Seit Ende April bin ich in Schweden und damit – wenn man fünf Wochen Deutschland und Norwegen abzieht – so etwa ein halbes Jahr hier. Und jetzt habe ich seit zwei Wochen endlich wöchentlichen Schwedischeinzelunterricht und das ist gut, denn es rückt die Sprache wieder in den Fokus.
Wie sieht es denn bei mir aus:
Lesen
geht eigentlich am Besten. Ich kann das Tempo bestimmen und ich sehe, wo ein Wort aufhört und das nächste anfängt. Wenn ich zur Zeit wenig lese, so liegt das an einem Ding zwischen Müdigkeit und Faulheit. Wenn ich aber ein bisschen besser in dem Wintertagesrhythmus drin bin, wird das mit dem Lesen auch wieder mehr.
Schreiben
ist mir zur Zeit gar nicht so wichtig und ich brauche es relativ wenig. Ich freue mich aber sehr über die Rechtschreibkontrolle im Firefox, die viele Fehler direkt rot anstreicht. Gestern habe ich wieder einmal das norwegische jeg statt jag für das deutsche ich geschrieben, da habe ich mich geärgert.
Verstehen
ist immer noch das Schwerste. Es fällt wir von Woche zu Woche leichter, aber wenn Leute leise reden oder ein bisschen nuscheln oder Dialekt oder zwei gleichzeitig, habe ich keine Chance. Vorgestern hatte ich dreieinhalb Stunden Workshop – alles auf Schwedisch – und ich war danach total platt.
Sprechen
ist – nun, wie soll ich sagen … . Sagen wir: Ich werde verstanden. Ich konnte Anzeige bei der Polizei erstatten und bei der Hotline von IKEA schimpfen. Irgendwie geht das alles, aber schön ist anders.
Ich bin froh über den Unterricht, wo ich zum einen Wortkorrektur erhalte, zum anderen aber auch die Aussprache übe. Alle Deutschen, die Schwedisch sprechen, wissen, dass die Vokale für Deutsche völlig ungewohnte Klänge haben. Abgesehen davon bekomme ich das zu hören, was ich schon im Schulfranzösisch gehört habe, später im Englisch und eben jetzt auch wieder: Deutsche sprechen viel zu hart. Die Konsonanten vor allem der Doppelbuchstaben sind viel weicher im Schwedischen und auch die Wörter werden – wie eben z. B. auch im Französischen – viel mehr miteinander verbunden.
Und das letztere ist auch mit eine Ursache dafür, dass ich es so schwierig finde, das gesprochene Schwedisch zu verstehen. ManweißhaltniewoeinWortaufhörtunddasnächsteanfängt.
Heute ist übrigens der kälteste Tag, den ich hier erlebe. Heute morgen waren es zu Hause -15 °C und jetzt um halb sieben zeigt mein Analogthermometer nur noch -19 °C an. Ich werde gleich mit dem Fahrrad zu ICA fahren. Danach weiß ich wahrscheinlich schon, ob ich morgen seit Wochen mal wieder das Fahrrad nehme oder mich in den Bus setze.
Nachtrag:
Jetzt sind’s -20 °C. Und ja, der Daunenparka ist trotz der Kälte schon bei kurzen Strecken viel zu warm! Aber die Daunenfäustel von Yeti kann man prima über andere Handschuhe drüberziehen, kann zwei Finger am Lenker behalten, zwei auf die Bremse legen und die Hände sind mollig warm. Toll!