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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Gåsören

Eine der ersten Sachen, die mir aufgefallen ist, als ich April 2010 das erste Mal in Skelleftehamn gewesen bin, war eine Insel mit einem Leuchtturm drauf. Nicht irgendein Leuchtfeuer, sondern so ein richtig weiß-roter Turm. Später habe ich gehört, dass die Insel Gåsören – zu deutsch die Gänseinsel heißt.

Nachdem ich im März nur einmal um die Insel herumgekayakt bin und ich vor zweieinhalb Wochen wegen schlechten Wetters umgekehrt bin, habe ich es heute endlich geschafft, mir die Insel mal anzuschauen. Und – was soll ich sagen – die Insel gefällt nicht nur mir, sondern auch so manch anderem, der entweder mit dem Boot oder dem Wasserskooter den kleinen Hafen ansteuert, um eine Pause zu machen.

Der Leuchtturm (1921 erbaut) ist winzig, aber doch immer noch um einiges höher als die Leuchtkuppel auf dem alten „Fyrhus“ von 1881. Sonst gibt es auf der Insel zwei(?) private Stugas, das alte Lotsenhaus, ein paar Schuppen, ein Dass (das ist das schwedische Wort für Außentoilette) und – eine Sauna. Die Sauna darf wohl jeder einfach benutzen und da genug Treibholz an den Kiesstränden der Insel herumliegt ist auch das Befeuern des Ofens kein Problem.

Ich habe allerdings lieber in der warmen Augustsonne mir in Ruhe die Insel angeschaut, ehe ich mich wieder ins Kayak gesetzt und den Heimweg angetreten habe. Hoffentlich werde ich nicht ins Gefängnis geworfen, denn laut dem Schild auf dem letzten Foto ist das Fotografieren nach einem Gesetz vom 17. Mai 1940 verboten.


Gut übrigens, dass die Augustsonne so warm war, denn ich habe heute auch gebadet. Vom Kajak aus. Mit Klamotten.

Was ist passiert? Auf dem Weg zur Insel Gåsören habe ich zwei Zwischenstopps eingelegt, unter anderem auf der Insel Flottgrundet, auf der ich vor einigen Wochen zu Besuch war. Als ich an dem flachen Steinufer wieder ins Kajak gestiegen bin, habe ich mal eine andere Art probiert, wieder ins Kajak zu kommen. Daraufhin hat mich dieses kurzerhand abgeworfen wie ein Gaul seinen Reitschüler und ich saß im Wasser. Das war zwar nur ein paar handbreit tief, aber das reicht nicht nur zum nass werden, sondern auch dazu, ein Kajak sekundenschnell mit erstaunlichen Mengen Wasser zu füllen. Während ich das Kajak leergeschöpft habe, fing aber die Kleidung schon wieder an, in der Sommersonne zu trocknen und so habe ich die Ersatzkleidung in ihrem wasserdichten Packsack gelassen und bin einfach so, wie ich war, weitergefahren. Und außerdem: Nicht nur die Paddelbewegung, auch eine Schwimmweste wärmt.

Gegenvorschlag angenommen

Über das Pläne machen und Pläne ändern

Bei der Busrückfahrt nach der Arbeit erzählte ich dem Kollegen, der neben mir saß, dass ich den Abend arbeiten müsste. Ich muss morgen etwas fertig haben, um den Projektzeitplan nicht zu gefährden und habe mir vorgenommen, zu Hause direkt weiter zu arbeiten. Einige Minuten später bekam ich eine SMS.

Paddling i kväll? /Tobbe

– zu deutsch „Heute Abend paddeln?“. Etwa drei Zehntelsekunden später habe ich meinen Plan geändert und

Gärna. Jag är hemma i 30 minuter.

– „Gerne, ich bin in 30 Minuten zu Hause“ zurückgeschrieben. So viel zu meinem Plan.

Ich habe mich dann mit Tobbe getroffen, wir haben zwei Kajaks auf seinem Auto festgezurrt und sind zum nahen Harrbäckssand gefahren. Dort haben wir die Kajaks ins Wasser gelassen und bei Sonnenschein eine herrliche Kajakrunde auf der überraschend welligen Ostsee gemacht und dabei die Insel Björkskär und Djupskäret umrundet. Deswegen gibt es auch kaum Fotos, da ich mich bei den Wellen nicht getraut habe, meine Spiegelreflexkamera herauszunehmen. Tobbe hingegen hat eine kleine wasserdichte Kamera und so bin ich auch mal ganz auf einem Foto zu sehen – auch mal schön.

Es hat einen riesigen Spaß gemacht, sich in den Wellen auf- und abschaukeln zu lassen. Bloß in die Brandung bin ich nicht reingefahren, da ich zum Gegensatz zu Tobbe keinen Spritzschutz hatte (denn zwischen meinen Knien liegt wasserdicht verpackt die Kamera).

Allerdings hat mich eine kleine, miese Brandungswelle ganz zum Schluss doch noch erwischt, weil ich im flachen, ufernahen Wasser nicht schnell gegensteuern konnte. Platsch!

Ich liebe ja schon das Kajak fahren, wenn ich alleine unterwegs bin, aber mit einem Freund macht das noch viel mehr Spaß.


„Tack för idag, Tobbe“ – Danke für heute.

Nächste Woche wollen wir wieder paddeln, wenn das Wetter es zulässt.

Aber jetzt wird gearbeitet!

Eisbrecher

Es ist Sommer und T-Shirtwetter. Dennoch habt Ihr richtig gelesen, nicht vom Eisbecher, sondern von Eisbrechern soll die Rede sein.

… ich war gerade von meiner Zugfahrt nach Bastuträsk am Hafen Skelleftehamn angekommen. Normalerweise darf man gar nicht das Gelände betreten, da dieser Hafen rein gewerblich genutzt wird. Es sei denn, es ist Tag der offenen Tür, so wie heute.

Staunend stand ich unter dem großen Kran und wurde dort direkt von einem Kranführer angesprochen. Ich könne gerne die Treppen hoch, um dort zu fotografieren. Ich muss schon sagen, auch wenn das kein Job für mich wäre, die Sicht ist schon schön, selbst wenn die Kabine nur in 14 Meter Höhe ist.

Von oben erspähte ich auch schon mein nächstes Ziel, das kleine Schiff „Baus“. Das wird wohl der Eisbrecher sein, von dem ein Kollege gestern erwähnt hatte, er sei am Wochenende zu besichtigen. Und richtig – im Winter hält das Schiff Baus hier die Fahrrinne frei. Auf der Brücke bin ich mit einem der Kapitäne ins Gespräch gekommen und habe angefragt, ob man im Winter wohl einmal mitfahren könne. Kein Problem, kam als Antwort und zwei Minuten später hatte ich Namen und Handynummer. Ich solle mich einfach melden. Toll – hoffentlich klappt das!

Nachdem ich meine Nase und Kamera in jede Ecke des Schiffes gesteckt habe, bin ich weiter gegangen. Weiter hinten lag noch ein ziemlich großer Pott vor Anker, den wollte ich mir auch noch gerne anschauen.

Was für ein Unterschied zur gemütlichen Baus. Durch das Schiff war ein Parcour mit Pfeilen und Absperrungen gelegt und man sah nur einen kleinen Teil. Dennoch bekam man ein Gefühl für die Größe der „Ymer“, ebenfalls ein Eisbrecher, Baujahr 1977. Alleine die Brücke war riesig.

Im Gegensatz zu der lokal in Skelleftehamn eingesetzten Baus wird die Ymer in ganz Schweden und teilweise in Finnland eingesetzt. Sie hat im Winter 20-30 Mann Besatzung und ist oft zwei Wochen am Stück auf dem Meer. Selbst bei 80 cm festem Eis fährt sie noch 8 Knoten, das sind etwa 15 km/h. Nach einem Besuch im Maschinenraum bin ich von Bord gegangen und zum Bahnhof zurückgelaufen, denn dort stand immer noch mein Fahrrad.

Mit dem Kajak nach Skelleftehamn

Heute haben Tobbe, mein Nachbar und ich einen Plan in die Tat umgesetzt, der schon viele Wochen auf dem Programm stand: Nach der Arbeit mit dem Kajak nach Hause fahren. Nicht vor die Haustür, aber zumindest nach Skelleftehamn. Die Wettervorhersage sah ganz gut aus, das spielt aber keine Rolle, weil die schwedischen Prognosen im Internet unter aller Sau sind.

Um halb fünf haben wir uns in der Stadt an dem kleinen Bootsanleger „Strömsör“ getroffen, die Kajaks vom Auto gehoben, uns umgezogen, Schwimmwesten übergestreift und schon konnte es losgehen. Wenige Minuten nach unserem Start sind wir unter der Älvsbackabron, die erst letztes Jahr fertiggestellt wurde, hindurchgefahren. Die Sonne beschien die herbstlich gefärbten Bäume am Flussufer.

Dieses schöne Wetter sollte aber nicht lange anhalten, schon bald kam der erste Regenschauer und mit ihm das, was Kanuten und Radfahrer gleichermaßen lieben: Gegenwind. Ich musste mich ganz schön ins Zeugs legen, denn Tobbe ist nicht nur trainierter als ich, sondern hat auch die bessere Technik. Aber ich habe für jede Pause eine tolle Ausrede: Fotografieren.

Die Fotos stammen übrigens von der wasserdichten Canon D20, die mich außer, dass sie wasserdicht ist aber nicht überzeugt hat. Zu schlechte Bilder, zu langsam – da nehme ich lieber mein iPhone und eine wasserdichte Hülle.

Nach einer Dreiviertelstunde waren wir am Bergsbyndamm. Wenn man weiterleben möchte, dann fährt man nicht die Staustufe herunter, sondern trägt um. Es war aber gar nicht so einfach, ans Ufer zu kommen, da die Bootsstege schon an Land gebracht waren. Ich bin letztlich mich an einer Birke festhaltend aus dem Kajak herausgeklettert. (Davon gibt es leider keine Fotos.)

Auf der anderen Seite war es leicht, die Boote wieder ins Wasser zu setzen. Wir näherten uns der Bucht, an der auch der Kanuklub seinen Sitz hat. Es regnete, blies von vorne, kleine Wellen schlugen über den Bug und es wurde langsam dämmrig. Wir haben uns aber dagegen entschieden, die Tour schon in Ursviken zu beenden und sind noch ein Stück weitergefahren.

Die Wellen ließen in der Bucht nach und auch die Fahrt zu der Sundgrundsbron (über die fahre ich, wenn ich in Richtung Süden will) war recht ruhig. Mehrere Male überholten uns kleine Gruppen von Kanadagänsen, nur wenige Meter vom Boot entfernt. (Auch davon gibt es leider keine Fotos, ich war zu langsam.)

Nach der Brücke wurde das Wasser wieder etwas kabbliger, aber unser Ziel, die M/S Stormvind war schon in Sicht. Hier sind wir nach unserer zweieinhalbstündigen Tour wieder an Land gegangen, wo wir von Tobbes Familie in Empfang genommen wurden. Schnell waren die Kajaks wieder auf dem Auto festgezurrt und es ging nach Hause.

Eigentlich wollten wir noch ein paar Kilometer weiter fahren. Aber dann wäre es mindestens eine halbe Stunde später gewesen, Tobbes Tochter hätte ins Bett gemusst, damit hätte Tobbes Frau zu Hause bleiben müssen, also wir das Auto holen … . Das wäre alles irgendwie gegangen, aber so war es einfacher. Und – es war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir nach Hause gepaddelt sind.

Danke, Tobbe, für die schöne Tour.

Die Ostsee – eisbedeckt

Es hat ja auch was Gutes, wenn man sich von Krankheit erholt: Man darf hemmungslos kurze Strecken mit dem Auto fahren. Einmal zur Lotsenstation, die Nase in den Wind halten, Fotos machen und wieder zurückfahren. Und wieder faul im warmen Haus erholen.

Heute schneit es mal wieder, es sind -3 °C, für halb Schweden sind Schneewarnungen ausgegeben, aber für hier (noch nicht). Und es ist ganz schön windig an der Küste. Die Insel Gåsören, die herrlich vom pastellfarbenen Licht diffus angestrahlt wurde – drei Minuten später war sie fast verschwunden, weil der nächste Schneeschauer, der sich im ersten Bild schon rechts als dunkelgraue Wolke ankündigte, vorbeifegte. Und innerhalb weniger Minuten auch meine tiefen Fußspuren wieder zuwehte.

Ich liebe diese Zeit, wo die Ostsee zufriert und der Winter alles mit Schnee und Eis zudeckt. Ich mag die Eisformationen vor den Ufern und ich mag den weiten Blick über die weiten, weißen Flächen des zugefrorenen Meeres.

Anmerkung für Fotografen: das vorherige Bild mit dem Titel „Ostseeeis“ ist kein Schwarzweißbild. Ich habe lediglich den Weißabgleich ein bisschen genauer gemacht. Und obwohl ich dann sogar spaßeshalber die Sättigung erhöht habe, konnte ich selbst im A-B-Vergleich kaum einen Unterschied zwischen Farbe und Schwarzweiß erkennen.


Auf der anderen Seite der Halbinsel liegt das Lotsenschiff PILOT778 SE. Es scheint das ganze Jahr im Einsatz zu sein, denn hinter dem Heck des Schiffes ist eine eisfreie Rinne zu sehen. Ob das Boot das Eis selber bricht oder ein Eisbrecher zur Hilfe kommt, weiß ich nicht.

Möchte man wieder zurückfahren, so nimmt man das kleine Stück Straße über den Damm. Hier ist links und rechts Wasser, auch wenn man das auf dem Foto nicht sieht, denn zum einen ist eh alles zugefroren und zum anderen – es schneit mal wieder.

Vor zehn Jahren: Das erste Mal Lappland

Heute habe ich eine kleine Reise in die Vergangenheit gemacht und ein paar Fotos von meiner ersten Reise in den Norden gescannt. Damals, vor zehn Jahren wollte ich einen richtigen Winter erleben und bin deswegen im Januar und Februar 2003 zwei Wochen nach Meltosjärvi in Finnisch-Lappland gereist. In Loma Vietonen habe ich eine kleine, schöne Unterkunft gefunden und das erste Mal Polarlicht gesehen, das erste Mal einen Meter Pulverschnee erlebt, das erste Mal bei Temperaturen unter -30 °C auf dem dick zugefrorenen See „Iso-Vietonen“ gestanden. Danach war es um mich geschehen und ich bin jeden Winter wieder in den Norden gefahren, wenn es ging zwei Mal. Bis ich vor knapp drei Jahren hierher gezogen bin. Jetzt könnte ich von hier aus in viereinhalb Stunden mit dem Auto nach Meltosjärvi fahren.

Morgens Frühstück – ich lerne A. und H. kennen, die leider am gleichen Tag fahren. Eisfischen mit A. und H. Keiner fängt etwas. Das Eis ist ca. 60 cm dick. Darauf 40 cm Schnee, allerdings zwischen Eis und Schnee viel Wasser. Ich muss zu Hause die vereisten Schnürsenkel mit Wasser auftauen, um die Stiefel auszuziehen. […]

Tagebuch, 26. Januar 2003

Ein paar Tage später: Obwohl der Ausflug sehr teuer war, habe ich mich spontan entschlossen, mit nach Kemi zu fahren um dort mit dem Eisbrecher Sampo einen Ausflug zu machen. Was für ein Erlebnis, das erste Mal auf der Ostsee zu stehen. Und das erste Mal im Eis zu baden, allerdings mit einem dicken, knallorangefarbenen Überlebensanzug. Der wurde danach abgespült, denn es war so kalt, dass der Reißverschluss sofort einfror.

[…] Ich bin fast nur draußen. Man hört das Eis brechen und fährt durch das Weiße. 12:30 Führung durch das Schiff. 5000 Tonnen schwer. Bricht Eis mit Gewicht. Um 1960 gebaut. […] Wieder draußen. Das Schiff wendet und fährt zur Stelle, wo die Schneemobile stehen. Es ist windig (Chill ± -40°C) und habe das Vordeck für mich alleine. […]

Tagebuch, 30. Januar 2003

Ein besonderes Erlebnis war es, auf dem Eis zu dem Bug des Schiffes laufen zu können und das Schiff vom Wasser aus von vorne fotografieren zu können.

Wenn Ihr Euch übrigens über meine Handhaltung auf dem Foto wundert: Ich hatte gerade die Handschuhe für ein Foto ausgezogen, dann haben mich andere gefragt, ob sie mich fotografieren sollten. Dafür wollte ich mich am Poller (heißt das so?) abstützen und bin zurückgezuckt, weil das Metall schweinekalt war. Knips!

Überhaupt war es manchmal ganz schön kalt. Ich erinnere mich an einen Tag mit einer Höchsttemperatur von -29.5 °C. Ich habe mit zwei Franzosen einen langen Spaziergang gemacht und so ziemlich jedes Auto hat angehalten und wir wurden gefragt, ob wir Hilfe bräuchten.

[…] Die letzten Tage waren so kalt, dass Brauen und Wimpern gefrieren. M. und R. sehen wüst aus. Auch auf ihren Wangen wächst das Eis. Mein Mundschutz ist komplett gefroren und steinhart. Ebenso Teile der Balaclava und der Handschuhe.[…] Morgens 5 km-Runde Langlauf. Die Nacht war extrem kalt und der Schnee ist so harsch, dass die Skier gar nicht gleiten. […]

Tagebuch, 31. Januar / 1. Februar 2003

Als ich eine halbtägige Hundeschlittentour gemacht habe, war es aber wesentlich wärmer. Die Tour war relativ ruhig, da den „Touristenhunden“ es völlig schnurz war, was ich da hinten gemacht habe, sie sind einfach dem Vorderschlitten hinterhergelaufen.

[…] Hophop heißt los und Slèi(t) heißt stopp, dazu muss man die Bremse treten. Die Hunde beim Start werden immer aufgeregter, bellen, winseln, heulen. […] Die Route durch die tief verschneiten Wälder ist wunderschön. Teile der Strecke kenne ich schon vom Skilaufen. Angekommen, macht der Führer Feuer und Kaffee (halb Wasser, halb Pulver). […] Die Hunde haben sich mit mir abgefunden. Wenn ein Hund im Tiefschnee ist, ist er fast nicht mehr zu sehen. Es schneit die ganze Zeit und ein kühler Wind bläst. […]

Tagebuch, 3. Februar 2003

Nach zwei Wochen mit vielen Erlebnissen viel es mir schwer, mich wieder an die Stadt Essen zu gewöhnen, doch nach ein paar Tagen war ich wieder im Alltag der deutschen Großstädte angekommen. Ich glaube, dass ich heutzutage ein Vielfaches länger bräuchte, aber da ich momentan keine Umzugspläne nach Deutschland habe ist das eigentlich ziemlich egal.

Kamera: Yashica, 35mm Zeissobjektiv (ich glaube, eine T5). 10 35er-Filme Fujicolor Superia(?) ISO 200.

Ein Wintertag auf der Ostsee

Heute war ein richtig schöner warmer Wintertag. Morgens war die Luft noch frostig, doch den Rest des Tages hatten wir zwischen vier und sechs Grad. Plus! Und das fühlt sich schon richtig warm an.

Rumms! hat es gerade gemacht, während ich diesen Text hier schreibe. Das heißt, dass irgendwo wieder ordentlich Schnee vom Dach gerutscht ist. Bei Tauwetter sollte man mit Hausdächern sehr vorsichtig sein, wenn man nicht einen halben Kubikmeter Schnee in den Kragen bekommen möchte.

Ich habe meine Skier genommen und eine schöne Tour um und über die Inseln gemacht. Norrskär – Norrskärgrundet – Gråsidan – Nygrundet – Bredskär. Und zum ersten Mal hatte ich nur T-Shirt und leichte Jacke an und auch die Mütze und Handschuhe sind meistens in der Jackentasche geblieben. Dafür kam die Sonnenbrille erstmalig zum Einsatz.

Die spektakulärsten Motive finde ich meistens auf den östlichen Außenseiten der Inseln.

Für viele Motive schnalle ich die Skier ab, da es viel leichter ist so zu fotografieren. Und da ich gerne aus der Froschperspektive fotografiere, hatte ich dauernd nasse Knie. Denn es war ja warm und überall haben sich Pfützen auf dem Eis gebildet und von allen Eiszapfen tropft es. Abgesehen davon ist es sehr mühsam, mit der Pulka, die ich mehr spaßeshalber dabei hatte, über die Packeisfelder zu laufen. Aber auf größeren Teilen der Ostsee liegt aber glattes Eis, auf dem sich ebenso wie auf den schneebedeckten Inseln gut Skilaufen lässt. Auch wenn wegen der Wärme der Schnee manchmal zentimeterdick unter den Skiern klebte.

Aber es zeigt sich, dass Skier ganz praktisch sind, denn die Eisformationen haben Löcher, die teilweise überraschend tief sind. Als ich einmal die Skier zum Fotografieren abgeschnallt habe, um zu Fuß hinunter zum Meereis zu gehen, trat ich plötzlich ins Leere. Unter dem Schnee lauerte eine Tropfsteineishöhle, die ich mit meinem Fuß freigelegt habe. Da das Loch zwar klein, aber knapp anderthalb Meter tief war, war ich danach sehr vorsichtig, wenn ich keine Skier anhatte.

Da war es wesentlich leichter, einfach so über das solide Eis zwischen den Inseln zu laufen, zumal hier kaum Schnee auf dem Eis liegt und man gut dahingleitet, ohne tief einzusinken. An einer Stelle habe ich mal versucht, blind fünfzig Schritte geradeaus zu gelaufen und habe gleich eine hübsche Rechtskurve gegangen. Beim zweiten Versuch hatte ich dann eher Linksdrall. Überkompensation nennt man das wohl.

Nach einer netten Pause bei der Stuga meiner Hausnachbarn auf der Insel Bredskär habe ich den Heimweg angetreten. Der wurde aber noch einmal unterbrochen, da gerade ein größeres Schiff „Blue Garnet“ anlegte. Vom Anleger hat man mich sofort mit verscheucht, denn da hatte ich nichts zu suchen, aber da die Schweden ein höfliches Volk sind, hat sich der Mann sogleich mit „Tack“ bedankt, dafür dass ich auch wirklich die paar Meter zurückgegangen bin. Im Hintergrund ist übrigens der Eisbrecher Baus zu sehen.

Heute Abend habe ich mir übrigens eine Pizza geholt und dabei die ersten mit kurzer Hose und kurzem Rock gesehen. Warum auch nicht, es sind ja Plusgrade …

Rad und Boot

Cykel och båt På svenska

Inte bara människor men också fordon verkar längta efter våren. Medan cykeln stannar kanske kvar långt i skogen, ska båten gå på fisketur med ägaren så snart som det går.

De stora fartyg har det lättare, eftersom en isbrytare banar väg mot havsisen för dom. Nästa dagen ser man bara en bana av ihopfrysen drivis, eftersom nätterna är fortfarande kalla.

Nicht nur der Mensch, sondern auch so manches Gefährt scheint sich nach dem Frühling zu sehnen. Während das rote Fahrrad vielleicht noch lange besitzlos im Wald bleibt, wird das Boot, so bald es geht, mit seinem Besitzer wieder zum Fischen hinaus auf die Ostsee fahren.

Fahrrad im WaldBoot auf dem Eis

Die großen Schiffe haben es einfacher, denn ein Eisbrecher bahnt ihnen einen Weg durch das Eis. Übrig bleibt eine lange Spur von Treibeis, welches am nächsten Tag schon wieder zusammengefroren ist, denn die Nächste sind noch frostig kalt.

Festgefrorenes Eis auf der Fahrrinne

Kajaksaisoneröffnung 2013

Kajaksäsongsöppning 2013 På svenska

I morse stod jag på stranden. Det var grå, blåsigt och med +4 °C inte så särskilt varmt. Man kunde höra bränningarna på Storgrundets utsidan men havet mellan fastlandet och ön var lugnt. Då skulle man kanske kunna åka kajak …

En timme senare – vinden mojnade och solen skiner – står jag på stranden igen. Denna gång med min kajak som ligger halv i vattnet och med överlevnadsdräkten på. Kameran (med fish-eye idag) och mobil är förpackad vattentätta också. Och en minut senare flyter jag med mit röd kajak på det blåa havet, den första gången efter september.

Det finns is kvar mellan fastland och ö. Den är väl 10 cm tjock men väldig mjuk. Om man kan paddla igenom? Och havet är lugnt. Man jag är knappast på öppet hav öster om Storgrundet blir det vågigt. Ibland var vågorna en meter höga men så långa att det var fortfarande ganska lätt att paddla. Bara att jag tog inga kort för där håller jag hellre paddeln än systemkameran i handen.

Det är roligt att åka kajak när det är lite vågigt. Och för första gången – vad stolt jag var! – klarade jag att skjutas från en våga, man blir riktig snabb! Men snart var jag i lugnare vatten igen.

Det bästa med att ankomma är att byta eftersom man svettas halv ihjäl i neoprenoverallen. Med en nytvättad t-shirt rollade jag kajaken hem.

Heute morgen stand ich am Ufer. Es war grau, ziemlich windig und mit +4 °C nicht gerade warm. Man hörte die Wellen an die Außenseite der Insel Storgrundet branden aber das sichtbare Meer zwischen Festland und Storgrundet war ruhig. Da könnte man ja vielleicht doch Kajak fahren.

„Ska du bada?“ hörte ich eine Stimme. Nein, baden möchte ich nicht. Stattdessen wurde ich von B., der mir von seinem Sommerhaus aus zugerufen hat, zum Kaffee eingeladen.

Eine Stunde später – der Wind ist abgeflaut und die Sonne scheint – stehe ich wieder am Ufer. Dieses Mal mit meinem Kajak, welches schon halb im Wasser liegt und meinem mäßig kleidsamen Überlebensoverall. Kamera (heute mit Fish-Eye) und Handy sind ebenso wasserdicht verpackt. Und eine Minute später treibe ich das erste Mal seit September wieder mit meinem roten Kajak im blauen Meer.

Die erste Kajaktour 2013. Links: altes, weiches Eis

Zwischen Insel und Festland konnte sich noch Eis halten. Es ist zwar noch fast 10 cm dick, aber sehr weich. Ob man da mit dem Kajak hindurch fahren kann? Und das Meer ist ruhig. Aber kaum bin ich östlich der Insel auf dem offenen Meer, wird es sofort welliger. An manchen Stellen waren Wellen waren einen Meter hoch, aber so langgestreckt, dass es einfach war, die Balance zu halten. Nur fotografiert habe ich an den Stellen nicht, da halte ich lieber ein Paddel als eine Spiegelreflex in der Hand.

Offenes Meer voraus!Wasserdicht verpackt

Es macht Spaß, Kajak zu fahren, wenn es wellig ist. Und zum ersten Mal – war ich stolz! – habe ich es geschafft, mich von einer Welle schieben zu lassen, da wird man richtig schnell. Aber bald war ich wieder in ruhigeren Gewässern.

Flaches Wasser

Bald schon war mein Startpunkt wieder in Sicht und eine große Ex-Eisscholle. Das weiche Eis schwingt im Rhythmus der Wellen. Ja, und man kann mit dem Kajak hindurch fahren. Nur die Möwen trägt das Eis noch.

Durch das Eis paddelnAltes Eis, ganz nah.

Das schönste am Ankommen ist das Umziehen, denn in dem Neoprenoverall schwitzt man ganz fürchterlich. Mit frischem T-Shirt habe ich in Ruhe mein Kajak auf dem Wägelchen wieder nach Hause gerollt.

Sonntagsrunde mit dem Kajak

Heute war ich wieder mit dem Kajak unterwegs. Da es auf dem Meer recht windig war, bin ich in den Fluss hineingefahren. Da war ich noch nie und habe nicht nur das mir schon bekannte alte russische Schiff, auf dem man im Sommer schön Kaffee trinken kann, wiedergefunden, sondern auch sehr nette, kleine Minihütten direkt am Wasser.

Felsküste der Halbinsel KallhomenEin Café auf einem alten Schiff

Kleine Hütten am Wasser

Eine schöne Runde war das wieder. Nur meine Beine müssen sich wieder an das im Kajak Sitzen gewöhnen.


Nachtrag von gestern: Diese beiden Fotos habe ich gemacht, als ich gestern die Steine fotografiert habe. Diese knallroten Triebe, die sich zwischen den Steinen versteckten – ich kam mir vor wie auf einem anderen Planeten. Die Kätzchen haben mich dann aber schnell wieder auf die Erde zurück geholt.

KätzchenEin knallroter Trieb, was das wohl wird?

Roadtrip nach Bodø

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Ich liebe spontane Aktionen! Und als am Freitag Martine angerufen hat, ob ich nicht mit ihr und ihren Gästen aus Australien das Wochenende nach Bodø fahren (und einen größeren Teil am Steuer sitzen) möchte, habe ich begeistert zugesagt. Ich habe ein bisschen früher Feierabend gemacht, zu Hause Kamera und Klamotten ins Auto geworfen und bin nach Kusfors gefahren, wo ich übernachtet habe.

Am nächsten Tag ging es früh raus, denn um kurz nach sieben sind wir aufgebrochen. Schließlich sind es fast 500 Kilometer bis nach Bodø, in Norwegen darf man oft nur 70 fahren und Pause machen möchte man ja auch mal.

Ich bin die Strecke schon zwei Mal gefahren, einmal mit dem Auto im Juli, einmal im Oktober mit dem Bus und ich bin jedes Mal wieder begeistert, wie unterschiedlich die Klimate und die Landschaften auf der Strecke sind. Um halb neun standen wir an dem kleinen, tiefblauen See in Arvidsjaur, keine zwei Stunden Fahrt später an einem mit Eisschollen bedeckten Stausee im Fjäll.

Der Nyborgstjärnen in ArvidsjaurDer Ringosavvun im schwedischen Fjäll

Erstaunlich, wie wenig Wasser in dem Stausee war. Und ebenfalls erstaunlich, dass wir später noch weiter oben im Fjäll an zugefrorenen Seen vorbeikamen, auf denen die Eisfischer saßen. Bald waren wir an dem höchsten Punkt (740m) angelangt. Hier gibt es hauptsächlich kleine, krüppelige Birken und Fels, Schnee und Eis. Und die Asphaltstraße, die links und rechts mit hohen neongelben Stecken markiert ist. Ab der norwegischen Grenze ist Martine gefahren und ich konnte mich entspannt zurücklehnen und den Blick auf die norwegischen Berge geniessen. Vor allem der markante Solvågtinden begeistert mich, auf dem Berg möchte ich gerne mal stehen aber er ist vermutlich viel zu schwierig zu besteigen. Ich bin kein Bergsteiger.

Auf dem KahlfjällSolvågtinden voraus

In Norwegen verliert die Straße an Höhe und bald ist man wieder im Tal, die Bäume sind grün und nur die schneebedeckten Berge am Horizont bleiben. Und schon bald, nachdem man rechts auf die E6 abgebogen ist, hat man einen schönen Blick auf den Saltdalsfjorden. Wenn man nicht gerade durch einen der kilometerlangen Tunnel fährt. Und irgendwann, so siebeneinhalb Stunden später, waren wir in Bodø.


Unser erstes Ziel: Essen! Frühstück war um sechs und eine kleine Zimtschnecke unterwegs macht nicht satt. Wir konnten schön draußen sitzen und unsere leckeren Fish and Chips geniessen. Kaum sind wir gegangen, hörten wir wüstes Möwengeschrei hinter uns. Die Vögel balgten sich um die nicht nennenswerten Reste auf unserem Tisch; eine hat sich sogar den kleinen Glasnapf mit einem Rest Remoulade geschnappt.

Die Möwen lauern schonFish und Chips in der Sonne

Nach einer kleinen Pause in unserem Hostel sind wir durch Bodø gelaufen. Dieses Mal hat mir die Stadt sehr gut gefallen, vor allem am Wasser. Große Schiffe und kleine Boote gleiten durch das Wasser, Möwen kreischen, der Hafen ist voller Boote und Schiffe. Und überall sind Inseln. Von kleinen Felsbuckeln bis zu fernen Inseln am Horizont. Ein kleines Fischerboot kommt genau auf mich zu. Zwei Frauen warten schon am Kai, um zu schauen, was der Fischer anzubieten hat. Ich weiß allerdings nicht, was das für Fisch ist. Angler und Fischexperten: Habe Ihr einen Tipp?

Ein Fischerboot kommtDer Fisch ist fast so orange wie das Ölzeugs des Fischers

Wir haben nach einem Bummel am Wasser in einer Pizzeria gegessen, die norwegischen Preise ignoriert und zur Pizza eine Flasche Wein bestellt. Danach sind die anderen ins Hostel gegangen aber ich wollte noch ein bisschen draußen sein, habe mir zum Glück das Stativ geschnappt und bin an der zentralen Bucht Rønvikleira weitergelaufen. Ich bin dann auf einen Hügel gestiegen, von dem ich einen schönen Blick auf Bodø hatte. Die Sonne stand schon tief und hat die Häuser und die am blassen Bergketten am Horizont in warmes Licht getaucht.

Blick auf BodøBlick auf Bodø

Blick auf Bodø und die Bucht Rønvikleira

Ich wollte unbedingt noch auf das offene Meer schauen. Ich bin die Straße 834 weitergelaufen, bis ich an einem Grashang über dem Meer stand. Wenn ich nicht so müde gewesen wäre und auch ein bisschen gefroren hätte, wäre ich wohl die ganze helle Nacht dort geblieben, so wunderschön war die Landschaft dort und vor allem das Licht! Das Licht! Schaut selbst. Die Fotos sind nur blasse Kopien der Wirklichkeit, aber das ist ja fast immer so.

Die tiefe Sonne taucht alles in goldoranges Licht

Nächtlicher Blick auf das europäische Nordmeer

Wenn andere in Blogs schreiben „Ich habe mich verliebt“, dann sprechen sie meistens von Hundewelpen oder Osterlämmern. Ich habe mich aber wieder einmal frisch in Norwegen verliebt. Und wenn ich nicht so gute Freunde in Schweden hätte, ein Haus, einen interessanten Job, und, und, und …, wer weiß, vielleicht würde ich dann schon die Jobannoncen in Bodø studieren. Allerdings weiß ich, dass Bodø bei Regen ganz schön trist sein kann, und ebenso, dass dies das dort vorherrschende Wetter ist.

Um halb zwölf war ich wieder am Hostel. Und bin ins Bett gefallen.

Und sonst? Zwei Elche in den Morgenstunden · immer wieder Rentiere, aber keine Herden · Hurtigrutenschiff in der Bucht · 51 NOK (6,80 Euro) für eine Halbliterflasche Wasser und einen Schokoriegel am Kiosk

Roadtrip nach Bodø II

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Wo bin ich? In Bodø. Nein, eigentlich bin ich schon wieder seit zwei Tagen in Skelleftehamn, aber der Artikel handelt von dem zweiten Tag unseres Roadtrips nach Bodø. Um sieben bin ich aufgewacht und habe von meinem kleinen Hostelzimmer eine Möwe beobachtet, die ein Nest auf einem Gabelstapler baute. Ob das eine gute Idee ist?

Vor dem Frühstück habe noch einen Rundgang durch die Stadt gemacht. Sie lebt von den starken Kontrasten zwischen Hafenatmosphäre, dem Blick auf das knallblaue Meer – denn wir hatten herrlichen Sonnenschein – die schneebedeckten Berge am Horizont und die moderne Architektur. Ach ja, die Baustellen habe ich vergessen. Überall in Bodøs Zentrum wird gebaut und ich bin gespannt, wie die Stadt in drei Jahren aussieht. Aber eine Stadt am Meer hat immer ihren Reiz, finde ich. Und mir gefällt die klare, moderne Architektur auch gut.

Architektur am MeerEin kleiner Teil des Hafens

Ich bin dann auf die lange Mole gegangen. Sie verbindet die Miniinsel Rundholmen mit dem Festland und reicht bis zu 200 Meter an die Halbinsel Nyholmen heran. Dazwischen die Fahrrinne, die unter anderem von den Hurtigrutenschiffen benutzt wird, wenn sie etwas weiter nordostwärts anlegen wollen. Auf der Insel Nyholmen steht ein kleiner Leuchtturm aus dem Jahre 1875 und ein Fort, welches zwischen 1807 und 1814 gebaut wurde. Nächstes Mal werde ich da hinlaufen und mir das aus der Nähe ansehen.

Warnung vor WindDie Halbinsel Nyholmen

Auf der Insel Rundholmen hat man einen schönen Blick und ich hätte gerne noch ein paar mehr Fotos gemacht, weil ich die Kombination Fels—Tang—Meer—Stadt—Berg unglaublich faszinierend fand und auch, weil das Wetter so schön war. Aber ich war mit Martine und ihren australischen Freunden um neun zum Frühstück verabredet und habe deswegen bald den Rückweg angetreten.

Blick von der Insel Rundholmen Fels—Tang—Meer—Stadt—Berg

Zwei Stunden später haben wir uns auf einen gemütlichen Rückweg gemacht. Dieses Mal konnten wir unterwegs besser anhalten, denn die Parkbuchten liegen alle auf der dem Fjord zugewandten Seite. Enorm, was vierundzwanzig Stunden warmes Wetter und Sonne ausmachen: Die Birken waren um einiges grüner als auf am Vortag.

BrückenbauFjordbucht

Bald schraubte sich der Weg wieder hoch auf das Fjäll und nach der norwegisch-schwedischen Grenze waren wir wieder im Land von Eis und Schnee. Wir haben Skooterfahrer gesehen, einen Skiläufer, der oben ohne auf dem See stand und zwei Frauen, die sich mit kurzer Hose und Bikini im Schnee gesonnt haben. Wir haben an einem Kiosk angehalten, wo einige Skooterfahrer die letzten Wintertage ausnutzten und über den See heizten. Der Kioskbesitzer erzählte, am Morgen seien es 6 °C gewesen, herrlich, doch dann sei die verdammte Sonne gekommen. Er muss selber ein bisschen lachen.

SkooterfahrerDie letzten Skootertage

Nach einer Pause fahren wir weiter und sind bald wieder in vertrauterem Gelände. Arjeplog—Arvidsjaur—Glömmerträsk—Jörn—Kusfors. Unterwegs sehen wir noch einige Rentiere, die großen Herden aber sind woanders.

Schneeschmelze auf dem FjällRentiere an der Straße

ich verabschiede mich von meinen Mitreisenden. Was für ein herrliches Wochenende: So viel Urlaub, so viele schöne Erlebnisse in nur zwei Tagen. Nach einer weiteren Stunde bin ich zu Hause. Der Tacho zeigt 071.0 Kilometer Fahrt. Die Tausender-Eins passt nicht mehr aufs Display.

Abendbrot am Meer

Nach einem schönen Sonnentag, den ich bis auf das Mittagessen im Büro verbracht habe, war ich einkaufen, habe Essen, Kamera und Ersatzkleidung gepackt und bin mein Kajak hinter mir herziehend zum kleinen Strand von Storgrundet gelaufen. Dort war ein bisschen Strandbetrieb und ein Junge hat sogar gebadet. Das Wasser ist tatsächlich gar nicht mehr so eisig, nächstes Mal nehme ich auch die Badehose mit. Aber mein heutiges Ziel war die Insel Norrskär, denn dort wollte ich in der Sonne sitzen, aufs Meer schauen und abendessen. Und da ich hungrig war, war ich auch bald da. Wir haben seit Tagen sehr wenig Wasser in der Ostsee und an Stellen, wo ich sonst problemlos paddeln kann, schauen jetzt Steine oder ganze Kiesrücken aus dem Wasser. So musste ich das Kajak zehn Meter durchs seichte Wasser ziehen, ehe ich es an Land ziehen konnte.

Kurze Zeit später saß ich auf dem Fels in der Sonne, schaute aufs Meer und aß. Und das war ja auch ungefähr der Plan. Danach habe ich noch ein bisschen dagesessen und – natürlich – noch ein bisschen umher geschaut und fotografiert.

Lachs, Salat und SprudelwasserAbendbrot am MeerFels am Meer IFels am Meer IIKleine GischttropfenFrühe Abendsonne über der Ostsee

Dann habe ich aber wieder meine Sachen zusammengepackt, die Schwimmweste angezogen und bin mit einen Mini-Umweg an Inseln mit roten Sommerhäusern und frischgrün belaubten Birken wieder zurück zum Strand gepaddelt, wo ich von einigen Jugendlichen, die in und auf ihrem Schrottauto saßen, leicht apathisch begafft wurde. Vermutlich war ich total uncool.

Sommerhäuser am Meer

Vor dreieinhalb Wochen saß ich noch mit dickem Neopren eingepackt im Kajak, heute haben T-Shirt und Schwimmweste gereicht. Allerdings habe ich keine große Lust, so ins Wasser zu fallen, denn das ist weiter draußen natürlich noch ganz schön kalt. Aber das Meer war ruhig, nur bei den kleinen Zappelwellen am flachen Kiesufer muss man ein bisschen aufpassen.


Und nun nutze ich noch die Gelegenheit, mich bei meinen Münchner Freunden unbeliebt zu machen:

Skellefteå heute mittag: 21 °C, Wind 3 m/s, Sonne
München heute mittag: 8 °C, Wind 7 m/s, Sprühregen

Ich schreibe hier im Blog aber auch, wenn es hier bei uns scheußlich ist. Versprochen!

Nachtrag

Ich wollte den Artikel gerade veröffentlichen, da schaue ich noch einmal raus. Keine zehn Minuten später stehe ich mit dem Stativ am Meer, um diese herrlichen Abendfarben zu fotografieren. Elf Uhr ist es, als ich dieses Foto mache, zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang. Kurz vor halb drei wird die Sonne wieder aufgehen.

Sonnenuntergang bei Storgrundet

Abgebrochene Kajaktour

Heute wollte ich Kajak fahren. Eventuell zu ein paar neuen Inseln, zum Beispiel zu Nörd- und Sör-Olsgrundet, die auf der anderen Seite der industriell genutzten Halbinsel Rönnskär liegen. Und als ich heute morgen an der Bucht schaute, sah alles perfekt aus. Das Meer war klar, fast ohne Wellen, der Himmel blau, wenig Wind und schon 16 °C. Als ich eine Stunde später im Kajak saß, war die Bucht aber von vielen kleinen Zappelwellen, die alle gerne ins Kajak wollten, bedeckt. Ein paar ist das auch gelungen, denn bin ohne Spritzschutz gefahren, da zwischen meinen Knien die wasserdicht verpackte Kamera ihren Platz hat. Ich bin dann durch den kleinen Kanal, der Rönnskär teilt, gefahren, was die Seeschwalben ziemlich störend fanden. Mit großem Gekreische flogen sie um mich herum und manchmal auch auf mich zu. Aber bald war der Kanal durchquert und ich hatte Blick auf das Reiseziel. Allerdings war es windiger als erwartet und so bin ich erst einmal zu der nächsten Insel Kalkgrundet gefahren, bin einmal um sie herumgelaufen und habe etwas gegessen.

Dieser Kanal teilt die Halbinsel RönnskärBlick von der Insel Kalkgrundet

Am Ufer der Insel gab es drei Miniminibuchten, zwei Stellen, an denen Fischernetze befestigt waren, viele Erlen und viele Käfer, die gerne Erlenblätter fressen.

Der Ankerstich hält ein Fischernetz Ein „Prächtiger Blattkäfer“

In Richtung Osten konnte man die Insel Sör-Olsgrundet mit ihrem kleinen Leuchtfeuer sehen, in Richtung Westen hingegen hingen dicke, dunkle Haufenwolken, die um die Wette quollen. Ein erstes Grollen war auch schon zu hören. Damit ich nicht auf der Insel bei Gewitter festsitze, bin ich schnell aufgebrochen und rasch wieder ans Festland gepaddelt. Hier habe ich mich wieder sicher gefühlt und da die Gewitter im Westen hängen blieben, konnte ich in Ruhe zurück paddeln. Um einiges früher als eigentlich geplant war ich wieder zu Hause.

Blick auf die Insel Sör-OlsgrundetGewitter über der Stadt

Später habe ich gehört, dass es über der Stadt unwetterartigen Regen gegeben hat und auch ordentlich geblitzt und gedonnert. Hier in Skelleftehamn ist heute kein Tropfen herunter­gekommen, aber wir hatten ja Gewitter und Starkregen gestern schon:

Gestern: Pladderrregen

Plan für diesen Sommer: Mindestens eine Zweitagestour mit dem Kajak. Ich bin sehr gespannt, wie viel in das Kajak wirklich hineinpasst: Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Wasser, Essen, Kamera, Ersatzkleidung …

Im Meer der Himmelsfarben

Oh, Ihr lieben Blogleser! Ich kann es einfach nicht in Worte fassen, wie es ist, am späten Abend mit dem Kajak durch das stille Meer zu schweben und alle Farben des Himmels spiegeln sich in der samtig-glatten Oberfläche. Wunderwunderschön! Ich habe sogar versucht, zu dichten …

Im Licht der tiefen Spätabendsonne nahm ich die Wellen nicht mehr als ein Auf und Ab wahr, sondern nur noch als ein Spiel von den reflektierten Farben des Himmels. Als ich das Kielwasser eines kleinen Bootes geschnitten habe, sah ich keine Heckwellen auf mich zukommen, sondern leuchtende Streifen in allen Farbtönungen des Sonnenuntergangshimmels.

Tourstart

Himmelsfarben

Gegen neun habe ich am kleinen Strand von Storgrundet mein Boot ins Wasser gelassen und bin an der Außenseite der Inseln Storgrundet und Brottören entlang gepaddelt. Hinter mir leuchtete gelborange die Sonne. Auf der Insel Norrskärsgrundet habe ich trotz Protest der Möwen und Seeschwalben kurz gehalten und mir eine Jacke angezogen, im T-Shirt war es doch zu kalt. Danach bin ich um die Inseln Norrskär und Bredskär herumgefahren und den kleinen Kanal zwischen Vorrgrundet und Festland entlang gepaddelt. Dort habe ich den Seeschwalben bei der Jagd nach Insekten zugeschaut. Von dort war es nicht mehr weit nach Storgrundet, wo ich gegen halb zwölf ankam. Wie immer habe ich das Kajak auf dem kleinen Wägelchen festgeschnallt und habe es nach Hause gezogen. Schnell habe ich die Kapuze aufgesetzt, nicht nur, weil es recht frisch war, sondern auch, um den Mücken nicht zu viel Appetit zu machen. Das ist das Schöne auf dem Meer, das ist im Grunde mückenfrei.

WassertropfenKurz vor Sonnenuntergang

Das war bis jetzt meine schönste Kajaktour hier in Skelleftehamn. Und irgendwann werde ich auch mal die Nacht hindurchpaddeln – von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang.

Skelleftehamn—Skibotn: Autoreise mit Tücken und Mücken

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Gestern um halb eins bin ich gestartet, mit vollem Tank und vollem Kofferraum. Von der ersten Etappe gibt es nicht viel zu berichten: Die E4 bis Haparanda, das sind 260 Kilometer Strecke machen, um in Gang zu kommen. Innerhin sind es 1172 Kilometer bis Kabelvåg auf meiner gewählten Route.

Erster Halt: Kukkola

Stromschnellen im Torne älv, eine alte Wassermühle, Wohnwagen, Eis, blauer Himmel. Touristisch, aber schön.

Ein alter Steg – nur für Fischer (und Fotografen?)

Kleines BlockhüttchenHolzgetriebe in der alten Wassermühle

Zweiter Halt: Hietaniemi

Hüben Schweden, drüben Finnland, dazwischen der breite Torne älv. Ein Pärchen lässt Steine springen. Von Övertorneå bis Pello werde ich auch auf der finnischen Seite fahren.

Eine internationale Fähre fürs ViehBlick über den Torneälven

Letzter Halt des Tages: Kaunisjoki Rastplats, 20 km nördlich von Pajala

Alles ist klar für die Nacht: Ich habe noch einmal voll getankt und werde langsam müde. Viertel vor zehn sehe ich einen leeren Rastplatz mit Grillhütte. Einmal durchfegen und fertig ist mein Übernachtungsdomizil. Ich breite Isomatte, Schlafsack und Kopfkissen aus und hole als nächstes eine Jacke und die Wathose aus dem Kofferraum. Ich möchte die schönen Hütten im späten Abendlicht vom Nahen fotografieren, aber der Untergrund sieht sehr nass aus. Ich mache den Kofferraum zu und kurze Zeit später höre ich

* klack *

Sch****, denke ich! Und meine Befürchtungen bewahrheiten sich: Leicht übermüdet habe ich den Autoschlüssel im Kofferraum abgelegt. Da liegt er schön sichtbar. Vorne war das Auto schon abgeschlossen, der Kofferraum schließt automatisch und der Ersatzschlüssel ist im Kamerarucksack, denn den nehme ich immer als erstes raus. Außer dieses Mal, da liegt der Rucksack auf dem Beifahrersitz!

Da stehe ich nun: Zehn Uhr Abends, mitten in der Pampa an der leeren Straße 99. Und mein Auto lässt mich nicht rein.


Wie ging es weiter:

  • Ich habe mein Handy und Empfang. Ich rufe einen Freund in Delmenhorst an, der mir Mut macht: Pappendienst kann so was.
  • Ich rufe die Versicherung an
  • Die hört sich meine Panne an und lacht mich nicht aus, wie schön
  • Ein paar Minuten später ruft mich ein Pannendienst aus Övertorneå an
  • Er wird kommen, um mir zu helfen, braucht aber anderthalb Stunden, bis er da ist
  • Ich warte, mache ein paar iPhonephotos, habe Durst und sehe dem Sonnenuntergang zu
  • Gut geschätzt: Anderthalb Stunden später ist der Pannendienst da
  • Keine zwei Minuten braucht er, um die Fahrertür mit Keil und Luftdruck aufzuhebeln …
  • … und mit einem Haken die Fahrertür zu entriegeln
  • Ich bin so erleichtert, ich sah mich schon mit großen Steinen wahllos Autoscheiben zerdeppern
  • Der Pannendienst bekommt meine Unterschrift und macht sich auf den Rückweg: Wieder 130 Kilometer

So viel zu den Tücken einer Autoreise. Die Mücken kamen etwas später, sie umsummten mich freudig die ganze Nacht, als ich in der Grillhütte übernachtet habe.

Resumé: Eigentlich ist das Ganze gut gelaufen: Ich hatte Handy und Empfang. Ich hatte sogar Schlafsack und Isomatte. Es hat nicht geregnet, es gab keinen Schneesturm. Der Pannendienst war schnell da. Und – Luxus! – ich hatte eine Hütte vor Ort, was will man mehr.

(Mäkel-Olaf: Was will man mehr: die Kamera und Stativ! Es war so tolles Licht!)
(Ein anderer Olaf: Haha, das sagst Du nur, weil im Fotorucksack der Ersatzschlüssel gewesen wäre. Depp!)
(Mäkel-Olaf: Selber Depp!)

Hier noch ein paar Bilder von der Nacht:

Rosa Wölkchen (Bravo, iPhone!)

Mitternachthimmel über der Straße 99Bäumchen im nächtlichen Nebel

Und vom Morgen:

Meine Übernachtungshütte – eigentlich zum Grillen gedacht


Noch ein paar Bilder von heute. Stichworte: Rentiere – Bootsfahrt – Dreiländereck – Weite Sumpfflächen – Moltebeeren – Regen – Skibotn – Gletscherblick – Zimmer mit Dusche und WLAN.

Ein Rentier kommt mir entgegenKaresuando: Links Finnland, rechts SchwedenMeine ersten Moltebeeren (Mjam!)Ziel für heute erreicht: Das norwegische Skibotn

Von der Bootsfahrt und dem Dreiländereck (Treriksröset) schreibe ich später einmal. Vielleicht …

Fotonotizen: Das Display vom MacBook Pro ist nicht zu dolle. Je nachdem, aus welchem Winkel man schaut, ändern sich Farben und Kontrast. Daher werden einige Fotos mehr oder weniger daneben sein. Überrascht hat mich das iPhone mit seinem Rosa-Wolken-Bild. Ich habe in Photoshop noch minimalst nachbearbeitet, aber das Original ist schon überraschend gut.

Skibotn—Kabelvåg: Fahrt durch Norwegen

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Am Dienstag ging es von Skibotn aus weiter. Dort hatte ich am Montag Abend ein Zimmer genommen, da ich bei dem Dauerregen keine Lust hatte, im Auto zu schlafen oder das Zelt aufzubauen. Kurz vor Bardufoss habe ich die E6 verlassen und bin westwärts nach Finnsnes und von dort aus auf Senja, die zweitgrößte Insel Norwegens, gefahren. Wenn ich dort wieder einmal mit dem Auto unterwegs sein sollte, würde ich mir definitiv mehr Zeit lassen, um diese schöne Insel zu erkunden. Aber ich wollte Mittwoch Mittag in Kabelvåg auf den Lofoten sein, um dort Elisabet, die zur Zeit dort arbeitet, zu besuchen. So bleiben hier nur zwei Fotos zu zeigen:

Auf der Insel SenjaAuf der Insel Senja

Mein Ziel war der kleine Ort Gryllefjord, denn von dort setzt eine Fähre nach Andenes, der Nordspitze der Vesterålen, über. Ich war ehrlich gesagt ein bisschen nervös, denn noch nie bin ich mit dem Auto auf eine Fähre gefahren. Und als die Fähre ankam, habe ich mich gefragt, wie man wieder vom Schiff herunterkommt, denn es sah nicht aus, als ob sich der Bug öffnen ließ. Muß man vielleicht rückwärts auf die Fähre fahren? Wie machen das die Leute mit Wohnwagen? Man weiß ja nicht … . Aber natürlich ließen sich sowohl Heck als auch Bug öffnen und bald stand ich auf dem Deck und ließ mir den recht kräftigen Wind um die Nase wehen.

Blick zurück auf SenjaAn Deck

Dort hatte man auch bald Blick auf Andøy, die nördlichste Insel der Vesterålen.

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

J.R.R. Tolkien, Herr der Ringe

… dieser Vers kam mir unwillkürlich in den Sinn, als ich auf die mit dunklen Wolken verhangenen nadelspitzen grauen Felsen schaute. Aber was für ein Kontrast erwartete mich auf der Insel: Weiße Sandstrände, türkisfarbenes Wasser, grünbewachsene Felsinseln, Blumen blühen und auch die Sonne schaut hier und dort durch ein paar Wolkenlücken. Und auf dem Parkplatz: Wohnmobile, Wohnmobile, Wohnmobile!

Andenes vorausSandstrand bei Andenes

Im Grunde könnte man an jedem Rastplatz, an jeder Parkbucht und an jeder Einfahrt anhalten und fotografieren. Die nordnorwegische Landschaft finde ich überall wunderschön. Aber ich habe bewusst versucht, nicht zu sehr in Fotos zu denken, sondern einfach die Landschaft zu erleben und zu geniessen. Aber – Ihr kennt mich vielleicht – ab und zu habe ich doch mal angehalten. Zum Beispiel an der kleinen achteckigen Kirche bei Dverberg.

Dverberg Kirke

Irgendwo auf der Insel Hinnøya, der größten Insel Norwegens (wenn man von Spitzbergen absieht), habe ich Rast gemacht und im Auto geschlafen. Ich war ziemlich früh wieder wach, denn während der letzten Nächte mit Mitternachtssonne ist es die ganze Nacht hell. Nach einem Frühstück ging es weiter südwärts, die Vesterålen und dann die Lofoten entlang.

SpiegelungStrand

Gegen zehn war ich in Svolvær, die mit 4000 Einwohnern die größte Stadt der Lofoten ist. Hier legt auch die Hurtigruten an und dementsprechend touristisch ist die Stadt ausgelegt. Schaut man von der einen Brücke nach Norden, sieht man schöne rote Häuschen und Berge. Schaut man nach Süden, sieht man moderne Häuser und das Meer.

SvolværSvolvær

Nach einer mittelkurzen Stadtbesichtigung bin ich die wenigen Kilometer nach Kabelvåg gefahren, wo ich mich mit Elisabet getroffen habe. Von dort aus haben wir einige schöne Touren auf den Lofoten gemacht, aber davon erzähle ich ein andermal.

Kajaktour nach Gåsören

Weg ins Meer?Ich bin es leid, die schönen langweiligen Postkartenfotos! Blauer Himmel, roter Leuchtturm, blaues Meer, rotes Kajak. Im gefälligen Querformat, weil das so gut ins Blog passt. Wer wissen möchte, wie es auf der Insel Gåsören aussieht, schaut einfach unter dem Blogartikel Gåsören vom letzten Jahr nach.

Denn heute kommen die postkarteninkompatiblen Fotos zu Wort: Den Anfang macht ein extremes Hochformat, so etwas mache ich bis jetzt noch nicht gemacht, aber ich komme gerade auf den Geschmack.

Die heutige Kajaktour war schön, nur auf dem offenen Meer war es recht windig. Aber da anfangs der Wind von vorn kam und dann – oh Wunder! – nicht drehte, hatte ich eine nette Rückfahrt, auch wenn ich von hinten immer von den Wellen überholt wurde. Noch auf dem Wasser habe ich einen netten Bekannten getroffen, der gerade mit seinem kleinen Außenborder unterwegs war. Wir haben uns direkt zum Kaffee verabredet und saßen kurze Zeit später mit ein paar netten Leuten im Sommerhaus am Meer. Danach bin ich noch eine kleine Runde in seinem Boot mitgefahren. Hat auch mal etwas, wenn man nichts tun braucht außer zu schauen.

Es gibt wohl keinen Bootstyp, der einen das Element Wasser so nah erleben lässt wie ein Kajak. Das kommt auf meinen Fotos manchmal nicht so recht zum Ausdruck. Dafür ist das wasserdicht verpackte iPhone toll. Zum einen kann ich es nah ans oder sogar ins Wasser halten, zum anderen auch benutzen, wenn es mir zu wellig ist, um meine Nikon herauszuholen. Dadurch zeigen diese Photos mal eine andere Facette, die mir sehr gut gefällt, weil die Motive sehr schön das „nah am Wasser“ zeigen. Ich muss aber zugeben, dass ich die Photos noch recht stark nachbearbeitet habe, bis ich zufrieden genug mit den Stimmungen war.

„Wellengang“„Zwei Welten“

Eine herrliche Nacht auf Bastuholmen

Vor zwei Wochen hat Hans mich gefragt, ob ich mit zur Insel Bastuholmen paddeln möchte. Das wollte ich gerne, aber ich hatte leider keine Zeit. Anfang der Woche fragte er mich wieder und dieses Mal passte es mir.

Gestern Nachmittag um sechs saßen Hans, fünf Freunde von ihm und ich in unseren knallbunten Kajaks und starteten vom kleinen Bootshafen in Kåge zur Insel Bastuholmen. Da das nicht weit ist und das Wetter zwar windig aber schön war, sind einige von uns noch um die schöne Insel herum gepaddelt.

Start im BootshafenIm Gegenlicht

Als wir an der Insel anlegten und unsere Kajaks an Land zogen, hatten die anderen schon Feuer gemacht und hielten Stockbrot in die Glut. Hans hatte Hamburger eingekauft und bald saßen wir alle ums Feuer, grillten und aßen.

Hamburger und Stockbrot über dem FeuerWasser und frischer Hamburger

Es ist immer schön, um ein Feuer herumzusitzen, über dies und das zu sprechen, mit Freunden oder noch Unbekannten. Die meisten wollten am gleichen Tag noch zurück und machten sich kurz nach Sonnengang auf dem Weg, um im letzten Abendlicht noch Kåges Hafen zu erreichen.

Sonnenuntergang auf BastuholmenMit dem Kajak zurück ans Festland

Hans und ich wollten hingegen auf der Insel übernachten. Davor haben wir uns es gut gehen lassen, denn die Insel heißt nicht von ungefähr Bastuholmen und wer schon einmal in Schweden oder Norwegen war, weiß, dass Bastu Sauna heißt.

Während die Sauna noch geheizt hat, war ich auf der anderen Seite der Insel, wo auf der linken Seite die Farben der Abenddämmerung zu sehen waren und auf der rechten Seite der fast noch volle Mond aufging.

Bootssteg auf BastuholmenMondaufgang

Bald danach saßen wir zu dritt in der kleinen Sauna, die gar nicht so heiß war. Na ja, dachte ich, Sauna für Anfänger halt. Dachte ich. Denn bald schaufelten die anderen dermaßen viel Wasser auf den heißen Ofen, dass ich dachte, mein Gesicht fängt an zu kochen. Selbst mit vornüber beugen und das Gesicht mit den Händen bedecken war es mir noch zu heiß und ich habe mich schnell eine Etage weiter nach unten gesetzt. Anfänger halt.

Aber wenn man schon auf einer Insel sauniert, dann muss man natürlich auch im Meer baden und das haben wir gemacht. Drei Mal. Das Wasser hat nur noch 14 °C, so richtig warm ist das nicht mehr, aber immer noch herrlich.

Fladenbrot – heiß, heiß!Bald haben wir mit einem Paar, welches mit einem Katamaran da war gemeinsam am Feuer gesessen und den herrlichen Spätsommer­abend genossen. Es wurde schon recht frisch und war froh über meine warme zottelige Fleecejacke. Und um halb zwölf habe ich mich verabschiedet und mich schlafen gelegt. Hans hatte zwar ein Zweimann-Zelt, aber ich wollte lieber auf der riesigen Holzterrasse vor der Sauna unter freiem Himmel schlafen. Schließlich gab es eine Chance auf ein erstes Nordlicht …


Hier könnte der Bericht enden, Olaf schlafen und es wäre ein rundum schöner Ausflug mit Übernachtung gewesen. Aber …

Kaum hatte ich die Isomatte aufgepumpt, mich hingelegt, den Schlafsack zu- und mir es gemütlich gemacht, da blinzelte ich noch einmal kurz vor dem Einschlafen mit den Augen und sah das erste Nordlicht.

Erstes Polarlicht der SaisonSofort bin ich aus dem Schlafsack gerobbt, habe Kamera und Stativ geschnappt – Mist, ich muss noch die Stativplatte ranschrauben, oh, und das Weitwinkel drauf, oh, und manuell fokussieren – da war das erste Polarlicht schon fast wieder verschwunden.

Aber der Mond, aber der Mond! So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Mond war von einem leuchtenden Halo umgeben, hatte rechts einen ausgeprägten Nebenmond und vor allem über mir fast im Zenith einen ausgeprägten Zirkumzenitalbogen, der in allen Regenbogenfarben leuchtete. Was für ein Naturerlebnis.

Halo mit Nebenmond und Zirkumzenitalbogen

Irgendwann zogen die hohen Wolken, die diese Haloerscheinungen verursachen weiter und der Zirkumzenitalbogen verblasste nach und nach. Zeit wieder in den Schlafsack zu kriechen. Aber …

Jetzt kam noch einmal Polarlicht und zwar richtig schönes! Ich mag es, wenn das Meer noch offen ist und sich die Aurora auf dem Wasser spiegelt.

Polarlicht auf Bastuholmen

Polarlicht auf Bastuholmen

Gegen eins war lag ich wieder im Schlafsack und habe bis fünf geschlafen. Dann wurde ich von der Sonne geweckt. Über mir flog eine V-förmige Formation von Gänsen rufend über die Insel, von der frühen Sonne warmorange angestrahlt. Aber fünf war mir zu früh und ich habe mich noch mal für zwei Stunden umgedreht.

Ausblick am nächsten MorgenHans und ich haben dann auf einem Aussichtsfelsen im Norden der Insel gefrühstückt, ehe wir unsere Sachen gepackt und uns mit den Kajaks wieder auf den Rückweg gemacht haben. Kurz vor zehn waren wir wieder in Kåge.

Ich bin immer noch hin und weg von den Erlebnissen dieses Ausflugs. Kaum vorstellbar, dass dieser keine 16 Stunden gedauert hat.


Tack för Turen, Hans!

Inselentdeckertour mit dem Kajak

Gestern war ich ja noch sehr skeptisch, ob ich heute paddeln würde, denn es war doch ziemlich windig. Heute morgen hingegen war es praktisch windstill. Und als ich mein Kajak auf seinem Wägelchen zum nahen Einsetzpunkt „Killingören“ geschoben habe, war der Himmel blau und es warm genug, um im T-Shirt zu gehen. Genau das richtige Wetter, um mal ein paar neue Inseln kennenzulernen.

Dazu musste ich erst einmal durch den „Kejsar Ludvigs kanal“, der die Halbinsel Kallholmen von der Industiehalbinsel Rönnskär trennt. Danach hatte ich schon die Insel Kalkgrundet in Sicht, aber da war ich schon zwei Mal. Ich bin links abgebogen, an Rönnskär entlang und habe dann an einer namenlosen Untiefe vorbei die Insel Nörd-Olsgrundet angesteuert. Ein lustiger Name, denn Nörd steht hier wohl eigentlich für „Nord“, bedeutet aber auch der „Nerd“, der Computerfreak.

Die Insel hat ihren besonderen Reiz, denn es gibt kein einziges Haus auf ihr. Ein großer Teil des Kiesufers ist mit Treibholz übersät und die weißbesch***enen Felsen zeigen, dass sich hier vermutlich hauptsächlich Möwen wohlfühlen.

Blick von Nörd-Olsgrundet auf RönnskärHier sitzen die Möwen vermutlich sehr oftÜberall liegt TreibholzDie Südspitze von Nörd-Olsgrundet

Weiterfahrt: Nach Sör-Olsgrundet ist es ein knapper Kilometer. Bald bin ich da und mache, wie schon bei der ersten Insel einen Landgang mit Inselumrundung. Und ein Minimalpicknick in der warmen Sonne. Auf dieser Insel steht eine Stuga – ein Sommerhaus und die Besitzer sind recht verdutzt, als ich am Ufer vorbei laufe und ihnen zuwinke, denn mit meinem Kajak habe ich nicht an ihrem Bootssteg, sondern für sie unsichtbar am Steinufer auf der anderen Inselseite angelegt.

Ein Seezeichen – ziemlich weit wegEine kleine Lagune auf der InselKanelbullar und Babybel – Minimalpicknick heuteDie ersten Fliegenpilze – definitiv kein Picknick

Weiterfahrt: Nach einem wenig eleganten Ablegemanöver bin ich weitergepaddelt. Die nächste Insel war schon in Sicht: Malskuttun. Auch auf dieser Insel steht eine Stuga und ich habe die Insel nur fotografiert und bin dann direkt weitergepaddelt. Das stelle ich mir schon luxuriös vor, quasi eine Insel nur für sich zu haben, auch wenn sie einem nicht gehört. Aber die Stugas kosten auch leicht das doppelte der hiesigen Wohnhäuser, vor allem ihrer Lage wegen.

Malskuttun

Bis jetzt war ich in Richtung Sonne unterwegs, jetzt bin ich Richtung Westen zur Insel Lill-Skarven weitergefahren und von da aus am Ufer nordwärts bis zur Insel Prästhällan. Ich möchte wirklich mal wissen, woher die ganzen Inseln ihre Namen haben und was sie bedeuten. „Lill-Skarven“ könnte „Der kleine Kormoran“ heißen. Oder „Die kleine Verbindung“. Oder „Die kleine Fuge“. Mir gefällt ja Kormoran am Besten. Apopros Kormoran: Ein Freund hat auf Facebook den Kommentar „Inga skarvar där!“ – Keine Kormorane dort! hinterlassen. Ich musste lachen, nein Kormorane hab ich wirklich nicht gesehen. Nun, ich nicht, aber meine Kamera, mit der ich mit stärkster Vergrößerung (effektiv 450mm) ein Seezeichen fotografiert habe. Ich glaube, die Vögel, die dort hocken, sind wirklich welche, wenn ich mir die Hälse so anschaue.

Von Prästhällan bin ich weiter zur Halbinsel Örviken gepaddelt. Die überquere ich immer, wenn ich mit dem Auto zum Flugplatz fahre. Dort habe ich noch zwei Fotos gemacht, die mich ein bisschen rätseln lassen. Ich habe keine Ahnung, um was es sich handelt. Haben die Dinger etwa mit dem alten Sägewerk auf der Insel zu tun? Eine kurze Recherche bei Google hat nichts ergeben. Ich frage lieber die Nachbarn mal, die wissen das vielleicht.

Rätsel eins – was ist das?Rätsel zwei – was ist das?

Von da aus bin ich wieder zurückgepaddelt. Erst über den Sörfjärden zurück zur Halbinsel Kallholmen und dort links vorbei in die Kurjoviken und durch den Minitunnel Lappstrupen. Den Namen habe ich heute morgen von Nachbarn gelernt: „Die Lappenkehle“. Dort hat sich wohl früher mal ein Same erhängt. Solche Geschichten gibt es vermutlich überall. Von da aus war es nicht mehr weit zur Killingören, wo ich viereinhalb Stunden nach Aufbruch eine schöne und dieses Mal auch längere Kajakrunde beendet habe. Während die letzten Touren sehr die Entspannung im Fokus hatten, habe ich heute mit 15 Kilometern mal ein kleines bisschen Strecke gemacht und bin gespannt, ob und wo ich morgen Muskelkater habe.

Auf dieser Karte von Eniro sind die Inseln und anderen Orte abgebildet.

Inseln heute: Nörd-Olsgrundet – Sör-Olsgrundet — Malskuttun – Lill-Skarven – Prästhällan