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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Fast ein Sommertag

Gestern war doof, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich wollte „mal eben schnell“ ein Betriebssystemupdate machen. Dabei sollte ich wissen, dass es „mal eben schnell“ bei Computern nicht gibt. Ach bei Macs nicht. Jetzt läuft aber hoffentlich alles wieder (ja, ich meine Dich, windowserver!) und ich kann mal wieder etwas schreiben.

Heute morgen habe ich in meinem Wintergarten gefrühstückt. Selbst wenn draußen nur sieben Grad sind, ist es dort schon richtig warm. Immerhin geht die Sonne um zwanzig vor vier auf und hat Zeit, vorzuheizen. Zwei Spatzen haben sich wohl entschlossen, unter den Dachziegeln ein Nest zu bauen. Mir soll‘s recht sein, wenn sie danach die Wohnung besenrein übergeben. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Auto sieben, acht Meilen nach Kusfors gefahren und habe Lasse besucht. Wir haben dann eine Rundtour in der dortigen Umgebung gemacht. Die erste Etappe war „Älgjägersfolkets Viste“, ein touristisch genutztes Gelände mit einigen sehr urigen Hütten und Koten sowie einer Schaukel, die nur aus Holz und Rentierleder zusammengesetzt ist.

Die nächste Etappe war das Naturreservat „Svansele Dammängar“. Lasse hat mir erklärt, dass es hier in der Region eine einmalige Art gibt, Heu auf Feuchtwiesen zu ernten, aber ich habe nicht alles verstanden. Mich erinnerten die Holzhütten ein bisschen ans Alpenvorland. Da sieht‘s ähnlich aus, bloß dass das Gras da bestimmt schon grüner ist.

Danach sind wir nach Gallejaur gefahren. Hier haben „drei alte Tanten“ gewohnt, die alle Gebäude im alten Stil bewahrt haben. Heute kann man sich das anschauen. Schön!

Zum Schluss waren wir noch an dem Anfangs- und Endpunkt der weltlängsten Seilbahn. Sie wurde bis in die achtziger Jahre benutzt, um Erz zu transportieren. Heute wird nur noch ein Teilstück betrieben, um Touristen herumzufahren. Die bekommen dann allerdings eine richtige Kabine und müssen nicht in den Erzkesseln hocken.

Alle diese touristischen Ziele haben eines gemeinsam: Wenn ich nächste Woche Besuch aus Deutschland bekomme, sind sie noch alle geschlossen. Wenn ich Mitte August wieder Besuch bekomme, sind sie schon wieder geschlossen.

Liebe Nordschweden: Ihr könnt vieles gut! Tourismus zählt aber mal überhaupt nicht dazu. Es gibt Länder, wo nicht alle Menschen gleichzeitig „semester“ – zu deutsch Urlaub – haben. Und diese Menschen kommen gerne auch im Mai und Juni, Ende August und sogar im September. Mit und ohne Kinder. Das heißt, sie kämen, wenn Ihr offen hättet. Und wenn ihr besser darin wärt, allen zu erzählen, wie schön es hier ist. Leider seid Ihr nämlich viel zu bescheiden, um auch nur einmal vorsichtig anzudeuten, dass es sich vielleicht lohnen könne, möglicherweise hierher zu kommen. Und so erfahre auch ich, der hier schon ein Jahr lebt, von den meisten Plätzen eher zufällig. Schade eigentlich!

So habe ich heute zwei Rollen eingenommen: Ich war Tourist und habe mir die schönen und interessanten Plätze angeschaut. Alles eher klein als pompös, aber durchaus lohnenswert. Und gleichzeitig haben Lasse und ich überlegt, wie man den Tourismus in Nordschweden stärken kann. Mal schauen, was ich in einigen Jahren beruflich so mache …

P.S.: Leider ist der windowserver wieder abgestürzt und hat so einiges mit sich gerissen. Da muss ich wohl mal morgen die Hardware testen. So‘n Schiet!

Drei Tage

Montag

Nach der Arbeit gehe ich zu Freunden und Martin gibt mir die vierte Kochstunde. Wir machen Schweinefleisch mit Zwiebelsoße und Salzkartoffeln. Ich bekomme dann immer das Lob für das Essen, aber ohne die Anweisungen Martins wäre es nur ein Zehntel so gut.

Danach fahren wir zu mir und machen ein bisschen Musik. Martin singt und wir haben in zwei Wochen einen ersten kleinen Auftritt. Das Repertoire besteht aus verschiedenen schwedischen Liedern.

Dienstag

Am Abend fahre ich nach Ursviken zum Kanuklub, wo ich zu einem Schnupperkurs Kajak angemeldet bin. Leider lernen wir in der Zeit nicht mehr, als das man das Paddel locker mit beiden Händen hält und wie man einsteigt. Dann machen wir eine Drei-Kilometer-Tour flussaufwärts. Ich habe schon ein-, zweimal in einem Kajak gesessen und es ist schön, wieder auf dem Wasser zu sein. Nur das Kajak könnte ein bisschen größer sein, ich passe kaum herein.

Ich bin das erste Mal wirklich auf die blöden Parasiten im Wasser sauer. Ihretwegen hat nämlich das Hallenbad in Skelleftehamn geschlossen. Und deswegen kann der Verein dieses Jahr keinen Kajakkurs anbieten. Und draußen ist das Wasser noch zu kalt, um dauerhaft Übungen zu machen, bei denen man die halbe Zeit im Wasser hängt. Mist!

Mittwoch

Um zehn hatte ich einen Termin beim Finanzamt. Ich möchte parallel zu meinem Angestelltendasein auch selbständig arbeiten, hauptsächlich in den Bereichen Musik und eventuell Fotografie. Das ganze ist eigentlich recht einfach, aber ich war froh, eine geduldige Beraterin zu haben, die sich auch durch mein „Det förstår jag inte“ – das verstehe ich nicht nicht aus der Ruhe bringen konnte.

Mittags habe ich mich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael getroffen, mit denen ich im Februar den Winterschwimmwettbewerb in Finnland besucht habe. Wir haben über die „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ gesprochen, die sich zum Ziel gesetzt hat, besondere Konzepte, in denen die Kälte und Dunkelheit des Winters eine Rolle spielt zu entwickeln. Auf deutsch heißt der Verein in etwa „Verein für die frohen/fröhlichen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Abends war ich zwei Stunden mit Rasenmähen beschäftigt. Unfassbar, wie das Gras in den knapp zwei Wochen seit dem letzten Mähen schon wieder gewachsen war. Drei gehäufte Schubkarren habe ich in den Wald gefahren, wo alle Bewohner einen gemeinsamen Kompostplatz haben. Ich mag es ja auch gerne, wenn das Gras länger ist, aber das mögen die Mücken auch. Der Rasenmäher und die Nachbarn hingegen weniger.

Als ich mit meiner Arbeit fertig war, ging die Arbeit im Hafen aber noch weiter. Dort liegt die Ocean Adventure, die in den nächsten zwei Tagen entladen wird. Einige Tage vorher hat das Unternehmen Kuusakoski Recycling knallrote Zettel in die Briefkästen geworfen, auf denen genau steht, was passiert und dass man willkommen ist, bei Fragen anzurufen.

Donnerstag

Heute ist frei. Wie schön. Deswegen zähle ich heute auch nicht zu den drei Tagen mit dazu.

Mein erster Vortrag auf Schwedisch

Mein gestriges Jazzkonzert in Kusfors habe ich mitgeschnitten. Meinen Vortrag heute auf dem Treffen des Skellefteå Byautvecklingsråd (Stadtentwicklungsrat) aber nicht. Denn Klavier spielen kann ich, während mein Schwedisch immer noch ziemlich naja ist. Aber ich will mich nicht beschweren. Wenn ich heute dreißig Minuten freies Reden auf Schwedisch durchhalte, kann es ja soo schlecht, wie ich immer selber denke, nicht sein.

Aber von Anfang an: Ich bin vor kurzem gefragt worden, ob ich nicht als Zugereister meine persönlichen Eindrücke von Skellefteå teilen und auch ein paar Fotos aus meinem Blog zeigen möchte. Das habe ich gerne zugesagt, auch wenn ich dafür die letzten Tage so manche späte Stunde noch am Rechner gesessen habe.

Ich habe über vier Themen gesprochen: Die Klischees der Deutschen über Schweden, wie und warum ich hierher gezogen bin, über die Vorzüge und auch Nachteile der Region sowie zum Schluss anhand einiger Fotos über das große Potential der touristischen Entwicklung in und um Skellefteå.

Ich war ein bisschen ängstlich, nicht der Sprache wegen, sondern weil ich auch einige Punkte der schwedischen Mentalität kritisiert habe. Aber mein Vortrag wurde überraschend positiv aufgenommen und einige Punkte direkt im Anschluss diskutiert. Und ich habe ein schönes Wort kennengelernt:

Schwedischübersetzung des Tages:hemmablind – betriebsblind. (Wörtlich: Zu-Hause-Blind)

Danach war ich rundum zufrieden: Gestern ein schönes Konzert gespielt, heute meinen ersten Vortrag auf schwedisch überlebt und morgen den ganzen Tag frei. Toll!

Schwedische Meisterschaft Winterschwimmen

Eigentlich hab ich’s ja so gar nicht mit Vereinen. Eine Ausnahme mache ich für „Den Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte“ oder auf Schwedisch: Föreningen för Mörkrets och Kylans Glada Vänner. In diesem Verein schaffen wir positive Erlebnisse im Zusammenhang mit Dunkelheit und Kälte in den nördlichen Regionen.

Heute war die Pressekonferenz zu unserem ersten Projekt, welches im Februar dieses Jahres In Joensuu in Finnland seinen Ursprung hatte: Wir richten die erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen aus. Am 4. und 5. Februar 2012 wird der Wettbewerb hier in Skellefteå im Fluss stattfinden.

Am Anfang der Woche hat Lasse zu der heutigen Pressekonferenz eingeladen und sofort haben alle großen Zeitungen darüber berichtet. Und wenn man heute bei Google nach vintersimning skellefteå 2012 sucht, so erhält man schon über tausend Treffer. Es scheint ein wirklich großes und breites Interesse an diesem Ereignis zu bestehen.

Mikael und Jarkko haben heute für die Presse und Fernsehen im Fluss gebadet. Die Armen! Mit 1 °C Wassertemperatur war es schon richtig kalt, doch das sind die beiden gewohnt. Aber heute war es sehr windig. Und dann nass und nackt Interviews geben, das stelle ich mir extrem ungemütlich vor. Ich stand daneben und hatte Mütze und Schal an plus Kapuze auf.

Vor allem Martine, die das Projekt leitet, hat viel zu tun. Hinter der Meisterschaft steht eine umfangreiche Infrastruktur. Vom Rettungsschwimmer bis hin zu Umkleideräumen will noch viel organisiert werden. Ich werde mich jetzt um eine Webseite kümmern und deutsche Vereine ansprechen, denn die Teilnahme steht grundsätzlich jedem offen.

Apopros Teilnahme: Ich habe heute übrigens gelernt, dass ich schon Winterschwimmen gemacht habe. Dazu muss das Wasser nämlich „nur“ unter zehn Grad haben, und das habe ich vor sechs Wochen locker unterboten. Ob ich aber am Wettbewerb teilnehme, weiß ich noch nicht. Ich bin nämlich ein lausig schlechter Schwimmer.

Danke an Marianne für das erste Foto in diesem Artikel.

Nachtrag:

Jetzt sind zwei Videos von heute online. (Auf schwedisch).

Rückreise nach Schweden

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Nach einem guten Frühstück auf der Terrasse habe ich mich von meinen Freunden in Norwegen verabschiedet und bin mit dem Auto zurück nach Hause gefahren. Schön in Ruhe und mit Pausen, man will ja auch was sehen.

Die erste Pause habe ich südlich des Sees Snåsavatnet gemacht. Dort in Bøla gibt es eine alte Felszeichnung eines lebensgroßen Rens zu bewundern. Das Alter wird auf sechstausend Jahre geschätzt.

Noch in Norwegen lagen oft Schafe auf der Straße, sie dösten auf dem warmen Asphalt und öffneten noch nicht einmal die Augen. Der Rotfuchs, der später auf der Fahrt einen Rastplatz nach Essbaren durchsucht hat, war wachsamer, ließ sich aber doch noch gerne aus dem Auto heraus fotografieren.

Dann bin ich die Straße südlich des Sees weitergefahren, bis ich auf der E6 war, die ich aber schnell verlassen habe, um auf der E74 nach Gäddede in Schweden zu fahren. Dort bin ich in den nach Norden führenden Vildmarksvägen abgebogen. Am Anfang führte die Straße noch an Seen vorbei durch kleine Ortschaften, dann wieder durch Wald, doch die Straße wand sich immer höher und die ersten schneebedeckten Gipfel, die man schon seit Norwegen sehen konnte, kamen näher und näher. Bald lichtete sich auch der Birkenwald und ich fuhr durch das Kahlfjäll über der Baumgrenze. Am und zu lugte die Sonne durch die aufgezogenen Wolken und beschien einen Teich oder ein Schneefeld. Ich beschloss, mir bald einen Zeltplatz zu suchen.

Ich bin sehr empfänglich für diese etwas kargen Landschaften und habe bald einen schönen Parkplatz im Nirgendwo gefunden und beschloss, dort mein Zelt aufzubauen. Schon beim Kochen – ich hatte noch Dorsch mit Basmatireis und Hummersoße von Astrid und Hein vom Vortag – umschwärmte mich eine Wolke von Mücken und ich habe die Kapuze festgeschnürt, um den kleinen Blutsaugern möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Gegessen habe ich dann im Gehen …

Wie gut, dass so ein Innenzelt mückendicht ist (nur einige Knott haben sich anscheinend durchmogeln können), denn schon beim Zeltaufbau schauten mir sämtliche Mücken der Umgebung zu. Pünktlich nachdem ich im Zelt zum Schlafen verschwunden war, fing es an zu regnen, mal leicht und mal heftig und so manche Mücke suchte mein Zelt als warmes und trockenes Plätzchen mit Chance auf ein Frühstück auf. Als ich morgens das Zelt verließ, war das Außenzelt voll: Schätzungsweise achthundert Mücken saßen trocken und lauschig unter dem Außenzelt und warteten auf mich.

Ich habe aber mein Zelt nicht sofort verpackt, sondern erst eine kleine Runde gedreht und den Raavre (932 m) bestiegen. Doch darüber schreibe ich später.

Erst habe ich mein nasses Zelt nur so ins Auto schmeißen wollen, aber der Gedanke an viele hundert Mücken, die im Auto herumschwirren haben mich meinen Plan ändern lassen und ich habe das Zelt in seine Tasche gestopft und diese – glaubt mir! – sehr, sehr gut verschlossen. Dann ging die Fahrt weiter. Ich wusste noch nicht genau, wie ich weiterfahren sollte, da ich nicht wusste, ob mein Benzin für den direkten Weg nach Storuman reichen würde oder ich nach Vilhelmina fahren müsste. Eine kleine Tankstelle in Saxnäs hat mich dann aber gerettet. Auf Schleichwegen habe ich mich über Stensele bei Storuman über die Käffer in Richtung Heimat bewegt.

Es gab allerdings noch zwei Hindernisse auf dem Weg nach Hause, die waren allerdings willkommen: Zwei kleine Rentierherden. Während die erste noch die Straße überquerte, stand die andere nur da und ließ Autos nur widerwillig durch. Kein Problem für mich, schnell das Tele draufgesetzt und Rentiere fotografiert. Ist ja schön, wenn diese schönen Tiere mal nicht gleich in den Wald flüchten.


Hier noch ein Video, welches ich vom Auto aus gemacht habe. Schade, dass ich vergessen habe, den Blinker auszumachen und sofort die Fenster zu öffnen, damit man die Geräusche, die die Rentiere machen, besser hören kann.


Bald war ich wieder in bekanntem Gelände: Die 370 führt fast an Kusfors vorbei, wo ich gute Freunde habe. Ich wollte aber nur noch nach Hause und die letzte Stunde hinter mich bringen. Um vier war ich zu Hause – todmüde, aber sehr zufrieden. Die Reise nach Norwegen war toll, aber wieder zu Hause in Skelleftehamn zu sein, war auch schön.

Norwegen, ich komme gerne wieder!

Die Route: Mosvik – Steinkjer – Snåase – Sandvika – Gäddede (Schweden) – Stekenjokk – Saxnäs – Skarvsjöby – Stensele – Gunnarn – Norrbyberg – Kristineberg – Bjurträsk – Boliden – Skellefteå – Skelleftehamn. Hin und zurück: 1663,3 km.

10 Jahre Solberget

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Artikel über Solberget.

Am Samstag sollte das große Fest steigen: Dirk betreibt seit zehn Jahren das Wildnisdorf Solberget! Seitdem ich im Februar 2005 dort zum ersten Mal zu Gast war, bin ich dort immer wieder gewesen, meist im Winter. Erst, weil mir Solberget und Umgebung so gut gefallen haben, dann immer mehr, weil ich dort immer viele nette Leute kennenlerne oder wiedertreffe.

Und so war es auch dieses Mal. So manch anderer Freund und Bekannter hat das Jubiläum zum Anlass genommen, Solberget einen Besuch abzustatten, und so standen die Tage mehr im Zeichen des Zusammenseins als des einsam Durch-die-Natur-Streifens. Obwohl, nicht nur …

Solberget heißt auf deutsch „Der Sonnenberg“. Und zum Hof gibt es nebenan den entsprechenden Berg – mit wunderschönem altem Baumbestand – gleich mit dazu. Am Freitag habe ich mich einige Stunden nach der Ankunft mit zwei Freunden auf den kurzen Weg zum Gipfel gemacht. Gipfel ist vielleicht ein bisschen übertrieben, denn der Weg ist flach, aber oben steht ein alter Feuerwachturm, den man besteigen kann. Dort hatten wir weite Aussicht auf die hügeligen Wälder, die mit kleinen Seen durchsetzten Moorflächen und auf den Sonnenuntergang.

Der nächste Tag – der Tag des Jubiläums – war den Vorbereitungen gewidmet: Es wurden Kuchen gebacken, Tische und Stühle herausgestellt, Schilder geschrieben und Trinkwasser von der Quelle geholt, ehe mittags das Fest begann. Ein ganzes Rentier am Spieß wurde gebraten, um die Gäste am Abend zu verköstigen, denn auch viele Menschen aus dem 20 Kilometer entfernten Nattavaara haben die Gelegenheit genutzt, sich den Hof anzuschauen, Fika (Kaffeepause) zu halten und sich kreuz und quer zu unterhalten.

Wir waren währenddessen nicht untätig. Manche haben in heavy rotation gespült oder sind in die Rolle des Parkplatzkoordinators geschlüpft, während ich die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen habe, den Gummistiefelweitwurfwettbewerb durchzuführen. Nach den Testwürfen musste ich mich erst einmal mit Kuchen stärken.

Am Nachmittag wurde es langsam ruhiger. B. hat wunderschön auf dem Akkordeon gespielt und dazu gesungen und ich habe meinen Flügel sehr vermisst. Ich hätte gerne richtig mitmusiziert, so konnte ich nur ein bisschen mitsingen. Später hat Daniel Wikslund aus Tjautjasjaure auf seiner Geige gespielt und gesungen. Er ist sowohl ein hervorragender Musiker als auch ein erfahrener Entertainer. Einige von uns haben mitmusiziert, ich auf der Gitarre, obwohl ich das nicht wirklich kann. Später wurde es dämmrig und über dem dunkelblauen Himmel über Solberget – ja, es war den ganzen Tag warm und sonnig – zeigte sich das erste Polarlicht. Welch schöner Abschluss für ein gelungenes Jubiläum. (Andere haben noch stundenlang Disko gemacht, aber mit Tanzen habe ich es nicht so und ich bin ja auch eher Frühaufsteher.)

Einige Fotos vom Fest auf Facebook

Der nächste Tag: Da ich recht früh im Bett war, war ich auch früh wieder auf. Selbst die Familien mit Kindern haben noch geschlafen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, in den Bach „Myllyjoki“ zu steigen und dort Fotos zu machen. (Vielleicht heißt der Bach auch Njåmmelkietj-Jåkkå, aber das macht das Aussprechen auch nicht gerade einfacher …) Das letzte Foto zeigt nicht den Bach, sondern die Quelle, aus der Solberget sein Trinkwasser bezieht.

Nach und nach tauchten alle wieder auf, das Frühstück ging in das Mittagessen über, Kuchen war auch noch da und alle ließen es ruhig angehen. Manche gemütlich und warm eingepackt beim Lesen, andere beim Kubb spielen.

Weil ich weiß, dass Cat-Content heutzutage wichtig ist, ist dieses Mal auch ein Katzenbild dabei. Sesam, der heimliche Besitzer des Hofes und meistfotografierte Kater der Welt schaute mich verwundert an, als ich mit nasser Wathose bekleidet aus dem Myllyjoki stieg, um wieder in Richtung Hof zu gehen.

Am Sonntag Nachmittag wurde es ein bisschen trüber und es fielen einige Regentropfen. Das war aber nichts im Vergleich zum nächsten Tag, wo ich eine der nassesten Wanderungen meines Lebens unternommen habe.

Skandinaviska Mästerskapen i Vintersim 2013

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie SM Winterschwimmen 2013.

Heute saß ich lange am Rechner. Über 600 Fotos von gestern wollten gesichtet, sortiert, bewertet und bearbeitet werden. Denn gestern war hier in Skellefteå die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen, die wir von Dark & Cold ausgerichtet haben. Und ich habe fotografiert, fotografiert, fotografiert. Jetzt ist eine Auswahl von gut 30 „offiziellen Dark & Cold-Pressebildern“ getroffen, die ich auch hier im Artikel zeige.

Gestern klingelte der Wecker um viertel nach sechs und um kurz nach halb acht stand ich an dem in den Flusseis geschnittene Schwimmbecken, in dem am Vortag das Probeschwimmen stattgefunden hat. Obwohl die Nacht wesentlich wärmer war als vorhergesagt, haben die etwa -15 °C ausgereicht, um das Becken wieder halb zufrieren zu lassen. Im Gegensatz zum letzten Mal brauchten wir aber keine Motorsägen, sondern konnten das Eis mit einer Eisenstange wegschlagen. Ich habe versucht, vom Wasser aus (Trockenanzug, nicht Badehose!) die Eisstücke unter das Flusseis zu drücken, aber dieses war etwa 60 cm dick und damit schwer zu erreichen. Aber auch so war keine Stunde später das Beckeneis eisfrei.

Aber genug der Worte. Hier kommen Fotos. Habt Ihr’s warm? Dann viel Spaß!

Das Eisschwimmbecken

25 Meter lang, vier Bahnen, das ist das Schwimmbecken. Wegen der Strömung schwimmen auch die Staffeln alle flußabwärts.

Am Start

Am Start gibt es drei Kommandos für die Schwimmer: „Zieht Euch aus“, „Geht ins Wasser“ und „Los“. Die Erfahrenen beeilen sich mit dem ins Wasser gehen, damit sich beim Startkommando die Atmung wieder beruhigt hat.

Schwimmen

Hier zeigen sich große Niveauunterschiede, denn am Wettbewerb nehmen vom Hobbyschwimmer und Eisbader bis zum erfahrenen Leistungsschwimmer und Weltmeister alle Leistungsstufen teil. Ein schönes Durcheinander, welches dafür spricht, dass ich vielleicht nächstes Mal auch teilnehmen sollte, um das Niveau der Hobbyschwimmer nach unten abzurunden. (Das ist kein Kokettieren, ich schwimme wirklich nicht gut.)

Am Ziel

Am Ziel ist Gedränge. Dort werden die Zeiten gemessen und dort stehen Helfer bereit, die die Schwimmer beim aus dem Wasser klettern unterstützen. Andere Freiwillige rennen mit der Kleidung vom Start zum Ziel. Und auch beim Ankleiden wird geholfen, denn das ist mit kaltnassen Händen und Füßen gar nicht so einfach.

Details

Überall, wo Wasser auf kaltes Festes trifft, bildet sich Eis. Und weil die Schnüre sich manchmal drehen, stehen dann die Eisnadeln senkrecht.

Teams

Von der Polizei über Unternehmen bis hin zu leistungsstarken internationalen Teams haben 16 Viererteams an der Meisterschaft teilgenommen.

Menschen

So eine Veranstaltung lebt von den Menschen. Nicht nur von den Schwimmern, unserer Organisation und dem Publikum, sondern auch von den Helfern, dem Toningenieur, den Tauchern, dem Arzt, dem Moderator, den vielen Freiwilligen vom Schwimmklub und vielen mehr.

Publikum

Aber natürlich freuen wir uns über das große Publikum. Und erzählen gerne Kommune und unseren Sponsoren, wie viele Leute dabei waren.


Dieses Jahr waren viele Dinge anders als letztes Jahr.

Es war längst nicht so kalt. Statt Temperaturen unter -30 °C hatten wir lauschige -14 °C. Als Kälteliebhaber fand ich das ein bisschen schade, als Fotograf habe ich mich – und vor allem meine Finger sich – gefreut.

Wir hatten doppelt so viele Teilnehmer: 128 Starts waren angemeldet (Personen waren es weniger, da manche sowohl individuell als auch im Team am Wettbewerb teilnehmen.) Manche Schwimmer kamen aus Frankreich, aus Estland und aus Lettland angereist. Und obwohl letztes Jahr auch schon viele Zuschauer da waren: Dieses Jahr waren es noch wesentlich mehr. Das mag an den entspannteren Temperaturen gelegen haben, oder daran, dass der Wettbewerb sich hier schon im zweiten Jahr fest etabliert hat.

Und dennoch waren wir schneller, weil wir auf Basis der Erfahrungen vom letzten Jahr besser organisiert waren. Und so war schon irgendwann gegen drei die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen zu Ende.

Ich bin hochzufrieden. Zum einen, dass die Veranstaltung rundherum gut gelaufen ist und auf so große Resonanz gestoßen ist. Zum anderen, weil ich nach Monaten von geplanten Aktivitäten (von der Jazztour bis zum Winterschwimmen einfach mal so etwas wie Alltag vor mir liegen habe. (Glaube ich zumindest). Zudem habe ich heute unerwartet festgestellt, dass ich bis Ende April noch fünfeinhalb Urlaubstage habe. Toll, was will man mehr!

Für die Fotointeressierten: Über 600 Fotos RAW-Daten, das sind gut 20 GB. Ein Drittel ist schon gelöscht. Dabei waren eine Nikon D800 mit 16-35mm und Nikon D300s mit 90mm und 8mm Fischauge. Kein Stativ, aber manchmal ISO 800. Akkus waren die ganze Zeit in der Kamera, da es nicht extrem kalt war.

Das historische Dorf Gallejaur

Heute war ich fast den ganzen Tag mit Freunden zusammen unterwegs. Ein guter Tag! Erst habe ich meine ehemaligen Nachbarn in Klutmark besucht, dann bin ich weiter nach Kusfors gefahren, um dort Lasse und Martine zu besuchen. Wir haben uns dort mit einem Paar getroffen, welches diesen Sommer von Dubai nach Skellefteå gezogen ist und gerade einige Freunde aus ihrer alten Heimat zu Gast hatte. Mit zwei Autos sind wir kleine vereiste Kieswege entlanggefahren, an Rentieren und leicht weiß bepuderten Wäldern vorbei, bis wir unser Ziel Gallejaur erreicht haben. Gallejaur ist ein historisches Dorf, dessen noch gut erhaltenen Bauwerke bis 1800 zurückreichen.

In einigen Häusern kann man übernachten und das Geschirr, das Besteck, die Möbel sind alle noch aus dem originalen Hausstand und mindestens hundert Jahre alt. In einem der Häuser steht eine alte „Tramporgel“ (zu deutsch Harmonium), welche mit Hilfe von Lochscheiben selbst Stücke spielen kann.

Ein altes SchlafzimmerEin selbstspielendes Harmonium

Erst fand ich es ein bisschen schade, dass es schon früh dunkel wurde, doch schnell habe ich gesehen, dass das trübe Dämmerungslicht sehr schön ist und die Gebäude ein bisschen kalt, abweisend und unwirklich aussehen lässt. Ich habe mir vorgenommen, noch einmal wiederzukommen, wenn mehr Schnee liegt und der Mond scheint. Hoffentlich sind dann die netten Schafe noch draußen, die bei 1.3 Sekunden Belichtungszeit überraschend still gehalten haben.

Ein alter ErdkellerDie meisten Schafe halten stillWeg durch das Dorf GallejaurWohnhaus – ungefähr 100 Jahre alt

Nachdem ich noch bei Martine und Lasse zu Hause war, habe ich mich in mein Raumschiff gesetzt und bin mit Überlichtgeschwindigkeit (etwa Warp 8) nach Hause gedüst. Die Sterne zogen grell leuchtend an mir vorbei und Sternnebel umwaberten mein Schiff.

Glaubt Ihr nicht? Ist auch nicht ganz richtig! Bei +1 °C bin ich durch Nebel und Schneeschauer gefahren und als ich Fernlicht anhatte und gerade ein besonders starker Schneeschauer über der Straße hing, da irritierten die blendenden Schneeflocken, die strahlenförmig zu allen Richtungen wegschossen, so sehr, dass ich fast nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Das kam einem Flug mit Überlichtgeschwindigkeit schon recht nahe mit der Ausnahme, dass man im Auto gerne Bodenhaftung hat und weiß, wo die Straße ist. Ich war froh, dass es in Richtung Küste wieder wärmer wurde und bald der Schnee wieder als Regen herunterkam. In Skelleftehamn zeigte das Autothermometer dann +5 °C.

Links

Nachtrag

Samisches VorratshausEin Bild habe ich noch: Das vom samischen Vorratshaus. Es ist so konstruiert, dass die Ratten nicht hineinkommen, denn die können zwar mühelos die Stelzen, auf denen das Haus steht erklimmen, aber nicht kopfüber unter dem Boden weiterlaufen.

Auf norwegisch heißen diese Gebäude Stabbur, auf schwedisch (sagt Wikipedia) Härbre. Auf der iberischen Halbinsel gibt es Dinger auch unter dem Namen Hórreo, aber das hat mit meinem Blog nordwärts ja gar nichts mehr zu tun. Ich habe es auch nur erwähnt, damit der Text neben dem Bild nicht zu kurz ist.

Zurück von einer Journalistenreise

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Da bin ich wieder. Zu Hause in Skelleftehamn. Unfassbar müde nach drei extrem intensiven Tagen und der heutigen Rückreise. Nein, viel Schlaf bekommt man wirklich nicht, wenn man erst die Schwedische Winterschwimmmeisterschaft mit organisiert und durchführt und dann direkt auf Journalistenreise ist.

Veranstaltet wurde diese Journalistenreise von dem Projekt Boundless Bothnian Bay, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnlands stärken soll. Neben zehn Journalisten aus Belgien, Deutschland, Finnland, Russland, Schweden und Spanien durfte ich als offizieller Fotograf mitfolgen und hatte so meinen ersten richtig bezahlten Fotografenjob. Ich war ganz schön nervös!

Leider hatten wir ziemlich fürchterliches Wetter: Es war die ganze Zeit konturlos bewölkt, es gab Schneeregen und sogar Regen bei leichten Plusgraden. Also so ziemlich, wie man sich den nordischen Winter nicht vorstellt. Da hatte ich es nicht leicht, schöne Fotos zu machen und dass ich am Sonntag morgen mein Stativ auf dem Eisbrecher vergessen habe, machte die Sache auch nicht leichter. Gut, dass ich noch mein Einbeinstativ dabei hatte.

Aber ich habe schon ein bisschen die 1317 Fotos (das sind dann knapp 33 Gigabyte) durchgeschaut und es sind doch einige gute Fotos dabei. Ich hoffe, dass diejenigen Journalisten, die meine Fotos verwenden wollen zufrieden sind.

Heute schreibe ich aber weder ausführlicher, noch zeige ich Fotos, denn die nächsten Tage muss ich in Ruhe die Fotos sichten, aussortieren, beschneiden, bearbeiten, Staub wegstempeln und dann für die Journalisten und für Boundless Bothnian Bay online stellen. Ich werde versuchen, auch hier im Blog zeitnah Artikel zu schreiben und Fotos zu veröffentlichen. Dann wird es um schmelzende Instrumente, Teletubbies, Leckereien, ein altes Fahrrad und manches mehr gehen.

An jeder Station: Skellefteå — Luleå — Piteå — Kalix — Haparanda/Tornio — Kemi — Oulu — Hailuoto haben wir eine Tüte mit Informationen bekommen und so bin ich nicht nur um dutzende Broschüren, sondern auch um zwei Bücher, zwei Mützen, ein Holzschiff als Schlüsselanhänger, fünf Kugelschreiber, zwei Buffs, zwei Stofftaschen, Süßigkeiten und ein paar andere Dinge reicher. Das Highlight unter den Giveaways: warme Wollsocken aus Oulo!

Giveaways von der Reise

Arctic Explorer

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.

Auf der Brücke des „Arctic Explorer“

Sonntag morgen: Nach einem frühen und frugalen Frühstück im Hotel Pite Havsbad fuhren wir mit dem Bus an den Fluss Piteälven. Zu meiner Überraschung war der Fluss offen, aber das war weder die Strömung noch das warme Wetter, sondern der Eisbrecher „Arctic Explorer“, der den Weg für die Papierfabrik „Munksunds Pappersbruk“ offen hält. Und dieser Eisbrecher nimmt auch Touristen mit. Nachdem er noch ein großes Lastschiff vorbeigelassen hat, legte die Arctic Explorer an und wir gingen an Bord. Bald darauf nahm das Schiff Fahrt auf. Nicht in Richtung Meer, wie ich gedacht habe, sondern flussaufwärts.

Das Eis bricht

Auch wenn die „Arctic Explorer“ um einiges kleiner ist als die in Kemi beheimatete Sampo, auf der ich vor elf Jahren mitfuhr, so ist es dennoch ein Erlebnis zu sehen, wie der schwere Schiffsrumpf das dicke solide Eis bricht. Und für Touristen ist es ein besonderes Erlebnis, von Bord aus das solide Eis zu betreten. Leider ist mir das Besondere an solch einem Erlebnis ein wenig verloren gegangen, dazu habe ich in den letzten Jahren schon zu viele winterliche Ausflüge auf das Eis unternommen. Schade auch, dass wir nicht das offene Meer angesteuert haben, sondern statt dessen Blick auf die Fabrik hatten. Aber vielen Schweden fehlt das Verständnis dafür, was Touristen gerne sehen und erleben wollen.

BackbordbruchkanteDie Arctic ExplorerDie Passagiere betreten das EisDie Arctic Explorer

Fast zwingend zu einer „Eisbrechersafari“ gehört das Baden – schön geschützt in Überlebensoveralls, die einem ermöglichen, warm und trocken auf dem eiskalten Wasser zu treiben. Aber es gibt wohl kaum einen, der nicht sofort an die Teletubbies denkt, wenn plötzlich alle anfangen in den knallig orangefarbenen Anzügen herumzuwatscheln.

Teletubbies an LandTeletubbies im Wassersich treiben lassenPosing im Wasser

Erst hatte ich nicht vor, mit Overall bekleidet in die Ostsee zu steigen, schließlich habe ich selbst so ein Ding und habe es gerade am Vortag angewendet, um Eis und Eisschlamm aus dem Winterschwimmbecken zu entfernen. Doch dann viel mir ein, dass meine wasserdichte Kamera noch nicht zu ihrem Recht gekommen ist. Also habe auch ich mir einen der Anzüge angeworfen und bin mit der Kamera ein bisschen umhergepaddelt. Das vorige Photo ist so entstanden doch das nächste ist mein persönlicher Favorit aus der Reihe „Teletubbies in der Arktis“.

Zwei Welten

Aber der Tag war noch nicht zu Ende: Auf uns warteten noch Surströmming, eine gelbe Boje und ein Schloss ganz aus Schnee und Eis.

Ein Schloss aus Schnee und Eis

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.


Sonntag mittag: Nach unserer Fahrt mit dem Eisbrecher ging es mit dem Bus weiter nordwärts. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Luleå fuhren wir weiter zum nächsten Halt Törehamn. Auf der Fahrt bemerkte ich, dass mein Stativ weg war. Das verdarb mir doch ein wenig die Laune, nicht nur weil das Ding teuer war, sondern auch, weil ich nicht wusste, wie ich den Rest der Reise fotografieren sollte. Aber – det ordnar sig – wie man hier sagt. Zum einen hatte ich noch ein Einbein dabei, zum anderen wurde das Stativ gefunden und ich konnte es am Dienstag bei der Rückreise in Piteå abholen.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja: Törehamn. Von diesem Ort hatte ich noch nie etwas gehört. Seglern hingegen ist er geläufig, da dort eine Boje die nördlichste Stelle der Ostsee markiert und es dazu gehört, diese Boje zu umsegeln. Wir sind brav um die Boje herumgelaufen und haben dann noch ein Gruppenfoto gemacht. Danach gab es erst den berühmt-berüchtigten Surströmming zum Probieren, aber wenn man nicht dabei war, wie die Dose mit der stinkenden Lake geöffnet wird, kann ich die Verköstigung nicht ganz ernst nehmen, denn das gehört einfach mit dazu. Drinnen durften wir dann noch Leckereien mit Fischrogen – einer lokalen Spezialität – und mit Rentierfleisch probieren. Da es recht spät war und wir noch kein Mittagessen hatten, waren die mundgerechten Happen mehr als willkommen.

Die Boje bei TörehamnGruppenfoto (Foto: unbekannt)Surströmming schnuppern„Rom“ – Fischrogen

Dann ging es weiter nach Haparanda/Tornio. Haparanda liegt in Schweden, Tornio in Finnland. Andere Währung, andere Sprache, andere Zeitzone. Wir haben dort aber nur den Busbahnhof, ein Grenzschild und das Einkaufszentrum zu sehen bekommen und ich habe auf das Fotografieren verzichtet. Da war der nächste Halt schon interessanter:

Das Eisschloss in Kemi. Dort war ich 2003 schon einmal und fand es damals ein bisschen langweilig. Inzwischen hat man das Eisschloss aber wesentlich weiterentwickelt und die Skulpturen aus Schnee und aus Eis sind wirklich sehenswert. Hier bekamen wir ein spätes Mittagessen und hatten viel Zeit, uns in Ruhe umzuschauen.

Eisskulptur am Eingang

Das Eisschloss in KemiBlaue EishalleDie EiskapelleRestauranttisch

Schneerelief

Die HochzeitssuiteIch pose am „Kamin“ – Foto: Muriel Françoise

Aber der Tag war noch nicht zu Ende: Wir fuhren weiter nach Oulu, wo wir auch den nächsten Tag verbringen sollten. Auf dem Programm stand erst die Finnische Dampfsauna, die nicht so heiß, aber sehr feucht ist, da ständig wieder Wasser auf den Ofen gegossen wird. Da Frauen und Männer getrennt saunieren gingen, gab es das Abendbrot erst um elf Uhr. Aber das war es wert!

Timo KinnunenIm Programm stand etwas von Akkordeonmusik und ich war sehr gespannt, ob wir eher finnischen Tango oder Schunkelwalzer zu Gehör bekommen werden. Beides falsch. Nach einem hervorragenden Vor- und Hauptgericht spielte uns Timo Kinnunen erst einige romantische Stücke, dann eine barocke Komposition und als Höhepunkt „Dinosaurus“, eine Avantgarde-Komposition von Arne Nordheim mit Zuspielung vom Band. Meiner Meinung nach mit die beste Musik, die ich je zu einem Abendessen geniessen durfte, auch wenn meine Begeisterung nicht von allen geteilt wurde. Ich hoffe, Timo auch mal in einem regulären Konzert erleben zu dürfen, denn er ist ein herausragender Musiker, spielt viel improvisierte Musik in Berlin und ist Professor an der Musikhochschule in Oulu.

Ein wirklich schöner Abend, aber dennoch war ich froh, als ich endlich ins Bett fallen durfte, denn dieser Tag war lang. Morgen würden wir als erstes eine Fahrradtour unternehmen …

Hailuoto

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.

Oulu: Skulpturen am RathausOulu: finnische Spezialitäten in der Markthalle

Einfach ein FahrradMontag morgen: heute stand eine Fahrradtour auf dem Programm. Oulu, die größte Stadt in Finnlands Norden, hat über 600 Kilometer Radweg und es ist völlig normal, auch im Winter Fahrrad zu fahren. Ob als Student zur Uni oder auch von Meeting zu Meeting. Eine kleine Gruppe von uns ist mit einem Fahrradguide und einer Stadtführerin dann vom Hotel zur Innenstadt geradelt. Man schaue sich das Rad des Fahrradguides an: Keine Handbremse, keine Gangschaltung, einfach ein Fahrrad. Das wäre in Deutschland vermutlich unvorstellbar. Es ist schön, eine Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden. Man ist viel näher dran und es ist viel einfacher, kurz anzuhalten und sich umzuschauen als bei einer Stadtrundfahrt mit Bus. Leider hatten wir aber wenig Zeit, denn unser heutiger Plan galt der Insel Hailuoto, einer ganzjährig bewohnten Insel, die über eine kostenlose Fähre an das allgemeine Straßennetz angebunden ist.

Da ich aber eine dicke Kamera in der Hand hatte und Fotos machen sollte, durfte ich mit einigen anderen das Luftkissenboot der Küstenwache benutzten, um zur Insel herüberzuhovern. Das geht um einiges schneller als die Fähre und es war spannend, mal in so einem Fahrzeug drinzusitzen. Bloß mit den Fotos – auch an diesem Tag war es grau und trüb und dementsprechend sehen die Fotos aus.

Das Luftkissenfahrzeug der Küstenwache

Auf dem Weg nach HailuotoDer Antrieb: ein großer PropellerVor uns die AutofähreAngelegt

Großer Reichtum ist mir nicht sonderlich wichtig. Aber sollte mir ein Blogleser mal ein paar Millionen schenken, dann könnte ich mir vorstellen, ein Luftkissenfahrzeug zu kaufen. Ein verlockender Gedanke, das ganze Jahr auf der Ostsee unterwegs sein zu können, unabhängig von der Eislage. Aber verlassen wir meine etwas dekadenten Gedanken und kehren zur Insel Hailuoto zurück, wo bald auch unser Reisebus mit der Autofähre ankam.

Die erste Aktivität: Eisfischen. Davor gab es Suppe und natürlich Kaffee. Dann ging es mit Sampo, dem Eisfischer aufs Eis hinaus zu seinen unter dem Eis hängenden Netzen.

KaffeepauseSampo auf dem Weg zum Fisch

Sampo ist ein geborener Entertainer. Er strahlt in die Kamera, verbreitet direkt gute Laune und ist sich nicht zu schade, sein inniges Verhältnis zum Fisch auf seine eigene Weise zu präsentieren.

Sampo Marjaniemi

Viele Fische sind ins Netz gegangenFischen hinter dem selbstgebauten WindschutzEin Teil des heutigen Fanges

Fischkuss

Dann ging es weiter nach Marjaniemi, einem kleinen Fischerstädtchen, welches bestimmt fotogener wäre, hätte man nicht auf die Mole drei dicke Windräder gebaut und den Radarturm direkt neben den Leuchtturm. Wenn dann zudem noch der Schnee schmilzt, kann der Ort ganz schön trübe aussehen aber immerhin kam – irgendwo draußen am Horizont – ein bisschen die Sonne heraus und zauberte zum ersten Mal auf der ganzen Reise ein kleines bisschen Farbe an den grauen Himmel.

MarjaniemiMarjaniemiEine Außentoilette?Ein Hauch von Sonnenlicht

Weiter draußen auf dem Ostseeeis konnte man Eiswälle sehen, die ich liebend gerne fotografiert hätte, aber wir hatten nur eine halbe Stunde, denn die Autofähre wartet nicht auf uns.

Ich habe wieder nicht die Fähre genommen, sondern bin mit dem Auto mitgenommen worden. Denn wenn das Eis 40 cm beträgt, wird eine Straße auf dem Ostseeeis markiert. Mit Verkehrsschildern und allem. Man tut gut daran, sich an die Tempolimits zu halten, denn auch an der Eisstraße gibt es Radarkontrollen. Diese Fahrt war ganz schön hoppelig, denn das Tauwetter hat das Eis weich werden lassen. Und wir sind durch so manche Riesenpfütze gerollt, die letzte so groß, dass die Bugwelle kübelweise Wasser auf die Windschutzscheibe geworfen hat.

Die Eisstraße nach HailuotoEisstrasse im Gegenlicht

Wir haben noch einen Abstecher nach Liminka gemacht, wo sich ein großes Vogelschutzgebiet mit einem Beobachtungsturm und einem sehr schönen Museum befindet und sind dann wieder nach Oulu gefahren. Nach einer kurzen Pause gab es noch ein abschließendes Dinner. Während die meisten danach noch in eine Bar weitergezogen sind, hat mein Hotelbett laut nach mir gerufen und eine Taxifahrt später war ich im Hotel und bald auch schon am Schlafen.

Am Folgetag sind die meisten Journalisten zurück in ihre Heimatländer geflogen, während wir aus Skellefteå mit dem Bus zurückgereist sind.

Fazit: Eine schöne intensive Reise mit netten Leuten und fürchterlichem Fotowetter. Ein, zwei Programmpunkte weniger hätten der Reise aber ganz gut getan. Ein, zwei Nachtische weniger hätten meinem Bauch aber ganz gut getan, aber das Essen war einfach zu lecker.

Besuch beim Weihnachtsmann

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Winterschwimm-Weltmeisterschaft in Rovaniemi.

Rovaniemi liegt fast am Polarkreis, bloß ein paar Kilometer südlich. Am Polarkreis selbst, da wohnt Joulupukki, der Weihnachtsmann! Es können noch so viele behaupten, er lebe am schwedischen Siljansee, im grönländischen Städtchen Uummannaq oder gar am Nordpol – nein er wohnt in Finnland am Polarkreis.

Hier wohnt also der Weihnachtsmann

Da wir von der Presse kommen, und der Weihnachtsmann und seine Elfen durchaus aufgeschlossen sind, bekommen wir erst einmal eine Führung durch das Postamt. Als aller Welt kommen Briefe an, im letzten Jahr waren es ungefähr fünfhunderttausend. Da Joulupukki die Briefumschläge nicht mehr braucht, verkaufen seine Elfen diese zu Gunsten von UNICEF. Ich habe eine Packung gekauft und darin Briefe mit so schönen Anschriften wie „Santa Claus, North Pole“ aus Hongkong oder „Per Babbo Natale“ aus Italien gefunden. Und all die Briefe kommen an, da muss ich mit „Olaf the German“ noch kräftig an meiner Popularität arbeiten.

Weihnachtspost aus 198 LändernBriefe an den Weihnachtsmann

Noch einen Kaffee (oder für mich einen Kakao), dann durften wir zum Weihnachtsmann höchstpersönlich. Wir haben rote Westen mit der Aufschrift „Official Press – Santa Claus Office“ bekommen und durften dann durch einen geheimnisvollen Tunnel laufen, bis wir in der großen Kuppel mit dem Erdrotationsgeschwindigkeitsregulator standen. Dort durften wir warten, denn Joulupukki lässt sich für jeden Zeit. Die anwesenden Kinder waren überraschend still und auch wir fragten uns, ob wir wohl artig genug waren. Vanilla, die Elfe unterhielt sich noch mit einigen Kindern, dann standen wir vor dem geheimnisvollen Eingang.

Kaffee und Kakao im samischen ZeltVanilla,  die Elfe

Und dann war es an der Zeit: Wir wurden zum Weihnachtsmann vorgelassen. L. war ein bisschen nervös, er erzählte mit etwas schlechtem Gewissen, dass er sich seinen Enkeln gegenüber als Weihnachtsmann ausgegeben hat, aber dieser hat ihm nicht nur verziehen, sondern sich sogar für die Hilfe bedankt.

Normalerweise darf man keine Fotos machen, das erledigt der Fotowichtel, der leicht erhöht mit seiner Blitzanlage hockte. Aber wir als offizielle Presse durften fotografieren. Das erste Foto zeigt mein Foto, das zweite hat der Fotowichtel gemacht und ins Internet gestellt.

Joulupukki – Santa Claus – der WeihnachtsmannNordwärts beim Weihnachtsmann

Nun sollte es klar sein, der Weihnachtsmann heißt Joulupukki und lebt in Finnland am Polarkreis. Mein Foto dürfte Beweis genug sein.

Ich als bezahlter Redner

Heute habe ich das erste Mal eine Rechnung für einen gehaltenen Vortrag geschrieben. Klingt toll, oder? Da sollte ich vielleicht dazu schreiben, dass ich 500 Kronen, also 55 Euro in Rechnung stelle. Das reicht noch nicht ganz, um alleinig auf Vorträge zu setzen, glaube ich.

Am Montag war das „Bothnian Bay Marine Forum“, eine Reihe von Boundless Botnian Bay, dem gleichen Projekt, dem ich Anfang Februar als Journalist die Küste entlang nach Oulu in Finnland folgen durfte, in Skelleftehamn. Es war schön, einige Menschen wiederzutreffen, nicht nur Freunde und Bekannte aus Skellefteå, sondern auch die Organisatoren aus Finnland und einen Journalisten aus Spanien, der im Februar auch mit dabei war.

Nach der Begrüßung habe ich eine viertel Stunde darüber erzählt, warum ich hier gelandet bin, es mir immer noch gefällt und ich so ziemlich alle Einheimischen für „hemmablind“ – betriebsblind halte. Der Vortrag ist gut gelaufen und da ich ziemlich am Anfang dran war, konnte ich mich dann bequem zurücklehnen und den anderen zuhören, unter anderem dem phantastischen Bill Taylor aus Schottland, der seit 30 Jahren im Tourismus arbeitet und einen sehr inspirierenden Vortrag über den Tourismus in Schottland gehalten hat. Oh, oh, da haben wir in Nordschweden noch viele Jahre Arbeit vor uns!

Lasse Westerlund hat alle Vortragenden fotografiert und heute habe ich einige Fotos bekommen, die er von mir gemacht hat. Sich selbst auf Fotos in so einer Situation zu sehen ist ähnlich irritierend wie die eigene Stimme als Aufnahme zu hören. Das soll ich sein?! Ich habe die dümmsten Gesichtsausdrücke ausgesucht:

Vortrag #1 (Foto: Lasse Westerlund)Vortrag #2 (Foto: Lasse Westerlund)Vortrag #3 (Foto: Lasse Westerlund)Vortrag #4 (Foto: Lasse Westerlund)

Nächstes Mal muss ich mich unbedingt auf Video aufnehmen. Das wird zwar kein reines Vergnügen sein, sich so von außen zu sehen, aber man kann glaube ich eine Menge über sich selbst lernen.

Um fünf war der offizielle Teil vorbei und wir sind bei schönstem Sommerwetter vom Maskinhuset das kurze Stück herüber zur M/S Stormvind herübergelaufen, einem Schiff, welches fest verankert in Skelleftehamn liegt, und haben dort ein sehr leckeres Abendessen bekommen, während draußen die Segelboote den Wind auf dem Sörfjärden nutzten. Dort war ich gerade einige Tage zuvor mit dem Kajak unterwegs gewesen. Nach einem leckeren Eis mit Moltebeeren als Nachtisch war Aufbruch und wenige Minuten später war ich wieder zu Hause. Es hat sich definitiv gelohnt, den halben Tag frei zu nehmen.

Segelboote auf der Bucht

Nordkalottenreise II

Hoppla, über drei Wochen ist es schon her, dass ich von meiner Nordkalottenreise zurück bin. Eigentlich wollte ich bis Ostern unterwegs sein, aber zum Schluss hatte ich doch mehr Lust, noch einmal zwei Wochen zu Hause zu sein, ehe ich mich mit Annika und einer Freundin von ihr zur Osterwoche in Äkäslompolo in Finnland zum Skilanglauf treffe. Am früheren Tourende war auch der Winter schuld, der sehr viel Tauwetter und Plusgrade mit sich brachte – Dinge, die ich im Winter nicht haben möchte.

Aber viele schöne Erlebnisse hatte ich dennoch. Hier noch eine kleine Auswahl der englischen Artikel auf way-up-north:

Wer möchte, kann auch alle Artikel am Stück lesen: Nordkalotten 2015 (Das ist eine lange, lange Seite, die braucht ein bisschen zum Laden!)

Jetzt ist keine weitere Reise in Sicht und ich bin erst einmal wieder zu Hause in Skelleftehamn. Auch mal schön, ein eigenes Bett, eine Badewanne und meinen Flügel um mich herum zu haben. Und am Dienstag geht es auch wieder richtig mit der Arbeit los.