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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Eisflächen

„Leise rieselt der Schnee, still und starr liegt der See.“ Finde die beiden Fehler!

Vieles ist eisbedeckt

Fehler eins: Aus den Wolken fällt Sprühregen, kein Schnee. Fehler zwei: Die Eisfläche auf dem Bild ist kein See, sondern ein Parkplatz!

Er ist dick mit nassem, glatten Eis bedeckt. Genauso wie viele Straßen und Wege, der Strand, Teile meines Gartens und natürlich auch die Seen. Bloß die Ostsee ist noch offen.

Wegen der Plusgrade und des Nieselregens ist das Eis nass. Und genau so sauglatt wie eigentlich die meiste Zeit seit Ende November. Zwischen der Insel Storgrundet und der Ostsee liegt zwar Eis auf dem Meer, aber so richtig vertrauenserweckend finde ich das nicht mehr. Damit ich überhaupt vom Parkplatz zum Strand komme, schnalle ich mir Spikes unter die Stiefel und gehe nur dort über das Eis, wo das Meer wirklich flach ist.

Auf dünnem EisSchwaches Eis

Auch der Weg nach Storgrundet ist eine einzige Eispiste und ohne das feine „Traction Control System“ meines Saabs könnte ich solche Straßen kaum entlangfahren, denn auch die Spikes der Winterreifen kommen hier an ihre Grenzen, vor allem beim Anfahren.

Der Weg nach Storgrundet – eine Eispiste

Und so sieht es bei mir im Garten und auf der Straße aus.

Eisflächen im GartenEin Weihnachtsstern spiegelt sich

Ich will ehrlich sein: Mich nervt dieses Wetter! Seit Wochen kommt immer wieder Regen aus tiefen, grauen Wolken gefallen. Und wenn es hier schneit, dann ist der Schnee am übernächsten Tag weggeregnet. Und zu noch mehr nassem Eis geworden. Von der Dunkelheit bei diesen trübem Wetter fange ich erst gar nicht an. Momentan ist keine grundliegende Änderung in Sicht und in einem schwedischen Wetterblog wird angedeutet, dass ein richtiger Winter auch schon einmal ausfallen kann.

Dann werde ich mir wohl Schlittschuhe kaufen und statt über das Meer über die Wege und Plätze gleiten. Und vielleicht das Abfahrtsschlittschuhlaufen erfinden, wenn ich mich nur traue …

Grummel …

Winterschwimmmeisterschaft 2014

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Zum dritten Mal haben wir mit „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“ die schwedische Winterschwimmmeisterschaft in Skellefteå organisiert.

Während es zur Meisterschaft 2012 mit -32 °C extrem kalt war und letztes Jahr mit -16 °C „lagom“ kalt, war es dieses Jahr trüb und mit ± 0°C zu warm für Anfang Februar. Einige Schnee- und Schneeregenschauer kamen herunter und Sonne oder blauen Himmel suchte man vergebens.

Und weil es so warm war und der Fluss weiter flussaufwärts immer noch offen war, hatten wir immer noch 10 – 20 Zentimeter Wasser über dem Eis und haben deswegen zusammen mit Handwerkern am Vortag noch einen Steg auf das Eis gelegt, damit Schwimmer, Helfer und Journalisten trockenen Fußes auf den Fluss kommen.


Eröffnet wurde die ganze Veranstaltung von Mieskuoro Huutajat, dem bekannten Schreichor aus Finnland, dessen Performance wirklich sehens- und hörenswert ist und ein schöner Start für diesen besonderen Event war.

Mieskuoro Huutajat auf dem FlussMieskuoro Huutajat: Bäh!SchreiportraitSchreiportrait

Kurz darauf, nachdem die Taucher sich fertig gemacht haben kamen auch schon die ersten drei Wettkämpfer im Bademantel über den Steg zum Start. Kaum waren die Schwimmer im eiskalten Wasser, kam auch schon das Startsignal.

Ein Taucher prüft die Lage unter WasserMit Rentierkappe zum Ziel

Wikingerkampf

Ein Teil unseres Teams hat letztes Jahr eine recht durchgeknallte Veranstaltung organisiert: Die erste afrikanische Winterschwimmmeisterschaft in Jinja, Uganda. Dort wurde das Wasser mit vielen Tonnen Eis, das sonst zum Frischfisch kühlen benutzt wird, auf +6 °C herunter gekühlt. Und John Lule, der Gewinner, wurde von uns eingeladen, an der schwedischen Meisterschaft, die allen Nationalitäten offen steht, teilzunehmen. Nach zwei Übungstagen hat auch er seine 25 Meter geschwommen und Silber in seiner Altersklasse gewonnen. Congrats, John!

John Lule startetJohn Lule

Während wesentlich mehr Frauen als Männer winterbaden, waren bei der Meisterschaft mehr Männer angemeldet. Es ist wohl immer noch so, dass den Männern der Wettbewerb wichtiger ist. Doch bald kamen die ersten Starts mit Frauen aus allen Altersgruppen.

Am StartAm ZielFrauenstart im SchneegestöberWettkampf in jedem Alter

Was ich an diesem Wettbewerb mag ist die Vielfalt der Schwimmer. Während manche am fighten und kämpfen sind, lassen es andere ruhig angehen. Und schaut man sich die Kopfbedeckungen an, so hatten wir ein Rentier, einen Wikinger, eine Trapperin und Kleopatra (mit Baderock!) zu Gast.

Die „Trapperin“ hat warme OhrenAuch Kleopatra schwimmt mit

Zwei Schwimmerinnen sind mit besonders in Erinnerung geblieben: Zum einen I. aus Skelleftehamn, die ruhig und kontemplativ ihre Bahn geschwommen ist, zum anderen I. aus Burträsk, die nach einem Unfall Behinderungen hat und zum Anfang kaum von der Stelle gekommen ist, dann aber mit eisernem Willen die Bahn geschwommen ist. Mit einer Minute zwanzig Sekunden war sie am längsten im Wasser und ist damit meiner Meinung nach die heimliche Gewinnerin des Tages.

I. aus SkelleftehamnI aus Burträsk

Nun waren die Teams am Start, Anna-Carin Nordin ist wieder 450 Meter gekrault und natürlich gab es auch die Zeremonie der Preisverleihungen. Bei all dem war ich aber dieses Jahr nicht mehr dabei, denn die Winterschwimmmeisterschaften waren Auftakt der dreitägigen Journalistenreise, bei der ich als Fotograf mit dabei war. Und während andere noch im Wasser um Bestzeiten kämpften, saß ich erst mit den Organisatoren und Journalisten zusammen zum Mittagessen und dann im gemieteten Reisebus auf dem Weg nach Luleå.

Tauwetter die Zweite

Achtung: Dies ist ein Meckerartikel. Freunde der gepflegten Sprache und der schönen Gedanken mögen diesen Artikel ignorieren.


Was für ein Elendswinter! Nun ist es schon wieder seit über einer Woche warm und grau. Der Schnee sackt zusammen, schmilzt und verwandelt sich in braungrauen nassen Dreck, der sich in großen Pfützen auf den Straßen sammelt. Von den 80 cm Schnee im Garten sind vielleicht nach 20 übrig und an vielen Stellen sieht man schon wieder grünes Gras oder matschigen Kiesboden. Und die Dächer sind schon seit Tagen wieder schneefrei.

Und die Sonne? Keine Ahnung, wo sie abgeblieben ist. Seit elf Tagen hat sie sich hinter einer kompakten weißgrauen Wolkenschicht versteckt, aus der es schneeregnet, fieselt und schneit. Ja, auch schneit, aber von dem neuen Schnee bleibt nichts liegen, denn es sind seit einer Woche Plusgrade. In Nordschweden! Im Februar! Und wenn mal – wie heute – 10-15 cm Neuschnee vorhergesagt sind, dann lautet die Prognose für den Folgetag wieder zwei Grad Plus und Regen. Zum Ko***en!

Und bitte – kommt mir jetzt nicht mit: „Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung“. Wenn jemand Kleidung für alle nordischen Wetterlagen hat, dann ich. Ich friere nicht, ich hab’s trocken. Aber ich habe diesen trüben Winter mit seinem diffusen Licht satt. Ich möchte mal wieder blauen Himmel auf meinem Fotos haben oder schneebedeckte Bäume. Ich möchte mal wieder Polarlicht sehen und die Sonne auf dem Ostseeeis. Statt dessen haben wir hier Schneematsch im Programm! Toll! Da hätte ich auch wieder nach Essen Frohnhausen ziehen können.

Den Eisfischern auf der Bucht ist vermutlich ein guter Fang wichtiger als klarer Himmel und sie freuen sich vielleicht, dass es nicht so kalt ist. Ich aber will es schneereich und kalt: Ein Meter Schnee und -25 °C. Regen nehme ich gerne wieder ab Mai entgegen.

Schneeschmelze an der OstseeEisfischer

Her mit dem Frühling!

Der Winter in diesem Jahr dauerte hier knapp vier Wochen: Am zweiten Januarwochenende kam sehr viel Schnee und es blieb vier Wochen kalt. Der Rest des Winters war von einer unglaublichen Wetterträgheit geprägt. Immer wieder lag die Temperatur um + 1° – viele Tage lang und immer wieder war der Himmel eintönig grau – viele Tage lang.

keine Sonne

Luleå hat bis zum 23. Februar sieben Sonnenstunden im Februar gehabt und Kiruna ganze vier! Und hier in Skellefteå war es nicht viel besser. Eine Wolkenschicht, wie mit zähem Leim flächendeckend an den nordschwedischen Himmel geklebt. Hätte ich nicht eine Woche Urlaub in Abisko gemacht, dann hätte ich vermutlich seit Wochen überhaupt keine Sonne mehr gesehen. Und der März scheint diesen Trend fortzusetzen. Auch diese Woche habe ich nur einmal nachmittags kurz den Mond gesehen und gestern Abend einen Stern, ansonsten Wolkensuppe!

Quelle: Siverts väderblogg: Årets februari blev en av de varmaste sedan 1901

kein Schnee

Hätten wir nicht so viel Schnee am Januaranfang bekommen, dann wäre hier an der Küste vermutlich der ganze Winter schneefrei gewesen, denn selbst wenn es wie vor ein paar Tagen mal ein paar Zentimeter schneit, so ist die weiße Pracht wenig später wegen der anhaltenden Milde wieder weggetaut.

So haben wir dank der „Schneekanonen“ im Januar immerhin noch einiges an nassem Altschnee, aber wesentlich weniger als die anderen Jahre. Die Bäume sind schneefrei, die Hausdächer auch. Im Wald gibt es teilweise noch ein paar Altschneefelder, doch überall schaut der blanke Boden heraus.

keine Kälte

Quelle: smhiDie tiefste Temperatur, die ich in den letzten vier Wochen (8.2. – 7.3.) gemessen habe, waren -5.1 °C. Die letzten Jahre waren das zwischen -20 und -32 Grad. Die letzten drei Jahre gab es in dieser Zeit auch etwa 20 Frosttage, dieses Jahr gerade einen oder zwei. Der Februar war eben in ganz Schweden zwischen 5 °C und 10 °C zu warm, bei uns vermutlich 8 °C.

Quelle: smhi: Extremt höga minimitemperaturer i februari

Ich mag Winter, ich liebe ihn! Aber nicht so. Dieser Winter ist etwa so schön und gemütlich wie ein kaltes nasses Handtuch. Und so bin ich seit Tagen schon dabei, mich auf den Frühling zu freuen – und das Anfang März! Auf die ersten Blumen, Fahrrad fahren und Kajak paddeln. Und letzteres hatte ich schon für das Wochenende geplant – das Meer ist ja größtenteils schon wieder offen – aber wenn die Wetterwarnung stimmt, werden wir schon heute Abend Böen bis 20 m/s bekommen und da bleibt das Kajak in der Garage.

Das Eis bricht

Ein ganzer Tag mit blauem Himmel ist nach den letzten trüben Wochen ein wirklicher Luxus. Die Sonne scheint und es ist recht warm. Der stürmische Wind der letzten Nacht hat große Teile des Meereises aufgebrochen und meerwärts getrieben, nun sind es wirklich nur noch einige geschützte Bereiche, auf denen noch Eis liegt. Das hat schon etwas von Frühling. Der aufweichende Lehmboden, in dem ich stehe, als ich letzten Eisschollen auf dem Kallholmsfjärden fotografiere allerdings auch.

Am Rand sitzen noch einige Eisschollen fest, doch die Bucht ist fast eisfreiDer Lehmboden weicht auf

Auf der Westseite des Dammes zur Lotsenstation liegt noch Eis

Der gleiche Wind, der das Meer eisfrei macht, verhindert allerdings auch, dass ich meine erste Kajaktour machen kann – es sei denn, ich wollte von dem immer noch stürmischen Westwind nach Finnland geblasen werden. Also habe ich geschaut, wie es auf dem geschützten Meerteil hinter der Insel Storgrundet aussieht. Dort bin ich letzten Sonntag noch mit Gästen über das Eis zur Insel gelaufen. Inzwischen sieht das Eis allerdings auch dort immer löcheriger aus und ohne den Rat von Einheimischen würde ich es nicht mehr betreten …

Eis und offenes Wasser vor Storgrundet

… es sei denn, ich bin wasserdicht angezogen.

Ich habe mir meinen knatschroten Neoprenoverall übergezogen und habe vom Eis und vom Wasser aus ein paar Aufnahmen mit der wasserdichten Kamera gemacht. Wenn der Kopf über und die Kamera unter Wasser ist, sieht man allerdings auf dem Display nur noch Spiegelungen und das Fotografieren gerät zur Glückssache. Aber es macht schon Spaß, ein bisschen im Eiswasser zu paddeln, trocken zu bleiben und ein paar nette Fotos sind auch dabei entstanden.

Eis unter WasserEis unter Wasser

Sonne, Himmel, Welle, Wasser, Eis, Meeresgrund: ganz schön viel für ein Photo

Frühlingspaddeln

Heute habe ich zum ersten Mal mein Kajak wieder zum Strand von Storgrundet gezogen, denn auch dort ist das Meer seit kurzer Zeit eisfrei. Storgrundet hat als Startpunkt die Vorteile, dass man nur eine viertel Stunde läuft, einen herrlichen kleinen Sandstrand zum Kajak hineinschieben hat und dann sofort draußen ist und nicht erst noch an der Industrie der Halbinsel Rönnskär entlang paddeln braucht. Bald saß ich im Kajak, ließ das Steuerruder herunter und paddelte durch den kleinen Durchlass zwischen Festland und der Nordwestspitze der Insel Storgrundet. (Ja, es ist etwas verwirrend, sowohl der Strand am Festland als auch die Insel heißen Storgrundet.)

TourstartSelbstportraitAuf dem MeerVielleicht nach Medgrundet?

Heute bin ich in Richtung offenes Meer gefahren, denn Medgrundet lockte am Horizont. Eigentlich war mir die Insel mit drei Kilometern ein bisschen weit weg, denn selbst, wenn es so ruhig und windstill wie heute ist, dann frage ich mich immer, was passieren würde, wenn ich ins Wasser plumpse. Auch wenn die Sonne warm sein mag, das Wasser ist ja immer noch eiskalt. Deswegen würde ich zu dieser Jahreszeit nie alleine drei Kilometer weit aufs offene Meer paddeln.

Doch auf halber Strecke liegt die Insel Själagrundet, die eigentlich nur ein großer, von Möwen bewohnter Steinhaufen ist und das Meer war ja ruhig. Also habe ich mich auf den Weg gemacht. Doch kurz vor Själagrundet wurden die Wellen zappeliger und da der gebraucht gekaufte Trockenanzug, den ich heute anhatte, nicht komplett dicht ist – die eine Armmanschette ist kaputt – bin ich zwar noch nach Själagrundet gefahren, dann aber nicht weiter hinaus gepaddelt, sondern nach links zur Insel Djupskäret abgebogen, wo ich eine kleine Pause gemacht habe.

Am Ufer von Djupskär

Blick auf MedgrundetPause in der Frühlingssonne

Weiter bin ich in Richtung Harrbäckssand, einer flachen Bucht mit Sandstrand gepaddelt und auch dort wollte ich eine Pause machen. Das war gar nicht so leicht, in Richtung Ufer zu kommen, denn das Wasser ist auf weiter Strecke keine 30 Zentimeter tief. Also bin ich zum Schluss ausgestiegen, habe das Kajak auf eine kleine Kiesbank gezogen, die Kamera geschnappt und bin durch das flache Wasser ans Ufer gewatet.

„Schlurp!“ sagt der Boden und verschluckt mich. Ich stecke plötzlich bis zur Hüfte in einem grauen Schlickloch. Ich weiß zwar, dass der Untergrund vor Harrbäckssand teilweise ein bisschen lehmig ist, aber man überall laufen kann. Eigentlich! Vielleicht habe ich das einzige Schlickloch weit und breit gefunden, es würde passen. Schnell mache ich noch ein Foto fürs Blog, ehe ich mich wieder aus dem Schlick befreit habe. Das war nur eine Sache von Sekunden, denn das Zeugs war weich und rundherum war der Boden ja hart. Die nächste Viertelstunde war ich damit beschäftigt, den Anzug wieder sauber zu bekommen. Gar nicht so leicht, wenn das Wasser so flach und der Schlick so anhänglich ist.

Später sehe ich, dass Gewebematten unter der vermeintlichen Kiesbank hervorschauen. Vermutlich ist das Problem bekannt und man hat früher schon versucht, den Boden zu stabilisieren. Ich habe eine Mail an die Kommune geschrieben, mal schauen, ob die etwas unternehmen.

Bis zur Hüfte im SchlickSchlicküberzogen

Nachdem die Hosenbeine wieder mehr nach gelbem Nylon als nach grauem Schlamm aussahen, bin ich weitergepaddelt. Längst schon war es so warm, dass ich die Mütze nicht mehr auf dem Kopf hatte und die Neoprenhandschuhe unter einem der Gummizüge des Kajaks klemmten. Möwen kreisten leicht empört über mir – was, bitte schön habe ich auf ihrem Meer zu suchen?! – und die Sonne schuf gemeinsam mit den kleinen Wellen bizarre Muster auf dem sandig-welligen Meeresufer. Ich finde, dass das Unterwasserbild, bei dem ich die Kontraste stark erhöht habe, eher wie ein fremder Planet als wie die nordschwedische Ostsee aussieht.

Meeresboden

Nun musste ich nur noch geradeaus paddeln und zum ersten Mal überhaupt hatte ich den Eindruck, dass meine Bewegungen im Fluss sind und das Paddeln gar nicht mehr anstrengt. Das liegt natürlich auch daran, dass ich nicht mehr den dicken roten Neoprenoverall anhatte, der sich jeder Armbewegung widersetzt. Als ich wieder am Strand von Storgrundet ankam, hatte ich noch nicht genug. Nach einer kurzen Pause habe ich deswegen das Kajak wieder ins Wasser geschubst und bin noch um die Insel …

+++ Eilmeldung: Gerade eben ist Skellefteå AIK wieder schwedischer Eishockeymeister geworden. Nach 3–0, 6–2, 8–1(!) hat AIK gerade 3–0 gegen Färjestad BK gewonnen. Jetzt ist bestimmt ganz Skellefteå im Siegertaumel – wie schon im letzten Jahr +++

… also, ich bin noch um die Insel Brambärsgrundet gepaddelt. Dort ist das Wasser noch flacher und geschützter als zwischen Storgrundet und Festland und dort habe ich auch noch die letzten kleinen Eisschollen gefunden.

Die letzten kleinen Eisschollen

Als ich zu Hause ankam war T-Shirt-Wetter: 16 °C im Schatten, der erste warme Tag. Und wem das nicht reicht: Die Sonne hat meinen Wintergarten auf 28 °C aufgeheizt. Hochsommertemperaturen!

Frühlingsfarben

Warme 20 °C und Sonne satt – das mögen die Birken, die ihre Blätter um die Wette sprießen lassen. Und ich mag das auch. Sowohl das barfuß und im T-Shirt am Fluss Mittagspause machen, als auch die herrlichen Farben, die die sinkende Abendsonne auf Birkenstamm und -blätter zaubert.

„Frühlingsfarben“„Durchlicht“„Sonnenlücke“„Leuchtkraft“

Was für ein Kontrast zu den eisbedeckten Seen, an denen ich noch am Wochenende bei der kurzen Norwegenreise vorbeifuhr.

Nachtrag

Auf Facebook schrieb eine Schwedin, ich könne genauso gut gleich auf „Sommer“ aktualisieren und schickte einen Link zur Jahreszeitenkarte des smhi. Vorgestern, am 20. Mai war Skellefteå auf der Karte rot eingefärbt und das bedeutet „Sommar sedan minst 5 dygn, enligt meteorologisk definition (Dygnsmedeltemperatur över 10°C 5 dygn i följd)“ – Sommer seit mindestens 5 ganzen Tagen, laut meteorologischer Definition (Tagesmitteltemperatur über 10 °C 5 Tage in Reihe).

Expats and Friends

Als ich vor ein paar Wochen zur Facebook-Gruppe „Expats & friends, Skelleftea living“ eingeladen wurde, musste ich erst einmal nachschauen, was ein „Expat“ eigentlich genau ist. „im Ausland Lebender“ bietet dict.cc als Übersetzung an. Na, das passt ja.

Heute hat die Kommune die Gruppe zu einem Treffen in den Pub „Mc Well“ eingeladen. Etwa fünfzig Leute waren da und ich habe mit Menschen aus Frankreich, Südafrika, England, Zimbabwe, Schweden, China, Indien, Brasilien und Finnland gesprochen. Bestimmt habe ich noch das eine oder andere Land vergessen. Manche wohnen hier erst seit drei Wochen, manche seit über vierzig Jahren. Einen Teil der „Expats & friends“ kannte ich schon – manche sind Freunde – aber die meisten noch nicht.

Vielen Dank an die Kommune, die eingeladen hat. Es ist immer schön, nette Menschen – bekannt oder unbekannt – zu treffen. Schade nur, dass das Ganze drinnen in einem recht heißen und stickigen Raum stattfand, während draußen Sommerwetter mit 25 °C und blauem Himmel herrschte.

Auch die nächsten Tage soll es sehr warm werden (bis 28 °C!), aber ich werde nicht so viel davon haben, denn morgen nach der Arbeit spiele ich als Pianist einen No-Budget-Job in Jörn (meine Bezahlung ist ideell: neue Musiker kennenlernen) und am Samstag ist die Probe für das Frühjahrskonzert unseres Kammerchors am Sonntag.

Moment, da habe ich nicht richtig nachgedacht. Die Samstagsprobe geht ja nur bis 16 Uhr. Danach bleibt ja noch ausgiebig Zeit für eine Runde mit dem Kajak. Wann auch immer, denn dunkel wird es ja ohnehin frühestens wieder im August.

Sieben Kurzartikel

Heute kann ich mich nicht entscheiden,worüber ich schreiben soll, also schreibe ich über siebenerlei Dinge, aber versuche mich, kurz zu halten. Mal schauen, ob’s klappt …

Über das deutsche Brot

Diese Woche habe ich Brot gekauft. Bei Lidl. Deutsches Brot. Seitdem esse ich drei Mal täglich Brot mit Käse und bin einfach begeistert. So lecker und so ungleich dem labbrig-süßem Schwedenbrotersatz! Mit nationalen Identitäten habe ich es ja nicht so, aber wenn ich etwas mit Deutschland verbinde, dann sind es die unzähligen Varianten von gutem Brot. Sollte ich einmal ein heroisches Nationallied für die Deutschen dichten müssen, so käme vermutliches in etwa folgendes heraus.

Oh, tu Teutscher von teutschen Lanten,
Tu bist wie Brot – ganz ohne Scherz!
Tie Kruste hart bis hin zum Kanten,
doch innen frisch und sanft Dein Herz.

Über Flugreisen

Aber wenden wir uns von schlechten Dichtungen aus deutschen Landen ab und Italien zu. Da hätte ich ein paar Wochen sein können. Und da wäre ich auch gerne hingereist, denn Freunde aus München haben dort ein Haus gemietet und nette Menschen eingeladen. Doch eine Flugreise nach New York scheint leichter, schneller und günstiger als eine Reise von Skellefteå nach Florenz zu sein. Unter zwei Mal umsteigen geht ohnehin gar nichts. Dann darf ich mir aussuchen, ob ich in 35 Minuten umsteigen möchte (wie denn?) oder doch lieber 29 Stunden unterwegs sein. Als Alternative darf ich auch gerne 750 Euro zahlen und mehr, dann werden die Verbindungen ein klein wenig besser. Und die meisten Rückflüge starten vor dem Aufstehen, also müsste ich noch eine Hotelnacht in Florenz buchen.

Es ist sehr schade, dass man in Skellefteå so weit weg von Zentraleuropa ist und viele Verbindungen sehr umständlich, zeitaufwändig und teuer sind. Ich habe die Italienreise wieder abgesagt. Doof das, sehr doof!

Über einen Auftritt in Jörn

Nah hingegen ist das schwedische Inland. Jörn beispielsweise (ca. 800 Einwohner) ist nur eine Autostunde entfernt. Dort war ich gestern Abend und habe Musik gemacht. Ein Tenor aus dem Kammerchor hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit ihm (plus Bass und Schlagzeug) dort zu spielen. Normalerweise nehme ich als Pianist keine unbezahlten Jobs an, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht. Wir haben in einem kleinen Zelt gespielt und obwohl der Auftritt nicht gerade ein musikalisches Glanzlicht darstellte, hat es doch Spaß gemacht, für das kleine Publikum, welches dieses Konzert wirklich zu schätzen wusste, zu spielen. Und bei „Fever“ bemühten sich auch alle redlich, auf zwei und vier zu klatschen, wie es sich gehört. Eine lange Pause gab es, in der Hamburger verkauft wurden, so kam ich auch noch zu meiner Gage: Einen Hamburger für 30 Kronen ;-).

Rudi Kreuzkamm […] hatte behauptet, der Nichtraucher spiele abends, bis in die Nacht hinein, in der Vorstadtkneipe „Zum letzten Knochen“ Klavier, und er kriege eine Mark fünfzig Pfennig dafür und ein warmes Abendbrot.

Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer

Ich sollte dazu sagen, dass ich freiwillig auf jegliche Gage verzichtet habe, weil die anderen auch keine bekommen haben und ich es doof fand, als „special guest“ behandelt zu werden.

Über das leere Inland

In den anderen Pausen bin ich ein bisschen durch Jörn gelaufen. Ich beneide das kleine Städtchen um seinen Bahnhof! 21:33: Umeå Stockholm, 4:25 Luleå Boden Narvik steht an der digitalen Anzeigetafel, die so gar nicht zu dem schönen alten Bahnhofsgebäude passt. Stell Dir vor, Du wohnst in einem Kaff und kannst, ohne umzusteigen, nach Berlin, in die Alpen und an die Nordsee fahren. So ein Bahnhof ist das. Wie gesagt, beneidenswert!

Weniger beneidenswert ist der Ort an sich – so viele Häuser stehen leer. In manchen hängt ein Schild „Zu verkaufen“, bei manchen sind die Fenster mit Brettern vernagelt und einige rotten einfach vor sich hin. Wie muss das sein, in einem halbleeren Ort zu wohnen und zu ahnen, dass vielleicht nie wieder alle Häuser mit Leben gefüllt sein werden. Denn Arbeit im Inland zu finden ist schwer und die aktuelle schwedische Regierung tut auch nicht gerade viel dafür, um das schwedische Inland am Leben zu erhalten. Schulen werden geschlossen, Krankenstationen verschwinden, Straßenbeleuchtungen werden abgeschaltet. Eine der weniger schönen Facetten Schwedens.

Über die Russenwärme

Bald sitze ich wieder am Digitalpiano im Zelt. Schwitze und trinke Wasser. Denn es ist richtig warm. 27 °C! In Skellefteå waren es schon morgens über zwanzig Grad und mittags haben ein Kollege und ich barfuß am Fluss gesessen und Mittagspause gemacht, während die ersten Sommerschwimmer den immer noch eiskalten Fluss entlang schwammen.

Um zehn Uhr ist unser Konzert in Jörn vorbei und wir fahren wieder zurück in die Stadt und ich nach Hause weiter. Als ich um zehn nach elf in Skelleftehamn ankomme, zeigt das Thermometer immer noch 20 °C an. Solche warmen Tage werden hier „Ryssvärme“ – Russenwärme genannt, weil wir diese Wärme meist dem kontinental geprägtem russischen Klima zu verdanken haben. Im Winter gibt es dann das Gegenstück: „Rysskylan“.

Über das gegen den Wind segeln

Jetzt ist es schon um einiges kühler und morgen wird jede Menge Regen bei Temperaturen von unter 10 °C erwartet. Damit fällt meine vormittägliche Paddeltour wohl aus, aber ich bin gar nicht so böse, denn morgen Abend haben wir unser Frühjahrskonzert mit dem Kammerchor und wenn das Wetter zu schön ist, dann kommt ja keiner.

Wir haben ein gemischtes Programm mit einigen sehr jazzigen Stücken (unter anderem „Waltz for Debby“), da wir zwei Solisten mit dabei haben: Den Jazzpianisten Mathias Algotsson und die Jazzsängerin Margareta Bengtson. Margareta Bengtson ist übrigens ein winzig-kleines Puzzleteil in meiner Schwedengeschichte und das kommt so:

In Essen habe ich damals ein Duo gehabt. Eine Sängerin und ich am Klavier: Die Sängerin hatte Bezug zu Schweden und kam mit einigen schwedischen Volksliedern an: „Kristallen den fina“, „Uti vår hage“ und „Vem kan segla förutan vind“ (Wer kann gegen den Wind segeln). Von dem letzten Lied gibt es eine Einspielung mit dem schwedischen A-Capella-Quintett „The Real Group“ zusammen mit Toots Thielemans. Eine unfassbar schöne Aufnahme, fand ich schon damals und ich habe direkt meine Liebe für die schwedischen Volkslieder, die so viel anmutiger ankamen als so manches deutsche Volkslied, entdeckt. Das war – neben Pippi Langstrumpf aus Kinderzeiten – einer meiner ersten Anknüpfungspunkte mit Schweden. Und bei genau dieser Aufnahme sang Margareta Bengtson Sopran. Es ist wirklich eine tolle Erfahrung, sie jetzt persönlich kennenzulernen – wieder schließt sich ein kleiner Kreis.

Über das Rasenmähen

Natürlich hoffe ich, dass morgen viele Zuhörer kommen und deswegen freue ich mich ja auch über den Regen, der diese Nacht losgehen soll. Davor musste ich aber noch etwas erledigen: Das Rasen mähen! Als ich den Rasenmäher betankt und gestartet habe, war das gleichsam entrüstete wie lustlose Röhren des Benzinmotors selbst durch meinen Gehörschutz deutlich zu hören. Ich glaube fast, mein Rasenmäher mag das Rasen mähen nicht sonderlich. Nun, da haben wir etwas gemeinsam. Ich finde es auch nur mäßig inspirierend, den Mäher über eine lang Stunde kreuz und quer durch den Garten zu schieben. Dass das Ganze so lange dauerte, war meine Schuld: Wieder war ich zu spät dran mit dem ersten Frühjahrsmähen und im sonnigen Vorgarten war das Gras schon bis zu dreißig Zentimeter lang. Da kommt man oft nur zentimeterweise vorwärts. Doch bald war der Rasen gemäht, eine große Schubkarre Gras in den Wald gefahren und wenn es eine Medaille für das späteste Rasenmähen in Skelleftehamn gäbe, so dürfte ich sie mir wohl zum vierten Mal in Folge abholen.


Das waren sieben Kurzartikel. Mit dem kurz halten hat es nicht so recht geklappt, es ist halt leichter, mittellange als kurze prägnante Texte zu schreiben.

Heißkalt

Am Freitag vor drei Tagen: 27 °C und Sonne. Heute am Montag: 6 °C und Regen. Der Freitag gefiel mir ehrlich gesagt besser.

23. Mai, 15:5026. Mai, 11:50

Die Screenshots stammen von der iOS-App AeroWeather Pro.

Schwedischer Nationaltag

Gestern war der 6. Juni, das ist der schwedische Nationalfeiertag. Im Gegensatz zum 17. Mai in Norwegen wird der aber eher ruhig angegangen. Natürlich ist hier und dort eine Flagge gehisst, aber das war es dann auch schon. Glaube ich zumindest.

Gestern war ich mit dem Auto unterwegs und der kurvige Kiesweg, den ich von Kåge aus genommen habe, hat mich schon halb nach Kusfors geführt, wo Lasse und Martine leben. Die waren aber nicht zu Hause, sondern in Norsjö, um dort für das Dorf Kusfors den Preis „Årets by“ – Dorf des Jahres – der Kommune entgegenzunehmen. Ich bin deswegen über kleine Nebenwege (Åliden – Stöverfors – Krångfors – Finnfors – Bastuträsk) nach Norsjö gefahren, um mich dort mit meinen Freunden zu treffen und bin mitten in die Nationaltagsfeier geplumpst.

Dies hätte fast ein x-beliebiges Sommerfest sein können, mit Hüpfburg, Rede, Fika für alle (die kalten Getränke waren eine willkommene Erfrischung bei 27 °C) und Preisverleihung. Einige liefen tatsächlich in Tracht umher, aber das waren vermutlich die Mitglieder der Volkstanztruppe, deren Aufführung ich verpasst habe. Doch zwei Dinge waren schon ein bisschen nationalfeierig. Zum einen wurde die Nationalhymne gesungen. Das habe ich in Schweden noch nie erlebt. Aber weil ein Sänger am Mikrophon laut vorsang, hatte ich den Eindruck, dass die Schweden eher ein bisschen mitmurmelten, anstatt inbrünstig mitzuschmettern. Und dann die Flaggen: Die große Flagge war gehisst, an den alten Häusern wehten die Flaggen und auch die Tortenstückchen waren mit kleinen Schwedenflaggen geschmückt. Das sieht schön aus, denn die blau-gelben Flaggen fügen schöne, bunte Farbtupfer zu den frühlingsgrünen Birken und den roten Holzhäusern hinzu.

Fika: Kaffe und KuchenDie schwedische Flagge ist gehisst

Die Schweden sind angenehm integrierend, was den Nationaltag angeht: Nicht nur Volkstänze sind gezeigt worden, sondern auch Tänze aus Afrika (habe ich ebenfalls verpasst) – immerhin leben in Norsjö auch viel Zugezogene aus vielen verschiedenen Ländern. Und an der Hauptstraße hingen nicht nur schwedische, sondern auch dänische, norwegische und finnische Flaggen.


Anschließend haben wir noch Freunde von Lasse und Martine besucht und uns anschließend ein altes Gehöft angeschaut, welches seit 30 Jahren unbewohnt ist. Eine Traumlage direkt am Fluss, aber wer diese Häuser wieder komfortabel bewohnbar machen möchte, hat viel Arbeit vor sich. Für mich, der sich zum einen in Skelleftehamn sehr wohl fühlt und zum anderen kaum einen Nagel gerade einschlagen kann, wäre das nichts.

Verlassenes Haus …… auf großem Grundstück direkt am Fluss

Bis spätabends saßen wir dann noch draußen in Kusfors, bis wir irgendwann vor den Mücken nach drinnen geflohen sind, denn jetzt geht es langsam los mit dem Gesirre und Gepiekse diese kleinen Plagegeister.

Sommerpaddeln

Wie soll ich es bitte schön schaffen, noch drei Wochen zu arbeiten, wenn sich alles jetzt schon so schön sommerig anfühlt. Wenn die Schweden nur noch Bilder von Booten und Sommerhäusern posten und sich die Gesprächsthemen nur noch um das schöne Wetter oder eventuelle Urlaubspläne drehen.

Aber – es hilft nichts, drei Wochen muss ich noch durchhalten, ehe Hello Future in die Sommerpause geht und ich vier Wochen frei habe. Heute hatte ich schon einen kleinen Vorgeschmack: Eine kleine Paddeltour. Aber nicht wie vor zehn Tagen mit Handschuhen, Mütze und Trockenanzug, sondern barfuß und mit T-Shirt (und Schwimmweste). Was für ein herrlicher Kontrast. Ein bisschen vor mich hinträumend paddelte ich gemütlich vorwärts oder ließ mich treiben. Es ist absolut unvorstellbar, dass hier im Winter alles dick zugefroren ist. Überhaupt – Winter, was ist das? Doch nicht hier? In Sommerschweden?

Als ich nach der Tour wieder an Land wollte, musste ich aufpassen, dass ich keinen mit meinem Kajak überfahre, denn zwei Familien badeten im Wasser. Wenige Minuten später planschte auch ich in Badehose im kühlen Wasser der Ostsee. Mein erstes Sommerbaden – herrlich!

Quellwolken über dem LandUnter- und Überwasser

Urlaub zu Hause

Wie jedes Jahr habe ich auch dieses Jahr vier Wochen Sommerurlaub im Juli, wie die meisten anderen Schweden auch. Die anderen Jahre habe ich diese Zeit oft genutzt, um herumzureisen und war so mehr in Norwegen oder Deutschland als in Skelleftehamn zu Hause.

Doch dieses Jahr bin ich die meiste Zeit hier, sozusagen eine ganz neue Erfahrung. Vorgestern am Montag flog meine Mutter, mit der ich eine herrliche Woche in Skelleftehamn und Umgebung verlebt habe, um 9:50 nach Deutschland. Um 14:20 kam Annika, die ich im Februar in Abisko persönlich kennengelernt hatte, aus Deutschland angeflogen.

Letzte Woche gab es hier noch einige heftige Regengüsse, doch seit Samstag zeigen sich Sonne und blauer Himmel, über zwanzig Stunden am Tag. Und die Sonne bringt Wärme: Samstag 22 °C, Sonntag 24 °C, Montag 27 °C, gestern und heute 28 °C! Wie schon letzten Freitag mit meiner Mutter bin ich gestern auch mit Annika nach Bjuröklubb gefahren. Das ist so eine schöne Ecke, dass ich da auch prima zwei Mal hinfahren kann. Und auch zwei Mal Räucherlachs mit Kartoffeln und Moltebeerencréme essen.

Doch welch ein Wetterkontrast: Letzten Freitag zogen schwarze Wolken auf und brachten heftige Regenschauer und meine Mutter und ich verbrachten den größten Teil der Zeit drinnen: Im Café, im Auto. Gestern waren Annika und ich nur draußen: An einem Felsstrand, im Garten des Cafés und an einem kleinen Sandstrand.

Bjuröklubb am Freitag: Blick über BjuröfjärdenBjuröklubb gestern: Sandstrand bei Grundskatan

Heute sind wir nach Kågehamn gefahren und haben von Hans zwei Kajaks ausgeliehen. (Ja, Hans hat wirklich einen Legoladen, aber er verleiht auch Kajaks.) Meine Packliste, die ich gestern gemacht habe, war recht lustig. „Ersatzkleidung“ stand an letzter Stelle und „Graved Lachs“ an erster. Das ist – so finde ich – die richtige Priorisierung, denn der Graved Lachs stammt von einem lokalen Fischer, der vor Bjuröklubb fängt und ist unfassbar lecker.

Annika saß vor 18 Jahren das erste und einzige Mal im Kajak. Da ist natürlich die erste Frage, wie man denn in dieses Ding überhaupt hereinkommt. Doch nach dieser kleinen Anfangshürde saß sie im Kajak, als hätte sie die letzten Wochen nichts anderes gemacht und wir konnten eine größere Runde drehen. Das war auch für mich schön, weil ich im Kågefjärden eigentlich nur die Insel Bastuholmen kenne und heute viel Neues gesehen habe.

Und so fuhren wir über kleine, seitlich kommende Zappelwellen über die Bucht: Kleinboothafen Kågehamn – Yttre Björkögrundet – Bastuholmen (kleiner Spaziergang) – Norra Bastuholmsgrundet – Billören – Flatgrundet – Ytterstholmen (Pause mit Zimtschnecken). Wir wären auch noch weiter ostwärts gefahren, doch die Wellen wurden zappeliger, wir fuhren ohne Spritzschutz (viel zu warm) und so sind wir umgekehrt, dieses Mal an den Südseiten der Inseln entlang und sind wieder in Bastuholmen angelandet. Dort haben wir erst einen größeren Teil des am Vortag gekauften Graved Lachs gegessen und haben dann zur Abkühlung im immerhin 23 °C warmen Ostseewasser geplanscht. Mehrmals.

Die Tour beginntDer öffentliche Boots- und Badesteg von Bastuholmen – noch leerAnnika auf der OstseeParallelfahrtMittagspause mit Graved LachsAbkühlung im Meer

Von Bastuholmen sind wir wieder nach Kågehamn gepaddelt, das ist ja nicht weit, und haben die Kajaks abgegeben. Ein herrlicher Sommer- und Urlaubstag, der mich darin bestärkt, doch auch einfach mal zu Hause zu bleiben und es hier schön zu haben.

Die weitere Wetterprognose: Vormittägliche Regenschauer in fünf Tagen, bis dahin Sonne bei Tagestemperaturen zwischen 22 und 28 Grad. Sommer in Nordschweden.

Sommer ist doof!

Sommer ist doof! Total doof! Also, nicht für mich – Sonnenbrand hin oder her – sondern fürs Blog. Man kann so früh aufstehen wie man will, die Sonne steht schon hoch und wirft genau diese Art Licht, die Fotografen nicht mögen. Kalt, grell und unpersönlich.

warmer Tag, kaltes Licht

Und dann die Aktivitäten: Am Steinstrand entlang spazieren, baden, Waffeln essen, die ersten Blaubeeren sammeln, im Schatten dösen, Freunde treffen. Was soll man denn da groß erzählen? Kajaktouren erzählen sich packender, wenn man zwischen Eisschollen paddelt. Schneesturm an der Küste klingt gleich viel spannender als eine leichte Brise, die bei Temperaturen über 25 °C angenehm kühlt. Ein Waldspaziergang wirkt dramatischer, wenn man vom metertiefem Schnee berichtet, als von hübschem, mit Blaubeerpflanzen bedecktem Waldboden.

Die ersten Blaubeeren

Aber zum Glück lebe ich nicht nur für das Blog, sondern geniesse die warme Sonne, das kühle Bad und die ersten süßen Blaubeeren. Und gestern, als Annika, die diese Woche zu Besuch ist, und ich an der Landzunge Långhällan Pause gemacht haben, gab es sogar noch ein schönes Fotomotiv. Mitten am Tage!

Landschaft ohne Relation

Hitzewelle

Ich bin zurück von einer Kurzreise zu den Lofoten. Eigentlich würde ich jetzt normalerweise Fotos sichten und bearbeiten und ein paar Blogartikel schreiben, denn die Reise war wieder wirklich schön. Aber es ist mir einfach zu warm. Seit einer Woche sind die Temperaturen in Nordschweden und -norwegen sehr hoch. So hoch, dass der schwedische Wetterdienst wegen der Hitze erst Warnstufe eins und seit heute sogar Warnstufe zwei ausgegeben hat. Das liest sich dann so:

Västerbottens län kustland. Varning klass 2 extremt höga temperaturer
Minst fram till på lördag väntas maxtemperaturen kunna nå 30 grader. dvs totalt under minst 5 dagar.

Zu deutsch: Västerbotten Küstengebiet. Warnung Klasse 2 extrem hohe Temperaturen. Mindestens bis Samstag können die erwarteten Maximaltemperaturen 30 Grad erreichen. Das heißt insgesamt mindestens fünf Tage lang.

Gestern wurden hier am Flugplatz 32.4 °C Maximum gemessen. Und da mein Haus dankbar jede Art von Wärme aufnimmt, zumindest im Sommer, habe ich auch im Haus 30 °C. Zu warm, um ernsthaft Bilder zu bearbeiten. Das ist noch nichts gegen meinen unisolierten Wintergarten, der heute Mittag mit 41 °C punktete.

Zeitung: „Costa del Norge!“Und wie war es auf den Lofoten? In Nordnorwegen? Vom Europäischen Nordmeer umgeben? Selbst dort hatten wir warmes bis heißes Sommerwetter mit oft wolkenlosem Himmel und haben immer wieder im Meer gebadet.

Da ich das meteorologisch wechselhafte Norwegen kenne, hatte ich Wolljacke und Gummistiefel dabei. Gebraucht hätte ich dieses Mal aber eine kurze Hose und mein Schnorchel-Set. Die Zeitungen schrieben über die Wärme, gaben mehr oder minder dumme Tipps, die vielen kleinen Strände auf den Lofoten waren voll und die Tiere dösten in der Sonne. Die armen Schafe taten mir leid; so eine Wolle möchte ich bei dieser Hitze nicht am Körper tragen.

Dösender HundDösende Schafe

Noch einige Tage soll die Hitzewelle anhalten. Von mir aus darf es dann gern wieder ein bisschen kühler werden, denn mit Hitze, selbst moderater, habe ich es nicht so.

Lofoten 2014 – Teil 1: Von Kabelvåg bis Å

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Lofoten 2014.

Wie schon letztes Jahr war ich auch diesen Sommer wieder auf den Lofoten, um Elisabet zu besuchen, die auch dieses Jahr wieder einige Monate dort arbeitet. Doch dieses Mal bin ich nicht alleine gefahren, sondern zusammen mit meinen Freunden Martine und Lasse, die ich am Donnerstag Nachmittag aus Kusfors abgeholt habe. Wir sind am Abend bis Kiruna gefahren und konnten Dank der Vermittlung eines Freundes in einer schönen kleinen Hütte am See übernachten. Das letzte Stück Weg hat es dermaßen gepladdert, dass man kaum noch etwas sehen konnte. Doch am Morgen bei der Weiterfahrt begann es schon aufzuklaren. Wir sind immer weiter der E10 gefolgt, bis wir am Nachmittag in Kabelvåg waren, wo Elisabet zur Zeit wohnt und arbeitet.

Am Abend sind wir drei und unsere Gastgeber nach Hov auf der Insel Gimsøy gefahren und haben dort am Strand gegrillt. Inzwischen war der Himmel blau, nur an den Bergen klebten noch einige Haufenwolken. Und kühl und windig war es, so dass ich über meine Wolljacke froh war. Das war dann auch ihr letzter Einsatz in diesem Urlaub. Während Elisabet mit Tochter und deren Freund Essen gemacht haben, konnte ich schon ein paar Mal auf den Auslöser drücken.

Berg und Strand bei Hov, Gimsøy

Wellen IWellen II

Den nächsten Tag haben wir in Ruhe begonnen: Erst ein gemütliches Frühstück unter blauem Himmel auf der Terrasse, dann noch einen Kaffee (ohne mich), danach sind Martine, Lasse, Elisabet, ihr Sohn J. und ich ins Auto gestiegen und losgefahren. Ziele waren Eggum und eine Glashütte, beides für mich neue Ziele auf den nicht mehr ganz unbekannten Lofoten. Ganz nach Eggum sind wir nicht gekommen, da mussten wir schon anhalten und ein paar Fotos machen. Da wir hauptsächlich mit dem Auto unterwegs waren und meistens dann, wenn die Sonne am höchsten stand, stehen die meisten meiner Bilder dieses Mal unter dem Motto „Postkarte“. Hier habe ich aber absichtlich die Straße mit drauf genommen, denn solche Ausblicke wie hier bekommt man fast überall auf den Lofoten zu sehen. Keine dramatische Landschaftsaufnahme, sondern ein völlig normaler x-beliebiger Blick auf diesen Inseln.

Blick vom Torvdalsveien

In Eggum gibt es ein altes Gemäuer, aus rohen Steinen zusammengesetzt. Ich hätte diese Ruine auf mindestens tausend Jahre alt geschätzt, doch da hätte ich gut daneben gelegen, denn es handelt sich um eine Radarstation, die die Deutschen 1943/44 gebaut haben. Und natürlich ist auch hier die Landschaft einmalig.

Borga Eggum, eine deutsche RadarstationWolken am Berg Tindan

Berg und See bei Eggum auf der Insel Vestvågøy

Weiter ging es zur „Glassblåserhytte“ in Vikten auf der Insel Flakstadøya, wo wir erst den beiden Glasbläsern bei ihrer Arbeit zugeschaut und dann einen Kaffee getrunken haben.

Die Glassblåserhytte in ViktenIn der Glassblåserhytte

Vikten auf der Insel Flakstadøya

Von da aus wollten wir eigentlich eine kleine Wanderung unternehmen. J. hatte sich am Vortag das Bein überstreckt und Martine kurierte einen Bänderriss aus. Da war es klar, dass der Weg einfach und eben sein muss. Der in einem Lofotenführer beschriebe Weg war aber nicht auffindbar und so sind wir nicht weit gekommen, bis wir an einer Steinwüste zwischen steilem Berg und Meer angelangt waren. Dort haben wir eine Pause gemacht, denn den ganzen Tag schon war das Wetter warm und sonnig und dies sollte sich bis auf zunehmende Temperaturen auch den Rest des Urlaubes nicht mehr groß ändern. Ich habe mich über die Pause gefreut, denn dort konnte ich auf den riesigen runden Felsen, die mit grünen Algen bewachsen waren herumklettern und so auch mein Lieblingsfoto des Tages machen.

Steinstrand bei Vikten

Da die Wanderung ausfiel, hatten wir mehr Zeit als erwartet und sind so weiter südwärts gefahren. Ziel war Å, welches nicht nur der letzte Buchstabe im norwegischen Alphabet ist, sondern auch der südlichste Ort der Lofoten. Vor Reine wurden unsere Geduld noch auf die Probe gestellt: Wegen Bauarbeiten war ein Weg nur einspurig und wir mussten bestimmt 20 Minuten fahren, ehe wir weiter durften. Aber die Stadt Reine ist es wert. Sie gehört zu meinen Lieblingsplätzen auf den Lofoten und am liebsten wäre ich wieder wie letztes Jahr auf den Reinebringen gestiegen. Aber lecker Fish and Chips draußen am Wasser hat ja auch etwas. Von Reine aus ist es nicht mehr weit bis Å, wo man einen schönen Blick auf die Insel Værøy hat. Sie ist bewohnt, aber im Gegensatz zu den Lofoten nur mit den Schiff erreichbar.

Blick auf die Stadt ReineDie Insel Værøya

Auf dem Rückweg wäre ich am Liebsten noch häufiger stehengeblieben, denn fotografisch gesehen begann jetzt die schönste Tageszeit, erst mit warmen Gelb- und dann mit leuchtenden Orangetönen. Aber ich war nicht alleine, wir alle waren schon lange unterwegs und auch etwas müde. Und die Baustelle mussten wir vor elf Uhr passieren, da die Straße dann für ein paar Stunden gesperrt wird. Erst gegen ein Uhr nachts waren wir wieder zu Hause. Zwei Fotos bleiben aber noch von der spätabendlichen Rückfahrt:

Reine im AbendlichtSonnenuntergang

Morgen oder übermorgen schreibe ich den zweiten Teil. Gute Nacht!

Lofoten 2014 – Teil 2

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Lofoten 2014.

Sonntag

Nach der Autotour bis nach Å am Vortag sind wir heute nach Henningsvær gefahren, ein sehr schönes Städtchen auf einer Insel, die durch zwei einspurige Brücken mit dem Festland verbunden ist. Henningsvær ist beliebtes Ziel vieler Kletterer, die sich ohnehin auf den Lofoten mit seinen schroffen und steilen Bergen sehr wohl fühlen. Überhaupt ist Henningsvær touristischer als die meisten anderen Plätze auf den Lofoten, mit dem Nachteil, dass man nicht allein ist und dem Vorteil, dass es mehrere Restaurants gibt. In einem haben wir Mittag gegessen – im Schatten, denn in der Sonne war uns zum Sitzen zu heiß.

HenningsværHenningsvær

Nach einem kürzeren Gang durch die kleine Stadt sind wir zum Parkplatz gelaufen und sind nach Rørvik gefahren. Das liegt am Weg und ist vor allem wegen seines schönen Strandes ein beliebtes Ausflugsziel, sowohl der Touristen als auch der Einheimischen. Dort haben wir alle unser erstes Bad im Europäischen Nordmeer genossen und das Wasser war überraschend warm, wenn auch vermutlich immer noch unter 20 °C.

Abends haben wir im Restaurant „Du verden“ gegessen. Ich glaube, ich habe noch nie in einem Restaurant so viel Chaos erlebt wie dort an jenem Abend. Ein Teil der Gerichte und Getränke war aus, man musste ewig warten, um überhaupt an der Theke eine Bestellung aufgeben zu dürfen und die Angestellten rannten ziellos hin- und her. Ein Teil sprach übrigens überhaupt kein Norwegisch, was ich schon ein bisschen lustig fand. Aber das Wichtigste ist natürlich das Essen selbst, und das war sehr gut. Gegen neun sind Martine und ich zum nahen Anleger gelaufen, um die Hurtigruten zu fotografieren, denn die gehört ja zu Norwegen irgendwie fest dazu.

SvolværDas Hurtigrutenschiff Polarlys

In einem der Postkartenständer hat Martine eine Ansichtskarte gefunden, wo jemand von einem steilen Felsen zu einem anderen springt. Elisabet kannte die Stelle, denn die „Svolværgeita“, die Svolvær-Ziege, ist quasi gleich um die Ecke. Als wir mit dem Auto zu einem kleinen Friedhof gefahren sind, von dem man diese Stelle gut sehen kann, waren tatsächlich auch zwei Kletterer oben. Elisabet hat den einen noch springen gesehen, als ich das Teleobjektiv auf der Kamera hatte, konnte ich nur noch fotografieren, wie ein anderer Kletterer mit breitem Schritt hinüberstieg.

Kletterberge bei SvolværBergsteiger auf der Svolværgeita

Der Artikel „Kletter-Eldorado im hohen Norden“ der Neuen Zürcher Zeitung zeigt ein Bild aus wesentlich besserer Perspektive. Also – ich hätte vermutlich viel zu viel Angst, um dort hinüberzuspringen.

Montag

Elisabet musste arbeiten und so haben Lasse, Martine und ich uns zu dritt auf den Weg gemacht. Dieses Mal wollten wir eine Nebenroute nach Leknes fahren und dann nach Uttakleiv an den Strand. In Valberg haben wir Halt gemacht. Auf der einen Straßenseite liegt die Kirche, auf der anderen Seite der Strand.

Valberg KircheValberg Strand

Weiter in Richtung Uttakleiv. Der „Haukelandstrand“ vor dem Autotunnel war wie erwartet voll mit Menschen. Hinter dem Tunnel liegt Uttakleiv und vermutlich, weil das letzte Stück Weg privat ist und der Besitzer 20 Kronen per Auto haben möchte, ist dort der Strand wesentlich leerer. Ich finde ihn zudem auch noch schöner. Hier war ich schon 2013 und habe 2011 gezeltet, aber zum ersten Mal habe ich diese Bucht bei schönem Wetter gesehen. Wenn man diese hellen Sandstrände und das klare, türkisfarbene Wasser sieht, glaubt man sich eher in der Karibik als in Nordnorwegen. Das kalte Wasser belehrt einen aber sofort des Besseren. Gebadet haben wir aber trotzdem.

Sommerhimmel über UttakleivUttakleiv vom Meer aus

Das haben wir Abends dann gleich noch einmal, als wir abends mit Elisabet und J. zu einer nahen Badebucht gefahren sind und Pfannkuchen über offenem Feuer gemacht haben. Das braucht schließlich Zeit und da kann man gut zwischendurch noch ein, zwei Mal ins Wasser hüpfen, welches hier auch wieder etwas wärmer war als das Meer in Uttakleiv. Ich bin dann vor neun auf einen kleinen Hügel gelaufen, um nochmals ein Hurtigrutenschiff zu fotofgrafieren. Dieses Mal die Midnatsol, die von Svolvær ausgelaufen ist.

PfannkuchenMein Pfannkuchen kurz vor dem VerspeisenStille Badebucht bei KabelvågHurtigrutenschiff Midnatsol

Dienstag

Wieder strahlende Sonne, wieder ein warmer bis heißer Tag. Wir haben uns gemeinsam Kabelvåg angeschaut, aber mein Gehirn war ein bisschen zu sehr gedünstet, als dass ich das wirklich frisch und frei geniessen konnte. Ich war über jeden Schatten froh, und wenn es nur war, den Kopf mal schnell in einen alten Holzschuppen zu stecken.

Durchsicht in Kavelvåg

Ich glaube, im Sommer Südeuropa, oder in Dubai, oder in der Sandwüste wäre ich aufgeschmissen. Wärme und Hitze ist nicht meins. Fünfunddreißig Grad finde ich schöner mit einem Minus davor. Da kann sich wenigstens richtig anziehen …

Aber was soll’s, zum einen waren wir nicht immer nur in der Sonne, zum anderen hat das Auto Klimaanlage. Wir sind nordwärts gefahren und in Sildpollen links abgebogen, um eine Nebenstrecke zu fahren. Zwischen manchen Bergen hingen dicke Wolken und als wir einen kurzen Abstecher nach Laukvik gemacht haben, hingen die dicken Wolken plötzlich über uns und es kühlte sich auf 15 °C ab. Das Zentrum von Laukvik – wenn es eines gibt – scheint hauptsächlich aus einer Schotterfläche zu bestehen. Darum einige Häuser. Ein Restaurant, zu verkaufen, geschlossen. Ein Lebensmittelladen, zu verkaufen, aber immerhin geöffnet. Wir bekamen sogar warmen Kaffee geschenkt, den man als Tourist im Ort sonst wohl vergeblich sucht. Das Ende der Welt. So fühlt sich dieser Ort für mich an, der an diesem Tag sogar sein eigenes Wetter hatte.

Wenn man von hier aus nach Norden segeln würde, an den Inseln Litløya und Gaukværøya vorbei, dann könnte man nach 1100 Kilometern in Longyearbyen auf Spitzbergen an Land gehen. Würde man nach Westen segeln, so würde man auf Grönland treffen. Doch unsere Pläne waren weitaus prosaischer: Zurück zur Nebenstraße und weiter nach Fiskebøl. Und schon nach wenigen Kilometern waren wir wieder in der Sonne.

Graues LaukvikBlick über den Grunnfjorden

Wir sind dann weiter zum Raftsundet gefahren, jenen Sund, der die Lofoten vom Festland abgrenzt. Auf der Festlandseite haben wir wieder herrliche Ausblicke auf die Lofoten gehabt. Schade, dass vor dem berühmten Trollfjord eine Insel liegt. Er ist von der Straße aus nicht zu sehen. Inzwischen war ich aber ein bisschen fotomüde, was auch daran lag, dass wir immer tagsüber im eher kontrastharten Sommerlicht unterwegs waren. Ein Postkartenmotiv zeige ich aber dennoch.

Postkartenmotiv Raftsundet

In Digermulen kam gerade eine Fähre an. Sollte das die Fähre nach Svolvær sein? Das wäre ja toll, diese Tagestour mit einer Fährfahrt zu beenden und dann fast wieder in Kabelvåg, dem Ort unserer Unterbringung zu sein. Aber kein Auto fuhr auf die Fähre, kein Mensch war zu sehen. Im Lädchen, welches gerade schloss, wurde mir dann berichtet, dass diese Fähre schon 2008 stillgelegt wurde. Sehr schade. Also sind wir den ganzen Weg mit dem Auto zurückgefahren. Oder ehrlicher gesagt, Lasse ist gefahren, denn ich hatte es gut und konnte mich auf den Lofoten kutschieren lassen. Da war ich bei den engen und kurvenreichen Strässchen alles andere als böse.

Abends haben wir wieder in Svolvær gegessen, dieses Mal im Bacalao, wo die Küche noch ein bisschen besser war, der Service sehr gut und man sogar noch schöner saß. Ein schöner Abschiedsabend, denn für den nächsten Tag war die Rückreise geplant.

Mittwoch

Und die bedeutete, früh aufzustehen, denn wir wollten unbedingt die 8:15-Fähre von Svolvær nach Skutvik bekommen. Eine Stunde vorher standen wir schon da und das war gut so, denn groß war die Fähre nicht und die nächste würde erst um 16:00 fahren. Wir sind mitgekommen, aber nicht alle hatten so viel Glück. So standen wir draußen auf der Fähre, die mit Zwischenstopp an der Insel Skrova gut zwei Stunden unterwegs ist. Ha det bra, Lofoten, jag kommer tillbake.

Ha det bra, Lofoten!

Jetzt saß ich wieder im Auto und bin gefahren. Norwegen bedeutet ja vor allem kurvige Straßen und steile Straßen. Und Tunnel, viele, viele Tunnel. Manche unterqueren Fjorde und sind dementsprechend steil. Und wirklich breit sind die auch nicht. Wir haben in Røkland getankt. Da bin ich vor fünf Jahren im Winter ausgestiegen, um meine erste Ski- und Hundetour mit Jonas zu machen. Kurz hinterm Saltdal turistcenter bog ich links ab und war nun auf der 95, die nach Schweden führt. Irgendwann waren wir in Arjeplog – inzwischen fuhr Lasse wieder – und dort sieht man den Unterschied zu Norwegen: Die Straßen sind breit, führen geradeaus und links ist Wald und rechts ist Wald. Auch schön, aber verglichen mit der grandiosen und abwechslungsreichen Landschaft auch ein wenig eintönig und langweilig.

Um halb zehn war ich wieder zu Hause. Eine schöne Reise. Nächste Woche fange ich wieder an zu arbeiten. Mal sehen, ob ich nach vier Wochen Urlaub noch weiß, wie das geht.

Noch mehr Hitze

32.5 °C im Schatten31.5 °C in Skelleftehamn. Im Haus hatte ich ähnliche Temperaturen. Im Wintergarten mehr als 40 °C. Sauna mit Solarantrieb.

Am Wasser gibt es ein bisschen Wind und Abkühlung, im Wasser noch mehr. Mit dem Fahrrad fahre ich an die Badestelle, dort liegt in einer kleinen Privatbucht mein Kajak, welches ich dort parken darf.

Auf dem Wasser ist es schön, aber warm. Immer wieder lasse ich die Arme ins gar nicht mehr so kalte Meerwasser hängen, um mich ein wenig abzukühlen.

Natürlich hatte ich wieder eine Kamera dabei, diesmal die kleinere Nikonspiegelreflex mit dem 70-300mm-Tele. Denn heute wollte ich gerne Wasservögel fotografieren, vor allem die Jungvögel, die in großen Gruppen, oft nur von einem ausgewachsenen Vogel begleitet unterwegs sind. Die Vögel fanden die Idee mit dem Fotografieren eher doof und beäugten mich misstrauisch. Wirklich nah herangelassen haben sie mich nicht. Meistens setzte irgendwann der Fluchtreflex ein, der darin besteht, dass die noch flugunfähigen Jungvögel anfangen, auf dem Wasser zu rennen, was urkomisch aussieht, aber bestimmt viel Energie kostet. Deswegen habe ich alle Vögel, die einmal vor mir und meinem Kajak geflohen sind, anschließend in Ruhe gelassen.

Viele Fotos sind unscharf geworden, so lichtstark ist das alte Tele nicht, aber ein paar sind doch ganz nett geworden. Die ersten beiden Bilder zeigen Samtenten, die beiden danach Gänsesäger. Danke an die Facebooker Maria und Tore, die mir beim Bestimmen der Samtente geholfen haben.

Samtenten

Samtenten im Gegenlicht

Gänsesäger

Gänsesäger auf der Flucht

Seele baumeln lassen in Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Annika.

Dank meines Jobwechsels und damit verbundener kurzer (und gewollter) Arbeitslosigkeit hatte ich dieses Jahr für den Sommerurlaub sagenhaft sechs Wochen Zeit. Die erste sollte mich nach Skelleftehamn führen. Olaf hatte nach unserem Kennenlernen in Abisko im März ja gesagt, wir dürften ihn besuchen. Ralf hatte leider keinen Urlaub, also fuhr ich allein. Etwas aufgeregt war ich schon wieder, wir hatten uns ja erst einmal gesehen, und da gings zwischen Ralf und Olaf immer viel um Fotografie, wovon ich ja nunmal nix verstehe. Aber dann wurde es doch eine sehr tolle Woche.

Wieder war es merkwürdig, all das zu sehen, was ich aus dem Blog „kannte“ – letztes Mal den Menschen Olaf, jetzt sein Zuhause, das grüne Haus, den weißen Flügel, den Keller, der immer getrocknet wird – nach kurzer Zeit war alles schon so vertraut!

Wir hatten durchgehend Traumwetter, so dass wir jeden Tag draußen sein konnten und auch erste Blaubeeren gefunden haben. 30°C-Sommer mit Meer und Baden, das war bislang nie meine Vorstellung von Urlaub, hier habe ich es so genossen.Von meiner Quasi-Premiere im Kajak hat Olaf ja schon erzählt – ich bin gerne wieder dabei!!!

Steinstrand bei BjuröklubbBlumenfotografieStrand bei GrundskatanGiraffenmuster

Paddeltour auf dem Kågefjärden

Und auch von meinem Abschiedsabend auf der M/S Stormvind gibt es ja schon einen Bericht. Dass es die Menschen waren, die Olaf dazu bringen hier zu bleiben, das konnte ich schon nach einem Abend auf dem Boot verstehen. Und so leckeres Essen gabs :-).

Einen Abend war ich dann noch in Skellefteå zum Tango tanzen am Fluss. Auch das war einfach schön und unkompliziert. Die Tangoskällskap Skellefteå schien ziemlich stolz zu seine, dass ich sie extra via google gesucht hatte, aber es war auch wirklich ein toller Abend, und ich habe jetzt zahlreiche neue Tango-Bekanntschaften in Skellefteå, Umeå und Piteå (und die wichtigste Lektion des Abends an eine Tango-Argentino-Anfängerin wie mich: „Never do travel without your tango shoes!“)

Tango am Skellefteälven

Ansonsten bleiben in meiner Erinnerung:

  • Endlich weiß ich, wie Österreich wirklich ist („The hiiiills are alive with the sound of muuuuusic“)
  • meine ersten beiden Intensiv-Lehrstunden in Musiktheorie am weißen Flügel. Jederzeit mehr davon
  • Ich weiß jetzt, wen alle Klavierlehrer in ihren riesigen Kellern eingesperrt haben („The 5000 fingers of Dr. T“)
  • Auch zu Lupinen habe ich jetzt ein völlig neues Verhältnis („Dennis Moore, Dennis Moore …“)
    und Vielesvielesvieles mehr
LånghällanAuf dem Weg zur Fotostelle

Långhällan

Blick auf den SkellefteälvenKatzenfotografie in KusforsNach meinem Besuch in Skelleftehamn bin ich dann vier Wochen durch Schweden (und auch kurz Norwegen) gereist, bin gewandert, habe noch mehr Menschen kennengelernt und meine Zeit sehr genossen. Anschließend durfte ich noch mal nach Skelleftehamn kommen zum Akkus aufladen, Geburtstag feiern undundund. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Ich danke Dir für die schöne Zeit. Und ich käme gerne wieder, schon allein aus zwei Gründen:
1) Ein Gästezimmer, in dem an drei von vier Wänden Bücher über absolut alles zu finden sind, was einen immer schonmal interessiert hat … . Lesestoff für lange Winter.
2) Olaf. Immer eine Reise wert ;-)

Strand von SorgrundetGästezimmer und Bibliothek