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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Nach Finnland · Teil 1: Universität Oulu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

In Kürze:

Von Freitag früh bis Sonntag Abend war ich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael unterwegs. Unser Ziel war das 800 Kilometer entfernte Joensuu in Finnland, wo am Wochenende die finnischen Meisterschaften im Winterschwimmen stattfanden. Auf dem Hinweg haben wir einen Zwischenstopp an der Universität Oulu gemacht. Dort werden Auswirkungen von Kälte auf den menschlichen Organismus untersucht.

Das Ziel ist, im nächsten Winter auch in Schweden, und zwar in Skellefteå, Meisterschaften im Winterschwimmen auszurichten. Und das ist die erste große Aufgabe des neu gegründeten Vereins „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Fahrt nach Oulu

+++ Wecker steht auf 4:20 +++ 5:30 geht‘s los. +++ die anderen abholen und dann nach Piteå, Luleå, Kalix, Haparanda +++ Inzwischen hell, Außentemperaturen liegen um -30 °C +++ In Finnland weiter nach Kemi +++ Von da bin ich vor acht Jahren mit einem Eisbrecher gefahren +++ erster Stopp Oulu (auf schwedisch Uleåborg) +++

Universitätsbesuch

Cold work action programAn der Universität Oulu sind wir mit Tiina Ikäheimo und Hannu Rintamäki vom Finnish Institute of Occupational Health (FIOH) verabredet. An diesem Institut wird zum Thema Kälte physiologisch und medizinisch geforscht und wir erfahren viel Interessantes über aktuelle Untersuchungen. So gibt es beispielsweise Arbeiten über die hormonellen Veränderungen unter Kälteeinfluss oder dem Einfluss von Kälte auf den Blutdruck. Nach dem Mittagessen führt uns Hannu durch die Labors. Hier gibt es sowohl temperaturgeregelte Wasserbecken als auch eine Kältekammer mit Windmaschine, die man bis auf -45 °C abkühlen kann. Die lasse ich mir das nächste Mal vorbereiten … . Aber es gibt auch eine Wärmekammer, die unter anderem dazu benutzt wird, Probanden wieder aufzuwärmen. (Es ist wohl nur Zufall, dass diese rein wissenschaftlich genutzte Kammer einer Sauna verblüffend ähnlich sieht.) Neben Versuchspersonen werden aber auch Dummys eingesetzt, um beispielsweise Kleidung unter Extrembedingungen zu testen. Diese technisch aufwendigen Figuren können wie Menschen bewegt werden, damit möglichst realistische Ergebnisse erzielen werden können.

Leider war unsere Zeit sehr begrenzt und schon bald saßen wir wieder im Auto, die zweite Etappe vor uns. Ich glaube, Forschung hätte auch was für mich sein können. Zumindest mal ein paar Jahre lang.

Oberflächliches Intermezzo: Von Schweden nach Finnland

  • Ich zahle wieder mit Euro
  • Ich verstehe kein Wort
  • Die Uhr wird eine Stunde vorgestellt
  • Die Landschaft unterscheidet sich aber nicht wirklich

Fahrt nach Joensuu

+++ Weiter über finnische Straßen +++ Zwischenstopp mit Kaffee und Karelischen Piroggen +++ die Sonne geht unter +++ Nicht mehr ganz so kalt +++ Das Hotel: Heruntergekommen, aber gutes Abendbrot und freies WLAN +++ und ein Hotelpianist, der Musik mit Gewalt verwechselt … +++

Gegen acht Uhr abends kommen wir in Joensuu an. Viel sehen wir nicht mehr, denn es ist dunkel und wir sind müde. Wir wissen nur von Jarkko, der aus Finnland stammt, dass „Greater“ Joensuu etwa 120000 Einwohner hat und wir am nächsten Tag nur 500 Meter laufen müssen, denn wir sind – genau wie die finnische Meisterschaft im Winterschwimmen – mitten im Zentrum. Wie praktisch!

Nach Finnland · Teil 2: Winterschwimmmeisterschaft in Joensuu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Besonders gut geschlafen habe ich nicht in dem Hotel. Das lag nicht daran, dass man die Straße so gut hörte und auch das Zimmer war alt, aber OK. Aber irgendein Möchtegernpianist meinte, um halb zwei Uhr nachts auf dem kleinen Yamahaklavier herumdonnern zu müssen. Ich meine, er konnte schon spielen, aber eigentlich nur laut und das mitten in der Nacht. Aber weiter im Text …

Nach einem Frühstück in einem netten Café sind wir leicht verspätet über die Autobrücke zur Flussinsel Niskassari gelaufen. Dort hatte der Wettbewerb schon angefangen. In das Eis auf der runden Bucht war ein rechteckiges Loch mit sieben Bahnen à 25 Meter Länge hineingeschnitten worden. Um das Loch standen bestimmt vierzig Personen mit neongelben Warnwesten. Die haben den Schwimmern beim Entkleiden geholfen oder im Laufschritt die Kleidung zum anderen Ende gebracht, damit dort die Schwimmer sich schnell wieder ankleiden konnten. Sie haben mit langen Harken das Eis von der immer wieder anfrierenden Wasseroberfläche entfernt oder mit roten Fahnen signalisiert, wann die Schwimmer so weit waren. Am Rand standen auch zwei Taucher, die aber zum Glück keine größeren Rettungsaktionen durchführen mussten.

Der Wettbewerb geht im Grunde so von statten: Wenn alle Schwimmer am Start sind, wird das Kommando „Riisukaa vaatteet“ – das heißt „Zieht Euch aus“ gegeben. Sind alle fertig, kommt „Veteen“ – das heißt „Steigt ins Wasser“. Das letzte Kommando heißt „Paikoillenne“ und bedeutet, „Auf Eure Plätze“. Direkt danach wird der Startschuss gegeben.

Was mir gefällt ist, wie gemischt die Teilnehmer sind. Manche sind athletisch gebaut, die meisten nicht. Die Hälfte sind Frauen, die Hälfte Männer. Viele Teilnehmer sind über 60, der Älteste war 86.

Jeder Teilnehmer ist verpflichtet Mütze (und natürlich Badehose oder -anzug) zu tragen. Handschuhe oder Socken sind nicht erlaubt. Die Schwimmart ist Brustschwimmen, wobei der Kopf nie ganz untertauchen darf. Vor allem bei den Mützen leben die Schwimmer Ihre Kreativität aus. Wer außerhalb des Wettbewerbs teilnimmt, ist an diese Regeln nicht gebunden und wer keine 25 Meter schwimmen möchte, kann auch einfach einmal ins Wasser eintauchen. Ich hatte eine gute Ausrede: Fotografieren. Aber nächstes Jahr will ich zumindest mit ins Wasser.

Mikael (links) und Jarkko (rechts) haben es sich nicht nehmen lassen, 25 Meter zu schwimmen. Tapfer! Danach haben sie es sich, wie manche anderen vor ihnen, im warmen Wasser des Hot-Tubs gut gehen lassen.

Der neu gegründete Verein „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“, dem ich quasi schon angehöre, möchte das Winterschwimmen auch in Schweden populär zu machen und hat sich zur Aufgabe gesetzt, im nächsten Winter die erstmalig schwedische Meisterschaften auszurichten – natürlich in Skellefteå. Das Feedback der finnischen Organisatoren, mit denen wir nach dem Wettbewerb und abends gesprochen haben war ausgesprochen positiv und uns wurde umfangreiche Hilfe zugesagt neben dem Tipp, dass 2015 ein tolles Jahr sei, um nordische oder auch europäische Meisterschaften auszurichten. Zum Glück ging das alles auf schwedisch oder englisch, denn außer Jarkko spricht keiner von uns finnisch bis auf Worte wie beispielsweise „Kitoos“ für „Danke“.

Abends fand dann eine Gala statt. Es war glaube ich die erste Gala, bei der ich war, ohne selber Musik zu machen. Erstaunlich: Kaum erklingen zwei Noten Musik, schon ist das Parkett voll tanzender Finnen. Und die Musik ist wirklich melancholischer als auf deutschen Galas. Ja, und es gab auch finnischen Tango.

Währenddessen hatten einige draußen Nachtschicht: Die ganze Nacht muss das Wasser immer wieder von Eis befreit werden. Wir sind um elf wieder ins Hotel gegangen und haben dort noch einige Zeit gesessen. Dabei haben wir dann beschlossen, nicht am Montag, sondern direkt nach den letzten Wettkämpfen am nächsten Tag zurückzufahren.

Nach Finnland · Teil 3: letzte Winterschwimmwettkämpfe

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

Der nächste Morgen war kalt. Am Flugplatz wurden -29 °C gemessen und bei meinem kleinen Morgenspaziergang fühlte es sich in der Stadt auch nicht wärmer an und ich war über meinen Parka froh. Ich bin ein paar Meter am Fluss Pielisjoki entlanggelaufen, habe unter der Brücke die netten Streetart-Holzobjekte gefunden und bin dann mehr zufällig auf einem Platz mit Schnee- und Eisskulpturen gelandet. Dann bin ich zum Packen ins Hotel zurückgekehrt.

Wir haben dann in einem Hotel gefrühstückt, aber es war sehr schwer, in diesem riesigen, von Treppen, Türen, Korridoren und Fahrstühlen durchzogenen Komplex den Frühstücksraum zu finden und wir waren nicht die einzigen, die sich verlaufen haben. So sind wir ein bisschen verspätet zu den letzten Wettkämpfen gekommen.

Dieses Mal war die Wettkampf Staffelschwimmen (heißt das so?) mit vier Teilnehmern pro Team. Das Wasser hat vor Kälte gedampft und sehr gemütlich sah das ganze nicht aus. Plötzlich (man versteht ja nichts von den finnischen Ansagen) zogen die warnwestenbekleideten Helfer die Schnüre heraus, die die Bahnen trennen, die Taucher verschwinden, das Publikum ist wie vom Erdboden verschluckt und wir stehen halb alleine da. Der Wettbewerb war vorbei. Das ging aber schnell … vielleicht der Kälte wegen. Wir sind aber nicht böse, denn vor uns liegen 800 Kilometer Fahrt durch halb Finnland und ein Stück Schweden und so kommen wir schon eine Stunde eher als geplant los. Um halb elf bin ich zu Hause und froh, mich wieder bewegen zu können, denn für fünf Personen war der kleine Mitsubishi ganz schön eng auf der langen Fahrt.

(Die ganze Zeit war der Himmel blau und wo fängt es an zu schneien? Richtig, kurz vor Skellefteå. Auf meinem Grundstück lag dann auch 10 cm fluffiger Neuschnee auf dem Weg.)

Noch einige Impressionen vom zweiten Wettkampftag der finnischen Meisterschaft im Winter­schwimmen. Ohne große Bearbeitung und Reihenfolge.

Roadtrip

Am Wochenende sind Delle und ich mit seinem Auto losgefahren. Einfach in Richtung Norden. Und es ist schon spannend, was man alles sieht, auch wenn man vorher rein gar nichts geplant hat.

Stopp: Trundön, eine kleine Halbinsel nördlich von Piteå.

Beim Anhalten wurden wir direkt gefragt, ob wir zum Fischen hier sind. Aber nein, ich wollte bloß das Seeungeheuer fotografieren, was gerade im Meer bei Trundön aufgetaucht ist.

Stopp: Vogelschutzgebiet

Von dem Beobachtungsturm hatte man einen schönen Blick auf die Feuchtgebiete. Schade, dass alles ein bisschen im Nieselregen hing.

Stopp: Traktormuseum in Svartbyn bei Överkalix

Wenn man absichtlich ein Museum besucht, dann hat man ja immer schon eine gewisse Erwartungshaltung. Aber wenn man einfach im Auto in Reichtung Norden fährt und plötzlich stehen hundert alte Traktoren und andere Maschinen auf einer Wiese geparkt, dann ist man schon überrascht. Auch hier haben wir angehalten und uns die vielen Exponate angeschaut. Manche Traktoren sahen mit ihren seitlichen Scheinwerfern aus, als kämen sie aus einem Walt-Disney-Film.

Stopp: Einkaufen

In Överkalix wollten wir einkaufen. Aber sowohl ICA als auch Coop hatten schon um 17:00 geschlossen. Für mich ist das ungewohnt, hier haben auch die kleinen Läden wesentlich länger geöffnet. Aber es gab eine Tankstelle, die gut darauf eingerichtet war, dass Menschen auch nach fünf Uhr noch Hunger bekommen und Essen kaufen wollen.

Stopp: Polarkreis

In Näsberget am Kalixälven haben wir auf einer kleinen Schotterstraße den Polarkreis überquert.

Stopp: Jockfall

Dann haben wir den Fluss am Jockfallet überquert. Dieser Wasserfall war auch bei wolkigem Himmel und schon leichter Dämmerung sehr beeindruckend.

Stopp: Übernachtung

Auf einem Schotterplatz unweit des Kaartiskajärvi – also mitten in der Pampa – haben wir das Auto geparkt und zum Schlafraum umgebaut. Ich war wirklich überrascht, wie viel Platz in einem Opel Omega ist. Man kann mit zwei Personen bequem und ausgestreckt liegen und ich habe ziemlich gut geschlafen, auch wenn ich am nächsten Morgen früh wach war.

Stopp: Polarkreis

Am nächsten Tag sind wir in Richtung Osten gefahren und haben an der schwedisch-finnischen Grenze in Juoksengi den Polarkreis überquert. Hier führt auch im Winter eine Skooterspur nach Finnland über den Fluss Torneälven. Ein paar Meter weiter südlich des Polarkreises waren herrliche Granitfelsen am Ufer mit Blick auf eine zerklüftete Felseninsel mitten im Fluss.

Stopp: Fjällräven Outlet und Frasses

In Övertorneå haben wir den Fluss überquert und sind in Finnland bis zur Grenzstadt Tornio gefahren. Nach eh wir einmal finnischen Boden betreten konnten, waren wir – wupps – in Haparanda und damit wieder auf schwedischem Boden. Dort habe ich in Ruhe im Fjällräven-Outlet-Store gestöbert und anschließend waren wir in Frasses, einer Hamburgerkette essen. Frasses Haparanda ist die einzige mir bekannte Hamburgerbar mit Kronleuchtern.

Stopp: Storön

Wieder eine Stelle an der Küste, dieses Mal von Fischerei geprägt. Ich habe allerdings keine Ahnung, was mit diesen monströs-großen Aalreusen gefangen wird. Ich habe sie mal Walreusen getauft. Das war unser letzter Stopp, denn das Wetter war eher bescheiden und es zog uns nach Hause.

Jetzt habe ich nur über einige Stopps geschrieben und nicht über die etwa 1000 Kilometer Fahrt dazwischen. Es war eine schöne Rundtour, aber wir waren dann auch froh, wieder zu Hause zu sein.

Drei Länder in 14 Tagen oder eine neue Anreisevariante nach Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Christina Tüschen.

Ein Anruf im Januar 2012: Olaf, ich bin im Juni in Tallinn, da könnte ich doch mal eben … vorbeikommen.
Kein Problem.

In Tallinn verbringe ich 5 wunderbare Tage mit meinem Chor, dann fahre ich mit der Fähre zu einer 2-Tages-Besichtigung nach Helsinki. Von dort geht es weiter mit dem Zug nach Tampere, wo ich eine finnische Freundin nach 10 Jahren wiedersehe und das Muminmuseum besuche. Dann wieder mit dem Zug nach Vaasa, wo ich schließlich die Fähre nach Schweden besteige. Trotz Vorwarnung meine ich mit dem schweren Rucksack die Strecke zwischen Bahnhof und Fährhafen zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Nach 14 Stunden (reiner Reisezeit von Tallinn gerechnet) und einer Zeitumstellung komme ich mitten in der Nacht in Umeå an. Aber was heißt mitten in der Nacht. Es ist noch so hell, dass man „auf der Straße Zeitung lesen kann“ (Ein Zitat meiner Großmutter, die Ende der 60er Jahre hier im Norden war). Und diese Helligkeit führt dazu, dass ich, die ich sonst gegen zehn Uhr müde werde, locker bis 3 Uhr nachts wach bleibe.

Die zwei Tage Creative Summit sind intensiv, interessant und „givande“, ich nehme viel mit, danke dafür! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir (wie Olaf) Jonathan Harris. Sein Vortrag und die Ausstellung haben den Schubs gegeben, begonnene eigene Projekte fortzuführen.
Toll ist es auch Olafs Freunde und Arbeitskollegen kennen zu lernen, auf dem Dach von 10 Merchant Street die Sonne untergehen zu sehen und wieder richtig in die schwedische Sprache einzutauchen.

Drei wunderschöne Ferientage folgen, das sonnige Wetter hält sich – wie auf Bestellung. Für mich verlängert sich bei dieser Reise der Frühling, prima zu sehen am Flieder, der in München schon am Verblühen war, in Helsinki in voller Blüte stand und in Olafs Garten gerade erst loslegte.

Da ich zuletzt vor anderthalb Jahren hier war, habe ich den direkten Vergleich zur Midvinter-Zeit, mit viel Schnee, Eis und Dunkelheit. Da wo wir jetzt baden, haben wir damals unsere Winterwanderung auf der zugefrorenen Ostsee begonnen und ich habe ein Bild zu dem Begriff Packeis bekommen. Wo wir jetzt Bockkäfern bei der Eiablage zusehen, haben wir auf dem zugefrorenen See Kubb gespielt. Und um 14 Uhr, wo wir uns jetzt den ersten Sonnenbrand holen, ging im Winter schon die Sonne unter.

Verrückt und schön diese Gegensätze.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Besuch, mal eben, egal zu welcher Jahreszeit.

Und sonst: Wecken mit Klaviermusik – ein Musikhörnachmittag, fast wie ein Mixtape aus früheren Zeiten – Baden bei 15 Grad und etwas weniger – zur Beatles-Coverband auf den Felsen rocken – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – zwischen großen Steinen ein Kajak rückwärts ausparken – Flugübungen mit dem Kleinen Gelben Monster – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – Marienkäfer-Umsiedelung auf Blattlausrosen – Enten mit Punkfrisur heißen Gänsesäger (ja, Reisen bildet).

Vor zehn Jahren: Das erste Mal Lappland

Heute habe ich eine kleine Reise in die Vergangenheit gemacht und ein paar Fotos von meiner ersten Reise in den Norden gescannt. Damals, vor zehn Jahren wollte ich einen richtigen Winter erleben und bin deswegen im Januar und Februar 2003 zwei Wochen nach Meltosjärvi in Finnisch-Lappland gereist. In Loma Vietonen habe ich eine kleine, schöne Unterkunft gefunden und das erste Mal Polarlicht gesehen, das erste Mal einen Meter Pulverschnee erlebt, das erste Mal bei Temperaturen unter -30 °C auf dem dick zugefrorenen See „Iso-Vietonen“ gestanden. Danach war es um mich geschehen und ich bin jeden Winter wieder in den Norden gefahren, wenn es ging zwei Mal. Bis ich vor knapp drei Jahren hierher gezogen bin. Jetzt könnte ich von hier aus in viereinhalb Stunden mit dem Auto nach Meltosjärvi fahren.

Morgens Frühstück – ich lerne A. und H. kennen, die leider am gleichen Tag fahren. Eisfischen mit A. und H. Keiner fängt etwas. Das Eis ist ca. 60 cm dick. Darauf 40 cm Schnee, allerdings zwischen Eis und Schnee viel Wasser. Ich muss zu Hause die vereisten Schnürsenkel mit Wasser auftauen, um die Stiefel auszuziehen. […]

Tagebuch, 26. Januar 2003

Ein paar Tage später: Obwohl der Ausflug sehr teuer war, habe ich mich spontan entschlossen, mit nach Kemi zu fahren um dort mit dem Eisbrecher Sampo einen Ausflug zu machen. Was für ein Erlebnis, das erste Mal auf der Ostsee zu stehen. Und das erste Mal im Eis zu baden, allerdings mit einem dicken, knallorangefarbenen Überlebensanzug. Der wurde danach abgespült, denn es war so kalt, dass der Reißverschluss sofort einfror.

[…] Ich bin fast nur draußen. Man hört das Eis brechen und fährt durch das Weiße. 12:30 Führung durch das Schiff. 5000 Tonnen schwer. Bricht Eis mit Gewicht. Um 1960 gebaut. […] Wieder draußen. Das Schiff wendet und fährt zur Stelle, wo die Schneemobile stehen. Es ist windig (Chill ± -40°C) und habe das Vordeck für mich alleine. […]

Tagebuch, 30. Januar 2003

Ein besonderes Erlebnis war es, auf dem Eis zu dem Bug des Schiffes laufen zu können und das Schiff vom Wasser aus von vorne fotografieren zu können.

Wenn Ihr Euch übrigens über meine Handhaltung auf dem Foto wundert: Ich hatte gerade die Handschuhe für ein Foto ausgezogen, dann haben mich andere gefragt, ob sie mich fotografieren sollten. Dafür wollte ich mich am Poller (heißt das so?) abstützen und bin zurückgezuckt, weil das Metall schweinekalt war. Knips!

Überhaupt war es manchmal ganz schön kalt. Ich erinnere mich an einen Tag mit einer Höchsttemperatur von -29.5 °C. Ich habe mit zwei Franzosen einen langen Spaziergang gemacht und so ziemlich jedes Auto hat angehalten und wir wurden gefragt, ob wir Hilfe bräuchten.

[…] Die letzten Tage waren so kalt, dass Brauen und Wimpern gefrieren. M. und R. sehen wüst aus. Auch auf ihren Wangen wächst das Eis. Mein Mundschutz ist komplett gefroren und steinhart. Ebenso Teile der Balaclava und der Handschuhe.[…] Morgens 5 km-Runde Langlauf. Die Nacht war extrem kalt und der Schnee ist so harsch, dass die Skier gar nicht gleiten. […]

Tagebuch, 31. Januar / 1. Februar 2003

Als ich eine halbtägige Hundeschlittentour gemacht habe, war es aber wesentlich wärmer. Die Tour war relativ ruhig, da den „Touristenhunden“ es völlig schnurz war, was ich da hinten gemacht habe, sie sind einfach dem Vorderschlitten hinterhergelaufen.

[…] Hophop heißt los und Slèi(t) heißt stopp, dazu muss man die Bremse treten. Die Hunde beim Start werden immer aufgeregter, bellen, winseln, heulen. […] Die Route durch die tief verschneiten Wälder ist wunderschön. Teile der Strecke kenne ich schon vom Skilaufen. Angekommen, macht der Führer Feuer und Kaffee (halb Wasser, halb Pulver). […] Die Hunde haben sich mit mir abgefunden. Wenn ein Hund im Tiefschnee ist, ist er fast nicht mehr zu sehen. Es schneit die ganze Zeit und ein kühler Wind bläst. […]

Tagebuch, 3. Februar 2003

Nach zwei Wochen mit vielen Erlebnissen viel es mir schwer, mich wieder an die Stadt Essen zu gewöhnen, doch nach ein paar Tagen war ich wieder im Alltag der deutschen Großstädte angekommen. Ich glaube, dass ich heutzutage ein Vielfaches länger bräuchte, aber da ich momentan keine Umzugspläne nach Deutschland habe ist das eigentlich ziemlich egal.

Kamera: Yashica, 35mm Zeissobjektiv (ich glaube, eine T5). 10 35er-Filme Fujicolor Superia(?) ISO 200.

Skelleftehamn—Skibotn: Autoreise mit Tücken und Mücken

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Gestern um halb eins bin ich gestartet, mit vollem Tank und vollem Kofferraum. Von der ersten Etappe gibt es nicht viel zu berichten: Die E4 bis Haparanda, das sind 260 Kilometer Strecke machen, um in Gang zu kommen. Innerhin sind es 1172 Kilometer bis Kabelvåg auf meiner gewählten Route.

Erster Halt: Kukkola

Stromschnellen im Torne älv, eine alte Wassermühle, Wohnwagen, Eis, blauer Himmel. Touristisch, aber schön.

Ein alter Steg – nur für Fischer (und Fotografen?)

Kleines BlockhüttchenHolzgetriebe in der alten Wassermühle

Zweiter Halt: Hietaniemi

Hüben Schweden, drüben Finnland, dazwischen der breite Torne älv. Ein Pärchen lässt Steine springen. Von Övertorneå bis Pello werde ich auch auf der finnischen Seite fahren.

Eine internationale Fähre fürs ViehBlick über den Torneälven

Letzter Halt des Tages: Kaunisjoki Rastplats, 20 km nördlich von Pajala

Alles ist klar für die Nacht: Ich habe noch einmal voll getankt und werde langsam müde. Viertel vor zehn sehe ich einen leeren Rastplatz mit Grillhütte. Einmal durchfegen und fertig ist mein Übernachtungsdomizil. Ich breite Isomatte, Schlafsack und Kopfkissen aus und hole als nächstes eine Jacke und die Wathose aus dem Kofferraum. Ich möchte die schönen Hütten im späten Abendlicht vom Nahen fotografieren, aber der Untergrund sieht sehr nass aus. Ich mache den Kofferraum zu und kurze Zeit später höre ich

* klack *

Sch****, denke ich! Und meine Befürchtungen bewahrheiten sich: Leicht übermüdet habe ich den Autoschlüssel im Kofferraum abgelegt. Da liegt er schön sichtbar. Vorne war das Auto schon abgeschlossen, der Kofferraum schließt automatisch und der Ersatzschlüssel ist im Kamerarucksack, denn den nehme ich immer als erstes raus. Außer dieses Mal, da liegt der Rucksack auf dem Beifahrersitz!

Da stehe ich nun: Zehn Uhr Abends, mitten in der Pampa an der leeren Straße 99. Und mein Auto lässt mich nicht rein.


Wie ging es weiter:

  • Ich habe mein Handy und Empfang. Ich rufe einen Freund in Delmenhorst an, der mir Mut macht: Pappendienst kann so was.
  • Ich rufe die Versicherung an
  • Die hört sich meine Panne an und lacht mich nicht aus, wie schön
  • Ein paar Minuten später ruft mich ein Pannendienst aus Övertorneå an
  • Er wird kommen, um mir zu helfen, braucht aber anderthalb Stunden, bis er da ist
  • Ich warte, mache ein paar iPhonephotos, habe Durst und sehe dem Sonnenuntergang zu
  • Gut geschätzt: Anderthalb Stunden später ist der Pannendienst da
  • Keine zwei Minuten braucht er, um die Fahrertür mit Keil und Luftdruck aufzuhebeln …
  • … und mit einem Haken die Fahrertür zu entriegeln
  • Ich bin so erleichtert, ich sah mich schon mit großen Steinen wahllos Autoscheiben zerdeppern
  • Der Pannendienst bekommt meine Unterschrift und macht sich auf den Rückweg: Wieder 130 Kilometer

So viel zu den Tücken einer Autoreise. Die Mücken kamen etwas später, sie umsummten mich freudig die ganze Nacht, als ich in der Grillhütte übernachtet habe.

Resumé: Eigentlich ist das Ganze gut gelaufen: Ich hatte Handy und Empfang. Ich hatte sogar Schlafsack und Isomatte. Es hat nicht geregnet, es gab keinen Schneesturm. Der Pannendienst war schnell da. Und – Luxus! – ich hatte eine Hütte vor Ort, was will man mehr.

(Mäkel-Olaf: Was will man mehr: die Kamera und Stativ! Es war so tolles Licht!)
(Ein anderer Olaf: Haha, das sagst Du nur, weil im Fotorucksack der Ersatzschlüssel gewesen wäre. Depp!)
(Mäkel-Olaf: Selber Depp!)

Hier noch ein paar Bilder von der Nacht:

Rosa Wölkchen (Bravo, iPhone!)

Mitternachthimmel über der Straße 99Bäumchen im nächtlichen Nebel

Und vom Morgen:

Meine Übernachtungshütte – eigentlich zum Grillen gedacht


Noch ein paar Bilder von heute. Stichworte: Rentiere – Bootsfahrt – Dreiländereck – Weite Sumpfflächen – Moltebeeren – Regen – Skibotn – Gletscherblick – Zimmer mit Dusche und WLAN.

Ein Rentier kommt mir entgegenKaresuando: Links Finnland, rechts SchwedenMeine ersten Moltebeeren (Mjam!)Ziel für heute erreicht: Das norwegische Skibotn

Von der Bootsfahrt und dem Dreiländereck (Treriksröset) schreibe ich später einmal. Vielleicht …

Fotonotizen: Das Display vom MacBook Pro ist nicht zu dolle. Je nachdem, aus welchem Winkel man schaut, ändern sich Farben und Kontrast. Daher werden einige Fotos mehr oder weniger daneben sein. Überrascht hat mich das iPhone mit seinem Rosa-Wolken-Bild. Ich habe in Photoshop noch minimalst nachbearbeitet, aber das Original ist schon überraschend gut.

264.3

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

264.3, das zeigte mein Kilometerzähler an, als ich heute das Auto nach vierzehn Tagen und einigen Stunden Reise wieder auf meiner Einfahrt abstellte. Das ist allerdings ein bisschen untertrieben, denn in Wirklichkeit bin ich 2264,3 Kilometer gefahren:

Skelleftehamn (S) – Haparanda – Övertorneå – Pello (FIN) – Pajala (S) – Karesuando – Kilpisjärvi (FIN) – Skibotn (N) – Gryllefjord – ⚓ – Andenes – Kabelvåg – Fiskebøl – ⚓ – Melbu – Haukenes/Stokmarknes – Riksgränsen (S) – Gällivare – Solberget – Vuottas – Råneå – Skelleftehamn. Die mit ⚓ markierten Strecken sind Fähren.

Das war eine richtig schöne Tour, auch wenn ich froh bin, wieder zu Hause zu sein, denn lange Autofahrten alleine liegen mir nicht so. Vor allem in Norwegen finde ich das Auto fahren nicht leicht.

Autofahren in Norwegen

Kennt Ihr die Schilder 105 Doppelkurve und 120 Verengte Fahrbahn? Diese Schilder gibt es in Norwegen zu Hauf, bevorzugt wenn man bebautes Gebiet verlässt und wieder 80 fahren darf. Ich muss immer lachen, wenn ich die Schilder sehe, denn ich finde, dass in Norwegen fast alle Straßen eng und kurvenreich sind und man die beiden Schilder eigentlich nur einmal an der schwedisch-norwegischen Grenze aufstellen müsste.

Oft schaffe ich es aber gar nicht, 80 zu fahren, denn ich kenne die Strecke nicht. Und selbst wenn ich 80 fahre, habe ich meistens eine Schlange norwegischer Autos hinter mir an der Stoßstange kleben. Sie wollen alle schneller fahren, obwohl auch kleine Geschwindigkeitsübertretungen in Norwegen sehr teuer sind, denn da ist man schnell 500 Euro oder mehr los! Lustigerweise nutzen die Norweger oft keine geraden Strecken, um mich zu überholen, sondern die seltsamsten und meiner Meinung nach gemeingefährlichen Kurvenabschnitte. Im Straßenverkehr scheinen mir die Norweger wesentlich ungeduldiger als die Schweden zu sein – aber – gehupt wird auch hier nicht.

Autofahren in Schweden

Im schwedischen Inland sind es meistens die Rentiere, die den Verkehr bremsen. Ich habe irgendwann aufgehört, die Rentiere auf der Straße zu zählen, aber vier Typen von Rentieren im Straßenverkehr ausgemacht:

  • 1. „Waldflüchter“ – Die Rentiere springen direkt seitlich in den Wald. Sehr praktisch
  • 2. „Blockade“ – Die Rentiere stehen auf der Straße und glotzen. Erst wenn man sie fast mit der Stoßstange berührt, gehen sie leicht widerwillig zur Seite
  • 3. „Marathon“ – Die Rentiere galoppieren lange Strecken auf der Straße vor einem her und lassen einen weder links noch rechts vorbei, ehe sie schließlich seitlich in den Wald springen
  • 4. „ABC-Schütze“ – Die Rentiere laufen einem im Gänsemarsch auf der linken Straßenseite entgegen und laufen gesittet weiter. Vorbildlich, aber selten

Auch wenn mir die Autostrecken manchmal lang geworden sind, hat es doch Spaß gemacht, die vielfältigen Eindrücke der Fahrt in sich aufzunehmen und zu erleben: Die tiefen Nadelwälder, die klaren blauen Seen, die weiten gelbgrünbraunen Moore, die runden Hügel, das kahle schwedische Fjäll, die kleinen Bäche und die großen Ströme, die verschneiten und vergletscherten norwegischen Berge, die sich tief ins Land einschneidenden Fjorde. Die Kiesufer, die weißen Sandstrände mit türkisblauem Wasser, die losen Birkenwäldchen, die Wiesen und Weiden, die kleinen Tümpel. Die großen Brücken, die schönen Uferstraßen, die kleinen weißen Kirchen, die roten Fischerhütten, die kleinen Boote, die großen Schiffe. Nur die Tunnel find ich doof: Sehr eng, düster und langweilig. Aber speziell auf den Lofoten geht es nicht ohne sie.


Die nächsten Tage werde ich Artikel über die Lofoten und über die Vesterålen schreiben. Heute zeige ich nur zwei Fotos von Solberget, wo ich – wie so oft – Zwischenstopp gemacht habe, um Dirk und Silke sowie Jochen zu besuchen. Eines habe ich gemacht, als Jochen die Rentiere gefüttert hat, das andere hat Jochen gemacht, als der riesige Hund Odin sich von mir streicheln und kraulen ließ. Danke, Jochen, für das schöne Foto!

Abendliche RentierfütterungOdin und ich (Foto: Jochen)

… und noch ein Foto, welches ich jedes Mal machen möchte, wenn ich die schöne alte Hütte/Scheune kurz hinter der Polcirkeln-Hütte sehe. Heute bin ich endlich mal ausgestiegen und habe ein Foto gemacht:

Hütte im Moos

Ein Schloss aus Schnee und Eis

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.


Sonntag mittag: Nach unserer Fahrt mit dem Eisbrecher ging es mit dem Bus weiter nordwärts. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Luleå fuhren wir weiter zum nächsten Halt Törehamn. Auf der Fahrt bemerkte ich, dass mein Stativ weg war. Das verdarb mir doch ein wenig die Laune, nicht nur weil das Ding teuer war, sondern auch, weil ich nicht wusste, wie ich den Rest der Reise fotografieren sollte. Aber – det ordnar sig – wie man hier sagt. Zum einen hatte ich noch ein Einbein dabei, zum anderen wurde das Stativ gefunden und ich konnte es am Dienstag bei der Rückreise in Piteå abholen.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja: Törehamn. Von diesem Ort hatte ich noch nie etwas gehört. Seglern hingegen ist er geläufig, da dort eine Boje die nördlichste Stelle der Ostsee markiert und es dazu gehört, diese Boje zu umsegeln. Wir sind brav um die Boje herumgelaufen und haben dann noch ein Gruppenfoto gemacht. Danach gab es erst den berühmt-berüchtigten Surströmming zum Probieren, aber wenn man nicht dabei war, wie die Dose mit der stinkenden Lake geöffnet wird, kann ich die Verköstigung nicht ganz ernst nehmen, denn das gehört einfach mit dazu. Drinnen durften wir dann noch Leckereien mit Fischrogen – einer lokalen Spezialität – und mit Rentierfleisch probieren. Da es recht spät war und wir noch kein Mittagessen hatten, waren die mundgerechten Happen mehr als willkommen.

Die Boje bei TörehamnGruppenfoto (Foto: unbekannt)Surströmming schnuppern„Rom“ – Fischrogen

Dann ging es weiter nach Haparanda/Tornio. Haparanda liegt in Schweden, Tornio in Finnland. Andere Währung, andere Sprache, andere Zeitzone. Wir haben dort aber nur den Busbahnhof, ein Grenzschild und das Einkaufszentrum zu sehen bekommen und ich habe auf das Fotografieren verzichtet. Da war der nächste Halt schon interessanter:

Das Eisschloss in Kemi. Dort war ich 2003 schon einmal und fand es damals ein bisschen langweilig. Inzwischen hat man das Eisschloss aber wesentlich weiterentwickelt und die Skulpturen aus Schnee und aus Eis sind wirklich sehenswert. Hier bekamen wir ein spätes Mittagessen und hatten viel Zeit, uns in Ruhe umzuschauen.

Eisskulptur am Eingang

Das Eisschloss in KemiBlaue EishalleDie EiskapelleRestauranttisch

Schneerelief

Die HochzeitssuiteIch pose am „Kamin“ – Foto: Muriel Françoise

Aber der Tag war noch nicht zu Ende: Wir fuhren weiter nach Oulu, wo wir auch den nächsten Tag verbringen sollten. Auf dem Programm stand erst die Finnische Dampfsauna, die nicht so heiß, aber sehr feucht ist, da ständig wieder Wasser auf den Ofen gegossen wird. Da Frauen und Männer getrennt saunieren gingen, gab es das Abendbrot erst um elf Uhr. Aber das war es wert!

Timo KinnunenIm Programm stand etwas von Akkordeonmusik und ich war sehr gespannt, ob wir eher finnischen Tango oder Schunkelwalzer zu Gehör bekommen werden. Beides falsch. Nach einem hervorragenden Vor- und Hauptgericht spielte uns Timo Kinnunen erst einige romantische Stücke, dann eine barocke Komposition und als Höhepunkt „Dinosaurus“, eine Avantgarde-Komposition von Arne Nordheim mit Zuspielung vom Band. Meiner Meinung nach mit die beste Musik, die ich je zu einem Abendessen geniessen durfte, auch wenn meine Begeisterung nicht von allen geteilt wurde. Ich hoffe, Timo auch mal in einem regulären Konzert erleben zu dürfen, denn er ist ein herausragender Musiker, spielt viel improvisierte Musik in Berlin und ist Professor an der Musikhochschule in Oulu.

Ein wirklich schöner Abend, aber dennoch war ich froh, als ich endlich ins Bett fallen durfte, denn dieser Tag war lang. Morgen würden wir als erstes eine Fahrradtour unternehmen …

Hailuoto

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.

Oulu: Skulpturen am RathausOulu: finnische Spezialitäten in der Markthalle

Einfach ein FahrradMontag morgen: heute stand eine Fahrradtour auf dem Programm. Oulu, die größte Stadt in Finnlands Norden, hat über 600 Kilometer Radweg und es ist völlig normal, auch im Winter Fahrrad zu fahren. Ob als Student zur Uni oder auch von Meeting zu Meeting. Eine kleine Gruppe von uns ist mit einem Fahrradguide und einer Stadtführerin dann vom Hotel zur Innenstadt geradelt. Man schaue sich das Rad des Fahrradguides an: Keine Handbremse, keine Gangschaltung, einfach ein Fahrrad. Das wäre in Deutschland vermutlich unvorstellbar. Es ist schön, eine Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden. Man ist viel näher dran und es ist viel einfacher, kurz anzuhalten und sich umzuschauen als bei einer Stadtrundfahrt mit Bus. Leider hatten wir aber wenig Zeit, denn unser heutiger Plan galt der Insel Hailuoto, einer ganzjährig bewohnten Insel, die über eine kostenlose Fähre an das allgemeine Straßennetz angebunden ist.

Da ich aber eine dicke Kamera in der Hand hatte und Fotos machen sollte, durfte ich mit einigen anderen das Luftkissenboot der Küstenwache benutzten, um zur Insel herüberzuhovern. Das geht um einiges schneller als die Fähre und es war spannend, mal in so einem Fahrzeug drinzusitzen. Bloß mit den Fotos – auch an diesem Tag war es grau und trüb und dementsprechend sehen die Fotos aus.

Das Luftkissenfahrzeug der Küstenwache

Auf dem Weg nach HailuotoDer Antrieb: ein großer PropellerVor uns die AutofähreAngelegt

Großer Reichtum ist mir nicht sonderlich wichtig. Aber sollte mir ein Blogleser mal ein paar Millionen schenken, dann könnte ich mir vorstellen, ein Luftkissenfahrzeug zu kaufen. Ein verlockender Gedanke, das ganze Jahr auf der Ostsee unterwegs sein zu können, unabhängig von der Eislage. Aber verlassen wir meine etwas dekadenten Gedanken und kehren zur Insel Hailuoto zurück, wo bald auch unser Reisebus mit der Autofähre ankam.

Die erste Aktivität: Eisfischen. Davor gab es Suppe und natürlich Kaffee. Dann ging es mit Sampo, dem Eisfischer aufs Eis hinaus zu seinen unter dem Eis hängenden Netzen.

KaffeepauseSampo auf dem Weg zum Fisch

Sampo ist ein geborener Entertainer. Er strahlt in die Kamera, verbreitet direkt gute Laune und ist sich nicht zu schade, sein inniges Verhältnis zum Fisch auf seine eigene Weise zu präsentieren.

Sampo Marjaniemi

Viele Fische sind ins Netz gegangenFischen hinter dem selbstgebauten WindschutzEin Teil des heutigen Fanges

Fischkuss

Dann ging es weiter nach Marjaniemi, einem kleinen Fischerstädtchen, welches bestimmt fotogener wäre, hätte man nicht auf die Mole drei dicke Windräder gebaut und den Radarturm direkt neben den Leuchtturm. Wenn dann zudem noch der Schnee schmilzt, kann der Ort ganz schön trübe aussehen aber immerhin kam – irgendwo draußen am Horizont – ein bisschen die Sonne heraus und zauberte zum ersten Mal auf der ganzen Reise ein kleines bisschen Farbe an den grauen Himmel.

MarjaniemiMarjaniemiEine Außentoilette?Ein Hauch von Sonnenlicht

Weiter draußen auf dem Ostseeeis konnte man Eiswälle sehen, die ich liebend gerne fotografiert hätte, aber wir hatten nur eine halbe Stunde, denn die Autofähre wartet nicht auf uns.

Ich habe wieder nicht die Fähre genommen, sondern bin mit dem Auto mitgenommen worden. Denn wenn das Eis 40 cm beträgt, wird eine Straße auf dem Ostseeeis markiert. Mit Verkehrsschildern und allem. Man tut gut daran, sich an die Tempolimits zu halten, denn auch an der Eisstraße gibt es Radarkontrollen. Diese Fahrt war ganz schön hoppelig, denn das Tauwetter hat das Eis weich werden lassen. Und wir sind durch so manche Riesenpfütze gerollt, die letzte so groß, dass die Bugwelle kübelweise Wasser auf die Windschutzscheibe geworfen hat.

Die Eisstraße nach HailuotoEisstrasse im Gegenlicht

Wir haben noch einen Abstecher nach Liminka gemacht, wo sich ein großes Vogelschutzgebiet mit einem Beobachtungsturm und einem sehr schönen Museum befindet und sind dann wieder nach Oulu gefahren. Nach einer kurzen Pause gab es noch ein abschließendes Dinner. Während die meisten danach noch in eine Bar weitergezogen sind, hat mein Hotelbett laut nach mir gerufen und eine Taxifahrt später war ich im Hotel und bald auch schon am Schlafen.

Am Folgetag sind die meisten Journalisten zurück in ihre Heimatländer geflogen, während wir aus Skellefteå mit dem Bus zurückgereist sind.

Fazit: Eine schöne intensive Reise mit netten Leuten und fürchterlichem Fotowetter. Ein, zwei Programmpunkte weniger hätten der Reise aber ganz gut getan. Ein, zwei Nachtische weniger hätten meinem Bauch aber ganz gut getan, aber das Essen war einfach zu lecker.

Schnee hin und Schnee zurück

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Winterschwimm-Weltmeisterschaft in Rovaniemi.

Haha, was war ich naiv, als ich dachte, nach meinen hyperaktiven Wochen im Februar würde erst einmal eine ruhige Zeit kommen. Haha!

Jetzt bin ich zurück von unserem Besuch der Weltmeisterschaft im Winterschwimmen in Rovaniemi. Aber bis ich wirklich hier Artikel schreibe und Fotos zeige, wird es noch ein bisschen dauern, denn morgen beginnt das Berättarfestivalen – das Erzählfestival. Letzten Mittwoch haben Mikke und Peter bei mir im Trio die Stücke geprobt, morgen werden wir die einzige Probe zusammen mit Fransesca Quartey und Frida Selander haben, Soundcheck machen und dann geht es direkt los mit der Eröffnung des Berättarfestivalen, die wir musikalisch begleiten. Ich freue mich schon sehr auf das Arrangement von „Over the rainbow“ mit Frida.

Aber morgen habe ich auch noch eine andere Probe, denn übermorgen Abend spiele ich noch einmal Klavier bei „Gömda men inte Glömda“.

Und so schreibe ich heute nur über die Hin- und Rückfahrt nach Rovaniemi der größten Stadt in Finnisch Lappland, bei der wir zwei unterschiedliche Arten Schneefall erlebt haben.

Auf dem Hinweg – es hatte ja schon die ganze Nacht geschneit – Schneefall bei -3 °C. Dann ist der Schnee trocken und jedes Auto wirbelt Schnee auf. Wenn einem dann ein Laster entgegenkommt, sieht man ein, zwei Sekunden gar nichts mehr. „Snörök“ – Schneerauch nennen das die Schweden.

Auf dem Rückweg hat es auf der Fahrt von Rovaniemi nach Kemi heftig geschneit, aber bei +1 °C kommt das Ganze in nassen dicken Flocken herunter. Leichter zu sehen, aber schwerer Spur zu halten. Aber ich brauche mich nicht zu beschweren, denn ich habe mich dieses Mal fahren lassen.

Trockener Schneefall und „Snörök“ auf dem HinwegNasser Schneefall auf dem Rückweg

Über Rovaniemi selbst, die Meisterschaft und mein Treffen mit dem Weihnachtsmann schreibe ich dann die Tage mal.

Fahrt nach Rovaniemi

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Winterschwimm-Weltmeisterschaft in Rovaniemi.

Mit unserem Verein „Frohe Freunde von Dunkelheit und Kälte“ sind wir ein verlängertes Wochenende nach Rovaniemi gefahren. Dort fand dieses Jahr die Weltmeisterschaft im Winterschwimmen statt, die alle zwei Jahre ausgerichtet wird.

Nach einer Autofahrt von etwa 400 Kilometern sind wir mittags angekommen. Nach dem Check-In in unserem Hotel haben wir uns gleich auf den Weg zur „Arena“ gemacht, die in den breiten Fluss Kemijoki geschnitten wurde. Auf der Brücke waren 33 Flaggen gehisst, denn die Teilnehmer kamen aus 33 verschiedenen Nationen. Aber verlassen wir das Winterschwimmen – davon schreibe ich später – und schauen nicht nach rechts zum Wettbewerb, sondern nach links: Dort ist der Fluss Kemijoki über einen Kilometer breit und zum großen Teil mit Eis bedeckt. Da aber ein Teil des Flusses offen ist, sind Winterwege markiert, damit die Skooterfahrer wissen, wo sie gefahrlos lang fahren können.

Breiter FlussFlaggen für die Weltmeisterschaft

Ich liebe es, wenn ein Stadtzentrum am Fluss liegt. Rovaniemi hat sogar den Luxus zweier Flüsse, denn dort mündet der Ounajoki in den Kemijoki, der dann bei Kemi in die Ostsee mündet.

Das Restaurant M/S LumikkiAchtung, dünnes Eis!

Die Innenstadt von Rovaniemi ist – nun, wie soll ich es ausdrücken … schön finde ich sie nicht gerade. Es wäre allerdings ein grober Patzer, dies den Einwohnern zu sagen, denn immerhin war es das deutsche Militär, welches 1944 fast die gesamte Stadt zerstört hatte. Zum Glück konnte die Bevölkerung damals rechtzeitig evakuiert werden, aber die Stadt wurde zu 90% vernichtet.

Lordinaukio (Lordiplatz)Im Stadtzentrum

Ich habe die Tage nur teilweise beim Schwimmen zugeschaut, ich bin auch hier und dort herumgelaufen. Dabei habe ich unter anderem eine Unterführung mit Nordlicht und einen Schneemann entdeckt. Der Schneemann wurde vermutlich unter dem Einfluss von „Angry Birds“ gemalt; dieses Spiel stammt aus Finnland.

Unterführung mit Nordlicht„Angry snowman“

Im Hemingway’sAm Freitag Abend waren wir im Hemingway’s, einer sehr gemütlichen Bar, in der wir Valhalla, einen finnischen Schnaps getrunken haben. Danach sind wir am Nach-Hause-Weg noch in der kleinen und etwas heruntergekommenen Bar Hulibumba gelandet, aber ich habe mich recht schnell verabschiedet, denn ich war schon um fünf aufgestanden und hundemüde.

Am nächsten Abend war eine große Gala, der ich mit meinem „Media“-Ausweis sogar kostenlos beiwohnen durfte. Ich war ganz froh, nicht die 45 Euro bezahlt haben zu müssen, denn die Gala war bis auf das Essen nicht besonders gelungen, was auch an den ungeeigneten Räumen lag. Dass dann eine halbe Stunde versucht wurde, immer wieder das gleiche YouTube-Video abzuspielen, obwohl die Internetverbindung des Hotels lausig war, hat den Abend nicht gerade besser gemacht. Als wir dann noch von unten „DUNNS-DUNNS-DUNNS“ von der Disko beschallt wurden, sind wir gegangen.

… und wieder im Hulibumba gelandet. Ich tippe darauf, dass mindestens die Hälfte der Anwesenden Stammpublikum war und vermutlich ständig dort ist. Und das nicht nur, um Freunde zu treffen, zu trinken und ab und zu in dem Raucherraum zu verschwinden, sondern auch, um Karaoke zu singen.

Und hier scheint das finnische Klischee voll bestätigt: Alle Lieder sind in Moll und alle klingen melancholisch. Wie schon J. aus Finnland sagt: In Finnland gibt es keinen Troubadour, nur Troubamoll. Ich hätte schon Spaß daran gehabt, auch ein Lied zu singen, denn das wäre auf Finnisch bestimmt sehr lustig geworden, aber ich kannte ja keine einzige Melodie. Obwohl, wer weiß … . Schaut selbst, hier kommt ein kleiner Ausschnitt aus der Stückliste.

Ein bisschen StücklisteKaraoke im Hulibumpa

Stücknamen wie „Vakosamettihousuinen Mies“ erinnerten mich wieder daran, dass ich einmal überlegt hatte, nach Finnland zu ziehen. Doch beim Lesen einer finnischen Grammatik hatte ich damals von der Idee schnell wieder Abstand genommen.

Am Sonntag habe ich noch einen kleinen Spaziergang gemacht, nachdem meine erst geplante Dreibrückenrundtour daran gescheitert war, dass eine der Brücken eine reine Autoschnellstraße war. Überall auf dem Fluss waren Langläufer unterwegs und selbst auf einem kaum beschneiten Gehweg liefen zwei alte Frauen nebeneinander her, die eine zu Fuß, die andere auf Skiern.

Langlauf auf dem OunasjkiMit Hund und Ski unter der Betonbrücke

Leider hatte ich weder Zeit für die Kunstausstellung, noch für das Museum „Arktikum“. Nicht für die Kirche, noch für ein bisschen mehr Stadtbummel oder Umgebung. Nur beim Weihnachtsmann persönlich war ich, aber das erzähle ich ein andermal.

Winterschwimmweltmeisterschaft in Rovaniemi

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Winterschwimm-Weltmeisterschaft in Rovaniemi.

Alle zwei Jahre wird die Weltmeisterschaft im Winterschwimmen ausgerichtet. Dieses Jahr war sie im finnischen Rovaniemi und damit trotz des Schneefalls recht bequem mit dem Auto zu erreichen. 1200 Teilnehmer aus 33 Ländern waren bei den Wettbewerben angemeldet, unter anderem waren größere Delegationen aus England, Russland und China da.

Wie bei den anderen Meisterschaften bin ich nicht selbst geschwommen, sondern habe fotografiert. Am Samstag vormittag habe ich einen „Media“-Ausweis bekommen und konnte damit auch direkt am Becken Fotos machen.

Was ich am Winterschwimmen mag, ist, dass schnell und langsam, jung und alt, athletisch und bequem aufeinandertreffen. Die Medaillen werden nach Altersgruppen verliehen, und so stehen auch siebzigjährige als Gewinner auf dem Eispodest und nicht nur supersportliche Neunzehneinhalbjährige.

Schon von der Brücke über den Kemijoki konnte man das 25-Meter-Becken, welches in das Eis geschnitten wurde, sehen.

Blick von der BrückeNeun Bahnen à 25 Meter

Die ersten Läufe waren 25 Meter Brust. Das erste Kommando lautet „Take off your cloth!“, das zweite „Go in(to) the water“ und dann, wenn alle fertig sind, ertönt das elektronische Startzeichen.

„Go into the water“25 Meter Brust

Während die Zeiten bei 25 Meter Brust weit auseinander liegen, sind beim 50 Meter Freistil meist Sportler am Start und oft sieht man in dem aufgeschlagenen Wasser nur noch Arme und Köpfe.

50 Meter Freistil50 Meter Freistil

50 Meter Freistil

Die 450(!) Meter Freistil waren leider schon am Donnerstag. Die hätte ich mir gerne angeschaut, auch weil Anna-Carin Nordin, die bei Dark & Cold Mitglied ist, Gold gewonnen hat. Glückwunsch, Anna-Carin!

Doch nicht alle, die schwimmen, nehmen auch am Wettbewerb teil. Manche schwimmen einfach aus Spaß 25 oder 50 Meter, ohne das Zeit genommen wird. Diese Menschen haben meist die Ruhe weg und ich schaue ihnen gerne zu.

GenussschwimmerGenussschwimmer

An Land sieht man nicht nur die Freiwilligen, die moderieren, Fähnchen schwenken, Kleidung zum Ziel herüber tragen und den Schwimmern helfen, sondern auch Fans. Aus Estland und Lettland, Russland und China, England, Norwegen und Finnland, und auch aus Deutschland sind Zuschauer gekommen. Aber ich vermute, dass ein großer Teil von ihnen auch an den Wettkämpfen teilnimmt.

Fans mit MaskottchenStartflaggeDeutsche FansWikingermützen

Beim Winterschwimmen treffen immer zwei Welten aufeinander: Badelatschen neben Fellstiefeln und dicke Winterjacken neben Badeanzug.

Kalt oder warm? FußKalt oder warm? Kopf

Nach dem letzten Start werden die Trennleinen an Land geholt und Minuten später bilden sich Eisnadeln auf dem kalten Wasser. Damit das Becken nicht über Nacht zufriert, werden nach einiger Zeit sechs Unterwasserpumpen in Betrieb genommen. Gerade schaffe ich es noch, eine Nahaufnahme zu machen, da schwappen schon die ersten Wellen.

An den Trennleinen hängen EiszapfenSchnell bildet sich neues Eis

Eisnadeln auf dem Wasser

Ich war aber die Tage nicht nur bei der Meisterschaft, sondern auch in Rovaniemi unterwegs. Davon schreibe ich im Artikel „Fahrt nach Rovaniemi“.

Besuch beim Weihnachtsmann

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Winterschwimm-Weltmeisterschaft in Rovaniemi.

Rovaniemi liegt fast am Polarkreis, bloß ein paar Kilometer südlich. Am Polarkreis selbst, da wohnt Joulupukki, der Weihnachtsmann! Es können noch so viele behaupten, er lebe am schwedischen Siljansee, im grönländischen Städtchen Uummannaq oder gar am Nordpol – nein er wohnt in Finnland am Polarkreis.

Hier wohnt also der Weihnachtsmann

Da wir von der Presse kommen, und der Weihnachtsmann und seine Elfen durchaus aufgeschlossen sind, bekommen wir erst einmal eine Führung durch das Postamt. Als aller Welt kommen Briefe an, im letzten Jahr waren es ungefähr fünfhunderttausend. Da Joulupukki die Briefumschläge nicht mehr braucht, verkaufen seine Elfen diese zu Gunsten von UNICEF. Ich habe eine Packung gekauft und darin Briefe mit so schönen Anschriften wie „Santa Claus, North Pole“ aus Hongkong oder „Per Babbo Natale“ aus Italien gefunden. Und all die Briefe kommen an, da muss ich mit „Olaf the German“ noch kräftig an meiner Popularität arbeiten.

Weihnachtspost aus 198 LändernBriefe an den Weihnachtsmann

Noch einen Kaffee (oder für mich einen Kakao), dann durften wir zum Weihnachtsmann höchstpersönlich. Wir haben rote Westen mit der Aufschrift „Official Press – Santa Claus Office“ bekommen und durften dann durch einen geheimnisvollen Tunnel laufen, bis wir in der großen Kuppel mit dem Erdrotationsgeschwindigkeitsregulator standen. Dort durften wir warten, denn Joulupukki lässt sich für jeden Zeit. Die anwesenden Kinder waren überraschend still und auch wir fragten uns, ob wir wohl artig genug waren. Vanilla, die Elfe unterhielt sich noch mit einigen Kindern, dann standen wir vor dem geheimnisvollen Eingang.

Kaffee und Kakao im samischen ZeltVanilla,  die Elfe

Und dann war es an der Zeit: Wir wurden zum Weihnachtsmann vorgelassen. L. war ein bisschen nervös, er erzählte mit etwas schlechtem Gewissen, dass er sich seinen Enkeln gegenüber als Weihnachtsmann ausgegeben hat, aber dieser hat ihm nicht nur verziehen, sondern sich sogar für die Hilfe bedankt.

Normalerweise darf man keine Fotos machen, das erledigt der Fotowichtel, der leicht erhöht mit seiner Blitzanlage hockte. Aber wir als offizielle Presse durften fotografieren. Das erste Foto zeigt mein Foto, das zweite hat der Fotowichtel gemacht und ins Internet gestellt.

Joulupukki – Santa Claus – der WeihnachtsmannNordwärts beim Weihnachtsmann

Nun sollte es klar sein, der Weihnachtsmann heißt Joulupukki und lebt in Finnland am Polarkreis. Mein Foto dürfte Beweis genug sein.

Ich als bezahlter Redner

Heute habe ich das erste Mal eine Rechnung für einen gehaltenen Vortrag geschrieben. Klingt toll, oder? Da sollte ich vielleicht dazu schreiben, dass ich 500 Kronen, also 55 Euro in Rechnung stelle. Das reicht noch nicht ganz, um alleinig auf Vorträge zu setzen, glaube ich.

Am Montag war das „Bothnian Bay Marine Forum“, eine Reihe von Boundless Botnian Bay, dem gleichen Projekt, dem ich Anfang Februar als Journalist die Küste entlang nach Oulu in Finnland folgen durfte, in Skelleftehamn. Es war schön, einige Menschen wiederzutreffen, nicht nur Freunde und Bekannte aus Skellefteå, sondern auch die Organisatoren aus Finnland und einen Journalisten aus Spanien, der im Februar auch mit dabei war.

Nach der Begrüßung habe ich eine viertel Stunde darüber erzählt, warum ich hier gelandet bin, es mir immer noch gefällt und ich so ziemlich alle Einheimischen für „hemmablind“ – betriebsblind halte. Der Vortrag ist gut gelaufen und da ich ziemlich am Anfang dran war, konnte ich mich dann bequem zurücklehnen und den anderen zuhören, unter anderem dem phantastischen Bill Taylor aus Schottland, der seit 30 Jahren im Tourismus arbeitet und einen sehr inspirierenden Vortrag über den Tourismus in Schottland gehalten hat. Oh, oh, da haben wir in Nordschweden noch viele Jahre Arbeit vor uns!

Lasse Westerlund hat alle Vortragenden fotografiert und heute habe ich einige Fotos bekommen, die er von mir gemacht hat. Sich selbst auf Fotos in so einer Situation zu sehen ist ähnlich irritierend wie die eigene Stimme als Aufnahme zu hören. Das soll ich sein?! Ich habe die dümmsten Gesichtsausdrücke ausgesucht:

Vortrag #1 (Foto: Lasse Westerlund)Vortrag #2 (Foto: Lasse Westerlund)Vortrag #3 (Foto: Lasse Westerlund)Vortrag #4 (Foto: Lasse Westerlund)

Nächstes Mal muss ich mich unbedingt auf Video aufnehmen. Das wird zwar kein reines Vergnügen sein, sich so von außen zu sehen, aber man kann glaube ich eine Menge über sich selbst lernen.

Um fünf war der offizielle Teil vorbei und wir sind bei schönstem Sommerwetter vom Maskinhuset das kurze Stück herüber zur M/S Stormvind herübergelaufen, einem Schiff, welches fest verankert in Skelleftehamn liegt, und haben dort ein sehr leckeres Abendessen bekommen, während draußen die Segelboote den Wind auf dem Sörfjärden nutzten. Dort war ich gerade einige Tage zuvor mit dem Kajak unterwegs gewesen. Nach einem leckeren Eis mit Moltebeeren als Nachtisch war Aufbruch und wenige Minuten später war ich wieder zu Hause. Es hat sich definitiv gelohnt, den halben Tag frei zu nehmen.

Segelboote auf der Bucht

Nordkalottenreise II

Hoppla, über drei Wochen ist es schon her, dass ich von meiner Nordkalottenreise zurück bin. Eigentlich wollte ich bis Ostern unterwegs sein, aber zum Schluss hatte ich doch mehr Lust, noch einmal zwei Wochen zu Hause zu sein, ehe ich mich mit Annika und einer Freundin von ihr zur Osterwoche in Äkäslompolo in Finnland zum Skilanglauf treffe. Am früheren Tourende war auch der Winter schuld, der sehr viel Tauwetter und Plusgrade mit sich brachte – Dinge, die ich im Winter nicht haben möchte.

Aber viele schöne Erlebnisse hatte ich dennoch. Hier noch eine kleine Auswahl der englischen Artikel auf way-up-north:

Wer möchte, kann auch alle Artikel am Stück lesen: Nordkalotten 2015 (Das ist eine lange, lange Seite, die braucht ein bisschen zum Laden!)

Jetzt ist keine weitere Reise in Sicht und ich bin erst einmal wieder zu Hause in Skelleftehamn. Auch mal schön, ein eigenes Bett, eine Badewanne und meinen Flügel um mich herum zu haben. Und am Dienstag geht es auch wieder richtig mit der Arbeit los.