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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Blogpause

Nun habe ich fast eintausendachthundert Norwegenfotos gesichtet, sechsundsiebzig davon für das Blog in Lightroom und Photoshop bearbeitet, norwegische und samische Namen von Bergen und Flüssen nachgeschlagen, bei Wikipedia recherchiert und als Ergebnis fünf lange Blogartikel über den Norwegenurlaub geschrieben.

Und da das alles viel Zeit gekostet hat, habe ich beschlossen, erst einmal eine Blogpause zu machen.

Viel Spaß beim Artikel lesen, es sind genug da ;-) . Und über Eure Kommentare freue ich mich weiterhin.

Bis bald,
Olaf

Airshow

Zu Flugshows gehe ich mit gemischten Gefühlen. So begeistert ich vom Fliegen an sich bin, so stößt mich die starke militärische Ausrichtung vieler dieser Veranstaltungen ab.

Gestern fand zum 50. Jubiläum des Flugplatzes Skellefteå die Skellefteå Air Show statt. Mit „Gratis Eintritt und Parken“ und „Ein Fest für die ganze Familie“ wirbt die Website für das Fest.

Als ich am Flugplatz ankomme, bin ich überrascht, wie viele Menschen gekommen sind. Mehrere Einweiser lotsen mich in einer langen Autoschlange durch die zu Hunderten auf der Heide parkenden Autos. Den Autos entsteigen Luftshowprofis: Mit Campingstuhl und Gehörschutz ausgerüstet streben sie dem Eingang entgegen.

Und dort empfängt mich gleich ein großer Werbestand des schwedischen Militärs, welches auf großen Plakaten fragt, ob man bereit sei, die Verantwortung für den Schutz Schwedens zu übernehmen. Daneben hängen die Stellenangebote und auch über Lautsprecher wird später auf offene Stellen hingewiesen. Ich bin Pazifist, ich mag das einfach nicht, wenn eine Flugshow so stark militärisch ausgerichtet ist.

An einem Stand kaufe ich einen Hörschutz in Kopfhörerform. Ein Kauf, den ich nicht bereue, denn vor allem der Militärhubschrauber macht einen Höllenlärm. Mir gefallen da eher die kleinen Flugzeuge, die Langsamflug beherrschen, die alte Verkehrsmaschine und die Segelflugzeuge.

Noch bevor die Veranstaltung zu Ende ist, setze ich mich ins Auto und fahre noch ein bisschen in die Natur. „Eine gute Entscheidung“ stelle ich fest, als ich von der Ferne die Düsenjets röhren höre.

Südschweden

Wenn man von München nach Nordschweden gezogen ist, hat Südschweden eine erstaunliche Eigenschaft: Es liegt im Süden. Und dorthin – genauer gesagt in die Nähe von Trollhättan – bin ich vor gut zwei Wochen mit dem Nachtzug gereist.

Da Skellefteå leider, leider keinen Bahnhof hat – eine der Schattenseiten der Stadt – bin ich mit dem Auto 70 Kilometer landeinwärts nach Bastuträsk gereist, ein Städtchen, welches ebenso wie Långsele oder Jörn hauptsächlich denen bekannt ist, die öfter den Nachtzug nehmen. Und die wissen ebenso, dass es um die Pünktlichkeit der Züge nicht sehr gut bestellt ist.

Ich hatte noch Glück, in Bastuträsk hatte der Zug nur eine Stunde Verspätung und war statt um 19:00 um 20:00 da. Die Armen, die in Örnsköldsvik auf den Zug warteten, durften dagegen vier Stunden mitten in der Nacht auf dem Bahnhof stehen. Wegen Lokschaden. Mit drei Stunden Verspätung kam ich in Göteborg an, wo ich von Katrin, meiner Schwester und Familie aus Augsburg in Empfang genommen wurde. Sie sind am gleichen Tag mit der Fähre aus Kiel angekommen. Eine gute Stunde später waren wir in unserem Ferienhäuschen am See, welches wir für eine Woche gebucht hatten.

Südschweden hat viel. Viele Menschen, viele Straßen mit vielen Spuren, viele Schilder, viele Autos, viel Vieles. Das bin ich nicht mehr gewohnt und ich war nicht böse, als wir in unserem Häuschen im Grünen angekommen sind.

Aber es soll mir keiner nachsagen, dass ich Südschweden nur voll und hässlich finde, denn dort gibt es auch vieles anderes. Zum Beispiel …

Den Göta älv, dessen Wasser in Trollhättan durch Kraftwerksturbinen fließt. Doch im Sommer werden ein, zwei Mal am Tag die Tore geöffnet und die Wassermassen ergießen sich durch das Flusstal.

Das hübsche Städtchen Skärhamn auf der Nordseeinsel Tjörn mit seiner lachenden Kirche – nein, es ist keine Sonnenuhr, der Turm hat tatsächlich Nase und Mund.

Die herrliche Landzunge bei Lysekil mit ihren Granitformationen. Ein Paradies für Fotografen.

Eine herrliche Sandbucht am Vänern, dem größten See Schwedens (und dem drittgrößten Europas). Fotografiert habe ich aber lieber die kleine Ringelnatter.

Spannende Schleusen, Kanäle und ein Aquädukt, die verschiedene Seen zum Dalsland-Kanal verbinden. Nebenbei ein kleines Kanalmuseum, welches keiner versäumen sollte. In diesem Museum werden keine Gegenstände Typ Heimatmuseum ausgestellt, sondern Geschichten erzählt. Von Personen, die wirklich gelebt haben. Und diese Geschichten illustrieren die Ausstellungsstücke hervorragend. Große Klasse, finde ich.

Schöne Natur überall, direkt beim Haus genauso wie an der Nordsee oder auf den Tafelbergen Halleberg und Hunneberg am Vänern. Dort soll man auch Elche sehen. Nun – wir haben schon am zweiten Tag vom Auto aus eine dreiköpfige Elchfamilie direkt am Straßenrand stehen sehen. So nah war ich diesen Tieren noch nie in meinem Leben. Und ratet mal, wo meine Kamera war – im Kofferraum (grummel!).

Eine Woche später haben wir den Nachtzug zurück von Göteborg nach Bastuträsk genommen, denn natürlich wollten die Augsburger sehen, wie ich denn hier in Nordschweden lebe. Und was hatte der Zug: Einen Lokschaden. Warum aber das Zugpersonal der alten Lok auf offener Strecke mitten in der Pampa stehengelassen wurde, blieb uns ein Rätsel. Wohnten die dort? Mussten die sich schämen? Gingen die auf Jagd? Angeln? Wie gesagt – ein Rätsel.

Ein Leben ohne Mops

Normalerweise schreibe ich hier über mein Leben in Schweden, doch heute liegt mein Fokus auf Deutschland. Denn dort ist gestern einer der Großmeister der Beobachtung, des Dialogs und des Timings gestorben: Loriot.

Dieser phantastische Künstler hat mein Fernsehleben begleitet, ob durch seine Figur des Hundes Wum (knapp drei Jahre nach mir geboren), seine grandiosen Sketche oder auch seine beiden Filme Ödipussi und Papa ante Portas. Als ich Kind war, lief auf meiner Musiktruhe „Ich wünsch’ mir ’ne kleine Miezekatze“ in heavy rotation und mein kleines Loriotbüchlein war fleddrig und abgegriffen vom immer wieder hineinschauen.

„Schau mal Opa, das schöne Klavier!“

„Ich will einfach nur hier sitzen“

„Nicht das, Dicki!“

„Wir haben uns für Aschgrau entschieden“

„Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken“

„Holleri du dödl di, diri diri dudl dö.“

Loriot

Lieber Loriot, vielen Dank für die vielen Meisterwerke, die Sie uns hinterlassen haben. Ohne Sie wird die Welt ein bisschen grauer sein.

Wer mehr über die Schweden wissen will, kann gerne Schwedenblogs lesen. Wer mehr über die Deutschen wissen möchte, der muss einfach Loriot schauen.

Und das tue ich jetzt …

Schmetterlinge

Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Schmetterlinge es hier im Norden gibt. Neben den üblichen Verdächtigen wie Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge und Admiral habe ich beispielsweise vorletzte Woche einen C-Falter fotografiert und heute einen Trauermantel. Sogar einen Schwalbenschwanz habe ich hier schon gesehen.

Matfesten

Matfesten“ heißt das viertägige Fest, welches gerade in Skellefteå stattfindet. Ich mag den herrlich nüchternen Namen der Veranstaltung, die übersetzt einfach „Das Essensfest“ heißt.

Um ein großes Zelt sind lauter Stände mit kleinen Küchen aufgebaut, wo man ganz unterschiedliches Essen bekommen kann. Da die Restaurants in Skellefteå nicht gerade – nun ja – besonders vielfältige Küche bieten, habe ich mich in unseren Mittagspausen am Donnerstag und Freitag begeistert auf die Stände mit äthiopischer und libanesischer Küche gestürzt. Und dabei ein bisschen wehmütig an die vielen, tollen Restaurants in München gedacht. (Und die vielen netten Freunde, mit denen man sich dort treffen könnte, aber das ist ein anderes Thema.)

Man konnte auch Lebensmittel kaufen, vor allem Beeren und Pilze. Ich empfinde das aber immer ein bisschen als Schummeln, wenn man Pfifferlinge oder Heidelbeeren kauft, wenn die Dinger im Wald auf einen warten, selbst, wenn ich hier noch keine Pfifferlingstellen kenne.

Heute hatte ich aber mein kleines eigenes Matfest, denn ich habe angefangen, in meinem Garten zu ernten. Ich weiß noch nicht, was ich mit den Unmengen an Äpfeln mache, unter deren Last sich die Zweige des kleinen Apfelbäumchens biegen, denn roh bekommen mir die nicht, aber über die süßen Pflaumen, die langsam reif werden, habe ich mich riesig gefreut. Die kann man auch direkt vom Baum essen.

Herbstsommer

Wenn im März die Tage wieder länger werden, Temperaturen nicht mehr ganz so frostig sind und dann am Besten noch klarer blauer Himmel die verschneite Landschaft überspannt, dann nennen die Schweden das „Vårvinter“, übersetzt Frühlingswinter.

Wenn wie heute die Sonne scheint, es aber nicht mehr richtig knallwarm wird, die ersten Blätter sich ins Gelbliche oder Rötliche verfärben und der ganze Wald nach Pilzen duftet, dann nenne ich das „Höstsommar“, übersetzt Herbstsommer. Der Begriff ist aber nicht gebräuchlich. Schade eigentlich.

Heute bin ich endlich mal wieder mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Über den steifen Gegenwind heute Morgen und mein angestrengtes Gestrampel schweige ich mal lieber.

Aber tatsächlich hat der Wind mal nicht gedreht, ist nur etwas abgeflaut und es war nach der Arbeit so warm und so schön, dass ich beschlossen habe, einen Umweg zu nehmen. Statt direkt ostwärts nach Hause zu radeln bin ich über verschlungene Wege in Richtung Norden gefahren und wollte eigentlich einen Weg durch den Wald nehmen, den ich letztes Jahr schon einmal gefahren bin. Dann habe ich aber gesehen, dass man noch weiter im Norden rechts nach Boviken abbiegen kann und damit ein Stück an der Küste radeln kann. Die Fahrt war herrlich entspannt, auch wenn manche Wege für mich und mein Fahrrad unpassierbar waren. Und wenn sich irgendein abwärts führender Geröllweg mit dicken Steinen die Strecke mit einem Bach teilt, dann schiebe ich auch gerne einmal ein wenig. Ich bin dann beim Fahrrad fahren ein bisschen vom Hölzchen aufs Stöckchen gekommen und habe immer neue Wege gefunden, bis irgendwann mal mein Magen signalisiert hat, dass er jetzt gerne Futter hätte und zwar ein bisschen dalli. Als ich gesehen habe, dass ich meinem Zuhause eigentlich noch keinen Meter näher gekommen bin, habe ich dann den einen schönen Weg einen schönen Weg sein lassen und bin bekannte Wege zurück geradelt.

Für solche Touren hätte ich gerne ein Mountainbike. Mit doppelt so breiten Reifen, mit drei Mal so vielen Gängen und ganz viel Federung, denn manche Wege sind so holperolperolperolperich, dass man fast nicht mehr sieht vor lauter Durchschüttelei.

Und zum Schluss habe ich im Wald sogar das erste Mal das Licht angemacht, denn auch kurz vor acht war es schon ein bisschen dämmerig. Es ist eben schon Höstsommar.

Diese Fotos habe ich alle mit dem iPhone 4 gemacht. Meine perfektionistische Seite sagt: „Um Gottes Willen! Die Rauschen, der Himmel ist ausgefressen, die Bäume fast schwarz und scharf sind sie Fotos zum Teil auch nicht.“ Meine pragmatische Seite sagt: „Meine Nikon hatte ich nicht dabei, das Handy schon. Und im großen und ganzen und ein wenig Hilfe von Lightroom und Photoshop sind die Fotos für das Blog doch allemal gut genug.“ Meine perfektionistische Seite grummelt noch ein wenig vor sich hin, aber die pragmatische Seite hat schon längst gewonnen.

F-skattebevis

Ich habe einen Brief vom skatteverket, dem schwedischen Finanzamt bekommen. In Deutschland durchzuckte mich bei solcher Post immer ein gewisser Schreck: „Was habe ich falsch gemacht?“. Über diesen Brief aber habe ich mich gefreut, denn er enthielt meinen F-skattebevis.

Das bedeutet, ich habe mal so eben ein Unternehmen gegründet! Das klingt hochtrabender, als es ist. Denn wenn man in Deutschland sagt, man sei selbständig, dann hat man in Schweden gleich ein „eget företag“, also ein eigenes Unternehmen.

Den Anmeldeprozess zur Unternehmensgründung macht man im Internet. Man loggt sich mit seiner Bank-ID ein, das ist eine digitale Identifizierung. Dann hangelt man sich von Formular zu Formular, bis man alle Daten ausgefüllt hat und den Auftrag abschickt. Ich musste bloß noch per Post einen Beweis vom deutschen Finanzamt schicken, dass ich beim deutschen Finanzamt schuldenfrei bin.

Und etwa drei Wochen später kam die Bestätigung, dass ich rückwirkend zum 25. August ein eigenes Unternehmen habe. In den Bereichen

  • 62010: Dataprogrammering (utveckling av programvaror, hemsidor och programmering)
  • 74203: Press- och övrig fotografverksamhet (även flygfotografering; ej porträtt eller reklam)
  • 90010: Artistisk verksamhet (fristående artister, föreläsare, konferencierer, körer, mannekänger, orkestrar, programledare m.fl.)
  • 90030: Litterärt och konstnärligt skapande (även frilansjournalistverksamhet)

kann ich jetzt nebenbei Geld verdienen.

Ich bleibe weiterhin angestellt und verdiene dort den Hauptanteil meines Einkommens. Aber ich kann jetzt auch kleinere Jobs nebenbei machen und richtig abrechnen. Mein Hauptfokus wird dabei auf der Musik liegen (90010), denn in meiner freien Zeit will ich nicht noch mehr Internetprogrammierung machen. Da reicht mir ein Fulltimejob vollkommen aus. Der erste Musikjob steht auch schon fest: Eine Stunde Klavierspielen beim Chemical Management Summit in Skellefteå. ♪|♫♫♩.

Oldtimer

Eigentlich wollten Delle – ein Freund, der gerade bei mir ist – und ich am Donnerstag bloß noch eine kleine Runde Rad fahren. Als wir dann gerade in Ursviken umkehren wollten, bog ein herrliches Oldtimerauto in die Straße ein. Und noch eins. Und noch zwei. Wie sich dann herausstellte, war ein Treffen der Skellefteåsektion von „Norrlands Motorhistoriker“ in Ursviken und so parkten zum Schluss neun Autos – Vom alten Volvo über Austin, Chevrolet bis zum Opel Kadett B aus den Sechzigern – eines neben dem anderen auf der Wiese.

Oldtimer sind in Schweden ein recht alltäglicher Anblick; vom kugelig-runden Volvo aus den Sechzigern bis zum breiten, historischen Amischlitten. Und fast alle Autos sind gepflegt und perfekt in Schuss gehalten.

Ich bin weiß Gott kein Autonarr, aber diese historischen Fahrzeuge mag ich sehr gerne. Sie sind ein schöner Kontrast zu den immer ähnlicher werdenden Modellen der Neuzeit und so jedes Mal ein Blickfang.

Vor dem Vereinshaus stand dann noch ein uraltes Auto, wohl aus den zwanziger oder dreißiger Jahren. Vor allem der Airbag zeigt deutlich, dass man auch in den Anfängen der Autogeschichte schon sehr auf Sicherheit bedacht war.

Die meisten, aber nicht alle alten Autos in Schweden sind gut in Schuss und fahrbereit. Ich habe gleich die Gelegenheit ergriffen, das rostige, vor sich hin gammelnde Auto zu fotografieren, an welchen ich immer vorbeifahre, wenn ich mit dem Bus in die Stadt fahre. Ich habe eh keine Ahnung von Autos, aber auch Delle musste ein bisschen schauen, eh er an den Radkästen ein altes Logo von Renault entdeckte.

Roadtrip

Am Wochenende sind Delle und ich mit seinem Auto losgefahren. Einfach in Richtung Norden. Und es ist schon spannend, was man alles sieht, auch wenn man vorher rein gar nichts geplant hat.

Stopp: Trundön, eine kleine Halbinsel nördlich von Piteå.

Beim Anhalten wurden wir direkt gefragt, ob wir zum Fischen hier sind. Aber nein, ich wollte bloß das Seeungeheuer fotografieren, was gerade im Meer bei Trundön aufgetaucht ist.

Stopp: Vogelschutzgebiet

Von dem Beobachtungsturm hatte man einen schönen Blick auf die Feuchtgebiete. Schade, dass alles ein bisschen im Nieselregen hing.

Stopp: Traktormuseum in Svartbyn bei Överkalix

Wenn man absichtlich ein Museum besucht, dann hat man ja immer schon eine gewisse Erwartungshaltung. Aber wenn man einfach im Auto in Reichtung Norden fährt und plötzlich stehen hundert alte Traktoren und andere Maschinen auf einer Wiese geparkt, dann ist man schon überrascht. Auch hier haben wir angehalten und uns die vielen Exponate angeschaut. Manche Traktoren sahen mit ihren seitlichen Scheinwerfern aus, als kämen sie aus einem Walt-Disney-Film.

Stopp: Einkaufen

In Överkalix wollten wir einkaufen. Aber sowohl ICA als auch Coop hatten schon um 17:00 geschlossen. Für mich ist das ungewohnt, hier haben auch die kleinen Läden wesentlich länger geöffnet. Aber es gab eine Tankstelle, die gut darauf eingerichtet war, dass Menschen auch nach fünf Uhr noch Hunger bekommen und Essen kaufen wollen.

Stopp: Polarkreis

In Näsberget am Kalixälven haben wir auf einer kleinen Schotterstraße den Polarkreis überquert.

Stopp: Jockfall

Dann haben wir den Fluss am Jockfallet überquert. Dieser Wasserfall war auch bei wolkigem Himmel und schon leichter Dämmerung sehr beeindruckend.

Stopp: Übernachtung

Auf einem Schotterplatz unweit des Kaartiskajärvi – also mitten in der Pampa – haben wir das Auto geparkt und zum Schlafraum umgebaut. Ich war wirklich überrascht, wie viel Platz in einem Opel Omega ist. Man kann mit zwei Personen bequem und ausgestreckt liegen und ich habe ziemlich gut geschlafen, auch wenn ich am nächsten Morgen früh wach war.

Stopp: Polarkreis

Am nächsten Tag sind wir in Richtung Osten gefahren und haben an der schwedisch-finnischen Grenze in Juoksengi den Polarkreis überquert. Hier führt auch im Winter eine Skooterspur nach Finnland über den Fluss Torneälven. Ein paar Meter weiter südlich des Polarkreises waren herrliche Granitfelsen am Ufer mit Blick auf eine zerklüftete Felseninsel mitten im Fluss.

Stopp: Fjällräven Outlet und Frasses

In Övertorneå haben wir den Fluss überquert und sind in Finnland bis zur Grenzstadt Tornio gefahren. Nach eh wir einmal finnischen Boden betreten konnten, waren wir – wupps – in Haparanda und damit wieder auf schwedischem Boden. Dort habe ich in Ruhe im Fjällräven-Outlet-Store gestöbert und anschließend waren wir in Frasses, einer Hamburgerkette essen. Frasses Haparanda ist die einzige mir bekannte Hamburgerbar mit Kronleuchtern.

Stopp: Storön

Wieder eine Stelle an der Küste, dieses Mal von Fischerei geprägt. Ich habe allerdings keine Ahnung, was mit diesen monströs-großen Aalreusen gefangen wird. Ich habe sie mal Walreusen getauft. Das war unser letzter Stopp, denn das Wetter war eher bescheiden und es zog uns nach Hause.

Jetzt habe ich nur über einige Stopps geschrieben und nicht über die etwa 1000 Kilometer Fahrt dazwischen. Es war eine schöne Rundtour, aber wir waren dann auch froh, wieder zu Hause zu sein.

Wasser!

Dies ist ein Glas Wasser. Aus der Leitung. Und das habe ich direkt nach dem Fotografieren getrunken. Einfach so.

Am 19. April habe ich darüber geschrieben, dass hier Parasiten im Trinkwasser gefunden wurden. Es waren zwar nur wenige, aber ein einziger reichte schon aus, um einen krank zu machen. Also musste man alles Wasser, welches man als Trinkwasser verwenden wollte, abkochen. Immer wieder musste ich daran denken und vor allem Gäste daran erinnern, kein Leitungswasser zum Trinken, zum Zähne putzen, Gemüse waschen oder Reis spülen zu verwenden und in der Dusche den Mund geschlossen zu lassen.

Währenddessen wurden Proben entnommen, Fehlersuche betrieben und schließlich UV-Filter in die Anlagen eingebaut und die gesamten Leitungen durchgespült.

Und heute um Mitternacht war der Stichtag: Man darf – bis auf wenige Ausnahmen, die noch zwei Wochen warten müssen – nach zwanzig Wochen wieder Wasser trinken. Einfach so. Aus der Leitung.

Hurra!

Kajaktour

Zwei Dinge hat Delle, der mich hier zwei Wochen aus Deutschland besucht hat, hier gelassen: Ein Kajak und einen Salzstreuer. Nun, seinen Salzstreuer hat er einfach vergessen, aber das Kajak blieb absichtlich hier: Ich hatte es kurz zuvor über einen Freund in Oldenburg gebraucht gekauft und Delle hat es auf seinem langen Kombi zu mir nach Skelleftehamn gefahren. Danke, Delle!

Nach einigen Wochen mit eher wechselhaftem Wetter war der heutige Samstag wolkenlos und auch relativ windstill. Ideales Wetter, um mich ins Kajak und das Kajak ins Wasser zu setzen. Zuerst habe ich Ersatzklamotten, Karte, Kompaß, Kamera und Handy wasserdicht gepackt und mit der Schwimmweste ins Kajak geworfen. Dann den Bootswagen drunter geschoben und das Kajak aus der Garage zum Killingören, der nächsten Einlassstelle gerollt. Dann bin ich zurück gelaufen, um das Paddel zu holen. Ich hatte es vergessen! Kommt daher der Begriff „Ich Döspaddel“?

Bald saß ich ich im Kajak und bin den Tunnel unter dem Näsuddsvägen in den Kallholmsfjärden gepaddelt.

Von da aus gibt es einen schmalen Durchlass nach Westen in den Kurjoviken (Danke, kartor.eniro.se für die ganzen Namen) Nach links hatte ich dabei Blick auf die Halbinsel Kallholmen. Die meisten Stellen kenne ich ja, aber vom Wasser aus ergeben sich noch einmal ganz andere Perspektiven. An einem kleinen Sandstrand habe ich einen kurzen Halt gemacht, aber eigentlich nur zum Fotografieren.

Dann bin ich entlang der Insel Rönnskär gefahren, die durch die Industrie, vor allem das Metallschmelzwerk von Boliden geprägt ist. Dies ist auch für mich Neuland gewesen, da man auf die Werksgelände natürlich nicht drauf darf. Sogar am Wasser standen überall Schilder, die das Betreten verboten. Am kleinen Leuchtfeuer am südöstlichen Ende habe ich dann die offene Ostsee erreicht.

Obwohl es windstill war, wurde die See hier doch ein bisschen wellig und kabbelig. Aber das Kajak liegt extrem stabil im Wasser und keine Welle hat es wirklich ins Kajak geschafft. Eigentlich fährt man ja mit Spritzdecke, aber ich hatte den Fotoapparat zwischen den Knien und da wäre ich sonst nicht dran gekommen.

Obwohl die Inseln sehr einladend waren, bin ich weiter an der Halbinsel Rönnskär entlang wieder in den Kallholmsfjärden gepaddelt. Zum einen ist es mir an der Stelle zu weit über das offene Meer, zum anderen hatte ich schon jetzt eine dicke Blase am rechten Daumen. Das nächste Mal doch Handschuhe?

Nach etwa zwei Stunden Fahrt und neuneinhalb Kilometern Strecke war ich wieder am kleinen Bootshafen, wo ich das Kajak wieder auf den kleinen Wagen gestellt und nach Hause gerollt habe. Was für eine herrliche Vormittagstour!

Heute Nachmittag war ich übrigens wieder in der Ostsee baden. Mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte, denn heute hatte das Wasser nur noch 13,3 Grad und war ganz schön kalt. Mir fällt hier beim Baden immer wieder auf, wie süß das Ostseewasser hier ist. Vielleicht hat Delle seinen Salzstreuer doch absichtlich hier gelassen.

Klare Nacht

Bevor ich gestern Abend ins Bett gegangen bin, habe ich noch einmal vor die Tür geschaut und das erste Polarlicht der Saison gesehen. Obwohl es ziemlich schwach war und vom hellen Mond überstrahlt wurde, habe ich mich mit Kamera und Stativ ins Auto gesetzt, denn vielleicht nimmt es ja noch etwas zu.

Vom Polarlicht war dann allerdings bis auf blassdunkle wolkenähnliche Flecken fast nichts mehr zu sehen. Aber man kann ja auch andere Dinge fotografieren. Ich habe hier bewusst drastisch überbelichtet, in Wirklichkeit ist es um diese Zeit dunkler.

Wenn die Nacht im Herbst klar ist, dann wird es auch kalt. Mit -0.3 °C hatten wir die erste Nacht mit leichtem Frost. Bis zum Winter ist zwar noch einige Zeit hin, aber er klopft schon einmal vorsichtig an die Tür. Aber noch hat die Sonne Kraft. Sie scheint auf mein „Nordost“-Thermometer, das mir morgendliche Sommertemperaturen von 24 Grad vorgaukelt. Das Küchenthermometer ist mit 7.5 Grad wohl etwas ehrlicher.

Curly Lou in Kusfors

Ich komme gerade von einem schönen Konzert wieder nach Hause. Seit Lasse und Martine in Kusfors leben, ist dort das „Café Ångloket“ (Café Dampflok) zu einem kleinen Kulturzentrum im Inland geworden. Und da ist heute Curly Lou mit einer Pianistin aufgetreten.

Das Programm, bestehend aus herrlich alten Chansons, Walzern und Tangos passte wunderbar in das Café, dessen Interieur größtenteils aus der selben alten Zeit stammt. Und das Zuhören hat mir großen Spaß gemacht und mich an so manchen Chansonabend zurückdenken lassen, wo ich selber am Klavier saß.

Es fällt mir zugegebenermaßen manchmal schwer, anderen beim Klavier spielen zuzuhören. Ich würde lieber selber da sitzen und diese schönen Lieder begleiten. (Und hier eher die Terz im Bass und dort noch einen Durchgang zur Subdominantparallele und … .) Aber das kenne ich schon von mir und vielleicht kommt das dem einen oder anderen Musiker auch bekannt vor.

Irgendwann in diesem Jahr spiele ich voraussichtlich selbst ein Konzert mit einem Bassisten im Duo im Café Ångloket in Kusfors. Das wird dann mein erstes Jazzkonzert hier in Schweden sein. Und wenn ich viel Glück habe, ist bis dahin schon das richtige Klavier da und mein Digitalpiano kann im Keller bleiben.

Herbstanfang

Letzte Nacht habe ich geträumt, dass ich ohne Jacke rausgehe. Und dachte im Traum noch „Ganz schön mutig“. Geweckt wurde ich dann – wie gestern schon – Punkt sechs von dem lauten Prasseln eines Wolkenbruchs. Nun, Wolkenbrüche gab es diese Woche eigentlich fast jeden Tag, das ist nichts besonderes. Aber dieses Mal ist auch die Temperatur mit gefallen und lag den ganzen Tag so bei fünf, sechs Grad. Zusammen mit dem Wind ein pünktlicher Herbstanfang der ungemütlichen Sorte.

Nach dem Frühstück hat es nur noch mäßig geregnet und ich bin durch eine asphaltierte Seenplatte zum Bus gelaufen. Der Wasserstand auf Skelleftehamns Straßen reicht für mein Kajak allerdings noch nicht aus.

Der Bus war heute eher ein Amphibienfahrzeug. Manchmal pflügte er wie ein Schiff durch die tiefen Pfützen und ließ das Wasser meterhoch spritzen. Der Ausblick durch die regennassen Scheiben war abwechselnd eintönig grau und leuchtend farbig von den bunten Blättern, die die ersten Bäume und Büsche tragen.

Nach der Arbeit bin ich zur Bushaltestelle einen kleinen Umweg am Fluss gelaufen. Dort lachte mich dieser Fliegenpilz an. Und wenn ich ihn schon nicht essen kann, dann mache ich von ihm wenigstens ein Foto mit meiner kleinen Rikoh.

Ich bin gespannt, ob das nasse Wetter weiterhin so anhält oder wir noch einen schönen Spätherbst bekommen. Ein, zwei Mal möchte ich noch Kajak fahren und da kann ich keinen Wind gebrauchen. Und zu viel Regen muss ja auch nicht sein …

Schwedischübersetzung des Tages:det är iskallt – Es ist eiskalt!

Nachtrag: Sind manche Schweden einfach hart im Nehmen oder ist das die Trotzreaktion zum Sommerende: Zwei Schweden mit kurzen Hosen sind mir heute begegnet. Ich hingegen habe zu Hause das erste Mal wieder die Heizung angeschmissen.

Einmal um Storgrundet

Heute war das Wetter richtig schön und heute Vormittag habe ich – wie die meisten Nachbarn auch – im Garten gearbeitet. Aber am Nachmittag habe ich mein Kajak auf den Bootswagen gestellt und bin zu meinem Hausstrand gelaufen. Das Kajak lässt sich prima mit einer Hand hinter sich herziehen, auch wenn es rauf oder runter geht.

Dann bin ich einmal um die Insel Storgrundet gefahren. Das ist eine kleine Tour von nicht einmal vier Kilometern, aber ich fand sie sehr spannend, da ich die Gegend ziemlich gut von meinen Skitouren im Winter kenne, aber im Sommer noch nie dort war.

Was für ein Kontrast zu den Wintertouren, in denen manchmal alles im weißen Nichts verschwimmt. Jetzt fahre ich im knallroten Boot sitzend durch das tiefblaue Wasser und schaue auf die Inseln mit den teils grün, teils gelb gefärbten Herbstbäumen.

Und es ist warm. Heute Vormittag bin ich sogar draußen im T-Shirt herumgelaufen und unter der dicken Schwimmweste friert man eh nicht so schnell. Und selbst auf dem offenen Meer östlich der Insel rührt sich praktisch kein Windhauch.

Keine Stunde später bin ich wieder am Strand und nur noch ein paar Schleifspuren verraten, dass ich dort, wo ich sonst bade, eben ein Kajak an Land gezogen habe. Fazit: Eine schöne Nachmittags- oder Feierabendstour.

Herbstliches Polarlicht

Die letzten Tage war die Polarlichtvorhersage auf Stufe 4 „Active“ – nicht so schlecht.

Als ich gestern mit dem Auto zum Hotel Scandic Skellefteå gefahren bin, um dort auf dem Chemical Management Summit meinen ersten hiesigen Klavier-Solo-Job zu spielen, hatte ich Stativ und warme Jacke für den Rückweg schon im Kofferraum. Aber ich war schon kurz nach sieben fertig und da war es für Polarlicht noch zu hell.

Als ich um eins (halbgeplant) aufgewacht bin und aus der Tür geschaut habe, war tatsächlich schwaches Polarlicht über den halben Himmel bis zum Zenith zu sehen. Ich bin dann mit dem Auto zu Storgrundet gefahren, dem Strand, an dem ich vor einigen Tagen noch eine kleine Kajakrunde gestartet habe. Dort sind die folgenden Fotos entstanden:

Was war ich froh, eine warme Jacke dabei gehabt zu haben. Es war zwar nicht sonderlich kalt, aber sehr windig und ich sehr, sehr müde. Das Polarlicht ist noch recht fahl gewesen, aber ich freue mich über jede klare Nacht, an der man das Polarlicht hier sehen kann. Auch wenn der dringend benötigte Schönheitsschlaf darunter leiden sollte.

So, jetzt den Artikel schnell online stellen und weiterarbeiten, denn ich sitze gerade im Büro …

Oh, was für ein schönes rot*

Ist er nicht kleidsam, der Trockenanzug oder Überlebensanzug, den ich hier zum ersten Mal ausprobiere? So ein fesches rot, ein Anzug für alle Lebenslagen! Außer vielleicht für die Stadt, die Arbeit, zum Fahrrad fahren, am Computer sitzen, Klavier spielen, wandern, auf den Bus warten, Katzen streicheln, essen, DVD schauen, surfen (im Internet), schlafen, mit Freunden treffen, … aber ich schweife ab.

Ich war schon länger auf der Suche nach einem Trockenanzug zum Paddeln. Denn wenn das Wasser irgendwann nur noch 0 °C hat, möchte ich da nicht mehr mit normaler Kleidung hineinfallen. Leider kosten die richtigen, atmungsaktiven Trockenanzüge 600 Euro und mehr. Zu teuer für mich. Diesen Überlebensanzug habe ich für einiges weniger bei Ebay ersteigert. Er ist bestimmt nicht für lange Touren geeignet, dazu ist er zu klobig, aber um mal zur Insel Storgrundet herüberzupaddeln ist er allemal gut genug.

Heute habe ich in der Ostsee getestet:

1. Der Anzug alleine: Er ist wirklich perfekt wasserdicht, hält warm und gibt genug Auftrieb, dass man mühelos im Wasser treiben kann. Und mit den angesetzten Handschuhen lässt sich sogar die Kamera bedienen.

2. Mit Schwimmweste: Noch bunter, noch mehr Auftrieb. Sehr entspannend. Da muss man aufpassen, dass man nicht einschläft und sich am nächsten Morgen in Finnland wiederfindet …

3. Ohne alles, nur Badehose: Brrr ist das Wasser kalt jetzt. So um +10.5 °C. Also, im Anzug war’s wärmer! Noch schwimme ich meine zwanzig Meter oder so, aber wenn das Wasser noch weiter abkühlt, wird das Baden bald eher ein kurzes Eintauchen.

Nach dem Baden habe ich noch kurz die herrlich intensiv von der untergegangenen Sonne bestrahlten Wolken angeschaut. Einfach schön!

* Ein Zitat aus dem Asterixband „Kampf der Häuptlinge“

Farbe tanken

Knallblauer Himmel empfängt mich am Samstag morgen. Ich habe mich ins Auto gesetzt und konnte mich an den intensiven Farben des herbstlichen Laubes kaum satt sehen. Die Birken sind leuchtend warmgelb, die Espen grün- bis zitronengelb. Die Ebereschen sind dunkelrot oder knallbunt und die wenigen Ahornbäume gelb-orange bis glutrot. Ich habe den Eindruck, dass mein gesamter Körper Farben tankt und sie in jeder Zelle für den langen Winter speichert.

Und so war der Blick vom Stackgrönnans Bootsmuseum über den Skellefteälven (Das Panorama lässt sich scrollen):

Samstag morgen

… sollte das Wetter eigentlich mäßig sein. Aber Überraschung: Klarer Blauer Himmel und kurz vor Sonnenaufgang. Also habe ich kurz vor dem Frühstück noch ein paar Fotos in der Umgebung gemacht.

Gleich geht’s raus in die Natur, zusammen mit einer Freundin wandern.