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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Organisieren, Teil 1

Natürlich muss man irgendwann auch mal einen Umzug planen, wenn man von Deutschland nach Schweden möchte, vor allem aber muss man mit der Meldebehörde, der Krankenkasse, der Gewerbebehörde, dem Finanzamt, der IHK und vielen anderen sprechen.

Das Tolle ist: Alle sind freundlich, kompetent und hilfsbereit. Das macht die Organisation doch recht einfach und entspannt. Das einzig störende ist, dass man sich in Deutschland nicht zu einem Zeitpunkt in der Zukunft abmelden kann. „Ich möchte mich zum 30. April in Deutschland abmelden“ gibt’s nicht. Schade eigentlich.

Vielen Dank schon einmal an die vielen Damen und Herren, die mir die Bürokratie doch recht leicht machen. Weiter so …

Jetzt warte ich noch auf eine schwedische Adresse, unter der ich erst einmal erreichbar bin, dann kommt die Abmeldung in Deutschland und die Anmeldung in Schweden dran.

Anställningsavtal för tjänsteman

… so heißt mein Arbeitsvertrag auf schwedisch, den ich heute zugemailt bekommen habe. Der ganze Vertrag ist kurz und knapp (zwei Seiten plus eine mit Erläuterungen), beschränkt sich auf das Wesentliche und ist in einfachem Schwedisch verfasst.

Wenn ich mir deutsche Verträge hingegen anschaue, dann frage ich mich, ob das Verfassen von verschachtelten Nebensätzen in deutschen Verträgen einen eigenen Berufszweig darstellt.

In diesem Fall geht der Punkt ganz klar an Schweden.

Ich bin abgemeldet

Abmeldung bei der MeldebehördeAlso, Ihr Ämter, Ihr verblüfft mich, wie einfach und schnell alles geht. Bei der Meldebehörde abmelden: zwei, drei Minuten. Reisepass abholen: zwei. Änderungen beim Gewerbe: so um die fünf Minuten. Nach siebzig Minuten war ich mit allem durch und da sind die 7,5 Radkilometer vom Bürgerbüro Pasing zum Kreisverwaltungsreferat schon enthalten.

Ich habe ein Zimmer

Heute in einer Woche um diese Zeit wache ich wahrscheinlich gerade in meinem Zimmer in Skellefteå auf. Ja, ein Zimmer! Seit gestern weiß ich, wo ich unterkomme. Ein Freiberufler, der auch immer wieder für Artopod arbeitet, vermietet mir einen Raum in seiner Wohnung, und da kann ich die erste Zeit bleiben. Das gefällt mir viel besser als jedes Hotel und günstiger ist es bestimmt auch. Außerdem habe ich, wenn ich nicht alleine wohne, gleich ganz viel schwedische Sprache um mich herum.

Toll, dass sich Leif von Artopod so intensiv um die Unterkunft gekümmert und das Zimmer für mich gefunden hat. Er holt mich nächsten Donnerstag vom Bus ab und abends gehen wir dann mit dem Wohnungseigentümer essen, damit er und ich uns kennenlernen. Einen besseren Empfang kann ich mir nicht vorstellen. Hoffentlich bekomme ich nach 31 Stunden Bahn- und Busfahrt mehr als ein „Äh …“ über die Lippen.

Von der Wohnung zur Arbeit sind es etwa drei Kilometer; ich werde also sehen, dass ich mir möglichst schnell irgendwo her ein Fahrrad leihen kann. Denn meines bekomme ich beim besten Willen nicht in der Bahn transportiert.

Morgen geht‘s los

Post-its am Fenster zeigen meine Aufgaben für den letzten TagMorgen Heute ist mein letzter Tag in München, bevor ich am Mittwoch morgen in den Zug nach Schweden steige. Und es gibt noch einiges zu tun. Das kommt davon, dass ich heute gestern eher faul war.

Ich denke aber, dass ich das morgen heute alles gut und stressfrei schaffe. Das Packen braucht wahrscheinlich die meiste Zeit. Weniger stressfrei wird wohl das Umsteigen mit Gepäck übermorgen, denn ich schätze, dass sich in den beiden Rollkoffern und der Reisetasche so um die 50 Kilo Sachen befinden. Und die Koffer und Tasche wiegen zusammen auch nochmal so um die sieben Kilo. Uffs!

Heute Gestern habe ich die letzten Bücherkartons im Keller gesichtet; unglaublich, was sich die Jahre über so angesammelt hat. Auch unglaublich, wie viele Bücher ich über die Jahre nicht vermisst habe. Da werde ich im Juli jede Menge an Oxfam abgeben, vorher aber – vielleicht schaffe ich es morgen heute noch – eine Liste hier einstellen, für alle, die sich vorher das eine oder andere Buch sichern wollen …

Mein erster Tag

Zu Fuß sind es etwa drei Kilometer von meinem Zimmer in die Stadt. Keine Entfernung, wenn die Sonne aus einem strahlend blauen Himmel scheint und ich ziehe ganz schnell meine Jacke aus, weil es so warm ist. Beim Weg in die Stadt bin ich kurz beim ICA eingebogen um ein bisschen Frühstück zu kaufen. Danach bin ich am Skellefteälven ins Zentrum gelaufen. Der Fluss war im Februar noch komplett zugefroren. Nun fließt Wasser, die Krokusse blühen, Schmetterlinge flattern umher – der Frühling ist da.

In der Stadt war ich im Buchladen, um Karten von der Umgebung zu kaufen. Einen Stadtplan hat es auch gegeben. Dann war ich lange im überraschend großen Antiquariat, wo ich tatsächlich „Bilbo, en Hobbits äventyr“ gefunden habe. Das Buch hatte ich im Urlaub im Februar geliehen und kann es jetzt zu Ende lesen. Um halb zwei war ich bei Artopod und wir haben ein paar erste Dinge geklärt. Ein MacBook Pro steht schon bereit, die (deutsche) Tastatur bringe ich mit und als Telefon bekomme ich wohl ein Android. Mein erstes Projekt kenne ich auch schon ein bisschen. Gut die Hälfte haben wir schon auf Schwedisch gesprochen und wenn ich mich sehr konzentriere, verstehe ich doch so einiges. Das hat sich dann allerdings bei der Fika – der schwedischen Kaffeepause – geändert, als zehn Kollegen aus der Bürogemeinschaft munter durcheinander geplaudert haben. Das wird noch ein Weilchen brauchen, bis ich da mitkomme, aber ich bin ja froh, dass nicht die ganze Zeit englisch geredet wird und ich so die Sprache lernen kann.

Danach war ich beim Skatteverket wo ich als erstes natürlich eine Wartenummer gezogen habe. Dann musste ich aber nur einige Minuten warten, um dann auf Anders zu treffen, der für mich die Formulare ausgefüllt hat, die ich brauche, damit ich eine Personennummer bekomme. Und die bekomme ich wohl in so zwei, drei Wochen.

Die Personennummer ist entscheidend, um irgendwelche Verträge abzuschließen. Ob Telefon, Bankkonto, Miete oder was auch immer, man braucht seine Personennummer. Und da ich die auch für die SFI-Kurse (Svenska för invandrare = Schwedisch für Einwanderer) brauche, freue ich mich, wenn sie bald da ist.

Ich bin langsam zurück geschlendert und habe mich erst einmal eine Stunde hingelegt. Danach war ich noch zwei Stunden die Umgebung erkunden und habe meine Schneeschuhe vermisst. In den Wäldern liegen nämlich noch gut 40 cm fester Altschnee und bei jedem dritten Schritt bricht man durch, manchmal bis weit übers Knie. Für die wunderschöne Landschaft, die sich hier gleich hinter dem Haus anschließt, hat sich der anstrengende Gang aber gelohnt. Allerdings kann es im Moor schon ganz schön nass sein …

Personennummer

Heute habe ich Post vom Skatteverket bekommen. Ich habe eine Personennummer! Ab jetzt kann ich wie jeder Schwede auch ein Konto eröffnen, einen Telefonanschluss bekommen und habe es auch leichter, eine Wohnung zu mieten. Zusätzlich kann ich nun an den kostenlosen Schwedischkursen (SFI – Svenska för invandrare) teilnehmen und damit endlich richtig beginnen, Schwedisch zu lernen. Genial!

Der Führerschein

Erster Tag: Da rief ich also beim Kreisverwaltungsreferat – Kraftfahrzeugzulassung und Fahrerlaubnisbehörde an.
Ich: „Ich möchte einen EU-Führerschein.“
Sie: „Wofür brauchen Sie den denn?“
Ich: „Ich lebe jetzt in Schweden und denke, dass das einfacher so ist. Außerdem habe ich früher noch eine Brille getragen und die brauche ich nicht mehr. Einen Sehtest habe ich gemacht.“
Sie: „Dann brauchen Sie den alten Führerschein, einen Ausweis und die Sehtestbescheinigung.“
(Prima, klingt einfach.)
Sie: „Wo wurde der Führerschein ausgestellt?“
Ich: „In Bremen.“
Sie: „Dann brauche ich eine Karteikartenabschrift aus Bremen, die an die Faxnummer 233-undsoweiter gefaxt werden kann.“
(Aha.)

Ich: „Wie lange dauert es, bis der Führerschein fertig ist?“
Sie: „Vier bis sechs Wochen“
Ich: „Kann das ein Bevollmächtigter abholen?“
Sie: „Ja, aber nur mit Ihrem Originalausweis“.
(Bitte was?)
Sie: „Sie können auch den Reisepass verwenden“
(Den brauche ich in Schweden, also soll mein Perso jetzt ein, zwei Monate bei einem Freund herumliegen. Na toll.)

Mit der Führerscheinstelle Bremen kann man sich nur über die Telefonzentrale verbinden lassen, sie hat keine öffentliche Rufnummer. Dumm nur, wenn den ganzen Tag keiner dort abhebt. Ich erhalte dann aber den heißen Tipp, am nächsten Tag noch einmal zwischen zwei und drei anzurufen, da am Nachmittag kein Publikumsverkehr ist. Um 14:00 ist die Mittagspause zu Ende, um 15:00 die Kernarbeitszeit. Dazwischen sei gut.

Nächster Tag 14:43: Tatsächlich, ich erreiche einen extrem netten Mitarbeiter, der auch nach kurzer Plauderei direkt die Karteikartenabschrift nach München faxt.

Heute: Der Wecker klingelt um 6 (in Worten sechs). Ich suche meine Sachen zusammen, finde aber meine wunderbaren biometrischen Passbilder nicht. Also setze ich mich verspätet ohne die Passbilder aufs Fahrrad und fahre durch den Regen zur Führerscheinstelle des KVR. Um 7:25 bekomme ich die Wartenummer 50 und mache neue Passfotos. Dann laufe ich nach oben und sehe auf der Anzeigetafel die Nummern 12, 380, 381 und 538 oder so ähnlich. Hmm. Nach zwei Stunden wird dann tatsächlich die 50 angezeigt. Toll! Selbstbewusst und mit allen Dokumenten ausgestattet öffne ich die Tür, um den neuen Führerschein zu beantragen. Dort erfahre ich dann, dass ich ja gar nicht mehr in Deutschland gemeldet sei (ach was) und den nur in Schweden bekäme. Das sei eine EU-Regelung und sie könnte nichts tun. Mist!

Wenn die freundliche, aber schusselige Telefondame am ersten Tag zugehört hätte, hätte sie mir das auch telefonisch mitteilen können und ich hätte mir die dreieinhalb Stunden mit Anfahrt heute sparen können. Also einmal kurz und heftig mit dem Ärger kämpfen, bis sich dieser in ein kleines, blasses Rauchwölkchen aufgelöst hat und wieder nach Hause fahren. Wie schön, es regnet wenigstens kaum noch.

Und jetzt: Kisten packen!!!

Umzug von München nach Skelleftehamn

Seit Montag ist viel passiert und so ist dieser Blogartikel ein bisschen länger geworden. Viel Spaß beim Lesen!

Teil 1: München

Also. Die Kisten waren gepackt und am nächsten Tag kam dann Xxxxx mit dem Möbelwagen. Wer nicht kam, waren die drei Packkräfte, die er in München gemietet hat. Nach einer Stunde haben wir dann herumtelefoniert und schließlich zwei Packkräfte bekommen. Und die haben ordentlich herangeklotzt, so dass nach einigen Stunden Keller und Wohnung leer und alle Sachen verladen waren.

Da ich die letzten Nächte nicht so toll geschlafen habe, war ich todmüde. Zum Erholen blieb aber keine Zeit, denn direkt danach war schon das Malern dran. Gut, dass einige Freunde geholfen haben, denn alleine hätte ich dreihundert Mal so lange gebraucht und Spaß hätte das auch nicht gemacht. Nun, ein Hobby wird das Streichen für keinen von uns. Desto mehr gilt mein Dank fürs Helfen an alle.

Nach einer Übernachtung und einem ruhigen Frühstück bei Freunden bin ich wieder in meine Wohnung gefahren, um sauberzumachen. Und das hat viel, viel länger gedauert als veranschlagt. Am liebsten hätte ich den Vermieter, der um sechs kam, wieder für zwei Stunden nach Hause geschickt. Aber weil er nett und entspannt ist, haben wir die Übergabe dann doch gemacht und ich habe danach erst den Rest geputzt und dann die Schlüssel bei ihm vorbeigebracht. Also geht auch ein Dank an meinen Vermieter für sein Vertrauen.

Die letzte Nacht durfte ich bei einer guten Freundin schlafen. Die hatte die tolle Idee, am Donnerstag vor meinem Abflug noch ein Weißwurstfrühstück zu machen. Super, auch wenn wir dafür um fünf aufstehen mussten. Aber es war einfach schön, noch einmal zusammen draußen auf dem kleinen Balkon zu sitzen, bevor ich mich auf den Weg zum Flughafen gemacht habe. Einen Riesendank für das Abschiedsweißwurstfrühstück!

Und um neun Uhr saß ich auch schon im Flieger in Richtung Kopenhagen …

Teil 2: Abschied

Vem kan segla förutan vind?
Vem kan ro utan åror?
Vem kan skiljas från vännen sin
Utan att fälla tårar?

Jag kan segla förutan vind,
Jag kan ro utan åror.
Men ej skiljas från vännen min
Utan att fälla tårar.

Wer kann segeln ohne Wind?
Wer kann rudern ohne Ruder?
Wer kann scheiden von dem-Freund seinen
Ohne zu vergießen Tränen?

Ich kann segeln ohne Wind,
Ich kann rudern ohne Ruder.
Aber nicht scheiden von dem-Freund meinen
Ohne zu vergießen Tränen.

Teil 3: Skelleftehamn

… und um neun Uhr saß ich auch schon im Flieger in Richtung Kopenhagen.

Der Rückflug war entspannt, da ich dieses Mal sowohl in Kopenhagen als auch in Stockholm mehrere Stunden Aufenthalt hatte und so haben ich und mein Gepäck die Anschlüsse nach Stockholm und Skellefteå bekommen und gegen neun war ich in meinem Haus.

Das war vielleicht komisch. Jetzt, wo das Haus so leer stand wirkte es so klein und so fremd und erinnerte an eine neue Zahnfüllung, die sich noch so komisch im Mund anfühlt und wo die Zunge immer wieder testet, ob alles seine Ordnung hat. Habe ich das richtig gemacht mit dem Hauskauf? Ich weiß nicht.

Da im meinem Haus kein Bett stand, habe ich die letzte Nacht noch in meinem alten Zimmer übernachtet. Am nächsten Tag bin ich dann nach Skellefteå gefahren, um bei der Bank die letzten Papiere zu unterzeichnen. In der Stadt habe ich dann alle Kollegen getroffen, die schon einige Stunden vor dem Telia-Laden kampierten, um das neue iPhone zu bekommen. Nach der Bank bin ich dann mit dem Taxi zum Haus gefahren, wo Xxxxx schon mit dem Möbelwagen wartete. Zu der Schwierigkeit, in Skellefteå ein bestelltes Taxi auch zu bekommen, schreibe ich hier mal nichts …

Nach einer halben Stunde kamen dann zwei Männer von Skellefteå Stadsbud, die schnell und routiniert den Flügel entladen und in meiner Wohnung aufgestellt haben. Für die sechs Jahre Lager ist er auch gar nicht so arg verstimmt. Dann kamen die restlichen Möbel und Kartons dran. Um drei waren wir fertig und Xxxxx konnte sich wieder auf den Weg nach Xxxxx machen.

Und jetzt, wo der weiße Yamahaflügel seinen Platz gefunden hat, mein Bett steht und viele Bücherkisten klarmachen, dass ich jetzt hier wohne, da war das so fremde Häuschen von gestern plötzlich mein Haus und es fühlte sich gut an!

Dann habe ich Internet bestellt und drei Minuten später war ich online. (@Deutsche-Internet-Provider: Schaut Euch mal an, wie einfach und schnell das gehen kann.) Und dann habe ich erst einmal geschlafen.

Heute, am Tag danach ist das Wetter fies: Es ist stürmisch und regnet. Also werde ich einiges wegschaffen. Die Küche ist schon eingerichtet.

Doch nun, wie gewünscht, einige Fotos:

Ich habe außerdem gestern ein kleines Rundgang-durch-das-Haus-Video gedreht. Die Qualität ist unter aller Sau und YouTube schlägt mir als Schlagworte „horror movie“ und „weapons“ vor. (Schluck!). Aber für einen kleinen Eindruck ist es vielleicht doch ganz nett.

Nachtrag (23. März 2011)

Da ich mit dem Menschen, der den Umzug gemacht habe, im nachhinein riesigen Ärger hatte – er schuldet mir bis heute Geld – habe ich mich entschlossen, den Namen unkenntlich zu machen. Tja, es gibt auch Menschen, die nicht gut sind.

Noch ’ne Herbstfarbe: grau

Der Sonntag verregnet
ist dir schon oft begegnet¹

Wozu dient ein grauer, nieselregnerischer Sonntag, an dem es nicht richtig hell wird? Er bietet die ideale Kulisse für die Steuererklärungen 2009. Inzwischen bin ich so routiniert, dass ich nur noch etwa sechs Stunden brauche, um die acht verschiedenen zwei- bis vierseitigen Formulare ESt, EÜR (2×), Anlage G, Anlage S, GewSt, USt und Anlage Vorsorgeaufwand auszufüllen, deren schwarz-weiß wieder ganz prima zu dem farblosen Wetter da draußen passt. Gegen fünf habe ich dann den Brief zu ICA² gebracht, der erstens auch am Sonntag geöffnet hat und zweitens auch Briefmarken verkauft. Allerdings nur für inländische Briefe à 6 Kronen. So mussten dann also 8 Briefmarken auf den dicken Brief nach Deutschland. Und schon sah alles wieder bunt aus, denn die schwedischen Marken können – im Gegensatz zu deutschen Steuererklärungen – dem trüb-tristen Wetter Paroli bieten.

Freiberufler werden es in Schweden auch nicht völlig formularlos haben, aber die Nachbarin von gegenüber macht die Steuererklärung per SMS!

___
¹ aus „So ein Regenwurm hat’s gut“
² der örtliche Lebensmittel-und-alles-mögliche-Laden

Die Sache mit der Geduld …

Ich mag ein paar positive Eigenschaften haben, Geduld zählt leider nicht dazu. Und ich habe den Eindruck, dass ich diese noch mehr als in Deutschland brauche. Denn auf meiner Todo-Liste steht vor immer mehr Zeilen ein w und das bedeutet Warten. Warten darauf, dass die potentielle Schwedischlehrerin gesund ist, warten darauf, dass der Vorbesitzer auch die restlichen Dinge am Dach repariert. Warten darauf, dass langsam aus der kleinen Baustelle im Erdgeschoss wieder ein kleines Bad im Erdgeschoss wird. Warten darauf, dass ein Bekannter Zeit findet, kleinere Reparaturen vorzunehmen und warten darauf, dass der rörläggare, also der Installateur wieder gesund wird. Und seit heute auch warten darauf, dass Ikea auf meine E-Mail antwortet, warum die Bestellung von Bett und Regalen beim Bezahlen immer abbricht.

Ich weiß, ich bin erst seit sieben Wochen im neuen Haus, aber – habe ich schon erzählt, dass Geduld nicht meine Stärke ist – der Eindruck, dass nichts voran geht, ist dennoch vorhanden. Bin ich so deutsch? Ist das überhaupt ein Unterschied Deutsche—Schweden oder eher ein Unterschied Olaf—Schweden oder gar Olaf—andere Menschen. Ich weiß es nicht.

Und dann komme ich zu Dingen wie Äpfel im Garten ernten oder Geschirrhandtücher kaufen und dann stand das noch nicht einmal auf der Todo-Liste und ich kann wieder nichts durchstreichen. Doof.

Nach Finnland · Teil 2: Winterschwimmmeisterschaft in Joensuu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Besonders gut geschlafen habe ich nicht in dem Hotel. Das lag nicht daran, dass man die Straße so gut hörte und auch das Zimmer war alt, aber OK. Aber irgendein Möchtegernpianist meinte, um halb zwei Uhr nachts auf dem kleinen Yamahaklavier herumdonnern zu müssen. Ich meine, er konnte schon spielen, aber eigentlich nur laut und das mitten in der Nacht. Aber weiter im Text …

Nach einem Frühstück in einem netten Café sind wir leicht verspätet über die Autobrücke zur Flussinsel Niskassari gelaufen. Dort hatte der Wettbewerb schon angefangen. In das Eis auf der runden Bucht war ein rechteckiges Loch mit sieben Bahnen à 25 Meter Länge hineingeschnitten worden. Um das Loch standen bestimmt vierzig Personen mit neongelben Warnwesten. Die haben den Schwimmern beim Entkleiden geholfen oder im Laufschritt die Kleidung zum anderen Ende gebracht, damit dort die Schwimmer sich schnell wieder ankleiden konnten. Sie haben mit langen Harken das Eis von der immer wieder anfrierenden Wasseroberfläche entfernt oder mit roten Fahnen signalisiert, wann die Schwimmer so weit waren. Am Rand standen auch zwei Taucher, die aber zum Glück keine größeren Rettungsaktionen durchführen mussten.

Der Wettbewerb geht im Grunde so von statten: Wenn alle Schwimmer am Start sind, wird das Kommando „Riisukaa vaatteet“ – das heißt „Zieht Euch aus“ gegeben. Sind alle fertig, kommt „Veteen“ – das heißt „Steigt ins Wasser“. Das letzte Kommando heißt „Paikoillenne“ und bedeutet, „Auf Eure Plätze“. Direkt danach wird der Startschuss gegeben.

Was mir gefällt ist, wie gemischt die Teilnehmer sind. Manche sind athletisch gebaut, die meisten nicht. Die Hälfte sind Frauen, die Hälfte Männer. Viele Teilnehmer sind über 60, der Älteste war 86.

Jeder Teilnehmer ist verpflichtet Mütze (und natürlich Badehose oder -anzug) zu tragen. Handschuhe oder Socken sind nicht erlaubt. Die Schwimmart ist Brustschwimmen, wobei der Kopf nie ganz untertauchen darf. Vor allem bei den Mützen leben die Schwimmer Ihre Kreativität aus. Wer außerhalb des Wettbewerbs teilnimmt, ist an diese Regeln nicht gebunden und wer keine 25 Meter schwimmen möchte, kann auch einfach einmal ins Wasser eintauchen. Ich hatte eine gute Ausrede: Fotografieren. Aber nächstes Jahr will ich zumindest mit ins Wasser.

Mikael (links) und Jarkko (rechts) haben es sich nicht nehmen lassen, 25 Meter zu schwimmen. Tapfer! Danach haben sie es sich, wie manche anderen vor ihnen, im warmen Wasser des Hot-Tubs gut gehen lassen.

Der neu gegründete Verein „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“, dem ich quasi schon angehöre, möchte das Winterschwimmen auch in Schweden populär zu machen und hat sich zur Aufgabe gesetzt, im nächsten Winter die erstmalig schwedische Meisterschaften auszurichten – natürlich in Skellefteå. Das Feedback der finnischen Organisatoren, mit denen wir nach dem Wettbewerb und abends gesprochen haben war ausgesprochen positiv und uns wurde umfangreiche Hilfe zugesagt neben dem Tipp, dass 2015 ein tolles Jahr sei, um nordische oder auch europäische Meisterschaften auszurichten. Zum Glück ging das alles auf schwedisch oder englisch, denn außer Jarkko spricht keiner von uns finnisch bis auf Worte wie beispielsweise „Kitoos“ für „Danke“.

Abends fand dann eine Gala statt. Es war glaube ich die erste Gala, bei der ich war, ohne selber Musik zu machen. Erstaunlich: Kaum erklingen zwei Noten Musik, schon ist das Parkett voll tanzender Finnen. Und die Musik ist wirklich melancholischer als auf deutschen Galas. Ja, und es gab auch finnischen Tango.

Währenddessen hatten einige draußen Nachtschicht: Die ganze Nacht muss das Wasser immer wieder von Eis befreit werden. Wir sind um elf wieder ins Hotel gegangen und haben dort noch einige Zeit gesessen. Dabei haben wir dann beschlossen, nicht am Montag, sondern direkt nach den letzten Wettkämpfen am nächsten Tag zurückzufahren.

Mein Führerschein

Heute habe ich meinen Führerschein bekommen. Meinen alten deutschen, und ich habe mich gefreut!

Was war passiert?

Eine der Möglichkeiten, eine Art schwedischen Ausweis mit der so allgegenwärtigen Personennummer zu bekommen, ist es, seinen Führerschein in einen schwedischen zu tauschen. Ich habe zwar bei einer „Bearbeitungsgebühr“ von 600 Kronen (gut 65 Euro) geschluckt, aber dennoch am zweiten Mai das Geld überwiesen und einen Brief mit den benötigten Unterlagen an das Transportstyrelsen geschickt, unter anderem meinen alten, deutschen rosa Lappen im Original. Im Inland ist es kein Problem, ohne Führerschein zu fahren, da die Polizei beim Transportstyrelsen in Erfahrung bringen kann, ob ein Führerscheinwechsel in Gange ist.

Vor ein paar Wochen habe ich mal nachgehakt, wie lange es noch dauert, bis ich den neuen Führerschein bekomme, denn schließlich will ich nächste Woche nach Norwegen. Es hieß, ja der Fall sei in Bearbeitung, und man werde ihn versuchen zu beschleunigen. Klingt gut, oder? Nachdem ich wieder nichts gehört oder bekommen habe, habe ich letzte Woche nochmals angerufen. Dort hat man mir freundlichst mitgeteilt, dass sie ja noch die deutschen Behörden kontaktieren müssen, ehe sie mit meinem Fall beginnen können. Sprich, meine Sachen haben dort sieben Wochen herum gelegen, ohne dass überhaupt mal begonnen wurde, sich um diesen Fall zu kümmern. Daraufhin hat man mir angeboten, meinen Führerschein erst einmal wieder zurückzusenden, quasi für die Zeit, die ich in Norwegen unterwegs bin, zu leihen. Immerhin kam heute der Führerschein, mit einem beiliegenden Brief in einem Amtsschwedisch, wie ich es in meiner ganzen Zeit noch nicht erlebt habe.

Aber ich bin ziemlich erleichtert, kann ich doch jetzt nach Norwegen fahren, ohne Angst vor einer drohenden Verhaftung durch die norwegische politi. Wenn ich zurück bin, schicke ich also den Führerschein wieder zurück und lasse mich überraschen, wie lange er dann noch in den Amtsstuben auf Bearbeitung wartet.

P.S.: Einigen hatte ich erzählt, dass ich vor elf Wochen die Sachen eingeschickt habe. Das war ein Irrtum, es waren nur sieben. Dennoch ganz schön lange, weil ich mich hier schon so schön daran gewöhnt habe, dass alle behördlichen Angelegenheiten schnell und reibungslos vonstatten gehen.

Grummel!

F-skattebevis

Ich habe einen Brief vom skatteverket, dem schwedischen Finanzamt bekommen. In Deutschland durchzuckte mich bei solcher Post immer ein gewisser Schreck: „Was habe ich falsch gemacht?“. Über diesen Brief aber habe ich mich gefreut, denn er enthielt meinen F-skattebevis.

Das bedeutet, ich habe mal so eben ein Unternehmen gegründet! Das klingt hochtrabender, als es ist. Denn wenn man in Deutschland sagt, man sei selbständig, dann hat man in Schweden gleich ein „eget företag“, also ein eigenes Unternehmen.

Den Anmeldeprozess zur Unternehmensgründung macht man im Internet. Man loggt sich mit seiner Bank-ID ein, das ist eine digitale Identifizierung. Dann hangelt man sich von Formular zu Formular, bis man alle Daten ausgefüllt hat und den Auftrag abschickt. Ich musste bloß noch per Post einen Beweis vom deutschen Finanzamt schicken, dass ich beim deutschen Finanzamt schuldenfrei bin.

Und etwa drei Wochen später kam die Bestätigung, dass ich rückwirkend zum 25. August ein eigenes Unternehmen habe. In den Bereichen

  • 62010: Dataprogrammering (utveckling av programvaror, hemsidor och programmering)
  • 74203: Press- och övrig fotografverksamhet (även flygfotografering; ej porträtt eller reklam)
  • 90010: Artistisk verksamhet (fristående artister, föreläsare, konferencierer, körer, mannekänger, orkestrar, programledare m.fl.)
  • 90030: Litterärt och konstnärligt skapande (även frilansjournalistverksamhet)

kann ich jetzt nebenbei Geld verdienen.

Ich bleibe weiterhin angestellt und verdiene dort den Hauptanteil meines Einkommens. Aber ich kann jetzt auch kleinere Jobs nebenbei machen und richtig abrechnen. Mein Hauptfokus wird dabei auf der Musik liegen (90010), denn in meiner freien Zeit will ich nicht noch mehr Internetprogrammierung machen. Da reicht mir ein Fulltimejob vollkommen aus. Der erste Musikjob steht auch schon fest: Eine Stunde Klavierspielen beim Chemical Management Summit in Skellefteå. ♪|♫♫♩.

Die deutsche Steuererklärung

Sonntag, sieben Uhr: Knapp fünf Grad, Hochnebel bis hinunter zu den Baumspitzen. Der ideale Tag, um endlich meine deutsche Steuererklärung zu machen. Ich habe nach wie vor ein Gewerbe in Deutschland laufen, aber dort keine Einnahmen mehr. Die Steuererklärung 2011 sollte also simpel sein: Einfach nur Mantelbogen, Anlage G, Anlage EÜR, Gewerbesteuererklärung, Umsatzsteuererklärung mit Adresse und Nullen befüllen, ausdrucken, unterschreiben und ab geht die Post.

Manchmal bin ich eben ein bisschen naiv.

Den Mantelbogen und Anlage G durfte ich tatsächlich noch wie bisher ausfüllen, aber die anderen Formulare müssen für das Jahr 2011 erstmalig digital eingereicht werden. Das ist ja an sich eine gute Sache. Ich fand es schon immer widersinnig, lange Formulare am Computer auszufüllen und dann auszudrucken, damit irgendwelche armen Finanzbeamte die Zahlen wieder in einen anderen Computer eintragen. Effizienz geht anders.

Also habe ich meinen Webbrowser geöffnet und die Elster-Seite („Willkommen bei ELSTER – Ihre elektronische Steuererklärung“) aufrufen. Einloggen ging aber nicht. Gut, da kann das Finanzministerium auch nichts zu, dass die ELSTER-Plattform ausgerechnet auf Java basiert und eben dieses Java unter Macintosh wegen Sicherheitsmängeln in allen Webbrowsern deaktiviert wurde. Nach ein bisschen Googeln und Konfigurieren ging das aber wieder.

Aber – wo sind denn die Formulare, die ich heute auszufüllen vorhabe? Die Voranmeldungen zur Umsatzsteuer kenne ich ja schon, aber wo ist der Rest? Ich finde schließlich eine Seite, auf der ich lerne, dass man dafür spezielle Software braucht, die ich unter Software für die elektronische Steuererklärung suchen kann. Anzahl gefundener Freeware für Macintosh: 0. Anzahl gefundener Freeware für Linux: 0. Ich muss also zwingend Windows haben – und wenn ich kein “Raubkopierer” bin, also Geld an Microsoft zahlen – wenn ich in Deutschland meine Gewerbe- oder Umsatzsteuer machen möchte! Das wäre vielleicht ein interessanter Fall für das Kartellamt (oder gibt es sowas in Deutschland nicht mehr?).

Nun besitze ich als Webentwickler ein Programm, mit dem Windows auf meinem Mac ausgeführt werden kann, wenn auch nicht gerade besonders fix. In dieser Umgebung lade ich also das Programm „ElsterFormular“ (Wow, 99.2 MB nur für Formulare!) und schon nach einer Viertelstunde Installation startet das Programm und empfängt mich mit einer grüngrauen Formularoberfläche, für die der Designer im Jahre 1953 vielleicht noch gelobt worden wäre.

Ein Gutes hat das Programm: Es überprüft Formulare auf Vollständigkeit. Ein weiteres Gutes hat es ebenso: Man kann auch ohne Zertifikat, welches beweisen soll, dass ich ich bin, Formulare an das Finanzamt übertragen. In diesem Fall muss man zwar wieder Formulare ausdrucken und per Post schicken, aber sei’s drum. Es hat allerdings ein bisschen gedauert, bis ich begriffen habe, dass die angezeigten pdf-s gar nicht gespeichert wurden, sondern ich manuell die Vorschau als Kopie speichern muss. Wie gut, dass ich ein bisschen weiß, wie Computer geht, sogar auf Windows, wenn es denn sein muss.

Nach knapp zwei Stunden war ich fertig mit dem Steuernummer, Adressen und Nullen eintragen. Sogar mein 18 Jahre alter Laserdrucker funktionierte und druckte die 14 geforderten Formularseiten ein bisschen schief, aber ansonsten anstandslos aus. Nun muss ich das Ganze nur noch abschicken.

Ob ich alles richtig gemacht habe? Keine Ahnung. Aber man hat sich ja daran gewöhnt, dass die Steuererklärungen in Deutschland so kompliziert sind, dass selbst Steuerberater oft nur raten.

Im nächsten Jahr mache ich zum ersten Mal meine Steuererklärung in Schweden, bei der ich auch Musikeinkünfte angebe. Ich bin gespannt, wie kompliziert das wird.

Skandinaviska Mästerskapen i Vintersim 2013

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie SM Winterschwimmen 2013.

Heute saß ich lange am Rechner. Über 600 Fotos von gestern wollten gesichtet, sortiert, bewertet und bearbeitet werden. Denn gestern war hier in Skellefteå die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen, die wir von Dark & Cold ausgerichtet haben. Und ich habe fotografiert, fotografiert, fotografiert. Jetzt ist eine Auswahl von gut 30 „offiziellen Dark & Cold-Pressebildern“ getroffen, die ich auch hier im Artikel zeige.

Gestern klingelte der Wecker um viertel nach sechs und um kurz nach halb acht stand ich an dem in den Flusseis geschnittene Schwimmbecken, in dem am Vortag das Probeschwimmen stattgefunden hat. Obwohl die Nacht wesentlich wärmer war als vorhergesagt, haben die etwa -15 °C ausgereicht, um das Becken wieder halb zufrieren zu lassen. Im Gegensatz zum letzten Mal brauchten wir aber keine Motorsägen, sondern konnten das Eis mit einer Eisenstange wegschlagen. Ich habe versucht, vom Wasser aus (Trockenanzug, nicht Badehose!) die Eisstücke unter das Flusseis zu drücken, aber dieses war etwa 60 cm dick und damit schwer zu erreichen. Aber auch so war keine Stunde später das Beckeneis eisfrei.

Aber genug der Worte. Hier kommen Fotos. Habt Ihr’s warm? Dann viel Spaß!

Das Eisschwimmbecken

25 Meter lang, vier Bahnen, das ist das Schwimmbecken. Wegen der Strömung schwimmen auch die Staffeln alle flußabwärts.

Am Start

Am Start gibt es drei Kommandos für die Schwimmer: „Zieht Euch aus“, „Geht ins Wasser“ und „Los“. Die Erfahrenen beeilen sich mit dem ins Wasser gehen, damit sich beim Startkommando die Atmung wieder beruhigt hat.

Schwimmen

Hier zeigen sich große Niveauunterschiede, denn am Wettbewerb nehmen vom Hobbyschwimmer und Eisbader bis zum erfahrenen Leistungsschwimmer und Weltmeister alle Leistungsstufen teil. Ein schönes Durcheinander, welches dafür spricht, dass ich vielleicht nächstes Mal auch teilnehmen sollte, um das Niveau der Hobbyschwimmer nach unten abzurunden. (Das ist kein Kokettieren, ich schwimme wirklich nicht gut.)

Am Ziel

Am Ziel ist Gedränge. Dort werden die Zeiten gemessen und dort stehen Helfer bereit, die die Schwimmer beim aus dem Wasser klettern unterstützen. Andere Freiwillige rennen mit der Kleidung vom Start zum Ziel. Und auch beim Ankleiden wird geholfen, denn das ist mit kaltnassen Händen und Füßen gar nicht so einfach.

Details

Überall, wo Wasser auf kaltes Festes trifft, bildet sich Eis. Und weil die Schnüre sich manchmal drehen, stehen dann die Eisnadeln senkrecht.

Teams

Von der Polizei über Unternehmen bis hin zu leistungsstarken internationalen Teams haben 16 Viererteams an der Meisterschaft teilgenommen.

Menschen

So eine Veranstaltung lebt von den Menschen. Nicht nur von den Schwimmern, unserer Organisation und dem Publikum, sondern auch von den Helfern, dem Toningenieur, den Tauchern, dem Arzt, dem Moderator, den vielen Freiwilligen vom Schwimmklub und vielen mehr.

Publikum

Aber natürlich freuen wir uns über das große Publikum. Und erzählen gerne Kommune und unseren Sponsoren, wie viele Leute dabei waren.


Dieses Jahr waren viele Dinge anders als letztes Jahr.

Es war längst nicht so kalt. Statt Temperaturen unter -30 °C hatten wir lauschige -14 °C. Als Kälteliebhaber fand ich das ein bisschen schade, als Fotograf habe ich mich – und vor allem meine Finger sich – gefreut.

Wir hatten doppelt so viele Teilnehmer: 128 Starts waren angemeldet (Personen waren es weniger, da manche sowohl individuell als auch im Team am Wettbewerb teilnehmen.) Manche Schwimmer kamen aus Frankreich, aus Estland und aus Lettland angereist. Und obwohl letztes Jahr auch schon viele Zuschauer da waren: Dieses Jahr waren es noch wesentlich mehr. Das mag an den entspannteren Temperaturen gelegen haben, oder daran, dass der Wettbewerb sich hier schon im zweiten Jahr fest etabliert hat.

Und dennoch waren wir schneller, weil wir auf Basis der Erfahrungen vom letzten Jahr besser organisiert waren. Und so war schon irgendwann gegen drei die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen zu Ende.

Ich bin hochzufrieden. Zum einen, dass die Veranstaltung rundherum gut gelaufen ist und auf so große Resonanz gestoßen ist. Zum anderen, weil ich nach Monaten von geplanten Aktivitäten (von der Jazztour bis zum Winterschwimmen einfach mal so etwas wie Alltag vor mir liegen habe. (Glaube ich zumindest). Zudem habe ich heute unerwartet festgestellt, dass ich bis Ende April noch fünfeinhalb Urlaubstage habe. Toll, was will man mehr!

Für die Fotointeressierten: Über 600 Fotos RAW-Daten, das sind gut 20 GB. Ein Drittel ist schon gelöscht. Dabei waren eine Nikon D800 mit 16-35mm und Nikon D300s mit 90mm und 8mm Fischauge. Kein Stativ, aber manchmal ISO 800. Akkus waren die ganze Zeit in der Kamera, da es nicht extrem kalt war.

Ein komplettes Wochenende

Kennt Ihr das? Die Wochenendplanung? Man möchte was Schönes machen, vielleicht alleine, vielleicht mit Freunden. Man sollte unbedingt ein paar Dinge erledigen und ein bisschen relaxen – zum Beispiel lesen. Und ein kleiner Mittagsschlaf wäre doch auch nett und nützlich. Macht zusammen so drei bis vier Tage. Das Wochenende hingegen hat zwei.

Dieses Wochenende habe ich tatsächlich alles gemacht. In nur zwei Tagen. Das kommt wirklich nicht oft vor.

4. Relaxen: Teile das Nachmittags habe ich im Bett verbracht. Zum einem mit einem recht langen Mittagsschlaf, zum anderem mit dem ersten Buch aus der „Agaton Sax“-Reihe. Das sind herrlich skurrile und schräge Jugendbücher, die Nils-Olof Franzén von 1955 bis 1978 geschrieben hat. Hauptfigur ist der kleine und etwas korpulente Agaton Sax, der Chefredakteur der kleinen Tageszeitung in der fiktiven Stadt Byköping ist und nebenberuflich ein Genie in Sachen Kriminalistik. Und wenn ich dann wieder einen schwedischen Wortwitz verstehe, freue ich mich besonders.

3. Erledigen: Heute Vormittag habe ich ein bisschen länger geschlafen und dann beschlossen, das Thema „Ablage“ in Angriff zu nehmen. Nun gehört Ablage machen zu den Dingen, vor denen ich mich (a) gerne, (b) erfolgreich und (c) sehr lange drücke und so denke ich beim stundenlangen Sortieren und Abheften darüber nach, wie die Zeit vergangen ist. Das mache ich sonst nie, aber nicht wenige der Briefe von Versicherung, Finanzamt, Bank oder Pensionskasse tragen das Jahr 2010.

Als ich nach Schweden kam, habe ich mich über die lustigen vier Löcher gewundert, die hier viele der offiziellen Briefe zieren. Anfangs vermutete ich noch einen Fehler (Warum sollte das auch anders als in Deutschland sein), dann habe ich mir einen schwedischen Locher und passende Aktenordner gekauft.


2. Freunde treffen: Gestern Nachmittag bin ich zur Halbinsel Kallholmen gelaufen, denn dort wohnte ein guter Bekannter, der mich zu einer kleinen Feier eingeladen hat. Dabei bin ich größtenteils außen herum auf dem Eis gelaufen, weil es dort bei der untergehenden Sonne so schön war. Was für ein schöner Nachmittag und Abend mit netten Leuten war das! Mit indischem Essen und Diskussionen, mit Bowle und Weißwein. Sechseinhalb Stunden später bin ich wieder zurück gelaufen. Da das vorhergesagte Nordlicht ausgeblieben ist, war ich auch relativ schnell wieder zu Hause.

1. In der Natur sein: Gestern Vormittag habe ich eine Wanderung zu Fuß gemacht. Im weglosen Wald ist das sehr lustig, weil größere Teile der Schneedecke gut tragen, man aber immer mal wieder bis zur Hüfte im Schnee steckt. Die Elche laufen ja auch gerne Wege, aber haben mit Tiefschnee keine Probleme, obwohl die einzelnen Fußabdrücke auch ganz schön tief sein können.

Auf der Ostsee hingegen war es viel leichter zu gehen, da auf den offenen Eisflächen wesentlich weniger Schnee liegt. Dieses Mal bin ich zu einer winzigen Insel namens Brottören gelaufen. An einigen Stellen hat das Eis ziemlich geknackt. Ich zucke dann jedes Mal ein bisschen zusammen, obwohl das Knacken eher damit zusammenhängt, dass es wieder kälter wurde. Und auf der Insel Storgrundet stand sogar ein Kombi am Strand geparkt, den jemand vom nahen Festland über das Eis gefahren hat. Soviel zur Eisdicke.

Gerne wäre ich zu den Eisbergen, die man am Horizont flimmern sehen konnte gelaufen. Aber die waren mindestens drei Kilometer entfernt und ich hatte keine Ahnung, wie dick und tragfähig das Eis dort draußen auf der offenen See ist.

Gestern Abend: München Flughafen + 8°C, Skellefteå Flugplatz: -21 °C. Hier war es also fast dreißig Grad kälter. Inzwischen war aber der Winter auch nach Deutschland unterwegs und hat Kälte und Schnee mitgebracht.

Das Eis hält!

Dieser Artikel ist Teil der zweiteiligen Serie SM Winterschwimmen 2014.

In zehn Tagen ist die Dritte Schwedische Winterschwimmmeisterschaft und immer noch war es etwas unsicher, ob wir die Meisterschaft auch dieses Jahr wieder auf dem Fluss mitten in der Stadt ausrichten können oder umziehen müssen. Heute morgen hat Asfalt Nord, unser diesjähriger Partner, Probebohrungen auf dem Fluss gemacht, um zu sehen, wo wir das Becken für die diesjährige Winterschwimmmeisterschaft platzieren können.

Mit Gurt und Seilsicherung hat sich der erste langsam auf das Eis vorgewagt. Die Probebohrungen haben ergeben, dass 35 cm Eis auf dem Fluss liegen und das trägt enorm viel. So haben wir uns bald alle auch ungesichert auf das Eis vorgewagt und nachdem wir einen Platz bestimmt haben, hat einer mit der Motorsäge das erste Eisloch gesägt. Das erste Stück Eis zu sägen ist leicht, es aus dem umliegenden Eis herauszuheben dagegen kniffelig, aber das kennt man ja von dem ersten Stück Kuchen.

Während wir in vielleicht 12 Meter Abstand zum Ufer das Eis gesägt, fotografiert oder Interviews für Radio und Fernsehen gegeben haben, hat sich das Eis am Rand etwas abgesenkt und stand prompt 10 – 15 cm unter Wasser. Ein komisches Gefühl, über das sich weich anfühlende und überflutete Eis zu laufen, auch wenn man weiß, dass es locker Autos tragen würde.

Die erste ProbebohrungMit der Motorsäge wird das Eis gesägtBald ist das erste Eisloch geöffnetAm Rand ist das Eis überflutet

Nachmittags hat Asfalt Nord seine Überlegungen, mit einem Bagger auf das Eis zu fahren umgesetzt und als ich kam, hob die Baggerschaufel gerade ein großes Stück Eis aus dem wachsenden Bassin. Nach anfänglicher Nervosität des Baggerführers (das Ding wiegt drei Tonnen) hat sich schnell ein Team eingespielt und nach einer viertel Stunde war ein erster acht Meter langer Graben ins Eis geschnitten, der später die Zielgerade sein wird.

Mit dem Bagger auf dem EisEis wird aus dem Wasser gehoben

Wir schneiden ein „Eisloch“ in die TorteAbends hatten wir Organisations-Meeting, das sind so kurz vor dem Event immer recht lange, intensive Treffen aber wir haben auch gefeiert: A. hat eine leckere Torte gebacken, und wie Asfalt Nord mit Motorsäge und Baggerschaufel haben wir mit Messer und Tortenheber das erste Stück mitten aus dem Eis – nein, aus der Torte geschnitten. Eine leckere Stärkung vor dem Endspurt.

Det ordnar sig …

Warum mache ich mir eigentlich so viel Stress. Det ordnar sig. Dieser Satz scheint mir recht stark in der schwedischen Kultur verankert. Man fragt nicht „Aber was machen wir, wenn …?“ oder „Haben wir auch daran gedacht, was passiert, falls …?“. Wozu auch, det ordnar sig.

Schwedischübersetzung des Tages:det ordnar sig – das löst sich / das wird schon

1

Vorgestern habe ich Schmerzen im rechten Arm und Handgelenk gehabt, gestern war es eher noch stärker. Das gehört zu den Dingen, die man überhaupt gar nicht mag, wenn man Klavierspieler ist. Ich habe gestern mit der „Vårdcentralen“ – dem Gesundheitszentrum Kontakt aufgenommen und am Nachmittag hat ein Krankengymnast zurückgerufen. Heute um neun hatte ich einen Termin: Das Ergebnis: Keine angehende Sehnenscheidenentzündung, kein Golfellenbogen, nur ein bisschen zu verspannt. Wird schon, det ordnar sig. Und es ist heute auch wirklich schon viel besser.

2

Welcher Teufel hat mich eigentlich geritten, heute selbst eine Sensorreinigung bei meiner Nikonkamera zu versuchen? Zwei Tage vor einer Reise, die ich als Fotograf begleite? Ich Idiot! Statt einem Flecken hatte ich nun zweihundertfünfzig auf dem Sensor, damit ist die Kamera erst einmal unbrauchbar. Meine D800 habe ich zur Reinigung weggegeben und bekomme sie erst Ende nächster Woche wieder. Die Reise beginnt übermorgen …

Also habe ich auf Facebook „Panik, ich brauche Hilfe“ geschrieben und prompt bietet ein Bekannter mir an, mir seine Nikon D600 für die Zeit zu leihen. Jemand, zu dem ich kaum Kontakt habe, leiht mir seine 1500-Euro-Kamera für eine knappe Woche. Großartig! Tack så hemskt mycket – Danke so schrecklich viel! Vielleicht hätte ich aber einfach ruhiger bleiben sollen, denn det ordnar sig.

3

Krisentreffen auf dem Eis: Die halbe Eisfläche ist mit 10 – 15 Zentimeter Wasser überschwemmt. Da muss man einen Steg bauen oder etwas anderes tun, denn das ist für Schwimmer, die teilweise in Hausschuhen laufen genauso unbequem wie für Fotografen, die gerne auf dem Eis knien. Nun habe ich heute auch gearbeitet, und hatte eine zweistündige Probe. Und groß körperlich arbeiten mag ich gerade nicht, um Arm und Rücken nicht zu überlasten. Aber ich denke auch, meine Güte, ich bin ja nicht alleine, wir sind ja ein Team, det ordnar sig!


Vor ein paar Tagen ist John Lule angekommen, der Meister der ersten afrikanischen Winterschwimmmeisterschaften. Und heute hat er sein erstes Eisbad hier im Fluss genommen. John ist wirklich tough, vorgestern bei 25 °C ins Flugzeug nach Nordschweden und heute wWinterbaden. Gut, dass es mit -1 °C recht mild war.

Auf dem Weg zum EisbadenZwei Kontinente, ein Eisbad

Noch ein paar Bilder von heute bei den letzten Eisschwimmbad-Bauarbeiten.

Eisstücke und „slush“ werden weggebaggertBaustelle auf dem Eis

Zwei Leitern ragen in die Tiefe

Ab übermorgen bin ich drei Tage lang als Fotograf unterwegs, das wird eine ganz neue Erfahrung und ich bin wahnsinnig aufgeregt, weil mindestens ein echter, ausgewachsener Profifotograf mit dabei sein wird. Aber – glaubt es oder nicht – heute hat die Aufregung schon etwas nachgelassen, denn: Det ordnar sig.

Die Fotos stammen alle aus der geliehenen Kamera. Die D600 macht sich gut und so viel muss ich zum Glück nicht umlernen.

Ein Tag vor dem Winterschwimmen

Ein Tag vor dem Winterschwimmen ist immer angefüllt mit hunderten Aktivitäten. Die Hauptarbeit heute war: Stege bauen, denn über dem Eis war noch mehr Wasser als gestern: bis zu 35 cm! Und so wurden aus Europapaletten und Spanplatten Stege gebaut, damit die Schwimmer gut zum Start kommen und die freiwilligen Helfer und Journalisten trockene Füße behalten. Und sonst: Polizeiabnahme, Leitern montieren, Zelt aufbauen, Diplome abholen, Licht aufbauen, Werbebanner abholen und aufhängen, Sicherheitszäune aufstellen, Kleinkrams kaufen und so weiter und so fort.

Eigentlich sollte ich jetzt für die kurze Fotoreise packen, aber da ich Anna-Carin Nordin (Die zweite Person, die die Oceans Seven geschwommen ist) versprochen habe, Fotos ans Radio zu schicken, habe ich gleich noch ein paar andere Bilder mit bearbeitet:

Eis umgibt das Schwimmbecken

Anna-Carin Nordin, ExtremschwimmerinJohn Lule, afrikanischer WinterschwimmmeisterBlick in die TiefeÜber und unter Wasser

Das Winterschwimmbad – morgen geht’s los