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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Bjuröklubb und Surströmming

Nach einem ausgiebigen Frühstück – nennen wir es einfach Brunch – mit Spiegelei und Speck, gegrillten Tomaten, einer Art Eier-Käse-Auflauf und einem herrlichen grünen Tee haben Lasse, Martine und ich einen Ausflug mit dem Auto gemacht. Erst waren wir in Skelleftehamn, dem vorgelagerten Hafenstädtchen, welches 17 km weit entfernt an der Ostsee liegt. Teilweise ist das Meer schon eisfrei, an manchen Stellen ist es aber auch noch komplett mit Eis bedeckt. Dieses sieht aber schon ganz schön dünn aus, lange wird es nicht mehr dauern, bis das Eis weg ist.

Danach sind wir 4 Meilen südwärts nach Bjuröklubb gefahren, eine weit in die Ostsee ragenden Landzunge, auf der man fast bis nach Finnland herüberschauen kann. Die einzigen, die wir getroffen haben, waren ein Pärchen, welches vor dem Leuchtturmhäuschen eine Pause von ihrer Skitour(!) machte, ein sehr schneller Jogger und fünf Seidenschwänze, die in den Birken herum hüpften.

Abends gab es dann Surströmming, ein Gericht, bei dem sich wohl auch die Schweden streiten, ob es eine Delikatesse oder ungenießbar ist. Surströmming besteht im Grunde aus vergorenem Hering und das herausragende Merkmal ist der extreme Geruch, den dieser verbreitet. Deswegen macht man die Dose auch draußen auf. Aus dem Hering werden dann die Innereien heraus gedrückt und die Gräten entfernt. Das, was dann noch übrig geblieben ist, isst man mit Tunnbröd, zerstampften Kartoffeln, Zwiebeln, Sauerrahm und Dill als Sandwich. Dazu gibt es Bier und Schnaps. Letzterer wird mit Helan går, einem Trinklied begleitet. Surströmming werde ich jetzt nicht jede Woche begeistert essen, aber das ganze schmeckte wesentlich besser, als die vielen Horrorstories vermuten ließen.

Der erste Mai …

…ist mal so ziemlich ins Wasser gefallen. Das schöne Wetter der ersten Woche hat sich gestern schon mit leichtem Schneefall bei Temperaturen knapp über null verabschiedet. Vor allem die Nacht war dann ganz schön ungemütlich nass-kalt. Wie Winter in Essen … . Der Schnee von gestern ist dann heute in Regen übergegangen und so habe ich meinen geplanten Fotoausflug lieber ausfallen lassen. Vielleicht morgen …

Gestern, am 30. April wurde Valborgsmässoafton, die schwedische Spielart der Walpurgisnacht gefeiert, bei der überall große Feuer entzündet werden. Da ich aber Lasse und Martine zu einer Einladung eines befreundeten Pärchen begleiten durfte und das total nett war und – habe ich schon das Wetter erwähnt – es drinnen doch sehr gemütlich war, haben wir die Feuer verpasst. Frischluft haben wir drei dann aber doch noch bekommen, als wir nach Hause gelaufen sind, weil partout kein Taxi zu bekommen war.

Der Vitbergsbacken, der hiesige Skihügel sah heute bei dem trüben Wetter doch sehr trostlos aus. Die Weidenkätzchen zeigen aber, dass der Frühling nicht mehr weit weg ist.

Falls von Euch jemand demnächst in Schweden eingeladen ist, so lerne er schon einmal folgendes Trinklied auswendig:

Helan går
sjung hoppfaderallanlallanlej,
helan går
sjung hoppfaderallanlej.
Och den som inte helan tar
han heller inte halvan får.
Helan går
sjung hoppfaderallanlej!

Himmelfahrt

Es ist Himmelfahrt, es ist schönes Wetter und ich kann wieder Fahrrad fahren.

Also habe ich eine kleine Runde zu Rovön und Lustholmen – zwei Flussinseln gemacht. Und was machen die Schweden währenddessen?

Angeln · das Trampolin im Garten aufbauen · am Fluss picknicken · Balken fürs Haus streichen · Spazieren gehen · bei ICA Lebensmittel einkaufen · sich sonnen · unter dem Auto liegen · Marienkäfer suchen · sich über den Frühling freuen.

Eiswagenmelodie

Und hier für alle schwedischen und nichtschwedischen Musiker:
Melodie des Eiswagens
Die Melodie der Eiswagen. Heute gehört – leider auf der anderen Flussseite.

Sommerwochenende

Ja – so langsam bekomme ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich von dem schönen Wetter schreibe und dann von Kälterekorden in Deutschland lese und höre.

Ich war am Wochenende zu einer Feier nach Båtfors, das liegt etwa 5 Meilen, also ca. 50 Kilometer landeinwärts direkt am Skellefteälven eingeladen.

Und, was soll ich sagen, es war eine tolle Feier! Und das Wetter hat mehr als mitgespielt. Bei Temperaturen über 20 Grad haben wir mittags Hering, Lachs, Salate, Eier, Dünnbrot und Kartoffeln gegessen. Mit kurzen Hosen und T-Shirt in der Sonne sitzend. Direkt am Fluss. Nur die Eisschollen, die ab und zu vorbeitreiben, erinnern einen daran, dass der Winter hier doch sehr lang war.

Abends wurde es dann leicht kühler, aber da kann man ja ein Feuer im Kamin machen und in die Sauna gehen. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, im Fluss zu baden. Der fühlte sich aber auch direkt nach der Sauna schweinekalt an und dementsprechend schnell war ich wieder draußen. Richtig dunkel wird es nicht mehr und um ein Uhr wurde es schon wieder heller. Die echten Nachtaufnahmen müssen also mindestens bis Ende Juli warten. Und ich habe mich über die dunklen Vorhänge in meinem Gästezimmer  gefreut. Heute ging es in aller Ruhe wieder zurück.

sfi und Junggesellenabschied (nicht meiner)

Heute am Samstag habe ich bis elf geschlafen und mir eher einen faulen gemacht. Dabei war es gestern gar nicht so spät.

Gestern ab vier war nämlich Lasses Jung­gesellen­abschied. Von den Dingen, die er in Skellefteå öffentlich tun musste, erwähne ich hier nur das Rezitieren von wirklich schlechten Gedichten – eine Aufgabe, die er mit Bravour meisterte. Sag ich jetzt mal so, denn verstanden habe ich fast nix.

Gegen sechs sind wir mit einem motorisierten Floss nach Ytterholmen übergesetzt. Die Insel liegt mitten in Skellefteå im Fluss und ist nur per Boot zu erreichen. In einem riesigen Wok wurde Fleisch und Gemüse über dem Lagerfeuer zubereitet und auf dem Floß mit Kartoffelgratin, Brot und Salat gegessen. Zu trinken gab es Bier, Wein, Cognac und Whisky. Ich hätte gegen ein Wasser oder eine Apfelsaftschorle ja nicht wirklich was gehabt und so habe ich den Abend fast nichts getrunken. Der Junggesellenabschiedsprofi werde ich wohl nicht mehr.

Nach dem Essen haben wir uns es im warmen Wasser eines Hot Tub, in der Sauna oder am Lagerfeuer gut gehen lassen. Nach dem Hot Tub war ich kurz im Fluss baden und was soll ich sagen, wirklich wärmer geworden ist das Wasser auch noch nicht. Um elf sind wir wieder zurück­gefahren. Ich bin dann nach Hause geradelt und war froh, dass es noch hell war, denn das Fahrradlicht geht entweder nicht, oder ich habe noch nicht herausgefunden, wie.

Jetzt werde ich noch ein bisschen an meinem Vokabellernprogramm weiter programmieren. Denn gestern bei der zweiten Stunde beim sfi habe ich von meinem Lehrer Björn erfahren, dass mein Schwedisch für den sfi zu gut sei und er mich nicht weiter unterrichten könne. Nett zu hören, aber die Freude hält sich in Grenzen, denn ich fühle mich immer noch wie ein Anfänger. Jetzt liegt es alleine an mir, mit dem Schwedisch weiter zu kommen. Also – Vokabeln lernen … . Los geht’s!

Lebensmittel

Dies sind Lebensmittel von meinen ersten beiden Einkäufen in Skelleftehamn. Dieses Mal als kleines Spiel …

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Faul sein ist wunderschön

… vor allem, wenn man in kurzer Zeit zwei tolle Partys gefeiert hat. Und das mir, dem unverbesser­lichen Frühaufsteher.

Am Donnerstag nach dem zweiten Tag des Creative Summit mit sehr tollen, unterschiedlichen und inspirierenden Vorträgen sind alle Teilnehmer in Busse verfrachtet und nach Byske gefahren worden. Byske liegt 30 Kilometer weiter nördlich direkt an der Ostsee, hat einen Sandstrand (Beachvolleyball spielen), ein Restaurant (lecker essen) und einige tausend Mücken (wild herumfuchteln oder wieder reingehen). Eine extrem nettes Treffen mit vielen interessanten Leuten und schönen Gesprächen.

Gestern haben Lasse und Martiné – erste Gastgeber und Freunde – geheiratet. Auch zu der kleinen, wunderschönen Kirche in Österjörn sind wir Gäste mit Bussen gebracht worden. Ich habe gelernt, dass man hier keinen Reis wirft, weil die Vögel krank werden, wenn diese ihn aufpicken und essen, sondern Sonnenblumenkerne. Ob Lasse welche gefangen hat, ich weiß es nicht. Danach habe ich eine tolle Zeit mit vielen, netten Leuten verbracht. So manche kannte ich schon von früheren Einladungen von Lasse und ich habe mich gefreut, sie wiederzutreffen. Bevor die „Tanzband“ ein überraschend schönes und abwechslungsreiches Programm gespielt hat, habe ich selbst auch Musik gemacht, auch wenn das mit wegrutschendem Pedal und ungewichteten Tasten des vorhandenen Keyboards nicht gerade leicht war. Aber ich denke, es hat den Leuten dennoch gefallen. Um eins fuhren die Busse dann wieder zurück nach Skellefteå, wo wir – eine kleine Gruppe „Hamntons“ – auf die bestellten Taxi nach S’hamn gewartet haben. Um drei Uhr war ich dann etwa zu Hause und bin müde ins Bett gefallen. Und deswegen stand der heutige Sonntag auch unter dem Motto „Faul sein ist wunderschön“.

Danke an die Organisatoren des Creative Summit 2010 und großen Dank an Lasse und Martiné für die Einladung zu ihrer Hochzeit.

midsommar

Ach, einfach herrlich war das. Bei schönstem Wetter mit Jonas mit dem Bus nach Byske fahren, von Leif mit dem Auto abgeholt und zum kleinen Hafen von Båtvik gebracht werden und dort mit anderen Gästen auf Paulina warten, die mit einem uralten Holzkahn von Krokgrundet herübergeschippert kommt und dann sitzen wir auch schon im Boot und tuckern über die blaue Ostsee an anderen Inseln vorbei nach Krok­grundet, einer kleinen Insel, auf der es genau zwei Sommerstugas gibt. Und eine davon gehört Paulina und Leif.

Nein, ich muss Euch enttäuschen, wir haben nicht „Små grodorna“ gesungen und sind dabei um den Maibaum gehüpft. Aber wir haben …

… Lachs und Sill, Kartoffeln und Salat gegessen
… Schnaps getrunken (ich nicht ganz so viel)
… Hot dogs gegessen (die Kinder)
… am Ufer gesessen
… gebadet (nur ein anderer und ich)
… mit den coolen Kids gespielt
… einen Maibaum gebaut und dekoriert
… Erdbeertorte gefuttert
… gegrillt
… uns unterhalten (90% auf schwedisch!)
… in der 85° heißen Sauna gesessen
… wieder gebadet
… und irgendwann nachts ins Bett gefallen

Jonas hat mir Zelt und Isomatte geliehen und ich habe wunderbar geschlafen. Bloß irgendwelche Seevögel haben mitten in der Nacht Rabatz gemacht. Und mein gar nicht so dicker Schlafsack war selbst als Decke zu warm.

Am nächsten Morgen gab es erst einmal ein lockeres, aber ausführliches Frühstück. Dann haben einige begonnen, die leeren Fässer, die als Schwimmkörper dienen, unter dem Ponton zu befestigen. Dann haben wir zusammen das sauschwere Teil ins Wasser gehievt. Platsch!!!.

Kaum waren die Hosen von dieser Aktion wieder trocken, fing es dann an zu regnen, aber das machte nichts, da ohnehin Aufbruchstimmung war und wir von Leif wieder zurück nach Båtvik gebracht wurden. Da hatte ich praktischer- und netterweise zusammen mit Jonas einen Lift und bin irgendwann am Nachmittag wieder in Skelleftehamn angekommen. Und ins Bett gefallen. Es war ein tolles Mittsommerfest – danke an Leif für die Einladung.

Nein, dieser Artikel gefällt mir nicht wirklich. Er zählt ein paar Dinge auf, aber diese herrliche Stimmung bei dem besten Mittsommerwetter seit vielen Jahren vermag er nicht zu vermitteln. Aber besser kriege ich es heute nicht hin, also bleibt er einfach so stehen.

Stadsfesten

Zur Zeit ist in Skellefteå das Stadsfesten. Das ist so eine Art Kombination von Stadtfest mit Kirmes. Wir waren heute in der Mittagspause zum Essen da und haben draußen gesessen und das schöne Sommerwetter genossen. Der arme Pianist, der alleine auf großer Bühne gespielt und gesungen hat, ohne dass irgendjemand davon Notiz genommen hat, hat mir allerdings ziemlich leid getan.

Danach habe ich noch eine kleine Runde gedreht. Kaum ist man in einer dieser aus Imbissbuden und Handtaschenverkaufsständen bestehenden Gassen eingetaucht, schon weiß man nicht mehr, ob man gerade in Skellefteå, Palma de Mallorca oder Castrop-Rauxel ist. Schade eigentlich, dass sich die Feste so ähneln. Sogar das ungarische Lángos, welches ich vom Münchner Tollwood kenne, bekommt man hier.

Gefallen haben mir die kleinen Verkaufswagen für extralange, weiche Lakritzschnüre und die Glücksräder, bei den man wohl Mammutpackungen mit Schokolade gewinnen konnte. Das zeigt wieder, wie verfressen ich bin, aber heute fand ich es für beides zu warm.

Vorschau

Morgen arbeite ich noch einen Tag und dann habe ich drei Wochen frei. Hurra! Am Sonntag fliege ich nach Deutschland, unter anderem auch, um meine Münchner Wohnung aufzulösen und den Umzug nach Skelleftehamn zu machen. Doch davon später mehr.

Besuch ist toll!

Am Freitag Abend ist Sandra zu Besuch gekommen, die ich immer wieder treffe, wenn ich im Winter bei Dirk auf Solberget bin. Nachdem sie zwei Wochen Padjelanta und Kungsleden gelaufen ist, hatte sie noch ein paar Tage Zeit, bei mir vorbeizuschauen. Und zum Glück war das Wetter am Samstag richtig schön und heute am Sonntag wenigstens trocken, so dass wir hier viel durch die Pampa gelaufen und mit dem Fahrrad gefahren sind (wie schön, dass ich noch ein Gästerad habe).

Gestern waren wir erst zu Fuß in Richtung Storgrundet, dem nächsten Strand unterwegs. Wie wir dabei auf das Thema Kaiserschmarrn gekommen sind – ich weiß es auch nicht mehr, aber nach einer schönen, gemütlichen Fahrradrunde hat Sandra fantastischen Kaiserschmarrn gemacht. Nicht, dass wir nicht mittags schon warm gegessen hätten. Nicht, dass wir nicht vorher im Wald schon einiges an Heidelbeeren gefuttert hätten.

Heute sind wir nach einem langen und späten Frühstück mit dem Fahrrad über die Brücke nach Orsviken zum „Stackgrönnans Båtmuseum“ gefahren. Leider hatten sowohl Museum als auch Café schon zu. Anfang September scheint hier nicht mehr Saison zu sein. Schade. Aber gut, dass die Sonne ein bisschen heraus kam und wir Wasser und Kekse dabei hatten. Am Nachmittag haben wir noch eine kleine Runde durch den Wald gedreht (Heidelbeeren) und sind dann ins Folkets Hus ins Kino gegangen. Den Film eclipse fand ich zwar gerade noch mittelmäßig, aber er scheint sich auch eher an Mädchen von 11-15 zu richten und so sehr interessieren mich Vampire und Werwölfe denn auch nicht. Das Kino ist aber überraschend groß und schön. Schade, dass der Film nicht synchronisiert war, denn ich hätte gerne Schwedisch gehört und nicht nur gelesen. Schade auch, dass das Popcorn versalzen war. Morgen fahren wir beide in die Stadt und ich gehe wieder zum Arbeiten. Fazit: Besuch ist toll. Mehr davon!

Wahl

Heute war ich wählen. Praktischerweise sind in Schweden Reichstags-, Landtags- und Kommunalwahl an einem Tag.

In einem Vorraum konnte man sich aus einer Menge kleiner Wahlzettel bedienen. Man nimmt sich pro Wahl einen Zettel. Entweder einen Blankozettel (im 2. Bild links unten), einen Zettel, der zu einer Partei gehört (links) oder einen Zettel, auf dem man eine Person wählen kann (rechts).

Dann ging ich im nächsten Raum in eine Wahlkabine, wo ich aber nichts mehr ausfüllen musste, da ich jeweils einen Parteizettel genommen habe, den man dann einfach in einen Umschlag steckt. Dann hat man mich freundlich daran erinnert, die Briefumschläge zuzukleben, mir freundlich einen Umschlag gegeben, den ich unbemerkt habe fallen lassen und ebenso freundlich einen der drei Briefumschläge zurückgegeben, denn an der Reichtagswahl darf ich als Nichtschwede gar nicht teilnehmen. Ich kam mir ein bisschen blöd vor, zumal ich eigentlich wusste, dass an der Reichtagswahl nur Schweden teilnehmen dürfen.

Laut Umfragen scheint es im Reichstag wieder eine knappe Mehrheit für die Mitte-Rechts-Koalition zu geben, die auch schon 2006 mit knapper Mehrheit die Regierung gebildet hat. Aber es bleibt spannend.

Mehr Informationen

Nachtrag (Mo, 20. September)

Das Resultat der Reichstagswahl war erschreckend: Die nationalistische und ausländerfeindliche Sverigedemokraterna hat 5.7% der Stimmen bekommen und sitzt mit 20 Sitzen im Parlament. In Skåne, der südlichsten Provinz Schwedens, bekam SD über 10%.

Wo ist Weihnachten?

Heute morgen sonnig, -16 °C. Gestern zwei cm Neuschnee bei ± 10 °C.

Es sind noch drei Wochen bis Weihnachten und während man in Deutschland der allgegenwärtigen Vorweihnachtsstimmung kaum entkommen kann, bekomme ich hier wenig davon mit, dass wir uns mitten in der Adventszeit befinden. Aber halt, ein paar Sachen gibt es doch:

1. Musik

In einigen Läden hört man Weihnachtslieder; bevorzugt amerikanische im Frank-Sinatra-Stil. Schwedische Lieder (und da gibt es viele) habe ich noch nicht gehört.

2. Süßes

Meine Eltern haben mir ein riesiges Paket geschickt. Mit Lebkuchen, Spekulatius, Zimtsternen, Pfeffernüssen und hausgemachten Keksen. Toll! Hier gibt es in den Supermärkten neben den im ganzen Jahr erhältlichen Pfefferkuchen als einziges weihnachtlich angehauchtes Süßes nur „Mäusespeck“ und Fruchtgummis in Form von Jultomte, Schneemann, Baum und Glocke. Die schmecken zwar ganz OK, das war‘s dann aber auch. Und über den Brauch, Schmierkäse aus der Tube auf die Pfefferkuchen zu streichen, schreibe ich hier mal lieber nichts …

3. Licht

Ich weiß nicht, ob es der dunkle Winter oder die Adventszeit mit sich bringt; in vielen Fenstern ist Licht. Als Kerzenpyramide, in Sternform oder Lichterkette (gerne auch mal in blau, rot oder bunt), viele Häuser sind beleuchtet und das gibt eine sehr schöne Atmosphäre, wenn es um drei Uhr nachmittags schon dunkel ist.

Weihnachten in Båtfors

Den diesjährigen Heiligabend (auf schwedisch Julafton, also Weihnachtsnachmittag) hatten Sonya, die gerade zu Gast ist, und ich Gelegenheit, ein schwedisches Weihnachtsfest mitzuerleben. Annica und Martin hatten uns mit nach Båtfors eingeladen. Das liegt etwa 70 Kilometer landeinwärts direkt am Skellefteälven. Dort war ich schon einmal am 16. Mai und es war interessant, die beiden Aufenthalte zu vergleichen: Auch damals habe ich ein Thermometer fotografiert, aber es zeigte mit +22½ Grad fast fünfzig Grad mehr an. Der Fluss war frei, auch wenn noch Eisschollen auf ihm trieben. Die schöne, über den Fluss hängende Birke hatte noch keine Blätter, jetzt hat sie schon lange keine mehr. Frühling, Sommer und Herbst sind kurz hier in Nordschweden.

Ich war am Morgen des 24. schon früh wach und war kurz draußen, um bei herrlich, frostig-klarem Wetter ein paar Fotos zu machen. Nach einem kleinen Frühstück haben Sonya und ich einen herrlichen Spaziergang gemacht. Die Temperatur lag dabei die ganze Zeit um -25 °C und wir waren über unsere warmen Klamotten sehr froh. Bei der Kälte legt sich nach einiger Zeit Raureif auf Mütze, Pelzkapuze, Haare und Augenlider.

Mittags kamen wir zurück und haben noch von der heißen Risgrynsgröt – der traditionellen Weihnachts­grütze abbekommen. Sie ist vielleicht am ehesten mit Milchreis zu vergleichen. Später am Tag gab es dann das traditionelle Julbold, das schwedische Weihnachtsessen, zu dem eine ganze Reihe Leckereien gehören, unter anderem:

  • inlagd sill (eingelegter Hering)
  • julskinka (Weihnachtsschinken)
  • Janssons frestelse (Kartoffelgratin mit Anchovis)
  • prinskorv (in der Pfanne gebratene, kleine Würstchen)
  • revbensspjäll (Schweinerippchen)
  • köttbullar (die kennt ja jeder …)

Dazu noch Kartoffeln, Lachs, Brot, Salate, Eier mit Krabben, kalten Elchbraten und manches mehr. Wer es ganz traditionell macht, nimmt erst von den kalten Fischgerichten, dann von den kalten Fleischspeisen und zum Schluss von den warmen Gerichten. Wer Hunger hat – und das hatten wir alle – nimmt sich einfach, was er will. So sah der Tisch mit den kalten Gerichten aus (Elch fehlt noch):

Später kam dann der Jultomte, der für die Geschenkevergabe zuständig ist. Auf jedem Geschenk steht etwas wie „God Jul Lasse önskar Anna“ – zu deutsch „Frohe Weihnachten Lasse wünscht Anna“ – als Zeichen, dass Anna Lasse etwas geschenkt hat. Sonya und ich habe unsere gegenseitigen Geschenke falsch herum beschriftet und mussten tauschen. Erst werden alle Geschenke verteilt, dann wünscht Jultomte „God jul!“ – Frohe Weihnachten und verschwindet. Dann erst packen alle gleichzeitig ihre Geschenke aus.

Später am Abend haben sich dann die meisten an den großen Tisch gesetzt, um Julklapp zu spielen. Erst darf sich jeder, der eine Eins oder Sechs würfelt ein Geschenk nehmen. Wenn alle Geschenke verteilt sind, werden sie ausgepackt und vorgestellt. Eine Prima Gelegenheit, Schwedisch zu lernen. Dann wird zwanzig Minuten lang gewürfelt und jeder, der eine Eins oder Sechs würfelt, darf ein Geschenk klauen. Sehr lustig und auch ein bisschen spannend, denn manche Geschenke sind nicht uninteressant und werden kräftig hin- und hergestohlen.

Es war interessant und toll, mit einer schwedischen Großfamilie mit vier Generationen Weihnachten zu verbringen. Vielen Dank noch einmal an Annica und Martin für die nette Einladung in ihren persönlichen Kreis.

Und heute am 26. hier in Skelleftehamn: Ein trüber Tag – kein Schneefall – keine Sonne bei -9 °C. Der Schnee ist auf 80 cm zusammengesackt. Schöne Schneeschuhtour mit kurzer Pause auf der Insel Storgrundet. Mittagpause · Einkaufen · Köttbullar · 3D-Kino · Fotos sortieren, Skypen und Blog schreiben.

Jokkmokksmarknad · Teil 1

Heute gegen zehn bin ich in Jokkmokk angekommen, wo gestern von der Kronprinzessin Viktoria der 406. Jokkmokksmarkt eröffnet wurde.

Ich mag die Stimmung auf dem Markt schon sehr. Dieses kunterbunte Gemisch aus samischer und schwedischer Kultur –  ein Stand hat Kunsthandwerk, der nächste Fellmützen, der darauf kleine Plastikruten zum Eisfischen. Danach folgen Stände mit Messern, Lakritz, Wollunterwäsche, Küchenzubehör, Rentierfellen und handgefertigten Stiefeln, aber auch mit hässlichen T-Shirts, wie man sie auf jedem Markt Europas findet. Und dazwischen laufen, stehen, schauen Menschen vieler Nationen. Manche in samischer Tracht, die nächsten in aufgeplusterten Daunenjacken, andere im knöchellangen Pelzmantel oder im Skioverall – Hauptsache warm.

Dabei ist es heute mit Temperaturen von knapp über -10 °C gar nicht so kalt und es schneit die ganze Zeit vor sich hin. Wer aber doch fröstelt, der geht in die Schulen, denn auch dort sind Stände, vor allem mit Kunsthandwerk. Unter Basketballkörben und neben Sprossenwänden findet man elegante Mode, Schmuck mit alten samischen Motiven, sehr schöne – und lange – Holzski, naturgetreue Vogelmodelle aus Holz und manches mehr.

Um zwei startet das Rentierrennen auf dem See. Jeweils zwei Teams treten gegeneinander an: Ein Ren zieht einen Schlitten, auf dem ein Mensch kniet oder liegt und rennt eine kleine Runde, ehe es dann mit ein bisschen Mühe wieder zur Ruhe gebracht hat. Vielleicht mache ich morgen einen kleinen Film, denn es sieht zu lustig aus, wenn Rens galoppieren.

Mit dabei ist Kronprinzessin Viktoria, die der Mittelpunkt vor allem aller Kamerabesitzer ist. Als das Rennen zu Ende ist, läuft sie einfach an allen Menschen vorbei, winkt hier, sagt dort „Hej“ und auch später auf dem Markt sieht man sie wieder.

Eigentlich stelle ich ja keine Fotos von Personen ohne deren Genehmigung online. Zum einen wäre das hier aber ein bisschen schwierig, zum anderen findet man aber schon jetzt so viele Fotos von Ihr heute auf dem Jokkmokksmarkt, dass ich mal eine Ausnahme mache. Ich denke, Kronprinzessinnen sind das gewöhnt.

Gegen vier ist es dunkel und obwohl die Stände alle noch aufhaben, leert sich der Markt spürbar. Später am Abend sind noch einige kulturelle Veranstaltungen in Restaurants, Schulen und den großen samischen Zeltkoten, aber viel ist auf den Straßen nicht mehr los.

Meine Pläne für morgen:

  • Die alte, kleine Kirche anschauen
  • Zum Joik-Workshop ins Aitte-Museum
  • Rentierfelle kaufen
  • Und davor: Ausschlafen

Danke an Cecilia, die mir hier für zwei Tage eine nette Privatunterkunft bei einer Freundin besorgt hat.

Jokkmokksmarknad · Teil 2

Temperaturen um -12 °C, leichter bis mäßiger Schneefall.

Was macht man an einem langen Tag auf dem Jokkmokksmarkt, wenn man am Vortag auch schon die ganze Zeit geschaut hat?

Kaufen Am Anfang habe ich einige antiquarische Bücher gekauft und in meine Unterkunft gebracht. Dann ein großes, getrocknetes Rentierfell. Wenn die Felle nur getrocknet sind, muffeln sie zwar ein bisschen, aber dafür kann man sie im Gegensatz zu den gegerbten einfach draußen auf den Schnee legen. Zum Schluss habe ich noch warme Wollfäustel gekauft. Diese extra zu groß, denn wenn sie bei 30 °C in der Maschine gewaschen werden, laufen sie ein, passen (hoffentlich) und sind dann noch wärmer.

Fotografieren, heute mit selbst gestellter Aufgabe: Von acht nebeneinander liegenden Ständen je zwei Fotos machen und je eines davon hier online stellen, egal ob gut geworden oder nicht. Nikonlinse 50mm/1.4. Bitte schön:

Schauen Erst habe ich mir die kleine alte Kirche angeschaut, dann war ich in der Samenschule, einem Heim und anderen Gebäuden, wo es von Ziegenkäse und Lachs über wunderschönen und entsprechend teuren Holzgefäßen, Mode und Gemälden auch wieder den Stand mit Schmuck aus Menschenhaar gab. Und wenn jemand einen Schlüpfer aus dem gleichen Material braucht: Auch den gibt‘s dort. Ich kann gut darauf verzichten.

Tourist sein, und dazu gehört, dass man den Zug der Rentiere fotografiert, der jedes Jahr auf dem Markt stattfindet. Bitte schön:

Mittagsschlaf Ein herrlicher Luxus, mal kurz zwanzig Minuten die Augen zuzumachen und danach in zwei Minuten wieder auf dem Markt zu sein.

Joiken Um drei Uhr nachmittags war ein Joikworkshop. Dort haben wir einige Tierjoiks gelernt, so den vom Hasen, der Krähe, dem Elch und dem Wolf. Das war ziemlich interessant. Ich werde in den nächsten Tagen ein Video online stellen.

Essen Zu empfehlen: Die Waffeln mit Moltebeerenmarmelade und Sahne im Café Gasskas.

Tanzen Ich war Abends noch mit Freunden meiner Gastgeberin zum Volkstanz. Dort haben wir versucht, uns den Schottischen abzuschauen, sind aber bei den schnellen Drehungen gescheitert und eine Schwedin hat mir gezeigt, wie ein Walzer im Volkstanz geht. Gut, dass ich vorher meine dicken Winterstiefel ausgezogen habe … . Die Musik wird ausschließlich von Geigen gespielt und ich mag diesen tänzerisch, leichten Klang sehr gerne.

Heute stand ich dann ein bisschen doof am Busbahnhof, denn der Bus nach Luleå fuhr gar nicht. ResRobot, Die Reiseauskunft auf meinem iPhone hat nämlich nicht gerade darauf aufmerksam gemacht, dass der 10:25-Bus ab Jokkmokk gar nicht am gleichen Tag, sondern erst am Sonntag fährt. Und für heute auch keine Verbindungen mehr gefunden. Toll! Zum Glück gibt es noch eine etwas umständlichere Verbindung über Arvidsjaur, aber ich habe ja Zeit und freue mich, dass ich heute Abend zu Hause bin.

… vorausgesetzt, unser Bus bleibt auf der Spur, denn kurz hinter Jokkmokk hat der Busfahrer der Gegenrichtung den Bus in den Tiefschnee gesetzt. Er hing schräg neben der Straße im Graben. Alle Passagiere saßen noch im Bus und passiert ist zum Glück nichts.

NB: Da drücke ich bei WordPress einmal versehentlich „Publizieren“ statt „Vorschau“ und schon finde ich meine eigenen Schreibfehler drei Minuten später bei Google wieder. Jetzt ist Café Gasskas aber richtig geschrieben.

Bokrean

Letztes Jahr, als ich in Skellefteå war, habe ich ihn um genau einen Tag verpasst. Aber jetzt lebe ich ja hier und bin natürlich gleich am ersten Tag hingegangen.

Ich spreche vom „Bokrean“, dem Buchausverkauf, der jedes landesweit an einem Tag im Februar beginnt. Dieses Jahr war es der 23. Februar und noch nie habe ich Bokia, unseren Buchladen so voll gesehen. Am Eingang des Ladens stapelten sich Einkaufskörbe und überall standen Verkaufstische, Stände und teilweise auch einfach Kisten auf der Erde, gefüllt mit Büchern, Büchern, Büchern.

Der Buchausverkauf hat schon in den späten zwanziger Jahren begonnen, als die Verlage ihre Restauflagen verkauft haben. Inzwischen ist der Bokrea ein Event für alle Buchliebhaber. Aber auch für den Buchhandel, für den der Sonderverkauf eine ähnlich wichtige Rolle wie das Weihnachtsgeschäft spielt.

Nun ist es ja nicht so, dass ich nicht schon das eine oder andere Buch besitze, aber einfach an den Büchern vorbeigehen – völlig unmöglich!

Heute wanderten die folgenden Bücher in meine Tasche:

  • Per Olav Enquist „Ett annat liv“ – die Autobiografie.
  • „Kajak. Upplevelser och motion“ – schließlich will ich im Sommer Kajak fahren
  • „Vilda bär“ – Damit ich in Zukunft auch die etwas exotischeren Beeren erkenne
  • „Hundraåringen som klev ut genom fönstret och försvann“ – als Hörbuch zum Schwedisch üben
  • Bonniers Naturguider „Insekter“ und „Fåglar“ – denn so etwas habe ich nur auf deutsch
  • Dan Brown „Den förlorade Symbolen“ – Ein dicker Wälzer, muss auch mal sein

Bezahlt habe ich für alles 434 Kronen, also knapp 50 Euro. Mal sehen, ob ich morgen an Bokia vorbeigehen kann oder noch einmal kurz hineinschauen muss…

Wer schwedisch kann und mehr wissen möchte kann über Bokrean auf Wikipedia einiges erfahren.

Skellefteå AIK

In Essen habe ich mehrere Jahre direkt neben der Eissporthalle gewohnt. Und habe es kein einziges Mal geschafft, mir ein Spiel anzuschauen. Nun, mein Interesse am Sport gucken ist auch begrenzt. In Schweden spielt Hockey (keiner spricht hier von Eishockey) eine wesentlich größere Rolle und als Leif gestern eine Karte für eines der Endspiele übrig hatte, habe ich mich sofort entschieden, mitzugehen.

Und so habe ich mir gestern mit 6000 anderen Besuchern das vierte Finalspiel des Skellefteå AIK (wir, die Guten) gegen Färjestad BK (die anderen, Südschweden) angeschaut. Meister wird der, der als erstes vier Spiele gewonnen hat und so kann es bis zu sieben Finalspiele geben. Färjestad BK führte 2:1 in Spielen, aber jetzt hatte Skellefteå AIK Heimspiel.

Meine Güte, war das spannend! Beide Mannschaften haben extrem temporeich und auch zunehmend aggressiver gespielt. Im zweiten Drittel (man spielt drei Drittel à zwanzig Minuten) fiel dann das ersehnte 1:0 für Skellefteå AIK, die das Spiel ganz klar dominiert haben. Leider fiel kurz darauf das Gegentor. Mist!

Die vier Schiedsrichter hatten einiges zu tun und zeitweise waren bis zu vier Spieler aus dem Spiel genommen. Ich hätte glaube ich keine fünf Sekunden auf diesem Spielfeld überlebt; ein ganz schön tougher Sport!

Da es nach dem dritten Drittel immer noch 1:1 stand, ging das Spiel in eine Verlängerung. Und dort hat – wupps, ganz plötzlich – Färjestad BK das 2:1 geschossen. Man muss dazu sagen, dass es in Torschüssen 44:25 für Skellefteå AIK stand und es schon großes Pech war, dass Skellefteå AIK nur bei einem seiner 44 Torschüsse wirklich einen Treffer landen konnte. Aber es gewinnt nun mal die Mannschaft mit den meisten Toren, nicht die, die im Spiel überzeugender war.

Kaum fiel das 2:1, war es, als hätte man einen Schalter umgelegt. Das Klatschen und die Gesänge hörten abrupt auf und alle AIK-Fans standen auf und verließen das Stadion. Ich fand das sehr seltsam und gegenüber der Mannschaft irgendwie auch nicht fair, die wirklich ein hervorragendes Spiel geliefert hat. Aber die Enttäuschung der Fans war einfach sehr groß, denn die Chancen, dass ihr Skellefteå AIK nach dreiunddreißig Jahren endlich mal wieder Meister wird, sind nach diesem Spiel doch sehr gering. Immerhin müsste der Verein jetzt drei Spiele, davon zwei Auswärtsspiele, in Folge gewinnen. Und das ist doch sehr unwahrscheinlich, denn vermutlich wird Färjestad BK ihr nächstes Heimspiel gewinnen und Meister werden.

Ich bin ja überhaupt nicht der Typ, der so richtig Fan von einem Verein wird, aber ich glaube, nächste Saison schaue ich mir wieder ein, zwei Spiele an.

Valborg

„Der Frühling ist da“ – So könnte ich eigentlich die letzten Artikel alle nennen. Ob ich das erste Mal Boot mitfahre, den ersten Marienkäfer oder die erste Wildblume sehe, das Eis auf dem Fluss aufbricht und verschwindet oder auch mein Fahrrad wieder Sommerreifen bekommen hat, alles handelt davon, dass der Winter vorbei ist und der Frühling beginnt.

Gestern wurde in Schweden Valborg gefeiert, die schwedische Version der Walpurgisnacht. Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei ist das Valborgsbrasa, das Maifeuer, welches am Abend entzündet wird. Zwar ist es dann noch hell, aber so haben auch die vielen Kinder noch etwas davon. Sie springen hin und her, werfen kleine Zweige ins Feuer und schauen – wie die Erwachsenen auch – froh in die wärmenden Flammen.

Ich war um vier mit Freunden in der Stadt verabredet. Schon aus dem Bus in der Stadt konnte ich ein anderes Frühlingszeichen entdecken: Die Birken bekommen Blätter. Noch sind sie klein und zusammengefaltet, aber selbst dieser Hauch von Grün lässt die Natur weniger karg wirken.

Bei den Freunden wurde ich mit einem phantastischen Elchgeschnetzeltem verwöhnt. Um sechs sang draußen der Männerchor auf – man könnte sagen – einer öffentlichen Frühlingseröffnung. Alle Lieder handelten davon, den Frühling und den Mai zu begrüßen und der Redner ließ zum Schluss den Frühling hochleben. Daraufhin rufen alle „Hurra hurra hurra hurra“, denn in Schweden lässt man vier Mal hochleben.

Wir haben uns dann noch mit Freunden meiner Freunde getroffen und gemeinsam den Abend verbracht. Um halb neun haben wir uns das Feuer angeschaut, sind dann aber wieder ins Warme gegangen. Um kurz vor zwölf habe ich dann den Bus nach Hause genommen, denn nach fast acht Stunden schwedisch sprechen und verstehen versuchen bin ich einfach müde.

Nun warte ich noch auf mein letztes persönliches Winter-ist-vorbei-Zeichen: Dass auch der letzte Schneerest auf meinem Grundstück weg schmilzt. Aber es liegt im Schatten der Nachbarsgarage und hält sich hartnäckig. Aber in ein paar Tagen ist er verschwunden und ich kann darüber schreiben. Vielleicht nenne ich den Artikel dann „Der Frühling ist da“.

Fast ein Sommertag

Gestern war doof, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich wollte „mal eben schnell“ ein Betriebssystemupdate machen. Dabei sollte ich wissen, dass es „mal eben schnell“ bei Computern nicht gibt. Ach bei Macs nicht. Jetzt läuft aber hoffentlich alles wieder (ja, ich meine Dich, windowserver!) und ich kann mal wieder etwas schreiben.

Heute morgen habe ich in meinem Wintergarten gefrühstückt. Selbst wenn draußen nur sieben Grad sind, ist es dort schon richtig warm. Immerhin geht die Sonne um zwanzig vor vier auf und hat Zeit, vorzuheizen. Zwei Spatzen haben sich wohl entschlossen, unter den Dachziegeln ein Nest zu bauen. Mir soll‘s recht sein, wenn sie danach die Wohnung besenrein übergeben. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Auto sieben, acht Meilen nach Kusfors gefahren und habe Lasse besucht. Wir haben dann eine Rundtour in der dortigen Umgebung gemacht. Die erste Etappe war „Älgjägersfolkets Viste“, ein touristisch genutztes Gelände mit einigen sehr urigen Hütten und Koten sowie einer Schaukel, die nur aus Holz und Rentierleder zusammengesetzt ist.

Die nächste Etappe war das Naturreservat „Svansele Dammängar“. Lasse hat mir erklärt, dass es hier in der Region eine einmalige Art gibt, Heu auf Feuchtwiesen zu ernten, aber ich habe nicht alles verstanden. Mich erinnerten die Holzhütten ein bisschen ans Alpenvorland. Da sieht‘s ähnlich aus, bloß dass das Gras da bestimmt schon grüner ist.

Danach sind wir nach Gallejaur gefahren. Hier haben „drei alte Tanten“ gewohnt, die alle Gebäude im alten Stil bewahrt haben. Heute kann man sich das anschauen. Schön!

Zum Schluss waren wir noch an dem Anfangs- und Endpunkt der weltlängsten Seilbahn. Sie wurde bis in die achtziger Jahre benutzt, um Erz zu transportieren. Heute wird nur noch ein Teilstück betrieben, um Touristen herumzufahren. Die bekommen dann allerdings eine richtige Kabine und müssen nicht in den Erzkesseln hocken.

Alle diese touristischen Ziele haben eines gemeinsam: Wenn ich nächste Woche Besuch aus Deutschland bekomme, sind sie noch alle geschlossen. Wenn ich Mitte August wieder Besuch bekomme, sind sie schon wieder geschlossen.

Liebe Nordschweden: Ihr könnt vieles gut! Tourismus zählt aber mal überhaupt nicht dazu. Es gibt Länder, wo nicht alle Menschen gleichzeitig „semester“ – zu deutsch Urlaub – haben. Und diese Menschen kommen gerne auch im Mai und Juni, Ende August und sogar im September. Mit und ohne Kinder. Das heißt, sie kämen, wenn Ihr offen hättet. Und wenn ihr besser darin wärt, allen zu erzählen, wie schön es hier ist. Leider seid Ihr nämlich viel zu bescheiden, um auch nur einmal vorsichtig anzudeuten, dass es sich vielleicht lohnen könne, möglicherweise hierher zu kommen. Und so erfahre auch ich, der hier schon ein Jahr lebt, von den meisten Plätzen eher zufällig. Schade eigentlich!

So habe ich heute zwei Rollen eingenommen: Ich war Tourist und habe mir die schönen und interessanten Plätze angeschaut. Alles eher klein als pompös, aber durchaus lohnenswert. Und gleichzeitig haben Lasse und ich überlegt, wie man den Tourismus in Nordschweden stärken kann. Mal schauen, was ich in einigen Jahren beruflich so mache …

P.S.: Leider ist der windowserver wieder abgestürzt und hat so einiges mit sich gerissen. Da muss ich wohl mal morgen die Hardware testen. So‘n Schiet!