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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Nach Finnland · Teil 2: Winterschwimmmeisterschaft in Joensuu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Besonders gut geschlafen habe ich nicht in dem Hotel. Das lag nicht daran, dass man die Straße so gut hörte und auch das Zimmer war alt, aber OK. Aber irgendein Möchtegernpianist meinte, um halb zwei Uhr nachts auf dem kleinen Yamahaklavier herumdonnern zu müssen. Ich meine, er konnte schon spielen, aber eigentlich nur laut und das mitten in der Nacht. Aber weiter im Text …

Nach einem Frühstück in einem netten Café sind wir leicht verspätet über die Autobrücke zur Flussinsel Niskassari gelaufen. Dort hatte der Wettbewerb schon angefangen. In das Eis auf der runden Bucht war ein rechteckiges Loch mit sieben Bahnen à 25 Meter Länge hineingeschnitten worden. Um das Loch standen bestimmt vierzig Personen mit neongelben Warnwesten. Die haben den Schwimmern beim Entkleiden geholfen oder im Laufschritt die Kleidung zum anderen Ende gebracht, damit dort die Schwimmer sich schnell wieder ankleiden konnten. Sie haben mit langen Harken das Eis von der immer wieder anfrierenden Wasseroberfläche entfernt oder mit roten Fahnen signalisiert, wann die Schwimmer so weit waren. Am Rand standen auch zwei Taucher, die aber zum Glück keine größeren Rettungsaktionen durchführen mussten.

Der Wettbewerb geht im Grunde so von statten: Wenn alle Schwimmer am Start sind, wird das Kommando „Riisukaa vaatteet“ – das heißt „Zieht Euch aus“ gegeben. Sind alle fertig, kommt „Veteen“ – das heißt „Steigt ins Wasser“. Das letzte Kommando heißt „Paikoillenne“ und bedeutet, „Auf Eure Plätze“. Direkt danach wird der Startschuss gegeben.

Was mir gefällt ist, wie gemischt die Teilnehmer sind. Manche sind athletisch gebaut, die meisten nicht. Die Hälfte sind Frauen, die Hälfte Männer. Viele Teilnehmer sind über 60, der Älteste war 86.

Jeder Teilnehmer ist verpflichtet Mütze (und natürlich Badehose oder -anzug) zu tragen. Handschuhe oder Socken sind nicht erlaubt. Die Schwimmart ist Brustschwimmen, wobei der Kopf nie ganz untertauchen darf. Vor allem bei den Mützen leben die Schwimmer Ihre Kreativität aus. Wer außerhalb des Wettbewerbs teilnimmt, ist an diese Regeln nicht gebunden und wer keine 25 Meter schwimmen möchte, kann auch einfach einmal ins Wasser eintauchen. Ich hatte eine gute Ausrede: Fotografieren. Aber nächstes Jahr will ich zumindest mit ins Wasser.

Mikael (links) und Jarkko (rechts) haben es sich nicht nehmen lassen, 25 Meter zu schwimmen. Tapfer! Danach haben sie es sich, wie manche anderen vor ihnen, im warmen Wasser des Hot-Tubs gut gehen lassen.

Der neu gegründete Verein „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“, dem ich quasi schon angehöre, möchte das Winterschwimmen auch in Schweden populär zu machen und hat sich zur Aufgabe gesetzt, im nächsten Winter die erstmalig schwedische Meisterschaften auszurichten – natürlich in Skellefteå. Das Feedback der finnischen Organisatoren, mit denen wir nach dem Wettbewerb und abends gesprochen haben war ausgesprochen positiv und uns wurde umfangreiche Hilfe zugesagt neben dem Tipp, dass 2015 ein tolles Jahr sei, um nordische oder auch europäische Meisterschaften auszurichten. Zum Glück ging das alles auf schwedisch oder englisch, denn außer Jarkko spricht keiner von uns finnisch bis auf Worte wie beispielsweise „Kitoos“ für „Danke“.

Abends fand dann eine Gala statt. Es war glaube ich die erste Gala, bei der ich war, ohne selber Musik zu machen. Erstaunlich: Kaum erklingen zwei Noten Musik, schon ist das Parkett voll tanzender Finnen. Und die Musik ist wirklich melancholischer als auf deutschen Galas. Ja, und es gab auch finnischen Tango.

Währenddessen hatten einige draußen Nachtschicht: Die ganze Nacht muss das Wasser immer wieder von Eis befreit werden. Wir sind um elf wieder ins Hotel gegangen und haben dort noch einige Zeit gesessen. Dabei haben wir dann beschlossen, nicht am Montag, sondern direkt nach den letzten Wettkämpfen am nächsten Tag zurückzufahren.

Winterbaden

Die Nacht war klar und der Himmel verspricht einen schönen Tag. Die tief stehende Sonne strahlt die Schäfchenwolken rosa an. Auf dem Eis des zugefrorenen Flusses steht ein Mann. Er hat eine Kettensäge in der Hand.

Er sägt große Blöcke aus einer Stelle, die wohl schon einmal offen war, aber jetzt wieder zehn Zentimeter dick von Eis bedeckt ist. Als die Eisblöcke aus dem Wasser gehoben sind, gähnt einem ein Loch im Eis entgegen. Das Wasser ist dunkel, fast schwarz, Grund ist nicht zu sehen.

Doch verlassen wir die morgendliche Szene und drehen die Zeit ein wenig zurück.

Ich bin ja seit letztem Winter Mitglied der Föreningen för Mörkrets och Kylans Glada Vänner, auf deutsch Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte, der positive Erlebnisse rund um die hier im Norden herrschende Dunkelheit und Kälte schafft. Unsere erste Veranstaltung ist die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen, die am 4. Februar hier in Skellefteå stattfinden wird.

Die Standarddisziplin ist 25 Meter Brustschwimmen, es kommt aber auch eine Extremsportlerin,die 450 Meter (sic!) in dem eiskalten Wasser schwimmt. Wir wollen aber nicht nur Supersportler, sondern auch Normalpersonen als Teilnehmer. Und für die hat Jarkko gestern in Kusfurs einen Workshop im Winterbaden angeboten. Nach einer theoretischen Einführung sollte jeder, der will, das ganze natürlich ausprobieren können. Und dafür braucht man eben ein Loch im Eis.

Bevor der Workshop begann, habe ich versucht Unterwasseraufnahmen zu machen. Dabei hatte ich aber einen Survivalanzug an, der komplett wasserdicht ist und schön warm hält. Einige Stunden später später bin ich wieder in das Loch gestiegen, dieses Mal nur mit Badehose und lustiger Mütze bekleidet. Insgesamt zehn Teilnehmer haben das Winterschwimmen ausprobiert. Frauen, Männer und auch ein elfjähriger Junge.

Wie geht das ganze vor sich? Zuerst wärmt man sich auf, dazu reicht schon ein kurzer flotter Spaziergang. Dann zieht man sich aus, stellt sich auf die oberste Sprosse, nimmt einen tiefen Atemzug und steigt, langsam ausatmend und mit dem Rücken zuerst ins Wasser. Dabei setzt ein gewisser Fluchtreflex ein, der dazu führt, dass man schnappatmet. Ich habe also versucht, ganz bewusst ruhig ein- und auszuatmen. Nach fünf bis zehn Sekunden beruhigt sich die Atmung und dann ist es richtig schön in dem kalten Wasser. Ich war vorher so mit der Atmung beschäftigt, dass ich keinen Moment die Kälte gespürt habe. Wenn man wieder aus dem Wasser aussteigt, ist es wichtig, sich schnell abzutrocknen und warm anzuziehen. Extra dafür habe ich meinen warmen kanadischen Daunenparka mitgenommen. Der hielt mich danach auch schön warm, aber über die warme Gulaschsuppe, die es anschließend im Café gab, habe ich mich doch sehr gefreut.

Das Gefühl danach ist herrlich. Man fühlt sich nicht nur bis in die letzte Pore erfrischt und wach, sondern der ganze Körper richtet sich auf und man steht viel gerader da. Eine Wohltat für Büroarbeiter wie mich.

Als ich nach der Suppe noch einige Sachen hereingeholt habe, war das Eisloch schon wieder am Zufrieren. Am nächsten Samstag findet ein Workshop in Ursviken statt, gleich um die Ecke. Da bin ich wieder dabei.


Einige Tipps zum Winterbaden:

  • Wärme Deine Muskulatur auf, bevor Du in das Eisloch gehst.
  • Trage eine Mütze
  • Bade nicht direkt nach der Sauna
  • Atme ruhig wenn Du ins Wasser gehst, das kalte Wasser kann die ersten Male zu einem ungefährlichen Atemkrampf führen
  • Bleibe die ersten Male nur kurz im Wasser
  • Ziehe Dich warm an nach dem Bad und trinke etwas lauwarmes
  • Bade nie alkoholisiert oder wenn Du krank bist
  • Nimm einen Freund mit
  • Falls Du unsicher bist, sprich mit Deinem Arzt
  • Höre auf Deinen Körper

Wo ist das Eis?

Heute ist Samstag und es war klares Wetter. Also wollte ich, bevor ich zum Eisbadeworkshop nach Ursviken fahre, ein paar Fotos vom Eis auf der Meeresbucht „Kallholmsfjärden“ machen, welches ich am Dienstag Abend fotografiert habe. Und auch testen, ob mich das Eis jetzt besser trägt. Aber – wo ist das Eis geblieben? Die ganze Bucht war wieder offen! Und ich habe hier noch nie so niedrigen Wasserstand gesehen und war ganz erstaunt, wo die Bucht überall Untiefen hat. Wie ich später von Jarkko hörte, war das Wasser über Nacht um einen Meter gesunken. Auf dem zweiten Foto sieht man sehr gut an dem Eis, welches oben auf dem großen Felsen festgefroren ist, wie hoch hier das Wasser vorher stand.

Ich hätte den ganzen Tag mit Fotografieren verbringen können. Aber heute haben wir den zweiten Winterbadekurs ausgerichtet, dieses Mal nicht in Kusfors, sondern im Åkerviken in Ursviken, nur ein paar Autominuten entfernt. Und da wollte ich Jarkko noch helfen, bevor es los ging.


Wir hatten es nicht leicht, zum Wasser zu kommen, weil das Ufer aus stark abschüssigen Eis bestand. Da ich die Kamera in der Hand hatte, bin ich einfach auf dem Hosenboden herunter gerutscht. Das Eis am Rand war ein bisschen tückisch, da es aus verschiedenen Schichten bestand. Jarkko und Lasse haben mit dem Eisbohrer Löcher gebohrt und dann mit langen Sägen das Eis zersägt. Beide landeten dabei bis zur Wade im Wasser, weil die oberste Schicht an manchen Stellen nicht so dick war. Den Kameramann, der eine Doku drehen wollte, hatte es schlechter erwischt. Bis über die Knie brach er ein. Die Kamera blieb zwar trocken, aber er verschwand erst einmal, um sich umzuziehen. So gibt es leider keine Filmaufnahme davon, wie ich mit dem knatsch-roten Trockenanzug im Eisloch auf der zweiten, dreißig Zentimeter dicken Eisschicht stand, die einen halben Meter unter Wasser lag. Denn von oben hätten wir große Schwierigkeiten gehabt, das Eis zu lösen. Schließlich war der Rand dermaßen durchbohrt und kaputtgesägt, dass ich die Unterwasserscholle lostreten und unter das andere Eis schieben konnte. Nun stand ich bis fast zum Kinn im Wasser, denn das Ufer am Kanuklub fällt ziemlich steil ab.

Das war es dann auch mit dem Baden für mich, denn während viele andere ins Eisloch gegangen sind, habe ich Videos gemacht. Und dabei festgestellt, dass Video nicht mein Ding ist. Das nächste Mal fotografiere ich wieder. Einen Videoscreenshot habe ich verwendet, damit man mir glaubt, dass die Leute wirklich ins Wasser gehen.

Heute ging die Sonne um viertel nach Zwei unter und beleuchtete die vom Wind geformten Strukturen auf der eisbedeckten Bucht. Da werde ich am Dienstag wieder sein, denn dort kommt um zehn das Fernsehen. (Oh, da muss ich noch einen halben Tag Urlaub für nehmen oder vorarbeiten.)

Video zum Winterbadekurs

Heute war ich nicht im Wasser, sondern an der Kamera. Ich fotografiere lieber und habe keine Ahnung vom Filmen, aber manchmal sind ein paar bewegte Bilder schön.

Was man auf dem Video nicht erkennt ist die Temperatur auf dem Thermometer: Zwischen +0.9 und 0.0 °C hatte das Wasser heute.

Nochmal Eisbaden

Heute stand zwei Mal Eisbaden auf dem Programm. Um zehn Uhr für das Fernsehen und um eins für die Zeitung. Ich war als erster am Platz und habe damit begonnen, das inzwischen fest zugefrorene Eisloch wieder klarzumachen. Nebel kam auf, der erst alles weichzeichnete und, als er sich später lichtete, alle Bäume raureifbesetzt zurück ließ.

Wir hatten einige Freiwillige, die für das Fernsehen in das Eisloch gestiegen sind, unter anderem Martin, der dies das erste Mal machte. Die Wassertemperatur lag bei +0.3 °C. Ich habe fotografiert aber mich spontan entschieden, zum Schluss auch noch in das Eiswasser zu steigen. In Badehose versteht sich und nicht in dem Anzug, in dem man mich im Video weiter unten sieht. Das war heute das zweite Mal, dass ich Eisbaden war und das Wasser fühlte sich kälter an. Vielleicht weil man schon weiß, was auf einen zukommt und man nicht so viel Adrenalin beim allerersten Mal im Blut hat. Aber der Wohlfühlfaktor (ausgenommen vielleicht die ersten drei, vier Sekunden) ist einfach enorm.

Beim zweiten Tauchgang – den für die Presse – habe ich nicht mitgemacht, da ich gerade vom Mittagessen kam und pappsatt war. Dann hält sich meine Motivation, selbst in warmes Wasser zu steigen doch sehr in Grenzen.


Ich habe ein kleines Video gemacht, wie ich versuche, das Eisloch aufzumachen und mir dabei Werkzeug aus dem Handschuh rutscht und ins Wasser fällt. Ein typischer Anfängerfehler, wie Jarkko meinte. Zum Glück hat Mikael, Eisschwimmer und Apnoetaucher, die lange Stange im Nullkommanix wieder vom Grund gefischt. Doch seht selbst …

Drei Zwischenstopps

Heute bin ich – wieder einmal – nach Kusfors zum Winterbaden gefahren. Ziel war, heute auch ein bisschen zu schwimmen, damit ich weiß, ob ich nächsten Samstag bei der Schwedischen Meisterschaft mitschwimme oder nicht. (Ich, die Schwimmniete!)

Nach wochenlanger Bewölkung war der Himmel heute überraschend klar und mit -16 °C zeigte mein Außenthermometer heute morgen die kälteste Temperatur dieses Winter an. Nach einem soliden Frühstück habe ich meine Sachen gepackt und bin losgefahren.

Das erste Mal habe ich am Wehr in Bergsbyn angehalten, das liegt zwischen Skelleftehamn und Skellefteå. Westlich des Wehrs ist der Fluss komplett zugefroren und alles wirkt erstarrt. Auf der Ostseite hingegen stürzt das Wasser hinunter und Nebelschwaden verdecken die tief stehende Vormittagssonne.

Ich habe in der Stadt eine Schülerin abgeholt, die auch gerne Winterschimmen ausprobieren wollte. Aber bevor wir da waren, haben wir zwei kleine Zwischenstopps eingelegt: Das erste Mal kurz hinter Boliden. Im Sommer sieht man hier weite Schlammflächen, Rückstände vom Bergbau. Im Winter hingegen … . Über der weißen, weiten Fläche wölbt sich der blaue Himmel und leichter Bodennebel verleiht den Baumgruppen trotz der Helligkeit etwas Verwunschenes. Obwohl die Straße eine wichtige Verbindungsstraße ins Inland ist – man kann, wenn man möchte bis nach Mo I Rana in Norwegen fahren – war die Straße völlig leer. Wir schienen das einzige Auto weit und breit zu sein.

Nun waren wir fast schon in Kusfors. Kurz vor der Brücke über den Skellefteålven rechts abbiegen und durch Petiknäs durchfahren. Und dort warteten auf uns fünf Rentiere. Erst lagen sie gemächlich am Straßenrand. Dann wurde ihnen dieser große Kasten, in dem wir saßen, doch ein wenig unheimlich und sie stellten sich erst einmal mitten auf die Straße. Als wir langsam weiterfuhren setzten sich die Rentiere in Trab. Das sieht sehr lustig aus, weil sie dabei mit ihren Hintern und den Stummelschwänzchen wackeln. Bald haben wir die Rentiere überholt, die daraufhin im Wald verschwanden.

Über das Winterbaden schreibe ich nicht viel, denn in den letzten Artikeln habe ich genug erzählt und Fotos und Videos hochgeladen. Nur eines: Das Eisloch, welches eigentlich eine Fünfmeterbahn werden sollte, hatte gerade drei Quadratmeter. Selbst dieses Loch zu öffnen, hatte fünf Stunden gedauert. Das Eis war zu dick für die Kettensäge. Ich habe auf der Stelle so zwanzig Schwimmzüge gemacht, dann fing es an, kalt zu werden. Ich bin noch nicht sicher, ob ich am nächsten Samstag teilnehme, traue mir das aber jetzt trotz meines miserablen Brustschwimmens zu. Nur die Fingerspitzen waren ein bisschen beleidigt, denen wird doch ziemlich schnell kalt.

Wir bauen ein Freibad

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

In der Nacht hat es leicht vor sich hin geschneit. Gleichzeitig wurde es kälter. Heute morgen lag trotz der Wolkendecke die Temperatur bei -15 °C. Mich freut‘s. Nicht nur, weil ich die kalten Temperaturen mag, sondern auch, weil am Samstag die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå stattfindet. Und zum Winterschwimmen gehört auch Kälte dazu.

Der Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte organisiert die Veranstaltung, hat aber zum Glück viele Helfer. Nicht nur Rettungstaucher, Polizei und viele Freiwillige vom Schwimmverein, sondern zum Beispiel auch die technische Abteilung der Kommune, die uns von Sonntag bis heute das Eis für 4 Bahnen à 25 Meter aus dem Fluss geschnitten hat.

Das erste Bild habe ich am Montagmorgen gemacht. Das zweite heute, Mittwoch Mittag. Zwischen den Tagen hatten die Mitarbeiter der Kommune einiges an Arbeit.

Alles fängt mit der Kettensäge an: Große, quadratische Blöcke werden aus dem zwanzig Zentimeter dicken Eis geschnitten. Eine ziemlich kalt-nasse Angelegenheit. Dann werden die Eisblöcke getrennt, sie treiben dann langsam mit der Strömung flussabwärts und landen am anderen Ende des Eisschwimmbeckens. Dort werden sie mit einem Greifarm aus dem Wasser gehoben.

Und so wird die Bahn länger und länger, bis sie schließlich heute Mittag fertig geworden ist.

Nun sind es nur noch drei Tage bis zum Samstag, und ich bin gespannt, wie kalt es werden wird. Schon jetzt um kurz vor sechs ist die Temperatur in Skelleftehamn auf -20 °C gefallen.

Übrigens: Was macht man, wenn der Winter so mild war und das Eis zu dünn? Ganz einfach, man spült Wasser auf das Eis, welches friert und damit die Eisschicht dicker macht. Es gab also einen Anfang vor der Kettensäge.

Vintersim SM – noch zwei Tage

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Noch zwei Tage bis zur Schwedischen Meisterschaft im Winterschwimmen. Pünktlich zu diesem Event wird es richtig kalt hier. Gestern lag die Höchsttemperatur in Skelleftehamn bei -13.4 °C, heute bei -16.4 °C. Und ich war gespannt, wie das Becken, welches gestern geöffnet wurde, wohl heute aussieht. Es war, trotz Umwälzpumpe, schon weitestgehend wieder zugefroren und Mitarbeiter der Technik mussten erst einmal das Eis aufschlagen und mit Harken an Land befördern. Über der Stadt spannte sich ein herrlich blauer Himmel bei kalten Wintertemperaturen um rund -20 °C.

Schließlich ist das Becken vom Eis befreit und sieht fast wie ein normales Freibad im Sommer aus. Wenn da nicht das Eis drumherum wäre. Und ich nicht im dicken Daunenparka da stände. Und das Wasser nicht vor Kälte rauchen würde.

Mikael misst die Tiefe: Mindestens zwei Meter, stehen kann man also nicht.

Wieder ist das Fernsehen da, wieder werden Interviews geführt und wieder springen Mikael und Hans ins Wasser, damit das Fernsehen auch etwas zu zeigen hat. Bei diesen Temperaturen fühlt man die Kälte nicht im Wasser, sondern wenn man klatschnass an Land klettert.

Mikael und Hans schwimmen auch versuchsweise gegen den Strom, aber selbst gegen diese schwache Strömung ist es schwer gegenan zu schwimmen. Also werden am Samstag bei der Staffel alle Schwimmer der Teams auf der gleichen Seite starten und durch eine Flagge ihren Start mitgeteilt bekommen.

Nun ist es halb zehn Abends, ich messe draußen -24 °C, am Flugplatz werden -29 °C gemessen und die neue experimentelle Temperaturvorhersage des Schwedischen Wetterdienstes sagt für Samstag 10 Uhr -34 °C vorher. Das nenne sogar ich richtig kalt. Und ich werde schwimmen! Nicht beim Wettbewerb, sondern anschließend beim Schwimmen der Ausrichter (der „Arrangörerna“).

Vintersim SM – nur noch ein Tag

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Heute ist der letzte Tag vor dem Event: Die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå. Und wieder ist es kälter geworden (Laut Kommune heute mittag -27 °C) und wieder war das Eisschwimmbecken am Morgen fast zugefroren. Ich bin aber erst um halb zwölf vor Ort gewesen (leider muss ich ja ab und zu auch mal arbeiten). Heute haben viele die Gelegenheit ergriffen, das Eisschwimmen mal auszuprobieren und eine 25-Meterbahn zu schwimmen. Dabei waren alle mit Gurt und Seil gesichert, weil wir heute keinen Rettungstaucher da hatten.

Bis auf Anna-Carin Nordin, Extremschwimmerin und Weltmeisterin im Winterschwimmen. Sie weiß, wie das geht und sie ist gleich zum „warm werden“ 500 Meter (!) geschwommen. Danach hat es allerdings auch ein bisschen gedauert, bis ihr wieder warm war.


Heute sah ich mehr so aus. Liegend mit Kamera im knallroten Daunenparka (Foto: Lasse Westerlund). Aber morgen gilt’s: Da schwimme ich im „Arrangörs kampen“ auch meine 25 Meter. Und wenn die experimentelle Temperaturvorhersage recht hat, dann könnten uns morgen Temperaturen unter -30 °C erwarten. Da bleibt man vielleicht lieber im Wasser, da ist es mit +0.5 °C wesentlich wärmer.

Kein Schwimmen für mich

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Nur eine kurze Notiz für die Neugierigen.

Obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte, bin ich heute keine 25 Meter geschwommen. Wir, die den Event ausgerichtet haben, waren seit halb acht bei Temperaturen um -30 °C draußen, haben Eis gesägt, gehackt und aus dem Wasser geholt, organisiert und waren fast die ganze Zeit draußen. Mittags waren Jarkko und Lasse so durchgefroren, dass sie beschlossen haben, nicht zu schwimmen, weil das einfach nicht gut für den Körper ist.

Und ich? Alleine? Das war mir irgendwie unangenehm, als schlechter Schwimmer (ausgerechnet nach den 450 Meter Freistil von Anna-Carin, die Weltmeisterin ist und Strecken bis 42 Kilometer am Stück schwimmt) 25 Meter Brustschwimmen zu simulieren. Also habe ich mitgezogen und bin ebenfalls nicht geschwommen. (Nun ärgere ich mich, dass ich es gestern nicht probiert habe.)

Im Nachhinein war das klug. Ich habe zwar einen arktistauglichen Daunenparka und Daunenhose von Canada Goose angehabt, die mich die ganze Zeit herrlich warm gehalten haben. Aber die Fingerspitzen waren dennoch ein bisschen beleidigt, weil ich oft nur mit fingerlosen Handschuhen fotografiert habe (sonst hatte ich bis zu drei Paar Handschuhe übereinander an) und tun ein bisschen weh. Da war es bestimmt besser, auf das Eisschwimmen zu verzichten, auch wenn ich jetzt damit nicht angeben kann, ausgerechnet am kältesten Tag seit meinem Umzug nach Schweden meine 25 Meter geschwommen zu sein.

Die Pläne für heute: Badewanne · Trinken · Bett
Die Pläne für morgen: Ausschlafen · Wettbewerbsergebnisse im Netz publizieren · Fotos sichten · Zwei, drei Blogartikel schreiben. Das muss reichen für einen Sonntag.

Die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Vorbereitungen

Ich hatte schon geschrieben, wie kalt es am Tag der Winterschwimmmeisterschaft war. Auch in der Stadt zeigte das Thermometer im Auto -31 °C und auf dem Fluss dürfte es eher noch kälter sein. Und so war das Eisschwimmbecken, in dem am Vortag Anna-Carin 500 Meter geschwommen ist, komplett und dick zugefroren. Und Jarkkos Kettensäge ging nicht. An ein Öffnen mit Eisbohrer und Axt war nicht zu denken. Zum Glück konnten wir noch schnell eine elektrisch betriebene Säge auftreiben. Jarkko und Lasse haben einmal um den gesamten Beckenrand gesägt. Nun konnte man zum Glück mit Eisenstangen als Hebel das Eis aufbrechen. Am Rand war es zwar gut 10 cm dick, aber ganz in der Mitte nur etwa 3 cm.

Ich bin zum Schluss mit dem Überlebensanzug ins Becken gestiegen, da sich die ganzen Eisschollen durch die Strömung am unteren Ende gesammelt und verkeilt haben. Einen paar habe ich herausgehoben, einen Teil konnte ich auch unter das Eis drücken. Gar nicht so einfach, im Wasser etwas zu machen, wenn man nichts hat, wo man sich gegenstemmen kann. Und über dem Wasser konnte ich mich nicht festhalten, denn innerhalb weniger Sekunden wären die nassen Neoprenhandschuhe am Eis festgefroren.

Aber irgendwann war das Becken wieder frei, die tief stehende Sonne tauchte alles in warmes, gold-gelbes Licht und die Meisterschaft konnte beginnen.

Die Meisterschaft

59 Schwimmer haben sich angemeldet und die meisten waren auch da und registrierten sich. Trotz der Eiseskälte standen etwa 250 Zuschauer am Ufer und warteten darauf, dass es los ging. Die Taucher besprachen sich mit dem Arzt und dann kamen auch die ersten Schwimmer.

Zuerst kleiden sich alle Schwimmer aus, das soll natürlich schnell gehen, es ist ja kalt. Dann gehen alle Schwimmer ins Wasser. Die Erfahrenen beeilen sich dabei, damit sie sich vor dem Start an die Kälte gewöhnt haben und wieder ruhig atmen können. Beim Startkommando schwimmen alle los – dies ist der einzige Teil, der fast im Schwimmbad stattfinden könnte, wären da nicht die bunten Mützen. Dann steigen alle so schnell wie möglich aus dem Wasser und bekommen Hilfe beim Abtrocknen und Anziehen. Und die ist nötig, denn in den Fingern und Zehen hat man jetzt kein Gefühl mehr. Und – hatte ich erwähnt, dass es saukalt war?

Erst kamen die Herren, dann die Damen und dann der Staffellauf, der wegen der Strömung ausschließlich flussabwärts stattfand. Das hat mit kleinen Pausen etwa zwei Stunden gedauert. Dann kam Anna-Carin und ist 450 Meter auf Zeit geschwommen – allerdings außer Konkurrenz. Sie hat zwei Wochen zuvor Gold mit einer Zeit von 6m59 gewonnen, dieses Mal aber aufgrund der Strömung acht Minuten gebraucht.

Ich finde ja, dass die gewinnen sollten, die am längsten im Wasser waren. (Bei meinem miserablen Brustschwimmen hätte ich bestimmt den ersten Platz gemacht.)

Siegerehrung

Nach einer kurzen Pause kam dann die Siegerehrung. Viele haben Medaillen bekommen, was daran liegt, dass sowohl nach Herren/Damen, als auch nach Altersklassen gruppiert wird. Da konnte es schon einmal geschehen, dass in einer Klasse nur ein Schwimmer teilgenommen hat und dann die Medaille für den ersten Platz überreicht bekam. Dagegen wurde es bei der Ehrung der Teams ein bisschen eng auf dem Siegertreppchen.

Nach der Siegerehrung leerte sich die Veranstaltung schnell. Auch wenn die Temperatur inzwischen auf -26 °C angestiegen war, warm ist anders. Und so endet der Tag wie er angefangen hat, mit einem Blick auf ein Eisschwimmbecken im Skellefteälven.

Einige Impressionen von der Veranstaltung


Eigentlich wollte ich auch schwimmen, aber …

Interview

Wenn ich 100 Meter Brust geschwommen bin, dann habe ich aus jedem normalen Hallenbad ein Wellenbad gemacht. Viel Geplansche in alle Richtungen, effektiv ist anders.

Dass ausgerechnet ich ein Interview auf einer Webseite, die sich ausschließlich mit Schwimmen beschäftigt, bekomme, hat daher fast etwas Surreales. Das Winterschwimmen macht’s möglich.

Hier der Link zum Interview:

http://swim.de/magazin/open-water/im-wasser-spuert-man-die-kaelte-nicht

Olaf Vereinsmeier

Bis jetzt stand ich jedem Vereinsleben mehr als skeptisch gegenüber. Ich habe damit immer Kneipenhinterzimmer mit Wimpel, Satzungsstreitigkeiten und tiefstes Spießbürgertum verbunden. In einer Jazzinitiative, in der ich mal Mitglied war, wurden überraschend viele dieser Klischees bestätigt und ich habe mir damals vorgenommen, mich von jeder Gruppe, die ein e. V. im Namen trägt fernzuhalten.

Nun bin ich zwei Jahre in Schweden. Und seit kurzem aktives Mitglied in 2 (in Worten: zwei) Vereinen!

Letzten Monat wurde ich in den exklusiven Club „Mores“ aufgenommen, einem Diskussionsclub in Skellefteå, der 1948 gegründet wurde und der nie mehr als 24 Mitglieder hat. Ich musste ein Jahr lang warten, ehe ich eines Abends feierlich aufgenommen wurde. Jeden Monat trifft man sich, um erst gemeinsam Abend zu essen und dann zu einem bestimmten Thema zu diskutieren. Die Diskussion ist recht förmlich, denn wenn man etwas sagen möchte, so meldet man sich und wird dann auf die Rednerliste gesetzt. Für mich hat das den Vorteil, dass einer nach dem anderen spricht und ich daher praktisch alles verstehe, zumal sich alle bemühen, sorgfältig zu sprechen.

Gestern Abend war die Jahreshauptversammlung von „Föreningen för Mörkrets och Kylans Glada Vänner“, dem Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte, in dem ich seit gestern Vorstandsmitglied bin. (Kein Kunststück, denn so viele sind wir zur Zeit nicht). Die formellen Punkte – auch in Schweden gibt es ein Vereinsrecht – wurden schnell abgehandelt und dann haben wir unsere Aktivitäten geplant. Und es ist nicht wenig, was wir uns vorgenommen haben: Neben einer weiteren Winterschwimmmeisterschaft im Februar 2013 wollen wir die Melankoliade ausrichten, eine Reihe von kulturellen Veranstaltungen, die mit Norden, Melancholie, Dunkelheit und Kälte zu tun haben. Jarkko meinte dazu einmal, dass wir keine „Stand-up comedy“ zeigen, sondern „Sit-down tragedy“.

Früher war mehr als jeder zweite Schwede Mitglied in einem Verein. Viele soziale Kontakte liefen über das Vereinsleben und die „Fika“-Szene in dem schönen Film „Wie im Himmel“ könnte überall so stattfinden. Seit längerer Zeit sinken allerdings die Mitgliederzahlen in vielen Vereinen rapide.


So manches Ich-Wandere-Nach-Schweden-Aus-Buch stellt die Schweden so dar, als ob sie persönliche Gespräche nur im engsten Familienkreis und mit einigen jahrhundertealten Kindergartenfreunden führen und Vereine bräuchten, um überhaupt soziale Kontakte, die über ein „Hej“ beim Einkaufen hinausgehen zu haben. Zum Glück stellt sich zumindest für mich die Realität völlig anders dar. Ich finde es genauso leicht wie in München, Kontakte zu bekommen, Freunde zu finden und Freundschaften zu pflegen. Ebenso wie in Deutschland werden hier verstärkt SMS, Mail und vor allem Facebook für Einladungen und zur Kommunikation benutzt, ohne jedoch Treffen im wirklichen Leben zu ersetzen. Und so sind die Vereine wohl nur noch ihrer Aktivitäten wegen wichtig und nicht so sehr der allgemeinen Sozialkontakte wegen.

Am Fluss entlang

Drei Mal war ich diese Woche in Kusfors, 7 Meilen¹ landeinwärts. Am Mittwoch habe ich mit Lasse die neue Website für unser Team Dark and Cold (ehemals „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“) geplant. Am Samstag war die Einweihungsparty von FlarkenAdventure: ein Paar aus Frankreich ist mitsamt 46 Schlittenhunden nach Kusfors gezogen, um dort Hundeschlittentouren anzubieten. Am Samstag war ich dann bei dem 30. Geburtstag eines Bekannten. Mir wurde empfohlen, doch gleich nach Kusfors zu ziehen, so oft, wie ich da sei. Meinen Gegenvorschlag, gesamt Kusfors solle einfach nach Skelleftehamn ziehen, so viele seien das ja nicht, wurde allerdings ignoriert. Komisch eigentlich.


Gestern bin ich über kleinere Nebenstrecken nach Kusfors gefahren. Dabei habe ich vor allem gelernt, wie viele Kraftwerke es im Skellefteälven gibt. An jeder zweiten Kreuzung steht ein Wegweiser „Kraftstation“ und wenn man sich das Ganze auf der Karte anschaut, dann sieht man, wie stark der Mensch in den Flusslauf eingegriffen hat, ihn gestaut hat, ihn kanalisiert hat, um Strom zu gewinnen.

Länger stehengeblieben bin ich bei der Kvistforsens kraftstation, um den Lachsen² zuzusehen. Sie schnellen aus dem Wasser und springen dabei ein Vielfaches ihrer Körperlänge, um den Wasserfall an der Seite der Staustufe zu überwinden. Manche schwimmen sogar den Wasserfall hoch, ich kann aber nicht erkennen, ob sie es schaffen, da ich viel zu weit weg stehe. Das 300-er Tele zeigt zumindest einen kleinen Eindruck dieser Höchstleistungen.

Weiter stromaufwärts ist der Fluss geteilt, ein vermutlich ursprünglicher Teil, der wenig Wasser führt und ein Kanal, der das Kraftwerk speist.

An vielen der Staustufen stehen Warnschilder, die vor gefährlichen Strömungen und schwachem Eis warnen. Der Designer des Schildes hat gute Arbeit geleistet: Was für eine gruselige Vorstellung, vor einer Staustufe unter Wasser gezogen zu werden!

Die Birken zeigen ihre herbstlichen Blätter. Da es in der vorigen Nacht recht windig war, sehen einige Birken auch schon recht kahl aus. Dagegen ist es in Skelleftehamn noch richtig grün.

Heute auf dem Rückweg habe ich angehalten und die eine Insel im Gillervattnet fotografiert. Auf dem dritten Foto im Artikel Drei Zwischenstopps könnt Ihr sehen, wie es dort im Winter aussieht. Das Gillervattnet ist allerdings kein normaler See, sondern ein großer Absetzteich der nahen Grube. Wenn man das Gelände dort betritt und in die Gegenrichtung fotografiert, dann sieht man nur Sand- und Schlammflächen. Welch Kontrast.

¹ eine schwedische Meile sind genau 10 Kilometer.
² Ich hoffe, es sind Lachse. Mit Fischen kenn ich mich nicht aus.

Tauwetter

Es ist doch wirklich zum Mäuse melken! Neun Tage war ich in Deutschland. Und genau in dieser Zeit war es herrlich kalt in Nordschweden, in Skellefteå bis -25 °C und im Inland bis unter -35 °C. Und kaum bin ich wieder zu Hause, gibt es Tauwetter und Sprühregen. Die Höchststrafe für Winterfotografen und Kälte- und Schneeliebhaber!

Nun, wir haben mehr als reichlich Schnee, der taut nicht so schnell weg. 79 cm ziemlich pappiger Schnee liegen im Garten und auf dem Dach des Wintergartens liegt soviel, dass ich die nächsten Tage den Schnee vom Dach schaufeln werden muss. Heute habe ich gehört, dass ein Nachbar über die täglichen Neuschneemengen Buch führt. Und danach sind seit dem 1. Dezember drei Meter Schnee gefallen (und natürlich zusammengesackt). Das ist schon eine ganze Menge!

Also, Schnee liegt genug. Aber das Tauwetter macht alles ein bisschen hässlicher. Die scharfen Formen der Schneewehen und -wächten sacken zusammen, auf der Straße schimmert der Asphalt durch nasses Eis, viele Bäume sind schneefrei und haben nicht nur Schnee, sondern auch kleine Blätter, Samen, Nadeln und Rindenstückchen abgeworfen. Und überall tropft es. Das ist wirklich kein Fotografierwetter und ich hoffe, dass es bald wieder kälter wird und Neuschnee die dreckig wirkenden Nassschneeflächen wieder in eine weiße Winterlandschaft verwandeln wird.

Zumal ich die nächsten Tage nicht alleine bin, sondern mich fünf gute Freunde aus Deutschland nach Hause begleitet haben. Und denen würde ich natürlich gerne etwas bieten: Kaltes, klares Winterwetter mit trockenem Schnee und gerne ein abendliches Polarlicht dazu. Dann kann man schön Iglu bauen und vielleicht sogar schon über die zugefrorene Ostsee laufen. Bei diesem Wetter sind die Nachbarn aber ein bisschen skeptisch, ob man schon mit einer Gruppe über das Eis laufen sollte.


Gestern morgen klingelte der Wetter um zwanzig vor drei (in Zahlen: 2:40!). Delle, ein Freund aus alten Zeiten hat mich mit dem Auto abgeholt und wir sind nach Göteborg gefahren. Wir hatten den Eindruck, dass es in Dänemark nicht wirklich etwas gibt, denn alles war dunkel und nur wenige beleuchtete Häuser und Höfe waren von der Autobahn aus sichtbar. Nur ab und zu schimmerte eine fahl beleuchtete Fassade einer weißen Steinkirche durch die Finsternis.

Nach einiger Zeit und zwei mautpflichtige Brücken später waren wir in Skåne in Schweden. Es wurde heller, aber Nebel und Sprühregen tauchten die Landschaft in ein trübes Grau. Da wir sehr viel Reservezeit eingeplant hatten, hatten wir genug Zeit, um unsere Füße am Strand von Mellbystrand nördlich von Ängelholm ein bisschen auszuschlenkern. Da hatten wir sogar trockenes Wetter mit recht klarer Sicht. Aber kaum waren wir wieder auf der Autobahn, hing schon wieder der Hochnebel über dem Autodach und die Scheibenwischer bekamen wieder viel zu tun.

Danach: Zug Göteborg—Stockholm, Nachtzug Stockholm—Bastuträsk, Bus Bastuträsk—Skellefteå, Bus Skellefteå-Skelleftehamn. Zu Hause!

Meine Einfahrt war wieder ziemlich im Schnee vergraben. Toll, wenn einer der Freunde mit großer Begeisterung den ganzen Schnee wegschippt. Doch dann kam der Schneepflug und schon lag wieder ein dicker Schneewall vor der Einfahrt, die dann Hans mit dem Traktor auf meine Bitte hin wegräumte.

Bevor es dunkel wurde, sind wir heute zur Ostsee gelaufen. Sie ist zugefroren, aber oberflächlich ziemlich nass. Sowohl Skooter- als auch Fussspuren führen zur Insel Storgrundet, aber ich glaube, ich höre lieber auf die Nachbarn und wir verzichten auf eine Tour über das Eis, eh jemand einbricht und ein unfreiwilliges Bad nimmt.

Aber das Tauwetter, welches mich extrem annervt, hat auch zwei gute Seiten: Zum einen sind die zentimeterdicken Eisschichten vom Autoheck abgetaut, zum anderen kann man, wenn es wieder kälter geworden ist, auf dem gesetzten Schnee bestimmt prima Skilaufen.

Eröffnung der Eisbadesaison

In Bergsbyn, das ist zwischen Skellefteå und Skelleftehamn, hat sich unser Verein Dark & Cold mit der Zeitung Norran und einigen Erstwinterbadern getroffen. Der Wetterdienst lag wieder einmal total daneben, denn statt der vorhergesagten trüben -9 °C hatten wir sonnige -18 °C. Genau das richtige Wetter zum Eisbaden. Den Anfang haben einige Mädels und Frauen gemacht, die zum ersten Mal in ihrem Leben eisgebadet haben. Sie wurden kräftig fotografiert und anschließend interviewt. Aber zum Schluss habe auch ich die Eisbadesaison eröffnet. Herrlich!

Heute Nachmittag und Abend ist dann das Thermometer von -14 °C auf -3 °C gestiegen (ein Grad alle 40 Minuten) und es schneit. Also hat der Wetterdienst sich nicht mit dem Wetter, sondern nur mit der Zeit vertan. Uns hat’s gefreut.

Vielen Dank an Delle, der das letzte Foto gemacht hat.

Vielen Dank auch an das Wetter. Wie herrlich, mal einige sonnige Tage hintereinander zu haben!

Schwimmbadbau

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie SM Winterschwimmen 2013.

… Mit der S-Bahn nach Hause. Die Stadt ist laut und voll.

Olaf Schneider, 9. Februar 2003

… Taxi nach Hause. Alles grau, warm, trostlos. Wieder in Essen, aber nicht zu Hause …

Olaf Schneider, 5. Februar 2004

… Bald in der S-Bahn bis Moosach und dann mit dem Bus weiter. Ekeliger Nieselregen. …

Olaf Schneider, 26. Februar 2009

Diese Zitate stammen aus meinen Reisetagebüchern. Es war jedes Mal ein Kulturschock, nach einer winterlichen Skandinavienreise wieder in eine deutsche Großstadt zu kommen.

Dieses Mal ist alles ein bisschen anders: Ich komme nicht mit dem Flieger, sondern dem Auto nach Hause. In Skelleftehamn ist es ruhig. Heute zeigt das Thermometer -12 °C und in meiner Abwesenheit hat es – genau so wie gerade jetzt – weitergeschneit. Und so liegen im Garten hinten 85 bis 90 cm Schnee, der in Bodennähe so hart ist, dass ich den Zollstock, den ich zum Messen benutze, kaum bis zur Erde stechen kann. Laute und volle Stadt? No! Warm und trostlos? Nej! Ekeliger Nieselregen? нет!


Während ich im Büro an Internetprojekten weiterprogrammiere, stehen fünf Menschen auf dem zugefrorenen Fluß und sind mit Kettensägen und langen Stangen ausgerüstet. Sie sind vom „Tekniska kontoret“ und bauen ein Schwimmbad. Wie im letzten Jahr findet auch heuer (für Norddeutsche: dieses Jahr) eine Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå statt und zwar am nächsten Samstag. Bis dahin muss das Schwimmbad mit vier Bahnen à 25 Meter fertig sein.

Zwei Männer sägen, die quadratischen Blöcke treiben mit der Strömung zur anderen Seite, wo sie von zwei anderen mit nagelbewehrten Stangen unter Wasser gedrückt werden.

Man sieht gut, wie dick das Eis ist, allerdings nur, weil wir wochenlang Wasser aufgespült haben, um die Eisschicht dicker zu machen. Und am Ufer ist der Fluss noch offen. Das war gestern und heute ging es weiter:

Wie letztes Jahr haben wir von Team Dark &and Cold den Event organisiert. Wenn Ihr das nicht gemacht habt, könnt Ihr Euch kaum vorstellen, was da alles dranhängt: Genehmigung der Polizei, Rettungsschwimmer, Website, Sponsorensuche, Gelder von der Kommune beantragen, Medaillen, Taucher, Plakat, Pressearbeit, freiwillige Helfer suchen und vieles mehr haben uns die letzten Monate gang gut auf Trab gehalten. Zum Glück übernimmt der örtliche Schwimmclub die Abwicklung des eigentlichen Wettbewerbs, von den Startzeiten bis zur Zeitmessung.

Nun hoffe ich auf schönes Wetter. Nicht nur am Samstag, sondern auch am Freitag, denn dort kann jeder probieren, ein Eisbad zu nehmen oder 25 Meter zu schwimmen. Und ich bin fest entschlossen, dieses Mal zu schwimmen, auch wenn ich bei meinem Chaos-Bruststil länger als die anderen im Wasser sein werde. Aber das ist ja auch schon irgendwie gewonnen, oder?

Nun muss bloß noch das Schwimmbad fertig werden.

Probeschwimmen

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie SM Winterschwimmen 2013.

Heute schreibe ich nichts langes mehr, sondern zeige bloß ein paar schnelle und ungeordnete Bilder vom ersten Tag des Winterschwimmens. Von uns Organisatoren ist keiner geschwommen, da es zum einen viel zu tun gab und zum anderen überraschend etwa sechzig Menschen aufgetaucht sind, um 25 Meter zu schwimmen. Manche zum ersten Mal, manche mit viel Erfahrung. Das hätte ich nicht gedacht, dass es so viele werden.

Morgen früh klingelt der Wecker und dann beginnt der Wettbewerb der zweiten Winterschwimmmeisterschaft in Skellefteå, dieses Mal die Skandinavische Meisterschaft.

Skandinaviska Mästerskapen i Vintersim 2013

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie SM Winterschwimmen 2013.

Heute saß ich lange am Rechner. Über 600 Fotos von gestern wollten gesichtet, sortiert, bewertet und bearbeitet werden. Denn gestern war hier in Skellefteå die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen, die wir von Dark & Cold ausgerichtet haben. Und ich habe fotografiert, fotografiert, fotografiert. Jetzt ist eine Auswahl von gut 30 „offiziellen Dark & Cold-Pressebildern“ getroffen, die ich auch hier im Artikel zeige.

Gestern klingelte der Wecker um viertel nach sechs und um kurz nach halb acht stand ich an dem in den Flusseis geschnittene Schwimmbecken, in dem am Vortag das Probeschwimmen stattgefunden hat. Obwohl die Nacht wesentlich wärmer war als vorhergesagt, haben die etwa -15 °C ausgereicht, um das Becken wieder halb zufrieren zu lassen. Im Gegensatz zum letzten Mal brauchten wir aber keine Motorsägen, sondern konnten das Eis mit einer Eisenstange wegschlagen. Ich habe versucht, vom Wasser aus (Trockenanzug, nicht Badehose!) die Eisstücke unter das Flusseis zu drücken, aber dieses war etwa 60 cm dick und damit schwer zu erreichen. Aber auch so war keine Stunde später das Beckeneis eisfrei.

Aber genug der Worte. Hier kommen Fotos. Habt Ihr’s warm? Dann viel Spaß!

Das Eisschwimmbecken

25 Meter lang, vier Bahnen, das ist das Schwimmbecken. Wegen der Strömung schwimmen auch die Staffeln alle flußabwärts.

Am Start

Am Start gibt es drei Kommandos für die Schwimmer: „Zieht Euch aus“, „Geht ins Wasser“ und „Los“. Die Erfahrenen beeilen sich mit dem ins Wasser gehen, damit sich beim Startkommando die Atmung wieder beruhigt hat.

Schwimmen

Hier zeigen sich große Niveauunterschiede, denn am Wettbewerb nehmen vom Hobbyschwimmer und Eisbader bis zum erfahrenen Leistungsschwimmer und Weltmeister alle Leistungsstufen teil. Ein schönes Durcheinander, welches dafür spricht, dass ich vielleicht nächstes Mal auch teilnehmen sollte, um das Niveau der Hobbyschwimmer nach unten abzurunden. (Das ist kein Kokettieren, ich schwimme wirklich nicht gut.)

Am Ziel

Am Ziel ist Gedränge. Dort werden die Zeiten gemessen und dort stehen Helfer bereit, die die Schwimmer beim aus dem Wasser klettern unterstützen. Andere Freiwillige rennen mit der Kleidung vom Start zum Ziel. Und auch beim Ankleiden wird geholfen, denn das ist mit kaltnassen Händen und Füßen gar nicht so einfach.

Details

Überall, wo Wasser auf kaltes Festes trifft, bildet sich Eis. Und weil die Schnüre sich manchmal drehen, stehen dann die Eisnadeln senkrecht.

Teams

Von der Polizei über Unternehmen bis hin zu leistungsstarken internationalen Teams haben 16 Viererteams an der Meisterschaft teilgenommen.

Menschen

So eine Veranstaltung lebt von den Menschen. Nicht nur von den Schwimmern, unserer Organisation und dem Publikum, sondern auch von den Helfern, dem Toningenieur, den Tauchern, dem Arzt, dem Moderator, den vielen Freiwilligen vom Schwimmklub und vielen mehr.

Publikum

Aber natürlich freuen wir uns über das große Publikum. Und erzählen gerne Kommune und unseren Sponsoren, wie viele Leute dabei waren.


Dieses Jahr waren viele Dinge anders als letztes Jahr.

Es war längst nicht so kalt. Statt Temperaturen unter -30 °C hatten wir lauschige -14 °C. Als Kälteliebhaber fand ich das ein bisschen schade, als Fotograf habe ich mich – und vor allem meine Finger sich – gefreut.

Wir hatten doppelt so viele Teilnehmer: 128 Starts waren angemeldet (Personen waren es weniger, da manche sowohl individuell als auch im Team am Wettbewerb teilnehmen.) Manche Schwimmer kamen aus Frankreich, aus Estland und aus Lettland angereist. Und obwohl letztes Jahr auch schon viele Zuschauer da waren: Dieses Jahr waren es noch wesentlich mehr. Das mag an den entspannteren Temperaturen gelegen haben, oder daran, dass der Wettbewerb sich hier schon im zweiten Jahr fest etabliert hat.

Und dennoch waren wir schneller, weil wir auf Basis der Erfahrungen vom letzten Jahr besser organisiert waren. Und so war schon irgendwann gegen drei die Skandinavische Meisterschaft im Winterschwimmen zu Ende.

Ich bin hochzufrieden. Zum einen, dass die Veranstaltung rundherum gut gelaufen ist und auf so große Resonanz gestoßen ist. Zum anderen, weil ich nach Monaten von geplanten Aktivitäten (von der Jazztour bis zum Winterschwimmen einfach mal so etwas wie Alltag vor mir liegen habe. (Glaube ich zumindest). Zudem habe ich heute unerwartet festgestellt, dass ich bis Ende April noch fünfeinhalb Urlaubstage habe. Toll, was will man mehr!

Für die Fotointeressierten: Über 600 Fotos RAW-Daten, das sind gut 20 GB. Ein Drittel ist schon gelöscht. Dabei waren eine Nikon D800 mit 16-35mm und Nikon D300s mit 90mm und 8mm Fischauge. Kein Stativ, aber manchmal ISO 800. Akkus waren die ganze Zeit in der Kamera, da es nicht extrem kalt war.

Eröffnung der Eisbadesaison

Sonnenaufgang

Der Tag fing ja schön an. Wenige Plusgrade, aber überraschend windstill und klar. Und als die Sonne gerade ihren ersten Strahl über den Horizont streckte, stand ich am Meeresufer und machte – klick!

Tiina öffnet das EisIch öffne das Eis (Photo: Tiina)Zweieinhalb Stunden später war ich auf dem Weg nach Ursviken zum Stuverikajen, denn hier treffen sich jeden Samstag vormittag die Winterbader und Eisschwimmer. Vor zwei Monaten war ich dort und habe bei einer Lufttemperatur von 15 °C ein Bad genommen. Heute hingegen waren die Ränder des Skellefteälven auf viele Meter hin mit Eis bedeckt. Wenn man dort schwimmen will, dann muss man natürlich erst einmal das Eis öffnen. Zuerst haben wir versucht, das vom Rand aus zu machen, dann habe ich meinen Neoprenoverall angezogen und bin ins Wasser gestiegen, um das Loch auf ein paar Meter zu vergrößern. Das geht am Besten, finde ich, wenn man an eine Stelle ein Loch sticht, und dann die Metallstange als Hebel benutzt, um das fünf Zentimeter dicke Eis loszubrechen und dann mit der Spitze unter das feste Eis zu schieben.

Kurze Zeit später – schnell noch die Intervallschaltung der Kamera aktiviert – bin ich die Holztreppe heruntergestiegen und habe das erste Winterbad der Saison genommen. Auf den ersten Photos sehe ich noch ein bisschen „bemüht“ aus, doch dann entspannt sich der Körper und es fühlt sich herrlich an.

Mein erstes Winterbad der Saison

Kurze Zeit später war ich wieder angezogen und habe noch ein paar Photos von den Eisstrukturen gemacht. Ich freue mich schon auf den Tag, wo das Eis einen zuverlässig trägt und ich die Fotos nicht nur vom Rand aus machen kann.

Abstrakt 1Abstrakt 2