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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Eiswagenmelodie

Und hier für alle schwedischen und nichtschwedischen Musiker:
Melodie des Eiswagens
Die Melodie der Eiswagen. Heute gehört – leider auf der anderen Flussseite.

Gästezimmer und Bibliothek

Am Donnerstag habe ich eine große IKEA-Lieferung mit vielen hellen Holzteilen in unterschiedlichen Größen und Plastiksäckchen mit Schrauben, Holzzapfen und Inbusschlüssel erhalten. Heute habe ich deshalb den ganzen Tag im Keller verbracht und erst Regale gebaut, dann sämtliche Bücher recht unsortiert einsortiert und zum Schluss noch das Bett zusammengebaut, damit die komprimierte Matratze sich schon mal ein bisschen aufpusten kann. Das Bibliotheks-Gästezimmer ist also im Grunde fertig und wird ab Dienstag schon durch Thomas eingeweiht, der zwei, drei Tage bei mir ist, um die vielen, kleinen Dinge zu fixen, die im Haus gemacht werden müssen und für die ich zu ängstlich oder zu unerfahren bin, um sie selber zu machen.

Und was ist das? Musik? Nun – das war gestern:

Nächste Woche heiraten Kollegen und normaler­weise machen die Frauen vorher mit der zukünftigen Braut „möhippa“ und die Männer entsprechend „svensexa“. Dieses Mal ist aber alles etwas anders gewesen und unter dem Motto „Mösexa och Svenhippa!“ sind die Frauen mit dem Bräutigam losgezogen und wir mit seiner zukünftigen Frau. Beim Bowling war ich nicht dabei, denn wir haben geprobt. Die Kollegin hatte nämlich die Aufgabe, zwei Beatles-Stücke einzu­singen, eine Aufgabe, die sie gut gemeistert hat, wie man auch nachträglich auf dem Musik­video sehen konnte. Ich fand es interessant, wie viele Kollegen von 10 Merchant Street nicht nur ein Instrument spielen können, sondern auch die Beatles-Lieder souverän auswendig spielen. Die ganze Aktion war schon eine sehr lustige Sache. Ich habe die anschließende Party allerdings um halb zwölf verlassen, denn … siehe oben … .

Hauseinweihung

Gestern war meine erste echte Einladung von in Schweden lebenden Schweden in Schweden. Ich hatte zum „Piano-Knytkalas“ eingeladen. Knytkalas bedeutet, dass jeder etwas zu essen (und zu trinken) mitbringt. Gleichzeitig war es aber auch Inflyttningsfest, also „Einzugsfest“ oder Hauseinweihung. Und ich war ganz schön nervös. Hoffentlich habe ich nichts vergessen und hoffentlich gefällt es allen bei mir. Zumindest alles zum Kaffee kochen hatte ich besorgt, denn ohne Kaffee geht in Schweden eigentlich gar nichts.

Was soll ich sagen – richtig schön war es! Ich hatte 26 Erwachsene (teilweise mit Kindern) eingeladen, gekommen sind dann zehn, da doch einige krank waren und andere bei einem Chick-Corea-Konzert in Umeå. Und ich glaube, dass es allen gefallen hat.

Viele der Eingeladenen sind sehr internetaffin und so gab es bei Twitter, Facebook und Gowalla einige Posts vor, während und nach dem Fest. (Nein, es gab keinen offiziellen Hashtag für den Abend, aber ich war kurz davor, einen auszurufen …). Das Foto links hat Paulina bei Gowalla online gestellt.

Nach dem sehr leckeren Essen habe ich Klavier gespielt. Erst alleine und dann mit Begleitung. Denn viele der Eingeladenen machen selber Musik und so gab es so manche Spontansession mit Klavier, Gitarre und Cajón und Per hat zum Schluss noch wunderschön „My Funny Valentine“ gesungen.

Gegen viertel nach sechs kamen die Gäste, und sechs Stunden später gingen die letzten drei nach Hause. Ja, gingen, denn sie wohnen alle in Skelleftehamn. In der letzten Stunde hatte ich leider keine Konzentration mehr und die brauche ich nach wie vor sehr, um dem Schwedischen zu folgen. Deswegen bin ich in Schweden immer noch wesentlich stiller als in Deutschland.

Nun liegt das erste wirklich freie Wochenende seit Ende August vor mir und das wird wohl ziemlich frei bleiben …

zum Wetter: In der Nacht hat es geschneit und die Straßen waren weiß. Heute morgen war aber schon alles wieder weggetaut. In Lappland, vor allem im Norden hingegen ist schon richtig Winter mit aktuellen Temperaturen von unter -10 °C und 30 cm Schnee, zu dem einiges noch hinzukommen wird. So gut mir Skelleftehamn gefällt; als Winterfan hätte ich lieber irgendwo dort meine Hütte.

Musikhochschule Piteå

heiter bis trüb und kalt: Zwischen -20 °C und -25 °C, auf der E4 bis -29 °C.

Heute habe ich nach einer sehr frühen Fahrstunde (Einparken!) nur bis mittags gearbeitet. Dann bin ich mit Annica nach Piteå zum Acusticum gefahren. Im Acusticum befindet sich neben verschiedenen Unternehmen vor allem die Musikhögskolan Piteå, eine der sechs schwedischen Musikhochschulen. Annica hat mich schon vor zwei Wochen mit einer Künstleragentur in Skellefteå bekannt gemacht und heute einigen Leuten der Musikhochschule vorgestellt. So habe ich den Dozenten für Jazzklavier kennengelernt und der Leiter des Tonstudiobereichs hat mich herumgeführt.

Ich habe mein Diplom als Jazzpianist 1996 gemacht, das ist also schon ein bisschen her. Und es war schon seltsam, wieder durch Gänge zu laufen, wo jeder Dritte einem mit Instrumentenkoffer entgegen kommt und sich die Klänge von Orgel, Klavier und Klarinette aus den verschiedenen Räumen zu einem Klangteppich vermischen, der an jeder Hochschule irgendwie gleich klingt.

Für mich interessant: Es gibt jeden Freitag Mittag eine Jazzsession. Das ist natürlich die Gelegenheit, andere Jazzmusiker kennen zu lernen, um ein paar Kontakte in der Region zu bekommen. Ich werde also sehen, dass ich – wenn die Projekte es zulassen – ab und zu mal die Arbeit auf Samstag verschiebe, um am Freitag bei der Session dabei zu sein. Von Skellefteå nach Piteå sind es „acht Meilen“, also achtzig Kilometer, das ist hier in der Region nicht so weit.

Vielen Dank an Annica, die mir einfach den Vorschlag gemacht hat, dort ein paar Leute zu treffen und alles organisiert hat. Toll!

Zum Abschluss noch ein paar Bilder vom Zentrum. Piteå scheint recht schön zu sein. Ich werde wohl immer mal wieder die Gelegenheit haben, mir die Stadt ein bisschen näher anzuschauen …

Drei Tage

Montag

Nach der Arbeit gehe ich zu Freunden und Martin gibt mir die vierte Kochstunde. Wir machen Schweinefleisch mit Zwiebelsoße und Salzkartoffeln. Ich bekomme dann immer das Lob für das Essen, aber ohne die Anweisungen Martins wäre es nur ein Zehntel so gut.

Danach fahren wir zu mir und machen ein bisschen Musik. Martin singt und wir haben in zwei Wochen einen ersten kleinen Auftritt. Das Repertoire besteht aus verschiedenen schwedischen Liedern.

Dienstag

Am Abend fahre ich nach Ursviken zum Kanuklub, wo ich zu einem Schnupperkurs Kajak angemeldet bin. Leider lernen wir in der Zeit nicht mehr, als das man das Paddel locker mit beiden Händen hält und wie man einsteigt. Dann machen wir eine Drei-Kilometer-Tour flussaufwärts. Ich habe schon ein-, zweimal in einem Kajak gesessen und es ist schön, wieder auf dem Wasser zu sein. Nur das Kajak könnte ein bisschen größer sein, ich passe kaum herein.

Ich bin das erste Mal wirklich auf die blöden Parasiten im Wasser sauer. Ihretwegen hat nämlich das Hallenbad in Skelleftehamn geschlossen. Und deswegen kann der Verein dieses Jahr keinen Kajakkurs anbieten. Und draußen ist das Wasser noch zu kalt, um dauerhaft Übungen zu machen, bei denen man die halbe Zeit im Wasser hängt. Mist!

Mittwoch

Um zehn hatte ich einen Termin beim Finanzamt. Ich möchte parallel zu meinem Angestelltendasein auch selbständig arbeiten, hauptsächlich in den Bereichen Musik und eventuell Fotografie. Das ganze ist eigentlich recht einfach, aber ich war froh, eine geduldige Beraterin zu haben, die sich auch durch mein „Det förstår jag inte“ – das verstehe ich nicht nicht aus der Ruhe bringen konnte.

Mittags habe ich mich mit Martiné, Lasse, Jarkko und Mikael getroffen, mit denen ich im Februar den Winterschwimmwettbewerb in Finnland besucht habe. Wir haben über die „Föreningen för kylans och mörkrets glada vänner“ gesprochen, die sich zum Ziel gesetzt hat, besondere Konzepte, in denen die Kälte und Dunkelheit des Winters eine Rolle spielt zu entwickeln. Auf deutsch heißt der Verein in etwa „Verein für die frohen/fröhlichen Freunde von Kälte und Dunkelheit“.

Abends war ich zwei Stunden mit Rasenmähen beschäftigt. Unfassbar, wie das Gras in den knapp zwei Wochen seit dem letzten Mähen schon wieder gewachsen war. Drei gehäufte Schubkarren habe ich in den Wald gefahren, wo alle Bewohner einen gemeinsamen Kompostplatz haben. Ich mag es ja auch gerne, wenn das Gras länger ist, aber das mögen die Mücken auch. Der Rasenmäher und die Nachbarn hingegen weniger.

Als ich mit meiner Arbeit fertig war, ging die Arbeit im Hafen aber noch weiter. Dort liegt die Ocean Adventure, die in den nächsten zwei Tagen entladen wird. Einige Tage vorher hat das Unternehmen Kuusakoski Recycling knallrote Zettel in die Briefkästen geworfen, auf denen genau steht, was passiert und dass man willkommen ist, bei Fragen anzurufen.

Donnerstag

Heute ist frei. Wie schön. Deswegen zähle ich heute auch nicht zu den drei Tagen mit dazu.

Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

Curly Lou in Kusfors

Ich komme gerade von einem schönen Konzert wieder nach Hause. Seit Lasse und Martine in Kusfors leben, ist dort das „Café Ångloket“ (Café Dampflok) zu einem kleinen Kulturzentrum im Inland geworden. Und da ist heute Curly Lou mit einer Pianistin aufgetreten.

Das Programm, bestehend aus herrlich alten Chansons, Walzern und Tangos passte wunderbar in das Café, dessen Interieur größtenteils aus der selben alten Zeit stammt. Und das Zuhören hat mir großen Spaß gemacht und mich an so manchen Chansonabend zurückdenken lassen, wo ich selber am Klavier saß.

Es fällt mir zugegebenermaßen manchmal schwer, anderen beim Klavier spielen zuzuhören. Ich würde lieber selber da sitzen und diese schönen Lieder begleiten. (Und hier eher die Terz im Bass und dort noch einen Durchgang zur Subdominantparallele und … .) Aber das kenne ich schon von mir und vielleicht kommt das dem einen oder anderen Musiker auch bekannt vor.

Irgendwann in diesem Jahr spiele ich voraussichtlich selbst ein Konzert mit einem Bassisten im Duo im Café Ångloket in Kusfors. Das wird dann mein erstes Jazzkonzert hier in Schweden sein. Und wenn ich viel Glück habe, ist bis dahin schon das richtige Klavier da und mein Digitalpiano kann im Keller bleiben.

Jazzkonzert

Gestern habe ich das erste Mal seit meiner Tour mit Sabine Kühlich, Sheila Jordan und Stefan Werni im März letztes Jahres wieder ein Jazzkonzert gespielt, mit einem Bassisten im Duo. Kaum zu glauben, dass die Tour schon wieder so lange her ist. Damals lebte ich noch in München.

Seit Lasse und Martine in Kusfors leben, hat sich das Café Ångloket zu einem kleinen, aber feinen Kulturzentrum entwickelt. Vor habe ich hier noch Curly Lou zugehört, habe ich selber gespielt; mein erstes kleines Jazzkonzert in Schweden.

Gestern Vormittag kam Anders „Löwis“ Löfgren zu mir und wir haben die Stücke für den Abend abgesprochen und einige Stücke geprobt. Löwis spielt Kontrabass (und E-Bass) und das Einzige, was ich über ihn wusste, war, dass er sehr gut spielen soll. Und so war ich mächtig gespannt auf die gestrige Probe, die unser erstes Zusammentreffen war. Aber schon beim ersten Stück wurde klar, dass Löwis nicht nur sehr professionell spielt, sondern auch, dass wir gut zusammenspielen, und das Konzert am Abend bestimmt schön werden würde.

Nach einer Autofahrt durch Nacht und Nebel war ich auch auf das neue alte Klavier gespannt, dass gerade eine gute Woche zuvor ins Café gekommen war. Das alte, große und schwere Instrument war zwar schon wieder ganz gut „out of tune“, obwohl es gerade vor einer Woche gestimmt wurde, aber ich spiele lieber auf einem verstimmten Klavier, als auf meinem sich nach Plastik anfühlenden und nach Plastik klingenden Digitalpiano. Und der eigentliche Klang von dem Klavier war richtig gut.

Wir haben zwei Sets gespielt mit einem bunten Gemisch aus mehr oder minder bekannten Jazzstandards, einer Komposition eines schwedischen Pianisten und drei Stücken von mir. Eines meiner Stücke hatte Premiere, ich hatte es vor einigen Wochen extra für das Konzert geschrieben. Mir hat der Abend sehr gut gefallen und vor allem das Zusammenspiel mit Löwis hat mir großen Spaß gemacht. Ich glaube, dass ihm das ebenso ging, denn man hört ja, ob der andere nur Musik nach Vorschrift spielt („amtlich!“) oder mit einem kommuniziert und sich musikalisch austauscht.

Was aber auch toll war, war das Publikum in Kusfors. Etwa dreißig Leute waren gekommen, die wenigsten davon Jazzfans. Aber alle waren einfach offen für das, was an dem Abend passieren würde, extrem aufmerksam und mir ein hundert Male lieberes Publikum als die ganzen selbsternannten Jazzexperten, von denen man auf so manchem Konzert mit muffelig-kritischem Blick aus der ersten Reihe angestarrt wird.

Danke, Löwis für das schöne Zusammenspiel,
danke, Lasse und Martine für die Organisation,
danke, Julija für das leckere Essen,
danke, Elisabet für das oben verwendete Foto,
danke, Publikum für Euer dabei sein.

P.S.:

Zum einen: Nein, es war leider nicht möglich, einen Livestream nach Deutschland zu schalten. Aber es wurden einige kurze Videos mit einem iPhone gemacht, die ich jedoch noch nicht bekommen habe.

Zum anderen: Wer glaubt, nur weil gestern der 11.11.2011 war, ich habe Karnevalslieder gespielt, der irrt gewaltig. Denn wenn in Deutschland pünktlich um elf Uhr elf die Fröhlichkeit ausbricht, bin ich gerne weit weg. Räumlich, gedanklich und auch musikalisch.

Das falsche Lied

Warm ist es draußen. Ganz schön warm. Der Rauhreif der letzten Tage ist wieder verschwunden und auf den Straßen liegt ein feiner, brauner Schlammfilm. (Das sieht man den Autos auch an.) Selbst jetzt um kurz vor zehn Abend zeigt das Thermometer noch neun Grad plus. Ganz Schweden ist nach wie vor schneefrei und ein richtiger Wintereinbruch ist nicht in Sicht. Und ich bin schuld daran!

Ich habe das falsche Lied gespielt.

Letzten Freitag habe ich ja mit Löwis ein kleines Konzert in Kusfors gegeben und dabei auch – dem Isländischen nicht mächtig – ein isländisches Volkslied namens „Vökuró“ gespielt. Dies ist ein Mitschnitt von dem Stück vom letzten Freitag:

Wie schon gesagt verstehe ich vom isländischen Text (Bærinn minn. Bærinn minn og þinn. Sefur sæll í kyrrð […]) so gut wie nichts und so lese ich erst jetzt bei Wikipedia, dass Vökuró das Erwachen der Natur nach dem Winter zum Inhalt hat. Ein Frühlingslied! Und dabei hat der Winter noch gar nicht angefangen.

Da haben wohl irgendwelche altnordischen Götter gedacht, „Den Olaf, den ärgern wir mal und hören auf sein Klavierspiel. Da kann er lange auf Schnee warten!“. Aber na wartet! Jetzt setze ich mich ans Klavier und spiele „Let it snow, let it snow, let it snow!“. Aber schön leise, dass die Nachbarn das nicht hören. Die sind nämlich gar nicht böse, dass sie noch keinen Schnee schippen müssen. Hoffentlich sind die altnordischen Götter nicht schwerhörig.

Übrigens: Letztes Jahr um diese Zeit gab es Dauerfrost, und für die nächsten fünfzehn Wochen lag die Höchsttemperatur unter fünf Grad. Temperaturen wie heute wurden erst wieder Anfang April erreicht.

Lucia

Alle, die schwedeninteressiert sind, wissen es längst: Heute ist Lucia. Wer nicht weiß, was es mit dem Luciafest auf sich hat, den verweise ich an den Wikipedia-Artikel, der kann das besser erklären als ich.

Ich bin heute nach der Arbeit am Fluss zur Landskyrka, zur Landeskirche gelaufen. Oder besser gesagt gestapft, denn auf den kleinen Wegen liegt trotz des leichten Tauwetters noch einiges an Schnee. Als ich eine halbe Stunde vor Beginn da war, war ich doch überrascht, wie voll die große Kirche schon war. Aber ich habe noch einen Sitzplatz bekommen.

Obwohl die „Krönung der Lucia“ in einen Gottesdienst eingebettet war, wurde hauptsächlich musiziert. Auf einige Stücke, die von einem kleinen Jugendorchester aufgeführt wurden, folgte eine kurze Predigt. Dann kam – von allen erwartet – der Luciazug: Sieben Sängerinnen kamen in weißem Linnen gekleidet in die nun abgedunkelte Kirche geschritten und sangen, jede eine Kerze in der Hand, „Santa Lucia“. Auf der Bühne wurde dann die Lucia mit einem Kerzenkranz gekrönt und weitere Lieder gesungen.

Ich war überrascht, wie viel die Sängerinnen gesungen haben. Sie begannen mit den typischen schwedischen Lucialiedern, sangen dann aber auch vom Klavier begleitet Stücke wie „When I wish upon a star“ und „Go tell it on the mountain“. Zum Schluss sangen sie dann wieder „Santa Lucia“ und schritten langsam aus der Kirche hinaus.

Als ich noch in Deutschland lebte, dachte ich bei jedem Luciafest an Schweden. Heute war es umgekehrt, denn als in München gelebt habe, habe ich mit dem Svenska Kören, dem Schwedischen Chor so manches Weihnachtskonzert gesungen. Und während ich heute beim Lucialied noch ein bisschen an Münchner Zeiten dachte und gute Freunde, die im fernen Süden leben, ging rumsbums! das Licht an, ein Teil des Publikums stand schon und alles steuerte auf die Ausgänge und die Autos zu. Das ging mir ein bisschen plötzlich.

Bethlehems Sterne

Was mache ich, wenn Sonntag ist, es schon wieder regnet und die Motivation, da raus zu gehen, doch sehr gering ist? Zum Beispiel Klavier spielen. Und da heute der vierte Advent ist, habe ich auch ein schwedisches Weihnachtslied namens „Gläns över sjö och strand“ oder „Betlehems stjärna“ gespielt. Die Melodie kommt von Alice Tegnér aus dem Jahre 1893. Das Arrangement stammt von mir.


Ich wünsche Euch allen einen schönen vierten Advent!

Tagestour nach Uganda

Gestern am Samstag war herrliches Frühsommerwetter. Genau den Tag, den man sich wünscht, wenn man nach Uganda fahren will. Uganda, wie jeder weiß, liegt in Afrika. Das ist zum Glück nicht so weit von hier. Eine Stunde Autofahrt und schon ist man da.

Ich habe unter dem blauen Himmel auf dem Gras gesessen und der traditionellen Musik Ugandas gelauscht. Die Rhythmen dieser Musik sind untrennbar mit Tanz verbunden und auch meine Hüften fingen irgendwann an, in den polyrhythmischen Strukturen nach einem Bezugspunkt, den auch ein ungebildeter Europäer versteht, zu suchen, während mir selbst im T-Shirt gut warm war.

Den fünf Ugandern fanden es allerdings eher kalt. Das mag daran liegen, dass dieser phantastische Auftritt zugegebenermaßen nicht in Uganda selbst, sondern in Kusfors im schwedischen Inland stattgefunden hat. Mich hat die Veranstaltung extrem inspiriert, da die Kultur so anders als jene, in der ich aufgewachsen bin, ist. Während die Rhythmen mich mehr musikalisch anregen, spricht mich die Lebensfreude, die die Gruppe ausgestrahlt hat, als ganzen Menschen an.

Ich will versuchen, diese Freude ein bisschen mehr in meinen Alltag zu übernehmen. Wahrscheinlich kein leichtes Unterfangen für einen tanzmuffeligen und kontrollierten Menschen wie mich.

Morgen Abend spielt die Gruppe in einer Schule in Skellefteå. Kommt einfach vorbei – Uganda ist nicht weit.

Jazz in Kusfors

Ein bisschen schwebe ich noch. Ich hatte nämlich die Freude, heute mit zwei anderen Musikern ein Jazzkonzert im Café Ångloket in Kusfors zu geben. Mit dabei waren der Bassist Anders „Löwis“ Löfgren, mit dem ich im gleichen Café schon einmal im November Duo gespielt habe und dieses Mal neu die Sängerin Åsa Granlund Jonsson, die ich gefragt habe, ob sie das Konzert mit uns spielen möchte.

Wir hatten nur eine Probe und ein herrliches Durcheinander an Stücken, vom sehr traditionellen „All of me“ über von mir arrangierte schwedische Volkslieder wie z.B. „Jag vet en dejlig rosa“ bis hin zur harmonisch seltsamen Komposition „Kusfors“, die ich letzten Herbst für diesen Platz geschrieben habe. Trotz des Sammelsuriums hat die Folge der Stücke aber sehr gut funktioniert und mir macht es auch Spaß, nach einer offenen modalen¹ Ballade wieder ein 2-5-1²-Swingstück zu spielen.

Ich habe mich riesig gefreut, dass so viele Leute da waren, die ich kannte. Die besten Freunde waren ebenso da wie zwei Kollegen (mit Baby, das sich nur durch den Applaus hat irritieren lassen) und auch mancher gute Bekannte ist aufgetaucht. Toll! Letztendlich habe ich aber für alle Leute gerne gespielt, denn ich spürte, dass jeder erfrischend unvoreingenommen der Musik zugehört hat, auch wenn teilweise recht moderne und abstrakte Passagen dabei waren. Und so habe ich mich – auch wenn ich wie gewöhnlich nicht mit allem zufrieden war, was ich gespielt habe – doch rundum wohl gefühlt.

Und wie schon beim letzten Mal:

Danke, Åsa und Löwis für das schöne Zusammenspiel,
danke, Lasse für die Organisation,
danke, Martine für das leckere Essen,
danke, Per für das gute Klavierstimmen,
danke, Unbekannter für das oben verwendete Foto,
danke, Publikum für Euer dabei sein.

Wir haben beschlossen, uns nach dem Sommer (Sommer geht in Schweden immer vor) wieder zu treffen und ein bisschen zusammen zu spielen und ich hoffe auf ein weiteres Konzert im Herbst.

¹ modal: Thema und Improvisation beruhen nicht auf wechselnden Akkorden, sondern einer Tonleiter oder Skala. Schwer zu erklären, ohne weitere Musikbegriffe zu benutzen. Zu finden in Stücken wie „So what“ von Miles Davis oder „Cantaloupe Island“ von Herbie Hancock.

² 2-5-1: Wohl die häufigste Akkordverbindung im Jazz. Zu finden in Stücken wie „Tea for Two“ von Vincent Youman, „Satin Doll“ von Duke Ellington und etwa siebentausend anderen.

Life saver system

Seit gestern habe ich zwei Klimaanlagen. Eine im Auto und eine im … Flügel!

Im Laufe des Jahres schwankt die Luftfeuchte in den Häusern Nordschwedens erheblich. In der Heizperiode im Winter liegt sie teilweise unter 30%, im Sommer hingegen steigt die Feuchte rapide an und ein kleiner Luftentfeuchter¹ im Keller holt jeden Tag einen Liter Wasser aus der Luft in meinem Bibliotheks-Gästezimmer.

Diese Schwankungen beeinträchtigen nicht nur die Stimmung des Flügels, die vorgestern noch eher an ein Honkytonk-Klavier aus einem Westernsaloon erinnerte, sondern es besteht auch die Gefahr, dass der Resonanzboden Risse bekommt. Ein Alptraum für jeden Pianisten.

Um das zu verhindern ist gestern Per Blind, ein Klaviertechniker vorbeigekommen und hat ein sogenanntes Life Saver System eingebaut. Die meiste Zeit lag er dazu unter dem Flügel und war damit beschäftigt, Löcher zu bohren, Komponenten festzuschrauben und alles zu verkabeln.

Nun habe ich am Flügel eine Stange zum Entfeuchten, ein System zum Befeuchten, eine überraschend große Zentraleinheit, die alles steuert und eine Anzeige, die mir sagt, wann ich Wasser ins Befeuchtungssystem nachfüllen muss. Ich fühle mich sehr beruhigt, dass mein Flügel jetzt den nordischem Klima nicht mehr ungeschützt ausgesetzt ist und bin auch gespannt, ob dieses Mal die Stimmung länger hält.

Apropos Stimmung: Der Flügel ist gestern auch gestimmt worden, dieses Mal nach einer anderen Philosophie, die nicht die Reinheit der Oktaven als oberste Priorität hat, sondern darüber hinaus die Frequenzen noch etwas mehr spreizt, um einen größeren Klang zu bekommen. Und was soll ich sagen – ich muss mich noch ein bisschen daran gewöhnen, aber es funktioniert. Vor allem der Bassbereich klingt jetzt größer, bauchiger und voller.

¹Na gut, also habe ich fast drei Klimaanlagen. Nobody expects the Spanish Inquisition!

Jazz in Deutschland

Vom 24. Oktober bis zum 11. November tausche ich Schweden gegen Deutschland und den Bürostuhl gegen einen Klavierhocker. Denn dann darf ich zusammen mit Sabine Kühlich und Stefan Werni eine Jazztour mit der wunderbaren Sheila Jordan spielen. Ich freue mich schon riesig darauf. Vielleicht habt Ihr ja auch Zeit und Lust, vorbeizukommen.

Zu den Tourdaten >

Ist ABBA Jazz?

Heute war ich auf einem ABBA-Konzert.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Olaf – auf einem ABBA-Konzert! Die, die mich besser kennen, wissen, dass da ein Haken sein muss, denn ich bin nicht gerade ein ABBA-Fan.

Der Grund für den Konzertbesuch war auch weniger die Motivation, viele ABBA-Lieder zu hören, sondern Steve Gadd, einer der bekanntesten und renommiertesten Schlagzeuger, die zur Zeit so auf Erden herumlaufen.

Gespielt hat der schwedische Pianisten Anders Wihk mit seinem Projekt „Same Tree Different Fruit“, begleitet von dem ebenfalls schwedischen Bassisten Svante Henryson und eben Steve Gadd. Es war wirklich ein Erlebnis, so eine hochkarätige Besetzung in Skellefteå, welches sich ja nicht gerade als Kulturstadt präsentiert, zu erleben. Schade, dass der Sound ziemlich schlecht war, wobei es auch nicht leicht ist, ein Trio, welches hauptsächlich Powerplay betreibt, in einen eher für klassische Musik geeigneten Saal zu stecken.

Da die „Chefin“ vom Ganzen nichts dagegen hatte, dass ich Fotos mache und in diesem Blog veröffentliche, mache ich Gebrauch davon, auch wenn ich nur mein iPhone dabei hatte und in der zehnten Reihe saß.

Wenn Ihr auch beim Konzert gewesen wäret, wüsstet Ihr, dass auf dem Foto die Zugabe gespielt wird. Just eine Minute vor dem Foto hat der Ansager jedem nämlich einen Schal vom AIK – dem Eishockeyverein Skellefteås – überreicht. Das ist typisch Skellefteå: Keine Veranstaltung, in der man nicht noch ein bisschen die AIK-Vereinsfarben unterbringen kann. Denn im Gegensatz zur Kultur, die viele Menschen hier wenn überhaupt, dann nur als Randerscheinung wahrnehmen, hat Eishockey hier wirklich eine große Bedeutung. Und so ist vielleicht auch das Eishockeyspiel heute Abend dafür verantwortlich zu machen, dass der Saal nur halbgefüllt war.

Nach der Party

Die Bierflaschen und -dosen auf dem Sofatisch – die habe nicht ich geleert. Ich trinke kein Bier. Die graue Strickjacke (Größe XS – passt mir nicht) gehört mir ebenso wenig wie der Spielzeuglaster, der vor kurzem noch über das Parkett geschoben wurde.

Heute war „Jazzknytkalas på Flygelvillan“. Nehmen wir das mal auseinander:

  • „Jazz“ ist klar, oder?
  • „Kalas“ heißt Fest oder Party auf Schwedisch.
  • „Knytkalas“ ist ein Fest, wo jeder irgendetwas zu Essen mitbringt.
  • „På“ heißt je nach belieben „auf“, „in“, „bei“, „zu“, „für“ … . Sozusagen die schwedische Präposition!
  • „Flygel“ ist „Flügel“ auf Schwedisch.
  • „Villa“ ist nicht die große Villa für reiche Leute, sondern einfach ein freistehendes Haus.
  • Und „Villan“ heißt „Die Villa“.

Auf Deutsch hieße das also in etwa „Jazzparty-jeder-bringt-was-mit-in-dem-Flügel-freistehendes-Haus“. Das klingt ja mal richtig doof! Entweder ist Schwedisch manchmal die schönere Sprache oder ich brauche dringend jemanden, der mir Deutsch lernt.

Aber ich schweife ab. Ich habe viele Leute für heute zu einem kleinen Fest eingeladen. So etwas macht man hier oft ganz locker bei Facebook, denn im Gegensatz zu Deutschland nutzen hier die meisten diese Plattform. Ich mag „Knytkalas“. Nicht nur, weil ich dem Kochen nicht viel abgewinnen kann, sondern auch weil es – wie Programmierer sagen würden – so schön skaliert. Egal, ob drei Leute oder vierzig kommen, das Essen wird reichen und man muss auch nichts wegwerfen, weil man es nicht schafft. Nur vom Bier, welches ich gekauft habe, ist noch einiges übrig.

Begonnen hat alles mit einem Rätsel: J hat mir das auf dem Photo abgebildete Objekt mitgebracht und ich sollte das auf dem Klavier spielen. Erst dachte ich, dass sei einer von J’s surreal-dadaistischen Scherzen, aber nein, das ist ganz klar ein spezieller Jazzsong. (Jazzfans: Welcher?). Nach und nach kamen knapp zwanzig Freunde, Kollegen und Bekannte im Alter zwischen 0.8 und gut 50 und wir hatten es richtig schön zusammen. So viel Klavier gespielt habe ich gar nicht, und wenn, dann gerne mit Unterstützung:

Ein Stück dreihändig mit A, Sohn von J und A – P sang „I can get along without you very well“ (wunderschön) und ich habe begleitet – P, J, A, L und P haben Percussion auf Cajón, Shaker und Wein-Tetrapak gespielt und ich habe dazu improvisiert.

Aber meist habe ich mit irgendjemand gesessen oder gestanden und wir haben uns unterhalten. Von der Vermarktung Norrlands bis hin zu den logischen Problemen bei Reisen mit Zeitmaschinen.

Für C und O: Ich hatte mein „Ach“-T-Shirt an. Also wart Ihr auch dabei, selbst wenn ihr rein physisch weit, weit weg wart.

Um elf gingen die letzten Gäste, denn es ist ja Donnerstag und morgen müssen die meisten wieder Arbeiten.

Auch ich.

Aber ein bisschen später als sonst tuts auch.

Deutschland, ein Jazzmärchen

Heute morgen hatte es -6.6 °C. Dann wurde es ein bisschen wärmer und es fing ein wenig an zu schneien, ehe ich im Dunkeln zur Bushaltestelle lief. Schweden. Skelleftehamn.

Deutschland. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich übermorgen wieder in Deutschland sein werde. Für drei Wochen. In NRW. Und ich bin gespannt, wie alles auf mich wirken wird. Trist, eng und grau oder doch hell und golden, weil mich mit der Region so viel verbindet. Immerhin habe ich elf Jahre in Essen gelebt. Irgendwann früher mal.

Wie ich vorher schon einmal geschrieben habe, tausche ich vom 24. Oktober bis zum 11. November Nordschweden gegen Westdeutschland, Natur gegen Stadt und den Bürostuhl gegen einen Klavierhocker. Denn dann darf ich zusammen mit Sabine Kühlich und Stefan Werni eine Jazztour mit der wunderbaren Sheila Jordan spielen. Ich weiß nicht, wie ich meine Freude über die mit Musik gefüllte Zeit, die vor mir liegt, zum Ausdruck bringen soll. Toll wird’s.

Zu den Tourdaten >

Zugleich werden wir auch die CD „Wundascheen – Loverly!“ vorstellen, die wir nach der ersten Tour mit dieser Besetzung im März 2010 bei Pablo in Köln aufgenommen haben. Ich bin sehr gespannt auf die Aufnahmen, denn den endgültigen Master habe ich selbst noch nicht gehört.

Ich werde die Gelegenheit nutzen, alte Freunde, die ich teilweise einige Jahre nicht mehr gesehen habe zu besuchen und Familie, Freunde und Bekannte werden auch zu dem einen oder anderen Konzert kommen. Manche Freunde kenne ich schon zwanzig Jahre und meine Eltern und Schwester ein ganzes Leben. Hier kenne ich keinen länger als dreißig Monate.

So bin ich rundum mit schönen Dingen beschäftigt – selbst wenn ich ein, zwei Jobs auf einem der mir verhassten Digitalpianos spielen muss (ignoriert meine gemurmelten Flüche).


Aber doch. Es ist seltsam, aber … . Ich bin noch nicht losgefahren und vermisse jetzt schon Schweden. Die Ruhe, die Natur, das Wetter, welches gerade den Herbst hinter sich gelassen und den Winter angekündigt hat. Wird sich die erste Schneedecke auf Skelleftehamn legen und ein Nordlicht seine grünen Bögen und Girlanden tanzen lassen? Oder wird es einfach drei Wochen schneeregnen und sauungemütlich sein. Ich werde nicht dabei sein. Werde ich bis zum Bauch durch den Schnee waten, um wieder ins Haus zu kommen oder auf einer nassen Eispfütze ausrutschen und mich auf die Nase legen, wenn ich Mitte November wieder hier bin. Ich würde mich gerne zweiteilen und einen Teil hier lassen.

Aber nun. Während ich diesen Artikel schreibe, beginne ich mich wirklich auf die Zeit in Deutschland zu freuen. Nur noch ein Tag arbeiten, packen, einmal schlafen und dann geht’s auch schon los.

Dass ich mich auf die Musik und Freunde freue, habe ich schon geschrieben. Aber es gibt auch ein paar nette Nebensächlichkeiten, auf die ich mich freue:

  • Buchläden
  • richtiges Brot
  • Straßenbahn fahren
  • Indische Restaurants
  • Fotogeschäfte
  • Laubwälder
  • Euromünzen zum Sammeln
  • Lebkuchen!!!

Die beiden Fotos oben habe ich 2002 in Essen gemacht. Mit meiner ersten Digitalkamera. Ich habe sie allerdings für den Artikel noch ein bisschen verbessschlimmert.

In Deutschland – II

Ich sitze im Auto, wir fahren nordwärts. Nicht nach Schweden, sondern nach Hamburg. Von heute bis Sonntag spielen wir noch vier Konzerte: Eben in Hamburg, in Düsseldorf, in Bonn und in Mannheim. Am Montag fliege ich wieder zurück nach Schweden.

Ich gehöre auch zu den Menschen, die das Jammern auf allerhöchstem Niveau kultiviert haben: Hej, ich bin in Deutschland, kann Konzerte mit Sheila Jordan und anderen tollen Musikern spielen, treffe viele Freunde und Familie und ich hatte genug Urlaub, um die drei Wochen für die Tour freizunehmen. Was will ich mehr?

Was ich will, ist nicht Mehr, sondern Weniger. Weniger Häuser, weniger Menschenmassen, weniger Autostraßen, weniger Lärm, weniger Abgasgestank. Und daher freue ich mich zwar sehr auf die kommenden vier Konzerte, aber ebenso wieder auf zu Hause.


Letzten Donnerstag war ich mit einem Freund wandern. Das ging nur, weil mit Allerheiligen ein Feiertag war und er daher frei hatte. Wald ist einfach immer herrlich und gemütlich im überdachten Hochsitz den Regenschauer abwarten (hat leider nichts genützt, es regnete weiter) hat auch etwas. Danke, U, für den schönen Tag.

Am nächsten Tag haben wir ein sehr schönes Konzert in Kall gespielt. Es gibt ein kleines Livevideo, das habe ich aber auch noch nicht angeschaut. Am Tag darauf haben wir auf einem Festival in Hürth gespielt. Während ich bis jetzt immer privat untergebracht war, habe ich jetzt das erste Mal im Hotel geschlafen. Ich mag sie nicht sonderlich, die Hotelzimmer. Für mich sind sie alle gleich: die weißen Handtücher, kleiner Fernseher, Minibar, ein meist zu weiches Bett und ein Stückchen Schokolade auf dem Kopfkissen. Aber eine schöne Aussicht hatte das Zimmer in Hürth.

Gestern war ich in Köln. Liebe Kölner, nehmt mir das Foto nicht übel, aber ich finde, Ihr habe unglaublich viele Baustellen und hässliche Leerflächen in Eurer Stadt.

Wenn ich in Köln leben würde, würde ich arm werden. Und daran wären nicht die hohen Mieten schuld, sondern zum einen die guten Fotogeschäfte und zum anderen der riesige Globetrotterladen im Zentrum.

Ab nächster Woche schreibe ich aber wieder aus Skelleftehamn. Wenn ich die Wetterprognose anschaue, werden mich wohl eher Regenpfützen erwarten als Neuschnee. Ist aber nicht wild, der Winter ist lang.

Und sonst: Auch in Deutschland sind die Bäume jetzt herbstlich, in Nordschweden schon seit Wochen kahl. · Ich mag den Schiffsverkehr auf Rhein und den Kanälen. Bei uns gibt es soviel Staustufen für die Wasserkraftwerke, dass an Schifffahrt nicht zu denken ist.

CDs

CD:ar På svenska

Igår hämtade jag paket på ICA. Där inne fanns 50 CD:ar. Alla lika! Det var CD:n „Wundascheen – Loverly“ som Sheila Jordan, Sabine Kühlich, Stefan Werni, Klaus Osterloh och jag spelade in 2010. Det är samma medlemmar som på tournén i höstas.

Redan för några veckor sedan hittade jag två CD:ar från skivbolaget „ES-DUR“ i Hamburg i brevlådan. Den där gången var det inte musiken men foton som jag bidrog till. Båda cover-foton har jag gjort i Skelleftehamn. Jag tänker det är roligt att den liten ön i sjön Snesviken i Skelleftehamn kom på en CD med namnet ”Japanska landskap“. Det är vad jag kallar karriär!

Jag skriver ingenting om musiken själv eftersom jag håller med med Steve Martin som sa ”Talking about music is like dancing about architecture.”

CD Wundascheen – loverly!Gestern habe ich bei ICA ein Paket abgeholt. Darin waren 50 CDs. Alles die gleichen! Das war die CD „Wundascheen – Loverly“, die Sheila Jordan, Sabine Kühlich, Stefan Werni, Klaus Osterloh und ich 2010 aufgenommen haben. Das ist die gleiche Besetzung wie bei unserer Deutschlandtour letzten Herbst. Ich freue mich, dass ich jetzt so viele CDs habe, um sie hier ein paar Freunden verschenken oder vielleicht auch die eine oder andere verkaufen zu können.


Schon vor einigen Wochen habe ich zwei andere CDs zugeschickt bekommen, dieses Mal vom Hamburger Klassiklabel ES-DUR. Ich war hier allerdings nicht als Musiker beteiligt, sondern als Fotograf. Beide Coverfotos kommen von mir und sind in Skelleftehamn gemacht. Die Fotos sind auch in diesem Blog zu finden: Insel der Stille / Wollgras.

Japanische LandschaftenWolkengedichte

Besonders freue ich mich darüber, dass ein Foto von einer kleinen Insel in einem See in Skelleftehamn es auf eine CD mit Titel „Japanische Landschaften“ geschafft hat. Das nenne ich eine Karriere!

Über die Musik selbst schreibe ich nichts, denn da halte ich es mit Steve Martin.

Talking about music is like dancing about architecture.

Steve Martin