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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Wintereinbruch

Nach meiner ersten Skitour dieses Winters, die ich gestern Abend Dank des Neuschnees machen konnte, wurde der Schneefall noch dichter und Wind kam auf. Es hat die ganze Nacht weitergeschneit und wegen des Windes war ich extrem früh wach. So sah heute früh der Blick aus dem Küchenfenster aus:

Auf meinem Grundstück lagen je nach Schneeverwehung zwischen 20 und 50/60 Zentimeter und es schneite weiter. Ich habe draußen einige Fotos gemacht und wollte eigentlich den ersten Bus, der um fünf Uhr abfährt, nehmen. Aber das mit dem Fotografieren dauerte ein bisschen länger, also wurde mir klar, dass ich diesen Bus nicht mehr kriege. Und so habe ich in Ruhe weiter fotografiert.

Im Bus, der um 5:50 abfuhr, hörte man hauptsächlich Worte wie „Schnee“, „Winterreifen“ oder „hat sich festgefahren“. Ein Fahrradfahrer, der uns entgegenkam, wäre beinahe in den Bus reingefahren, er kam in dem tiefen und recht nassen Schnee einfach ins Schlingern. Ich war gar nicht böse, dass ich den ersten Bus nicht bekommen habe, denn der hatte sich direkt in der nächsten Haltestelle dermaßen festgefahren, dass er, als wir 50 Minuten später vorbei kamen, immer noch dort stand.

Und auf jeder Straße, auf jedem Platz, vor jeder Einfahrt: Räumfahrzeuge, Räumfahrzeuge, Räumfahrzeuge! Von einfachen Baggern mit Schaufel vorne dran bis hin zu Gefährten, die ich eher „Kampfstern Galaktika“ zugeordnet hätte, wurde überall mit großem Einsatz der Schnee zu hohen Haufen zusammengeschoben. Bloß um die Fahrräder hat sich keiner gekümmert, aber der oben erwähnte Vorfall hat gezeigt, dass Fahrrad fahren seine Grenzen hat.

Leider ist dann der Schnee immer feuchter geworden und in Skelleftehamn hat es vermutlich auch geregnet. Als ich wieder nach Hause kam – jetzt waren alle großen Straßen und kleinen Wege geräumt – war leichter Frost und ich habe eine Stunde draußen damit zugebracht, dicke, nasse, halbgefrorene und sackschwere Schneeklumpen vor meinem Haus wegzuräumen. Denn wenn ich die einfach liegen lasse, kann es sein, dass die Post nicht zugestellt wird.

Ich muss mich übrigens korrigieren: So mancher kleiner Weg war nicht geräumt, zum Beispiel die Abkürzung über die Wiese, die zwei Fahrgäste heute vergeblich suchten. Als sie aus dem Bus ausstiegen, standen sie vor einem großen Schneehaufen. Und sind einfach durchgestapft.

Der Schnee ist durch Wärme und Regen zusammengesackt, zumindest ist es aber so viel, dass nicht so schnell alles wieder wegschmilzt. Und ab Freitag soll es auch kalt werden, zumindest für einige Tage.

Nach Kiruna

Ich sitze gerade inspiriert und auch ein wenig erschöpft in einem kleinen Apartment in Kiruna. Heute war TEDx Kiruna und ich habe acht sehr unterschiedliche und sehr inspirierende Vorträge gehört. Aber dazu später mehr. Drehen wir die Uhr zwei Tage zurück.

Teil 1 – Die Anreise

Am späten Sonntag Vormittag bin ich mit wie üblich voll gepacktem Auto in Richtung Norden losgefahren. Die geplante Route für den Tag: Skelleftehamn – Piteå – Älvsbyn – Vidsel – Harads – Vuollerim – Murjek – Solberget.

In Vidsel bin ich erst am Abzweig Harads vorbei gefahren, um einen Zwischenhalt am Storforsen, den größten Stromschnellen Skandinaviens, zu machen. Das sah trotz des extrem trüben Wetters sehr beeindruckend aus, da muss ich unbedingt mal bei schönem Wetter zum Fotografieren hin.

Dann bin ich weitergefahren. Vor allem die Strecke von Vidsel nach Harads war erlebnisreich: Da ist mir nach 30 Kilometern doch tatsächlich ein Auto entgegengekommen! Kurz vor Murjek wurde es dann ein bisschen langsamer, da die Straße voller Rentiere stand. In Murjek selbst habe ich Bekannte besucht, die sich damals, als ich im Februar 2012 von Murjek aus einen Job gesucht und ja auch gefunden habe, um mich gekümmert haben. Nach einem gemütlichen Plausch habe ich dann auf den Weg nach Solberget gemacht.

Nach einer Nacht im Bauwagen – da schlafe ich immer hervorragend – habe ich noch gefrühstückt und eines von Dirks zahmen Rens (Ob ich wohl Flechten dabei habe?) und einen Fuchs fotografiert. Der Fuchs kommt jeden Tag, hat sich aber an diesem Tag nicht sehr weit vorgetraut.

Bald habe ich mich bald auf den Weg gemacht, denn die Wettervorhersage sagte ziemliches Mistwetter voraus. Und die Fahrt über Gällivare nach Kiruna war auch alles andere als spaßig: Die meiste Zeit hat es geregnet, geschneeregnet, gepladdert und geschneeregenpladdert. Das Wasser hat sich in den tiefen Spurrillen der alten Straße gesammelt und jedes Mal, wenn einem ein Auto, gerne auch mal ein Laster entgegen kam, musste man sich irgendwie an die Seite drücken, während man eine Fuhre Dreckwasser auf die Windschutzscheibe geschmissen bekam. Ich war froh, als ich gestern in Kiruna angekommen bin und habe mich erst einmal ausgeruht.

Teil 2 – der Dinner Event zur TEDxKiruna

Um halb fünf bin ich gemütlich zum Turistbyrå gelaufen, wo die Taxis uns abholen sollten. Uns, das waren wir alle, die das Dinner Event am Vorabend der TEDx-Konferenz mitgebucht haben. Da stand ich nun. Wer nicht kam, waren die anderen. Und ein Taxi war auch nicht da. Bald stellte sich heraus, dass ich der einzige war, der überhaupt ein Taxi bestellt hatte. Das kam dann auch später und hat mich dann zum Eishotel nach Jukkasjärvi gebracht, wo der Treffpunkt zum Dinner Event war. Dort habe ich dankend darauf verzichtet, mir dort einen Winteroverall auszuleihen, denn wir hatten immer noch leichte Plusgrade.

Wenig später stellte sich dann heraus, dass nur zwölf Personen überhaupt an dem Dinner teilgenommen haben: Einige Organisatoren und sechs der acht Redner. Und ich! Wir sind die Straße zur alten Kirche Jukkasjärvis gelaufen, um dort einen Samen zu treffen, der uns erst einmal Rentiere hat füttern lassen. Die waren vielleicht heiß auf die Flechten.

Dann sind wir in das große Zelt gegangen, in dem ein großes Feuer brannte und haben ein hervorragendes samisches Dreigängemenu genossen, während ich unter anderem mit einem Testpiloten, einem Künstler und einem Astronauten über dieses und jenes geplaudert habe. Schade, dass das Dinner nur kurz war und man nicht die Gelegenheit hatte, sich ein bisschen besser kennenzulernen. Aber auf der anderen Seite war ich auch froh, als ich früh zu Hause war und ich bin kurz nach zehn ins Bett gefallen.

Kiruna – Licht und Schatten

Nach dem die TEDxKiruna vorbei war und ich sicher wieder auf der Erde gelandet war, brauchte ich erst einmal Bewegung. Ich bin in Richtung Stadt gelaufen, habe wie wohl alle Touristen die alte Holzkirche fotografiert und im Zentrum wie wohl alle Touristen auch das Backsteinrathaus mit seinem markanten Turm fotografiert. Auch wenn ich das Stadtbild von Kiruna nicht gerade schön finde, so sah das in der untergehenden Sonne doch hübsch aus.

Eigentlich wollte ich früh ins Bett gehen, aber bei schönem Polarlicht macht man dann doch gerne eine Ausnahme. Und es hat sich gelohnt, auch wenn die Fotos dieses Erlebnis wie immer nur unzulänglich wiedergeben.


Heute, am Tag danach, bin ich nicht aus dem Bett gekommen. Teils, weil ich doch ein bisschen erkältet bin, teils, weil draußen alles grau war, wenn es zum Glück auch nicht geregnet hat. Irgendwann habe ich mich dann aber doch aufgerafft und bin durch die Stadt gebummelt.

Vielleicht ist Kiruna als Bergbaustadt zu neu, um Entstehungslegenden zu haben. Hier ist meine:

Ein einjähriges Kind hat auf hügeligem Gelände einen großen Sack mit Häusern aller Art ausgeschüttet. Sein dreijähriger Bruder hat dann alle Häuser an Ort und Stelle hingestellt. Dann kam die Kommune und hat die Zwischenräume mit Straßennamen bedacht.

Mir erscheint die ganze Stadt als sinnloses Chaos von verschiedenen Häusern, die sich gegenseitig im Wege stehen zu scheinen und nur dann zusammenpassen, wenn sie sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der modernen Architektur, den Quader reduziert haben. Farbe versucht vergeblich, dem ganzen ein bisschen Alltagsästhetik überzustülpen und die wenigen roten Klischee-Holzhäuser wirken deplaziert und verloren.

Auf der anderen Seite: Das Stadtzentrum Kirunas wird ohnehin bald fünf Kilometer nach Osten verlegt werden, da die Schächte und Stollen, die bei der Eisenerzförderung entstehen, sich dem alten Zentrum immer weiter nähern und die Gefahr von Einbrüchen zu hoch wird. Das muss ein seltsames Gefühl sein, in einer Stadt zu wohnen, die umzieht. Die Bahnlinie wird jetzt schon verlegt.

Ihr merkt, wenn das Wetter doof ist und ich erkältet, dann kommen Städte wie beispielsweise Kiruna nicht sonderlich gut weg bei mir. Was ich hier allerdings verlockend finde, sind die vielen Wegweiser: Nikkaluokta, das am Kebnekaise, dem höchsten Berg Schwedens liegt, ist nicht mehr weit. Abisko, Ausgangspunkt für viele Streckenwanderungen, zum Beispiel auf dem Kungsleden, ebenfalls nicht. Und auch die norwegische Hafenstadt Narvik ist keine 200 Kilometer mehr entfernt.

Und man muss nur ein paar Kilometer aus der Stadt herausfahren und schon hat man den Blick auf weite schneebedeckte Moorflächen und weiße Bergrücken, die zu langen Skitouren einladen. Da die Wettervorhersage aber eher mäßig ist, werde ich vermutlich morgen wieder nach Hause fahren. Denn da ist es auch schön!

P.S.: Ich finde die meisten Städte in Nordskandinavien nicht wirklich schön. Die einzige Ausnahme ist Tromsø, welches mir extrem gut gefällt. Bevor ich nach Skellefteå kam, war ich drauf und dran, mich auf einen Job in Tromsø zu bewerben. Doch während ich noch das Anschreiben formulierte, habe ich den Plan verworfen, denn mein Bauch meinte, dass zwei Monate Polarnacht jedes Jahr vielleicht doch ein bisschen zu lange sind.

Drei Länder in 14 Tagen oder eine neue Anreisevariante nach Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Christina Tüschen.

Ein Anruf im Januar 2012: Olaf, ich bin im Juni in Tallinn, da könnte ich doch mal eben … vorbeikommen.
Kein Problem.

In Tallinn verbringe ich 5 wunderbare Tage mit meinem Chor, dann fahre ich mit der Fähre zu einer 2-Tages-Besichtigung nach Helsinki. Von dort geht es weiter mit dem Zug nach Tampere, wo ich eine finnische Freundin nach 10 Jahren wiedersehe und das Muminmuseum besuche. Dann wieder mit dem Zug nach Vaasa, wo ich schließlich die Fähre nach Schweden besteige. Trotz Vorwarnung meine ich mit dem schweren Rucksack die Strecke zwischen Bahnhof und Fährhafen zu Fuß zurücklegen zu müssen.

Nach 14 Stunden (reiner Reisezeit von Tallinn gerechnet) und einer Zeitumstellung komme ich mitten in der Nacht in Umeå an. Aber was heißt mitten in der Nacht. Es ist noch so hell, dass man „auf der Straße Zeitung lesen kann“ (Ein Zitat meiner Großmutter, die Ende der 60er Jahre hier im Norden war). Und diese Helligkeit führt dazu, dass ich, die ich sonst gegen zehn Uhr müde werde, locker bis 3 Uhr nachts wach bleibe.

Die zwei Tage Creative Summit sind intensiv, interessant und „givande“, ich nehme viel mit, danke dafür! Besonders in Erinnerung geblieben ist mir (wie Olaf) Jonathan Harris. Sein Vortrag und die Ausstellung haben den Schubs gegeben, begonnene eigene Projekte fortzuführen.
Toll ist es auch Olafs Freunde und Arbeitskollegen kennen zu lernen, auf dem Dach von 10 Merchant Street die Sonne untergehen zu sehen und wieder richtig in die schwedische Sprache einzutauchen.

Drei wunderschöne Ferientage folgen, das sonnige Wetter hält sich – wie auf Bestellung. Für mich verlängert sich bei dieser Reise der Frühling, prima zu sehen am Flieder, der in München schon am Verblühen war, in Helsinki in voller Blüte stand und in Olafs Garten gerade erst loslegte.

Da ich zuletzt vor anderthalb Jahren hier war, habe ich den direkten Vergleich zur Midvinter-Zeit, mit viel Schnee, Eis und Dunkelheit. Da wo wir jetzt baden, haben wir damals unsere Winterwanderung auf der zugefrorenen Ostsee begonnen und ich habe ein Bild zu dem Begriff Packeis bekommen. Wo wir jetzt Bockkäfern bei der Eiablage zusehen, haben wir auf dem zugefrorenen See Kubb gespielt. Und um 14 Uhr, wo wir uns jetzt den ersten Sonnenbrand holen, ging im Winter schon die Sonne unter.

Verrückt und schön diese Gegensätze.
Ich freue mich jedenfalls schon auf den nächsten Besuch, mal eben, egal zu welcher Jahreszeit.

Und sonst: Wecken mit Klaviermusik – ein Musikhörnachmittag, fast wie ein Mixtape aus früheren Zeiten – Baden bei 15 Grad und etwas weniger – zur Beatles-Coverband auf den Felsen rocken – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – zwischen großen Steinen ein Kajak rückwärts ausparken – Flugübungen mit dem Kleinen Gelben Monster – Vanilleeis mit heißen Blaubeeren – Marienkäfer-Umsiedelung auf Blattlausrosen – Enten mit Punkfrisur heißen Gänsesäger (ja, Reisen bildet).

Reise nach Norwegen

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Die letzte Juliwoche bin ich nach Norwegen gefahren, um Astrid und Hein, Fridtjof und Fredrik zu besuchen. Sie waren im März letztes Jahres bei mir und es wurde Zeit für einen Gegenbesuch. Die Freunde leben in Nord-Trøndelag in der Kommune Inderøy und damit recht genau westlich von mir. Auf dem Hinweg bin ich aber nicht quer rüber gefahren, sondern erst einmal auf der E4 in Richtung Süden.


Den ersten Zwischenhalt habe ich in Salusanden, einer kleinen Strandstelle südlich von Umeå gemacht. Ich war erstaunt, den Strand an einem warmen und sonnigen Sommersamstag mitten in der Ferienzeit so leer zu finden. Am Ufer lagen einige Tellmuschelnschalen, bei mir ist die Ostsee zu salzarm für Muscheln.

Der nächste Halt war der bekannte Fjällräven-Outlet in Örnsköldsvik, ein gefährliches Pflaster für Outdoorfans. Ein Klassenkamerad in der Fünften hatte nicht wie wir alle Tornister, sondern einen himmelblauen Kånken-Rucksack von Fjällräven. Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals diesen Buchstabensalat aus Fj, V und zwei Ä-s bestaunt habe.

Der Küstenabschnitt südlich von Örnsköldsvik nennt sich die Höga kusten, die hohe Küste. Hier habe ich eine mehrstündige Wanderung durch diese herrliche Landschaft gemacht, aber davon erzählt ein anderer Artikel.

Nach der Wanderung, die länger als geplant wurde, habe ich mich ins Auto schlafen gelegt. Das nächste Mal klappe ich die ganze Rückbank um, denn beim Umdrehen war es ein bisschen eng, aber sonst war ich überrascht, wie viel Platz ich in meinem Auto habe. Sollte ich noch zum Saab-Fan werden, oder bin ich es schon ein bisschen?


Was passiert, wenn man nicht so gut schläft und früh wach wird? Man wird mit einer wunderbaren Morgenstimmung am Norrfjärden belohnt. Zu dem Blick gab es Apfelschorle und Nusskuchen zum Frühstück. Lecker! Ein guter Start in den zweiten Anreisetag.

Danach habe ich mich wieder ins Auto gesetzt. Nun ging es in Richtung Westen, dem schlechten Wetter entgegen. Nach einer Mittagspause im grau verhangenen Östersund war ich sehr auf Åre, das größte schwedische Skigebiet gespannt. Aber zumindest bei diesem trüben Regenwetter machte es einen extrem hässlichen Eindruck und ich habe nicht einmal angehalten. Von Åre war es gar nicht mehr so weit zur norwegischen Grenze. Hier gab es viele große offene Moorflächen. Schade, dass die Moltebeeren noch nicht reif waren. Parallel zur Autostraße gab es vermutlich einen alten Weg. Übrig geblieben sind die alten Steinbrücken, die jeden größeren Bach überspannen.

Nun war es gar nicht mehr so weit zu meinem Ziel. Ich wusste, dass meine Freunde nach in Oslo sind und erst am späten Abend des Folgetages wieder zu Hause waren, aber man kann ja auch ein Zelt im Garten aufschlagen und so hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Zeltplatz mit drahtlosem Internet. Daran kann man sich gewöhnen.

Meine Route: Skelleftehamn – Umeå – Örnsköldsvik – Docksta – Ullånger – Nyland – Bollstabruk – Bispgården — Hammarstrand – Östersund – Åre – Stormoen (Norwegen) – Verdal – Røra – Straumen – Utøya – Venneshamn.

Rückreise nach Schweden

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Nach einem guten Frühstück auf der Terrasse habe ich mich von meinen Freunden in Norwegen verabschiedet und bin mit dem Auto zurück nach Hause gefahren. Schön in Ruhe und mit Pausen, man will ja auch was sehen.

Die erste Pause habe ich südlich des Sees Snåsavatnet gemacht. Dort in Bøla gibt es eine alte Felszeichnung eines lebensgroßen Rens zu bewundern. Das Alter wird auf sechstausend Jahre geschätzt.

Noch in Norwegen lagen oft Schafe auf der Straße, sie dösten auf dem warmen Asphalt und öffneten noch nicht einmal die Augen. Der Rotfuchs, der später auf der Fahrt einen Rastplatz nach Essbaren durchsucht hat, war wachsamer, ließ sich aber doch noch gerne aus dem Auto heraus fotografieren.

Dann bin ich die Straße südlich des Sees weitergefahren, bis ich auf der E6 war, die ich aber schnell verlassen habe, um auf der E74 nach Gäddede in Schweden zu fahren. Dort bin ich in den nach Norden führenden Vildmarksvägen abgebogen. Am Anfang führte die Straße noch an Seen vorbei durch kleine Ortschaften, dann wieder durch Wald, doch die Straße wand sich immer höher und die ersten schneebedeckten Gipfel, die man schon seit Norwegen sehen konnte, kamen näher und näher. Bald lichtete sich auch der Birkenwald und ich fuhr durch das Kahlfjäll über der Baumgrenze. Am und zu lugte die Sonne durch die aufgezogenen Wolken und beschien einen Teich oder ein Schneefeld. Ich beschloss, mir bald einen Zeltplatz zu suchen.

Ich bin sehr empfänglich für diese etwas kargen Landschaften und habe bald einen schönen Parkplatz im Nirgendwo gefunden und beschloss, dort mein Zelt aufzubauen. Schon beim Kochen – ich hatte noch Dorsch mit Basmatireis und Hummersoße von Astrid und Hein vom Vortag – umschwärmte mich eine Wolke von Mücken und ich habe die Kapuze festgeschnürt, um den kleinen Blutsaugern möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Gegessen habe ich dann im Gehen …

Wie gut, dass so ein Innenzelt mückendicht ist (nur einige Knott haben sich anscheinend durchmogeln können), denn schon beim Zeltaufbau schauten mir sämtliche Mücken der Umgebung zu. Pünktlich nachdem ich im Zelt zum Schlafen verschwunden war, fing es an zu regnen, mal leicht und mal heftig und so manche Mücke suchte mein Zelt als warmes und trockenes Plätzchen mit Chance auf ein Frühstück auf. Als ich morgens das Zelt verließ, war das Außenzelt voll: Schätzungsweise achthundert Mücken saßen trocken und lauschig unter dem Außenzelt und warteten auf mich.

Ich habe aber mein Zelt nicht sofort verpackt, sondern erst eine kleine Runde gedreht und den Raavre (932 m) bestiegen. Doch darüber schreibe ich später.

Erst habe ich mein nasses Zelt nur so ins Auto schmeißen wollen, aber der Gedanke an viele hundert Mücken, die im Auto herumschwirren haben mich meinen Plan ändern lassen und ich habe das Zelt in seine Tasche gestopft und diese – glaubt mir! – sehr, sehr gut verschlossen. Dann ging die Fahrt weiter. Ich wusste noch nicht genau, wie ich weiterfahren sollte, da ich nicht wusste, ob mein Benzin für den direkten Weg nach Storuman reichen würde oder ich nach Vilhelmina fahren müsste. Eine kleine Tankstelle in Saxnäs hat mich dann aber gerettet. Auf Schleichwegen habe ich mich über Stensele bei Storuman über die Käffer in Richtung Heimat bewegt.

Es gab allerdings noch zwei Hindernisse auf dem Weg nach Hause, die waren allerdings willkommen: Zwei kleine Rentierherden. Während die erste noch die Straße überquerte, stand die andere nur da und ließ Autos nur widerwillig durch. Kein Problem für mich, schnell das Tele draufgesetzt und Rentiere fotografiert. Ist ja schön, wenn diese schönen Tiere mal nicht gleich in den Wald flüchten.


Hier noch ein Video, welches ich vom Auto aus gemacht habe. Schade, dass ich vergessen habe, den Blinker auszumachen und sofort die Fenster zu öffnen, damit man die Geräusche, die die Rentiere machen, besser hören kann.


Bald war ich wieder in bekanntem Gelände: Die 370 führt fast an Kusfors vorbei, wo ich gute Freunde habe. Ich wollte aber nur noch nach Hause und die letzte Stunde hinter mich bringen. Um vier war ich zu Hause – todmüde, aber sehr zufrieden. Die Reise nach Norwegen war toll, aber wieder zu Hause in Skelleftehamn zu sein, war auch schön.

Norwegen, ich komme gerne wieder!

Die Route: Mosvik – Steinkjer – Snåase – Sandvika – Gäddede (Schweden) – Stekenjokk – Saxnäs – Skarvsjöby – Stensele – Gunnarn – Norrbyberg – Kristineberg – Bjurträsk – Boliden – Skellefteå – Skelleftehamn. Hin und zurück: 1663,3 km.

Mit dem Zug nach Bastuträsk

Heute habe ich den 7:40-Zug nach Bastuträsk genommen. Um halb acht war ich an dem kleinen Bahnhof in Skelleftehamn, der Zug stand schon da. Wie ich schon erwartet habe, waren wenige Leute da, um den Frühzug zu erwischen, die meisten nehmen wohl eine der späteren Verbindungen. Prompt steuerte ich eines der noch leeren Erster-Klasse-Abteile an und setzte mich auf die weichgepolsterte, sofagleiche Bank ans Fenster. Und schon fuhr der Zug ab.

Bald schon hatte man Blick auf die Brücke nach Örviken und später auf den Fluss Skellefteälven. Nur eine Viertelstunde später kamen wir in Skellefteå an. Mit keinem anderen Verkehrsmittel ist man so schnell und umweltfreundlich in der Stadt.

Dort standen auch schon Passagiere am Bahnhof und warteten darauf, dass sich die Türen öffnen. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter, nun mit kurzem Zwischenhalt in Medle nach Bastuträsk, wo man Anschluss an die Bahn Göteborg – Stockholm – Kiruna – Narvik hat, allerdings nicht um diese Zeit. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde waren wir da.

Spätestens jetzt wird sich meine Leserschaft gespalten haben. Während manche sich fragen, warum ich über irgendsoeine Zugfahrt einen Blogartikel schreibe, fragen sich andere vielleicht, ob ich nur geträumt habe und die Bilder aus dem Internet geklaut.

Lasst mich erklären. Ich bin heute wirklich Zug gefahren. Diese Strecke wurde allerdings schon 1990 stillgelegt und bis heute nicht wieder aufgenommen. Gestern allerdings war das große Jubiläum: 100 Jahre Skelleftebahn und deswegen fahren das ganze Wochenende Züge. Gerade jetzt ist wohl der letzte Zug eingefahren, das Zugsignal hört man bis hier.

Ich finde es nicht nur bedauerlich, sondern ein großes Manko, dass diese Strecke nicht mehr betrieben wird. Nicht nur wegen der Umweltfreundlichkeit und der Zeitersparnis, sondern auch, weil Bahnfahren Kultur ist. Hier sitzt man sich gegenüber, kommt ins Gespräch, Kinder klettern auf den Sitzen umher, Erwachsene holen sich einen Kaffee und eine Kanelbulle aus dem Restaurantwagen. Im Bus hingegen ist es langweilig, man schaut stur geradeaus oder spielt mit seinem Handy. Über das Auto gar nicht zu reden.

Liebe Investoren. Ich weiß, dass ihr mein Blog nicht lest, aber: Ich wette, die Strecke lässt sich gewinnbringend betreiben und wäre ein echter Gewinn für die Region. Das ist Eure Chance: Kohle machen und gut sein gleichzeitig! Wie wärs, wer will?

Wo war ich? Ach ja – immmer noch in Bastuträsk. Da bin ich aber nicht geblieben, sondern gleich wieder zurückgefahren. Wenn der Zug stand, habe ich Fotos von den herrlich alten Armaturen, Lampen, Aufhängern gemacht. Der zugehörige Waggon stammt aus dem Jahre 1942.

Draußen wurde die Landschaft an einem vorbeigezogen, vor allem die Fahrtabschnitte am und über dem Fluss fand ich schön.

Bald war ich schon wieder am Bahnhof in Skelleftehamn, bin dort aber nicht ausgestiegen, weil ich noch bis zur Endhaltestelle am Hafen gefahren bin. Und da war Tag der offenen Tür. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Zwei Fotos sind noch übrig, Welche? Ach ja …

Mond · Fern · Polar

Was haben die drei Worte Mond, Fern und Polar gemeinsam? Man kann -licht an sie dranhängen.

Heute ging mein zehntägiger Urlaub in Solberget und Narvik zu Ende. Doch dazu die nächsten Tage mehr.

Mondlicht hatte ich heute bei der fast neunstündigen Rückfahrt im Zug, als es irgendwo so bei Gällivare langsam dunkel wurde.

Fernlicht habe ich gebraucht, um mit dem Auto von Bastuträsk nach Hause zu fahren, denn als ich gegen halb zwölf ankam, war der Himmel bis auf das Mondlicht stockfinster. Die Zeit der hellen Nächte liegt viele Wochen zurück.

Polarlicht überzog den halben Himmel und strahlte mit dem Mond um die Wette. Ersteres grünlich, der Mond warmgelb.

Davon ließen sich die Nebelschwaden inspirieren, sie waberten um mein Auto herum. Zum Schluss trug der Nebel es allerdings etwas zu dick auf und verwandelte größere Teile der Stecke in eine dicke Suppe. Das führte dazu, dass ich unfreiwillig einen anderen Rückweg genommen habe als geplant. Aber schlechter war der auch nicht. Ab und zu lichtete sich der Nebel und gab den Blick wieder auf die Polarlichter frei, so zum Schluss auch an dem kleinen Bootshafen in Skelleftehamn, an dem ich manchmal mein Kajak einsetze.

Das ist übrigens das zweite Polarlicht diese Saison. Das erste habe ich vor einer Woche auf Solberget gesehen. Doch dazu – wie schon gesagt – die nächsten Tage mehr, denn jetzt ist es zwei Uhr nachts, ich bin müde von der langen Rückreise und morgen muss ich direkt wieder arbeiten. Im Laufe der Woche könnt Ihr hier neue Blogartikel lesen. Über ein zehnjähriges Jubiläum, eine sehr nasse Wanderung und über die norwegische Landschaft. Und vielleicht gibt es auch noch ein Polarlichtfoto.

10 Jahre Solberget

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Artikel über Solberget.

Am Samstag sollte das große Fest steigen: Dirk betreibt seit zehn Jahren das Wildnisdorf Solberget! Seitdem ich im Februar 2005 dort zum ersten Mal zu Gast war, bin ich dort immer wieder gewesen, meist im Winter. Erst, weil mir Solberget und Umgebung so gut gefallen haben, dann immer mehr, weil ich dort immer viele nette Leute kennenlerne oder wiedertreffe.

Und so war es auch dieses Mal. So manch anderer Freund und Bekannter hat das Jubiläum zum Anlass genommen, Solberget einen Besuch abzustatten, und so standen die Tage mehr im Zeichen des Zusammenseins als des einsam Durch-die-Natur-Streifens. Obwohl, nicht nur …

Solberget heißt auf deutsch „Der Sonnenberg“. Und zum Hof gibt es nebenan den entsprechenden Berg – mit wunderschönem altem Baumbestand – gleich mit dazu. Am Freitag habe ich mich einige Stunden nach der Ankunft mit zwei Freunden auf den kurzen Weg zum Gipfel gemacht. Gipfel ist vielleicht ein bisschen übertrieben, denn der Weg ist flach, aber oben steht ein alter Feuerwachturm, den man besteigen kann. Dort hatten wir weite Aussicht auf die hügeligen Wälder, die mit kleinen Seen durchsetzten Moorflächen und auf den Sonnenuntergang.

Der nächste Tag – der Tag des Jubiläums – war den Vorbereitungen gewidmet: Es wurden Kuchen gebacken, Tische und Stühle herausgestellt, Schilder geschrieben und Trinkwasser von der Quelle geholt, ehe mittags das Fest begann. Ein ganzes Rentier am Spieß wurde gebraten, um die Gäste am Abend zu verköstigen, denn auch viele Menschen aus dem 20 Kilometer entfernten Nattavaara haben die Gelegenheit genutzt, sich den Hof anzuschauen, Fika (Kaffeepause) zu halten und sich kreuz und quer zu unterhalten.

Wir waren währenddessen nicht untätig. Manche haben in heavy rotation gespült oder sind in die Rolle des Parkplatzkoordinators geschlüpft, während ich die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen habe, den Gummistiefelweitwurfwettbewerb durchzuführen. Nach den Testwürfen musste ich mich erst einmal mit Kuchen stärken.

Am Nachmittag wurde es langsam ruhiger. B. hat wunderschön auf dem Akkordeon gespielt und dazu gesungen und ich habe meinen Flügel sehr vermisst. Ich hätte gerne richtig mitmusiziert, so konnte ich nur ein bisschen mitsingen. Später hat Daniel Wikslund aus Tjautjasjaure auf seiner Geige gespielt und gesungen. Er ist sowohl ein hervorragender Musiker als auch ein erfahrener Entertainer. Einige von uns haben mitmusiziert, ich auf der Gitarre, obwohl ich das nicht wirklich kann. Später wurde es dämmrig und über dem dunkelblauen Himmel über Solberget – ja, es war den ganzen Tag warm und sonnig – zeigte sich das erste Polarlicht. Welch schöner Abschluss für ein gelungenes Jubiläum. (Andere haben noch stundenlang Disko gemacht, aber mit Tanzen habe ich es nicht so und ich bin ja auch eher Frühaufsteher.)

Einige Fotos vom Fest auf Facebook

Der nächste Tag: Da ich recht früh im Bett war, war ich auch früh wieder auf. Selbst die Familien mit Kindern haben noch geschlafen. Ich habe die Gelegenheit genutzt, in den Bach „Myllyjoki“ zu steigen und dort Fotos zu machen. (Vielleicht heißt der Bach auch Njåmmelkietj-Jåkkå, aber das macht das Aussprechen auch nicht gerade einfacher …) Das letzte Foto zeigt nicht den Bach, sondern die Quelle, aus der Solberget sein Trinkwasser bezieht.

Nach und nach tauchten alle wieder auf, das Frühstück ging in das Mittagessen über, Kuchen war auch noch da und alle ließen es ruhig angehen. Manche gemütlich und warm eingepackt beim Lesen, andere beim Kubb spielen.

Weil ich weiß, dass Cat-Content heutzutage wichtig ist, ist dieses Mal auch ein Katzenbild dabei. Sesam, der heimliche Besitzer des Hofes und meistfotografierte Kater der Welt schaute mich verwundert an, als ich mit nasser Wathose bekleidet aus dem Myllyjoki stieg, um wieder in Richtung Hof zu gehen.

Am Sonntag Nachmittag wurde es ein bisschen trüber und es fielen einige Regentropfen. Das war aber nichts im Vergleich zum nächsten Tag, wo ich eine der nassesten Wanderungen meines Lebens unternommen habe.

Besuch in Narvik – Teil 1

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Nach dem schönen Jubiläumsfest in Solberget habe ich mich nach Nattavaara zum Bahnhof bringen lassen und bin mit dem Zug nach Narvik gefahren, wo ich Elisabet, eine Freundin besuchen wollte.

Die vierstündige Bahnfahrt ist wirklich sehenswert: Man fährt erst durch Wald und Moor, dann hat man immer mehr Blick auf die Bergwelt und auf den Torneträsk, den siebtgrößten See Schwedens. In Abisko steigen die meisten rucksackbepackten und gutbestiefelten Reisenden aus, denn hier beginnt neben einigen anderen Wegen auch der Kungsleden, der wohl bekannteste Wanderweg Skandinaviens. Einige kleine Bahnhöfe weiter hält man in „Riksgränsen“, der Landesgrenze. Und dann ist man auch schon in Norwegen und hat bald Blick auf den ersten Fjord.

Kurz gesagt finde ich, dass Narvik eine der hässlichsten norwegischen Städte ist, die ich kenne, mit einer der schönsten Umgebungen, die ich kenne. Was für ein Kontrast! Wenn man klug ist, lässt man bei den Norwegern allerdings nichts über die Hässlichkeit Narviks verlauten, schließlich war es die deutsche Wehrmacht, die 1940 fast die ganze Stadt zerstört hat. Aber wenn man nur ein bisschen das Zentrum verlässt oder das Abendlicht die Stadt illuminiert, gefällt mir auch Narvik wieder ganz gut.

Auf den Reinnes

Elisabet hat sich zwei Tage freigenommen und so konnten wir zwei schöne gemeinsame Touren unternehmen. Am Donnerstag führte uns der Weg auf das Reinnesfjellet bei Elvegård. Der Weg dauerte länger als ich vermutet hatte, aber das ist kein Wunder, denn die Wege in Norwegens Norden führen selten geradeaus, sondern winden sich durch die von tiefen Fjorden und hohen Bergen geformten Landschaft. (Über die Verkehrsschilder „Kurvenreiche Strecke“ musste ich lachen, da reicht eigentlich ein Schild für ganz Nordnorwegen.)

Ganz auf den Gipfel haben wir es nicht geschafft, zum einen war das Gelände recht steil und nur eine große Steinfläche, zum anderen war es sehr stürmisch. Aber weiter unten war es ohnehin leichter, eine windgeschützte Stelle für unsere Mittagspause zu finden. Und die Aussicht war dort auch grandios. Bloß um den Gletscher Frostisen zu sehen, mussten wir aufstehen.

Auf dem Rückweg sind wir noch einige Kieswege gefahren. Es gibt wohl kaum ein Tal dort, wo nicht irgendwo ein kleines Wasserkraftwerk ist. Und zu Wasserkraftwerken gehören Stromleitungen und ein Kiesweg dorthin. Manche Wege führen viele Kilometer durch die karge Berglandschaft, einige davon bis nach Schweden.

Nach Harstad

Für den nächsten Tag war in Narvik Dauerregen vorhergesagt. Genau wie für Tromsø, für Abisko, für Bodø. Elisabet mutmaßte, dass weiter westlich in Richtung Atlantik das Wetter besser sein könnte. Als Ziel haben wir uns die Stadt Harstad auf der Insel Hinnøya ausgesucht. Und tatsächlich, auf der Autofahrt hörte der Regen auf und irgendwann kam sogar die Sonne heraus.

Ich finde, dass Harstad das ziemliche Gegenteil von Narvik ist. Hier habe ich mich sofort wohlgefühlt. Der Blick auf den Hafen, die Fußgängerzone mit verschiedenen Geschäften und das ganze Flair haben mir gut gefallen. Und – kann eine Stadt mit eigenem Kajakgeschäft schlecht sein?

Nach einem Mittagessen (Chili con Carne für 99 Kronen, also 13,50 Euro fand ich überraschend günstig für Norwegen) sind wir in den Nordwesten der Insel weitergefahren, um eine kleine Wandertour auf den Keipen zu machen. Es war nicht einfach, nach der Beschreibung in der Werbebroschüre den Weg dorthin zu finden, da diese es mit links—rechts oder erster See—dritter See nicht ganz so genau nahm. Aber wir hatten Glück (und GPS) und haben den Weganfang gefunden.

Über ein kleines Moor führte ein Weg erst durch einen Birkenhain, dann über das baumlose Fjell an einem See vorbei auf den überraschend nahen Gipfel, der dort steil in den Kasfjorden abfällt. So hat man dort wunderschöne Blicke über Fjell und Fjord.

Der Rückweg nach Narvik hat lange gedauert, auch weil ich uns durch Nebenstrecken gelotst habe. (Wunderschön!) Außerdem habe ich eine kleine Muschelsammelpause an einer großen Sandbucht gemacht. Ein Paradies für Sammler: 10 Zentimeter große Island- und Kammmuscheln liegen dort zuhauf herum. Dort hätte ich Stunden zubringen können. Gegen halb elf waren wir wieder in Narvik. Und im Regen.

Besuch in Narvik – Teil 2

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Heute am Samstag musste Elisabet, mit der ich die letzten zwei Tage schöne Touren in Narviks Umgebung unternommen hab, arbeiten und so habe ich mich bei sonnigem Wetter alleine auf den Weg gemacht.

Zuerst war ich an zwei benachbarten Buchten, die sich gut zu Fuß erreichen ließen. Die erste Bucht Taraldsvika war steinig und extrem schlickig, hatte aber ihre Reize mit dem kleinen Flüsschen Taraldsvikelva, dass dort in den Fjord mündet.

Die zweite Bucht war das genaue Gegenteil. Hier gab es Sandstrand und sogar einen Sprungturm, der allerdings gefühlt 50 Meter hoch war. Im flachen Wasser tummelten sich Einsiedlerkrebse und man musste aufpassen, dass man nicht auf einen der Seeigel trat.

Ich habe dann in der Wohnung gefrühstückt und die Gummi- gegen die Wanderstiefel gewechselt, da ich mit der Seilbahn auf den Fagernestoppen, den „Hausberg“ Narviks fahren wollte. Dort war aber schon eine halbe Stunde vor der ersten Fahrt so viel los, dass ich die Lust aufs Warten verloren habe und stattdessen lieber selbst gewandert bin, allerdings in Richtung Rombakstøtta, einen imposanten Gipfel, der sich schroff von seinen Nachbarn abhebt. Das war eine gute Wahl, auch wenn ich nicht sehr weit gekommen bin. Am Forsnesvatnet, einem Gebirgssee habe ich Pause gemacht. Nach kurzer Rast bin ich wieder abgestiegen. Wenn ich das nächste Mal dort sein sollte, laufe ich aber weiter.

Auf dem Rückweg hatte ich noch eine Begegnung der dritten Art: Eine große Spinne, von einer anderen Familie auf dem Weg gefunden. Sie war zwar etwas unwillig, sich fotografieren lassen, aber zwei Schnappschüsse zeige ich doch. (Kaum eine Wandertour, bei der ich ohne dreckige Hosen nach Hause komme.)


Am nächsten Tag haben Elisabet und ich die Fahrt auf den Hausberg nachgeholt. Das war zwar ein etwas eiliges Unterfangen, da die erste Seilbahn um zwölf geht und um halb drei schon mein Zug fuhr, doch es hat alles gut geklappt. Erst fährt man mit der Seilbahn auf die Bergstation. Dort ist auch ein Restaurant. Nach kurzem Weg führt ein Sessellift fast bis auf den ersten Gipfel, wo wir in einer windgeschützten Mulde allen Proviant aufgegessen haben. Und die Aussicht auf Stadt, Fjell, Berge, Gletscher und Wälder bewundert. Wahrscheinlich ist es völlig egal, wohin man mit der Kamera zielt, es sieht überall schön aus. Oder man trifft einen Strommasten. Viel zu früh mussten wir aufbrechen und wieder mit Sessellift und Seilbahn hinabfahren.

Dann ging alles ganz schnell. Elisabet hat mich zum Bahnhof gebracht und ist direkt zur Arbeit weitergefahren. Eine Viertelstunde später setzte sich der Zug in Bewegung und brachte mich in achteinhalb langen Stunden nach Bastuträsk, wo ich müde, aber sehr zufrieden über meine Reise mich ins Auto gesetzt habe und nach Hause gefahren bin.

Liebe Elisabet, danke für Deine Gastfreundschaft und die schöne gemeinsame Zeit.

Jazz in Deutschland

Vom 24. Oktober bis zum 11. November tausche ich Schweden gegen Deutschland und den Bürostuhl gegen einen Klavierhocker. Denn dann darf ich zusammen mit Sabine Kühlich und Stefan Werni eine Jazztour mit der wunderbaren Sheila Jordan spielen. Ich freue mich schon riesig darauf. Vielleicht habt Ihr ja auch Zeit und Lust, vorbeizukommen.

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Deutschland, ein Jazzmärchen

Heute morgen hatte es -6.6 °C. Dann wurde es ein bisschen wärmer und es fing ein wenig an zu schneien, ehe ich im Dunkeln zur Bushaltestelle lief. Schweden. Skelleftehamn.

Deutschland. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ich übermorgen wieder in Deutschland sein werde. Für drei Wochen. In NRW. Und ich bin gespannt, wie alles auf mich wirken wird. Trist, eng und grau oder doch hell und golden, weil mich mit der Region so viel verbindet. Immerhin habe ich elf Jahre in Essen gelebt. Irgendwann früher mal.

Wie ich vorher schon einmal geschrieben habe, tausche ich vom 24. Oktober bis zum 11. November Nordschweden gegen Westdeutschland, Natur gegen Stadt und den Bürostuhl gegen einen Klavierhocker. Denn dann darf ich zusammen mit Sabine Kühlich und Stefan Werni eine Jazztour mit der wunderbaren Sheila Jordan spielen. Ich weiß nicht, wie ich meine Freude über die mit Musik gefüllte Zeit, die vor mir liegt, zum Ausdruck bringen soll. Toll wird’s.

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Zugleich werden wir auch die CD „Wundascheen – Loverly!“ vorstellen, die wir nach der ersten Tour mit dieser Besetzung im März 2010 bei Pablo in Köln aufgenommen haben. Ich bin sehr gespannt auf die Aufnahmen, denn den endgültigen Master habe ich selbst noch nicht gehört.

Ich werde die Gelegenheit nutzen, alte Freunde, die ich teilweise einige Jahre nicht mehr gesehen habe zu besuchen und Familie, Freunde und Bekannte werden auch zu dem einen oder anderen Konzert kommen. Manche Freunde kenne ich schon zwanzig Jahre und meine Eltern und Schwester ein ganzes Leben. Hier kenne ich keinen länger als dreißig Monate.

So bin ich rundum mit schönen Dingen beschäftigt – selbst wenn ich ein, zwei Jobs auf einem der mir verhassten Digitalpianos spielen muss (ignoriert meine gemurmelten Flüche).


Aber doch. Es ist seltsam, aber … . Ich bin noch nicht losgefahren und vermisse jetzt schon Schweden. Die Ruhe, die Natur, das Wetter, welches gerade den Herbst hinter sich gelassen und den Winter angekündigt hat. Wird sich die erste Schneedecke auf Skelleftehamn legen und ein Nordlicht seine grünen Bögen und Girlanden tanzen lassen? Oder wird es einfach drei Wochen schneeregnen und sauungemütlich sein. Ich werde nicht dabei sein. Werde ich bis zum Bauch durch den Schnee waten, um wieder ins Haus zu kommen oder auf einer nassen Eispfütze ausrutschen und mich auf die Nase legen, wenn ich Mitte November wieder hier bin. Ich würde mich gerne zweiteilen und einen Teil hier lassen.

Aber nun. Während ich diesen Artikel schreibe, beginne ich mich wirklich auf die Zeit in Deutschland zu freuen. Nur noch ein Tag arbeiten, packen, einmal schlafen und dann geht’s auch schon los.

Dass ich mich auf die Musik und Freunde freue, habe ich schon geschrieben. Aber es gibt auch ein paar nette Nebensächlichkeiten, auf die ich mich freue:

  • Buchläden
  • richtiges Brot
  • Straßenbahn fahren
  • Indische Restaurants
  • Fotogeschäfte
  • Laubwälder
  • Euromünzen zum Sammeln
  • Lebkuchen!!!

Die beiden Fotos oben habe ich 2002 in Essen gemacht. Mit meiner ersten Digitalkamera. Ich habe sie allerdings für den Artikel noch ein bisschen verbessschlimmert.

Hej då, Schweden

Hej då Schweden, hej då Ostsee, hej då Kanotudden, hej då Bonnstan!

Ich bin mal kurz für ein paar Wochen in Deutschland, weit, weit im Süden.

Aber ich komme wieder. Versprochen.

Die Fotos habe ich heute morgen auf dem Weg zur Arbeit gemacht. Nun ist packen angesagt.

Wintersonnenwende

Heute ist der kürzeste Tag des Jahres und damit die dunkelste Zeit in Nordschweden. In Skelleftehamn ist es aber nicht die ganze Zeit dunkel, denn wir sind noch ein ganzes Stückchen südlich vom Polarkreis. Und so haben wir heute hier Sonne von 9:41 bis 13:25, das sind immerhin drei Stunden, 44 Minuten. Die Sonne allerdings, man kennt es schon, versteckt sich weiterhin hinter dicken Wolken, aus denen nach kurzer Schneepause bei -10 °C dicke Flocken fallen.

Eigentlich wollte ich vor Sonnenuntergang Skellefteå verlassen haben, denn ich fliege heute nach Deutschland. Aber der 13:10-Flug ist 45 Minuten verspätet. Das liegt aber nicht am hiesigen Schnee, sondern am Schneefall am Stockholmer Flughafen.

So haben hier die Schneeräumfahrzeuge Zeit, in Ruhe ihre Runden zu drehen und den Skellefteå Flugplatz freizuräumen. Da ich in Stockholm drei Stunden Umsteigezeit habe, interessiert mich die Verspätung recht wenig. Hier kann man auch gut warten und es gibt kostenloses WLAN. Und die Kids schauen fasziniert durch das Fenster auf die großen Schneepfluge.

Späte Ankunft

Gestern Abend sind meine Eltern mit dem Flugzeug angekommen. Sie besuchen mich jetzt zum dritten Mal, seitdem ich hier lebe, und ich freue mich, dass sie wieder den etwas mühsamen Weg aus Deutschland zu mir angetreten haben und nicht einfach sagen: Selber schuld, dass Du weggezogen bist.

Leider gibt es nicht nur keine Direktflüge von Bremen nach Stockholm (meiner Meinung nach schon ein Unding!), sondern zur Zeit auch noch nicht einmal von Bremen nach Kopenhagen. Also reisten meine Eltern erst mit dem Zug nach Hamburg, dann mit dem Flugzeug nach Kopenhagen, weiter nach Stockholm, und dann mit dem letzten Flug des Tages nach Skellefteå. Und der war dann auch noch eine gute halbe Stunde verspätet. So kam das Flugzeug um zehn vor elf kurz vor Sonnenuntergang an. Bald darauf standen meine Eltern wieder auf nordschwedischen Boden. Wenige Minuten später war auch schon das Gepäck da – der Flugplatz ist klein – und ich konnte mit meinen Eltern nach Hause fahren. Das ist nicht weit, aber auf der hohen Brücke, die die Insel Örviken mit Skelleftehamn verbindet, musste ich spontan eine kurze Pause machen, zu schön waren die Farben, die die untergegangene Sonne an den Nachthimmel und auf die Landschaft malte.

Ankunft Flug SK1018Nachtdämmerung über dem Skellefteälven

Semester

Hurra, ich habe Sommerferien! Auf schwedisch „semester“. Und „Semester“ heißt auf schwedisch „termin“. Und „Termin“ auf schwedisch heißt „tid“, aber ich schweife ab.

Hurra, ich habe Sommerferien! Wenn keine dringenden Bugfixes dazwischen kommen, habe ich jetzt viereinhalb Wochen Urlaub; erst am ersten August sitze ich wieder im Büro.

Morgen fliege ich für eine gute Woche nach München, um Freunde zu besuchen und am nächsten Wochenende eine Hochzeit zu feiern. Dazu muss ich den Bus nach Skellefteå nehmen, und dort auf den Flugbus warten, der nicht nach einem festen Fahrplan fährt, sondern eine Stunde vor Abflug in der Stadt losfährt. Wenn der nicht pünktlich kommt, macht mich das immer ein bisschen nervös …

Aber bevor ich in den Flieger steige, muss ich packen: „Lagom¹“ feine Klamotten für die Hochzeit, Kamera, Laptop, Klamotten für eine Bergtour und eine Wathose zum mit der Post zurückschicken. Außerdem warme und regendichte Kleidung, um den deutschen Sommer 2013 zu überleben. Der Koffer wird also voll.

Mein Wunschwetter für die Reise sieht etwa so aus (netterweise kam gerade eine kleine Wolke an und wollte mit aufs Foto):

Sonne über Skellefteå

Am meisten freue ich mich darauf, einige meiner besten Freunde wiederzusehen. Abgesehen davon freue ich mich auch auf:

  • Kaiserschmarrn
  • Die Alpen
  • Ein richtiges Fotogeschäft
  • Bäcker und richtiges Brot
  • Die Hochzeit
  • Biergärten
  • Kleine Zugfahrten
  • Ballone²
  • Stadtbummel
  • Indische Restaurants³

Hurra, ich habe Sommerferien!


¹lagom = schwedisch für gerade recht. Nicht zu viel, nicht zu wenig. Nicht zu heiß, nicht zu kalt. Nicht zu oft, nicht zu selten. Lagom eben.
²wenn ich welche sehe
³@soschy: Bollywood Sonntag Abend?

Pause in Arlanda

Vier Stunden Pause auf Arlanda, dem Stockholmer Flughafen, und Sonne. Ich werde versuchen, draußen ein bisschen Natur zu finden. Das ist aber gar nicht so leicht, denn der Flughafen ist von Parkplätzen und Straßen ohne Fußweg umringt und es dauert, bis ich überhaupt ein bisschen von dem Gelände herunterkomme. Bis dahin sehe ich hauptsächlich Autos, Draht und Beton. Nur an manchen Rändern zwängen sich Gras und kleine Blumen aus schmalen Ritzen.

Abgang zu weiteren ParkplätzenNatur? Nicht in Sicht!

Doch nach diesem Tunnel teilt sich die Straße und dazwischen sehe ich eine felsige mit Bäumen bewachsene und recht große Verkehrsinsel. Kaum bin ich die paar Meter hochgestiegen und habe zehn Schritte in den Wald getan, bin ich von Natur umgeben. Nur der Lärm der vorbeifahrenden Autos und der startenden Flugzeuge erinnert mich daran, dass ich nicht soo einsam bin. Ich laufe weiter und finde meine erste Heidelbeere des Jahres. Nach dem Foto muss sie dran glauben. Sie ist noch ganz schön sauer.

Natur fast purDie erste Heidelbeere

Jetzt schnell den Artikel online stellen und dann steige ich ins Flugzeug nach München. Ankunft 18:20.

München – von oben schön

München – von oben schön. Vorne Park und Hügel, am Horizont die Alpen. Dazwischen der Puls der Stadt. Autos höre ich, auch Vögel. Jogger laufen vorbei. Ein Hubschrauber. Pärchen streiten sich, umarmen sich. Fahrradfahrer. Das Knirschen von Joggingschuh auf Kies. Die Sirene eines Krankenwagens. Der Jubel von Fussballspielern. Ich bin von Menschen umgeben. Vielen Menschen. Zu vielen Menschen?

Vor drei Jahren habe ich meine Münchner Wohnung aufgelöst. Nun sitze ich auf dem Hügel des Luitpoldparkes im Schneidersitz im Gras. Ameisen krabbeln auf mir herum. Ich frage mich, wie es wäre, wieder in München zu leben. Nein, ich plane nicht, ich frage mich nur, wie es wohl wäre.

Der Hubschrauber startet wieder. ADAC. Ein Unfall. In der Stadt ist viel und es passiert viel. Gutes und Schlechtes. In einem Rhythmus, der mir zu schnell geworden ist und mich ein wenig atemlos zurücklässt.

Am Horizont, vor den blaublassen Bergketten, die Frauenkirche, zwischen Kirchenmacht und bayrischer Gemütlichkeit und drückender Macht der katholischen Kirche, halb verdeckt von einem Hochhausfeld in weißgrau. Dort leben die Menschen. Viele Menschen.

Mein linkes Bein sitzt auf dem Stuhl „Altes Zuhause“, mein rechtes auf dem Stuhl „Staunender Außenseiter“, der sich fragt, wie es wohl wäre, in München zu leben.

Mir gefällt es, hier zu sitzen und die Menschen wandern um mich herum. Dort unten dröhnt der Verkehr, saust die geschäft’ge Welt. Quellwolken hängen über den Alpen. Dahinter liegt Italien.

Ich schaue gerne weit, von Berg und über Meer. Über mir der Himmel, der weite Himmel. Sonne, Wolke, Sterne.

Dort hinten ist ein Heißluftluftschiff gestartet, der Jogger neben mir macht Dehnübungen. Eine Ameise wandert innen das Hosenbein hoch.

Ein Luftschiff zwischen den Türmen der Sankt-Paul-Kirche

Ich hätte es schwer, mich wieder an die Enge der Großstadt zu gewöhnen. Aus dem Handy des Mädels hinter mir tönt Teeniepop. Klack – aus. Hat sie meine Gedanken gehört? Das Luftschiff steuert westwärts. Der Pilot schwebt über dem Voralpenland. Über der Stadt schwebend zu leben, zu wohnen, zu schlafen, das könnte ich mir vorstellen. In der Stadt hingegen klingt für mich wie unter der Stadt zu eng, das würde nicht gut sein.

Das Luftschiff fährt jetzt nordwärts. In einer Woche werde ich ihm gleichtun und wieder nordwärts reisen. Nach Hause.

Ich werde meine Münchner Freunde vermissen. Auch die Berge, die Kultur. Aber ich wäre auch gerne manchmal in Amsterdam, in New York, auf einer Hallig im Herbststurm. Man kann nicht überall sein. Zumindest nicht gleichzeitig. Das ist eine der kleinen Enttäuschungen des Lebens.

In einer Woche werde ich wieder in Skelleftehamn sein und es wird gut sein. Ich werde dort gewiss noch so manches Jahr verbringen. Aber irgendwann, irgendwann, wird mich vielleicht eine Stadt rufen und ich werde gehen. Nordwärts, südwärts, ostwärts, westwärts?

Vorwärts.

Durchblick auf München

1. Juli 2013, 20:01

Nachtrag: Das Bild mit der „drückenden Macht der katholischen Kirche“ ist mir zu stark und dramatisch. Aber ich möchte den Text, der auf dem Hügel spontan entstanden ist, nicht mehr nachträglich ändern.

Meine siebenhundertsiebenundsiebzig Sachen

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Ich mag mein Auto. Vor allem mag ich den Kofferraum meines Autos. Allerdings nicht, wenn er leer ist. Kofferräume sind zum Füllen da! Mit allem, was man braucht, vielleicht braucht, wahrscheinlich nicht braucht und was man definitiv nicht braucht, aber trotzdem mitnimmt.

Meine Packliste ist so gut wie abgehakt und es fehlen nur noch Dinge wie Proviant und das Laptop, an dem ich gerade noch sitze. Und meine Wohnecke, in der ich alles, was mit soll gestapelt habe, sieht zur Zeit etwa so aus:

Meine siebenhundertsiebenundsoweiter Sachen

Dabei sind neben den üblichen Dingen wie T-Shirts, Zahncreme oder Regenjacke so schöne Dinge wie unter anderem:

  • Eine Plastiktüte mit Müsli, Mitbringsel für eine Freundin
  • Eine Schwimmweste, falls ich irgendwo Boot mitfahre und keine Schwimmweste da ist
  • Eine riesige rote Reisetasche mit warmer und wasserdichter Kleidung
  • Ein reisefreudiges Kleines Gelbes Monster
  • Ein Holzkasten mit Filtern zum Fotografieren
  • Ein Zelt, ein Schlafsack, eine Isomatte
  • Sandalen, Wanderstiefel, Gummistiefel
  • Eine Wathose – zum Fotografieren und Muscheln sammeln
  • Bücher (vom Insektenführer bis hin zu „Sommerlügen“ von Bernhard Schlink)
  • Ein Biwaksack und ein Erste-Hilfe-Set
  • Ein Autoatlas, in dem auch Finnland und Norwegen drin sind
  • Drei Liter Wein (mehr erlaubt der norwegische Zoll nicht)

Ich glaube, ich bekomme mein Auto voll. Nach der Reise werde ich genaustens untersuchen, was ich nicht gebraucht habe. Diese Erkenntnisse werde ich dann bei der nächsten Autoreise komplett ignorieren und wieder alles mitnehmen.