elchgeschnetzeltem verwöhnt. Um sechs sang draußen der Männerchor auf – man könnte sagen – einer öffentlichen Frühlingseröffnung. Alle Lieder handelten davon, den Frühling und den Mai zu begrüßen und der Redner ließ zum Schluss den Frühling hochleben. Daraufhin rufen alle „Hurra hurra hurra hurra“, denn in Schweden lässt man vier Mal hochleben.

Wir haben uns dann noch mit Freunden meiner Freunde getroffen und gemeinsam den Abend verbracht. Um halb neun haben wir uns das Feuer angeschaut, sind dann aber wieder ins Warme gegangen. Um kurz vor zwölf habe ich dann den Bus nach Hause genommen, denn nach fast acht Stunden schwedisch sprechen und verstehen versuchen bin ich einfach müde.

Nun warte ich noch auf mein letztes persönliches Winter-ist-vorbei-Zeichen: Dass auch der letzte Schneerest auf meinem Grundstück weg schmilzt. Aber es liegt im Schatten der Nachbarsgarage und hält sich hartnäckig. Aber in ein paar Tagen ist er verschwunden und ich kann darüber schreiben. Vielleicht nenne ich den Artikel dann „Der Frühling ist da“.

Alltag

Nachdem meine Eltern wieder nach Deutschland gefahren sind, hat sich hier wieder eine Art Alltag eingestellt. In Stichpunkten (da müde):

  • Es wird nicht mehr richtig dunkel. Die Abenddämmerung geht nahtlos in die Morgendämmerung über, ehe um zwanzig vor drei die Sonne aufgeht.
  • Das Leitungswasser muss weiterhin abgekocht werden. Man kann wohl Parasiten im Wasser erst nach dem Einbau von UV-Filtern mit Sicherheit ausschließen. Und das kann noch ein paar Monate dauern. Aber – man gewöhnt sich dran.
  • Mein Computer spinnt ziemlich, aber ein neuer ist bestellt. Der hat dann eine mit 750 GB eine größere Festplatte und ich habe wieder Platz für neue Fotos.
  • Das Spatzenpärchen ist unter meinem Dach wohnen geblieben. Ich glaube, sie sind noch am Brüten.
  • Ich werde diese Woche wohl komplett mit dem Bus fahren, da ich keine Lust habe, 18, 19 Kilometer gegen Windgeschwindigkeiten um 40 km/h zu radeln. Nennt mich ruhig faul, damit kann ich leben.
  • Heute war ich zum zweiten Mal in der Ostsee baden und bin nicht sofort wieder hinaus gesprungen. Lange im Wasser war ich aber dennoch nicht.

So, mehr schreibe ich jetzt nicht, dann ich bin müde. Ich war heute morgen um kurz nach halb sechs wach, also drei Stunden nach Sonnenaufgang.

Schneeschuhtour

Heute habe ich das schöne Wetter genutzt, um meine nächsten Nachbarn zu besuchen. Also habe ich meinen Rucksack gepackt, die Schneeschuhe untergeschnallt, und los gings.

Der Wald sieht jetzt trotz des Schnees schon ein bisschen nach Frühling aus. Um manche Baumstämme herum ist der Schnee schon weggetaut und man sieht den nadelbedeckten Waldboden. An anderen Stellen steht man aber manchmal trotz der Schneeschuhe bis zu den Knien im Schnee, vor allem wenn man nicht auf den Skooterspuren läuft.

Ich war bald an dem kleinen Bootshafen, der Tjuvkistan heißt. Das heißt auf deutsch Diebessarg und klingt sehr nach alten Seeräubergeschichten. Während man links und rechts schon offenes Meer sehen konnte, lag geradeaus zwischen Bootshafen und der Insel Bredskär noch dickes Eis, so dass man gefahrlos zur Insel herüberlaufen konnte. Am rechten Horizont sah man auch die Insel Gåsören mit ihrem Leuchtturm, die ich letzten Samstag mit dem Kajak umrundet habe.

Die Sonne wärmte nicht nur, sondern tauchte alles auf dem weißen und dem blanken Eis in gleißend helles Licht. Gut, dass ich meine Sonnenbrille dabei hatte. Bald war ich am Ufer der Insel Bredskär, wo meine Nachbarn mich zur Fika eingeladen haben – Kaffee und Kanelbullar.

Nun sollte ich vielleicht die Einleitung ein bisschen zurecht rücken: Natürlich brauche ich normalerweise keine Schneeschuhe, um meine Nachbarn zu besuchen, denn sie wohnen in der gleichen Straße direkt nebenan. Dieses Wochenende waren sie aber mit dem Schneeskooter zu ihrer Stuga – dem Freizeithaus – gefahren und dort habe ich sie besucht.

Nach der Fika habe ich dann die Insel Bredskär und die verbundene Nachbarinsel Norrskär auf dem Land umrundet und an der Eiskante habe ich mich über die bis dahin eher überflüssigen Schneeschuhe sehr gefreut, denn vor allem auf den zu blanken Eis gefrorenen Eisformationen hatte man mit den Harscheisen guten Halt. Ohne hätte ich dort kaum laufen können.

Dort, an der Uferkante, stoßen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite das klare, blaue Meer, welches schon nach Frühling aussieht und die Vorfreude auf den schwedischen Sommer erhöht.

Auf der anderen Seite die zerfurchte Eiskante, die einem klar zeigt, dass der schwedische Winter noch nicht vorbei ist.

Gerade als ich umkehren wollte, bewölkte sich der Himmel und es briste auf. Ich bin noch gemütlich zurück gelaufen, und eine halbe Stunde, nachdem ich angekommen bin, kam ein ziemlich nasser Schneeschauer herunter.

Fazit: Eine schöne Vierstundenrunde mit vielen Eindrücken und Fika. Danke an Lena und Staffan für die Einladung zur Fika!

Ruhiges Wochenende

Wenn es wie jetzt am Wochenende draußen sonnig und schön ist, so hat man die Wahl: (1) Über das Eis zur Insel Bredskär laufen – (2) mit dem Kajak auf der Ostsee paddeln – (3) Im Wald Skilaufen – (4) an der noch vereisten Küste entlang kraxeln. Ich habe dieses Wochenende (5) gewählt und war intensiv mit Faulsein beschäftigt.

Gestern habe ich vormittags im Wintergarten, den die Märzsonne auf 20 °C geheizt hat, gesessen und ausgiebig gefrühstückt. Dann habe ich draußen auf der schneegeräumten Holzterrasse gesessen und nach langer Zeit mal wieder „Kalle Anka“ (Donald Duck) gelesen. Danach habe ich einen Spaziergang an der Küste gemacht und gesehen, wie der auffrischende Wind wieder Eisschollen auf die offene See getrieben hat. Auf dem einen großen Kieshaufen hält sich noch hartnäckig Schnee unter dem „Gipfel“ und spielt Gletscher.

Heute habe ich bei Nachbarn im Schnee im Garten gesessen und wir haben über offenem Feuer Würstchen gegrillt und die Sonne genossen – überhaupt sitzt jetzt so mancher mit geschlossenen Augen auf seiner Terrasse und tankt Licht und Wärme.

Der Weg zu meinem Haus ist größtenteils blankes Eis und jeden Tag haue ich einen Teil des Eises mit der Axt weg. Dabei trage ich eine Skibrille, weil man jede Menge Eis ins Gesicht bekommt. Also ein bisschen produktiv war ich doch. Mal so kurz zwischendurch.

Aber das meiste Eis ist schon weg. Und irgendwann werden auch das Eis und die großen, halb gefrorenen Pfützen von der Straße verschwunden sein und ich kann mich für (6) entscheiden. Eine Fahrradtour in den Frühling.


Für Fotointeressierte. Die beiden Aufnahmen oben habe ich mit dem neuen iPhone gemacht: Vorteil: es ist leicht, klein und immer dabei. Nachteil: sobald ein Bild kontrastreich ist (so zum Beispiel der dunkle Kieshaufen vor dem hellen Himmel), so muss man viel mehr tricksen, um ein halbwegs akzeptables Photo zu erhalten. Bei diesem Bild sieht man ganz gut, wie flau der aufgehellte Kies wirkt und wie das Blau des Himmels auf der rechten Seite ins Cyan übersteuert. Bei solchen harten Kontrasten stößt die iPhone-Kamera ganz schnell an ihre Grenzen.

Ideal wäre dort eine kleine, kompakte Kamera mit gutem Sensor und RAW-Format. Aber dazu ist mir momentan das Geld zu schade. Wer noch eine Fujifilm X10 oder X100 übrig hat, der darf sie mir gerne schicken …

Neuschnee zur Sommerzeit

Pünktlich zur Zeitumstellung haben Wolken 7 cm Neuschnee über Skelleftehamn abgeladen und aus dem trübgrauen Einerlei wurde wieder eine weiße Winterlandschaft.

Mir ist das hiesige Wetter aber relativ egal, da ich gleich erst nach Solberget und morgen weiter nach Kiruna fahre. Die Vorhersagen sehen momentan mäßig aus, aber gerade in der Nähe des Fjälls kann sich das schnell ändern.

Der April, macht was er will.

Heute bin ich das erste Mal wieder Fahrrad gefahren, wenn auch nur in Skelleftehamn. Die Straßen sind frei, der Himmel blau und sogar die erste Ameise habe ich herumkrabbeln sehen.

Als ich wieder zu Hause war, lese ich im neuesten Artikel von Lussekatt – sie lebt in Südschweden – dass sie heute Schneesturm hatten, wenn auch nur kurz. Ha, dachte ich, da haben wir aber mehr Frühling hier oben. Eine viertel Stunde später sah es dann so bei uns aus:

Dicker Schnee fegte von Westen herbei und überschüttete mich und meine Kamera mit großen weißen Flocken. Nach zehn Minuten war alles vorbei, aber auch alles wieder weiß.

Jetzt ist ein großer Teil des Himmels wieder wolkenlos, die Sonne scheint, aber aus irgendeiner Wolke schneit es noch immer, wenn auch nur sanft und leicht.

Die Singschwäne sind da

Heute bin ich zur nahen Bucht Harrbäckssand gefahren. Ich war neugierig, ob die Bucht noch eisbedeckt ist. Aber nur am Ufer waren noch einige Meter Eis, der größte Teil der Bucht war offen.

Das hat die Singschwäne gefreut, die nach ihrer Überwinterung in Mitteleuropa wieder in den Norden gezogen sind und jetzt offenes Wasser suchen. Knapp dreißig dieser Vögel, die ein wenig kleiner als der in Deutschland heimische Höckerschwan sind, schwammen auf dem Wasser und gründelten nach Nahrung.

Wenn sie sich ungestört fühlen, machen sie ziemlichen Lärm (Ich hätte diese Schwäne eher Trötschwäne genannt, aber nun ja). Leider sind die Vögel recht scheu und fliehen vor dem Menschen, daher war das Fotografieren trotz des Teleobjektivs nicht so leicht.


Diese Woche war das Wetter recht wechselhaft. Morgens war es meistens klar und mit Frühtemperaturen um -10 °C so kalt, dass sich in geschützten Lagen der Meeresbuchten wieder eine dünne Neueisdecke bilden konnte. Tagsüber gab es meistens blauen Himmel und obwohl die Temperaturen nur knapp über null steigen, hat die Sonne schon viel Kraft. Man sollte sich bloß nicht darauf verlassen, denn der nächste kleine und heftige Schneeschauer lauerte so manches Mal am Horizont und das, was die Sonne an Schnee weggeschmolzen hat, fiel wieder neu vom Himmel. Abends hingegen wurde es meistens wieder klar und der Vollmond strahlte über der ruhigen Ostsee.

Vier Bildpaare

Heute hat den ganzen Tag die Sonne geschienen und es war überraschend warm. Als ich nach Hause gekommen bin, habe ich meine Gummistiefel angezogen und einen Spaziergang gemacht.

Wald

Auf den Skooterspuren liegt noch ein bisschen Eis und Schnee, aber die südwärts gerichteten Felsen sind schon schneefrei und werden von warmen Licht der Nachmittagssonne angestrahlt.

Schlamm

Die Wärme hat den Boden aufgeweicht und meine Stiefel hinterließen eine tiefe Schlammspur. Auf dem Rückweg wurde es ein bisschen kühler und die ersten Eisnadeln wuchsen auf den Pfützen.

Bagger

Weiter hinten werden Steine weiterverarbeitet. Die von der Abendsonne stehende Baggerschaufel hat es mir angetan. Abstrakte Muster und Strukturen.

Meer

Von dem Erd- und Steinhaufen hatte man einen schönen Blick auf die Halbinsel Näsgrundet und die Insel Gåsören dahinter. Den Bootsanleger habe ich kurz vorher von „unten“ fotografiert.

Mein heutiger Dank geht an die französische Firma Aigle, von denen ich seit fast sechs Jahren ein und dasselbe Paar Gummistiefel trage. Sie sind bequem, extrem robust und – heute sehr praktisch – sehr leicht zu reinigen und zu trocknen.

Frühlingstag

Ist es wirklich erst eine Woche her, dass zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen sind und hier alles winterlich tief verschneit war? Der kleine Hund beim Gassi gehen kaum über den Schnee schauen konnte? Ich beim Fotografieren aufpassen musste, dass mein Objektiv nicht zuschneit?

Kaum zu glauben! Denn heute war es sonnig und mit 13 °C wirklich überraschend warm. Ich habe die ersten Blumen, die ersten Schmetterlinge, die ersten Menschen mit kurzen Hosen gesehen. Und viele saßen draußen und genossen Licht und Wärme. Auch wir haben nach dem Mittagessen einen kleinen Umweg gemacht und sind ein kleines Stück am Fluss entlang gelaufen.

Die meisten von uns haben heute um halb vier den Arbeitstag beendet, zu groß war die Verlockung, das schöne, warme Frühlingswetter zu geniessen. Ich habe mir zu Hause das Fahrrad geschnappt und bin ein bisschen herumgefahren. Zur Insel Storgrundet kann man jetzt herüber rudern und das restliche Eis hat sich vom Ufer gelöst und treibt nach Osten. In der Sonne war es so warm, dass ich die meiste Zeit im T-Shirt gefahren bin. Im Schatten merkte man allerdings, dass es gegen Abend wieder kühler wurde.

Es erstaunt mich jedes Mal wieder, wie schnell die Jahreszeiten hier wechseln können. Und ich freue mich, dass der Frühling da ist, selbst wenn es morgen wieder grau und kälter werden soll.

Zu Wasser und zu Lande

Während München heute mit Temperaturen von über 30 °C einen neuen Temperaturrekord für April aufgestellt hat, bin ich heute zwischen Eisschollen Kajak gefahren. Das heißt nicht, dass es hier wirklich kalt war, wir hatten heute mittag auch immerhin etwa 15 °C, aber der Wind hat – woher auch immer – wieder Eis in die Bucht geblasen.

Ich war ziemlich früh wach – Sonnenaufgang war ja schon um zehn nach vier – und war neugierig, ob man mit dem Kajak durch die Eisschollen zum offenen Wasser paddeln kann. Es ging, hat aber einige Zeit beansprucht. Da auch die geschützt liegenden kleinen freien Flächen zwischen den dicken Schollen einige Millimeter dick zugefroren waren, knirschte das Boot mit jedem Paddelschlag. Das neue Eis war immerhin dick genug, um das Paddel darauf abzulegen, aber leicht mit dem Kajak zu brechen. An manchen Stellen war es schwieriger, zwischen dem Eis durchzukommen. Manchmal half einfach Anlauf, um das Boot zwischen zwei Schollen zu bugsieren, manchmal habe ich mit den Händen kleinere Schollen weggedrückt oder mich am Eis entlang gehangelt. Nach einiger Zeit war ich dann tatsächlich auf dem offenen Wasser, aber schon so ausgepowert (Hallo Kondition, wo bist Du?), dass ich nur eine kleine Runde gedreht habe. Der Rückweg war einfacher, denn meine kleine Fahrtrinne war noch frei.

Ich hatte ohnehin meinen wasserdichten Anzug an, also habe ich der Neugier, ob man auch zu Fuß laufen kann nachgegeben. Ich musste ein paar Meter durch knietiefes Wasser waten, dann konnte ich auf das Eis steigen. Die großen Stücke halten einen locker und wackeln keinen Millimeter, wenn man auf ihnen läuft. Die kleinen Schollen hingegen sinken unter die Wasseroberfläche und es ist schwer, das Gleichgewicht zu halten. Schnell war allerdings der kurze Weg über das Eis zu Ende und ich bin zurückgelaufen. Die eine Eiszunge, die mich auf dem Hinweg getragen hat, ist allerdings auf dem Rückweg abgebrochen und ich stand im Wasser, welches dort allerdings nur hüfttief ist.

Nach einem warmen, sonnigen Tag hat sich der Himmel jetzt am Nachmittag zugezogen und es pladdert. Ich finde das allerdings schön, denn erstens muss ich heute nicht mehr raus und zweitens kann man wirklich zusehen, wie der Pladderregen den Schnee wegfrisst. Fast die Hälfte des Gartens hinterm Haus ist schon schneefrei und da lag vorgestern noch einiges.

Valborgsmässoafton

Gestern habe ich den Valborgsmässoafton – die schwedische Version der Walpurgisnacht – mit einigen Freunden in Kusfors im Café Ångloket verbracht.

Ich wusste, dass überall im Land große Feuer angezündet werden. Ich wusste aber nicht, wie existentiell es ist, große Stückchen Falukorv – eine schwedische Wurst – aufzuspießen und über dem Feuer zu grillen. Das Geschmackserlebnis hält sich in Grenzen, aber am Feuer sitzen und irgendwas hineinhalten macht ja immer Spaß.

Nichts mit Valborg zu tun hingegen hatte die Tipspromenad. An verschiedenen Bäumen kleben Zettel mit einer Frage und drei Antwortmöglichkeiten. Die richtige Antwort muss man auf seinem „Kontrollkupong“ ankreuzen. Ich wusste fast keine Frage, da mir dazu mehrere Jahrzehnte schwedischer Fernsehkonsum fehlten und ich habe mich an gewisse Klassenarbeiten zurückerinnert, als ich wild ratend 1, X oder 2 angekreuzt habe. (Warum das nicht 1–2–3 oder A–B–C, sondern 1–X–2 ist, weiß ich auch nicht).

Um halb elf, als es schon recht dunkel war, gab es dann ein richtiges professionelles Feuerwerk. Danach leerte sich das Café recht schnell und ich habe noch ein bisschen mit aufgeräumt, ehe wir den Abend in kleiner Runde bei Lasse und Martine fortgesetzt haben.

Besuch

Vor einigen Tagen ist Jan, mein großer Bruder zu Besuch gekommen. Er ist zum ersten Mal hier und ich habe für die Zeit Urlaub genommen, damit wir gemeinsam die für ihn unbekannte Umgebung erkunden können. Und auch entdecke so manches Neues.

I. Wintereinbruch

Am Samstag wurden wir von einem neuen Wintereinbruch überrascht. Wieder einmal kamen Unmengen vom Wasser vom Himmel – teils als Regen, teils als Schnee – die den Wald und dessen Wege in weite Seenlandschaften verwandelt haben. Auf dem Weg lag teilweise noch dicker Altschnee, der aber so tief vom Wasser unterspült war, dass wir an der fotografierten Stelle umgekehrt sind.

Am Nachmittag war das Gras, welches sich nach dem Winter langsam aufrichtet, wieder mit nassem Schnee bedeckt. Aber das war nichts im Vergleich zu Lappland, wo ein Schneesturm zwanzig Zentimeter Neuschnee und Schneeverwehungen brachte. Anfang Mai!

II. Strandpromenade

Am Sonntag waren wir in Byske am Strand. Dort gibt es eine etwas größere Bucht mit Sandstrand, die jetzt auch fast nach Sommer aussehen könnte. Wenn nicht im Windschatten der kleinen Sandhaufen noch Schnee vom Samstag kleben würde. Sich nicht noch Eisschichten unter dem Sand verbergen würden. Und – die Wetterprognose versprach blauen Himmel – es nicht einige sehr nasse, windige Regenschauer gegeben hätte. Aber schön war es trotzdem und am Strand liegen finde ich eh total langweilig.

III. Wasserwandern

Gestern wollten wir nach Bjuröklubb, einer sehr schönen Halbinsel, die südlich von Bureå in die Ostsee ragt. Da Jans Wanderstiefel kaputt gegangen waren, hatten wir die Gummistiefel dabei, die ich ihm als Ersatz geliehen hatte. Zum Glück, wie sich noch herausstellen sollte.

Am Burberget, einer Anhöhe mit Skihang haben wir Zwischenhalt gemacht, denn dort hat man einen sehr schönen Blick auf die ganze Umgebung. Und dieses Mal hatte die Vorhersage mit dem blauen Himmel auch recht. Hier haben wir den Entschluss gefasst, hinunter ans Meer zu laufen. Am Wasser sind wir einen Weg, der zu den Sommerhäusern am Meer führt, weitergelaufen. Ich habe auf der Karte auf dem Handy entdeckt, dass es einen kleinen Weg zurück zum Skihang gibt, so dass wir einfach einen großen Bogen laufen können.

Kurz vor dem Abzweig haben wir den Weg verlassen und sind ein Stück über die glattgeschliffenen Felsen gelaufen. Ich mag diese Landschaft sehr, auch wenn ich dort nicht Baum sein möchte. Die Kiefern krallen sich in irgendwelchen Ritzen fest, wachsen dann mit ihren flachen Wurzeln auf dem nackten Stein weiter und so manche wird irgendwann vom Sturm umgeworfen.

Der Weg entpuppte sich eher als theoretisches Konstrukt. An manchen Stellen lag noch eine dicke Schneedecke, dort war es einfach. Aber an vielen Stellen war der Weg überflutet und manches Mal reichten selbst die hohen Gummistiefel kaum aus, um trockenen Fußes weiterzukommen, zumal der Boden unter den tiefen Pfützen an einigen Stellen weich und schlammig war. Aber nach zwei Kilometer Wasser waten und Schnee rutschen sind wir tatsächlich wieder zum Skihang zurückgekommen. Eine schöne, wenn auch etwas abenteuerliche Wanderung.


Trotz des Wintereinbruchs am Samstag ist die ganze Natur am Aufwachen. Schmetterlinge flattern durch die Luft, Ameisen und Käfer krabbeln den Weg entlang. Von der Querstraße sieht man Rehe im Wald und einen Schneehasen im Fellwechsel, der gemütlich grast. In den Zweigen hüpfen Vögel und das Spatzenpärchen vom letzten Jahr bezieht wieder seine Wohnung unter meinen Dachziegeln. Gefällt mir!