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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Bjuröklubb und Surströmming

Nach einem ausgiebigen Frühstück – nennen wir es einfach Brunch – mit Spiegelei und Speck, gegrillten Tomaten, einer Art Eier-Käse-Auflauf und einem herrlichen grünen Tee haben Lasse, Martine und ich einen Ausflug mit dem Auto gemacht. Erst waren wir in Skelleftehamn, dem vorgelagerten Hafenstädtchen, welches 17 km weit entfernt an der Ostsee liegt. Teilweise ist das Meer schon eisfrei, an manchen Stellen ist es aber auch noch komplett mit Eis bedeckt. Dieses sieht aber schon ganz schön dünn aus, lange wird es nicht mehr dauern, bis das Eis weg ist.

Danach sind wir 4 Meilen südwärts nach Bjuröklubb gefahren, eine weit in die Ostsee ragenden Landzunge, auf der man fast bis nach Finnland herüberschauen kann. Die einzigen, die wir getroffen haben, waren ein Pärchen, welches vor dem Leuchtturmhäuschen eine Pause von ihrer Skitour(!) machte, ein sehr schneller Jogger und fünf Seidenschwänze, die in den Birken herum hüpften.

Abends gab es dann Surströmming, ein Gericht, bei dem sich wohl auch die Schweden streiten, ob es eine Delikatesse oder ungenießbar ist. Surströmming besteht im Grunde aus vergorenem Hering und das herausragende Merkmal ist der extreme Geruch, den dieser verbreitet. Deswegen macht man die Dose auch draußen auf. Aus dem Hering werden dann die Innereien heraus gedrückt und die Gräten entfernt. Das, was dann noch übrig geblieben ist, isst man mit Tunnbröd, zerstampften Kartoffeln, Zwiebeln, Sauerrahm und Dill als Sandwich. Dazu gibt es Bier und Schnaps. Letzterer wird mit Helan går, einem Trinklied begleitet. Surströmming werde ich jetzt nicht jede Woche begeistert essen, aber das ganze schmeckte wesentlich besser, als die vielen Horrorstories vermuten ließen.

Fotos vom 2. Mai

Das Wetter wurde schließlich doch noch besser und ich habe einfach mal ein paar Bilder gemacht. Ohne Kommentar.

Die Bilder kann man (wie immer) per Mausklick vergrößern. In der vergrößerten Ansicht blättert ein Klick auf die linke Hälfte rückwärts und einer auf die rechte Hälfte vorwärts.

Na gut, doch noch ein paar Kommentare:

  • Beim Grillen kann man sich aussuchen, ob man im Nassen sitzen oder die Bänke aus dem Schnee ausbuddeln möchte.
  • Im Tal fließt das Wasser überall. Im Bach, auf dem Weg, unter der Brücke, über der Brücke, unter und über dem Schnee.
  • Die tolle Tankstelle steht drei Häuser weiter. Immer gut, eine Tanke in der Nähe zu haben.

Berg und Tal

Ich komme gerade von einer kleinen Morgenrunde durch den Wald hinter dem Haus zurück. Die Fleecejacke war viel zu warm, ein T-Shirt hätte eigentlich gereicht. Die Sonne scheint und mein Ein-Euro-Thermometer zeigt 18 °C an.

Während in den Senken noch ein bisschen Schnee und Eis vor sich hinschmilzt und man wie auf einem nassen Schwamm läuft – alles schwingt und quatscht, ist auf den Kuppen der Boden herrlich trocken und man hat den Eindruck, jetzt ist der Frühling wirklich da. Nur die Blätter müssen noch an die Laubbäume …

Sommerwochenende

Ja – so langsam bekomme ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich von dem schönen Wetter schreibe und dann von Kälterekorden in Deutschland lese und höre.

Ich war am Wochenende zu einer Feier nach Båtfors, das liegt etwa 5 Meilen, also ca. 50 Kilometer landeinwärts direkt am Skellefteälven eingeladen.

Und, was soll ich sagen, es war eine tolle Feier! Und das Wetter hat mehr als mitgespielt. Bei Temperaturen über 20 Grad haben wir mittags Hering, Lachs, Salate, Eier, Dünnbrot und Kartoffeln gegessen. Mit kurzen Hosen und T-Shirt in der Sonne sitzend. Direkt am Fluss. Nur die Eisschollen, die ab und zu vorbeitreiben, erinnern einen daran, dass der Winter hier doch sehr lang war.

Abends wurde es dann leicht kühler, aber da kann man ja ein Feuer im Kamin machen und in die Sauna gehen. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, im Fluss zu baden. Der fühlte sich aber auch direkt nach der Sauna schweinekalt an und dementsprechend schnell war ich wieder draußen. Richtig dunkel wird es nicht mehr und um ein Uhr wurde es schon wieder heller. Die echten Nachtaufnahmen müssen also mindestens bis Ende Juli warten. Und ich habe mich über die dunklen Vorhänge in meinem Gästezimmer  gefreut. Heute ging es in aller Ruhe wieder zurück.

Frühling

Der Frühling ist da. Das Birken sind grün, das Wasser hoch …

Weil das Wetter so schön war, habe ich mich um acht noch einmal aufs Fahrrad gesetzt und bin zum Fluss gefahren, weil ich neugierig war, wie hoch das Wasser steht. Auf dem Weg dorthin habe ich mich über die Birken gefreut, die innerhalb der letzten drei Tage blassgrüne Blätter bekommen haben. Wunderschön; die Bäume waren auch lange genug kahl!

Der Fluss ist immer noch stark über die Ufer getreten. Während ich anfangs das Fahrrad noch bequem durch die überfluteten Wege schieben konnte, stand das Wasser ein wenig stadtauswärts schon mehr als meterhoch auf den Wegen. Irgendwann habe ich dann mein Fahrrad auf der Böschung durchs Gestrüpp getragen, weil der Wasserspiegel einfach zu hoch war.

Zum Glück haben sich die Befürchtungen, wegen des Hochwassers kein Trinkwasser zu haben, nicht bewahrheitet. Die Schwimmbäder hatten zu und es wird zum Wasser sparen aufgerufen, aber eigentlich geht alles seinen normalen Gang. Da in den Bergen noch genug Schnee zum Wegschmelzen liegt, wird uns das Hochwasser wohl noch ein bisschen erhalten bleiben.

P.S.: Zum letzten Bild: Der Fluss ist hinter den Bäumen. Ich stehe auf Zehenspitzen auf dem Gras des Ufers, der Weg ist vor mir. (Sieht man ja nicht wirklich.)

Jordbävning

Heute morgen habe ich ein neues Wort gelernt: „Jordbävning“.

Gestern um halb elf, als ich auf dem Bett lag und gerade „Harry Potter och Fången från Azkaban“ gelesen habe, hat es plötzlich ein großes Rumpeln gegeben. Das ganze Haus hat gewackelt und geklirrt. Nach vielleicht zehn Sekunden war dann alles wieder vorbei.

Heute kam dann per Norran, der lokalen Zeitung die Gewissheit: „Rejäl jordbävning skakade hela landet“ – Reelles Erdbeben erschütterte das ganze Land. Es war also wirklich ein Erdbeben. Laut Norran hatte das Beben eine Stärke von 3,8 auf der Richterskala und das Epizentrum lag 30 Kilometer südsüdöstlich von hier.

Wenn ich an Nordschweden denke, gehörte „Erdbeben“ nicht gerade zu den Worten, die mir spontan einfallen, aber alles unter 4 auf der Richterskala gilt auch noch als „sehr leicht“.

Jetzt fahre ich wieder in die Stadt, dieses Mal nicht ins Büro, sondern zum Creative Summit 2010, auf den ich mich schon sehr freue.

Fahrradtour

Nach dem ich schön ausgeschlafen habe, habe ich mich bei windigem, aber schönen Wetter aufs Fahrrad gesetzt und bin mit dem Ziel Kåge losgefahren. So weit bin ich dann doch nicht gekommen, aber schön war es trotzdem. Und nun aus aktuellem Anlass der Live-Ticker (für Eure Bequemlichkeit von oben nach unten geschrieben).

  • Olaf setzt sich aufs Fahrrad und startet durch. Der Wind kommt – welch Überraschung – von vorne.
  • Er fährt erst die Ursviksgatan in Skelleftehamn und dann den Skelleftehamnsvägen in Ursviken.
  • Bei seinen phantastischen Abkürzungen lernt er viele neue Sackgassen kennen.
  • Jetzt ist er am Fäbodvägen angelangt, biegt nach rechts ab und verlässt damit die Zivilisation.
  • Ihm kommen viele Autos entgegen, die wohl wieder in die Zivilisation zurückfahren.
  • Auf der breiten Asphaltstraße kommt er gut voran. Warum erzählt Jonas, man bräuchte ein Mountainbike …
  • Auf der breiten Forststraße nimmt er rasant und mit mehreren Stundenkilometern alle Steigungen.
  • Auf dem schmalen Weg fährt er über Schotter, Steine und durch lockeren Sand.
  • Ein phantastischer Ausblick nach links über die Ostsee.
  • Auf dem sehr schmalen und mit Geröll bestückten schmalen Steig kämpft sich Olaf weiter voran.
  • Auf dem unfassbar schmalen, mit viel Geröll bestückten und steil abwärts führenden schmalen Steig steigt Olaf ab und schiebt ein Stückchen.
  • Oh, ein Schwalbenschwanz. So weit im Norden!
  • Die Schotterpiste hat ein Ende, es gibt wieder Straße.
  • Weiter geht es – gegen den Wind – bis zu einem kleinen Sandstrand in der Bucht von Boviken.
  • Sandsturm! Der Wind wirbelt den trockenen Sand meterhoch auf.
  • Olaf fährt weiter, bis er fast in Boviken ist.
  • Olaf stellt fest, dass er kein Geld dabei hat, also in Kåge kein Eis essen kann und kürzt seine geplante Tour dramatisch ab.
  • Er fährt unter der E4 durch und findet einen breiten Waldweg.
  • Der schmale Waldweg lässt sich gut fahren.
  • Der schmale und matschige Waldweg lässt sich recht gut fahren und dank der vielen Baumwurzeln wird man auch nicht zu schnell.
  • Das Fahrrad lässt sich gut auf den kaum sichtbaren Pfad durch das Birkendickicht schieben.
  • Das Fahrrad lässt sich auch gut über die Sumpfwiese schieben.
  • Olaf hat Erfolg. Füße und Hose sind zwar nass und dreckig, aber er musste das Fahrrad nur schieben, nicht tragen.
  • Der breite, glatte Waldweg, auf den Olaf stößt, lässt sich wieder toll fahren und er führt auch in die richtige Richtung
  • der schmale Waldweg …
  • der schmale und mit dicken Steinen und Baumwurzeln besetzte Weg …
  • … hallo, das hatten wir doch schon.
  • Olaf findet einen tollen See und badet. Erst seine Hose, dann sich.
  • Er stößt dann auf eine Asphaltstraße und ist begeistert.
  • Auf breiten Straßen fliegt er mit dem Wind Skelleftehamn entgegen …
  • … macht allerdings am breiten Urviksfjärden eine Eß- und Trinkpause
  • Und bald ist er auch schon wieder zu Hause.
  • laut GPS hat er sein Fahrrad 58,6 km gefahren und geschoben, laut Hintern etwa 120 km.
  • Olaf hat nur drei Fotos gemacht. Ist er krank? Wird er je wieder Fahrrad fahren? Lesen Sie mehr in diesem Blog.

erster Ferientag

Heute ist mein erster Ferientag. Und den nutze ich zum Erholen, denn meine morgen startende Deutschlandreise wird toll, aber auch anstrengend. Auf meiner heutigen Fahrradtour konnte ich dennoch nicht an den beiden riesigen Lilien, die irgendwo in der Pampa am Wegrand leuchteten vorbeifahren und wollte nur kurz ein Bild posten. Aber mehr schreibe ich nicht, weil zu faul, denn: Heute ist mein erster Ferientag.

Barfuß

Inspiriert von einem Blogeintrag von Jonas zum Thema Barfuß laufen habe ich heute nach Sonntag zum zweiten Male meine Sandalen ausgezogen und bin unbeschuht herumgelaufen.

Hier gibt es herrliche Anfängergelände, nämlich große, von eiszeitlichen Gletschern blankgeschliffene Granitfelsflächen, auf denen es sich herrlich gehen lässt. Dabei kann man sich sehr schön aussuchen, wie viel Schräglage man den Füßen noch zumutet und ob man über diese kleine pieksig aussehende Kiesfläche läuft oder es erst einmal bleiben lässt. Was ich noch wirklich gemein finde, ist so ein einzelner Kiefernzapfen auf Fels. Da merke ich doch, wie verspannt die Fußsohlen sind. Aber das schöne Gefühl der befreiten Füße spüre ich sogar jetzt noch, während ich wieder zu Hause am Rechner diesen Artikel schreibe.

Apopros zu Hause. Was macht das neue Haus?

Wohnzimmer: Der Flügel ist verstimmt, ich spiele dennoch dauernd. Viele Kisten stehen herum, zwei Regale stehen und sind mit CDs, DVDs, Schallplatten(!) und Computerbüchern gefüllt.
Küche: Ich habe zwei Mal gekocht und einmal die Geschirrspülmaschine benutzt. Der riesige Kühlschrank füllt sich ein bisschen, im ebenso riesigen Gefrierschrank liegen nur ein paar Eiswürfel.
Schlafzimmer: Die Schränke sind mit frischer Wäsche gefüllt, es gibt ein Bett und Licht. Was will man mehr. Ach ja, einen Wecker. Mein auf Deutschland konditionierter Funkwecker macht nämlich gar nichts.
Wintergarten: Das Lager für leere Kartons, Packmaterial und alles, was ich gerade nicht brauche. Aber auch ein guter Pausenplatz.
Keller: War mit 77% ganz schön feucht. Ist jetzt knapp unter 70% Dank der Heizung die ich mit Hilfe von einem „Drifttekniker fjärrvärme“ heute morgen wieder in Gang bekommen habe. Ich werde mir aber dennoch möglichst schnell einen Lufttrockner anschaffen.
Garage: Keine Ahnung, war ich nicht mehr groß drinnen. Sind halt Kisten drin. Und ein zweites Fahrrad. Und Skier. Und meine Pulka. Und meine eigene Waschmaschine. Und mein alter Kleiderschrank …

(P.S.: Ja, das Foto taugt nicht wirklich was. Keine Ahnung, was meine kleine Ricoh da angestellt hat. Nächstes Mal kommt wieder die dicke Spiegelreflex mit, die ich doch ein bisschen besser kenne.)

Beerenhunger

Was macht man an einem freien Samstag bei schönem Wetter in Schweden? Richtig, man ignoriert das Chaos im Haus und ist möglichst viel draußen. Heute Vormittag habe ich mich aufs Rad gesetzt und bin über Örviken nach Bureå (spricht man so ähnlich wie Büro) und dann noch weiter bis Bergfors gefahren. Auf dem Rückweg habe ich eine schöne Pausenstelle direkt am Meer gefunden. Hier gab es wilde Himbeeren (schwedisch hallon) und auch einen verlassenen Johannisbeerenstrauch. Diesen Sträuchern habe ich mich erst einmal in Ruhe gewidmet. Sehr lecker, auch wenn die Johannisbeeren solo ja immer ein bisschen sauer sind. Einige Kilometer im Wald habe ich dann auch Heidelbeeren (schwedisch Blåbär) gefunden. Keine riesigen Mengen, aber für einen ordentlichen Snack hat es gereicht. Zwei Schweden haben an der gleichen Stelle Pilze gesammelt, aber damit kenne ich mich nicht aus und lasse die Pfoten davon.

Am Nachmittag bin ich dann noch einmal zu Fuß losgegangen. Eine wirklich schöne Heidel­beeren­stelle habe ich bei mir um die Ecke noch nicht gefunden, da muss ich morgen noch einmal schauen. Aber ich glaube, dass ich eine Moltebeerenstelle gefunden habe. Ganz sicher bin ich mir allerdings nicht ob die Beeren wirklich Moltebeeren (schwedisch hjortron) sind und ich werde gleich per Twitter den Schweden mal das Foto zeigen und fragen, ob das (a) unreife Moltebeeren sind und (b) ob man die jetzt schon sammeln und nachreifen lassen sollte. Wenn die Moltebeeren nämlich reif sind, sind diese nicht nur goldgelb, sondern auch sehr weich.

Nachtrag: Leider waren die Beeren keine Moltebeeren, sondern vermutlich Steinbeeren. Schade eigentlich. Das Foto entferne ich lieber wieder, ehe das von jemandem als Bestimmungsgrundlage benutzt wird.

Was ich noch nicht gefunden habe, sind Walderdbeeren (schwedisch smultron). Und um Preißelbeeren (schwedisch lingon) habe ich mich noch nicht gekümmert. Das mag auch daran liegen, dass man alles andere direkt in den Mund stecken und essen kann. Und das ist doch immer sehr verlockend.

Moltebeeren

So, ein paar Moltebeeren hat es heute doch noch gegeben. Zum Marmelade machen reicht es noch nicht, aber für das Frühstücks-A-Fil schon.

Eine schöne Heidelbeerenstelle habe ich auch gefunden, da fahre ich vielleicht am Dienstag nach der Arbeit noch vorbei, wenn ich es schaffe.

Wasser und Beeren II

Der Haupthahn in meinem Haus ist wieder permanent geöffnet. Leider liegt das nicht daran, dass man das Leck im Wasserrohr gefunden und abgedichtet hat, sondern … aber von vorne:

Donnerstag kam ein Mann von Anticimex, der die Feuchtigkeit im Erdgeschossboden gemessen hat. An der Türschwelle zum Bad unter 40%, an zwei Stellen in der Küche unter 60%, aber direkt hinten an der Wand zum Bad 90%. Einige Stunden später kam dann ein Handwerker, der fachgerecht mein Bad zerlegt hat. Kurz darauf kam ein Installateur, um das Leck zu suchen. Er fand es aber nicht. Statt dessen habe ich von Nachbarn eine Leiter geliehen und die beiden sind aufs Dach gestiegen. Dort haben sie auch – leider – direkt die Ursache gefunden. Der kleine Schornstein für den Dunstabzug war mal so überhaupt nicht abgedichtet, so dass Regenwasser eintreten konnte. Das Wasser ist dann außen am Rohr entlang bis in den Keller gelaufen. Dieses Leck scheint laut Aussage der beiden auch nicht erst dieses Jahr entstanden zu sein und so hoffe ich stark, dass Wand und Decke jetzt keine Schäden davongetragen haben, denn eigentlich reicht mir das aufgeklopfte Bad als Baustelle. Mal schauen, wie es nächste Woche mit der ganzen Sache weitergeht.

Gestern Nachmittag hat das Wochenende für mich angefangen. Kaum war ich zu Hause, bin ich mit dem Fahrrad nach Storgrundet (1600 Meter) gefahren und habe bei 27° Lufttemperatur in der Ostsee gebadet. Das letzte Mal bin ich doch recht schnell wieder an Land geflohen, weil das Wasser noch so kalt war, aber dieses Mal war es nicht mehr so eisig.

Heute war ich mit einigen Freunden aus Skellefteå in Norrlångträsk zum Beeren sammeln. Dort wohnt die Schwester einer Freundin. Die Himbeeren werden dass Wochenende nicht überleben, aber die gut anderthalb Kilo Heidelbeeren werde ich einfrieren, so dass man im Winter leckere Sachen daraus machen kann. Ein paar Pfifferlinge (schwedisch kantareller) haben wir auch gefunden und kurze Zeit auf Brot mit Käse überbacken gegessen.

Eine Dose Heidelbeeren habe ich mit der Hand gepflückt, die andere gekämmt. Das geht zwar schneller und müheloser, dafür bekommt man auch jede Menge Blätter, Ästchen und unreife Preisselbeeren mit in die Dose und muss zu Hause sortieren. Die erste Runde wird jetzt gerade eingefroren.

Morgen sollte ich dann auch endlich mal Papierkrams erledigen, ehe sich irgendwelche Unternehmen oder Ämter in Deutschland bei mir beschweren. Aber erst schaue ich mal, wie das Wetter wird …

Ein Tag zu Hause

Heute habe ich mal wieder zu Hause gearbeitet, weil nochmals ein Mensch von Anticimex da war, um sich ein Bild zu machen. Ergebnis: Den Schaden am Dach muss ich wohl selbst übernehmen, weil Anticimex eine Selbstbeteiligung von 8000 Kronen (etwa 860 Euro) hat! Das finde ich schon sehr ärgerlich, weil Anticimex so für den eigenen Fehler nicht haften muss und ich schließlich viel Geld für die Besichtigung bezahlt habe, bei der dieser Fehler direkt hätte auffallen müssen.

Das Wetter war schön, der Rasen lang, also habe ich mir danach von dem Nachbarn von gegenüber zeigen lassen, wie ein Benzinrasenmäher geht und meinen Rasen gemäht. Über anderthalb Stunden habe ich den armen Mäher durch das hohe Gras gewuchtet, bis der Rasen um zwei große gehäufte Schubkarren Gras kürzer war.

Um sechs war das Wetter immer noch schon, wenn auch mit gut 12 Grad nicht wirklich warm. Aber ich wollte unbedingt noch einmal in der Ostsee schnorcheln. Ich habe vorsichtshalber meinen Neoprenshorti angezogen und ich musste leider feststellen, dass das Wasser wirklich schon wieder a****kalt ist. Die Kälte hat richtig am Kopf geziept und nach zwei Minuten war ich wieder draußen. Ich habe einfach eine Hose und eine Segeljacke über den nassen Shorti gezogen und bin so nach Hause geradelt. Ist ja nicht weit.

Allerdings habe ich an der Ecke noch einen Nachbarn getroffen, den ich noch nicht kannte und habe mich mit ihm unterhalten. Er wusste schon, dass ich einen Flügel habe und es stellte sich heraus, dass er früher Vibraphon gespielt hat und Fan vom Modern Jazz Quartet und Toots Tielemann ist. So langsam fing ich dann aber an zu frieren und musste mich verabschieden. Jetzt sitze ich wieder schön im Warmen.

Nachher muss ich noch ein Stunde arbeiten, so viel habe ich heute ja noch nicht am Rechner gesessen.

Herbstfarben II

Die beiden kleinen Espen an der Ecke haben es mir heute angetan. Die Blätter hatten nur drei verschiedene Farben:

Leuchtend grün,
leuchtend gelb,
und leuchtend rot.

Schön!

Aber auch am Wasser gab es Motive.

Wald und Meer, Frost und Farbe

So ist der Herbst schön: Blauer Himmel, farbige Bäume und rauschendes Meer. Das Haus duftet nach Äpfeln aus dem eigenen Garten und Eisnadeln auf den Pfützen zeigen heute morgen den ersten leichten Frost. Plan für heute: ausgiebiges Frühstück und Fahrradtour.

Zwei Vögel

1. Der Seidenschwanz

Ich habe heute zu Hause gearbeitet und überall auf den Telefonleitungen (ja, die gibt‘s hier), den Bäumen und vor allem den Antennen haben sich Seidenschwänze gesammelt, die wohl meinen, bei diesem windigen Herbstwetter könne man auch gut ein Stückchen gen Süden fliegen. Ich kann es ihnen nicht übel nehmen, denn es ist trüb und bei dem Wind fühlen sich auch 10 °C ganz schön ungemütlich an.

2. Der Wasserhahn

Ach ist das toll, wenn Leute einfach so Sachen reparieren können. Thomas ist gestern Abend gekommen und ist drei Tage hier, um Dinge in Ordnung zu bringen. Und schon leckt der Wasserhahn nicht mehr, kann ich das Kellerlicht auch von oben anmachen, damit es auf der Treppe hell ist (Funk sei Dank), hat die Heizung im Gästezimmer einen Thermostat, steht die Badewanne wieder gerade und noch so manches mehr. Es ist ein tolles Gefühl, einfach Dinge auf meiner langen Im-Haus-Zu-Tun-Liste abhaken zu können. Und zugleich bekomme ich ein Schwedischintensivsprachtraining. Da ich aber heute einige Stunden mit Thomas unterwegs war, um alles einzukaufen, muss ich leider gleich noch ein bisschen arbeiten …

Zeitumstellung

In Schweden hört am letzten Oktoberwochenende – genau wie in Deutschland – die Sommerzeit auf und die Uhren werden auf Normalzeit zurückgestellt. Heute hatten wir also dieses zweifelhafte Vergnügung der Zeitumstellung und jetzt ist es um vier Uhr nachmittags dunkel und jetzt – um fünf – stockfinster. Nun hoffe ich auf Schnee, denn der reflektiert doch so viel Stadtlicht, dass die Dunkelheit nicht mehr so absolut ist.

Heute war ich das erste Mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs, denn alles Eis ist weggetaut. Allerdings sind die Wege jetzt alle ein bisschen matschig und das Fahrrad sieht aus wie Sau. Die Laubbäume sind schon lange kahl und die ganze Landschaft besteht nur noch aus verschiedenen Brauntönen, dem milchigen Weiß des Eises auf den sumpfigen Wiesen und dem dunklen Grün der Nadelbäume. Und über allem wölbte sich heute – ganz entgegen der Vorhersage – ein trüb-grauer Himmel. Spätherbstfarben. Nur das Torfmoos leuchtet, als habe es damit nichts zu tun.

Skellefteå Bird Race

Heute hatte ich die Gelegenheit, bei dem alljährlich im Januar stattfindenden Vogelbeobach­tungs­wettbewerb dabei zu sein. Die Regeln sind einfach: Von 8:00 bis 15:00 versucht man so viele Arten wie möglich in der Kommune Skellefteå zu sichten. Acht Zweierteams sind heute angetreten und ich durfte bei Patrick und Joakim im Auto mitfahren.

Gulsparv – Goldammer

Ich fand es interessant, dass die beiden spezielle Stellen kannten, wo eine besondere Vogelart, zum Beispiel turkduva oder stenknäck vorkommt. Sehr schade, dass wir den kungsörn, den Steinadler nicht zu Gesicht bekamen.

Nach ausgiebigen Fahrten zu Vorgärten und Futterstellen in der Stadt sind wir erst ein kleines Stück nordwärts gefahren und dann in den Südwestzipfel der Kommune. 245 Kilometer haben wir an dem Tag im Auto zurückgelegt. (Und etwa 200 Meter zu Fuß im Tiefschnee.)

Interessant – wenn auch nicht verwunderlich – war, dass Arten wie Amsel oder Buchfink, die in Deutschland sehr häufig sind, hier lange gesucht werden müssen und auch nicht von jedem Team gesichtet wurden. Umgekehrt gilt es aber auch: Wer hat denn in Deutschland schon mal einen Seidenschwanz gesehen?

Wir haben in der Zeit 33 verschiedene Arten gesichtet. Da dieses Jahr wegen der früh vereisten Ostsee keine Seevögel zu beobachten waren und zudem an jedem Wegrand meterhoch Schnee lag, haben wir damit wohl recht gute Gewinnaussichten.

Abends um halb sieben haben wir uns erst zum Essen getroffen (Gilt Curryhühnchen eigentlich als eigenständige Vogelart?) und dann wurde in eine Tabelle systematisch eingetragen, welches Team welchen Vogel gesehen hat und Fundstellen ausgetauscht. Knapp war es, aber wir haben tatsächlich gewonnen. Ich schreibe hier nur deshalb „wir“, da ich mit im Auto saß, denn beitragen konnte ich zu dem Ergebnis nicht.

Ein schöner, interessanter und spannender Tag, bei dem ich wieder neue Schwedischvokabeln gelernt habe. Schade, dass man Worte wie „Wasseramsel“ im Alltag nicht so oft braucht.

Für die, die es interessiert (mj, liest Du mit?), diese Vögel haben wir im Team heute gesichtet:

schwedisch deutsch
Gräsand Stockente
Duvhök Habicht
Sparvhök Sperber
Järpe Haselhuhn
Tamduva Straßentaube
Turkduva Türkentaube
Gråspett Grauspecht
Större hackspett Buntspecht
Sidensvans Seidenschwanz
Strömstare Wasseramsel
Koltrast Amsel
Björktrast Wacholderdrossel
Talltita Weidenmeise
Svartmes Tannenmeise
Blåmes Blaumeise
Talgoxe Kohlmeise
Nötskrika Eichelhäher
Skata Elster
Nötkråka Tannenhäher
Kaja Dohle
Kråka Aaskrähe
Korp Kolkrabe
Gråsparv Haussperling (Spatz)
Pilfink Feldsperling
Bofink Buchfink
Grönfink Grünling (Grünfink)
Gråsiska Birkenzeisig
Mindre körsnäbb Fichtenkreuzschnabel
Domherre Gimpel (Dompfaff)
Gulsparv Goldammer
Nötväcka Kleiber
Stenknäck Kernbeißer
Sångsvan Singschwan

Nachtrag (27.01.):

Und das sind die sieben Vogelarten, die von anderen Teams gesichtet wurden:

Mindre hackspett Kleinspecht
Orre Birkhuhn
Spillkråka Schwarzspecht
Tofsmes Haubenmeise
Tretåig hackspett Dreizehenspecht
Trädkrypare Waldbaumläufer
Varfågel Nördlicher Raubwürger

Jokkmokksmarknad · Teil 2

Temperaturen um -12 °C, leichter bis mäßiger Schneefall.

Was macht man an einem langen Tag auf dem Jokkmokksmarkt, wenn man am Vortag auch schon die ganze Zeit geschaut hat?

Kaufen Am Anfang habe ich einige antiquarische Bücher gekauft und in meine Unterkunft gebracht. Dann ein großes, getrocknetes Rentierfell. Wenn die Felle nur getrocknet sind, muffeln sie zwar ein bisschen, aber dafür kann man sie im Gegensatz zu den gegerbten einfach draußen auf den Schnee legen. Zum Schluss habe ich noch warme Wollfäustel gekauft. Diese extra zu groß, denn wenn sie bei 30 °C in der Maschine gewaschen werden, laufen sie ein, passen (hoffentlich) und sind dann noch wärmer.

Fotografieren, heute mit selbst gestellter Aufgabe: Von acht nebeneinander liegenden Ständen je zwei Fotos machen und je eines davon hier online stellen, egal ob gut geworden oder nicht. Nikonlinse 50mm/1.4. Bitte schön:

Schauen Erst habe ich mir die kleine alte Kirche angeschaut, dann war ich in der Samenschule, einem Heim und anderen Gebäuden, wo es von Ziegenkäse und Lachs über wunderschönen und entsprechend teuren Holzgefäßen, Mode und Gemälden auch wieder den Stand mit Schmuck aus Menschenhaar gab. Und wenn jemand einen Schlüpfer aus dem gleichen Material braucht: Auch den gibt‘s dort. Ich kann gut darauf verzichten.

Tourist sein, und dazu gehört, dass man den Zug der Rentiere fotografiert, der jedes Jahr auf dem Markt stattfindet. Bitte schön:

Mittagsschlaf Ein herrlicher Luxus, mal kurz zwanzig Minuten die Augen zuzumachen und danach in zwei Minuten wieder auf dem Markt zu sein.

Joiken Um drei Uhr nachmittags war ein Joikworkshop. Dort haben wir einige Tierjoiks gelernt, so den vom Hasen, der Krähe, dem Elch und dem Wolf. Das war ziemlich interessant. Ich werde in den nächsten Tagen ein Video online stellen.

Essen Zu empfehlen: Die Waffeln mit Moltebeerenmarmelade und Sahne im Café Gasskas.

Tanzen Ich war Abends noch mit Freunden meiner Gastgeberin zum Volkstanz. Dort haben wir versucht, uns den Schottischen abzuschauen, sind aber bei den schnellen Drehungen gescheitert und eine Schwedin hat mir gezeigt, wie ein Walzer im Volkstanz geht. Gut, dass ich vorher meine dicken Winterstiefel ausgezogen habe … . Die Musik wird ausschließlich von Geigen gespielt und ich mag diesen tänzerisch, leichten Klang sehr gerne.

Heute stand ich dann ein bisschen doof am Busbahnhof, denn der Bus nach Luleå fuhr gar nicht. ResRobot, Die Reiseauskunft auf meinem iPhone hat nämlich nicht gerade darauf aufmerksam gemacht, dass der 10:25-Bus ab Jokkmokk gar nicht am gleichen Tag, sondern erst am Sonntag fährt. Und für heute auch keine Verbindungen mehr gefunden. Toll! Zum Glück gibt es noch eine etwas umständlichere Verbindung über Arvidsjaur, aber ich habe ja Zeit und freue mich, dass ich heute Abend zu Hause bin.

… vorausgesetzt, unser Bus bleibt auf der Spur, denn kurz hinter Jokkmokk hat der Busfahrer der Gegenrichtung den Bus in den Tiefschnee gesetzt. Er hing schräg neben der Straße im Graben. Alle Passagiere saßen noch im Bus und passiert ist zum Glück nichts.

NB: Da drücke ich bei WordPress einmal versehentlich „Publizieren“ statt „Vorschau“ und schon finde ich meine eigenen Schreibfehler drei Minuten später bei Google wieder. Jetzt ist Café Gasskas aber richtig geschrieben.

Wieder zu Hause

Plan A: Um 10:35 in Jokkmokk den Bus zu nehmen, zwei Mal umzusteigen und 16:25 zu Hause.

Geht aber nur am Sonntag, also:

Plan B: Um 10:45 von Jokkmokk nach Arvidsjaur, 2½ Std. warten, dann nach Skellefteå, 1 Std. warten, weiter nach Skelleftehamn und um 19:00 zu Hause.

„Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht
und mach dann noch ‘nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht.“

(Bertold Brecht, Dreigroschenoper)

Zu Hause war ich nämlich um halb eins in der Nacht.

Im Bus nach Arvidsjaur zuckelte ich bequem durch die neu verschneite Landschaft und habe sogar das Kitajaur VildmarksCafé wiedererkannt, in dem ich Pause gemacht habe, als ich 2005 das erste Mal in Nordschweden war. Eine schöne Erinnerung.

Leider hatte ich ja in Arvidsjaur zweieinhalb Stunden Aufenthalt. Der Wartesaal hat geschlossen. Das Café an der einen Straßenecke auch. Bibliothek und Touristbüro ohnehin. Aber ich habe das türkische Restaurant Afrodite gefunden. Dort habe ich nicht nur gutes Essen bekommen, auch die Leute waren total nett und ich konnte die ganze Zeit dort warten, bis der Bus kam.

Die Busfahrt nach Skellefteå war zuerst sehr schön, weil aus einem dunkelblauen Dämmerungshimmel Schnee fiel, der oberhalb der Windschutzscheibe vom Bus angestrahlt wurde. Das sah wirklich schön aus. Dann wurde die Fahrt doch ein bisschen lang, aber um kurz vor halb sechs war ich wieder in Skellefteå.

Um nicht eine Stunde draußen herumzustehen, gehe ich ins Büro, denn dort kann man sitzen und es gibt WLAN. Und dort treffe ich Leif. Ich höre, dass er heute zusammen mit einem Freund groß Geburtstag gefeiert; ich habe wohl eine SMS nicht bekommen. Also bleibe ich in der Stadt, um dann mit über 60 Leuten zu feiern und dabei viele Bekannte und auch Freunde zu treffen. Was für ein großer Zufall und auch Glücksfall, dass ich dabei sein kann.

Ich bin leider ziemlich müde und nehme deswegen den 23:50-Bus nach Skelleftehamn. Und dort freue mich einfach nur, wieder zu Hause zu sein. Der Weg zum Haus ist wieder völlig zugeschneit und es liegen so um 95 cm Schnee im Garten – 20 cm sind also bestimmt in den Tagen, in denen ich weg war, dazu gekommen. Das sieht einfach wunderschön aus.

Und zum Abschluss der kurzen aber ereignisreichen Jokkmokk-Reise noch zwei Fotos, die es nur aufgrund ihres quadratischen Formats nicht in die vorhergehenden Jokkmokk-Artikel geschafft haben. Die Fotos passen natürlich so gar nicht zusammen, aber gerade das illustriert eigentlich den Markt wiederum ganz gut, da dieser eben völlig unterschiedliche Eindrücke auf engstem Raum bietet.