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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Skitour – Vom Wald ins Kahlfjäll

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Freitag, 25. Januar

Es ist zwölf Uhr. Nach knapp zweistündiger Fahrt stehen wir am Parkplatz Vålådalen und packen unsere Pulken und Skier aus dem Auto. Das Wetter ist schön. Bald liegt das abgeschlossene Auto in unserem Rücken und Jonas und ich starten nach vier Jahren unsere zweite Wintertour. Die ersten hundert Meter sind eben und die voll gepackten Pulkas lassen sich mühelos ziehen. Auch die erste Miniabfahrt funktioniert; die Zuggestänge sorgen dafür, dass die Schlitten einem nicht in die Hacken fahren. Die ersten Anstiege hingegen fordern: Wir wollen nach vorne, die Pulkas nach unten und es ist gar nicht so einfach, auf den teilweise recht schmalen Wegen die V-Schritte groß genug zu machen, um vorwärts zu kommen. An einem kurzen, aber steilen Anstieg schnalle ich einfach die Skier ab.

Aber heute ist unser Weg nicht weit, denn die Sonne geht schon kurz nach halb vier unter. Auf einer kleinen Lichtung bauen wir das erste Mal das Zelt auf. Es dämmert, wird dunkler und bald sind Jupiter und die ersten Sterne zu sehen, während der fast volle Mond das Zelt bescheint. Jonas kocht: Linguine mit Pesto und Salami (Ja, wir haben gut und reichlich eingekauft). Früh, sehr früh gehen wir ins Bett. Das Thermometer zeigt -21 °C.

Samstag, 26. Januar

Spät sind wir losgekommen. Zum einen dauert es, bis genug Schnee geschmolzen ist, um vier, fünf Liter kochendes Wasser für Tee und Müsli zu erhalten, zum anderen wollen Schlafsack, Isomatte, Kocher, aller Kleinkrams und schließlich auch das Zelt wieder verpackt sein. Außerdem mochte mein kleiner Dreieurowecker die Kälte nicht und ging eine gute Stunde nach.

Was für ein schöner Tourtag! Erst laufen wir weiter durch den Wald. Dieser Teil ist für Skooter gesperrt und dadurch ist der Winterweg, wenn auch markiert, viel naturbelassener. Allerdings geht es langsam, aber stetig bergauf und ich ziehe bald meine Felle auf. Diese verhindern, dass man zurück rutscht, wenn die Pulka wieder zurück nach unten möchte. Warm ist es geworden, nur noch einige Grad unter Null. Um viertel nach eins machen wir eine Pause und lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen.

Keine zwei Stunden später sind wir an der Baumgrenze. Vor uns liegt das Kahlfjäll. Ab und zu sieht man noch eine kleine Birke, sonst ist alles baumfrei. Nur an den Kuppen, an denen der Wind den meisten Schnee weggeblasen hat, sieht man einige Bodendecker durch den Schnee schimmern, ansonsten beherrschen nun Fels, Schnee und Eis die Bergwelt.

Die Sonne geht langsam unter und wir suchen einen neuen Zeltplatz. Bald hat Jonas eine wunderschöne, windgeschützte Stelle gefunden. Die Nacht ist sternenklar und der helle Vollmond bestrahlt die Berge. Lange stehen wir draußen, schauen und fotografieren. Die Temperaturen liegen bei -12 °C.

Sonntag, 27. Januar

Wir haben uns vorgenommen, eine große Runde bis zum Helags zu laufen, deswegen klingelt der Wecker schon um sechs. Der Vollmond steht über den Bergen. Wir schauen, wie er langsam hinter den Kuppen verschwindet. Nun erleben wir eines der schönsten Lichterlebnisse, welches ich je in der Natur hatte: Als der Mond schon hinter den Bergen ist, sieht man immer noch diffuses Licht über dem Berg. Es flackert hin und her, wird stärker, wird schwächer und ab und zu blitzt es auf und bescheint strahlend hell die gesamten Bergkuppen von hinten, um dann wieder zu einem schwach pulsierendem Leuchten abzunehmen. Wir stehen still und schauen gebannt auf dieses Naturschauspiel.

Nach einiger Zeit ist das Mondlicht nicht mehr zu sehen und es wird langsam heller. Wir brechen bei schönem, klaren Wetter auf, doch in verblüffend kurzer Zeit ist der Himmel wolkig und es wird windig. Natürlich kommt der steife Wind von vorne. Es geht jetzt längere Passagen aufwärts und mich – der zur Zeit ziemlich untrainiert ist – strengt das Pulka ziehen ziemlich an. Auch Jonas hat inzwischen Felle aufgezogen, dennoch kommen wir nur langsam vor- und aufwärts. Da kommt die Haupthütte der Vålåstugorna (Stugorna heißt „Die Hütten“) gerade recht, um eine windgeschützte Pause zu machen.

Hier treffen wir auf zwei Jäger, die fünf Jagdhunde dabei haben, sowie einen Mann aus Åre, der eine Tagestour mit seinen beiden Huskys macht. Wir machen eine Pause, trinken Tee, essen Studentenfutter und beschließen, doch nicht die große und sehr ambitionierte Runde über den Helags zu laufen, sondern abzukürzen. Es könnte sonst passieren, dass wir unsere Tour nicht in der uns zur Verfügung stehenden Zeit schaffen.

Noch sitzen wir in der warmen Hütte, doch schon bald laufen wir weiter. Der Sonntag ist noch nicht zu Ende …

>>> Fortsetzung: Sturm auf dem Fjäll >>>

Schneesturm

Västerbottens Küstenregion: Warnung Klasse 1 Schneefall – Am Samstag Schneefall, der vor allem an der Küste kräftig sein kann. Bis Sonntag Morgen kommen 10-20 cm Schnee.

SMHI, 1. März 2013

Nördlicher Kvarken: Warnung Klasse 1 Starkwind – Von Samstag Vormittag Süd 16-19 m/s.

SMHI, 1. März 2013

Das schrieb gestern der schwedische Wetterdienst. Heute morgen, als ich ins Auto gestiegen bin, um unter anderen zu einer Vernissage in die Stadt zu fahren, war es aber noch ruhig. Wenig Wind, kaum Schnee. Bei Harrbäckssand habe ich eine Pause gemacht und vom Eis aus die Birke auf der winzigen ufernahen Insel fotografiert. Ein paar Stunden war ich auf dem Rückweg und es war ungleich windiger und es schneite stark. Das zweite Bild entstand bei mir quasi um die Ecke. Da die Belichtungszeit nur eine viertausendstel Sekunde war, ist der Schnee, der vorbeifegte, auf dem Bild eingefroren.

Man merkt, dass schlechte Sicht ist, auch daran, dass die Schweden freiwillig langsamer fahren als erlaubt. Das war heute aber auch keine schlechte Idee, denn es schneite teilweise so stark, dass ich beim Autofahren kaum 50 Meter weit schauen konnte. Das Handy-Foto trifft die Stimmung eigentlich ganz gut. Wenn man genau schaut, sieht man die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Autos.

Zu Hause habe ich einer kleinen Pause mich noch einmal auf den Weg nach Storgrundet gemacht. Zu Fuß, auch da ich Angst hatte, mit dem Auto in einer Schneewehe steckenzubleiben. (Das wäre mir vielleicht kurz vor dem Ziel auch gelungen.) Am Ufer des Strandes Storgrundet blies der starke Wind jede Menge Schnee über das Ostseeeis und ich hatte die Wahl: Warte ich mit dem Fotografieren, bis gerade mal ein bisschen Sicht ist, sieht es langweilig aus. Warte ich, bis richtig Schnee vorbeifegt, dann ist das Bild weiß. Ich habe einige Male ausgelöst, bis ich ein Bild dazwischen im Kasten hatte.

Es ist mir dagegen nicht gelungen, die Schneefahnen, die sich vor allem an Steinen bilden einzufangen. Das ginge bei diesem diffusen Licht wohl nur mit Video.

Kurz bevor der ICA zumachte, hatte ich Appetit auf Salat und bin durch die knietiefen Schneewehen zu meinem Auto gestapft. Der Pulverschnee ist so leicht, dass ich mir keine größeren Sorgen gemacht habe, mich mit dem Auto festzufahren. Auf der Fahrbahn lagen vielleicht so 15 cm Neuschnee, da driftet der Saab sehr lustig um die Kurve. Und ich muss zugeben, dass es mir Spaß macht, so im Schnee Auto zu fahren, wenn es keine längeren Strecken sind. Als ich allerdings wieder auf mein Grundstück wollte, drehten die Räder dann doch durch. Aber mit ein bisschen rückwärts fahren und ein bisschen mehr Schwung kam ich doch noch in meine Einfahrt.

Der Schnee im Vorgarten ist jetzt noch höher, ich kann vom Haus aus kaum noch die Fahrbahn sehen. Nicht deutet darauf hin, dass vor ein paar Tagen noch das Schneemonster in meinem Vorgarten geleuchtet hat, dort ist nur eine plane und unberührte Neuschneefläche zu sehen. Kaum vorstellbar, dass ich vorgestern noch durch tiefe Pfützen zur Kreuzung gewatet bin.

Jetzt sitze ich mit meinem dicksten Wollpullover am Rechner, das liegt daran, dass schon seit drei Uhr Nachmittags wegen technischen Problemen die Fernwärme ausgefallen ist und bei mir weder warmes Wasser noch die Heizungen funktionieren. Die Elektroheizung, die sonst das Bad im Keller heizt, hat aber tapfer die Innentemperatur im Wohnzimmer von 16.1 °C auf 16.6 °C hochgeheizt und so ist der Pullover eigentlich viel, viel zu warm. Aber auch sehr, sehr gemütlich …

Das Wort „Schneesturm“ klingt immer schön dramatisch. Die deutschen Meteorologen sprechen ab 75 km/h von Schneesturm, so windig war es vermutlich heute auch auf der Ostsee nicht. Für einen Blizzard (Nach US-Wetterbehörde NOAA ab 65 km/h und mindestens drei Stunden Schneefall mit starken Sichtbehinderungen) hat es heute vielleicht sogar gereicht. Aber den Titel ändere ich jetzt dennoch nicht mehr. Ich mag das Wort Schneesturm.

Nachtrag

Sonntag, 5:00 – Fernwärme geht wieder.

Nachtrag 2

Sonntag, 12:30 – ein kleiner Videoschnipsel von gestern auf Vimeo: „Schneesturm“.

Valborg

Gestern war Walpurgisnacht. Während ich das deutsche Wort hauptsächlich aus Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ kenne, ich das schwedische Wort „Valborgsmässoafton“, oder kurz „Valborg“ hier in aller Munde. Denn für die meisten hier ist das ein wichtiges Fest und symbolisiert den Frühlingsanfang.

Was gehört für mich zu einer typischen Valborg-Feier?

Das ist 5. Aprilwetter. Und das hatten wir gestern. Von wärmender Sonne und blauem Himmel bis hin zu Regen- und Graupelschauern war alles dabei. Nummer 4. Ein schöner Platz. Die Stuga meiner Freunde liegt wunderschön am Göksjön – zu deutsch Kuckuckssee. Für das Foto brauchte ich keine zweihundert Meter weit zu laufen.

Aprilwetter – Regenschauer über dem GöksjönEin schöner Platz. Blick auf den Göksjön

Nummer 3. Frühling bedeutet Blumen. Und neben dem Huflattich, der überall blüht, wo es lehmig ist, zeigten sich gestern auf dem Komposthaufen die ersten Krokusse. Und Nummer 2. Ein Maifeuer, denn das gehört auch mit dazu.

Die ersten KrokusseFunken sprühen aus dem Maifeuer

Doch das wichtigste ist natürlich Nummer 1. Freunde. Ich bin sehr froh, wieder so nett von A. und M. eingeladen wurden zu sein und jede Stunde Zeit, die ich mit ihnen verbringe ist mir eine Freude. Was täte ich nur ohne Freunde! Die Gegeneinladung ist schon ausgesprochen.

Nebendarsteller: Gutes Essen, Rotwein, Frühlingslieder, mit dem Hund toben, Vogelstimmen, am Bach entlang waten, sich freuen, dass es Mitternacht immer noch nicht richtig dunkel ist.


Nach einer Übernachtung und einem guten und späten Frühstück bin ich auf Umwegen wieder nach Hause gefahren. Die nicht asphaltierten Straßen sind recht spannend zu fahren und ich fragte mich bei der Fahrt, was wohl neue Stoßdämpfer kosten, wie leicht man sich im Lehm festfährt und wer mein Auto wohl aus dem Graben zieht, denn die Wege sind manchmal so weich und mit Spurrillen versehen, dass das Auto meine Steuerei recht frei interpretiert hat. Aber – ich bin gut zu Hause angekommen und die schönen Aussichten, an denen man vorbeifährt, rechtfertigen ein bisschen Eierei.

Besonders schön fand ich es am Bodträsket, einem der Seen, durch die der Fluss Bureälven fließt. Der blaue Himmel spiegelte sich im Wasser und ein frischer Wind blies kleine Wellen, auf denen leise raschelnd und klingelnd die letzten Eisstückchen trieben, an das überflutete Ufer.

Am Bodträsket – einem Teil des Bureälven

Über Valborg und den ersten Mai habe ich übrigens auch schon 2010, 2011 und 2012 geschrieben.

Roadtrip nach Bodø

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Ich liebe spontane Aktionen! Und als am Freitag Martine angerufen hat, ob ich nicht mit ihr und ihren Gästen aus Australien das Wochenende nach Bodø fahren (und einen größeren Teil am Steuer sitzen) möchte, habe ich begeistert zugesagt. Ich habe ein bisschen früher Feierabend gemacht, zu Hause Kamera und Klamotten ins Auto geworfen und bin nach Kusfors gefahren, wo ich übernachtet habe.

Am nächsten Tag ging es früh raus, denn um kurz nach sieben sind wir aufgebrochen. Schließlich sind es fast 500 Kilometer bis nach Bodø, in Norwegen darf man oft nur 70 fahren und Pause machen möchte man ja auch mal.

Ich bin die Strecke schon zwei Mal gefahren, einmal mit dem Auto im Juli, einmal im Oktober mit dem Bus und ich bin jedes Mal wieder begeistert, wie unterschiedlich die Klimate und die Landschaften auf der Strecke sind. Um halb neun standen wir an dem kleinen, tiefblauen See in Arvidsjaur, keine zwei Stunden Fahrt später an einem mit Eisschollen bedeckten Stausee im Fjäll.

Der Nyborgstjärnen in ArvidsjaurDer Ringosavvun im schwedischen Fjäll

Erstaunlich, wie wenig Wasser in dem Stausee war. Und ebenfalls erstaunlich, dass wir später noch weiter oben im Fjäll an zugefrorenen Seen vorbeikamen, auf denen die Eisfischer saßen. Bald waren wir an dem höchsten Punkt (740m) angelangt. Hier gibt es hauptsächlich kleine, krüppelige Birken und Fels, Schnee und Eis. Und die Asphaltstraße, die links und rechts mit hohen neongelben Stecken markiert ist. Ab der norwegischen Grenze ist Martine gefahren und ich konnte mich entspannt zurücklehnen und den Blick auf die norwegischen Berge geniessen. Vor allem der markante Solvågtinden begeistert mich, auf dem Berg möchte ich gerne mal stehen aber er ist vermutlich viel zu schwierig zu besteigen. Ich bin kein Bergsteiger.

Auf dem KahlfjällSolvågtinden voraus

In Norwegen verliert die Straße an Höhe und bald ist man wieder im Tal, die Bäume sind grün und nur die schneebedeckten Berge am Horizont bleiben. Und schon bald, nachdem man rechts auf die E6 abgebogen ist, hat man einen schönen Blick auf den Saltdalsfjorden. Wenn man nicht gerade durch einen der kilometerlangen Tunnel fährt. Und irgendwann, so siebeneinhalb Stunden später, waren wir in Bodø.


Unser erstes Ziel: Essen! Frühstück war um sechs und eine kleine Zimtschnecke unterwegs macht nicht satt. Wir konnten schön draußen sitzen und unsere leckeren Fish and Chips geniessen. Kaum sind wir gegangen, hörten wir wüstes Möwengeschrei hinter uns. Die Vögel balgten sich um die nicht nennenswerten Reste auf unserem Tisch; eine hat sich sogar den kleinen Glasnapf mit einem Rest Remoulade geschnappt.

Die Möwen lauern schonFish und Chips in der Sonne

Nach einer kleinen Pause in unserem Hostel sind wir durch Bodø gelaufen. Dieses Mal hat mir die Stadt sehr gut gefallen, vor allem am Wasser. Große Schiffe und kleine Boote gleiten durch das Wasser, Möwen kreischen, der Hafen ist voller Boote und Schiffe. Und überall sind Inseln. Von kleinen Felsbuckeln bis zu fernen Inseln am Horizont. Ein kleines Fischerboot kommt genau auf mich zu. Zwei Frauen warten schon am Kai, um zu schauen, was der Fischer anzubieten hat. Ich weiß allerdings nicht, was das für Fisch ist. Angler und Fischexperten: Habe Ihr einen Tipp?

Ein Fischerboot kommtDer Fisch ist fast so orange wie das Ölzeugs des Fischers

Wir haben nach einem Bummel am Wasser in einer Pizzeria gegessen, die norwegischen Preise ignoriert und zur Pizza eine Flasche Wein bestellt. Danach sind die anderen ins Hostel gegangen aber ich wollte noch ein bisschen draußen sein, habe mir zum Glück das Stativ geschnappt und bin an der zentralen Bucht Rønvikleira weitergelaufen. Ich bin dann auf einen Hügel gestiegen, von dem ich einen schönen Blick auf Bodø hatte. Die Sonne stand schon tief und hat die Häuser und die am blassen Bergketten am Horizont in warmes Licht getaucht.

Blick auf BodøBlick auf Bodø

Blick auf Bodø und die Bucht Rønvikleira

Ich wollte unbedingt noch auf das offene Meer schauen. Ich bin die Straße 834 weitergelaufen, bis ich an einem Grashang über dem Meer stand. Wenn ich nicht so müde gewesen wäre und auch ein bisschen gefroren hätte, wäre ich wohl die ganze helle Nacht dort geblieben, so wunderschön war die Landschaft dort und vor allem das Licht! Das Licht! Schaut selbst. Die Fotos sind nur blasse Kopien der Wirklichkeit, aber das ist ja fast immer so.

Die tiefe Sonne taucht alles in goldoranges Licht

Nächtlicher Blick auf das europäische Nordmeer

Wenn andere in Blogs schreiben „Ich habe mich verliebt“, dann sprechen sie meistens von Hundewelpen oder Osterlämmern. Ich habe mich aber wieder einmal frisch in Norwegen verliebt. Und wenn ich nicht so gute Freunde in Schweden hätte, ein Haus, einen interessanten Job, und, und, und …, wer weiß, vielleicht würde ich dann schon die Jobannoncen in Bodø studieren. Allerdings weiß ich, dass Bodø bei Regen ganz schön trist sein kann, und ebenso, dass dies das dort vorherrschende Wetter ist.

Um halb zwölf war ich wieder am Hostel. Und bin ins Bett gefallen.

Und sonst? Zwei Elche in den Morgenstunden · immer wieder Rentiere, aber keine Herden · Hurtigrutenschiff in der Bucht · 51 NOK (6,80 Euro) für eine Halbliterflasche Wasser und einen Schokoriegel am Kiosk

Roadtrip nach Bodø II

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Wo bin ich? In Bodø. Nein, eigentlich bin ich schon wieder seit zwei Tagen in Skelleftehamn, aber der Artikel handelt von dem zweiten Tag unseres Roadtrips nach Bodø. Um sieben bin ich aufgewacht und habe von meinem kleinen Hostelzimmer eine Möwe beobachtet, die ein Nest auf einem Gabelstapler baute. Ob das eine gute Idee ist?

Vor dem Frühstück habe noch einen Rundgang durch die Stadt gemacht. Sie lebt von den starken Kontrasten zwischen Hafenatmosphäre, dem Blick auf das knallblaue Meer – denn wir hatten herrlichen Sonnenschein – die schneebedeckten Berge am Horizont und die moderne Architektur. Ach ja, die Baustellen habe ich vergessen. Überall in Bodøs Zentrum wird gebaut und ich bin gespannt, wie die Stadt in drei Jahren aussieht. Aber eine Stadt am Meer hat immer ihren Reiz, finde ich. Und mir gefällt die klare, moderne Architektur auch gut.

Architektur am MeerEin kleiner Teil des Hafens

Ich bin dann auf die lange Mole gegangen. Sie verbindet die Miniinsel Rundholmen mit dem Festland und reicht bis zu 200 Meter an die Halbinsel Nyholmen heran. Dazwischen die Fahrrinne, die unter anderem von den Hurtigrutenschiffen benutzt wird, wenn sie etwas weiter nordostwärts anlegen wollen. Auf der Insel Nyholmen steht ein kleiner Leuchtturm aus dem Jahre 1875 und ein Fort, welches zwischen 1807 und 1814 gebaut wurde. Nächstes Mal werde ich da hinlaufen und mir das aus der Nähe ansehen.

Warnung vor WindDie Halbinsel Nyholmen

Auf der Insel Rundholmen hat man einen schönen Blick und ich hätte gerne noch ein paar mehr Fotos gemacht, weil ich die Kombination Fels—Tang—Meer—Stadt—Berg unglaublich faszinierend fand und auch, weil das Wetter so schön war. Aber ich war mit Martine und ihren australischen Freunden um neun zum Frühstück verabredet und habe deswegen bald den Rückweg angetreten.

Blick von der Insel Rundholmen Fels—Tang—Meer—Stadt—Berg

Zwei Stunden später haben wir uns auf einen gemütlichen Rückweg gemacht. Dieses Mal konnten wir unterwegs besser anhalten, denn die Parkbuchten liegen alle auf der dem Fjord zugewandten Seite. Enorm, was vierundzwanzig Stunden warmes Wetter und Sonne ausmachen: Die Birken waren um einiges grüner als auf am Vortag.

BrückenbauFjordbucht

Bald schraubte sich der Weg wieder hoch auf das Fjäll und nach der norwegisch-schwedischen Grenze waren wir wieder im Land von Eis und Schnee. Wir haben Skooterfahrer gesehen, einen Skiläufer, der oben ohne auf dem See stand und zwei Frauen, die sich mit kurzer Hose und Bikini im Schnee gesonnt haben. Wir haben an einem Kiosk angehalten, wo einige Skooterfahrer die letzten Wintertage ausnutzten und über den See heizten. Der Kioskbesitzer erzählte, am Morgen seien es 6 °C gewesen, herrlich, doch dann sei die verdammte Sonne gekommen. Er muss selber ein bisschen lachen.

SkooterfahrerDie letzten Skootertage

Nach einer Pause fahren wir weiter und sind bald wieder in vertrauterem Gelände. Arjeplog—Arvidsjaur—Glömmerträsk—Jörn—Kusfors. Unterwegs sehen wir noch einige Rentiere, die großen Herden aber sind woanders.

Schneeschmelze auf dem FjällRentiere an der Straße

ich verabschiede mich von meinen Mitreisenden. Was für ein herrliches Wochenende: So viel Urlaub, so viele schöne Erlebnisse in nur zwei Tagen. Nach einer weiteren Stunde bin ich zu Hause. Der Tacho zeigt 071.0 Kilometer Fahrt. Die Tausender-Eins passt nicht mehr aufs Display.

Trauer um einen Singvogel

Da fuhr ich mit meinem Auto noch einen kleinen Umweg nehmend von einer wunderschönen Geburtstagsfeier nach Hause zurück, freue mich über die saftig-grünen Weiden, den blauen Himmel mit den bauschigen Schäfchenwolken, die sich in jedem See widerspiegeln, die hellgrünen Birkenwälder, die schönen roten Holzhäuser, die Bachstelzen und Kiebitze am Straßenrand, da …

Ein Vogel, eine Drossel sieht mich zu spät, auch ich erkenne den braunen Vogel auf der braunen Schotterpiste erst kurz, bevor ich schon mit dem Auto über ihn hinweg sause, zwei Räder links, zwei Räder rechts. Vielleicht ist ja alles gut gegangen, hoffe ich. Hoffe ich.

Ich bleibe stehen, schaue mich um, und sehe den Vogel an der Seite hocken. Ein kleines, zitterndes Häufchen Elend. Er schlägt verzweifelt mit den Flügeln, aber der restliche Körper ist zu schwer verletzt und gehorcht nicht. Ich nähere mich vorsichtig dem Vogel, der mich furchtsam anstarrt und mit weit aufgerissenem Schnabel anfaucht. Angst. Nach kurzer Zeit unsicheren Nachdenkens – was tun!? – glaube ich, dass die Verletzungen zu groß sind – ich erspare Euch die Details – und auch ein Tierarzt dem Vogel nicht mehr helfen kann. Ich beschließe den Vogel zu töten, ihm das Genick zu brechen, um ihm unnötiges Leiden zu ersparen. Habt Ihr schon einmal einen kleinen, warmen, atmenden Vogel in der Hand gehalten? In seine Augen geschaut? Ihn auf den Boden gelegt, ihm ruhig zugeredet und dann getötet? Und gesehen, wie das Auge bricht? Dies gehört zu den Erlebnissen, die ich keinem wünsche.

Weiter bin ich gefahren, trauernd um den Vogel, den ich mit dem Auto überfahren und dann getötet habe. Und auch voller Selbstzweifel. Hätte ich den Unfall verhindern können? Hatte der Vogel Junge, die im Nest auf ihn warten? Hätte ein erfahrender Tierarzt den Vogel vielleicht doch noch retten können?

Nur auf die erste Frage weiß ich eine Antwort, nein, ich hätte den Unfall nur verhindern können, wenn ich nicht Auto gefahren wäre. Mein Blick war auf die Straße gerichtet, ich fuhr nicht sehr schnell, der Vogel war mit seiner Tarnung und in einem Schlagloch hockend einfach nicht zu sehen gewesen.

Es wird dauern, bis ich mich wieder ins Auto setze, ohne den furchtsamen Blick der überfahrenen Drossel vor Augen zu haben. Und das Auge des toten Vogels.

Ich habe lange überlegt, ob ich einen Blogartikel über dieses Erlebnis schreiben sollte. Aber ich finde, auch solche Erlebnisse gehören zu meinem Leben in Nordschweden dazu, auch wenn es mir schwer fällt, darüber zu berichten.

Kågnäsudden

Eine Fahrradtour hat mich heute wieder an die Stelle gebracht, an der ich im Winter schon zwei Mal gewesen bin, einmal im Januar mit dem Auto und einmal im März mit Skiern. Mit dem Fahrrad sind das nur 12 Kilometer, aber teilweise recht kruckelige Waldpfade. Die Landzunge heißt Kågnäsudden, zu deutsch sozusagen „Die Kåge-Landzungen-Halbinsel“ (Kåge ist ein Städtchen in der Nähe.)

Dort bin ich auf den Felsen herumge„klettert“ und habe mich über die schöne Landschaft gefreut, die ein wenig rauher aussieht als sonst in der Umgebung, denn dort sind die manche Felsen recht schroff und verwittert.

Wasserlache mit Ostseeblick

Windgebeugte KieferSchroffe Landzunge

Ein Grasbüschel wächst auf den schroffen Felsen – mein Lieblingsbild von heute

Hier muss ich unbedingt noch einmal hin, wenn das Wetter schöner ist und das Licht wärmer. So viele schöne Motive und gar nicht so weit weg von zu Hause. Herrlich! Als ich mit dem Fahrrad zurückgefahren bin, habe ich noch einmal halt gemacht, um diese Schnepfe (?) zu fotografieren, die hier einbeinig auf einem Felsen stand und mich skeptisch beäugte.

Eine Schnepfe steht auf einem Bein

Das ist für zwei Wochen mein letztes Bild von meiner Umgebung, denn Morgen packe ich das Auto und fahre eine große Runde, die mich erst an die schwedisch-finnisch Grenze und das Dreiländereck führt und dann weiter auf die Lofoten und Vesterålen. Das wird eine schöne Kombination von herrliche Landschaft anschauen und Freunde besuchen. Bloß die lange Autofahrt macht alleine nicht so viel Spaß, aber ich lasse mir auf der langen Hinfahrt schön viel Zeit.

Meine siebenhundertsiebenundsiebzig Sachen

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Ich mag mein Auto. Vor allem mag ich den Kofferraum meines Autos. Allerdings nicht, wenn er leer ist. Kofferräume sind zum Füllen da! Mit allem, was man braucht, vielleicht braucht, wahrscheinlich nicht braucht und was man definitiv nicht braucht, aber trotzdem mitnimmt.

Meine Packliste ist so gut wie abgehakt und es fehlen nur noch Dinge wie Proviant und das Laptop, an dem ich gerade noch sitze. Und meine Wohnecke, in der ich alles, was mit soll gestapelt habe, sieht zur Zeit etwa so aus:

Meine siebenhundertsiebenundsoweiter Sachen

Dabei sind neben den üblichen Dingen wie T-Shirts, Zahncreme oder Regenjacke so schöne Dinge wie unter anderem:

  • Eine Plastiktüte mit Müsli, Mitbringsel für eine Freundin
  • Eine Schwimmweste, falls ich irgendwo Boot mitfahre und keine Schwimmweste da ist
  • Eine riesige rote Reisetasche mit warmer und wasserdichter Kleidung
  • Ein reisefreudiges Kleines Gelbes Monster
  • Ein Holzkasten mit Filtern zum Fotografieren
  • Ein Zelt, ein Schlafsack, eine Isomatte
  • Sandalen, Wanderstiefel, Gummistiefel
  • Eine Wathose – zum Fotografieren und Muscheln sammeln
  • Bücher (vom Insektenführer bis hin zu „Sommerlügen“ von Bernhard Schlink)
  • Ein Biwaksack und ein Erste-Hilfe-Set
  • Ein Autoatlas, in dem auch Finnland und Norwegen drin sind
  • Drei Liter Wein (mehr erlaubt der norwegische Zoll nicht)

Ich glaube, ich bekomme mein Auto voll. Nach der Reise werde ich genaustens untersuchen, was ich nicht gebraucht habe. Diese Erkenntnisse werde ich dann bei der nächsten Autoreise komplett ignorieren und wieder alles mitnehmen.

Skelleftehamn—Skibotn: Autoreise mit Tücken und Mücken

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Gestern um halb eins bin ich gestartet, mit vollem Tank und vollem Kofferraum. Von der ersten Etappe gibt es nicht viel zu berichten: Die E4 bis Haparanda, das sind 260 Kilometer Strecke machen, um in Gang zu kommen. Innerhin sind es 1172 Kilometer bis Kabelvåg auf meiner gewählten Route.

Erster Halt: Kukkola

Stromschnellen im Torne älv, eine alte Wassermühle, Wohnwagen, Eis, blauer Himmel. Touristisch, aber schön.

Ein alter Steg – nur für Fischer (und Fotografen?)

Kleines BlockhüttchenHolzgetriebe in der alten Wassermühle

Zweiter Halt: Hietaniemi

Hüben Schweden, drüben Finnland, dazwischen der breite Torne älv. Ein Pärchen lässt Steine springen. Von Övertorneå bis Pello werde ich auch auf der finnischen Seite fahren.

Eine internationale Fähre fürs ViehBlick über den Torneälven

Letzter Halt des Tages: Kaunisjoki Rastplats, 20 km nördlich von Pajala

Alles ist klar für die Nacht: Ich habe noch einmal voll getankt und werde langsam müde. Viertel vor zehn sehe ich einen leeren Rastplatz mit Grillhütte. Einmal durchfegen und fertig ist mein Übernachtungsdomizil. Ich breite Isomatte, Schlafsack und Kopfkissen aus und hole als nächstes eine Jacke und die Wathose aus dem Kofferraum. Ich möchte die schönen Hütten im späten Abendlicht vom Nahen fotografieren, aber der Untergrund sieht sehr nass aus. Ich mache den Kofferraum zu und kurze Zeit später höre ich

* klack *

Sch****, denke ich! Und meine Befürchtungen bewahrheiten sich: Leicht übermüdet habe ich den Autoschlüssel im Kofferraum abgelegt. Da liegt er schön sichtbar. Vorne war das Auto schon abgeschlossen, der Kofferraum schließt automatisch und der Ersatzschlüssel ist im Kamerarucksack, denn den nehme ich immer als erstes raus. Außer dieses Mal, da liegt der Rucksack auf dem Beifahrersitz!

Da stehe ich nun: Zehn Uhr Abends, mitten in der Pampa an der leeren Straße 99. Und mein Auto lässt mich nicht rein.


Wie ging es weiter:

  • Ich habe mein Handy und Empfang. Ich rufe einen Freund in Delmenhorst an, der mir Mut macht: Pappendienst kann so was.
  • Ich rufe die Versicherung an
  • Die hört sich meine Panne an und lacht mich nicht aus, wie schön
  • Ein paar Minuten später ruft mich ein Pannendienst aus Övertorneå an
  • Er wird kommen, um mir zu helfen, braucht aber anderthalb Stunden, bis er da ist
  • Ich warte, mache ein paar iPhonephotos, habe Durst und sehe dem Sonnenuntergang zu
  • Gut geschätzt: Anderthalb Stunden später ist der Pannendienst da
  • Keine zwei Minuten braucht er, um die Fahrertür mit Keil und Luftdruck aufzuhebeln …
  • … und mit einem Haken die Fahrertür zu entriegeln
  • Ich bin so erleichtert, ich sah mich schon mit großen Steinen wahllos Autoscheiben zerdeppern
  • Der Pannendienst bekommt meine Unterschrift und macht sich auf den Rückweg: Wieder 130 Kilometer

So viel zu den Tücken einer Autoreise. Die Mücken kamen etwas später, sie umsummten mich freudig die ganze Nacht, als ich in der Grillhütte übernachtet habe.

Resumé: Eigentlich ist das Ganze gut gelaufen: Ich hatte Handy und Empfang. Ich hatte sogar Schlafsack und Isomatte. Es hat nicht geregnet, es gab keinen Schneesturm. Der Pannendienst war schnell da. Und – Luxus! – ich hatte eine Hütte vor Ort, was will man mehr.

(Mäkel-Olaf: Was will man mehr: die Kamera und Stativ! Es war so tolles Licht!)
(Ein anderer Olaf: Haha, das sagst Du nur, weil im Fotorucksack der Ersatzschlüssel gewesen wäre. Depp!)
(Mäkel-Olaf: Selber Depp!)

Hier noch ein paar Bilder von der Nacht:

Rosa Wölkchen (Bravo, iPhone!)

Mitternachthimmel über der Straße 99Bäumchen im nächtlichen Nebel

Und vom Morgen:

Meine Übernachtungshütte – eigentlich zum Grillen gedacht


Noch ein paar Bilder von heute. Stichworte: Rentiere – Bootsfahrt – Dreiländereck – Weite Sumpfflächen – Moltebeeren – Regen – Skibotn – Gletscherblick – Zimmer mit Dusche und WLAN.

Ein Rentier kommt mir entgegenKaresuando: Links Finnland, rechts SchwedenMeine ersten Moltebeeren (Mjam!)Ziel für heute erreicht: Das norwegische Skibotn

Von der Bootsfahrt und dem Dreiländereck (Treriksröset) schreibe ich später einmal. Vielleicht …

Fotonotizen: Das Display vom MacBook Pro ist nicht zu dolle. Je nachdem, aus welchem Winkel man schaut, ändern sich Farben und Kontrast. Daher werden einige Fotos mehr oder weniger daneben sein. Überrascht hat mich das iPhone mit seinem Rosa-Wolken-Bild. Ich habe in Photoshop noch minimalst nachbearbeitet, aber das Original ist schon überraschend gut.

264.3

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

264.3, das zeigte mein Kilometerzähler an, als ich heute das Auto nach vierzehn Tagen und einigen Stunden Reise wieder auf meiner Einfahrt abstellte. Das ist allerdings ein bisschen untertrieben, denn in Wirklichkeit bin ich 2264,3 Kilometer gefahren:

Skelleftehamn (S) – Haparanda – Övertorneå – Pello (FIN) – Pajala (S) – Karesuando – Kilpisjärvi (FIN) – Skibotn (N) – Gryllefjord – ⚓ – Andenes – Kabelvåg – Fiskebøl – ⚓ – Melbu – Haukenes/Stokmarknes – Riksgränsen (S) – Gällivare – Solberget – Vuottas – Råneå – Skelleftehamn. Die mit ⚓ markierten Strecken sind Fähren.

Das war eine richtig schöne Tour, auch wenn ich froh bin, wieder zu Hause zu sein, denn lange Autofahrten alleine liegen mir nicht so. Vor allem in Norwegen finde ich das Auto fahren nicht leicht.

Autofahren in Norwegen

Kennt Ihr die Schilder 105 Doppelkurve und 120 Verengte Fahrbahn? Diese Schilder gibt es in Norwegen zu Hauf, bevorzugt wenn man bebautes Gebiet verlässt und wieder 80 fahren darf. Ich muss immer lachen, wenn ich die Schilder sehe, denn ich finde, dass in Norwegen fast alle Straßen eng und kurvenreich sind und man die beiden Schilder eigentlich nur einmal an der schwedisch-norwegischen Grenze aufstellen müsste.

Oft schaffe ich es aber gar nicht, 80 zu fahren, denn ich kenne die Strecke nicht. Und selbst wenn ich 80 fahre, habe ich meistens eine Schlange norwegischer Autos hinter mir an der Stoßstange kleben. Sie wollen alle schneller fahren, obwohl auch kleine Geschwindigkeitsübertretungen in Norwegen sehr teuer sind, denn da ist man schnell 500 Euro oder mehr los! Lustigerweise nutzen die Norweger oft keine geraden Strecken, um mich zu überholen, sondern die seltsamsten und meiner Meinung nach gemeingefährlichen Kurvenabschnitte. Im Straßenverkehr scheinen mir die Norweger wesentlich ungeduldiger als die Schweden zu sein – aber – gehupt wird auch hier nicht.

Autofahren in Schweden

Im schwedischen Inland sind es meistens die Rentiere, die den Verkehr bremsen. Ich habe irgendwann aufgehört, die Rentiere auf der Straße zu zählen, aber vier Typen von Rentieren im Straßenverkehr ausgemacht:

  • 1. „Waldflüchter“ – Die Rentiere springen direkt seitlich in den Wald. Sehr praktisch
  • 2. „Blockade“ – Die Rentiere stehen auf der Straße und glotzen. Erst wenn man sie fast mit der Stoßstange berührt, gehen sie leicht widerwillig zur Seite
  • 3. „Marathon“ – Die Rentiere galoppieren lange Strecken auf der Straße vor einem her und lassen einen weder links noch rechts vorbei, ehe sie schließlich seitlich in den Wald springen
  • 4. „ABC-Schütze“ – Die Rentiere laufen einem im Gänsemarsch auf der linken Straßenseite entgegen und laufen gesittet weiter. Vorbildlich, aber selten

Auch wenn mir die Autostrecken manchmal lang geworden sind, hat es doch Spaß gemacht, die vielfältigen Eindrücke der Fahrt in sich aufzunehmen und zu erleben: Die tiefen Nadelwälder, die klaren blauen Seen, die weiten gelbgrünbraunen Moore, die runden Hügel, das kahle schwedische Fjäll, die kleinen Bäche und die großen Ströme, die verschneiten und vergletscherten norwegischen Berge, die sich tief ins Land einschneidenden Fjorde. Die Kiesufer, die weißen Sandstrände mit türkisblauem Wasser, die losen Birkenwäldchen, die Wiesen und Weiden, die kleinen Tümpel. Die großen Brücken, die schönen Uferstraßen, die kleinen weißen Kirchen, die roten Fischerhütten, die kleinen Boote, die großen Schiffe. Nur die Tunnel find ich doof: Sehr eng, düster und langweilig. Aber speziell auf den Lofoten geht es nicht ohne sie.


Die nächsten Tage werde ich Artikel über die Lofoten und über die Vesterålen schreiben. Heute zeige ich nur zwei Fotos von Solberget, wo ich – wie so oft – Zwischenstopp gemacht habe, um Dirk und Silke sowie Jochen zu besuchen. Eines habe ich gemacht, als Jochen die Rentiere gefüttert hat, das andere hat Jochen gemacht, als der riesige Hund Odin sich von mir streicheln und kraulen ließ. Danke, Jochen, für das schöne Foto!

Abendliche RentierfütterungOdin und ich (Foto: Jochen)

… und noch ein Foto, welches ich jedes Mal machen möchte, wenn ich die schöne alte Hütte/Scheune kurz hinter der Polcirkeln-Hütte sehe. Heute bin ich endlich mal ausgestiegen und habe ein Foto gemacht:

Hütte im Moos

Skibotn—Kabelvåg: Fahrt durch Norwegen

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Am Dienstag ging es von Skibotn aus weiter. Dort hatte ich am Montag Abend ein Zimmer genommen, da ich bei dem Dauerregen keine Lust hatte, im Auto zu schlafen oder das Zelt aufzubauen. Kurz vor Bardufoss habe ich die E6 verlassen und bin westwärts nach Finnsnes und von dort aus auf Senja, die zweitgrößte Insel Norwegens, gefahren. Wenn ich dort wieder einmal mit dem Auto unterwegs sein sollte, würde ich mir definitiv mehr Zeit lassen, um diese schöne Insel zu erkunden. Aber ich wollte Mittwoch Mittag in Kabelvåg auf den Lofoten sein, um dort Elisabet, die zur Zeit dort arbeitet, zu besuchen. So bleiben hier nur zwei Fotos zu zeigen:

Auf der Insel SenjaAuf der Insel Senja

Mein Ziel war der kleine Ort Gryllefjord, denn von dort setzt eine Fähre nach Andenes, der Nordspitze der Vesterålen, über. Ich war ehrlich gesagt ein bisschen nervös, denn noch nie bin ich mit dem Auto auf eine Fähre gefahren. Und als die Fähre ankam, habe ich mich gefragt, wie man wieder vom Schiff herunterkommt, denn es sah nicht aus, als ob sich der Bug öffnen ließ. Muß man vielleicht rückwärts auf die Fähre fahren? Wie machen das die Leute mit Wohnwagen? Man weiß ja nicht … . Aber natürlich ließen sich sowohl Heck als auch Bug öffnen und bald stand ich auf dem Deck und ließ mir den recht kräftigen Wind um die Nase wehen.

Blick zurück auf SenjaAn Deck

Dort hatte man auch bald Blick auf Andøy, die nördlichste Insel der Vesterålen.

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

J.R.R. Tolkien, Herr der Ringe

… dieser Vers kam mir unwillkürlich in den Sinn, als ich auf die mit dunklen Wolken verhangenen nadelspitzen grauen Felsen schaute. Aber was für ein Kontrast erwartete mich auf der Insel: Weiße Sandstrände, türkisfarbenes Wasser, grünbewachsene Felsinseln, Blumen blühen und auch die Sonne schaut hier und dort durch ein paar Wolkenlücken. Und auf dem Parkplatz: Wohnmobile, Wohnmobile, Wohnmobile!

Andenes vorausSandstrand bei Andenes

Im Grunde könnte man an jedem Rastplatz, an jeder Parkbucht und an jeder Einfahrt anhalten und fotografieren. Die nordnorwegische Landschaft finde ich überall wunderschön. Aber ich habe bewusst versucht, nicht zu sehr in Fotos zu denken, sondern einfach die Landschaft zu erleben und zu geniessen. Aber – Ihr kennt mich vielleicht – ab und zu habe ich doch mal angehalten. Zum Beispiel an der kleinen achteckigen Kirche bei Dverberg.

Dverberg Kirke

Irgendwo auf der Insel Hinnøya, der größten Insel Norwegens (wenn man von Spitzbergen absieht), habe ich Rast gemacht und im Auto geschlafen. Ich war ziemlich früh wieder wach, denn während der letzten Nächte mit Mitternachtssonne ist es die ganze Nacht hell. Nach einem Frühstück ging es weiter südwärts, die Vesterålen und dann die Lofoten entlang.

SpiegelungStrand

Gegen zehn war ich in Svolvær, die mit 4000 Einwohnern die größte Stadt der Lofoten ist. Hier legt auch die Hurtigruten an und dementsprechend touristisch ist die Stadt ausgelegt. Schaut man von der einen Brücke nach Norden, sieht man schöne rote Häuschen und Berge. Schaut man nach Süden, sieht man moderne Häuser und das Meer.

SvolværSvolvær

Nach einer mittelkurzen Stadtbesichtigung bin ich die wenigen Kilometer nach Kabelvåg gefahren, wo ich mich mit Elisabet getroffen habe. Von dort aus haben wir einige schöne Touren auf den Lofoten gemacht, aber davon erzähle ich ein andermal.

Nächtliche Baustelle

Nach einem Jahr ist der große Kreisel auf dem Weg zwischen Skellefteå und Skelleftehamn fertig geworden. Ich muss immer noch schmunzeln, denn der Kreisel wurde ja gebaut, um den Verkehr an der Kreuzung bei Bergsbyn zu entlasten. Nun, ich finde auch, dass Kreisel praktisch sind, aber ich habe mich immer gefragt, „Ja welcher Verkehr denn?“. Dass man manchmal dort anderthalb Minuten stand, wenn man auf die Hauptstraße wollte? Ihr lieben Skellefteåeinwohner, seid Ihr denn nie in einer richtigen Stadt gewesen und wisst Ihr nicht, was Verkehr ist? Letzte Frage ist natürlich zugleich dumm und arrogant. Arrogant, weil sie versucht, meinen Maßstab der deutschen Rushhour um Köln herum auf das eher beschauliche Nordschweden zu stülpen. Und dumm, weil viele Menschen hier mehr herumkommen als ich. Ich kenne ja eigentlich nur Nordeuropa ganz gut.

Etwas Gutes haben die Baustellen, nämlich Fotomotive. Vor einem Jahr habe ich schon einmal fotografiert, da war man noch ganz am Anfang. Den Bau des Tunnels leider etwas verpasst, aber heute bin ich noch einmal stehengeblieben, um die neugegrabene Unterführung zu fotografieren.

Baustelle bei Nacht – der Ton glitzert im Mondschein

Mit dem Begehen war das allerdings ein bisschen schwierig, denn die Schrägen waren glatt wie Schmierseife und der zähe, schlammige Boden in der Mitte klebte wie Kleister. Als ich meine Fotos gemacht habe, waren meine Gummistiefel bestimmt doppelt so schwer, und ich habe sie in Skelleftehamn in der Ostsee gewaschen, um mir nicht das ganze Badezimmer einzusauen.

Drängsmarks ångsåg

Gestern habe ich früher Schluss gemacht, mich mit Delle, der hier gerade zu Gast ist, ins Auto gesetzt und wir sind ohne Ziel einfach losgefahren. Dabei haben wir nicht nur ein paar schöne Schleichwege gefunden, sondern auch „Drängsmarks ångsåg“, Nordeuropas einziges noch funktionierendes Dampfsägewerk. Die Säge wird vermutlich sowohl durch Wasser als auch durch eine Dampfmaschine angetrieben. Obwohl die Saison schön länger zu Ende ist, waren fast alle Gebäude offen zugänglich und so haben wir uns in Ruhe alles angeschaut.

Hinter dem Teich liegt das Dampfsägewerk

Im Sägewerk – obenIm Sägewerk – untenDie DampfmaschineDas Sägewerk von außen

Der Tag war wieder ein Beweis meiner Faulheit: Ich hatte das Stativ im Auto, aber anstatt es für die dunklen Innenräume einfach zu holen, habe ich die Kamera aufgelegt: Auf ein Stück Holz, ein Geländer, eine Treppe. Bloß bei der Dampfmaschine hätte mir das Stativ nichts genützt, denn da habe ich die Kamera durch ein kaputtes Quadrat eines alten Sprossenfensters gehalten und das war ziemlich eng.

Angeblich sollte es gestern Mittag ja aufklaren, aber bis zum Abend war es dicht bewölkt und so liegt die Landschaft auf meiner gestrigen Herbstaufnahme wieder im Schatten der Wolken.

Blick auf den Kvarnbäck

Links (auf schwedisch)

Erinnerung an Bodø

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Heute habe ich einen Brief bekommen. Zuerst habe ich an Spam gedacht, denn es war eine Rechnung und ich hatte keine Ahnung, worum es sich dreht. Dann erblickten meine Augen das Wort „Norge“ und zwei hübsche Schwarzweißfotos von einem Auto. Meinem Auto! Bin ich etwa in Norwegen zu schnell gefahren und dabei geblitzt worden? Dann sah ich den Betrag von SEK 58.88 (also keine sieben Euro). Damit schied die Geschwindigkeitsübertretung schon einmal aus, denn die kostet in Norwegen leicht das Hundertfache. Also fing ich an den schwedischen Text zu lesen und stieß auf Worte wie avgifsbelagd väg (gebührenpflichtige Straße). Damit hatte ich langsam eine Idee, worum es sich handelte. Allerdings konnte ich mich nicht entsinnen, bei meinem letzten Norwegenaufenthalt irgendeine Bezahlstraße genommen zu haben. Seltsam!

Auf dem unübersichtlichen Brief stand zwar viel, aber nicht, wo das überhaupt gewesen sein soll. Aber man konnte sich im Internet einloggen und dort bekam ich als Ort Rv 80 Strømsnes und als Daten 18. und 19. Mai angezeigt. Und dann dämmerte es mir. Im Mai habe ich ja einen Roadtrip nach Bodø gemacht. Und dort stand damals irgendwas von Bezahlen an der Straße, ohne dass wir irgendeine Mautstelle gesehen haben. Das hatte uns ein bisschen gewundert. Inzwischen hatte ich das total vergessen, denn das ist ja immerhin schon fünf Monate her.

Dafür, wie teuer sonst vieles in Norwegen ist, finde ich einen Maut von 3,36 Euro pro Strecke überraschend günstig. Dann will ich mal bezahlen …

Zwischen goldenem Herbst und weißem Winter

Der Goldene Herbst ist seit ein paar Wochen vorbei und die Bäume sind kahl. Und Winter ist noch nicht in Sicht. Das Wetter ist so richtig zwischen allen Stühlen und bei den Regengüssen der letzten Tage sehne nicht nur ich mich nach Kälte und frischem Schnee.

Ja, wir hatten es schon kalt: -8.6 °C vor drei Nächten, aber null Grad dreieinhalb Stunden später. Ja, wir hatten schon Schnee: erst vorletzte Nacht in Skellefteå, als der Pladderregen in Schnee überging. Der ist aber schon längst zu großen Pfützen geschmolzen, die den Frost der letzten Nacht genutzt haben, halb zuzufrieren um heute wieder anzutauen. Und ansonsten: Ein Grad, zwei Grad, drei Grad. Nieselregen, Dauerregen, Pladderregen. Mal mehr, mal weniger glatt.

PladderregenSpiegelungStiller FlussRotes Haus

Weil ich am Samstag nach Burträsk fahre, habe ich heute morgen Winterreifen aufziehen lassen und bis jetzt wieder mit Spikes unterwegs. Als ich an der Bucht vorbeikam, bugsierten gerade zwei Lotsenschiffe die große Levan an die Anlegestelle von Kuusakoski, dem Recyclingunternehmen. Als ich in der Nachmittagsdämmerung von der Arbeit zurückkam, lag das Schiff noch da und ich habe kurze Zeit später noch einmal ein Foto mit Stativ und längerer Belichtung gemacht. Zum Glück hat die Levan still gehalten.

Die Levan läuft einDie Levan

Ab Sonntag werde ich viele Gelegenheiten haben, weitere Nachtaufnahmen zu machen, denn dann geht die Sommerzeit zu Ende und ganz plötzlich geht die Sonne um halb vier unter! Dann ist Nordschweden wirklich kalt und dunkel. Bis der erste Schnee fällt.

Mein Auto jedenfalls ist seit heute für den Winter gerüstet. Und etwas anderes auch, doch dazu hole ich ein bisschen aus …

Eine der schwierigeren Sachen in Nordschweden ist es, einen Handwerker zu bekommen. Einige Spezies wie Elektriker (elektriker) und Klempner (rörmokare) sind besonders selten, gesucht und begehrt. Es kann lange Zeit vergehen, bis man tatsächlich mal einen Handwerker bekommt, der einem hilft, Dinge zu „fixen“, wenn man es – wie ich – nicht selbst kann. Vor allem beim Thema Klempner hat sich einiges bei mir angesammelt und ich wusste, ich muss das Projekt „Rörmokare“ in Angriff nehmen, vor allem, weil das Absperrventil zum Außenwasserhahn nicht mehr ganz dicht war und ich Angst hatte, dass mir das ganze im Winter kaputt friert. Jetzt geschieht ein kleines Wunder: In meinem Briefkasten finde ich einen Zettel von Jon, der sich gerade als Rörmokare selbständig gemacht hat und Kunden sucht. Er antwortet noch am Sonntag auf meine Mail, schaut sich schon am Montag alles an und gibt Tipps und hat heute schon einen neuen Außenwasserhahn, der nicht mehr einfrieren kann, eingebaut und mit anderen Dingen angefangen. Ich bin begeistert! Nun bekomme ich noch ein Waschbecken im Keller (für dreckige Stiefel und so etwas), bessere Thermostaten an die Heizung und – wenn ich will – reaktiviert er auch die Fußbodenheizung in einigen Kellerräumen, von deren Existenz ich bisher nicht gewusst habe. Toll!

Und da der schwedische Staat bei Hausbau und -reparatur 50% der Bruttoarbeitskosten dazu gibt – das Ganze nennt sich ROT-avdrag, halten sich die Kosten auch noch halbwegs in Grenzen.

Åbacka paviljong

Heute auf dem Weg nach Burträsk habe ich Sachensucher gespielt.

„Was sind das denn für Sachen?“ fragte Annika.

„Ach, alles mögliche“, sagte Pippi. „Goldklumpen und Straußfedern und tote Ratten und Knallbonbons und kleine, kleine Schraubenmuttern und all so was.“

Astrid Lindgren: Pippi Langstrumpf

Nur dass ich statt Sachen Fotomotive gesucht habe. Ich bin eine Stunde früher losgefahren, um ein bisschen hier und dort langfahren zu können und auch, um trotz des trüben Wetters ein paar Fotos machen zu können. Und nachdem ich die die E4 verlassen habe und direkt noch einmal abgebogen bin, entdeckte ich dies hier:

Åbacka paviljong

Zu Hause habe ich im Internet nachgeschaut und herausgefunden, dass dies der „Åbacka paviljong“ ist, den J G A Sandberg, Disponent und Verwalter des Sägewerkes Bure AB, 1987 in Stockholm gekauft und hier direkt am Fluss Bureälven hat aufstellen lassen. Seit 1988 ist dieser Pavillon denkmalgeschützt.

Wenn schöneres Wetter ist, werde ich dort noch einmal hinfahren und Fotos machen.

Die anderen beiden Fotosucher-Ergebnisse sind eher dem Bereich „kleine, kleine Schraubenmuttern“ als dem Bereich „Goldklumpen“ zuzuordnen: Eine rote Scheune, unweit des Pavillons und dünnes Eis auf dem großen See Falmarksträsket.

Rote Scheune bei ÅbackaEis auf dem Falmarksträsket

In Burträsk habe ich dann in der schönen Kirche mein erstes Konzert mit dem Skellefteå kammarkör gesungen, aber davon erzähle ich morgen.

Das historische Dorf Gallejaur

Heute war ich fast den ganzen Tag mit Freunden zusammen unterwegs. Ein guter Tag! Erst habe ich meine ehemaligen Nachbarn in Klutmark besucht, dann bin ich weiter nach Kusfors gefahren, um dort Lasse und Martine zu besuchen. Wir haben uns dort mit einem Paar getroffen, welches diesen Sommer von Dubai nach Skellefteå gezogen ist und gerade einige Freunde aus ihrer alten Heimat zu Gast hatte. Mit zwei Autos sind wir kleine vereiste Kieswege entlanggefahren, an Rentieren und leicht weiß bepuderten Wäldern vorbei, bis wir unser Ziel Gallejaur erreicht haben. Gallejaur ist ein historisches Dorf, dessen noch gut erhaltenen Bauwerke bis 1800 zurückreichen.

In einigen Häusern kann man übernachten und das Geschirr, das Besteck, die Möbel sind alle noch aus dem originalen Hausstand und mindestens hundert Jahre alt. In einem der Häuser steht eine alte „Tramporgel“ (zu deutsch Harmonium), welche mit Hilfe von Lochscheiben selbst Stücke spielen kann.

Ein altes SchlafzimmerEin selbstspielendes Harmonium

Erst fand ich es ein bisschen schade, dass es schon früh dunkel wurde, doch schnell habe ich gesehen, dass das trübe Dämmerungslicht sehr schön ist und die Gebäude ein bisschen kalt, abweisend und unwirklich aussehen lässt. Ich habe mir vorgenommen, noch einmal wiederzukommen, wenn mehr Schnee liegt und der Mond scheint. Hoffentlich sind dann die netten Schafe noch draußen, die bei 1.3 Sekunden Belichtungszeit überraschend still gehalten haben.

Ein alter ErdkellerDie meisten Schafe halten stillWeg durch das Dorf GallejaurWohnhaus – ungefähr 100 Jahre alt

Nachdem ich noch bei Martine und Lasse zu Hause war, habe ich mich in mein Raumschiff gesetzt und bin mit Überlichtgeschwindigkeit (etwa Warp 8) nach Hause gedüst. Die Sterne zogen grell leuchtend an mir vorbei und Sternnebel umwaberten mein Schiff.

Glaubt Ihr nicht? Ist auch nicht ganz richtig! Bei +1 °C bin ich durch Nebel und Schneeschauer gefahren und als ich Fernlicht anhatte und gerade ein besonders starker Schneeschauer über der Straße hing, da irritierten die blendenden Schneeflocken, die strahlenförmig zu allen Richtungen wegschossen, so sehr, dass ich fast nicht mehr wusste, wo oben und unten ist. Das kam einem Flug mit Überlichtgeschwindigkeit schon recht nahe mit der Ausnahme, dass man im Auto gerne Bodenhaftung hat und weiß, wo die Straße ist. Ich war froh, dass es in Richtung Küste wieder wärmer wurde und bald der Schnee wieder als Regen herunterkam. In Skelleftehamn zeigte das Autothermometer dann +5 °C.

Links

Nachtrag

Samisches VorratshausEin Bild habe ich noch: Das vom samischen Vorratshaus. Es ist so konstruiert, dass die Ratten nicht hineinkommen, denn die können zwar mühelos die Stelzen, auf denen das Haus steht erklimmen, aber nicht kopfüber unter dem Boden weiterlaufen.

Auf norwegisch heißen diese Gebäude Stabbur, auf schwedisch (sagt Wikipedia) Härbre. Auf der iberischen Halbinsel gibt es Dinger auch unter dem Namen Hórreo, aber das hat mit meinem Blog nordwärts ja gar nichts mehr zu tun. Ich habe es auch nur erwähnt, damit der Text neben dem Bild nicht zu kurz ist.

Besuch von Hilde

Letzte Nacht kam die Hilde zu Besuch, heulte herum, pfiff durch’s Fenster, kegelte mit leeren Mülltonnen und machte noch einiges anderes. Das ist das erste Mal, seitdem ich hier lebe, dass für das Festland eine Sturmwarnung der Stufe zwei ausgegeben wurde. Und in der Nacht hörte ich Hilde auch am Haus rappeln und durch das nicht ganz dichte Schlafzimmerfenster pfeifen. Und da es bis zu 9 Grad warm war, hat der Sturm auch den meisten Schnee geschmolzen und die Nebenstraßen zu nassen Eispisten verwandelt, die dermaßen glatt sind, dass man selbst mit Spikes mit dem Auto ins Schlingern kommt.

Ich hatte das Auto so geparkt, dass es von keinem Baum oder Dachziegel getroffen werden konnte, aber in unserem „Kleinhausgebiet“ lagen nur leere Mülltonnen kreuz und quer auf der Straße, sonst war kein Schaden zu sehen. Eine Bekannte hat hingegen ein Foto von der großen Kiefer bei Facebook gepostet, die der Sturm in der Nacht entwurzelt und umgeworfen hat, zum Glück in Richtung Park und nicht auf deren Haus. Und in der Onlinezeitung habe ich entdeckt, dass auf der Wiese hinter der nächsten Hausreihe eine Birke in drei Meter Höhe abgeknickt wurde. Da kann man sich vorstellen, wie viel Kraft der Sturm hatte, denn eine kahle Birke hat ja nicht so viel „Segelfläche“. Aber der Sturm hat so manchen Baum in Västerbotten umgeknickt und 12000 Kunden von Skekraft sind auch heute Nachmittag noch ohne Strom.

Gestürzte Fichte am ParkvägenGeknickte Birke vor dem Tallvägen

Eigentlich dachte ich, dass ich heute am Meer bestimmt tolle Wellen fotografieren kann, aber der Wind kam von Nordwesten, also vom Land und das Meer war überraschend ruhig. Die Wellen auf dem Fluss hingegen waren groß genug, um das gesamte Ufereis, in welches wir gestern noch ein Loch zum Baden geschlagen haben, kaputt zu brechen.

Die Ufer sind heute eisfreiDie Badestelle heute

Die Wellen ließen das Brucheis in der Badestelle klirren und klingen. Auch die drei Bojen, die gestern noch fest eisumschlossen waren, schwammen heute wieder im offenen Wasser und kleine, glitzernde Eisstückchen trieben vorbei.

Bojen und EisstückchenEisblumen auf Holz

Ein kleiner Teil des Holzsteges war mit Eisblumen bedeckt. Das letzte Schwarzweißphoto zeigt die filigranen Figuren, die Wasser und Frost auf das Holz gezeichnet haben.


Links (schwedisch):

Frostmorgen

Heute morgen gab es Frost bei -4 °C und das ganze Auto ist von Eisblumen bedeckt. Das macht mir gar nichts, denn ich nehme den Bus. Heute ist auch der vermutlich erste Eistag, also ein Tag, an dem es unter 0 °C bleibt.

Eisblumen am Autofenster

Eispiste

Am Sonntag war es schön, Auto zu fahren. Nicht unbedingt, was die Straßenverhältnisse betrifft, denn der Schnee auf den einsamen Waldwegen verdeckt meistens nur das blanke, glatte Eis und es fordert eine gewisse Disziplin, vor jeder Kurve sanft abzubremsen, damit man nicht doch irgendwann einmal von der Straße rutscht, um mit fast unsichtbaren Steuerbewegungen in die Kurve zu fahren, kaum spürbar gerade zu ziehen und danach ebenso sanft wieder zu beschleunigen.

Schön war es, weil schönes Wetter war und im Inland fünf bis zehn Zentimeter Schnee lagen. Alle Seen waren zugefroren, nur an den Mündungen der kleinen, lebhaften Flüsschen war das Wasser noch offen. Und an den Rändern der Seen liefen die Leute Schlittschuhe oder saßen mit ihrer kleinen Plastikangel vor einem Eisloch. Auch der Sumpf, den ich mitten im Nirgendwo (bei Brännvattnet) gefunden habe, war schon so weit zugefroren, dass man ihn zum Fotografieren betreten konnte.

Abenddämmerung am eisbedeckten SeeSumpf bei Brännvattnet

Irgendwann habe ich auch mal aus dem Auto einen x-beliebigen Waldweg geknipst. Dieser war schön breit, aber es gibt auch Wege, die ganz schön schmal sind. Und prompt kam mir auf so einem Weg ein Auto entgegen. Zum Glück für mich und ihn ist der andere Autofahrer freiwillig und sehr lässig ein ganzes Stück zurückgesetzt, bis ich vorbei passte. Ich hätte wahrscheinlich zehn Mal so lange gebraucht und dabei fünf Mal den Motor abgewürgt. Danke, Du netter unbekannter Autofahrer!

Einer von zigtausend Wegen durch den Wald

Heute hätte ich mich mit dem Auto solche Wege nicht entlanggetraut, denn es ist wärmer geworden und es hat gepladdert. Und der kalte Regen ist auf dem Eis der kleinen Nebenstraßen festgefroren und hat sie noch glatter gemacht. Die Straße, die auf dem folgenden Foto zu sehen ist, liegt keine 50 Meter von meinem Haus weg, aber ich habe mir Spikessohlen unter die Stiefel geschnallt, damit ich da überhaupt hinkomme. Zum Glück sind alle größeren Straßen frei.

Eispisten in Skelleftehamn