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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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… und Schnee am Morgen

Minimum -8.0 °C, Maximum -0.9 °C. 2 cm Schnee und bis mittags wolkenlos.

Heute war der erste so richtige Wintertag. Am morgen lagen die Temperaturen bei minus sieben, acht Grad. Der blaue Himmel und der frische Neuschnee sorgten für ein herrliches Licht. Was für ein Unterschied zu der nassen, braunen Erde vor ein paar Tagen, selbst wenn nur zwei Zentimeter Schnee gefallen sind. Es war auch der erste Tag, an dem die Höchsttemperatur unter null lag. Mein kleines Außenthermometer zeigte als Maximum heute – 0.9 °C. Ach, ist das schön, wenn der Schnee sich nicht gleich wieder in braunen Matsch verwandelt.

Laut Wettervorhersage bleibt es mindestens bis Mittwoch kalt. Allerdings ändert sich die Vorhersage für einen bestimmten Tag hier mindestens so häufig wie das Wetter selbst …

Eis auf See und Meerbucht

Heute lag die Höchsttemperatur nur noch bei -2.7 °C und der Frost sorgt dafür, dass nicht nur die Seen mit Eis bedeckt sind, sondern sich auch auf den kleineren Ostseebuchten und ruhigen Stellen zwischen Insel und Festland immer mehr Eis bildet.

Das linke Bild zeigt den kleinen See ein paar hundert Meter vom Haus weg; das rechte Bild Storgrundet, die nächste Badestelle von hier aus. Dort habe ich im August noch gebadet und am Sandstrand gesessen. Das Baden habe ich mir allerdings heute gut verkneifen können.

So wie ich im Sommer keinen Zeitrhythmus hatte, weil es immer hell war, so komme ich jetzt ein bisschen aus dem Tritt, weil es um halb vier schon dunkel wird. Ich denke die ganze Zeit schon, es sei wer weiß wie spät, dabei zeigt die Uhr jetzt gerade halb sieben an. Der iPhone-Bug, der dazu geführt hat, dass ich letzte Woche zwei Mal falsch geweckt wurde, hat meinen Rhythmus auch nicht gerade verbessert. Ich bin gespannt, wie lange ich brauche, um mich von den Hell-Dunkel-Phasen ein bisschen unabhängig zu machen. Aber die Schweden schlafen im Winter wohl auch mehr und im Sommer weniger.

Winterradeln

8.11.: Minimum -11.5, Maximum -6.3., klarer Himmel
9.11.: Minimum -12.7, Maximum -1.3, jetzt um 21:00 bewölkt, -4 °C, windig und Schneestaub von oben

Gestern morgen zeigte das Thermometer -11 °C an und der Morgenhimmel war klar. Ein guter Tag, um auszuprobieren, welche Handschuhe meine Finger warmhalten, wenn ich eine Stunde auf dem Rad Richtung Stadt fahre. Ich hatte tatsächlich sechs Paar dabei, von den dünnen Fingerhandschuhen zum Unterziehen bis zum dicken, knallroten Daunenfäustling. Dann noch eine Daunenjacke für die Mittagspause eingepackt, mit den Füßen in die Winterstiefel geschlüpft, eine Sturmhaube, die nur noch die Augen frei lässt übergezogen und den Fahrradhelm aufgesetzt. Das war schon eine besondere Atmosphäre, als ich in der Morgendämmerung mit auf frostigem Schnee knirschenden Spikes losgefahren bin. Ich war froh über meine wintertaugliche, funktionelle Kleidung und die zwei Paar Fingerhandschuhe übereinander hielten schön warm. Aber schließlich braucht man so etwas auch für eine derartige Expedition! Dachte ich! Bis mir die erste Oma mit Strickmütze auf Ihrem Klapperrad entgegen kam. Und auch die nächsten Fahrradfahrer hatten nichts um den Hals. Das versetzte meinen Harter-Fahrradfahrer-Phantasien doch einen empfindlichen Dämpfer.

Obwohl die Spikes toll sind, habe ich doch ein Drittel mehr Zeit gebraucht als im Sommer. Was aber wirklich Zeit kostet, ist das ganze An- und Umziehen. In der Agentur: Helm ab, Sturmhaube ab, zwei Paar Handschuhe aus. Jacke aus. Im Bad Unterhemd und Fleecepullover aus. Waschen. T-Shirt und Sweatshirt an. Lange Fleecehose aus, normale Hose wieder an. Sachen zum Trocknen aufhängen. Puh, das dauert. Jetzt erst einmal einen warmen Tee!

Der Rückweg war schön. Zum einen hatte ich Rückenwind, zum anderen ließen die Straßenlaternen vor allem die schneebedeckten, kleineren Straßen hell leuchten, während sich über einem der dunkle Sternenhimmel wölbte. Kein Vergleich zu dem dunklen und öden Eindruck, den die Straßen ohne Schnee letzte Woche machten.

Das war gestern. Heute morgen war es noch ein bisschen kälter, aber ich habe nicht so gut geschlafen und war so müde, dass ich lieber den Bus genommen und meinen Krimi „Mannen som dog som en lax“ weiter gelesen habe. Und ehrlich gesagt – wenn ich mir die Wettervorhersage anschaue, dann werde ich wohl auch morgen den Bus nehmen. Die sagt nämlich für morgen Neuschnee bei mittleren Windgeschwindigkeiten von 13 m/s, also etwa 45 Kilometer pro Stunde voraus. Schon jetzt fällt Schneestaub vom Himmel, der vom zunehmenden Wind durch die Straßen getrieben wird und alles ist weiß.

Rückreise

Mir ist das Reisen per Flugzeug glaube ich zu schnell. Es ist zwar nett, wenn ich von Haustür Bremen zu Haustür Skelleftehamn „nur“ elf Stunden brauche, aber meine Gedanken hängen noch halb im regnerisch-grauen, kühlen Bremen, während der Körper das Fahrrad über den platten Schnee zu ICA steuert. Ich bin zwar – wie schon nach der Norwegenreise – wieder zu Hause, aber noch nicht vollständig angekommen.

Mein Koffer hat schon in Frankfurt mit mir sympathisiert und ist dort geblieben. Vielleicht ist er eben schon mit der Sieben-Uhr-Maschine in Skellefteå eingetroffen, das weiß ich noch nicht. Ich erwarte ihn recht ungeduldig, denn er enthält nicht nur das Ladegerät für mein iPhone, sondern auch eine nicht unwesentliche Menge Nusskuchen …

Mein Küchen- und mein Schlafzimmerthermometer derweil sind sich uneins, wie kalt es die letzten sieben Tage war. Sie haben sich zwar beim Minimum auf -13.1/-13.2 °C geeinigt, aber die Küche meint, dass es zwischendurch mal +1.5 °C gewesen sei, während der andere Temperaturmesser steif und fest behauptet, über -2.3 °C sei mal überhaupt nichts gelaufen. Nun, ich war nicht dabei und kann den Streit nicht schlichten. Aber nachdem es im Inland immer mal unter -25 °C war, nehme ich einfach mal die -2.3 °C, der Dramatik wegen.

Auf Dramatik machte auch die heutige Ausgabe des Aftonbladet, die heute „Köldchock. Det blir orimligt kallt’. Vinter i hela landet“ als Schlagzeile hatte. Auf deutsch: „Kälteschock. Es wird übermäßig kalt. Winter im ganzen Land“. Ich lasse mich überraschen. Die Wintersachen hängen griffbereit.

(Bildquelle: Facebookseite von Fjällräven)

Nachtrag:

Just eine Minute nach dem Publizieren – um 19:45 – ist gerade mein Koffer angekommen. Das ging aber fix! Nusskuchen!

Die Ostsee friert zu.

heute um 8:20: -7.8 °C, dann kontinuierlich etwas kälter werdend. Jetzt um 17:00: -10.5 °C.

Die tiefen Temperaturen der letzten zwei Wochen sorgen dafür, dass nicht nur die Seen komplett mit dickem Eis bedeckt sind, sondern auch die Ostsee langsam zufriert. Offenes Wasser ist nur noch an wenigen Stellen auszumachen. Auf der ruhigen Bucht vor der Insel Storgrundet liegt glattes, festes Eis und ein Mann mit Hund ist heute schon herüber gelaufen. Ob das sicher war oder eine dumme Idee, kann ich allerdings nicht beurteilen, also verschiebe ich das Betreten lieber auf später.

Auf dem Killingörviken (vik = Bucht) schwimmen kleine Eisschollen, die durch das ständige Aneinanderstoßen das abgerundete Pfannkucheneis bilden. Aber während dort das Eis noch bei jeder Welle hin- und herschwappt, sind die Eisstücke an der offenen Ostsee schon auf einige hundert Meter fest aneinander gefroren. Vor allem die mit Eis glasierten Felsen im Uferbereich bilden wunderbare Formationen und glitzern in der tief stehenden Sonne. Unter manchen Steinen haben sich richtige kleine Tropfsteinhöhlen mit Säulen gebildet.

SelbstportraitHeute war die Frage, was ich anziehe, wenn ich bei -9 °C fotografiere. Manchmal laufe ich – also nicht zu warm anziehen – manchmal stehe ich minutenlang an einem Fleck. Das hatte ich heute an:

  • Winterstiefel von Kamik: super
  • warme Socken
  • Skiunterwäsche (Billigversion)
  • dünne Skihose: praktisch
  • 100er-Fleecejacke
  • Softshelljacke
  • Daunenweste
  • Fleeceschal und Wollmütze
  • Handschuhe

Die Daunenweste habe ich schnell in den Rucksack gesteckt, sie war selbst im Stehen fast zu warm. Die Handschuhe hatte ich fast nur an, um das Stativ längere Strecken zu tragen. Nur wenn die Finger vom Eis nass werden, wird’s ein bisschen kälter.

kurz noch mal zum Winter …

… und dann schreibe ich auch wieder über andere Dinge.*

Seit fünf Tagen ist kein Schnee mehr herunter gekommen und die knapp 70 cm im Garten sind auf handliche 40 cm zusammengesackt. Im Vorgarten liegt noch etwas mehr, wie ich eben beim Fotografieren meines Hauses feststellen musste. Man konnte Tag für Tag zusehen, wie der Schnee vom Dach mehr und mehr überhängt und heute habe ich doch noch mal ein Bild gemacht, ehe die weiße Pracht herunterfällt.

Nach den Daten, die WetterOnline für den Flughafen Skellefteå bereitstellt, war dieser November sieben Grad kälter als im Vorjahr! Das ist eine große Differenz; zum Vergleich: München und Anchorage, Alaska z. B. unterscheiden sich im November durchschnittlich nur um acht Grad). Mich als Winterfan freut es natürlich, dass wir seit drei Wochen Dauerfrost haben und hoffe, dass das auch so bleibt. Bis Dienstag lagen auch die Tagestemperaturen unter -10 °C, jetzt ist es aber wärmer geworden und die große Kälte ist in Südschweden. Und Ihr, die Ihr in Deutschland und der Schweiz lebt, bekommt von Schnee und Kälte ja auch einiges ab.

Wie ich das schon aus Winterurlauben in Lappland kenne, so ist es auch hier tagsüber nicht notwendigerweise wärmer als nachts. Das scheint völlig unabhängig voneinander zu sein, denn manchmal kehrt sich das Ganze auch um. Ich habe die Temperaturen der letzten Novemberwoche mal aufgezeichnet und man sieht gut, dass manche Höchsttemperaturen nachts erreicht wurden. Das Absolute Minimum in der Woche lag bei -19.1, ich weiß aber nicht genau wann, deswegen taucht es im Diagramm auch nicht auf.

____
* wenn nichts dazwischenkommt.

Nachtrag

Ich habe heute ein Thermometer mit Außenfühler im Büro aufgestellt und – ja es ist kälter in Skellefteå als bei mir. So zwei, drei Grad, schätze ich. Minimum seit heute morgen -14.5 °C, aktuell um 11:50 -12.4 °C.

Die Sprache

Seit Ende April bin ich in Schweden und damit – wenn man fünf Wochen Deutschland und Norwegen abzieht – so etwa ein halbes Jahr hier. Und jetzt habe ich seit zwei Wochen endlich wöchentlichen Schwedischeinzelunterricht und das ist gut, denn es rückt die Sprache wieder in den Fokus.

Wie sieht es denn bei mir aus:

Lesen

geht eigentlich am Besten. Ich kann das Tempo bestimmen und ich sehe, wo ein Wort aufhört und das nächste anfängt. Wenn ich zur Zeit wenig lese, so liegt das an einem Ding zwischen Müdigkeit und Faulheit. Wenn ich aber ein bisschen besser in dem Wintertagesrhythmus drin bin, wird das mit dem Lesen auch wieder mehr.

Schreiben

ist mir zur Zeit gar nicht so wichtig und ich brauche es relativ wenig. Ich freue mich aber sehr über die Rechtschreibkontrolle im Firefox, die viele Fehler direkt rot anstreicht. Gestern habe ich wieder einmal das norwegische jeg statt jag für das deutsche ich geschrieben, da habe ich mich geärgert.

Verstehen

ist immer noch das Schwerste. Es fällt wir von Woche zu Woche leichter, aber wenn Leute leise reden oder ein bisschen nuscheln oder Dialekt oder zwei gleichzeitig, habe ich keine Chance. Vorgestern hatte ich dreieinhalb Stunden Workshop – alles auf Schwedisch – und ich war danach total platt.

Sprechen

ist – nun, wie soll ich sagen … . Sagen wir: Ich werde verstanden. Ich konnte Anzeige bei der Polizei erstatten und bei der Hotline von IKEA schimpfen. Irgendwie geht das alles, aber schön ist anders.

Ich bin froh über den Unterricht, wo ich zum einen Wortkorrektur erhalte, zum anderen aber auch die Aussprache übe. Alle Deutschen, die Schwedisch sprechen, wissen, dass die Vokale für Deutsche völlig ungewohnte Klänge haben. Abgesehen davon bekomme ich das zu hören, was ich schon im Schulfranzösisch gehört habe, später im Englisch und eben jetzt auch wieder: Deutsche sprechen viel zu hart. Die Konsonanten vor allem der Doppelbuchstaben sind viel weicher im Schwedischen und auch die Wörter werden – wie eben z. B. auch im Französischen – viel mehr miteinander verbunden.

Und das letztere ist auch mit eine Ursache dafür, dass ich es so schwierig finde, das gesprochene Schwedisch zu verstehen. ManweißhaltniewoeinWortaufhörtunddasnächsteanfängt.

Heute ist übrigens der kälteste Tag, den ich hier erlebe. Heute morgen waren es zu Hause -15 °C und jetzt um halb sieben zeigt mein Analogthermometer nur noch -19 °C an. Ich werde gleich mit dem Fahrrad zu ICA fahren. Danach weiß ich wahrscheinlich schon, ob ich morgen seit Wochen mal wieder das Fahrrad nehme oder mich in den Bus setze.

Nachtrag:

Jetzt sind’s -20 °C. Und ja, der Daunenparka ist trotz der Kälte schon bei kurzen Strecken viel zu warm! Aber die Daunenfäustel von Yeti kann man prima über andere Handschuhe drüberziehen, kann zwei Finger am Lenker behalten, zwei auf die Bremse legen und die Hände sind mollig warm. Toll!

Der „erste“ Wintertag

Heute war Wintersonnenwende, und damit der kürzeste Tag des Jahres. Für die Astronomen ist heute Winteranfang. Die Sonne ging um 9:42 auf, stand mittags gerade mal 2.1° über dem Horizont, um dann nach 3¾ Stunden Sonne um 13:27 wieder unterzugehen. Zum Glück ist die Dämmerung bei der flachen Sonnenbahn recht lang und verlängert die hellen Stunden, aber ich freue mich – so sehr ich Schnee und Kälte mag – dass die Tage wieder länger werden. Licht ist einfach etwas Tolles!

Vor einem halben Jahr hat mir Sonya die Idee gegeben, am längsten Tag mitten in der Nacht, wenn die Sonne am tiefsten steht, ein Foto zu machen. Da ich heute an meinem letzten Arbeitstag in diesem Jahr ohnehin nicht arg produktiv war, bin ich kurz vor dem Sonnenhöchststand um 11:35 zum Fluss gelaufen, um jetzt ein Foto am kürzesten Tag zu machen, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn man denn die Sonne sieht …

… aber ich hatte Glück: Nach dem tagelangen Schneefall ist heute die Sonne wieder herausgekommen und hat die Teile der Stadt, die sie erreichen konnte, in warmes Licht getaucht. Das meiste allerdings liegt im Schatten. Passend zu dem klaren Himmel ist die Temperatur in der Stadt von anfangs -17 °C auf -19.5 °C gesunken und jetzt zeigt das Alkoholthermometer -23 °C.

Wenn man einfach nur draußen ist, fühlen sich die Temperaturen gar nicht so kalt an, aber beim Schnee schippen habe ich schon durch die Nase geatmet, weil sich sonst die eiskalte Luft ziemlich unangenehm anfühlt. Ich frage mich, ob der Mann, der auf Dach des Nachbarhauses der Agentur Schnee geräumt hat, das auch so kalt fand, aber er macht das bestimmt öfter und kommt dabei nicht so ins Schwitzen wie ich.

Der Schnee auf meinem Grundstück ist übrigens schon gut 10 cm in sich zusammengesunken, der Meter ist also wieder unterschritten. Die nächsten Tage ist es wohl wieder sonniger und das sieht bestimmt toll aus nach dem vielen Neuschnee. Da morgen mein erster Urlaubstag ist, werde ich mir das mal genauer anschauen. Sonya, die gerade bei mir zu Gast ist, muss leider morgen noch einen Tag arbeiten.

Weihnachten in Båtfors

Den diesjährigen Heiligabend (auf schwedisch Julafton, also Weihnachtsnachmittag) hatten Sonya, die gerade zu Gast ist, und ich Gelegenheit, ein schwedisches Weihnachtsfest mitzuerleben. Annica und Martin hatten uns mit nach Båtfors eingeladen. Das liegt etwa 70 Kilometer landeinwärts direkt am Skellefteälven. Dort war ich schon einmal am 16. Mai und es war interessant, die beiden Aufenthalte zu vergleichen: Auch damals habe ich ein Thermometer fotografiert, aber es zeigte mit +22½ Grad fast fünfzig Grad mehr an. Der Fluss war frei, auch wenn noch Eisschollen auf ihm trieben. Die schöne, über den Fluss hängende Birke hatte noch keine Blätter, jetzt hat sie schon lange keine mehr. Frühling, Sommer und Herbst sind kurz hier in Nordschweden.

Ich war am Morgen des 24. schon früh wach und war kurz draußen, um bei herrlich, frostig-klarem Wetter ein paar Fotos zu machen. Nach einem kleinen Frühstück haben Sonya und ich einen herrlichen Spaziergang gemacht. Die Temperatur lag dabei die ganze Zeit um -25 °C und wir waren über unsere warmen Klamotten sehr froh. Bei der Kälte legt sich nach einiger Zeit Raureif auf Mütze, Pelzkapuze, Haare und Augenlider.

Mittags kamen wir zurück und haben noch von der heißen Risgrynsgröt – der traditionellen Weihnachts­grütze abbekommen. Sie ist vielleicht am ehesten mit Milchreis zu vergleichen. Später am Tag gab es dann das traditionelle Julbold, das schwedische Weihnachtsessen, zu dem eine ganze Reihe Leckereien gehören, unter anderem:

  • inlagd sill (eingelegter Hering)
  • julskinka (Weihnachtsschinken)
  • Janssons frestelse (Kartoffelgratin mit Anchovis)
  • prinskorv (in der Pfanne gebratene, kleine Würstchen)
  • revbensspjäll (Schweinerippchen)
  • köttbullar (die kennt ja jeder …)

Dazu noch Kartoffeln, Lachs, Brot, Salate, Eier mit Krabben, kalten Elchbraten und manches mehr. Wer es ganz traditionell macht, nimmt erst von den kalten Fischgerichten, dann von den kalten Fleischspeisen und zum Schluss von den warmen Gerichten. Wer Hunger hat – und das hatten wir alle – nimmt sich einfach, was er will. So sah der Tisch mit den kalten Gerichten aus (Elch fehlt noch):

Später kam dann der Jultomte, der für die Geschenkevergabe zuständig ist. Auf jedem Geschenk steht etwas wie „God Jul Lasse önskar Anna“ – zu deutsch „Frohe Weihnachten Lasse wünscht Anna“ – als Zeichen, dass Anna Lasse etwas geschenkt hat. Sonya und ich habe unsere gegenseitigen Geschenke falsch herum beschriftet und mussten tauschen. Erst werden alle Geschenke verteilt, dann wünscht Jultomte „God jul!“ – Frohe Weihnachten und verschwindet. Dann erst packen alle gleichzeitig ihre Geschenke aus.

Später am Abend haben sich dann die meisten an den großen Tisch gesetzt, um Julklapp zu spielen. Erst darf sich jeder, der eine Eins oder Sechs würfelt ein Geschenk nehmen. Wenn alle Geschenke verteilt sind, werden sie ausgepackt und vorgestellt. Eine Prima Gelegenheit, Schwedisch zu lernen. Dann wird zwanzig Minuten lang gewürfelt und jeder, der eine Eins oder Sechs würfelt, darf ein Geschenk klauen. Sehr lustig und auch ein bisschen spannend, denn manche Geschenke sind nicht uninteressant und werden kräftig hin- und hergestohlen.

Es war interessant und toll, mit einer schwedischen Großfamilie mit vier Generationen Weihnachten zu verbringen. Vielen Dank noch einmal an Annica und Martin für die nette Einladung in ihren persönlichen Kreis.

Und heute am 26. hier in Skelleftehamn: Ein trüber Tag – kein Schneefall – keine Sonne bei -9 °C. Der Schnee ist auf 80 cm zusammengesackt. Schöne Schneeschuhtour mit kurzer Pause auf der Insel Storgrundet. Mittagpause · Einkaufen · Köttbullar · 3D-Kino · Fotos sortieren, Skypen und Blog schreiben.

Winter gibt es viele

Wie in Deutschland, so ist auch hier das Wetter recht sprunghaft, nur mit dem kleinen Unterschied, dass es durchschnittlich so zehn, zwölf Grad kälter ist. Auch hier ist dieser Winter früh gekommen, kälter und vor allem schneereicher als üblich. Ein kleiner Rückblick auf die erste Woche im neuen Jahr 2011, beginnend mit dem 3. Januar:

Montag

Grauer Himmel, recht windstill. Die Temperatur fällt von -6 auf -10 Grad. Das Wetter ist angenehm für Touren, aber die Landschaft wirkt ein wenig eintönig und farblos.

Dienstag

-13 °C bis -15 °C. Die tief stehende Sonne scheint durch die dünne Wolkenschicht und erinnert an Jupiter.

Mittwoch

Kalt und bedeckt. Schneestaub liegt in der Luft. In Luleå -22 °C bis -25 °C, in Skelleftehamn mit -17 °C bis -23 °C nicht wesentlich wärmer. Das ist schon ganz schön ungemütlich, sowohl vom Wetter als auch von der Optik. Dennoch ein schöner Ausflug.

Donnerstag

Weiterhin trüb, es wird wärmer. Morgens -11 °C, abends nur noch -6 °C und beginnender Schneefall. Ideales Wetter, um es sich zu Hause gemütlich zu machen.

Freitag

Der Himmel ist weiterhin bedeckt. Temperaturen um -4 °C. Starke Schneeschauer. Die eine fünfhundert Meter entfernte Insel war zeitweise nicht mehr auszumachen. Schwarzweißwetter. Manchmal auch nur weiß.

Samstag

Schlechtes Timing: Der erste Tag ohne Gäste und jetzt ist morgens der Himmel blau bei -15 °C. Tieforange geht die Sonne auf und beleuchtet immer größere Teile des kaltblauen Ostseeeises. Vor manchen Inseln leichte Nebelschwaden. Aber schon einige Stunden später zieht es sich wieder zu und das Thermometer steigt. Abends um zehn sind es nur noch -3 °C.

Sonntag

Schneefall bis zum Mittag. Seit Donnerstag Abend schätzungsweise 15 Zentimeter Neuschnee, der zum ersten Mal recht pappig ist. Damit liegen in meinem Garten jetzt etwa 80 cm. Um drei nur noch 0 °C, danach mit + 0.5 °C leichtes Tauwetter und der erste Tag mit Plustemperaturen seit dem 11. November. Hoffentlich wird es bald wieder kälter, dann werden die Ski bestimmt schön gleiten im Wald.

Was in dieser Woche eindeutig fehlte, waren klare und knackig-kalte Wintertage mit blauem Himmel, wie zum Beispiel am Heilig Abend in Båtfors. Aber der Winter dauert noch ein paar Monate an, da wird bestimmt auch wieder besseres Fotowetter kommen.

Ein herrlicher Wintertag

So mag ich das. Am Freitag klart es auf und es wird kälter. Der Samstag präsentiert sich dann in herrlichster Winterlaune: Das Thermometer zeigt -24 °C ¹, es ist windstill und über Skelleftehamn spannt sich ein klarer, blauer Winterhimmel. Um zehn vor neun sind meine üblichen Dinge im Rucksack verstaut und ich breche auf. Im und am Rucksack befinden sich neben Kleinkrams:

  • Mein Fotoapparat. Ersatzakkus sind in der Hosentasche
  • Erste Hilfe und Biwaksack. Zum Nichtbenutzen
  • Tee aus frischem Ingwer und Proviant
  • Ein Fotostativ
  • Meine Isdubbar
  • Heute mal ein GPS zum Weg mittracken
  • Karte und Kompaß. Benutze ich aber fast nie
  • Ersatzhandschuhe und -socken
  • Ein kleines Thermometer
  • Eine warme Daunenjacke (heute nicht gebraucht)

Im Wald sitzt ein Baum voller runder Vögel. Ich könnte ein Foto machen. Aber zum einen habe ich kein Tele dabei, zum anderen zieht es mich auf die Ostsee. Also laufe ich weiter und die Vögel fliegen auf. Bald bin ich schon am Ostseeufer und laufe quer über das Eis zur Insel Klubben, von da aus weiter nach Flottgrundet, ein bisschen weiter nach Gråsidan, dort nach einer kleinen Teepause am gesamten Nordostufer entlang und dann wieder auf dem Rückweg nach Bredskär.

Wie immer begeistert mich das Licht auf der Ostsee und die schneebedeckten Flächen, in die der Wind verschiedene Strukturen und Texturen hinein geblasen hat. Dieses Mal komme ich aber auch in Gebiete, wo die Inseln von bis zu zwei Meter hohen Eisformationen umgeben sind. An manchen Stellen haben sich kleine Tropfsteinhöhlen gebildet. Ich komme mir vor wie einer Ausstellung mit sorgfältig von der Natur geformten Skulpturen. Am Ufer von Gråsidan hat man Blick auf das zusammengefrorene Packeis und später auf weitere Eisformationen. Es erfordert einiges an Disziplin, nicht jede einzelne Skulptur, jeden Eiszapfen und jeden Felsen fotografisch zu kartografieren, sondern sich in der Motivanzahl zu beschränken. Nachdem ich zu Hause aber gerade fast 30 Gigabyte überflüssiger Fotos auf dem Rechner gelöscht habe, gelingt mir das recht gut. Zumal ich weiß, dass mir manche Motive auch nicht wegrennen.

Auf Bredskär passiert es dann! Ich sehe einen anderen Skiläufer! Und ich dachte schon, dass ich der einzige bin, der bei jedem Wetter in der Natur unterwegs ist. Wir sind wohl beide neugierig und steuern aufeinander zu. Ich treffe auf einen Lehrer, der weiter draußen auf der See Blankeis suchen möchte, damit er dort Schlittschuh laufen kann. Nach fünf Minuten Gespräch lädt er mich schon im Sommer zu einer gemeinsamen Kajaktour ein, er hat zwei Seekayaks. Wir laufen dann gemeinsam einen guten Kilometer auf das offene Meer hinaus und man sieht nur Eis, Eis, Eis. Blankes Eis finden wir allerdings nicht und wir kehren um. Ich habe echte Mühe, Schritt zu halten, denn der Lehrer hat eine extrem gute Kondition, ist ziemlich schnell in diesem Gelände und benutzt dabei noch nicht einmal die Stöcke. Wie macht der das?

Bei einer Kaffeeeinlandung in sein Haus wird es mir klarer: Zum einen ist das Haus voller Sportgeräte und Outdoorausrüstung, zum anderen erzählt er von den vielen Touren, die er schon gemacht hat. Ich komme mir ziemlich unsportlich vor, freue mich aber riesig, dass es hier Gleichgesinnte gibt und dass man sie auch trifft. Und vielleicht ergibt sich ja wirklich mal etwas. Ich bin mir nämlich nicht immer so sicher, wie schnell man Einladungen zu einer eventuellen Kajaktour hier in Nordschweden auch annehmen darf.

Zu Hause ziehe ich mir erst einmal trockene Sachen an und hänge den Rest der Kleidung zum Trocknen auf. Heute hatte ich an:

  • Woll-Funktionsunterwäsche von Aklima. Genial! Das Oberteil hat eine Sturmhaube als Kapuze
  • Pullover aus Powerstretch-Fleece. Anfangs zu warm, später war ich froh, ihn anzuhaben
  • Dünne winddichte Mikrofaserjacke mit Kapuze und Fellrand. Hat man die Kapuze auf, vereist sie. Sonst vereisen Haare, Nase und Wimpern
  • Ein Schlauchschal (Buff) vor dem Mund
  • Zweilagige Fingerhandschuhe. Heute gerade noch warm genug. Nächstes Mal Fäustlinge
  • Eine x-beliebige Skihose
  • Warme Socken
  • Zur Skibindung passende Lederstiefel. Die sind leider nicht sehr warm und der schwächste Ausrüstungsgegenstand

Als ich dann um sechs einkaufen wollte, waren draußen immer noch -24 °C. Ich hatte aber eigentlich mehr Lust auf gemütliche Wärme und habe deshalb zum ersten Mal hier meine Canada Goose Daunenhose und den passenden antarktistauglichen Daunenparka dazu getragen. Das ist so, als ob man sein eigenes Heizkraftwerk mit sich herumträgt und man sollte keine großen Strecken laufen, weil es einem sonst zu warm wird. Egal bei welcher Temperatur! Jetzt sitze ich aber wieder schön im Warmen; das hat doch auch was!

¹ Wer meint, das sei kalt: Bei einem Freund, der 50 km landeinwärts wohnt, waren es heute -34 °C. Wem immer noch kalt ist: In der letzten Stunde ist die Temperatur hier um 5 Grad angestiegen. Morgen Nachmittag sollen es nur noch -6 °C sein und es soll 10-20 cm Neuschnee geben. Mal schaun …

Im Garten zelten?

Im Zelt im Garten: Gestern um 23:00 -25 °C, jetzt um 2:45 -27 °C.

Gestern habe ich nicht nur meine Pulka getestet, sondern auch bei ICA ein Paket abgeholt. Darinnen war ein Zelt, ein Tatonka Alaska 2. Das musste ich natürlich gestern noch aufbauen, und da Tunnelzelte nicht von alleine stehen, sondern abgespannt werden müssen, bot sich der Garten natürlich als Testgelände an. Leider habe ich keine Schneeheringe, also mussten neben zwei paar Skiern auch diverse Skistöcke und Schneeschaufeln zum Abspannen herhalten. Aber bei der Windstille brauchte ich nicht viel zu machen.

Ins Zelt kamen dann das in Jokkmokk gekaufte Rentierfell, darüber eine Isomatte und mein ganz warmer Schlafsack, denn ich habe mir die bislang kälteste Nacht des Winters ausgesucht: Um 23:00 waren draußen im Zelt -25 °C. Dazu kamen dann noch Tee und Kopfkissen, schließlich soll es gemütlich sein.

Gemütlich? Und warum sitze ich jetzt drei Stunden später drinnen im Computer und schreibe einen Blogeintrag?

Zum einen: In der ersten Zeltnacht schlafe ich nie sehr gut. Ich bin Seitenschläfer und das geht mit dickem Schlafsack irgendwie so gar nicht. Und das Kopfkissen rutscht auch immer weg. Zudem fehlte mir nach dem Bürotag auch die Bewegung, die einem auf Tour sonst dennoch gut schlafen lässt.

Zum zweiten: Ich hatte Hunger. Zu wenig Abendbrot.

Zum dritten: Man mag es glauben oder nicht, aber obwohl im Zelt kaum über -20 °C waren – ein bisschen isoliert das Zelt ja schon – war mein dicker Schlafsack „Mountain Equipment Everest“ zu warm! Beim Einschlafen war das ja noch angenehm, dass man überhaupt nicht fror, aber ich kam mir zum Schluss wie im Backofen vor. Wenn ich mal auf Tour gehe, dann brauche ich vielleicht doch zwei Schlafsäcke, wenn die Temperaturem im Fjäll zwischen 0 °C und -40 °C wechseln können.

Jetzt, wo die Tage länger werden – heute steht die Sonne erstmalig wieder mehr als acht Stunden über dem Horizont – werde ich bestimmt ein Wochenende eine schöne Zweitagestour machen und dann auch die Nacht im Zelt verbringen. Aber jetzt ziehe ich zumindest den Luxus des Bettes meinem Zeltplatz vor. Als Erinnerung nehme ich Schlafsackdaunen und Rentierhaare mit ins Bett.

Kalte Woche

Diese Woche ist die bislang kälteste in diesem Winter. Am Montag war lag das Tagesmaximum bei meinem Haus noch bei -18.7, seit dem sind die Temperaturen nicht mehr über -20 °C gestiegen. In Skellefteå ist es zwar ein paar Grad wärmer, aber auch dort haben sich die meisten auf die Kälte mit Kleidung à la „Hauptsache dick und warm“ eingestellt.

Wer genau wissen will, was ich die letzten Tage hier gemessen habe, kann sich das unter dem Menüpunkt Temperaturen anschauen. Schaut ab dem 12.2.2011.

Der Himmel war die Woche nur manchmal klar, meistens war es leicht bewölkt. Oft rieselt ganz feiner Eisstaub aus dem Nichts, der im Sonnen- und Mondlicht gold-silbern glitzert und am Montag gab es in der Stadt auch ein, zwei handfeste Schneeschauer bei -18 °C.

Am Montag Abend habe ich wieder in meinem Outdoorpool gebadet. Ein lustiges Gefühl, wenn man im herrlich warmen Wasser sitzt und die Ohren von der Mütze mit Ohrenklappen warm gehalten werden, einem aber gleichzeitig die Nasenhaare bei -27 °C Lufttemperatur einfrieren. Zudem hat der Pool ordentlich gedampft und viel von Mond und Sternen habe ich beim Baden nicht mehr gesehen.

Gestern bin ich bei -24 °C mit dem Fahrrad zum ICA gefahren. Und fand das wahnsinnig anstrengend. Ich weiß nicht, ob das an der Kälte lag, an dem dicken Wollschal, den ich mehrfach um Hals, Mund und Nase gewickelt habe oder ob ich einfach keine Kondition mehr habe. Ich mag den Winter ja besonders gerne, aber ich freue mich doch schon sehr darauf, wieder längere Strecken mit dem Fahrrad fahren zu können, ohne mich wie zu einer Expedition kleiden zu müssen. Und irgendwann – in ferner Zukunft – vielleicht sogar wieder ohne Handschuhe radeln zu können.

Tiefsttemperaturen 15. Februar 2011

Quelle: SMHI

Allerdings sind die hiesigen Temperaturen noch gemäßigt gegen einige Orte im Fjäll oder weit oben in Nordschweden, denn dort hat man regelmäßig Temperaturen von unter -40 Grad gemessen. Und heute schrieb der Norwegische Wetterdienst yr.no über -49.9 Grad in der Finnmarksvidda. Also was schreibe ich hier überhaupt, eigentlich ist es warm.

Nach Finnland · Teil 1: Universität Oulu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

In Kürze:

Von Freitag früh bis Sonntag Abend war ich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael unterwegs. Unser Ziel war das 800 Kilometer entfernte Joensuu in Finnland, wo am Wochenende die finnischen Meisterschaften im Winterschwimmen stattfanden. Auf dem Hinweg haben wir einen Zwischenstopp an der Universität Oulu gemacht. Dort werden Auswirkungen von Kälte auf den menschlichen Organismus untersucht.

Das Ziel ist, im nächsten Winter auch in Schweden, und zwar in Skellefteå, Meisterschaften im Winterschwimmen auszurichten. Und das ist die erste große Aufgabe des neu gegründeten Vereins „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Fahrt nach Oulu

+++ Wecker steht auf 4:20 +++ 5:30 geht‘s los. +++ die anderen abholen und dann nach Piteå, Luleå, Kalix, Haparanda +++ Inzwischen hell, Außentemperaturen liegen um -30 °C +++ In Finnland weiter nach Kemi +++ Von da bin ich vor acht Jahren mit einem Eisbrecher gefahren +++ erster Stopp Oulu (auf schwedisch Uleåborg) +++

Universitätsbesuch

Cold work action programAn der Universität Oulu sind wir mit Tiina Ikäheimo und Hannu Rintamäki vom Finnish Institute of Occupational Health (FIOH) verabredet. An diesem Institut wird zum Thema Kälte physiologisch und medizinisch geforscht und wir erfahren viel Interessantes über aktuelle Untersuchungen. So gibt es beispielsweise Arbeiten über die hormonellen Veränderungen unter Kälteeinfluss oder dem Einfluss von Kälte auf den Blutdruck. Nach dem Mittagessen führt uns Hannu durch die Labors. Hier gibt es sowohl temperaturgeregelte Wasserbecken als auch eine Kältekammer mit Windmaschine, die man bis auf -45 °C abkühlen kann. Die lasse ich mir das nächste Mal vorbereiten … . Aber es gibt auch eine Wärmekammer, die unter anderem dazu benutzt wird, Probanden wieder aufzuwärmen. (Es ist wohl nur Zufall, dass diese rein wissenschaftlich genutzte Kammer einer Sauna verblüffend ähnlich sieht.) Neben Versuchspersonen werden aber auch Dummys eingesetzt, um beispielsweise Kleidung unter Extrembedingungen zu testen. Diese technisch aufwendigen Figuren können wie Menschen bewegt werden, damit möglichst realistische Ergebnisse erzielen werden können.

Leider war unsere Zeit sehr begrenzt und schon bald saßen wir wieder im Auto, die zweite Etappe vor uns. Ich glaube, Forschung hätte auch was für mich sein können. Zumindest mal ein paar Jahre lang.

Oberflächliches Intermezzo: Von Schweden nach Finnland

  • Ich zahle wieder mit Euro
  • Ich verstehe kein Wort
  • Die Uhr wird eine Stunde vorgestellt
  • Die Landschaft unterscheidet sich aber nicht wirklich

Fahrt nach Joensuu

+++ Weiter über finnische Straßen +++ Zwischenstopp mit Kaffee und Karelischen Piroggen +++ die Sonne geht unter +++ Nicht mehr ganz so kalt +++ Das Hotel: Heruntergekommen, aber gutes Abendbrot und freies WLAN +++ und ein Hotelpianist, der Musik mit Gewalt verwechselt … +++

Gegen acht Uhr abends kommen wir in Joensuu an. Viel sehen wir nicht mehr, denn es ist dunkel und wir sind müde. Wir wissen nur von Jarkko, der aus Finnland stammt, dass „Greater“ Joensuu etwa 120000 Einwohner hat und wir am nächsten Tag nur 500 Meter laufen müssen, denn wir sind – genau wie die finnische Meisterschaft im Winterschwimmen – mitten im Zentrum. Wie praktisch!

Nach Finnland · Teil 2: Winterschwimmmeisterschaft in Joensuu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Besonders gut geschlafen habe ich nicht in dem Hotel. Das lag nicht daran, dass man die Straße so gut hörte und auch das Zimmer war alt, aber OK. Aber irgendein Möchtegernpianist meinte, um halb zwei Uhr nachts auf dem kleinen Yamahaklavier herumdonnern zu müssen. Ich meine, er konnte schon spielen, aber eigentlich nur laut und das mitten in der Nacht. Aber weiter im Text …

Nach einem Frühstück in einem netten Café sind wir leicht verspätet über die Autobrücke zur Flussinsel Niskassari gelaufen. Dort hatte der Wettbewerb schon angefangen. In das Eis auf der runden Bucht war ein rechteckiges Loch mit sieben Bahnen à 25 Meter Länge hineingeschnitten worden. Um das Loch standen bestimmt vierzig Personen mit neongelben Warnwesten. Die haben den Schwimmern beim Entkleiden geholfen oder im Laufschritt die Kleidung zum anderen Ende gebracht, damit dort die Schwimmer sich schnell wieder ankleiden konnten. Sie haben mit langen Harken das Eis von der immer wieder anfrierenden Wasseroberfläche entfernt oder mit roten Fahnen signalisiert, wann die Schwimmer so weit waren. Am Rand standen auch zwei Taucher, die aber zum Glück keine größeren Rettungsaktionen durchführen mussten.

Der Wettbewerb geht im Grunde so von statten: Wenn alle Schwimmer am Start sind, wird das Kommando „Riisukaa vaatteet“ – das heißt „Zieht Euch aus“ gegeben. Sind alle fertig, kommt „Veteen“ – das heißt „Steigt ins Wasser“. Das letzte Kommando heißt „Paikoillenne“ und bedeutet, „Auf Eure Plätze“. Direkt danach wird der Startschuss gegeben.

Was mir gefällt ist, wie gemischt die Teilnehmer sind. Manche sind athletisch gebaut, die meisten nicht. Die Hälfte sind Frauen, die Hälfte Männer. Viele Teilnehmer sind über 60, der Älteste war 86.

Jeder Teilnehmer ist verpflichtet Mütze (und natürlich Badehose oder -anzug) zu tragen. Handschuhe oder Socken sind nicht erlaubt. Die Schwimmart ist Brustschwimmen, wobei der Kopf nie ganz untertauchen darf. Vor allem bei den Mützen leben die Schwimmer Ihre Kreativität aus. Wer außerhalb des Wettbewerbs teilnimmt, ist an diese Regeln nicht gebunden und wer keine 25 Meter schwimmen möchte, kann auch einfach einmal ins Wasser eintauchen. Ich hatte eine gute Ausrede: Fotografieren. Aber nächstes Jahr will ich zumindest mit ins Wasser.

Mikael (links) und Jarkko (rechts) haben es sich nicht nehmen lassen, 25 Meter zu schwimmen. Tapfer! Danach haben sie es sich, wie manche anderen vor ihnen, im warmen Wasser des Hot-Tubs gut gehen lassen.

Der neu gegründete Verein „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“, dem ich quasi schon angehöre, möchte das Winterschwimmen auch in Schweden populär zu machen und hat sich zur Aufgabe gesetzt, im nächsten Winter die erstmalig schwedische Meisterschaften auszurichten – natürlich in Skellefteå. Das Feedback der finnischen Organisatoren, mit denen wir nach dem Wettbewerb und abends gesprochen haben war ausgesprochen positiv und uns wurde umfangreiche Hilfe zugesagt neben dem Tipp, dass 2015 ein tolles Jahr sei, um nordische oder auch europäische Meisterschaften auszurichten. Zum Glück ging das alles auf schwedisch oder englisch, denn außer Jarkko spricht keiner von uns finnisch bis auf Worte wie beispielsweise „Kitoos“ für „Danke“.

Abends fand dann eine Gala statt. Es war glaube ich die erste Gala, bei der ich war, ohne selber Musik zu machen. Erstaunlich: Kaum erklingen zwei Noten Musik, schon ist das Parkett voll tanzender Finnen. Und die Musik ist wirklich melancholischer als auf deutschen Galas. Ja, und es gab auch finnischen Tango.

Währenddessen hatten einige draußen Nachtschicht: Die ganze Nacht muss das Wasser immer wieder von Eis befreit werden. Wir sind um elf wieder ins Hotel gegangen und haben dort noch einige Zeit gesessen. Dabei haben wir dann beschlossen, nicht am Montag, sondern direkt nach den letzten Wettkämpfen am nächsten Tag zurückzufahren.

Nach Finnland · Teil 3: letzte Winterschwimmwettkämpfe

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Der nächste Morgen war kalt. Am Flugplatz wurden -29 °C gemessen und bei meinem kleinen Morgenspaziergang fühlte es sich in der Stadt auch nicht wärmer an und ich war über meinen Parka froh. Ich bin ein paar Meter am Fluss Pielisjoki entlanggelaufen, habe unter der Brücke die netten Streetart-Holzobjekte gefunden und bin dann mehr zufällig auf einem Platz mit Schnee- und Eisskulpturen gelandet. Dann bin ich zum Packen ins Hotel zurückgekehrt.

Wir haben dann in einem Hotel gefrühstückt, aber es war sehr schwer, in diesem riesigen, von Treppen, Türen, Korridoren und Fahrstühlen durchzogenen Komplex den Frühstücksraum zu finden und wir waren nicht die einzigen, die sich verlaufen haben. So sind wir ein bisschen verspätet zu den letzten Wettkämpfen gekommen.

Dieses Mal war die Wettkampf Staffelschwimmen (heißt das so?) mit vier Teilnehmern pro Team. Das Wasser hat vor Kälte gedampft und sehr gemütlich sah das ganze nicht aus. Plötzlich (man versteht ja nichts von den finnischen Ansagen) zogen die warnwestenbekleideten Helfer die Schnüre heraus, die die Bahnen trennen, die Taucher verschwinden, das Publikum ist wie vom Erdboden verschluckt und wir stehen halb alleine da. Der Wettbewerb war vorbei. Das ging aber schnell … vielleicht der Kälte wegen. Wir sind aber nicht böse, denn vor uns liegen 800 Kilometer Fahrt durch halb Finnland und ein Stück Schweden und so kommen wir schon eine Stunde eher als geplant los. Um halb elf bin ich zu Hause und froh, mich wieder bewegen zu können, denn für fünf Personen war der kleine Mitsubishi ganz schön eng auf der langen Fahrt.

(Die ganze Zeit war der Himmel blau und wo fängt es an zu schneien? Richtig, kurz vor Skellefteå. Auf meinem Grundstück lag dann auch 10 cm fluffiger Neuschnee auf dem Weg.)

Noch einige Impressionen vom zweiten Wettkampftag der finnischen Meisterschaft im Winter­schwimmen. Ohne große Bearbeitung und Reihenfolge.

Herbstanfang

Letzte Nacht habe ich geträumt, dass ich ohne Jacke rausgehe. Und dachte im Traum noch „Ganz schön mutig“. Geweckt wurde ich dann – wie gestern schon – Punkt sechs von dem lauten Prasseln eines Wolkenbruchs. Nun, Wolkenbrüche gab es diese Woche eigentlich fast jeden Tag, das ist nichts besonderes. Aber dieses Mal ist auch die Temperatur mit gefallen und lag den ganzen Tag so bei fünf, sechs Grad. Zusammen mit dem Wind ein pünktlicher Herbstanfang der ungemütlichen Sorte.

Nach dem Frühstück hat es nur noch mäßig geregnet und ich bin durch eine asphaltierte Seenplatte zum Bus gelaufen. Der Wasserstand auf Skelleftehamns Straßen reicht für mein Kajak allerdings noch nicht aus.

Der Bus war heute eher ein Amphibienfahrzeug. Manchmal pflügte er wie ein Schiff durch die tiefen Pfützen und ließ das Wasser meterhoch spritzen. Der Ausblick durch die regennassen Scheiben war abwechselnd eintönig grau und leuchtend farbig von den bunten Blättern, die die ersten Bäume und Büsche tragen.

Nach der Arbeit bin ich zur Bushaltestelle einen kleinen Umweg am Fluss gelaufen. Dort lachte mich dieser Fliegenpilz an. Und wenn ich ihn schon nicht essen kann, dann mache ich von ihm wenigstens ein Foto mit meiner kleinen Rikoh.

Ich bin gespannt, ob das nasse Wetter weiterhin so anhält oder wir noch einen schönen Spätherbst bekommen. Ein, zwei Mal möchte ich noch Kajak fahren und da kann ich keinen Wind gebrauchen. Und zu viel Regen muss ja auch nicht sein …

Schwedischübersetzung des Tages:det är iskallt – Es ist eiskalt!

Nachtrag: Sind manche Schweden einfach hart im Nehmen oder ist das die Trotzreaktion zum Sommerende: Zwei Schweden mit kurzen Hosen sind mir heute begegnet. Ich hingegen habe zu Hause das erste Mal wieder die Heizung angeschmissen.

Frost = Auto waschen?

Heute morgen schaue ich auf das Thermometer und lese -3 °C. Frost. Das bedeutet für mich vor allem, dass ich bald die Wasserleitung zum Außenhahn absperren und leeren muss, damit sie nicht kaputt friert. Und das heißt, dass ich heute mal das machen sollte, wovor ich mich seit Wochenenden gedrückt habe: Mein Auto waschen und wachsen. Und das ist eine Sache, auf die ich nun wirklich überhaupt keine Lust hatte. Aber zum Kajak fahren wäre es mir heute ohnehin zu windig gewesen.

Also habe ich nach einem ausgiebigen Frühstück die nächsten drei, vier Stunden damit zugebracht, zu schauen, welche Farbe mein Auto unter den verschiedenen Dreckschichten eigentlich hat. Ohne die Hilfe (und Material) meines Nachbars hätte ich es allerdings nie geschafft, dieses fiese, klebrige Asphaltzeugs, welches die halbe Fahrertür bedeckte, abzubekommen. Danke dafür!

Die nächsten Wochen muss ich noch schauen, was ich alles tun muss, um das Auto wirklich winterfest zu bekommen. Kleine Roststellen beseitigen, Kühl- und Bremsflüssigkeit überprüfen lassen und Spikereifen aufziehen stehen schon auf der Liste.

Ach ja, noch zwei Fotos von heute vor dem Frühstück. Denn nur für diesen Artikel das Auto zu fotografieren war mir nun wirklich zu doof.

Schwedische Meisterschaft Winterschwimmen

Eigentlich hab ich’s ja so gar nicht mit Vereinen. Eine Ausnahme mache ich für „Den Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte“ oder auf Schwedisch: Föreningen för Mörkrets och Kylans Glada Vänner. In diesem Verein schaffen wir positive Erlebnisse im Zusammenhang mit Dunkelheit und Kälte in den nördlichen Regionen.

Heute war die Pressekonferenz zu unserem ersten Projekt, welches im Februar dieses Jahres In Joensuu in Finnland seinen Ursprung hatte: Wir richten die erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen aus. Am 4. und 5. Februar 2012 wird der Wettbewerb hier in Skellefteå im Fluss stattfinden.

Am Anfang der Woche hat Lasse zu der heutigen Pressekonferenz eingeladen und sofort haben alle großen Zeitungen darüber berichtet. Und wenn man heute bei Google nach vintersimning skellefteå 2012 sucht, so erhält man schon über tausend Treffer. Es scheint ein wirklich großes und breites Interesse an diesem Ereignis zu bestehen.

Mikael und Jarkko haben heute für die Presse und Fernsehen im Fluss gebadet. Die Armen! Mit 1 °C Wassertemperatur war es schon richtig kalt, doch das sind die beiden gewohnt. Aber heute war es sehr windig. Und dann nass und nackt Interviews geben, das stelle ich mir extrem ungemütlich vor. Ich stand daneben und hatte Mütze und Schal an plus Kapuze auf.

Vor allem Martine, die das Projekt leitet, hat viel zu tun. Hinter der Meisterschaft steht eine umfangreiche Infrastruktur. Vom Rettungsschwimmer bis hin zu Umkleideräumen will noch viel organisiert werden. Ich werde mich jetzt um eine Webseite kümmern und deutsche Vereine ansprechen, denn die Teilnahme steht grundsätzlich jedem offen.

Apopros Teilnahme: Ich habe heute übrigens gelernt, dass ich schon Winterschwimmen gemacht habe. Dazu muss das Wasser nämlich „nur“ unter zehn Grad haben, und das habe ich vor sechs Wochen locker unterboten. Ob ich aber am Wettbewerb teilnehme, weiß ich noch nicht. Ich bin nämlich ein lausig schlechter Schwimmer.

Danke an Marianne für das erste Foto in diesem Artikel.

Nachtrag:

Jetzt sind zwei Videos von heute online. (Auf schwedisch).

Der erste kalte Tag

Heute morgen hatten wir zum ersten Mal -10 °C in Skelleftehamn. Schon gestern hatten wir Dauerfrost und heute lag das Maximum bei mir auf dem Grundstück bei -8.4 °C. Der dicke Winterparka hängt zwar zusammen mit der Skihose noch im Keller, aber zum ersten Mal hatte ich heute eine Daunenjacke an. Die ist sehr praktisch, wenn man auf dem Bus wartet, allerdings weniger praktisch, wenn man wie heute im völlig überfüllten und überheizten Bus steht und kaum Platz hat, sich das Ding auszuziehen.

Auf dem Fluss treibt dünnes Eis und wenn es weiterhin so kalt bleibt, wird der Fluss bald zugefroren sein, wenn auch noch lange nicht betretbar.

Ob es allerdings so kalt bleibt, wer weiß es. Schon heute Abend soll es wärmer bleiben und am Freitag bei +1 °C schneien, schneeregnen, regnen oder was weiß ich. Allerdings haben die Wetterdienste von der heutigen Kälte auch noch nichts gewusst. Ich lass mich überraschen.