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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Unterwasser

Wie schon letzten und vorletzten Samstag bin ich heute wieder zu unserem Winterbadeplatz gefahren. Heute allerdings nicht, um zu baden, sondern mein neues Spielzeug zu testen, welches ich gerade aus der Stadt geholt habe: Die bis 15 Meter Tiefe wasserdichte Kamera Nikon AW1.

Einige Bilder konnte ich machen, ehe der kaum geladene beiliegende Akku leer war.

Der erste UnterwassertestEis im warmen Sonnenlicht

Dann habe ich den Akku aufgeladen und bin noch einmal mit dem Auto zum Strand vor Storgrundet gerutscht¹ und habe dort am und im Wasser ein paar Fotos gemacht. Ich habe aber nicht herausgefunden, wie man Blende, Belichtungszeit oder ISO-Zahl ändert und deswegen sind die meisten Fotos nicht so geworden, wie ich wollte. Da muss ich erst einmal die Anleitung lesen.

Aufgebrochenes EisEisummantelt

Die Kamera kann auch RAW-Format, welches wesentlich besser geeignet ist, um die Bilder noch zu bearbeiten und zu optimieren. Der Weg dahin ist aber steinig: Mein Lightroom 4 kann die RAW-Daten nicht lesen, aber das kann das aktuelle Lightroom 5, welches auch nicht so teuer ist. Lightroom 5 versteht sich aber nicht mit meinem in die Jahre gekommenen Betriebssystem. Da ich mich aber scheue, das System upzudaten, werde ich vermutlich einiger Zeit mit zwei Computern arbeiten. Das sind die Dinge, die mich an der schönen digitalen Welt nerven!


¹ Zum Thema gerutscht: Sowohl ein Freund im Inland als auch eine Nachbarin sagen, sie könnten sich nicht erinnern, es jemals so glatt erlebt zu haben. Die kleinen Wohnstraßen und erst recht die wenig befahrenen Waldwege sind blankes Eis, auf dem selbst die Spikes der Winterreifen kaum fassen. So schleiche ich im Schritt-Tempo durch jede Kurve und das funktioniert dann auch ganz gut.

Gestern Abend bin ich doch vom Weg abgekommen: Mancher Weg hat ein leicht rundes Profil, zu beiden Seiten abfallend. Und wenn dann beide Räder auf der gleichen Seite fahren, kann es sein, dass das Auto trotz der Spikes langsam an den Rand rutscht. Dort fassen die Reifen wieder und man kann weiterfahren, aber es ist ein scheußliches Gefühl und ich fahre nur noch Wege, die ich sehr gut kenne und die keine Gräben haben.

Zu Fuß ist das Ganze nicht besser. Ich habe mich schon ein paar Mal auf den Hosenboden gesetzt und seitdem mache ich meistens die Spikesohlen unter die Stiefel. Wirklichen Spaß, mit den laut „kraatsch-kraatsch“-machenden Dingern zu Laufen macht es aber nicht und bei diesem Eis kommen auch die Spikes unter den Füßen an ihre Grenzen. Vielleicht doch Steigeisen, Bergsteigerhelm und Eispickel …?

Reifenspuren

Eigentlich wollte ich heute Abend Schneewehen fotografieren, denn der trockene Neuschnee, der heute morgen gefallen ist, wurde waagerecht vorbei geblasen. Aber dann habe ich etwas entdeckt, was ich viel spannender fand: Der Wind hat den ganzen Asphalt schneefrei geblasen, bis auf einige Reifenspuren, an denen sich der Neuschnee festhalten konnte.

Reifenspuren vor der LotsenstationReifenspuren vor der Lotsenstation

Auch auf dem Parkplatz am Bootshafen war der Schnee komplett weggeblasen und das Eis, welches die Bucht bedeckt hat, war teilweise vom starken Wind wieder aufgebrochen.

Am BootshafenDünne Eisscholle am Bootshafen

Am Rand, wo Gras, Gestrüpp und kleine Kiefern wachsen, haben sich einige Schneewehen gebildet. Kaum 30 Zentimeter hoch, aber genug, um nur noch die Spitzen der jungen Kieferbäumchen herausschauen zu lassen.

Die kleine Kiefer und die kleine Schneewehe

Am Wintermeer – Teil 1

Ich als Fan des skandinavischen Winters habe heute ein bisschen neidvoll auf andere Orte Schwedens geschaut: Katterjåkk misst jetzt schon 105 cm Schnee. Wir vielleicht fünf oder acht oder so. Und während in Pajala und Hemavan die Mittagstemperaturen unter -30 °C lagen und in Nikkaluokta in der letzten Nacht -38.7 °C gemessen wurden, hatten wir hier „nur“ so um -10 °C. Das liegt natürlich am nahen Meer, welches hier für vergleichsweise milde Temperaturen sorgt. Und manchmal ärgere ich mich dann, dass ich nicht weit, weit, im nördlichen Inland oder besser noch auf dem Fjäll lebe. Aber dann brauche ich nur ans Meer zu gehen oder zu fahren und schon weiß ich wieder, warum ich es hier mag.


Heute bin ich wieder zu Långhällan gefahren, wo ich zuletzt mit Jochen vor zwei Monaten war.

Es ist eine ganz eigene, faszinierende Stimmung heute morgen an der Küste. Die dichten Wolken sorgen für ein kaltes Zwielicht und alles liegt in Eis erstarrt. Die kleinen Sträucher sind dick von Eis umhüllt. Es ist windig und ab und zu fliegt ein bisschen körniger Schneegriesel vorbei. Weder Mensch noch Tier lässt sich blicken – der Winter auf dem Festland ist ruhig. Doch das Meer ist aufgewühlt. Hohe Wellen überlagern sich, brechen sich, lärmen und rauschen und die Brandung schleudert die Gischt meterhoch in die Luft und über die Felsen ans Land, wo sie sofort festfriert.

Deswegen sind alle Felsen mit einer Eisschicht überzogen und ich bewege mich nur teilweise laufend vorwärts. Manchmal krabbele ich eine größere Stufe hinab oder rutsche auf den Knien weiter. Man sollte sich auf den Felsen halten, denn die glatten Eisflächen bedecken Senken, die metertief mit Wasser bedeckt sein können und vor allem nah am Meer ist das Eis noch dünn. Doch es ist wunderschön, in diese raue Landschaft einzutauchen und mit der Natur eins zu sein.

Eisküste

EisküsteEisumhülltes Bäumchen

Einsame Kiefer auf Eis und Fels

Es muss ein sehr lustiger Anblick sein, mich in ziemlich sonderbaren Haltungen auf den Felsen fotografieren zu sehen. Für ein Detail lege ich mich platt auf dem Boden; die Kamera liegt auf einem Handschuh. Das Motiv gibt leider nichts her und bald laufe ich zurück zum Auto. Inzwischen bewege ich mich viel leichter und entspannter auf dem Eis, ich habe mich wohl daran gewöhnt – nein, ich habe bloss mein Stativ vergessen! Also noch einmal zurück. Zum Schluss mache ich noch ein Foto unter dem Motto „Beach Party“, aber ich bezweifele, dass ich damit den Pauschaltouristen ansprechen kann.

Beim Fotografieren„Beach party“

Jetzt könnte ich den Heimweg antreten, aber nein, noch will ich nicht fort

Am Wintermeer – Teil 2

Was macht man, wenn Winter ist, -10 °C, man am Meer fotografiert hat und noch nicht nach Hause will? Man holt die neue wasserdichte Nikon aus dem Auto. Und damit man selbst auch wasserdicht ist, kommt der knallrote Neoprenoverall auch mit. Zu recht – wie sich zeigen wird.

Bald laufe ich durch das knietiefe Wasser einer kleinen Bucht zu den exponierten Felsen. Kaum sitze ich auf den Felsen, kommen schon ein paar Brecher heran gerauscht und überspülen den Felsen, auf dem ich hocke. Ich komme nicht dazu, zu fotografieren, denn ich bin mehr damit beschäftigt, einen guten Halt zu finden, damit mich nicht irgendeine Monsterwelle wegspült. Keine Minute später sind Gesicht und Kamera klatschnass und das erste Wasser hat am Kinn seinen Weg in den Overall gefunden, aber ich sitze.

Wirklich zufrieden bin ich nicht mit den Fotos. Es war wenig Licht, ich kenne die Kamera noch nicht und an die spannendsten Stellen kam ich nicht. Ich hätte liebend gerne seitlich in ein Wellental hinein fotografiert aber dazu hätte ich die sicheren Felsen verlassen müssen und das war mir definitiv viel zu gefährlich.

Ein paar Fotos, die aber nur einen schwachen Eindruck von der Energie des aufgewühlten Meeres zeigen.

Brandung und GischtBrandung und GischtRauhe FelsküsteDie Gischt fliegt auf mich zu

Ich habe auch ein paar Fotos von mir gemacht. Bei dem letzten kam dermaßen viel Wasser angerauscht, dass von mir nicht viel zu sehen ist, obwohl die Kamera ja nur eine knappe Armbreite von mir entfernt ist. Sehr nass, sage ich nur!

SelbstportraitIn der Gischt

Einmal die volle Breitseite

Und die Nikon AW1? Das Wichtigste: Sie hat gehalten! Ich habe sie über Wasser gehabt, in der Brandung und auch oft unter Wasser. Letzteres, um das Eis wieder abzuschmelzen, doch dazu ist das Wasser in der Bucht zu kalt und bald war die ganze Kamera mit einem Eispanzer umgeben. Lediglich den Auslöseknopf konnte ich freihalten und immer wieder die gefrierenden Gischt-Tropfen vom Frontglas entfernen. Aber an Zoomen war nicht mehr zu denken. Doch nachdem ich die Kamera zu Hause gebadet(!) und getrocknet habe, ging alles wieder prima.

Nikon AW1 – eisüberzogen

Nachtrag:

Ich habe ein kleines, wackeliges Video von heute online gestellt.

Grautöne

Ungemütlich ist es: Selbst tagsüber ist es dämmerig-trübe, da dicke graue Wolken über der Region hängen. Aus denen fällt aber kein klarer, weißer Schnee, sondern kalter Sprühregen auf die nassen, vereisten Straßen. Die Sonne geht zwanzig vor zehn auf und kurz vor halb zwei unter und um drei ist es duster. Nur die tiefen Wolken reflektieren ein bisschen das Licht Skelleftehamns. Nicht mein Wetter.

Am Kallholmsfjärden

Heute vor drei Jahren sah es bei uns so aus:

Kontrast: Genau heute vor drei Jahren

Das gefällt mir deutlich besser, auch wenn man einiges mit dem Schneeräumen zu tun hat. Ich bin gespannt, ob und wann der richtige Winter hier Einzug hält.

Neujahrstag am Strand

Nach einer schönen Silvesterfeier und einem Morgenspaziergang in Norrlångträsk bin ich nicht direkt nach Hause gefahren, sondern habe in Byske noch Halt am Meer gemacht. In Byske gibt es eine große Bucht mit schönem Sandstrand, der im Sommer von vielen Norwegern besucht wird, weil hier oft das Wetter besser ist.

Ich war sehr gespannt, ob schon Eis auf dem Meer ist, aber es war noch komplett offen. Spannend war aber der Grenzbereich zwischen dem schneebedecktem Sandstrand und dem offenen Meer. Hier hat sich eine kleine Abbruchkante gebildet, unter der tausende und abertausende kleine Eiszapfen hingen.

Eiskante am Strand von ByskeEiskante am Strand von Byske

An manchen Stellen war ein Teil der Eiskante abgebrochen und wurde von den flachen Meereswellen umspült.

Meerumspültes Eis von der Abbruchkante

Nun wurde es dunkler und das Licht kälter. Ich stand am und im Wasser und mein rechter Fuss war inzwischen nass. (Notiz an mich selbst: Die Wintergummistiefel sind nicht so hoch wie die Sommergummistiefel.)

Eis schwebt über der OstseeBlick auf Björknäsudden

Ein letztes Motiv habe ich noch fotografiert, ehe ich wieder zum Auto gegangen und nach Hause gefahren bin. Dies ist mein Lieblingsbild 2014 und ich überlege, ob ich am Wochenende noch einmal nach Byske fahre, und dort den ganzen kurzen Tag fotografiere.

Eisskulptur

14 Ideen für 2014

Ich gebe es gleich am Anfang zu: Der Blogtitel „14 Ideen für 2014“ ist geklaut und zwar aus dem Blog soschy on tour. Dort schreibt Sonya, eine gute Freundin aus Münchner Zeiten, über ihre 14 Ideen, die sie gerne 2014 umsetzen möchte.

Ich versuche es ihr gleich zu tun und werde hier 14 Ideen zusammentragen, die ich selber gerne umsetzen möchte. Nicht dabei sind die typischen guten Vorsätze, wie „mehr Sport treiben“, „sich gesund ernähren“ oder „die Welt retten“. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viele Winterideen habe, denn für deren Verwirklichung habe ich nur noch gut drei Monate Zeit.


Also, dann mal los: Ich will …

  • wieder eine Skitour machen
  • im Winter auf die Lofoten, die Vesterålen oder nach Tromsø
  • bei -40 °C zelten
  • von der Arbeit mit Skiern nach Hause laufen (etwa 20 km)
  • mit einem Eisbrecher mitfahren

Äh, Olaf, Du wolltest doch nicht nur Wintergedanken haben, oder? – Ach ja, na gut. Ich will …

  • im Sommer eine Mehrtagestour mit Kajak und Zelt machen
  • mehr abstrakte Naturfotos machen
  • mit der Fähre von Umeå (Schweden) nach Vaasa (Finnland) fahren
  • im Sommer mit dem Kajak zur Insel Skötgrönnan paddeln (Naturreservat)
  • mit Münchner Freunden eine Städtereise machen

Äh, Olaf, bist Du auch mal drinnen? – Ach ja, na gut. Ich will …

  • Für den Kammerchor, in dem ich mitsinge komponieren oder arrangieren
  • lernen, besser Schwedisch zu sprechen
  • mehr Musik machen und mehr lokale Musikkontakte bekommen
  • etwas völlig Neues machen, was, das weiß ich noch nicht

Und eine Zusatzidee, die ich vermutlich eher 2015 durchführen werde, aber wer weiß:

  • Eine Fernreise machen. Das könnte Kanada sein, Mexico, Neuseeland, Nepal oder die Mongolei. Wohin es geht, hängt mehr davon ab, ob ich vielleicht einen Reisepartner für eines der Ziele finde. Freiwillige? Kanada auch im Winter?

In einem Jahr könnt Ihr lesen, welche der Ideen ich verwirklichen konnte.

Kleine Enttäuschung in Byske

En liten besvikelse i Byske På svenska

Trots det dystra vädret åkte jag idag till Byske igen, eftersom jag har varit där på nyår och tyckte så mycket om isen på stranden. Men tyvärr har värme, vind och vågor tagit bort den vackra iskanten och krossade allt till småbitar. Det var så mild att även Byskeälvens mynningen är nästan isfritt återigen.

Och på något sätt hade jag det svårt att hitta någon motiv idag. Ett stort isflak, som balanserade på en liten ispelare såg ganska imponerande ut i naturen, men gör det inte på bilden. Roligare är väl „making of“-foton som jag tog med min iPhone.

Idag är jag lite missnöjd med mina bilder. Anledningen: Jag var inbjuden av en fotograf som jag träffade för några dagar sedan. Han visade sina bilder och dom är på någon helt annan nivå än mina! Jag är mycket glad över bekantskapen, inte bara för att han är sympatisk men också för att vi har planerad att ta någon fototur tillsammans och det blir väl både roligt och lärorik för mig. Och så ligger något bra i mitt missnöje: Den visar, att jag har potential att bli bättre och det är väl något positivt.

Trotz des ewig-trüben Wetters bin ich heute noch einmal nach Byske gefahren, denn dort war ich Neujahr schon und fand das Eis am Strand so schön. Aber leider haben das Wärme, Wind und Wellen der schönen Eiskante den Garaus gemacht und zu kleinen Stückchen zertrümmert.

Zertrümmertes Eis am Strand

Und irgendwie habe ich kaum Motive gefunden. Eine große Eisscholle, die auf einer kleinen Säule ausbalanciert lag, sah zwar in Natura imposant aus, aber das Foto gibt es irgendwie nicht her. Lustiger ist das „Making of“-Foto, welches ich mit dem iPhone geknipst habe.

Balanceakt„Making of“

Es war so mild, dass sogar die Flussmündung des Byskeälven wieder offen war und dort habe ich doch noch ein recht schönes Motiv gefunden.

Flussmündung des Byskeälven

Ich bin heute unzufrieden mit meinen Fotos. Der Grund: Ich wurde von einem Fotografen eingeladen, den ich vor ein paar Tagen kennengelernt habe. Der hat mir seine Fotos gezeigt und das ist einfach mal ein ganz anderes Niveau. Ich bin sehr froh über die Bekanntschaft, nicht nur, weil er nett ist, sondern auch, weil wir uns vorgenommen haben, mal zusammen fotografieren zu gehen und da kann ich bestimmt jede Menge lernen. Und so hat meine Unzufriedenheit etwas Gutes: Sie zeigt, dass ich noch großes Potential zur Verbesserung habe und das ist ja etwas Schönes.

Schneekanonen – Zwischenstand II

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Gestern hätte ich nicht gedacht, dass ich noch zur Chorprobe in die Stadt komme. In Skelleftehamn schneite ohne Unterlass und morgens lagen 40 cm Neuschnee auf der Fahrbahn. Das war mir zu hoch für eine Autofahrt ohne Allrad. Gegen elf kam aber der Schneepflug und hat die Straße freigeräumt. Danach habe ich noch eine halbe Stunde gebraucht, um den halbmeterhohen Schnee freizuschaufeln, damit das Auto auch auf die Straße kommt.

In der Stadt lag praktisch kein Schnee und während der Probe klarte es auf und der Mond ging auf. Auf dem Rückweg nach Hause fuhr ich von dem klaren Winterwetter wieder hinein in das böige Schneewetter. Hier in Skelleftehamn hatte es den ganzen Tag bei lebhaftem Wind heftig geschneit, aber der Tallvägen, in dem ich wohne, war schneegeräumt. Gegen Mitternacht lagen dort wieder 30 – 40 Zentimeter Neuschnee. Der Zaun hinter dem Garten schaute nur noch an einigen Stellen ein paar Zentimeter auf dem Schnee, die Schneewehen neben dem Zaun zum Nachbarn peilten die Zweimetermarke an. Die Garage war bis an die hohen Fenster heran zugeweht und auch auf der Terrasse lagen bis zu 130 cm Schnee.

Nächtlicher Blick durchs Fenster

Für heute hat der Wetterdienst vor 20 – 30 cm Neuschnee gewarnt, ich vermute, wir haben stattdessen mindestens 70, eher 80 bekommen. Für morgen sagte der Wetterdienst weitere 15 – 25 cm Schnee voraus. Ob ich es wohl morgen zur zweiten Chorprobe in die Stadt schaffen würde?

Als ich heute morgen früh aufstand, um einen ausgiebigen Morgenspaziergang zu machen, war ich ganz verdutzt. Ich hatte schon damit gerechnet, dass wir komplett einschneien, doch das erste, was mir hier auffiel, war der Sternenhimmel. Es hat aufgeklart und der Wind wirbelte bloß manchmal noch den Schnee vom Boden auf. Da ein Taxi (mit Allrad) letzte Nacht den Tallvägen entlangfuhr und eine Spur durch den Schnee gezogen hat, habe ich nach dem Frühstück einen Weg zur Straße geschaufelt und bin mit dem Auto den Reifenspuren hinterher durch den Schnee gedriftet. Schon die nächstgrößere Straße war gut geräumt und so kam ich bequem in die Stadt zur Chorprobe. Auf dem Nachhauseweg war ich gespannt: Schneesturm oder nicht. Aber in Skelleftehamn ist heute nichts mehr heruntergekommen. Die Schneewehen sind schon ein bisschen zusammengesackt und nachdem ein Bekannter mit seinem alten Traktor meine ganze Einfahrt von Schnee befreit hat, konnte ich auch ohne längeres Schippen wieder auf meine Auffahrt fahren.

Morgen soll es wohl ein bisschen aufklaren und ein wenig kälter werden. Wenn es jetzt länger kalt bleibt, wird jetzt wohl auch das noch offene Meer zufrieren. Auf der nahen Bucht bildet sich jetzt das erste Eis. Dann ist es vorbei mit den „Schneekanonen“, die hier und in Bureå südlich von Skelleftehamn für die großen Schneemengen innerhalb von zwei Tagen gesorgt haben.

Ein halber Tag frei

Heute habe ich mir einen halben Tag freigenommen. Nach den starken Schneefällen der letzten Tage war ich neugierig, ob in Bureå tatsächlich mehr Schnee liegt. Ein Chorsänger, der dort wohnt, meinte, vor allem auf dem Bureberget (99 m!) läge besonders viel.

Die erste Überraschung kam nach 200 Metern: Die Bucht Killingörviken, auf der ich gestern um 22:00 noch Wellen gesehen habe, war komplett zugefroren und weiß bedeckt. Innerhalb von zehn Stunden! Aber mein Ziel war ja der Bureberget, das ist etwa 20 Kilometer entfernt.

Wie ich schon gedacht habe, war der Weg zur „Berghütte“ nicht gespurt, aber zum einen konnte ich das Auto abstellen, zum anderen hatte ich ja Schneeschuhe dabei. Nach einem Kilometer Weg war ich an der Hütte.

Die Strasse zur BerghütteSchneewehen vor der Hütte

Von dort aus bin ich weiter am Nordhang des Burebergets entlanggelaufen. Da es hier große Felsen gibt, habe ich auch die Schneeschuhe und keine Skier gewählt. Bei jedem Schnitt sank ich bis zur Wade in den fluffigen Schnee oder auch bis ans Knie. Aber manchmal, vor allem neben Felsen und in unsichtbaren Gräben geht es auch tiefer hinein und an einer Stelle steckte ich bis zum Bauch im Schnee – mit Schneeschuhen wohlgemerkt.

Von dem Nordhang hat man einen schönen Blick auf Skelleftehamn, die Inseln und das Meer. Ich war erstaunt: Weite Teile des Meeres waren eisbedeckt, nur am Horizont konnte man noch das Blau des offenen Meeres ausmachen. Und während ich fotografierte, bahnte sich ein großes Schiff, unterstützt von Eisbrecher und Lotsenboot seinen Weg durchs Eis. Fasziniert stand ich lange dort und schaute, wie das Schiff die Bucht, an der ich heute früh vorbeigefahren bin verließ und auf das Meer hinaussteuerte.

Inseln im EisEin großes Schiff bahnt sich den Weg

Schließlich bin ich wieder den Hang hoch gestapft, quer durch den tief verschneiten Wald, meine tiefe Schneeschuh-Tatzenspur hinter mir lassend.

Schneebepackter WinterwaldTiefe Schneeschuhspur

Bald war ich dem Weg nah und nun kam die Sonne heraus. Die Sonne, die ich fast zwei Wochen nicht mehr gesehen habe. Und sie tauchte den Schnee und die Bäume in warmes oranges Licht.

Die Sonne kommt hervorWinterwegmarkierung

Der Sonne entgegen!

So ein halber Urlaubstag bei wundervollstem Winterwetter mit Sonne, -15 °C und Schnee satt öffnet mir wirklich das Herz. Ich war einfach nur glücklich, so viele schöne Eindrücke in so kurzer Zeit geboten zu bekommen. Heute mittag würde ich nach Skellefteå fahren und arbeiten.

Noch an dem kleinen Wald mit hohen Fichten vorbei und dann stand ich am Auto, bürstete Rucksack, Jacke und Hose ab und setzte mich ans Steuer. Bei diesem Wetter ist sogar der Weg von Burvik nach Bureå – einer wie viele – ein Traum!

Die Sonne scheint durch den WaldDie Straße von Burvik nach Bureå

In Bureå scheint ähnlich viel Schnee heruntergekommen zu sein wie bei uns, vielleicht noch ein paar Zentimeter mehr. Aber es war wohl nicht so windig und so konnte sich der Schnee besser setzen, zum Beispiel auf dieses Auto:

Eingeschneites Auto in Bureå

Ich wäre noch gerne hier- und dorthin gefahren, aber es zog mich nach Skelleftehamn, wo ich essen wollte, wovor ich in die Stadt fahren würde.

Gleich geht’s los zur Arbeit. Nur noch ein Foto von der zugefrorenen Bucht Killingörviken. Hier sieht man gut, dass das Eis noch nicht solide ist, sondern aus vielen Eisschollen besteht, die wie ein Puzzle ineinander haken.

neues Eis auf der Lillingörviken

Gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen

Ein ganzer Tag frei

Liebe Blogleser: Kennt Ihr schon den Artikel Ein halber Tag frei? Da fängt diese Geschichte an. Also hier erst weiterlesen, wenn Ihr das andere gelesen habt. Versprochen?


… gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen.

Und ich habe geschaut, noch einmal geschaut und dann bei Hello Future angerufen, um den ganzen Tag frei zu bekommen. Denn es ist ein wunderschöner Anblick, wenn die Ostsee beginnt, zuzufrieren und da es heute gerade so klar und schön war, wollte ich noch den Rest des Tages draußen bleiben. Erst habe ich von Land fotografiert, dann auch vom flachen Wasser aus. Es war aber gar nicht so einfach die Eiskante herunter- und wieder hochzuklettern, denn auch wenn sie nicht an allen Stellen zwei Meter hoch ist, glatt ist sie überall.

Eiskante vor der Halbinsel NäsgrundetMeereiszapfen

Warme Sonne, kaltes Eis. Gåsören am Horiziont

Und so sah ich nach den Fotos aus: Wathose gegen kaltes Ostseewasser, warme Jacke gegen die kalte Luft, und rundum zufrieden. Ich musste zwei Anläufe für dieses Foto machen, denn das Eis war so glatt, dass ich beim ersten Mal hinsetzen mich nicht halten konnte und sitzend langsam wieder herunter zur Kamera schlitterte.

Zufrieden und erfüllt

Danach fuhr ich erst einmal zum ICA, Lebensmittel einkaufen und nach Hause, denn ich hatte seit dem Frühstück weder etwas gegessen oder getrunken und mein Magen knurrte ungehalten. Aber dann bin ich noch einmal losgefahren, zu der gleichen Stelle wieder. Denn das schöne Pfannenkucheneis am Damm zur Halbinsel wollte ich noch ablichten.

Pfannkucheneis

Zwei Bilder möchte ich noch zeigen, dieses Mal nicht Natur, sondern Menschgemachtes: Erst (von der ersten Runde) die Lotsenstation vom Wasser aus und dann (von der zweiten Runde) die Industrieanlagen auf der Halbinsel Rönnskär.

Die Lotsenstation aus NäsgrundetRönnskär am Nachmittag

Na gut, ein Bild habe ich noch. Was macht man, wenn man einen wasserdichten Overall und eine wasserdichte Kamera hat: Fotos nah am Wasser. Wenige sind etwas geworden, denn es war fast zu dunkel für die kleine Kamera, um vernünftig zu fokussieren. Wie ein merkwürdiger Traum war es, auf dem weichen Eis zu liegen, halb im Wasser, und zu sehen, wie der Mond, von Jupiter begleitet, seine Strahlen über die vereiste Ostsee schickt.

Traum

Mein Dank geht an Hello Future, dessen fast grenzenlose Flexibilität mir diesen Tag heute ermöglicht hat. Tack så mycket, E., J. und L.

Raureif 70-200mm

Zwei Gründe gab es, heute vor der Arbeit, und dann noch einmal mittags zum Fotografieren draußen zu sein: Zum einen der herrliche Raureif, der sich vor allem um die filigranen Zweige der Birken gelegt hat, zum anderen ist gestern mein neues Nikon-Teleobjektiv gekommen, welches ich natürlich sofort ausprobieren wollte.

Vermutlich werde ich bald irrsinnig starke Handgelenke vom Halten haben, denn alleine das Objektiv wiegt anderthalb Kilo. Ich muss mich jetzt daran gewöhnen, das Tele und nicht die Kamera am Stativkopf zu befestigen, denn sonst nickt die Kamera vorne über.

Aber genug vom Fotografieren, hier kommen drei Bilder von heute morgen in Skelleftehamn und Ursviken:

Raureif ummantelt die Birken am MeerGåsören dunstig und eisumschlossen

Der Kanuverein an der „Kanubucht“ in Ursviken

Nach der Mittagspause war ich noch am Fluss. Die Sonne bestrahlte den eisbedeckten Fluss, der fürchterlich knarkste und krachte, und die beraureiften Baumreihen.

Zwei Flosse vor Skellefteås Flussinseln Ytterholmen und Karl Fredriksholmen

Wenn es trocken und kalt ist, dann rieselt oft feinster Eisstaub aus dem Nichts. Normalerweise würde man den gar nicht sehen, wenn das Eis nicht so in der Sonne glitzern würde. In Richtung Sonne bildet sich dann oft eine Lichtsäule, die durch die Reflektionen der horizontal schwebenden Eisplättchen entsteht. Schwer zu fotografieren, da die Lichtsäule immer genau in Richtung Sonne steht, aber auf dem folgenden Bild sieht man es zumindest ein bisschen im Detail, auch wenn das goldene Glitzern fehlt.

Auf dem Bild mit Floß und Flussinseln kann man nicht nur die Lichtsäule, sondern auch am rechten Bildrand einen schwachen regenbogenfarbigen Streifen sehen. Das ist keine Reflexion im Objektiv, sondern diesen farbigen Streifen konnte man auch in Natura sehen.

Feiner Eisstaub reflektiert die Sonnenstrahlen und bildet eine Lichtsäule

Winterspaziergang vor der Arbeit

Morgenstimmung am Meer

Vor SonnenaufgangDass ich heute morgen kurz zur Küste gefahren bin, weil das Wetter so schön ist, war freiwillig. Aber es lockt mich jedes Mal wieder, auf den Horizont zu blicken. Darüber ein Himmel in allen Sonnenaufgangsfarben mit rosa Wölkchen und Lichtsäule, darunter das kalt bläulich schimmernde schnee- und eisbedeckte Meer.

Unfreiwillig hingegen war der zweite Spaziergang. Er führte von der Autowerkstatt nach Hause. Dort hat man sich heute des Kofferraumschlosses angenommen, welches sich vor kurzem verabschiedet hat. Aber ich hatte meine Kamera dabei und bin ein paar mal stehengeblieben um zu fotografieren. Eigentlich ganz normale Dinge, die ich hier jeden Tag sehe: Schnee und Eis, kahle Bäume, rote Häuser und dies und das in Skelleftehamn.

Haus an der Bucht KurjovikenHäuser auf der Halbinsel KallholmenWolkenschleier über dem alten WasserturmBahnschienen und Stromleitungen führen nach Rönnskär

Und noch zwei Fotos, das erste auch vom Spaziergang mit dem neuen Tele geschossen (das muss ich ja ausprobieren), das andere mit dem Makro im Wintergarten fotografiert. Eisblumen abstrakt.

Raureif bedeckt die Äste der RoseEisblumen am Wintergartenfenster

Baby, baby, baby oh!

Vor einiger Zeit schwirrten in den sozialen Medien Links zu einigen Youtube-Videos herum, in denen drei junge Musiker unfassbare Covers von bekannten Popsongs, wie „Rolling in the deep“ von Adele oder „Baby“ von Justin Bieber spielen. Mir haben diese abgefahrenen Arrangements von „Dirty Loops“ direkt schon beim ersten Hören unfassbar gut gefallen und immer wieder habe ich mir die Stücke angehört und jedes Mal sofort gute Laune bekommen.

Als ich im Internet ein bisschen geschaut habe, wer Dirty Loops überhaupt ist, erlebte ich eine Überraschung: Die Musiker sind Schweden und haben zusammen in Stockholm studiert. Doch anstatt einer Schwedentour – worauf ich gehofft habe – verschwand das Power-Trio erst einmal im Studio, um die erste CD aufzunehmen.

Aber heute hatte ich Glück, denn Dirty Loops spielte heute in Piteå, gerade 100 Kilometer von Skelleftehamn entfernt. Das war mit 40 Minuten eines der kürzesten Konzerte, welches ich je gehört habe, aber auch eines der Besten. Das Trio wurde von den geschätzt 300 Zuhörern in dem vollbesetzten großen Saal des acusticum in Piteå wie Popstars empfangen und ich habe selten Konzerte erlebt, die gleichzeitig so intelligente Musik bieten und so viel Spaß machen. Die Kombination von extrem tighten Grooves, strangen Harmonien, hoher Virtuosität und unglaublich originellen Details hat mich sehr angesprochen. Weltklasse!

Doch genug davon. Denn ich liebe es, Musik zu spielen, finde es toll, Musik zu hören, aber über Musik zu schreiben, da halte ich es mit folgendem Spruch

Writing about music is like dancing about architecture.

unbekannter Autor

Ich hatte die Erlaubnis, bei den ersten drei Stücken zu fotografieren. Ich freue mich darüber, dass ein paar Erinnerungsschnappschüsse entstanden sind, aber das nächste Mal höre ich glaube ich einfach wieder der Musik zu, denn so richtig dabei war ich bei den ersten drei Stücken doch nicht.

Jonah: Gesang und KeyboardsHenrik: BassAaron: SchlagzeugDirty Loops in Piteå

Nach vierzig Minuten war da Konzert vorbei. Mit Zugabe. Aber die Länge war genau richtig, denn „Dirty Loops“ betreibt so ein Powerplay, dass man nach dieser Zeit musikalisch satt und zufrieden ist.

Henrik, der Bassist hat mir anschließend erzählt, dass dies tatsächlich das erste richtige eigenständige Konzert unter dem Namen „Dirty Loops“ war. Und dass er ganz schön nervös war. Ich freue mich sehr – fühle mich faktisch ein bisschen geehrt – dass ich bei diesem ersten Konzert dabei sein durfte und immer noch schweben Musikfetzen in meinem Kopf herum. Und wenn es nicht vier Stunden Autofahrt bedeuten würde, dann würde ich mir Dirty Loops morgen noch einmal in Lycksele anhören.

Dichte Woche

Alles toll! Aber zu viel, zu viel, zu viel! Diese Woche in Vergangenheit und Zukunft:

  • Letztes Meeting vor der Winterschwimmmeisterschaft: morgen
  • Neuen Nikonblitz bedienen lernen: die ganze Woche
  • Kammerchor abgesagt (schade, aber …): wäre heute gewesen
  • Mein Formularframework „decaff“ weiter entwickeln: die ganze Woche
  • Diskussionsclub: Donnerstag Abend
  • Diplome für das Winterschwimmen entworfen: gestern
  • Für das Stück „Gömda men inte glömda“ komponiert und Noten ausgedruckt: gestern. Oder vorgestern?
  • Platz auf der Festplatte für neue Photos geschaffen: heute
  • Packen für die Reise nach Finnland: Freitag
  • Meinen Vortrag für „Attraktionskraft Skellefteå“ planen: ein bisschen, hat noch Zeit
  • Winterschwimmmeisterschaft fotografieren: Samstag
  • R unter Mavericks installiert: gestern
  • Startlisten an den Schwimmclub schicken: morgen
  • zwei Proben mit „Gömda men inte glömda“: morgen und übermorgen
  • Ein flexibles CMS mit internen und externen Datenquellen planen: mehrere Wochen …
  • Als Fotograf nach Luleå, Piteå, Kalix, Kemi und Oulu reisen: Samstag und Sonntag
  • Wäsche waschen (oops, beinahe vergessen): gleich!
  • Bau des Eisschwimmbads auf dem Fluss dokumentieren: heute, morgen …
  • csv-Importer für die Winterschwimm-Webseite geschrieben: heute

Und wer ist Schuld daran? Ich, nur ich! Und würde ich es das nächste Mal anders machen? Nein, genau so wieder! Denn ich fühle mich zwar gerade gut überfordert, geniesse es aber auch, zwischen Programmierer, Musiker, Organisator und Fotograf hin- und herzuspringen. Mehrmals täglich. Und da jede einzelne Aktivität Spaß macht (in unterschiedlichen Graden), geniesse ich den selbstgewählten Trubel, vor allem, weil ich weiß, dass er zeitlich sehr begrenzt ist.

Da ich direkt nach der Winterschwimmmeisterschaft ein paar Tage als Fotograf unterwegs bin, wird es hier ein bisschen still sein, bis ich wiederkomme und x-tausend Fotos gesichtet habe. Dann gibt’s hier auch wieder etwas zu sehen und nicht nur zu lesen.

Det ordnar sig …

Warum mache ich mir eigentlich so viel Stress. Det ordnar sig. Dieser Satz scheint mir recht stark in der schwedischen Kultur verankert. Man fragt nicht „Aber was machen wir, wenn …?“ oder „Haben wir auch daran gedacht, was passiert, falls …?“. Wozu auch, det ordnar sig.

Schwedischübersetzung des Tages:det ordnar sig – das löst sich / das wird schon

1

Vorgestern habe ich Schmerzen im rechten Arm und Handgelenk gehabt, gestern war es eher noch stärker. Das gehört zu den Dingen, die man überhaupt gar nicht mag, wenn man Klavierspieler ist. Ich habe gestern mit der „Vårdcentralen“ – dem Gesundheitszentrum Kontakt aufgenommen und am Nachmittag hat ein Krankengymnast zurückgerufen. Heute um neun hatte ich einen Termin: Das Ergebnis: Keine angehende Sehnenscheidenentzündung, kein Golfellenbogen, nur ein bisschen zu verspannt. Wird schon, det ordnar sig. Und es ist heute auch wirklich schon viel besser.

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Welcher Teufel hat mich eigentlich geritten, heute selbst eine Sensorreinigung bei meiner Nikonkamera zu versuchen? Zwei Tage vor einer Reise, die ich als Fotograf begleite? Ich Idiot! Statt einem Flecken hatte ich nun zweihundertfünfzig auf dem Sensor, damit ist die Kamera erst einmal unbrauchbar. Meine D800 habe ich zur Reinigung weggegeben und bekomme sie erst Ende nächster Woche wieder. Die Reise beginnt übermorgen …

Also habe ich auf Facebook „Panik, ich brauche Hilfe“ geschrieben und prompt bietet ein Bekannter mir an, mir seine Nikon D600 für die Zeit zu leihen. Jemand, zu dem ich kaum Kontakt habe, leiht mir seine 1500-Euro-Kamera für eine knappe Woche. Großartig! Tack så hemskt mycket – Danke so schrecklich viel! Vielleicht hätte ich aber einfach ruhiger bleiben sollen, denn det ordnar sig.

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Krisentreffen auf dem Eis: Die halbe Eisfläche ist mit 10 – 15 Zentimeter Wasser überschwemmt. Da muss man einen Steg bauen oder etwas anderes tun, denn das ist für Schwimmer, die teilweise in Hausschuhen laufen genauso unbequem wie für Fotografen, die gerne auf dem Eis knien. Nun habe ich heute auch gearbeitet, und hatte eine zweistündige Probe. Und groß körperlich arbeiten mag ich gerade nicht, um Arm und Rücken nicht zu überlasten. Aber ich denke auch, meine Güte, ich bin ja nicht alleine, wir sind ja ein Team, det ordnar sig!


Vor ein paar Tagen ist John Lule angekommen, der Meister der ersten afrikanischen Winterschwimmmeisterschaften. Und heute hat er sein erstes Eisbad hier im Fluss genommen. John ist wirklich tough, vorgestern bei 25 °C ins Flugzeug nach Nordschweden und heute wWinterbaden. Gut, dass es mit -1 °C recht mild war.

Auf dem Weg zum EisbadenZwei Kontinente, ein Eisbad

Noch ein paar Bilder von heute bei den letzten Eisschwimmbad-Bauarbeiten.

Eisstücke und „slush“ werden weggebaggertBaustelle auf dem Eis

Zwei Leitern ragen in die Tiefe

Ab übermorgen bin ich drei Tage lang als Fotograf unterwegs, das wird eine ganz neue Erfahrung und ich bin wahnsinnig aufgeregt, weil mindestens ein echter, ausgewachsener Profifotograf mit dabei sein wird. Aber – glaubt es oder nicht – heute hat die Aufregung schon etwas nachgelassen, denn: Det ordnar sig.

Die Fotos stammen alle aus der geliehenen Kamera. Die D600 macht sich gut und so viel muss ich zum Glück nicht umlernen.

Zurück von einer Journalistenreise

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Da bin ich wieder. Zu Hause in Skelleftehamn. Unfassbar müde nach drei extrem intensiven Tagen und der heutigen Rückreise. Nein, viel Schlaf bekommt man wirklich nicht, wenn man erst die Schwedische Winterschwimmmeisterschaft mit organisiert und durchführt und dann direkt auf Journalistenreise ist.

Veranstaltet wurde diese Journalistenreise von dem Projekt Boundless Bothnian Bay, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnlands stärken soll. Neben zehn Journalisten aus Belgien, Deutschland, Finnland, Russland, Schweden und Spanien durfte ich als offizieller Fotograf mitfolgen und hatte so meinen ersten richtig bezahlten Fotografenjob. Ich war ganz schön nervös!

Leider hatten wir ziemlich fürchterliches Wetter: Es war die ganze Zeit konturlos bewölkt, es gab Schneeregen und sogar Regen bei leichten Plusgraden. Also so ziemlich, wie man sich den nordischen Winter nicht vorstellt. Da hatte ich es nicht leicht, schöne Fotos zu machen und dass ich am Sonntag morgen mein Stativ auf dem Eisbrecher vergessen habe, machte die Sache auch nicht leichter. Gut, dass ich noch mein Einbeinstativ dabei hatte.

Aber ich habe schon ein bisschen die 1317 Fotos (das sind dann knapp 33 Gigabyte) durchgeschaut und es sind doch einige gute Fotos dabei. Ich hoffe, dass diejenigen Journalisten, die meine Fotos verwenden wollen zufrieden sind.

Heute schreibe ich aber weder ausführlicher, noch zeige ich Fotos, denn die nächsten Tage muss ich in Ruhe die Fotos sichten, aussortieren, beschneiden, bearbeiten, Staub wegstempeln und dann für die Journalisten und für Boundless Bothnian Bay online stellen. Ich werde versuchen, auch hier im Blog zeitnah Artikel zu schreiben und Fotos zu veröffentlichen. Dann wird es um schmelzende Instrumente, Teletubbies, Leckereien, ein altes Fahrrad und manches mehr gehen.

An jeder Station: Skellefteå — Luleå — Piteå — Kalix — Haparanda/Tornio — Kemi — Oulu — Hailuoto haben wir eine Tüte mit Informationen bekommen und so bin ich nicht nur um dutzende Broschüren, sondern auch um zwei Bücher, zwei Mützen, ein Holzschiff als Schlüsselanhänger, fünf Kugelschreiber, zwei Buffs, zwei Stofftaschen, Süßigkeiten und ein paar andere Dinge reicher. Das Highlight unter den Giveaways: warme Wollsocken aus Oulo!

Giveaways von der Reise

Musik zum Dahinschmelzen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.


Samstag mittag: Wir haben Skellefteå verlassen und sitzen im Bus mit Ziel Luleå Gammelstad. Dieses alte Kirchendorf lag einmal im Mündungsdelta des Luleälven, jetzt sind es zwanzig Kilometer dorthin. Das liegt an der Landhebung: Nachdem die Gletscher, die das Land unter sich wie einen Schwamm zusammengedrückt haben, vor vielen tausend Jahren verschwunden sind, begann sich das Land wieder anzuheben. Auch heute hebt sich die nordschwedische Ostseeküste immer noch um einen Zentimeter pro Jahr.

Ich war schon zwei Mal in Gammelstad, einmal vor einigen Jahren mit Sonya und einmal vor ein paar Wochen zum Feuerfest, aber jetzt war ich zum ersten Mal in der alten Nederluleå kyrka, die aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Nederluleå kyrkaNederluleå kyrka

Nachdem wir unserem Führer immer wieder davon gelaufen sind, um Fotos zu machen, wurden wir noch von einem Paar eingeladen, welches zeitweise in einem der alten Häuser wohnt. Die Häuser sind recht günstig zu kaufen, aber mit strengen Auflagen verknüpft: Man darf dort nicht permanent wohnen, es gibt keinen Stromanschluss und kein fließend Wasser und so etwas wie eine Satellitenschüssel geht gar nicht! Besonders gut (neben den leckeren Pfefferkuchen) hat mir das kleine Schrankbett gefallen. Aber ich frage mich schon, ob dort Eltern ihre Kinder früher eingesperrt haben, wenn sie nicht gehorsam waren …

Eine Straße in der GammelstadGammelstad mit KirchenblickDie gute Stube. Rechts das Schrankbett, daneben der KaminAltes Schrankbett – Kindergröße

Nachdem ich einen größeren Teil des Gammelstadaufenthaltes damit beschäftigt war, Regentropfen von der Linse zu wischen, war ich nicht böse, dass der nächste Aufenthalt zwar im Kalten, aber zumindest drinnen sein würde: Ein besonderes Konzert in einem großen Iglu.

Und es war wichtig, dass es in diesem Iglu kalt war – idealerweise -5 °C – denn die Instrumente waren aus Eis gebaut. Lediglich die Griffbretter von Geige, Gitarre und Kontrabass bestanden aus Holz. Die Instrumente: Ein Schlagzeug (ohne Becken natürlich), ein Marimbaphon, eine Geige – an der Decke aufgehängt, eine Gitarre, ein Kontrabass und ein Instrument aus gestimmten Röhren, dessen Namen ich nicht kenne. Erdacht wurde das ganze von Tim Linhart, einem amerikanischen Künstler, der vor zehn Jahren nach Schweden kam.

Das große „Konzertiglu“Die Bühne für Sänger und OrchesterEisorchesterTim Linhart, der Schöpfer des Eisorchesters

Ich war gleichzeitig fasziniert und enttäuscht: Den Klang der Instrumente fand ich faszinierend und schön: Die dumpfen sonoren Trommeln, das überraschend klare Marimbaphon und den verblüffend normal klingenden Kontrabass. Nur die arme Geigerin kam mit dem Stimmen kaum hinterher und spielte deswegen manchmal ganz schön schief. Kein Wunder, denn draußen war es warm, das Iglu wegen uns überfüllt und die Geige war am Schmelzen! Da hatte es der Bass besser: Mehr kaltes Eis und leichter zu stimmen.

Am liebsten hätte ich für diese Instrumente komponiert: Musik von Weite und Einsamkeit, von kalten, dunklen Wintern, von dahinziehenden Rentierherden und von knirschendem Schnee und krachendem Eis. Und was spielt das Orchester?

ABBA! Ausgerechnet ABBA! Von vorne bis hinten, rauf und runter. Und zum Mitsingen! Das ist so der kleinste gemeinsame Nenner für jede Art Publikum und funktioniert in Schweden eigentlich immer. Nur ich fand es schade, denn zum einen wurde hier eine großartige Gelegenheit versäumt, dem Klang der Instrumente gerecht zu werden und zum anderen brauchen die Instrumente selbst für ABBA doch ein bisschen mehr Druck und Präsenz, wenn das ganze nicht nach Mittelstufenschülerband klingen soll. Und – tut mir leid, das so schreiben zu müssen – genau das tat es.

Zwischenbemerkung: Hilfe, ich schreibe eine Musikkritik! Das wollte ich doch nie, nie, nie in meinem Leben tun! Na gut, ich lasse das jetzt so stehen und höre mit dem Meckern auf.

Auch an diesem Abend bin ich nicht ABBA-Fan geworden, aber schön war das Konzert und der Abend dennoch. Nur mit dem Fotografieren war ich wieder nicht so recht zufrieden: Es war zum einen wahnsinnig eng und zum anderen extrem dunkel. Erst als ich mich frech nach vorne durchgedrängelt habe und auf der Treppe aus Eis Platz genommen habe, konnte ich ein paar bessere Fotos machen.

MarimbaphonAufgehängte GeigeEis-KontrabassMallets in Aktion

Nach dem Konzert sind wir nach Piteå zurückgefahren, denn dort gab es Abendbrot und die erste Übernachtung. Am nächsten Tag sollte es dann aufs Eis gehen …

Bemerkung für Fotografen: Seht Ihr das Foto vom Inneren der Kirche. Sieht hübsch romantisch und weichgezeichnet aus, nicht wahr? Das war aber nicht geplant, sondern lag daran, dass die Linse leicht beschlagen war. Bei vielen anderen Motiven hätte ich mich sehr geärgert, hier passt es.