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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Die Woche

Eigentlich hatte ich ja vor, heute über den Herbstanfang zu schreiben, aber was wirklich spannendes gibt es nicht zu berichten. Gut, es ist kühler geworden und um halb acht dunkel, aber das ist ja nicht soo aufregend.

Also, was ist sonst so passiert:

Mein kleines Bad im Erdgeschoss hat wieder einen Fußboden. Und eine heile Wand. Morgen suche ich Kacheln für den Boden und Tapete aus und warte auf den nächsten Schritt. Aber es geht langsam weiter.

Heute habe ich gelesen „Allt var väl“. Das ist der letzte Satz der siebenbändigen Harry-Potter-Reihe, die ich seit Juni mit Unterbrechungen gelesen habe. Nach geschätzt 4000 Seiten hat sich jetzt mein Schwedischwortschatz entscheidend erweitert: trollstav – Zauberstab, kittel – Kessel, drakskinn – Drachenhaut. Was braucht man mehr!

Im Oktober mache ich eine Woche Urlaub in Norwegen und besuche Freunde. Erst in Røkland bei Bodø und dann in Stokmarknes auf den Vesterålen. Ich reise per Bus, Zug, Schiff und Flugzeug und freue mich riesig auf Land und Freunde. Alles weitere schreibe ich später.

In meinem Wintergarten liegen 60 kleine Äpfel vom Bäumchen in meinem Garten. Da mir roh Äpfel nicht so gut bekommen, werde ich wohl Apfelmus daraus machen. Aber ich war bis jetzt noch zu faul zum Schälen.

Bei IKEA habe ich gefühlte 100 Meter IVAR-Regal für meine Kellerbibliothek und ein Gästebett bestellt. Das Bezahlen war nicht leicht, weil das System meine deutsche MasterCard nicht mochte, aber zum Glück habe ich dann nach sieben Mal Weiterverbinden telefonisch erfahren, dass ich das Geld auch überweisen kann.

Morgen ist noch mal ein Tag Arbeit dran und dann freue ich mich auch aufs Wochenende.

Norwegenreise – Teil I

Anreise

Heute fahre ich mit dem Bus nach Norwegen. Ich finde es immer noch irre, dass es von Skellefteå eine direkte Busverbindung ins norwegische Bodø gibt. Da ich allerdings zum einen noch mit dem Bus von Skelleftehamn nach Skellefteå fahren muss und zum anderen am Vortag noch nichts gepackt habe, klingelte der Wecker um 5:30. Schluck! Ja, und wieder habe ich die dicke Reisetasche vollgekriegt und verlasse zum ersten Mal seit dem Kauf mein Haus in Skelleftehamn für länger. So, Fenster und Türen zu, Wasser ist abgestellt, Heizung nicht, dann kann es ja losgehen.

Um halb zehn bin ich am Busbahnhof in Skellefteå und warte auf den Silverexpressen, den Bus nach Norwegen. Die Straßen sind ziemlich glatt, von Schnee ist aber nicht mehr viel zu sehen. Das ändert sich allerdings schon nach vier Minuten Busfahrt: Es ist wieder alles weiß und auf einem kleinen Grashügel sieht man noch gut die Schlittenspuren vom Vortag.

Der Bus hat 28 Sitzplätze und mit mir sitzen noch neun weitere Personen auf den bequemen Sitzen. Die siebenstündige Fahrt nach Røkland kostet sage und schreibe 310 Kronen, das sind etwa 34 Euro. Je weiter wir ins Inland fahren, desto mehr Schnee liegt. In Jörn, einem der ersten Haltepunkte sind es schon 10 cm. Ich bin guter Laune, es ist einfach schön, Urlaubsanfang zu haben und eine wunderschöne Frühwinterlandschaft, über der sich ein blauer Himmel wölbt, an sich vorbeiziehen zu lassen. Und genug zu essen und trinken habe ich auch. Und ein iPhone mit vollem Akku und viel Musik. Perfekt.

Die nächsten Haltepunkte sind Arvidsjaur, wo wir eine zwanzigminütige Pause machen und Arjeplog, schön an einem großen See gelegen, dahinter schneebedeckte Berge . Ab hier sieht man immer wieder Rentiere: Im Wald, weit hinten am Fuß eines Berges oder auch direkt vor einem mitten auf der Straße. Die Ortsnamen sind jetzt schwedisch und samisch und der Busfahrer hält ab und zu an, um Post in knallrote Plastikbriefkästen an der Straße einzuwerfen. Gegen halb drei sind wir in Jäckvik (norwegisch Jäkkvik, samisch Jäggeluokkta). Hier haben wir eine gute halbe Stunde Pause und alle wechseln von dem schwedischen in den norwegischen Bus. Auch der norwegische Busfahrer ist gleichzeitig Postbote. Für einen Expressbus ist die Fahrt doch sehr geruhsam. Nach der schwedisch-norwegischen Grenze kommen wir bald immer mehr ins norwegische Fjäll, die Berge werden höher und schroffer, die Straßen steiler, die Landschaft rauher. Welch ein Kontrast zur bewaldeten und fast flachen schwedischen Ostseeküste: Hier gibt es neben Nadelbäumen hauptsächlich Fels und Schnee. Nur kurz vor Røkland ist lustigerweise noch eine kurze Etappe schneefrei – die erste seit sieben Stunden. Um viertel nach fünf steige ich in Røkland aus und werde von den Freunden abgeholt und wir fahren zu ihrem Haus nach Skogly hoch. Da wir hier 400 Meter höher als im Tal sind, liegen hier 30 cm Schnee. (Für alle, die das später lesen: wir haben Mitte Oktober!). Der Rest des Tages: Reden, Essen und früh in die Hütte ins Bett gehen.

Schneeschuhe

Am nächsten Tag habe ich ausgeschlafen und war erst um 8:15 wach. Am Vormittag habe ich mir dann einen Rucksack gepackt, Jacke, Mütze, Stiefel und Gamaschen angezogen und den einen Berg hochgelaufen. Nach zehn Minuten war ich aber wieder unten und habe mir Schneeschuhe geliehen. Bei 30 cm Pulverschnee war mir das sonst doch zu anstrengend. Schnell habe ich mir noch ein paar Sachen ausgezogen, denn mit 0 °C war es nicht wirklich kalt und bin langsam bergauf gestiegen. Der Birkenwald lichtet sich immer mehr, der Schnee wurde mit ±50 cm noch tiefer und nach einigen Foto- und Verschnaufpausen war ich dann über der Baumgrenze und hatte trotz grauen Wetters eine phantastische Aussicht auf das ganze Tal und den Gebirgszug gegenüber. Es fing langsam an zu schneien und meine knallgrüne Jacke war der einzige Farbtupfer in der kontrastlosen Schwarzweißlandschaft. Der Berg vor mit ging nahtlos in Wolke über und nur Steine und einige kahle Zweige gaben noch Kontrast. Hier war es auch windiger und so waren manche Flächen fast kahlgeweht und gut zu laufen, während drei Schritte weiter der Schnee sich in einer Senke gesammelt hat und man ohne Schneeschuhe bis zur Brust im Tiefschnee stand. Ohne Schneeschuhe wäre ich nie den Berg so weit hochgekommen. Der Rückweg war dann einfacher, denn mit Schneeschuhen kann man den Hang teilweise herrlich heruntergleiten und gegen drei war ich wieder am Haus der Freunde angelangt, wo zu meiner großen Freude ein Topf noch warmer Nudelsuppe auf dem Herd stand.

Die Tour hat einen riesigen Spaß gemacht und es war gut, dass ich sie an diesem Tag gemacht hatte, den am Abend wurde es schon wärmer und der Pulverschnee des Morgens hat sich in nassen Schneemannschnee verwandelt. Obwohl ich großer Winterfan bin, bin ich trotzdem nicht böse, dass zu Hause noch kein halber Meter Schnee liegt; das darf gerne noch ein paar Wochen warten. Meine Laune wurde dann noch besser, als mir klar war, dass ich nach dem Norwegenurlaub wieder mit dem Bus nach Hause fahren kann und nicht wie sonst immer mit dem Flugzeug zurück in die Großstadt muss. Toll!

Norwegenreise – Teil II – Hurtigruten

Am Montag sage ich Skogly ade und fahre mit dem Zug von Røkland nach Bodø. Dort habe ich vier Stunden Aufenthalt, ehe um 15:00 die Hurtigruten in Richtung Norden ablegt. Leider ist es grau und sehr regnerisch und so verbringe ich meine Zeit eher mit Warten als mit Stadt entdecken. Gegen halb drei betrete ich die Fähre und damit die Welt des Tourismus. Die Besatzung trägt Uniform. Ich frage auf norwegisch und bekomme Antwort auf deutsch. Die zehnstündige Fahrt nach Stokmarknes kostet mich 473 NOK, also etwa 58 Euro.

Die ersten zweieinhalb Stunden stehe ich auf dem Achterdeck oben auf der siebten Ebene und schaue erst zurück nach Bodø, auf nackte schwarzgraue Felsen – teilweise in den tiefen Wolken fast nicht mehr sichtbar – und auf schneebedeckte Berge weiter südlich am Horizont. Auf dem Westfjord fährt das Schiff dann über das offene Meer und das ist gut zappelig. Wenn ich zum Fotografieren die Seite wechsele, laufe ich mal auf- mal abwärts. Irgendwann habe ich dann auch alle Öffnungen am Segelparka dicht und die Kapuze fest verschnürt, da der Wind immer weiter zunimmt. Die Regenschauer machen die Sache auch nicht gerade gemütlicher, aber ich mag diese rauhe Stimmung. Und auch meine Kamera spielt mit.

Irgendwann wird es dann dunkel und ich gehe wieder rein. Dort finde ich den absoluten Kontrast vor: Das Schiff stampft zwar noch, aber Wind und Wetter sind ausgesperrt. Zwei alte Damen spielen Rummycub, einige amerikanische Touristinnen gehen die Gänge entlang und man hört deutsch. Sehr viel deutsch. Bis auf ein paar Norweger aus Bodø haben die meisten anderen die komplette Reise von Bergen nach Kirkenes gebucht. Während ich auf dem vierten Deck meinen Cheeseburger mit Pommes verspeise, schießt ein Brecher neben mir weit in die Höhe. Den hätte ich auf dem Oberdeck vermutlich voll abbekommen. Gutes Timing. Aber schon bald erreichen wir die Lofoten und sind damit wieder in ruhigeren Fahrwassern. Schade, dass man bis auf ein paar Lichter nichts sieht.

Der Rest der Fahrt wird dann leider ein bisschen langweilig. Es ist stockfinster und man sieht nur ab und zu ein paar Lichter. In Svolvær, der größten Stadt auf den Lofoten gehe ich von Bord, da wir eine Stunde Aufenthalt haben. Leider regnet es auch hier und ich gehe früh wieder an Bord. Inzwischen sieht man keinen Menschen mehr, alle sind von Bord gegangen oder in ihren Kabinen verschwunden. Einmal stehe ich noch an einem Fjordeingang am Vordeck, aber dort ist es so stürmisch, dass ich kaum einen Schritt vor den anderen setzen kann. Dabei ist es die ganze Zeit mit 10 °C überraschend warm.

Um eins komme ich dann endlich in Stokmarknes an, wo ich netterweise für die kleine Strecke zur Wohnung mit dem Auto abgeholt werde, denn auch hier regnet es. Angeblich soll die Temperatur in der Nacht um 10 Grad fallen und morgen soll es schneien, aber daran glaube ich noch nicht.

Nachtrag:

Ich habe ein paar Videoschnipsel bei Youtube hochgeladen, wie immer mit zweifelhafter Qualität aber für einen kleinen Eindruck vielleicht ganz nett.

Norwegenreise – Teil III – Vesterålen

Jetzt bin ich den vierten Tag auf Hadseløya, einer Insel, die zu den Vesterålen gehört. Heute ist es grau, es regnet und mit 2 °C ist es wärmer geworden. Auf den Straßen im Ort ist der Schnee weggetaut. Draußen im kleinen Park – mit Begeisterung auch im Graben – spielen die Kinder, die bei wirklich jedem Wetter draußen sind.

Die letzten Tage war ich viel draußen; entweder mit René wandern oder mit ihm und Julia fotografieren. Und eigentlich habe ich an jedem Punkt auf der Insel gedacht: „Hier ist es besonders schön“. Was mich vor allem fasziniert, ist die Vielfalt in der Landschaft: Von den meisten Punkten kann man das Meer sehen. Dahinter weitere Inseln. Manche haben eher vom Gletscher abgeschliffene Hügel, viele aber auch steile, schneebedeckte Berge, die erst kaum sichtbar und wolkenverhangen sind, um dann einige Minuten später warm und gelb von der tiefstehenden Sonne angestrahlt zu werden. Ein Teil der Küste ist von schroffen, kantigen Felsen geprägt, an anderen Stellen gibt es Buchten mit Sandstrand und türkisfarbenen Wasser. Überall wachsen Birken und auch Vogelbeeren, deren knallrote Beeren an den kahlen Ästen leuchten. Auch Hadseløya selbst hat runde Berge, die man einfach erwandern kann und schroffe Klippen, die nur für erfahrene Kletterer zu bewältigen sind. Und schöne Täler mit hunderten kleinen Bächen, in die man hinein wandern kann, bis man wieder von drei Seiten von der Bergwelt umgeben ist. Und bis gestern war alles von Schnee bedeckt und es hat auch immer wieder ein bisschen geschneit.

Liebe Schweden, seid mir nicht böse, aber das ist einfach eine der wunderbarsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Zur Beruhigung: Das schwedische Fjäll kommt gleich danach.

Die Touren will ich hier gar nicht groß beschreiben, das würde den Artikel doch zu lang machen. Daher nur in Kurzform:

  • Tag 1: Eine schöne Wanderung in ein Tal, erst noch mit Weg, dann über moosbewachsene Felsblöcke und kleine gluckerne Bächlein. Pause an einem See.
  • Tag 2: An verschiedenen Stellen der Küste, hauptsächlich zum Fotografieren.
  • Tag 3: Herrliche Wanderung auf Storheia, den Hausberg und im großen Bogen zurück. Die Blicke mit den ständig wechselnden Lichtstimmungen: atemberaubend!
  • Plan für heute: Eher faul, Geschäfte angucken, noch mal ans Meer.

Zum Schluss möchte ich Euch einen Blick von Storheia nicht vorenthalten. Durch Bewegung mit der Maus über dem Bild könnt Ihr das Panorama nach links und rechts verschieben.

blick-von-storheia

Nachtrag:

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist es aufgeklart und es gab schwache Polarlichter. Das führte dazu, dass René und ich noch lange wach waren in der Hoffnung, dass die Polarlichter noch stärker werden. Leider vergebens. In der selben Nacht ist das Thermometer am Haus auf -7.8 °C gefallen, ein Wert, der auch für die Vesterålen im Oktober eher ungewöhnlich ist. Der kälteste Oktoberwert im letzten Jahr lag bei -3.0 °C.

zu Hause

Minimum seit 15.10.: -6.2°. Heute 23:00: -2.9 °C. Schnee, aber nur stellenweise.

Ich bin wieder zu Hause. Gestern bin ich von Stokmarknes nach Bodø geflogen, habe dort im Vandrerhjem übernachtet und bin heute um 11 Uhr in den Bus zurück nach Skellefteå gestiegen. Der hat mich von der regnerischen Atlantikküste über das verschneite Fjäll an die nicht sehr verschneite Ostseeküste gebracht. Nach acht Stunden war ich in Skellefteå und eine Stunde später zu Hause.

Ich freue mich, dass ich die Norwegenreise gemacht habe. Wie schön die Landschaft dort ist, habe ich schon geschrieben, aber es war auch toll, entstehende Freundschaften vertiefen zu können. Danke an Susa und Sven, danke an Julia und René für Eure tolle Gastfreundschaft.

Und ein weiteres Gutes hatte die Reise: Ich bin zum ersten Mal in diesem Jahr wieder nach Hause gekommen.

  • Aber die Rückreise von schwedisch Lappland nach München im Februar?
    Nein, da wusste ich ja schon, dass ich nach Schweden ziehe. München war kein zu Hause mehr.
  • Und die Ankunft in Schweden im April?
    Nein, da war ich bei tollen Gastgebern, aber eben nicht zu Hause.
  • Im Juli nach München?
    Pustekuchen – die Wohnung aufgelöst habe ich.
  • Und dann Ende Juli ins eigene Haus?
    Ach, das war noch so ungewohnt, unbewohnt und noch so gar nicht richtig meines.

Aber jetzt: Ich bin von hier nach Norwegen gereist und wieder hier angekommen. Und fühle mich heimisch, und dass nicht nur, weil in meinem Haus Flügel, Badewanne und Waschmaschine stehen. Nur der Winter ist hier mit ± 2 cm Schnee ein bisschen zaghafter als im restlichen Västerbotten. Dazu ist die Ostsee noch zu warm, aber ehrlich gesagt, Olaf: Musst Du wirklich im Oktober schon tiefsten Winter haben? Das kommt doch noch früh genug, oder?

Das Photo links habe ich um 16:37 mit dem iPhone aus dem Bus geknipst. Wenn in einer Woche die Zeit umgestellt wird, geht die Sonne schon um 15:20 unter. Ich glaube, morgen kaufe ich Kerzen …

Rückreise

Mir ist das Reisen per Flugzeug glaube ich zu schnell. Es ist zwar nett, wenn ich von Haustür Bremen zu Haustür Skelleftehamn „nur“ elf Stunden brauche, aber meine Gedanken hängen noch halb im regnerisch-grauen, kühlen Bremen, während der Körper das Fahrrad über den platten Schnee zu ICA steuert. Ich bin zwar – wie schon nach der Norwegenreise – wieder zu Hause, aber noch nicht vollständig angekommen.

Mein Koffer hat schon in Frankfurt mit mir sympathisiert und ist dort geblieben. Vielleicht ist er eben schon mit der Sieben-Uhr-Maschine in Skellefteå eingetroffen, das weiß ich noch nicht. Ich erwarte ihn recht ungeduldig, denn er enthält nicht nur das Ladegerät für mein iPhone, sondern auch eine nicht unwesentliche Menge Nusskuchen …

Mein Küchen- und mein Schlafzimmerthermometer derweil sind sich uneins, wie kalt es die letzten sieben Tage war. Sie haben sich zwar beim Minimum auf -13.1/-13.2 °C geeinigt, aber die Küche meint, dass es zwischendurch mal +1.5 °C gewesen sei, während der andere Temperaturmesser steif und fest behauptet, über -2.3 °C sei mal überhaupt nichts gelaufen. Nun, ich war nicht dabei und kann den Streit nicht schlichten. Aber nachdem es im Inland immer mal unter -25 °C war, nehme ich einfach mal die -2.3 °C, der Dramatik wegen.

Auf Dramatik machte auch die heutige Ausgabe des Aftonbladet, die heute „Köldchock. Det blir orimligt kallt’. Vinter i hela landet“ als Schlagzeile hatte. Auf deutsch: „Kälteschock. Es wird übermäßig kalt. Winter im ganzen Land“. Ich lasse mich überraschen. Die Wintersachen hängen griffbereit.

(Bildquelle: Facebookseite von Fjällräven)

Nachtrag:

Just eine Minute nach dem Publizieren – um 19:45 – ist gerade mein Koffer angekommen. Das ging aber fix! Nusskuchen!

Meine Reise von München nach Skelleftehamn, Teil I

Ein Gastbeitrag von Sonya.

Die Anreise

In Europa ist der Flugverkehr in den letzten Tagen aufgrund des unerwartet schneereichen Winters regelmäßig zusammengebrochen. Es kam zu Verspätungen und Flugausfällen. Meine Hauptsorge ist, ob ich mein Flugzeug nach Stockholm überhaupt noch rechtzeitig erreiche.

Es ist der 18. Dezember. Am Abend zuvor fand in der Agentur, in der ich arbeite, die Weihnachtsfeier statt. Die Nacht war entsprechend kurz. Hinzu kommt, dass ich immer auf den letzten Drücker packe. Bereits Tage vor Reisebeginn auf gepackten Koffern zu sitzen, entspricht nicht meinem Reiseverhalten. Immerhin nutze ich sonst eine sorgfältig durchdachte Packliste. Diese Liste fehlte diesmal und so kam es, dass ich viel zu viele Dinge eingepackt und trotzdem viel zu viele Dinge vergessen habe.

Eine Stunde vor Abflug komme ich am Flughafen an, mit etwa zwanzig Minuten Verspätung hebt das Flugzeug ab. Meine Reise von München nach Skelleftehamn beginnt.

In Stockholm besteht die größte Herausforderung darin, die Bushaltestelle der Linie 65 zu finden. Ich ärgere mich schon, dass ich unbedingt eine Nacht in der schwedischen Hauptstadt verbringen will und nicht gleich in den Nachtzug steigen kann. Meine Tasche ist schwer und dieser verdammte Bus 65 zu meinem Hostel ist nicht zu finden. Als ich ihn endlich finde, erklärt mir die Fahrerin, dass ich keine Fahrkarten im Bus kaufen könne. Grummel.

Als ich mein Nachtquartier sehe, ist jede Anstrengung der Anreise vergessen. Prächtig liegt die Chapman am Ufer der Insel Skeppsholmen. Ich beziehe meine Kajüte, durch das Bullauge blicke ich auf einen riesigen Weihnachtsbaum und Gamla Stan, die Altstadt von Stockholm.

Die nächsten Stunden laufe ich kreuz und quer durch Gamla Stan und treffe Freunde aus München, die ebenfalls gerade in Stockholm sind, zum Essen. Später sitze ich in meiner Kajüte und skype mit Olaf. Über die Webcam zeige ich ihm den Blick aus dem Bullauge. Internet ist fantastisch.

Den Sonntag spaziere ich durch das verschneite und vorweihnachtliche Stockholm, trinke einen Glögg, mache Fotos. Ich bin sehr froh über den Winterparka und die Stiefel, die ich mir kurz vor meiner Reise gekauft habe, denn trotz Minusgraden und eisigem Wind ist mir mollig warm.

Am Abend verlässt mit eineinhalb Stunden Verspätung der Nachtzug Stockholm in Richtung Norden. Sanft ruckel ich im Schlaf durch Schweden. Ich fahre gerne mit dem Zug. Am nächsten Morgen hat der Zug schon zweieinhalb Stunden Verspätung, doch das ist nicht schlimm. In Bastuträsk wartet ein neuer Bus, der mich nach Skellefteå bringt. Um die Mittagszeit habe ich mein erstes Etappenziel erreicht. Olaf holt mich von der Bushaltestelle ab. Gemeinsam laufen wir durch die Köpmansgatan zum Haus 10 Merchant Street, wo in den kommenden Tagen auch mein Arbeitsplatz sein wird.

Die Arbeitswoche

Mit Laptop und Internetzugang kann ich im Prinzip von jedem Ort arbeiten, also auch von Schweden aus. In den Räumen von Hello Future in der 10 Merchant Street richte ich mein Heimbüro (englisch: Home Office, schwedisch: Hemmakontor) ein.

Ich finde es schön, dass ich auch einen Einblick in Olafs Arbeitsleben in Schweden erhalte und seine Kollegen treffe, von denen er mir schon oft erzählt hat und die ich bereits von kleinen Buddy-Icons auf Twitter kenne. Internet hin oder her, die Menschen und Räume mit eigenen Augen zu sehen, ist doch nochmal etwas anderes.

Die Mittagspause ist der einzige Zeitpunkt, bei Tageslicht draußen zu sein, wenn auch nur sehr kurz auf dem Weg zu einem der Restaurants. Dort gibt es den Dagens Lunch, ein Mittagsbuffet mit Salaten und ein bis zwei Hauptgerichten sowie Wasser und Kaffee. Für 75 bis 90 Kronen ein vergleichsweise preiswertes Mittagessen.

Nachmittags klingt der Ruf „Fika“ durch die Räume, Kaffeepause. Wir sitzen alle zusammen in der kleinen Sitzecke und reden über berufliches (Internetzeugs) und privates. An meinem letzten Tag bei Hello Future bringe ich eine Linzertorte mit, die es bei meiner Familie traditionell zur Weihnachtszeit gibt. Um die schwedisch-münchnerische Verbindung herzustellen, zieren drei Elche und die Münchner Frauenkirche den Kuchen, der auch im Fotoblog der 10 Merchant Street verewigt wird.

Am 23.12. hat Olaf bereits Urlaub und ich baue meinen Rechner in seinem Haus vor dem Fenster auf. Es ist der erste Tag, an dem ich richtig mitbekomme, wie es gegen halb zehn hell und gegen 14 Uhr wieder dunkel wird. Ich muss zugeben, dass mich der kurze Tag durcheinander bringt. Ich fühle mich unglaublich müde und gähne mich durch meinen letzten Arbeitstag für dieses Jahr. Am Abend heißt es dann endlich: Feierabend und Weihnachtsferien.

Mobilität

Leider ist die Bahnstrecke von Skelleftehamn—Skellefteå—Bastuträsk schon vor vielen Jahren stillgelegt worden. Eine Wiederinbetriebnahme ist nicht in Sicht. Vielleicht wird irgendwann tatsächlich mal die Norrbotniabanan gebaut, die dann Skellefteå mit Umeå und Luleå verbinden würde, aber das kann viele, viele Jahre dauern, bis diese Strecke geplant, genehmigt, gebaut und in Betrieb genommen ist.

Von Skellefteå fahren Busse in viele Richtungen, unter anderem durchgehend nach Bodø in Norwegen, aber viele Orte sind nur mit mehrmaligem Umsteigen zu erreichen und die Fahrtzeit beträgt so viele Stunden. Viele andere Stellen kann man ohne Auto überhaupt nicht erreichen.

Wann man also an einem normalen Wochenende mehr von Schweden sehen möchte, dann bietet es sich an, mit dem Auto zu fahren. Dazu braucht man (a) ein Auto und man muss (b) fahren können.

Ich habe meinen Führerschein vor über zwanzig Jahren gemacht und seitdem habe ich nicht mehr hinter dem Lenkrad gesessen. Auch so etwas gibt‘s! Während ich aber in den deutschen Großstädten ein Auto nie vermisst habe, wünsche ich es mir hier in Nordschweden doch schon sehr. Also habe ich beschlossen, wieder mit dem Autofahren anzufangen. Und weil das so lange bei mir her ist, habe ich mich bei einer Fahrschule angemeldet.

Und heute hatte ich meine erste Fahrstunde. Ich bin positiv überrascht, dass ich mich doch an so manches noch erinnere, obwohl ich ja nie eine wirkliche Routine im Autofahren entwickelt habe. Ich habe eine hervorragende Lehrerin erwischt, die mich immer wieder wiederholen und üben lässt und gute Bilder hat. Ich freue mich auf die Fahrstunde Nummer zwei am Montag und bin gespannt, wann ich mich so sicher fühle, dass ich mir ein eigenes Auto kaufe und mehr von Nordschweden erfahren kann. Und mit dem fünften Gang klappt nächste Stunde bestimmt auch besser …

Wieder zu Hause

Plan A: Um 10:35 in Jokkmokk den Bus zu nehmen, zwei Mal umzusteigen und 16:25 zu Hause.

Geht aber nur am Sonntag, also:

Plan B: Um 10:45 von Jokkmokk nach Arvidsjaur, 2½ Std. warten, dann nach Skellefteå, 1 Std. warten, weiter nach Skelleftehamn und um 19:00 zu Hause.

„Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht
und mach dann noch ‘nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht.“

(Bertold Brecht, Dreigroschenoper)

Zu Hause war ich nämlich um halb eins in der Nacht.

Im Bus nach Arvidsjaur zuckelte ich bequem durch die neu verschneite Landschaft und habe sogar das Kitajaur VildmarksCafé wiedererkannt, in dem ich Pause gemacht habe, als ich 2005 das erste Mal in Nordschweden war. Eine schöne Erinnerung.

Leider hatte ich ja in Arvidsjaur zweieinhalb Stunden Aufenthalt. Der Wartesaal hat geschlossen. Das Café an der einen Straßenecke auch. Bibliothek und Touristbüro ohnehin. Aber ich habe das türkische Restaurant Afrodite gefunden. Dort habe ich nicht nur gutes Essen bekommen, auch die Leute waren total nett und ich konnte die ganze Zeit dort warten, bis der Bus kam.

Die Busfahrt nach Skellefteå war zuerst sehr schön, weil aus einem dunkelblauen Dämmerungshimmel Schnee fiel, der oberhalb der Windschutzscheibe vom Bus angestrahlt wurde. Das sah wirklich schön aus. Dann wurde die Fahrt doch ein bisschen lang, aber um kurz vor halb sechs war ich wieder in Skellefteå.

Um nicht eine Stunde draußen herumzustehen, gehe ich ins Büro, denn dort kann man sitzen und es gibt WLAN. Und dort treffe ich Leif. Ich höre, dass er heute zusammen mit einem Freund groß Geburtstag gefeiert; ich habe wohl eine SMS nicht bekommen. Also bleibe ich in der Stadt, um dann mit über 60 Leuten zu feiern und dabei viele Bekannte und auch Freunde zu treffen. Was für ein großer Zufall und auch Glücksfall, dass ich dabei sein kann.

Ich bin leider ziemlich müde und nehme deswegen den 23:50-Bus nach Skelleftehamn. Und dort freue mich einfach nur, wieder zu Hause zu sein. Der Weg zum Haus ist wieder völlig zugeschneit und es liegen so um 95 cm Schnee im Garten – 20 cm sind also bestimmt in den Tagen, in denen ich weg war, dazu gekommen. Das sieht einfach wunderschön aus.

Und zum Abschluss der kurzen aber ereignisreichen Jokkmokk-Reise noch zwei Fotos, die es nur aufgrund ihres quadratischen Formats nicht in die vorhergehenden Jokkmokk-Artikel geschafft haben. Die Fotos passen natürlich so gar nicht zusammen, aber gerade das illustriert eigentlich den Markt wiederum ganz gut, da dieser eben völlig unterschiedliche Eindrücke auf engstem Raum bietet.

Nach Finnland · Teil 1: Universität Oulu

Nach Finnland
Fr: Universität Oulu
Sa: Winterschwimmen Joensuu
So: letzte Wettkämpfe

In Kürze:

Von Freitag früh bis Sonntag Abend war ich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael unterwegs. Unser Ziel war das 800 Kilometer entfernte Joensuu in Finnland, wo am Wochenende die finnischen Meisterschaften im Winterschwimmen stattfanden. Auf dem Hinweg haben wir einen Zwischenstopp an der Universität Oulu gemacht. Dort werden Auswirkungen von Kälte auf den menschlichen Organismus untersucht.

Das Ziel ist, im nächsten Winter auch in Schweden, und zwar in Skellefteå, Meisterschaften im Winterschwimmen auszurichten. Und das ist die erste große Aufgabe des neu gegründeten Vereins „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ – auf deutsch in etwa: „Verein der frohen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Fahrt nach Oulu

+++ Wecker steht auf 4:20 +++ 5:30 geht‘s los. +++ die anderen abholen und dann nach Piteå, Luleå, Kalix, Haparanda +++ Inzwischen hell, Außentemperaturen liegen um -30 °C +++ In Finnland weiter nach Kemi +++ Von da bin ich vor acht Jahren mit einem Eisbrecher gefahren +++ erster Stopp Oulu (auf schwedisch Uleåborg) +++

Universitätsbesuch

Cold work action programAn der Universität Oulu sind wir mit Tiina Ikäheimo und Hannu Rintamäki vom Finnish Institute of Occupational Health (FIOH) verabredet. An diesem Institut wird zum Thema Kälte physiologisch und medizinisch geforscht und wir erfahren viel Interessantes über aktuelle Untersuchungen. So gibt es beispielsweise Arbeiten über die hormonellen Veränderungen unter Kälteeinfluss oder dem Einfluss von Kälte auf den Blutdruck. Nach dem Mittagessen führt uns Hannu durch die Labors. Hier gibt es sowohl temperaturgeregelte Wasserbecken als auch eine Kältekammer mit Windmaschine, die man bis auf -45 °C abkühlen kann. Die lasse ich mir das nächste Mal vorbereiten … . Aber es gibt auch eine Wärmekammer, die unter anderem dazu benutzt wird, Probanden wieder aufzuwärmen. (Es ist wohl nur Zufall, dass diese rein wissenschaftlich genutzte Kammer einer Sauna verblüffend ähnlich sieht.) Neben Versuchspersonen werden aber auch Dummys eingesetzt, um beispielsweise Kleidung unter Extrembedingungen zu testen. Diese technisch aufwendigen Figuren können wie Menschen bewegt werden, damit möglichst realistische Ergebnisse erzielen werden können.

Leider war unsere Zeit sehr begrenzt und schon bald saßen wir wieder im Auto, die zweite Etappe vor uns. Ich glaube, Forschung hätte auch was für mich sein können. Zumindest mal ein paar Jahre lang.

Oberflächliches Intermezzo: Von Schweden nach Finnland

  • Ich zahle wieder mit Euro
  • Ich verstehe kein Wort
  • Die Uhr wird eine Stunde vorgestellt
  • Die Landschaft unterscheidet sich aber nicht wirklich

Fahrt nach Joensuu

+++ Weiter über finnische Straßen +++ Zwischenstopp mit Kaffee und Karelischen Piroggen +++ die Sonne geht unter +++ Nicht mehr ganz so kalt +++ Das Hotel: Heruntergekommen, aber gutes Abendbrot und freies WLAN +++ und ein Hotelpianist, der Musik mit Gewalt verwechselt … +++

Gegen acht Uhr abends kommen wir in Joensuu an. Viel sehen wir nicht mehr, denn es ist dunkel und wir sind müde. Wir wissen nur von Jarkko, der aus Finnland stammt, dass „Greater“ Joensuu etwa 120000 Einwohner hat und wir am nächsten Tag nur 500 Meter laufen müssen, denn wir sind – genau wie die finnische Meisterschaft im Winterschwimmen – mitten im Zentrum. Wie praktisch!

Hemavan – ein Wochenende im Fjäll

Skelleftehamn gefällt mir – hab ich schon geschrieben, oder? – sehr gut. Was mir hier aber manchmal fehlt, sind die Berge, oder wie man in Schweden sagt, das Fjäll. Und dorthin sind Elisabet und ich letzten Freitag Mittag gefahren. Unterwegs haben wir noch Sohn und Tochter von ihr aufgegabelt und um halb sieben haben wir unser Ferienhaus in Hemavan erreicht.

Man muss ein bisschen Geduld haben, wenn man 40 Meilen (400 Kilometer) in Richtung Westen fährt. Anfangs wollen die verschneiten Nadelwälder kein Ende nehmen, doch dann sieht man am Horizont die ersten Hügel und dann irgendwann das Kahlfjäll, also den Teil der Berge, der über der Baumgrenze liegt. In Hemavan habe ich dann an den Häusern gesehen, dass es doch Regionen gibt, wo noch einiges mehr an Schnee liegt als bei mir zu Hause (laut schneewelt.de 155cm). Würde man jetzt noch 50 Kilometer weiter fahren, wäre man in Norwegen.

Samstag: Skitour ins Fjäll: Ein kleines Stückchen Kungsleden

Am Samstag morgen haben sich Sohn und Tochter mit alpinen Tourenski auf eine Gipfeltour gemacht. Elisabet und ich wollten gerne in Richtung Viterskalsstugan, der ersten (oder letzten) Hütte auf dem 450 Kilometer langen nördlichen Kungsleden. Wir hatten „Backcountry-Ski“, das sind robuste Langlaufski mit Stahlkanten, die für lange Skiwanderungen ideal sind und ich hatte zum ersten Mal meine Pulka dabei. Gleich anfangs ging es ein gutes Stück bergauf und ich habe ganz schön geflucht, denn ich wollte hoch, die Pulka aber zurück ins Tal. Aber damit hatte ich gerechnet und deshalb hatte ich Steigfelle dabei. Damit gleitet es sich nicht mehr so schön, aber man kann auch mit Pulka einfach geradeaus laufen.

Anfangs sind wir noch durch das Skigebiet gelaufen doch bald verschwand der letzte Schlepplift hinter einem Bergrücken und wir waren auf dem Kahlfjäll.

Schon im Skigebiet ist wenig los. Kein Vergleich zu den Menschenmassen, die die Alpen jedes Winterwochenende heimsuchen. Ist man aber erst wirklich im Fjäll, so ist man völlig allein. Fast …

… denn in Schweden darf man auch im Fjäll Schneeskooter fahren. Und das machen viele. Ziemlich viele. In Gruppen rauschen behelmte Personen auf ihren Maschinen laut lärmend vorbei und hinterlassen vor allem den für Zweitakter typischen Gestank. Auch wenn man sich als Skifahrer über die Spuren freut, die machen das Laufen nämlich einfacher, wünscht man sich bei jedem Überholen, die Dinger wären wie in Norwegen größtenteils verboten.

Dazu eine Anekdote, die Elisabet erzählt hat: Eine Bekannte arbeitet im Kindergarten und war mit einer Gruppe Kinder draußen. Zwei nahe Mopedfahrer haben ordentlich Gas gegeben und die Kinder standen in einer Qualmwolke. Daraufhin meinte das eine „Det luktar fjället!“ – auf deutsch: Das riecht nach den Bergen. Da sind mir ehrlich gesagt lila Kühe als Bergklischee lieber!

Nachdem wir dann auch einen Skooter aus dem Schnee mit ausbuddeln durften – nicht alle Schweden können fahren – haben wir die Viterskalsstugan, eine bewirtschaftete Hütte, erreicht. Dort standen schon viele Schneeskooter, aber in der Hütte war es dennoch ziemlich ruhig. Wie in viele Hütten so hat auch diese einen Lebensmittelverkauf. So ist es möglich, lange Touren von Hütte zu Hütte zu machen, ohne für mehrere Wochen Proviant dabei haben zu müssen. Eine tolle Einrichtung!

So gemütlich es auch war – irgendwann muss man wieder zurück, auch wenn der Wind zunimmt und es zu schneien beginnt. Auch wenn wir beide ein bisschen müde waren, so ging der Rückweg doch schneller, da es größere Strecken abwärts ging. Als ich nach dem letzten Gegenanstieg die Felle abgenommen habe, konnte ich auch wieder richtig mit den Ski gleiten – herrlich. Nur auf dem allerletzten Stück ging es doch ganz gut abwärts und ich habe gebremst wie ein Weltmeister, um nicht mit der Pulka ins Tal zu schießen. Verzeiht mir diese Übertreibung. So steil war es nicht, aber ich bin kein toller Skiläufer und lasse es auf Abfahrten lieber ruhig angehen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Nach Hause fahren · duschen · Essen machen · Abend essen · kurz nach neun ins Bett · Schlafen.

Mein kurzes Fazit: Das war ein toller Tag. Auch wenn die Anreise lang war, so ist es doch toll, dass man so eine Tour „eben mal“ an einem Wochenende unternehmen kann.

@Peter: Du, siehst, die Pulka, die ich gebraucht von Dir gekauft habe ist im Einsatz, wenn auch ohne Hund.

Sonntag: Slalom

… so heißt hier der Abfahrtslauf. Und nachdem ich mir Ski, Stöcke und Schuhe geliehen und meinen Eintages-Skipass bezahlt habe, sind Elisabet und ich mit dem Lift zu einer leichten Piste gefahren. Das war auch gut so, denn ich habe in meinem Leben kaum Abfahrtslauf gemacht und bin anfangs immer ängstlich, bis ich mich wieder an einige Grundlagen erinnere. Die meisten Fünfjährigen hier fahren zwar um Längen besser als ich, aber zumindest reicht mein Niveau aus, um auf einfachen Pisten Spaß zu haben und keinen Stress. Wie auch am Vortag war das Wetter eher bescheiden und auf der Abfahrt vom höchsten Punkt aus hat man nur noch ein paar rote Stecken und ein großes weißes Nichts gesehen. Das war dann wieder ein bisschen anstrengend, weil ich nicht sehen konnte, wie steil es wird.

Was ich hier einfach mag, ist wie ruhig es hier ist. Man muss fast nie am Lift anstehen, auf den Pisten ist man fast alleine und es gibt auch keine Außenlautsprecher, die einen mit volkstümelnden Alpenschlagern vollbrüllen. Das ganze kommt meiner Mentalität schon viel näher als so ein großer Skizirkus in den Alpen. In den Osterferien hingegen ist halb Schweden im Fjäll, dann wird es auch in Hemavan voll.

Vielen Dank an Elisabet, die mit mir so manchen „Idiotenhügel“ gefahren ist, mir Skiabfahrt wieder gezeigt hat und auch die gesamte Strecke Skellefteå—Hemavan—Skellefteå gefahren ist.

(NB: Über die Erfahrungen mit der Pulka)

Über die Pulka ist man mit einem Zuggestänge verbunden, daher läuft sie im gleichen Tempo mit einem mit.

Auf ebenem Gelände und wenn der Schnee nicht zu tief ist, ist das Ziehen phantastisch leicht. Hier spielt der Schlitten ganz klar seine größten Stärken aus.

Geht es aufwärts, möchte die Pulka abwärts. Wenn man nicht zickzack laufen oder die ganze Zeit im V-Schritt laufen möchte, so sind hier Steigfelle extrem praktisch.

Geht es abwärts, so kann man ohne Anstrengung bergab gleiten. Allerdings hat man mehr Schwung und ist nicht so manövrierfähig wie ohne.

Geht es steiler abwärts, so könnte man die Steigfelle benutzen, die ein bisschen bremsen (nicht probiert) oder einfach die kleine Etappe abschnallen und ohne Skier gehen (probiert). Steiles und vereistes Gelände ist glaube ich extrem eklig!

Quert man – also läuft man parallel zum Berg – so kann die Pulka schon mal umkippen. Einmal konnte ich sie mühelos aufrichten, das andere Mal hat sie sich ein bisschen in den Schnee eingegraben und ich musste mich aus dem Gestänge ausklinken, um sie wieder aufzustellen. Kein Drama, aber kostet Zeit.

Das Laufen mit Pulka macht aber Spaß und Lust auf mehr, zumal man ja auch Zelt und Schlafsack mitnehmen kann, Proviant, alle Objektive und ein schweres Stativ, fünf Jacken und … und … . Bei der ersten Tour mit Pulka wird es bestimmt nicht leicht, vernünftig zu bleiben, denn es passt einfach so viel hinein.

Wieder zu Hause

Nach drei Wochen Norwegen bin ich gestern Nachmittag wieder zu Hause in Skelleftehamn angekommen. Die Rundreise war erlebnisreich und einfach toll, aber dennoch habe ich mich riesig gefreut, wieder zu Hause zu sein.

In der vorigen Nacht habe ich das erste Mal seit langem wieder erlebt, dass es nachts auch dunkel sein kann. Denn die meiste Zeit waren wir in Norwegen eine ganze Ecke nördlich vom Polarkreis unterwegs und hatten Polartag, das heißt, die Sonne ging nicht unter und rund um Mittsommer wird es hier ja auch nicht wirklich dunkel.

Apopros dunkel: Das können meine Bananen auch. Sie sollten eigentlich als Proviant mit, haben aber statt dessen drei Wochen in dem von der nordschwedischen Sonne aufgeheizten Haus herum gelegen.

Apopros aufgeheizt: Die Ostsee ist, wie ich heute beim Baden feststellen konnte, noch ein bisschen wärmer geworden und ich hoffe, dass sie die Wärme noch mindestens bis Mitte September speichert – für die nächsten Besuche.

Sommer in Norwegen · Teil 1

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der erste Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Gut 2200 Kilometer sind wir gefahren, um Freunde zu besuchen, die Lofoten und Vesterålen zu entdecken, eine Zelttour im Fjell zu machen und zum Abschluss noch einige Tage in Tromsø zu verbringen. Aber ich greife vor, gehen wir zurück zum 8. Juli.

Dieses ist die erste Reise, die ich jemals mit eigenem Auto gefahren bin. Und ich habe es ausgenutzt, einen Kombi zu besitzen: Eine Kühlbox vom Nachbarn für schwedischen Käse und kühle Getränke, ein Neoprenanzug für die kalte Nordsee, Laptop, sämtliches Foto-Equipment und manches mehr kam mit auf die Reise. Dagegen war Sonyas Gepäck doch sehr übersichtlich.

Unser erstes Ziel lag noch nah: Kusfors in Schweden, wo wir Freunde besucht haben und über Nacht geblieben sind. In dem kleinen Dorf wird seit diesem Sommer wieder das Café Angloket – zu deutsch Café Dampflok – betrieben, wo wir bei schönem Wetter draußen saßen, dem Gitarristen zuhörten und unter anderem Schweinegulasch mit Erdbeeren genossen. Ein herrlicher Abend!

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Samstag haben wir uns dann auf den Weg gemacht. Die meiste Zeit sind wir auf dem Silvervägen (Der Silberweg) gefahren, der das schwedische Skellefteå mit dem norwegischen Bodø verbindet. Zwischenstopps haben wir in Arjeplog, am Polarkreis und am See Sädvajaure gemacht.

Am Abend sind wir bei Sven und Susa angekommen, die den letzten Hof des Evenesdalen bewohnen. Das Grundstück wird nördlich und südlich von eindrucksvollen Bergen umrahmt, wir haben es uns aber nach einem schönen gemeinsamen Abend in unserer Hütte gemütlich gemacht.

Den nächsten Tag haben wir bei herrlichem Wetter einen Ausflug mit der ganzen Familie zum nächsten Badesee gemacht, der überraschend warm war. Abends haben Sonya und ich noch eine kleine Wanderung in das Junkerdal unternommen. Alleine die Landschaft rund ums Haus ist schon mehr als sehenswert. Am Abend zieht Nebel auf und die Landschaft wirkt magisch und mystisch.

Am nächsten Tag haben wir uns auf Svens Empfehlung eine Tagestour ins Rykkjedalen gemacht. Was für eine Empfehlung! Nach einem Kilometer Straße geht ein kleiner Pfad links ab und eine Brücke führt über den kleinen, aber reißenden Fluss. Danach verläuft der Weg durch Birkenhaine, über schwankende Moore, auf denen aberhunderte Moltebeeren – leider alle noch unreif – wachsen einen Berghang hoch zu einem Wasserfall. Dann windet sich der Pfad immer höher, bis wir über der Baumgrenze auf dem Kahlfjell sind. Regenpfeifer piepsen ihren immer gleichen Ton und Seeschwalben fliegen akrobatisch um uns herum. Auf einem Stein machen wir Pause, die ich für ein paar Selbstauslöseraufnahmen nutze. Auf dem Rückweg wuselt uns ein Lemming vor die Füße. Er versteckt sich im Gebüsch, aber – wie man am Foto sieht – nicht sehr gut. Um das Tierchen nicht zu sehr zu stressen, machen wir uns bald auf den Rückweg und freuen uns über eine leckere Suppe.

Schon die ersten Tage in Norwegen waren herrlich. Vielen Dank an Sven und Susa für ihre Gastfreundschaft.

Nach einer letzten Nacht in unserer gemütlichen Hütte stehen wir früh auf, um die Fähre in Bodø zu erwischen. Aber das ist eine andere Geschichte …

Sommer in Norwegen · Teil 2: Lofoten

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der zweite Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Nun sind wir auf dem Weg nach Bodø, um uns die Lofoten anzuschauen und dann die Vesterålen zu erreichen, wo wir Freunde besuchen.

Früh aufgestanden sind wir, damit wir auch ja die Zehnuhrfähre von Bodø nach Moskenes auf den Lofoten erwischen. Die Fähre haben wir zwar erwischt, aber leider war kein Platz mehr für uns frei. Also haben wir uns ein paar Stunden Bodø angeschaut (Mit Schwerpunkt auf das Kafé Kafka) und dann die 15:30-Fähre genommen. Auf der mehrstündigen Überfahrt war es zwar kühl, aber wir waren die ganze Zeit draußen, zu schön war der Blick auf die immer näher kommenden Lofoten, die man schon von Bodø aus sehen konnte.

Als wir an Land waren, sind wir nach Süden zur Stadt Å gefahren (ja, die heißt wirklich so). Dann habe ich wieder das Steuer übernommen und teilweise ganz schön geschwitzt, denn auf den engen, kurvigen und bergigen Strässchen fahren die Einheimischen ganz schön schnell und ich war froh, dass die Hauptstraße E10 doch ein bisschen breiter war.

Schade war, dass die Wolkendecke teilweise so niedrig war, dass die meisten Bergspitzen verhüllt waren und bei den Regenschauern habe ich die vielen Reiseradler nicht wirklich beneidet. Auf einen Tipp von René haben wir einen sehr schönen Campingplatz in Utakleiv im Westen der Insel Vestvågøya gefunden, von dem wir eine herrliche Sicht auf die Mitternachtssonne haben sollten. Aber die Wolken hatten auch hier ein Wörtchen mitzureden …

Auf dem schönen Campingplatz am türkisblauen Meer waren nicht nur Menschen, auch die Schafe schienen sich hier sehr wohl zu fühlen.

Ein paar Worte zwischendurch zur Landschaft: Ich war noch nie zuvor auf den Lofoten und versuche gar nicht erst zu beschreiben, wie sehr mich Landschaft und Kultur beeindruckt haben. War für eine herrliche Region für Fotointeressierte wie mich! Ich werde bestimmt nächstes Jahr mit mehr Zeit zurückkehren, bin aber unschlüssig, ob ich dann mit dem Auto oder mit dem Rad unterwegs sein sollte. Aber bis zum nächsten Jahr ist ja noch ein bisschen hin.

Das Gute: Ich weiß jetzt, dass mein neues Zelt auch dann dicht hält, wenn es die ganze Nacht regnet. Und wir konnten sogar ohne Regen in Ruhe alles einpacken. Den Rest des Tages sind wir bei sehr wechselhaftem Wetter weiter nordwärts gefahren. Wechselhaft heißt aber auch, dass es teilweise richtig schön war, wie zum Beispiel, als wir im schönen Städtchen Henningsvær Pause gemacht haben. Dort haben wir auch bestätigt bekommen, dass man in norwegischen Restaurants sehr viel Geld lassen kann, selbst, wenn man nur ein Getränk bestellt … .

Nach der ausgiebigen Pause sind wir dann weiter Richtung Norden gefahren und abends in Fiskebøl angekommen, wo wir eine Stunde später mit der Fähre nach Melbu auf den Vesterålen übergesetzt haben. Aber das ist eine andere Geschichte …

Zum Abschluss noch ein paar Fotos, die ich in diesen zwei Tagen auf den Lofoten gemacht habe. Unsortiert, einfach für einen kleinen Eindruck.

Sommer in Norwegen · Teil 3: Vesterålen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der dritte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Inzwischen sind wir auf den Vesterålen, wo wir bei und mit Freunden herrliche Tage zwischen Entspannung (und gutem Essen!) und Bergtour erleben.

Nachdem wir mit der Fähre nach Melbu übersetzt haben und nun auf den Vesterålen waren, hatten wir es nicht mehr weit zu Julia und René. Die beiden sind letztes Jahr nach Norwegen gezogen und haben ziemlich schnell einen Hof gekauft, den sie jetzt renovieren. Vor dem Haus läuft die Straße, direkt dahinter liegt das Ruderboot alten Stils am Hadselfjorden. Hinter dem Haus liegen Moore, Wälder und Berge, die meisten gut zu Fuß erreichbar.

Schon gleich am ersten Tag sind wir – nachdem wir für eine Besorgung Renés mit dem Auto um fast die ganze Insel gefahren sind – bei recht grauem Wetter eine schöne, große Abendrunde über Moor und durch Wald gelaufen. Danach habe ich mich erst einmal mit Fieber ins Bett gelegt und einen Tag Auszeit genommen. Aber am Abend des zweiten Tages ging es mir schon wieder gut genug, um mit Sonya von René über das Meer gerudert zu werden. Was für ein Luxus!

Abends klarte es dann auf und der Vollmond leuchtete über den wolkenumhangenen Bergen der benachbarten Lofoten. Was für eine herrliche Stimmung, die ich leider mit der Kamera nicht wirklich einfangen konnte.

Die nächsten beiden Tage hatte Julia frei und wir konnten zu viert zwei sehr schöne Tagestouren machen. Am Samstag sind wir auf den Dalbotntinden gelaufen. Schon bald waren wir am Fuß des ersten hügeligen Berges, wo wir auf einem kleinen, fast unsichtbaren Pfad an einem Bach aufwärts stiegen. Julia und René waren über die Bartflechten begeistert, die hier auf einigen Birken wuchsen, daraus kann man nämlich Suppe machen, die dann nach Pilzen schmeckt. Denn Pilz ist ja der Hauptbestandteil des Doppelwesens Flechte.

Bald waren wir über der Baumgrenze, die liegt ja in diesen Breiten nicht sehr hoch und haben an einem herrlichen See Pause gemacht. Julia war in dem eiskalten Wasser baden, ich hatte als gute Ausrede, dass ich ja am Vortag noch krank gewesen sei. Über den heißen Kakao, den René an Ort und Stelle gekocht hat, haben wir uns aber alle gefreut.

Nach der Pause ging es höher und höher, bis wir schließlich auf dem breiten und bequemen Grat den Gipfel erreicht haben. Während die eine Seite ganz sanft abfällt, geht es auf der anderen Seite senkrecht in die Tiefe. Ein Berg mit zwei Gesichtern.

Auf dem Rückweg haben unsere Gastgeber dann Gelegenheit gehabt, Flechten für die nächsten zwanzig Suppen zu ernten, so viele wuchsen an den kleinen, krummen Birken. Auf der Insel gibt es auch keine Rentiere, denen man das Futter streitig macht. Da wir erst recht spät losgekommen sind, war es später Abend, als wir wieder zu Hause waren. Aber das macht ja nichts, denn die Sonne scheint 24 Stunden. Leider wieder hinter dichten Wolken.

Am Sonntag schien die Sonne, ein herrlicher Tag. Da wir dieses Mal noch später losgekommen sind, haben wir uns eine kürzere Tour ausgesucht und sind auf den Hallartinden gestiegen. Wir hatten einen herrlichen Blick, Sonnenschein und genug Schokolade. Da kann man schon einmal länger oben bleiben.

Und das ganze als scrollbares Panorama:

Aber irgendwann ging es wieder heimwärts, wo Julia Pizza im heißen Wohnzimmerofen gemacht hat. Und dies war eine der besten Pizzen, die ich jemals gegessen habe. Wahrscheinlich fühlte sich auch der Ofen verpflichtet, der kam nämlich aus Italien.

Sonya und ich haben inzwischen beschlossen, die Gastfreundschaft unserer Freunde noch einen Tag länger in Anspruch zu nehmen. Nach zwei Tagen Bergen wollte ich noch einmal ans Meer. Muscheln sammeln und Vögel fotografieren. (An alle, die Austernfischer fotografieren wollen: Nehmt einen guten Gehörschutz mit, die Vögel sind extreme Schreihälse.)

Nachdem ich am Meer war, wollte ich nochmal ins Meer. Mit Neoprenanzug, Schnorchel und Renés Unterwassergehäuse für die Kamera. Die Aktion war eher lustig als erfolgsgekrönt. Zum einen hat der Neoprenanzug einen so starken Auftrieb, dass ich überhaupt nicht abtauchen konnte. Zum anderen konnte ich mit der Tauchermaske durch den Kamerasucher rein gar nichts erkennen und habe nur blind abgedrückt. Aber wie gesagt – lustig war’s und so ist der im Auto mitreisende Overall wenigstens zum Einsatz gekommen.

Abends gab es dann eine Suppe aus Flechten. Nach traditionellem samischem Rezept gehört Rentiermilch dazu, wir haben uns mit Sahne beholfen. Es ist schon faszinierend, wie sich die gekochten Flechten von komischer Pampf zu leckerer Suppe verwandelt haben.

Am nächsten Morgen haben wir in Ruhe gefrühstückt, unsere tausend Sachen gepackt und weiter zu Björn Klauer in Innset gefahren. Auch dieser Weg – wunderschön. Spät am Abend gab es einen herrlichen Regenbogen, der sich über die schönen, grasgedeckten Häuser von Björns Huskyfarm erstreckte. Am nächsten Tag sollte unsere Wandertour losgehen, aber das ist eine andere Geschichte …

Vielen Dank an Julia und René für ihre Gastfreundschaft, die gemeinsam erlebte Zeit und auch für das gute Essen.

Sommer in Norwegen · Teil 4: Fjelltour

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der vierte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Wir sind jetzt in Innset und haben auf Björn Klauers Huskyfarm übernachtet. Jetzt, am nächsten Morgen beginnen wir unsere Mehrtagestour.

Und die Tour beginnt ganz schön anstrengend. In unseren Rucksäcken sind Zelt, Schlafsack, Isomatte, Ersatzkleidung, Kocher, Lebensmittel und erste Hilfe untergebracht. Ich beschwere mich noch zusätzlich mit Stativ und zwei zusätzlichen Objektiven und habe damit in etwa 24 Kilo Gepäck auf dem Rücken. Puh!

Ich finde Orientierung in der Natur eigentlich nicht schwer, aber in der Zivilisation manchmal schon. Wo ist denn jetzt die zweite Brücke über den Fluss? Die Brücke ist bald gefunden und bei recht grauem Wetter laufen wir den steilen Traktorweg bergauf. Da auf uns mindestens 800 Höhenmeter warten, gehen wir die Tour langsam an und machen mehrere Pausen. Der Weg führt an einer Schlucht vorbei und durch Birkenwald immer höher. Den Fluss Dittiskardet müssen wir irgendwann mal furten.

Bald sind wir über der Baumgrenze und der Weg führt in kleinen Buckeln immer höher. Es wird dunkler und immer wieder gibt es kleine Regenschauer. Wir sind nicht sicher, wo man am besten über den Fluss kommt und finden, nachdem wir schon recht weit sind eine akzeptable Stelle. Dort wechseln wir von Wanderstiefeln zu Sandalen und kurzen Hosen und laufen durch das knietiefe Wasser ans andere Ufer. Knietief heißt bei der starken Strömung, dass man sich gut konzentrieren muss und Füße und Treckingstöcke mit Kraft gegen die Strömung führen und setzen muss, um nicht umgeworfen zu werden. Nachdem wir beide erfolgreich auf der anderen Seite angelangt sind, merke ich, dass ich drüben die Karte vergessen habe …

Die Karte ist geholt und wir laufen weiter. Das Gelände wird immer karger. Bald sind die nassen Wiesen verschwunden und das Gelände wird von mit Flechten bewachsenen Steinen und kleinen Schneefeldern geprägt. Zwischen den Steinen wächst Gras, Moos und kleine Blumen. Wir haben nun den 1106 Meter hohen See Dittivatnet erreicht. Und hier erleben wir einen Wolkenbruch, wie ich ihn selten erlebt habe. Ich suche einen Zeltplatz, was in dieser scharfkantigen Steinwüste nicht einfach ist. Aber irgendwo finde ich doch ein hubbeliges Stück Wiese, wo wir das Zelt aufbauen.

Nach einem heißem Kakao und extrem ekligen Spaghetteria Bolognese von Knorr schlüpfen wir in unsere trockenen Schlafsäcke und schlafen. Am nächsten Morgen ist das Wetter wie ausgewechselt. Der klare blaue Himmel spiegelt sich im See und wir frühstücken in Ruhe. Wir haben beschlossen, ohne Zeitplan unterwegs zu sein, da wir ja auch nachts laufen können, wenn wir wollen.

Unsere Rucksäcke sind wieder gepackt und geschultert. Nun geht es über die Steine noch höher und bald liegt das Dittivatnet hinter uns. Irgendwann haben wir den Gipfel des Čorrovárri (1324) und damit den höchsten Punkt unserer Tour erreicht. Gelegenheit für eine Kekspause.

Nun gehen wir im großen Bogen abwärts, um zu einem kleinen Gletschersee zu stoßen und der ist auch wirklich sehenswert. Es ist eigentlich nicht kalt, aber die Fotos sehen anders aus.

Nach einer Pause laufen wir in Richtung Osten. Es klart auf und es tut gut, blauen Himmel zu sehen. Der Boden ist sehr nass. Immer wieder überqueren wir sumpfige Wiesen und aberhunderte kleiner Rinnsale. Bald stoßen wir auf den Nordkalottleden, dem wir in Richtung Süden folgen.

Nach einigen Kilometern Strecke stoßen wir auf einen herrlichen Zeltplatz und beschließen sofort, das Zelt aufzubauen. Von Süden her laufen einige Rentiere mit Kälbern durch das breite Tal und wir freuen uns, die Tiere beobachten zu können. Ein bisschen später kommt von Norden eine große Herde mit bestimmt sechshundert Tieren her und zieht durch das Tal. Auch oberhalb des Zeltes grasen die Tiere, sind aber ein bisschen misstrauisch und kehren bald wieder um.

In der Nacht wird Sonya krank. Wir beschließen, einen Pausentag zu machen und die Tour zu verkürzen. Sonya nutzt den Tag, um sich auszukurieren. Ich laufe am Nachmittag auf den Skadjoaivi, wo ich einen herrlichen Blick in alle Richtungen habe.

In der Nacht ziehen Wolken durch das Tal und es hat angefangen zu regnen. Und es wird den ganzen Tag weiterregnen. Pausenlos. Wir kochen im Regen, wir packen im Regen und wir laufen weiter im Regen. Die Funktionskleidung kommt an ihre Grenzen und wir überqueren so viele Flüsse, dass wir zum Schluss beide von Kopf bis zu den Zehen klatschnass sind. Bei diesem Wetter haben wir keine Lust, einen Zeltplatz zu suchen und da sich Sonya wieder gut fühlt, laufen wir die ganze Strecke zu Björns Huskyfarm zurück. Mein Regenschutz hat mal so garnichts gebracht und auch alles im Rucksack ist nass. Ich bin froh, dass wir nicht mehr im Zelt sind und ich alle Sachen trocknen kann.

Sonya ruft Julia und René an und wird still. Wir erfahren von dem fürchterlichen Bombenattentat in Oslo und dem Blutbad in Utøya. Was für ein Schock!

Wir machen noch einen Tag Pause bei Björn und fahren dann nach Tromsø weiter, aber das ist eine andere Geschichte …

Danke an René für den schönen Tourenvorschlag. Danke an Julia für die Fernberatung per Telefon, als Sonya krank war.

Sommer in Norwegen · Teil 5: Tromsø

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Norwegen 2011.

Dies ist der fünfte und letzte Artikel zu der dreiwöchigen Rundreise durch Nordnorwegen, die Sonya und ich im Juli dieses Jahres gemacht haben. Nach drei Stunden Autofahrt sind wir in Tromsø angekommen.

Ich will gar nicht groß über Tromsø schreiben. Ich werde für immer den Aufenthalt mit dem Fackelzug anlässlich der schrecklichen Ereignisse in Oslo und Utøya verbinden, an dem auch Sonya und ich teilnahmen.

Am Tag danach war das Wetter gut und wir sind zum und auf den Storsteinen, den Hausberg Tromsøs gewandert. Von dort aus hat man einen weiten Blick über die Stadt, Fjorde und Berge.

Am zweiten Tag waren wir in einigen Museen, wo wir Polarlicht gemacht haben, viel über die Samen in Norwegen gelernt haben, auf einem alten Fängerschiff herumgelaufen sind und viel über die Entdeckung der Pole erfahren haben. Höhepunkt war für mich die Begegnung mit der jungen Samin, mit der wir in der Kåta nahe des Tromsø Museum gesessen, Kaffee getrunken und uns über die samische Kultur unterhalten haben.

Am nächsten Tag sind Sonya und ich zum Flugplatz Bardufoss gefahren. Von dort aus ist Sonya nach Oslo geflogen. Danke Sonya, für die schönen gemeinsam erlebten Wochen.

Eigentlich hatte ich geplant, einen Zwischenstopp in Abisko und einen zweiten auf Solberget zu machen. Aber ich war dermaßen mit Eindrücken gesättigt, dass ich nur noch nach Hause wollte. Denn dort fühle ich mich – wie Ihr hier öfters zu lesen bekommt – ja auch sehr wohl.

Also bin ich direkt zu Solberget gefahren, wo ich mich gefreut habe, Dirk und Silke wiederzusehen. Es führt jetzt zu weit, über den wunderschönen Hof zu schreiben, die Holzfällerhütte und die zahmen Rentiere, die neugierig ankommen und auf Flechten hoffen. Auf meiner Fotoseite habe ich Winterfotos von Solberget.

Am nächsten Morgen habe ich einen kurzen Zwischenstopp am Polarkreis-Denkmal gemacht und bin dann nach Hause durchgefahren. Angekommen!

Roadtrip

Am Wochenende sind Delle und ich mit seinem Auto losgefahren. Einfach in Richtung Norden. Und es ist schon spannend, was man alles sieht, auch wenn man vorher rein gar nichts geplant hat.

Stopp: Trundön, eine kleine Halbinsel nördlich von Piteå.

Beim Anhalten wurden wir direkt gefragt, ob wir zum Fischen hier sind. Aber nein, ich wollte bloß das Seeungeheuer fotografieren, was gerade im Meer bei Trundön aufgetaucht ist.

Stopp: Vogelschutzgebiet

Von dem Beobachtungsturm hatte man einen schönen Blick auf die Feuchtgebiete. Schade, dass alles ein bisschen im Nieselregen hing.

Stopp: Traktormuseum in Svartbyn bei Överkalix

Wenn man absichtlich ein Museum besucht, dann hat man ja immer schon eine gewisse Erwartungshaltung. Aber wenn man einfach im Auto in Reichtung Norden fährt und plötzlich stehen hundert alte Traktoren und andere Maschinen auf einer Wiese geparkt, dann ist man schon überrascht. Auch hier haben wir angehalten und uns die vielen Exponate angeschaut. Manche Traktoren sahen mit ihren seitlichen Scheinwerfern aus, als kämen sie aus einem Walt-Disney-Film.

Stopp: Einkaufen

In Överkalix wollten wir einkaufen. Aber sowohl ICA als auch Coop hatten schon um 17:00 geschlossen. Für mich ist das ungewohnt, hier haben auch die kleinen Läden wesentlich länger geöffnet. Aber es gab eine Tankstelle, die gut darauf eingerichtet war, dass Menschen auch nach fünf Uhr noch Hunger bekommen und Essen kaufen wollen.

Stopp: Polarkreis

In Näsberget am Kalixälven haben wir auf einer kleinen Schotterstraße den Polarkreis überquert.

Stopp: Jockfall

Dann haben wir den Fluss am Jockfallet überquert. Dieser Wasserfall war auch bei wolkigem Himmel und schon leichter Dämmerung sehr beeindruckend.

Stopp: Übernachtung

Auf einem Schotterplatz unweit des Kaartiskajärvi – also mitten in der Pampa – haben wir das Auto geparkt und zum Schlafraum umgebaut. Ich war wirklich überrascht, wie viel Platz in einem Opel Omega ist. Man kann mit zwei Personen bequem und ausgestreckt liegen und ich habe ziemlich gut geschlafen, auch wenn ich am nächsten Morgen früh wach war.

Stopp: Polarkreis

Am nächsten Tag sind wir in Richtung Osten gefahren und haben an der schwedisch-finnischen Grenze in Juoksengi den Polarkreis überquert. Hier führt auch im Winter eine Skooterspur nach Finnland über den Fluss Torneälven. Ein paar Meter weiter südlich des Polarkreises waren herrliche Granitfelsen am Ufer mit Blick auf eine zerklüftete Felseninsel mitten im Fluss.

Stopp: Fjällräven Outlet und Frasses

In Övertorneå haben wir den Fluss überquert und sind in Finnland bis zur Grenzstadt Tornio gefahren. Nach eh wir einmal finnischen Boden betreten konnten, waren wir – wupps – in Haparanda und damit wieder auf schwedischem Boden. Dort habe ich in Ruhe im Fjällräven-Outlet-Store gestöbert und anschließend waren wir in Frasses, einer Hamburgerkette essen. Frasses Haparanda ist die einzige mir bekannte Hamburgerbar mit Kronleuchtern.

Stopp: Storön

Wieder eine Stelle an der Küste, dieses Mal von Fischerei geprägt. Ich habe allerdings keine Ahnung, was mit diesen monströs-großen Aalreusen gefangen wird. Ich habe sie mal Walreusen getauft. Das war unser letzter Stopp, denn das Wetter war eher bescheiden und es zog uns nach Hause.

Jetzt habe ich nur über einige Stopps geschrieben und nicht über die etwa 1000 Kilometer Fahrt dazwischen. Es war eine schöne Rundtour, aber wir waren dann auch froh, wieder zu Hause zu sein.

In Deutschland

Seit Freitag Abend bin ich in Deutschland, Familie und Freunde besuchen. Erst war ich ein paar Tage in Holzgerlingen bei Stuttgart, bin dann heute nach Augsburg gefahren und am Freitag fahre ich noch für ein paar Tage nach München. Am Montag geht es dann wieder mit dem Flieger nach Hause.

Das letzte Mal in Deutschland war ich vor einem Jahr und es ist ein seltsames Gefühl, nach dieser recht langen Zeit das erste Mal wieder hier, in der alten Heimat zu sein. Vieles ist so anders und doch noch so vertraut, schließlich habe ich fast mein ganzes Leben hier verbracht. Und so sehe ich viele Sachen, die früher völlig normal waren, aber mir jetzt besonders auffallen, da es diese in Skellefteå und umzu nicht gibt:

  • Amtsdeutsch
  • Apfelschorle
  • Biergärten
  • Buchenwälder
  • Bäcker
  • Fachwerkhäuser
  • Höckerschwäne
  • Kastanien
  • Kondensstreifen
  • Kürbiskernbrötchen
  • Laugengebäck
  • Maultaschen
  • Nahverkehrszüge
  • Platanen
  • Rauhfasertapete
  • sechsspurige Straßen
  • viele Menschen
  • Weihnachtsgebäck
  • Wirtschaften

Manche dieser Dinge mag ich, auf andere kann ich hingegen gut verzichten. Aber ich bin ja nicht nach Deutschland gekommen, um Laugengebäck zu essen, sondern um meine Eltern, meine Geschwister mit Ihren Familien und einige Münchener Freunde wiederzutreffen. Und das ist toll!

Dieses Mal – ganz untypisch – zwei Fotos aus Deutschland mit Dingen, die ich so in Nordschweden nicht fotografieren könnte, weil es sie dort nicht gibt.

Nun hoffe ich nur noch auf Schnee für zu Hause, der dieses Jahr allerdings noch gar nicht in Sicht ist. Und so wird es wohl, wenn ich wieder in Skelleftehamn bin, schon um halb vier stockfinster sein.

zu Hause

Nach elf Tagen Süddeutschlandreise bin ich wieder in Skelleftehamn angekommen. Und so toll die Zeit mit Familie und Freunden war, so sehr freue ich mich doch, wieder zu Hause in den eigenen vier Wänden angekommen zu sein.

Eine Tradition aus dem letzten Jahr hat sich fortgesetzt: Wie bei meinem damaligen Rückflug von Bremen sind meine Koffer reisefreudiger als ich und noch irgendwo unterwegs. Das liegt daran, dass die gute Frau heute beim Check-In statt der Teilstrecke Stockholm—Skellefteå die andere Richtung eingebucht hat. Nun, Irren ist menschlich, das kann passieren, aber warum warnt das Computerprogramm nicht, wenn man so idiotische Verbindungen wie „München—Stockholm“ und direkt danach „Skellefteå—Stockholm“ eingibt. Und warum weiß man in München immer noch nicht, dass Gepäck doch durchtransportiert wird und nicht auf dem Flughafen Stockholm eigenhändisch durch den Zoll geschoben werden muss? Das war schon vor einem halben Jahr nicht anders.

Aber etwas ist anders als bei meinem Rückflug vor einem Jahr: Dieses Mal empfängt mich keine weiße Winterlandschaft, sondern ein frost- und schneefreies Nordschweden. Und oft war es hier die letzten Tage wärmer als in München. Und so wird es ohne Schnee morgen ganz schön schnell dunkel werden, wenn um zehn vor drei die Sonne untergeht.

Schön war die Zeit, sehr schön sogar. Es ist toll, Zeit – wenn auch zu wenig – mit Familie und guten Freunden verbringen zu dürfen. Aber die Stadt München ist mir fremd geworden. Dass ich da mal sechs Jahre gelebt habe! Aber das ist ein anderes Thema und darüber schreibe ich ein anderes Mal. Das kann aber ein bisschen dauern, denn diese Woche wird recht tough. Auch dazu später mehr.