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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Mari Boine in Skellefteå

Manchmal denke ich, dass in und um Skellefteå nicht viel passiert. So lange das Eishockeyteam gut spielt und man im Restaurant jemandem zuhören kann, der Gitarre spielt und singt, scheint man zufrieden hier. Viel Kultur ist hier nicht zu erwarten, dazu ist die Stadt mit etwa 35000 Einwohnern einfach zu klein.

Es ist frech, was ich hier schreibe, denn es gibt hier viele Chöre, Theater, einen Jazzklub, Rockbands, mehrere Kunstausstellungen und manches mehr. Aber vieles geht an mir vorbei, zum einen, weil ich mich zu wenig darum kümmere, zum anderen, weil man hier nicht groß herausposaunt, wenn mal etwas passiert. Die Bescheidenheit der Schweden, die ja an sich sehr sympathisch ist, ist eben nicht immer zweckmäßig, wenn es darum geht, Veranstaltungen zu vermarkten.


Vor einigen Wochen war ich in dem leerstehenden rosa Haus am Busbahnhof und dachte plötzlich an alte Zeiten. Zeiten, in denen ich noch in Großstädten gelebt habe und es immer irgendwelche Kulturinitiativen gab, die irgendwo einen Raum mit zwei alten verranzten Sofas hatten, in dem man sich traf.

Nie hätte ich vermutet, so etwas in Skellefteå anzutreffen, doch siehe: Es hat sich ein Verein gegründet, der das Haus kulturell nutzen möchte, das Theater Bartolini hat dort schon sein Büro und ich fühlte mich von diesem alternativen Charme, weit weg von EU-Fördermitteln, gleich spontan angezogen. Als ich vor ein paar Wochen in dem Haus war, wurde am Vorabend ein Film gezeigt und die improvisierte Leinwand hing noch.

Die LeinwandDer Zuschauerraum

Auch ein Klavier steht im Obergeschoss, welches natürlich standesgemäß fürchterlich verstimmt ist. Ich muss mal genauer schauen, ob man das stimmen kann, denn dann wäre das auch endlich ein Raum, in dem ich mal ein kleines Jazzkonzert in der Stadt geben kann.


Dieses Wochenende haben sich dann die großen Kulturevents geballt. Internationale Aufmerksamkeit fand die gestrige Eröffnung zu Umeås Kulturhauptstadtjahr 2014. Und es wurde aufgefahren: Eis, Feuer, Lichtprojektionen aus ferngesteuerten Hubschraubern, samische Künstler und und und. Ich habe aber gestern Kulturpause gemacht und bin nicht nach Umeå gefahren. Auf „Jesus Christ Superstar“, welches hier am Wochenende gespielt wurde, konnte ich auch gut verzichten, denn diese Art Musical ist nicht meins.

Warten auf Mari BoineAber neben dem tollen Konzert von Dirty Loops am Freitag gab es heute noch ein schönes Konzert, dieses Mal im Nordanåtheater in Skellefteå: Dort ist Mari Boine, die samische Sängerin zusammen mit der Norrbotten Big Band aufgetreten. Gerade noch habe ich es geschafft, zum Konzert zu fahren, denn das begann schon um 18:00. Und es war richtig schön, auch wenn ich aus Musikersicht nicht alles gelungen fand, denn Mari Boines intimer und teilweise fast zerbrechlicher Gesang ging nicht immer gut mit dem großen Klangkörper einer Big Band zusammen. Aber egal, trotzdem ein schönes Konzert und soviel Kultur am Stück (zwei Konzerte in drei Tagen!) habe ich hier noch nicht erlebt, seitdem ich in Nordschweden lebe.

Dichte Woche

Alles toll! Aber zu viel, zu viel, zu viel! Diese Woche in Vergangenheit und Zukunft:

  • Letztes Meeting vor der Winterschwimmmeisterschaft: morgen
  • Neuen Nikonblitz bedienen lernen: die ganze Woche
  • Kammerchor abgesagt (schade, aber …): wäre heute gewesen
  • Mein Formularframework „decaff“ weiter entwickeln: die ganze Woche
  • Diskussionsclub: Donnerstag Abend
  • Diplome für das Winterschwimmen entworfen: gestern
  • Für das Stück „Gömda men inte glömda“ komponiert und Noten ausgedruckt: gestern. Oder vorgestern?
  • Platz auf der Festplatte für neue Photos geschaffen: heute
  • Packen für die Reise nach Finnland: Freitag
  • Meinen Vortrag für „Attraktionskraft Skellefteå“ planen: ein bisschen, hat noch Zeit
  • Winterschwimmmeisterschaft fotografieren: Samstag
  • R unter Mavericks installiert: gestern
  • Startlisten an den Schwimmclub schicken: morgen
  • zwei Proben mit „Gömda men inte glömda“: morgen und übermorgen
  • Ein flexibles CMS mit internen und externen Datenquellen planen: mehrere Wochen …
  • Als Fotograf nach Luleå, Piteå, Kalix, Kemi und Oulu reisen: Samstag und Sonntag
  • Wäsche waschen (oops, beinahe vergessen): gleich!
  • Bau des Eisschwimmbads auf dem Fluss dokumentieren: heute, morgen …
  • csv-Importer für die Winterschwimm-Webseite geschrieben: heute

Und wer ist Schuld daran? Ich, nur ich! Und würde ich es das nächste Mal anders machen? Nein, genau so wieder! Denn ich fühle mich zwar gerade gut überfordert, geniesse es aber auch, zwischen Programmierer, Musiker, Organisator und Fotograf hin- und herzuspringen. Mehrmals täglich. Und da jede einzelne Aktivität Spaß macht (in unterschiedlichen Graden), geniesse ich den selbstgewählten Trubel, vor allem, weil ich weiß, dass er zeitlich sehr begrenzt ist.

Da ich direkt nach der Winterschwimmmeisterschaft ein paar Tage als Fotograf unterwegs bin, wird es hier ein bisschen still sein, bis ich wiederkomme und x-tausend Fotos gesichtet habe. Dann gibt’s hier auch wieder etwas zu sehen und nicht nur zu lesen.

Det ordnar sig …

Warum mache ich mir eigentlich so viel Stress. Det ordnar sig. Dieser Satz scheint mir recht stark in der schwedischen Kultur verankert. Man fragt nicht „Aber was machen wir, wenn …?“ oder „Haben wir auch daran gedacht, was passiert, falls …?“. Wozu auch, det ordnar sig.

Schwedischübersetzung des Tages:det ordnar sig – das löst sich / das wird schon

1

Vorgestern habe ich Schmerzen im rechten Arm und Handgelenk gehabt, gestern war es eher noch stärker. Das gehört zu den Dingen, die man überhaupt gar nicht mag, wenn man Klavierspieler ist. Ich habe gestern mit der „Vårdcentralen“ – dem Gesundheitszentrum Kontakt aufgenommen und am Nachmittag hat ein Krankengymnast zurückgerufen. Heute um neun hatte ich einen Termin: Das Ergebnis: Keine angehende Sehnenscheidenentzündung, kein Golfellenbogen, nur ein bisschen zu verspannt. Wird schon, det ordnar sig. Und es ist heute auch wirklich schon viel besser.

2

Welcher Teufel hat mich eigentlich geritten, heute selbst eine Sensorreinigung bei meiner Nikonkamera zu versuchen? Zwei Tage vor einer Reise, die ich als Fotograf begleite? Ich Idiot! Statt einem Flecken hatte ich nun zweihundertfünfzig auf dem Sensor, damit ist die Kamera erst einmal unbrauchbar. Meine D800 habe ich zur Reinigung weggegeben und bekomme sie erst Ende nächster Woche wieder. Die Reise beginnt übermorgen …

Also habe ich auf Facebook „Panik, ich brauche Hilfe“ geschrieben und prompt bietet ein Bekannter mir an, mir seine Nikon D600 für die Zeit zu leihen. Jemand, zu dem ich kaum Kontakt habe, leiht mir seine 1500-Euro-Kamera für eine knappe Woche. Großartig! Tack så hemskt mycket – Danke so schrecklich viel! Vielleicht hätte ich aber einfach ruhiger bleiben sollen, denn det ordnar sig.

3

Krisentreffen auf dem Eis: Die halbe Eisfläche ist mit 10 – 15 Zentimeter Wasser überschwemmt. Da muss man einen Steg bauen oder etwas anderes tun, denn das ist für Schwimmer, die teilweise in Hausschuhen laufen genauso unbequem wie für Fotografen, die gerne auf dem Eis knien. Nun habe ich heute auch gearbeitet, und hatte eine zweistündige Probe. Und groß körperlich arbeiten mag ich gerade nicht, um Arm und Rücken nicht zu überlasten. Aber ich denke auch, meine Güte, ich bin ja nicht alleine, wir sind ja ein Team, det ordnar sig!


Vor ein paar Tagen ist John Lule angekommen, der Meister der ersten afrikanischen Winterschwimmmeisterschaften. Und heute hat er sein erstes Eisbad hier im Fluss genommen. John ist wirklich tough, vorgestern bei 25 °C ins Flugzeug nach Nordschweden und heute wWinterbaden. Gut, dass es mit -1 °C recht mild war.

Auf dem Weg zum EisbadenZwei Kontinente, ein Eisbad

Noch ein paar Bilder von heute bei den letzten Eisschwimmbad-Bauarbeiten.

Eisstücke und „slush“ werden weggebaggertBaustelle auf dem Eis

Zwei Leitern ragen in die Tiefe

Ab übermorgen bin ich drei Tage lang als Fotograf unterwegs, das wird eine ganz neue Erfahrung und ich bin wahnsinnig aufgeregt, weil mindestens ein echter, ausgewachsener Profifotograf mit dabei sein wird. Aber – glaubt es oder nicht – heute hat die Aufregung schon etwas nachgelassen, denn: Det ordnar sig.

Die Fotos stammen alle aus der geliehenen Kamera. Die D600 macht sich gut und so viel muss ich zum Glück nicht umlernen.

Musik zum Dahinschmelzen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.


Samstag mittag: Wir haben Skellefteå verlassen und sitzen im Bus mit Ziel Luleå Gammelstad. Dieses alte Kirchendorf lag einmal im Mündungsdelta des Luleälven, jetzt sind es zwanzig Kilometer dorthin. Das liegt an der Landhebung: Nachdem die Gletscher, die das Land unter sich wie einen Schwamm zusammengedrückt haben, vor vielen tausend Jahren verschwunden sind, begann sich das Land wieder anzuheben. Auch heute hebt sich die nordschwedische Ostseeküste immer noch um einen Zentimeter pro Jahr.

Ich war schon zwei Mal in Gammelstad, einmal vor einigen Jahren mit Sonya und einmal vor ein paar Wochen zum Feuerfest, aber jetzt war ich zum ersten Mal in der alten Nederluleå kyrka, die aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Nederluleå kyrkaNederluleå kyrka

Nachdem wir unserem Führer immer wieder davon gelaufen sind, um Fotos zu machen, wurden wir noch von einem Paar eingeladen, welches zeitweise in einem der alten Häuser wohnt. Die Häuser sind recht günstig zu kaufen, aber mit strengen Auflagen verknüpft: Man darf dort nicht permanent wohnen, es gibt keinen Stromanschluss und kein fließend Wasser und so etwas wie eine Satellitenschüssel geht gar nicht! Besonders gut (neben den leckeren Pfefferkuchen) hat mir das kleine Schrankbett gefallen. Aber ich frage mich schon, ob dort Eltern ihre Kinder früher eingesperrt haben, wenn sie nicht gehorsam waren …

Eine Straße in der GammelstadGammelstad mit KirchenblickDie gute Stube. Rechts das Schrankbett, daneben der KaminAltes Schrankbett – Kindergröße

Nachdem ich einen größeren Teil des Gammelstadaufenthaltes damit beschäftigt war, Regentropfen von der Linse zu wischen, war ich nicht böse, dass der nächste Aufenthalt zwar im Kalten, aber zumindest drinnen sein würde: Ein besonderes Konzert in einem großen Iglu.

Und es war wichtig, dass es in diesem Iglu kalt war – idealerweise -5 °C – denn die Instrumente waren aus Eis gebaut. Lediglich die Griffbretter von Geige, Gitarre und Kontrabass bestanden aus Holz. Die Instrumente: Ein Schlagzeug (ohne Becken natürlich), ein Marimbaphon, eine Geige – an der Decke aufgehängt, eine Gitarre, ein Kontrabass und ein Instrument aus gestimmten Röhren, dessen Namen ich nicht kenne. Erdacht wurde das ganze von Tim Linhart, einem amerikanischen Künstler, der vor zehn Jahren nach Schweden kam.

Das große „Konzertiglu“Die Bühne für Sänger und OrchesterEisorchesterTim Linhart, der Schöpfer des Eisorchesters

Ich war gleichzeitig fasziniert und enttäuscht: Den Klang der Instrumente fand ich faszinierend und schön: Die dumpfen sonoren Trommeln, das überraschend klare Marimbaphon und den verblüffend normal klingenden Kontrabass. Nur die arme Geigerin kam mit dem Stimmen kaum hinterher und spielte deswegen manchmal ganz schön schief. Kein Wunder, denn draußen war es warm, das Iglu wegen uns überfüllt und die Geige war am Schmelzen! Da hatte es der Bass besser: Mehr kaltes Eis und leichter zu stimmen.

Am liebsten hätte ich für diese Instrumente komponiert: Musik von Weite und Einsamkeit, von kalten, dunklen Wintern, von dahinziehenden Rentierherden und von knirschendem Schnee und krachendem Eis. Und was spielt das Orchester?

ABBA! Ausgerechnet ABBA! Von vorne bis hinten, rauf und runter. Und zum Mitsingen! Das ist so der kleinste gemeinsame Nenner für jede Art Publikum und funktioniert in Schweden eigentlich immer. Nur ich fand es schade, denn zum einen wurde hier eine großartige Gelegenheit versäumt, dem Klang der Instrumente gerecht zu werden und zum anderen brauchen die Instrumente selbst für ABBA doch ein bisschen mehr Druck und Präsenz, wenn das ganze nicht nach Mittelstufenschülerband klingen soll. Und – tut mir leid, das so schreiben zu müssen – genau das tat es.

Zwischenbemerkung: Hilfe, ich schreibe eine Musikkritik! Das wollte ich doch nie, nie, nie in meinem Leben tun! Na gut, ich lasse das jetzt so stehen und höre mit dem Meckern auf.

Auch an diesem Abend bin ich nicht ABBA-Fan geworden, aber schön war das Konzert und der Abend dennoch. Nur mit dem Fotografieren war ich wieder nicht so recht zufrieden: Es war zum einen wahnsinnig eng und zum anderen extrem dunkel. Erst als ich mich frech nach vorne durchgedrängelt habe und auf der Treppe aus Eis Platz genommen habe, konnte ich ein paar bessere Fotos machen.

MarimbaphonAufgehängte GeigeEis-KontrabassMallets in Aktion

Nach dem Konzert sind wir nach Piteå zurückgefahren, denn dort gab es Abendbrot und die erste Übernachtung. Am nächsten Tag sollte es dann aufs Eis gehen …

Bemerkung für Fotografen: Seht Ihr das Foto vom Inneren der Kirche. Sieht hübsch romantisch und weichgezeichnet aus, nicht wahr? Das war aber nicht geplant, sondern lag daran, dass die Linse leicht beschlagen war. Bei vielen anderen Motiven hätte ich mich sehr geärgert, hier passt es.

Gömda men inte glömda

„Gömda men inte glömda“ – Versteckt, aber nicht vergessen – ist eine Erzählung von Birgit Andersson, die von Nicanor Sandström berichtet. Nicanor ist 1812 in Skellefteå geboren und über sein Leben weiß man recht viel, da man sowohl Geschäftsunterlagen gefunden hat, als auch die Briefe, die seine Tochter Nina aufgehoben hat. Es ist spannend, in die Geschichte einzutauchen, die von Schiffsbau und Sägewerken, von Geburt und Verlust, von Kindern und „Frauenzimmern“ und von alten und neueren Zeiten des 19. Jahrhunderts berichtet.

Ich hatte das Glück, nicht nur als Pianist die Erzählung musikalisch zu begleiten, sondern auch die Musik schreiben zu dürfen. Und nach drei letzten Proben in dieser Woche war heute die Premiere im Stiftsgården. Und das war der ideale Platz, denn die Erzählung handelte auch von diesem alten Anwesen und Plätzen, die man vom Fenster aus sehen kann. Birgit hat sich selbst übertroffen und faszinierte das Publikum mit ihrem energiegeladenen Vortrag. Ich musste fein aufpassen, dass ich meine Einsätze bekomme und nicht nur ihrer Erzählung folge.

Unsere „Bühne“ in der guten Stube

Diese 54 Plätze werden bald restlos besetzt seinEin außergewöhnlich leckeres Buffet

Das Schöne: wir werden noch einige Male dieses Stück spielen: morgen und übermorgen am gleichen Ort, am 25. März beim Berättarfestivalen, und im Sommer drei Mal auf der Freilichtbühne, wenn das Wetter es erlaubt.

Mein Dank geht nicht nur an Birgit für den schönen Abend, sondern auch an die Regisseurin Ellenor, die mich für dieses Stück als Pianisten vorgeschlagen hat. So langsam bekomme ich ein paar Kulturkontakte hier in Skellefteå, was mich sehr freut.

Ein Schloss aus Schnee und Eis

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.


Sonntag mittag: Nach unserer Fahrt mit dem Eisbrecher ging es mit dem Bus weiter nordwärts. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Luleå fuhren wir weiter zum nächsten Halt Törehamn. Auf der Fahrt bemerkte ich, dass mein Stativ weg war. Das verdarb mir doch ein wenig die Laune, nicht nur weil das Ding teuer war, sondern auch, weil ich nicht wusste, wie ich den Rest der Reise fotografieren sollte. Aber – det ordnar sig – wie man hier sagt. Zum einen hatte ich noch ein Einbein dabei, zum anderen wurde das Stativ gefunden und ich konnte es am Dienstag bei der Rückreise in Piteå abholen.

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja: Törehamn. Von diesem Ort hatte ich noch nie etwas gehört. Seglern hingegen ist er geläufig, da dort eine Boje die nördlichste Stelle der Ostsee markiert und es dazu gehört, diese Boje zu umsegeln. Wir sind brav um die Boje herumgelaufen und haben dann noch ein Gruppenfoto gemacht. Danach gab es erst den berühmt-berüchtigten Surströmming zum Probieren, aber wenn man nicht dabei war, wie die Dose mit der stinkenden Lake geöffnet wird, kann ich die Verköstigung nicht ganz ernst nehmen, denn das gehört einfach mit dazu. Drinnen durften wir dann noch Leckereien mit Fischrogen – einer lokalen Spezialität – und mit Rentierfleisch probieren. Da es recht spät war und wir noch kein Mittagessen hatten, waren die mundgerechten Happen mehr als willkommen.

Die Boje bei TörehamnGruppenfoto (Foto: unbekannt)Surströmming schnuppern„Rom“ – Fischrogen

Dann ging es weiter nach Haparanda/Tornio. Haparanda liegt in Schweden, Tornio in Finnland. Andere Währung, andere Sprache, andere Zeitzone. Wir haben dort aber nur den Busbahnhof, ein Grenzschild und das Einkaufszentrum zu sehen bekommen und ich habe auf das Fotografieren verzichtet. Da war der nächste Halt schon interessanter:

Das Eisschloss in Kemi. Dort war ich 2003 schon einmal und fand es damals ein bisschen langweilig. Inzwischen hat man das Eisschloss aber wesentlich weiterentwickelt und die Skulpturen aus Schnee und aus Eis sind wirklich sehenswert. Hier bekamen wir ein spätes Mittagessen und hatten viel Zeit, uns in Ruhe umzuschauen.

Eisskulptur am Eingang

Das Eisschloss in KemiBlaue EishalleDie EiskapelleRestauranttisch

Schneerelief

Die HochzeitssuiteIch pose am „Kamin“ – Foto: Muriel Françoise

Aber der Tag war noch nicht zu Ende: Wir fuhren weiter nach Oulu, wo wir auch den nächsten Tag verbringen sollten. Auf dem Programm stand erst die Finnische Dampfsauna, die nicht so heiß, aber sehr feucht ist, da ständig wieder Wasser auf den Ofen gegossen wird. Da Frauen und Männer getrennt saunieren gingen, gab es das Abendbrot erst um elf Uhr. Aber das war es wert!

Timo KinnunenIm Programm stand etwas von Akkordeonmusik und ich war sehr gespannt, ob wir eher finnischen Tango oder Schunkelwalzer zu Gehör bekommen werden. Beides falsch. Nach einem hervorragenden Vor- und Hauptgericht spielte uns Timo Kinnunen erst einige romantische Stücke, dann eine barocke Komposition und als Höhepunkt „Dinosaurus“, eine Avantgarde-Komposition von Arne Nordheim mit Zuspielung vom Band. Meiner Meinung nach mit die beste Musik, die ich je zu einem Abendessen geniessen durfte, auch wenn meine Begeisterung nicht von allen geteilt wurde. Ich hoffe, Timo auch mal in einem regulären Konzert erleben zu dürfen, denn er ist ein herausragender Musiker, spielt viel improvisierte Musik in Berlin und ist Professor an der Musikhochschule in Oulu.

Ein wirklich schöner Abend, aber dennoch war ich froh, als ich endlich ins Bett fallen durfte, denn dieser Tag war lang. Morgen würden wir als erstes eine Fahrradtour unternehmen …

Winterschwimmweltmeisterschaft in Rovaniemi

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Winterschwimm-Weltmeisterschaft in Rovaniemi.

Alle zwei Jahre wird die Weltmeisterschaft im Winterschwimmen ausgerichtet. Dieses Jahr war sie im finnischen Rovaniemi und damit trotz des Schneefalls recht bequem mit dem Auto zu erreichen. 1200 Teilnehmer aus 33 Ländern waren bei den Wettbewerben angemeldet, unter anderem waren größere Delegationen aus England, Russland und China da.

Wie bei den anderen Meisterschaften bin ich nicht selbst geschwommen, sondern habe fotografiert. Am Samstag vormittag habe ich einen „Media“-Ausweis bekommen und konnte damit auch direkt am Becken Fotos machen.

Was ich am Winterschwimmen mag, ist, dass schnell und langsam, jung und alt, athletisch und bequem aufeinandertreffen. Die Medaillen werden nach Altersgruppen verliehen, und so stehen auch siebzigjährige als Gewinner auf dem Eispodest und nicht nur supersportliche Neunzehneinhalbjährige.

Schon von der Brücke über den Kemijoki konnte man das 25-Meter-Becken, welches in das Eis geschnitten wurde, sehen.

Blick von der BrückeNeun Bahnen à 25 Meter

Die ersten Läufe waren 25 Meter Brust. Das erste Kommando lautet „Take off your cloth!“, das zweite „Go in(to) the water“ und dann, wenn alle fertig sind, ertönt das elektronische Startzeichen.

„Go into the water“25 Meter Brust

Während die Zeiten bei 25 Meter Brust weit auseinander liegen, sind beim 50 Meter Freistil meist Sportler am Start und oft sieht man in dem aufgeschlagenen Wasser nur noch Arme und Köpfe.

50 Meter Freistil50 Meter Freistil

50 Meter Freistil

Die 450(!) Meter Freistil waren leider schon am Donnerstag. Die hätte ich mir gerne angeschaut, auch weil Anna-Carin Nordin, die bei Dark & Cold Mitglied ist, Gold gewonnen hat. Glückwunsch, Anna-Carin!

Doch nicht alle, die schwimmen, nehmen auch am Wettbewerb teil. Manche schwimmen einfach aus Spaß 25 oder 50 Meter, ohne das Zeit genommen wird. Diese Menschen haben meist die Ruhe weg und ich schaue ihnen gerne zu.

GenussschwimmerGenussschwimmer

An Land sieht man nicht nur die Freiwilligen, die moderieren, Fähnchen schwenken, Kleidung zum Ziel herüber tragen und den Schwimmern helfen, sondern auch Fans. Aus Estland und Lettland, Russland und China, England, Norwegen und Finnland, und auch aus Deutschland sind Zuschauer gekommen. Aber ich vermute, dass ein großer Teil von ihnen auch an den Wettkämpfen teilnimmt.

Fans mit MaskottchenStartflaggeDeutsche FansWikingermützen

Beim Winterschwimmen treffen immer zwei Welten aufeinander: Badelatschen neben Fellstiefeln und dicke Winterjacken neben Badeanzug.

Kalt oder warm? FußKalt oder warm? Kopf

Nach dem letzten Start werden die Trennleinen an Land geholt und Minuten später bilden sich Eisnadeln auf dem kalten Wasser. Damit das Becken nicht über Nacht zufriert, werden nach einiger Zeit sechs Unterwasserpumpen in Betrieb genommen. Gerade schaffe ich es noch, eine Nahaufnahme zu machen, da schwappen schon die ersten Wellen.

An den Trennleinen hängen EiszapfenSchnell bildet sich neues Eis

Eisnadeln auf dem Wasser

Ich war aber die Tage nicht nur bei der Meisterschaft, sondern auch in Rovaniemi unterwegs. Davon schreibe ich im Artikel „Fahrt nach Rovaniemi“.

Körmanifestation

Selbstportrait mit HeadsetOlaf mit Mikrophon? Olaf als Sänger? Livekonzert vor tausenden Leuten? Olaf jetzt berühmt und Popstar und überhaupt?

Mikrophon: ja. Sänger: ja. Livekonzert und über zweitausend Zuschauer: auch ja. Berühmt und Popstar und überhaupt: Definitiv nein!!!

Heute am 10. Mai war die Körmanifestation, ein Chorkonzert in der Skellefteå Kraft Arena, bei der etwa 800 Chorsänger beteiligt waren.

Viele Chöre in Skellefteå haben an der Körmanifestation teilgenommen, so auch unser Kammerchor. Als ich zuerst von dem Projekt gehört habe, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen, denn die Vorstellung, mitten in einem riesigen Chor zu stehen und gemeinsam Lieder zu schmettern, schien mir nicht besonders erstrebenswert. Aber weil ich schon bei einigen anderen Aktionen des Kammerchores nicht dabei sein konnte, habe ich dennoch zugesagt.

Dann wurde ich gefragt, ob ich beim Oktett mitsingen möchte und habe direkt zugesagt. Denn ich dachte, wir singen ein halbes oder ganzes Stück im Oktett (also nur mit acht Leuten), damit das Programm abwechslungsreicher ist. Gemeint war aber etwas ganz anderes (die Geschichte habe ich schon unter Alltag: Ein Aprildienstag erzählt): Wir im Oktett singen das ganze Programm zusammen mit allen anderen Choristen mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass wir jeder ein Mikrophon bekommen und verstärkt werden. Die Verstärkung ist aber weniger für die Zuschauer als für die anderen Choristen gedacht, die uns zur Unterstützung aus ihren Monitorlautsprechern hören, da viele Choristen nicht so sicher sind und manche Stücke nicht so einfach.

Und das bedeutet, dass ich möglichst richtig singen sollte, denn ich konnte mich ja nicht in der großen Masse verstecken. Würde ich einen Fehler machen, einen falschen Einsatz, einen falschen Ton, so würde man das recht deutlich hören, zumal manchmal die Chorstimmen geteilt sind und ich dann der einzige bin, der den Bass 1 ins Mikro singt (Schluck!) Zum Glück neige ich nicht zum Lampenfieber, das hätte sonst bestimmt voll zugeschlagen!


Aber machen wir es kurz: Das ganze Konzert heute hat einen Riesenspaß gemacht, sowohl uns als auch den etwa zweieinhalbtausend Zuschauern, die auf der Tribüne gegenüber und auf der Spielfläche saßen – dort, wo sonst Eishockey gespielt wird. Und auch nach dem Konzert war gute und ausgelassene Stimmung, denn bis auf ein paar Kleinigkeiten hat alles sehr gut geklappt. Am liebsten hätten wir gleich eine kleine Tournee gestartet. Natürlich habe ich einige kleine Fehler gemacht und wahrscheinlich einige sehr lustige Aussprachekuriositäten bei den schwedischen Liedern abgeliefert, aber was soll’s, ich bin ja kein Gesangsprofi. Aber vorne hat unser Oktett wohl gut geklungen. Sagt man.

Ein kleiner Auszug aus dem Repertoire:

  • Sköna maj, välkommen und Si god afton och god kväll – schwedische Chorklassiker
  • Agnus Dei – ein Auszug aus dem Requiem von Simon Åkesson, dem Sohn des Chorleiters
  • Fritiof och Carmencita – ein herrlicher Tango von Evert Taube zusammen mit Göran Fristorp
  • Gabriellas sång – aus dem Film „Wie im Himmel
  • I Wish und Livin’ for the city – von Stevie Wonder zusammen mit La Gaylia Frazier und Band
  • Vi är blommor – zusammen mit dem Kinderchor. Sehr anrührend. Ich musste teilweise wirklich weghören, um weitersingen zu können

Eigentlich hatte ich heute noch eine andere Aufgabe. Ich sollte während der Aufführung von oben ein Photo für die schwedische Chorzeitung „Körsång“ machen. Eine Aufgabe, den ich eher ungern annahm, denn irgendwie gleichzeitig zu singen und Photos mit Stativ machen, das passt ja nicht so recht zusammen. Zum Glück für mich stellte ich gestern bei der Generalprobe fest, dass mein Platz ganz oben in der Tribünenmitte die denkbar ungünstigste Perspektive für ein Foto des großen Chores ist. So konnte ich ohne schlechtes Gewissen die Aufgabe wieder abgeben. Da ich gestern bei der Generalprobe getestet habe, habe ich aber wenigstens ein paar Fotos als Erinnerung. Auch das Selbstportrait oben habe ich dort gemacht.

Ein Teil der linken ChorhälfteDer Kinderchor probt

Syttende mai

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Mo i Rana 2014.

Kjære innbyggere i Mo i Rana. Jeg pleier å spørre om lov før jeg publiserer bilder av mennesker i bloggen min. Men på festen var for mange folk å spørre hver enkelt. Vil du at jeg skal fjerne et bilde, så send meg en e-post og jeg sletter bildet så snart som mulig. Takk, Olaf.


Schon vor einem Jahr habe ich mir vorgenommen, dieses Jahr zum Verfassungstag am 17. Mai in Norwegen zu sein. Am 17. Mai 1814 wurde nämlich das Grundgesetz des Königreichs Norwegen verabschiedet und das ist just 200 Jahre her. Seit 1836 gilt dieses Datum in Norwegen als Nationalfeiertag. Deswegen habe ich mich schon am Vortag mit Elisabet, die in Umeå wohnt, in Lycksele getroffen und bin die insgesamt gut 500 Kilometer nach Mo I Rana gefahren, um bei dieser Feier dabei zu sein.

Gegen eins sind wir mit unseren Gastgebern — Elisabet hat Freunde in Mo i Rana – ins Zentrum gelaufen und haben den Aktivitäten zugeschaut. Schon auf dem Weg sah man überall Norwegenflaggen: An den Häusern, an Masten, an den Autos und in den Händen vieler Menschen. Viele Frauen sind in Tracht gekleidet und viele Männer haben zumindest einen Anzug an. Die Kinder haben Windräder und Tuten, alles in den norwegischen Farben rot-weiß-blau. In der Fußgängerzone haben mehrere Blasorchester Musik vom Marsch bis hin zu Earth Wind & Fire gespielt, eine Gruppe von gleichermaßen rührigen und rührenden Rentnern hat Volkstänze aufgeführt und ein Chor hat norwegische Lieder gesungen, darunter natürlich die Nationalhymne Ja, vi elsker dette landet und das recht patriotische Norge i rødt, hvitt og blått.

Überall wehen Flaggen, Flaggen, FlaggenChoristen in TrachtMusikerinnen in TrachtMusiker von Tracht bis Men in Black

Der Festzug war für vier angekündigt, ließ aber auf sich warten. Einige Kinder – auch in Tracht – spielten auf der Wiese mit nicht ganz so norwegischen Hello-Kitty-Luftballons, während ein Junge schon einmal seine eigene Parade begonnen hat.

Auch viele Kinder haben Tracht an …… aber nicht alle. Hauptsache, fein gemacht wie dieser Tänzer

Doch bald hörte man Musik und dann kam der Festzug, angeführt von fahnenschwingenden Soldaten, gefolgt von einer Blaskapelle. Dann kam ein herrliches Gemisch: eine weitere Blaskapelle, eine ernst dreinblickende Frauentrommelgruppe, ein kleines Mädchen, welches sein norwegisch geschmücktes Kaninchen spazieren trug, Mädchen im Balletttrikot (Brrr, kalt! Bei dem Wind!), Pfadfinder mit einem Kind, welches sich in einer Trage spazieren tragen ließ. Reiter zu Pferde und Nachfolger mit Schubkarre zum Pferdeäpfel aufsammeln und eine Frau mit Wischmopp-Hund mit der obligatorischen Schleife im Haar.


Zum Schluss sammeln sich alle auf dem Platz vor dem unfassbar heruntergekommenen Rathaus (ich dachte, Norwegen hat Geld!) und die Nationalhymne wird angestimmt. Fast alle singen mit und eine Soldatin, die während der ganzen Hymne salutiert, kann die Tränen der Rührung kaum zurückhalten.

FlaggenparadeFinale vor dem Rathaus

Nach dem Finale waren die Feierlichkeiten aber noch nicht zu Ende. Denn dann kam „Russ“, die Feier der Schüler, die die Oberstufe beendet haben. Das Bild: ein völlig anderes: Von cool bis flippig, ziemlich chaotisch und sehr individuell. Doch auch hier das gemeinsame Thema: Norwegenflagge und rot-weiß-blau.

RussfeierRussfeier

Zum Glück wurden wir während der Feierlichkeiten vom Regen verschont, aber es war kühl und sehr windig. Elisabet fror (zu dünne Jacke) und ich schwitzte (zu dicke Jacke) und wir waren froh, als wir wieder mit unseren Gastgebern in deren Wohnung waren und die Füße ausstrecken konnten, denn Pflaster laufen und Asphalt stehen ist anstrengend.

Von der Reise und manchem anderen schreibe ich die nächsten Tage. Hier schon einmal ein paar Stichworte: Rentier · Elch · Auerhuhn · Kahlfjäll · Schnee und Eis · Wasserfälle · Sommerwärme.


Ja, man könnte hier manches mehr schreiben. Politisch, historisch, gesellschaftlich. Über Nation und Nationalismus, über Integration und Abgrenzung, über die Rolle nationaler Symbole in Deutschland, Schweden und Norwegen. Aber Nordwärts ist kein politisches Blog. Ich schildere hier meine persönlichen Erlebnisse, ohne sie groß zu werten. Daher beziehe ich auch in diesem Artikel keine Stellung. Ihr habt die Freiheit, eine Diskussion in den Kommentaren anzustoßen. Ich habe die Freiheit, zu antworten oder auch nicht.

Sieben Kurzartikel

Heute kann ich mich nicht entscheiden,worüber ich schreiben soll, also schreibe ich über siebenerlei Dinge, aber versuche mich, kurz zu halten. Mal schauen, ob’s klappt …

Über das deutsche Brot

Diese Woche habe ich Brot gekauft. Bei Lidl. Deutsches Brot. Seitdem esse ich drei Mal täglich Brot mit Käse und bin einfach begeistert. So lecker und so ungleich dem labbrig-süßem Schwedenbrotersatz! Mit nationalen Identitäten habe ich es ja nicht so, aber wenn ich etwas mit Deutschland verbinde, dann sind es die unzähligen Varianten von gutem Brot. Sollte ich einmal ein heroisches Nationallied für die Deutschen dichten müssen, so käme vermutliches in etwa folgendes heraus.

Oh, tu Teutscher von teutschen Lanten,
Tu bist wie Brot – ganz ohne Scherz!
Tie Kruste hart bis hin zum Kanten,
doch innen frisch und sanft Dein Herz.

Über Flugreisen

Aber wenden wir uns von schlechten Dichtungen aus deutschen Landen ab und Italien zu. Da hätte ich ein paar Wochen sein können. Und da wäre ich auch gerne hingereist, denn Freunde aus München haben dort ein Haus gemietet und nette Menschen eingeladen. Doch eine Flugreise nach New York scheint leichter, schneller und günstiger als eine Reise von Skellefteå nach Florenz zu sein. Unter zwei Mal umsteigen geht ohnehin gar nichts. Dann darf ich mir aussuchen, ob ich in 35 Minuten umsteigen möchte (wie denn?) oder doch lieber 29 Stunden unterwegs sein. Als Alternative darf ich auch gerne 750 Euro zahlen und mehr, dann werden die Verbindungen ein klein wenig besser. Und die meisten Rückflüge starten vor dem Aufstehen, also müsste ich noch eine Hotelnacht in Florenz buchen.

Es ist sehr schade, dass man in Skellefteå so weit weg von Zentraleuropa ist und viele Verbindungen sehr umständlich, zeitaufwändig und teuer sind. Ich habe die Italienreise wieder abgesagt. Doof das, sehr doof!

Über einen Auftritt in Jörn

Nah hingegen ist das schwedische Inland. Jörn beispielsweise (ca. 800 Einwohner) ist nur eine Autostunde entfernt. Dort war ich gestern Abend und habe Musik gemacht. Ein Tenor aus dem Kammerchor hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit ihm (plus Bass und Schlagzeug) dort zu spielen. Normalerweise nehme ich als Pianist keine unbezahlten Jobs an, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht. Wir haben in einem kleinen Zelt gespielt und obwohl der Auftritt nicht gerade ein musikalisches Glanzlicht darstellte, hat es doch Spaß gemacht, für das kleine Publikum, welches dieses Konzert wirklich zu schätzen wusste, zu spielen. Und bei „Fever“ bemühten sich auch alle redlich, auf zwei und vier zu klatschen, wie es sich gehört. Eine lange Pause gab es, in der Hamburger verkauft wurden, so kam ich auch noch zu meiner Gage: Einen Hamburger für 30 Kronen ;-).

Rudi Kreuzkamm […] hatte behauptet, der Nichtraucher spiele abends, bis in die Nacht hinein, in der Vorstadtkneipe „Zum letzten Knochen“ Klavier, und er kriege eine Mark fünfzig Pfennig dafür und ein warmes Abendbrot.

Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer

Ich sollte dazu sagen, dass ich freiwillig auf jegliche Gage verzichtet habe, weil die anderen auch keine bekommen haben und ich es doof fand, als „special guest“ behandelt zu werden.

Über das leere Inland

In den anderen Pausen bin ich ein bisschen durch Jörn gelaufen. Ich beneide das kleine Städtchen um seinen Bahnhof! 21:33: Umeå Stockholm, 4:25 Luleå Boden Narvik steht an der digitalen Anzeigetafel, die so gar nicht zu dem schönen alten Bahnhofsgebäude passt. Stell Dir vor, Du wohnst in einem Kaff und kannst, ohne umzusteigen, nach Berlin, in die Alpen und an die Nordsee fahren. So ein Bahnhof ist das. Wie gesagt, beneidenswert!

Weniger beneidenswert ist der Ort an sich – so viele Häuser stehen leer. In manchen hängt ein Schild „Zu verkaufen“, bei manchen sind die Fenster mit Brettern vernagelt und einige rotten einfach vor sich hin. Wie muss das sein, in einem halbleeren Ort zu wohnen und zu ahnen, dass vielleicht nie wieder alle Häuser mit Leben gefüllt sein werden. Denn Arbeit im Inland zu finden ist schwer und die aktuelle schwedische Regierung tut auch nicht gerade viel dafür, um das schwedische Inland am Leben zu erhalten. Schulen werden geschlossen, Krankenstationen verschwinden, Straßenbeleuchtungen werden abgeschaltet. Eine der weniger schönen Facetten Schwedens.

Über die Russenwärme

Bald sitze ich wieder am Digitalpiano im Zelt. Schwitze und trinke Wasser. Denn es ist richtig warm. 27 °C! In Skellefteå waren es schon morgens über zwanzig Grad und mittags haben ein Kollege und ich barfuß am Fluss gesessen und Mittagspause gemacht, während die ersten Sommerschwimmer den immer noch eiskalten Fluss entlang schwammen.

Um zehn Uhr ist unser Konzert in Jörn vorbei und wir fahren wieder zurück in die Stadt und ich nach Hause weiter. Als ich um zehn nach elf in Skelleftehamn ankomme, zeigt das Thermometer immer noch 20 °C an. Solche warmen Tage werden hier „Ryssvärme“ – Russenwärme genannt, weil wir diese Wärme meist dem kontinental geprägtem russischen Klima zu verdanken haben. Im Winter gibt es dann das Gegenstück: „Rysskylan“.

Über das gegen den Wind segeln

Jetzt ist es schon um einiges kühler und morgen wird jede Menge Regen bei Temperaturen von unter 10 °C erwartet. Damit fällt meine vormittägliche Paddeltour wohl aus, aber ich bin gar nicht so böse, denn morgen Abend haben wir unser Frühjahrskonzert mit dem Kammerchor und wenn das Wetter zu schön ist, dann kommt ja keiner.

Wir haben ein gemischtes Programm mit einigen sehr jazzigen Stücken (unter anderem „Waltz for Debby“), da wir zwei Solisten mit dabei haben: Den Jazzpianisten Mathias Algotsson und die Jazzsängerin Margareta Bengtson. Margareta Bengtson ist übrigens ein winzig-kleines Puzzleteil in meiner Schwedengeschichte und das kommt so:

In Essen habe ich damals ein Duo gehabt. Eine Sängerin und ich am Klavier: Die Sängerin hatte Bezug zu Schweden und kam mit einigen schwedischen Volksliedern an: „Kristallen den fina“, „Uti vår hage“ und „Vem kan segla förutan vind“ (Wer kann gegen den Wind segeln). Von dem letzten Lied gibt es eine Einspielung mit dem schwedischen A-Capella-Quintett „The Real Group“ zusammen mit Toots Thielemans. Eine unfassbar schöne Aufnahme, fand ich schon damals und ich habe direkt meine Liebe für die schwedischen Volkslieder, die so viel anmutiger ankamen als so manches deutsche Volkslied, entdeckt. Das war – neben Pippi Langstrumpf aus Kinderzeiten – einer meiner ersten Anknüpfungspunkte mit Schweden. Und bei genau dieser Aufnahme sang Margareta Bengtson Sopran. Es ist wirklich eine tolle Erfahrung, sie jetzt persönlich kennenzulernen – wieder schließt sich ein kleiner Kreis.

Über das Rasenmähen

Natürlich hoffe ich, dass morgen viele Zuhörer kommen und deswegen freue ich mich ja auch über den Regen, der diese Nacht losgehen soll. Davor musste ich aber noch etwas erledigen: Das Rasen mähen! Als ich den Rasenmäher betankt und gestartet habe, war das gleichsam entrüstete wie lustlose Röhren des Benzinmotors selbst durch meinen Gehörschutz deutlich zu hören. Ich glaube fast, mein Rasenmäher mag das Rasen mähen nicht sonderlich. Nun, da haben wir etwas gemeinsam. Ich finde es auch nur mäßig inspirierend, den Mäher über eine lang Stunde kreuz und quer durch den Garten zu schieben. Dass das Ganze so lange dauerte, war meine Schuld: Wieder war ich zu spät dran mit dem ersten Frühjahrsmähen und im sonnigen Vorgarten war das Gras schon bis zu dreißig Zentimeter lang. Da kommt man oft nur zentimeterweise vorwärts. Doch bald war der Rasen gemäht, eine große Schubkarre Gras in den Wald gefahren und wenn es eine Medaille für das späteste Rasenmähen in Skelleftehamn gäbe, so dürfte ich sie mir wohl zum vierten Mal in Folge abholen.


Das waren sieben Kurzartikel. Mit dem kurz halten hat es nicht so recht geklappt, es ist halt leichter, mittellange als kurze prägnante Texte zu schreiben.

Schwedischer Nationaltag

Gestern war der 6. Juni, das ist der schwedische Nationalfeiertag. Im Gegensatz zum 17. Mai in Norwegen wird der aber eher ruhig angegangen. Natürlich ist hier und dort eine Flagge gehisst, aber das war es dann auch schon. Glaube ich zumindest.

Gestern war ich mit dem Auto unterwegs und der kurvige Kiesweg, den ich von Kåge aus genommen habe, hat mich schon halb nach Kusfors geführt, wo Lasse und Martine leben. Die waren aber nicht zu Hause, sondern in Norsjö, um dort für das Dorf Kusfors den Preis „Årets by“ – Dorf des Jahres – der Kommune entgegenzunehmen. Ich bin deswegen über kleine Nebenwege (Åliden – Stöverfors – Krångfors – Finnfors – Bastuträsk) nach Norsjö gefahren, um mich dort mit meinen Freunden zu treffen und bin mitten in die Nationaltagsfeier geplumpst.

Dies hätte fast ein x-beliebiges Sommerfest sein können, mit Hüpfburg, Rede, Fika für alle (die kalten Getränke waren eine willkommene Erfrischung bei 27 °C) und Preisverleihung. Einige liefen tatsächlich in Tracht umher, aber das waren vermutlich die Mitglieder der Volkstanztruppe, deren Aufführung ich verpasst habe. Doch zwei Dinge waren schon ein bisschen nationalfeierig. Zum einen wurde die Nationalhymne gesungen. Das habe ich in Schweden noch nie erlebt. Aber weil ein Sänger am Mikrophon laut vorsang, hatte ich den Eindruck, dass die Schweden eher ein bisschen mitmurmelten, anstatt inbrünstig mitzuschmettern. Und dann die Flaggen: Die große Flagge war gehisst, an den alten Häusern wehten die Flaggen und auch die Tortenstückchen waren mit kleinen Schwedenflaggen geschmückt. Das sieht schön aus, denn die blau-gelben Flaggen fügen schöne, bunte Farbtupfer zu den frühlingsgrünen Birken und den roten Holzhäusern hinzu.

Fika: Kaffe und KuchenDie schwedische Flagge ist gehisst

Die Schweden sind angenehm integrierend, was den Nationaltag angeht: Nicht nur Volkstänze sind gezeigt worden, sondern auch Tänze aus Afrika (habe ich ebenfalls verpasst) – immerhin leben in Norsjö auch viel Zugezogene aus vielen verschiedenen Ländern. Und an der Hauptstraße hingen nicht nur schwedische, sondern auch dänische, norwegische und finnische Flaggen.


Anschließend haben wir noch Freunde von Lasse und Martine besucht und uns anschließend ein altes Gehöft angeschaut, welches seit 30 Jahren unbewohnt ist. Eine Traumlage direkt am Fluss, aber wer diese Häuser wieder komfortabel bewohnbar machen möchte, hat viel Arbeit vor sich. Für mich, der sich zum einen in Skelleftehamn sehr wohl fühlt und zum anderen kaum einen Nagel gerade einschlagen kann, wäre das nichts.

Verlassenes Haus …… auf großem Grundstück direkt am Fluss

Bis spätabends saßen wir dann noch draußen in Kusfors, bis wir irgendwann vor den Mücken nach drinnen geflohen sind, denn jetzt geht es langsam los mit dem Gesirre und Gepiekse diese kleinen Plagegeister.

Skellefteå und Umgebung erleben

Ein Gastbeitrag von meiner Mutter aus Bremen.

Vier Jahre wohnt Olaf in Schweden – drei Mal waren wir zu zweit, nun ich in diesem Jahr leider allein bei ihm. Die Freude ist doch groß, ihn hier zu erleben, wie selbstverständlich er Schwedisch schnackt, ich verstehe kein Wort, trotzdem schön. Schön, wie viele Freunde und Bekannte er hier gefunden hat, er fühlt sich hier sehr wohl.

Meine Urlaubswoche war ausgefüllt mit Ausflügen und Besichtigungen und fragt man sich, wo sind die Highlights: Sie sind überall. Der Sommermarkt in Burträsk, Spaziergang über die Hängebrücke, Loppis (schwedische Flohmärkte), mal kurz zum Badestrand mit Blick auf die Insel Storgrundet und einmal kurz ins Wasser tauchen (in die eiskalte Ostsee), Skellefteå mit Spaziergang am Skellefteälven, Besuch des Museums mit interessanten Exponaten, Fototouren zu den großen Felsen, Köttbullar essen, mit Auto nach Bjuröklubb zum Aussichtspunkt und den drohenden, fast schwarzen Wolken, fotografieren, am Hafen Graved Lachs kaufen (allerhöchste Qualität), zwei Aufführungen mit einer Erzählung von und mit Birgit Andersson und Olaf am Klavier, Treffen bei lieben Freunden mit vielen anderen netten Menschen und Unmengen an Essen, Waffeln mit Moltebeeren auf einer kleinen Flussinsel.

Fototour abstrakt IFototour abstrakt II

Fototour abstrakt III

Bjuröklubb: leuchtende LupinenBjuröklubb: flechtenbewachsene Steine

Bjuröklubb Hafen: Prasselregen

Gåsören in der SonneWellenmusterAuf der Bühne IAuf der Bühne IINoten lesenFreilichtbühne mit Entenfamilie

So würde ich noch viele weitere Highlights erleben wollen, doch sorry, meine Urlaubszeit hier ist um.

Ich denke, weiter geht es im nächsten Jahr. Olaf, vielen lieben Dank für die schöne gemeinsame Zeit.

Pusteblume

Lofoten 2014 – Teil 1: Von Kabelvåg bis Å

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Lofoten 2014.

Wie schon letztes Jahr war ich auch diesen Sommer wieder auf den Lofoten, um Elisabet zu besuchen, die auch dieses Jahr wieder einige Monate dort arbeitet. Doch dieses Mal bin ich nicht alleine gefahren, sondern zusammen mit meinen Freunden Martine und Lasse, die ich am Donnerstag Nachmittag aus Kusfors abgeholt habe. Wir sind am Abend bis Kiruna gefahren und konnten Dank der Vermittlung eines Freundes in einer schönen kleinen Hütte am See übernachten. Das letzte Stück Weg hat es dermaßen gepladdert, dass man kaum noch etwas sehen konnte. Doch am Morgen bei der Weiterfahrt begann es schon aufzuklaren. Wir sind immer weiter der E10 gefolgt, bis wir am Nachmittag in Kabelvåg waren, wo Elisabet zur Zeit wohnt und arbeitet.

Am Abend sind wir drei und unsere Gastgeber nach Hov auf der Insel Gimsøy gefahren und haben dort am Strand gegrillt. Inzwischen war der Himmel blau, nur an den Bergen klebten noch einige Haufenwolken. Und kühl und windig war es, so dass ich über meine Wolljacke froh war. Das war dann auch ihr letzter Einsatz in diesem Urlaub. Während Elisabet mit Tochter und deren Freund Essen gemacht haben, konnte ich schon ein paar Mal auf den Auslöser drücken.

Berg und Strand bei Hov, Gimsøy

Wellen IWellen II

Den nächsten Tag haben wir in Ruhe begonnen: Erst ein gemütliches Frühstück unter blauem Himmel auf der Terrasse, dann noch einen Kaffee (ohne mich), danach sind Martine, Lasse, Elisabet, ihr Sohn J. und ich ins Auto gestiegen und losgefahren. Ziele waren Eggum und eine Glashütte, beides für mich neue Ziele auf den nicht mehr ganz unbekannten Lofoten. Ganz nach Eggum sind wir nicht gekommen, da mussten wir schon anhalten und ein paar Fotos machen. Da wir hauptsächlich mit dem Auto unterwegs waren und meistens dann, wenn die Sonne am höchsten stand, stehen die meisten meiner Bilder dieses Mal unter dem Motto „Postkarte“. Hier habe ich aber absichtlich die Straße mit drauf genommen, denn solche Ausblicke wie hier bekommt man fast überall auf den Lofoten zu sehen. Keine dramatische Landschaftsaufnahme, sondern ein völlig normaler x-beliebiger Blick auf diesen Inseln.

Blick vom Torvdalsveien

In Eggum gibt es ein altes Gemäuer, aus rohen Steinen zusammengesetzt. Ich hätte diese Ruine auf mindestens tausend Jahre alt geschätzt, doch da hätte ich gut daneben gelegen, denn es handelt sich um eine Radarstation, die die Deutschen 1943/44 gebaut haben. Und natürlich ist auch hier die Landschaft einmalig.

Borga Eggum, eine deutsche RadarstationWolken am Berg Tindan

Berg und See bei Eggum auf der Insel Vestvågøy

Weiter ging es zur „Glassblåserhytte“ in Vikten auf der Insel Flakstadøya, wo wir erst den beiden Glasbläsern bei ihrer Arbeit zugeschaut und dann einen Kaffee getrunken haben.

Die Glassblåserhytte in ViktenIn der Glassblåserhytte

Vikten auf der Insel Flakstadøya

Von da aus wollten wir eigentlich eine kleine Wanderung unternehmen. J. hatte sich am Vortag das Bein überstreckt und Martine kurierte einen Bänderriss aus. Da war es klar, dass der Weg einfach und eben sein muss. Der in einem Lofotenführer beschriebe Weg war aber nicht auffindbar und so sind wir nicht weit gekommen, bis wir an einer Steinwüste zwischen steilem Berg und Meer angelangt waren. Dort haben wir eine Pause gemacht, denn den ganzen Tag schon war das Wetter warm und sonnig und dies sollte sich bis auf zunehmende Temperaturen auch den Rest des Urlaubes nicht mehr groß ändern. Ich habe mich über die Pause gefreut, denn dort konnte ich auf den riesigen runden Felsen, die mit grünen Algen bewachsen waren herumklettern und so auch mein Lieblingsfoto des Tages machen.

Steinstrand bei Vikten

Da die Wanderung ausfiel, hatten wir mehr Zeit als erwartet und sind so weiter südwärts gefahren. Ziel war Å, welches nicht nur der letzte Buchstabe im norwegischen Alphabet ist, sondern auch der südlichste Ort der Lofoten. Vor Reine wurden unsere Geduld noch auf die Probe gestellt: Wegen Bauarbeiten war ein Weg nur einspurig und wir mussten bestimmt 20 Minuten fahren, ehe wir weiter durften. Aber die Stadt Reine ist es wert. Sie gehört zu meinen Lieblingsplätzen auf den Lofoten und am liebsten wäre ich wieder wie letztes Jahr auf den Reinebringen gestiegen. Aber lecker Fish and Chips draußen am Wasser hat ja auch etwas. Von Reine aus ist es nicht mehr weit bis Å, wo man einen schönen Blick auf die Insel Værøy hat. Sie ist bewohnt, aber im Gegensatz zu den Lofoten nur mit den Schiff erreichbar.

Blick auf die Stadt ReineDie Insel Værøya

Auf dem Rückweg wäre ich am Liebsten noch häufiger stehengeblieben, denn fotografisch gesehen begann jetzt die schönste Tageszeit, erst mit warmen Gelb- und dann mit leuchtenden Orangetönen. Aber ich war nicht alleine, wir alle waren schon lange unterwegs und auch etwas müde. Und die Baustelle mussten wir vor elf Uhr passieren, da die Straße dann für ein paar Stunden gesperrt wird. Erst gegen ein Uhr nachts waren wir wieder zu Hause. Zwei Fotos bleiben aber noch von der spätabendlichen Rückfahrt:

Reine im AbendlichtSonnenuntergang

Morgen oder übermorgen schreibe ich den zweiten Teil. Gute Nacht!

AÅO-Trio

Am 21. August habe ich mit Åsa und Löwis ein kleines schönes Triokonzert im Café Nordanå gegeben. Nach unserem Auftritt wurden wir vom Jazzklub gefragt, ob wir nicht nächstes Frühjahr eine kleine Minitour spielen wollen. Das wollten wir gerne und deswegen ist auch ein Teil unseres Konzertes jetzt als Demo-Material auf YouTube zu finden. Aus dem gleichen Grund haben wir seit ein, zwei Wochen auch einen Namen: AÅO-Trio.

0:00 – Peel me a grape | 0:57 – Horgalåten | 2:22 – All of me | 3:47 – Marionett
5:37 – I feel pretty | 6:22 – Jag vet en dejlig rosa | 8:32 – Some other time

0:00 – Summertime

Releaseparty.

Wir – das heißt in diesem Fall Hello Future, mein Arbeitgeber – haben zusammen mit einer anderen Agentur den ersten Teil der neuen Webseite von Skellefteå Kraft entworfen, programmiert und online gestellt. Gestern hat Skellefteå Kraft unsere Teams zur Releaseparty ins Eishockeystadion eingeladen. Das Stadion heißt Skellefteå Kraft Arena, denn unser Gastgeber ist nicht nur eines der größten Unternehmen in der Region, sondern auch einer der Hauptsponsoren.

Um fünf sind wir die Treppen hoch zur obersten Etage gelaufen, denn dort sind die Logen der Sponsoren. Direkt der erste Raum in der Ecke war für uns in einer herrlichen Farbkombination gedeckt: Servietten in Gelb (AIK hat schwarz-gelb als Vereinsfarben) und Giveaways in knallviolett, der neuen Hauptfarbe von Skellefteå Kraft. Dann gibt es Abendessen – wie in über 95% solcher Fälle in Form eines Buffets. E. fragt, ob es ein Nachtischbuffet gibt (Die Frage hätte von mir kommen können!) aber dies verneint die Kellnerin, die uns mit Getränken versorgt. Vielleicht ganz gut, denn auch so hatte ich heute morgen fast ein Kilo mehr auf der Waage, woran die zwei Stück der gelben AIK-Küchlein vielleicht nicht ganz unschuldig sind …

Unsere Loge für den AbendAIK-Kuchen

Nebenan, durch die Glasscheibe gut zu überblicken, füllte sich langsam das große Eishockeystadion. Wir konnten noch in Ruhe sitzen bleiben und sind erst in letzter Minute aufgestanden, um zu unseren Logenplätzen zu gehen. Dann ging die erste Spielzeit los. Ich bin zu langsam für dieses Spiel. Wenn ich glaube, dass der Puck in der einen Ecke ist, rennen die Spieler wieder schon woanders hin und das 1:0 für Skellefteå habe ich komplett verpasst. Nun ja, ich werde nie ein richtiger Sportzuschauer werden.

In der „Heimecke“ saßen und standen die Hardcorefans, die, von einem Trommler unterstützt, minutenlang die gleichen Fangesänge verlauten liessen. Die klangen alle für mich so:

Nuschel, nuschel, nuschel A-I-Koooh! A-I-Koooh! A-I-Koo-oo-oh!

AIK-Fans

Meine schwedischen Kollegen haben auch nicht mehr verstanden. Nett war, dass wir in den beiden Pausen gemütlich wieder am Tisch sitzen, etwas trinken und Unsinn reden konnten, denn die meisten von uns haben mit Eishockey, welches doch so wichtig und zentral in Skellefteå ist, nicht viel am Hut.

Ganz oben im StadionSkellefteå AIK gegen Växjö Lakers

Nach zwei weiteren Toren hat Skellefteå AIK das Spiel gegen die Växjö Lakers 2:1 gewonnen und wenn das Spiel vorbei ist, dann gehen die Schweden gesittet nach Hause. Kein großes Gejubel mehr, nein, fünf Sekunden höflicher Applaus reichen aus und alle verlassen die Arena, auch um zu ihren Autos zu gelangen.

Tack, tack, tack, tack, tack …

Ich dachte, dass ich wohl Ewigkeiten brauchen würde, um das Gelände mit dem Auto zu verlassen, aber auch hier sind die Schweden sehr diszipliniert. Es gilt kugghjul – auf deutsch Zahnrad, das schwedische Wort für Reißverschlußverfahren – an allen Ausfahrten und Kreuzungen und das funktioniert richtig gut. So war ich doch einiges früher erwartet wieder zu Hause in Skelleftehamn.

Doch, so alle zwei, drei Jahre kann man sich so ein Spiel durchaus mal anschauen, vor allem, wenn man so gut und nett bewirtet wird und so schöne Plätze hoch oben hat. Tack för igår, Skellefteå Kraft, danke für gestern!

Meine große Spiegelreflexkamera habe ich zu Hause gelassen und alle Fotos mit dem iPhone gemacht.

Beam mich ins Weihnachtsland!

Heute um viertel vor sieben war Probe mit dem Kammerchor. Nach zwei wunderschönen Konzerten am Wochenende, an dem wir zusammen mit dem Chor Da Capo das Brahmsrequiem in der Version für Chor und zwei Flügel aufgeführt haben, stand heute die erste Probe für das Weihnachtskonzert auf dem Programm. Und plötzlich singt man von „Christmas time“ und von „Jul“ und „Titta det snöar“ – schau, es schneit!

Ich allerdings war schon seit zwei Stunden in Weihnachtsstimmung, und das lag bestimmt nicht am nasstrüben Wetter, welches jedes Fitzelchen Schnee schon längst wieder in Dreckpfützen verwandelt hat. Nein, ich hatte eine Weihnachtsoffenbarung in Skellefteås Lidl.

Es ist eine kleine Tradition, dass ich dort manchmal vor der Chorprobe Dinge kaufe, die ich sonst in Schweden schwer oder gar nicht bekomme: richtiges Brot (aus deutscher Sicht), Schwarzwälder Schinken, aber auch italienische Antipasti.

Und dann war da dieses Regal. Ein riesiges, breites, hohes Regal. Und darin befanden sich hunderte und aberhunderte Packungen, deren Inhalt den meisten Schweden völlig unbekannt sein dürfte: Lebkuchen! Pfeffernüsse! Oblaten! Spekulatius! Baumkuchen! Eigentlich das komplette deutsche Weihnachtssortiment.

Wie ein Kind im Schlaraffenland stand ich da, den Mund offen, dem Anblick kaum trauend. Und ich musste mich mühsamst beherrschen, nicht säckeweise Weihnachtsleckereien einzukaufen. Nur eine große Tüte Lebkuchen wanderte in meinen Pappkarton.

Und dann der erste Bissen, kurz vor der Chorprobe. Herrlich! Manchmal bin ich mit einfachsten Mitteln sehr glücklich zu machen. Lebkuchen im November gehören mit dazu.

Nach der Probe glitzerten die Straßen. Der Himmel war teilweise aufgeklart und die Straßen glatt. Und zwischen den Wolken konnte man den Mond und einige Sterne erblicken.

Sternenhimmel

Und sonst? Einige werden gemerkt haben, dass ich hier drei Wochen nichts mehr geschrieben habe. Zum einen hatte ich viel um die Ohren, zum anderen schreibe ich über die meisten Themen im neuen Blog way-up-north. Ich werde versuchen, zumindest ab und zu hier zu schreiben, doch von Januar bis März, wenn ich meine große Skandinavienwinterreise mache, werde ich wohl nur das neue Blog up to date halten.