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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Besuch aus dem Wald

Ich war das Wochenende krank und bleibe auch heute noch zu Hause. Davon wusste aber mein iPhone-Wecker nichts und hat mich um viertel vor sieben geweckt. Ich bin dann in die Küche gegangen, um etwas zu trinken. Dabei habe ich gesehen, dass unsere Straße Besuch aus dem Wald hatte: Drei Rehe inspizierten ganz in Ruhe die Straße, wohl auf der Suche nach Futter. Obwohl das eine Foto meiner Meinung nach eher danach aussieht, als ob sie sich für Autos interessierten.

Schnell habe ich mein Teleobjektiv auf die Kamera gemacht und die Tiere durch das Fenster fotografiert. Entweder sahen sie mich nicht oder sie ließen sich nicht von mir stören. Nach einigen Minuten liefen die Tiere gemächlich wieder in Richtung Wald zurück.

Die Rehe in Kusfors sind übrigens so zahm, dass sie Lasses Mutter aus der Hand fressen. Wenn aber ihnen fremde Menschen in der Nähe sind, kommen sie nicht.

Erste Osterboten

Diese Woche habe ich in zwei Jahreszeiten gelebt. Im Garten hinter dem Haus liegen noch 80 cm Schnee und morgens war es mit Temperaturen um -10 °C noch ganz schön frisch. Aber tagsüber fühlen sich auch wenige Plusgrade schon richtig warm an. Vor allem wenn es windstill ist und die Sonne scheint.

So hat sich diese Woche auch der erste Schmetterling – ein Kleiner Fuchs – in die Innenstadt verirrt. Vielleicht haben ihn die Osterglocken des Blumenladens gelockt und ihm vorgegaukelt, der Frühling sei schon voll da.

Auch der ICA in der Innenstadt zeigt, dass sich Ostern nähert: Mit großen Plastikeiern, die knallbunt mit Süßigkeiten gefüllt sind. Das hat ja auch was, aber als hier geschrieben habe, dass ich mich auf den Frühling auch der Farben wegen freue, hatte ich nicht so etwas im Sinn.

Und wenn schon Süßes, so hoffe ich stark, dass man auch in Schweden Nougateier bekommt …

Ist Frühling?

Es liegt noch Schnee. Aber es ist schön und recht warm. Ist das nun noch Winter oder schon Frühling. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, werde ich mich dieser entscheidenden Frage streng wissenschaftlich mit phänomenologischem Schwerpunkt annähern:

1. Meteorologischer Frühlingsanfang Der war am ersten März. Da war‘s aber noch ganz schön kalt hier. Aber egal – check!
2. Astronomischer Frühlingsanfang War auch schon vor ein paar Wochen. Check!
3. Kein Schnee mehr im eigenen Garten Oh jeh, noch bis zu 40 cm Schnee – das kann noch dauern
4. Ohne Handschuhe Fahrrad gefahren Morgens noch nicht, aber nachmittags auf dem Nachhauseweg ging das schon gut
5. Im T-Shirt Fahrrad gefahren Hallo? Wir reden von Frühling, nicht vom Hochsommer! Keine Wertung
6. Blumen im Garten gesehen Ja, aus dem Bus
7. Blumen im eigenen Garten gesehen leider noch nicht
8. Eisfreier Skellefteälven Teils ist der Fluss schon recht frei, teils noch komplett bedeckt
9. Eisfreies Meer Weiter draußen ja, direkt an der Küste ist noch alles eisbedeckt
10. Wasservögel Ja. Singschwan, Ente, Gänse und mir unbekannte Wasservögel
11. Insekten Ein paar kleine Fliegen und immerhin ein Schmetterling!
12. erstes Eis auf die Hand Ja!
13. Draußen Mittag gegessen Ich leider noch nicht (Aber andere schon)
14. Zu Hause auf der Terasse gesessen Ja. Sogar im T-Shirt. (Ein Mal)
15. Ohne Mütze und Winterstiefel ins Büro Ja
16. Man sieht wieder Waldboden Um die Bäume und auf allen Südhängen ist der Schnee weg. (Aber im schattigen Wald liegt noch einiges)

So, mal schauen. Zehn Mal und fünf Mal , das heißt eindeutig: Der Frühling ist da! Zudem – einige waren ja auch ein bisschen schwer.

Außerdem ist es doch immer schön, wenn noch Potential zur Verbesserung da ist.

Zum Schluss noch drei Fotos: Fluss · Wald · Meer.

Ein Jahr Schweden

Heute vor einem Jahr bin ich in Schweden angekommen. Ich erinnere mich noch gut, wie ich übermüdet von der langen Anreise mit Rucksack, großer Tasche und zwei Koffern hier ankam. Ein ereignisreiches Jahr liegt hinter mir und ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass jetzt auch einfach mal ein bisschen Alltag einkehrt.

Dementsprechend habe ich den heutigen Tag – den ersten der vier freien Ostertage – weder gefeiert noch habe ich groß zurückgeschaut. Statt dessen habe ich einfach das schöne Wetter genossen und mit mir die gesamte Natur. Die Vögel haben getwittert, äh gezwitschert, die ersten Frösche waren draußen und die ersten wilden Blumen am Straßenrand blühen.

Nur mein Auto musste heute ein bisschen leiden. Gestern habe ich mit netter Nachbarshilfe Sommerreifen aufgezogen und heute bin ich ein bisschen gefahren. Dieser eine schöne Waldweg wurde allerdings immer schlechter und immer matschiger und nach einer Kurve sah er mehr aus wie ein Übungsgelände für Jeeps. Also musste ich rückwärts zurück. Um die Kurve. Mit Sommerreifen auf rutschigen Boden. Und prompt bin ich auch – so richtig schön Fahranfänger – ein bisschen vom Weg abgekommen und habe mich im weichen Straßenrand festgefahren. Na toll! Ich hatte aber (eigentlich eher für Schnee gedacht) vier schmale, alte Bretter dabei, die ich dann unter die Reifen gelegt habe. Und mit vielen Mal vorwärts und rückwärts rangieren, ungefähr zehn Mal den Motor abwürgen, durchdrehenden Reifen bei Motorgeheul und einigen Flüchen bin ich tatsächlich wieder auf den Weg gekommen und habe auch ganz schnell eine Stelle zum Wenden gefunden. War ich erleichtert! Es hat sich zwar beim Zurückfahren gezeigt, dass ich keine 100 Meter hätte laufen müssen, um Hilfe zu bekommen, aber ich war trotzdem sehr froh, das Auto alleine wieder frei bekommen zu haben. Heute gelernt: Sommerreifen haben ihre Grenzen und mein Auto ist kein Kettenfahrzeug.

Zum Schluss noch zwei kleine Winter-Frühjahrsvergleiche:

P.S.: Zum halbjährigen Jubiläum habe ich den hundertsten Beitrag geschrieben, heute zum einjährigen den zweihundertsten. Zufall oder deutsche Wertarbeit?

Fast ein Sommertag

Gestern war doof, aber ich bin ja auch selber schuld. Ich wollte „mal eben schnell“ ein Betriebssystemupdate machen. Dabei sollte ich wissen, dass es „mal eben schnell“ bei Computern nicht gibt. Ach bei Macs nicht. Jetzt läuft aber hoffentlich alles wieder (ja, ich meine Dich, windowserver!) und ich kann mal wieder etwas schreiben.

Heute morgen habe ich in meinem Wintergarten gefrühstückt. Selbst wenn draußen nur sieben Grad sind, ist es dort schon richtig warm. Immerhin geht die Sonne um zwanzig vor vier auf und hat Zeit, vorzuheizen. Zwei Spatzen haben sich wohl entschlossen, unter den Dachziegeln ein Nest zu bauen. Mir soll‘s recht sein, wenn sie danach die Wohnung besenrein übergeben. Hoffentlich lassen sie sich durch meine Anwesenheit nicht stören.

Nach dem Frühstück bin ich dann mit dem Auto sieben, acht Meilen nach Kusfors gefahren und habe Lasse besucht. Wir haben dann eine Rundtour in der dortigen Umgebung gemacht. Die erste Etappe war „Älgjägersfolkets Viste“, ein touristisch genutztes Gelände mit einigen sehr urigen Hütten und Koten sowie einer Schaukel, die nur aus Holz und Rentierleder zusammengesetzt ist.

Die nächste Etappe war das Naturreservat „Svansele Dammängar“. Lasse hat mir erklärt, dass es hier in der Region eine einmalige Art gibt, Heu auf Feuchtwiesen zu ernten, aber ich habe nicht alles verstanden. Mich erinnerten die Holzhütten ein bisschen ans Alpenvorland. Da sieht‘s ähnlich aus, bloß dass das Gras da bestimmt schon grüner ist.

Danach sind wir nach Gallejaur gefahren. Hier haben „drei alte Tanten“ gewohnt, die alle Gebäude im alten Stil bewahrt haben. Heute kann man sich das anschauen. Schön!

Zum Schluss waren wir noch an dem Anfangs- und Endpunkt der weltlängsten Seilbahn. Sie wurde bis in die achtziger Jahre benutzt, um Erz zu transportieren. Heute wird nur noch ein Teilstück betrieben, um Touristen herumzufahren. Die bekommen dann allerdings eine richtige Kabine und müssen nicht in den Erzkesseln hocken.

Alle diese touristischen Ziele haben eines gemeinsam: Wenn ich nächste Woche Besuch aus Deutschland bekomme, sind sie noch alle geschlossen. Wenn ich Mitte August wieder Besuch bekomme, sind sie schon wieder geschlossen.

Liebe Nordschweden: Ihr könnt vieles gut! Tourismus zählt aber mal überhaupt nicht dazu. Es gibt Länder, wo nicht alle Menschen gleichzeitig „semester“ – zu deutsch Urlaub – haben. Und diese Menschen kommen gerne auch im Mai und Juni, Ende August und sogar im September. Mit und ohne Kinder. Das heißt, sie kämen, wenn Ihr offen hättet. Und wenn ihr besser darin wärt, allen zu erzählen, wie schön es hier ist. Leider seid Ihr nämlich viel zu bescheiden, um auch nur einmal vorsichtig anzudeuten, dass es sich vielleicht lohnen könne, möglicherweise hierher zu kommen. Und so erfahre auch ich, der hier schon ein Jahr lebt, von den meisten Plätzen eher zufällig. Schade eigentlich!

So habe ich heute zwei Rollen eingenommen: Ich war Tourist und habe mir die schönen und interessanten Plätze angeschaut. Alles eher klein als pompös, aber durchaus lohnenswert. Und gleichzeitig haben Lasse und ich überlegt, wie man den Tourismus in Nordschweden stärken kann. Mal schauen, was ich in einigen Jahren beruflich so mache …

P.S.: Leider ist der windowserver wieder abgestürzt und hat so einiges mit sich gerissen. Da muss ich wohl mal morgen die Hardware testen. So‘n Schiet!

Alltag

Nachdem meine Eltern wieder nach Deutschland gefahren sind, hat sich hier wieder eine Art Alltag eingestellt. In Stichpunkten (da müde):

  • Es wird nicht mehr richtig dunkel. Die Abenddämmerung geht nahtlos in die Morgendämmerung über, ehe um zwanzig vor drei die Sonne aufgeht.
  • Das Leitungswasser muss weiterhin abgekocht werden. Man kann wohl Parasiten im Wasser erst nach dem Einbau von UV-Filtern mit Sicherheit ausschließen. Und das kann noch ein paar Monate dauern. Aber – man gewöhnt sich dran.
  • Mein Computer spinnt ziemlich, aber ein neuer ist bestellt. Der hat dann eine mit 750 GB eine größere Festplatte und ich habe wieder Platz für neue Fotos.
  • Das Spatzenpärchen ist unter meinem Dach wohnen geblieben. Ich glaube, sie sind noch am Brüten.
  • Ich werde diese Woche wohl komplett mit dem Bus fahren, da ich keine Lust habe, 18, 19 Kilometer gegen Windgeschwindigkeiten um 40 km/h zu radeln. Nennt mich ruhig faul, damit kann ich leben.
  • Heute war ich zum zweiten Mal in der Ostsee baden und bin nicht sofort wieder hinaus gesprungen. Lange im Wasser war ich aber dennoch nicht.

So, mehr schreibe ich jetzt nicht, dann ich bin müde. Ich war heute morgen um kurz nach halb sechs wach, also drei Stunden nach Sonnenaufgang.

Bergtour

Heute war ich mit einer Freundin auf dem Falkberget, einem Berg 2 km südwestlich vom Stadtzentrum Skellefteås. Liebe Münchner, lacht nicht, wenn ich Euch erzähle, dass der Berg (laut Karte) 147,2 Meter hoch ist. So ein „Hügel“ kann es natürlich nicht mit den Alpen aufnehmen, aber man kann es auch so sehen: Das direkte Umland Münchens ist flacher.

Und dieser Berg ist zumindest auf seiner Nordseite ganz schön schroff und nur durch klettern zu besteigen. Wir haben dann die Südroute genommen … . Von oben hatte man Blick auf ganz verschiedene Landschaftstypen: Schaut man auf dem von Granitfelsen geprägtem Berg in Richtung Norden, so hat man Blick auf den See Falkträsket mit seiner kleinen Badebucht und dahinter auf die Stadt. Schaut man in Richtung Süden, so sieht man Wald und noch mehr Wald. Und in Richtung Osten konnte man trotz des trüben Wetters die Ostsee sehen.

Falkberget hat zwar kein Gipfelkreuz, aber eine große Holzpyramide, die die höchste Stelle markiert. Wir haben uns einen Aussichtsplatz gesucht, heißen Tee getrunken und Kekse gegessen. Leider war es die ganze Zeit grau und hat es etwas geregnet. Und es war so windig und kalt, dass ich seit das erste Mal seit Monaten kalte Finger hatte.

Ich hoffe, dass das Wetter wieder besser wird, denn die nächsten zwei Wochen haben zwei röda dager (rote Tage = offizielle Feiertage) zu bieten. Viertagewochen sind doch etwas Herrliches. Da könnte ich mich dran gewöhnen.

Degeröberget

Heute war ich auf dem Degeröberget, knapp 4 km Luftlinie westlich von mir und habe mit meinem Makro (Tamron 90mm 1:2.8) fotografiert.

Wie immer gilt: Ein Klick auf ein Foto vergrößert es. Man kann vor- und zurückblättern, indem man auf die Pfeilsymbole klickt oder die Pfeiltasten der Tastatur benutzt.

Dann habe ich mein Standardobjektiv wieder draufgemacht, um einen Blick vom Berg auf den Fluss zu fotografieren. Da ich mein Weitwinkel nicht dabei hatte, habe ich acht Fotos gemacht, die Photoshop zu einem Panorama zusammengesetzt hat.

Noch zwei weitere Fotos, die auf dem Umweg nach Hause entstanden sind:

Aber dass der Trauermantel auf dem Degeröberget so schnell weggeflogen ist, nehme ich ihm immer noch ein bisschen übel. So ein schöner Schmetterling.

O, schaurig ist’s, übers Moor zu gehn …

… schrieb Annette von Droste-Hülshoff 1841/42. Das sehe das allerdings etwas anders. Ich liebe diese Landschaften mit ihren eigenen Farben und dem schwankenden Boden. Und das glucksende Geräusch, das entsteht, wenn man seinen Stiefel wieder aus dem Schlamm zieht, kenne ich ja noch von verschiedenen Wattwanderungen an der Nordsee.

Als ich heute morgen gesehen habe, wie stürmisch es auch heute wieder ist, habe ich die Idee mit der Fahrradtour schnell wieder verworfen. Statt dessen habe ich mich heute Nachmittag ins Auto gesetzt und bin zu einem Gebiet etwa 8 km nordwestlich gefahren, welches in der Karte als Sankmark, also Sumpfgelände gekennzeichnet war. Und richtig, als ich sich der Wald öffnete und den Blick auf eine offene Fläche freigab, konnte man erkennen, dass es dort ziemlich nass aussah. Aber eine nasse Wiese macht ja noch kein Moor.

Ich bin kein Biologe, aber neben Wollgras, was sich überall wohlfühlt, wo es feucht ist, verbinde ich eine Pflanze speziell mit dem Moor, und das ist Sonnentau – eine fleischfressende Pflanze. Während man schon von weitem sah, wie das Wollgras vom Wind durchgepustet wurde, musste man für Sonnentau ein bisschen genauer schauen, da er bevorzugt direkt auf dem torfigen Schlamm wächst und auch nicht sonderlich groß ist. Leider war es durch den böigen Wind nicht einfach, zu fotografieren, aber ich will mich nicht beschweren, denn so gab es auch keine Mücken.

Wichtig war, dass die Kamera sauber und trocken blieb. Deshalb habe ich sie nach jedem Foto direkt wieder in ihre wasserdichte Kameratasche von Ortlieb zurück gepackt. Ich hingegen sah nach den Sonnentaufotos aus wie Sau, denn ich habe bis zum Knie im Schlamm gestanden. Als ich zu Hause war, habe ich die Klamotten erst mal mit dem Gartenschlauch abgespritzt, um sie vom gröbsten Dreck zu befreien. Und mich abends schön in die Badewanne gelegt.

Blumen

blühen jetzt überall. Auch auf meinem Grundstück. Allerdings nicht nur die vom Vorbesitzer gepflanzten, sondern hauptsächlich Wildblumen – an der Hecke, auf dem Kiesweg oder mitten auf dem Rasen.

Ich habe mal alle Blüten, die ich heute gefunden habe fotografiert und festgestellt, dass ich gerade bei der Hälfte weiß, um was es sich handelt oder zumindest nachschauen konnte. Die Hälfte der Blütenpflanzen heißt deswegen ??? – und ich bin für jeden Tipp dankbar. Botaniker vor!

Sommeranfang

Der schwedische Sommer ist da, jetzt auch astronomisch und damit quasi offiziell. Jeder, der ein Sommerhaus auf einer der Ostseeinseln hat, verbringt jetzt die meiste Zeit dort. Die Busse fahren nur noch halb so oft, die ersten Geschäfte haben eingeschränkte Öffnungszeiten und mancher Kunde verabschiedet sich bis Mitte August, denn er hat jetzt „semester“. Das mag verwirren, aber „semester“ ist einfach das schwedische Wort für Urlaub. (Semester auf schwedisch heißt hingegen „termin“, um die Verwirrung komplett zu machen.)

Viele Schweden verreisen nicht, sondern verbringen die gesamte Zeit in ihrer „stuga“ – ihrem Sommerhaus. Das heißt aber nicht, dass sie den ganzen Tag faul im Gras liegen, denn schließlich möchte man ja noch den Zaun erneuern, die Sauna ausbauen, den neuen Bootssteg ins Wasser lassen, das alte Haus streichen oder ein neues Haus bauen …

Die Hauptfrage, die zur Zeit in Schweden diskutiert wird: Wie wird das Wetter zum Mittsommerfest jetzt am Wochenende? Mittsommer ist schließlich ein wichtiger Feiertag und den möchte man draußen verbringen. Mit leckerem Essen! Letztes Jahr war es herrlich warm und sommerlich – wohl so schön wie lange nicht mehr, denn manche erinnern sich auch an ein Mittsommerfest mit Schneeregen. Brrr! Dieses Jahr wird es eher wechselhaft werden, aber das finde ich nicht so wichtig. Denn ich werde mit Freunden in deren neuem Sommerhaus feiern, und ich bezweifele stark, dass wir singend um die Mittsommerstange tanzen werden. Und lecker essen kann man ja auch drinnen.

Obwohl ich südlich des Polarkreises lebe, ist es vierundzwanzig Stunden am Tag hell, und vorgestern war der längste Tag. Jetzt werden theoretisch die Tage wieder kürzer, aber es wird zum Glück noch dauern, bis man davon etwas merkt.

Gestern Abend klarte es ein bisschen auf und ich bin zu einem der beiden Bootshafen Skelleftehamns gefahren. Die Parkplätze waren voll, denn – wie schon erwähnt – die meisten leben jetzt in ihren Sommerhäusern und verlassen die Insel nur noch für die letzten Arbeitstage, zum Einkaufen, oder um kurz zu Hause den Briefkasten zu leeren.

Die Fotos sind zwischen zehn und halb zwölf entstanden. Das Foto mit dem halben Boot gibt das spätabendliche Licht ganz gut wieder. Von den herrlich schönen Seeschwalben hätte ich gerne noch bessere Fotos gemacht. Aber die Vögel fanden meine Anwesenheit höchst unnütz und begannen immer mehr, Scheinangriffe auf mich zu fliegen (Mit voller Geschwindigkeit tief auf mich zufliegen und schreien, kurz vorher hochziehen, um dann von der anderen Seite noch einmal auf mich hinabstoßen, kurz vorher abdrehen und schnell wegfliegen schien ein beliebtes Muster zu sein.)

Belehrung für den aufmerksamen Leser: Dieser Artikel geht am Donnerstag Vormittag online – mitten an meiner Arbeitszeit. Ich lerne zur Zeit eine neue Programmiersprache namens „Objective C“ und lese viel darüber. Und da die Materie ziemlich schwierig ist, braucht mein Verstand immer wieder Erholungspausen. Und so eine kann man prima zum Veröffentlichen eines Blogartikels verwenden. Finde ich.

Midsommarafton

Ich hatte schon geschrieben, dass Mittsommer ein wichtiges Fest in Schweden ist. Mir war aber bis gestern nicht klar, dass schon gestern am Freitag gefeiert wurde, obwohl „midsommar“ erst heute am Samstag ist. Dabei ist das eigentlich ganz einfach und logisch:

Neujahr heißt auf schwedisch „nyår“ oder genauer „nyårsdagen“ (Neu-Jahrs-Tag). Gefeiert wird am Vortag: nyårsafton (Neu-Jahrs-Abend). Weihnachten heißt „jul“, das traditionelle Weihnachtsessen und die Geschenke gibt es am „julafton“ (Weihnachts-Abend). Mittsommer heißt „midsommar“ und wann wird gefeiert? Richtig, am Tag zuvor, dem „midsommarafton“.

Und der war wie gesagt gestern. Ich habe mit Freunden in deren neuem Sommerhäuschen gefeiert. Wir saßen hauptsächlich auf der überdachten Veranda, den es hat ziemlich viel geregnet. Abends waren wir noch in der Sauna und haben uns zwischendurch zur Kühlung im Regen stehend mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Irgendwann – wenn es immer hell ist, habe ich die Tageszeiten nicht mehr so richtig im Griff – habe ich dann das Gästezimmer abgedunkelt und mich schlafen gelegt. Und heute war auch schon wieder schönes Wetter.

Ganz wichtig übrigens beim Mittsommer ist das Essen: Hering („sill“), Lachs, Dünnbrot und neue Kartoffeln müssen dabei sein. Und Aquavit! Eigentlich. Denn Schnaps hatten wir zwar keinen, aber ein kleines Trinklied kann man ja auch zum Rotwein singen. Die gleichzeitig gegrillten Fleischstücke waren so groß, dass wir alle pappsatt waren und sogar ich – kaum zu glauben – nicht mehr viel von der Erdbeertorte geschafft habe. Aber die hat heute zum Frühstück auch gut geschmeckt.

Nun habe ich noch fünf Tage zu arbeiten und dann habe ich vier Wochen Urlaub! Ich frage mich, ob ich den Freitag jetzt „semesterafton“ nennen darf, denn immerhin ist es der Tag vor meinem Urlaubsanfang, und das – finde ich – ist ein Grund zum Feiern!

Ferien

Was herrlich, ich habe Ferien! Vier Wochen! Und das sind meine ersten richtigen Sommerferien, denn den letzten Sommer war ich hauptsächlich mit Umziehen beschäftigt.

Gestern war es grau und ich faul. Heute war wieder blauer Himmel und ich immer noch faul. Aber einen kleinen Gang in den Wald habe ich gemacht, und dabei diesen wunderschönen Fischadler vor die Linse bekommen, der über mir seine Kreise zog.

Heute gelernt: 1/400 reicht bei einer umgerechneten Brennweite von 450mm nicht aus, um den Vogel scharf abzulichten. Das nächste Mal werde ich hoffentlich dran denken, eine größere Blende zu benutzen und eventuell schnell noch den ISO-Wert ein bisschen heraufschrauben. Vielleicht gibt es hier ja demnächst noch ein besseres Bild.

Urlaub: Skellefteå

Die ersten 72 Stunden Urlaub mit Sonya:

Sonnenuntergang am Meer · Fischadler über dem See · Lachsfrühstück · Fahrradtour · am Strand liegen · im a****kalten Meer baden · Fotografieren · Grillen · Couscoussalat machen (Sonya) · mit Live-Klaviermusik wecken (ich) · Freunde besuchen · Markt in Burträsk · Sommerwärme · Privatführung in der Kirche mit Schwerpunkt Orgeltechnik · Pause auf der Insel Smedjeholmen · Fika mit Waffeln · kleine Runde mit dem Kanu (Kanadier) · Grillen (geht auch zwei Mal) · Abend mit Freunden · Nachts um halb drei am See · leckeres Frühstück · mit den Hunden toben · mit dem Kanu über den Göksjön zum Sandstrand · im See Baden · die ersten Walderdbeeren · zurück in Skelleftehamn · nochmals im Meer Baden · Kochen. Ich finde, das ist ein guter Anfang.

Mehr schreibe ich jetzt nicht, denn ich hab Urlaub.

Ach ja, Fotos gibt’s auch:

Südschweden

Wenn man von München nach Nordschweden gezogen ist, hat Südschweden eine erstaunliche Eigenschaft: Es liegt im Süden. Und dorthin – genauer gesagt in die Nähe von Trollhättan – bin ich vor gut zwei Wochen mit dem Nachtzug gereist.

Da Skellefteå leider, leider keinen Bahnhof hat – eine der Schattenseiten der Stadt – bin ich mit dem Auto 70 Kilometer landeinwärts nach Bastuträsk gereist, ein Städtchen, welches ebenso wie Långsele oder Jörn hauptsächlich denen bekannt ist, die öfter den Nachtzug nehmen. Und die wissen ebenso, dass es um die Pünktlichkeit der Züge nicht sehr gut bestellt ist.

Ich hatte noch Glück, in Bastuträsk hatte der Zug nur eine Stunde Verspätung und war statt um 19:00 um 20:00 da. Die Armen, die in Örnsköldsvik auf den Zug warteten, durften dagegen vier Stunden mitten in der Nacht auf dem Bahnhof stehen. Wegen Lokschaden. Mit drei Stunden Verspätung kam ich in Göteborg an, wo ich von Katrin, meiner Schwester und Familie aus Augsburg in Empfang genommen wurde. Sie sind am gleichen Tag mit der Fähre aus Kiel angekommen. Eine gute Stunde später waren wir in unserem Ferienhäuschen am See, welches wir für eine Woche gebucht hatten.

Südschweden hat viel. Viele Menschen, viele Straßen mit vielen Spuren, viele Schilder, viele Autos, viel Vieles. Das bin ich nicht mehr gewohnt und ich war nicht böse, als wir in unserem Häuschen im Grünen angekommen sind.

Aber es soll mir keiner nachsagen, dass ich Südschweden nur voll und hässlich finde, denn dort gibt es auch vieles anderes. Zum Beispiel …

Den Göta älv, dessen Wasser in Trollhättan durch Kraftwerksturbinen fließt. Doch im Sommer werden ein, zwei Mal am Tag die Tore geöffnet und die Wassermassen ergießen sich durch das Flusstal.

Das hübsche Städtchen Skärhamn auf der Nordseeinsel Tjörn mit seiner lachenden Kirche – nein, es ist keine Sonnenuhr, der Turm hat tatsächlich Nase und Mund.

Die herrliche Landzunge bei Lysekil mit ihren Granitformationen. Ein Paradies für Fotografen.

Eine herrliche Sandbucht am Vänern, dem größten See Schwedens (und dem drittgrößten Europas). Fotografiert habe ich aber lieber die kleine Ringelnatter.

Spannende Schleusen, Kanäle und ein Aquädukt, die verschiedene Seen zum Dalsland-Kanal verbinden. Nebenbei ein kleines Kanalmuseum, welches keiner versäumen sollte. In diesem Museum werden keine Gegenstände Typ Heimatmuseum ausgestellt, sondern Geschichten erzählt. Von Personen, die wirklich gelebt haben. Und diese Geschichten illustrieren die Ausstellungsstücke hervorragend. Große Klasse, finde ich.

Schöne Natur überall, direkt beim Haus genauso wie an der Nordsee oder auf den Tafelbergen Halleberg und Hunneberg am Vänern. Dort soll man auch Elche sehen. Nun – wir haben schon am zweiten Tag vom Auto aus eine dreiköpfige Elchfamilie direkt am Straßenrand stehen sehen. So nah war ich diesen Tieren noch nie in meinem Leben. Und ratet mal, wo meine Kamera war – im Kofferraum (grummel!).

Eine Woche später haben wir den Nachtzug zurück von Göteborg nach Bastuträsk genommen, denn natürlich wollten die Augsburger sehen, wie ich denn hier in Nordschweden lebe. Und was hatte der Zug: Einen Lokschaden. Warum aber das Zugpersonal der alten Lok auf offener Strecke mitten in der Pampa stehengelassen wurde, blieb uns ein Rätsel. Wohnten die dort? Mussten die sich schämen? Gingen die auf Jagd? Angeln? Wie gesagt – ein Rätsel.

Schmetterlinge

Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Schmetterlinge es hier im Norden gibt. Neben den üblichen Verdächtigen wie Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und Admiral habe ich beispielsweise vorletzte Woche einen C-Falter fotografiert und heute einen Trauermantel. Sogar einen Schwalbenschwanz habe ich hier schon gesehen.

Matfesten

Matfesten“ heißt das viertägige Fest, welches gerade in Skellefteå stattfindet. Ich mag den herrlich nüchternen Namen der Veranstaltung, die übersetzt einfach „Das Essensfest“ heißt.

Um ein großes Zelt sind lauter Stände mit kleinen Küchen aufgebaut, wo man ganz unterschiedliches Essen bekommen kann. Da die Restaurants in Skellefteå nicht gerade – nun ja – besonders vielfältige Küche bieten, habe ich mich in unseren Mittagspausen am Donnerstag und Freitag begeistert auf die Stände mit äthiopischer und libanesischer Küche gestürzt. Und dabei ein bisschen wehmütig an die vielen, tollen Restaurants in München gedacht. (Und die vielen netten Freunde, mit denen man sich dort treffen könnte, aber das ist ein anderes Thema.)

Man konnte auch Lebensmittel kaufen, vor allem Beeren und Pilze. Ich empfinde das aber immer ein bisschen als Schummeln, wenn man Pfifferlinge oder Heidelbeeren kauft, wenn die Dinger im Wald auf einen warten, selbst, wenn ich hier noch keine Pfifferlingstellen kenne.

Heute hatte ich aber mein kleines eigenes Matfest, denn ich habe angefangen, in meinem Garten zu ernten. Ich weiß noch nicht, was ich mit den Unmengen an Äpfeln mache, unter deren Last sich die Zweige des kleinen Apfelbäumchens biegen, denn roh bekommen mir die nicht, aber über die süßen Pflaumen, die langsam reif werden, habe ich mich riesig gefreut. Die kann man auch direkt vom Baum essen.

Farbe tanken

Knallblauer Himmel empfängt mich am Samstag morgen. Ich habe mich ins Auto gesetzt und konnte mich an den intensiven Farben des herbstlichen Laubes kaum satt sehen. Die Birken sind leuchtend warmgelb, die Espen grün- bis zitronengelb. Die Ebereschen sind dunkelrot oder knallbunt und die wenigen Ahornbäume gelb-orange bis glutrot. Ich habe den Eindruck, dass mein gesamter Körper Farben tankt und sie in jeder Zelle für den langen Winter speichert.

Und so war der Blick vom Stackgrönnans Bootsmuseum über den Skellefteälven (Das Panorama lässt sich scrollen):

Licht

Wo viel Schatten ist, ist auch viel Licht.

Das geht schon mit den fantastischen Morgenstimmungen los, die wir hier so manchen Tag haben. Schon beim Blick durch die von Reif bedeckten Fenster meines Wintergartens haben gezeigt, dass es an der Ostsee bestimmt schön aussieht. Also habe ich heute das Auto genommen und einen kleinen Abstecher zum Fotografieren gemacht.

Nach der Arbeit war es draußen natürlich stockdunkel. Aber seit einigen Tagen ist die gesamte Innenstadt mit Licht geschmückt. Breite Bündel von Lichterketten hängen über einem Teil der Fußgängerzone, Die wenigen Alleebäume sind komplett in Licht gekleidet sind und auch ein großer Weihnachtsbaum steht auf dem Torget, dem Marktplatz.

Die mit gelblichem Licht ummantelten Bäume wirken richtig warm und gemütlich. Man denkt an Kerzen und Kamin. Leider macht das kalte Licht, mit dem Lichterketten und Weihnachtsbaum bestückt sind, einiges an Gemütlichkeit wieder zunichte. Wer, bitte schön, denkt sich so etwas aus!

Auch am Fluss holt man sich Licht in die dunkle Stadt. Und bei den gestaffelten Sitzreihen am Fluss mit ihrer strengen Linienführung darf das Licht auch gerne kalt-blau sein. Dort passt es. Die Solaranlage in der Stadt hat nicht viel zu tun, denn viele Sonnenstunden haben die Tage nicht mehr.

Gefallen hat mir dann wieder Bonnstan, die alte Kirchenstadt mit ihren Blockhäusern. Die Wege sind nur teilweise beleuchtet und lassen die Holzhäuser geheimnisvoll aus ihren Schatten treten.

Zum Winter? Drei Meilen westwärts.

Seit Donnerstag schneit es ziemlich viel und der SMHI hat für weite Teile des Landes Schneewarnungen ausgesprochen. In meinem Garten liegen jetzt 17 cm Schnee. Nicht soo viel. Der ist allerdings nicht so leicht und fluffig wie im letzten Jahr, sondern wegen der leichten Plustemperaturen nass und – wie ich beim Schneeschaufeln feststellen musste – sackschwer. Die Bäume sind schneefrei, denn gestern Abend war es hier sehr windig und den Rest hat das leichte Tauwetter gemacht.

Ich war neugierig, wie weit ich ins Inland fahren muss, bis ich richtiges „Winterwunderland“ habe. Davor musste ich aber erst einmal tanken. Dort stand ich in tiefen, braunen von nassen Schneematsch umrahmten Pfützen, während mein Saab sich vollaufen ließ. Also – so einen Winter kenne ich, ich habe elf Jahre im Ruhrgebiet gelebt.

Der erste Halt wie schon vor drei Wochen ist die Bucht bei Ursviken, wo auch der Kanuklub ist. Tatsächlich ist jetzt die ganze Bucht zugefroren und mehr oder minder schneebedeckt. Allerdings sieht man am Ufer sehr deutlich, dass das Eis an manchen Stellen dünn und nass ist.

Das Autofahren auf der nassen, mit Spurrillen versehenen und noch nicht geräumten 372 in die Stadt macht keinen Spaß, aber schon direkt nach der Stadt in Medle ist die Stimmung eine ganz andere. Die Straßen sind weiß, die Wiesen, die Bäume und der Himmel sind weiß und es schneit.

Hier ist das Autofahren viel leichter und man sieht auch viel besser. Allerdings sehe ich auch, dass so manche Nebenstraße nicht geräumt ist. Da wüsste ich manches Mal noch nicht einmal, wo ich überhaupt hereinfahren sollte. Aber ohne Traktor oder Raupe ginge das ohnehin nicht. Und die sind heute alle, alle unterwegs und räumen Grundstücke und Straßen.

Ich möchte rechts in Richtung Svanström abbiegen, doch da versperrt so ein Schneeräumungetüm mit voller Breitseite die Straße. Eine junge Frau kommt auf mich zu, sagt, dass die Straße frei ist und fährt das baustellengelbe Fahrzeug weg, damit ich abbiegen kann. Und die Straße ist frei. Frei von Schnee und frei von anderen Autos. Fast! Den einem Auto fahre ich irgendwann hinterher. Und wenn man einem schwedischen Auto hinterher fährt, dann ist man oft zu schnell …

Irgendwann komme ich dann auf die 95 und biege wieder in Richtung Westen ab. Würde ich der Straße immer weiter folgen, wäre ich am Abend im norwegischen Bodø am Atlantik. Aber heute fahre ich nur ein Stückchen und freue mich über die schöne, frische Winterlandschaft. Die Landschaft wird hügelig, ich stelle mein Auto auf einer Parkbucht ab, schultere meinen neuen Kamerarucksack (gefüllt!) und laufe auf einem Forstweg in den Wald.

Der entpuppt sich allerdings als unfassbar matschig, denn der Boden ist nur oberflächlich gefroren und die überschneiten Pfützen sind oft nicht zu sehen. Wieder einmal bin ich über meine Gummistiefel sehr froh. Doch bald bin ich aus dem Gröbsten raus und laufe einen Hang hoch. Da bin ich, wie mir die vielen Spuren zeigen, nicht der erste, aber die anderen Fußstapfen sehen alle sehr nach Elch aus. Hinter dem bewaldeten Hang geht es noch ein bisschen höher. Und noch ein bisschen höher. Und noch ein bisschen höher. Ich bin überrascht, dass dieser kleine Buckel doch größer ist als angenommen. (Der Berg heißt übrigens Storberget und ist 298 Meter hoch. Stor heißt groß. Ja, Münchner, lacht ihr ruhig.)

Nach einer kurzen Schokoladenpause laufe ich einen anderen Weg wieder herunter. Ich finde das gar nicht so einfach, die Richtung beizubehalten, weil man doch ziemlich zickzack gehen muss, denn mancher Waldabschnitt ist fast undurchdringlich. Ich schaue zwischendurch auf Handy-Karte und Handy-Kompass, um mich abzusichern, denn es ist schon nach eins und bald wird es bei dem trüben Schneewetter dunkel werden. Ich hätte es zwar einfacher, über den kleinen See namens Bergtjärnen abzukürzen, aber ich habe keine Ahnung, ob das Eis trägt. Also stapfe ich durch den vierzig Zentimeter tiefen Schnee durch den Wald zurück, bis ich wieder am Auto bin.

So gegen drei bin ich wieder zu Hause. Ich wäre eher da gewesen, wenn nicht ein Autofahrer meinte, Tempo 50 sei auf der Tempo-90-Straße nach Skelleftehamn durchaus angemessen. Nicht alle Schweden fahren zu schnell.


Eigentlich hatte ich für heute geplant, noch einmal Kajak zu fahren, denn das wird nicht mehr lange gehen. Aber als ich gestern Abend die überraschend hohen Wellen gesehen habe, die sich am Ufer gebrochen haben, habe ich diesen Gedanken ganz schnell aufgegeben.

Ich habe gestern übrigens wieder einmal versucht, Schneesturm in der Nacht zu fotografieren. Mit verschiedenen Objektiven, mit und ohne Blitz, mit dicker 300-Watt-Leuchte und ISO-Werten bis 3200. Ich krieg’s nicht hin! Aber was macht man mit dem Fotomaterial? Zum Beispiel eine abstrakte Fotokollage: