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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Winterbaden

Die Nacht war klar und der Himmel verspricht einen schönen Tag. Die tief stehende Sonne strahlt die Schäfchenwolken rosa an. Auf dem Eis des zugefrorenen Flusses steht ein Mann. Er hat eine Kettensäge in der Hand.

Er sägt große Blöcke aus einer Stelle, die wohl schon einmal offen war, aber jetzt wieder zehn Zentimeter dick von Eis bedeckt ist. Als die Eisblöcke aus dem Wasser gehoben sind, gähnt einem ein Loch im Eis entgegen. Das Wasser ist dunkel, fast schwarz, Grund ist nicht zu sehen.

Doch verlassen wir die morgendliche Szene und drehen die Zeit ein wenig zurück.

Ich bin ja seit letztem Winter Mitglied der Föreningen för Mörkrets och Kylans Glada Vänner, auf deutsch Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte, der positive Erlebnisse rund um die hier im Norden herrschende Dunkelheit und Kälte schafft. Unsere erste Veranstaltung ist die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen, die am 4. Februar hier in Skellefteå stattfinden wird.

Die Standarddisziplin ist 25 Meter Brustschwimmen, es kommt aber auch eine Extremsportlerin,die 450 Meter (sic!) in dem eiskalten Wasser schwimmt. Wir wollen aber nicht nur Supersportler, sondern auch Normalpersonen als Teilnehmer. Und für die hat Jarkko gestern in Kusfurs einen Workshop im Winterbaden angeboten. Nach einer theoretischen Einführung sollte jeder, der will, das ganze natürlich ausprobieren können. Und dafür braucht man eben ein Loch im Eis.

Bevor der Workshop begann, habe ich versucht Unterwasseraufnahmen zu machen. Dabei hatte ich aber einen Survivalanzug an, der komplett wasserdicht ist und schön warm hält. Einige Stunden später später bin ich wieder in das Loch gestiegen, dieses Mal nur mit Badehose und lustiger Mütze bekleidet. Insgesamt zehn Teilnehmer haben das Winterschwimmen ausprobiert. Frauen, Männer und auch ein elfjähriger Junge.

Wie geht das ganze vor sich? Zuerst wärmt man sich auf, dazu reicht schon ein kurzer flotter Spaziergang. Dann zieht man sich aus, stellt sich auf die oberste Sprosse, nimmt einen tiefen Atemzug und steigt, langsam ausatmend und mit dem Rücken zuerst ins Wasser. Dabei setzt ein gewisser Fluchtreflex ein, der dazu führt, dass man schnappatmet. Ich habe also versucht, ganz bewusst ruhig ein- und auszuatmen. Nach fünf bis zehn Sekunden beruhigt sich die Atmung und dann ist es richtig schön in dem kalten Wasser. Ich war vorher so mit der Atmung beschäftigt, dass ich keinen Moment die Kälte gespürt habe. Wenn man wieder aus dem Wasser aussteigt, ist es wichtig, sich schnell abzutrocknen und warm anzuziehen. Extra dafür habe ich meinen warmen kanadischen Daunenparka mitgenommen. Der hielt mich danach auch schön warm, aber über die warme Gulaschsuppe, die es anschließend im Café gab, habe ich mich doch sehr gefreut.

Das Gefühl danach ist herrlich. Man fühlt sich nicht nur bis in die letzte Pore erfrischt und wach, sondern der ganze Körper richtet sich auf und man steht viel gerader da. Eine Wohltat für Büroarbeiter wie mich.

Als ich nach der Suppe noch einige Sachen hereingeholt habe, war das Eisloch schon wieder am Zufrieren. Am nächsten Samstag findet ein Workshop in Ursviken statt, gleich um die Ecke. Da bin ich wieder dabei.


Einige Tipps zum Winterbaden:

  • Wärme Deine Muskulatur auf, bevor Du in das Eisloch gehst.
  • Trage eine Mütze
  • Bade nicht direkt nach der Sauna
  • Atme ruhig wenn Du ins Wasser gehst, das kalte Wasser kann die ersten Male zu einem ungefährlichen Atemkrampf führen
  • Bleibe die ersten Male nur kurz im Wasser
  • Ziehe Dich warm an nach dem Bad und trinke etwas lauwarmes
  • Bade nie alkoholisiert oder wenn Du krank bist
  • Nimm einen Freund mit
  • Falls Du unsicher bist, sprich mit Deinem Arzt
  • Höre auf Deinen Körper

Meereis

Meine Güte ging das schnell! Vor nur vier Tagen habe ich Fotos von der Bucht Kallholmsfjärden gemacht. Das Wasser war noch offen und nur am Rand beim Schilf trieb der erste Eisschlamm auf der Oberfläche. Nun war es ein paar Tage kälter und heute sind große Teile der Bucht zugefroren.

Ich blicke auf eine weiße Fläche. Das Eis ist größtenteils vom Neuschnee bedeckt, vermutlich vom Schneeschauer, der zwei Stunden vorher herunterkam. Einige dunkle Kanäle zeigen, dass die Fläche noch nicht überall gleichmäßig zugefroren ist.

Ich trete näher und sehe am Ufer das rundgestoßene Pfannkucheneis im Viersekundentakt hin- und herschwappen. Dahinter sind größere Eisschollen, die scheinbar unbewegt auf dem Wasser liegen. Ich laufe ein bisschen ins Meer hinein. Die meisten Eischollen tragen mich noch nicht und ich stehe sofort im Wasser. Aber eine Scholle trägt und ich spüre, wie sich das Eis unter mir mit den Wellen langsam senkt und hebt. Als ob das Meer tief und ruhig ein- und ausatmet. Ein schönes Gefühl. Aber nur, weil ich weiß, wie flach diese Stelle ist. Und auch hier ist das Eis noch weich. Die Scholle biegt sich unter meinem Gewicht, ein Riss bildet sich und auch hier stehe ich im knietiefen Wasser.

Aber im Gegensatz zum Eisbaden vor zwei Tagen habe ich meine Neoprenwathose an und ich bleibe warm und trocken.

Video zum Winterbadekurs

Heute war ich nicht im Wasser, sondern an der Kamera. Ich fotografiere lieber und habe keine Ahnung vom Filmen, aber manchmal sind ein paar bewegte Bilder schön.

Was man auf dem Video nicht erkennt ist die Temperatur auf dem Thermometer: Zwischen +0.9 und 0.0 °C hatte das Wasser heute.

Da ist das Eis!

Ja, träume ich denn! Gestern war die Bucht komplett eisfrei und heute, nach einer Nacht mit Temperaturen um -15 °C ist sie mit Eis bedeckt – die ganze Bucht bis zum Horizont. Für mich ist das unglaublich, wie schnell sich das hier ändern kann.

Wir bauen ein Freibad

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

In der Nacht hat es leicht vor sich hin geschneit. Gleichzeitig wurde es kälter. Heute morgen lag trotz der Wolkendecke die Temperatur bei -15 °C. Mich freut‘s. Nicht nur, weil ich die kalten Temperaturen mag, sondern auch, weil am Samstag die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen in Skellefteå stattfindet. Und zum Winterschwimmen gehört auch Kälte dazu.

Der Verein der frohen Freunde von Dunkelheit und Kälte organisiert die Veranstaltung, hat aber zum Glück viele Helfer. Nicht nur Rettungstaucher, Polizei und viele Freiwillige vom Schwimmverein, sondern zum Beispiel auch die technische Abteilung der Kommune, die uns von Sonntag bis heute das Eis für 4 Bahnen à 25 Meter aus dem Fluss geschnitten hat.

Das erste Bild habe ich am Montagmorgen gemacht. Das zweite heute, Mittwoch Mittag. Zwischen den Tagen hatten die Mitarbeiter der Kommune einiges an Arbeit.

Alles fängt mit der Kettensäge an: Große, quadratische Blöcke werden aus dem zwanzig Zentimeter dicken Eis geschnitten. Eine ziemlich kalt-nasse Angelegenheit. Dann werden die Eisblöcke getrennt, sie treiben dann langsam mit der Strömung flussabwärts und landen am anderen Ende des Eisschwimmbeckens. Dort werden sie mit einem Greifarm aus dem Wasser gehoben.

Und so wird die Bahn länger und länger, bis sie schließlich heute Mittag fertig geworden ist.

Nun sind es nur noch drei Tage bis zum Samstag, und ich bin gespannt, wie kalt es werden wird. Schon jetzt um kurz vor sechs ist die Temperatur in Skelleftehamn auf -20 °C gefallen.

Übrigens: Was macht man, wenn der Winter so mild war und das Eis zu dünn? Ganz einfach, man spült Wasser auf das Eis, welches friert und damit die Eisschicht dicker macht. Es gab also einen Anfang vor der Kettensäge.

Vintersim SM – noch zwei Tage

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Noch zwei Tage bis zur Schwedischen Meisterschaft im Winterschwimmen. Pünktlich zu diesem Event wird es richtig kalt hier. Gestern lag die Höchsttemperatur in Skelleftehamn bei -13.4 °C, heute bei -16.4 °C. Und ich war gespannt, wie das Becken, welches gestern geöffnet wurde, wohl heute aussieht. Es war, trotz Umwälzpumpe, schon weitestgehend wieder zugefroren und Mitarbeiter der Technik mussten erst einmal das Eis aufschlagen und mit Harken an Land befördern. Über der Stadt spannte sich ein herrlich blauer Himmel bei kalten Wintertemperaturen um rund -20 °C.

Schließlich ist das Becken vom Eis befreit und sieht fast wie ein normales Freibad im Sommer aus. Wenn da nicht das Eis drumherum wäre. Und ich nicht im dicken Daunenparka da stände. Und das Wasser nicht vor Kälte rauchen würde.

Mikael misst die Tiefe: Mindestens zwei Meter, stehen kann man also nicht.

Wieder ist das Fernsehen da, wieder werden Interviews geführt und wieder springen Mikael und Hans ins Wasser, damit das Fernsehen auch etwas zu zeigen hat. Bei diesen Temperaturen fühlt man die Kälte nicht im Wasser, sondern wenn man klatschnass an Land klettert.

Mikael und Hans schwimmen auch versuchsweise gegen den Strom, aber selbst gegen diese schwache Strömung ist es schwer gegenan zu schwimmen. Also werden am Samstag bei der Staffel alle Schwimmer der Teams auf der gleichen Seite starten und durch eine Flagge ihren Start mitgeteilt bekommen.

Nun ist es halb zehn Abends, ich messe draußen -24 °C, am Flugplatz werden -29 °C gemessen und die neue experimentelle Temperaturvorhersage des Schwedischen Wetterdienstes sagt für Samstag 10 Uhr -34 °C vorher. Das nenne sogar ich richtig kalt. Und ich werde schwimmen! Nicht beim Wettbewerb, sondern anschließend beim Schwimmen der Ausrichter (der „Arrangörerna“).

Kein Schwimmen für mich

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Nur eine kurze Notiz für die Neugierigen.

Obwohl ich es mir fest vorgenommen hatte, bin ich heute keine 25 Meter geschwommen. Wir, die den Event ausgerichtet haben, waren seit halb acht bei Temperaturen um -30 °C draußen, haben Eis gesägt, gehackt und aus dem Wasser geholt, organisiert und waren fast die ganze Zeit draußen. Mittags waren Jarkko und Lasse so durchgefroren, dass sie beschlossen haben, nicht zu schwimmen, weil das einfach nicht gut für den Körper ist.

Und ich? Alleine? Das war mir irgendwie unangenehm, als schlechter Schwimmer (ausgerechnet nach den 450 Meter Freistil von Anna-Carin, die Weltmeisterin ist und Strecken bis 42 Kilometer am Stück schwimmt) 25 Meter Brustschwimmen zu simulieren. Also habe ich mitgezogen und bin ebenfalls nicht geschwommen. (Nun ärgere ich mich, dass ich es gestern nicht probiert habe.)

Im Nachhinein war das klug. Ich habe zwar einen arktistauglichen Daunenparka und Daunenhose von Canada Goose angehabt, die mich die ganze Zeit herrlich warm gehalten haben. Aber die Fingerspitzen waren dennoch ein bisschen beleidigt, weil ich oft nur mit fingerlosen Handschuhen fotografiert habe (sonst hatte ich bis zu drei Paar Handschuhe übereinander an) und tun ein bisschen weh. Da war es bestimmt besser, auf das Eisschwimmen zu verzichten, auch wenn ich jetzt damit nicht angeben kann, ausgerechnet am kältesten Tag seit meinem Umzug nach Schweden meine 25 Meter geschwommen zu sein.

Die Pläne für heute: Badewanne · Trinken · Bett
Die Pläne für morgen: Ausschlafen · Wettbewerbsergebnisse im Netz publizieren · Fotos sichten · Zwei, drei Blogartikel schreiben. Das muss reichen für einen Sonntag.

Kalt!

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Nein, wir hatten gestern keine -43 °C wie in Kvikkjokk, aber dass das Thermometer hier am Haus -32 °C anzeigt, habe ich noch nicht erlebt, seitdem ich hierher gezogen bin.

Die Frühtemperaturen waren innerhalb von vier Tagen um -25 °C gesunken: Dienstag -7 > Mittwoch -14 > Donnerstag -18 > Freitag -25 > gestern -32.

Im Auto auf dem Weg zur Winterschwimmmeisterschaft zeigte das Autothermometer schließlich -35 °C an. Das habe ich bloß einmal in Finnland 2003 erlebt und dann wieder bei einer Zelttour 2009. Da war es allerdings noch kälter. Kein Wunder, da war ja auch Kvikkjokk in der Nähe.

Wenn man bei -15 °C das Haus verlässt und einmal tief durch die Nase einatmet, dann kitzelt das, weil die Nasenhaare einfrieren. Wenn man bei -30 °C das Haus verlässt (ohne Handschuhe), dann sticht die Kälte direkt in die Fingerspitzen. Nach kurzer Zeit bildet sich Raureif an den Wimpern und sie frieren seitlich zusammen.

Wir hatten viel zu arbeiten gestern, dementsprechend atmet man tiefer und alle Feuchtigkeit friert sofort irgendwo am Körper fest. Bei mir (erstes Bild) hielt sich das noch in Grenzen, bei dem Schwimmer, der wohl schon einige Stunden draußen stand (zweites Bild), sah das schon ziemlich extrem aus.

Aber ich wusste ja, dass die Temperaturen tagsüber kaum die -30 °C übersteigen würden und ich hatte meinen Canada Goose „Snow Mantra“-Parka an, den ich 2002 bei Ebay ersteigert habe. Der ist so warm, dass ich den ganzen Tag draußen bleiben konnte ohne zu frieren. Außerdem hält der riesige Pelz Frost und Eis erfolgreich ab.

Nur Handschuhe und Fotografieren ist ein leidiges Thema im Winter – irgendwann hat man dann doch mal die Handschuhe aus und irgendwann piekst der Frost dann doch mal in die Fingerspitzen. Denen geht es heute wieder gut, aber das viele Fotografieren gestern fanden sie ziemlich doof.

Jetzt ist es übrigens wieder wärmer geworden bei Temperaturen um -23 °C.

Update (6. Februar):

Heute kamen Wetterdaten von Skellefteås Stadtzentrum vom Samstag:

Uhrzeit Temperatur Windchill
08:00 -32.2 °C -42.4
10:00 -31.8 °C -41.1
12:00 -29.2 °C -39.5
14:00 -27.5 °C -30.8

Die Erste Schwedische Meisterschaft im Winterschwimmen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie SM Winterschwimmen 2012.

Vorbereitungen

Ich hatte schon geschrieben, wie kalt es am Tag der Winterschwimmmeisterschaft war. Auch in der Stadt zeigte das Thermometer im Auto -31 °C und auf dem Fluss dürfte es eher noch kälter sein. Und so war das Eisschwimmbecken, in dem am Vortag Anna-Carin 500 Meter geschwommen ist, komplett und dick zugefroren. Und Jarkkos Kettensäge ging nicht. An ein Öffnen mit Eisbohrer und Axt war nicht zu denken. Zum Glück konnten wir noch schnell eine elektrisch betriebene Säge auftreiben. Jarkko und Lasse haben einmal um den gesamten Beckenrand gesägt. Nun konnte man zum Glück mit Eisenstangen als Hebel das Eis aufbrechen. Am Rand war es zwar gut 10 cm dick, aber ganz in der Mitte nur etwa 3 cm.

Ich bin zum Schluss mit dem Überlebensanzug ins Becken gestiegen, da sich die ganzen Eisschollen durch die Strömung am unteren Ende gesammelt und verkeilt haben. Einen paar habe ich herausgehoben, einen Teil konnte ich auch unter das Eis drücken. Gar nicht so einfach, im Wasser etwas zu machen, wenn man nichts hat, wo man sich gegenstemmen kann. Und über dem Wasser konnte ich mich nicht festhalten, denn innerhalb weniger Sekunden wären die nassen Neoprenhandschuhe am Eis festgefroren.

Aber irgendwann war das Becken wieder frei, die tief stehende Sonne tauchte alles in warmes, gold-gelbes Licht und die Meisterschaft konnte beginnen.

Die Meisterschaft

59 Schwimmer haben sich angemeldet und die meisten waren auch da und registrierten sich. Trotz der Eiseskälte standen etwa 250 Zuschauer am Ufer und warteten darauf, dass es los ging. Die Taucher besprachen sich mit dem Arzt und dann kamen auch die ersten Schwimmer.

Zuerst kleiden sich alle Schwimmer aus, das soll natürlich schnell gehen, es ist ja kalt. Dann gehen alle Schwimmer ins Wasser. Die Erfahrenen beeilen sich dabei, damit sie sich vor dem Start an die Kälte gewöhnt haben und wieder ruhig atmen können. Beim Startkommando schwimmen alle los – dies ist der einzige Teil, der fast im Schwimmbad stattfinden könnte, wären da nicht die bunten Mützen. Dann steigen alle so schnell wie möglich aus dem Wasser und bekommen Hilfe beim Abtrocknen und Anziehen. Und die ist nötig, denn in den Fingern und Zehen hat man jetzt kein Gefühl mehr. Und – hatte ich erwähnt, dass es saukalt war?

Erst kamen die Herren, dann die Damen und dann der Staffellauf, der wegen der Strömung ausschließlich flussabwärts stattfand. Das hat mit kleinen Pausen etwa zwei Stunden gedauert. Dann kam Anna-Carin und ist 450 Meter auf Zeit geschwommen – allerdings außer Konkurrenz. Sie hat zwei Wochen zuvor Gold mit einer Zeit von 6m59 gewonnen, dieses Mal aber aufgrund der Strömung acht Minuten gebraucht.

Ich finde ja, dass die gewinnen sollten, die am längsten im Wasser waren. (Bei meinem miserablen Brustschwimmen hätte ich bestimmt den ersten Platz gemacht.)

Siegerehrung

Nach einer kurzen Pause kam dann die Siegerehrung. Viele haben Medaillen bekommen, was daran liegt, dass sowohl nach Herren/Damen, als auch nach Altersklassen gruppiert wird. Da konnte es schon einmal geschehen, dass in einer Klasse nur ein Schwimmer teilgenommen hat und dann die Medaille für den ersten Platz überreicht bekam. Dagegen wurde es bei der Ehrung der Teams ein bisschen eng auf dem Siegertreppchen.

Nach der Siegerehrung leerte sich die Veranstaltung schnell. Auch wenn die Temperatur inzwischen auf -26 °C angestiegen war, warm ist anders. Und so endet der Tag wie er angefangen hat, mit einem Blick auf ein Eisschwimmbecken im Skellefteälven.

Einige Impressionen von der Veranstaltung


Eigentlich wollte ich auch schwimmen, aber …

13 Grad in zwei Meilen.

Das habe ich auch noch nicht erlebt: In der Bonnstan, der alten Kirchenstadt in Skellefteå zeigte mein Autothermometer -22 °C und so fühlte sich das auch an (inklusive Frost auf den Wimpern). Auf der Fahrt nach Skelleftehamn wurde es draußen immer wärmer. Und zu Hause, zwanzig Kilometer weiter, zeigte das Thermometer nur noch -9 °C an und beim Aussteigen hatte die Luft fast etwas Mild-Erfrischendes.


Und weil es zu diesem Artikel überhaupt keine Fotos gibt, zeige ich einfach ein paar Fotos der letzten Monate, die es nicht ins Blog geschafft haben.

Nasser geht’s nicht

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Regen. Pladderregen. kalter, fieser Pladderregen. So empfing uns der Montag, zwei Tage nach dem Fest auf Solberget. Doch ich hatte schon eine Tour im Hinterkopf. Angefangen hatte die Idee mit Sandras Hinweis, auf der topografischen Karte sei ein Pfad über das Moor eingezeichnet. Moor finde ich immer spannend, und die Aussicht, auch im Sommer zum Hof Tiurevaara zu laufen, zu dem ich im Winter 2006 mal mit Skiern unterwegs war, verlockte mich. Und der Regen – nun, nass wird’s im Moor wahrscheinlich ohnehin.

Bald waren ich, Kamera und Handy wasserdicht verpackt und ich bin losgelaufen. Anfangs führte ein klar erkennbarer Weg durch den Wald. Der erste Graben ließ sich mit einem großen Schritt überqueren und mit ein bisschen Handynavigation habe ich nach knapp zwei Kilometern die Stelle gefunden, wo der Weg ins Moor führen soll. Zuerst sah ich nur eines der roten Holzkreuze, mit denen in Schweden typischerweise die Winterwege markiert sind. Dann dann sah ich einige vermoderte Bohlen, die geradeaus ins Moor führten. Der Weg schien irgendwo im Nichts zu enden. Na gut – dann mal los, umkehren kann ich immer noch.

Ich habe nur Handyfotos durch die wasserdichte Hülle geschossen, die große Kamera wäre mir wahrscheinlich bei diesem Regen abgesoffen.

Bei der Überquerung des Baches auf dem unter der Wasser liegenden Bohle war Balancieren angesagt, denn wie tief das Wasser war, ließ sich nicht erkennen und auch die Wathose, die ich anhatte geht „nur“ bis zur Brust. Aber hier kam ich noch bequem rüber. Danach glich die Wanderung mehr einem Suchspiel. Wo ist die nächste Bohle? Teile waren unter Wasser, auf manchen wuchs schon Sumpfgras und Sonnentau und manche lagen einen halben Meter daneben. Bei manchem Fehltritt oder Ausrutscher landete ich tief im Matsch, wie praktisch, dass immer eine Bohle in der Nähe ist, obwohl auch sonst das Freikommen leichter ist als oft hin angenommen.

Auch im Wald lag der Pfad manchmal unter Wasser und die Markierungen wurden immer spärlicher, bis der Weg zum Schluss im Nichts verschwand. Aber im Wald ist das ja nicht so wild. Mit dem iPhone ist es sehr bequem zu navigieren, wenn man Netz hat und so waren auch die zweite und dritte Sumpfstelle schnell gefunden. Dort lagen keine Bohlen, aber der Boden war trittfest. Und das Schöne: Ich konnte mich auf dem ganzen Weg an Blau- und Moltebeeren sattessen.

Nach etwa sechs Kilometer waten, wandern und Wege suchen habe ich den Hof Tiurevaara gefunden. Während das Haupthaus noch in Gebrauch ist und sogar über ein Thermometer verfügt (5 °C – brrr!), ist manches Nebengebäude völlig verfallen und die Natur erobert sich das Gelände wieder zurück. Unter dem Vordach habe ich eine Pause gemacht und ein bisschen Schokolade gegessen. Während das Handy trocken geblieben ist, war ich selbst am ganzen Körper klatschnass. Deswegen habe ich mich bald auf den Rückweg gemacht.

Auf dem Rückweg musste ich mehr mit Kompass und (nasser) Karte navigieren, da der Ladezustand meines iPhones schon nach drei Stunden von 98% auf „Ich schalte mich jetzt aus“ abgesunken war. GPS + Internet (Kartendarstellung) + Fotografieren ist für so ein Schönwettersmartphone einfach zu viel. Aber egal, man kommt auch ohne nach Hause. (Und zugegeben, ein „normales“ GPS hatte ich auch noch mit dabei.)

Für ein letztes Foto ließ sich das Handy sogar noch einmal wieder anschalten: Diese schöne Kaffeekanne habe ich schon auf dem Hinweg bewundert und jetzt signalisierte sie mir, dass Solberget nicht mehr weit ist.

In der gemütlichen Holzfällerhütte habe ich mich umgezogen, ein Feuer gemacht, alles, was unterwegs mit war, zum Trocknen aufgehängt. Inklusive Karte und Rucksack.

Teilweise mögen Schweiß und Kondenswasser dafür gesorgt haben, dass ich so klatschnass war. Teilweise lief mir das Wasser aber auch einfach am Kinn unter die Jacke oder in die Jackenärmel, wenn der Unterarm mal eine zehntel Sekunde nach oben oder in Richtung Wind zeigte. (Auch supertoll-konstruierte Outdoorjacken haben ihre Grenzen.) Die Wathose hätte ich mir also echt sparen können, zumal ich mir bei der Wanderung auch das Knie etwas aufgescheuert habe. Einen Vorteil hatte das „Overdressing“ aber: Die meisten Sachen blieben sauber.

Der erste Frost

Seit einer knappen Woche bin ich wieder zu Hause. Es scheint, dass sich nach dem Sommer alle gleichzeitig entsinnen, dass man sich auch wieder mit anderen treffen könne. Und so war am Montag ein Treffen mit „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“, um die Planung des Winterschwimmen 2013 zu beginnen, am Mittwoch ein Fest von Frostware, mit denen wir bei Hello Future zusammenarbeiten, am Donnerstag war das erste Mal wieder Diskussionsklub und am Freitag nach einem Workshop bei Hello Future Afterwork. Alles toll, aber viel auf Mal, wenn man auch noch 900 Fotos vom letzten Urlaub sichten und vier Blogartikel schreiben möchte. So war ich am Freitag Abend ganz schön müde und habe den Afterwork recht früh verlassen.

Größere Teil des gestrigen Samstags habe ich mit geschlossenen Augen verbracht und war deswegen heute schon recht früh wach. Das Thermometer zeigte drei Grad – schon die letzten Tage war es morgens recht frisch – und auf der Abdeckung von meinem Outdoorwhirlpool hatte sich über Nacht Raureif gebildet. Auf dem Stein, den ich als Türstopper verwende, hockte eine Wespe in Kältestarre. Sie tat mir ein bisschen leid, ins Haus kommt sie aber trotzdem nicht.

Mit dem ersten Bild bin ich nicht zufrieden. Zu wenig Schärfentiefe. Aber als ich herausging, um das Motiv nochmals zu fotografieren, hatte die Morgensonne die scharfen Eisstrukturen schon angetaut. Die Sonne hat eben noch einige Kraft und auch dieser Tag verspricht schön, wenn auch mit den vorhergesagten 12 Grad nicht übermäßig warm zu werden.

Noch ein bisschen kälter

Auch heute war es klar und schön und mit -6 °C Frühtemperatur schon recht frisch. Nur für einige Stunden lagen die Temperaturen knapp über null bei einem Maximum von +1.1 °C.

Der kleine sumpfige See „um die Ecke“ ist schon komplett mit Eis bedeckt und das vom Raureif bedeckte Sumpfgras leuchtet hell in der Sonne. Auch der größere See Snesviken beginnt zuzufrieren und man hört das helle Aneinanderschlagen des losen Eises an der Grenze zwischen Eisschicht und offenem Wasser.

Die Ostsee, die durch die lange Insel Storgrundet geschützt ist, trägt noch kein Eis. Lediglich an dem kleinen Sandstrand friert das Wasser ein bisschen fest und es ist glatt.

Während ich das untere Foto gemacht habe, kam eine Familie mit dem Auto an, spazierte mit Außenbordmotor und Sack und Pack zu dem hinteren Boot, um zu ihrem Häuschen auf der Insel herüberzufahren. Noch geht es, doch dann kommt die Zeit, wo das Eis zu dick für das Boot und zu dünn für den Skooter ist, und die Häuser auf den Inseln leer bleiben.

Ein bisschen Winter

Eigentlich wollte ich Ende der Woche einen dramatischen Bericht über den vielen Schnee schreiben, der hier die Woche gefallen sein wird. Aber wie es aussieht, kann ich mir den sparen. Aber fangen wir mit dem Wochenanfang an:

Montag, 26. November

Die Temperatur sinkt auf 0 Grad und ab und zu fällt eine einzelne Schneeflocke, die sofort auf dem nassen Boden schmilzt. Es soll die ganze Woche kälter werden, am Wochenende 20 cm Schnee geben, am Samstag mit viel Wind und dann am Montag sonnig und kalt (Minimum: -15 °C) werden.

Dienstag, 27. November

Über Nacht ist ein Millimeter Schnee gefallen. Im Laufe des Tages fällt Schneestaub – sozusagen die kalte Variante des Sprühregens – aus trübem Himmel. 1 cm Schnee liegt am Abend. Das reicht aber schon aus, um einen dunklen November- in einen hellen Winterabend zu verwandeln: Der Schnee reflektiert alles Licht und plötzlich sieht man nicht nur ein dunkelgrauschwarzes Nichts wie noch letzte Woche, sondern den schneebedeckten Garten und die weiße Straße.

Mittwoch, 28. November

Heute ist der erste Tag mit Dauerfrost. Das ganze bei Wolken und ab und zu mal ein Schneestäubchen, das vom Himmel fällt. Auf den Straßen ist das bisschen Schnee zu Eis festgefahren. Nach der heutigen Vorhersage bleibt es wohl trüb. Am Wochenende sollen ein paar Zentimeter Schnee fallen und windig und kalt werden. Das mit dem Wind fänd ich schade, denn ich möchte gerne noch einmal Kajak fahren, eh die Ostsee zufriert.


Und damit hier nicht nur Text steht, noch ein Foto von heute Abend. Eine sehr schöne Lage hat dieses Haus, vorne der zugefrorene See, hinten die Ostsee, die zur Zeit auch in den Buchten noch offen ist. Der vordere Teil des See ist übrigens blank, da der Wind den lockeren Schnee weggeblasen hat.

Winteranfang

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Heute ist für die Meteorologen Winteranfang. Und das schwedische Wetter hält sich daran. So kalt wie in Vittangi im Norden, wo in der letzten Nacht -33,5 °C gemessen wurde, ist es hier mit fünf Grad unter null zwar nicht, aber der kräftige Wind, der schon die ganze Nacht am Haus gerüttelt hat, lässt einen draußen die Kälte deutlich spüren. Dieser Wind bringt Wolken mit sich und die haben Schnee im Gepäck. Erst fegte der Neuschnee nur die Straßen und Wege entlang, jetzt – um ein Uhr mittags – bleibt er auch überall liegen. Es ist schon ganz schön dämmrig, mit Schnee, Wolken und der Sonne gerade noch 1.5 °C überm Horizont. Daher mache ich die nächsten Fotos erst morgen.

Ein paar Fotos vom Vormittag:

Bei den Wetterwarnungen des smhi liest sich das so:

Warnstufe 1 Schneefall […] An der Küste Schneeschauer die kräftig sein können. Es kommen 10-20 cm Neuschnee und es besteht Gefahr von Schneewehen […] · Warnstufe 1 mäßige Eisbildung (auf der Ostsee) · Warnstufe 1 Starker Wind. Ost oder Nordost ca. 15 m/s[…]

Der Winter ist da

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

„Daher mache ich die nächsten Fotos erst morgen.“ habe ich heute Mittag geschrieben. Ha ha ha! Am Nachmittag ging es erst richtig los: Der Wind hat zwar etwas nachgelassen, dafür ist die Temperatur auf -9 °C gefallen. Und seitdem schneit es. Teilweise so stark, dass man nicht einmal die halbe Straße entlang schauen kann. Dazu kommt das starke Schneetreiben. Und alles ist weiß. Nein, eigentlich orange, von den Neonlampen beschienen, die hier alle Straßen beleuchten. Heute Abend um neun lagen so um die 20 cm Schnee und es schneit noch weiter. Und wenn es so weiter schneit, dann haben wir morgen … aber erst mal abwarten, wie sich das Wetter entwickelt.

Wie schon heute Mittag wieder vier Schwarzweißbilder: Drei vom Schnee, eins von mir.

Meine Kameras fanden die Idee, bei diesem Wetter zu fotografieren, eher dämlich: Bei der Nikon D300s funktionierten zum Schluss das hintere Modusrad und die Cursortasten nicht mehr. Das iPhone, mit dem ich das letzte Bild gemacht habe, hat sich nach ein paar Dutzend Fotos einfach ausgeschaltet. Kein Bock mehr. Aber meine Fingerspitzen waren gar nicht böse. Jetzt ist allen wieder warm. Den Kameras und auch meinen Fingern.


Und vor einer Woche hat es noch bei 4 °C geregnet …

Eisblumen

Ein Wintergarten im Winter ist eine schöne Möglichkeit, kurz vor dem ins Bett gehen noch einmal ein paar Eisfotos zu machen, ohne sich komplett in seine warmen Klamotten zu werfen. Praktisch!

Langer Donnerstag

Was war ich aufgeregt: Meine erste Bilbesiktning – das schwedische Pendant zum TÜV. Um 8:20 hatte ich den Termin und war natürlich viel zu früh da. Als ich dran war, hat mir eine junge Frau das Auto weggenommen und Licht, CO₂-Ausstoß, Bremsen, Unterboden und was weiß ich noch alles überprüft. Nach Ihrer abschließenden Probefahrt habe ich dann ein „Godkänt“ bekommen, also ein „Anerkannt“ – wie schön!

Dann bin ich zur Arbeit gefahren. Als ich über die Brücke gefahren bin, habe ich gesehen, dass ein großer Teil des Flusses Skellefteälven schon zugefroren ist. Also musste ich, statt sofort loszuarbeiten noch einmal zum Fluss laufen und ein paar Bilder machen. Wenn man sich die Fotos ansieht, kann man kaum glauben, dass ich mitten in Skellefteå stehe, welches ja immerhin 33000 Einwohner hat.

Nach der Arbeit hatte ich noch ein bisschen Zeit zum nächsten Termin. Also bin ich in die Bonnstan gefahren und habe dort ein paar Fotos gemacht. Leider war der Himmel bewölkt und ist deswegen auf den Fotos viel zu hell. Ich muss dort noch einmal hinfahren, wenn der Himmel klar und Neuschnee gefallen ist. Ich habe mich dann in den Schnee gesetzt, auf den Fluss hinuntergeschaut und ein kleines Abendbrot gegessen.

Dann ging es aber weiter zur Probe, denn nächste Woche bin ich auf der Bühne. Nicht als Schauspieler – das kann ich gar nicht! – sondern als Pianist. Ich bin gefragt worden, ob ich bei dem Stück „Julstämningen“ – Weihnachtsstimmung mitwirken möchte. Es ist eigentlich ein Einpersonenstück in vier Teilen, aber mit auf der Bühne steht ein Chor, der auch szenisch eingesetzt wird und ich spiele Klavier.

Das macht Spaß, auch wenn mir momentan alles ein bisschen viel ist. Denn am Dienstag Abend hatten wir unser wöchentliches Treffen mit Dark & Cold, mit dem wir unter anderem die nächste Winterschwimmmeisterschaft im Februar 2013 organisieren. Da ist viel zu tun und am Wochenende muss ich die Visitenkarten für uns machen. Gestern war der „Creative Summit Winter“ – eine halbtägige Konferenz unter dem Motto „Drive, Talent & Innovation“ mit anschließendem Dinner und Beisammensein. Sehr nett, aber ich habe das Lauterwerden der Musik zum Anlass genommen, früh zu gehen. Denn Schnee schaufeln musste ich ja auch noch fast jeden Morgen und Abend, auch wenn keine Massen mehr herunterkommen. Aber über Schnee, Kälte und all so was schreibe ich das nächste Mal wieder.

Einen Nachteil hatte mein langer Donnerstag heute: Ich konnte nicht das Nikolauspaket abholen, welches seit heute beim ICA auf mich wartet.

Der Winter diese Woche

Am Sonntag um zwei lagen also hinten im Garten 83 cm Schnee, alle von den letzten 24 Stunden. Am nächsten Morgen lagen dort nur noch 67 cm, denn der frisch gefallene Schnee ist so fluffig und leicht, dass er ziemlich schnell zusammensinkt. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn sonst würden hier erstaunliche Pulverschneemengen herumliegen und bei jedem kleinen Windstoß die halbe Nachbarschaft zuwehen.

Am Montag (3.12.) ca. 5 cm Neuschnee, am Dienstag morgen ca. 15 cm Neuschnee (eine halbe Stunde schaufeln), seitdem jeden Tag ein paar Zentimeter. Heute Mittag hatte ich hinten im Garten 56 cm, also ist der Schnee schätzungsweise auf die Hälfte seines Volumens zusammengesunken. Auch heute ist es wieder windig und es schneit, aber wirklich viel kommt nicht herunter.

Am Dienstag (4.12.) Abend wurde es mal kurz überraschend kalt: Am Flugplatz wurden -25 °C gemessen und auch bei mir in Skelleftehamn wurden zum ersten Mal in diesem Winter die -20 °C kurz unterschritten. Seitdem ist es aber langsam wieder wärmer geworden, heute mit Temperaturen zwischen -9 °C und -7 °C. Das ist schön, denn da kann ich noch ohne Handschuhe fotografieren.

Am Mittwoch (5.12.) wurde eine Schneewarnung für Stockholm gegeben und richtig – es kam auch einiges in der Stadt herunter, die damit viel größere Probleme hatte als der Norden, denn dort ist natürlich viel mehr Infrastruktur und die wird intensiver benutzt. Auch der Flughafen war am Vormittag wegen des Schnees geschlossen.

Ein bisschen lächerlich gemacht hat sich aber meiner Meinung nach die Zeitung „Dagens Nyheter“, die ein Bildspiel mit dem Titel „Snökaoset i Stockholm“ im Netz veröffentlicht hat. Da war unter anderem dieses schöne Bild zu sehen, von dem ich einen Screenshot gemacht habe. Als ich das bei Facebook gepostet habe, war die Freude der Nordschweden groß, denn hier denken ohnehin alle, dass der Süden nicht weiß, was Schnee und Winter sind.

Heute (7.12.) bin ich durch den Schneefall wie so oft vom Bus nach Hause gelaufen – mit Handschuhen, Halstuch, Mütze und dicker Kapuze auf. Dazu habe ich brasilianische Musik gehört – ein herrlicher Kontrast zum Wetter hier. Abends war ich dann noch einmal kurz draußen und habe Schneewehen und mein Haus fotografiert. Beim Bearbeiten ist mir aufgefallen, dass die vom Wind gewehten Strukturen den Schnee fast wie Sand aussehen lassen. Ich habe versucht, den Schnee wie Sand aussehen zu lassen, aber das Geglitzer verrät schnell, dass ich nicht in der Sahara unterwegs war.

Nicht über Lucia

Heute, am 13. Dezember ist Luciatag. Da könnte ich einiges drüber schreiben. Wenn es mich irgendwie betreffen würde. Denn von Lucia habe ich außer vielen Fotos auf Facebook nichts mitbekommen. Ich war zu Hause.

Gestern war Aufführung. Nach der Generalprobe am Dienstag hatte gestern das Stück „Julstämning“ – zu deutsch „Weihnachtsstimmung“ Premiere. Auf der Bühne: Saga die Schauspielerin, ein Chor und ich am Flügel. Die Premiere lief richtig toll und an sich sollte ich mich heute auf die zweite (und letzte) Aufführung freuen. Tue ich aber nur mäßig. Denn in der Nacht habe ich das bekommen, was die Einheimischen hier „Vinterkräksjuka“ – zu deutsch „Winterkotzkrankheit“ nennen. Ich erspare Euch die Aufzählung der Symptome. Jetzt habe ich immer noch ordentlich Fieber, werde mich aber gleich ins Auto setzen und zum Theater fahren. Da kann ich mich dann freuen, dass ich einiges an Routine als Pianist habe und die Stücke auch in meinem, sagen wir suboptimalen Zustand gut spielen werden kann.

Unterbrochen wurde der Tag, den ich hauptsächlich mit Schlafen und ekligen Magentee trinken ausgefüllt habe von einem Traktorgeräusch. Der Nachbar von gegenüber hat einen alten Freund, der einen ebenso alten Traktor (Baujahr 1957) sein eigen nennt. Und mit diesem herrlichen Gefährt hat der Freund für kleines Geld meine Einfahrt von den Schneemassen befreit. Das sieht zwar jetzt nicht mehr so romantisch aus, aber dafür komme ich auch wieder ohne Tiefschneegestapfe zur Garage.

Ansonsten war ich heute beleidigt! Nicht, weil ich krank bin. Sondern weil es in München viel kälter war als hier! Ich habe so eine Art Absolutheitsanspruch an den Winter in Skelleftehamn, meinetwegen auch noch den in der Stadt: Hier soll es am kältesten sein, am meisten Schnee liegen und ich will lächelnd abwinken, wenn jemand von Schneechaos redet, weil mein Haus bis zum Dach im Schnee steht.

Von daher habe ich es schon als Affront empfunden, dass vor zwei Wochen in Bureå 98 cm Schnee gefallen sind und hier nur 83 cm. Das ist so wie 4:5 verloren. Bin ich, der nie ein Fußballspiel live gesehen hat, vielleicht doch ein verkappter Wettbewerbsfan?

Und dann das hier!:

Am 4. Dezember schön und gut: München -2 °C, Skellefteå Flugplatz -22 °C. Das klingt doch richtig schön nordschwedisch. Aber heute morgen: Skellefteå Flugplatz -4 °C, München -19 °C. Hallo? Geht’s noch? Ich kann mich bei meinen Münchner Freunden doch gar nicht mehr sehen lassen, die lachen mich doch aus! -4 °C, da hätte ich auch nach Hannover ziehen können. Ich hoffe, dass, wenn ich die Silvestertage hier mit deutschen Freunden verbringe, mehr als das zu bieten habe.

So, jetzt gibt es wieder Magentee und dann setze ich mich ins Auto und mache Theater.

Nachträgliche Anmerkungen:

Über Lucia haben heute unter anderem Swedish freak (englisch) und Schwedenstube geschrieben. Und vor einem Jahr habe ich selber etwas geschrieben.

Die Screenshots von den Temperaturen habe ich von der iPhone-Applikation „AeroWeather Pro“ gemacht. Gibt’s auch für den Anfang als Light-Version.