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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Ryssvärme

Ryssvärme – So heißt das auf schwedisch, wenn von Russland warme kontinentale Luft nach Schweden gelangt. Und dann ist es plötzlich warm bis heiß. Skellefteå war gestern beim SMHI – dem schwedischen Wetterinstitut – mit 28.8 °C Maximum auf Platz vier von Schwedens wärmsten Orten. Auch heute Mittag waren es wieder über 25 Grad. Wir saßen barfuß draußen am Fluss und haben Lunch gegessen und es ist überhaupt nicht vorstellbar, dass vor dreieinhalb Monaten hier die Temperaturen unter -25 °C lagen.

Fährt man mit dem Rad von Skellefteå nach Skelleftehamn, dann kommt man fast sicher an einem Kiosk in Bergsbyn vorbei, der legendär für sein Softeis ist (Hier ist Eis immer Softeis, denn Italien ist weit weg) und zwar nicht nur für den Geschmack, sondern auch für die Portionen. Heute habe ich das erste Mal Eis gekauft und, obwohl ich von den großen Portionen schon gehört habe, dennoch leicht ungläubig gefragt, ob dies denn wirklich die kleine Waffel sei. Zum Softeis sucht man sich eine Soße oder Streusel aus, von eher traditionellen Dingen wie Erdbeersoße bis hin zu für Mitteleuropäer eher ungewohnten Zutaten wie Salmiaklakritzkrümel.

Ich habe mein Fahrrad erst einmal geschoben und Eis gegessen, Eis gegessen und Eis gegessen.

Gleich fahre ich an die Ostsee und springe ins Wasser, aber erst wenn ich das Softeis verdaut habe. Und das kann noch ein paar Minuten dauern …

Sommerwoche

Ich sitze in meinem Haus und alle Fenster und Türen sind geöffnet. Denn über Nacht hat sich kühleres Wetter mit Wolken und Regen angeschlichen. Gestern wurden am Flugplatz noch 30 Grad gemessen, heute morgen um halb zehn sind es gerade noch zwölf. Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so böse, denn gestern hatte ich auch im Wohnzimmer 28 Grad (im Wintergarten sogar 35) und ich freue mich, wieder etwas angenehmere Temperaturen in die Zimmer zu bekommen.

Aber schön ist es, wenn man unter dem duftenden Flieder – endlich, endlich blüht er – sitzen und lesen kann, während am klarblauen Himmel die Möwen kreischen. In der Nachbarschaft ist es ruhig, die meisten sind wohl in Ihren Sommerhäusern. Am kleinen Strand von Storgrundet war gestern Betrieb, das heißt, etwa fünf Personen saßen dort und drei Jugendliche planschten im Wasser. Und zum ersten Mal setzen bei mir keine Fluchtreflexe ein, als ich Baden ging, denn nun war das Wasser einfach erfrischend und nicht nur schweinekalt wie noch vor ein paar Wochen.

Abends habe ich erst mit ein paar Leuten gegrillt und dann haben wir in der Bonnstan Kubb gespielt.

Bonnstan ist das Kirchendorf in Skellefteå. In dessen kleinen Holzhäusern konnten früher die Bauern übernachten, wenn der Weg zur Kirche zu weit war, um an einem Tag hin und zurück zu reisen. Man vermutet, dass das erste Kirchendorf in Skellefteå um 1600 entstand. Heute kann man die Häuser als Sommerwohnung mieten.

Kubb ist ein Spiel mit zwei Mannschaften, die mit Holzstöcken Holzblöcke umwerfen müssen. Diese Blöcke werden zurückgeworfen um wieder umgeworfen zu werden. In der Mitte steht der König. Verwirrt? Kein Problem, denn ein größerer Teil des Spiels wird von der Diskussion der Regeln eingenommen.

Erster Erfolg stellt sich ein: Jetzt habe ich angenehme 22 Grad im Wohnzimmer und ich mache mal schnell Fenster und Tür zu, denn sonst ist der Flügel beleidigt.

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

Urlaub: Skellefteå

Die ersten 72 Stunden Urlaub mit Sonya:

Sonnenuntergang am Meer · Fischadler über dem See · Lachsfrühstück · Fahrradtour · am Strand liegen · im a****kalten Meer baden · Fotografieren · Grillen · Couscoussalat machen (Sonya) · mit Live-Klaviermusik wecken (ich) · Freunde besuchen · Markt in Burträsk · Sommerwärme · Privatführung in der Kirche mit Schwerpunkt Orgeltechnik · Pause auf der Insel Smedjeholmen · Fika mit Waffeln · kleine Runde mit dem Kanu (Kanadier) · Grillen (geht auch zwei Mal) · Abend mit Freunden · Nachts um halb drei am See · leckeres Frühstück · mit den Hunden toben · mit dem Kanu über den Göksjön zum Sandstrand · im See Baden · die ersten Walderdbeeren · zurück in Skelleftehamn · nochmals im Meer Baden · Kochen. Ich finde, das ist ein guter Anfang.

Mehr schreibe ich jetzt nicht, denn ich hab Urlaub.

Ach ja, Fotos gibt’s auch:

zu Hause

Nach elf Tagen Süddeutschlandreise bin ich wieder in Skelleftehamn angekommen. Und so toll die Zeit mit Familie und Freunden war, so sehr freue ich mich doch, wieder zu Hause in den eigenen vier Wänden angekommen zu sein.

Eine Tradition aus dem letzten Jahr hat sich fortgesetzt: Wie bei meinem damaligen Rückflug von Bremen sind meine Koffer reisefreudiger als ich und noch irgendwo unterwegs. Das liegt daran, dass die gute Frau heute beim Check-In statt der Teilstrecke Stockholm—Skellefteå die andere Richtung eingebucht hat. Nun, Irren ist menschlich, das kann passieren, aber warum warnt das Computerprogramm nicht, wenn man so idiotische Verbindungen wie „München—Stockholm“ und direkt danach „Skellefteå—Stockholm“ eingibt. Und warum weiß man in München immer noch nicht, dass Gepäck doch durchtransportiert wird und nicht auf dem Flughafen Stockholm eigenhändisch durch den Zoll geschoben werden muss? Das war schon vor einem halben Jahr nicht anders.

Aber etwas ist anders als bei meinem Rückflug vor einem Jahr: Dieses Mal empfängt mich keine weiße Winterlandschaft, sondern ein frost- und schneefreies Nordschweden. Und oft war es hier die letzten Tage wärmer als in München. Und so wird es ohne Schnee morgen ganz schön schnell dunkel werden, wenn um zehn vor drei die Sonne untergeht.

Schön war die Zeit, sehr schön sogar. Es ist toll, Zeit – wenn auch zu wenig – mit Familie und guten Freunden verbringen zu dürfen. Aber die Stadt München ist mir fremd geworden. Dass ich da mal sechs Jahre gelebt habe! Aber das ist ein anderes Thema und darüber schreibe ich ein anderes Mal. Das kann aber ein bisschen dauern, denn diese Woche wird recht tough. Auch dazu später mehr.

Das falsche Lied

Warm ist es draußen. Ganz schön warm. Der Rauhreif der letzten Tage ist wieder verschwunden und auf den Straßen liegt ein feiner, brauner Schlammfilm. (Das sieht man den Autos auch an.) Selbst jetzt um kurz vor zehn Abend zeigt das Thermometer noch neun Grad plus. Ganz Schweden ist nach wie vor schneefrei und ein richtiger Wintereinbruch ist nicht in Sicht. Und ich bin schuld daran!

Ich habe das falsche Lied gespielt.

Letzten Freitag habe ich ja mit Löwis ein kleines Konzert in Kusfors gegeben und dabei auch – dem Isländischen nicht mächtig – ein isländisches Volkslied namens „Vökuró“ gespielt. Dies ist ein Mitschnitt von dem Stück vom letzten Freitag:

Wie schon gesagt verstehe ich vom isländischen Text (Bærinn minn. Bærinn minn og þinn. Sefur sæll í kyrrð […]) so gut wie nichts und so lese ich erst jetzt bei Wikipedia, dass Vökuró das Erwachen der Natur nach dem Winter zum Inhalt hat. Ein Frühlingslied! Und dabei hat der Winter noch gar nicht angefangen.

Da haben wohl irgendwelche altnordischen Götter gedacht, „Den Olaf, den ärgern wir mal und hören auf sein Klavierspiel. Da kann er lange auf Schnee warten!“. Aber na wartet! Jetzt setze ich mich ans Klavier und spiele „Let it snow, let it snow, let it snow!“. Aber schön leise, dass die Nachbarn das nicht hören. Die sind nämlich gar nicht böse, dass sie noch keinen Schnee schippen müssen. Hoffentlich sind die altnordischen Götter nicht schwerhörig.

Übrigens: Letztes Jahr um diese Zeit gab es Dauerfrost, und für die nächsten fünfzehn Wochen lag die Höchsttemperatur unter fünf Grad. Temperaturen wie heute wurden erst wieder Anfang April erreicht.

Heute = warm

Am ersten März ist für die Meteorologen Frühlingsanfang. Das wusste auch das Wetter und hat uns einen außergewöhnlich warmen Tag mit leichten Regenschauern beschert. In Skelleftehamn waren es gut acht Grad, in der Stadt wohl noch etwas wärmer und dieses Wetter hat die wunderbare, weiße Schneelandschaft in ein schmutziges Etwas verwandelt. Wasser tropft auf rutschige Eisflächen und matschig-weicher Schnee grenzt an riesige Pfützenlandschaften voll mit trübem Wasser. Und alles bekommt dieses spezielle Braun, das man sonst nur erhält, wenn eine ganze Schulklasse ihre Tuschpinsel in dem gleichen kleinen Glas Wasser auswäscht.

Von vielen Dächern ist der Schnee heruntergerutscht. Ich habe das gestern mitbekommen: Ein Geräusch ließ mich aufspringen und ich konnte mit ansehen, wie der gesamte Schnee vom Dach des Nachbarhauses ins Rutschen kam und unter mittelgroßem Getöse einen meterhohen Schneewall aufschüttete. So funktioniert also eine Nassschneelawine. Da möchte ich nicht drunterstehen, denn der Schnee ist klatschnass und sackschwer.

In der Stadt wird jetzt so manches Hausdach vom Eis befreit. Denn auf manchem schlecht isolierten Dach liegt eine bis zu zwanzig Zentimeter dicke Eisschicht, und wenn einem die aus dem vierten Stock auf dem Kopf knallt, dann gute Nacht.

Versteht mich nicht falsch, auch wenn ich Winterfan bin, so mag ich den Frühling. Aber nicht am ersten März, wenn übermorgen die Temperaturen wieder in den deutlichen Frostbereich fallen sollen.

Frühlingstag

Ist es wirklich erst eine Woche her, dass zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen sind und hier alles winterlich tief verschneit war? Der kleine Hund beim Gassi gehen kaum über den Schnee schauen konnte? Ich beim Fotografieren aufpassen musste, dass mein Objektiv nicht zuschneit?

Kaum zu glauben! Denn heute war es sonnig und mit 13 °C wirklich überraschend warm. Ich habe die ersten Blumen, die ersten Schmetterlinge, die ersten Menschen mit kurzen Hosen gesehen. Und viele saßen draußen und genossen Licht und Wärme. Auch wir haben nach dem Mittagessen einen kleinen Umweg gemacht und sind ein kleines Stück am Fluss entlang gelaufen.

Die meisten von uns haben heute um halb vier den Arbeitstag beendet, zu groß war die Verlockung, das schöne, warme Frühlingswetter zu geniessen. Ich habe mir zu Hause das Fahrrad geschnappt und bin ein bisschen herumgefahren. Zur Insel Storgrundet kann man jetzt herüber rudern und das restliche Eis hat sich vom Ufer gelöst und treibt nach Osten. In der Sonne war es so warm, dass ich die meiste Zeit im T-Shirt gefahren bin. Im Schatten merkte man allerdings, dass es gegen Abend wieder kühler wurde.

Es erstaunt mich jedes Mal wieder, wie schnell die Jahreszeiten hier wechseln können. Und ich freue mich, dass der Frühling da ist, selbst wenn es morgen wieder grau und kälter werden soll.

Frühlingskajak

Es ist kaum zu glauben. Vor vier Wochen bin stand ich noch in Neopren eingepackt auf den großen Eisschollen, die der Wind in die Bucht getrieben hat. Heute bin ich im T-Shirt (und mit Schwimmweste) Kajak gefahren. Das Wasser ist noch sehr kalt, also habe ich mich nie weit vom Ufer entfernt und hatte auch Ersatzkleidung für den Fall der Fälle dabei. Aber Luft und Wasser waren so herrlich ruhig, dass ich nicht nur Storgrundet und Brambärsgrundet umrundet habe, sondern auch einen kleinen Abstecher nach Norrskär gemacht und dort auf den glatten Felsen Abendbrot gegessen habe.

Stellt Euch folgende Soundscapes zu den Bildern vor:

Stille – leise Wassergeräusche: glucksen, gluckern – Das Paddel taucht mit leisen Plätschern ein.

Hundert Möwen steigen auf und schreien, kreischen und schrillen. Einige weitere hundert Möwen gesellen sich zu ihnen. Die vielen hundert Schreie überlagern sich und vereinigen sich zu einem starken, großem Dauerton, der nur langsam wieder verebbt.

Auf der Insel – Stille – zwei Graugänse fliegen laut trötend vorbei – Flügelschläge – in der Ferne ein Motorboot – leichter Wind flüstert in der Ohrmuschel.

Zurück mit dem Kajak – mehr Vögel – Zwei Singschwäne, Enten, Möwen und Vögel, die ich nicht kenne steigen platschend, planschend und rufend vom Wasser auf.

Der kleine Strand, an dem ich gestartet bin, ist in Sicht. Ich nehme Anlauf, das Wasser platscht, Boot knirscht auf Sand. Eine herrliche Feierabendtour ist zu Ende und ich freue mich schon auf die nächste Kajakrunde.

Tauwetter

Es ist doch wirklich zum Mäuse melken! Neun Tage war ich in Deutschland. Und genau in dieser Zeit war es herrlich kalt in Nordschweden, in Skellefteå bis -25 °C und im Inland bis unter -35 °C. Und kaum bin ich wieder zu Hause, gibt es Tauwetter und Sprühregen. Die Höchststrafe für Winterfotografen und Kälte- und Schneeliebhaber!

Nun, wir haben mehr als reichlich Schnee, der taut nicht so schnell weg. 79 cm ziemlich pappiger Schnee liegen im Garten und auf dem Dach des Wintergartens liegt soviel, dass ich die nächsten Tage den Schnee vom Dach schaufeln werden muss. Heute habe ich gehört, dass ein Nachbar über die täglichen Neuschneemengen Buch führt. Und danach sind seit dem 1. Dezember drei Meter Schnee gefallen (und natürlich zusammengesackt). Das ist schon eine ganze Menge!

Also, Schnee liegt genug. Aber das Tauwetter macht alles ein bisschen hässlicher. Die scharfen Formen der Schneewehen und -wächten sacken zusammen, auf der Straße schimmert der Asphalt durch nasses Eis, viele Bäume sind schneefrei und haben nicht nur Schnee, sondern auch kleine Blätter, Samen, Nadeln und Rindenstückchen abgeworfen. Und überall tropft es. Das ist wirklich kein Fotografierwetter und ich hoffe, dass es bald wieder kälter wird und Neuschnee die dreckig wirkenden Nassschneeflächen wieder in eine weiße Winterlandschaft verwandeln wird.

Zumal ich die nächsten Tage nicht alleine bin, sondern mich fünf gute Freunde aus Deutschland nach Hause begleitet haben. Und denen würde ich natürlich gerne etwas bieten: Kaltes, klares Winterwetter mit trockenem Schnee und gerne ein abendliches Polarlicht dazu. Dann kann man schön Iglu bauen und vielleicht sogar schon über die zugefrorene Ostsee laufen. Bei diesem Wetter sind die Nachbarn aber ein bisschen skeptisch, ob man schon mit einer Gruppe über das Eis laufen sollte.


Gestern morgen klingelte der Wetter um zwanzig vor drei (in Zahlen: 2:40!). Delle, ein Freund aus alten Zeiten hat mich mit dem Auto abgeholt und wir sind nach Göteborg gefahren. Wir hatten den Eindruck, dass es in Dänemark nicht wirklich etwas gibt, denn alles war dunkel und nur wenige beleuchtete Häuser und Höfe waren von der Autobahn aus sichtbar. Nur ab und zu schimmerte eine fahl beleuchtete Fassade einer weißen Steinkirche durch die Finsternis.

Nach einiger Zeit und zwei mautpflichtige Brücken später waren wir in Skåne in Schweden. Es wurde heller, aber Nebel und Sprühregen tauchten die Landschaft in ein trübes Grau. Da wir sehr viel Reservezeit eingeplant hatten, hatten wir genug Zeit, um unsere Füße am Strand von Mellbystrand nördlich von Ängelholm ein bisschen auszuschlenkern. Da hatten wir sogar trockenes Wetter mit recht klarer Sicht. Aber kaum waren wir wieder auf der Autobahn, hing schon wieder der Hochnebel über dem Autodach und die Scheibenwischer bekamen wieder viel zu tun.

Danach: Zug Göteborg—Stockholm, Nachtzug Stockholm—Bastuträsk, Bus Bastuträsk—Skellefteå, Bus Skellefteå-Skelleftehamn. Zu Hause!

Meine Einfahrt war wieder ziemlich im Schnee vergraben. Toll, wenn einer der Freunde mit großer Begeisterung den ganzen Schnee wegschippt. Doch dann kam der Schneepflug und schon lag wieder ein dicker Schneewall vor der Einfahrt, die dann Hans mit dem Traktor auf meine Bitte hin wegräumte.

Bevor es dunkel wurde, sind wir heute zur Ostsee gelaufen. Sie ist zugefroren, aber oberflächlich ziemlich nass. Sowohl Skooter- als auch Fussspuren führen zur Insel Storgrundet, aber ich glaube, ich höre lieber auf die Nachbarn und wir verzichten auf eine Tour über das Eis, eh jemand einbricht und ein unfreiwilliges Bad nimmt.

Aber das Tauwetter, welches mich extrem annervt, hat auch zwei gute Seiten: Zum einen sind die zentimeterdicken Eisschichten vom Autoheck abgetaut, zum anderen kann man, wenn es wieder kälter geworden ist, auf dem gesetzten Schnee bestimmt prima Skilaufen.

Fast Frühling

Während heute eine Freundin aus München von 7 cm Neuschnee schreibt, hatten wir heute frühlingshafte Temperaturen. Bei Mittagstemperaturen von acht Grad und warmem Sonnenschein ist es mir nicht leicht gefallen, heute zu arbeiten. Aber ohne Jacke (geschweige denn Handschuhe, Schal oder Mütze) zum Essen zu gehen hat ja auch schon was.

Die Gummistiefel hätte ich mir aber sparen können, denn die Straßen in Skelleftehamn sind alle noch schneebedeckt. Vermutlich ist der Boden noch zu kalt. Aber den Schnee auf den Dächern taut die Sonne kräftig weg. Und dann plitscht und platscht es an allen Ecken und es klingt fast so, als sei es trotz blauen Himmels und Sonnenschein am Regnen.

Das Tauwetter hat allerdings meinen großen Schneefiguren arg zugesetzt. Während das Schneeschwein immer dünner wurde und irgendwann Arme und Ohren verloren hat, sank das hohle Schneemonster in sich zusammen und wurde noch ein bisschen runder und dicker, aber auch ein bisschen gruseliger.

Für meine Silvestergäste habe ich eine traurige Nachricht: Das Schneeschwein ist nicht mehr. Nachdem es auch noch ein Auge und ein Bein verloren hat, hatte ich Mitleid und habe es heute Nachmittag wieder dem großen Kreislauf von Eis und Schnee zugeführt. Das Schneemonster hatte hingegen noch einen glänzenden Abend. „Lysande!“

Fast Frühling – Nachtrag

Ein kurzer Nachtrag zum Artikel Fast Frühling.

Nachtrag vom 28.2.

Weiterhin war es warm, auch in den letzten beiden Nächten war es frostfrei. Tauwetter. Heute morgen auf dem Weg zum Bus musste ich durch eine riesige und tiefe Pfütze waten. Und dort, wo noch Schnee auf der Straße liegt, ist er braun und meistens schon Schneematsch. Das kenne ich ja aus Deutschland, aber für Nordschweden ist das mindestens einen Monat zu früh!

Auch das Schneemonster ist in sich zusammengefallen – wesentlich früher als ich gedacht hätte. Aber übermorgen, am Samstag, sollen 8 – 10 cm Schnee fallen, und bei dem böigem Wind werden sich die erwarteten -10 °C wie -20 anfühlen. Das kann ich mir ehrlich gesagt bei der heutigen Frühlingsstimmung kaum vorstellen.

18:30: hübsch, jetzt regnet es auch noch richtig. 2.5 °C.

Nachtrag zum Nachtrag vom 1.3.

07:00: es schneit und es ist windig. Das Thermometer zeigt -5.5 °C an, Tendenz fallend. Und auch wenn Teile der weichen und jetzt über Nacht gefrorenen Schneeklumpen noch etwas bräunlich anmuten; das Tauwetter scheint der Vergangenheit anzugehören und weit zurückzuliegen. Das Foto oben habe ich gestern Mittag gemacht, das Foto hier heute vor ein paar Minuten.

Nachtrag zum Nachtrag zum Nachtrag …

Der Wetterdienst smhi hat übrigens gestern einen Blogartikel mit dem Titel „Vår i norr men vinter i söder“ (Frühling im Norden aber Winter im Süden) geschrieben. Wenn man sieben Tage hintereinander Durchschnittstemperaturen über 0 °C hat, nennt man den ersten Tag Frühlingankunft. Und die hatten wir dieses Jahr schon im Nordschweden (Normal wäre das im April), aber noch nicht in Südschweden. So eine Situation hat es das letzte mal 1963 gegeben – vor 40 Jahren.

Temperaturverlauf

Temperaturerutveckling På svenska

När det blir ljus vaknar jag. Det är ingen bra egenskap när man bor i norra Sverige för nu kommer solen up kl kvart över fem och om två månader kommer det att bli inte alls mörkt längre. Idag skiner solen från en blå himmel igen som det har varit nästan jämt i de senaste veckor. Och om himlen var klar, blir det också kallt. I morse visade termometern -8.4 °C. Men solen är so stark nu att det blir visst plusgrader igen.

På temperaturkurvan ser man tydligt att temperaturerna under januari ändrar sig oberoende från dagstiden. Däremot visar april en tydligt sicksackkurvan. Kallt på morgnarna, varmt på eftermiddagarna. På 7 april blev det inte kallt eftersom himlen var mulen och det snöade även lite gran.

Wenn es hell wird, werde ich wach. Das ist in Nordschweden eine ganz dumme Eigenschaft, denn jetzt geht die Sonne in Skelleftehamn schon viertel nach fünf auf und in zwei Monaten wird es gar nicht mehr dunkel werden. Auch heute früh scheint wieder die Sonne von einem klaren, sonnenlosen Morgenhimmel, wie meistens in den letzten Wochen. Und wenn der Himmel klar war, dann kühlt es sich auch noch richtig ab. Heute morgen zeigte das Thermometer -8.4 °C an. Das die Sonne aber jetzt schon viel Kraft hat, wird es auch heute wieder Plusgrade geben. Morgens laufe ich noch mit Mütze und Schal zum Bus, nachmittags finde ich das eher überflüssig.

In den Temperaturkurven sieht man sehr schön, dass im Januar die Sonne noch nicht viel zu melden hat. Die Temperaturen steigen und fallen unabhängig vom Tagesverlauf. Dagegen zeigt der April eine sehr schöne Zickzackkurve: Morgens kalt, nachmittags warm.

Temperaturverlauf Mitte JanuarTemperaturverlauf Anfang April

Am 7. April ist die Zickzackkurve nach unten abgebrochen. Dort war es ausnahmsweise einmal bedeckt und es hat sogar einen Zentimeter geschneit. Nächste Woche soll es wärmer werden bei nur leichten Nachtfrösten.

Hier geht es zum Temperaturverlauf seit Mitte November. Man sieht ganz gut, dass dieser Winter nie extrem kalt war, sich aber lange hält.

Frühlingsanzeichen

Heute stehen die Zeichen eindeutig auf Frühling. Und es gibt viele Zeichen:

  • Gegen zwölf Uhr sind es acht Grad plus im Schatten, im Wintergarten sogar 22 °C
  • Ich laufe draußen das erste Mal wieder im T-Shirt durch den Wald
  • Ich sehe den ersten Schmetterling – einen kleinen Fuchs
  • Die Nachbarn wechseln auf Sommerreifen
  • Auf dem nassen Eis der nahen Bucht nutzen viele Eisfischer die vielleicht letzte Gelegenheit
  • Die Menschen sind nicht nur zum Schnee schippen und Hund ausführen draußen
  • Der Boden taut auf und weicht auf, an manchen Stellen ist es recht matschig
  • Viele Blätter sind tief in den Schnee geschmolzen, denn wenn sie von der Sonne bestrahlt werden, werden sie warm
  • Draußen knatterte es in der Straße und es war ein Mofa, kein Schneemobil
An manchen Stellen ist der Boden aufgeweichtEin Birkenblatt hat sich in den Schnee geschmolzen

Letztes Jahr war der Boden an den glattgeschliffenen Felsen schon praktisch schneefrei, doch dieses Jahr liegt noch viel Schnee. Auf den Skooterspuren kommt man zu Fuß ganz gut voran, daneben steht man schnell knietief im Schnee. Das erste Bild habe ich gestern vor einem Jahr aufgenommen, das zweite heute:

Gestern vor einem Jahr: Die Felsen sind schneefreiUm die Felsen herum liegt noch viel Schnee

Auch im Garten liegt noch ziemlich viel Schnee, selbst wenn der Zaun jeden Tag ein Stückchen mehr hervorguckt. Der Zaun vorne hat sich durch die festen Schneemassen von den Pfosten gelöst und sobald der Schnee dort weg ist, werde ich Hammer und Nägel in die Hand nehmen und den Zaun reparieren. (Ich und reparieren – Ha!)

Der Zaun hinten lugt aus dem Schneekaputter Zaun

Aber ich habe noch Glück gehabt. Denn gestern Abend, es waren immer noch Plusgrade, kamen bei einigen Häusern in der Straße Dachlawinen herunter. Bei einem Nachbarn haben sie sein mit soliden Eisenstreben aufgehängtes Vordach weggeknickt, bei einem anderen Nachbarn hat der Schnee den ziemlich dicken Pfosten vom Treppengeländer umgerissen. Da möchte ich nicht drunterstehen, wenn so ein dicker, großer Haufen vereister Altschnee vom Dach rutscht.

Jetzt ist wahrscheinlich kein Mensch mehr draußen, denn um 16:00 hat das zweite Hockeyfinalspiel Skellefteå vs Luleå begonnen.

Nachtrag: Zu dieser Zeit macht es keinen Spaß, nachts Auto zu fahren. Der Schnee auf der Straße, der sonst hell im Fernlicht leuchtete, ist weggetaut, und es dauert noch einen guten Monat, bis es nicht mehr dunkel wird.

Nachtrag: Ich habe noch einmal gemessen: Hinten im Garten liegen 65 cm Schnee, rechts neben dem Haus 80 cm. Mal schauen, wann das alles weg ist.

Sommerwarm

Meteorologisch unkorrekt: Thermometer in der SonneSommerwarm war es heute in Skellefteå. 21 °C wurden heute Mittag in Skelleftehamn gemessen und in meinem hauptsächlich aus Fenstern bestehenden Wintergarten waren es 32 °C.

Ich habe heute zu Hause gearbeitet, weil wir gerade viel zu tun haben, aber jetzt mache ich Feierabend und werde noch ein bisschen das schöne warme Sommerwetter geniessen.

Rote SchlüsselblumeDas gleiche Sommerwetter hat den Blüten der Sumpfdotterblumen, die ich vorgestern in der Bucht „Kurjoviken“ entdeckt habe schon ziemlich zugesetzt. Aber ein paar Blüten waren noch ganz. Ich mag dieses kräftige Gelb. Eine Schlüsselblume, die auf meiner Kieseinfahrt blüht, hat sich hingegen für ein kräftiges Rot entschieden. Ich kenne die Blumen eigentlich nur in blassgelb.

Sumpfdotterblume in Skelleftehamn

Starker Strom und starke Blume

Tja.

Vom Kajak fahren heute Abend kann ich nicht erzählen, denn ich war zu müde. Das lag daran, dass ich schon um 6:05 (sic) im Büro war und mit dem Programmieren begann. Dass ich so früh wach war, lag auch daran, dass es nicht mehr dunkel wird. Also, keine Kajakgeschichte. Wird nachgeholt.

Ich könnte auch davon erzählen, dass bei uns eigentlich nur schönes Wetter ist. Seit Wochen. Sonne satt, angenehm warm. T-Shirtwetter und mal eine laue, mal eine frische Brise. Draußenwetter. Aber ich weiß bei dem Wetter, welches zur Zeit in Deutschland herrscht – vor ein paar Tagen war Deutschland Europas Kältepol! – mache ich mir damit keine Freunde. Also, keine Sommergeschichte.

Ich könnte auch davon erzählen, dass ich am Sonntag das erste Mal den Rasen gemäht habe und heute einen Strauch ausgegraben. Der war ohnehin schon morsch und die hohen Schneehaufen des letzten Winters haben ihm den Rest gegeben. Da war leider nichts mehr zu retten. Aber das ist mir zu keingärtnerisch, da habe ich keine Lust drüber zu Schreiben. Also, auch keine Held-des-Gartens-Geschichte.

Tja. Was nun.

Na gut, zwei Geschichten habe ich:

Nummer eins:

Als ich heute recht früh nach Hause gekommen bin, stellte ich fest, dass der Bildschirm nicht ging. Ebenso wenig wie die Steckerleiste, die Klimaanlage für den Flügel, der Kühlschrank und die Steckdosen. Licht ging lustigerweise. Nachdem ich einen Freund, der Elektriker ist, angerufen habe und so ziemlich jede Sicherung herausgedreht und ausgewechselt (Ja, ein Teil meiner Sicherungen sind noch die alten Keramikteile zum drehen) und immer noch nichts ging, habe ich dann bei SkellefteKraft angerufen. Sehr netter Kundendienst, muss ich sagen.

Meine Stromversorgung (und die meiner Nachbarn)Und vielleicht eine Stunde später (inzwischen konnte ich den Strauch ausgraben, aber das wollte ich ja gar nicht erzählen) kam einer vom Kundendienst und stellte fest, dass im Schaltkasten auf der Straße zwei Phasen weggeknallt waren. Das ließ sich ja zum Glück schnell beheben. Im Winter hätte man den Kasten erst mal ausbuddeln müssen. Schön, wieder Strom zu haben, vor allem für den Gefrierschrank. Und fürs Smartphone aufladen.

Nummer zwei:

Viola PippilottaAls ich wieder aus dem Wald zurückkam (dort hatte ich meinen Strauch zu den Gartenabfällen … . Ach nein, kein Thema. Stimmt ja.) Wie auch immer, vor meiner kleinen Treppe zum Haus blüht wieder Viola Pippilotta. Das ist das stärkste Veilchen der Welt. Es hat schon letztes Jahr zwischen Schnee und Eis geblüht. Jetzt ist es zurück – vermutlich vom Taka-Tuka-Land – und blüht wieder. Dieses Mal aber weiß statt blau, aber hellblond ist hier ohnehin gerade stark angesagt, vielleicht hat es sich die Blütenblätter gebleicht. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, eine alte Blumenbekannte wiederzutreffen, auch wenn ich sie vielleicht mit einer anderen Blume verwechselt habe (Das geht mir mit Menschen aber manchmal ebenso).

Wie viel Kraft in den Pflanzen hier steckt, zeigt sich im dicken Asphalt des Fußweges, der für einen kleinen grünen Keim, der ans Licht möchte, kein weiteres Problem darzustellen scheint, wie das folgende Foto zeigt. Ganz schön viel Power. Ich hingegen bin in Schweden ein bisschen fauler und ein bisschen dicker geworden, aber auch das soll hier nicht weiter thematisiert werden.

Eine Pflanze bricht durch den Asphalt

Abendbrot am Meer

Nach einem schönen Sonnentag, den ich bis auf das Mittagessen im Büro verbracht habe, war ich einkaufen, habe Essen, Kamera und Ersatzkleidung gepackt und bin mein Kajak hinter mir herziehend zum kleinen Strand von Storgrundet gelaufen. Dort war ein bisschen Strandbetrieb und ein Junge hat sogar gebadet. Das Wasser ist tatsächlich gar nicht mehr so eisig, nächstes Mal nehme ich auch die Badehose mit. Aber mein heutiges Ziel war die Insel Norrskär, denn dort wollte ich in der Sonne sitzen, aufs Meer schauen und abendessen. Und da ich hungrig war, war ich auch bald da. Wir haben seit Tagen sehr wenig Wasser in der Ostsee und an Stellen, wo ich sonst problemlos paddeln kann, schauen jetzt Steine oder ganze Kiesrücken aus dem Wasser. So musste ich das Kajak zehn Meter durchs seichte Wasser ziehen, ehe ich es an Land ziehen konnte.

Kurze Zeit später saß ich auf dem Fels in der Sonne, schaute aufs Meer und aß. Und das war ja auch ungefähr der Plan. Danach habe ich noch ein bisschen dagesessen und – natürlich – noch ein bisschen umher geschaut und fotografiert.

Lachs, Salat und SprudelwasserAbendbrot am MeerFels am Meer IFels am Meer IIKleine GischttropfenFrühe Abendsonne über der Ostsee

Dann habe ich aber wieder meine Sachen zusammengepackt, die Schwimmweste angezogen und bin mit einen Mini-Umweg an Inseln mit roten Sommerhäusern und frischgrün belaubten Birken wieder zurück zum Strand gepaddelt, wo ich von einigen Jugendlichen, die in und auf ihrem Schrottauto saßen, leicht apathisch begafft wurde. Vermutlich war ich total uncool.

Sommerhäuser am Meer

Vor dreieinhalb Wochen saß ich noch mit dickem Neopren eingepackt im Kajak, heute haben T-Shirt und Schwimmweste gereicht. Allerdings habe ich keine große Lust, so ins Wasser zu fallen, denn das ist weiter draußen natürlich noch ganz schön kalt. Aber das Meer war ruhig, nur bei den kleinen Zappelwellen am flachen Kiesufer muss man ein bisschen aufpassen.


Und nun nutze ich noch die Gelegenheit, mich bei meinen Münchner Freunden unbeliebt zu machen:

Skellefteå heute mittag: 21 °C, Wind 3 m/s, Sonne
München heute mittag: 8 °C, Wind 7 m/s, Sprühregen

Ich schreibe hier im Blog aber auch, wenn es hier bei uns scheußlich ist. Versprochen!

Nachtrag

Ich wollte den Artikel gerade veröffentlichen, da schaue ich noch einmal raus. Keine zehn Minuten später stehe ich mit dem Stativ am Meer, um diese herrlichen Abendfarben zu fotografieren. Elf Uhr ist es, als ich dieses Foto mache, zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang. Kurz vor halb drei wird die Sonne wieder aufgehen.

Sonnenuntergang bei Storgrundet

Wetterlage Vb

Draußen ist es ein bisschen grau und es schneit. Was??! Wie kann es Anfang Juni bei immer noch +16 °C schnei…, ach so, es sind nur die Blüten vom nachbarlichen Kirschbaum, die vorbeiwehen. Ich habe mich schon gewundert, denn der ganze Tag war sehr warm und schön. Fast.

Heute morgen wollte ich eigentlich mit dem Rad in die Stadt fahren, wurde aber durch lautes Gegrummel geweckt. Ein Gewitter! Das hat hier wirklich Seltenheitswert und die Gewitter, die ich in den drei Jahren hier erlebt habe, kann ich an einer Hand abzählen. Dazu starke Regengüsse. Aber kurze Zeit später klarte es wieder auf und heute Mittag haben wir bei +25 °C draußen am Fluss Mittag gegessen und geschwitzt. In Lappland wurden sogar neue Wärmerekorde für den Mai aufgestellt.

Und ich frage mich, was ist gleichzeitig in Deutschland los, wo es nicht nur kalt ist – München, heute mittag +7 °C, achtzehn Grad weniger als hier! – sondern regnet, giesst, schüttet wie aus Kübeln und das gefühlt schon seit Ewigkeiten. Die katastrophalen Überschwemmungen in einigen Gebieten bedrücken mich und mir fällt es ein bisschen schwer, mich hier über das herrliche Sommerwetter, welches wir praktisch den ganzen Mai gehabt haben, zu freuen, wenn gleichzeitig meine Freunde in Süddeutschland überlegen, ob es nicht an der Zeit sei, eine Arche zu bauen.

Liebe Mitteleuropäer: Ich drücke fest die Daumen, dass der Regen schnell nachlässt, die Pegel sinken und die Schäden nicht zu groß sind. Und vor allem, dass die Fluten keine weiteren Menschenleben fordern.

Weitere Informationen unter Wikipedia: Hochwasser in Mitteleuropa 2013.

Das folgende Foto ist von gestern, da hat es vormittags auch Regenschauer gegeben. Davon lassen sich aber die Kids nicht abhalten, gemütlich den Tallvägen entlang zu schlendern, mal mit Schirm, mal ohne und auch die eine oder andere Pfütze mitzunehmen. Das liegt aber auch daran, dass es trotz der Regenschauer fast zwanzig Grad warm war.

Kids im Sommerregen

Tauwetter

Heute nachmittag: 10.3 °CIgitt sage ich nur! Vorgestern die erste Skirunde bei Minusgraden und pulvrigem Neuschnee und heute 10 °C – in Worten: Zehn Grad Plus!

Dort, wo ich vorgestern noch zwanzig Zentimeter Schnee gemessen habe, ist jetzt wieder braungrüner Rasen zum Vorschein gekommen. Und die Straßen sind dort, wo noch Eis ist, wieder spiegelglatt. Völlig überflüssig, solches Wetter, denn ich finde, Mitte Dezember darf hier gerne tiefster Winter herrschen und über Plustemperaturen kann man irgendwann im März mal wieder reden.

Und so war der Dezember die letzten Jahre:

  • 2010: 40 – 110 cm Schnee und Dauerfrost
  • 2011: kaum/kein Schnee und recht warmes Wetter
  • 2012: 60 – 80 cm Schnee und Dauerfrost

Schneeintermezzo

Heute morgen kam der Schnee. Einige nasse Zentimeter, aber immerhin. Da habe ich schnell ein paar Fotos gemacht, denn die Temperaturen sind schon wieder im leichten Plus und heute Nacht soll es wieder regnen.

Winterweg zum See RudtjärnenSchilf im Neuschnee

Ich packe jetzt ein paar Sachen und feiere in Norrlångträsk mit Freunden Silvester. Kommt gut ins neue Jahr!