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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Der erste Mai …

…ist mal so ziemlich ins Wasser gefallen. Das schöne Wetter der ersten Woche hat sich gestern schon mit leichtem Schneefall bei Temperaturen knapp über null verabschiedet. Vor allem die Nacht war dann ganz schön ungemütlich nass-kalt. Wie Winter in Essen … . Der Schnee von gestern ist dann heute in Regen übergegangen und so habe ich meinen geplanten Fotoausflug lieber ausfallen lassen. Vielleicht morgen …

Gestern, am 30. April wurde Valborgsmässoafton, die schwedische Spielart der Walpurgisnacht gefeiert, bei der überall große Feuer entzündet werden. Da ich aber Lasse und Martine zu einer Einladung eines befreundeten Pärchen begleiten durfte und das total nett war und – habe ich schon das Wetter erwähnt – es drinnen doch sehr gemütlich war, haben wir die Feuer verpasst. Frischluft haben wir drei dann aber doch noch bekommen, als wir nach Hause gelaufen sind, weil partout kein Taxi zu bekommen war.

Der Vitbergsbacken, der hiesige Skihügel sah heute bei dem trüben Wetter doch sehr trostlos aus. Die Weidenkätzchen zeigen aber, dass der Frühling nicht mehr weit weg ist.

Falls von Euch jemand demnächst in Schweden eingeladen ist, so lerne er schon einmal folgendes Trinklied auswendig:

Helan går
sjung hoppfaderallanlallanlej,
helan går
sjung hoppfaderallanlej.
Och den som inte helan tar
han heller inte halvan får.
Helan går
sjung hoppfaderallanlej!

Himmelfahrt

Es ist Himmelfahrt, es ist schönes Wetter und ich kann wieder Fahrrad fahren.

Also habe ich eine kleine Runde zu Rovön und Lustholmen – zwei Flussinseln gemacht. Und was machen die Schweden währenddessen?

Angeln · das Trampolin im Garten aufbauen · am Fluss picknicken · Balken fürs Haus streichen · Spazieren gehen · bei ICA Lebensmittel einkaufen · sich sonnen · unter dem Auto liegen · Marienkäfer suchen · sich über den Frühling freuen.

Berg und Tal

Ich komme gerade von einer kleinen Morgenrunde durch den Wald hinter dem Haus zurück. Die Fleecejacke war viel zu warm, ein T-Shirt hätte eigentlich gereicht. Die Sonne scheint und mein Ein-Euro-Thermometer zeigt 18 °C an.

Während in den Senken noch ein bisschen Schnee und Eis vor sich hinschmilzt und man wie auf einem nassen Schwamm läuft – alles schwingt und quatscht, ist auf den Kuppen der Boden herrlich trocken und man hat den Eindruck, jetzt ist der Frühling wirklich da. Nur die Blätter müssen noch an die Laubbäume …

Frühling

Der Frühling ist da. Das Birken sind grün, das Wasser hoch …

Weil das Wetter so schön war, habe ich mich um acht noch einmal aufs Fahrrad gesetzt und bin zum Fluss gefahren, weil ich neugierig war, wie hoch das Wasser steht. Auf dem Weg dorthin habe ich mich über die Birken gefreut, die innerhalb der letzten drei Tage blassgrüne Blätter bekommen haben. Wunderschön; die Bäume waren auch lange genug kahl!

Der Fluss ist immer noch stark über die Ufer getreten. Während ich anfangs das Fahrrad noch bequem durch die überfluteten Wege schieben konnte, stand das Wasser ein wenig stadtauswärts schon mehr als meterhoch auf den Wegen. Irgendwann habe ich dann mein Fahrrad auf der Böschung durchs Gestrüpp getragen, weil der Wasserspiegel einfach zu hoch war.

Zum Glück haben sich die Befürchtungen, wegen des Hochwassers kein Trinkwasser zu haben, nicht bewahrheitet. Die Schwimmbäder hatten zu und es wird zum Wasser sparen aufgerufen, aber eigentlich geht alles seinen normalen Gang. Da in den Bergen noch genug Schnee zum Wegschmelzen liegt, wird uns das Hochwasser wohl noch ein bisschen erhalten bleiben.

P.S.: Zum letzten Bild: Der Fluss ist hinter den Bäumen. Ich stehe auf Zehenspitzen auf dem Gras des Ufers, der Weg ist vor mir. (Sieht man ja nicht wirklich.)

Der Schnee ist weg!

Vermutlich hält diese Überschrift eisernen Recherchen vor Ort nicht stand, aber – ich war heute mit dem Fahrrad in Skelleftehamn und habe auf den ganzen 40 Kilometern kein Fitzelchen Schnee mehr gesehen. Da sage sogar ich alter Schneeliebhaber: Toll!

Beim Radeln habe ich auch die drei Windrichtungen in der Kommune Skellefteå kennengelernt: Ganz von vorne, links von vorne und rechts von vorne. Die vierte Windrichtung fragt Ihr? „Bergab“.

Rückblende

So sah Skellefteå im Februar aus, als ich mein Vorstellungsgespräch hatte. Das ist ja aber auch schon gut drei Monate her.

Wasser und Beeren II

Der Haupthahn in meinem Haus ist wieder permanent geöffnet. Leider liegt das nicht daran, dass man das Leck im Wasserrohr gefunden und abgedichtet hat, sondern … aber von vorne:

Donnerstag kam ein Mann von Anticimex, der die Feuchtigkeit im Erdgeschossboden gemessen hat. An der Türschwelle zum Bad unter 40%, an zwei Stellen in der Küche unter 60%, aber direkt hinten an der Wand zum Bad 90%. Einige Stunden später kam dann ein Handwerker, der fachgerecht mein Bad zerlegt hat. Kurz darauf kam ein Installateur, um das Leck zu suchen. Er fand es aber nicht. Statt dessen habe ich von Nachbarn eine Leiter geliehen und die beiden sind aufs Dach gestiegen. Dort haben sie auch – leider – direkt die Ursache gefunden. Der kleine Schornstein für den Dunstabzug war mal so überhaupt nicht abgedichtet, so dass Regenwasser eintreten konnte. Das Wasser ist dann außen am Rohr entlang bis in den Keller gelaufen. Dieses Leck scheint laut Aussage der beiden auch nicht erst dieses Jahr entstanden zu sein und so hoffe ich stark, dass Wand und Decke jetzt keine Schäden davongetragen haben, denn eigentlich reicht mir das aufgeklopfte Bad als Baustelle. Mal schauen, wie es nächste Woche mit der ganzen Sache weitergeht.

Gestern Nachmittag hat das Wochenende für mich angefangen. Kaum war ich zu Hause, bin ich mit dem Fahrrad nach Storgrundet (1600 Meter) gefahren und habe bei 27° Lufttemperatur in der Ostsee gebadet. Das letzte Mal bin ich doch recht schnell wieder an Land geflohen, weil das Wasser noch so kalt war, aber dieses Mal war es nicht mehr so eisig.

Heute war ich mit einigen Freunden aus Skellefteå in Norrlångträsk zum Beeren sammeln. Dort wohnt die Schwester einer Freundin. Die Himbeeren werden dass Wochenende nicht überleben, aber die gut anderthalb Kilo Heidelbeeren werde ich einfrieren, so dass man im Winter leckere Sachen daraus machen kann. Ein paar Pfifferlinge (schwedisch kantareller) haben wir auch gefunden und kurze Zeit auf Brot mit Käse überbacken gegessen.

Eine Dose Heidelbeeren habe ich mit der Hand gepflückt, die andere gekämmt. Das geht zwar schneller und müheloser, dafür bekommt man auch jede Menge Blätter, Ästchen und unreife Preisselbeeren mit in die Dose und muss zu Hause sortieren. Die erste Runde wird jetzt gerade eingefroren.

Morgen sollte ich dann auch endlich mal Papierkrams erledigen, ehe sich irgendwelche Unternehmen oder Ämter in Deutschland bei mir beschweren. Aber erst schaue ich mal, wie das Wetter wird …

Wochenende

Nach einer Woche voll Sonnenschein ist es Samstag Nachmittag und es schüttet. Vor einer Stunde war es nur leicht am Nieseln und ich habe mich aufs Fahrrad gesetzt, um im Wald meine Heidelbeervorräte aufzustocken. Dann wurde der Regen immer stärker und zum Schluss hatte ich das Gefühl, ich halte meine Hände unter den Wasserhahn und das T-Shirt war trotz Goretex-Hightech-Was-weiß-ich-noch-alles-Funktionsjacke vorne klatschnass, weil das Wasser fröhlich am Kinn hinunter laufend doch unter die Jacke ging.

Da bin ich doch lieber nach Hause gefahren. Zum einen, weil ich nass war, zum anderen, weil ich schauen wollte, was mein Dach macht. Glück gehabt, das Provisorium scheint zu halten, das Schornsteinrohr ist rostig, aber trocken.

Insgesamt scheint es, dass sich der Fall mit dem undichten Dach beruhigt. Am Donnerstag hatte ich ein Treffen mit dem Makler, um die offenen Punkte zu klären und ich bin froh, dass er sich alles kümmert. Der Mann von Anticimex meinte wohl zum Makler, dass bei der Besichtigung damals der Fehler hätte gefunden werden müssen und so Anticimex oder Versicherung für den Schaden aufkommen. Hoffen wir, dass sein Chef, der am Montag aus dem Urlaub kommt, das genau so klar sieht.

Dies ist übrigens das erste Mal, dass zwischen zwei Artikeln eine Pause von einer Woche liegt. Kehrt hier doch langsam ein bisschen der Alltag ein? Es scheint so. Ich gewöhne mich langsam an alles. An die zuerst noch unbekannten Geräusche im Haus, daran, dass ich das Schwedisch einiger Kollegen immer noch nicht verstehe und auch an die Fahrradfahrten zur Arbeit. Vor einigen Tagen habe ich auf der Rückfahrt einen wunderschönen Umweg durch den Wald gefunden, für den allerdings wieder – wie so oft – ein Mountainbike angebracht gewesen wäre. An Stein und Schotter habe ich mich ja schon ein bisschen gewöhnt, aber diese kleinen, fiesen, tiefen Sandkuhlen sind gemein. So hat der Weg dann auch an die zwei Stunden gedauert, aber mir einige Blicke auf die Ostsee beschert. Und – falls ich es noch nicht erwähnt habe – da war das Wetter ja auch noch schön. Allerdings wird es hier langsam kühler. Morgens sind es meistens um die 8 Grad und nach dem Schnorcheln in der Ostsee am letzten, windigen Sonntag habe ich nicht mehr wie geplant am Strand gesessen, sondern bin schnell wieder nach Hause ins Warme geradelt.

Abends war ich dann noch auf dem Hamnberget, habe mir den Wasserturm (von außen) angeschaut und mich über die Abendsonne gefreut.

Der Herbst kratzt an der Tür

Heute war es zwar nicht mehr so regnerisch wie am Wochenende, aber beim Weg nach Hause habe ich gemerkt, dass der Hochsommer erst einmal vorbei ist. Bei gerade 10 Grad und feinstem Nieselsprühregen war es nicht gerade gemütlich auf dem Rad und wenn am Donnerstag Morgen wirklich nur 4° sind, packe ich wohl Mütze und Handschuhe wieder aus. Die Blätter der ersten kleinen Pflanzen verfärben sich langsam ins Gelbe und Rote. Noch kaum sichtbar, aber wer weiß, wie es in einer Woche aussieht.

Um zehn ist es hier auch schon ziemlich dunkel, was heute allerdings den fast vollen Mond sehr schön zur Geltung kommen lässt. Aber es ist für mich kaum vorstellbar, dass es hier Anfang Juli noch 24 Stunden lang hell war.

In meinem Wohnzimmer stehen fast keine Kisten mehr herum, es ist ziemlich aufgeräumt und es fällt mir auf, dass ich fast keine Möbel habe. So ist das eben, wenn man aus einem Einzimmerapartment in ein Haus zieht. Doch zum Glück gibt es in Schweden ja IKEA, auch wenn der nächste Laden leider in Haparanda an der finnischen Grenze ist.

Oktoberwetter

Seit vier Tagen bin ich wieder zu Hause und das Wetter ist wechselhaft. Dienstag früh waren es noch -4.7 °C, am Abend dann vier Grad plus und es fing leicht an zu regnen. Der Regen hat gestern auch das Eis auf den Straßen getaut, nur die tieferen Pfützen waren am Boden noch mit glattem Eis bedeckt. Letzte Nacht und heute lagen die Temperaturen bei vier Grad plus und es war klar und trocken. Um so größer war meine Überraschung, dass die Straßen um 18 Uhr anfingen, wieder glatt zu werden. Die letzte Woche hat wohl den Boden so abgekühlt, dass die Feuchtigkeit auf den Straßen auch bei Plusgraden wieder gefriert.

Ich finde das einfach deshalb ein bisschen doof, weil ich noch keine Winterreifen für mein Fahrrad habe. Ja, auch für Räder gibt es hier Spikes und die werde ich mir nächste Woche kaufen, denn immer nur Bus fahren ist mir ein bisschen zu langweilig – selbst mit Buch – und mir fehlt die Bewegung.

Am Wochenende schreibe ich wieder und erzähle von meiner Hauseinweihungsparty, die morgen Abend stattfindet. Ich bin gespannt und auch ein bisschen aufgeregt. Das erste Mal richtig Gastgeber in Schweden für Schweden.

Schnee am Abend

Früher als vorhergesagt ist es wieder ein bisschen kälter geworden und seit heute Nachmittag schneit es leise bei Temperaturen um null Grad vor sich hin. Zur Zeit liegen etwa drei Zentimeter und da es auch die nächsten Tage kaum über Null werden soll, bleibt der Schnee wohl auch liegen.

Ich finde es ganz schön schwer, den Schneefall in der Dunkelheit zu fotografieren. Belichte ich zu kurz, ist alles schwarz. Belichte ich zu lang, sieht der Schnee wie Regen aus. Gehe ich auf ISO 3200, rauscht das Bild. Ich habe mit Mehrfachbelichtungen und Stroboskopblitz experimentiert, aber so schön wie die Wirklichkeit sind die Fotos noch lange nicht. Wer das also in Natura sehen will, soll halt vorbeikommen …

… und Schnee am Morgen

Minimum -8.0 °C, Maximum -0.9 °C. 2 cm Schnee und bis mittags wolkenlos.

Heute war der erste so richtige Wintertag. Am morgen lagen die Temperaturen bei minus sieben, acht Grad. Der blaue Himmel und der frische Neuschnee sorgten für ein herrliches Licht. Was für ein Unterschied zu der nassen, braunen Erde vor ein paar Tagen, selbst wenn nur zwei Zentimeter Schnee gefallen sind. Es war auch der erste Tag, an dem die Höchsttemperatur unter null lag. Mein kleines Außenthermometer zeigte als Maximum heute – 0.9 °C. Ach, ist das schön, wenn der Schnee sich nicht gleich wieder in braunen Matsch verwandelt.

Laut Wettervorhersage bleibt es mindestens bis Mittwoch kalt. Allerdings ändert sich die Vorhersage für einen bestimmten Tag hier mindestens so häufig wie das Wetter selbst …

Eis auf See und Meerbucht

Heute lag die Höchsttemperatur nur noch bei -2.7 °C und der Frost sorgt dafür, dass nicht nur die Seen mit Eis bedeckt sind, sondern sich auch auf den kleineren Ostseebuchten und ruhigen Stellen zwischen Insel und Festland immer mehr Eis bildet.

Das linke Bild zeigt den kleinen See ein paar hundert Meter vom Haus weg; das rechte Bild Storgrundet, die nächste Badestelle von hier aus. Dort habe ich im August noch gebadet und am Sandstrand gesessen. Das Baden habe ich mir allerdings heute gut verkneifen können.

So wie ich im Sommer keinen Zeitrhythmus hatte, weil es immer hell war, so komme ich jetzt ein bisschen aus dem Tritt, weil es um halb vier schon dunkel wird. Ich denke die ganze Zeit schon, es sei wer weiß wie spät, dabei zeigt die Uhr jetzt gerade halb sieben an. Der iPhone-Bug, der dazu geführt hat, dass ich letzte Woche zwei Mal falsch geweckt wurde, hat meinen Rhythmus auch nicht gerade verbessert. Ich bin gespannt, wie lange ich brauche, um mich von den Hell-Dunkel-Phasen ein bisschen unabhängig zu machen. Aber die Schweden schlafen im Winter wohl auch mehr und im Sommer weniger.

Winterradeln

8.11.: Minimum -11.5, Maximum -6.3., klarer Himmel
9.11.: Minimum -12.7, Maximum -1.3, jetzt um 21:00 bewölkt, -4 °C, windig und Schneestaub von oben

Gestern morgen zeigte das Thermometer -11 °C an und der Morgenhimmel war klar. Ein guter Tag, um auszuprobieren, welche Handschuhe meine Finger warmhalten, wenn ich eine Stunde auf dem Rad Richtung Stadt fahre. Ich hatte tatsächlich sechs Paar dabei, von den dünnen Fingerhandschuhen zum Unterziehen bis zum dicken, knallroten Daunenfäustling. Dann noch eine Daunenjacke für die Mittagspause eingepackt, mit den Füßen in die Winterstiefel geschlüpft, eine Sturmhaube, die nur noch die Augen frei lässt übergezogen und den Fahrradhelm aufgesetzt. Das war schon eine besondere Atmosphäre, als ich in der Morgendämmerung mit auf frostigem Schnee knirschenden Spikes losgefahren bin. Ich war froh über meine wintertaugliche, funktionelle Kleidung und die zwei Paar Fingerhandschuhe übereinander hielten schön warm. Aber schließlich braucht man so etwas auch für eine derartige Expedition! Dachte ich! Bis mir die erste Oma mit Strickmütze auf Ihrem Klapperrad entgegen kam. Und auch die nächsten Fahrradfahrer hatten nichts um den Hals. Das versetzte meinen Harter-Fahrradfahrer-Phantasien doch einen empfindlichen Dämpfer.

Obwohl die Spikes toll sind, habe ich doch ein Drittel mehr Zeit gebraucht als im Sommer. Was aber wirklich Zeit kostet, ist das ganze An- und Umziehen. In der Agentur: Helm ab, Sturmhaube ab, zwei Paar Handschuhe aus. Jacke aus. Im Bad Unterhemd und Fleecepullover aus. Waschen. T-Shirt und Sweatshirt an. Lange Fleecehose aus, normale Hose wieder an. Sachen zum Trocknen aufhängen. Puh, das dauert. Jetzt erst einmal einen warmen Tee!

Der Rückweg war schön. Zum einen hatte ich Rückenwind, zum anderen ließen die Straßenlaternen vor allem die schneebedeckten, kleineren Straßen hell leuchten, während sich über einem der dunkle Sternenhimmel wölbte. Kein Vergleich zu dem dunklen und öden Eindruck, den die Straßen ohne Schnee letzte Woche machten.

Das war gestern. Heute morgen war es noch ein bisschen kälter, aber ich habe nicht so gut geschlafen und war so müde, dass ich lieber den Bus genommen und meinen Krimi „Mannen som dog som en lax“ weiter gelesen habe. Und ehrlich gesagt – wenn ich mir die Wettervorhersage anschaue, dann werde ich wohl auch morgen den Bus nehmen. Die sagt nämlich für morgen Neuschnee bei mittleren Windgeschwindigkeiten von 13 m/s, also etwa 45 Kilometer pro Stunde voraus. Schon jetzt fällt Schneestaub vom Himmel, der vom zunehmenden Wind durch die Straßen getrieben wird und alles ist weiß.

Schnee am Abend · Schnee am Tag

Gestern Abend fing es schon an zu schneien. Es kam ganz feiner Schneestaub herunter und das hell beleuchtete Rönnskär tauchte alles in gelb-orangefarbenes, fast mystisches Licht. Da musste ich kurz noch einmal mit meiner D300s raus und ein paar Fotos machen.

Heute bin ich dann mit meinen bequemen Kamik-Winterstiefeln durch den Schneefall zur Bushalte­stelle gestapft und mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Auch in Skellefteå hat es die ganze Zeit geschneit und als ich mittags am Skellefteälven war, war der Schneefall so stark, dass die Sicht schon sehr eingeschränkt war. Überrascht hat mich, dass auf dem Fluss schon viele kleine Eisschollen trieben.

Um 17:00 lagen etwa 15 cm frischer und vom Wind verwehter Neuschnee in der Stadt und die mit Frontlader ausgestatteten Bagger waren schon kräftig am Räumen.

In Skelleftehamn ist der Schnee ein bisschen pappiger, hier ist es nämlich ganz knapp über 0°. Wenn die Temperaturen noch weiter ansteigen, tausche ich morgen wohl meine Kamiks gegen Gummistiefel.

Auf dieser Seite sind alle meine Digitalknipsen präsentiert. Die oberen Fotos habe ich mit der Nikon D300s bei Belichtungszeiten von etwa 20 Sekunden gemacht. Das Bild unten links stammt von der Ricoh und das unten rechts vom iPhone, welches sich überraschend gut schlägt und bei manchen Lichtverhältnissen die Ricoh qualitativ hinter sich lässt.

Der Winter geht weiter

Nun, für einen Nordschweden mag das alles völlig normal sein und das Wetter ist hier eigentlich auch kein Thema. Es liegen 25 Zentimeter Schnee in der Stadt – na und? Für mich als Deutschen ist es – obwohl erwartet – dennoch erstaunlich, dass es Anfang bis Mitte November schon so winterlich ist. Und momentan sieht es so aus, als ob die Temperaturen weiterhin unter Null bleiben. Allerdings werde ich es morgen so 15 – 20 Grad wärmer haben, denn da fliege ich nach Bremen und werde dann für fünf, sechs Tage wieder nassen, deutschen Herbst statt schwedischen Herbstwinter haben.

Die folgenden Bilder habe ich heute morgen in der Stadt gemacht:

  • Gar nicht so wenige sind auch bei diesem Wetter mit dem Rad unterwegs. Ein Jugendlicher fährt sogar freihändig über die kruckeligen und von platt gedrücktem Schnee bedeckten Straßen.
  • Interessant ist der Kontrast zwischen der tiefwinterlichen Stimmung am Fluss und der perfekt geräumten Fußgängerzone im Zentrum, denn Fluss und Fußgängerzone liegen gerade gut 200 Meter auseinander.
  • Der Skellefteälven friert an seinen Ufern ganz langsam zu. Noch ist das Eis sehr dünn, aber ich bin gespannt, wie es in zehn Tagen aussieht, wenn ich wieder zur Arbeit fahre. Mit dem Fahrrad …?

Rückreise

Mir ist das Reisen per Flugzeug glaube ich zu schnell. Es ist zwar nett, wenn ich von Haustür Bremen zu Haustür Skelleftehamn „nur“ elf Stunden brauche, aber meine Gedanken hängen noch halb im regnerisch-grauen, kühlen Bremen, während der Körper das Fahrrad über den platten Schnee zu ICA steuert. Ich bin zwar – wie schon nach der Norwegenreise – wieder zu Hause, aber noch nicht vollständig angekommen.

Mein Koffer hat schon in Frankfurt mit mir sympathisiert und ist dort geblieben. Vielleicht ist er eben schon mit der Sieben-Uhr-Maschine in Skellefteå eingetroffen, das weiß ich noch nicht. Ich erwarte ihn recht ungeduldig, denn er enthält nicht nur das Ladegerät für mein iPhone, sondern auch eine nicht unwesentliche Menge Nusskuchen …

Mein Küchen- und mein Schlafzimmerthermometer derweil sind sich uneins, wie kalt es die letzten sieben Tage war. Sie haben sich zwar beim Minimum auf -13.1/-13.2 °C geeinigt, aber die Küche meint, dass es zwischendurch mal +1.5 °C gewesen sei, während der andere Temperaturmesser steif und fest behauptet, über -2.3 °C sei mal überhaupt nichts gelaufen. Nun, ich war nicht dabei und kann den Streit nicht schlichten. Aber nachdem es im Inland immer mal unter -25 °C war, nehme ich einfach mal die -2.3 °C, der Dramatik wegen.

Auf Dramatik machte auch die heutige Ausgabe des Aftonbladet, die heute „Köldchock. Det blir orimligt kallt’. Vinter i hela landet“ als Schlagzeile hatte. Auf deutsch: „Kälteschock. Es wird übermäßig kalt. Winter im ganzen Land“. Ich lasse mich überraschen. Die Wintersachen hängen griffbereit.

(Bildquelle: Facebookseite von Fjällräven)

Nachtrag:

Just eine Minute nach dem Publizieren – um 19:45 – ist gerade mein Koffer angekommen. Das ging aber fix! Nusskuchen!

Die Ostsee friert zu.

heute um 8:20: -7.8 °C, dann kontinuierlich etwas kälter werdend. Jetzt um 17:00: -10.5 °C.

Die tiefen Temperaturen der letzten zwei Wochen sorgen dafür, dass nicht nur die Seen komplett mit dickem Eis bedeckt sind, sondern auch die Ostsee langsam zufriert. Offenes Wasser ist nur noch an wenigen Stellen auszumachen. Auf der ruhigen Bucht vor der Insel Storgrundet liegt glattes, festes Eis und ein Mann mit Hund ist heute schon herüber gelaufen. Ob das sicher war oder eine dumme Idee, kann ich allerdings nicht beurteilen, also verschiebe ich das Betreten lieber auf später.

Auf dem Killingörviken (vik = Bucht) schwimmen kleine Eisschollen, die durch das ständige Aneinanderstoßen das abgerundete Pfannkucheneis bilden. Aber während dort das Eis noch bei jeder Welle hin- und herschwappt, sind die Eisstücke an der offenen Ostsee schon auf einige hundert Meter fest aneinander gefroren. Vor allem die mit Eis glasierten Felsen im Uferbereich bilden wunderbare Formationen und glitzern in der tief stehenden Sonne. Unter manchen Steinen haben sich richtige kleine Tropfsteinhöhlen mit Säulen gebildet.

SelbstportraitHeute war die Frage, was ich anziehe, wenn ich bei -9 °C fotografiere. Manchmal laufe ich – also nicht zu warm anziehen – manchmal stehe ich minutenlang an einem Fleck. Das hatte ich heute an:

  • Winterstiefel von Kamik: super
  • warme Socken
  • Skiunterwäsche (Billigversion)
  • dünne Skihose: praktisch
  • 100er-Fleecejacke
  • Softshelljacke
  • Daunenweste
  • Fleeceschal und Wollmütze
  • Handschuhe

Die Daunenweste habe ich schnell in den Rucksack gesteckt, sie war selbst im Stehen fast zu warm. Die Handschuhe hatte ich fast nur an, um das Stativ längere Strecken zu tragen. Nur wenn die Finger vom Eis nass werden, wird’s ein bisschen kälter.

Drinnen und draußen

Drinnen: Ein Betrüger hat es geschafft, an einem Tag über 26000 Kronen von meinem Konto abzuräumen. Er ist wohl irgendwie an die Daten meiner neuen Visakarte gelangt. Also war ich heute bei der Bank und habe sie über den Vorfall informiert. Dann habe ich bei der Polizei Anzeige erstattet. Jetzt kann ich kaum etwas tun, als einige Wochen zu warten, während SwedBank und Visa überprüfen, was passiert ist, um mir dann hoffentlich das Geld restlos zurück zu erstatten. Grummel!

Nachtrag: Ein Kollege hat mir einen Link zu einem Artikel von Norran geschickt, nach dem mindestens zwei weitere Personen betroffen sind.

Draußen: Heute hatte ich es gut, denn Kollegen haben mich im Auto von der Stadt nach Skelleftehamn mitgenommen. Da der Winter Schweden fest im Griff hat, ist das Auto fahren nicht so einfach. Auf dem Neuschnee driftet man in den Kurven auch mit Spikes leicht aus der Spur und ist man dann auf der Bundesstraße, so wirbelt jeder Lastwagen Schneestaub (snörök) viele Meter weit auf, so dass man zeitweise gar nichts sieht. Aber über den Neuschnee schreibe ich am Wochenende mal weiter unten.

Drinnen: Nun ist es raus: Ich arbeite nicht mehr bei Artopod, sondern bei Hello Future. Mit den gleichen Leuten, aber einem erweiterten Background, da Internet heute mehr ist als Webseiten. Das sieht beruflich für mich nach einer sehr spannenden Zeit aus.

Draußen: Heute Abend bin ich mit dem Fahrrad zum ICA gefahren. Das Problem war nicht der Wind oder die -8 °C Kälte oder der Schneefall, sondern der Straßenuntergrund. Teilweise lässt sich gut fahren, doch zum Teil schlingert man wie in Sand oder die Räder drehen ganz durch. Gleichzeitig will das Licht nicht mehr richtig, die Gänge gehen nur noch teilweise rein und das Schloss ist auch eingefroren. Wenn das Wetter so bleibt, kaufe ich mir im Dezember eine Monatskarte für den Bus, den bei diesem Tempo bräuchte ich in die Stadt und wieder zurück wohl vier, fünf Stunden.

Draußen: Der Dramatik wegen sollte ich jetzt schreiben: „Draußen tobt ein Schneesturm!“. Zumindest nimmt der Wind immer weiter zu, heult ums Haus, weht meine Fenster und meine Eingangstreppe zu und beim Schnee kann man gar nicht mehr bestimmen, was von oben kommt und was vom Wind aufgewirbelt wird. Alle Schneeräumarbeiten sind fast überflüssig, die freigeschaufelten Wege sind eh wieder nach kürzester Zeit zugeweht.

Schon die letzten Tage ist einiges an Schnee heruntergekommen. Waren es am Montag vielleicht 10 cm hier an der Küste, so haben wir jetzt gut 30 cm. Bei den Verwehungen lässt sich die Höhe aber nicht mehr bestimmen, denn an manchen offenen Stellen liegen der Schnee gerade knöcheltief, während man zwei Schritte weiter in einer hüfttiefen Schneewehe steckt.

Aber von mir aus soll noch ordentlich was herunterkommen, denn am Wochenende will ich hier Skilaufen!

Von der Autofahrt und den Tücken einer geschlossenen Schneedecke handelt dieses kleine LowFi-Video.

Schwedischkurs Winter

seit gestern Abend Schneefall, windig, um -10 °C. Heute morgen ein halber Meter Schnee auf dem Grundstück