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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Sober October – nordwärts style

Auf Facebook schreiben gerade einige über den „Sober October“, eine Aktion, im Monat Oktober keinen Alkohol zu trinken. Ich finde diese Aktion gut, allerdings für mich völlig sinnfrei, denn es kann leicht passieren, dass ich ohnehin einen Monat keinen Alkohol trinke, ohne es zu merken. Ich trinke kaum Alkohol, mag keinen Kaffee (für die Schweden schwer nachvollziehbar!) und rauche nicht.

Für Zucker hingegen, ob in der Form von Schokolade, Lakritz, Keks, Kuchen oder auch in Form von Cola und anderer Limonade, bin ich schwer anfällig. So anfällig, dass nach Abschluss meines vertikalen Wachstums im jungen Erwachsenenalter nun vor Jahren schon mein horizontales Wachstum – vor allen in Bauchhöhe – begonnen hat. Vorbei die Zeiten des Spargeltarzan-Daseins mit 64 Kilo. Nun liege ich ordentlich drüber. Über was? Über dem Gewicht, bei dem ich mich wohl fühle.

Süßes – mein heutiges „Abschiedsessen“

Daher habe ich jetzt eine Sober-Variante für mich bestimmt:

Vom 9.9 – 11.11. esse ich keinen Zucker in der Form von Süßigkeit, Kuchen oder zuckerhaltiger Limonade! Knabberzeugs wie Chips sind ebenfalls gestrichen! Ausnahmen mache ich nur für Kuchen und Nachtische, wenn ich irgendwo eingeladen bin, oder Studentenfutter und ähnliches, wenn ich draußen unterwegs bin.

Ich habe fest vor, morgen anzufangen und durchzuhalten, auch wenn meine gute Laune droht, dadurch einzuknicken. Wünscht mir Glück!

Nächtliche Baustelle

Nach einem Jahr ist der große Kreisel auf dem Weg zwischen Skellefteå und Skelleftehamn fertig geworden. Ich muss immer noch schmunzeln, denn der Kreisel wurde ja gebaut, um den Verkehr an der Kreuzung bei Bergsbyn zu entlasten. Nun, ich finde auch, dass Kreisel praktisch sind, aber ich habe mich immer gefragt, „Ja welcher Verkehr denn?“. Dass man manchmal dort anderthalb Minuten stand, wenn man auf die Hauptstraße wollte? Ihr lieben Skellefteåeinwohner, seid Ihr denn nie in einer richtigen Stadt gewesen und wisst Ihr nicht, was Verkehr ist? Letzte Frage ist natürlich zugleich dumm und arrogant. Arrogant, weil sie versucht, meinen Maßstab der deutschen Rushhour um Köln herum auf das eher beschauliche Nordschweden zu stülpen. Und dumm, weil viele Menschen hier mehr herumkommen als ich. Ich kenne ja eigentlich nur Nordeuropa ganz gut.

Etwas Gutes haben die Baustellen, nämlich Fotomotive. Vor einem Jahr habe ich schon einmal fotografiert, da war man noch ganz am Anfang. Den Bau des Tunnels leider etwas verpasst, aber heute bin ich noch einmal stehengeblieben, um die neugegrabene Unterführung zu fotografieren.

Baustelle bei Nacht – der Ton glitzert im Mondschein

Mit dem Begehen war das allerdings ein bisschen schwierig, denn die Schrägen waren glatt wie Schmierseife und der zähe, schlammige Boden in der Mitte klebte wie Kleister. Als ich meine Fotos gemacht habe, waren meine Gummistiefel bestimmt doppelt so schwer, und ich habe sie in Skelleftehamn in der Ostsee gewaschen, um mir nicht das ganze Badezimmer einzusauen.

Meeting in Lycksele

Der klare Himmel, dem ich das Polarlicht der letzten Nacht zu verdanken habe, hat die Lufttemperaturen in Skelleftehamn das erste Mal diesen Herbst der Nullgradmarke angenähert und so habe ich heute morgen zum ersten Mal Eis gekratzt.

Von Skellefteå aus sind wir zum Meeting „Smarta tjänster för din kommun i mobilen“ nach Lycksele gefahren. Das ist etwa zwei Autostunden landeinwärts und liegt in der historischen Provinz Lappland am Umeälven. Auf dem Hinweg lag die Lufttemperatur oft unter Null und alle Laubbäume trugen bunte Blätter oder waren sogar schon kahl. In Skelleftehamn beginnen die Jahreszeiten oft später als im Inland, da die Ostsee die Temperaturen puffert: Die Wärme im Herbst und die Kälte im Frühjahr.

Als Mitfahrer konnte ich in Ruhe hinausschauen und sehen, wie die Straße an großen Seen vorbeiführte, an kleinen Mooren, Sumpfflächen mit raureifbedeckten, braunen Grashalmen, auf Brücken über nebelige Flusstäler und am Horizont sah man die ersten flachen Berge.

In Lycksele selbst war herrliches Wetter und es wurde schnell warm. Vom Balkon des „Hotell Lappland“, in dem Meeting war, hatte man einen herrlichen Blick auf den Fluss. Und wenn man die Feuertreppe herunterging und einmal um die Ecke lief, war man schnell am Umeälven, dessen Ufer aber so steil war, dass ich mich nicht ganz herangetraut habe. Zeit zum Fotografieren hatte ich, denn wenn die Veranstaltung von 10 – 15 Uhr geht, schließt das zweites Frühstück, Mittagsbüffet und natürlich die Fika mit ein.

Nach einem guten, aber auch anstrengenden Meeting haben wir uns auf den Rückweg gemacht. Noch einmal zwei Stunden. Obwohl ich nicht selber präsentiert habe, sondern nur für eventuelle technische Fragen mitgekommen bin, fühle ich mich jetzt ganz schön müde.

Hinweg: Brücke über den SkellefteälvenBlick über Lycksele und den UmeälvenMitten in Lycksele am UmeälvenRückweg: Gelbes Herbstlaub prägt die Straßenränder

Kanelbullens Dag

Gestern war laut Thementagkalender der Tag des Tieres, der Tag der Fahrgemeinschaften und der Internationale Wodkatag. Wirklich wichtig war gestern aber nur eines: Kanelbullens Dag – Der Tag der Kanelbulle. Diesen Thementag gibt es seit 1999 und er wurde von den Schweden begeistert aufgenommen, schließlich ist die Kanelbulle das vermutlich bekannteste und beliebteste süße Gebäck in Schweden.

Und da ich, als ich am 9.9. beschlossen habe, für zwei Monate auf Süßkrams zu verzichten, selbst gemachten Kuchen aus dem Verzicht ausgeschlossen habe, habe ich gestern auch zugegriffen, als eine Kollegin einen großen Teller selbst gemachter Kanelbullar mitgebracht hat. Lecker! Ich hätte natürlich auch Kanelbullar bei ICA kaufen können, aber erstens kaufe ich ja zur Zeit nichts Süßes und zweitens schmecken die bei weitem nicht so gut.

Selbst gebackene Kanelbullar in der BürokücheKanelbullar bei ICA

Seitdem ich auf Süßigkeiten und Limonaden verzichte, habe ich schon einige Kilo abgenommen. Morgen hätte ich die einmalige Chance, mir das alles wieder anzufuttern, denn da ist „Gräddtårtans dag“ der Tag der Sahnetorte.

Und das schreiben die Blogkollegen:

Nächtlicher Luxus

Manchmal wache ich mitten in der Nacht auf, in meinem Kopf macht es ”Bing!“ und ich bin wach. Hellwach. Mitten in der Nacht. Ich bin keine Eule und nutze die Nächte eigentlich lieber zum Schlafen als zum unmotiviert wach sein. Normalerweise lese ich eine Stunde, bis mein Körper meint, nun sei es aber mal gut und ich das Licht lösche, die Augen schließe und weiterschlafe.

Heute hätte ich auch gelesen, wenn nicht gestern Abend schon fahles Nordlicht am Westhimmel gesehen wäre. Und so schaute ich raus und sah, dass der halbe Himmel von Polarlicht bedeckt war. Ich habe mir kurz warme Klamotten angezogen und bin mit Stativ und Kamera in den Garten gegangen. Aber da störten Telefonleitungen, Lichter, Häuser und überhaupt.

Also habe ich kurz mein 8mm-Fisheye auf die Kamera gemacht und bin an die nahe Bucht gelaufen. Da habe ich dem Polarlicht zugeschaut, wie es mal schwächer und mal stärker wurde, wie sich eine schmale helle Linie vom Westen bis zum Zenith und weiter erstreckte, wie sich aus den hellen Bogen pulsierend Aurorastreifen in den Himmel erstrecktem – grünem Feuer gleichend.

Und natürlich habe ich auch immer wieder auf den Auslöser gedrückt.

Polarlicht über der BuchtPolarlicht über der Bucht

Polarlicht über der Bucht

Erst habe ich noch überlegt, ob ich zu Hause ins Auto steige und mir eine schönere Stelle zum Fotografieren suche. Dann habe ich das Gegenteil gemacht, mich mitten auf den Näsuddsvägen gestellt und einfach noch mal in Richtung Osten fotografiert. Und mich über den Luxus gefreut, statt des Buchlesens Polarlicht anschauen zu können, wenn ich schon nicht schlafen kann. Nicht als Tourist, sondern vor der eigenen Haustür.

Auf dem Näsuddsvägen

Die Entscheidung, nicht noch irgendwo hinzufahren, war wohl richtig, inzwischen ist vom Nordlicht nichts mehr zu sehen. Außerdem höre ich mein Bett rufen.

Ihr seht die breiten schwarzen Ränder auf den Fotos. Das liegt daran, dass das Fisheye nur den kleineren DX-Sensor abdeckt und nicht den größeren FX-Vollformatsensor. Ich habe die Fotos aber absichtlich nicht beschnitten, erst weil ich nicht so viel vom Bild wegnehmen wollte, dann weil mir die Fotos so eigentlich ganz gut gefallen. Schade nur, dass man die Streulichtblende, die hier für zusätzliche Abdeckung sorgt, nicht abnehmen kann. Vielleicht doch noch mal nach einem Fischauge für Vollformat schauen …?

Erinnerung an Bodø

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Heute habe ich einen Brief bekommen. Zuerst habe ich an Spam gedacht, denn es war eine Rechnung und ich hatte keine Ahnung, worum es sich dreht. Dann erblickten meine Augen das Wort „Norge“ und zwei hübsche Schwarzweißfotos von einem Auto. Meinem Auto! Bin ich etwa in Norwegen zu schnell gefahren und dabei geblitzt worden? Dann sah ich den Betrag von SEK 58.88 (also keine sieben Euro). Damit schied die Geschwindigkeitsübertretung schon einmal aus, denn die kostet in Norwegen leicht das Hundertfache. Also fing ich an den schwedischen Text zu lesen und stieß auf Worte wie avgifsbelagd väg (gebührenpflichtige Straße). Damit hatte ich langsam eine Idee, worum es sich handelte. Allerdings konnte ich mich nicht entsinnen, bei meinem letzten Norwegenaufenthalt irgendeine Bezahlstraße genommen zu haben. Seltsam!

Auf dem unübersichtlichen Brief stand zwar viel, aber nicht, wo das überhaupt gewesen sein soll. Aber man konnte sich im Internet einloggen und dort bekam ich als Ort Rv 80 Strømsnes und als Daten 18. und 19. Mai angezeigt. Und dann dämmerte es mir. Im Mai habe ich ja einen Roadtrip nach Bodø gemacht. Und dort stand damals irgendwas von Bezahlen an der Straße, ohne dass wir irgendeine Mautstelle gesehen haben. Das hatte uns ein bisschen gewundert. Inzwischen hatte ich das total vergessen, denn das ist ja immerhin schon fünf Monate her.

Dafür, wie teuer sonst vieles in Norwegen ist, finde ich einen Maut von 3,36 Euro pro Strecke überraschend günstig. Dann will ich mal bezahlen …

Zwischen goldenem Herbst und weißem Winter

Der Goldene Herbst ist seit ein paar Wochen vorbei und die Bäume sind kahl. Und Winter ist noch nicht in Sicht. Das Wetter ist so richtig zwischen allen Stühlen und bei den Regengüssen der letzten Tage sehne nicht nur ich mich nach Kälte und frischem Schnee.

Ja, wir hatten es schon kalt: -8.6 °C vor drei Nächten, aber null Grad dreieinhalb Stunden später. Ja, wir hatten schon Schnee: erst vorletzte Nacht in Skellefteå, als der Pladderregen in Schnee überging. Der ist aber schon längst zu großen Pfützen geschmolzen, die den Frost der letzten Nacht genutzt haben, halb zuzufrieren um heute wieder anzutauen. Und ansonsten: Ein Grad, zwei Grad, drei Grad. Nieselregen, Dauerregen, Pladderregen. Mal mehr, mal weniger glatt.

PladderregenSpiegelungStiller FlussRotes Haus

Weil ich am Samstag nach Burträsk fahre, habe ich heute morgen Winterreifen aufziehen lassen und bis jetzt wieder mit Spikes unterwegs. Als ich an der Bucht vorbeikam, bugsierten gerade zwei Lotsenschiffe die große Levan an die Anlegestelle von Kuusakoski, dem Recyclingunternehmen. Als ich in der Nachmittagsdämmerung von der Arbeit zurückkam, lag das Schiff noch da und ich habe kurze Zeit später noch einmal ein Foto mit Stativ und längerer Belichtung gemacht. Zum Glück hat die Levan still gehalten.

Die Levan läuft einDie Levan

Ab Sonntag werde ich viele Gelegenheiten haben, weitere Nachtaufnahmen zu machen, denn dann geht die Sommerzeit zu Ende und ganz plötzlich geht die Sonne um halb vier unter! Dann ist Nordschweden wirklich kalt und dunkel. Bis der erste Schnee fällt.

Mein Auto jedenfalls ist seit heute für den Winter gerüstet. Und etwas anderes auch, doch dazu hole ich ein bisschen aus …

Eine der schwierigeren Sachen in Nordschweden ist es, einen Handwerker zu bekommen. Einige Spezies wie Elektriker (elektriker) und Klempner (rörmokare) sind besonders selten, gesucht und begehrt. Es kann lange Zeit vergehen, bis man tatsächlich mal einen Handwerker bekommt, der einem hilft, Dinge zu „fixen“, wenn man es – wie ich – nicht selbst kann. Vor allem beim Thema Klempner hat sich einiges bei mir angesammelt und ich wusste, ich muss das Projekt „Rörmokare“ in Angriff nehmen, vor allem, weil das Absperrventil zum Außenwasserhahn nicht mehr ganz dicht war und ich Angst hatte, dass mir das ganze im Winter kaputt friert. Jetzt geschieht ein kleines Wunder: In meinem Briefkasten finde ich einen Zettel von Jon, der sich gerade als Rörmokare selbständig gemacht hat und Kunden sucht. Er antwortet noch am Sonntag auf meine Mail, schaut sich schon am Montag alles an und gibt Tipps und hat heute schon einen neuen Außenwasserhahn, der nicht mehr einfrieren kann, eingebaut und mit anderen Dingen angefangen. Ich bin begeistert! Nun bekomme ich noch ein Waschbecken im Keller (für dreckige Stiefel und so etwas), bessere Thermostaten an die Heizung und – wenn ich will – reaktiviert er auch die Fußbodenheizung in einigen Kellerräumen, von deren Existenz ich bisher nicht gewusst habe. Toll!

Und da der schwedische Staat bei Hausbau und -reparatur 50% der Bruttoarbeitskosten dazu gibt – das Ganze nennt sich ROT-avdrag, halten sich die Kosten auch noch halbwegs in Grenzen.

Klebeschnee

Nasser, kalter KlebeschneeDa freut man sich über ein Wartehäuschen an der Bushaltestelle, wenn man nach der Chorprobe in der Stadt hinaustritt und von nassem Schneefall empfangen wird. Auf den Grünflächen bleibt er liegen, auf dem Asphalt bildet er sofort matschige Pfützen und an der westlichen Glasscheibe des Wartehäuschen bleibt er kleben. Ungemütlich. Doch fünf Minuten später kommt der Bus und fährt mich warm und trocken wieder zurück nach Skelleftehamn.

Stolz

Es kommt selten vor, dass ich auf etwas stolz bin. Ich will damit nicht sagen, dass ich grundsätzlich unzufrieden bin, mit dem, was ich tue und was ich erreiche, nur ist das Stolz-Gen bei mir sehr schwach ausgeprägt. (Und in seiner nationalen Variante nicht einmal ansatzweise vorhanden, aber das ist ein anderes Thema.)

Heute bin ich stolz. Denn vom 9.9. bis gestern zum 11.11. habe ich auf so gut wie alle Süßigkeiten verzichtet, auf Knabberkrams und auf Limonaden und Cola. Außerdem habe ich – soweit praktikabel – nichts mehr nach sieben Uhr gegessen. Höchstens ein paar Weintrauben oder ein paar Male ein paar Gramm getrocknetes Rentierfleisch für den Geschmack.

Süßes war nicht komplett verboten: Ich habe Müsli mit Rosinen gegessen und Apfel- und Orangensaft getrunken. Und ein paar Mal habe ich auch Ausnahmen gemacht: Zwei kleine Stücken Apfelkuchen (hausgemacht), eine Kanelbulle (von einer Kollegin gebacken), zwei kleine Nachtische Typ Joghurt und vor ein paar Tagen eine kleine Nussecke als Nachtisch. Sonst nichts! Und darauf bin ich stolz, denn Disziplin ist nicht gerade meine herausragendste Eigenschaft.

Angenehmer Nebeneffekt: In dieser Zeit habe ich sieben Kilo abgenommen! Ohne sportliches Training, ohne tagsüber an Essen zu sparen. Das hat mich ein bisschen erstaunt, aber natürlich gefreut. Mancher Blogleser denkt vielleicht, dass ich irre sportlich sei, wenn ich über Kajak oder Skitouren schreibe. Fakt ist, dass seit meinem Büromensch-Dasein der Bauch gewachsen ist. Um so größer ist dann die Freude, wenn plötzlich – wie heute morgen – das Körpergewicht wieder mit einer Sieben beginnt.

Karamellkungen – BonbonkönigHeute Nacht war ich schon wieder wach, wie schon die vorige Nacht. Ich habe das Wachsein dazu genutzt zu lesen und – „Godis“ zu naschen, denn die waren noch vom Halloween übrig.

Beobachtung 1: Hilfe – ist das alles süß!!! Ich hatte den Eindruck, selbst ein Zuckerwürfel kann nicht ansatzweise so süß sein, wie die Milchschokolade, oder der kleine „Plopp“-Schokoriegel, den ich mir heute Nacht in den Mund gesteckt habe.

Beobachtung 2: Viel war es nicht in der Nacht, aber heute morgen grummelt mein Bauch und mir ist schlecht. Börps! Mein Appetit auf Süßes ist irgendwo auf dem Niveau von minus Null und das Frühstück wird herzhaft werden. Schade, dass ich keine Pepperonis im Haus habe.

Weitere Pläne: Ich will weiterhin versuchen, vor sieben Uhr Abendbrot zu essen, aber Süßes ist wieder erlaubt. In Maßen.

Belohnung: Nach der letzten Kajaktour ist der Wunsch nach einer wasserdichten Kamera größer geworden. Vielleicht kaufe ich mir die Nikon AW1, die leider einiges kostet. Aber erst warte ich noch ein paar mehr Testberichte ab.

Winteranfang

Heute, am ersten Dezember, ist für die Meteorologen Winteranfang. Gleichzeitig ist Skyltsöndag in Skelleftehamn. Doch dazu später.

Zeitungsartikel in der NorranAm Freitag berichtete mir ein Bekannter von dem Zeitungsartikel über mich. Über mich? Ach ja, richtig. Ich wurde ja vor anderthalb Monaten von der Norran interviewt, das hatte ich völlig vergessen. Thema war dieses Mal nicht „Der Deutsche, der freiwillig nach Nordschweden zieht“, sondern „Der Angestellte, der neben seiner Arbeit noch ein Hobby hat“. Während ich das nicht so außergewöhnlich finde, hat Norran aus der Tatsache, dass ich im Kammerchor mitsinge, eine Doppelseite gezaubert.

Gestern morgen war ich kurz an der Küste und habe dort G., den Fischer getroffen. Er hatte ein bisschen zu tun, bis er das Boot erst mit dem Auto an Land gezogen und dann freigeschaukelt hat. Seine Hündin fand das eher doof und hat laut gebellt, bis sie von ihm an Bord gehievt wurde. Eine Minute später hörte man den Außenborder und sah, wie G. sein Boot durch das dünne Eis zum offenen Meer steuerte.

G. wackelt sein Boot frei„Ich bin soo einsam!“

Ruisleipä – RoggenbrotNachmittags war ich bei meinen Nachbarn von gegenüber, um eine Zeitung zu holen, denn ich habe die Norran nicht und war schon ein bisschen neugierig, was man über den Chor und mich so schreibt. Das war ein guter Zeitpunkt, denn ich habe nicht nur die Zeitung bekommen, sondern noch etwas ganz besonderes: E. und ich sind uns einig, dass die Schweden kein Brot können! E. kommt aus Finnland und hatte frisches Roggenbrot gebacken. Da durfte ich probieren und habe gleich ein Stück geschenkt bekommen. Das war so lecker, dass sogar ich Koch- und Backmuffel jetzt beschlossen habe, auch Roggenbrot zu backen. Den Link zum Rezept habe ich, aber ich lasse mir das lieber von E. persönlich zeigen, denn das Rezept ist auf finnisch.


Heute war ja Skyltsöndag, so eine Art kombiniertes Advents-Weihnachtsmarkt-geöffnete-Läden-und-alle-haben-wieder-beleuchtete-Sterne-in-ihren-Fenstern-Fest. Vor zwei Jahren fand es bei Regen statt, letztes Jahr hingegen fiel es aus, weil innnerhalb 24 Stunden 83 Zentimeter Schnee gefallen waren. Und das nach einer Warnstufe 1 (10-20cm). Das räumen auch die Nordschweden nicht mal so eben weg. Ich musste schon ein bisschen lachen, als der smhi gestern wieder Warnstufe 1 Schnee (10 cm) ausgegeben hat.

Als ich heute morgen aufwachte, war auch alles weiß, aber mehr als fünf Zentimeter waren nicht gefallen. Das sieht schön aus, aber das es grau war und auch noch kleinere Schauer herunterkamen, habe ich nur ein paar Photos gemacht.

Reifenspur vorm HausSchneegestöber auf dem kleinen Damm

Die Crystal Topaz in Skelleftehamn„Crystal Pool“ klingt schön. Da denkt man an Urlaub im Süden, türkisblaue Pools mit warmen Wasser, von Palmen umgeben. Und wenn das groß auf einem Schiff steht, dann ist der Gedanke an Kruezfahrten nicht weit. Das Schiff „Crystal Topaz“, welches zur Crysal Pool Group gehört und heute an dem verschneiten Ufer des Ölhafens „Oljehamn“ vertäut war, ist allerdings kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Öltanker. Das erklärt auch die über­dimen­sionale Beschriftung „No smoking“.

SkyltsöndagSpäter war ich dann auch noch auf dem Skyltsöndag, habe ein paar Freunde getroffen, die Verkaufsstände angeschaut und war schnell wieder zu Hause. Allerdings noch mit einem kleinen Umweg nach Ursviken, zur „Kanotudden“, der Kanubucht. Der Fluss ist hier allerdings schon komplett zugefroren und der böige Wind treibt Schnee über die Eisflächen, während die Sonne, die schon um viertel vor zwei unterging, die Wolken in Bonbonfarben taucht.

Eisbedeckte Bucht des Skellefteälven

14 Ideen für 2014

Ich gebe es gleich am Anfang zu: Der Blogtitel „14 Ideen für 2014“ ist geklaut und zwar aus dem Blog soschy on tour. Dort schreibt Sonya, eine gute Freundin aus Münchner Zeiten, über ihre 14 Ideen, die sie gerne 2014 umsetzen möchte.

Ich versuche es ihr gleich zu tun und werde hier 14 Ideen zusammentragen, die ich selber gerne umsetzen möchte. Nicht dabei sind die typischen guten Vorsätze, wie „mehr Sport treiben“, „sich gesund ernähren“ oder „die Welt retten“. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viele Winterideen habe, denn für deren Verwirklichung habe ich nur noch gut drei Monate Zeit.


Also, dann mal los: Ich will …

  • wieder eine Skitour machen
  • im Winter auf die Lofoten, die Vesterålen oder nach Tromsø
  • bei -40 °C zelten
  • von der Arbeit mit Skiern nach Hause laufen (etwa 20 km)
  • mit einem Eisbrecher mitfahren

Äh, Olaf, Du wolltest doch nicht nur Wintergedanken haben, oder? – Ach ja, na gut. Ich will …

  • im Sommer eine Mehrtagestour mit Kajak und Zelt machen
  • mehr abstrakte Naturfotos machen
  • mit der Fähre von Umeå (Schweden) nach Vaasa (Finnland) fahren
  • im Sommer mit dem Kajak zur Insel Skötgrönnan paddeln (Naturreservat)
  • mit Münchner Freunden eine Städtereise machen

Äh, Olaf, bist Du auch mal drinnen? – Ach ja, na gut. Ich will …

  • Für den Kammerchor, in dem ich mitsinge komponieren oder arrangieren
  • lernen, besser Schwedisch zu sprechen
  • mehr Musik machen und mehr lokale Musikkontakte bekommen
  • etwas völlig Neues machen, was, das weiß ich noch nicht

Und eine Zusatzidee, die ich vermutlich eher 2015 durchführen werde, aber wer weiß:

  • Eine Fernreise machen. Das könnte Kanada sein, Mexico, Neuseeland, Nepal oder die Mongolei. Wohin es geht, hängt mehr davon ab, ob ich vielleicht einen Reisepartner für eines der Ziele finde. Freiwillige? Kanada auch im Winter?

In einem Jahr könnt Ihr lesen, welche der Ideen ich verwirklichen konnte.

Schneekanonen – Zwischenstand II

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Gestern hätte ich nicht gedacht, dass ich noch zur Chorprobe in die Stadt komme. In Skelleftehamn schneite ohne Unterlass und morgens lagen 40 cm Neuschnee auf der Fahrbahn. Das war mir zu hoch für eine Autofahrt ohne Allrad. Gegen elf kam aber der Schneepflug und hat die Straße freigeräumt. Danach habe ich noch eine halbe Stunde gebraucht, um den halbmeterhohen Schnee freizuschaufeln, damit das Auto auch auf die Straße kommt.

In der Stadt lag praktisch kein Schnee und während der Probe klarte es auf und der Mond ging auf. Auf dem Rückweg nach Hause fuhr ich von dem klaren Winterwetter wieder hinein in das böige Schneewetter. Hier in Skelleftehamn hatte es den ganzen Tag bei lebhaftem Wind heftig geschneit, aber der Tallvägen, in dem ich wohne, war schneegeräumt. Gegen Mitternacht lagen dort wieder 30 – 40 Zentimeter Neuschnee. Der Zaun hinter dem Garten schaute nur noch an einigen Stellen ein paar Zentimeter auf dem Schnee, die Schneewehen neben dem Zaun zum Nachbarn peilten die Zweimetermarke an. Die Garage war bis an die hohen Fenster heran zugeweht und auch auf der Terrasse lagen bis zu 130 cm Schnee.

Nächtlicher Blick durchs Fenster

Für heute hat der Wetterdienst vor 20 – 30 cm Neuschnee gewarnt, ich vermute, wir haben stattdessen mindestens 70, eher 80 bekommen. Für morgen sagte der Wetterdienst weitere 15 – 25 cm Schnee voraus. Ob ich es wohl morgen zur zweiten Chorprobe in die Stadt schaffen würde?

Als ich heute morgen früh aufstand, um einen ausgiebigen Morgenspaziergang zu machen, war ich ganz verdutzt. Ich hatte schon damit gerechnet, dass wir komplett einschneien, doch das erste, was mir hier auffiel, war der Sternenhimmel. Es hat aufgeklart und der Wind wirbelte bloß manchmal noch den Schnee vom Boden auf. Da ein Taxi (mit Allrad) letzte Nacht den Tallvägen entlangfuhr und eine Spur durch den Schnee gezogen hat, habe ich nach dem Frühstück einen Weg zur Straße geschaufelt und bin mit dem Auto den Reifenspuren hinterher durch den Schnee gedriftet. Schon die nächstgrößere Straße war gut geräumt und so kam ich bequem in die Stadt zur Chorprobe. Auf dem Nachhauseweg war ich gespannt: Schneesturm oder nicht. Aber in Skelleftehamn ist heute nichts mehr heruntergekommen. Die Schneewehen sind schon ein bisschen zusammengesackt und nachdem ein Bekannter mit seinem alten Traktor meine ganze Einfahrt von Schnee befreit hat, konnte ich auch ohne längeres Schippen wieder auf meine Auffahrt fahren.

Morgen soll es wohl ein bisschen aufklaren und ein wenig kälter werden. Wenn es jetzt länger kalt bleibt, wird jetzt wohl auch das noch offene Meer zufrieren. Auf der nahen Bucht bildet sich jetzt das erste Eis. Dann ist es vorbei mit den „Schneekanonen“, die hier und in Bureå südlich von Skelleftehamn für die großen Schneemengen innerhalb von zwei Tagen gesorgt haben.

Alltag: Ein Januarmittwoch

Ich habe festgestellt, dass ich hauptsächlich über meine zugegebenermaßen recht zahlreichen Freizeitaktivitäten berichte. Das will ich ein bisschen ändern und beginne mit einer Alltagsreihe. Heute ist

Mittwoch, der 15. Januar 2014

Um halb acht klingelt der Smartphone-Wecker. Schön für ihn, ich bin nämlich schon eine viertel Stunde wach. Mein erster Blick geht immer auf das Thermometer: -15.4 °C, einige Grad wärmer als am Vorabend, ein Zeichen dafür, dass es sich zugezogen hat. Mein Frühstück besteht aus Müsli mit Filmjölk, einem Art Sauermilch, die ich sehr gerne esse.

Dann das Anziehen: Skihose, Winterstiefel, Polarparka, Mütze und Handschuhe angezogen und auf geht es zum Bus, das sind nur fünf Minuten von mir. Dort räumt gerade ein Bagger Schnee von A nach B. Und bald kommt der Bus, wo beim Fahrer eine Fahrt von meiner Plastikkarte abgebucht wird.

Ein Bagger räumt SchneeWarten auf den Bus

Heute gibt es kein WLAN im Bus, etwa die Hälfte hat das schon, aber das macht nichts, denn auch über das Handynetz lässt sich gut im Internet unterwegs sein, zum Beispiel um Zeitung zu lesen oder bei Facebook zu schauen. Heute bin ich auch mit Fotografieren beschäftigt. Nach einer guten halben Stunde Fahrt – der Bus fährt Umwege und hält fast überall – bin ich in der Stadt. Normalerweise gehe ich jetzt durch die fußbodenbeheizte Fußgängerzone zur Arbeit, heute jedoch mache ich einen kurzen Abstecher zum Fluss, wo in dreieinhalb Wochen das Winterschwimmen stattfinden soll. Der Fluss ist teilweise noch offen und ich glaube nicht, dass wir dort in ein paar Wochen festes, begehbares Eis haben.

Busfahrt in die StadtDer Fluss ist teilweise noch eisfrei

In der Küche erfahre ich, dass wir zwei große Projekte zugesagt bekommen haben. Das sind natürlich gute Neuigkeiten, zumal ich die Projekte interessant finde. Die meisten trinken erst einmal einen Kaffee, denn Schweden ist ein Land der Kaffeetrinker. Dann fange ich an zu arbeiten.

Gegen zwölf gehen wir zum Mittagessen. Fast alle anderen arbeiten heute zu Hause oder sind in Meetings verschwunden und so sind wir nur zu dritt. Typisch wäre folgendes Mittagessen gewesen: Fleisch, Kartoffeln, braune Soße, Salat und ein „Måltidsdrick“, ein Mischung aus zu viel süßem Sirup und zu wenig Wasser. Danach einen Kaffee und einen Keks. Heute hingegen gehen wir ins „Café lilla Mari“, welches verschiedene kleine Gerichte hat und die vermutlich größte Auswahl an Kuchen und herrlich gemütlich ist.

Verlockungen an der KasseUnser Essen kommt!Mein heutiges MittagessenIm Café Lilla Mari

Eine normale Mittagspause mit Hin- und Rückweg dauert exakt eine Stunde. Ob „Der Schwede an sich“ das im Gefühl hat oder er das so gut abpasst, weil er ohnehin dauernd aufs Smartphone schaut, habe ich noch nicht ergründet. Danach arbeite ich weiter. (Webseiten mit DOM und XPath parsen, um damit eine JSON-API zu bauen, die ein Dienst im Webview unserer App anrufen kann. Nun wisst Ihr Bescheid.) Gegen halb sechs beende ich meinen Arbeitstag. Meistens höre ich aber schon eher auf, fange allerdings auch früher an.

Weil noch Platz ist: Unsere Kissenecke im BüroAbkürzung zur Fußgängerzone

Ich gehe kurz in die Stadt, um nach Winterstiefeln zu schauen. Nicht, dass ich nicht schon drei sehr warme Paar besitze, aber das sind alle hohe Stiefel und sie sehen mir ein bisschen zu sehr nach Extremoutdoor aus. Aber ich finde nichts. Dann kaufe ich bei ICA – der schwedischen Lebensmittelkette das übliche Käseschinkenbrötchen, was ich oft esse, wenn ich danach noch in der Stadt etwas vorhabe.

Heute haben wir unser regelmäßiges Mittwochstreffen mit „Dark & Cold“. Da wir nun in der heißen Phase der Winterschwimmeisterschaftsplanung sind, sitzen wir drei Stunden da und diskutieren. Über Dinge wie Eisdicken, Polizeigenehmigung, Plakate, Pressearbeit, Sponsoren, Rettungstaucher und vieles mehr. Die anderen gehen davon aus, dass der Fluss in ein paar Wochen fest zugefroren sein wird. Sie haben mehr Erfahrung damit als ich und ich glaube es ihnen einfach einmal. Nach dem Treffen habe ich es gut, weil ich von Freunden nach Hause gebracht werde, obwohl das für sie ein Umweg ist. Unterwegs zeigt das Thermometer -21 °C an und auch in Skelleftehamn sind es -20 °C, der kälteste Abend bisher in diesem Winter, als ich zu Hause ankomme.

Dichte Woche

Alles toll! Aber zu viel, zu viel, zu viel! Diese Woche in Vergangenheit und Zukunft:

  • Letztes Meeting vor der Winterschwimmmeisterschaft: morgen
  • Neuen Nikonblitz bedienen lernen: die ganze Woche
  • Kammerchor abgesagt (schade, aber …): wäre heute gewesen
  • Mein Formularframework „decaff“ weiter entwickeln: die ganze Woche
  • Diskussionsclub: Donnerstag Abend
  • Diplome für das Winterschwimmen entworfen: gestern
  • Für das Stück „Gömda men inte glömda“ komponiert und Noten ausgedruckt: gestern. Oder vorgestern?
  • Platz auf der Festplatte für neue Photos geschaffen: heute
  • Packen für die Reise nach Finnland: Freitag
  • Meinen Vortrag für „Attraktionskraft Skellefteå“ planen: ein bisschen, hat noch Zeit
  • Winterschwimmmeisterschaft fotografieren: Samstag
  • R unter Mavericks installiert: gestern
  • Startlisten an den Schwimmclub schicken: morgen
  • zwei Proben mit „Gömda men inte glömda“: morgen und übermorgen
  • Ein flexibles CMS mit internen und externen Datenquellen planen: mehrere Wochen …
  • Als Fotograf nach Luleå, Piteå, Kalix, Kemi und Oulu reisen: Samstag und Sonntag
  • Wäsche waschen (oops, beinahe vergessen): gleich!
  • Bau des Eisschwimmbads auf dem Fluss dokumentieren: heute, morgen …
  • csv-Importer für die Winterschwimm-Webseite geschrieben: heute

Und wer ist Schuld daran? Ich, nur ich! Und würde ich es das nächste Mal anders machen? Nein, genau so wieder! Denn ich fühle mich zwar gerade gut überfordert, geniesse es aber auch, zwischen Programmierer, Musiker, Organisator und Fotograf hin- und herzuspringen. Mehrmals täglich. Und da jede einzelne Aktivität Spaß macht (in unterschiedlichen Graden), geniesse ich den selbstgewählten Trubel, vor allem, weil ich weiß, dass er zeitlich sehr begrenzt ist.

Da ich direkt nach der Winterschwimmmeisterschaft ein paar Tage als Fotograf unterwegs bin, wird es hier ein bisschen still sein, bis ich wiederkomme und x-tausend Fotos gesichtet habe. Dann gibt’s hier auch wieder etwas zu sehen und nicht nur zu lesen.

Det ordnar sig …

Warum mache ich mir eigentlich so viel Stress. Det ordnar sig. Dieser Satz scheint mir recht stark in der schwedischen Kultur verankert. Man fragt nicht „Aber was machen wir, wenn …?“ oder „Haben wir auch daran gedacht, was passiert, falls …?“. Wozu auch, det ordnar sig.

Schwedischübersetzung des Tages:det ordnar sig – das löst sich / das wird schon

1

Vorgestern habe ich Schmerzen im rechten Arm und Handgelenk gehabt, gestern war es eher noch stärker. Das gehört zu den Dingen, die man überhaupt gar nicht mag, wenn man Klavierspieler ist. Ich habe gestern mit der „Vårdcentralen“ – dem Gesundheitszentrum Kontakt aufgenommen und am Nachmittag hat ein Krankengymnast zurückgerufen. Heute um neun hatte ich einen Termin: Das Ergebnis: Keine angehende Sehnenscheidenentzündung, kein Golfellenbogen, nur ein bisschen zu verspannt. Wird schon, det ordnar sig. Und es ist heute auch wirklich schon viel besser.

2

Welcher Teufel hat mich eigentlich geritten, heute selbst eine Sensorreinigung bei meiner Nikonkamera zu versuchen? Zwei Tage vor einer Reise, die ich als Fotograf begleite? Ich Idiot! Statt einem Flecken hatte ich nun zweihundertfünfzig auf dem Sensor, damit ist die Kamera erst einmal unbrauchbar. Meine D800 habe ich zur Reinigung weggegeben und bekomme sie erst Ende nächster Woche wieder. Die Reise beginnt übermorgen …

Also habe ich auf Facebook „Panik, ich brauche Hilfe“ geschrieben und prompt bietet ein Bekannter mir an, mir seine Nikon D600 für die Zeit zu leihen. Jemand, zu dem ich kaum Kontakt habe, leiht mir seine 1500-Euro-Kamera für eine knappe Woche. Großartig! Tack så hemskt mycket – Danke so schrecklich viel! Vielleicht hätte ich aber einfach ruhiger bleiben sollen, denn det ordnar sig.

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Krisentreffen auf dem Eis: Die halbe Eisfläche ist mit 10 – 15 Zentimeter Wasser überschwemmt. Da muss man einen Steg bauen oder etwas anderes tun, denn das ist für Schwimmer, die teilweise in Hausschuhen laufen genauso unbequem wie für Fotografen, die gerne auf dem Eis knien. Nun habe ich heute auch gearbeitet, und hatte eine zweistündige Probe. Und groß körperlich arbeiten mag ich gerade nicht, um Arm und Rücken nicht zu überlasten. Aber ich denke auch, meine Güte, ich bin ja nicht alleine, wir sind ja ein Team, det ordnar sig!


Vor ein paar Tagen ist John Lule angekommen, der Meister der ersten afrikanischen Winterschwimmmeisterschaften. Und heute hat er sein erstes Eisbad hier im Fluss genommen. John ist wirklich tough, vorgestern bei 25 °C ins Flugzeug nach Nordschweden und heute wWinterbaden. Gut, dass es mit -1 °C recht mild war.

Auf dem Weg zum EisbadenZwei Kontinente, ein Eisbad

Noch ein paar Bilder von heute bei den letzten Eisschwimmbad-Bauarbeiten.

Eisstücke und „slush“ werden weggebaggertBaustelle auf dem Eis

Zwei Leitern ragen in die Tiefe

Ab übermorgen bin ich drei Tage lang als Fotograf unterwegs, das wird eine ganz neue Erfahrung und ich bin wahnsinnig aufgeregt, weil mindestens ein echter, ausgewachsener Profifotograf mit dabei sein wird. Aber – glaubt es oder nicht – heute hat die Aufregung schon etwas nachgelassen, denn: Det ordnar sig.

Die Fotos stammen alle aus der geliehenen Kamera. Die D600 macht sich gut und so viel muss ich zum Glück nicht umlernen.

Kurz vor dem Urlaub

Dass der Winter dieses Jahr nicht in Gang kommt, hatte ich schon geschrieben. Aber heute hatten wir tatsächlich wieder ein paar Minusgerade und sogar etwas wie Wolkenlücken, wenn man ganz genau hinschaute. Deswegen bin ich vor der Arbeit kurz ans Meer gefahren, mit Kamera und Stativ.

Zu meiner Überraschung war das Meer wieder offen, nur die geschützten Buchten waren noch eisbedeckt und an der Küstenlinie drifteten einige Eisschollen.

Eisschollen auf der OstseeOffenes Meer

Eiswall an Skelleftehamns Küste

Ich habe kurz überlegt, spontan frei zu nehmen und Kajak zu fahren, aber dafür war die Zeit zu knapp, denn ich nehme heute und morgen am Kongress „Attraktionskraft Skellefteå“ teil. Und da – jetzt am Nachmittag – sitze ich gerade. Das Kajak muss also noch ein bisschen warten, dann ab morgen habe ich Urlaub.

Mal schauen, ob ich wegfahren kann …

Journalistenreise
Fotos sortieren und bearbeiten
Proben und Aufführungen „Gömda men inte glömda“
Meetings mit Kammerchor und Dark & Cold
Vortrag bei „Attraktionskraft Skellefteå“ vorbereiten
Vortrag halten

Na gut, den halte ich erst morgen. Aber direkt danach beginnt mein Urlaub und ich steige ins gepackte Auto und fahre nach Abisko. Dort hoffe ich auf klaren Himmel, Dauerfrost, viel Schnee und Polarlicht.

Schnee hin und Schnee zurück

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Winterschwimm-Weltmeisterschaft in Rovaniemi.

Haha, was war ich naiv, als ich dachte, nach meinen hyperaktiven Wochen im Februar würde erst einmal eine ruhige Zeit kommen. Haha!

Jetzt bin ich zurück von unserem Besuch der Weltmeisterschaft im Winterschwimmen in Rovaniemi. Aber bis ich wirklich hier Artikel schreibe und Fotos zeige, wird es noch ein bisschen dauern, denn morgen beginnt das Berättarfestivalen – das Erzählfestival. Letzten Mittwoch haben Mikke und Peter bei mir im Trio die Stücke geprobt, morgen werden wir die einzige Probe zusammen mit Fransesca Quartey und Frida Selander haben, Soundcheck machen und dann geht es direkt los mit der Eröffnung des Berättarfestivalen, die wir musikalisch begleiten. Ich freue mich schon sehr auf das Arrangement von „Over the rainbow“ mit Frida.

Aber morgen habe ich auch noch eine andere Probe, denn übermorgen Abend spiele ich noch einmal Klavier bei „Gömda men inte Glömda“.

Und so schreibe ich heute nur über die Hin- und Rückfahrt nach Rovaniemi der größten Stadt in Finnisch Lappland, bei der wir zwei unterschiedliche Arten Schneefall erlebt haben.

Auf dem Hinweg – es hatte ja schon die ganze Nacht geschneit – Schneefall bei -3 °C. Dann ist der Schnee trocken und jedes Auto wirbelt Schnee auf. Wenn einem dann ein Laster entgegenkommt, sieht man ein, zwei Sekunden gar nichts mehr. „Snörök“ – Schneerauch nennen das die Schweden.

Auf dem Rückweg hat es auf der Fahrt von Rovaniemi nach Kemi heftig geschneit, aber bei +1 °C kommt das Ganze in nassen dicken Flocken herunter. Leichter zu sehen, aber schwerer Spur zu halten. Aber ich brauche mich nicht zu beschweren, denn ich habe mich dieses Mal fahren lassen.

Trockener Schneefall und „Snörök“ auf dem HinwegNasser Schneefall auf dem Rückweg

Über Rovaniemi selbst, die Meisterschaft und mein Treffen mit dem Weihnachtsmann schreibe ich dann die Tage mal.

Alltag: Ein Aprildienstag

Heute vor drei Monaten habe ich über einen Alltag geschrieben: Alltag: Ein Januarmittwoch. Da könnte ich doch wieder einen Artikel schreiben dachte ich und das mache ich jetzt. Fotos gibt’s heute aber keine.

Zur Zeit wache ich immer recht früh auf, da die Sonne schon um fünf aufgeht und das Licht es immer irgendwo schafft, sich an meinen schwarzen Schlafzimmervorhängen vorbeizuschmuggeln. Aber aufwachen heißt ja nicht aufstehen und so verlasse ich das Bett gegen sieben. Ich schaue aus dem Fenster und stutze. Nicht, weil blauer Himmel ist, das haben wir gerade öfters, sondern weil auf Terrasse und Rasen neuer Schnee liegen. Ein Wintereinbruch? Wohl eher nicht, denn die überraschenderweise in der Nacht gefallenen Flocken reichen nicht ansatzweise aus, um den Boden wieder zu bedecken und die Sonne beginnt schon, sie wieder wegzuschmelzen.

Frühstück: Leider ist mein geliebtes A-Fil alle, welches ich immer statt Milch zum Müsli esse. Aber zum Glück ist noch Graved Lachs und Toast da, ein guter Ersatz. Viertel vor acht fahre ich in die Stadt. Rechts—links—rechts und ich bin auf dem Näsuddsvägen. Links die Bucht Killingörviken und bei der Brücke rechts der kleine Bootshafen. Heute war der erste Tag, wo das Eis im Bootshafen so weit zurückgegangen ist, dass ich dort mein Kajak einsetzen und aufs Meer fahren könnte. Der Bootshafen ist keine zehn Gehminuten von mir entfernt und ich hätte schon Lust, jetzt das windstille Sonnenwetter zu einer Paddeltour zu …

… wo bin ich, ach ja, auf dem Weg zur Arbeit. Ich bin als erster da, kurz darauf trudeln meine Kollegen ein. Ich bin bei einigen Meetings dabei, schreibe Migrationsskripte, verbessere APIs und wandele Exceptions in json um – was man eben so als Programmierer tut. Ein kurzes gemeinsames Wer-macht-gerade-was-Meeting, welches wir jeden Tag machen (ein bisschen wie Scrum) und dann geht es zum Mittagessen.

Verlassen wir die Welt der komischen Programmiererfachausdrücke und widmen uns dem „Dagens Lunch“, dem Essen des Tages, welches es mittags in jedem Restaurant gibt. Für 80 bis 100 Kronen bekommt man meistens ein warmes Buffet mit zwei Gerichten, Salat, Brot, Wasser oder Zuckergetränk und anschließend Kaffee. Mit dem „Allstar“ treffen wir heute allerdings eine schlechte Wahl: Die Küche scheint völlig überfordert, die meisten Schüsseln sind leer, eine Mitarbeiterin weiß nicht einmal richtig, was es gibt und das Essen selbst ist auch eher unter der Rubrik „Macht satt“ als „Schmeckt gut“ einzuordnen. Wir haben schon einige schlechte Erfahrungen im Allstar gemacht und waren ewig nicht mehr da. Unsere Idee, diesem Restaurant heute mal wieder eine Chance zu geben, mag ehrenhaft gewesen sein, aber leider nicht von Erfolg gekrönt.

Nach dem Mittagessen gehe ich nicht mit den anderen ins Büro zurück, sondern statt dessen zum „Skatteverket“, dem Finanzamt. Dort habe ich einige Fragen, unter anderem zur Abschreibung von Wirtschaftsgütern, die ich auch schnell beantwortet bekommen habe. Doch dann stelle ich noch eine Frage zum Thema Moms, der schwedischen Mehrwertsteuer und alleine die bloße Benutzung des Wortes „Moms“ bringt alle Berater zum Erbleichen. Ich bekomme aber wenig später ein Telefon in die Hand gedrückt und darf mit einem Experten reden, der mit meine Fragen beantwortet, auch wenn ich mit einer Antwort sehr unzufrieden bin. Aber so ist das eben mit den Steuersystemen.

Wieder im Büro sitze ich wieder am Rechner (etwa ein Drittel der Zeit stehe ich, denn mein Tisch ist höhenverstellbar), doch heute gehe ich schon um Schlag halb fünf und fahre mit dem Auto auf die andere Flussseite. Dort habe ich eine Verabredung mit T. bei sich zu Hause.

Nächste Woche werden es vier Jahre sein, die ich in Schweden lebe. Eine recht lange Zeit. Auch, was meine Möglichkeiten, die Sprache zu lernen, angeht. Ich will mich nicht beschweren, denn ich verstehe fast alles, kann problemlos Bücher lesen und auch alles sagen, was ich will. Aber ich fühle mich immer noch ein bisschen ungelenk und tollpatschig und möchte einfach weiterkommen. Und so habe ich T. vor einiger Zeit gefragt, ob er sich vorstellen könne, mir Schwedischunterricht zu geben. Und das konnte er. Heute ist das erste Treffen, noch weniger Unterricht als ein gemeinsames Ausloten, was ich für Wünsche und Ziele habe. Wir werden wohl viel mit Aussprache arbeiten, denn Vokabeln und Grammatik fand er schon recht gut. Ich freue mich sehr, dass ich jetzt mit der Sprache wieder etwas weiterkomme.

Nebenbemerkung: Wenn ich mit dem Schwedischen zufrieden bin, dann will ich bei T. russisch lernen, denn das kann er auch fließend. Er war es auch, der unserem Chor gezeigt hat, wie man den Rachmaninov richtig ausspricht.

Danach fahre ich zur Musikschule, denn dort ist von sechs bis sieben Oktettprobe und dann direkt anschließend Probe mit dem Kammerchor bis neun. Tja, Oktettprobe – auch so ein Ding …

Am zehnten Mai wird in Skellefteå ein Chorereignis namens „Körmanifestationen“, wo tausend Chorsänger zusammen singen und so ein gemeinsames Konzert geben, stattfinden. Teilweise mit Band, teilweise „a capella“, also ohne instrumentelle Begleitung. Und da bin ich vor ein paar Wochen gefragt worden, ob ich Oktett bei der Körmanifestation mitsingen wollte. Ich dachte – nun ja, ein kleiner solistischer Teil, wo jede Stimme doppelt besetzt ist, warum nicht. Später ging es um Probentermine und ich fragte, welches Stück ich denn üben soll. „Na, alle!“, war die Antwort. „!?!??!“, dachte ich, denn manchmal verstehe ich ja auch etwas nicht ganz richtig. Es stellte sich dann heraus, dass wir acht Sänger Mikrophone bekommen und mit unserem Gesang die tausend anderen Chorsänger beschallen, damit die wissen, wo es langgeht. Meine ersten Gedanke waren: „Olaf, Du blöder Idiot! Warum hast Du nicht vorher gefragt, worum es geht! Was hast Du da schon wieder angenommen! Wann sollst Du dafür üben? Alle hören Deine schlechte schwedische Aussprache! Wann lernst Du mal, Nein zu sagen?!“ Die erste Oktettprobe vor zwei Wochen hat allerdings so einen Spaß gemacht, dass ich mich jetzt freue, dabei sein zu dürfen. Und – Synergieeffekt nennt man so etwas ja heute – die Aussprache kann T. nächste Woche bei meiner nächsten Schwedischstunde verbessern. Prima das!

Drei Stunden Chorprobe, das macht Spaß, ist aber auch anstrengend, zumal mein Abendbrot nur aus einer Banane bestand. Um kurz nach neun sitze ich wieder im Auto, dieses Mal auf dem Nachhauseweg nach Skelleftehamn. Blaue Stunde, im Rückspiegel sehe ich noch die Dämmerungsfarben und vor mir hängt honiggelb ein riesiger Vollmond dicht über dem Horizont. Nur einen Zwischenstopp mache ich noch, ehe ich zu Hause bin: Der Lebensmittelladen Coop in Ursviken hat bis zehn Uhr geöffnet und dort bekomme ich mein geliebtes A-Fil. Nicht nur für das nächste Frühstück, sondern auch für ein spätes zweites Abendessen.


„Um Himmels Willen!“, frage ich mich – mache ich wirklich immer so viel? „Nein, zum Glück nicht – glaube ich.“ beantworte ich mir diese Frage, denn es gibt auch Tage, wo ich nur arbeiten gehe und dann abends noch eine DVD schaue oder ein bisschen Klavier spiele.

Ich nehme mir jetzt vor, genau in einem Monat wieder vom Alltag zu schreiben. Vielleicht klappt es dann, denn zumindest bis jetzt ist „Müllabfuhr“ mein einziger Kalendereintrag für den 15. Mai.

Sssssssssssssssss…

Die erste MückeDa sitzt man friedlich auf der Kolzkiste, das Abendbrot fast fertig gegessen, und schaut ein bisschen YouTube, da hört man plötzlich ein leises, hohes Sirren, welches aus einer völlig anderen Richtung zu kommen scheint als aus der meiner Lautsprecher.

Ich wende mich nach links und sehe an der Wand die erste Mücke des Jahres. Ich pirsche mich an sie heran aber ehe ich ein Foto, mit dem ich zufrieden bin, machen kann, schwirrt sie schon in Richtung CD-Regal. Und dort findet eine kleine Mücke viele gute Verstecke.

Ob es eine Stechmücke ist, ein blutrüstiges Weibchen oder ein vegetarisches Männchen, ich weiß es nicht. Nach Stechrüssel sieht dieses Gebilde, welches sie da im Gesicht hat ja nicht aus, aber wenn ich mir das Photo ganz genau anschaue, dann finde ich, dass die kleine Wampe dieses Insekt verdächtigt ins Rote spielt.

Nachtrag

Während ich den Artikel schreibe, sirrt es wieder. Will die Mücke etwas von mir, ist sie auf Durchreise oder schaut sie sich skeptisch das Photo auf dem Bildschirm an? Vielleicht letzteres, denn sie setzt sich noch mal adrett an das kleine weiße Regal und lässt sich ablichten. Sie hält fein still und ich fotografiere höflich von rechts, wo man ihr nicht ganz so ansieht, dass das linke Hinterbein fehlt. Viel besser werden diese Fotos leider auch nicht.

Also, liebe Stechmücken, die Jagdsaison ist eröffnet. Aber Du, liebe fünfbeinige Model-Mücke, hast bei mir Asyl.

Ein zweites Mückenbild

Sieben Kurzartikel

Heute kann ich mich nicht entscheiden,worüber ich schreiben soll, also schreibe ich über siebenerlei Dinge, aber versuche mich, kurz zu halten. Mal schauen, ob’s klappt …

Über das deutsche Brot

Diese Woche habe ich Brot gekauft. Bei Lidl. Deutsches Brot. Seitdem esse ich drei Mal täglich Brot mit Käse und bin einfach begeistert. So lecker und so ungleich dem labbrig-süßem Schwedenbrotersatz! Mit nationalen Identitäten habe ich es ja nicht so, aber wenn ich etwas mit Deutschland verbinde, dann sind es die unzähligen Varianten von gutem Brot. Sollte ich einmal ein heroisches Nationallied für die Deutschen dichten müssen, so käme vermutliches in etwa folgendes heraus.

Oh, tu Teutscher von teutschen Lanten,
Tu bist wie Brot – ganz ohne Scherz!
Tie Kruste hart bis hin zum Kanten,
doch innen frisch und sanft Dein Herz.

Über Flugreisen

Aber wenden wir uns von schlechten Dichtungen aus deutschen Landen ab und Italien zu. Da hätte ich ein paar Wochen sein können. Und da wäre ich auch gerne hingereist, denn Freunde aus München haben dort ein Haus gemietet und nette Menschen eingeladen. Doch eine Flugreise nach New York scheint leichter, schneller und günstiger als eine Reise von Skellefteå nach Florenz zu sein. Unter zwei Mal umsteigen geht ohnehin gar nichts. Dann darf ich mir aussuchen, ob ich in 35 Minuten umsteigen möchte (wie denn?) oder doch lieber 29 Stunden unterwegs sein. Als Alternative darf ich auch gerne 750 Euro zahlen und mehr, dann werden die Verbindungen ein klein wenig besser. Und die meisten Rückflüge starten vor dem Aufstehen, also müsste ich noch eine Hotelnacht in Florenz buchen.

Es ist sehr schade, dass man in Skellefteå so weit weg von Zentraleuropa ist und viele Verbindungen sehr umständlich, zeitaufwändig und teuer sind. Ich habe die Italienreise wieder abgesagt. Doof das, sehr doof!

Über einen Auftritt in Jörn

Nah hingegen ist das schwedische Inland. Jörn beispielsweise (ca. 800 Einwohner) ist nur eine Autostunde entfernt. Dort war ich gestern Abend und habe Musik gemacht. Ein Tenor aus dem Kammerchor hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mit ihm (plus Bass und Schlagzeug) dort zu spielen. Normalerweise nehme ich als Pianist keine unbezahlten Jobs an, aber hier habe ich eine Ausnahme gemacht. Wir haben in einem kleinen Zelt gespielt und obwohl der Auftritt nicht gerade ein musikalisches Glanzlicht darstellte, hat es doch Spaß gemacht, für das kleine Publikum, welches dieses Konzert wirklich zu schätzen wusste, zu spielen. Und bei „Fever“ bemühten sich auch alle redlich, auf zwei und vier zu klatschen, wie es sich gehört. Eine lange Pause gab es, in der Hamburger verkauft wurden, so kam ich auch noch zu meiner Gage: Einen Hamburger für 30 Kronen ;-).

Rudi Kreuzkamm […] hatte behauptet, der Nichtraucher spiele abends, bis in die Nacht hinein, in der Vorstadtkneipe „Zum letzten Knochen“ Klavier, und er kriege eine Mark fünfzig Pfennig dafür und ein warmes Abendbrot.

Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer

Ich sollte dazu sagen, dass ich freiwillig auf jegliche Gage verzichtet habe, weil die anderen auch keine bekommen haben und ich es doof fand, als „special guest“ behandelt zu werden.

Über das leere Inland

In den anderen Pausen bin ich ein bisschen durch Jörn gelaufen. Ich beneide das kleine Städtchen um seinen Bahnhof! 21:33: Umeå Stockholm, 4:25 Luleå Boden Narvik steht an der digitalen Anzeigetafel, die so gar nicht zu dem schönen alten Bahnhofsgebäude passt. Stell Dir vor, Du wohnst in einem Kaff und kannst, ohne umzusteigen, nach Berlin, in die Alpen und an die Nordsee fahren. So ein Bahnhof ist das. Wie gesagt, beneidenswert!

Weniger beneidenswert ist der Ort an sich – so viele Häuser stehen leer. In manchen hängt ein Schild „Zu verkaufen“, bei manchen sind die Fenster mit Brettern vernagelt und einige rotten einfach vor sich hin. Wie muss das sein, in einem halbleeren Ort zu wohnen und zu ahnen, dass vielleicht nie wieder alle Häuser mit Leben gefüllt sein werden. Denn Arbeit im Inland zu finden ist schwer und die aktuelle schwedische Regierung tut auch nicht gerade viel dafür, um das schwedische Inland am Leben zu erhalten. Schulen werden geschlossen, Krankenstationen verschwinden, Straßenbeleuchtungen werden abgeschaltet. Eine der weniger schönen Facetten Schwedens.

Über die Russenwärme

Bald sitze ich wieder am Digitalpiano im Zelt. Schwitze und trinke Wasser. Denn es ist richtig warm. 27 °C! In Skellefteå waren es schon morgens über zwanzig Grad und mittags haben ein Kollege und ich barfuß am Fluss gesessen und Mittagspause gemacht, während die ersten Sommerschwimmer den immer noch eiskalten Fluss entlang schwammen.

Um zehn Uhr ist unser Konzert in Jörn vorbei und wir fahren wieder zurück in die Stadt und ich nach Hause weiter. Als ich um zehn nach elf in Skelleftehamn ankomme, zeigt das Thermometer immer noch 20 °C an. Solche warmen Tage werden hier „Ryssvärme“ – Russenwärme genannt, weil wir diese Wärme meist dem kontinental geprägtem russischen Klima zu verdanken haben. Im Winter gibt es dann das Gegenstück: „Rysskylan“.

Über das gegen den Wind segeln

Jetzt ist es schon um einiges kühler und morgen wird jede Menge Regen bei Temperaturen von unter 10 °C erwartet. Damit fällt meine vormittägliche Paddeltour wohl aus, aber ich bin gar nicht so böse, denn morgen Abend haben wir unser Frühjahrskonzert mit dem Kammerchor und wenn das Wetter zu schön ist, dann kommt ja keiner.

Wir haben ein gemischtes Programm mit einigen sehr jazzigen Stücken (unter anderem „Waltz for Debby“), da wir zwei Solisten mit dabei haben: Den Jazzpianisten Mathias Algotsson und die Jazzsängerin Margareta Bengtson. Margareta Bengtson ist übrigens ein winzig-kleines Puzzleteil in meiner Schwedengeschichte und das kommt so:

In Essen habe ich damals ein Duo gehabt. Eine Sängerin und ich am Klavier: Die Sängerin hatte Bezug zu Schweden und kam mit einigen schwedischen Volksliedern an: „Kristallen den fina“, „Uti vår hage“ und „Vem kan segla förutan vind“ (Wer kann gegen den Wind segeln). Von dem letzten Lied gibt es eine Einspielung mit dem schwedischen A-Capella-Quintett „The Real Group“ zusammen mit Toots Thielemans. Eine unfassbar schöne Aufnahme, fand ich schon damals und ich habe direkt meine Liebe für die schwedischen Volkslieder, die so viel anmutiger ankamen als so manches deutsche Volkslied, entdeckt. Das war – neben Pippi Langstrumpf aus Kinderzeiten – einer meiner ersten Anknüpfungspunkte mit Schweden. Und bei genau dieser Aufnahme sang Margareta Bengtson Sopran. Es ist wirklich eine tolle Erfahrung, sie jetzt persönlich kennenzulernen – wieder schließt sich ein kleiner Kreis.

Über das Rasenmähen

Natürlich hoffe ich, dass morgen viele Zuhörer kommen und deswegen freue ich mich ja auch über den Regen, der diese Nacht losgehen soll. Davor musste ich aber noch etwas erledigen: Das Rasen mähen! Als ich den Rasenmäher betankt und gestartet habe, war das gleichsam entrüstete wie lustlose Röhren des Benzinmotors selbst durch meinen Gehörschutz deutlich zu hören. Ich glaube fast, mein Rasenmäher mag das Rasen mähen nicht sonderlich. Nun, da haben wir etwas gemeinsam. Ich finde es auch nur mäßig inspirierend, den Mäher über eine lang Stunde kreuz und quer durch den Garten zu schieben. Dass das Ganze so lange dauerte, war meine Schuld: Wieder war ich zu spät dran mit dem ersten Frühjahrsmähen und im sonnigen Vorgarten war das Gras schon bis zu dreißig Zentimeter lang. Da kommt man oft nur zentimeterweise vorwärts. Doch bald war der Rasen gemäht, eine große Schubkarre Gras in den Wald gefahren und wenn es eine Medaille für das späteste Rasenmähen in Skelleftehamn gäbe, so dürfte ich sie mir wohl zum vierten Mal in Folge abholen.


Das waren sieben Kurzartikel. Mit dem kurz halten hat es nicht so recht geklappt, es ist halt leichter, mittellange als kurze prägnante Texte zu schreiben.