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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Einkaufen

Heute überwiegend freundlich mit einem kurzen Schneeschauer. -8 Grad um halb zwei , jetzt zwei Stunden später -15 Grad. Es wird kälter.

Heute morgen bin ich mit dem Rad zu ICA gefahren, um Lebensmittel und Shampoo einzukaufen. Nachdem ich dann alles in die Küche gestellt hatte, habe ich ein Foto vom heutigen Einkauf gemacht. Ich glaube, zu Tomaten oder Apfelsaft brauche ich nichts zu schreiben, aber ein paar abgebildete Produkte gibt es in dieser Form meines Wissens in Deutschland nicht.

  • Hähnchen kann man hier schon zubereitet kaufen. Eine praktische Sache für Kochfaule wie mich.
  • Nygårda Hallonsoda ist eine Himbeerbrause, die ich vor kurzem wiederentdeckt habe.
  • „Gille havre“ sind leckere Kekse. Die gibt es auch in der 750-Grammpackung, aber das ist mir zu gefährlich …
  • Chicken Tikka Spice Mix ist eine erstaunlich gute indische Gewürzmischung.
  • Marabou ist hier die Schokoladenmarke. Heute: Milchschokolade.
  • Nöt & Bär mix, eine Art Studentenfutter. Das nehme ich gerne auf Tour mit.
  • a-fil ist ökologische Filmjölk, ein in Deutschland unbekanntes Milchprodukt, welches ich statt Milch zum Müsli esse.
  • Bregott liegt vom Geschmack irgendwo zwischen aus Butter und Margarine und ist gesalzen.

Heute nicht mit dabei: Brot (hell und weich, aber lecker wenn warm), Eier, Speck für Sonntagsfrühstück, Käse (meist in Kiloportionen verpackt), Schinken, Lakritz, Müsli, Blaubeermarmelade, Sill (eingelegter Hering) und manches andere …

Vor einem Jahr

Gestern vor einem Jahr hatte ich mein Vorstellungsgespräch bei Artopod in Skellefteå. Heute vor einem Jahr – am Dienstag kurz nach 10 – hatte ich die Zusage für den Job als Webentwickler. Ein ganzes Jahr ist das also jetzt schon her, dass ich wusste, ich würde nach Skellefteå gehen – eine lange Zeit. Ich habe mich an vieles schon gewöhnt: Städte mit mehr als 50000 Einwohnern sind wirklich groß, der Winter ist sehr lang und man spricht halt schwedisch.

Manche denken, ich sei ein mutiger Mensch, der sich eines Tages entschlossen hat, nach Schweden zu gehen und dann halt nach Schweden gegangen ist. Sie wissen nicht, dass ich seit Jahren immer wieder überlegt, geträumt, mich entschlossen, gezweifelt, geplant und Pläne wieder verworfen habe.

Auf der Seite „Geschichte“ schreibe ich ein bisschen über diese Jahre und wie es dazu gekommen ist, dass ich letztendlich in Nordschweden gelandet bin. Woher aber mein Faible für Winter, Schnee und Kälte kommt, das weiß ich auch nicht.

Und – ich wage es kaum zu sagen – obwohl mir der seit vier Monaten andauernde Winter immer noch gefällt, ich freue mich auch auf den Frühling: Auf Wärme, auf grüne Blätter, auf offene Seen, auf singende Vögel, sogar auf Regen. Auf Fahrrad fahren und auf kleine Wellen auf der Ostsee. Auf den kleinen Strand um die Ecke und die Melodie des Eiswagens. Und irgendeinen Tag werde ich zufrieden die kanadischen Stiefel und den Daunenparka in den Keller bringen und in den Frühling hinauslaufen.

Tauwetter

So phantastisch das Polarlicht in der vorletzten Nacht war, sonst sieht es draußen momentan nicht so schön aus. Schuld daran ist das Tauwetter. Vor einer Woche lag die Morgentemperatur noch bei -20 °C, aber seit einigen Tagen haben wir Plusgrade und gestern hatten wir sogar leichten Regen – das erste Mal wieder seit Oktober! Heute war es zwar wieder klar, aber so windig, wie ich es hier noch nicht erlebt habe. Bäume haben sich gebogen, Mülltonnen lagen umgeworfen auf der Straße und in der Nacht wurde eine Geschwindigkeit von 20 m/s gemessen, das ist knapp am Sturm vorbei. Und überall auf den verharschten Schneeflächen lagen heute Staub, Blätter, Samen, kleine Aststückchen und mehr.

Auf den meisten Fahrbahnen sieht man wieder Asphalt. Das liegt aber auch daran, dass Spezialfahrzeuge auch auf den kleinen Straßen die vereiste Schneedecke weggefräst haben. Das Zeugs liegt jetzt vor den Häusern, ist getaut und wieder zusammen gefroren und mit einer normalen Schneeschaufel auch beim besten Willen nicht wegzuräumen. Das Foto links habe ich gestern gemacht, heute ist der meiste Schnee von der Straße schon verschwunden.

In der Stadt war gestern Pfützen- und Schneematschwetter. Der nasse Schnee ist so richtig dreckig-braun; also das Weiß vor einer Woche hat mir besser gefallen. Und zum ersten Mal seit langem haben die Winterstiefel meine Füße nicht nur warm, sondern auch trocken gehalten.

Aber ich mache mir nichts vor, der lange Winter macht zwar eine Pause und zwei Grad Plus und blauer Himmel wirken wirklich frühlingshaft, aber vorbei ist der Winter noch lange nicht. Es dauert bestimmt noch vier bis sechs Wochen, bis der Schnee im großen Maße weg schmilzt und wahrscheinlich lache ich dann über diese Fotos.

Die Fahrradsaison ist eröffnet

Oh – war das herrlich, mal wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit in die Stadt zu fahren. Das erste Mal seit dem 8. November! Die schönen Abkürzungen durch den Wald sind noch zugeschneit, aber alle anderen Wege sind schon frei, auch der eine Fahrradweg am Ufer.

Auf dem Hinweg habe ich anfangs ein bisschen geflucht, da gab es nämlich steinhart gefrorenen Schneematsch mit tiefen Rillen, die einen überall hinführten, nur nicht geradeaus. Das war aber zum Glück schnell vorbei. Ich habe ganz schön lange für den Weg gebraucht, schiebe das aber einfach mal auf die langsameren Spikereifen, die Fotopausen und natürlich den ständigen Begleiter, den Gegenwind. Wie man sieht, bin ich nicht der einzige, der radelt.

Heute hat das Thermometer die Zehngradmarke geknackt und auf dem nachmittäglichen Rückweg war es noch so warm, dass ich ohne Mütze und ohne Handschuhe fahren konnte. Sogar die ersten Insekten schauen heraus und kleine Fliegen landen auf meinem hellen Hosenbein. Da kann man den Schnee ganz gut ignorieren und einfach beschließen, dass dies der erste Frühlingstag ist.

Ich war dann noch kurz bei ICA, um mir drei Flaschen Nygårda-Limonade zu kaufen. Ich mag diese kleinen Glasflaschen, das etwas alt wirkende Etikett und vor allem die herrlich unspektakulären Namen:

Das Hallon in „Hallonsoda“ bedeutet Himbeer und „Apelsin“ muss ich wohl kaum übersetzen. Mein absoluter Favorit in der Namensgebung ist aber „Sockerdricka“! Eine Limonade (in etwa) einfach Zuckergetränk zu nennen ist so erfrischend einfach und auch so entwaffnend ehrlich, dass mir Nygårda alleine dafür schon sympathisch ist.

Von der Arbeit

… schreibe ich hier eigentlich nie. Zum einen gehört es nicht so in dieses private Blog hinein, zum anderen finde ich es komisch, über die Arbeit in einer Sprache zu berichten, die die Kollegen nicht lesen können. Aber man kann ja mal eine Ausnahme machen, denn heute gibt es gleich zwei Gründe:

Torten mit Worten …

(Man verzeihe mir diesen grauenhaften Kalauer)

Zum einen wurde ich heute von Hello Future – meinem Arbeitgeber – mit einer Torte beschenkt, weil ich letzte Woche Geburtstag hatte. Aber ich war die letzten Tage so damit beschäftigt, kniffelige Programmierer-Probleme zu lösen, dass ich ein bisschen mit Scheuklappen herumgelaufen bin.

Deshalb gab es die Torte erst heute. Abgebildet war eine sogenannte Apple-Push-Notification. Der Text heißt übersetzt: „Glückwunsch Olaf. Willst du weitergehen und die Torte essen? [Abbrechen] [Fortsetzen]“. Keine Frage, ich habe Fortsetzen gedrückt und dann die Torte angeschnitten. Zum Glück haben mir die Bürokollegen beim Aufessen geholfen. Das übrig gebliebene Stück (Merke: In Schweden bleibt immer ein Stück übrig) habe ich mit nach Hause genommen und gerade verspeist.

Wo sind die Designer und Webentwickler und die … und die …

Zur Zeit sucht Hello Future sowohl einen Designer als auch ein, zwei Programmierer. Wer also als Designer oder Programmierer hier arbeiten möchte: Bewerbt Euch! Wer jemanden kennt, der nach Schweden möchte und in dem Bereich arbeitet: Sofort Bescheid sagen! Es ist nämlich leider nicht so einfach, hier in Skellefteå gute Leute zu bekommen und nicht nur Hello Future sucht gerade Verstärkung, sondern auch andere Unternehmen im Bereich Internet, Werbung und Media.

Da dieses Problem schon länger existiert, soll hier im Herbst eine Ausbildung in Cross Media Interaction Design anfangen. Die Studenten sollen nicht nur eine fundierte theoretische Ausbildung erhalten, sondern auch im nahen Kontakt zu den Unternehmen der Stadt stehen. Dann merken sie (hoffentlich), dass hier alle nett sind und dass es sich hier sehr gut leben lässt. Aber lest selbst, wenn es Euch interessiert: Master Program in Cross Media Interaction Design – Skellefteå, Sweden.

Es gibt übrigens noch Plätze. Wer also Lust hat, hier zu leben und zu studieren – uns würde es freuen!

Drei Mal Wasser

1. Schön: Der Skellefteälven

Nun ist der Fluss nicht nur in der Stadt, sondern auch außerhalb offen. Es ist so schön, wieder Wasser fließen zu sehen und auch die Möwen und anderen Wasservögel, die zurückgekommen sind, scheinen es zu genießen. Nur vor dem Wehr in Bergsbyn stauen sich noch die Eisschollen.

2. Belanglos: Mein Outdoorpool

Ich habe es lange herausgezögert, aber heute ist es so weit. Ich lasse das Wasser im Outdoorpool ab. Es ist ja gechlort und kann daher lange im Pool bleiben, aber der Zeitpunkt, an dem ich das Wasser hätte wechseln sollen, ist eigentlich schon länger überschritten. So wie das Wasser jetzt gerade aus dem gelegten Schlauch heraustitschert, werden aber wahrscheinlich Stunden vergehen, ehe der Pool leer ist. Ich weiß noch nicht, wann ich ihn wieder neu fülle und chlore, denn alleine im Hellen macht mir das Baden keinen Spaß.

3. Alles andere als schön: Cryptosporidium

In der Stadt sind sieben Fälle von Menschen, die sich mit Kryptosporidien infiziert haben bekannt geworden. Das sind einzellige Parasiten, die sich im Wasser sehr wohl fühlen und fiese Magendarmerkrankungen auslösen. Es besteht der Verdacht, dass sich diese Parasiten über das Trinkwasser verbreitet haben. Und das heißt, dass sämtliches Wasser, welches zum Trinken, Kochen oder zum Zähneputzen verwendet wird, vorerst abgekocht werden sollte. Noch ist es nur ein Verdacht, dass das Leitungswasser von den Parasiten befallen sein könnte. Sollte sich dieser Verdacht aber bestätigen, wäre das schon ein großer Mist. Östersund hatte vor einigen Monaten das gleiche Problem und dort hat es zehn Wochen gedauert, bis das Leitungswasser wieder trinkbar war.

Drückt uns die Daumen, dass die Infektionen eine andere Ursache haben und das Wasser OK ist.

Das Mineralwasser wurde heute schon gehamstert und war sofort ausverkauft.

Nachtrag:

20. April, abends In den ersten Proben wurden keine Parasiten gefunden. Weitere Proben wurden heute entnommen. Es wird empfohlen, weiterhin das Trinkwasser abzukochen.
22. April, abends Auch in den am Mittwoch entnommenen Proben wurden keine Parasiten gefunden. Es wird weiterhin empfohlen, Trinkwasser abzukochen.

Ostertage

Tja – was soll ich über die Ostertage schreiben? Dass ich gefaulenzt habe? Gelesen habe? Ein bisschen Klavier gespielt, aber nicht so viel? Mit einigen Nachbarn geplaudert? Keinen großen Ausflug gemacht habe? Keine zehn Fotos …? Das warme Frühlingswetter genossen habe? Ein bisschen den Garten durchgeharkt, aber nicht so viel?

Ich muss sagen, dass ich fast stolz auf mich bin, mich mal drei Tage lang nur der Erholung gewidmet zu haben und nicht versucht habe, die Zeit optimal zu nutzen. Da bin ich nämlich gar nicht so gut drin. Und das hat so gut getan! Nur – was soll ich jetzt über die Ostertage schreiben? Viel zu erzählen gibt‘s ja nicht.

Na gut – zwei Fotos, so richtig schön ohne jeden Zusammenhang: Zwei Boote auf dem Kallholmsfjärden (die seit gestern auch als Foto für die Webseitenkopfzeile herhalten) und der erste Marienkäfer des Jahres.

Und für die, die etwas über Ostern lesen wollen, meine Blogkollegen Lussekatt und Henning Wüst haben einiges dazu geschrieben und auch im Schwedenblog steht etwas dazu.

Blumen im Garten

Nein, viel blüht nicht in meinem Garten, um den ich mich auch noch nicht groß gekümmert habe. Aber wenn man ein bisschen schaut, dann findet man doch ein paar Blümchen, die sich unter einem Busch, im Gras des Vorgartens oder auch vor der dornigen Hecke verstecken.

Alltag

Nachdem meine Eltern wieder nach Deutschland gefahren sind, hat sich hier wieder eine Art Alltag eingestellt. In Stichpunkten (da müde):

  • Es wird nicht mehr richtig dunkel. Die Abenddämmerung geht nahtlos in die Morgendämmerung über, ehe um zwanzig vor drei die Sonne aufgeht.
  • Das Leitungswasser muss weiterhin abgekocht werden. Man kann wohl Parasiten im Wasser erst nach dem Einbau von UV-Filtern mit Sicherheit ausschließen. Und das kann noch ein paar Monate dauern. Aber – man gewöhnt sich dran.
  • Mein Computer spinnt ziemlich, aber ein neuer ist bestellt. Der hat dann eine mit 750 GB eine größere Festplatte und ich habe wieder Platz für neue Fotos.
  • Das Spatzenpärchen ist unter meinem Dach wohnen geblieben. Ich glaube, sie sind noch am Brüten.
  • Ich werde diese Woche wohl komplett mit dem Bus fahren, da ich keine Lust habe, 18, 19 Kilometer gegen Windgeschwindigkeiten um 40 km/h zu radeln. Nennt mich ruhig faul, damit kann ich leben.
  • Heute war ich zum zweiten Mal in der Ostsee baden und bin nicht sofort wieder hinaus gesprungen. Lange im Wasser war ich aber dennoch nicht.

So, mehr schreibe ich jetzt nicht, dann ich bin müde. Ich war heute morgen um kurz nach halb sechs wach, also drei Stunden nach Sonnenaufgang.

Drei Tage

Montag

Nach der Arbeit gehe ich zu Freunden und Martin gibt mir die vierte Kochstunde. Wir machen Schweinefleisch mit Zwiebelsoße und Salzkartoffeln. Ich bekomme dann immer das Lob für das Essen, aber ohne die Anweisungen Martins wäre es nur ein Zehntel so gut.

Danach fahren wir zu mir und machen ein bisschen Musik. Martin singt und wir haben in zwei Wochen einen ersten kleinen Auftritt. Das Repertoire besteht aus verschiedenen schwedischen Liedern.

Dienstag

Am Abend fahre ich nach Ursviken zum Kanuklub, wo ich zu einem Schnupperkurs Kajak angemeldet bin. Leider lernen wir in der Zeit nicht mehr, als das man das Paddel locker mit beiden Händen hält und wie man einsteigt. Dann machen wir eine Drei-Kilometer-Tour flussaufwärts. Ich habe schon ein-, zweimal in einem Kajak gesessen und es ist schön, wieder auf dem Wasser zu sein. Nur das Kajak könnte ein bisschen größer sein, ich passe kaum herein.

Ich bin das erste Mal wirklich auf die blöden Parasiten im Wasser sauer. Ihretwegen hat nämlich das Hallenbad in Skelleftehamn geschlossen. Und deswegen kann der Verein dieses Jahr keinen Kajakkurs anbieten. Und draußen ist das Wasser noch zu kalt, um dauerhaft Übungen zu machen, bei denen man die halbe Zeit im Wasser hängt. Mist!

Mittwoch

Um zehn hatte ich einen Termin beim Finanzamt. Ich möchte parallel zu meinem Angestelltendasein auch selbständig arbeiten, hauptsächlich in den Bereichen Musik und eventuell Fotografie. Das ganze ist eigentlich recht einfach, aber ich war froh, eine geduldige Beraterin zu haben, die sich auch durch mein „Det förstår jag inte“ – das verstehe ich nicht nicht aus der Ruhe bringen konnte.

Mittags habe ich mich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael getroffen, mit denen ich im Februar den Winterschwimmwettbewerb in Finnland besucht habe. Wir haben über die „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ gesprochen, die sich zum Ziel gesetzt hat, besondere Konzepte, in denen die Kälte und Dunkelheit des Winters eine Rolle spielt zu entwickeln. Auf deutsch heißt der Verein in etwa „Verein für die frohen/fröhlichen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Abends war ich zwei Stunden mit Rasenmähen beschäftigt. Unfassbar, wie das Gras in den knapp zwei Wochen seit dem letzten Mähen schon wieder gewachsen war. Drei gehäufte Schubkarren habe ich in den Wald gefahren, wo alle Bewohner einen gemeinsamen Kompostplatz haben. Ich mag es ja auch gerne, wenn das Gras länger ist, aber das mögen die Mücken auch. Der Rasenmäher und die Nachbarn hingegen weniger.

Als ich mit meiner Arbeit fertig war, ging die Arbeit im Hafen aber noch weiter. Dort liegt die Ocean Adventure, die in den nächsten zwei Tagen entladen wird. Einige Tage vorher hat das Unternehmen Kuusakoski Recycling knallrote Zettel in die Briefkästen geworfen, auf denen genau steht, was passiert und dass man willkommen ist, bei Fragen anzurufen.

Donnerstag

Heute ist frei. Wie schön. Deswegen zähle ich heute auch nicht zu den drei Tagen mit dazu.

Sommer

Und plötzlich ist es warm. 25 °C. Blauer Himmel. Alle essen draußen. Mittag oder Eis. Und sonnen sich. Von der Wasserfontäre weht ein bisschen feuchte Luft herüber. Und erfrischt.

Nur die Blaskapelle (NB: Wer hat bloß dieses Arrangement von Birdland verbrochen!) auf dem Marktplatz muss arbeiten. Ich nicht. Ich hole mir Sushi und setze mich zu den anderen an den Fluss.

Das vorherrschende heutige Thema: Früher Feierabend. Die Ostsee zum Baden habe ich nachher wahrscheinlich doch für mich allein. Selbst schuld, die anderen.

Entschuldigt die Bildqualität. Die Photos stammen vom iPhone und der Bildschirm im Büro kann so manches, aber keine Farben

Nachtrag:

Später stieg die Temperatur auf 27 °C und nur ein kleiner Regenschauer am Abend hat etwas abgekühlt, ehe es wieder aufklarte. Die Ostsee hat inzwischen 17 °C und ich fühle mich auch eine halbe Stunde nach dem Baden noch herrlich frisch.

Feste feiern

Ich habe schon nicht über den 6. Juni berichtet, da war Nationalfeiertag. Dies ist ein „roter Tag“, also ein gesetzlicher Feiertag. Abgesehen von ein paar gehissten Flaggen merkt man aber nicht wirklich viel von irgendwelchen Festivitäten. Eher ein ruhiger Extrasonntag.

Ich habe auch nichts über das „Studentexamen“ geschrieben, am ehesten mit „Abifeier“ zu umschreiben, wenn auch nicht zu vergleichen. Das Studentexamen fanden letzte Woche statt. Am auffälligsten: Überall sind Mädels im weißen Kleid und Jungens im schwarzen Anzug, die weiße Mützen – irgendwo zwischen deutschem Polizeikäppi und Kleinbootsführerkapitänsschirmmütze – tragen. Entweder stehen sie kreischend und juchzend auf einem großen Partywagen, der dann mit lauter Schlagermusik durch die Straßen der Innenstadt kurvt oder sie laufen in kleinen Rudeln zu Fuß durch das Zentrum. Aber ehe ich die Kamera zücken konnte, war das alles schon wieder vorbei, vielleicht war es letzte Woche auch einfach zu heiß um lange zu Feiern. Das Ergebnis: Kein Foto, kein Artikel.

Aber jetzt: Heute war der Abschluss des „Miljöfestivalen“, des Umweltfestivals. Zum einen fand ein Fahrradkorso statt. Über 600 „Cyklister“ waren mit am Start. Man hätte gerne die 917 Teilnehmer in Umeå getoppt, aber das hat nicht geklappt. Umeå ist aber auch mehr als doppelt so groß.

Aber das Hauptthema des Tages war die Elmopedturnén 2011, die heute Skellefteå erreicht hat. Dies ist eine Tour mit elektrisch betriebenen Mopeds von Tommarp in Südschweden bis nach Haparanda an der finnischen Grenze im Norden. (Fahren die das wirklich alles selber …?). Anlässlich dieser Tournee waren der Meteorologe Pär Holmgren und die Musiker/Künstler Staffan Lindberg und Fredrik Swahn auf der Bühne, sowohl, um zu unterhalten als auch um Informationen zum Klimawandel zu geben.

Ebenfalls auf der Bühne: Eine Verlosung unter allen Fahrradfahrern, eine Rede und ein kurze und ziemlich durchgeknallte Varieté-Nummer des Theaters. Den Abschluss haben Martin (Gesang) und ich (Klavier) mit einigen Sommer- und einigen Kinderliedern gemacht. Der Auftritt hat zwar gut geklappt, war aber trotzdem undankbar, weil wir zum einen gegen die professionellen Entertainer der Elmopedturné nicht anstinken konnten, zum anderen, weil fast alle Kinder und auch die meisten erwachsenen Zuschauer schon nach Hause gegangen waren. So nett das ganze war, die Programmplanung ist definitiv verbesserungswürdig.

Nach einem Abendessen mit den Beteiligten ging dieser Tag zu Ende. Morgen und übermorgen findet zum wiederholten Male der Creative Summit statt, auf dem verschiedene Sprecher über Themen aus der Kreativbranche sprechen. (was für ein fürchterlicher Satz, aber ich bin müde und der bleibt jetzt einfach so stehen. Man muss nicht alles korrigieren). Das wird bestimmt extrem interessant aber wahrscheinlich auch ein bisschen anstrengend.

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

F-skattebevis

Ich habe einen Brief vom skatteverket, dem schwedischen Finanzamt bekommen. In Deutschland durchzuckte mich bei solcher Post immer ein gewisser Schreck: „Was habe ich falsch gemacht?“. Über diesen Brief aber habe ich mich gefreut, denn er enthielt meinen F-skattebevis.

Das bedeutet, ich habe mal so eben ein Unternehmen gegründet! Das klingt hochtrabender, als es ist. Denn wenn man in Deutschland sagt, man sei selbständig, dann hat man in Schweden gleich ein „eget företag“, also ein eigenes Unternehmen.

Den Anmeldeprozess zur Unternehmensgründung macht man im Internet. Man loggt sich mit seiner Bank-ID ein, das ist eine digitale Identifizierung. Dann hangelt man sich von Formular zu Formular, bis man alle Daten ausgefüllt hat und den Auftrag abschickt. Ich musste bloß noch per Post einen Beweis vom deutschen Finanzamt schicken, dass ich beim deutschen Finanzamt schuldenfrei bin.

Und etwa drei Wochen später kam die Bestätigung, dass ich rückwirkend zum 25. August ein eigenes Unternehmen habe. In den Bereichen

  • 62010: Dataprogrammering (utveckling av programvaror, hemsidor och programmering)
  • 74203: Press- och övrig fotografverksamhet (även flygfotografering; ej porträtt eller reklam)
  • 90010: Artistisk verksamhet (fristående artister, föreläsare, konferencierer, körer, mannekänger, orkestrar, programledare m.fl.)
  • 90030: Litterärt och konstnärligt skapande (även frilansjournalistverksamhet)

kann ich jetzt nebenbei Geld verdienen.

Ich bleibe weiterhin angestellt und verdiene dort den Hauptanteil meines Einkommens. Aber ich kann jetzt auch kleinere Jobs nebenbei machen und richtig abrechnen. Mein Hauptfokus wird dabei auf der Musik liegen (90010), denn in meiner freien Zeit will ich nicht noch mehr Internetprogrammierung machen. Da reicht mir ein Fulltimejob vollkommen aus. Der erste Musikjob steht auch schon fest: Eine Stunde Klavierspielen beim Chemical Management Summit in Skellefteå. ♪|♫♫♩.

Wasser!

Dies ist ein Glas Wasser. Aus der Leitung. Und das habe ich direkt nach dem Fotografieren getrunken. Einfach so.

Am 19. April habe ich darüber geschrieben, dass hier Parasiten im Trinkwasser gefunden wurden. Es waren zwar nur wenige, aber ein einziger reichte schon aus, um einen krank zu machen. Also musste man alles Wasser, welches man als Trinkwasser verwenden wollte, abkochen. Immer wieder musste ich daran denken und vor allem Gäste daran erinnern, kein Leitungswasser zum Trinken, zum Zähne putzen, Gemüse waschen oder Reis spülen zu verwenden und in der Dusche den Mund geschlossen zu lassen.

Währenddessen wurden Proben entnommen, Fehlersuche betrieben und schließlich UV-Filter in die Anlagen eingebaut und die gesamten Leitungen durchgespült.

Und heute um Mitternacht war der Stichtag: Man darf – bis auf wenige Ausnahmen, die noch zwei Wochen warten müssen – nach zwanzig Wochen wieder Wasser trinken. Einfach so. Aus der Leitung.

Hurra!

Curly Lou in Kusfors

Ich komme gerade von einem schönen Konzert wieder nach Hause. Seit Lasse und Martine in Kusfors leben, ist dort das „Café Ångloket“ (Café Dampflok) zu einem kleinen Kulturzentrum im Inland geworden. Und da ist heute Curly Lou mit einer Pianistin aufgetreten.

Das Programm, bestehend aus herrlich alten Chansons, Walzern und Tangos passte wunderbar in das Café, dessen Interieur größtenteils aus der selben alten Zeit stammt. Und das Zuhören hat mir großen Spaß gemacht und mich an so manchen Chansonabend zurückdenken lassen, wo ich selber am Klavier saß.

Es fällt mir zugegebenermaßen manchmal schwer, anderen beim Klavier spielen zuzuhören. Ich würde lieber selber da sitzen und diese schönen Lieder begleiten. (Und hier eher die Terz im Bass und dort noch einen Durchgang zur Subdominantparallele und … .) Aber das kenne ich schon von mir und vielleicht kommt das dem einen oder anderen Musiker auch bekannt vor.

Irgendwann in diesem Jahr spiele ich voraussichtlich selbst ein Konzert mit einem Bassisten im Duo im Café Ångloket in Kusfors. Das wird dann mein erstes Jazzkonzert hier in Schweden sein. Und wenn ich viel Glück habe, ist bis dahin schon das richtige Klavier da und mein Digitalpiano kann im Keller bleiben.

Usselig

… so nennt man im Ruhrgebiet das Wetter, was wir gerade haben: Es ist grau, trüb und dunkel, garniert mit Wind und ab und zu ein bisschen Sprühregen. Und das ganze bei warmen +9 °C. Da ich nicht zur Wetterfühligkeit neige, vermute ich mal, dass meine leichten Kopfschmerzen eher von meiner Erkältung, die hier gerade rumgeht, kommen. Und so werde ich mich gleich wieder ins Bett legen, ein bisschen die Augen zumachen und ein bisschen von dem schönen Winterwetter träumen, welches ich vor einem Jahr um diese Zeit in Norwegen erlebt habe.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich brauche nicht jetzt schon Mitte Oktober Massen an Schnee. Aber ein paar Zentimeter würden die Szenerie doch um einiges heller und freundlicher machen.

Der Mast auf dem Foto steht übrigens am Rande meines Gartens und eine der sich sternförmig verteilenden Telefonleitungen führt auch in mein Haus. Dort endet sie irgendwo ungenutzt, denn ich benutze nur Skype und mein Handy.

Aus Deutschland

Schweden ist toll. Aber es kann einem – wie alle anderen Länder der Erde auch – nicht alles bieten. Und so importiere ich gerne das eine oder andere „aus deutschen Landen“.

So zum Beispiel handwerkliche Hilfe. Hier im Norden dauert es etwa dreihundertundsieben Jahre, bis man einen kundigen Elektriker ins Haus kommt. Und ich bin riesig froh, dass mir Delle, der mich hier im September besucht hat, geholfen hat und einen Großteil der alten Elektrik aus den vierziger Jahren fachgerecht gegen moderne Kabel und Bauteile ausgetauscht hat. Seitdem schlafe ich wieder ein bisschen beruhigter, vor allem wenn man sich anschaut, welche prähistorischen Bauteile sich hier vorher in den Wänden versteckt haben.

Bei Delle möchte ich mich ebenfalls für das Brot bedanken, welches er mir letzte Woche geschickt hat. Da das Motto der schwedischen Brotkultur eher „weiß und weich“ ist, war es ein großes Vergnügen, mal wieder in ein herzhaftes Brot hineinzubeißen. Und nein – ich war bis jetzt noch zu faul zum Brot selber backen. Kein Foto hingegen gibt es von den beiden kleinen Nusskuchen, die meine Mutter gebacken und mir geschickt hat. Denn beide Male, als ich einen Kuchen gerade ausgewickelt hatte, war mein erster Gedanke „Essen!“ und nicht „Äh, da könnte ich jetzt eigentlich mal’n Foto für das Blog von machen.“ Aber Ihr wisst bestimmt, wie Nusskuchen aussieht, stellt ihn Euch einfach vor, ja?

Von meiner Mutter kam vor Wochen auch ein anderes Paket; ein großes flaches. Und ihn dem waren zwei Ihrer wunderbaren abstrakten Bilder, die, nachdem sie einige Monate in einer Ausstellung hingen, nun frei waren, mein Wohnzimmer zu schmücken. Und das tun sie! Vielen Lieben Dank noch einmal für dieses tolle Geschenk!

Und sonst? Schöner Job mit Klavier (ich) und Gesang (Martin) am letzten Freitag +++ Dort viele Bekannte getroffen +++ Auf meinem Auto sind wieder Winterreifen +++ Morgens ist es meist glatt und unter null, aber Schnee ist nicht in Sicht +++ Am Freitag geht’s nach Deutschland, Familie und Freunde besuchen +++ Die Tage sind schon recht kurz

deutsche Nachlese

Seit einigen Tagen bin ich wieder zu Hause, und da ich zur Zeit viel um die Ohren habe, scheint die Deutschlandreise schon in weite Ferne gerückt. Dabei war ich vor genau drei Tagen noch in München auf dem Flughafen.

Was mich nach Deutschland zieht, ist einfach: Familie und Freunde. Schade, dass ich es immer nur schaffe, einen kleinen Teil zu besuchen, und oft zu kurz.

Was mich aber gar nicht mehr nach Deutschland zieht, ist das Land selbst. Die Stadt München, in der ich sechs Jahre gelebt habe, ist mir egal geworden. Und das finde ich schon sehr seltsam. So sauwohl ich mich in meiner neuen Heimat im Norden fühle, so ging es mir doch auch in München sehr gut, auch wenn ich dort niemals wirklich heimisch geworden bin.

Es war seltsam, die Tage wieder durch München zu laufen. So vieles erkenne ich wieder und es wirkt doch fremd, so als kenne ich die Stadt nur aus Büchern und sei nie richtig dagewesen. Ein Teil von mir bewunderte wie ein Tourist die vielen Geschäfte, die großen Kirchen und die schönen Wege an der Isar und im Englischen Garten, während ein anderer Teil sich von den vielen Menschen und Autos überfordert fühlte und sich nach dem weitläufigen, aber klein wirkenden Nordschweden sehnte. Ich war traurig, von so vielen mir nahe stehenden Menschen wieder Abschied nehmen zu müssen, aber froh, als ich wieder zu Hause war. […]. Deutschland ist zwar meine ursprüngliche Heimat, aber überhaupt nicht mehr mein Zuhause.

Letzten Samstag war ich in Mittenwald und habe eine Tour in den Alpen gemacht, das war toll! Und dort fand ich auch einiges wieder, was mir hier im Norden so gut gefällt: Die Weite, die Ruhe und das Gefühl, über seinem Alltag zu stehen.

Zum Wetter: Letztes Jahr hatten wir einen sehr frühen Winter. Schon Anfang November fiel der erste Schnee und blieb den Rest des Winters liegen. Dieses Jahr ist es anders herum. Vorgestern früh, am 8. November: Skellefteå Flugplatz +10 °C, München Flughafen +1 °C.

Gestern am 9. November war war das ganze Land schneefrei, erstmals seit 1904 an diesem Datum. Und eine Kälteperiode oder Schneefall ist nicht in Sicht. Also werden wir noch weiterhin Spätherbst mit kahlen Bäumen, ein bisschen Bodenfrost und dunklen Nachmittagen haben.

Link zum Schneemangel (schwedisch): Nytt rekord: snöbrist i hela landet 9 november

Was für ein wunderschöner Tag

dachte ich, als ich morgens aus dem Fenster schaute. Über der von Frost glitzernden Straße vorm Haus leuchtete golden ein großer voller Mond. Vor der Probe mit Anders wollte ich nun schnell ins Auto springen, um von der hohen Brücke nach Örviken ein Foto vom Mond und vom Fluss zu machen. Ging aber nicht, weil bei der feuchten Witterung sämtliche Türen fest zugefroren waren. Morgen bekommen die Dichtungen erst einmal eine Silikonbehandlung.

Nach der Probe bin ich zum Arbeiten in der Stadt mit dem Auto gefahren, denn ich wollte ja am Abend noch weiter nach Kusfors, um mein erstes richtiges Jazzkonzert hier in Nordschweden zu geben. Und vom Auto aus sah man trotz des fehlenden Schnees, dass sich die kalte Jahreszeit schon ankündigt. Kleine Gruppen von Singschwänen zogen gen Süden, die Straßenränder waren weiß vom Rauhreif und das erste kleine Stück der Bucht bei Ursviken war von dünn-zerbrechlichem Eis bedeckt.

Wenn ich mit dem Auto in die Stadt fahre, dann fahre ich immer ein bisschen weiter zur Bonnstan, da das Parken im Zentrum ziemlich teuer ist. Auf dem kleinen, gepflasterten Kreisel, der auch zu dem Parkplatz führt, habe ich etwas über das Autofahren hier im Winter gelernt: Reifen mit Spikes greifen zwar ganz prima, wenn man eine richtige Eisschicht hat, aber nur mäßig bei Reifglätte. Und so bin ich, obwohl ich ja alles andere als ein forscher Autofahrer bin, ein bisschen ins Schlingern gekommen. Fazit: Bei diesem Wetter noch langsamer in die Kurven gehen.

Vom Parkplatz aus laufe ich zehn Minuten zur Arbeit. Es sei denn, ich habe eine Kamera dabei. Die Eiskristalle des Rauhreifs am Boden glitzerten und auch auf den kleinen Teichen im Nordanå-Park lag das erste dünne Eis. Das will einfach fotografiert werden.

Um kurz vor halb fünf habe ich aufgehört zu arbeiten und es war schon richtig dunkel. Und neblig. Die Parkbron (Parkbrücke) lag geheimnisvoll im Nebel und die Laternen tauchten den Fluss in wunderbares, weiches Licht. Der gleiche Nebel sollte mir aber dann bei der Fahrt nach Kusfors mehr als einen Fluch entlocken. Was für ein ekliges Wetter zum Autofahren!