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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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helle Nächte

Gestern war Sommersonnenwende. Heute geht die Sonne um 1:50 auf und um 23:26 unter. Das sind schlappe 21 Stunden und 36 Minuten Sonnenlicht. Und die restlichen zweieinhalb Stunden sind … hell!

Eben konnte ich mich per Videoübertragung davon überzeugen, dass es um elf in München schon stockfinster war, während hier die kleinen Wölkchen am Horizont von der untergehenden Sonne angestrahlt wurden. Sonya hat mir daraufhin die Idee gegeben, nachts Fotos zu machen. Also verlasse ich gleich diesen Blog, um um 0:38, wenn es am dunkelsten ist (oder so), ein paar Bilder zu machen.

Moment, bin gleich wieder da…

… so, jetzt. Danke fürs Warten.

Das ist schon eine besondere Stimmung, mitten in der Nacht an die Ostsee zu radeln und es ist hell. Die Feldhasen sprinten über das Industriegelände und zwei Küstenseeschwalben gefällt es überhaupt nicht, dass ich am steinigen Ufer mein Stativ aufbaue und fotografiere. Ein bisschen kühl ist es, aber ich habe ja versprochen, bis 0:38 zu warten. Und so warte ich, während die Seeschwalben leicht genervt über mir ihre Kreise drehen. Ich bewundere die glutrot von der Sonne angestrahlten Wolken, die ich aber mit Bordmitteln nicht fotografiert bekomme und ziele stattdessen auf eine Insel auf der gegenüberliegenden Seite.

So sieht es hier also in finsterer Nacht aus. Dunkler wird es hier nicht. Bevor die Tage aber wieder kürzer werden, feiern wir in ein paar Tagen noch kräftig Midsommar.

P.S.: Wenn ihr das Foto vergrößert, seht Ihr auch den Leuchtturm.

Hell und Dunkel

Ich habe vor ein paar Tagen die php-Funktionen date_sunrise() und date_sunset() gefunden, mit denen man für beliebige Orte Sonnenauf- und untergangszeiten berechnen kann. Das habe ich verwendet, um die Tageslängen in München und Skelleftehamn übers Jahr gesehen zu visualisieren.

Die drei Blautöne stehen für die verschiedenen Dämmerungsphasen (bürgerliche, nautische und astronomische Dämmerung).

Man sieht sehr schön, dass durch den flacheren Tagbogen der Sonne im Norden die Dämmerungsphasen länger dauern. Vor allem die recht lange bürgerliche Dämmerung führt dazu, dass es im Sommer zwar die ganze Zeit hell, im Winter aber nicht die ganze Zeit dunkel ist.

Nachtrag: Die Zeiten sind MEZ, die Sommerzeit ist also nicht berücksichtigt.

Zeitumstellung

In Schweden hört am letzten Oktoberwochenende – genau wie in Deutschland – die Sommerzeit auf und die Uhren werden auf Normalzeit zurückgestellt. Heute hatten wir also dieses zweifelhafte Vergnügung der Zeitumstellung und jetzt ist es um vier Uhr nachmittags dunkel und jetzt – um fünf – stockfinster. Nun hoffe ich auf Schnee, denn der reflektiert doch so viel Stadtlicht, dass die Dunkelheit nicht mehr so absolut ist.

Heute war ich das erste Mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs, denn alles Eis ist weggetaut. Allerdings sind die Wege jetzt alle ein bisschen matschig und das Fahrrad sieht aus wie Sau. Die Laubbäume sind schon lange kahl und die ganze Landschaft besteht nur noch aus verschiedenen Brauntönen, dem milchigen Weiß des Eises auf den sumpfigen Wiesen und dem dunklen Grün der Nadelbäume. Und über allem wölbte sich heute – ganz entgegen der Vorhersage – ein trüb-grauer Himmel. Spätherbstfarben. Nur das Torfmoos leuchtet, als habe es damit nichts zu tun.

Licht

11:00: -15.8 °C · 14:45: -14.6 °C · 15:20: 9.9 °C (!) · 19:10: -7.8 °C

Kurz nachdem ich heute die Fotos aus den Fenstern gemacht habe, beschien auch die Sonne die Straße. Über der Sonne war eine wunderbare (und fast unfotografierbare) Lichtsäule zu sehen und in dem feinen Eisstaub, der in der Luft langsam vorbei trieb, bildeten sich regenbogenfarbene Lichtbrechungen.

Meine berufliche Konzentration inzwischen: -0. Außerdem zog mich das Licht fast magisch an, denn den größten Teil der vierundzwanzig Stunden ist es ja dunkel. Also habe ich kurz geklärt, ob ich die Arbeit verschieben kann – kein Problem – und war zwei Stunden draußen.
Die Sonne stand heute um 11:30 im Süden und hatte dann eine Höhe von gerade Mal 2.3°, das sind etwa vier, fünf Sonnendurchmesser. Die ganze Zeit ist der Himmel klarblau, aber die Farben der Sonne auf dem Schnee gehen von gelb schnell wieder in Orange- und Rosatöne über.

Wenn man den Wettervorhersagen Glauben Schenken darf, dann war es das erst mal mit blauem Himmel. Ab morgen soll es bei Temperaturen um -5 °C schneien. Und ziemlich windig sein. Und weiter schneien. Tagelang. Und Tag für Tag wieder kälter werden. Alleine für morgen werden bis zu 20 cm Neuschnee erwartet. (Warnstufe 1). Mal schauen, ob‘s stimmt …

Übrigens: Wer ort- und zeitbezogene Sonnendaten braucht, kann unter Mac OS X dafür The Photographer’s Ephemeris benutzen. Ein sehr feines Tool! Danke an René für den Tipp.

Der letzte „Herbsttag“

Geht es nach den Astronomen, dann ist heute am 21. Dezember der letzte Herbsttag, denn in der kommenden Nacht um 0:58 ist Wintersonnenwende und damit morgen astronomischer Winteranfang. Ich finde das ein bisschen lustig, denn der erste Schnee ist hier vor knapp zehn Wochen gefallen und die letzten 40 Tage hatten wir pausenlos Dauerfrost und Temperaturen bis -20 °C.

Während in Südschweden über 150 Jahre alte Tiefsttemperaturrekorde gebrochen wurden, ist es hier eher der Schnee, der dieses Jahr früh und viel kam.

Wir haben jetzt wieder eine ähnliche Situation wie vor vier Wochen. Vor fünf Tagen hat es angefangen zu schneien und seitdem sind fast pausenlos Flocken vom Himmel gefallen. Mal mehr, mal weniger; mal mit viel Wind, mal mit weniger. Ich habe ein hochwissenschaftliches Schneehöhenmessystem auf dem Grundstück installiert (Drei Zollstöcke stecken an unterschiedlichen Stellen im Schnee) und heute Abend lag die gemittelte Schneehöhe bei 107 cm (97 cm, 108cm, 116cm). Die 90 cm lange Metallstange, die ich vor dem Zollstockkauf zum Messen benutzt habe, habe ich heute morgen nicht mehr gefunden. Sie steckt noch irgendwo im Vorgarten.

Der Nachbar, der vorhin vorbei kam, kann sich nicht entsinnen, hier jemals soviel Schnee gesehen zu haben. Jetzt schneit es zwar mit mehr Pausen noch weiter, aber heute Abend hat der schwedische Wetterdienst zum ersten Mal seit sechs Tagen keine Wetterwarnung mehr für die Region herausgegeben. Aber wer weiß, was diesen Winter noch alles herunterkommt. Und ich frage mich langsam, wo der ganze Schnee bleiben soll.

Ich als extremer Schneefan versuche aber, meine Begeisterung nicht allzu offensichtlich zur Schau zu stellen¹, denn die meisten Schweden denken bei Schnee hauptsächlich an die zusätzliche Arbeit wie Schneeräumen oder die Probleme im Zug- und Flugverkehr. Ich hingegen sehe hauptsächlich tolle Motive (leider meist im Dunkeln) und viel Schnee für die nächste Ski- oder Schneeschuhtour. Und weiteren Schnee für Tiefsnow stapfing und Power snowangeling.

____
¹ Danke an Sonya für die schöne Formulierung.

Der „erste“ Wintertag

Heute war Wintersonnenwende, und damit der kürzeste Tag des Jahres. Für die Astronomen ist heute Winteranfang. Die Sonne ging um 9:42 auf, stand mittags gerade mal 2.1° über dem Horizont, um dann nach 3¾ Stunden Sonne um 13:27 wieder unterzugehen. Zum Glück ist die Dämmerung bei der flachen Sonnenbahn recht lang und verlängert die hellen Stunden, aber ich freue mich – so sehr ich Schnee und Kälte mag – dass die Tage wieder länger werden. Licht ist einfach etwas Tolles!

Vor einem halben Jahr hat mir Sonya die Idee gegeben, am längsten Tag mitten in der Nacht, wenn die Sonne am tiefsten steht, ein Foto zu machen. Da ich heute an meinem letzten Arbeitstag in diesem Jahr ohnehin nicht arg produktiv war, bin ich kurz vor dem Sonnenhöchststand um 11:35 zum Fluss gelaufen, um jetzt ein Foto am kürzesten Tag zu machen, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn man denn die Sonne sieht …

… aber ich hatte Glück: Nach dem tagelangen Schneefall ist heute die Sonne wieder herausgekommen und hat die Teile der Stadt, die sie erreichen konnte, in warmes Licht getaucht. Das meiste allerdings liegt im Schatten. Passend zu dem klaren Himmel ist die Temperatur in der Stadt von anfangs -17 °C auf -19.5 °C gesunken und jetzt zeigt das Alkoholthermometer -23 °C.

Wenn man einfach nur draußen ist, fühlen sich die Temperaturen gar nicht so kalt an, aber beim Schnee schippen habe ich schon durch die Nase geatmet, weil sich sonst die eiskalte Luft ziemlich unangenehm anfühlt. Ich frage mich, ob der Mann, der auf Dach des Nachbarhauses der Agentur Schnee geräumt hat, das auch so kalt fand, aber er macht das bestimmt öfter und kommt dabei nicht so ins Schwitzen wie ich.

Der Schnee auf meinem Grundstück ist übrigens schon gut 10 cm in sich zusammengesunken, der Meter ist also wieder unterschritten. Die nächsten Tage ist es wohl wieder sonniger und das sieht bestimmt toll aus nach dem vielen Neuschnee. Da morgen mein erster Urlaubstag ist, werde ich mir das mal genauer anschauen. Sonya, die gerade bei mir zu Gast ist, muss leider morgen noch einen Tag arbeiten.

Eine Stunde mehr

Keine drei Wochen nach der Wintersonnenwende ist es heute am 11. Januar schon eine Stunde länger hell. Die Sonne ist zwar auch nur 4 Stunden, 47 Minuten über dem Horizont, aber das macht schon einen spürbaren Unterschied aus, da es nach dem Mittagessen nicht mehr sofort dunkel wird. Und so ändern sich die Tageslängen in den nächsten Wochen:

21. Dezember 2010 3 Stunden, 47 Minuten
30. Dezember 2010 ca. 4 Stunden
11. Januar 2010 4 Stunden, 47 Minuten
13. Januar 2011 ca. 5 Stunden
23. Januar 2011 ca. 6 Stunden
2. Februar 2011 ca. 7 Stunden
11. Februar 2011 ca. 8 Stunden
19. Februar 2011 ca. 9 Stunden

Ich bin selber erstaunt, wie schnell die Tage jetzt länger werden. Ungefähr alle neun Tage ist es eine Stunde länger hell und heute in einem Monat ist die Sonne schon wieder acht Stunden über dem Horizont.

Dann kann ich auch mal wieder richtige Tagestouren machen – wenn ich denn früh genug aus dem Bett komme.

Einen graphischen Vergleich der Tageslängen zwischen München und Skelleftehamn habe ich übrigens vor einem halben Jahr in dem Artikel Hell und Dunkel gezogen.

Polarlicht – na endlich :)

Die letzte Nacht -8 °C, tagsüber +2 °C, jetzt in der Nacht +1 °C, aber windig

Viereinhalb Monate habe ich warten müssen, seitdem ich das letzte Polarlicht in Skelleftehamn gesehen habe. Ich habe immer wieder die Polarlichtvorhersage der Universität Fairbanks in Alaska aufgerufen. Meistens war die Aktivität „Quiet“ (Stufe 1) oder „Low“ (Stufe 2). Und wenn dann mal „Moderate“ (Stufe 3) angesagt war, hatten wir Wolken über Skelleftehamn. Freunde in Norwegen und anderswo in Schweden haben diesen Winter schon einige Polarlichter gesehen und immer wieder schöne Aufnahmen bei Facebook gezeigt und wir hier – hatten viele Wolken über Skelleftehamn.

Heute wurde aus der Stufe 3 in der Kurzvorhersage plötzlich Stufe 5 – „High“ und tatsächlich haben sich heute Abend am klaren Himmel Polarlichter gezeigt. Und sind wieder verschwunden. Um halb elf habe ich noch mal herausgeschaut und: Der ganze Himmel war grün illuminiert. Schnell habe ich Kamera und Stativ eingepackt. Jacke und Skihose angezogen und bin zum nah gelegenen See gefahren. Und da saß ich dann die nächsten zwei Stunden und habe – immer wieder mit Phasen schwacher Aktivität – wunderschöne Polarlichter gesehen. Und ich habe diesen Winter schon fast nicht mehr daran geglaubt.

Genug der Worte. Fotos! Nicht groß optimiert, denn es ist mitten in der Nacht und ich will ins Bett. Aber erst, nachdem ich diesen Artikel online gestellt habe.

Für die, die noch keine Polarlichter gesehen haben: In Natura sind die Farben blasser und wirken transparenter. Außerdem bewegen sich die Lichter. Manchmal sogar überraschend dynamisch.

Tag- und Nachtgleiche

Heute war Tag- und Nachtgleiche. Theoretisch gesehen sollte es also heute an jedem Punkt der Erde zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht geben.

Weil aber weder Sonne, noch Erde sich an so einfache Regeln halten, war heute in Skelleftehamn die Sonne schon zwölf Stunden und zwanzig Minuten über dem Horizont. Und sie hatte genug Kraft, um in der Stadt die Luft auf acht, neun Grad aufzuheizen und weißen Schnee in braune Pfützen zu verwandeln. Aber das ist ja für einen guten Zweck: Den Frühling, der heute astronomisch gesehen mit der Tag- und Nachtgleiche begonnen hat.

Ätschmodus an:
So – jetzt haben wir ein halbes Jahr lang mehr Licht als Ihr, Ihr Deutschen.
Ätschmodus wieder aus.

Herbstliches Polarlicht

Die letzten Tage war die Polarlichtvorhersage auf Stufe 4 „Active“ – nicht so schlecht.

Als ich gestern mit dem Auto zum Hotel Scandic Skellefteå gefahren bin, um dort auf dem Chemical Management Summit meinen ersten hiesigen Klavier-Solo-Job zu spielen, hatte ich Stativ und warme Jacke für den Rückweg schon im Kofferraum. Aber ich war schon kurz nach sieben fertig und da war es für Polarlicht noch zu hell.

Als ich um eins (halbgeplant) aufgewacht bin und aus der Tür geschaut habe, war tatsächlich schwaches Polarlicht über den halben Himmel bis zum Zenith zu sehen. Ich bin dann mit dem Auto zu Storgrundet gefahren, dem Strand, an dem ich vor einigen Tagen noch eine kleine Kajakrunde gestartet habe. Dort sind die folgenden Fotos entstanden:

Was war ich froh, eine warme Jacke dabei gehabt zu haben. Es war zwar nicht sonderlich kalt, aber sehr windig und ich sehr, sehr müde. Das Polarlicht ist noch recht fahl gewesen, aber ich freue mich über jede klare Nacht, an der man das Polarlicht hier sehen kann. Auch wenn der dringend benötigte Schönheitsschlaf darunter leiden sollte.

So, jetzt den Artikel schnell online stellen und weiterarbeiten, denn ich sitze gerade im Büro …

Wintersonnenwende

Sonnenaufgang heute: 09:41, Sonnenuntergang: 13:25. Heute ist Wintersonnenwende und damit der kürzeste Tag des Jahres. Ab morgen werden die Tage wieder länger!

Die letzte Zeit wirkte es besonders dunkel, weil wir seit über einer Woche eine geschlossene Wolkendecke hatten, aus der es dann auch noch munter herausregnete. Vorgestern und gestern sind aber die Temperaturen wieder ganz leicht unter Null gesunken und ein paar Zentimeter neuer Schnee lassen alles ein bisschen heller und freundlicher wirken. Und eben habe ich tatsächlich einen Stern gesehen, also gibt es heute Chancen, mal ein bisschen blauen Himmel und vielleicht sogar die Sonne zu sehen.

Aber momentan habe ich ohnehin das erste Mal seit meiner Ankunft in Schweden ein Projekt, was mich derart in Beschlag nimmt, auch die Abende und das letzte Wochenende, dass ich ehrlich gesagt vom Wetter so viel gar nicht mitbekomme. Und die meiste Zeit ist es ja dunkel.

Jetzt fahre ich ins Büro: Zwei Tage Endspurt bis zum viel zu kurzen Weihnachtswochenende. (Leider bin ich immer genau in den Jahren angestellt, in denen die Feiertage auf das Wochenende fallen.)

Nachthimmel

Mitten in der Nacht ist es und ich kann nicht schlafen. Also schaue ich raus. Die Temperatur ist auf -12 °C gefallen und am klaren Nachthimmel tanzen fahle Polarlichter. Im Gegensatz zu den klaren, hellen und auch fotogenen Polarlichtern, die ich vor drei Wochen in Gällivare mit ansehen konnte, leuchtet dieses Mal ein mäßig heller Bogen konstant am Nordhimmel. Darüber huschen helle, blasse Flecken hin und her, als würden sie sich gegenseitig jagen. Manchmal flackert ein Stück Himmel hell auf um im nächsten Sekundenbruchteil wieder zu verschwinden.

Aber auch ohne Polarlicht hat der Winterhimmel viel zu bieten. Venus und Jupiter sind zwar schon untergegangen und der halbe Mond steht auch schon tief. Dafür leuchten Mars und Saturn am Südhimmel. Und zwei Mal zog deutlich ein Satellit seine Bahn durch den Sternenhimmel. Es ist ein schönes Gefühl, dass man diesen Sternenhimmel mit der ganzen Welt teilt und ganz andere Menschen an ganz anderen Orten vielleicht auch gerade die gleichen Planeten betrachten wie man selbst.

Und noch etwas sieht man, wenn man am März so spät in den Himmel schaut: Wega in der Leier, Deneb im Schwan und Altair im Adler. Und diese drei hellen Sterne nennt man auch das Sommerdreieck. Ein weiteres Zeichen dafür, dass der tiefste Winter vorbei ist. Die Schweden nennen diese Zeit „Vårvintern“, den Frühlingswinter.

Mondnacht

Die eine Vorhersage hat gestimmt: Zwei Stunden nahezu klaren Himmel hatten wir heute Abend. Bloß vom Nordlicht war fast nichts zu sehen. Dafür, dass uns gerade der größte „Sonnensturm“ seit Jahren treffen soll, ein bisschen enttäuschend. Na gut, Warten ist langweilig, also habe ich ein bisschen den Mond fotografiert. Und ich komme früh ins Bett, denn jetzt hat sich alles zugezogen.

noch mal Nordlicht

Heute Abend, als ich gegen elf nach Hause kam, war tatsächlich noch einmal Polarlicht am Himmel. Ich habe nicht mehr damit gerechnet, noch welches vor dem nächsten Winter zu sehen, denn jetzt ist es in der Nacht nur noch einige Stunden richtig finster und in ein paar Wochen wird es gar nicht mehr richtig dunkel.

Normalerweise hätte ich mich ins Auto gesetzt, um zu einem schöneren Ort zu fahren, aber ich hatte in der Stadt etwas getrunken und dann setze ich mich grundsätzlich nicht mehr ans Steuer.

Auf der anderen Seite ist es auch ein schöner Luxus, der Aurora im eigenen Garten zusehen zu können. Also habe ich heute mal Haus, Garten und einen Teil der Garage mit dem Nordlicht abgelichtet. So oder so – wenn man erst Stativ und Kamera startklar hat, ist so manches Mal der schönste Teil schon wieder vorbei.

Der helle Fleck ist übrigens der Planet Venus, der – wenn ich richtig geschätzt habe – zur Zeit gar nicht untergeht.

… und wenn wir schon bei der Venus sind: Sie ist so hell, dass man sie auch am Tag sehen kann – vorausgesetzt, man weiß, wo sie ist. Die größte Helligkeit wird am 1.5. erreicht. Und am 6. Juni ist nicht nur der schwedische Nationaltag, sondern es gibt ein besonderes astronomisches Ereignis, einen Venustransit.

In der Nacht sind alle Wolken grau.

Na, das war wohl nichts mit dem Venustransit. Nichts – nada – ingenting! So’n Sch***!

Der Sommer hat sich ja bis jetzt bei uns recht vornehm zurückgehalten. Am Samstag hat es bei 6 °C gestürmt und geschüttet wie nichts Gutes und viel schöner war der Sonntag auch nicht. Um so größer meine skeptische Freude, als die Wolkenvorhersage von klart.se für die nun vergangene Nacht ein Wolkenfenster ein paar Meilen weiter südlich prophezeit hat. Schön um zwei Uhr morgens zum Sonnenaufgang. Und dort sollte ja die Venus als kleines, schwarzes Scheibchen vor der Sonne sichtbar sein.

Unter wolkigem Himmel bin ich um halb eins mit dem Auto aufgebrochen und richtig – als ich gegen eins auf der E4 in Richtung Süden fuhr, schälte sich im Süden der fast volle Mond aus den Wolken. Eine Stunde später war ich auf der erhobenen Landzunge von Bjuröklubb. Mit mir waren dort Wolken, Nebelschaden, Hochnebel, Sprühregen, etwas mehr Sprühregen und kleine Wölkchen in lieblichen Grautönen. Die dickste Suppe am Horizont zeigte sich bei etwa 20°, also dort, wo ich eigentlich mit dem Aufgang der glutroten Sonne gerechnet habe und dem kleinen Scheibchen der Venus vor der farbigen Sonnenscheibe. Eine gute Stunde habe ich ausgeharrt und ein bisschen im Grauen fotografiert und mich nass nieseln lassen. (Warum nachts um drei die Küstenwache vorbei fährt, ist mir allerdings ein Rätsel). Dann habe ich aufgegeben. Wie schon geahnt, war auch auf dem Rückweg die Sonne genau null Picosekunden zu sehen. Jetzt ist es sechs Uhr morgens, ich bin irgendwo zwischen aufgekratzt und bleimüde und ein bisschen enttäuscht, dass ich nichts von diesem Schauspiel mitbekommen habe.

Auf der anderen Seite will ich mich nicht zu sehr beschweren. Die Nacht gehörte zwar nicht den Gestirnen, aber den Tieren. Ein Reh und einige Hasen waren am Waldrand zu sehen. Kraniche flogen mit gellendem Geschrei auf oder stelzten ruhig über den Acker. Singschwäne zogen laut trötend ihre Kreise und auf dem einen Strommast landete eine Eule. Und schließlich querten auch Elchmama mit Elchkalb die Straße und trabten über eine mit hohem Gras bewachsene Weide wieder in den Wald. Ich wette, sie wussten, dass meine Kamera im Kofferraum war, wie eigentlich immer, wenn ich Elche sehe.


Nun habe ich zwei Möglichkeiten, doch zu meinem Venustransit zu kommen: (1) Ich werde alt. Sehr alt. Uralt! Der nächste von der Erde aus sichtbare Transit findet 2117 statt. (2) Raumschiffe werden so günstig, dass ich mir das ganze vom All aus anschaue. (3) Ich sehe ein, dass weder 1 noch 2 sehr realistisch sind und freue mich auf den 9. Mai 2016. Da gibt es einen Merkurtransit. Und ehrlich gesagt, Merkur als Planet ist eh viel hipper!

Midsommarafton

Und dann war er da – Midsommarafton, der Tag, an dem alle Schweden das Mittsommerfest feiern. Als ich nach dem Frühstück auf der sonnenbeschienenen Terrasse stand, habe ich einen Vogel singen hören, sonst war alles still. Denn fast die gesamte Straße ist verreist und verbringt das Fest mit Freunden auf ihren Sommersitzen. Und genau das habe ich auch vor.

Wie letztes Jahr habe ich wieder mit Annica und Martin gefeiert, dieses Mal bei Freunden von ihnen. Wir haben uns um elf bei deren Sommerstuga in Boviken getroffen und sind kurze Zeit später mit dem Motorboot in den Kågefjärden zur Insel Bastuholmen gefahren. Dort lagen am Anleger schon einige andere Boote und die Midsommarstång, eine nordische Verwandte des Maibaums, war auch schon aufgestellt und mit Laub geschmückt.

Bastuholmen – was für eine schöne Insel! Unter den hohen Kiefern leuchten grün die Blaubeerblätter und kleine Trampelpfade führen an großen Granitblöcken durch den Wald, der immer wieder Blick auf die blaue Ostseebucht freigibt.

Zum Mittsommer gehört zuerst das Mittsommeressen, das wir an einer langen Tafel einnehmen. Es besteht aus neuen gekochten Kartoffeln, hartgekochten Eiern, Knäckebrot, gesalzener Butter und vielen Arten Sill – eingelegtem Hering, den man in den Geschmacksrichtungen Dill, Zwiebel, Senf oder „Mittsommer“ kaufen kann. Dazu gehört ein Aquavit, den man nie für sich alleine trinkt, sondern immer dann, wenn ein Toast ausgebracht oder ein Trinklied gesungen wird. Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren, die man zu dieser Zeit überall literweise kaufen kann.

Ein wenig später gehen alle zur Mittsommarstång, bilden Kreise und tanzen singend um diese herum. Es gibt eine Reihe von diesen Liedern, die jeder kennt und keiner ist sich zu schade, die Hände an die Ohren zu legen, mit den Fingern zu wackeln und das Lied von den kleinen Fröschen zu singen:

|: Små grodorna, små grodorna är lustiga att se. :|
|: Ej öron, ej öron, ej svansar hava de! :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

|: Die kleinen Frösche, die kleinen Frösche sind lustig anzusehen :|
|: Keine Ohren, keine Ohren, keine Schwänze haben sie :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

Während es sich die meisten Erwachsenen an den vielen schönen Plätzen gemütlich gemacht haben, interessierten sich die Kinder mehr für „Godisregnet“ – den Bonbonregen.

Nach einiger Zeit sind wir mit dem Boot zurückgefahren und haben bis tief in die Nacht zusammengesessen, gespielt, geredet, gegrillt, gegessen und Rotwein getrunken. Wobei – was heißt schon Nacht. Die folgenden zwei Bilder habe ich um zwanzig vor elf und um zwanzig vor eins gemacht:

Nach den letzten Fotos wurde es wieder heller, aber ich habe schon bald das Bett angesteuert und auch die anderen Gäste verschwanden nach und nach im Haus, der kleinen Hütte, ihrem Boot oder dem großen Wohnmobil. Was für ein herrliches Mittsommerfest. Mittsommer feiert man nicht alleine und mein Dank geht an die Freunde, Freundesfreunde, Freundesfreundfreunde, Freundesfreundfreundesschwestern und überhaupt allen, die da waren. Es war schön mit Euch!

(Und auch, wenn ihr das nicht lest, die Gegeneinladung im Herbst steht. Dann zwar drinnen, aber mit Klaviermusik)

Auf der Suche nach C/2011 L4

Heute saß ich anderthalb Stunden auf dem Eis. Und schaute in Richtung Westen. Denn dort sollte nach Sonnenuntergang der Komet C/2011 L4 – auch PANSTARRS genannt – zu sehen sein. Der war allerdings auch mit Fernglas beim besten Willen nicht auszumachen. Vielleicht liegt es daran, dass die Sonne hier so langsam untergeht, dass der westliche Horizont noch über eine Stunde lang in rötliches Dämmerungslicht getaucht ist. Selbst die schmale Mondsichel – gerade einen Tag alt – habe ich lange mit dem Fernglas suchen müssen. Erst als es dunkler wurde, war sie mit bloßem Auge zu sehen.

Aber auch wenn ich den Kometen nicht erspäht habe, so war es schön, den Übergang von Tag zu Nacht so in Ruhe beobachten zu können. Das habe ich ewig nicht mehr gemacht. Erst einige Zeit nach Sonnenuntergang kamen Jupiter und Sirius sowie im Zenith der Stern Capella im Fuhrmann zum Vorschein. Selbst, als ich anderthalb Stunden nach Sonnenuntergang wieder gegangen bin, war es noch nicht richtig stockdunkel. Aber für ein kleines Sternenhimmelerinnerungsfoto hat es ausgereicht.

Erst kam ich mir ein bisschen doof vor, als ich mit dicken Wintergummistiefeln, Daunenhose und Canada-Goose-Parka bewaffnet das Eis betreten habe. Ich sah mehr aus, als wollte ich zum Südpol, oder in der kanadischen Arktis unterwegs sein. Aber ich habe wieder feststellen müssen, selbst bei -15 °C kann Kleidung kaum zu warm sein, wenn man so lange still sitzt. Jetzt, um halb zehn, zeigt das Thermometer -19 °C an, diese Nacht könnte also kalt werden.

In der Holzfällerhütte

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Artikel über Solberget.

Vor kurzem habe ich gemerkt, dass ich noch eine Woche Urlaub übrig habe und habe mich spontan wieder auf Solberget angekündigt, wo ich seit 2005 jedes Jahr wieder war, mal kürzer, mal länger. Da das Gästehaus und der Bauwagen schon belegt waren, hatte ich die urige Holzfällerhütte für mich allein. Das war vielleicht auch ganz gut so, da ich ganz schön erkältet war und so mit meinem Geschniefe und Gehuste keinen gestört habe. Als ich letzten Samstag ankam, habe ich dort erst einmal schön eingeheizt, denn wenn ich erkältet bin, habe ich es gerne warm.

Die HolzfällerhütteDie Holzfällerhütte bei NachtDas Feuer im Ofen brenntFenster der Holzfällerhütte

Und da ich erkältet war, habe ich alles ruhig angehen lassen. Sehr ruhig! Und dennoch war ich auf Skiern unterwegs, mit Schneeschuhen, bei Lars, dem Samen, im Ájtte in Jokkmokk. Und Polarlicht gab es auch. Nur die holzbeheizte Sauna habe ich mir dieses Mal gespart.


Mit Freunden, die inzwischen in Südschweden leben, habe ich am Montag eine Skitour zum Slättberg, einem verlassenen Hof in Solbergets Nähe, gemacht. Gerne wüsste ich die Geschichte, warum die Bewohner ihren Besitz so übereilt verlassen haben und die Häuser jetzt immer mehr verfallen. Inzwischen sind auch größere Teile des Fußbodens im Haupthaus eingestürzt und es war vielleicht das letzte Mal, dass ich den alten Kinderwagen fotografieren konnte.

Offener Bach auf dem WegDer SlättberghofAlles verfälltIm Wohnhaus

Am Abend stand ich lange draußen, um den Kometen PANSTARRS zu entdecken. Als ich dachte, er sei schon längst untergegangen, hat ein astronomieinteressierter Gast ihn am Westhimmel ausmachen können. Mit meinem kleinen russischen Feldstecher, den ich immer im Auto habe, konnte man den sonnenabgewandten Schweif gut erkennen. So bin ich noch länger draußen geblieben, um den Kometen zu fotografieren, auch wenn unser Wunsch eines zeitgleichen Polarlichts sich nicht erfüllte.

PANSTARRS über SolbergetDer Komet C/2011 L4 (PANSTARRS)

Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass auf den Bäumen kein Schnee liegt. Das liegt daran, dass die Tage inzwischen genauso lang sind wie in Mitteleuropa und die Märzsonne schon viel Kraft hat, jeglichen Schnee von den Bäumen herunter zu schmelzen. Zum Vergleich einige Fotos von Solberget im Februar letzten Jahres.

Morgen, am Sonntag, schreibe ich mehr.

Sápmi

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Artikel über Solberget.

Wenn man auf dem Solbergethof ist, so ist man natürlich in Nordschweden, aber auch in Sápmi, dem Siedlungsgebiet der Samen, welches sich von Norwegen und Schweden bis nach Finnland und Nordrussland erstreckt. Und einer von Solbergets Nachbarn, der gut vierzig Kilometer weit weg wohnt, ist Lars, der Same, der in den fünfziger Jahren aktiv Rentierzucht betrieben hat.

Er war schon oft auf Solberget zu Gast, um über die Rentierzucht und das Leben der Samen zu erzählen. Jedes Mal erzählt er wieder Neues und ich könnte ihm stundenlang zuhören. Dieses Mal sind wir zu ihm gefahren und haben ihn seinem kleinen urgemütlichen Café gesessen und er hat erzählt. Dieses Mal über die heutigen Probleme mit den Raubtieren, die viele Rentiere reissen, aber durch die EU geschützt sind. Die Samí dürfen diese Tiere selbst dann nicht töten, wenn sie damit nur ihre Herde verteidigen. Ebenfalls erzählte er über Kirche und Staat, die früher aus den Samí Schweden und Christen machen wollten. Die samische Religion wurde verboten, die Kultur wurde verboten und die Sprache wurde verboten. Da vor allem die samischen Männer aber Teile des Jahres nomadisch lebten und Pastoren und Amtsmänner weit weg waren, konnten der Joik und die Sprache überleben. Viele Samen heutzutage sprechen ausschließlich schwedisch, aber es gibt mehrere samische Schulen, eine davon im nahen Jokkmokk, in denen die samische Sprache gelehrt wird.

Lange waren wir bei Lars, haben seine Rentiere bewundert, sehr leckeren Moltebeerenkuchen gegessen, ihm zugehört und jede Menge Fragen gestellt und zum Schluss auch noch den winzigen alten Laden besucht, in dem Lars’ Frau alte Sachen zeigt, die sie über viele Jahre gesammelt hat.

Lars mit RentierRentierportrait
Lars’ gemütliches CaféDer alte Kaufmannsladen

Man sollte einen Samen übrigens nie fragen, wie viele Rentiere er hat. Da die Rentiere das Vermögen darstellen, wäre es das gleiche, als fragte man, wie viel Geld jemand auf dem Konto hat. Natürlich bekommt Lars die Frage dennoch oft zu hören und hat immer eine ausweichende Antwort parat.

Am nächsten Tag habe ich mit Freunden aus Südschweden eine Schneeschuhtour gemacht. Ehrlich gesagt ist das nicht so mein Fall. Sie haben zwar den Vorteil, dass man Berge einfacher hochlaufen kann als mit den Holzski, aber ich vermisse die gleitenden Bewegungen des Skilaufens und komme mir immer ein bisschen tapsig und unbeholfen vor. Auch die Skispuren finde ich schöner als die dicken Abdrücke der langen und breiten Schneeschuhe. Aber im Grunde ist mir das draußen sein wichtig und nicht, was ich unter die Füße geschnallt habe. Und da sollte man etwas haben, denn im hüfttiefen Schnee würde man ohne Ski oder Schneeschuh nicht weit kommen.

SchneeschuhspurenSchneeschuhwandern

Am Abend war ich wegen der Erkältung sehr früh wieder in der Holzfällerhütte, um zu schlafen, wurde aber netterweise wieder schnell geweckt, denn draußen war Polarlicht. Ich konnte noch ein paar Fotos machen, ehe das Polarlicht wieder schwächer wurde. Aber schon alleine der klare Sternenhimmel über dem tief verschneiten Hof ist wunderwunderschön.

PolarlichtPolarlicht über der Sauna

Klarer Sternenhimmel über Solberget

Am Donnerstag waren wir in Jokkmokk, um das Ájtte, das Samenmuseum zu besuchen. Hier kann ich mich stundenlang aufhalten, denn ich finde das Museum sehr informativ, schön gemacht und gerade richtig groß. Bis zur letzten Sekunde sind wir im Museum geblieben, ehe wir wieder nach Solberget zurückgefahren sind.

Ájtte – eIn DorfmodellÁjtte – geschnitzte MesserscheideÁjtte – SchamanentrommelÁjtte – bemaltes Trommelfell

Am nächsten Tag bin ich wieder nach Hause gefahren und habe genossen, dass dieser schöne Platz nur vier Stunden von meinem Haus entfernt liegt. Aber zu Hause sein ist auch schön und gleich werde ich hinausgehen, denn wie schon fast die gesamte Woche ist auch der heutige Sonntag klar und sonnig.

Eine herrliche Nacht auf Bastuholmen

Vor zwei Wochen hat Hans mich gefragt, ob ich mit zur Insel Bastuholmen paddeln möchte. Das wollte ich gerne, aber ich hatte leider keine Zeit. Anfang der Woche fragte er mich wieder und dieses Mal passte es mir.

Gestern Nachmittag um sechs saßen Hans, fünf Freunde von ihm und ich in unseren knallbunten Kajaks und starteten vom kleinen Bootshafen in Kåge zur Insel Bastuholmen. Da das nicht weit ist und das Wetter zwar windig aber schön war, sind einige von uns noch um die schöne Insel herum gepaddelt.

Start im BootshafenIm Gegenlicht

Als wir an der Insel anlegten und unsere Kajaks an Land zogen, hatten die anderen schon Feuer gemacht und hielten Stockbrot in die Glut. Hans hatte Hamburger eingekauft und bald saßen wir alle ums Feuer, grillten und aßen.

Hamburger und Stockbrot über dem FeuerWasser und frischer Hamburger

Es ist immer schön, um ein Feuer herumzusitzen, über dies und das zu sprechen, mit Freunden oder noch Unbekannten. Die meisten wollten am gleichen Tag noch zurück und machten sich kurz nach Sonnengang auf dem Weg, um im letzten Abendlicht noch Kåges Hafen zu erreichen.

Sonnenuntergang auf BastuholmenMit dem Kajak zurück ans Festland

Hans und ich wollten hingegen auf der Insel übernachten. Davor haben wir uns es gut gehen lassen, denn die Insel heißt nicht von ungefähr Bastuholmen und wer schon einmal in Schweden oder Norwegen war, weiß, dass Bastu Sauna heißt.

Während die Sauna noch geheizt hat, war ich auf der anderen Seite der Insel, wo auf der linken Seite die Farben der Abenddämmerung zu sehen waren und auf der rechten Seite der fast noch volle Mond aufging.

Bootssteg auf BastuholmenMondaufgang

Bald danach saßen wir zu dritt in der kleinen Sauna, die gar nicht so heiß war. Na ja, dachte ich, Sauna für Anfänger halt. Dachte ich. Denn bald schaufelten die anderen dermaßen viel Wasser auf den heißen Ofen, dass ich dachte, mein Gesicht fängt an zu kochen. Selbst mit vornüber beugen und das Gesicht mit den Händen bedecken war es mir noch zu heiß und ich habe mich schnell eine Etage weiter nach unten gesetzt. Anfänger halt.

Aber wenn man schon auf einer Insel sauniert, dann muss man natürlich auch im Meer baden und das haben wir gemacht. Drei Mal. Das Wasser hat nur noch 14 °C, so richtig warm ist das nicht mehr, aber immer noch herrlich.

Fladenbrot – heiß, heiß!Bald haben wir mit einem Paar, welches mit einem Katamaran da war gemeinsam am Feuer gesessen und den herrlichen Spätsommer­abend genossen. Es wurde schon recht frisch und war froh über meine warme zottelige Fleecejacke. Und um halb zwölf habe ich mich verabschiedet und mich schlafen gelegt. Hans hatte zwar ein Zweimann-Zelt, aber ich wollte lieber auf der riesigen Holzterrasse vor der Sauna unter freiem Himmel schlafen. Schließlich gab es eine Chance auf ein erstes Nordlicht …


Hier könnte der Bericht enden, Olaf schlafen und es wäre ein rundum schöner Ausflug mit Übernachtung gewesen. Aber …

Kaum hatte ich die Isomatte aufgepumpt, mich hingelegt, den Schlafsack zu- und mir es gemütlich gemacht, da blinzelte ich noch einmal kurz vor dem Einschlafen mit den Augen und sah das erste Nordlicht.

Erstes Polarlicht der SaisonSofort bin ich aus dem Schlafsack gerobbt, habe Kamera und Stativ geschnappt – Mist, ich muss noch die Stativplatte ranschrauben, oh, und das Weitwinkel drauf, oh, und manuell fokussieren – da war das erste Polarlicht schon fast wieder verschwunden.

Aber der Mond, aber der Mond! So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Mond war von einem leuchtenden Halo umgeben, hatte rechts einen ausgeprägten Nebenmond und vor allem über mir fast im Zenith einen ausgeprägten Zirkumzenitalbogen, der in allen Regenbogenfarben leuchtete. Was für ein Naturerlebnis.

Halo mit Nebenmond und Zirkumzenitalbogen

Irgendwann zogen die hohen Wolken, die diese Haloerscheinungen verursachen weiter und der Zirkumzenitalbogen verblasste nach und nach. Zeit wieder in den Schlafsack zu kriechen. Aber …

Jetzt kam noch einmal Polarlicht und zwar richtig schönes! Ich mag es, wenn das Meer noch offen ist und sich die Aurora auf dem Wasser spiegelt.

Polarlicht auf Bastuholmen

Polarlicht auf Bastuholmen

Gegen eins war lag ich wieder im Schlafsack und habe bis fünf geschlafen. Dann wurde ich von der Sonne geweckt. Über mir flog eine V-förmige Formation von Gänsen rufend über die Insel, von der frühen Sonne warmorange angestrahlt. Aber fünf war mir zu früh und ich habe mich noch mal für zwei Stunden umgedreht.

Ausblick am nächsten MorgenHans und ich haben dann auf einem Aussichtsfelsen im Norden der Insel gefrühstückt, ehe wir unsere Sachen gepackt und uns mit den Kajaks wieder auf den Rückweg gemacht haben. Kurz vor zehn waren wir wieder in Kåge.

Ich bin immer noch hin und weg von den Erlebnissen dieses Ausflugs. Kaum vorstellbar, dass dieser keine 16 Stunden gedauert hat.


Tack för Turen, Hans!