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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Die Morgenzeitung

Heute morgen ist der Artikel über mich ich in der Zeitung erschienen. Daniel, der Redakteur hat sich ins Zeugs gelegt und fast eine ganze Seite vollbekommen  – ziemlich viel dafür, dass ich keinen Nobelpreis gewonnen, keinen Pop-Star geheiratet und auch keine Drogen verkauft habe. Auch wenn mir der Artikel ziemlich egal ist, eine Zeitung für meine Eltern und eine als Andenken habe ich doch gekauft.

Was ist sonst heute noch passiert? Ich habe ein Bankkonto eröffnet. Dazu habe ich ein kleines Gerät erhalten, welches Transaktionsnummern für das Onlinebanking generiert. Ich bin gespannt, wie lange ich für die erste Überweisung brauche, denn der Prozess ist doch recht aufwändig.

Dann habe ich zum ersten Mal in einem Meeting zu einem auf schwedisch formulierten Problem auf schwedisch etwas gesagt. War ich stolz! Den Rest habe ich dann leider wieder kaum verstanden, aber das wird schon. Hoffe ich.

Und – hurra! – ich habe ein Leih-Fahrrad. Das alte Mountainbike von Jonas ist mit geflickten Reifen und reparierten Bremsen aus der Werkstatt zurück und ich konnte nach Hause radeln. Toll! Ich habe dann auch gleich die eine Straße verpasst, weil ich viel schneller als zu Fuß war. Und ich weiß jetzt wieder, wofür ich aus München Handschuhe mitgenommen habe (Skellefteå: 3.2 °C).

Fotos vom 7. Mai

Am Freitag bin ich mit dem Fahrrad entlang der südlichen Seite des Skellefteälven und dann über die Lejonströmsbron, die riesige, alte Holzbrücke zurückgefahren.

Die nächsten Fotos werden ein bisschen auf sich warten lassen, da ich mit meinem Muskelfaserriss nicht besonders beweglich bin. Das Gute: Dann ist wahrscheinlich auch der letzte Schnee geschmolzen und Eis gibt‘s dann nur noch in der Form Schoko oder Vanille.

Himmelfahrt

Es ist Himmelfahrt, es ist schönes Wetter und ich kann wieder Fahrrad fahren.

Also habe ich eine kleine Runde zu Rovön und Lustholmen – zwei Flussinseln gemacht. Und was machen die Schweden währenddessen?

Angeln · das Trampolin im Garten aufbauen · am Fluss picknicken · Balken fürs Haus streichen · Spazieren gehen · bei ICA Lebensmittel einkaufen · sich sonnen · unter dem Auto liegen · Marienkäfer suchen · sich über den Frühling freuen.

Anfahrt zum Haus

Mein erstes YouTube-Video tut sich vor allem durch die hohe künstlerische Qualität hervor. Das klingt doch viel besser, als wenn ich erzähle, dass ich die Kamera freihand beim Fahrrad fahren gehalten habe, oder? Und den Film auch nicht geschnitten oder gar bearbeitet habe.

Aber zurück zum Thema: Achtet auf das hellgrüne Haus, welches irgendwann rechts vorbeiwackelt. Nächsten Donnerstag ist noch eine Inspektion. Wenn dann keine gravierenden Mängel zutage treten, unterschreibe ich den Kaufvertrag und das Haus gehört mir.

Ein Nachbar macht übrigens Holz, deswegen die nette Motorsägenatmo.

Der Schnee ist weg!

Vermutlich hält diese Überschrift eisernen Recherchen vor Ort nicht stand, aber – ich war heute mit dem Fahrrad in Skelleftehamn und habe auf den ganzen 40 Kilometern kein Fitzelchen Schnee mehr gesehen. Da sage sogar ich alter Schneeliebhaber: Toll!

Beim Radeln habe ich auch die drei Windrichtungen in der Kommune Skellefteå kennengelernt: Ganz von vorne, links von vorne und rechts von vorne. Die vierte Windrichtung fragt Ihr? „Bergab“.

Rückblende

So sah Skellefteå im Februar aus, als ich mein Vorstellungsgespräch hatte. Das ist ja aber auch schon gut drei Monate her.

Fahrrad oder Bus …

Heute war ich faul und bin von Skelleftehamn mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Da habe ich auch gleich zwei Kollegen getroffen. Die drei Tage zuvor bin ich mit dem Fahrrad gefahren. Das dauert etwa eine Stunde, wenn man halbwegs zügig fährt. Würde ich nur die geteerten Wege nehmen, wäre ich vielleicht noch ein bisschen schneller, aber dann ist der Weg auch nicht mehr so schön.

Vor allem am Freitag war es heftig anstrengend, zur Arbeit zu kommen, weil mir ein stark böiger Wind entgegenpfiff. Vielleicht hätte ich die Wetterwarnung der Stufe I auf der Ostsee doch nicht ignorieren sollen.

Der Anfang des Weges ist wunderschön, danach verlässt man Fluss und Wald und fährt auch ein kleines Stück Fahrradweg neben der Hauptstraße, aber irgendwo muss man ja auch ein bisschen Strecke machen, um zur Arbeit zu kommen.

Aber nun, Fahrrad oder Bus …

  • Bequemlichkeit: Der Bus gewinnt eindeutig.
  • Kommunikation: Auf dem Fahrrad ist man allein, im Bus trifft man Kollegen. Bus gewinnt.
  • Preis: Hin und zurück im Bus kostet mehr als 6 Euro, das Fahrrad fast nix. Fahrrad gewinnt.
  • Bewegung: Still sitzen tue ich auch im Büro, Fahrrad gewinnt
  • Wetter: Bei schönem Wetter gewinnt das Rad, bei fiesem Sturm und Graupel der Bus.
  • Fahrtzeit: Bus mit Fußweg ca. 40 Min. gegen Fahrrad ca. 60 Min. Bus gewinnt, aber nicht riesig.
  • Abwechlung: Mit dem Fahrrad kann man variieren. Fahrrad gewinnt.
  • Fotos: Lassen sich vom Fahrrad leichter schießen. Fahrrad gewinnt.
  • Spaß: Zur Zeit noch eindeutig das Fahrrad. Fragt im November noch mal nach …

Fahrradtour

Nach dem ich schön ausgeschlafen habe, habe ich mich bei windigem, aber schönen Wetter aufs Fahrrad gesetzt und bin mit dem Ziel Kåge losgefahren. So weit bin ich dann doch nicht gekommen, aber schön war es trotzdem. Und nun aus aktuellem Anlass der Live-Ticker (für Eure Bequemlichkeit von oben nach unten geschrieben).

  • Olaf setzt sich aufs Fahrrad und startet durch. Der Wind kommt – welch Überraschung – von vorne.
  • Er fährt erst die Ursviksgatan in Skelleftehamn und dann den Skelleftehamnsvägen in Ursviken.
  • Bei seinen phantastischen Abkürzungen lernt er viele neue Sackgassen kennen.
  • Jetzt ist er am Fäbodvägen angelangt, biegt nach rechts ab und verlässt damit die Zivilisation.
  • Ihm kommen viele Autos entgegen, die wohl wieder in die Zivilisation zurückfahren.
  • Auf der breiten Asphaltstraße kommt er gut voran. Warum erzählt Jonas, man bräuchte ein Mountainbike …
  • Auf der breiten Forststraße nimmt er rasant und mit mehreren Stundenkilometern alle Steigungen.
  • Auf dem schmalen Weg fährt er über Schotter, Steine und durch lockeren Sand.
  • Ein phantastischer Ausblick nach links über die Ostsee.
  • Auf dem sehr schmalen und mit Geröll bestückten schmalen Steig kämpft sich Olaf weiter voran.
  • Auf dem unfassbar schmalen, mit viel Geröll bestückten und steil abwärts führenden schmalen Steig steigt Olaf ab und schiebt ein Stückchen.
  • Oh, ein Schwalbenschwanz. So weit im Norden!
  • Die Schotterpiste hat ein Ende, es gibt wieder Straße.
  • Weiter geht es – gegen den Wind – bis zu einem kleinen Sandstrand in der Bucht von Boviken.
  • Sandsturm! Der Wind wirbelt den trockenen Sand meterhoch auf.
  • Olaf fährt weiter, bis er fast in Boviken ist.
  • Olaf stellt fest, dass er kein Geld dabei hat, also in Kåge kein Eis essen kann und kürzt seine geplante Tour dramatisch ab.
  • Er fährt unter der E4 durch und findet einen breiten Waldweg.
  • Der schmale Waldweg lässt sich gut fahren.
  • Der schmale und matschige Waldweg lässt sich recht gut fahren und dank der vielen Baumwurzeln wird man auch nicht zu schnell.
  • Das Fahrrad lässt sich gut auf den kaum sichtbaren Pfad durch das Birkendickicht schieben.
  • Das Fahrrad lässt sich auch gut über die Sumpfwiese schieben.
  • Olaf hat Erfolg. Füße und Hose sind zwar nass und dreckig, aber er musste das Fahrrad nur schieben, nicht tragen.
  • Der breite, glatte Waldweg, auf den Olaf stößt, lässt sich wieder toll fahren und er führt auch in die richtige Richtung
  • der schmale Waldweg …
  • der schmale und mit dicken Steinen und Baumwurzeln besetzte Weg …
  • … hallo, das hatten wir doch schon.
  • Olaf findet einen tollen See und badet. Erst seine Hose, dann sich.
  • Er stößt dann auf eine Asphaltstraße und ist begeistert.
  • Auf breiten Straßen fliegt er mit dem Wind Skelleftehamn entgegen …
  • … macht allerdings am breiten Urviksfjärden eine Eß- und Trinkpause
  • Und bald ist er auch schon wieder zu Hause.
  • laut GPS hat er sein Fahrrad 58,6 km gefahren und geschoben, laut Hintern etwa 120 km.
  • Olaf hat nur drei Fotos gemacht. Ist er krank? Wird er je wieder Fahrrad fahren? Lesen Sie mehr in diesem Blog.

erster Ferientag

Heute ist mein erster Ferientag. Und den nutze ich zum Erholen, denn meine morgen startende Deutschlandreise wird toll, aber auch anstrengend. Auf meiner heutigen Fahrradtour konnte ich dennoch nicht an den beiden riesigen Lilien, die irgendwo in der Pampa am Wegrand leuchteten vorbeifahren und wollte nur kurz ein Bild posten. Aber mehr schreibe ich nicht, weil zu faul, denn: Heute ist mein erster Ferientag.

Beerenhunger

Was macht man an einem freien Samstag bei schönem Wetter in Schweden? Richtig, man ignoriert das Chaos im Haus und ist möglichst viel draußen. Heute Vormittag habe ich mich aufs Rad gesetzt und bin über Örviken nach Bureå (spricht man so ähnlich wie Büro) und dann noch weiter bis Bergfors gefahren. Auf dem Rückweg habe ich eine schöne Pausenstelle direkt am Meer gefunden. Hier gab es wilde Himbeeren (schwedisch hallon) und auch einen verlassenen Johannisbeerenstrauch. Diesen Sträuchern habe ich mich erst einmal in Ruhe gewidmet. Sehr lecker, auch wenn die Johannisbeeren solo ja immer ein bisschen sauer sind. Einige Kilometer im Wald habe ich dann auch Heidelbeeren (schwedisch Blåbär) gefunden. Keine riesigen Mengen, aber für einen ordentlichen Snack hat es gereicht. Zwei Schweden haben an der gleichen Stelle Pilze gesammelt, aber damit kenne ich mich nicht aus und lasse die Pfoten davon.

Am Nachmittag bin ich dann noch einmal zu Fuß losgegangen. Eine wirklich schöne Heidel­beeren­stelle habe ich bei mir um die Ecke noch nicht gefunden, da muss ich morgen noch einmal schauen. Aber ich glaube, dass ich eine Moltebeerenstelle gefunden habe. Ganz sicher bin ich mir allerdings nicht ob die Beeren wirklich Moltebeeren (schwedisch hjortron) sind und ich werde gleich per Twitter den Schweden mal das Foto zeigen und fragen, ob das (a) unreife Moltebeeren sind und (b) ob man die jetzt schon sammeln und nachreifen lassen sollte. Wenn die Moltebeeren nämlich reif sind, sind diese nicht nur goldgelb, sondern auch sehr weich.

Nachtrag: Leider waren die Beeren keine Moltebeeren, sondern vermutlich Steinbeeren. Schade eigentlich. Das Foto entferne ich lieber wieder, ehe das von jemandem als Bestimmungsgrundlage benutzt wird.

Was ich noch nicht gefunden habe, sind Walderdbeeren (schwedisch smultron). Und um Preißelbeeren (schwedisch lingon) habe ich mich noch nicht gekümmert. Das mag auch daran liegen, dass man alles andere direkt in den Mund stecken und essen kann. Und das ist doch immer sehr verlockend.

Wasser, Wasser, Wasser

Bei mir dreht sich zur Zeit alles um Wasser:

Die Luft im Keller, in den ich meine Bücher stellen wollte, war mit 77% ja sehr feucht. Netterweise hat ein Bekannter mich im Auto nach Skellefteå Moröbacke gefahren, wo neben vielen anderen Märkten auch ein Baumarkt ist. Der dort gekaufte Luftentfeuchter arbeitet jetzt im Keller rund um die Uhr und hält die Luftfeuchte bei etwa 60%. Dafür holt er aber auch pro Tag so um die drei Liter Wasser aus der Luft. Für den sogenannten „Rötmånad“ (quasi Verfaulmonat), den wir hier gerade haben, bin ich mit 60% aber recht zufrieden. Sobald es wieder kühler wird und die Heizung mehr arbeitet, kann ich vermutlich den Luftentfeuchter auch wieder ausschalten.

Die Fernwärmeheizung habe ich am Freitag abgeschaltet, weil ein Ventil leck war und mir eine dicke Wasserpfütze im Heizungskeller beschert hat. Das Leck ist aber am Montag morgen von einem netten Servicetechniker direkt behoben worden. Mit ihm konnte ich dann auch gleich nach Skellefteå zur Arbeit wieder mitfahren. Nett! Am Montag haben nämlich wieder alle angefangen zu arbeiten.

Leider habe ich dann am Sonntag feststellen müssen, dass meine Waschküche patschnass war. Sowohl der Boden als auch der Schrank waren komplett mit Wasser bedeckt. Und weiteres Wasser tropfte munter von der Kellerdecke. Also habe ich vermutlich ein undichtes Rohr. Na super! Gestern habe ich dann mit meiner Versicherung (nicht zuständig, da ich noch keine 30 Tage im Haus bin) und dann mehrmals mit dem Maklerbüro telefoniert. Die haben dann die Besitzerin kontaktiert, die dann wiederum heute früh ihre Versicherung angerufen hat, worauf diese mich dann angerufen hat, um mir mitzuteilen, dass Anticimex, die damals auch die Hausuntersuchung gemacht haben, von der Versicherung informiert wird und mich dann wiederum anrufen wird, um einen Termin zur Schadensbesichtigung auszumachen. Satz zu Ende. Leider hat sich Anticimex noch nicht gemeldet, also muss ich morgen wieder am Telefon die Dringlichkeit klarmachen, denn das Leck ist ja nach wie vor da und ab und zu muss ich den Haupthahn auch mal kurz öffnen, um Zähne zu putzen oder … .

Heute morgen bin ich dann – das Thema ist weiterhin noch Wasser – im strömenden Regen zur Arbeit geradelt. Der Regen ließ dann langsam nach, was aber eher ungemütlicher ist, da einem dann der Fahrtwind den Sprühregen schön ins Gesicht schiebt. Ein Gutes hatte die Sache: Da ich Gummistiefel an hatte, konnte ich auf dem Rückweg einen Abstecher in den Wald machen und Heidelbeeren suchen. Das nächste Mal nehme ich aber Kamm und Sieb mit, sonst bin ich sehr langsam und die Freunde möchte ich den vielen Mücken eigentlich nicht machen.

Wochenende

Nach einer Woche voll Sonnenschein ist es Samstag Nachmittag und es schüttet. Vor einer Stunde war es nur leicht am Nieseln und ich habe mich aufs Fahrrad gesetzt, um im Wald meine Heidelbeervorräte aufzustocken. Dann wurde der Regen immer stärker und zum Schluss hatte ich das Gefühl, ich halte meine Hände unter den Wasserhahn und das T-Shirt war trotz Goretex-Hightech-Was-weiß-ich-noch-alles-Funktionsjacke vorne klatschnass, weil das Wasser fröhlich am Kinn hinunter laufend doch unter die Jacke ging.

Da bin ich doch lieber nach Hause gefahren. Zum einen, weil ich nass war, zum anderen, weil ich schauen wollte, was mein Dach macht. Glück gehabt, das Provisorium scheint zu halten, das Schornsteinrohr ist rostig, aber trocken.

Insgesamt scheint es, dass sich der Fall mit dem undichten Dach beruhigt. Am Donnerstag hatte ich ein Treffen mit dem Makler, um die offenen Punkte zu klären und ich bin froh, dass er sich alles kümmert. Der Mann von Anticimex meinte wohl zum Makler, dass bei der Besichtigung damals der Fehler hätte gefunden werden müssen und so Anticimex oder Versicherung für den Schaden aufkommen. Hoffen wir, dass sein Chef, der am Montag aus dem Urlaub kommt, das genau so klar sieht.

Dies ist übrigens das erste Mal, dass zwischen zwei Artikeln eine Pause von einer Woche liegt. Kehrt hier doch langsam ein bisschen der Alltag ein? Es scheint so. Ich gewöhne mich langsam an alles. An die zuerst noch unbekannten Geräusche im Haus, daran, dass ich das Schwedisch einiger Kollegen immer noch nicht verstehe und auch an die Fahrradfahrten zur Arbeit. Vor einigen Tagen habe ich auf der Rückfahrt einen wunderschönen Umweg durch den Wald gefunden, für den allerdings wieder – wie so oft – ein Mountainbike angebracht gewesen wäre. An Stein und Schotter habe ich mich ja schon ein bisschen gewöhnt, aber diese kleinen, fiesen, tiefen Sandkuhlen sind gemein. So hat der Weg dann auch an die zwei Stunden gedauert, aber mir einige Blicke auf die Ostsee beschert. Und – falls ich es noch nicht erwähnt habe – da war das Wetter ja auch noch schön. Allerdings wird es hier langsam kühler. Morgens sind es meistens um die 8 Grad und nach dem Schnorcheln in der Ostsee am letzten, windigen Sonntag habe ich nicht mehr wie geplant am Strand gesessen, sondern bin schnell wieder nach Hause ins Warme geradelt.

Abends war ich dann noch auf dem Hamnberget, habe mir den Wasserturm (von außen) angeschaut und mich über die Abendsonne gefreut.

Der erste Besuch

Gestern waren Jonas und ein Freund bei mir und haben einen Zwischenstopp bei mir eingelegt. Sie hatten gerade ihre mehrwöchtige Kanutour durch Norwegen und Schweden beendet. Ich habe mich riesig über den Besuch gefreut. Es war aber nicht nur schön, Jonas wiederzutreffen, sondern – ich bin ehrlich – es war auch einfach toll, mal wieder in meiner Muttersprache kommunizieren zu können. Ohne über Worte nachzudenken. Ohne konzentriert versuchen, mein Gegenüber zu verstehen. Ich konnte mich einfach in der Sprache treiben lassen wie in einer leichten Strömung im warmen Badesee. Nachdem wir Jonas’ leckeren Eintopf gegessen und uns dann durch die Tourschokoladenvorräte gefuttert haben, habe ich die Fotos auf den Rechner hoch geladen und von den beiden eine exklusive Diashow bekommen. Wirklich eine schöne, aber auch fordernde Tour durch wunderschönste Landschaft von Fjell bis Wald. Um zwei war ich dann im Bett.

Dem entsprechend war auch der heutige Plan, mit dem Bus zur Arbeit zu fahren, damit ich ein wenig länger schlafen kann. Aber zum einen bin ich eine Woche lang nicht in die Stadt geradelt und zum anderen war mal richtig schönes Wetter. Und ordentlich Gegenwind. Zu meinem Glück hat dieser aber nicht gedreht, so dass die Rückfahrt dann entspannt war. Ich habe mal wieder ein paar kleine Umwege über hoppelige Waldwege genommen und dabei sehr viele Pilze gesehen. Die meisten dürften wohl ungenießbar bis hochgiftig sein. Um halb acht war ich dann zu Hause, habe E-Mails beantwortet, gegessen und festgestellt, dass es um halb neun schon zu dunkel ist, um noch in Ruhe den Rasen zu mähen. Vielleicht morgen?

Besuch ist toll!

Am Freitag Abend ist Sandra zu Besuch gekommen, die ich immer wieder treffe, wenn ich im Winter bei Dirk auf Solberget bin. Nachdem sie zwei Wochen Padjelanta und Kungsleden gelaufen ist, hatte sie noch ein paar Tage Zeit, bei mir vorbeizuschauen. Und zum Glück war das Wetter am Samstag richtig schön und heute am Sonntag wenigstens trocken, so dass wir hier viel durch die Pampa gelaufen und mit dem Fahrrad gefahren sind (wie schön, dass ich noch ein Gästerad habe).

Gestern waren wir erst zu Fuß in Richtung Storgrundet, dem nächsten Strand unterwegs. Wie wir dabei auf das Thema Kaiserschmarrn gekommen sind – ich weiß es auch nicht mehr, aber nach einer schönen, gemütlichen Fahrradrunde hat Sandra fantastischen Kaiserschmarrn gemacht. Nicht, dass wir nicht mittags schon warm gegessen hätten. Nicht, dass wir nicht vorher im Wald schon einiges an Heidelbeeren gefuttert hätten.

Heute sind wir nach einem langen und späten Frühstück mit dem Fahrrad über die Brücke nach Orsviken zum „Stackgrönnans Båtmuseum“ gefahren. Leider hatten sowohl Museum als auch Café schon zu. Anfang September scheint hier nicht mehr Saison zu sein. Schade. Aber gut, dass die Sonne ein bisschen heraus kam und wir Wasser und Kekse dabei hatten. Am Nachmittag haben wir noch eine kleine Runde durch den Wald gedreht (Heidelbeeren) und sind dann ins Folkets Hus ins Kino gegangen. Den Film eclipse fand ich zwar gerade noch mittelmäßig, aber er scheint sich auch eher an Mädchen von 11-15 zu richten und so sehr interessieren mich Vampire und Werwölfe denn auch nicht. Das Kino ist aber überraschend groß und schön. Schade, dass der Film nicht synchronisiert war, denn ich hätte gerne Schwedisch gehört und nicht nur gelesen. Schade auch, dass das Popcorn versalzen war. Morgen fahren wir beide in die Stadt und ich gehe wieder zum Arbeiten. Fazit: Besuch ist toll. Mehr davon!

4:58

Mit dem Fahrrad die knapp 19 Kilometer von Skelleftehamn nach Skellefteå geht nicht? Doch; der Zeitraffer macht‘s möglich. Seht zu, dass Ihr entspannt sitzt und nicht zu nah am Bildschirm. Denn da die kleine Kamera recht starr mit dem Lenker verbunden ist, wackelt die Aufnahme wie verrückt, denn das Fahrrad hat keine Federung.

Statt Untertiteln:

  • 0:00 noch steht das Fahrrad im Schuppen, aber gleich geht’s los
  • 0:10 den Weg fahr ich auch immer zu ICA zum Einkaufen
  • 0:37 Belichtungskorrektur. Jetzt ist der Himmel auch blau
  • 0:54 Hier geht es über Steine und fiese Baumwurzeln aufwärts. Das hoppelt wirklich so
  • 1:04 Ja, ich schaue links und rechts, ob ein Auto kommt. Meistens aber nicht
  • 1:34 Links ist der Kanuklub. Dazu mehr im nächsten Jahr …
  • 1:39 Hier bildet der Fluss eine breite Bucht
  • 2:16 Links auf dem Fluss liegt Nebel
  • 2:18 Zwei Autos überholen. Das hatte ich glaube ich noch nie
  • 2:22 Zwei Damen beim Nordic Walking
  • 2:33 Rechts das Schild vom Hundezüchter ist für mich immer Halbzeit
  • 2:46 In Bergsbyn döse ich manchmal auf dem Rad ein bisschen …
  • 2:48 … und die Linse beschlägt
  • 2:52 Wisch, wisch, wisch. Viel bringt‘s nicht
  • 3:05 Ein Stück Hauptstraße …
  • 3:21 … und schon geht‘s auf kleinen Wegen weiter
  • 3:34 Mein Lieblingsstück, aber nur auf dem Hinweg. Jippie!
  • 4:04 Ab hier wird es ein bisschen städtischer
  • 4:32 Hier stehe ich oft lange – an diesem Tag gut anderthalb Minuten
  • 4:50 Noch kurz durch die Fußgängerzone, …
  • 4:53 … das Rad die Stufen hochtragen und angekommen.

Zeitumstellung

In Schweden hört am letzten Oktoberwochenende – genau wie in Deutschland – die Sommerzeit auf und die Uhren werden auf Normalzeit zurückgestellt. Heute hatten wir also dieses zweifelhafte Vergnügung der Zeitumstellung und jetzt ist es um vier Uhr nachmittags dunkel und jetzt – um fünf – stockfinster. Nun hoffe ich auf Schnee, denn der reflektiert doch so viel Stadtlicht, dass die Dunkelheit nicht mehr so absolut ist.

Heute war ich das erste Mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs, denn alles Eis ist weggetaut. Allerdings sind die Wege jetzt alle ein bisschen matschig und das Fahrrad sieht aus wie Sau. Die Laubbäume sind schon lange kahl und die ganze Landschaft besteht nur noch aus verschiedenen Brauntönen, dem milchigen Weiß des Eises auf den sumpfigen Wiesen und dem dunklen Grün der Nadelbäume. Und über allem wölbte sich heute – ganz entgegen der Vorhersage – ein trüb-grauer Himmel. Spätherbstfarben. Nur das Torfmoos leuchtet, als habe es damit nichts zu tun.

Spikes

Heute morgen waren die Straßen seit Wochen zum ersten Mal nicht mehr glatt. Obwohl es schon länger über null ist, war doch noch so viel Frost im Boden, dass die Straßen morgens immer so rutschig waren, dass ich den Bus genommen habe. Die letzte Nacht ist die Temperatur auf fünf Grad gestiegen und es hat auch das letzte Eis weggeregnet. Zudem hat die Wettervorhersage mit ihren 10 m/s Wind kräftigst daneben gegriffen, es war nämlich fast windstill.

Also habe ich mich das erste Mal seit Wochen wieder auf das Fahrrad gesetzt und bin die 19 Kilometer zur Arbeit geradelt. Nach der Hälfte kam auch die Sonne heraus, tauchte alles in warme Herbstfarben und projizierte einen langen, langen Radfahrerschatten, dem ich dann hinterher geradelt bin.

Dann bin ich am Vormittag zum Cykel & Fiskecenter gefahren, das sich auf Fahrrad und Angeln spezialisiert hat und habe Winterreifen mit Spikes gekauft. Der Nokian Extrem mit 294 Spikes waren leider nicht da, aber ich hoffe 240 Spikes tun es auch. Nach der Arbeit habe ich dann das Fahrrad frisch bereift abgeholt und bin nach Hause gefahren.

Der erste Eindruck: Die Reifen sind natürlich ziemlich laut und ich bilde mir auch ein, dass sie ein wenig unruhiger laufen, wenn man langsam fährt. Der zweite Eindruck: Die Reifen haben eine höhere Reibung und ich habe auf manchen Strecken einen Gang niedriger genommen als normal. Jetzt bin ich gespannt auf die ersten Fahrten auf Eis. Die werden vermutlich nicht lange auf sich warten lassen, denn der nächste Frost ist für das Wochenende vorhergesagt.

Das war meine erste Rückfahrt im Dunkeln und ich freue mich, dass praktisch jeder Weg beleuchtet ist. Außerhalb der Stadt sind fast alle Fußgänger und teilweise auch die Hunde mit neongelben Reflexwesten unterwegs. Man sieht also und wird gesehen.

Jetzt bin ich gespannt, wann ich das erste Mal Polarlicht beim Radfahren habe …

Nachtrag:

Schon heute – einen Tag später – hatten wir -1 °C und dementsprechend glatte Straßen. Ich bin begeistert von den Spikes. Sie greifen auch auf gefrorenen Pfützen gut und wesentlich besser als meine Alltagsschuhe, wenn ich zu Fuß unterwegs bin. Supi, dann kann ich ja wieder regelmäßig fahren (und habe eine Ausrede weniger, wenn ich wieder mal zu faul bin).

Winterradeln

8.11.: Minimum -11.5, Maximum -6.3., klarer Himmel
9.11.: Minimum -12.7, Maximum -1.3, jetzt um 21:00 bewölkt, -4 °C, windig und Schneestaub von oben

Gestern morgen zeigte das Thermometer -11 °C an und der Morgenhimmel war klar. Ein guter Tag, um auszuprobieren, welche Handschuhe meine Finger warmhalten, wenn ich eine Stunde auf dem Rad Richtung Stadt fahre. Ich hatte tatsächlich sechs Paar dabei, von den dünnen Fingerhandschuhen zum Unterziehen bis zum dicken, knallroten Daunenfäustling. Dann noch eine Daunenjacke für die Mittagspause eingepackt, mit den Füßen in die Winterstiefel geschlüpft, eine Sturmhaube, die nur noch die Augen frei lässt übergezogen und den Fahrradhelm aufgesetzt. Das war schon eine besondere Atmosphäre, als ich in der Morgendämmerung mit auf frostigem Schnee knirschenden Spikes losgefahren bin. Ich war froh über meine wintertaugliche, funktionelle Kleidung und die zwei Paar Fingerhandschuhe übereinander hielten schön warm. Aber schließlich braucht man so etwas auch für eine derartige Expedition! Dachte ich! Bis mir die erste Oma mit Strickmütze auf Ihrem Klapperrad entgegen kam. Und auch die nächsten Fahrradfahrer hatten nichts um den Hals. Das versetzte meinen Harter-Fahrradfahrer-Phantasien doch einen empfindlichen Dämpfer.

Obwohl die Spikes toll sind, habe ich doch ein Drittel mehr Zeit gebraucht als im Sommer. Was aber wirklich Zeit kostet, ist das ganze An- und Umziehen. In der Agentur: Helm ab, Sturmhaube ab, zwei Paar Handschuhe aus. Jacke aus. Im Bad Unterhemd und Fleecepullover aus. Waschen. T-Shirt und Sweatshirt an. Lange Fleecehose aus, normale Hose wieder an. Sachen zum Trocknen aufhängen. Puh, das dauert. Jetzt erst einmal einen warmen Tee!

Der Rückweg war schön. Zum einen hatte ich Rückenwind, zum anderen ließen die Straßenlaternen vor allem die schneebedeckten, kleineren Straßen hell leuchten, während sich über einem der dunkle Sternenhimmel wölbte. Kein Vergleich zu dem dunklen und öden Eindruck, den die Straßen ohne Schnee letzte Woche machten.

Das war gestern. Heute morgen war es noch ein bisschen kälter, aber ich habe nicht so gut geschlafen und war so müde, dass ich lieber den Bus genommen und meinen Krimi „Mannen som dog som en lax“ weiter gelesen habe. Und ehrlich gesagt – wenn ich mir die Wettervorhersage anschaue, dann werde ich wohl auch morgen den Bus nehmen. Die sagt nämlich für morgen Neuschnee bei mittleren Windgeschwindigkeiten von 13 m/s, also etwa 45 Kilometer pro Stunde voraus. Schon jetzt fällt Schneestaub vom Himmel, der vom zunehmenden Wind durch die Straßen getrieben wird und alles ist weiß.

Drinnen und draußen

Drinnen: Ein Betrüger hat es geschafft, an einem Tag über 26000 Kronen von meinem Konto abzuräumen. Er ist wohl irgendwie an die Daten meiner neuen Visakarte gelangt. Also war ich heute bei der Bank und habe sie über den Vorfall informiert. Dann habe ich bei der Polizei Anzeige erstattet. Jetzt kann ich kaum etwas tun, als einige Wochen zu warten, während SwedBank und Visa überprüfen, was passiert ist, um mir dann hoffentlich das Geld restlos zurück zu erstatten. Grummel!

Nachtrag: Ein Kollege hat mir einen Link zu einem Artikel von Norran geschickt, nach dem mindestens zwei weitere Personen betroffen sind.

Draußen: Heute hatte ich es gut, denn Kollegen haben mich im Auto von der Stadt nach Skelleftehamn mitgenommen. Da der Winter Schweden fest im Griff hat, ist das Auto fahren nicht so einfach. Auf dem Neuschnee driftet man in den Kurven auch mit Spikes leicht aus der Spur und ist man dann auf der Bundesstraße, so wirbelt jeder Lastwagen Schneestaub (snörök) viele Meter weit auf, so dass man zeitweise gar nichts sieht. Aber über den Neuschnee schreibe ich am Wochenende mal weiter unten.

Drinnen: Nun ist es raus: Ich arbeite nicht mehr bei Artopod, sondern bei Hello Future. Mit den gleichen Leuten, aber einem erweiterten Background, da Internet heute mehr ist als Webseiten. Das sieht beruflich für mich nach einer sehr spannenden Zeit aus.

Draußen: Heute Abend bin ich mit dem Fahrrad zum ICA gefahren. Das Problem war nicht der Wind oder die -8 °C Kälte oder der Schneefall, sondern der Straßenuntergrund. Teilweise lässt sich gut fahren, doch zum Teil schlingert man wie in Sand oder die Räder drehen ganz durch. Gleichzeitig will das Licht nicht mehr richtig, die Gänge gehen nur noch teilweise rein und das Schloss ist auch eingefroren. Wenn das Wetter so bleibt, kaufe ich mir im Dezember eine Monatskarte für den Bus, den bei diesem Tempo bräuchte ich in die Stadt und wieder zurück wohl vier, fünf Stunden.

Draußen: Der Dramatik wegen sollte ich jetzt schreiben: „Draußen tobt ein Schneesturm!“. Zumindest nimmt der Wind immer weiter zu, heult ums Haus, weht meine Fenster und meine Eingangstreppe zu und beim Schnee kann man gar nicht mehr bestimmen, was von oben kommt und was vom Wind aufgewirbelt wird. Alle Schneeräumarbeiten sind fast überflüssig, die freigeschaufelten Wege sind eh wieder nach kürzester Zeit zugeweht.

Schon die letzten Tage ist einiges an Schnee heruntergekommen. Waren es am Montag vielleicht 10 cm hier an der Küste, so haben wir jetzt gut 30 cm. Bei den Verwehungen lässt sich die Höhe aber nicht mehr bestimmen, denn an manchen offenen Stellen liegen der Schnee gerade knöcheltief, während man zwei Schritte weiter in einer hüfttiefen Schneewehe steckt.

Aber von mir aus soll noch ordentlich was herunterkommen, denn am Wochenende will ich hier Skilaufen!

Von der Autofahrt und den Tücken einer geschlossenen Schneedecke handelt dieses kleine LowFi-Video.

Die Sprache

Seit Ende April bin ich in Schweden und damit – wenn man fünf Wochen Deutschland und Norwegen abzieht – so etwa ein halbes Jahr hier. Und jetzt habe ich seit zwei Wochen endlich wöchentlichen Schwedischeinzelunterricht und das ist gut, denn es rückt die Sprache wieder in den Fokus.

Wie sieht es denn bei mir aus:

Lesen

geht eigentlich am Besten. Ich kann das Tempo bestimmen und ich sehe, wo ein Wort aufhört und das nächste anfängt. Wenn ich zur Zeit wenig lese, so liegt das an einem Ding zwischen Müdigkeit und Faulheit. Wenn ich aber ein bisschen besser in dem Wintertagesrhythmus drin bin, wird das mit dem Lesen auch wieder mehr.

Schreiben

ist mir zur Zeit gar nicht so wichtig und ich brauche es relativ wenig. Ich freue mich aber sehr über die Rechtschreibkontrolle im Firefox, die viele Fehler direkt rot anstreicht. Gestern habe ich wieder einmal das norwegische jeg statt jag für das deutsche ich geschrieben, da habe ich mich geärgert.

Verstehen

ist immer noch das Schwerste. Es fällt wir von Woche zu Woche leichter, aber wenn Leute leise reden oder ein bisschen nuscheln oder Dialekt oder zwei gleichzeitig, habe ich keine Chance. Vorgestern hatte ich dreieinhalb Stunden Workshop – alles auf Schwedisch – und ich war danach total platt.

Sprechen

ist – nun, wie soll ich sagen … . Sagen wir: Ich werde verstanden. Ich konnte Anzeige bei der Polizei erstatten und bei der Hotline von IKEA schimpfen. Irgendwie geht das alles, aber schön ist anders.

Ich bin froh über den Unterricht, wo ich zum einen Wortkorrektur erhalte, zum anderen aber auch die Aussprache übe. Alle Deutschen, die Schwedisch sprechen, wissen, dass die Vokale für Deutsche völlig ungewohnte Klänge haben. Abgesehen davon bekomme ich das zu hören, was ich schon im Schulfranzösisch gehört habe, später im Englisch und eben jetzt auch wieder: Deutsche sprechen viel zu hart. Die Konsonanten vor allem der Doppelbuchstaben sind viel weicher im Schwedischen und auch die Wörter werden – wie eben z. B. auch im Französischen – viel mehr miteinander verbunden.

Und das letztere ist auch mit eine Ursache dafür, dass ich es so schwierig finde, das gesprochene Schwedisch zu verstehen. ManweißhaltniewoeinWortaufhörtunddasnächsteanfängt.

Heute ist übrigens der kälteste Tag, den ich hier erlebe. Heute morgen waren es zu Hause -15 °C und jetzt um halb sieben zeigt mein Analogthermometer nur noch -19 °C an. Ich werde gleich mit dem Fahrrad zu ICA fahren. Danach weiß ich wahrscheinlich schon, ob ich morgen seit Wochen mal wieder das Fahrrad nehme oder mich in den Bus setze.

Nachtrag:

Jetzt sind’s -20 °C. Und ja, der Daunenparka ist trotz der Kälte schon bei kurzen Strecken viel zu warm! Aber die Daunenfäustel von Yeti kann man prima über andere Handschuhe drüberziehen, kann zwei Finger am Lenker behalten, zwei auf die Bremse legen und die Hände sind mollig warm. Toll!

Gehäuftes Auftreten von Schnee

Höchsttemperatur heute: -14.4 °C, Tiefsttemperatur -21.5 °C. Damit einmal wieder wesentlich kälter als prophezeit. Etwa 80-90 cm Schnee.

Heute habe ich nur einen halben Tag gearbeitet und von zu Hause aus gearbeitet. Das herrliche Wetter verführte zu sehr, sich einmal wieder auf das Fahrrad zu setzen und eine kleine Runde zu drehen. Der Schnee auf der Straße ist fest, es ist zwar kalt, aber windstill und ich freue mich über die Sonne und den knallblauen Himmel. Wenn kaum Schnee auf der Straße ist, dann muss er woanders sein. Und das ist er: In großen Haufen haben die Räumfahrzeuge ihn an jeder freien Ecke und auf jedem freien Platz aufgetürmt; an manchen Stellen sind die Schneehaufen über drei Meter hoch.

Ich habe es hier übrigens noch nie erlebt, dass der Bus mal mehr als zwei, drei Minuten zu spät kam. Selbst bei tagelangen Dauerschneefall sind alle größeren Straßen immer gut geräumt. Jetzt, drei Tage nach dem letzten Schnee, sind nicht nur die kleineren Straßen, sondern auch die Rad- und Fußwege geräumt und das Radfahren macht richtig Spaß. Was mich allerdings ein bisschen wundert, dass doch einige Autos bis zur Unkenntlichkeit zugeschneit sind. In dem rechten Foto sind beispielsweise vier Autos zu sehen – soweit man von sehen reden kann. Sind das alles Zweitwagen oder haben einige im Winter einfach keine Lust zum Autofahren? Ich weiß es nicht.

Und sonst?

  • Am Montag habe ich meinen Outdoorpool mal alleine genutzt. Das werde ich auch gleich noch mal machen, aber mit Mütze, denn es sind -18 °C.
  • Mein Schwedischunterricht hat wieder angefangen. Schwerpunkt: Aussprache. Drei Mal habe ich noch.
  • Gestern habe ich Vertretung beim Badminton gespielt. Hat riesigen Spaß gemacht, auch wenn wir alle Spiele verloren haben.
  • Der Vollmond gestern war phantastisch. Auf allen Bäume ist Rauhreif, der im Mondlicht silbrig-golden glänzt. Leider keine Fotos.