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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Lövånger Kyrkstad – das Kirchendorf in Lövånger

Heute war ich in Lövånger, 40 Kilometer südlich von Skelleftehamn, und war überrascht, dass es dort auch ein Kirchendorf gibt, wie hier die Bonnstan. Im Gegensatz zu den unlackierten Blockhäusern der Bonnstan sind hier die Häuser im typischen falunrot gehalten und wirken mit ihren gelben Fensterläden um Jahrhunderte moderner. Doch auch diese „Kyrkstad“ ist Jahrhunderte alt, die ersten Häuser wurden wohl 1642 errichtet, wenn auch bestimmt nicht die von mir fotografierten. Das nächste Mal muss ich mir auch die Kirche anschauen, denn die ist wohl um 1500 errichtet worden.

Lövånger kyrkstadLövånger kyrkstad

Lövånger kyrkstad

Erst schien die Sonne, die für freundliche Farben aber extrem harte Kontraste sorgte. Die Schattenseite der roten Holzhäuser wirkte fast schwarz. Dann kam eine große Quellwolke und parkte zwischen Sonne und Lövånger. Damit waren zwar die Kontraste milder aber die Häuser wirkten ein bisschen trist gegen den blauen Himmel. Man sollte einfach um die Mittagszeit keine Fotos machen.

Zum SockenmuseumSehr schön fand ich das Schild „Sockenmuseum“. Sollten hier all meine Socken gelandet sein, die nie den Wag aus der Waschmaschine wieder zurückgefunden haben? Zu Hause hat mir das Internet dann beigebracht, dass Socken ein altes nordisches Wort für Kirchspiel oder Landgemeinde ist. Das steht sogar in der deutschen Wikipedia.

Sävenäs Maskinhuset

Heute war Tag der offenen Tür beim Maskinhuset Sävenäs. Und da ich die Ankündigung falsch gelesen hatte und schon anderthalb Stunden vor dem offiziellen Beginn da war, konnte ich in Ruhe ein paar Fotos machen, ohne dass andere Menschen mit im Bild waren.

Das Sävenäs Maschinenhaus ist 1906 gebaut worden und bot den Dampfmaschinen Platz, welche die dereinst größte dampfgetriebene Säge Nordeuropas antrieben. Die Säge wurde nach einem ersten Brand 1923 modernisiert wieder aufgebaut, aber ein zweiter großer Brand 1932 beendete die Sägewerksepoche auf Sävenäs. Von den siebziger Jahren an nutzte eine Werkstadt die Gebäude fast vierzig Jahre, ehe sie umzug. Nun dienen die Innenräume als Raum für Meetings und Veranstaltungen aller Art.

Vor allem der Eckraum mit seinen Rundbögenfenstern finde ich sehr schön. Nun bedauere ich es, dass ich heute zum ersten Mal in den Innenräumen war und nicht schon vor der Renovierung. Ich hätte gerne Vergleichsfotos von vor ein paar Jahren.

Das Maskinhuset Sävenäs von außenEiner der Innenräume

Mit seinen romanisch anmutenden Fenstern ist dies mein Lieblingsraum

Das historische Dorf Gallejaur

Heute war ich fast den ganzen Tag mit Freunden zusammen unterwegs. Ein guter Tag! Erst habe ich meine ehemaligen Nachbarn in Klutmark besucht, dann bin ich weiter nach Kusfors gefahren, um dort Lasse und Martine zu besuchen. Wir haben uns dort mit einem Paar getroffen, welches diesen Sommer von Dubai nach Skellefteå gezogen ist und gerade einige Freunde aus ihrer alten Heimat zu Gast hatte. Mit zwei Autos sind wir kleine vereiste Kieswege entlanggefahren, an Rentieren und leicht weiß bepuderten Wäldern vorbei, bis wir unser Ziel Gallejaur erreicht haben. Gallejaur ist ein historisches Dorf, dessen noch gut erhaltenen Bauwerke bis 1800 zurückreichen.

In einigen Häusern kann man übernachten und das Geschirr, das Besteck, die Möbel sind alle noch aus dem originalen Hausstand und mindestens hundert Jahre alt. In einem der Häuser steht eine alte „Tramporgel“ (zu deutsch Harmonium), welche mit Hilfe von Lochscheiben selbst Stücke spielen kann.

Ein altes SchlafzimmerEin selbstspielendes Harmonium

Erst fand ich es ein bisschen schade, dass es schon früh dunkel wurde, doch schnell habe ich gesehen, dass das trübe Dämmerungslicht sehr schön ist und die Gebäude ein bisschen kalt, abweisend und unwirklich aussehen lässt. Ich habe mir vorgenommen, noch einmal wiederzukommen, wenn mehr Schnee liegt und der Mond scheint. Hoffentlich sind dann die netten Schafe noch draußen, die bei 1.3 Sekunden Belichtungszeit überraschend still gehalten haben.

Ein alter ErdkellerDie meisten Schafe halten stillWeg durch das Dorf GallejaurWohnhaus – ungefähr 100 Jahre alt

Nachdem ich noch bei Martine und Lasse zu Hause war, habe ich mich in mein Raumschiff gesetzt und bin mit Überlichtgeschwindigkeit (etwa Warp 8) nach Hause gedüst. Die Sterne zogen grell leuchtend an mir vorbei und Sternnebel umwaberten mein Schiff.

Glaubt Ihr nicht? Ist auch nicht ganz richtig! Bei +1 °C bin ich durch Nebel und Schneeschauer gefahren und als ich Fernlicht anhatte und gerade ein besonders starker Schneeschauer über der Straße hing, da irritierten die blendenden Schneeflocken, die strahlenförmig zu allen Richtungen wegschossen, so sehr, dass ich fast nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Das kam einem Flug mit Überlichtgeschwindigkeit schon recht nahe mit der Ausnahme, dass man im Auto gerne Bodenhaftung hat und weiß, wo die Straße ist. Ich war froh, dass es in Richtung Küste wieder wärmer wurde und bald der Schnee wieder als Regen herunterkam. In Skelleftehamn zeigte das Autothermometer dann +5 °C.

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Nachtrag

Samisches VorratshausEin Bild habe ich noch: Das vom samischen Vorratshaus. Es ist so konstruiert, dass die Ratten nicht hineinkommen, denn die können zwar mühelos die Stelzen, auf denen das Haus steht erklimmen, aber nicht kopfüber unter dem Boden weiterlaufen.

Auf norwegisch heißen diese Gebäude Stabbur, auf schwedisch (sagt Wikipedia) Härbre. Auf der iberischen Halbinsel gibt es Dinger auch unter dem Namen Hórreo, aber das hat mit meinem Blog nordwärts ja gar nichts mehr zu tun. Ich habe es auch nur erwähnt, damit der Text neben dem Bild nicht zu kurz ist.

Syttende mai

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Mo i Rana 2014.

Kjære innbyggere i Mo i Rana. Jeg pleier å spørre om lov før jeg publiserer bilder av mennesker i bloggen min. Men på festen var for mange folk å spørre hver enkelt. Vil du at jeg skal fjerne et bilde, så send meg en e-post og jeg sletter bildet så snart som mulig. Takk, Olaf.


Schon vor einem Jahr habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr zum Verfassungstag am 17. Mai in Norwegen zu sein. Am 17. Mai 1814 wurde nämlich das Grundgesetz des Königreichs Norwegen verabschiedet und das ist just 200 Jahre her. Seit 1836 gilt dieses Datum in Norwegen als Nationalfeiertag. Deswegen habe ich mich schon am Vortag mit Elisabet, die in Umeå wohnt, in Lycksele getroffen und bin die insgesamt gut 500 Kilometer nach Mo I Rana gefahren, um bei dieser Feier dabei zu sein.

Gegen eins sind wir mit unseren Gastgebern — Elisabet hat Freunde in Mo i Rana – ins Zentrum gelaufen und haben den Aktivitäten zugeschaut. Schon auf dem Weg sah man überall Norwegenflaggen: An den Häusern, an Masten, an den Autos und in den Händen vieler Menschen. Viele Frauen sind in Tracht gekleidet und viele Männer haben zumindest einen Anzug an. Die Kinder haben Windräder und Tuten, alles in den norwegischen Farben rot-weiß-blau. In der Fußgängerzone haben mehrere Blasorchester Musik vom Marsch bis hin zu Earth Wind & Fire gespielt, eine Gruppe von gleichermaßen rührigen und rührenden Rentnern hat Volkstänze aufgeführt und ein Chor hat norwegische Lieder gesungen, darunter natürlich die Nationalhymne Ja, vi elsker dette landet und das recht patriotische Norge i rødt, hvitt og blått.

Überall wehen Flaggen, Flaggen, FlaggenChoristen in TrachtMusikerinnen in TrachtMusiker von Tracht bis Men in Black

Der Festzug war für vier angekündigt, ließ aber auf sich warten. Einige Kinder – auch in Tracht – spielten auf der Wiese mit nicht ganz so norwegischen Hello-Kitty-Luftballons, während ein Junge schon einmal seine eigene Parade begonnen hat.

Auch viele Kinder haben Tracht an …… aber nicht alle. Hauptsache, fein gemacht wie dieser Tänzer

Doch bald hörte man Musik und dann kam der Festzug, angeführt von fahnenschwingenden Soldaten, gefolgt von einer Blaskapelle. Dann kam ein herrliches Gemisch: eine weitere Blaskapelle, eine ernst dreinblickende Frauentrommelgruppe, ein kleines Mädchen, welches sein norwegisch geschmücktes Kaninchen spazieren trug, Mädchen im Balletttrikot (Brrr, kalt! Bei dem Wind!), Pfadfinder mit einem Kind, welches sich in einer Trage spazieren tragen ließ. Reiter zu Pferde und Nachfolger mit Schubkarre zum Pferdeäpfel aufsammeln und eine Frau mit Wischmopp-Hund mit der obligatorischen Schleife im Haar.


Zum Schluss sammeln sich alle auf dem Platz vor dem unfassbar heruntergekommenen Rathaus (ich dachte, Norwegen hat Geld!) und die Nationalhymne wird angestimmt. Fast alle singen mit und eine Soldatin, die während der ganzen Hymne salutiert, kann die Tränen der Rührung kaum zurückhalten.

FlaggenparadeFinale vor dem Rathaus

Nach dem Finale waren die Feierlichkeiten aber noch nicht zu Ende. Denn dann kam „Russ“, die Feier der Schüler, die die Oberstufe beendet haben. Das Bild: ein völlig anderes: Von cool bis flippig, ziemlich chaotisch und sehr individuell. Doch auch hier das gemeinsame Thema: Norwegenflagge und rot-weiß-blau.

RussfeierRussfeier

Zum Glück wurden wir während der Feierlichkeiten vom Regen verschont, aber es war kühl und sehr windig. Elisabet fror (zu dünne Jacke) und ich schwitzte (zu dicke Jacke) und wir waren froh, als wir wieder mit unseren Gastgebern in deren Wohnung waren und die Füße ausstrecken konnten, denn Pflaster laufen und Asphalt stehen ist anstrengend.

Von der Reise und manchem anderen schreibe ich die nächsten Tage. Hier schon einmal ein paar Stichworte: Rentier · Elch · Auerhuhn · Kahlfjäll · Schnee und Eis · Wasserfälle · Sommerwärme.


Ja, man könnte hier manches mehr schreiben. Politisch, historisch, gesellschaftlich. Über Nation und Nationalismus, über Integration und Abgrenzung, über die Rolle nationaler Symbole in Deutschland, Schweden und Norwegen. Aber Nordwärts ist kein politisches Blog. Ich schildere hier meine persönlichen Erlebnisse, ohne sie groß zu werten. Daher beziehe ich auch in diesem Artikel keine Stellung. Ihr habt die Freiheit, eine Diskussion in den Kommentaren anzustoßen. Ich habe die Freiheit, zu antworten oder auch nicht.