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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Regen

Nach einer windigen, aber eher schönen Woche hat es heute Nachmittag angefangen zu tröpfeln, dann ein wenig zu nieseln, und dann zu regnen. Jetzt, abends um halb elf, pladdert es und es sind nur noch fünf Grad. Muss halt auch mal sein und die Pflanzen freuen sich. Obwohl die Sonne noch nicht untergegangen ist, ist es jetzt dunkler als es die letzten Tage mitten in der Nacht war.

Ich habe es mir nicht nehmen lassen, das Wochenende trotz des Regens mit einem Spaziergang in der Umgebung einzuläuten. Wenn es regnet, dann riecht alles so frisch. Und weil es so kühl ist, heizen einige mit Holz ein, das duftet dann so richtig gut nach Ofen und warmen Holz – wie in der Sauna.

Und auch wenn ich selber leider keinen Ofen habe, so ist mein Haus dennoch richtig gemütlich. Ich sitze warm und trocken und höre den dicken Regentropfen zu, die auf das Kunststoffdach des Wintergartens prasseln.

Zu den Fotos: Wie es so schön heißt: Der beste Fotoapparat ist der, den man dabei hat. Hier hatte ich nur das iPhone zur Hand, aber das hat sich tapfer geschlagen und bringt die Stimmung eigentlich ganz gut rüber.

Midsommarafton

Ich hatte schon geschrieben, dass Mittsommer ein wichtiges Fest in Schweden ist. Mir war aber bis gestern nicht klar, dass schon gestern am Freitag gefeiert wurde, obwohl „midsommar“ erst heute am Samstag ist. Dabei ist das eigentlich ganz einfach und logisch:

Neujahr heißt auf schwedisch „nyår“ oder genauer „nyårsdagen“ (Neu-Jahrs-Tag). Gefeiert wird am Vortag: nyårsafton (Neu-Jahrs-Abend). Weihnachten heißt „jul“, das traditionelle Weihnachtsessen und die Geschenke gibt es am „julafton“ (Weihnachts-Abend). Mittsommer heißt „midsommar“ und wann wird gefeiert? Richtig, am Tag zuvor, dem „midsommarafton“.

Und der war wie gesagt gestern. Ich habe mit Freunden in deren neuem Sommerhäuschen gefeiert. Wir saßen hauptsächlich auf der überdachten Veranda, den es hat ziemlich viel geregnet. Abends waren wir noch in der Sauna und haben uns zwischendurch zur Kühlung im Regen stehend mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Irgendwann – wenn es immer hell ist, habe ich die Tageszeiten nicht mehr so richtig im Griff – habe ich dann das Gästezimmer abgedunkelt und mich schlafen gelegt. Und heute war auch schon wieder schönes Wetter.

Ganz wichtig übrigens beim Mittsommer ist das Essen: Hering („sill“), Lachs, Dünnbrot und neue Kartoffeln müssen dabei sein. Und Aquavit! Eigentlich. Denn Schnaps hatten wir zwar keinen, aber ein kleines Trinklied kann man ja auch zum Rotwein singen. Die gleichzeitig gegrillten Fleischstücke waren so groß, dass wir alle pappsatt waren und sogar ich – kaum zu glauben – nicht mehr viel von der Erdbeertorte geschafft habe. Aber die hat heute zum Frühstück auch gut geschmeckt.

Nun habe ich noch fünf Tage zu arbeiten und dann habe ich vier Wochen Urlaub! Ich frage mich, ob ich den Freitag jetzt „semesterafton“ nennen darf, denn immerhin ist es der Tag vor meinem Urlaubsanfang, und das – finde ich – ist ein Grund zum Feiern!

Sommer in Norwegen · Teil 4: Fjelltour

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der vierte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Wir sind jetzt in Innset und haben auf Björn Klauers Huskyfarm übernachtet. Jetzt, am nächsten Morgen beginnen wir unsere Mehrtagestour.

Und die Tour beginnt ganz schön anstrengend. In unseren Rucksäcken sind Zelt, Schlafsack, Isomatte, Ersatzkleidung, Kocher, Lebensmittel und erste Hilfe untergebracht. Ich beschwere mich noch zusätzlich mit Stativ und zwei zusätzlichen Objektiven und habe damit in etwa 24 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Puh!

Ich finde Orientierung in der Natur eigentlich nicht schwer, aber in der Zivilisation manchmal schon. Wo ist denn jetzt die zweite Brücke über den Fluss? Die Brücke ist bald gefunden und bei recht grauem Wetter laufen wir den steilen Traktorweg bergauf. Da auf uns mindestens 800 Höhenmeter warten, gehen wir die Tour langsam an und machen mehrere Pausen. Der Weg führt an einer Schlucht vorbei und durch Birkenwald immer höher. Den Fluss Dittiskardet müssen wir irgendwann mal furten.

Bald sind wir über der Baumgrenze und der Weg führt in kleinen Buckeln immer höher. Es wird dunkler und immer wieder gibt es kleine Regenschauer. Wir sind nicht sicher, wo man am besten über den Fluss kommt und finden, nachdem wir schon recht weit sind eine akzeptable Stelle. Dort wechseln wir von Wanderstiefeln zu Sandalen und kurzen Hosen und laufen durch das knietiefe Wasser ans andere Ufer. Knietief heißt bei der starken Strömung, dass man sich gut konzentrieren muss und Füße und Treckingstöcke mit Kraft gegen die Strömung führen und setzen muss, um nicht umgeworfen zu werden. Nachdem wir beide erfolgreich auf der anderen Seite angelangt sind, merke ich, dass ich drüben die Karte vergessen habe …

Die Karte ist geholt und wir laufen weiter. Das Gelände wird immer karger. Bald sind die nassen Wiesen verschwunden und das Gelände wird von mit Flechten bewachsenen Steinen und kleinen Schneefeldern geprägt. Zwischen den Steinen wächst Gras, Moos und kleine Blumen. Wir haben nun den 1106 Meter hohen See Dittivatnet erreicht. Und hier erleben wir einen Wolkenbruch, wie ich ihn selten erlebt habe. Ich suche einen Zeltplatz, was in dieser scharfkantigen Steinwüste nicht einfach ist. Aber irgendwo finde ich doch ein hubbeliges Stück Wiese, wo wir das Zelt aufbauen.

Nach einem heißem Kakao und extrem ekligen Spaghetteria Bolognese von Knorr schlüpfen wir in unsere trockenen Schlafsäcke und schlafen. Am nächsten Morgen ist das Wetter wie ausgewechselt. Der klare blaue Himmel spiegelt sich im See und wir frühstücken in Ruhe. Wir haben beschlossen, ohne Zeitplan unterwegs zu sein, da wir ja auch nachts laufen können, wenn wir wollen.

Unsere Rucksäcke sind wieder gepackt und geschultert. Nun geht es über die Steine noch höher und bald liegt das Dittivatnet hinter uns. Irgendwann haben wir den Gipfel des Čorrovárri (1324) und damit den höchsten Punkt unserer Tour erreicht. Gelegenheit für eine Kekspause.

Nun gehen wir im großen Bogen abwärts, um zu einem kleinen Gletschersee zu stoßen und der ist auch wirklich sehenswert. Es ist eigentlich nicht kalt, aber die Fotos sehen anders aus.

Nach einer Pause laufen wir in Richtung Osten. Es klart auf und es tut gut, blauen Himmel zu sehen. Der Boden ist sehr nass. Immer wieder überqueren wir sumpfige Wiesen und aberhunderte kleiner Rinnsale. Bald stoßen wir auf den Nordkalottleden, dem wir in Richtung Süden folgen.

Nach einigen Kilometern Strecke stoßen wir auf einen herrlichen Zeltplatz und beschließen sofort, das Zelt aufzubauen. Von Süden her laufen einige Rentiere mit Kälbern durch das breite Tal und wir freuen uns, die Tiere beobachten zu können. Ein bisschen später kommt von Norden eine große Herde mit bestimmt sechshundert Tieren her und zieht durch das Tal. Auch oberhalb des Zeltes grasen die Tiere, sind aber ein bisschen misstrauisch und kehren bald wieder um.

In der Nacht wird Sonya krank. Wir beschließen, einen Pausentag zu machen und die Tour zu verkürzen. Sonya nutzt den Tag, um sich auszukurieren. Ich laufe am Nachmittag auf den Skadjoaivi, wo ich einen herrlichen Blick in alle Richtungen habe.

In der Nacht ziehen Wolken durch das Tal und es hat angefangen zu regnen. Und es wird den ganzen Tag weiterregnen. Pausenlos. Wir kochen im Regen, wir packen im Regen und wir laufen weiter im Regen. Die Funktionskleidung kommt an ihre Grenzen und wir überqueren so viele Flüsse, dass wir zum Schluss beide von Kopf bis zu den Zehen klatschnass sind. Bei diesem Wetter haben wir keine Lust, einen Zeltplatz zu suchen und da sich Sonya wieder gut fühlt, laufen wir die ganze Strecke zu Björns Huskyfarm zurück. Mein Regenschutz hat mal so garnichts gebracht und auch alles im Rucksack ist nass. Ich bin froh, dass wir nicht mehr im Zelt sind und ich alle Sachen trocknen kann.

Sonya ruft Julia und René an und wird still. Wir erfahren von dem fürchterlichen Bombenattentat in Oslo und dem Blutbad in Utøya. Was für ein Schock!

Wir machen noch einen Tag Pause bei Björn und fahren dann nach Tromsø weiter, aber das ist eine andere Geschichte …

Danke an René für den schönen Tourenvorschlag. Danke an Julia für die Fernberatung per Telefon, als Sonya krank war.

Herbstanfang

Letzte Nacht habe ich geträumt, dass ich ohne Jacke rausgehe. Und dachte im Traum noch „Ganz schön mutig“. Geweckt wurde ich dann – wie gestern schon – Punkt sechs von dem lauten Prasseln eines Wolkenbruchs. Nun, Wolkenbrüche gab es diese Woche eigentlich fast jeden Tag, das ist nichts besonderes. Aber dieses Mal ist auch die Temperatur mit gefallen und lag den ganzen Tag so bei fünf, sechs Grad. Zusammen mit dem Wind ein pünktlicher Herbstanfang der ungemütlichen Sorte.

Nach dem Frühstück hat es nur noch mäßig geregnet und ich bin durch eine asphaltierte Seenplatte zum Bus gelaufen. Der Wasserstand auf Skelleftehamns Straßen reicht für mein Kajak allerdings noch nicht aus.

Der Bus war heute eher ein Amphibienfahrzeug. Manchmal pflügte er wie ein Schiff durch die tiefen Pfützen und ließ das Wasser meterhoch spritzen. Der Ausblick durch die regennassen Scheiben war abwechselnd eintönig grau und leuchtend farbig von den bunten Blättern, die die ersten Bäume und Büsche tragen.

Nach der Arbeit bin ich zur Bushaltestelle einen kleinen Umweg am Fluss gelaufen. Dort lachte mich dieser Fliegenpilz an. Und wenn ich ihn schon nicht essen kann, dann mache ich von ihm wenigstens ein Foto mit meiner kleinen Rikoh.

Ich bin gespannt, ob das nasse Wetter weiterhin so anhält oder wir noch einen schönen Spätherbst bekommen. Ein, zwei Mal möchte ich noch Kajak fahren und da kann ich keinen Wind gebrauchen. Und zu viel Regen muss ja auch nicht sein …

Schwedischübersetzung des Tages:det är iskallt – Es ist eiskalt!

Nachtrag: Sind manche Schweden einfach hart im Nehmen oder ist das die Trotzreaktion zum Sommerende: Zwei Schweden mit kurzen Hosen sind mir heute begegnet. Ich hingegen habe zu Hause das erste Mal wieder die Heizung angeschmissen.

Kurz mal Winter

Skelleftehamn vorgestern Nachmittag: +0.3 °C. Heute Vormittag -13.9 °C. Heute Abend: +1.1 °C. So geht es hier auf und ab. Erst war der Schnee weich, dann nass, dann ist er zu steinharten Klumpen gefroren. Heute Vormittag kam der Schnee bei kräftigen Minustemperaturen herunter. Jetzt kommt Sprühregen aus der tiefen orangefarbenen Wolkendecke.

So hat auch dieses Mal der Winter leider nur mal kurz vorbei geschaut, denn die kommenden Tage soll es auch nachts über Null bleiben und regnen. Und regnen.

Abschließend noch ein Vergleich, wie stark die noch offene Ostsee das Küstenwetter diesen Winter beeinflusst:

Ort Lage heute morgen heute Abend
Skellefteå Flugplatz küstennah -18 °C +1 °C
Lycksele im Inland -24 °C -10 °C

Und noch ein anderer Vergleich: Letztes Jahr um diese Zeit habe ich schon Skitouren auf die nahen Inseln gemacht oder bin zu Fuß durch hüfttiefen Schnee gestapft. Und es herrschte schon vier Wochen Dauerfrost. Mehr mein Ding!

Wasser aus allen Richtungen.

Wasser kommt aus allen Richtungen:

Von oben: Als Regen. Und heute hat es den größten Teil des Tages geregnet.

Von unten: Als Pfützen. In der langsam abtauenden Eisschicht auf der Fahrbahn sind große Löcher. Und tiefe Pfützen. In denen man sich spiegeln kann, wenn man unbedingt will.

Von der Seite: Als Wellen in der Bucht …


Wir hatten die letzten Tage einige Male Wasserstandswarnungen und die Ostsee stand teilweise über einen Meter höher als normal. Da ist es klar, dass allerhand Treibgut an den Strand gespült wird. Es ist interessant, wie allein durch die Wellen die angespülten Dinge sortiert und ausgerichtet werden: Die Hölzer liegen parallel, die Plastikfolie bleibt in den Bäumen hängen und das Styropor hat es am weitesten geschafft.

Da sieht man, wieviel Abfall der Mensch einfach in die Gegend wirft. Aber die Natur rächt sich: Heute habe ich in Skelleftehamn direkt am Ufer den ersten großen Hai gesichtet.

Wintereinbruch

Nach meiner ersten Skitour dieses Winters, die ich gestern Abend Dank des Neuschnees machen konnte, wurde der Schneefall noch dichter und Wind kam auf. Es hat die ganze Nacht weitergeschneit und wegen des Windes war ich extrem früh wach. So sah heute früh der Blick aus dem Küchenfenster aus:

Auf meinem Grundstück lagen je nach Schneeverwehung zwischen 20 und 50/60 Zentimeter und es schneite weiter. Ich habe draußen einige Fotos gemacht und wollte eigentlich den ersten Bus, der um fünf Uhr abfährt, nehmen. Aber das mit dem Fotografieren dauerte ein bisschen länger, also wurde mir klar, dass ich diesen Bus nicht mehr kriege. Und so habe ich in Ruhe weiter fotografiert.

Im Bus, der um 5:50 abfuhr, hörte man hauptsächlich Worte wie „Schnee“, „Winterreifen“ oder „hat sich festgefahren“. Ein Fahrradfahrer, der uns entgegenkam, wäre beinahe in den Bus reingefahren, er kam in dem tiefen und recht nassen Schnee einfach ins Schlingern. Ich war gar nicht böse, dass ich den ersten Bus nicht bekommen habe, denn der hatte sich direkt in der nächsten Haltestelle dermaßen festgefahren, dass er, als wir 50 Minuten später vorbei kamen, immer noch dort stand.

Und auf jeder Straße, auf jedem Platz, vor jeder Einfahrt: Räumfahrzeuge, Räumfahrzeuge, Räumfahrzeuge! Von einfachen Baggern mit Schaufel vorne dran bis hin zu Gefährten, die ich eher „Kampfstern Galaktika“ zugeordnet hätte, wurde überall mit großem Einsatz der Schnee zu hohen Haufen zusammengeschoben. Bloß um die Fahrräder hat sich keiner gekümmert, aber der oben erwähnte Vorfall hat gezeigt, dass Fahrrad fahren seine Grenzen hat.

Leider ist dann der Schnee immer feuchter geworden und in Skelleftehamn hat es vermutlich auch geregnet. Als ich wieder nach Hause kam – jetzt waren alle großen Straßen und kleinen Wege geräumt – war leichter Frost und ich habe eine Stunde draußen damit zugebracht, dicke, nasse, halbgefrorene und sackschwere Schneeklumpen vor meinem Haus wegzuräumen. Denn wenn ich die einfach liegen lasse, kann es sein, dass die Post nicht zugestellt wird.

Ich muss mich übrigens korrigieren: So mancher kleiner Weg war nicht geräumt, zum Beispiel die Abkürzung über die Wiese, die zwei Fahrgäste heute vergeblich suchten. Als sie aus dem Bus ausstiegen, standen sie vor einem großen Schneehaufen. Und sind einfach durchgestapft.

Der Schnee ist durch Wärme und Regen zusammengesackt, zumindest ist es aber so viel, dass nicht so schnell alles wieder wegschmilzt. Und ab Freitag soll es auch kalt werden, zumindest für einige Tage.

Ekelwetter

Auf dem Weg vom Winter in den Frühling kann man entweder herrlichen blauen Himmel haben und eine Sonne, die den weißen Schnee bescheint und den Körper wärmt. Wie letzten Samstag zum Beispiel.

Oder man kann einen dicken grauen Wolkenbrei über sich haben, aus dem bei einem Grad Plus öder Sprühregen auf einen fällt und der böige Wind einen frösteln lässt.

So ein Tag war heute. Die Busscheiben sind mit unzähligen kleinen Matschspritzern bedeckt und auf den Straßen liegt ein Gemisch aus buckeligem Eis, flachen Pfützen und Kies.

Nun hoffe ich, dass zwei Vorhersagen für den Abend stimmen:

  • Wolkenfreier Himmel, zumindest für zwei Stunden
  • Aktive Nordlichter

Denn die Polarlichtvorhersage aus Alaska sagt für heute „Extreme+“ voraus, und so eine hohe Stufe habe ich noch nie erlebt. Ich bin gespannt …

Die beiden Fotos oben habe ich mit meinem neuen iPhone gemacht und dafür, wie klein das Teil ist, macht sich die Kamera wirklich gut.

Nach Kiruna

Ich sitze gerade inspiriert und auch ein wenig erschöpft in einem kleinen Apartment in Kiruna. Heute war TEDx Kiruna und ich habe acht sehr unterschiedliche und sehr inspirierende Vorträge gehört. Aber dazu später mehr. Drehen wir die Uhr zwei Tage zurück.

Teil 1 – Die Anreise

Am späten Sonntag Vormittag bin ich mit wie üblich voll gepacktem Auto in Richtung Norden losgefahren. Die geplante Route für den Tag: Skelleftehamn – Piteå – Älvsbyn – Vidsel – Harads – Vuollerim – Murjek – Solberget.

In Vidsel bin ich erst am Abzweig Harads vorbei gefahren, um einen Zwischenhalt am Storforsen, den größten Stromschnellen Skandinaviens, zu machen. Das sah trotz des extrem trüben Wetters sehr beeindruckend aus, da muss ich unbedingt mal bei schönem Wetter zum Fotografieren hin.

Dann bin ich weitergefahren. Vor allem die Strecke von Vidsel nach Harads war erlebnisreich: Da ist mir nach 30 Kilometern doch tatsächlich ein Auto entgegengekommen! Kurz vor Murjek wurde es dann ein bisschen langsamer, da die Straße voller Rentiere stand. In Murjek selbst habe ich Bekannte besucht, die sich damals, als ich im Februar 2012 von Murjek aus einen Job gesucht und ja auch gefunden habe, um mich gekümmert haben. Nach einem gemütlichen Plausch habe ich dann auf den Weg nach Solberget gemacht.

Nach einer Nacht im Bauwagen – da schlafe ich immer hervorragend – habe ich noch gefrühstückt und eines von Dirks zahmen Rens (Ob ich wohl Flechten dabei habe?) und einen Fuchs fotografiert. Der Fuchs kommt jeden Tag, hat sich aber an diesem Tag nicht sehr weit vorgetraut.

Bald habe ich mich bald auf den Weg gemacht, denn die Wettervorhersage sagte ziemliches Mistwetter voraus. Und die Fahrt über Gällivare nach Kiruna war auch alles andere als spaßig: Die meiste Zeit hat es geregnet, geschneeregnet, gepladdert und geschneeregenpladdert. Das Wasser hat sich in den tiefen Spurrillen der alten Straße gesammelt und jedes Mal, wenn einem ein Auto, gerne auch mal ein Laster entgegen kam, musste man sich irgendwie an die Seite drücken, während man eine Fuhre Dreckwasser auf die Windschutzscheibe geschmissen bekam. Ich war froh, als ich gestern in Kiruna angekommen bin und habe mich erst einmal ausgeruht.

Teil 2 – der Dinner Event zur TEDxKiruna

Um halb fünf bin ich gemütlich zum Turistbyrå gelaufen, wo die Taxis uns abholen sollten. Uns, das waren wir alle, die das Dinner Event am Vorabend der TEDx-Konferenz mitgebucht haben. Da stand ich nun. Wer nicht kam, waren die anderen. Und ein Taxi war auch nicht da. Bald stellte sich heraus, dass ich der einzige war, der überhaupt ein Taxi bestellt hatte. Das kam dann auch später und hat mich dann zum Eishotel nach Jukkasjärvi gebracht, wo der Treffpunkt zum Dinner Event war. Dort habe ich dankend darauf verzichtet, mir dort einen Winteroverall auszuleihen, denn wir hatten immer noch leichte Plusgrade.

Wenig später stellte sich dann heraus, dass nur zwölf Personen überhaupt an dem Dinner teilgenommen haben: Einige Organisatoren und sechs der acht Redner. Und ich! Wir sind die Straße zur alten Kirche Jukkasjärvis gelaufen, um dort einen Samen zu treffen, der uns erst einmal Rentiere hat füttern lassen. Die waren vielleicht heiß auf die Flechten.

Dann sind wir in das große Zelt gegangen, in dem ein großes Feuer brannte und haben ein hervorragendes samisches Dreigängemenu genossen, während ich unter anderem mit einem Testpiloten, einem Künstler und einem Astronauten über dieses und jenes geplaudert habe. Schade, dass das Dinner nur kurz war und man nicht die Gelegenheit hatte, sich ein bisschen besser kennenzulernen. Aber auf der anderen Seite war ich auch froh, als ich früh zu Hause war und ich bin kurz nach zehn ins Bett gefallen.

In der Nacht sind alle Wolken grau.

Na, das war wohl nichts mit dem Venustransit. Nichts – nada – ingenting! So’n Sch***!

Der Sommer hat sich ja bis jetzt bei uns recht vornehm zurückgehalten. Am Samstag hat es bei 6 °C gestürmt und geschüttet wie nichts Gutes und viel schöner war der Sonntag auch nicht. Um so größer meine skeptische Freude, als die Wolkenvorhersage von klart.se für die nun vergangene Nacht ein Wolkenfenster ein paar Meilen weiter südlich prophezeit hat. Schön um zwei Uhr morgens zum Sonnenaufgang. Und dort sollte ja die Venus als kleines, schwarzes Scheibchen vor der Sonne sichtbar sein.

Unter wolkigem Himmel bin ich um halb eins mit dem Auto aufgebrochen und richtig – als ich gegen eins auf der E4 in Richtung Süden fuhr, schälte sich im Süden der fast volle Mond aus den Wolken. Eine Stunde später war ich auf der erhobenen Landzunge von Bjuröklubb. Mit mir waren dort Wolken, Nebelschaden, Hochnebel, Sprühregen, etwas mehr Sprühregen und kleine Wölkchen in lieblichen Grautönen. Die dickste Suppe am Horizont zeigte sich bei etwa 20°, also dort, wo ich eigentlich mit dem Aufgang der glutroten Sonne gerechnet habe und dem kleinen Scheibchen der Venus vor der farbigen Sonnenscheibe. Eine gute Stunde habe ich ausgeharrt und ein bisschen im Grauen fotografiert und mich nass nieseln lassen. (Warum nachts um drei die Küstenwache vorbei fährt, ist mir allerdings ein Rätsel). Dann habe ich aufgegeben. Wie schon geahnt, war auch auf dem Rückweg die Sonne genau null Picosekunden zu sehen. Jetzt ist es sechs Uhr morgens, ich bin irgendwo zwischen aufgekratzt und bleimüde und ein bisschen enttäuscht, dass ich nichts von diesem Schauspiel mitbekommen habe.

Auf der anderen Seite will ich mich nicht zu sehr beschweren. Die Nacht gehörte zwar nicht den Gestirnen, aber den Tieren. Ein Reh und einige Hasen waren am Waldrand zu sehen. Kraniche flogen mit gellendem Geschrei auf oder stelzten ruhig über den Acker. Singschwäne zogen laut trötend ihre Kreise und auf dem einen Strommast landete eine Eule. Und schließlich querten auch Elchmama mit Elchkalb die Straße und trabten über eine mit hohem Gras bewachsene Weide wieder in den Wald. Ich wette, sie wussten, dass meine Kamera im Kofferraum war, wie eigentlich immer, wenn ich Elche sehe.


Nun habe ich zwei Möglichkeiten, doch zu meinem Venustransit zu kommen: (1) Ich werde alt. Sehr alt. Uralt! Der nächste von der Erde aus sichtbare Transit findet 2117 statt. (2) Raumschiffe werden so günstig, dass ich mir das ganze vom All aus anschaue. (3) Ich sehe ein, dass weder 1 noch 2 sehr realistisch sind und freue mich auf den 9. Mai 2016. Da gibt es einen Merkurtransit. Und ehrlich gesagt, Merkur als Planet ist eh viel hipper!

Wollgras

Gestern war ich draußen, ein bisschen die Umgebung bei mir erkunden und mitten auf einer Anhöhe entdecke ich eine kleine sumpfige Stelle mit Wollgras. Das wollte ich ohnehin schon einmal fotografieren und so habe ich meine Kamera ausgepackt und begonnen, Bilder zu machen. Über mir quollen dicke Kumuluswolken und bald darauf lag das Wollgras im Schatten. Noch während ich in den Himmel schaute, um zu schauen, wann die Sonne wieder hervorkommt, hörte ich es ordentlich rumpeln. Ein Gewitter – eine Seltenheit hier. Nun ist bei Gewittern eine kahle Anhöhe nicht der ideale Aufenthaltsort, also habe ich das Weite gesucht und bin durch den Wald nach Hause gelaufen, während dicke Tropfen herunter klatschten. Zu Hause angekommen war das kleine Gewitter aber schon wieder vorbei.

Heute war ich noch einmal unterwegs und habe Wollgras fotografiert. Die Aufnahmen entstanden an anderen Stellen, denn fast überall, wo es nass ist, wächst diese Pflanze.

In den Ritzen, die sich in den großen Felsen gebildet habe, wachsen oft junge Birken. Ob sie genug Platz finden, um starke Wurzeln zu bilden, genug Wasser zu finden und groß und alt werden?

Aufruf an die Botaniker: Weiß jemand, welche Blume auf dem letzten Foto abgebildet ist? Ich habe keine Ahnung und leider auch vergessen, die ganze Pflanze zu fotografieren.

Rosen

Die Rosen in meinem Garten haben wirkliches Glück, dass sie so selbständig sind. Sie haben mich mit dem Hauskauf als neuen Gärtner bekommen und ich kümmere mich wirklich nicht um sie. (Immerhin hat mir meine Mutter letztes Jahr gezeigt, wie man Rosen beschneidet.)

Heute morgen schwankte so manche Blüte wie ein begossener Pudel am Stengel, denn es hat fast die ganze Nacht geregnet. In ein paar Tagen werden diese Blütenblätter wohl abgefallen sein. Aber es gibt noch viele Knospen, dass ich wohl auch noch im September etwas von meinen tapferen Rosen haben werde.

Nasser geht’s nicht

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Regen. Pladderregen. kalter, fieser Pladderregen. So empfing uns der Montag, zwei Tage nach dem Fest auf Solberget. Doch ich hatte schon eine Tour im Hinterkopf. Angefangen hatte die Idee mit Sandras Hinweis, auf der topografischen Karte sei ein Pfad über das Moor eingezeichnet. Moor finde ich immer spannend, und die Aussicht, auch im Sommer zum Hof Tiurevaara zu laufen, zu dem ich im Winter 2006 mal mit Skiern unterwegs war, verlockte mich. Und der Regen – nun, nass wird’s im Moor wahrscheinlich ohnehin.

Bald waren ich, Kamera und Handy wasserdicht verpackt und ich bin losgelaufen. Anfangs führte ein klar erkennbarer Weg durch den Wald. Der erste Graben ließ sich mit einem großen Schritt überqueren und mit ein bisschen Handynavigation habe ich nach knapp zwei Kilometern die Stelle gefunden, wo der Weg ins Moor führen soll. Zuerst sah ich nur eines der roten Holzkreuze, mit denen in Schweden typischerweise die Winterwege markiert sind. Dann dann sah ich einige vermoderte Bohlen, die geradeaus ins Moor führten. Der Weg schien irgendwo im Nichts zu enden. Na gut – dann mal los, umkehren kann ich immer noch.

Ich habe nur Handyfotos durch die wasserdichte Hülle geschossen, die große Kamera wäre mir wahrscheinlich bei diesem Regen abgesoffen.

Bei der Überquerung des Baches auf dem unter der Wasser liegenden Bohle war Balancieren angesagt, denn wie tief das Wasser war, ließ sich nicht erkennen und auch die Wathose, die ich anhatte geht „nur“ bis zur Brust. Aber hier kam ich noch bequem rüber. Danach glich die Wanderung mehr einem Suchspiel. Wo ist die nächste Bohle? Teile waren unter Wasser, auf manchen wuchs schon Sumpfgras und Sonnentau und manche lagen einen halben Meter daneben. Bei manchem Fehltritt oder Ausrutscher landete ich tief im Matsch, wie praktisch, dass immer eine Bohle in der Nähe ist, obwohl auch sonst das Freikommen leichter ist als oft hin angenommen.

Auch im Wald lag der Pfad manchmal unter Wasser und die Markierungen wurden immer spärlicher, bis der Weg zum Schluss im Nichts verschwand. Aber im Wald ist das ja nicht so wild. Mit dem iPhone ist es sehr bequem zu navigieren, wenn man Netz hat und so waren auch die zweite und dritte Sumpfstelle schnell gefunden. Dort lagen keine Bohlen, aber der Boden war trittfest. Und das Schöne: Ich konnte mich auf dem ganzen Weg an Blau- und Moltebeeren sattessen.

Nach etwa sechs Kilometer waten, wandern und Wege suchen habe ich den Hof Tiurevaara gefunden. Während das Haupthaus noch in Gebrauch ist und sogar über ein Thermometer verfügt (5 °C – brrr!), ist manches Nebengebäude völlig verfallen und die Natur erobert sich das Gelände wieder zurück. Unter dem Vordach habe ich eine Pause gemacht und ein bisschen Schokolade gegessen. Während das Handy trocken geblieben ist, war ich selbst am ganzen Körper klatschnass. Deswegen habe ich mich bald auf den Rückweg gemacht.

Auf dem Rückweg musste ich mehr mit Kompass und (nasser) Karte navigieren, da der Ladezustand meines iPhones schon nach drei Stunden von 98% auf „Ich schalte mich jetzt aus“ abgesunken war. GPS + Internet (Kartendarstellung) + Fotografieren ist für so ein Schönwettersmartphone einfach zu viel. Aber egal, man kommt auch ohne nach Hause. (Und zugegeben, ein „normales“ GPS hatte ich auch noch mit dabei.)

Für ein letztes Foto ließ sich das Handy sogar noch einmal wieder anschalten: Diese schöne Kaffeekanne habe ich schon auf dem Hinweg bewundert und jetzt signalisierte sie mir, dass Solberget nicht mehr weit ist.

In der gemütlichen Holzfällerhütte habe ich mich umgezogen, ein Feuer gemacht, alles, was unterwegs mit war, zum Trocknen aufgehängt. Inklusive Karte und Rucksack.

Teilweise mögen Schweiß und Kondenswasser dafür gesorgt haben, dass ich so klatschnass war. Teilweise lief mir das Wasser aber auch einfach am Kinn unter die Jacke oder in die Jackenärmel, wenn der Unterarm mal eine zehntel Sekunde nach oben oder in Richtung Wind zeigte. (Auch supertoll-konstruierte Outdoorjacken haben ihre Grenzen.) Die Wathose hätte ich mir also echt sparen können, zumal ich mir bei der Wanderung auch das Knie etwas aufgescheuert habe. Einen Vorteil hatte das „Overdressing“ aber: Die meisten Sachen blieben sauber.

Mit dem Kajak nach Skelleftehamn

Heute haben Tobbe, mein Nachbar und ich einen Plan in die Tat umgesetzt, der schon viele Wochen auf dem Programm stand: Nach der Arbeit mit dem Kajak nach Hause fahren. Nicht vor die Haustür, aber zumindest nach Skelleftehamn. Die Wettervorhersage sah ganz gut aus, das spielt aber keine Rolle, weil die schwedischen Prognosen im Internet unter aller Sau sind.

Um halb fünf haben wir uns in der Stadt an dem kleinen Bootsanleger „Strömsör“ getroffen, die Kajaks vom Auto gehoben, uns umgezogen, Schwimmwesten übergestreift und schon konnte es losgehen. Wenige Minuten nach unserem Start sind wir unter der Älvsbackabron, die erst letztes Jahr fertiggestellt wurde, hindurchgefahren. Die Sonne beschien die herbstlich gefärbten Bäume am Flussufer.

Dieses schöne Wetter sollte aber nicht lange anhalten, schon bald kam der erste Regenschauer und mit ihm das, was Kanuten und Radfahrer gleichermaßen lieben: Gegenwind. Ich musste mich ganz schön ins Zeugs legen, denn Tobbe ist nicht nur trainierter als ich, sondern hat auch die bessere Technik. Aber ich habe für jede Pause eine tolle Ausrede: Fotografieren.

Die Fotos stammen übrigens von der wasserdichten Canon D20, die mich außer, dass sie wasserdicht ist aber nicht überzeugt hat. Zu schlechte Bilder, zu langsam – da nehme ich lieber mein iPhone und eine wasserdichte Hülle.

Nach einer Dreiviertelstunde waren wir am Bergsbyndamm. Wenn man weiterleben möchte, dann fährt man nicht die Staustufe herunter, sondern trägt um. Es war aber gar nicht so einfach, ans Ufer zu kommen, da die Bootsstege schon an Land gebracht waren. Ich bin letztlich mich an einer Birke festhaltend aus dem Kajak herausgeklettert. (Davon gibt es leider keine Fotos.)

Auf der anderen Seite war es leicht, die Boote wieder ins Wasser zu setzen. Wir näherten uns der Bucht, an der auch der Kanuklub seinen Sitz hat. Es regnete, blies von vorne, kleine Wellen schlugen über den Bug und es wurde langsam dämmrig. Wir haben uns aber dagegen entschieden, die Tour schon in Ursviken zu beenden und sind noch ein Stück weitergefahren.

Die Wellen ließen in der Bucht nach und auch die Fahrt zu der Sundgrundsbron (über die fahre ich, wenn ich in Richtung Süden will) war recht ruhig. Mehrere Male überholten uns kleine Gruppen von Kanadagänsen, nur wenige Meter vom Boot entfernt. (Auch davon gibt es leider keine Fotos, ich war zu langsam.)

Nach der Brücke wurde das Wasser wieder etwas kabbliger, aber unser Ziel, die M/S Stormvind war schon in Sicht. Hier sind wir nach unserer zweieinhalbstündigen Tour wieder an Land gegangen, wo wir von Tobbes Familie in Empfang genommen wurden. Schnell waren die Kajaks wieder auf dem Auto festgezurrt und es ging nach Hause.

Eigentlich wollten wir noch ein paar Kilometer weiter fahren. Aber dann wäre es mindestens eine halbe Stunde später gewesen, Tobbes Tochter hätte ins Bett gemusst, damit hätte Tobbes Frau zu Hause bleiben müssen, also wir das Auto holen … . Das wäre alles irgendwie gegangen, aber so war es einfacher. Und – es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir nach Hause gepaddelt sind.

Danke, Tobbe, für die schöne Tour.

Herbst

Man kann es nicht mehr abstreiten, der Sommer ist vorbei und der Herbst ist da. Am Montag morgen war es klar und frostig. Auf dem Autodach war Eis und nur weil mich ein Kollege mit dem Auto abgeholt hat, ist die dickere Jacke noch im Schrank geblieben.

Heute hingegen hat mich der Pladderregen aufgeweckt und es regnet dicke Tropfen aus einem grauen, wolkenverhangenen Himmel. Der schwedische Wetterdienst hat für unsere Küstenregion vor ausgiebigem Regen – lokal bis 35 mm – gewarnt. Das klingt aber noch gemütlich gegen die Wetterwarnung im Inland: „Warnung Klasse 1 Früher Schneefall. Am Donnerstag Schneefall, der 2 – 10 cm Nassschnee geben kann.“

Jetzt sitze ich im Büro, der Regen prasselt auf die Vordächer aus Blech und die Gummistiefel, die ich auf dem Arbeitsweg seit Monaten nicht mehr benutzt habe, trocknen in der Küche. Da gestern ein Fest mit „The lodge“ war, unserer inoffiziellen Branchenvereinigung, und einige Kollegen in Stockholm sind, ist es hier noch sehr ruhig. Mal schauen, wann die anderen eintrudeln. Da wir die letzten Wochen zwei große Projekte abgeschlossen haben und die nächsten Projekte noch nicht gestartet sind, kann ich es ruhig angehen lassen.

Regenwetter

Andreas hat sich vorgestern in einem Kommentar über die Fotos beklagt. Er möchte Schweden grau und trostlos sehen. Mit trostlos kann ich vielleicht nicht helfen, dazu gefällt es mir hier zu gut, aber grau und regnerisch geht leicht. Denn während ich dies hier schreibe, prasseln die Regentropfen auf das Plastikdach des Wintergartens und in der Stadt war es heute nicht viel gemütlicher. Und seien wir ehrlich, welche Stadt ist bei Regen schön?

Auch morgen soll es viel regnen, das passt mir aber ganz gut, denn ich habe so manches zu tun, und das fällt mir definitiv schwerer, wenn es draußen schön ist.

Regen, Regen, Regen

Es reicht jetzt!

Man sagt, es gäbe kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung.

Wenn es aber seit einer Woche regnet und regnet, man hier weder am Tag die Sonne noch in der Nacht auch nur einen Stern gesehen hat, sondern nur dicke Wolken — wenn viele Straßen überflutet waren, eine kleine Brücke weggespült wurde und auch die E4 zeitweise unter Wasser lag — wenn alleine vorgestern in Kusmark 41 mm Regen gefallen sind und auf der Insel Pite-Rönnskär sogar 47 mm (so viel kommt in Berlin in durchschnittlich in vier Wochen runter) — wenn überall auf der Asphaltdecke unserer Straße ertrunkene Regenwürmer liegen — wenn auch in Skelleftehamn die letzten sieben Tage 58 mm Regen gefallen sind (und hier war es noch nicht viel) und alles nur nass ist …

… dann sage auch ich: Es reicht jetzt!

Fotos im Meer

… und ja, es regnete. Und ja, es regnet schon wieder.

Ein kurzes Winterintermezzo

Gestern früh hat es wieder geregnet. Laut den Nachbarn von gegenüber sind bis gestern, 16. Oktober, bei uns schon 109 mm Regen heruntergekommen. Das ist etwa so viel, wie in Bremen im Oktober und November zusammen herunterkommt.

Ich saß im Büro und der Regen prasselte auf die Dächer. Im Gegensatz zu den letzten Wochen war es aber kälter und die Temperatur sollte den ganzen Tag sinken. Um halb elf mischte sich Schnee in den Regen, und nach der Mittagspause schneite es. Selbst in Skelleftehamn, welches wegen der Ostsee zu dieser Jahreszeit oft wärmer ist, schneite es den ganzen Abend. Allerdings blieb fast nichts liegen, dazu ist der ganze Boden einfach zu warm und nass.

Heute morgen waren die Regenwolken weggezogen und mit minus vier Grad war es der kälteste Morgen dieses Herbstes. Die dicken Pfützen waren zugefroren und auf dem Gras und den Autodächern haben sich tatsächlich ein paar Schneeflocken halten können.

In der Stadt lag ebenfalls ein kleines bisschen Schnee auf dem Gras und an den abgefallenen Blättern wuchs Raureif. Die Vogelbeeren aber trugen noch buntes Laub und zeigten klar und deutlich, dass noch Herbst ist.

Das bläuliche Licht am Fluss, gepaart mit dem Raureif auf den Holzpodesten hingegen ließ den Fluss schon sehr winterlich und kalt aussehen. Kalt ist das Wasser vermutlich auch, nur die dicke Eisdecke fehlt noch für die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen, die dort am 9. und 10. Februar stattfinden wird.

Aber bis zum Winter ist es noch ein bisschen hin. So wie die Temperaturen gestern gefallen sind, stiegen sie heute wieder an und seit Mittag regnet es auch wieder. Auf die 109 mm kommt diesen Monat wohl noch einiges drauf.

Nachtrag: Der schwedische Wetterdienst hat auch gerade gebloggt: In Piteå sind vom 1. Oktober bis heute 167,5 mm Niederschlag gefallen, 104 mm davon vom 4. bis zum 7. Oktober. Damit ist der Oktoberrekord von 1942 schon jetzt gebrochen.

Novemberwetter

Novemberwetter, das können wir hier auch. Im Gegensatz zu vor zwei Jahren, wo der Schnee Anfang November kam und ein halbes Jahr liegen blieb, zeigt sich der diesjährige November von seiner nass-kalten und grauen Seite. Während heute Dauerregen das Eis wegschmolz und die Wege auftaute und matschig werden ließ, war es gestern zumindest noch so kalt, dass man über den gefrorenen Boden durch den Wald laufen konnte. Manche Senken sind noch mit Eis bedeckt, unter dem Eis hängen lauter gefrorene Wassertropfen. Überraschenderweise sind trotz des nicht sonderlich kalten Wetters einige flache Bereiche einer geschützten Ostseebucht schon zugefroren und sogar an einem steileren Ufer vor Storgrundet zeigt sich das erste dünne Eis.

Eigentlich wollte ich heute ja Kajak fahren, aber der smhi, der schwedische Wetterdienst, hat vor Wind auf der Ostsee gewarnt. Warnstufe 1. Das bedeutet Windgeschwindigkeiten von 50 km/h und mehr. Da bleibt das Kajak in der Garage und ich lasse mich lieber auf dem Festland nass regnen.

Und weil es gestern so grau war, noch zwei Schwarzweißbilder von gestern. So groß ist der Unterschied nicht.

Schnee scheint weiterhin nicht in Sicht zu sein. Es bleibt vermutlich weiterhin trüb-grau-nass-feucht-kaltes Gummistiefelwetter. Ich glaube, ich werde noch ein Fan der Schwarzweißfotografie.