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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Auf dem Wasser

Wie gut, dass ich heute recht früh mit der Arbeit aufgehört hat, denn Staffan, mein Nachbar wollte heute das erste Mal dieses Jahr mit dem Boot zur Insel Bredskär fahren. Und ich konnte mit! Mit dem Auto fährt man keinen Kilometer zu der kleinen Bucht, wo die Boote ins Wasser gesetzt werden und ich war erstaunt, wie schnell so ein Boot, welches eben noch auf dem Hänger festgezurrt war im Wasser schwimmt. Ein Nachbar, der auch mit war, hat aber auch mitgeholfen, während ich gar nicht so genau wusste, wo ich jetzt mithelfen kann. Da habe ich halt fotografiert …

Im Boot fuhren wir in den kleinen Tunnel unter dem Näsuddsvägen hindurch und waren dann auf der Killingörviken, der Bucht, auf der vor zehn Tagen noch die Eisfischer saßen. Dann hat Staffan beschleunigt – erstaunlich, wie schnell so ein Boot sein kann – und außerhalb der Bucht haben wir uns Backbord gehalten. Staffan hat den Nachbarn auf einer anderen Insel abgesetzt und wir sind dann zu zweit zu seinem Bootssteg auf Bredskär gefahren. Die letzten zehn Meter haben etwas gedauert, denn am Ufer war das Eis noch ganz schön dick. Immer wieder hat Staffan das Boot zurückgesetzt, um es mit Schwung auf das Eis aufsetzten zu lassen, bis dann mit ein bisschen Geruckel das Eis unter dem Gewicht des Bootes gebrochen ist und wir über den Bug auf den Steg steigen konnten.

Das letzte Mal war Staffan vor zweieinhalb Wochen auf der Insel. Mit dem Schneeskooter! Dieses Jahr verschwand das Eis einfach besonders schnell.

Kurz danach kam ein Freund vorbei – der letzte Berufsfischer hier in Skelleftehamn – und wollte die letzten Meter übers Eis gehen. Dabei ist er dann prompt bis zur Hüfte im Eis eingebrochen und hat sich erst einmal wieder ins Boot zurückgezogen. Sein Hund schaute dabei interessiert zu.

Auf der Insel hat mit Staffan seine Stuga gezeigt. Selbst ohne die ganzen Nebengebäude ist das Sommerhaus um einiges größer als es meine Einzimmerwohnung in München war. Und total schön und gemütlich. Nach kurzem Aufenthalt sind wir dann zur Nachbarinsel übergesetzt, wo wir den Nachbarn „ausgesetzt“ haben und haben zusammen seinen Bootssteg wieder aufgebaut. Nach einer kleinen Runde mit dem Boot, um zu sehen, wo noch festes Eis ist, haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht. Und genau so schnell, wie das Boot ins Wasser gesetzt wurde, lag es auch wieder auf dem Bootsanhänger.

Jetzt ist es klar: Ich will ein Kajak! Jetzt! Sofort! Und einen Bootswagen, damit ich zu Fuß zum Ufer laufen und dort das Boot ins Wasser setzen kann. Gleich schaue ich mal bei Blocket, dem Internetgebrauchtmarkt, ob jemand hier in der Region etwas anbietet.

Nachtrag:

Jetzt ist auch ein kurzes Video vom Anlanden online.

Drei Tage

Montag

Nach der Arbeit gehe ich zu Freunden und Martin gibt mir die vierte Kochstunde. Wir machen Schweinefleisch mit Zwiebelsoße und Salzkartoffeln. Ich bekomme dann immer das Lob für das Essen, aber ohne die Anweisungen Martins wäre es nur ein Zehntel so gut.

Danach fahren wir zu mir und machen ein bisschen Musik. Martin singt und wir haben in zwei Wochen einen ersten kleinen Auftritt. Das Repertoire besteht aus verschiedenen schwedischen Liedern.

Dienstag

Am Abend fahre ich nach Ursviken zum Kanuklub, wo ich zu einem Schnupperkurs Kajak angemeldet bin. Leider lernen wir in der Zeit nicht mehr, als das man das Paddel locker mit beiden Händen hält und wie man einsteigt. Dann machen wir eine Drei-Kilometer-Tour flussaufwärts. Ich habe schon ein-, zweimal in einem Kajak gesessen und es ist schön, wieder auf dem Wasser zu sein. Nur das Kajak könnte ein bisschen größer sein, ich passe kaum herein.

Ich bin das erste Mal wirklich auf die blöden Parasiten im Wasser sauer. Ihretwegen hat nämlich das Hallenbad in Skelleftehamn geschlossen. Und deswegen kann der Verein dieses Jahr keinen Kajakkurs anbieten. Und draußen ist das Wasser noch zu kalt, um dauerhaft Übungen zu machen, bei denen man die halbe Zeit im Wasser hängt. Mist!

Mittwoch

Um zehn hatte ich einen Termin beim Finanzamt. Ich möchte parallel zu meinem Angestelltendasein auch selbständig arbeiten, hauptsächlich in den Bereichen Musik und eventuell Fotografie. Das ganze ist eigentlich recht einfach, aber ich war froh, eine geduldige Beraterin zu haben, die sich auch durch mein „Det förstår jag inte“ – das verstehe ich nicht nicht aus der Ruhe bringen konnte.

Mittags habe ich mich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael getroffen, mit denen ich im Februar den Winterschwimmwettbewerb in Finnland besucht habe. Wir haben über die „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ gesprochen, die sich zum Ziel gesetzt hat, besondere Konzepte, in denen die Kälte und Dunkelheit des Winters eine Rolle spielt zu entwickeln. Auf deutsch heißt der Verein in etwa „Verein für die frohen/fröhlichen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Abends war ich zwei Stunden mit Rasenmähen beschäftigt. Unfassbar, wie das Gras in den knapp zwei Wochen seit dem letzten Mähen schon wieder gewachsen war. Drei gehäufte Schubkarren habe ich in den Wald gefahren, wo alle Bewohner einen gemeinsamen Kompostplatz haben. Ich mag es ja auch gerne, wenn das Gras länger ist, aber das mögen die Mücken auch. Der Rasenmäher und die Nachbarn hingegen weniger.

Als ich mit meiner Arbeit fertig war, ging die Arbeit im Hafen aber noch weiter. Dort liegt die Ocean Adventure, die in den nächsten zwei Tagen entladen wird. Einige Tage vorher hat das Unternehmen Kuusakoski Recycling knallrote Zettel in die Briefkästen geworfen, auf denen genau steht, was passiert und dass man willkommen ist, bei Fragen anzurufen.

Donnerstag

Heute ist frei. Wie schön. Deswegen zähle ich heute auch nicht zu den drei Tagen mit dazu.

Urlaub: Skellefteå

Die ersten 72 Stunden Urlaub mit Sonya:

Sonnenuntergang am Meer · Fischadler über dem See · Lachsfrühstück · Fahrradtour · am Strand liegen · im a****kalten Meer baden · Fotografieren · Grillen · Couscoussalat machen (Sonya) · mit Live-Klaviermusik wecken (ich) · Freunde besuchen · Markt in Burträsk · Sommerwärme · Privatführung in der Kirche mit Schwerpunkt Orgeltechnik · Pause auf der Insel Smedjeholmen · Fika mit Waffeln · kleine Runde mit dem Kanu (Kanadier) · Grillen (geht auch zwei Mal) · Abend mit Freunden · Nachts um halb drei am See · leckeres Frühstück · mit den Hunden toben · mit dem Kanu über den Göksjön zum Sandstrand · im See Baden · die ersten Walderdbeeren · zurück in Skelleftehamn · nochmals im Meer Baden · Kochen. Ich finde, das ist ein guter Anfang.

Mehr schreibe ich jetzt nicht, denn ich hab Urlaub.

Ach ja, Fotos gibt’s auch:

Sommer in Norwegen · Teil 2: Lofoten

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der zweite Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Nun sind wir auf dem Weg nach Bodø, um uns die Lofoten anzuschauen und dann die Vesterålen zu erreichen, wo wir Freunde besuchen.

Früh aufgestanden sind wir, damit wir auch ja die Zehnuhrfähre von Bodø nach Moskenes auf den Lofoten erwischen. Die Fähre haben wir zwar erwischt, aber leider war kein Platz mehr für uns frei. Also haben wir uns ein paar Stunden Bodø angeschaut (Mit Schwerpunkt auf das Kafé Kafka) und dann die 15:30-Fähre genommen. Auf der mehrstündigen Überfahrt war es zwar kühl, aber wir waren die ganze Zeit draußen, zu schön war der Blick auf die immer näher kommenden Lofoten, die man schon von Bodø aus sehen konnte.

Als wir an Land waren, sind wir nach Süden zur Stadt Å gefahren (ja, die heißt wirklich so). Dann habe ich wieder das Steuer übernommen und teilweise ganz schön geschwitzt, denn auf den engen, kurvigen und bergigen Strässchen fahren die Einheimischen ganz schön schnell und ich war froh, dass die Hauptstraße E10 doch ein bisschen breiter war.

Schade war, dass die Wolkendecke teilweise so niedrig war, dass die meisten Bergspitzen verhüllt waren und bei den Regenschauern habe ich die vielen Reiseradler nicht wirklich beneidet. Auf einen Tipp von René haben wir einen sehr schönen Campingplatz in Utakleiv im Westen der Insel Vestvågøya gefunden, von dem wir eine herrliche Sicht auf die Mitternachtssonne haben sollten. Aber die Wolken hatten auch hier ein Wörtchen mitzureden …

Auf dem schönen Campingplatz am türkisblauen Meer waren nicht nur Menschen, auch die Schafe schienen sich hier sehr wohl zu fühlen.

Ein paar Worte zwischendurch zur Landschaft: Ich war noch nie zuvor auf den Lofoten und versuche gar nicht erst zu beschreiben, wie sehr mich Landschaft und Kultur beeindruckt haben. War für eine herrliche Region für Fotointeressierte wie mich! Ich werde bestimmt nächstes Jahr mit mehr Zeit zurückkehren, bin aber unschlüssig, ob ich dann mit dem Auto oder mit dem Rad unterwegs sein sollte. Aber bis zum nächsten Jahr ist ja noch ein bisschen hin.

Das Gute: Ich weiß jetzt, dass mein neues Zelt auch dann dicht hält, wenn es die ganze Nacht regnet. Und wir konnten sogar ohne Regen in Ruhe alles einpacken. Den Rest des Tages sind wir bei sehr wechselhaftem Wetter weiter nordwärts gefahren. Wechselhaft heißt aber auch, dass es teilweise richtig schön war, wie zum Beispiel, als wir im schönen Städtchen Henningsvær Pause gemacht haben. Dort haben wir auch bestätigt bekommen, dass man in norwegischen Restaurants sehr viel Geld lassen kann, selbst, wenn man nur ein Getränk bestellt … .

Nach der ausgiebigen Pause sind wir dann weiter Richtung Norden gefahren und abends in Fiskebøl angekommen, wo wir eine Stunde später mit der Fähre nach Melbu auf den Vesterålen übergesetzt haben. Aber das ist eine andere Geschichte …

Zum Abschluss noch ein paar Fotos, die ich in diesen zwei Tagen auf den Lofoten gemacht habe. Unsortiert, einfach für einen kleinen Eindruck.

Sommer in Norwegen · Teil 3: Vesterålen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der dritte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Inzwischen sind wir auf den Vesterålen, wo wir bei und mit Freunden herrliche Tage zwischen Entspannung (und gutem Essen!) und Bergtour erleben.

Nachdem wir mit der Fähre nach Melbu übersetzt haben und nun auf den Vesterålen waren, hatten wir es nicht mehr weit zu Julia und René. Die beiden sind letztes Jahr nach Norwegen gezogen und haben ziemlich schnell einen Hof gekauft, den sie jetzt renovieren. Vor dem Haus läuft die Straße, direkt dahinter liegt das Ruderboot alten Stils am Hadselfjorden. Hinter dem Haus liegen Moore, Wälder und Berge, die meisten gut zu Fuß erreichbar.

Schon gleich am ersten Tag sind wir – nachdem wir für eine Besorgung Renés mit dem Auto um fast die ganze Insel gefahren sind – bei recht grauem Wetter eine schöne, große Abendrunde über Moor und durch Wald gelaufen. Danach habe ich mich erst einmal mit Fieber ins Bett gelegt und einen Tag Auszeit genommen. Aber am Abend des zweiten Tages ging es mir schon wieder gut genug, um mit Sonya von René über das Meer gerudert zu werden. Was für ein Luxus!

Abends klarte es dann auf und der Vollmond leuchtete über den wolkenumhangenen Bergen der benachbarten Lofoten. Was für eine herrliche Stimmung, die ich leider mit der Kamera nicht wirklich einfangen konnte.

Die nächsten beiden Tage hatte Julia frei und wir konnten zu viert zwei sehr schöne Tagestouren machen. Am Samstag sind wir auf den Dalbotntinden gelaufen. Schon bald waren wir am Fuß des ersten hügeligen Berges, wo wir auf einem kleinen, fast unsichtbaren Pfad an einem Bach aufwärts stiegen. Julia und René waren über die Bartflechten begeistert, die hier auf einigen Birken wuchsen, daraus kann man nämlich Suppe machen, die dann nach Pilzen schmeckt. Denn Pilz ist ja der Hauptbestandteil des Doppelwesens Flechte.

Bald waren wir über der Baumgrenze, die liegt ja in diesen Breiten nicht sehr hoch und haben an einem herrlichen See Pause gemacht. Julia war in dem eiskalten Wasser baden, ich hatte als gute Ausrede, dass ich ja am Vortag noch krank gewesen sei. Über den heißen Kakao, den René an Ort und Stelle gekocht hat, haben wir uns aber alle gefreut.

Nach der Pause ging es höher und höher, bis wir schließlich auf dem breiten und bequemen Grat den Gipfel erreicht haben. Während die eine Seite ganz sanft abfällt, geht es auf der anderen Seite senkrecht in die Tiefe. Ein Berg mit zwei Gesichtern.

Auf dem Rückweg haben unsere Gastgeber dann Gelegenheit gehabt, Flechten für die nächsten zwanzig Suppen zu ernten, so viele wuchsen an den kleinen, krummen Birken. Auf der Insel gibt es auch keine Rentiere, denen man das Futter streitig macht. Da wir erst recht spät losgekommen sind, war es später Abend, als wir wieder zu Hause waren. Aber das macht ja nichts, denn die Sonne scheint 24 Stunden. Leider wieder hinter dichten Wolken.

Am Sonntag schien die Sonne, ein herrlicher Tag. Da wir dieses Mal noch später losgekommen sind, haben wir uns eine kürzere Tour ausgesucht und sind auf den Hallartinden gestiegen. Wir hatten einen herrlichen Blick, Sonnenschein und genug Schokolade. Da kann man schon einmal länger oben bleiben.

Und das ganze als scrollbares Panorama:

Aber irgendwann ging es wieder heimwärts, wo Julia Pizza im heißen Wohnzimmerofen gemacht hat. Und dies war eine der besten Pizzen, die ich jemals gegessen habe. Wahrscheinlich fühlte sich auch der Ofen verpflichtet, der kam nämlich aus Italien.

Sonya und ich haben inzwischen beschlossen, die Gastfreundschaft unserer Freunde noch einen Tag länger in Anspruch zu nehmen. Nach zwei Tagen Bergen wollte ich noch einmal ans Meer. Muscheln sammeln und Vögel fotografieren. (An alle, die Austernfischer fotografieren wollen: Nehmt einen guten Gehörschutz mit, die Vögel sind extreme Schreihälse.)

Nachdem ich am Meer war, wollte ich nochmal ins Meer. Mit Neoprenanzug, Schnorchel und Renés Unterwassergehäuse für die Kamera. Die Aktion war eher lustig als erfolgsgekrönt. Zum einen hat der Neoprenanzug einen so starken Auftrieb, dass ich überhaupt nicht abtauchen konnte. Zum anderen konnte ich mit der Tauchermaske durch den Kamerasucher rein gar nichts erkennen und habe nur blind abgedrückt. Aber wie gesagt – lustig war’s und so ist der im Auto mitreisende Overall wenigstens zum Einsatz gekommen.

Abends gab es dann eine Suppe aus Flechten. Nach traditionellem samischem Rezept gehört Rentiermilch dazu, wir haben uns mit Sahne beholfen. Es ist schon faszinierend, wie sich die gekochten Flechten von komischer Pampf zu leckerer Suppe verwandelt haben.

Am nächsten Morgen haben wir in Ruhe gefrühstückt, unsere tausend Sachen gepackt und weiter zu Björn Klauer in Innset gefahren. Auch dieser Weg – wunderschön. Spät am Abend gab es einen herrlichen Regenbogen, der sich über die schönen, grasgedeckten Häuser von Björns Huskyfarm erstreckte. Am nächsten Tag sollte unsere Wandertour losgehen, aber das ist eine andere Geschichte …

Vielen Dank an Julia und René für ihre Gastfreundschaft, die gemeinsam erlebte Zeit und auch für das gute Essen.

Kajaktour

Zwei Dinge hat Delle, der mich hier zwei Wochen aus Deutschland besucht hat, hier gelassen: Ein Kajak und einen Salzstreuer. Nun, seinen Salzstreuer hat er einfach vergessen, aber das Kajak blieb absichtlich hier: Ich hatte es kurz zuvor über einen Freund in Oldenburg gebraucht gekauft und Delle hat es auf seinem langen Kombi zu mir nach Skelleftehamn gefahren. Danke, Delle!

Nach einigen Wochen mit eher wechselhaftem Wetter war der heutige Samstag wolkenlos und auch relativ windstill. Ideales Wetter, um mich ins Kajak und das Kajak ins Wasser zu setzen. Zuerst habe ich Ersatzklamotten, Karte, Kompaß, Kamera und Handy wasserdicht gepackt und mit der Schwimmweste ins Kajak geworfen. Dann den Bootswagen drunter geschoben und das Kajak aus der Garage zum Killingören, der nächsten Einlassstelle gerollt. Dann bin ich zurück gelaufen, um das Paddel zu holen. Ich hatte es vergessen! Kommt daher der Begriff „Ich Döspaddel“?

Bald saß ich ich im Kajak und bin den Tunnel unter dem Näsuddsvägen in den Kallholmsfjärden gepaddelt.

Von da aus gibt es einen schmalen Durchlass nach Westen in den Kurjoviken (Danke, kartor.eniro.se für die ganzen Namen) Nach links hatte ich dabei Blick auf die Halbinsel Kallholmen. Die meisten Stellen kenne ich ja, aber vom Wasser aus ergeben sich noch einmal ganz andere Perspektiven. An einem kleinen Sandstrand habe ich einen kurzen Halt gemacht, aber eigentlich nur zum Fotografieren.

Dann bin ich entlang der Insel Rönnskär gefahren, die durch die Industrie, vor allem das Metallschmelzwerk von Boliden geprägt ist. Dies ist auch für mich Neuland gewesen, da man auf die Werksgelände natürlich nicht drauf darf. Sogar am Wasser standen überall Schilder, die das Betreten verboten. Am kleinen Leuchtfeuer am südöstlichen Ende habe ich dann die offene Ostsee erreicht.

Obwohl es windstill war, wurde die See hier doch ein bisschen wellig und kabbelig. Aber das Kajak liegt extrem stabil im Wasser und keine Welle hat es wirklich ins Kajak geschafft. Eigentlich fährt man ja mit Spritzdecke, aber ich hatte den Fotoapparat zwischen den Knien und da wäre ich sonst nicht dran gekommen.

Obwohl die Inseln sehr einladend waren, bin ich weiter an der Halbinsel Rönnskär entlang wieder in den Kallholmsfjärden gepaddelt. Zum einen ist es mir an der Stelle zu weit über das offene Meer, zum anderen hatte ich schon jetzt eine dicke Blase am rechten Daumen. Das nächste Mal doch Handschuhe?

Nach etwa zwei Stunden Fahrt und neuneinhalb Kilometern Strecke war ich wieder am kleinen Bootshafen, wo ich das Kajak wieder auf den kleinen Wagen gestellt und nach Hause gerollt habe. Was für eine herrliche Vormittagstour!

Heute Nachmittag war ich übrigens wieder in der Ostsee baden. Mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte, denn heute hatte das Wasser nur noch 13,3 Grad und war ganz schön kalt. Mir fällt hier beim Baden immer wieder auf, wie süß das Ostseewasser hier ist. Vielleicht hat Delle seinen Salzstreuer doch absichtlich hier gelassen.

Einmal um Storgrundet

Heute war das Wetter richtig schön und heute Vormittag habe ich – wie die meisten Nachbarn auch – im Garten gearbeitet. Aber am Nachmittag habe ich mein Kajak auf den Bootswagen gestellt und bin zu meinem Hausstrand gelaufen. Das Kajak lässt sich prima mit einer Hand hinter sich herziehen, auch wenn es rauf oder runter geht.

Dann bin ich einmal um die Insel Storgrundet gefahren. Das ist eine kleine Tour von nicht einmal vier Kilometern, aber ich fand sie sehr spannend, da ich die Gegend ziemlich gut von meinen Skitouren im Winter kenne, aber im Sommer noch nie dort war.

Was für ein Kontrast zu den Wintertouren, in denen manchmal alles im weißen Nichts verschwimmt. Jetzt fahre ich im knallroten Boot sitzend durch das tiefblaue Wasser und schaue auf die Inseln mit den teils grün, teils gelb gefärbten Herbstbäumen.

Und es ist warm. Heute Vormittag bin ich sogar draußen im T-Shirt herumgelaufen und unter der dicken Schwimmweste friert man eh nicht so schnell. Und selbst auf dem offenen Meer östlich der Insel rührt sich praktisch kein Windhauch.

Keine Stunde später bin ich wieder am Strand und nur noch ein paar Schleifspuren verraten, dass ich dort, wo ich sonst bade, eben ein Kajak an Land gezogen habe. Fazit: Eine schöne Nachmittags- oder Feierabendstour.

Oh, was für ein schönes rot*

Ist er nicht kleidsam, der Trockenanzug oder Überlebensanzug, den ich hier zum ersten Mal ausprobiere? So ein fesches rot, ein Anzug für alle Lebenslagen! Außer vielleicht für die Stadt, die Arbeit, zum Fahrrad fahren, am Computer sitzen, Klavier spielen, wandern, auf den Bus warten, Katzen streicheln, essen, DVD schauen, surfen (im Internet), schlafen, mit Freunden treffen, … aber ich schweife ab.

Ich war schon länger auf der Suche nach einem Trockenanzug zum Paddeln. Denn wenn das Wasser irgendwann nur noch 0 °C hat, möchte ich da nicht mehr mit normaler Kleidung hineinfallen. Leider kosten die richtigen, atmungsaktiven Trockenanzüge 600 Euro und mehr. Zu teuer für mich. Diesen Überlebensanzug habe ich für einiges weniger bei Ebay ersteigert. Er ist bestimmt nicht für lange Touren geeignet, dazu ist er zu klobig, aber um mal zur Insel Storgrundet herüberzupaddeln ist er allemal gut genug.

Heute habe ich in der Ostsee getestet:

1. Der Anzug alleine: Er ist wirklich perfekt wasserdicht, hält warm und gibt genug Auftrieb, dass man mühelos im Wasser treiben kann. Und mit den angesetzten Handschuhen lässt sich sogar die Kamera bedienen.

2. Mit Schwimmweste: Noch bunter, noch mehr Auftrieb. Sehr entspannend. Da muss man aufpassen, dass man nicht einschläft und sich am nächsten Morgen in Finnland wiederfindet …

3. Ohne alles, nur Badehose: Brrr ist das Wasser kalt jetzt. So um +10.5 °C. Also, im Anzug war’s wärmer! Noch schwimme ich meine zwanzig Meter oder so, aber wenn das Wasser noch weiter abkühlt, wird das Baden bald eher ein kurzes Eintauchen.

Nach dem Baden habe ich noch kurz die herrlich intensiv von der untergegangenen Sonne bestrahlten Wolken angeschaut. Einfach schön!

* Ein Zitat aus dem Asterixband „Kampf der Häuptlinge“

Storgrundet, Norrskär, Bredskär, Flottgrundet, Klubben und Brambärsgrundet

… so heißen die größeren Inseln, an denen ich heute vorbei gepaddelt bin. Größere Insel heißt hier eine Länge von 300 bis 1500 Metern und das Vorhandensein von Bootsstegen und Sommerhäusern. Die kleineren Inseln sind oft wenig mehr als steinige Untiefen, oft mit zwei, drei Bäumchen bewachsen. Zum Tee trinken und Pause machen sind sie aber herrlich.

Heute war mit Temperaturen um zwölf, dreizehn Grad und blauem Himmel ein überraschend schöner und warmer Tag. Aber während vor zwei Wochen noch alle Bäume Herbstkleidung trugen, sind viele Birken jetzt schon kahl. Der goldene Herbst ist also leider fast zu Ende. Jetzt bin ich gespannt, ob wir wieder einen frühen Winter bekommen (Im Vorjahr kam der erste Schnee am 14. Oktober, also sozusagen vorgestern).

Als ich das Kajak auf dem Bootswagen wieder zurück nach Hause gezogen habe, machte es plötzlich krach und der Bootswagen stand mit einem Rad weniger da. Der Splint, der das Rad auf seiner Achse fixieren sollte, hat sich wohl in Luft aufgelöst, denn ich habe ihn nicht wiedergefunden.

So sah meine Route heute aus (Auf der einen Insel bin ich mit GPS in der Tasche herumgelaufen):

Eröffnung der Kajaksaison

Mit den Skitouren zu den Inseln hat das dieses Jahr nicht geklappt, denn bis auf den höchsten Nordzipfel ist die Ostsee fast eisfrei. Aber wenn das Wasser schon offen ist, dann kann man ja vielleicht mit dem Kajak eine Runde drehen.

So dachte ich gestern und schaufelte den Schnee vor dem Garagentor weg (Mein Auto steht immer draußen). Dann bin ich in meine Garage eingebrochen, denn das Schloss war kaputtgegangen. Und heute habe ich das Kajak aus der Garage befreit, auf dem kleinen, kippeligen Bootswagen festgezurrt und mit einer Reepschnur an meinem Hüftgurt befestigt, der eigentlich zum Pulka ziehen gedacht ist. Dann hatte ich erst mal bei blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein einen halbstündigen Fußweg mit Kajak im Schlepptau zur Lotsenstation, denn dort kann man vom Eis aus das Kajak gut ins Wasser setzen.

Auf dem schneebedeckten Eis am Ufer lässt sich das Kajak am Besten wie ein Schlitten hinterherziehen, die Räder des Bootswagens bleiben stecken. Bald stand das Kajak an der Eiskante. Dort habe ich Handy, Kleidung, Kamera und mich selbst wasserdicht verpackt, bevor ich das Kajak ins Wasser gesetzt habe.

Es war herrlich, wieder auf dem Wasser zu sein. Natürlich war ich der einzige Verrückte, der am dritten März Kajak fährt und so war ich bis auf eine Möwe hoch oben am Himmel und einem Skooterfahrer weit weg an Land alleine unterwegs. Mit strammem Kajakpaddeln hatte das Ganze aber wenig gemeinsam. Zum einen habe ich als untrainierter Schreibtischarbeiter nicht gerade viel Armmuskulatur, zum anderen ist das Paddeln in dem steifen Neoprenanzug noch einmal ein bisschen anstrengender. Und warm wird einem in dem Ding! Aber es ist selbst bei dem ruhigem Wetter ein beruhigendes Gefühl, dass man, sollte man tatsächlich kentern, problemlos einige Stunden im Null Grad kalten Wasser aushalten kann und es warm und trocken hat.

Zuerst bin ich in Richtung Klubben – so heißt eine der Inseln – gepaddelt. Einige kleine Eisschollen trieben im Wasser und ab und zu machte es Rumms!, dann hatte ich wieder ein dickes durchsichtiges Stück Eis übersehen. Aus einem Haus auf der Nachbarinsel Bredskär stieg Rauch auf, dorthin kommt man wohl noch mit dem Skooter.

An einer großen Eisscholle habe ich kurz angehalten. Ich hätte mich vermutlich mühelos darauf stellen können, denn das Eis war mindestens 30 cm dick.

Da das Wetter ruhig war und fast kein Wind wehte, bin ich dann nach Süden abgebogen und zu der Insel Gåsören gepaddelt. Links lag das offene Meer, rechts hatte man Blick auf die Halbinsel Rönnskär. Auf Gåsören war ich noch nie und auch heute habe ich die Insel nicht betreten. Aber ich bin einmal herumgefahren und habe endlich mal den Leuchtturm von Nahem gesehen. Auf der dem offenen Meer zugewandten Ostseite war es ein bisschen welliger, aber die Wellen waren so lang, dass es auch für einen Kajakanfänger wie mich kein Problem dargestellt hat. Nur vom Ufer habe ich mich dort ein bisschen ferngehalten. Aber kaum war ich um die Südspitze herum, war das Wasser um einiges ruhiger. Mit einem gemütlichen Mix aus Paddeln und Treiben lassen habe ich dann wieder den Rückweg angetreten.

Es war überraschend leicht, wieder an Land zu kommen. Ich sah mich schon im Wasser stehen und das Kajak den halben Meter aufs Eis heben, aber ich konnte mich sowohl gut festhalten, als auch von Land aus das Kajak leicht wieder aus dem Wasser heben. Ich bin dann aber doch noch zu einem langen Bad gekommen, und das ging so:


Schon auf dem Rückweg hatte ich mich gefragt, wo eigentlich mein iPhone abgeblieben ist. Und als ich wieder an Land war, habe ich auch nach zweimaligem Komplettdurchforsten des Kajaks das Handy nicht gefunden. Ich wusste nur, dass ich es auf dem Eis wasserdicht verpackt hatte. In der Lotsenstation wurde es auch nicht abgegeben. Also habe ich mich wieder in den Trockenanzug geworfen und bin die ganze Uferlinie abgeschritten und -geschwommen. Nun weiß ich zwar, dass unter dem Eis flache aber weitausladende Hohlräume und ganze Eislabyrinthe sind, aber das Handy habe ich nicht gefunden. Lag es am Ufer und wurde gestohlen, ist es in einem Eislabyrinth, ist es versunken oder treibt es gerade nach Finnland – ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall war das extrem doof, zumal das Handy noch nicht einmal mir, sondern Hello Future, meinem Arbeitsgeber gehört.

Jonas und Leif von Hello Future blieben allerdings extrem gelassen, als ich ihnen leicht zerknirscht mein Missgeschick gebeichtet habe. „Dann kaufen wir am Montag eben ein neues“. „So etwas passiert“. Und jetzt habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich ein Handy verbummele und dafür ein neueres Modell bekomme. Nebenbei bemerkt mit einer besseren Kamera …

Zu Wasser und zu Lande

Während München heute mit Temperaturen von über 30 °C einen neuen Temperaturrekord für April aufgestellt hat, bin ich heute zwischen Eisschollen Kajak gefahren. Das heißt nicht, dass es hier wirklich kalt war, wir hatten heute mittag auch immerhin etwa 15 °C, aber der Wind hat – woher auch immer – wieder Eis in die Bucht geblasen.

Ich war ziemlich früh wach – Sonnenaufgang war ja schon um zehn nach vier – und war neugierig, ob man mit dem Kajak durch die Eisschollen zum offenen Wasser paddeln kann. Es ging, hat aber einige Zeit beansprucht. Da auch die geschützt liegenden kleinen freien Flächen zwischen den dicken Schollen einige Millimeter dick zugefroren waren, knirschte das Boot mit jedem Paddelschlag. Das neue Eis war immerhin dick genug, um das Paddel darauf abzulegen, aber leicht mit dem Kajak zu brechen. An manchen Stellen war es schwieriger, zwischen dem Eis durchzukommen. Manchmal half einfach Anlauf, um das Boot zwischen zwei Schollen zu bugsieren, manchmal habe ich mit den Händen kleinere Schollen weggedrückt oder mich am Eis entlang gehangelt. Nach einiger Zeit war ich dann tatsächlich auf dem offenen Wasser, aber schon so ausgepowert (Hallo Kondition, wo bist Du?), dass ich nur eine kleine Runde gedreht habe. Der Rückweg war einfacher, denn meine kleine Fahrtrinne war noch frei.

Ich hatte ohnehin meinen wasserdichten Anzug an, also habe ich der Neugier, ob man auch zu Fuß laufen kann nachgegeben. Ich musste ein paar Meter durch knietiefes Wasser waten, dann konnte ich auf das Eis steigen. Die großen Stücke halten einen locker und wackeln keinen Millimeter, wenn man auf ihnen läuft. Die kleinen Schollen hingegen sinken unter die Wasseroberfläche und es ist schwer, das Gleichgewicht zu halten. Schnell war allerdings der kurze Weg über das Eis zu Ende und ich bin zurückgelaufen. Die eine Eiszunge, die mich auf dem Hinweg getragen hat, ist allerdings auf dem Rückweg abgebrochen und ich stand im Wasser, welches dort allerdings nur hüfttief ist.

Nach einem warmen, sonnigen Tag hat sich der Himmel jetzt am Nachmittag zugezogen und es pladdert. Ich finde das allerdings schön, denn erstens muss ich heute nicht mehr raus und zweitens kann man wirklich zusehen, wie der Pladderregen den Schnee wegfrisst. Fast die Hälfte des Gartens hinterm Haus ist schon schneefrei und da lag vorgestern noch einiges.

Frühlingskajak

Es ist kaum zu glauben. Vor vier Wochen bin stand ich noch in Neopren eingepackt auf den großen Eisschollen, die der Wind in die Bucht getrieben hat. Heute bin ich im T-Shirt (und mit Schwimmweste) Kajak gefahren. Das Wasser ist noch sehr kalt, also habe ich mich nie weit vom Ufer entfernt und hatte auch Ersatzkleidung für den Fall der Fälle dabei. Aber Luft und Wasser waren so herrlich ruhig, dass ich nicht nur Storgrundet und Brambärsgrundet umrundet habe, sondern auch einen kleinen Abstecher nach Norrskär gemacht und dort auf den glatten Felsen Abendbrot gegessen habe.

Stellt Euch folgende Soundscapes zu den Bildern vor:

Stille – leise Wassergeräusche: glucksen, gluckern – Das Paddel taucht mit leisen Plätschern ein.

Hundert Möwen steigen auf und schreien, kreischen und schrillen. Einige weitere hundert Möwen gesellen sich zu ihnen. Die vielen hundert Schreie überlagern sich und vereinigen sich zu einem starken, großem Dauerton, der nur langsam wieder verebbt.

Auf der Insel – Stille – zwei Graugänse fliegen laut trötend vorbei – Flügelschläge – in der Ferne ein Motorboot – leichter Wind flüstert in der Ohrmuschel.

Zurück mit dem Kajak – mehr Vögel – Zwei Singschwäne, Enten, Möwen und Vögel, die ich nicht kenne steigen platschend, planschend und rufend vom Wasser auf.

Der kleine Strand, an dem ich gestartet bin, ist in Sicht. Ich nehme Anlauf, das Wasser platscht, Boot knirscht auf Sand. Eine herrliche Feierabendtour ist zu Ende und ich freue mich schon auf die nächste Kajakrunde.

In der Nacht sind alle Wolken grau.

Na, das war wohl nichts mit dem Venustransit. Nichts – nada – ingenting! So’n Sch***!

Der Sommer hat sich ja bis jetzt bei uns recht vornehm zurückgehalten. Am Samstag hat es bei 6 °C gestürmt und geschüttet wie nichts Gutes und viel schöner war der Sonntag auch nicht. Um so größer meine skeptische Freude, als die Wolkenvorhersage von klart.se für die nun vergangene Nacht ein Wolkenfenster ein paar Meilen weiter südlich prophezeit hat. Schön um zwei Uhr morgens zum Sonnenaufgang. Und dort sollte ja die Venus als kleines, schwarzes Scheibchen vor der Sonne sichtbar sein.

Unter wolkigem Himmel bin ich um halb eins mit dem Auto aufgebrochen und richtig – als ich gegen eins auf der E4 in Richtung Süden fuhr, schälte sich im Süden der fast volle Mond aus den Wolken. Eine Stunde später war ich auf der erhobenen Landzunge von Bjuröklubb. Mit mir waren dort Wolken, Nebelschaden, Hochnebel, Sprühregen, etwas mehr Sprühregen und kleine Wölkchen in lieblichen Grautönen. Die dickste Suppe am Horizont zeigte sich bei etwa 20°, also dort, wo ich eigentlich mit dem Aufgang der glutroten Sonne gerechnet habe und dem kleinen Scheibchen der Venus vor der farbigen Sonnenscheibe. Eine gute Stunde habe ich ausgeharrt und ein bisschen im Grauen fotografiert und mich nass nieseln lassen. (Warum nachts um drei die Küstenwache vorbei fährt, ist mir allerdings ein Rätsel). Dann habe ich aufgegeben. Wie schon geahnt, war auch auf dem Rückweg die Sonne genau null Picosekunden zu sehen. Jetzt ist es sechs Uhr morgens, ich bin irgendwo zwischen aufgekratzt und bleimüde und ein bisschen enttäuscht, dass ich nichts von diesem Schauspiel mitbekommen habe.

Auf der anderen Seite will ich mich nicht zu sehr beschweren. Die Nacht gehörte zwar nicht den Gestirnen, aber den Tieren. Ein Reh und einige Hasen waren am Waldrand zu sehen. Kraniche flogen mit gellendem Geschrei auf oder stelzten ruhig über den Acker. Singschwäne zogen laut trötend ihre Kreise und auf dem einen Strommast landete eine Eule. Und schließlich querten auch Elchmama mit Elchkalb die Straße und trabten über eine mit hohem Gras bewachsene Weide wieder in den Wald. Ich wette, sie wussten, dass meine Kamera im Kofferraum war, wie eigentlich immer, wenn ich Elche sehe.


Nun habe ich zwei Möglichkeiten, doch zu meinem Venustransit zu kommen: (1) Ich werde alt. Sehr alt. Uralt! Der nächste von der Erde aus sichtbare Transit findet 2117 statt. (2) Raumschiffe werden so günstig, dass ich mir das ganze vom All aus anschaue. (3) Ich sehe ein, dass weder 1 noch 2 sehr realistisch sind und freue mich auf den 9. Mai 2016. Da gibt es einen Merkurtransit. Und ehrlich gesagt, Merkur als Planet ist eh viel hipper!

Was für eine Woche

Juni ist der Monat, in dem der Nordschwede – also der Nordschwede an sich – merkt, dass bald Juli ist. Und Juli ist die Zeit, in der die meisten Urlaub nehmen und in ihre Sommerhäuser am See, im Fjäll oder auf der Insel fahren. Deshalb versuchen alle, in den Juniwochen das unterzubringen, was andere Nationen in einem halben Jahr veranstalten.

Neben dem Creative Summit, auf dem ich zwei Tage war, hätte ich letzte Woche unter anderem den Bootstag in Kåge besuchen, drei (!) bezahlte Klavierjobs spielen, und am Sommerfest meines Diskussionsclubs teilnehmen können. Ich hatte allerdings besseres vor, denn Christina, eine liebe Freundin aus München war seit Dienstag Nacht zu Besuch und so habe ich den Freitag freigenommen und die vielen Veranstaltungen den Schweden überlassen.

Über den Creative Summit selbst will ich gar nicht so viel schreiben. Es ist sehr schwer, die teils hervoragenden Vorträge von Rednern aus Schweden, Norwegen, Trinidad, den USA und Kanada gut zusammenzufassen und das soll auch nicht Thema dieses Artikels sein. Ich möchte bloss auf die hervorragenden Arbeiten von Jonathan Harris hinweisen und jedem Programmierer ans Herz legen, den Artikel Cold + Bold zu lesen, und zwar mindestens zwei Mal im Jahr.

Zum Creative Summit gehören allerdings nicht nur die Vorträge, sondern auch die Feste am Abend, bei denen man bis in die helle Nacht hinein (dunkel wird es ja nicht mehr) mit vielen unglaublich netten und interessanten Menschen ins Gespräch kommt.


Am Freitag Abend haben Christina und ich auf der Halbinsel Kallholmen gepicknickt, dabei hatten wir Sicht auf die Insel Kalkgrundet, die ich auch noch nicht kenne. Später hatten wir auch noch Livemusik, denn auch der Bootshafen hat den Juni genutzt, um ein Fest zu organisieren.

Am Tag darauf haben wir ein zweites Kajak vom Nachbarn geliehen und eine schöne Tour zur Insel Kalkgrundet gemacht. Dort haben wir alles aufgegessen, was vom Picknick des Vorabends übrig geblieben ist und ich habe mir den ersten Sonnenbrand geholt. (Man soll sich nie auf die Wettervorhersage verlassen, die Wolken ab 13:00 vorhergesehen hat.)

Gestern nachmittag habe ich Christina zum Flugplatz gebracht. Nichts liegt mir ferner, als hier eine deutsche Siedlung zu gründen, aber ich bin jedes Mal traurig, wenn ich wieder einen guten Freund, eine gute Freundin nach Deutschland entlassen muss. Vor mir aus können alle gerne hierbleiben – und ich meine, was hat München schon zu bieten …

Nun bin ich wieder alleine und nutze diesen Zustand, um die nächsten zwei Wochen viel zu arbeiten, denn dann gibt es eine gute Chance, dass auch ich – wie so der Nordschwede an sich – den ganzen Juli freinehmen kann.

Nachtrag: Was sonst noch war: Das erste Mal im Sommer baden · warmes Sommersonnenwetter · Spaghetti mit Elchbolognese · nächtliches Baustellenchaos rund um Umeå · der Flieder beginnt zu blühen · mitgebrachte Mozartkugeln

Midsommarafton

Und dann war er da – Midsommarafton, der Tag, an dem alle Schweden das Mittsommerfest feiern. Als ich nach dem Frühstück auf der sonnenbeschienenen Terrasse stand, habe ich einen Vogel singen hören, sonst war alles still. Denn fast die gesamte Straße ist verreist und verbringt das Fest mit Freunden auf ihren Sommersitzen. Und genau das habe ich auch vor.

Wie letztes Jahr habe ich wieder mit Annica und Martin gefeiert, dieses Mal bei Freunden von ihnen. Wir haben uns um elf bei deren Sommerstuga in Boviken getroffen und sind kurze Zeit später mit dem Motorboot in den Kågefjärden zur Insel Bastuholmen gefahren. Dort lagen am Anleger schon einige andere Boote und die Midsommarstång, eine nordische Verwandte des Maibaums, war auch schon aufgestellt und mit Laub geschmückt.

Bastuholmen – was für eine schöne Insel! Unter den hohen Kiefern leuchten grün die Blaubeerblätter und kleine Trampelpfade führen an großen Granitblöcken durch den Wald, der immer wieder Blick auf die blaue Ostseebucht freigibt.

Zum Mittsommer gehört zuerst das Mittsommeressen, das wir an einer langen Tafel einnehmen. Es besteht aus neuen gekochten Kartoffeln, hartgekochten Eiern, Knäckebrot, gesalzener Butter und vielen Arten Sill – eingelegtem Hering, den man in den Geschmacksrichtungen Dill, Zwiebel, Senf oder „Mittsommer“ kaufen kann. Dazu gehört ein Aquavit, den man nie für sich alleine trinkt, sondern immer dann, wenn ein Toast ausgebracht oder ein Trinklied gesungen wird. Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren, die man zu dieser Zeit überall literweise kaufen kann.

Ein wenig später gehen alle zur Mittsommarstång, bilden Kreise und tanzen singend um diese herum. Es gibt eine Reihe von diesen Liedern, die jeder kennt und keiner ist sich zu schade, die Hände an die Ohren zu legen, mit den Fingern zu wackeln und das Lied von den kleinen Fröschen zu singen:

|: Små grodorna, små grodorna är lustiga att se. :|
|: Ej öron, ej öron, ej svansar hava de! :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

|: Die kleinen Frösche, die kleinen Frösche sind lustig anzusehen :|
|: Keine Ohren, keine Ohren, keine Schwänze haben sie :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

Während es sich die meisten Erwachsenen an den vielen schönen Plätzen gemütlich gemacht haben, interessierten sich die Kinder mehr für „Godisregnet“ – den Bonbonregen.

Nach einiger Zeit sind wir mit dem Boot zurückgefahren und haben bis tief in die Nacht zusammengesessen, gespielt, geredet, gegrillt, gegessen und Rotwein getrunken. Wobei – was heißt schon Nacht. Die folgenden zwei Bilder habe ich um zwanzig vor elf und um zwanzig vor eins gemacht:

Nach den letzten Fotos wurde es wieder heller, aber ich habe schon bald das Bett angesteuert und auch die anderen Gäste verschwanden nach und nach im Haus, der kleinen Hütte, ihrem Boot oder dem großen Wohnmobil. Was für ein herrliches Mittsommerfest. Mittsommer feiert man nicht alleine und mein Dank geht an die Freunde, Freundesfreunde, Freundesfreundfreunde, Freundesfreundfreundesschwestern und überhaupt allen, die da waren. Es war schön mit Euch!

(Und auch, wenn ihr das nicht lest, die Gegeneinladung im Herbst steht. Dann zwar drinnen, aber mit Klaviermusik)

Endspurt

Ich sitze am Rechner und schreibe eine technische Dokumentation. Und das bei dem schönen Wetter! Aber das ist mein diesjähriger Endspurt vor den Sommerferien, denn Mitte nächster Woche soll die Dokumentation fertig sein. Und mein Urlaub beginnen.

Aber wenn es morgen wirklich den ganzen Tag regnen sollte, dann werde ich morgen arbeiten und vielleicht kann ich dann schon ab Montag freinehmen. Den ganzen Juli!

Mit mir haben so ziemlich alle zeitgleich frei, denn fast ganz Schweden nimmt um den Juli herum Urlaub, um den schwedischen Sommer zu geniessen und Licht und Wärme zu tanken. Irgendwann im August treffen sich dann alle wieder und erinnern sich daran, dass sie ja auch einen Job haben.

Drei Länder in 14 Tagen oder eine neue Anreisevariante nach Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Christina Tüschen.

Ein Anruf im Januar 2012: Olaf, ich bin im Juni in Tallinn, da könnte ich doch mal eben … vorbeikommen.
Kein Problem.

In Tallinn verbringe ich 5 wunderbare Tage mit meinem Chor, dann fahre ich mit der Fähre zu einer 2-Tages-Besichtigung nach Helsinki. Von dort geht es weiter mit dem Zug nach Tampere, wo ich eine finnische Freundin nach 10 Jahren wiedersehe und das Muminmuseum besuche. Dann wieder mit dem Zug nach Vaasa, wo ich schließlich die Fähre nach Schweden besteige. Trotz Vorwarnung meine ich mit dem schweren Rucksack die Strecke zwischen Bahnhof und Fährhafen zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Nach 14 Stunden (reiner Reisezeit von Tallinn gerechnet) und einer Zeitumstellung komme ich mitten in der Nacht in Umeå an. Aber was heißt mitten in der Nacht. Es ist noch so hell, dass man „auf der Straße Zeitung lesen kann“ (Ein Zitat meiner Großmutter, die Ende der 60er Jahre hier im Norden war). Und diese Helligkeit führt dazu, dass ich, die ich sonst gegen zehn Uhr müde werde, locker bis 3 Uhr nachts wach bleibe.

Die zwei Tage Creative Summit sind intensiv, interessant und „givande“, ich nehme viel mit, danke dafür! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir (wie Olaf) Jonathan Harris. Sein Vortrag und die Ausstellung haben den Schubs gegeben, begonnene eigene Projekte fortzuführen.
Toll ist es auch Olafs Freunde und Arbeitskollegen kennen zu lernen, auf dem Dach von 10 Merchant Street die Sonne untergehen zu sehen und wieder richtig in die schwedische Sprache einzutauchen.

Drei wunderschöne Ferientage folgen, das sonnige Wetter hält sich – wie auf Bestellung. Für mich verlängert sich bei dieser Reise der Frühling, prima zu sehen am Flieder, der in München schon am Verblühen war, in Helsinki in voller Blüte stand und in Olafs Garten gerade erst loslegte.

Da ich zuletzt vor anderthalb Jahren hier war, habe ich den direkten Vergleich zur Midvinter-Zeit, mit viel Schnee, Eis und Dunkelheit. Da wo wir jetzt baden, haben wir damals unsere Winterwanderung auf der zugefrorenen Ostsee begonnen und ich habe ein Bild zu dem Begriff Packeis bekommen. Wo wir jetzt Bockkäfern bei der Eiablage zusehen, haben wir auf dem zugefrorenen See Kubb gespielt. Und um 14 Uhr, wo wir uns jetzt den ersten Sonnenbrand holen, ging im Winter schon die Sonne unter.

Verrückt und schön diese Gegensätze.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Besuch, mal eben, egal zu welcher Jahreszeit.

Und sonst: Wecken mit Klaviermusik – ein Musikhörnachmittag, fast wie ein Mixtape aus früheren Zeiten – Baden bei 15 Grad und etwas weniger – zur Beatles-Coverband auf den Felsen rocken – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – zwischen großen Steinen ein Kajak rückwärts ausparken – Flugübungen mit dem Kleinen Gelben Monster – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – Marienkäfer-Umsiedelung auf Blattlausrosen – Enten mit Punkfrisur heißen Gänsesäger (ja, Reisen bildet).

Semester

Juli ist Urlaubszeit und wenn ein Schwede sagt, „Jag har semester“, dann will er einem nichts über sein Studium erzählen, sondern, dass er frei hat, denn semester ist das schwedische Wort für Urlaub.

Und ich? Jag har också semester! – Ich habe auch Urlaub. Den ganzen Juli! Und wie viel ich in dieser Zeit hier im Blog schreibe weiß ich noch nicht. Ich wünsche allen, die auch im Juli Urlaub haben trevlig semester! – schöne Ferien!

Das weite blaue Meer

Gestern nachmittag war so schönes Wetter, dass ich ein paar Sachen¹ gepackt habe, das Kajak aus der Garage geholt und nach Storgrundet gerollt habe. Mein Ziel war die Insel Flottgrundet, wo Nachbarn ihr Sommerhaus haben. Sie sagten, sie warteten darauf, dass ich mal mit dem Kajak vorbeikäme. Gerne doch!

Mein ursprünglicher Plan, am gleichen Tag wieder zurückzupaddeln, wurde von meinen Nachbarn schnell verworfen und durch einen besseren ersetzt: Ich solle doch einfach dableiben und im Gästehaus übernachten, dann könne ich auch wie sie Wein trinken. Gerne doch!

Bis spät in die Nacht haben wir Weißwein getrunken, über Menschen, Politik, das Universum und überhaupt alles diskutiert, Inselnachbarn besucht, den Hund gekrault und wir hatten es richtig schön. Auch wenn die Nächte schon ein bisschen dämmeriger werden, die Dunkelheit lässt noch auf sich warten und das nächtliche Licht über dem Meer ist wunderschön.

Heute habe ich mich nach einem gemeinsamen Frühstück wieder ins Kajak gesetzt und bin weiter gefahren. Im Schutz der Inseln war das Meer glatt, blank, klar und ruhig und ich konnte mich manchmal nicht entscheiden, ob ich einfach paddeln – ich mag diese Bewegungen, oder mich treiben lassen soll.

Auf der Außenseite der Inseln war dann das Wasser ein bisschen kabbeliger, aber immer noch ruhig genug, dass ich ohne Spritzschutz fahren kann. Das mache ich deswegen gerne, weil ich dann die Kamera in einer wasserdichten Tasche zwischen den Knien haben kann. Schon am morgen war es richtig warm² und mir war ganz schön warm im Kajak, als ich von den kleinen Wellen auf dem sonnenbestrahlten Meer hin- und hergeschaukelt wurde. Überraschend früh war ich schon am Nordufer der Insel Storgrundet angelangt und einige Minuten später war ich am Strand, wo mein kleiner Bootswagen³ schon auf mich wartete. Ein erfrischendes Bad hat diesen herrlichen Ausflug abgerundet.

Danke an meine Nachbarn für ihre großzügige Gastfreundschaft und die schönen Gespräche.

Ja, man könnte auch zu Google Maps oder Eniro verlinken, aber heute hatte ich Lust, eine kleine und herrlich ungenaue Skizze von meiner Kajakrunde zu zeichnen. Bitte schön:

¹ Paddel, Schwimmweste, Kappe, Ersatzkleidung, Kamera, Handy, Karte, Kompass, Wasser, Proviant, Spritzschutz, Neoprenfüsslinge, Jacke. Das meiste wasserdicht verpackt.

² Heute, 9:20. Skellefteå: 19 °C, Bremen und München: 13 °C – auch das kommt vor!

³ Ich hatte den Bootswagen in einem Gestrüpp geparkt. Als ich ankam, lag er mitten am Strand. Wie er da hinkam, ist mir allerdings schleierhaft.

Kurze Kajaktour

Heute hatte ich zwei Dinge, die mir das Leben im Kajak einfacher machen: Zum einen habe ich statt der unförmigen Bootsschwimmweste in Knatsch-Orange eine spezielle Kajakschwimmweste, die nur halb so groß ist und mehr Armfreiheit bietet. Zum anderen bin ich heute das erste Mal mit Steuerruder gefahren. Damit lässt sich vor allem Seitenwind sehr schön kompensieren.

Eigentlich wollte ich heute Gåsören ansteuern, aber zum einen war es ein bisschen welliger als erwartet, zum anderen kam es sehr grau daher. Die folgenden beiden Fotos habe ich direkt hintereinander gemacht:

Daher habe ich mich entschlossen, umzukehren. Auf dem Rückweg habe ich dann noch einige Fotos für ein Panoramabild gemacht. Erstaunlich, dass Photoshop die Einzelbilder zusammenfügen konnte.

Das Panorama ist scrollbar: Bewegt die Maus über dem Bild nach links, um zu sehen, wie dunkel es über der Halbinsel Rönnskär ankam.

Und wie es so ist – kaum war ich zu Hause, war der gesamte Himmel wieder blau.