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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Zwei Vögel

1. Der Seidenschwanz

Ich habe heute zu Hause gearbeitet und überall auf den Telefonleitungen (ja, die gibt‘s hier), den Bäumen und vor allem den Antennen haben sich Seidenschwänze gesammelt, die wohl meinen, bei diesem windigen Herbstwetter könne man auch gut ein Stückchen gen Süden fliegen. Ich kann es ihnen nicht übel nehmen, denn es ist trüb und bei dem Wind fühlen sich auch 10 °C ganz schön ungemütlich an.

2. Der Wasserhahn

Ach ist das toll, wenn Leute einfach so Sachen reparieren können. Thomas ist gestern Abend gekommen und ist drei Tage hier, um Dinge in Ordnung zu bringen. Und schon leckt der Wasserhahn nicht mehr, kann ich das Kellerlicht auch von oben anmachen, damit es auf der Treppe hell ist (Funk sei Dank), hat die Heizung im Gästezimmer einen Thermostat, steht die Badewanne wieder gerade und noch so manches mehr. Es ist ein tolles Gefühl, einfach Dinge auf meiner langen Im-Haus-Zu-Tun-Liste abhaken zu können. Und zugleich bekomme ich ein Schwedischintensivsprachtraining. Da ich aber heute einige Stunden mit Thomas unterwegs war, um alles einzukaufen, muss ich leider gleich noch ein bisschen arbeiten …

Skellefteå Bird Race

Heute hatte ich die Gelegenheit, bei dem alljährlich im Januar stattfindenden Vogelbeobach­tungs­wettbewerb dabei zu sein. Die Regeln sind einfach: Von 8:00 bis 15:00 versucht man so viele Arten wie möglich in der Kommune Skellefteå zu sichten. Acht Zweierteams sind heute angetreten und ich durfte bei Patrick und Joakim im Auto mitfahren.

Gulsparv – Goldammer

Ich fand es interessant, dass die beiden spezielle Stellen kannten, wo eine besondere Vogelart, zum Beispiel turkduva oder stenknäck vorkommt. Sehr schade, dass wir den kungsörn, den Steinadler nicht zu Gesicht bekamen.

Nach ausgiebigen Fahrten zu Vorgärten und Futterstellen in der Stadt sind wir erst ein kleines Stück nordwärts gefahren und dann in den Südwestzipfel der Kommune. 245 Kilometer haben wir an dem Tag im Auto zurückgelegt. (Und etwa 200 Meter zu Fuß im Tiefschnee.)

Interessant – wenn auch nicht verwunderlich – war, dass Arten wie Amsel oder Buchfink, die in Deutschland sehr häufig sind, hier lange gesucht werden müssen und auch nicht von jedem Team gesichtet wurden. Umgekehrt gilt es aber auch: Wer hat denn in Deutschland schon mal einen Seidenschwanz gesehen?

Wir haben in der Zeit 33 verschiedene Arten gesichtet. Da dieses Jahr wegen der früh vereisten Ostsee keine Seevögel zu beobachten waren und zudem an jedem Wegrand meterhoch Schnee lag, haben wir damit wohl recht gute Gewinnaussichten.

Abends um halb sieben haben wir uns erst zum Essen getroffen (Gilt Curryhühnchen eigentlich als eigenständige Vogelart?) und dann wurde in eine Tabelle systematisch eingetragen, welches Team welchen Vogel gesehen hat und Fundstellen ausgetauscht. Knapp war es, aber wir haben tatsächlich gewonnen. Ich schreibe hier nur deshalb „wir“, da ich mit im Auto saß, denn beitragen konnte ich zu dem Ergebnis nicht.

Ein schöner, interessanter und spannender Tag, bei dem ich wieder neue Schwedischvokabeln gelernt habe. Schade, dass man Worte wie „Wasseramsel“ im Alltag nicht so oft braucht.

Für die, die es interessiert (mj, liest Du mit?), diese Vögel haben wir im Team heute gesichtet:

schwedisch deutsch
Gräsand Stockente
Duvhök Habicht
Sparvhök Sperber
Järpe Haselhuhn
Tamduva Straßentaube
Turkduva Türkentaube
Gråspett Grauspecht
Större hackspett Buntspecht
Sidensvans Seidenschwanz
Strömstare Wasseramsel
Koltrast Amsel
Björktrast Wacholderdrossel
Talltita Weidenmeise
Svartmes Tannenmeise
Blåmes Blaumeise
Talgoxe Kohlmeise
Nötskrika Eichelhäher
Skata Elster
Nötkråka Tannenhäher
Kaja Dohle
Kråka Aaskrähe
Korp Kolkrabe
Gråsparv Haussperling (Spatz)
Pilfink Feldsperling
Bofink Buchfink
Grönfink Grünling (Grünfink)
Gråsiska Birkenzeisig
Mindre körsnäbb Fichtenkreuzschnabel
Domherre Gimpel (Dompfaff)
Gulsparv Goldammer
Nötväcka Kleiber
Stenknäck Kernbeißer
Sångsvan Singschwan

Nachtrag (27.01.):

Und das sind die sieben Vogelarten, die von anderen Teams gesichtet wurden:

Mindre hackspett Kleinspecht
Orre Birkhuhn
Spillkråka Schwarzspecht
Tofsmes Haubenmeise
Tretåig hackspett Dreizehenspecht
Trädkrypare Waldbaumläufer
Varfågel Nördlicher Raubwürger

Ein Jahr Schweden

Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich übermüdet von der langen Anreise mit Rucksack, großer Tasche und zwei Koffern hier ankam. Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter mir und ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass jetzt auch einfach mal ein bisschen Alltag einkehrt.

Dementsprechend habe ich den heutigen Tag – den ersten der vier freien Ostertage – weder gefeiert noch habe ich groß zurückgeschaut. Statt dessen habe ich einfach das schöne Wetter genossen und mit mir die gesamte Natur. Die Vögel haben getwittert, äh gezwitschert, die ersten Frösche waren draußen und die ersten wilden Blumen am Straßenrand blühen.

Nur mein Auto musste heute ein bisschen leiden. Gestern habe ich mit netter Nachbarshilfe Sommerreifen aufgezogen und heute bin ich ein bisschen gefahren. Dieser eine schöne Waldweg wurde allerdings immer schlechter und immer matschiger und nach einer Kurve sah er mehr aus wie ein Übungsgelände für Jeeps. Also musste ich rückwärts zurück. Um die Kurve. Mit Sommerreifen auf rutschigen Boden. Und prompt bin ich auch – so richtig schön Fahranfänger – ein bisschen vom Weg abgekommen und habe mich im weichen Straßenrand festgefahren. Na toll! Ich hatte aber (eigentlich eher für Schnee gedacht) vier schmale, alte Bretter dabei, die ich dann unter die Reifen gelegt habe. Und mit vielen Mal vorwärts und rückwärts rangieren, ungefähr zehn Mal den Motor abwürgen, durchdrehenden Reifen bei Motorgeheul und einigen Flüchen bin ich tatsächlich wieder auf den Weg gekommen und habe auch ganz schnell eine Stelle zum Wenden gefunden. War ich erleichtert! Es hat sich zwar beim Zurückfahren gezeigt, dass ich keine 100 Meter hätte laufen müssen, um Hilfe zu bekommen, aber ich war trotzdem sehr froh, das Auto alleine wieder frei bekommen zu haben. Heute gelernt: Sommerreifen haben ihre Grenzen und mein Auto ist kein Kettenfahrzeug.

Zum Schluss noch zwei kleine Winter-Frühjahrsvergleiche:

P.S.: Zum halbjährigen Jubiläum habe ich den hundertsten Beitrag geschrieben, heute zum einjährigen den zweihundertsten. Zufall oder deutsche Wertarbeit?

Fast ein Sommertag

Gestern war doof, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich wollte „mal eben schnell“ ein Betriebssystemupdate machen. Dabei sollte ich wissen, dass es „mal eben schnell“ bei Computern nicht gibt. Ach bei Macs nicht. Jetzt läuft aber hoffentlich alles wieder (ja, ich meine Dich, windowserver!) und ich kann mal wieder etwas schreiben.

Heute morgen habe ich in meinem Wintergarten gefrühstückt. Selbst wenn draußen nur sieben Grad sind, ist es dort schon richtig warm. Immerhin geht die Sonne um zwanzig vor vier auf und hat Zeit, vorzuheizen. Zwei Spatzen haben sich wohl entschlossen, unter den Dachziegeln ein Nest zu bauen. Mir soll‘s recht sein, wenn sie danach die Wohnung besenrein übergeben. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Auto sieben, acht Meilen nach Kusfors gefahren und habe Lasse besucht. Wir haben dann eine Rundtour in der dortigen Umgebung gemacht. Die erste Etappe war „Älgjägersfolkets Viste“, ein touristisch genutztes Gelände mit einigen sehr urigen Hütten und Koten sowie einer Schaukel, die nur aus Holz und Rentierleder zusammengesetzt ist.

Die nächste Etappe war das Naturreservat „Svansele Dammängar“. Lasse hat mir erklärt, dass es hier in der Region eine einmalige Art gibt, Heu auf Feuchtwiesen zu ernten, aber ich habe nicht alles verstanden. Mich erinnerten die Holzhütten ein bisschen ans Alpenvorland. Da sieht‘s ähnlich aus, bloß dass das Gras da bestimmt schon grüner ist.

Danach sind wir nach Gallejaur gefahren. Hier haben „drei alte Tanten“ gewohnt, die alle Gebäude im alten Stil bewahrt haben. Heute kann man sich das anschauen. Schön!

Zum Schluss waren wir noch an dem Anfangs- und Endpunkt der weltlängsten Seilbahn. Sie wurde bis in die achtziger Jahre benutzt, um Erz zu transportieren. Heute wird nur noch ein Teilstück betrieben, um Touristen herumzufahren. Die bekommen dann allerdings eine richtige Kabine und müssen nicht in den Erzkesseln hocken.

Alle diese touristischen Ziele haben eines gemeinsam: Wenn ich nächste Woche Besuch aus Deutschland bekomme, sind sie noch alle geschlossen. Wenn ich Mitte August wieder Besuch bekomme, sind sie schon wieder geschlossen.

Liebe Nordschweden: Ihr könnt vieles gut! Tourismus zählt aber mal überhaupt nicht dazu. Es gibt Länder, wo nicht alle Menschen gleichzeitig „semester“ – zu deutsch Urlaub – haben. Und diese Menschen kommen gerne auch im Mai und Juni, Ende August und sogar im September. Mit und ohne Kinder. Das heißt, sie kämen, wenn Ihr offen hättet. Und wenn ihr besser darin wärt, allen zu erzählen, wie schön es hier ist. Leider seid Ihr nämlich viel zu bescheiden, um auch nur einmal vorsichtig anzudeuten, dass es sich vielleicht lohnen könne, möglicherweise hierher zu kommen. Und so erfahre auch ich, der hier schon ein Jahr lebt, von den meisten Plätzen eher zufällig. Schade eigentlich!

So habe ich heute zwei Rollen eingenommen: Ich war Tourist und habe mir die schönen und interessanten Plätze angeschaut. Alles eher klein als pompös, aber durchaus lohnenswert. Und gleichzeitig haben Lasse und ich überlegt, wie man den Tourismus in Nordschweden stärken kann. Mal schauen, was ich in einigen Jahren beruflich so mache …

P.S.: Leider ist der windowserver wieder abgestürzt und hat so einiges mit sich gerissen. Da muss ich wohl mal morgen die Hardware testen. So‘n Schiet!

Alltag

Nachdem meine Eltern wieder nach Deutschland gefahren sind, hat sich hier wieder eine Art Alltag eingestellt. In Stichpunkten (da müde):

  • Es wird nicht mehr richtig dunkel. Die Abenddämmerung geht nahtlos in die Morgendämmerung über, ehe um zwanzig vor drei die Sonne aufgeht.
  • Das Leitungswasser muss weiterhin abgekocht werden. Man kann wohl Parasiten im Wasser erst nach dem Einbau von UV-Filtern mit Sicherheit ausschließen. Und das kann noch ein paar Monate dauern. Aber – man gewöhnt sich dran.
  • Mein Computer spinnt ziemlich, aber ein neuer ist bestellt. Der hat dann eine mit 750 GB eine größere Festplatte und ich habe wieder Platz für neue Fotos.
  • Das Spatzenpärchen ist unter meinem Dach wohnen geblieben. Ich glaube, sie sind noch am Brüten.
  • Ich werde diese Woche wohl komplett mit dem Bus fahren, da ich keine Lust habe, 18, 19 Kilometer gegen Windgeschwindigkeiten um 40 km/h zu radeln. Nennt mich ruhig faul, damit kann ich leben.
  • Heute war ich zum zweiten Mal in der Ostsee baden und bin nicht sofort wieder hinaus gesprungen. Lange im Wasser war ich aber dennoch nicht.

So, mehr schreibe ich jetzt nicht, dann ich bin müde. Ich war heute morgen um kurz nach halb sechs wach, also drei Stunden nach Sonnenaufgang.

Sommeranfang

Der schwedische Sommer ist da, jetzt auch astronomisch und damit quasi offiziell. Jeder, der ein Sommerhaus auf einer der Ostseeinseln hat, verbringt jetzt die meiste Zeit dort. Die Busse fahren nur noch halb so oft, die ersten Geschäfte haben eingeschränkte Öffnungszeiten und mancher Kunde verabschiedet sich bis Mitte August, denn er hat jetzt „semester“. Das mag verwirren, aber „semester“ ist einfach das schwedische Wort für Urlaub. (Semester auf schwedisch heißt hingegen „termin“, um die Verwirrung komplett zu machen.)

Viele Schweden verreisen nicht, sondern verbringen die gesamte Zeit in ihrer „stuga“ – ihrem Sommerhaus. Das heißt aber nicht, dass sie den ganzen Tag faul im Gras liegen, denn schließlich möchte man ja noch den Zaun erneuern, die Sauna ausbauen, den neuen Bootssteg ins Wasser lassen, das alte Haus streichen oder ein neues Haus bauen …

Die Hauptfrage, die zur Zeit in Schweden diskutiert wird: Wie wird das Wetter zum Mittsommerfest jetzt am Wochenende? Mittsommer ist schließlich ein wichtiger Feiertag und den möchte man draußen verbringen. Mit leckerem Essen! Letztes Jahr war es herrlich warm und sommerlich – wohl so schön wie lange nicht mehr, denn manche erinnern sich auch an ein Mittsommerfest mit Schneeregen. Brrr! Dieses Jahr wird es eher wechselhaft werden, aber das finde ich nicht so wichtig. Denn ich werde mit Freunden in deren neuem Sommerhaus feiern, und ich bezweifele stark, dass wir singend um die Mittsommerstange tanzen werden. Und lecker essen kann man ja auch drinnen.

Obwohl ich südlich des Polarkreises lebe, ist es vierundzwanzig Stunden am Tag hell, und vorgestern war der längste Tag. Jetzt werden theoretisch die Tage wieder kürzer, aber es wird zum Glück noch dauern, bis man davon etwas merkt.

Gestern Abend klarte es ein bisschen auf und ich bin zu einem der beiden Bootshafen Skelleftehamns gefahren. Die Parkplätze waren voll, denn – wie schon erwähnt – die meisten leben jetzt in ihren Sommerhäusern und verlassen die Insel nur noch für die letzten Arbeitstage, zum Einkaufen, oder um kurz zu Hause den Briefkasten zu leeren.

Die Fotos sind zwischen zehn und halb zwölf entstanden. Das Foto mit dem halben Boot gibt das spätabendliche Licht ganz gut wieder. Von den herrlich schönen Seeschwalben hätte ich gerne noch bessere Fotos gemacht. Aber die Vögel fanden meine Anwesenheit höchst unnütz und begannen immer mehr, Scheinangriffe auf mich zu fliegen (Mit voller Geschwindigkeit tief auf mich zufliegen und schreien, kurz vorher hochziehen, um dann von der anderen Seite noch einmal auf mich hinabstoßen, kurz vorher abdrehen und schnell wegfliegen schien ein beliebtes Muster zu sein.)

Belehrung für den aufmerksamen Leser: Dieser Artikel geht am Donnerstag Vormittag online – mitten an meiner Arbeitszeit. Ich lerne zur Zeit eine neue Programmiersprache namens „Objective C“ und lese viel darüber. Und da die Materie ziemlich schwierig ist, braucht mein Verstand immer wieder Erholungspausen. Und so eine kann man prima zum Veröffentlichen eines Blogartikels verwenden. Finde ich.

Ferien

Was herrlich, ich habe Ferien! Vier Wochen! Und das sind meine ersten richtigen Sommerferien, denn den letzten Sommer war ich hauptsächlich mit Umziehen beschäftigt.

Gestern war es grau und ich faul. Heute war wieder blauer Himmel und ich immer noch faul. Aber einen kleinen Gang in den Wald habe ich gemacht, und dabei diesen wunderschönen Fischadler vor die Linse bekommen, der über mir seine Kreise zog.

Heute gelernt: 1/400 reicht bei einer umgerechneten Brennweite von 450mm nicht aus, um den Vogel scharf abzulichten. Das nächste Mal werde ich hoffentlich dran denken, eine größere Blende zu benutzen und eventuell schnell noch den ISO-Wert ein bisschen heraufschrauben. Vielleicht gibt es hier ja demnächst noch ein besseres Bild.

Urlaub: Skellefteå

Die ersten 72 Stunden Urlaub mit Sonya:

Sonnenuntergang am Meer · Fischadler über dem See · Lachsfrühstück · Fahrradtour · am Strand liegen · im a****kalten Meer baden · Fotografieren · Grillen · Couscoussalat machen (Sonya) · mit Live-Klaviermusik wecken (ich) · Freunde besuchen · Markt in Burträsk · Sommerwärme · Privatführung in der Kirche mit Schwerpunkt Orgeltechnik · Pause auf der Insel Smedjeholmen · Fika mit Waffeln · kleine Runde mit dem Kanu (Kanadier) · Grillen (geht auch zwei Mal) · Abend mit Freunden · Nachts um halb drei am See · leckeres Frühstück · mit den Hunden toben · mit dem Kanu über den Göksjön zum Sandstrand · im See Baden · die ersten Walderdbeeren · zurück in Skelleftehamn · nochmals im Meer Baden · Kochen. Ich finde, das ist ein guter Anfang.

Mehr schreibe ich jetzt nicht, denn ich hab Urlaub.

Ach ja, Fotos gibt’s auch:

Südschweden

Wenn man von München nach Nordschweden gezogen ist, hat Südschweden eine erstaunliche Eigenschaft: Es liegt im Süden. Und dorthin – genauer gesagt in die Nähe von Trollhättan – bin ich vor gut zwei Wochen mit dem Nachtzug gereist.

Da Skellefteå leider, leider keinen Bahnhof hat – eine der Schattenseiten der Stadt – bin ich mit dem Auto 70 Kilometer landeinwärts nach Bastuträsk gereist, ein Städtchen, welches ebenso wie Långsele oder Jörn hauptsächlich denen bekannt ist, die öfter den Nachtzug nehmen. Und die wissen ebenso, dass es um die Pünktlichkeit der Züge nicht sehr gut bestellt ist.

Ich hatte noch Glück, in Bastuträsk hatte der Zug nur eine Stunde Verspätung und war statt um 19:00 um 20:00 da. Die Armen, die in Örnsköldsvik auf den Zug warteten, durften dagegen vier Stunden mitten in der Nacht auf dem Bahnhof stehen. Wegen Lokschaden. Mit drei Stunden Verspätung kam ich in Göteborg an, wo ich von Katrin, meiner Schwester und Familie aus Augsburg in Empfang genommen wurde. Sie sind am gleichen Tag mit der Fähre aus Kiel angekommen. Eine gute Stunde später waren wir in unserem Ferienhäuschen am See, welches wir für eine Woche gebucht hatten.

Südschweden hat viel. Viele Menschen, viele Straßen mit vielen Spuren, viele Schilder, viele Autos, viel Vieles. Das bin ich nicht mehr gewohnt und ich war nicht böse, als wir in unserem Häuschen im Grünen angekommen sind.

Aber es soll mir keiner nachsagen, dass ich Südschweden nur voll und hässlich finde, denn dort gibt es auch vieles anderes. Zum Beispiel …

Den Göta älv, dessen Wasser in Trollhättan durch Kraftwerksturbinen fließt. Doch im Sommer werden ein, zwei Mal am Tag die Tore geöffnet und die Wassermassen ergießen sich durch das Flusstal.

Das hübsche Städtchen Skärhamn auf der Nordseeinsel Tjörn mit seiner lachenden Kirche – nein, es ist keine Sonnenuhr, der Turm hat tatsächlich Nase und Mund.

Die herrliche Landzunge bei Lysekil mit ihren Granitformationen. Ein Paradies für Fotografen.

Eine herrliche Sandbucht am Vänern, dem größten See Schwedens (und dem drittgrößten Europas). Fotografiert habe ich aber lieber die kleine Ringelnatter.

Spannende Schleusen, Kanäle und ein Aquädukt, die verschiedene Seen zum Dalsland-Kanal verbinden. Nebenbei ein kleines Kanalmuseum, welches keiner versäumen sollte. In diesem Museum werden keine Gegenstände Typ Heimatmuseum ausgestellt, sondern Geschichten erzählt. Von Personen, die wirklich gelebt haben. Und diese Geschichten illustrieren die Ausstellungsstücke hervorragend. Große Klasse, finde ich.

Schöne Natur überall, direkt beim Haus genauso wie an der Nordsee oder auf den Tafelbergen Halleberg und Hunneberg am Vänern. Dort soll man auch Elche sehen. Nun – wir haben schon am zweiten Tag vom Auto aus eine dreiköpfige Elchfamilie direkt am Straßenrand stehen sehen. So nah war ich diesen Tieren noch nie in meinem Leben. Und ratet mal, wo meine Kamera war – im Kofferraum (grummel!).

Eine Woche später haben wir den Nachtzug zurück von Göteborg nach Bastuträsk genommen, denn natürlich wollten die Augsburger sehen, wie ich denn hier in Nordschweden lebe. Und was hatte der Zug: Einen Lokschaden. Warum aber das Zugpersonal der alten Lok auf offener Strecke mitten in der Pampa stehengelassen wurde, blieb uns ein Rätsel. Wohnten die dort? Mussten die sich schämen? Gingen die auf Jagd? Angeln? Wie gesagt – ein Rätsel.

Räuber, Tiefschnee und Birkhühner

Heute war ich mit Elisabet am Finnforsberget, der auch Räuberberg heißt, weil hier im 16. Jahrhundert Räuber ihr Unwesen getrieben haben. Während der Fall selbst in den Kirchenbüchern gut dokumentiert ist, gehört die Geschichte, die Räuber haben drei Jahre lang eine junge Frau gefangen gehalten, die auf einem Platz vor der Räubergrotte für sie tanzen musste, wohl eher dem Reich der Legenden an.

Entweder war die Grotte früher wesentlich größer, oder die Räuber gingen mir nur bis zum Knie. Ich musste für das zweite Foto in die Grotte hinein kriechen.

Danach sind wir weiter durch den Tiefschnee bergauf gestapft. Zum Anfang standen wir bis zum Knie im Schnee, weiter oben oft bis zur Hüfte. Es gibt vielleicht wenige, denen das Spaß macht. Elisabet und ich gehören dazu. Weit kommt man allerdings nicht.

Vor allem dann nicht, wenn plötzlich aus dem Schnee ein Schwarm Birkhühner auffliegt und im nahen Wald verschwindet. Als wir langsam weiter stapfen, bricht immer wieder ein einzelnes Huhn aus dem Schnee; manchmal nur wenige Meter von einem entfernt. Ich versuche, die Vögel zu fotografieren, aber sie sind zu schnell und meistens habe ich nur verschwommene Landschaftsstücke auf den Bildern.

Auf dem zweiten Foto sieht man gut das Loch, in dem es so ein Birkhuhn auch bei -40, -50 Grad noch recht gemütlich warm hat und daneben den streifenförmigen Abdruck der Federn, der beim Auffliegen entsteht.

Wir haben dann am Hang eine Brot-, Tee-, Keks- und Kakaopause im Schneefall gemacht, ehe wir wieder talwärts zum Auto zurückgelaufen sind. Eine schöne, kleine Zweistundentour.

Elisabet: Tack för idag.

Schwedischübersetzung des Tages:Tack för idag – Danke für heute. Das sagt man, um sich für eine Einladung, eine gemeinsame Tour oder was auch immer zu bedanken. Gibt es auch als Tack för igår (… gestern) oder Tack för senast (… letztens/neulich).

Die Singschwäne sind da

Heute bin ich zur nahen Bucht Harrbäckssand gefahren. Ich war neugierig, ob die Bucht noch eisbedeckt ist. Aber nur am Ufer waren noch einige Meter Eis, der größte Teil der Bucht war offen.

Das hat die Singschwäne gefreut, die nach ihrer Überwinterung in Mitteleuropa wieder in den Norden gezogen sind und jetzt offenes Wasser suchen. Knapp dreißig dieser Vögel, die ein wenig kleiner als der in Deutschland heimische Höckerschwan sind, schwammen auf dem Wasser und gründelten nach Nahrung.

Wenn sie sich ungestört fühlen, machen sie ziemlichen Lärm (Ich hätte diese Schwäne eher Trötschwäne genannt, aber nun ja). Leider sind die Vögel recht scheu und fliehen vor dem Menschen, daher war das Fotografieren trotz des Teleobjektivs nicht so leicht.


Diese Woche war das Wetter recht wechselhaft. Morgens war es meistens klar und mit Frühtemperaturen um -10 °C so kalt, dass sich in geschützten Lagen der Meeresbuchten wieder eine dünne Neueisdecke bilden konnte. Tagsüber gab es meistens blauen Himmel und obwohl die Temperaturen nur knapp über null steigen, hat die Sonne schon viel Kraft. Man sollte sich bloß nicht darauf verlassen, denn der nächste kleine und heftige Schneeschauer lauerte so manches Mal am Horizont und das, was die Sonne an Schnee weggeschmolzen hat, fiel wieder neu vom Himmel. Abends hingegen wurde es meistens wieder klar und der Vollmond strahlte über der ruhigen Ostsee.

Besuch

Vor einigen Tagen ist Jan, mein großer Bruder zu Besuch gekommen. Er ist zum ersten Mal hier und ich habe für die Zeit Urlaub genommen, damit wir gemeinsam die für ihn unbekannte Umgebung erkunden können. Und auch entdecke so manches Neues.

I. Wintereinbruch

Am Samstag wurden wir von einem neuen Wintereinbruch überrascht. Wieder einmal kamen Unmengen vom Wasser vom Himmel – teils als Regen, teils als Schnee – die den Wald und dessen Wege in weite Seenlandschaften verwandelt haben. Auf dem Weg lag teilweise noch dicker Altschnee, der aber so tief vom Wasser unterspült war, dass wir an der fotografierten Stelle umgekehrt sind.

Am Nachmittag war das Gras, welches sich nach dem Winter langsam aufrichtet, wieder mit nassem Schnee bedeckt. Aber das war nichts im Vergleich zu Lappland, wo ein Schneesturm zwanzig Zentimeter Neuschnee und Schneeverwehungen brachte. Anfang Mai!

II. Strandpromenade

Am Sonntag waren wir in Byske am Strand. Dort gibt es eine etwas größere Bucht mit Sandstrand, die jetzt auch fast nach Sommer aussehen könnte. Wenn nicht im Windschatten der kleinen Sandhaufen noch Schnee vom Samstag kleben würde. Sich nicht noch Eisschichten unter dem Sand verbergen würden. Und – die Wetterprognose versprach blauen Himmel – es nicht einige sehr nasse, windige Regenschauer gegeben hätte. Aber schön war es trotzdem und am Strand liegen finde ich eh total langweilig.

III. Wasserwandern

Gestern wollten wir nach Bjuröklubb, einer sehr schönen Halbinsel, die südlich von Bureå in die Ostsee ragt. Da Jans Wanderstiefel kaputt gegangen waren, hatten wir die Gummistiefel dabei, die ich ihm als Ersatz geliehen hatte. Zum Glück, wie sich noch herausstellen sollte.

Am Burberget, einer Anhöhe mit Skihang haben wir Zwischenhalt gemacht, denn dort hat man einen sehr schönen Blick auf die ganze Umgebung. Und dieses Mal hatte die Vorhersage mit dem blauen Himmel auch recht. Hier haben wir den Entschluss gefasst, hinunter ans Meer zu laufen. Am Wasser sind wir einen Weg, der zu den Sommerhäusern am Meer führt, weitergelaufen. Ich habe auf der Karte auf dem Handy entdeckt, dass es einen kleinen Weg zurück zum Skihang gibt, so dass wir einfach einen großen Bogen laufen können.

Kurz vor dem Abzweig haben wir den Weg verlassen und sind ein Stück über die glattgeschliffenen Felsen gelaufen. Ich mag diese Landschaft sehr, auch wenn ich dort nicht Baum sein möchte. Die Kiefern krallen sich in irgendwelchen Ritzen fest, wachsen dann mit ihren flachen Wurzeln auf dem nackten Stein weiter und so manche wird irgendwann vom Sturm umgeworfen.

Der Weg entpuppte sich eher als theoretisches Konstrukt. An manchen Stellen lag noch eine dicke Schneedecke, dort war es einfach. Aber an vielen Stellen war der Weg überflutet und manches Mal reichten selbst die hohen Gummistiefel kaum aus, um trockenen Fußes weiterzukommen, zumal der Boden unter den tiefen Pfützen an einigen Stellen weich und schlammig war. Aber nach zwei Kilometer Wasser waten und Schnee rutschen sind wir tatsächlich wieder zum Skihang zurückgekommen. Eine schöne, wenn auch etwas abenteuerliche Wanderung.


Trotz des Wintereinbruchs am Samstag ist die ganze Natur am Aufwachen. Schmetterlinge flattern durch die Luft, Ameisen und Käfer krabbeln den Weg entlang. Von der Querstraße sieht man Rehe im Wald und einen Schneehasen im Fellwechsel, der gemütlich grast. In den Zweigen hüpfen Vögel und das Spatzenpärchen vom letzten Jahr bezieht wieder seine Wohnung unter meinen Dachziegeln. Gefällt mir!

Besuch II

Wie schade, wie schade! Heute werde ich Jan, meinen Bruder wieder zum Flugplatz bringen und unsere schöne gemeinsame Zeit geht zu Ende.

Es ist Sonntag, halb neun morgens. Ich sitze am Computer und schreibe Blog, bevor Jan und ich zusammen frühstücken. Die Nacht war kühl, aber die Sonne scheint vom blauen Himmel und hat den Wintergarten schon auf 18 Grad geheizt. Was für ein Kontrast zu dem Wetter am Mittwoch.


Wir sind am Mittwoch mit dem Auto nordwärts nach Luleå gefahren und haben uns bei schönem Wetter erst die Stadt angeschaut und dann die Gammelstad, die alte Stadt, die weiter im Landesinneren liegt. Danach sind wir weiter in Richtung Norden nach Solberget in Lappland gefahren. Es fing an zu regnen und wurde kühler und irgendwann fuhren wir bei 2 °C durch dickes Schneeflocken­gestöber. Nach der Überquerung des Polarkreises war es nicht mehr weit nach Solberget, wo wir um sechs angekommen sind. Nass, nass, nass! Der Schneeregen von oben, der viele Schnee, der überall noch liegt und die matschige Pfützenlandschaft auf dem Hof, auf dem sich die Stiefel schmatzend festsaugen und die man momentan mit dem Auto möglichst nicht befahren sollte. Mitte Mai ist eben keine Touristensaison in Lappland.

Am nächsten Tag sah alles anders aus. Beim Morgenspaziergang zu den langsam auftauenden Mooren war der Himmel noch bedeckt, aber bald kam die Sonne heraus und schien auf die pelzigen Geweihe, die den Rentieren jetzt neu wachsen.

Auf dem Rückweg schien weiterhin die Sonne. Füchse liefen über die Straße und Auerhennen drückten sich in die Gräben am Wegesrand. Leider bewölkte sich der Himmel wieder und am Storforsen, den großen Stromschnellen bei Älvsbyn regnete es wieder. Während die Stromschnellen oben eisfrei sind, liegt flussabwärts noch ein meterdicker Eispanzer auf manchen Teilen des Flusses.

Zum Abschluss noch zwei Bilder vom gestrigen Ausflug an den Kågefjärden. Über das Foto vom Kranich freue ich mich, selbst wenn es nicht so toll gewesen ist. Denn dieses Jahr habe ich schon viele dieser herrlichen Vögel gesehen, aber meistens weit, weit weg oder an Stellen, wo man mit dem Auto nicht stehenbleiben konnte.

Midsommarafton

Und dann war er da – Midsommarafton, der Tag, an dem alle Schweden das Mittsommerfest feiern. Als ich nach dem Frühstück auf der sonnenbeschienenen Terrasse stand, habe ich einen Vogel singen hören, sonst war alles still. Denn fast die gesamte Straße ist verreist und verbringt das Fest mit Freunden auf ihren Sommersitzen. Und genau das habe ich auch vor.

Wie letztes Jahr habe ich wieder mit Annica und Martin gefeiert, dieses Mal bei Freunden von ihnen. Wir haben uns um elf bei deren Sommerstuga in Boviken getroffen und sind kurze Zeit später mit dem Motorboot in den Kågefjärden zur Insel Bastuholmen gefahren. Dort lagen am Anleger schon einige andere Boote und die Midsommarstång, eine nordische Verwandte des Maibaums, war auch schon aufgestellt und mit Laub geschmückt.

Bastuholmen – was für eine schöne Insel! Unter den hohen Kiefern leuchten grün die Blaubeerblätter und kleine Trampelpfade führen an großen Granitblöcken durch den Wald, der immer wieder Blick auf die blaue Ostseebucht freigibt.

Zum Mittsommer gehört zuerst das Mittsommeressen, das wir an einer langen Tafel einnehmen. Es besteht aus neuen gekochten Kartoffeln, hartgekochten Eiern, Knäckebrot, gesalzener Butter und vielen Arten Sill – eingelegtem Hering, den man in den Geschmacksrichtungen Dill, Zwiebel, Senf oder „Mittsommer“ kaufen kann. Dazu gehört ein Aquavit, den man nie für sich alleine trinkt, sondern immer dann, wenn ein Toast ausgebracht oder ein Trinklied gesungen wird. Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren, die man zu dieser Zeit überall literweise kaufen kann.

Ein wenig später gehen alle zur Mittsommarstång, bilden Kreise und tanzen singend um diese herum. Es gibt eine Reihe von diesen Liedern, die jeder kennt und keiner ist sich zu schade, die Hände an die Ohren zu legen, mit den Fingern zu wackeln und das Lied von den kleinen Fröschen zu singen:

|: Små grodorna, små grodorna är lustiga att se. :|
|: Ej öron, ej öron, ej svansar hava de! :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

|: Die kleinen Frösche, die kleinen Frösche sind lustig anzusehen :|
|: Keine Ohren, keine Ohren, keine Schwänze haben sie :|
|: Ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-a, ko-ack-ack-ack-ack-a. :|

Während es sich die meisten Erwachsenen an den vielen schönen Plätzen gemütlich gemacht haben, interessierten sich die Kinder mehr für „Godisregnet“ – den Bonbonregen.

Nach einiger Zeit sind wir mit dem Boot zurückgefahren und haben bis tief in die Nacht zusammengesessen, gespielt, geredet, gegrillt, gegessen und Rotwein getrunken. Wobei – was heißt schon Nacht. Die folgenden zwei Bilder habe ich um zwanzig vor elf und um zwanzig vor eins gemacht:

Nach den letzten Fotos wurde es wieder heller, aber ich habe schon bald das Bett angesteuert und auch die anderen Gäste verschwanden nach und nach im Haus, der kleinen Hütte, ihrem Boot oder dem großen Wohnmobil. Was für ein herrliches Mittsommerfest. Mittsommer feiert man nicht alleine und mein Dank geht an die Freunde, Freundesfreunde, Freundesfreundfreunde, Freundesfreundfreundesschwestern und überhaupt allen, die da waren. Es war schön mit Euch!

(Und auch, wenn ihr das nicht lest, die Gegeneinladung im Herbst steht. Dann zwar drinnen, aber mit Klaviermusik)

Ein Urlaubstag

Wieder ein schöner Urlaubstag mit meinen Eltern, die hier gerade zu Besuch sind und heute auch mit schwedischen Freunden. Vier Fotos von Bygdsiljum und Skelleftehamn, ehe ich ins Bett falle. Ein andermal mehr.

Abendspaziergang

Heute, am Himmelfahrtstag habe ich frei, es ist ein „Röd tag“, ein roter Tag im Kalender. Eigentlich wollte ich morgen frei nehmen, doch dann sah ich die Wetterprognose: drei bis vier Grad und Dauerregen. Aber gestern war es noch schön und ich habe nach der Arbeit einen langen Abendspaziergang gemacht. Hier einige Fotos von gestern:

SchneerestFast der ganze Schnee im Wald ist verschwunden. Aber in schattigen Plätzen liegen noch Schneereste. Die Wärme der ihn umgebenen Steine hat diesen Schneefleck in eine geometrische Form geschmolzen.

Zum Foto: Eigentlich eher ein quadratisches Motiv, eventuell schwarzweiß, denn viel Farbe ist eh nicht auf dem Bild. Aber in Blogartikeln mische ich nicht gerne.

BachstelzeEin Sommerhausbesitzer hat sich einen kleinen Hafen am Ufer gebaut. Davor liegen Steine und Felsen durcheinander. Auf einem der Steine hat sich eine Bachstelze niedergelassen.

Zum Foto: Hier hätte ich gerne ein richtig gutes Teleobjektiv gehabt. Zum einen wäre die Bachstelze bestimmt schärfer abgebildet worden, zum anderen hätte ich sie besser freistellen können so dass nur der Vogel scharf, aber der Hintergrund noch unschärfer wird.

LandzungeDer Snesviken ist eisfrei. Eine schmale Landzunge schiebt sich in den See und die Bäume spiegeln sich im Wasser.

Zum Foto: Hier habe ich direkt in die Sonne fotografiert. Um die Sonne herum ist das Foto ausgefressen, das Bild ist dort nur weiß. Zudem ist die Gegenlichtblende des Weitwinkels zu klein, um Reflexe wie den Regenbogen rechts unten im Bild zu verhindern. Daher technisch gesehen kein gutes Foto, aber ich mag das Motiv.

Sonne über dem SnesvikenNoch spiegelt sich der blaue Himmel im Snesviken und die Sonne strahlt, doch recht sieht man schon Wolken aufziehen.

Zum Foto: Wieder habe ich die Sonne mit im Bild und daher ähnliche Problemen wie im vorigen Foto. Mein Fehler ist letztendlich, dass ich zur falschen Zeit am Platz war. Einige Minuten nach Sonnenuntergang hätte ich nicht nur phantastisches Licht gehabt sondern auch angenehmere Kontraste.

Als ich auf dem Rückweg nach Hause war, zauberte die tiefe Sonne und die aufziehenden Wolken wunderbare Farben an den Nordwesthimmel. Dort wäre ich gerne am See Snesviken oder am Meer gewesen. Aber ich hatte kein Stativ dabei und als ich zu Hause angekommen bin, war der ganze Zauber wieder vorbei.

Aber ein schönes Motiv habe ich auf dem Weg noch gefunden, es ist mein Lieblingsbild von gestern und die Sonne durfte auch mit aufs Bild.

Moos im Abendlicht

Die Moosflecken leuchteten intensiv in der Abendsonne und bildeten einen starken Farbkontrast zu dem grauen, lehmigen Kiesboden, auf denen sie sprießen.

Zum Foto: Hier durfte das Makroobjektiv ran: 90mm ƒ2.8. Für das Foto habe ich flach auf dem Boden gelegen und sogar noch einen Stein ausgebuddelt, um die Kamera so tief auf den Boden zu bekommen. Kamera und Objektiv lagen auf, da brauchte ich auch kein Stativ. Aber Knieschützer hätte ich mir gewünscht.

Trauer um einen Singvogel

Da fuhr ich mit meinem Auto noch einen kleinen Umweg nehmend von einer wunderschönen Geburtstagsfeier nach Hause zurück, freue mich über die saftig-grünen Weiden, den blauen Himmel mit den bauschigen Schäfchenwolken, die sich in jedem See widerspiegeln, die hellgrünen Birkenwälder, die schönen roten Holzhäuser, die Bachstelzen und Kiebitze am Straßenrand, da …

Ein Vogel, eine Drossel sieht mich zu spät, auch ich erkenne den braunen Vogel auf der braunen Schotterpiste erst kurz, bevor ich schon mit dem Auto über ihn hinweg sause, zwei Räder links, zwei Räder rechts. Vielleicht ist ja alles gut gegangen, hoffe ich. Hoffe ich.

Ich bleibe stehen, schaue mich um, und sehe den Vogel an der Seite hocken. Ein kleines, zitterndes Häufchen Elend. Er schlägt verzweifelt mit den Flügeln, aber der restliche Körper ist zu schwer verletzt und gehorcht nicht. Ich nähere mich vorsichtig dem Vogel, der mich furchtsam anstarrt und mit weit aufgerissenem Schnabel anfaucht. Angst. Nach kurzer Zeit unsicheren Nachdenkens – was tun!? – glaube ich, dass die Verletzungen zu groß sind – ich erspare Euch die Details – und auch ein Tierarzt dem Vogel nicht mehr helfen kann. Ich beschließe den Vogel zu töten, ihm das Genick zu brechen, um ihm unnötiges Leiden zu ersparen. Habt Ihr schon einmal einen kleinen, warmen, atmenden Vogel in der Hand gehalten? In seine Augen geschaut? Ihn auf den Boden gelegt, ihm ruhig zugeredet und dann getötet? Und gesehen, wie das Auge bricht? Dies gehört zu den Erlebnissen, die ich keinem wünsche.

Weiter bin ich gefahren, trauernd um den Vogel, den ich mit dem Auto überfahren und dann getötet habe. Und auch voller Selbstzweifel. Hätte ich den Unfall verhindern können? Hatte der Vogel Junge, die im Nest auf ihn warten? Hätte ein erfahrender Tierarzt den Vogel vielleicht doch noch retten können?

Nur auf die erste Frage weiß ich eine Antwort, nein, ich hätte den Unfall nur verhindern können, wenn ich nicht Auto gefahren wäre. Mein Blick war auf die Straße gerichtet, ich fuhr nicht sehr schnell, der Vogel war mit seiner Tarnung und in einem Schlagloch hockend einfach nicht zu sehen gewesen.

Es wird dauern, bis ich mich wieder ins Auto setze, ohne den furchtsamen Blick der überfahrenen Drossel vor Augen zu haben. Und das Auge des toten Vogels.

Ich habe lange überlegt, ob ich einen Blogartikel über dieses Erlebnis schreiben sollte. Aber ich finde, auch solche Erlebnisse gehören zu meinem Leben in Nordschweden dazu, auch wenn es mir schwer fällt, darüber zu berichten.

Bjuröklubb und Kyrkholmen

Nur zwischendurch – heute bin ich schreibfaul – ein paar Fotos von Bjuröklubb …

Der Leuchtturm von BjuröklubbMeine Lieblingskiefer auf Bjuröklubb

… und der Flußhalbinsel Kyrkholmen.

BachstelzeBonnstan

Liebe Eltern,
vielen Dank für die schöne Woche, die wir hier gemeinsam verbracht haben.
Und eine gute Heimreise!

Kågnäsudden

Eine Fahrradtour hat mich heute wieder an die Stelle gebracht, an der ich im Winter schon zwei Mal gewesen bin, einmal im Januar mit dem Auto und einmal im März mit Skiern. Mit dem Fahrrad sind das nur 12 Kilometer, aber teilweise recht kruckelige Waldpfade. Die Landzunge heißt Kågnäsudden, zu deutsch sozusagen „Die Kåge-Landzungen-Halbinsel“ (Kåge ist ein Städtchen in der Nähe.)

Dort bin ich auf den Felsen herumge„klettert“ und habe mich über die schöne Landschaft gefreut, die ein wenig rauher aussieht als sonst in der Umgebung, denn dort sind die manche Felsen recht schroff und verwittert.

Wasserlache mit Ostseeblick

Windgebeugte KieferSchroffe Landzunge

Ein Grasbüschel wächst auf den schroffen Felsen – mein Lieblingsbild von heute

Hier muss ich unbedingt noch einmal hin, wenn das Wetter schöner ist und das Licht wärmer. So viele schöne Motive und gar nicht so weit weg von zu Hause. Herrlich! Als ich mit dem Fahrrad zurückgefahren bin, habe ich noch einmal halt gemacht, um diese Schnepfe (?) zu fotografieren, die hier einbeinig auf einem Felsen stand und mich skeptisch beäugte.

Eine Schnepfe steht auf einem Bein

Das ist für zwei Wochen mein letztes Bild von meiner Umgebung, denn Morgen packe ich das Auto und fahre eine große Runde, die mich erst an die schwedisch-finnisch Grenze und das Dreiländereck führt und dann weiter auf die Lofoten und Vesterålen. Das wird eine schöne Kombination von herrliche Landschaft anschauen und Freunde besuchen. Bloß die lange Autofahrt macht alleine nicht so viel Spaß, aber ich lasse mir auf der langen Hinfahrt schön viel Zeit.

Seevögel

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Ach, hätte ich bloß nicht das Nikon 70-200mm/ƒ2.8 von René an meiner D800 ausprobiert. Was für eine phantastische Linse. Ich glaube, die muss ich auch kaufen, auch wenn mich das um die 2000 Euro ärmer macht.

Seht selbst: Erst der Hahn, so wie ich ihn aufgenommen habe, dann ein 100%-Ausschnitt aus dem Foto. Die Schärfe, die Farben und der Kontrast sind der Hammer! Haben-will! Die Fotos sind bis auf Beschnitt von mir unbearbeitet.

Ein Hahn auf dem KystkulturgårdenAusschnitt bei voller Auflösung

Aber ich wollte ja über Seevögel schreiben, nicht über Haushühner und -hähne.

Wenige Stunden später stand ich am Meer und habe Seeschwalben und andere Vögel fotografiert. Dieses Mal aber mit meinem Nikon 70-300mm, welches wesentlich lichtschwächer ist, sich aber überraschend gut schlägt.

Die Vögel machen ganz gut Alarm, wenn man am Strand steht. Sie bleiben lieber unter sich. Während der Austernfischer ohrenbetäubend piepsend um mich herum kreist, fliegen manche Seeschwalben Scheinangriffe. Meistens fliegen sie fast waagerecht schreiend auf einen zu, ziehen dann hoch, so dass sie genau in der Sonne stehen und stoßen dann noch einmal von oben herab. Aber wirklich nahe kommen sie nie. Trotzdem habe ich Respekt vor diesen flinken Seevögeln.

Ich kann die Vögel verstehen, denn immerhin liegen ihre Eier teilweise auf dem bloßen Boden. Ein Foto von Eiern habe ich gemacht und bin dann ganz schnell weitergegangen, damit die Vögel sich wieder um ihren zukünftigen Nachwuchs kümmern können.

SeeschwalbenschwarmEier am Boden

Ich liebe es, den eleganten Seeschwalben zuzuschauen, wie sie elegant durch die Luft gleiten, auf der Stelle schwirren, ins Meer hinabstoßen und manches Mal mit einem Fisch im Schnabel wieder auftauchen.

SeeschwalbeSeeschwalbeSeeschwalbeSeeschwalbe mit Beute

Seeschwalbe

Aber auch die anderen Vögel mag ich, auch wenn mich das Gepiepse des Austernfischers manchmal ein bisschen nervt.

AusternfischerGroßer Brachvogel

Das Tele macht sich ganz gut, aber so ein Nikon 400mm/ƒ2.8 wäre bestimmt noch besser geeignet, um die Seevögel abzulichten. Oops – 8600 Euro! Lassen wir das.