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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Ein Jahr Schweden

Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich übermüdet von der langen Anreise mit Rucksack, großer Tasche und zwei Koffern hier ankam. Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter mir und ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass jetzt auch einfach mal ein bisschen Alltag einkehrt.

Dementsprechend habe ich den heutigen Tag – den ersten der vier freien Ostertage – weder gefeiert noch habe ich groß zurückgeschaut. Statt dessen habe ich einfach das schöne Wetter genossen und mit mir die gesamte Natur. Die Vögel haben getwittert, äh gezwitschert, die ersten Frösche waren draußen und die ersten wilden Blumen am Straßenrand blühen.

Nur mein Auto musste heute ein bisschen leiden. Gestern habe ich mit netter Nachbarshilfe Sommerreifen aufgezogen und heute bin ich ein bisschen gefahren. Dieser eine schöne Waldweg wurde allerdings immer schlechter und immer matschiger und nach einer Kurve sah er mehr aus wie ein Übungsgelände für Jeeps. Also musste ich rückwärts zurück. Um die Kurve. Mit Sommerreifen auf rutschigen Boden. Und prompt bin ich auch – so richtig schön Fahranfänger – ein bisschen vom Weg abgekommen und habe mich im weichen Straßenrand festgefahren. Na toll! Ich hatte aber (eigentlich eher für Schnee gedacht) vier schmale, alte Bretter dabei, die ich dann unter die Reifen gelegt habe. Und mit vielen Mal vorwärts und rückwärts rangieren, ungefähr zehn Mal den Motor abwürgen, durchdrehenden Reifen bei Motorgeheul und einigen Flüchen bin ich tatsächlich wieder auf den Weg gekommen und habe auch ganz schnell eine Stelle zum Wenden gefunden. War ich erleichtert! Es hat sich zwar beim Zurückfahren gezeigt, dass ich keine 100 Meter hätte laufen müssen, um Hilfe zu bekommen, aber ich war trotzdem sehr froh, das Auto alleine wieder frei bekommen zu haben. Heute gelernt: Sommerreifen haben ihre Grenzen und mein Auto ist kein Kettenfahrzeug.

Zum Schluss noch zwei kleine Winter-Frühjahrsvergleiche:

P.S.: Zum halbjährigen Jubiläum habe ich den hundertsten Beitrag geschrieben, heute zum einjährigen den zweihundertsten. Zufall oder deutsche Wertarbeit?

Blumen

blühen jetzt überall. Auch auf meinem Grundstück. Allerdings nicht nur die vom Vorbesitzer gepflanzten, sondern hauptsächlich Wildblumen – an der Hecke, auf dem Kiesweg oder mitten auf dem Rasen.

Ich habe mal alle Blüten, die ich heute gefunden habe fotografiert und festgestellt, dass ich gerade bei der Hälfte weiß, um was es sich handelt oder zumindest nachschauen konnte. Die Hälfte der Blütenpflanzen heißt deswegen ??? – und ich bin für jeden Tipp dankbar. Botaniker vor!

Midsommarafton

Ich hatte schon geschrieben, dass Mittsommer ein wichtiges Fest in Schweden ist. Mir war aber bis gestern nicht klar, dass schon gestern am Freitag gefeiert wurde, obwohl „midsommar“ erst heute am Samstag ist. Dabei ist das eigentlich ganz einfach und logisch:

Neujahr heißt auf schwedisch „nyår“ oder genauer „nyårsdagen“ (Neu-Jahrs-Tag). Gefeiert wird am Vortag: nyårsafton (Neu-Jahrs-Abend). Weihnachten heißt „jul“, das traditionelle Weihnachtsessen und die Geschenke gibt es am „julafton“ (Weihnachts-Abend). Mittsommer heißt „midsommar“ und wann wird gefeiert? Richtig, am Tag zuvor, dem „midsommarafton“.

Und der war wie gesagt gestern. Ich habe mit Freunden in deren neuem Sommerhäuschen gefeiert. Wir saßen hauptsächlich auf der überdachten Veranda, den es hat ziemlich viel geregnet. Abends waren wir noch in der Sauna und haben uns zwischendurch zur Kühlung im Regen stehend mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Irgendwann – wenn es immer hell ist, habe ich die Tageszeiten nicht mehr so richtig im Griff – habe ich dann das Gästezimmer abgedunkelt und mich schlafen gelegt. Und heute war auch schon wieder schönes Wetter.

Ganz wichtig übrigens beim Mittsommer ist das Essen: Hering („sill“), Lachs, Dünnbrot und neue Kartoffeln müssen dabei sein. Und Aquavit! Eigentlich. Denn Schnaps hatten wir zwar keinen, aber ein kleines Trinklied kann man ja auch zum Rotwein singen. Die gleichzeitig gegrillten Fleischstücke waren so groß, dass wir alle pappsatt waren und sogar ich – kaum zu glauben – nicht mehr viel von der Erdbeertorte geschafft habe. Aber die hat heute zum Frühstück auch gut geschmeckt.

Nun habe ich noch fünf Tage zu arbeiten und dann habe ich vier Wochen Urlaub! Ich frage mich, ob ich den Freitag jetzt „semesterafton“ nennen darf, denn immerhin ist es der Tag vor meinem Urlaubsanfang, und das – finde ich – ist ein Grund zum Feiern!

Ferien

Was herrlich, ich habe Ferien! Vier Wochen! Und das sind meine ersten richtigen Sommerferien, denn den letzten Sommer war ich hauptsächlich mit Umziehen beschäftigt.

Gestern war es grau und ich faul. Heute war wieder blauer Himmel und ich immer noch faul. Aber einen kleinen Gang in den Wald habe ich gemacht, und dabei diesen wunderschönen Fischadler vor die Linse bekommen, der über mir seine Kreise zog.

Heute gelernt: 1/400 reicht bei einer umgerechneten Brennweite von 450mm nicht aus, um den Vogel scharf abzulichten. Das nächste Mal werde ich hoffentlich dran denken, eine größere Blende zu benutzen und eventuell schnell noch den ISO-Wert ein bisschen heraufschrauben. Vielleicht gibt es hier ja demnächst noch ein besseres Bild.

Urlaub: Skellefteå

Die ersten 72 Stunden Urlaub mit Sonya:

Sonnenuntergang am Meer · Fischadler über dem See · Lachsfrühstück · Fahrradtour · am Strand liegen · im a****kalten Meer baden · Fotografieren · Grillen · Couscoussalat machen (Sonya) · mit Live-Klaviermusik wecken (ich) · Freunde besuchen · Markt in Burträsk · Sommerwärme · Privatführung in der Kirche mit Schwerpunkt Orgeltechnik · Pause auf der Insel Smedjeholmen · Fika mit Waffeln · kleine Runde mit dem Kanu (Kanadier) · Grillen (geht auch zwei Mal) · Abend mit Freunden · Nachts um halb drei am See · leckeres Frühstück · mit den Hunden toben · mit dem Kanu über den Göksjön zum Sandstrand · im See Baden · die ersten Walderdbeeren · zurück in Skelleftehamn · nochmals im Meer Baden · Kochen. Ich finde, das ist ein guter Anfang.

Mehr schreibe ich jetzt nicht, denn ich hab Urlaub.

Ach ja, Fotos gibt’s auch:

Arbeitssamstag

Die Adventszeit bringt bei vielen hier nicht Ruhe und Besinnung mit sich, sondern viel Arbeit. Denn ganz plötzlich merken die Kunden, dass das Jahr zu Ende geht und man eigentlich Projekte abschließen möchte. Alle. Gleichzeitig.

Und so sitze ich heute am Rechner. Das macht michts, denn der Tag ist ohnehin feucht, dunkel und trübe. Aber kurz war ich mal draußen und habe ein paar Fotos von der Straße gemacht. Und dabei eine Überraschung gefunden: Mein Stiefmütterchen vor dem Haus blüht immer noch. Das nenne ich hart im Nehmen!

Da ich zu faul war für Stativ und wie gesagt wenig Licht da war, ist vor allem das Blumenfoto nicht scharf. Der Perfektionist in mir grummelt ein wenig. Der Rest sagt zu ihm: „Du spinnst doch! Und wegen Dir gehen wir jetzt nicht noch mal raus!“

Superblume!

Vor meinem Haus wächst das stärkste Stiefmütterchen der Welt. Sozusagen die Pippi Langstrumpf unter den Blumen. Bis weit in den kalten November hinein hat das Stiefmütterchen geblüht und heute – ich traute meinen Augen kaum – öffnet es die erste Knospe. Bei Temperaturen um Null Grad, umgeben von Kies und Eis.

Eine wahre Superblume!

Genug Tageslicht hat die Blume jetzt auf jeden Fall. Denn während die offizielle Tag- und Nachtgleiche eigentlich erst morgen ist, war hier die Sonne heute schon 12 Stunden und 12 Minuten über dem Horizont. Da hier die Dämmerung doppelt so lange dauert wie in (Süd-)Deutschland, liegen wir jetzt wieder vorne mit dem Tageslicht – für ein langes, halbes Jahr.


An dieser Stelle verlinke ich noch einmal den Artikel Hell und Dunkel, wo ich die Tageslängen im Jahresverlauf für Skellefteå und München zeige und man die Unterschiede gut sehen kann.

Frühlingstag

Ist es wirklich erst eine Woche her, dass zwanzig Zentimeter Neuschnee gefallen sind und hier alles winterlich tief verschneit war? Der kleine Hund beim Gassi gehen kaum über den Schnee schauen konnte? Ich beim Fotografieren aufpassen musste, dass mein Objektiv nicht zuschneit?

Kaum zu glauben! Denn heute war es sonnig und mit 13 °C wirklich überraschend warm. Ich habe die ersten Blumen, die ersten Schmetterlinge, die ersten Menschen mit kurzen Hosen gesehen. Und viele saßen draußen und genossen Licht und Wärme. Auch wir haben nach dem Mittagessen einen kleinen Umweg gemacht und sind ein kleines Stück am Fluss entlang gelaufen.

Die meisten von uns haben heute um halb vier den Arbeitstag beendet, zu groß war die Verlockung, das schöne, warme Frühlingswetter zu geniessen. Ich habe mir zu Hause das Fahrrad geschnappt und bin ein bisschen herumgefahren. Zur Insel Storgrundet kann man jetzt herüber rudern und das restliche Eis hat sich vom Ufer gelöst und treibt nach Osten. In der Sonne war es so warm, dass ich die meiste Zeit im T-Shirt gefahren bin. Im Schatten merkte man allerdings, dass es gegen Abend wieder kühler wurde.

Es erstaunt mich jedes Mal wieder, wie schnell die Jahreszeiten hier wechseln können. Und ich freue mich, dass der Frühling da ist, selbst wenn es morgen wieder grau und kälter werden soll.

Was für eine Woche

Juni ist der Monat, in dem der Nordschwede – also der Nordschwede an sich – merkt, dass bald Juli ist. Und Juli ist die Zeit, in der die meisten Urlaub nehmen und in ihre Sommerhäuser am See, im Fjäll oder auf der Insel fahren. Deshalb versuchen alle, in den Juniwochen das unterzubringen, was andere Nationen in einem halben Jahr veranstalten.

Neben dem Creative Summit, auf dem ich zwei Tage war, hätte ich letzte Woche unter anderem den Bootstag in Kåge besuchen, drei (!) bezahlte Klavierjobs spielen, und am Sommerfest meines Diskussionsclubs teilnehmen können. Ich hatte allerdings besseres vor, denn Christina, eine liebe Freundin aus München war seit Dienstag Nacht zu Besuch und so habe ich den Freitag freigenommen und die vielen Veranstaltungen den Schweden überlassen.

Über den Creative Summit selbst will ich gar nicht so viel schreiben. Es ist sehr schwer, die teils hervoragenden Vorträge von Rednern aus Schweden, Norwegen, Trinidad, den USA und Kanada gut zusammenzufassen und das soll auch nicht Thema dieses Artikels sein. Ich möchte bloss auf die hervorragenden Arbeiten von Jonathan Harris hinweisen und jedem Programmierer ans Herz legen, den Artikel Cold + Bold zu lesen, und zwar mindestens zwei Mal im Jahr.

Zum Creative Summit gehören allerdings nicht nur die Vorträge, sondern auch die Feste am Abend, bei denen man bis in die helle Nacht hinein (dunkel wird es ja nicht mehr) mit vielen unglaublich netten und interessanten Menschen ins Gespräch kommt.


Am Freitag Abend haben Christina und ich auf der Halbinsel Kallholmen gepicknickt, dabei hatten wir Sicht auf die Insel Kalkgrundet, die ich auch noch nicht kenne. Später hatten wir auch noch Livemusik, denn auch der Bootshafen hat den Juni genutzt, um ein Fest zu organisieren.

Am Tag darauf haben wir ein zweites Kajak vom Nachbarn geliehen und eine schöne Tour zur Insel Kalkgrundet gemacht. Dort haben wir alles aufgegessen, was vom Picknick des Vorabends übrig geblieben ist und ich habe mir den ersten Sonnenbrand geholt. (Man soll sich nie auf die Wettervorhersage verlassen, die Wolken ab 13:00 vorhergesehen hat.)

Gestern nachmittag habe ich Christina zum Flugplatz gebracht. Nichts liegt mir ferner, als hier eine deutsche Siedlung zu gründen, aber ich bin jedes Mal traurig, wenn ich wieder einen guten Freund, eine gute Freundin nach Deutschland entlassen muss. Vor mir aus können alle gerne hierbleiben – und ich meine, was hat München schon zu bieten …

Nun bin ich wieder alleine und nutze diesen Zustand, um die nächsten zwei Wochen viel zu arbeiten, denn dann gibt es eine gute Chance, dass auch ich – wie so der Nordschwede an sich – den ganzen Juli freinehmen kann.

Nachtrag: Was sonst noch war: Das erste Mal im Sommer baden · warmes Sommersonnenwetter · Spaghetti mit Elchbolognese · nächtliches Baustellenchaos rund um Umeå · der Flieder beginnt zu blühen · mitgebrachte Mozartkugeln

Wollgras

Gestern war ich draußen, ein bisschen die Umgebung bei mir erkunden und mitten auf einer Anhöhe entdecke ich eine kleine sumpfige Stelle mit Wollgras. Das wollte ich ohnehin schon einmal fotografieren und so habe ich meine Kamera ausgepackt und begonnen, Bilder zu machen. Über mir quollen dicke Kumuluswolken und bald darauf lag das Wollgras im Schatten. Noch während ich in den Himmel schaute, um zu schauen, wann die Sonne wieder hervorkommt, hörte ich es ordentlich rumpeln. Ein Gewitter – eine Seltenheit hier. Nun ist bei Gewittern eine kahle Anhöhe nicht der ideale Aufenthaltsort, also habe ich das Weite gesucht und bin durch den Wald nach Hause gelaufen, während dicke Tropfen herunter klatschten. Zu Hause angekommen war das kleine Gewitter aber schon wieder vorbei.

Heute war ich noch einmal unterwegs und habe Wollgras fotografiert. Die Aufnahmen entstanden an anderen Stellen, denn fast überall, wo es nass ist, wächst diese Pflanze.

In den Ritzen, die sich in den großen Felsen gebildet habe, wachsen oft junge Birken. Ob sie genug Platz finden, um starke Wurzeln zu bilden, genug Wasser zu finden und groß und alt werden?

Aufruf an die Botaniker: Weiß jemand, welche Blume auf dem letzten Foto abgebildet ist? Ich habe keine Ahnung und leider auch vergessen, die ganze Pflanze zu fotografieren.

Teichrosenteiche

Die Gelbe Teichrose (Nuphar lutea, Syn.: Nuphar luteum), auch Gelbe Teichmummel, Mummel, Teichmummel oder Teichkandel genannt, wobei sie manchmal auch mit Nuphar luteum tituliert wird, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Seerosengewächse (Nymphaeaceae). […] Der wissenschaftliche Name Nuphar wurde schon von Dioskurides gebraucht und geht vermutlich auf das ägyptische „nu-far“ zurück.

wikipedia

Der kleine Teich, der gleich um die Ecke im Wald liegt, ist jetzt voll mit den leuchtend-gelben Teichrosenblüten und den großen, schwimmenden Blättern.

Die Frösche, die man sonst immer auf den großen Teichrosenblättern vermutet, habe ich statt dessen auf dem Rückweg im Wald gesehen. Auf den feuchten Stellen hüpften hunderte der diesjährig geborenen zentimetergroßen Frösche umher und ich musste aufpassen, dass ich nicht auf einen drauftrete.

Höga kusten

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Auf meiner Reise nach Norwegen habe ich einen Zwischenstopp an der Höga kusten gemacht. Diese Region ist mir schon mehrmals empfohlen worden und nun, wo ich es endlich geschafft habe, im Skuleskogen Nationalpark eine kleine Tour zu machen, kann ich nur sagen, dass die Höga Kusten einen Besuch wert ist.

Nachdem ich mein Auto am „Entré Syd“ abgestellt habe, bin ich den orange/roten Wegmarkierungen gefolgt. Am Anfang lief ich über Holzstege, bald über Baumwurzeln. Dann bin ich abgebogen, um auf den Slåttdalsberget zu gehen. Der blau markierte Weg führt über den roten Granitfels, der die Landschaft hier prägt.

Von den riesigen Granitformationen hat man herrliche Blicke über die Ostsee und die Inseln. Am Gipfel habe ich eine Pause gemacht. Gut, dass außen an meinem Fotorucksack auch eine Wasserflasche und eine Tüte mit Nusskuchen befestigt werden können.

Bekannter als der Slåttdalsberget ist die Slåttdalsschlucht, die sich tief in den Granit einschneidet. Wenn man die dunkle Schlucht durchquert, denkt man an Abenteuerromane, Räuber, Hinterhalte und hofft, dass einem kein Troll Felsen auf den Kopf wirft.

Ich bin dann weiter um den See Tärnättvattnen gelaufen. Hier war auch einer der Plätze, an denen man im Nationalpark sein Zelt aufstellen und übernachten darf. Weiter ging der Weg an der Küste – mal etwas höher, mal fast direkt am Meer. Das letzte Stück zog sich ganz schön, zum einen, weil es schon recht spät – wenn auch noch lange nicht dunkel – war, zum anderen, weil der Proviant längst aufgefuttert war und ich einen Bärenhunger hatte. Nach vier Stunden nach Tourbeginn war ich wieder am Parkplatz und habe erst einmal etwas gegessen. Dabei wurde ich leider ziemlich von Knott umschwärmt, kleinen Mücken, die alle gerne mein Blut wollten. Aber bald habe ich mich ins Auto geflüchtet, wo ich auch geschlafen habe, ehe ich am nächsten Tag weiter nach Norwegen gefahren bin.

Rosen

Die Rosen in meinem Garten haben wirkliches Glück, dass sie so selbständig sind. Sie haben mich mit dem Hauskauf als neuen Gärtner bekommen und ich kümmere mich wirklich nicht um sie. (Immerhin hat mir meine Mutter letztes Jahr gezeigt, wie man Rosen beschneidet.)

Heute morgen schwankte so manche Blüte wie ein begossener Pudel am Stengel, denn es hat fast die ganze Nacht geregnet. In ein paar Tagen werden diese Blütenblätter wohl abgefallen sein. Aber es gibt noch viele Knospen, dass ich wohl auch noch im September etwas von meinen tapferen Rosen haben werde.

Grau – Blau – Gelb – Gold

grå – blå – gul – guld På svenska

Igår åkte jag till lotsstationen för att kolla om isen har brutit så att jag kan åka kajak igen. Men allt var fortfarande täckt med is som inte längre är turkos och vit men bara grå. Men kanske redan nästa helg är havet öppet.

Skellefteälven däremot är öppet nu, det finns många isflak som flyter förbi, några är visst 50 kvm. Och i vågorna speglar sig tusen små soler.

Mest snö i stan töade bort nu och längs älven blommar de första blommorna: hästhov och backskärvfrö.

Sen var det ett stort party på torget för Skellefteå AIK vann ju gold förra dagen. Kring 10000 fans firade tillsammans deras hockeyteam och flera sa att dom aldrig sog så mycket folk här på torget. Jag var ganska glad att jag stod på kanten eftersom jag trivs inte att stå mitt i så mycket folk, men i alla fall helt imponerande hur stan firade och hejade Skellefteå AIK.

Emma tog ett fint kort från torget ur fågelperspektiven. Tack, Emma, att jag får använda kortet här.

I Skelleftehamn finns lite mer vinter kvar än i Skellefteå, men nu är det ”bara” 30 cm snö kvar i trädgården och snart – hoppas jag – blir det barmark igen.

Als ich gestern um sechs aufgewacht bin, war die Sonne schon lange aufgegangen. Vor der Arbeit bin ich noch zur Lotsenstation gefahren, denn ich warte darauf, dass dort das Eis aufbricht und ich endlich wieder Kajak fahren kann. Aber alles war noch mit Eis bedeckt, und das ist nicht mehr länger glitzernd weiß und türkis, sondern wirkt einfach nur grau. Aber ich glaube, dass nächstes Wochenende das Meer schon offen ist und man wieder auf blaues, klares Wasser schauen kann.

Blick auf einige OstseeinselnAm Meeresufer – so ungefähr

Anders sieht jetzt der Fluss in der Stadt aus. Auf ihm treiben zwar noch viele Eisschollen, manche bestimmt 50 Quadratmeter groß, aber der Fluss selbst ist fast überall offen. Und tausend kleine Sonnen spiegeln sich in den kleinen blauen Wellen.

Eisschollen treiben vorbeiDie Sonne spiegelt sich im Skellefteälven

In der Stadt ist viel Schnee schon weggetaut und an den nach Süden ausgerichteten Böschungen oberhalb des Uferwegs blühen die ersten Blumen: Der gelbe Huflattich und – wenn ich mich nicht irre – das weiße Gebirgs-Hellerkraut.

Huflattich (schwedisch hästhov oder tussilago)Gebirgs-Hellerkraut (schwedisch backskärvfrö)

Warum ich am Fluss entlanggelaufen bin, hat einen besondereren Grund: Ich hatte noch ein bisschen Zeit bis halb sechs und dort war auf dem Marktplatz die große Goldfeier der Eishockeymannschaft Skellefteå AIK. Und diese Feier war groß! Etwa 10000 Fans haben sich auf dem Platz versammelt und so mancher meinte, er habe in Skellefteå noch nie so viele Menschen auf einem Haufen gesehen. Wie gut, dass ich am Rand stand, denn in großen Menschenmengen fühle ich mich überhaupt nicht wohl. Aber es war schon imponierend, wie die Menschen einer mit 34000 Einwohnern doch recht kleinen Stadt gemeinsam begeistert ihr Eishockeyteam feiern.

Großes Publikum auf dem „Torget“Die Mannschaft trägt Goldhelm

Emma: „Das ist total magisch“Wie viele Menschen da waren, sieht man sehr schön auf einem Foto, welches Emma gestern bei Instagram veröffentlicht hat. Sie stand ganz oben auf dem höchsten Haus am Platz und hatte einen guten Blick auf den gefüllten Platz. Danke, Emma, dass ich das Foto hier verwenden darf.

Wieder zurück in Skelleftehamn ist der Winter noch ein bisschen präsenter, denn das Ostseeeis kühlt die Uferregionen noch ein bisschen aus. Aber immerhin ist der Schnee jetzt auf 30 cm zusammengeschmolzen (vor fünfeinhalb Tagen noch 65 cm) und bald wird auch bei mir im Garten wieder Gras zu sehen sein.

Tussilago

Tussilago På svenska

Sedan jag bor i Sverige blev tussilago en av de viktigaste vårtecknen. Och sedan några dagar gryr denna blomma också här i Skelleftehamn. Den mesta snö i trädgården smälte bort nu och försiktig gryr de förste grashalm. Nu bör det bara blir varmare.

Seit ich in Schweden lebe, ist Tussilago, zu deutsch Huflattich eines der wichtigsten Frühlingsanzeichen geworden. Und seit einigen Tagen sprießt diese Blume auch hier in Skelleftehamn auf einer nassen Brachfläche hier in der Nähe.

Überall sprießt der Huflattich, …… reckt sich der Sonne entgegen …

… und öffnet dann seine Blüte in voller Pracht.

Im Garten liegt nur noch fleckenweise Schnee und vorsichtig sprießen die ersten Grashalme. Nun muss es bloß noch wärmer werden.

Valborg

Gestern war Walpurgisnacht. Während ich das deutsche Wort hauptsächlich aus Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ kenne, ich das schwedische Wort „Valborgsmässoafton“, oder kurz „Valborg“ hier in aller Munde. Denn für die meisten hier ist das ein wichtiges Fest und symbolisiert den Frühlingsanfang.

Was gehört für mich zu einer typischen Valborg-Feier?

Das ist 5. Aprilwetter. Und das hatten wir gestern. Von wärmender Sonne und blauem Himmel bis hin zu Regen- und Graupelschauern war alles dabei. Nummer 4. Ein schöner Platz. Die Stuga meiner Freunde liegt wunderschön am Göksjön – zu deutsch Kuckuckssee. Für das Foto brauchte ich keine zweihundert Meter weit zu laufen.

Aprilwetter – Regenschauer über dem GöksjönEin schöner Platz. Blick auf den Göksjön

Nummer 3. Frühling bedeutet Blumen. Und neben dem Huflattich, der überall blüht, wo es lehmig ist, zeigten sich gestern auf dem Komposthaufen die ersten Krokusse. Und Nummer 2. Ein Maifeuer, denn das gehört auch mit dazu.

Die ersten KrokusseFunken sprühen aus dem Maifeuer

Doch das wichtigste ist natürlich Nummer 1. Freunde. Ich bin sehr froh, wieder so nett von A. und M. eingeladen wurden zu sein und jede Stunde Zeit, die ich mit ihnen verbringe ist mir eine Freude. Was täte ich nur ohne Freunde! Die Gegeneinladung ist schon ausgesprochen.

Nebendarsteller: Gutes Essen, Rotwein, Frühlingslieder, mit dem Hund toben, Vogelstimmen, am Bach entlang waten, sich freuen, dass es Mitternacht immer noch nicht richtig dunkel ist.


Nach einer Übernachtung und einem guten und späten Frühstück bin ich auf Umwegen wieder nach Hause gefahren. Die nicht asphaltierten Straßen sind recht spannend zu fahren und ich fragte mich bei der Fahrt, was wohl neue Stoßdämpfer kosten, wie leicht man sich im Lehm festfährt und wer mein Auto wohl aus dem Graben zieht, denn die Wege sind manchmal so weich und mit Spurrillen versehen, dass das Auto meine Steuerei recht frei interpretiert hat. Aber – ich bin gut zu Hause angekommen und die schönen Aussichten, an denen man vorbeifährt, rechtfertigen ein bisschen Eierei.

Besonders schön fand ich es am Bodträsket, einem der Seen, durch die der Fluss Bureälven fließt. Der blaue Himmel spiegelte sich im Wasser und ein frischer Wind blies kleine Wellen, auf denen leise raschelnd und klingelnd die letzten Eisstückchen trieben, an das überflutete Ufer.

Am Bodträsket – einem Teil des Bureälven

Über Valborg und den ersten Mai habe ich übrigens auch schon 2010, 2011 und 2012 geschrieben.

Löwenzahn

Maskros På svenska

Vinnaren av årets ”vad-blommar-först-i-min-trädgård”-tävling är en maskros som njuter värmen utanför huset, för efter några ostadiga dager har vi det riktig skönt med sol och 15 °C. Härligt vårvädret alltså. Och så ska det vara nästa dagarna också. Om jag är ingen lathund i morgon så ska jag cykla till jobbet första gången i år. Det blir dags nu!

Och annars? Det finns ingen snö längre i trädgården · buskar och träd börjar knospas · jag är nyfiken när syrenen och rosorna blommar · Gräset växer också – första klippning på helg?

Der Gewinner des diesjährigen „Was-blüht-zuerst in meinem eigenen Garten“-Wettbewerbes ist ein Löwenzahn. Er geniesst die Wärme vor dem Haus, denn nach einigen wechselhaften Tagen haben wir jetzt 15 °C und Sonne. Herrliches Frühlingswetter also. Und so soll es die nächsten Tage bleiben. Wenn mich morgen nicht die große Faulheit packt, werde ich das erste Mal in diesem Jahr wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Wurde auch Zeit!

Löwenzahnblüte im Garten

Und sonst? Es liegt kein Schnee mehr im Garten · die noch kahlen Büsche und Bäume bekommen Knospen · ich bin gespannt, wann der Flieder blüht, die Rosen blühen · der Rasen sprießt und wächst – das erste Mal Rasen mähen am Wochenende?

Sommerwarm

Meteorologisch unkorrekt: Thermometer in der SonneSommerwarm war es heute in Skellefteå. 21 °C wurden heute Mittag in Skelleftehamn gemessen und in meinem hauptsächlich aus Fenstern bestehenden Wintergarten waren es 32 °C.

Ich habe heute zu Hause gearbeitet, weil wir gerade viel zu tun haben, aber jetzt mache ich Feierabend und werde noch ein bisschen das schöne warme Sommerwetter geniessen.

Rote SchlüsselblumeDas gleiche Sommerwetter hat den Blüten der Sumpfdotterblumen, die ich vorgestern in der Bucht „Kurjoviken“ entdeckt habe schon ziemlich zugesetzt. Aber ein paar Blüten waren noch ganz. Ich mag dieses kräftige Gelb. Eine Schlüsselblume, die auf meiner Kieseinfahrt blüht, hat sich hingegen für ein kräftiges Rot entschieden. Ich kenne die Blumen eigentlich nur in blassgelb.

Sumpfdotterblume in Skelleftehamn

Starker Strom und starke Blume

Tja.

Vom Kajak fahren heute Abend kann ich nicht erzählen, denn ich war zu müde. Das lag daran, dass ich schon um 6:05 (sic) im Büro war und mit dem Programmieren begann. Dass ich so früh wach war, lag auch daran, dass es nicht mehr dunkel wird. Also, keine Kajakgeschichte. Wird nachgeholt.

Ich könnte auch davon erzählen, dass bei uns eigentlich nur schönes Wetter ist. Seit Wochen. Sonne satt, angenehm warm. T-Shirtwetter und mal eine laue, mal eine frische Brise. Draußenwetter. Aber ich weiß bei dem Wetter, welches zur Zeit in Deutschland herrscht – vor ein paar Tagen war Deutschland Europas Kältepol! – mache ich mir damit keine Freunde. Also, keine Sommergeschichte.

Ich könnte auch davon erzählen, dass ich am Sonntag das erste Mal den Rasen gemäht habe und heute einen Strauch ausgegraben. Der war ohnehin schon morsch und die hohen Schneehaufen des letzten Winters haben ihm den Rest gegeben. Da war leider nichts mehr zu retten. Aber das ist mir zu keingärtnerisch, da habe ich keine Lust drüber zu Schreiben. Also, auch keine Held-des-Gartens-Geschichte.

Tja. Was nun.

Na gut, zwei Geschichten habe ich:

Nummer eins:

Als ich heute recht früh nach Hause gekommen bin, stellte ich fest, dass der Bildschirm nicht ging. Ebenso wenig wie die Steckerleiste, die Klimaanlage für den Flügel, der Kühlschrank und die Steckdosen. Licht ging lustigerweise. Nachdem ich einen Freund, der Elektriker ist, angerufen habe und so ziemlich jede Sicherung herausgedreht und ausgewechselt (Ja, ein Teil meiner Sicherungen sind noch die alten Keramikteile zum drehen) und immer noch nichts ging, habe ich dann bei SkellefteKraft angerufen. Sehr netter Kundendienst, muss ich sagen.

Meine Stromversorgung (und die meiner Nachbarn)Und vielleicht eine Stunde später (inzwischen konnte ich den Strauch ausgraben, aber das wollte ich ja gar nicht erzählen) kam einer vom Kundendienst und stellte fest, dass im Schaltkasten auf der Straße zwei Phasen weggeknallt waren. Das ließ sich ja zum Glück schnell beheben. Im Winter hätte man den Kasten erst mal ausbuddeln müssen. Schön, wieder Strom zu haben, vor allem für den Gefrierschrank. Und fürs Smartphone aufladen.

Nummer zwei:

Viola PippilottaAls ich wieder aus dem Wald zurückkam (dort hatte ich meinen Strauch zu den Gartenabfällen … . Ach nein, kein Thema. Stimmt ja.) Wie auch immer, vor meiner kleinen Treppe zum Haus blüht wieder Viola Pippilotta. Das ist das stärkste Veilchen der Welt. Es hat schon letztes Jahr zwischen Schnee und Eis geblüht. Jetzt ist es zurück – vermutlich vom Taka-Tuka-Land – und blüht wieder. Dieses Mal aber weiß statt blau, aber hellblond ist hier ohnehin gerade stark angesagt, vielleicht hat es sich die Blütenblätter gebleicht. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, eine alte Blumenbekannte wiederzutreffen, auch wenn ich sie vielleicht mit einer anderen Blume verwechselt habe (Das geht mir mit Menschen aber manchmal ebenso).

Wie viel Kraft in den Pflanzen hier steckt, zeigt sich im dicken Asphalt des Fußweges, der für einen kleinen grünen Keim, der ans Licht möchte, kein weiteres Problem darzustellen scheint, wie das folgende Foto zeigt. Ganz schön viel Power. Ich hingegen bin in Schweden ein bisschen fauler und ein bisschen dicker geworden, aber auch das soll hier nicht weiter thematisiert werden.

Eine Pflanze bricht durch den Asphalt

Blumenjagd

Gestern Abend habe ich versucht, Libellen zu fotografieren, die sich auf den Steinen sonnten oder durch die Luft sausten. Leider vergebens, denn die Libellen sind sehr, sehr scheu und fliegen schon weg, wenn man noch einige Meter entfernt ist, viel zu weit weg, um schöne Fotos zu machen. Wer kommt, sind die Mücken. Es war ein Fehler, ohne Jacke loszulaufen, denn Mensch im T-Shirt bedeutet für die Mücken von Sumpf und Wald höchste Festlichkeit. Sie umschwärmen einen begeistert und die drei Sekunden, die ich manchmal für ein eher hektisches Foto stehenblieb, reichten oft aus, um mich in einer kleinen Wolke Mücken verschwinden zu lassen. Da bekommt man wieder Sehnsucht nach dem Winter …

Heute habe ich zwei Sachen anders gemacht: Zum einen habe ich eine Jacke mit Kapuze dabei gehabt (und ziemlich darin geschwitzt), zum anderen habe ich Libellen Libellen sein lassen und mich anderen Objekte gewidmet: Blumen. Die meisten Exemplare wachsen am oder im Sumpf, nur Siebenstern und Heidelbeere sind gerne auch im trockneren Gelände.

Ich könnte jetzt heimlich aus Wikipedia abschreiben und so tun, als sei ich der große Botaniker. Bin ich aber nicht, die Hälfte der Namen habe ich heute im Internet herausgesucht.

Fangen wir an mit Drachenwurz (gerne im Wasser) und Sumpfdotterblume (gerne am Wasser).

Drachenwurz (schwedisch: Missne)Sumpfdotterblume (schwedisch: Kabbleka)

Gerne im Wasser auf Sumpfboden steht auch der Fieberklee.

Fieberklee (schwedisch: Vattenklöver)Die Blüte des Fieberklees

Als nächstes kommen Wollgras (am und im Wasser) und Siebenstern (gerne Trocken).

Eines der Wollgräser (schwedisch: Ullsläktet)Siebenstern (schwedisch: Skogsstjärna)

Die nächsten Exemplare sind besonders interessant, die Früchte kann man nämlich essen. Die Heidelbeere und die im Norden vorkommende Moltebeere.

Blüte einer Heidelbeere (schwedisch: Blåbär)Moltebeere (schwedisch: Hjortron)

Während Heidelbeeren überall und in Massen wachsen, der Wald ist voll davon, sind die Moltebeeren seltener. Sie stehen einzeln im sumpfigen Gelände und sind ausgerechnet dann reif, wenn die meisten Mücken da sind. Ein mühsames Geschäft, sie zu sammeln. Aber sie sind nicht nur sehr lecker (finde ich), sondern enthalten auch sehr viel Vitamin C.

Zum Schluss noch eine kleine Abschweifung, keine Blume, sondern eine fleischfressende Pflanze, die hier in Massen wächst. Der Sonnentau.

Sonnentau (schwedisch: Sileshår)