Zum Inhalt

Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

Zu den Funktionen

Ein halber Tag frei

Heute habe ich mir einen halben Tag freigenommen. Nach den starken Schneefällen der letzten Tage war ich neugierig, ob in Bureå tatsächlich mehr Schnee liegt. Ein Chorsänger, der dort wohnt, meinte, vor allem auf dem Bureberget (99 m!) läge besonders viel.

Die erste Überraschung kam nach 200 Metern: Die Bucht Killingörviken, auf der ich gestern um 22:00 noch Wellen gesehen habe, war komplett zugefroren und weiß bedeckt. Innerhalb von zehn Stunden! Aber mein Ziel war ja der Bureberget, das ist etwa 20 Kilometer entfernt.

Wie ich schon gedacht habe, war der Weg zur „Berghütte“ nicht gespurt, aber zum einen konnte ich das Auto abstellen, zum anderen hatte ich ja Schneeschuhe dabei. Nach einem Kilometer Weg war ich an der Hütte.

Die Strasse zur BerghütteSchneewehen vor der Hütte

Von dort aus bin ich weiter am Nordhang des Burebergets entlanggelaufen. Da es hier große Felsen gibt, habe ich auch die Schneeschuhe und keine Skier gewählt. Bei jedem Schnitt sank ich bis zur Wade in den fluffigen Schnee oder auch bis ans Knie. Aber manchmal, vor allem neben Felsen und in unsichtbaren Gräben geht es auch tiefer hinein und an einer Stelle steckte ich bis zum Bauch im Schnee – mit Schneeschuhen wohlgemerkt.

Von dem Nordhang hat man einen schönen Blick auf Skelleftehamn, die Inseln und das Meer. Ich war erstaunt: Weite Teile des Meeres waren eisbedeckt, nur am Horizont konnte man noch das Blau des offenen Meeres ausmachen. Und während ich fotografierte, bahnte sich ein großes Schiff, unterstützt von Eisbrecher und Lotsenboot seinen Weg durchs Eis. Fasziniert stand ich lange dort und schaute, wie das Schiff die Bucht, an der ich heute früh vorbeigefahren bin verließ und auf das Meer hinaussteuerte.

Inseln im EisEin großes Schiff bahnt sich den Weg

Schließlich bin ich wieder den Hang hoch gestapft, quer durch den tief verschneiten Wald, meine tiefe Schneeschuh-Tatzenspur hinter mir lassend.

Schneebepackter WinterwaldTiefe Schneeschuhspur

Bald war ich dem Weg nah und nun kam die Sonne heraus. Die Sonne, die ich fast zwei Wochen nicht mehr gesehen habe. Und sie tauchte den Schnee und die Bäume in warmes oranges Licht.

Die Sonne kommt hervorWinterwegmarkierung

Der Sonne entgegen!

So ein halber Urlaubstag bei wundervollstem Winterwetter mit Sonne, -15 °C und Schnee satt öffnet mir wirklich das Herz. Ich war einfach nur glücklich, so viele schöne Eindrücke in so kurzer Zeit geboten zu bekommen. Heute mittag würde ich nach Skellefteå fahren und arbeiten.

Noch an dem kleinen Wald mit hohen Fichten vorbei und dann stand ich am Auto, bürstete Rucksack, Jacke und Hose ab und setzte mich ans Steuer. Bei diesem Wetter ist sogar der Weg von Burvik nach Bureå – einer wie viele – ein Traum!

Die Sonne scheint durch den WaldDie Straße von Burvik nach Bureå

In Bureå scheint ähnlich viel Schnee heruntergekommen zu sein wie bei uns, vielleicht noch ein paar Zentimeter mehr. Aber es war wohl nicht so windig und so konnte sich der Schnee besser setzen, zum Beispiel auf dieses Auto:

Eingeschneites Auto in Bureå

Ich wäre noch gerne hier- und dorthin gefahren, aber es zog mich nach Skelleftehamn, wo ich essen wollte, wovor ich in die Stadt fahren würde.

Gleich geht’s los zur Arbeit. Nur noch ein Foto von der zugefrorenen Bucht Killingörviken. Hier sieht man gut, dass das Eis noch nicht solide ist, sondern aus vielen Eisschollen besteht, die wie ein Puzzle ineinander haken.

neues Eis auf der Lillingörviken

Gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen

Ein ganzer Tag frei

Liebe Blogleser: Kennt Ihr schon den Artikel Ein halber Tag frei? Da fängt diese Geschichte an. Also hier erst weiterlesen, wenn Ihr das andere gelesen habt. Versprochen?


… gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen.

Und ich habe geschaut, noch einmal geschaut und dann bei Hello Future angerufen, um den ganzen Tag frei zu bekommen. Denn es ist ein wunderschöner Anblick, wenn die Ostsee beginnt, zuzufrieren und da es heute gerade so klar und schön war, wollte ich noch den Rest des Tages draußen bleiben. Erst habe ich von Land fotografiert, dann auch vom flachen Wasser aus. Es war aber gar nicht so einfach die Eiskante herunter- und wieder hochzuklettern, denn auch wenn sie nicht an allen Stellen zwei Meter hoch ist, glatt ist sie überall.

Eiskante vor der Halbinsel NäsgrundetMeereiszapfen

Warme Sonne, kaltes Eis. Gåsören am Horiziont

Und so sah ich nach den Fotos aus: Wathose gegen kaltes Ostseewasser, warme Jacke gegen die kalte Luft, und rundum zufrieden. Ich musste zwei Anläufe für dieses Foto machen, denn das Eis war so glatt, dass ich beim ersten Mal hinsetzen mich nicht halten konnte und sitzend langsam wieder herunter zur Kamera schlitterte.

Zufrieden und erfüllt

Danach fuhr ich erst einmal zum ICA, Lebensmittel einkaufen und nach Hause, denn ich hatte seit dem Frühstück weder etwas gegessen oder getrunken und mein Magen knurrte ungehalten. Aber dann bin ich noch einmal losgefahren, zu der gleichen Stelle wieder. Denn das schöne Pfannenkucheneis am Damm zur Halbinsel wollte ich noch ablichten.

Pfannkucheneis

Zwei Bilder möchte ich noch zeigen, dieses Mal nicht Natur, sondern Menschgemachtes: Erst (von der ersten Runde) die Lotsenstation vom Wasser aus und dann (von der zweiten Runde) die Industrieanlagen auf der Halbinsel Rönnskär.

Die Lotsenstation aus NäsgrundetRönnskär am Nachmittag

Na gut, ein Bild habe ich noch. Was macht man, wenn man einen wasserdichten Overall und eine wasserdichte Kamera hat: Fotos nah am Wasser. Wenige sind etwas geworden, denn es war fast zu dunkel für die kleine Kamera, um vernünftig zu fokussieren. Wie ein merkwürdiger Traum war es, auf dem weichen Eis zu liegen, halb im Wasser, und zu sehen, wie der Mond, von Jupiter begleitet, seine Strahlen über die vereiste Ostsee schickt.

Traum

Mein Dank geht an Hello Future, dessen fast grenzenlose Flexibilität mir diesen Tag heute ermöglicht hat. Tack så mycket, E., J. und L.

Tegsnäs 8′

Heute bin ich endlich mal dazu gekommen, die Tegsnässki, die ich vor einem Jahr gekauft habe, auszuprobieren. Diese Holzski sind für Wald und lockeren Schnee gemacht, 7.5 cm breit aber vor allem lang: Zwei Meter vierzig misst mein Modell! Ich brauchte gar nicht so weit zu laufen, bis ich den Wald erreicht habe:

Mein Eingang in den Wald

Anfangs waren noch Fußstapfen und Skooterspuren zu sehen, dann Tierspuren von Hase und Reh. Man konnte immer wieder Stellen sehen, wo die Rehe mit den Hufen nach Futter gescharrt haben, doch die wurden, ebenso wie die Spuren, bald weniger. Finden die Wildtiere vielleicht mehr Futter nahe der Zivilisation als mitten im Wald? Der Winter kann hier eine harte Zeit für die Tiere im Wald sein und wenn er lang ist, treibt der Hunger die Rehe auch in die Wohnstraßen. Ich brauchte mir um Futter keine Sorgen zu machen, schwieriger war es hingegen, sich mit den langen Skiern einen Weg durch den dichten Wald zu bahnen. Ich fürchte, ein paar Zweige mussten heute dran glauben, als ich mich durch irgendwelche Lücken gequetscht habe.

Große verschneite KiefernMitten im verschneiten WaldHier haben Rehe nach Futter gesuchtHier habe ich einen Weg gesucht

Bald stand ich am See Snesviken, den ich dann mit den Skiern überquert habe. Inzwischen klarte es langsam auf und die Sonne schien warm durch die Wolken. Ich hatte gleichzeitig blauen Himmel über mir und Schneefall. Und das ist vielleicht mein Lieblingswetter: Schnee aus klarem Himmel, der von der orangefarbenen Sonne goldfunkelnd beschienen wird. Und so stand ich am Ufer, schaute zurück auf meine Spur und freute mich.

Genau am richtigen Platz: Hütte zum Objektiv wechselnAber ich hatte ein Luxusproblem, ein fotografisches Luxusproblem: Das würde ja viel schöner aussehen, wenn ich das mit dem Tele fotografiere, aber bei Schneefall wechsele ich keine Objektive. Fünf Schritte schob ich meine Skier an Land, da sah ich sie: Die freistehende Fotografen-Objektivwechsel-Hütte! So konnte ich mein Foto machen, ehe ich wieder auf mein „Immer-Drauf“-Weitwinkel gewechselt habe.

Schnee und Sonne über dem Snesviken

Weiter bin ich durch den Wald gelaufen, das Gestrüpp wurde immer dichter und der Weg schwieriger. Dabei hätte ich die Ski gar nicht gebraucht, denn der Schnee ist innerhalb einer Woche von ca. 70cm auf handliche 30cm zusammengesackt. Doch bald stand ich dort, wo ich hinwollte: Am Meer!

Die Ostsee, unendliche Weiten. Und zugefroren bis zum Horizont. Ob ich es wagen soll, über das Eis …? Nein, lieber nicht. Doch links läuft jemand mit Skiern übers Eis, rechts gehen zwei zu Fuß zu ihrer Stuga auf die Insel, dann wird das Eis auch meine Monsterski halten. Und so bin ich ein kleines Stück das Meer hinaus gelaufen, ein kleines Stück Außenkante der Insel Storgrundet, und dann über die Insel, um dann den Heimweg anzutreten.

Auf das Meer hinausStuga auf der Insel Storgrundet

Nach Hause? Warum? Es ist doch noch nicht einmal zwölf! Doch ich habe einen entscheidenden Fehler bei dieser Tour gemacht: Keine Schokolade! Auf das komische Maisbrot, was ich auf die Schnelle eingepackt habe, hatte ich keine Lust, denn bei Skitouren bin ich wie eine Wespe im August: Ausschließlich auf Süßes fixiert! Und so war ich, wie die Rehe vor ein paar Jahren, selbst auf Futtersuche und bin nach Hause gelaufen. Bei ICA habe ich erst einmal Kekse und Schokolade gekauft. Kekse für sofort und Schokolade für die nächste Skitour.

Etwas ganz besonderes hatte diese Tour: Ich war nie als weiter von zu Hause weg als 1500 Meter Luftlinie! Und das erste Foto ist gerade mal 300 Meter von meinem Haus entfernt. Es gefällt mir immer besser, so naturnah zu wohnen und auch wenn ich mir vorstellen könnte, nah am Fjäll zu wohnen, so liebe ich es doch, hier die Ostsee vor der Tür zu haben.


Langsam fällt das Thermometer. -15 °C hatte es heute morgen, -17 °C heute mittag und -19 °C um vier. Ich bin noch einmal mit dem Auto losgefahren, dieses Mal zum Strand Harrbäckssand in Ursviken. Mir war ein bisschen fröstlig, denn bei Skitouren habe ich immer wenig an, damit ich nicht schwitze. Mache ich aber viele Fotos, so rächt sich das ein bisschen. Nun war ich zum Fotografieren draußen und habe mich angezogen, als wären es -40 °C: Daunenhose, Canada-Goose-Daunenparka und über die dicken Fingerhandschuhe noch Daunenfäustel. Das heizt! A popros -40 °C: Diese Temperaturen hat es jetzt ganz im Norden Schwedens und der Zug nach Narvik fährt heute nur bis Kiruna, der Kälte wegen. Eine schöne Gelegenheit für das Aftonbladet, eine reißerische Schlagzeile aufs Titelblatt zu platzieren: „Snökaos & Extremkyla“ – Schneechaos und Extremkälte. Während die ganz normale alljährliche „Extremkälte“ den hohen Norden trifft, wird der Schnee in Südschweden erwartet und dort bedeutet Schnee leicht einmal Chaos, ähnlich wie in Deutschland.

Ein Foto noch von Harrbäckssand heute nachmittag:

Wer schaukelt mit mir?

Packeisküste

Canada Goose – ein Traum für Winterfotografen

Wenn ich mir das Photo anschaue, dann könnte ich auch behaupten, ich hätte gerade zu Fuss Grönland durchquert. Ihr könntet entgegnen, dass könne ja jeder sagen, es sei ja noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt in der Jacke drinstecke. Darauf hätte ich nichts zu entgegnen, also bleibe ich lieber bei der Wahrheit.

-26 °C im GartenEigentlich sollte es das ganze Wochenende bewölkt sein, aber das Wetter hat sich nicht an die Prognose gehalten und es war schön und klar. Und wenn es klar ist, kann es kalt werden. -26 °C zeigte das Thermometer heute morgen am Haus und das war für mich das Zeichen, nicht nur zum Fotografieren hinauszufahren, sondern mich auch warm anzuziehen. Denn im liebe zwar Winter und Kälte, bin aber im Grunde ein Weichei und habe es gerne warm. Das Bild oben ist also nicht in Grönland, sondern bei Långhällan an der Ostsee entstanden. Kalt war es aber auch.

Wie man auf dem Bild sieht, liegt vor Långhällan kein glattes Eis, sondern zusammengefrorenes Treibeis, welches fahl von den Dämmerungsfarben angestrahlt wird. Zwei Stunden stand ich bestimmt da, schaute und mache Photos, aber am Schönsten war es, als die Sonne herauskam und anfing, immer größere Teile der eisummantelten Küste und des Packeises zu bestrahlen.

Packeis vor LånghällanBald geht die Sonne aufSonnenaufgangNun ist das Eis sonnenbestrahlt

Einen kleinen Schwenk mit dem Auto habe ich noch gemacht. Am schönsten fand ich die Sicht von der Brücke über den Bureälven, aber auch den Zaun um den Flugplatz fand ich sehenswert, obwohl ich Stacheldraht fürchterlich finde. Nach Mittagstemperaturen um -22 °C fiel das Thermometer wieder, aktuell (15:30) liegt es bei -25 °C.

Brücke über den Bureälven bei Östra Falmark

Flugplatzzaun

Nachtrag

Jetzt ist es 0:00, der Sonntag ist vorbei und mit Temperaturen zwischen etwa -22 °C und -26 °C ist er der kälteste Tag der Saison und der erste, dessen Maximum unter -20 °C lag. Auf der Seite Temperaturen 2013/14 kann man ganz gut sehen, wie die Temperaturen innerhalb von elf Tagen um etwa 30 °C sanken.

Wenn Ihr denkt, das sei kalt: In Karesuando und anderen Orten an der Nordspitze Schwedens lagen die heutigen Temperaturen den ganzen Tag unter -35 °C und teilweise unter -40 °C. Das ist dann wirklich kalt und sieht auch dementsprechend aus.

Raureif 70-200mm

Zwei Gründe gab es, heute vor der Arbeit, und dann noch einmal mittags zum Fotografieren draußen zu sein: Zum einen der herrliche Raureif, der sich vor allem um die filigranen Zweige der Birken gelegt hat, zum anderen ist gestern mein neues Nikon-Teleobjektiv gekommen, welches ich natürlich sofort ausprobieren wollte.

Vermutlich werde ich bald irrsinnig starke Handgelenke vom Halten haben, denn alleine das Objektiv wiegt anderthalb Kilo. Ich muss mich jetzt daran gewöhnen, das Tele und nicht die Kamera am Stativkopf zu befestigen, denn sonst nickt die Kamera vorne über.

Aber genug vom Fotografieren, hier kommen drei Bilder von heute morgen in Skelleftehamn und Ursviken:

Raureif ummantelt die Birken am MeerGåsören dunstig und eisumschlossen

Der Kanuverein an der „Kanubucht“ in Ursviken

Nach der Mittagspause war ich noch am Fluss. Die Sonne bestrahlte den eisbedeckten Fluss, der fürchterlich knarkste und krachte, und die beraureiften Baumreihen.

Zwei Flosse vor Skellefteås Flussinseln Ytterholmen und Karl Fredriksholmen

Wenn es trocken und kalt ist, dann rieselt oft feinster Eisstaub aus dem Nichts. Normalerweise würde man den gar nicht sehen, wenn das Eis nicht so in der Sonne glitzern würde. In Richtung Sonne bildet sich dann oft eine Lichtsäule, die durch die Reflektionen der horizontal schwebenden Eisplättchen entsteht. Schwer zu fotografieren, da die Lichtsäule immer genau in Richtung Sonne steht, aber auf dem folgenden Bild sieht man es zumindest ein bisschen im Detail, auch wenn das goldene Glitzern fehlt.

Auf dem Bild mit Floß und Flussinseln kann man nicht nur die Lichtsäule, sondern auch am rechten Bildrand einen schwachen regenbogenfarbigen Streifen sehen. Das ist keine Reflexion im Objektiv, sondern diesen farbigen Streifen konnte man auch in Natura sehen.

Feiner Eisstaub reflektiert die Sonnenstrahlen und bildet eine Lichtsäule

Übers Meer, Eisfedern und Feuerfest

Heute morgen habe ich es ein bisschen ruhiger angehen lassen, denn die Woche war sehr voll. Um zehn bin ich aber doch zum Bootshafen „Tjuvkistan“ gefahren, nachdem der Nachbar mir eine Nachricht geschickt hat, dass das Meereis trägt. Ich bin dann mit Skier und Pulka zur Insel Bredskär gelaufen. Die Pulka müsste eigentlich nicht sein, aber ich ziehe Kamera, Proviant und Daunenjacke lieber hinter mir her, als dass ich sie auf dem Rücken trage.

Tierspur irgendwo auf dem MeerMeine Pulkaspur hinter der Insel Bredskär

Obwohl die Temperaturen von nachts -21 °C auf -11 °C angestiegen war, habe ich mich über die mitgenommene Daunenjacke sehr gefreut, denn ich kam an einigen Eisflächen vorbei und auf manchen hatte sich federartiger Raureif gebildet …

Ein „Eisfederwald“ auf dem Eis

… und die nächste halbe Stunde habe ich dann auf dem Eis gelegen und Eisfedern fotografiert.

EisfedernEisfedernGespiegeltGespiegelt

Gespiegelt

Ich bin dann um die Insel Bredskär herumgelaufen. Das war teilweise ein bisschen mühsam, weil kaum Schnee auf dem buckeligen Eis lag und sowohl meine Skier als auch die Pulka ihre eigenen Ideen hatten, wo es wohl langgehen sollte. Aber bald war ich wieder auf dem Meer und kurz darauf wieder zu Hause.

Um drei haben mich J. und T. von unserem Verein „Mörkrets och kylans glada vänner“ abgeholt, weil wir auf dem „Feuerfest“ in der alten Kirchenstadt Luleås Winterbaden vorzeigen sollten. Heute nacht habe ich geglaubt, dass das ein frostiges Vergnügen werden würde, da waren es nämlich in Luleå -29 °C. Doch heute um halb sechs, als J. über das Winterbaden erzählte und T. und ich in das kalte Wasser gestiegen sind, war es mit -10 °C geradezu lau.

Wir alle ziehen es vor, in einem gesägten Eisloch im See, im Fluß oder im Meer zu baden, als wie in Luleå in eine mit Eiswasser gefüllte Badetonne zu steigen, während das Publikum teilweise neugierig, teilweise kopfschüttelnd unserem Treiben zuschaut. Aber lustig war es trotzdem. Und wir haben sogar eine kleine Gage bekommen, die nicht nur die Reisekosten deckte (Luleå ist anderthalb Autostunden entfernt), sondern auch noch ein paar Kronen in die immer maue Vereinskasse spült.

Noch ist es leer auf dem EldfestAuch am offenen Feuer steht noch keiner

Doch zur „Feuershow“ sind viele Familien gekommen

Schneehasenjagd

Heute Nacht sind fünf Zentimeter Schnee gefallen. Wenig genug, um sich keinen Weg vom Haus zur Straße schaufeln zu müssen, aber viel genug, um alles rund und weich mit weißem Neuschnee zu überdecken und so nebenbei auch die vielen hundert Pissmarken der Hunde wieder zu verbergen.

Das wäre ein schöner Tag zum Skilaufen, denke ich und entscheide mich dagegen. Denn diese Woche war mit so vielen Aktivitäten angefüllt, dass ich es heute ruhig angehen lassen möchte. Aber kurz zum Fotografieren wollte ich doch raus. Ich bin mit dem Auto (dekadent) über den verschneiten Weg zum Strand gefahren und von dort aus über das Eis zur Insel Storgrundet gelaufen. Das war ein bisschen seltsam, denn das Licht war so diffus, dass das Auge keinen Halt auf der konturlosen Neuschneefläche fand und man nicht sehen konnte, ob der nächste Schritt auf- oder abwärts geht.

Die schmale Insel ist schnell durchquert und dann hatte ich freie Sicht auf die Ostsee. Ein bisschen kam die Sonne heraus, gerade genug, um das feine Wellenmuster der das Ostseeeis bedeckenden Schneedecke sichtbar zu machen.

Wellenmuster auf der Ostsee

An den dem offenen Meer ausgerichteten Ostufern der Inseln haben sich oft Eiswälle gebildet. Sie sind zwar keine fünf Meter hoch wie vor drei Jahren, aber dennoch immer wieder beeindruckend in ihrem Kontrast zwischen den harschen Figuren des Eises und den weichen Formen des Schnees.

Eiskante vor der Insel Brottören

Mein Plan war eigentlich, ein bisschen herumzuschauen, ein bisschen zu Fotografieren, alles ganz in Ruhe. Doch dann änderte ein flüchtender Schneehase meine Pläne: Gerade noch konnte ich das Tele hochreißen, welches aber leider gerade im Selbstauslösermodus war. So erwischte ich den Hasen nur weit weg und von hinten. Weg war er! Seine Spuren hingegen konnte man in dem Neuschnee ganz prima sehen. Einige Kilometer bin ich den Spuren gefolgt. Über die Insel Brottören, über das Meereis, zur Insel Storgrundet, durch den knietiefen Schnee, durch Gestrüpp, welches für kleine Hasen besser zu durchqueren war als für große Fotografen. Ich habe gelernt, dass Schneehasen in ihrer eigenen Spur zurücklaufen, um den Vorfolger (mich) zu verwirren und auch einmal einen zwei Meter langen Sprung dazwischensetzen. Immer weiter habe ich mich der Küste genähert und fast habe ich erwartet, dass der Hase neben meinem Auto sitzt und ruft „Wo bleibst Du denn so lange?“. Aber im Wald auf Storgrundet waren plötzlich mehrere Spuren zu sehen und das war das Zeichen für mich, dass heute nicht der Tag für ein Schneehasenportrait sein wird.

Also zeige ich hier nur das erste Foto: Schneehase, klein, von hinten. Ausschnittsvergrößerung.

Schneehase, klein, von hinten

Von Solberget nach Abisko

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Wege fest trampeln – der Schnee ist metertiefEin bisschen nervös war ich. Um halb zwei sollen Annika und Ralf am Flugplatz in Kiruna ankommen und ich bin in Solberget. Eigentlich kein Problem, so weit ist das nicht, aber in der Nacht hat es etwa 15 Zentimeter Neuschnee gegeben und Wind war auch und ich war sehr gespannt, wie die Straßen wohl sein würden. Zwei Helfer, die gerade auf Solberget sind, waren schon fleißig damit beschäftigt, Schnee zu schippen oder mit Schneeschuhen wieder Wege über den Tiefschnee zu trampeln.

Mit dem Saab bin ich mit ein bisschen hin und her überraschend gut aus dem Parkplatz wieder herausgekommen und ab da war alles einfach: Selbst die wenig befahrene Straße an Solberget vorbei war perfekt geräumt. Dennoch hatte ich schon nach einigen Kilometern einen ungeplanten Zwischenstopp: Rentiere an der Straße. Erst eins, dann zwei, dann eine ganze Herde. Das ist auch kein großes Wunder, dass sich mehr als hundert dieser Tiere dort aufhielten: Dort wurden nämlich die Pellets gelagert, die die Sámi benutzen, wenn sie zufüttern müssen. Während ich noch im Auto saß und von den Rentieren umringt wurde, sah ich die Scheinwerfer eines Schneeskooters im Rückspiegel. Zwei Sámi kamen zu der Stelle, um die Pellets von der Straße weg weiter im Wald zu lagern, damit die Rentiere von der Straße kommen.

Rentiere auf der Strasse„Oh, gibt’s hier Futter? Wir kommen.“Willst du was von mir?Leckere Pellets naschen. Drängeln erlaubt!

Da habe ich das Auto an die Seite gestellt und fotografiert. Die Rentiere waren zwar anfänglich ein bisschen misstrauisch, doch bald haben sie mich ignoriert und ich konnte in Ruhe schauen und fotografieren. Aber dann musste ich mich losreißen und weiter fahren.

Ziemlich zeitgleich mit dem Flugzeug aus Stockholm kam ich am Flugplatz an, denn das, was ich zu spät war, war das Flugzeug zu früh. Es ist toll, Annika und Ralf endlich mal „live“ kennen zu lernen, denn wir kennen uns bis jetzt nur über dieses Blog und Facebook.

Die Fahrt nach Abisko dauert nicht lang. Es sei denn, man hält wie wir an jeder zweiten Parkbucht an, um den Torneträsk – einer der größten schwedischen Seen und auch der zweittiefste – und das Fjäll zu fotografieren. Aber da zeige ich hier nur ein Foto, denn von der Straße habe ich keine tollen Bilder gemacht (da war heute schon was ganz anderes dabei …). Und weil daneben noch Platz ist noch ein kleines Polarlichtbild vom ersten Abend, aber ich hoffe, dass wir noch eine schönere Aurora zu sehen bekommen und diese Nacht sieht die Prognose eigentlich ganz gut aus.

Fjäll hinter dem TorneträskEin erstes Polarlicht

Auf dem Torneträsk II

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Am Montag hatten Annika und Ralf eine Hundeschlittentour gebucht. Am Vortag wurde ihnen freigestellt, zurückzutreten, da Regen und starker Wind erwartet wurden. Selbst in Abisko im nordschwedischen Fjäll hat jetzt also die Wärme zugeschlagen. Doch so schlecht sah es mit dem Wetter nicht aus und die beiden kamen zu ihrer Tour. Ich hatte weniger Glück bei meinem Versuch, mich spontan der Tour anzuschließen, es war kein Platz mehr frei. So kam ich dann nur zum Start mit, um die schönen und überraschend entspannten Huskys zu fotografieren.

Hunde in Aktion: Kauen und sich im Schnee wälzen ist toll!Wann geht’s endlich los!

Nach dem Start bin ich zu der Anhöhe „Stor Nabben“ weitergelaufen. Aufgrund der Wärme ging das auf den Skooterspuren auch ohne Ski oder Schneeschuhe problemlos. Bloß abseits der Spur brach ich manchmal in den verharschten Schnee ein. Vom Stor Nabben hat man einen schönen Ausblick auf Lapporten und auf den Torneträsk. Letzterer hat es mir angetan, denn wegen des warmen Wetters und einiger kleiner Regenschauer war er zwar dick zugefroren aber komplett schneefrei.

Zuhause habe ich Kamerazeugs und Schneeschuhe gepackt und bin auf das Eis des Torneträsk gegangen. Die Schneeschuhe sollten mir helfen, auf dem blanken, nassen Eis Fuß zu fassen. Doch kaum war ich auf dem Eis, zogen graue Wolken auf und es begann zu regnen. Doch kurz darauf klarte es wieder auf. So sollte das Wetter auch den restlichen Tag bleiben: Sonne, Wolken, Regenschauer und ziemlich steifer Wind, der meine Wasserflasche singen ließ, wenn ich sie öffnete. Einmal schwebte sogar mein Stativ auf dem nassen Eis davon …

Mein Weg führte über ein Kilometer Seeeis zur Insel Ábeskosuolu. Allein dieser erste Weg ist spannend: Das Eis ist von vielen Sprüngen durchzogen: Manche sind nur ein paar Zentimeter dick und stammen wohl aus der Zeit, als das Eis noch nicht dick war, doch viele sind halbmeterdick und zeigen, wie solide das blanke Eis auf dem Torneträsk ist. Der See ist so klar, dass man auch den steinigen Boden noch sieht, wenn er zehn Meter tief ist, aber die Seetiefen wollte ich ehrlich gesagt gar nicht so genau wissen, auch wenn das Eis superdick war. Immerhin ist der Torneträsk ja der zweittiefste See Schwedens.

Über das Seeeis des Torneträsk

Über das Seeeis des Torneträsk

Doch nicht nur Sprünge durchzogen das Eis. Es gab bunt schillernde filigrane Grenzflächen, große Gruppen von kleinen eingeschlossenen Luftblasen und ganze Wälder von vertikalen Miniaturluftsäulen. Dazwischen immer wieder Sprünge und Risse. Eine eigene Welt nur aus Luft und Eis.

Bald war ich auf der Insel Ábeskosuolu, die ich aber zügig überquerte – hier spielten die Schneeschuhe ihre Stärken aus – um zu der Eiskante zu gelangen, die uns gestern als Photospot empfohlen wurde.

Und der Weg hat sich gelohnt. Trotz des windigen Wetters mit seinen Regenschauern habe ich einige Stunden an dieser Kante zugebracht, an der sich die Eisschollen bis zu zwei Meter hoch aufbäumten. Was war ich nervös, denn so laut und deutlich habe ich das Eis noch nie arbeiten höhen: Dumpfes Pochen, sonores Rumpeln und lautes Knacken waren ständig zu hören und oft auch als Vibration zu spüren. Doch das Eis unter mit war eher noch dicker und ich fühlte mich trotz der Nervosität sicher. Und jede Menge schöner Motive taten sich auf:

Auf dem Weg zur BruchkanteAn der BruchkanteTürkises SeeeisEine Eisspalte?

Manches Mal stand ich zwar auf festem türkis schimmernden Eis, doch in zwanzig Zentimeter Wasser. Gerne hätte ich die Abbruchkante überquert, doch als ich mit dem Stativ die Wassertiefe an der Rinne maß und erst nach einem halben Meter auf Wiederstand traf, habe ich mich dankend zurückgezogen, denn ich konnte ja nicht einmal sicher sein, ob die Eiskante nicht teilweise offen war. An einer stabilen Stelle habe ich noch ein Photo von dem herrlichen Panorama gemacht – rechts ist Lapporten im Bild – und habe mich dann ein wenig widerwillig wieder auf den Rückweg gemacht.

Bergpanorama am Torneträsk – rechts im Bild: Lapporten

Pause auf ÁbeskosuoluDieses Mal habe ich einen Teil der Insel Ábeskosuolu durchquert und auf der höchsten Erhebung eine kleine Pause gemacht. Aber dort war es dermaßen stürmisch, dass ich schnell mit den Schneeschuhen in die tiefer gelegenen lockeren Birkenwäldchen abgestiegen bin. Dort habe ich manches Schneehuhn aufgeschreckt. Doch trotz Kamera im Anschlag gelang es mir nicht, mehr als nur einen unscharfen weißen Fleck mit Flügeln auf den Sensor zu bekommen. Weiter ging es über das Eis wieder ans Land, wo ich eigentlich nur geradeaus zu meiner Pension laufen wollte, doch eine mich neugierig anstarrende Elchkuh – noch weit entfernt – hat mich davon abgehalten. Ich habe mich langsam an sie herangepirscht – ein aussichtsloses Unterfangen mit knirschenden Schneeschuhen und knallroter Jacke – bis ich die Jagd aufgegeben habe. Nicht nur, weil ich wusste, dass mich die Elchkuh nie näher heranlassen würde, sondern auch, weil ich sie nicht auf die Hauptstraße treiben wollte. Die beiden Fotos, die ich hier zeige sind Ausschnittvergrößerungen und entsprechen etwa 500mm Brennweite.

Elchkuh vor AbiskoElchkuh vor Abisko

Schneeschuh · Narvik · Schneeschuh · Lift

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.


Dienstag: Schneeschuh

Mit Schneeschuhen sind Annika, Ralf und ich losgelaufen. Es ziehen sich genug Skooterwege durch die lockeren Birkenwälder, um bequem auf den Hügel „Stor Nabben“ zu steigen, von dem man eine schöne Aussicht hat.

Blick auf Abisko ÖstraBlick auf Lapporten

Wir wandern weiter in Richtung Lapporten und nehmen dabei zwei weitere Hügel mit. Um wirklich zum Lapporten zu gehen ist es allerdings zu weit und so folgen wir einer Skooterspur, die uns zurückführen soll, aber im Nichts endet. Da der Schnee harschig ist und unsere kurzen Schneeschuhe kaum trägt, hinterlassen wir tiefe Spuren und sind nicht böse, als wir auf einer kahlgeblasenen Fläche wieder auf eine breite Skooterspur treffen. Die führt uns zurück und trägt so gut, dass wir auch ohne Schneeschuhe laufen könnten, aber da der Schnee durch den Regen des Vortags recht glatt ist – er sieht aus wie aus Kunststoff gegossen – lassen wir die sie bis zum Schluss an.

Wenig Schnee auf den freien FlächenHarschiger Schnee

Auf dem Weg von Annikas und Ralfs Hostel zu meiner Bleibe schnalle ich die Schneeschuhe aber ab, denn auf der Straße – das sieht doch albern aus! Ssst-bumm, schon sitze ich auf dem Hintern. Es ist doch glatter als erwartet.

Mittwoch: Ausflug nach Narvik

Am Mittwoch nehmen wir mein Auto und fahren in Richtung Westen. Eigentlich könnte man an jedem Parkplatz stehen bleiben, es ist überall so schön. Doch zum einen versperren einem Bäume und Strauchwerk oft die freie Sicht, zum anderen wollen wir zumindest die schwedisch-norwegische Grenze überqueren. Und von der ist es nicht mehr weit nach Narvik. Und dort ist Frühling. Es wirkt zumindest so, denn der Fjord ist frei und der Boden ist wegen des warmen Golfstroms an vielen Stellen schneefrei. Wir suchen einen Parkplatz in der Stadt und stehen wenig später auf der Aussichtsterrasse des Rica Hotels. Narvik hat seinen eigenen Charme: Die Innenstadt mit ihrer Durchgangsstraße wirkt auf mich immer trist und wenig einladend. Das Stadtbild mit seinen schönen und weniger schönen Häusern, dem Herjangsfjorden und den schneebedeckten Gipfeln sieht aber wieder sehr schön aus.

Strand am RombakenBlick über Narvik, Fjord und Fjell

Auf der Fahrt zum kleinen Bootshafen wird meine mäßige Autofahrerkunst noch auf eine harte Probe gestellt. Auf einer steilen Straße, kurz vor dem höchsten Punkt, komme ich nicht mehr weiter: Die Straße ist so glatt, dass trotz der Spikes die Räder durchdrehen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als die Straße wieder rückwärts zurückzurollen. Wenden kann ich nirgends, ich fahre weiter rückwärts und sehe bald im Rückspiegel, dass die Straße hinter uns wieder ansteigt. Da hoch? Ich? Rückwärts? Auf Eisstraße? Dann lieber einen zweiten Versuch vorwärts. Dieses Mal nehme ich mehr Schwung und versuche dort zu fahren, wo auf der Straße ein bisschen Split liegt und dieses Mal komme ich auch über den Berg. Wenn ich in Narvik leben würde, hätte ich vermutlich ziemlich schnell ein Auto mit Allradantrieb.

Auf dem Rückweg bleiben wir auch immer wieder stehen. Offenes Wasser und Frühlings­stimmungen haben wir längst hinter uns gelassen, jetzt bestimmen wieder Schnee und Eis die Szenerien der schönen Berglandschaft.

Winterlandschaft

Der See ist mit bläulichem Eis bedecktSturm und Gegenlicht

Donnerstag: Schneeschuh

Am Donnerstag waren wir wieder auf Schneeschuhen unterwegs, dieses Mal die ersten Kilometer Kungsleden, vorbei an der Schlucht des Ábeskoeatnu. Dort haben wir uns trotz der Fußspuren nicht aufs Eis getraut, denn man konnte den Fluss gut hören und in fließende Gewässer einzubrechen ist alles andere als lustig. Nach einigen Kilometern haben wir den Fluss an einer breiteren Stelle überquert, sind ein Stück nach Westen den Hang hochgelaufen und dann neben einer alten, vereisten Loipenspur wieder in Richtung Abisko abgestiegen. Ich wäre auch gerne Ski gelaufen, war aber ziemlich froh über die gutmütigeren Schneeschuhe, denn die Loipe hatte einige steile Abfahrten und war – wie vermutlich ganz Nordschweden zur Zeit – vereist. Die beiden asiatischen Frauen, die das erste Mal auf Skiern standen, haben mir leid getan, Dieses Gelände bei diesen Bedingungen ist alles andere als anfängergeeignet.

Die Schlucht bei AbiskoAuf dem Ábeskoeatnu

Freitag: Mit dem Sessellift zur Gipfelstation

Am Freitag war mein Abreisetag, aber wir haben es geschafft, mit dem Sessellift auf die Gipfelstation des Šloahtta zu fahren. Da an diesem Wochenende (erst) Saisoneröffnung war, durfte man den Lift kostenlos benutzen und – für uns noch wichtiger – auch wieder herunterfahren, denn alpine Skifahrer sind wir nicht und bis auf eine rote Piste sind alle anderen Pisten schwarz.

Der Lift war sehr langsam, denn er wird für jeden, der zu- oder absteigt, gebremst und ich war trotz der milden Temperaturen über meine Daunenjacke sehr froh. Von oben hatten wir einen herrlichen Blick auf Lapporten, Abisko, den Torneträsk und das norwegische Fjell dahinter – ein schöner Abschluss unserer gemeinsamen Woche in Abisko. Viel Zeit hatten wir leider nicht, denn ich wollte noch im Hellen zurück nach Solberget fahren, wo ich wieder übernachten wollte. Von dort bin ich am Samstag wieder nach Hause gefahren.

Panorama über Abisko – rechts im Bild: Lapporten

Blick von einem Plateau unterhalb des ŠloahttaMit dem Sessellift talwärts

Und das Polarlicht?

Spur vom nächtlichen Himmel anschauenDas hat sich ein bisschen rar gemacht. Die ersten Tage gab es ein paar grüne Bögen, nicht sehr spektakulär. Für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gab es Vorhersage Stufe 5, das ist schon ziemlich viel. Der Himmel war klar, aber Polarlicht gab es die ganze Nacht nicht. Die nächste Nacht gab es sehr schöne und starke Polarlichter (bis Stufe 6!), die bis nach Norddeutschland zu sehen waren, aber leider nicht bei uns in Abisko, denn dort war der ganze Himmel wolkenverhangen und klarte erst am Morgen wieder auf. Das Photo hier ist meine Auroraerinnerung: Einige Male bin ich Nachts im Schlafanzug vor das Haus getreten, um nach Polarlichtern zu schauen und noch zwei Tage später konnte man die Fußabdrücke auf dem reifbedeckten Holz gut erkennen.

Ralf und Annika sind einen Tag länger geblieben und haben wohl Polarlichter gesehen und fotografiert. Da mir die beiden einen Gastartikel versprochen haben, werdet Ihr, liebe Blogleser, hier vermutlich doch noch ein paar Auroren über Abisko zu sehen bekommen.

Abschied vom Winter – die erste Kajakfahrt

Sollte es wirklich so sein? Dass ich frei habe und schönes Wetter ist und kein Sturm? Dann steht der ersten Runde mit dem Kajak ja nichts mehr im Wege, denn das Meer ist schon seit Ende Februar offen.

Es gibt einige Plätze, wo ich das Kajak einsetzen kann: Storgrundet (noch eisbedeckt), gleich um die Ecke (nur schön, wenn auch die Bucht Kurjoviken und der Fluss schon frei sind) oder bei der Lotsenstation, die etwas weiter weg ist. Ich habe mich für letzteres, die Lotsenstation entschieden. Mit dem Hüftgurt, mit dem ich sonst die Pulka ziehe, konnte ich mein Kajak bequem die zweieinhalb Kilometer zum Einsetzpunkt ziehen und dabei die Arme baumeln lassen.

Wenig später lag das Boot auf einer Eisscholle am Steinufer und eine Minute später war ich im Wasser. Mein Ziel war die Eiskante, denn ein geschützter Teil der Ostsee zwischen Festland und Inseln ist noch komplett eisbedeckt. Die Fahrt ging überraschend leicht und das kenne ich ja schon von Fahrradtouren: Geht es leichter als erwartet, dann hat man Rückenwind und muss das alles gegen den Wind wieder zurück.

Die erste Kajaktour 2014An der Eiskante

Ich bin dann in eine schmale Lücke im Eis hineingefahren und habe fest damit gerechnet, rückwärts wieder hinauszumüssen. Das Kajak hat stattdessen aber den Riss im Eis erweitert und eine große Eisscholle abgespalten und so konnte ich, vom Wind unterstützt, weiter geradeaus paddeln.

Geht’s da weiter? Ja!

Dicht am EisEine Eisscholle löst sich und treibt seewärts

Wieder bin ich in eine Lücke hineingefahren, aber dort ging es nicht weiter und ich musste rückwärts wieder hinaus.

Geht’s da weiter? Nö!

Bald war ich recht nah den Inseln Bredskär und Klubben. Ich wäre gerne um sie herumgepaddelt, um an der anderen Seite des eisbedeckten Teiles anzulanden, aber der ablandige Wind war doch ziemlich frisch und so bin ich an der Eiskante vor den Inseln umgekehrt. Und die Schokolade, die ich auf einer der Inseln essen wollte, kann man ja auch zu Hause naschen.

Eis vor BredskärEisschollen

Wendepunkt

Das paddeln gegen den Wind ging einfacher als erwartet und bald war ich wieder am Steinufer der Halbinsel Näsgrundet bei der Lotsenstation. Ich schaute einmal noch auf das Eis draußen und habe mich deutlich vom Winter verabschiedet. Jetzt soll der Frühling kommen! Dann bin ich mit dem Kajak im Schlepptau nach Hause gelaufen.

FrühlingsboteEs war überraschend warm und am Straßenrand habe ich kleine Kätzchen als Frühlingsboten gefunden. Es ist schon lustig, wie die Leute schauen, wenn man ein Fünfmeter-Kajak hinter sich herzieht. Auch meine Nachbarn kamen mir mit den Hunden entgegen und sagten, heute sei der wärmste Tag: Jetzt schon 10 °C. Na, das passt ja zum Frühling. Und morgen, nach der Zeitumstellung geht die Sonne erst kurz vor halb acht unter. Herrlich!

Huflattichblüte

Heute hatte ich Geburtstag. Deswegen habe ich zu Hause gearbeitet und dann, weil die Arbeit es erlaubte, einen halben Tag Urlaub genommen. Schön, wenn so etwas wie bei uns auf der Arbeit ohne Absprache geht. Und weil das Wetter recht schön war, bin ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgegangen: Ziellos draußen in der Natur herumlaufen. Die Straße entlang, die kleine Abkürzung und den Weg in den Wald hinein. Nach einer kleinen Weile kommt dann links immer eine kleine Felslandschaft. Da das ein Südhang ist, ist der meiste Schnee schon längst weggetaut.

In den schattigen Vertiefungen hält sich noch ein bisschen Altschnee

Auf den Felsen umher, dann nach rechts den Hang herunter über den trockenen Graben auf die Straße. Da leuchtet es gelb! Hurra, der Huflattich (schwedisch Tussilago) blüht! Die erste Frühlingsblume hier in Skelleftehamn, drei Wochen früher als normal (2011, 2012, 2013).

Das erste Tussilago 2014

Über die Straße auf die nasse und lehmige Brachfläche an der Bucht. Und dort blüht noch eine Blüte. Lange knie ich mit der Kamera und dem Makroobjektiv, ehe mir ein Bild gefällt.

Tussilago

Weiter über die matschigen Brachflächen und dann die kleine Straße bis zur Kurve und dann geradeaus. Und dort ist noch mehr Huflattich.

TussilagoknospeTussilago im Profil

Tussilago-GruppenbildUnd noch mehr … . Nach einigen „Huflattichportraits“ und „-gruppenbildern“ verlasse ich die schlammigen Flächen und betrete wieder den Wald. Dort scheint es kühler, denn dort liegt teilweise noch Eis und Schnee. Ich war länger unterwegs als beabsichtigt und so mache ich die letzten Fotos in der Abenddämmerung gegen viertel vor acht.

Altschneefeld auf einer LichtungEis und LehmSpiegelung in einer großen EispfützeAbenddämmerung

Ein Samstag im frühlingshaften Stockholm

4:50 klingelte der Wecker am Freitag. Nicht der beste Anfang für einen Tag, aber ich musste den 6:30-Flieger nach Stockholm erwischen, wo ich zwei lange Meetings hatte.

Die sind auch gut gelaufen, dennoch hatte ich am Freitag Abend schon die Schnauze von Stadt ein bisschen voll. Ich war ohnehin platt und müde; nach einer nervigen mittäglichen Toilettensuche in Stockholms Zentrum, die einer kleinen Odyssee glich und eigentlich fast einen eigenen Artikel wert ist, war es am Abend der Verkehrslärm und das Gegröle der schon früh betrunkenen Jungmännerhorden, die mich genervt haben. Dass ich dann kurz nach dem Einschlafen von dem Geknalle einiger Explosionen aus dem Schlaf gerissen wurde, machte die Sache nicht besser. Ich nehme an, dass es nur einige von Silvester übrig gebliebene Kanonenschläge waren, deren Explosion durch die Straßen Stockholms hallte, denn am nächsten Tag stand die Stadt noch.

Und wartete mit wunderschönem Frühlingswetter auf. Es war zwar am Morgen noch leicht frostig, aber was macht das schon, wenn sich ein wolkenlos blauer Himmel über Stockholm ausbreitet. Und so war ich fast den ganzen Tag in Stockholm zu Fuss unterwegs und meine Füße sind heute immer noch etwas beleidigt, denn ich habe sie gestern bestimmt 25 Kilometer über die Inseln Norrmalm, Kungsholmen, Långholmen, Södermalm, Stadsholmen und Helgeandsholmen geschickt.

Mein erster Weg führte am Nordufer der Insel Kungsholmen westwärts nach Solna, denn dort gibt es ein Kajakgeschäft. Es ist einfach toll, dass man in Stockholm überall am Wasser entlanglaufen kann und viele Stockholmer nutzen die zahlreichen Uferwege für ihre morgendlichen Joggingrunden. Überall blühen Krokusse, Zilla und kleine Osterglocken; der Frühling ist hier natürlich dem Norden um Wochen voraus.

Ein klarer Aprilmorgen in Stockholm

Das „Bonnierhuset“Karlbergs schlossFundplatz für HandschuheKopflos?

Toll, mal in einem richtigen Kajakgeschäft zu sein, so etwas ist in einer Stadt wie in Skellefteå undenkbar. Ich wollte gerne einen Trockenanzug kaufen, aber der eine war nicht in meiner Größe da und der andere taugte meiner Meinung nach nichts. Da die meisten anderen Kajakgeschäfte hauptsächlich vom Verleih leben und daher nur die Sommermonate geöffnet haben, muss ich den Kauf wohl auf später verschieben.

Badeplatz am UlvsundasjönKajakgeschäft in Solna

Ich bin dann wieder ostwärts ins Zentrum gelaufen und habe vor allem Buch-, Foto- und Outdoorläden gesucht. Das große Shopping-Ereignis hat sich dann aber auf ein paar DVDs und zwei heruntergesetzte Bücher über Fotografie beschränkt.

In Stockholm gibt es viele, viele TreppenSelbstportrait

KungsholmstorgNach einer kurzen Pause im Hotel bin ich noch einmal losgelaufen. Dieses Mal am Südstrand von Kungsholmen, den „Norr Mälarstand“ in Richtung Westen zur „Västerbron“-Brücke. Auf dem Weg bin ich auch die Straße namens Kungsholmstorg gelaufen. Solche Straßen gibt es einige in Stockholm und sie sind, finde ich, ein Traum für Fußgänger, die auf breiten von Bäumen umrahmten Kieswegen in der Mitte laufen dürfen, während die Autos ihre Spuren links und rechts haben.

Blick von der VästerbronÜberall blühen Zilla und Krokusse

Von der hohen Västerbron hat man einen herrlichen Ausblick über den „Riddarfjärden“ und die Stadt. Leider hatte es sich inzwischen eingetrübt und das Licht war nicht mehr so schön wie am Vormittag. Eine seitliche Treppe hat mich von der Brücke auf die grüne und hügelige Insel Södermalm geführt, wo am Rand die Krokusse blühten. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich gemerkt habe, dass ich nicht einfach geradeaus am Ufer zurücklaufen kann, sondern auf der Insel Långholmen bin. Eine kleine Brücke führte mich dann weiter zur Insel Södermalm. Menschen, die Ausblicke und Treppen mögen, sind hier gut aufgehoben. Man kann oben auf kleinen Wegen die Hügel entlang spazieren oder auch unten direkt am Ufer die großen und kleinen Schiffe bewundern, die teilweise als Wohnung oder Hotel benutzt werden.

Häuser auf SödermalmHäuser auf SödermalmBlick auf Södermalms HausfassadenBlick vom südlichen auf den nördlichen Mälarstrand

Blick von Södermalm über Stockholm

Inzwischen fing es an, dämmrig zu werden und so bin ich ein bisschen zielstrebiger wieder in Richtung Hotel gelaufen, denn dort in der Nähe gab es einen Inder und ich hatte doch erst zweimal am Wochenende indisch gegessen … . (Es gibt keinen Inder in Skellefteå – ein großes Manko!). Der Weg führte mich über die Insel Stadsholmen, auf der die alte Stadt „Gamla Stan“ liegt und die kleine Insel Helgeandsholmen, die den Reichstag beherbergt am zentralen Sergelstorg vorbei zum Inder und dann wieder ins Hotel, wo ich auch diese Nacht wieder Motorrad-Burnouts, schlechtem Techno und Jungmännerhordengegröhle lauschen durfte.

Blick zurück auf SödermalmEine Gasse in der „Gamla Stan“Auf HelgeandsholmenSergels Torg

Heute morgen ist schönstes Abreisewetter: Grauer Sprühregen. Das macht den Abschied leicht, aber so oder so sehne ich mich ein bisschen nach meinen eigenen vier Wänden im beschaulich-ruhigen Skelleftehamn. Aber dennoch freue ich mich schon auf den nächsten Stockholmbesuch. Hoffentlich in diesem Jahr.

Punktlandung: Der Artikel ist fertig und ich habe noch fünfzehn Minuten bis zum Check-In. Das reicht, um das Laptop zuzuklappen, noch etwas zu trinken zu kaufen und zum Gate 43 zu schlendern.

Katzenkontemplation

Terrassenkatze

Heute auf meiner Terrasse: Starrt die Katze auf die Schneereste in meinem Garten? Oder geniesst sie einfach nur die wärmende Aprilsonne? Sie verriet es mir nicht und trottete bald davon.

Fotospaziergang

Ein freies Wochenende. Und recht schönes Wetter. Zum Kajak zu faul. Also den Fotorucksack auf und einfach loslaufen. Und versuchen, andere Fotos zu machen, denn …

Gestern habe ich von der Insel Gåsören Fotos gemacht. Im Abendlicht. Mit weichen Wellen und rosa Wölkchen. Zu Hause habe ich mir die Fotos angeschaut und mich gefragt, was das soll. Denn dieses Motiv habe ich schon so oft fotografiert – morgens, mittags, abends, im Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Zum Beispiel hier, hier, hier oder hier. Und ich war unzufrieden mit meiner Fotografiererei.

… also bin ich heute in den Wald gegangen, um mich ein bisschen herauszufordern. Denn ich finde es extrem schwierig, Fotos im Wald zu machen. Da ich aber vor dem Spaziergang beschlossen habe, vier Fotos zu zeigen, mache ich das auch. Bitteschön:

SchneekieferFrühlingsinselBirkenwandWegmarkierung

Ja, höre ich Euch rufen, nette Fotos, aber: Wo ist der Wald!? Ihr habt recht, ich habe zwar Motive im Wald fotografiert, aber nicht den Wald an sich. Wald motiviert mich einfach weniger zum Bilder machen. Warum das so ist, frage ich mich schon seit langem. Als ich heute hinter dem erhöht stehenden neuen Wasserturm über einige Felsen lief und Ausblick hatte, kam die Erleuchtung: Ich mag es, weit zu schauen! Über das Meer, die Hochebenen des Kahlfjälls, große Seen oder auch über eine hügelige Waldlandschaft. Dichter Wald ist einfach – rein optisch betrachtet – nicht so mein Ding. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, durch den Wald zu Laufen, den Klang des ersten Frühlingsregenschauers, den federnden Sommerboden, den Duft der Pilze im Herbst, aber wenn es ums Schauen geht, dann liebe ich den freien Blick.

Zwei Fotos vom Wald zeige ich doch noch. Das besondere am nächsten Bildpaar ist, dass sie vom gleichen Ort gemacht wurden, ich habe das Spätwinterbild gemacht, mich auf der Stelle umgedreht und dann das Frühlingsbild gemacht.

SpätwinterwegFrühlingsweg

So sieht es momentan auf in Skelleftehamns Wäldern: An manchen Stellen komplett schneebedeckt, an anderen Stellen barer Waldboden. Zwischen den Jahreszeiten.

Ich bin von meinen Aussichtsfelsen hinter dem Wasserturm abgestiegen und unter der Straße 372 nach Skellefteå durch zum Fluss Skellefteälven weitergelaufen. Dort fand ich es sofort leichter, Motive zu finden, zum Beispiel diese Holzgerippe, die ich von der anderen Seite vom Kajak aus schon gesehen habe aber keine Ahnung habe, was dies wohl ist. Ich tippe mal auf eine alten Bootsanleger, vielleicht für ein Sägewerk oder ähnliches.

Holz-Dingbums am FlussHolz-Dingbums am Fluss

Zum Schluss noch ein paar Fotos von heute, man könnte sagen „Aus jedem Dorf ein Hund“, denn jedes Bild steht ein bisschen für sich selbst und mit keinem anderen im Zusammenhang.

Gewusel auf allen AmeisenhaufenHolzbank am WasserturmMinihütte auf Miniinsel im FlussHej :-) – ein freundliches Graffito

Ich werde weiterhin So-sieht-es-gerade-in-Nordschweden-aus-Fotos machen. Aber nicht nur. Ich werde mir einige Themen stellen und dazu Bildserien machen. Ob ich die dann hier oder auf einer eigenen Webseite zeige, das weiß ich noch nicht.

Osterbesuch

Kann man bei drei Jahren schon von Tradition sprechen? Wenn ja, dann ist es bei mir Tradition, die Ostertage zu Hause zu sein und hauptsächlich nichts zu tun. Und dann habe ich diese Tradition dieses Jahr gebrochen, als ich Elisabet in Umeå besucht habe.

Auf der Hinfahrt habe ich mir Zeit gelassen und bin mit dem Auto ab Sikeå die kleinen Wege gefahren. Gleich bei „Hemmesmarken“ habe ich angehalten, weil ich über das schöne Schild „Gammellandsvägen“ – sozusagen „Der alte Landsweg“ – gestolpert bin. Von dort aus konnte man schnell auf die bewaldeten Granitfelsen klettern. Dort hätte ich noch lange umherlaufen können, aber ich wollte ja nach Umeå.

Der „Gammellandsvägen“Fels und Wald

Wasserlache auf dem Granitfels

Über kleine Waldwege bin ich weitergefahren. Einige waren so weich vom Tauwetter, dass sich tiefe Spurrillen gebildet haben, denen mein Auto mehr als meinen mehr oder minder kunstvollen Lenkmanövern gehorcht hat. Aber trotz meiner Befürchtungen mich festzufahren ging es doch immer weiter. Den kleinen vereisten Schneerest auf dem nächsten Bild habe ich an der kleinen Bucht von Storsand nördlich von Ratan gefunden.

Schneerest am Meer

Ich hatte fast damit gerechnet: inzwischen habe ich so viel Zeit vertrödelt, dass ich spät dran war. Deshalb bin ich ohne weitere Zwischenstopps weiter nach Umeå gefahren, wo Elisabet und ich dann einen langen Spaziergang um den schönen See Nydalasjön gemacht haben.


Am nächsten Tag sind wir zusammen mit J. in das Naturreservat „Strömbäck-Kont“ gefahren, welches nicht nur alte Wälder, klare Seen, blanke Felsbuckel mit Meerblick und kleine Sandbuchten bietet, sondern auch viele Wanderwege, einen kleinen Bootshafen, der noch im Winterschlaf war und Grillplätze. Nach einer größeren Zickzackrunde sind wir wieder an der ersten Grillstelle angekommen, wo wir das große Glück hatten, von einer aufbrechenden Familie eine Feuerstelle übernehmen zu können. Während Elisabet schon einmal neues Feuer machte, sind J. und ich zum nahen Parkplatz gelaufen, um den Proviant zu holen. Das Menu: Dreierlei Wurst, Stockbrot – (schwedisch: pinnbröd)und geschmorte Schokobanane. Und selbst wenn pinnbröd rein kulinarisch nicht der größte Genuss sein mag, so macht es doch schon großen Spaß, seinen Holzspieß in ein Stück Wurst zu rammen oder mit Teig zu umhüllen und dann über das Feuer zu halten. Und danach hatte ich auch ein bisschen Zeit, auf den glattgeschliffenen Felsen herumzulaufen oder den großen sich brechenden Wellen am Felsstrand zuzuschauen.

Wurst schmort über offenem FeuerNeues Feuer für die Schokobananen„Upside down“ – SpiegelungBrandung an den Klippen vor Kont

Heute am Ostersonntag habe ich mich auf den Rückweg gemacht. Während es in Umeå noch bewölkt war, konnte man im Norden schon blauen Himmel ahnen und bald kam auch die Sonne heraus. Am See Högfjärden habe ich noch ein letztes Foto geschossen, ehe ich mich nach Hause gefahren bin um dort das zu tun, was ich auch die letzten drei zu Ostern hauptsächlich gemacht habe:

Nichts.

Letzte Eisreste auf dem See Högfjärden

Maischnee

Gestern habe ich Valborg in Bygdeträsk gefeiert, heute gegen elf sitze ich im Auto und fahre wieder nach Hause. Allerdings nicht direkt. Erster Mai, ein freier Tag! Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, ein paar Plusgrade hat es wieder nach frostiger Nacht, vielleicht gibt es noch irgendwo etwas zu sehen.

Das gibt es. Zum Beispiel eine ansteigende Straße, noch nass, in der sich grell die Sonne spiegelt.

Blauer Himmel und Sonnenspiegelung

Doch das Wetter ändert sich. Dunkle Wolken ziehen auf, aus denen es graupelt und schneit, an manchen Stellen überraschend heftig. Ich fahre viele kleine Straßen, viele sind nur sogenannte „Grusvägar“ – Kieswege. Doch die Nadel der Tankanzeige steht schon auf R, also fahre ich nach Lövanger, welches an der E4 liegt und damit eine auch am Feiertag geöffnete Tankstelle hat. Auch hier schneit es und so mancher Passant läuft ziemlich winterlich gekleidet vorbei. Vollgetankt fahre ich weiter und nun nehmen die Schneeschauer zu und werden stärker.

Winterlich gekleidet am 1. MaiEiner der stärkeren Schneeschauer

Und so fotografiere ich noch einmal eine Straße: Dieses mal nicht mit Sonne und blauem Himmel, sondern mit dichtem Schneefall.

Starker Schneeschauer

Die Schneeschauer werden dichter und es kühlt sich ab. Irgendwann zeigt das Autothermometer nur noch 1 °C an und der Schnee beginnt, liegen zu bleiben. Und als ich irgendwo kurz vor Uttersjöbäcken aus dem Wald komme, liegt genug Schnee auf dem Acker, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass heute der erste Mai ist.

Nur noch 1 °CVerschneiter Acker

Es war kein Zufall, dass ich nach Uttersjöbäcken gefahren bin, denn dort ist das schöne Naturreservat „Bjuröklubb“, eine große Landzunge, die in der Ostsee ragt, gleich um die Ecke. Dort wollte ich jetzt den Leuchtturm im Schneeschauer fotografieren. Aber nochmals hat sich das Wetter geändert und plötzlich war es wieder sonnig. Genau das richtige Wetter, um über die Felsen zum 50 Meter tiefer liegenden Felsstrand hinabzusteigen. Ich war ganz froh, in meiner Münchner Zeit so manche Bergtour gemacht zu haben, sonst hätte ich mich an manchen Stellen nicht entlang getraut.

Bjuröklubb Fyr, der alte LeuchtturmGranitfelsen im GegenlichtHoher FelsquaderManche Felsen sind ziemlich hoch

Als ich unten angekommen war, schaute ich über das klare Meer, welches den leuchtend blauen Himmel widerspiegelte. Kleine Wellen plätscherten an die Felsen, sonst war es still und ruhig. Was für ein Kontrast zu der winterlich anmutenden Autofahrt hierher.

Felsküste bei Bjuröklubb

So, Winter, Du hast Dein Gastspiel gehabt, jetzt darf es gerne auch wieder Frühling werden.

Die Route: Bygdeträsk – Andersvattnet – Söderby – Korssjön – Flarken – Gammbyn – Kålåboda – Brände – Vebomark – Lövanger (Volltanken) – Fjälbyn – Uttersjöbäcken – Bjuröklubb – Uttersjöbäcken – Risböle – Burvik – Bureå – Örviken – Skelleftehamn

Zurückdatiert vom 02. Mai 2014 00:32 auf den 01. Mai 2014 23:59

Eigentlich ist ja Frühling …

… doch dann schaue ich um halb vier – es ist schon recht hell – aus dem Fenster und sehe das:

Schnee am Morgen

Es hat also wieder geschneit! Am 4. Mai! Ich will keinen Schnee mehr, so etwas will ich sehen:

Es grünt so grün

Ich muss aber noch ein bisschen warten, bevor ich dieses zweite Foto machen kann. Zum einen stehe ich nicht freiwillig um halb vier Uhr nachts auf, zum anderen war das Vormittagswetter nicht viel besser: Nur knapp über null Grad, grau und ein bisschen Schnee und Graupel. Aber am Nachmittag klarte es auf und ich habe einen Spaziergang am Norrfjärden bei Bureå gemacht.

Spaziergang ist allerdings relativ, denn alle Wege sind nur dafür gemacht, damit die Schweden bequem zu ihren Stugas – den Sommerhäusern kommen. Und deswegen besteht das Wegenetz an See und Meer nur aus einem großen Bündel Stichwegen und Sackgassen irgendwo im Wald. Am Ufer selbst gibt es fast keine Wege. Also bin ich querfeldein gelaufen. Entweder über die großen runden Steine am Ufer oder mitten durch den Wald, durch flaches Wasser, über matschige Wiesen oder auch über die letzten dicken Eisflächen im Schatten des Waldes. Wohl zwanzig Mal setze ich die Mütze in der Sonne ab und ebenso oft im Schatten des Waldes wieder auf.

Am NorrfjärdenDer Oxviken

Insel im Norrfjärden

Doch das Eis am Ufer ist nur noch Dekoration. Die Natur auf Frühling eingestellt: Vögel singen, Spechte klopfen, zwei Schneehasen im Fellwechsel springen vorbei, die ersten Blätterknospen an manchen Bäumen gehen auf und zeigen das erste Grün (siehe Bild oben) und in einer Wasserlache entdecke ich den ersten Froschlaich.

Dort entdecke ich aber auch etwas anderes: Mückenlarven und zwar jede Menge davon. Bald werden sie sich verpuppen, schlüpfen und dann wird jede Aktivität außer Haus wieder von vielstimmigem Mückengesumm begleitet sein. Ich hoffe, dass aus den Froscheiern – links unten im Bild – erst kleine Kaulquappen und dann kleine Frösche werden. Denn kleine Frösche haben die Mücken bestimmt zum Fressen gerne. Guten Appetit, Ihr Vögel und Frösche – bedient Euch. Wohl bekomm’s!

Mückenlarven

Vor drei Tagen habe ich übrigens eine Kreuzotter gesehen, die erste überhaupt in Nordschweden. Sie lag zusammengeringelt da und schien recht zufrieden, bis ich kam, das Teleobjektiv auspackte und sie fotografieren wollte. Da hat sie sich schnell hinweg geschlängelt und in ein Loch verkrochen. Auch die Schneehasen heute hätten sich ruhig ein bisschen Zeit lassen können. Schade, dass die meisten Tiere immer so scheu sind. Nur die Mücken sind zutraulicher als man sie sich wünscht.

Rund um eine Norwegenkurzreise

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Mo i Rana 2014.

Wenn man verreist, dann erlebt man was. Und wenn man von der schwedischen Ostseeküste über das Fjäll nach Norwegen reist, dann gibt es immer viel zu sehen.

Elisabet und ich sind letztes Wochenende für drei Tage nach Mo i Rana gefahren, um dort 17. Mai, den norwegischen Nationalfeiertag mitzufeiern. Darüber habe ich gestern im Artikel Syttende mai schon geschrieben.

Von Skelleftehamn nach Mo i Rana sind es gut 500 Kilometer. Die Stadt liegt in Norwegen am Ende des Ranfjorden, der tief in das Land einschneidet. Deswegen muss man nicht noch stundenlang kurvenreiche Küstenstraßen entlanggurken und ist relativ schnell da. Elisabet und ich sind die Strecke am Freitag gefahren, haben es aber ein bisschen ruhiger angehen lassen und auch Pausen gemacht. So konnte ich auch auf dem Hinweg fotografieren. Den Elch habe ich nicht mehr erwischt und die Rentiere am Straßenrand fand ich nicht so fotogen, also habe ich mich auf die Landschaft gestürzt.

Die erste Hälfte der Strecke ist frühlingsbunt: Blaue Seen, rote Häuser, dunkelgrüne Fichtenwälder und rotbraune Moore. Da das so aussieht wie bei mir zu Hause, blieb die Kamera im Rucksack. Doch dann steigt die Straße an, man fährt über das Fjäll und fast ist es so, als ob man in einer Zeitmaschine sitzt und wieder zurück in den Winter fährt. Seht selbst:

Eisschollen am GardikenEisschollen am GardikenFels, Eis, See und BergWeiße Winterweite bei Rukkon, Umasjö

Selfie an der GrenzeBald ist die Grenze erreicht und Elisabet und ich machen ein obligatorisches „Grenzselfie“. Doch wir sind nicht alleine an der „Riksgräns“. Dort steht auch ein Bus. An der Seite steht „Matbussen. Välkommen in“ – Der Essensbus, willkommen. Ein mobiler Lebensmittelladen – so etwas kenne ich eigentlich nur aus uralten Jugendbüchern.

MatbussenMatbussen von innen

Szenenwechsel: Es ist Samstag vormittag. Es ist grau, aber der Regen hat aufgehört. Wir machen einen Spaziergang mit unserer Gastgeberin. Fünfzig Meter die Straße hoch und man ist im Wald. Der wächst allerdings an einem Hang, der nach oben hin immer steiler wird, bis blanker Fels beinahe senkrecht ansteigt. Die Schneeschmelze ist noch im vollen Gang, überall gluckert und plätschert es und große wie kleine Bäche bahnen sich ihren Weg durch den Hang und bilden überall Wasserfälle. Irgendwann wird der Weg so nass, dass meine stiefellosen Mitwanderer nicht mehr weiterkommen und wir umkehren.

Holzsteg auf dem HinwegAltes Eis am Bach auf dem Rückweg

Das passt aber ohnehin ganz gut, denn wir wollen ja in die Stadt zu den Feierlichkeiten des 17. Mai. Nach einer Pause machen wir uns auf den Weg in die Stadt. Dort haben aber nicht nur in der Fußgängerzone gestanden, sondern auch einen Gang ans Ufer des Ranfjorden gemacht.

Blick auf den Fjord und den „Havmannen“Bunte Holzhäuser in Mo i Rana

Wir schaffen es gerade noch, trocken nach Hause zu kommen, dann geht der Regen los. Welch ein Glück, dass wir die ganze Feier trocken und teilweise sogar sonnig erleben durften. Das ist alles andere als selbstverständlich in den oft ziemlich verregneten norwegischen Fjord- und Küstenstädten. Aber Regen kann auch sehr gemütlich sein, wenn man drinnen im Warmen sitzt, nett bekocht wird und nicht mehr raus muss.

Regenwetter

Gegen neun hört der Regen auf und ich mache mich doch noch einmal auf den Weg nach dreußen, um Wasserfälle zu fotografieren. Das richtige „Hammermotiv“ finde ich den Abend nicht, aber Spaß macht es trotzdem.

Wasserfall in drei Blickwinkeln – IWasserfall in drei Blickwinkeln – III

Wasserfall in drei Blickwinkeln – II

Neben anderen kleinen Wasserläufen habe ich noch einmal die Stadt fotografiert.

Kleiner Wasserfall und altes EisMo i Rana um 23:00

Szenenwechsel: Es ist Sonntag, gegen neun und wir haben uns gerade auf den Rückweg gemacht. Auf dem Kahlfjäll muss ich diese schönen Hütten fotografieren. Ich möchte selbst keine Hütte besitzen, da ich finde, dass sie einen zu sehr bindet, aber es gibt schon sehr schöne Lagen, vor allem in Fjäll.

Hütten am See

Wenig später rufe ich: „Weiße Rentiere!“ und Elisabet bremst und setzt sofort zurück. Die Rentiere sind weit weg und ich habe sie nur gesehen, weil zwei auf dem braunen Gras liegen und nicht auf dem Schnee. Ich steige aus und möchte ein bisschen näher kommen, aber sofort stehen die Rentiere auf und traben weg.

Weiße Rentiere bringen Glück, sagen die Samen – so erzählt mir Elisabet. Nur kurze Zeit später sehen wir wieder zwei weiße Rentiere. Dann wieder einige, zwei davon weiß. Wir sind mitten in einer Nordlands-Safari. Viele Rentiere, ein Elch (wieder zu schnell für mich und meine Kamera) und auch ein Auerhuhn lassen sich blicken. Elisabet erzählt, dass es auch Albinos unter den Rentieren gibt und dass deren Horn rosa ist. Kurze Zeit später stehen wieder zehn Rentiere an der Straße und es ist tatsächlich ein Albino dabei. Im Gegensatz zu den anderen eher scheuen Gesellen lässt es sich ruhig fotografieren.

Weiße Rentiere auf dem Fjäll (Ausschnittsvergrößerung)Auerhuhn (Ausschnittsvergrößerung)

Ein zutrauliches Albino-Rentier

Gegen zwei sind wir in Lycksele, wo Elisabet ihr Auto gelassen hat. Sie fährt weiter nach Umeå und ich nach Skelleftehamn. Und das ganz in Ruhe und mit vielen kleinen Pausen, denn es ist der erste warme Tag des Jahres: Über 20 °C! Als ich im T-Shirt ein Stück am Vindelälven entlanggehe, kann ich mir kaum vorstellen, dass ich morgens noch in Mo i Rana war und dann an zugefrorenen Seen vorbeigefahren bin, auf dem einen saß sogar noch ein Eisfischer. Die Zeitmaschine spult also wieder auf Frühling vor. Schön!

Am Vindelälven

Noch bis Boliden (50 km von zu Hause) sehe ich immer wieder Rentiere. Die letzten fünfzehn Kilometer sinken die Temperaturen kräftig: Von +21 °C auf +11 °C. Denn der Wind weht vom Meer und das ist noch richtig kalt. Aber die Birken öffnen ihre maigrünen Blätterknopsen und das ist so schön, dass mir die Temperaturen eigentlich völlig egal sind.

Vielen Dank, Elisabet, für eine schöne Kurzreise. Vielen Dank, O und M, für Eure herzliche Gastfreundschaft!

Stille Reise durch die helle Nacht

Habe ich das selbst erlebt? Heute kommt es mir so unwirklich vor, wie geträumt. Doch die Bilder meiner Kamera zeigen mir, es war wirklich. Denn Träume kann man nicht fotografieren, oder?

Heute ist Feiertag. Ausschlaftag. Das hatte ich auch nötig, denn gestern habe ich nach der Arbeit eine Paddeltour gemacht. Abends um acht setze ich mein Kajak ins Wasser und paddele los. Schnell sehe ich, was ich schon wusste: Wir haben extrem niedrigen Wasserstand, schon seit Tagen, und überall schauen Steine und Kiesbänke hervor, wo sonst nur Wasser zu sehen ist. Schnell bin ich auf dem Kallhölmsfjärden, wo gerade die Baus, der kleine Eisbrecher am Hafen anlegt. Ich fahre durch den „Kejsar Ludvigs kanal“, wo ich zwar einige Seeschwalben aufscheuche, doch sie fliegen nur auf und fliegen keine Scheinangriffe auf mich. Vermutlich haben sie noch keine Eier gelegt. Fährt man den Kanal entlang, so hat man links und rechts Hafen und Industrie mit jeder Menge „Zugang verboten“-Schilder. Ist man aber erst unter den Brücken hindurchgepaddelt, öffnet sich die weite Ostseebucht „Sörfjärden“ und man erblickt nur noch Natur, gespickt mit ein paar Häusern hier und da.

Auf dem „Kejsar Ludvigs kanal“Auf dem Sörfjärden

Ich halte mich in Richtung Südwesten, denn ich möchte südlich der Insel Örviken entlangpaddeln. Die erste sichtbare Landmarke ist die alte, verfallene Seebrücke vor der Insel. Links hinter mir liegen die Inseln Kalkgrundet, Örgrunden und Prästhallan. Die roten Sommerhäuser leuchten in der Abendsonne.

Die alte Seebrücke vor ÖrvikenKalkgrundet, Örgrunden und Prästhallan

Ich paddele weiter. Rechts liegt die kleine Ortschaft Örviken und die bunten Häuser spiegeln sich im glatten Wasser. Links sehe ich den Sundgrundsleden, die Straße zur Europastraße E4. Geradeaus sehe ich nicht viel, denn selbst mit dunkler Sonnenbrille blendet die sich im Wasser spiegelnde Sonne ziemlich.

ÖrvikenSüdlich von Örviken

Zwei Brücken führen über die Bucht und ich entscheide mich für den kleinen Tunnel geradeaus, um auf die andere Seite zu kommen. Nun entdecke ich Neuland, denn hier war ich bisher weder mit dem Kajak noch zu Fuss. Die Karte verrät mir, dass ich gut drei Kilometer geradeaus paddeln muss, um dann nordwärts in den Norra Innerviksfjärden abzubiegen. Rechts hat sich das Wasser weit zurückgezogen und zeigt weite Sand- und Schlickflächen, teilweise von Schilf bewachsen. Vor mir sind viele, runde Grasinseln, die aus dem Wasser schauen.

Unter dem SundgrundsledenGrasinseln im Feuchtgebiet

Gerne würde ich an Land gehen, um dort das halb verrottete Holzschiff zu fotografieren, doch der Boden ist so schlammig, dass ich lieber weiter paddele. Ich klappe mein Steuerruder hoch, denn zum einen ist das Wasser so flach, dass das Ruder aufsetzt, zum anderen sind manche Teile dicht mit Wasserpflanzen bewachsen. Die Sonne beginnt, unterzugehen und taucht die schöne Landschaft in warmes Dämmerungslicht. Alte Schilfstengel spiegeln sich auf der glatten Wasseroberfläche und scheinen geheimnisvolle Schriften aufs Wasser zu zaubern.

UnterwasserdschungelGeheimnisvolle Schilfschrift

Ein Stück noch und ich bin am Eingang zum Norra Innerviksfjärden, gerade noch rechtzeitig, um die pinkrote Sonnenscheibe hinter den fernen Bäumen untergehen zu sehen.

Sonnenuntergang über dem Norra Innerviksfjärden

Die Vögel finden es mäßig lustig, dass ich hier mitten in der Nacht auftauche. Große Möwenschwärme stieben vom Boden auf, Enten und Gänsesäger machen sich von dannen und auch die zwei Kraniche flüchten, lange bevor ich in deren Nähe bin. Die Echos ihrer lauten Rufe hallen noch Sekunden nach. Ich biege in die Bucht ein und vor mir breitet sich eine wunderbare Landschaft aus. Über dem von kleinen Inseln durchsetzten Wasser steigt weißer Nebel auf und alle Sonnenuntergangsfarben spiegeln sich auf der ruhigen Wasseroberfläche. Ich habe ein wenig schlechtes Gewissen den Vögeln gegenüber, für sie bin ich nur ein überflüssiger Störenfried, doch so schön ist es, hier durch die warmen Farben zu paddeln, so schön.

Abenddämmerung über dem Norra Innerviksfjärden

Aufgescheuchte Vögel – schade, ich tue Euch doch nichts

Ein bisschen Sorgen macht mir der Wasserstand. Das Wasser wird immer flacher und immer häufiger versinkt das Blatt des Paddels im Schlick. Vor mir sehe ich mehr und mehr Untiefen und Schlickbänke. Wo es am Besten weitergeht, kann ich nicht sehen, weder auf der Karte noch in natura, denn im Kajak sitzt man ja tief. Also vorwärts.

Irgendwann ist es soweit. Ich stecke fest. Zwei Möglichkeiten habe ich: Entweder rückwärts aus dem Schlick herausstaken oder weiter, wie auch immer. Ich entscheide mich für die Weiterfahrt, denn den halben Tag habe ich schon die Rundtour geplant und will mich durch Kleinkrams wie niedriges Wasser nicht aufhalten lassen. Also steige ich aus und versinke wie schon geahnt im Schlick, aber nicht sehr tief. Die Bandschlinge, an der ich sonst die Kamera sichere, binde ich am Bug fest und kann so das Kajak recht bequem durch Flachwasser und über Schlickbänke bugsieren. Manchmal ist der Schlick knietief, manchmal recht gut begehbar. Die nächste Zeit bin ich damit beschäftigt, aus- und einzusteigen. Mal paddele oder stake ich durch das flache Wasser, manchmal ziehe ich mein Kajak hinter mir hier. Anfangs versuchte ich noch, mich notdürftig zu säubern, ehe ich wieder ins Boot steige, doch das ist aussichtslos, wenn das zweite Bein noch knietief im Matsch steckt. Irgendwann ist das alles egal, der Trockenanzug hält eh dicht und bald sehen Kajak und ich aus wie Sau.

Der Himmel ist inzwischen graublau und die Landschaft wirkt seltsam unwirklich und farblos in dem neblig-diffusen Licht. Ich bin froh, irgendwann rechts ein paar Häuser im Nebel auftauchen zu sehen, ein Zeichen mehr, dass ich richtig bin. Und irgendwann bin ich auch am Ende der Bucht. Vor mir sehe ich nur Schlammflächen, sonst nichts. Wo, bitte schön, soll denn da der Kanal sein, der mich wieder zum Fluss Skellefteälven bringen soll. Ist der überhaupt befahrbar? Oder nur ein Rinnsal zwischen Fels und Stein. Komme ich da weiter? Es hilft nur eins: Ausprobieren! Ein hoffentlich letztes Mal steige ich aus dem Kajak und versinke mit dem linken Bein so tief im Schlamm, dass ich fast aus meinem Gefährt herausfalle. Hier ist der Schlamm quasi bodenlos und bis zum Bauch stecke ich im Schlick. Ich stütze mich auf das Kajak, um nicht noch tiefer einzusinken. Hier zu Fuß zu gehen brauche ich erst gar nicht zu versuchen, aber das rettende Ufer scheint so nah. Was tun? Ausprobieren! Letztendlich laufe ich dann auf Knien weiter, wobei ich mich abwechseln auf das Kajak stütze, um nicht zu tief einzusinken und dann wieder das Kajak zwei Meter weiter nach vorne schiebe. Doch bald bin ich aus dem Gröbsten raus und auf der großen Schlickbank wird zum Glück der Boden bald so fest, dass ich einfach wieder laufen kann. Ich stehe und ruhe mich aus. Mein Puls ist irgendwo bei 180. Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen.

Bis zum Bauch im SchlammEndlich an Land

Bald habe ich den Kanal gefunden und auch eine Stelle, wo ich das Kajak ins Wasser und mich ins Kajak setzen kann. Erst ist das Wasser noch flach, doch bald kann ich entspannt den zehn Meter breiten Kanal entlang paddeln. Mitternacht dürfte inzwischen vorbei sein und ich merke, dass ich müde werde. Vor mir schwimmt etwas, doch was? Ein runder Kopf, ein Hintern, ist das etwa ein Biber? Ja, tatsächlich, in dem Kanal tummeln sich mehrere Biber, die von Ufer zu Ufer schwimmen. Toll, ich habe noch nie Biber gesehen, und dann jetzt vom Kajak aus! Ich gleite langsam voran und habe bald zwei Biber vor mir her schwimmen. Sie lassen mich erstaunlich nahe kommen, ehe sie mit einem lauten Platsch ihres breiten Schwanzes abtauchen. Einmal platscht es direkt neben meinem Boot, da hat wohl ein Biber gerade auftauchen wollen und mich gesehen. Ich frage mich, wer sich wohl mehr erschreckt hat? Ich könnte noch lange den Bibern zuschauen, doch ich beginne zu frieren und paddele bald weiter. Bei den Biberfotos kam die kleine wasserdichte Nikon an ihre Grenzen, aber eine nette Erinnerung sind die Fotos dennoch.

Biber voraus!

Biber SteuerbordPlatsch und weg ist der Biber!

Ich paddele den sich windenden Kanal entlang. Eine schöne Abwechslung für mich, der sonst immer nur auf der Ostsee unterwegs ist. Bald sehe ich ein Boot, die ersten Häuser, Zivilisation. Aber auch einen großen Igel, der gerade im Gesträuch verschwindet. Der Kanal mündet bei „Stackgrönnan“ in den Fluss Skellefteälven. Das ist wieder eine kleine neue Welt meiner heutigen Paddeltour, diesen breiten Fluss entlang zu gleiten. Von mir aus könnte die Strömung gerne ein bisschen schneller sein, das meiste muss ich doch selbst paddeln und inzwischen bin ich müde und auch ein bisschen fertig von der nicht ganz planmäßig verlaufenden Tour. Kurz vor dem Bootsmuseum lege ich an, steige einmal ins tiefe Wasser, um mich notdürftig ein bisschen zu säubern und wechsele dann mein nass geschwitztes Unterhemd gegen ein trockenes T-Shirt und ein warmes Fleece. Eine Wohltat! Wie gut, dass ich immer meine eher warmen Wechselklamotten im Kajak spazieren fahre, jetzt habe ich sie wirklich einmal brauchen können.

Auf dem SkellefteälvenUmziehpause bei Stackgrönnan

Bald sitze ich wieder im Kajak, um ein Fleece wärmer und eine Banane satter. Auch der Skellefteälven führt wenig Wasser und ich sehe mitten im Fluss Steinhaufen, wo sonst nur Wasser zu sehen ist. Der Himmel färbt sich wieder, denn es ist inzwischen nach eins. Um halb drei wird die Sonne aufgehen. Doch ich mache weniger Photos, nicht nur weil das Objektiv in der feuchtkalten Luft dauern beschlägt, sondern auch, weil ich müde bin. Was freue ich mich auf eine warme Dusche. Weiter geht es den Fluss hinab und bald ist die große Brücke in Sicht. Von da aus ist es dann nicht mehr so weit.

Morgendämmerung über dem Fluss

Felsbänke im niedrigen SkellefteälvenDie Brücke in Sicht: Endspurt

Eine letzte Untiefe, ein letztes AussteigenMeine Gedanken? Das weiß ich nicht mehr. Ich döse vor mich hin. Auto hätte ich nicht mehr fahren können. Ich mache inzwischen mehr Pausen, meine Hände sind nass und aufgeweicht, die rechte Schulter tut weh und die Kondition hat sich schon schlafen gelegt. Doch irgendwann bin ich unter der Brücke durch, am Schiff M/S Stormvind vorbei, am Bootshafen vorbei in der Bucht Kurjoviken. Nur vor dem Tunnel muss ich ein letztes Mal aussteigen, um das Kajak über den fast wasserfreien Grund zu tragen. Noch ein letztes Stück und der Ehrgeiz packt mich. Mit allem, was die restliche Kondition hergibt, paddele ich über den Kallholmsfjärden zurück. Rechts liegt die Baus. Habe ich den Eisbrecher wirklich heute anlegen gesehen, ach nein, das war ja gestern, vor sechs Stunden. Um viertel nach zwei lege ich wieder an, schnalle mein Kajak auf den kleinen zweirädrigen Bootswagen und laufe, so wie ich bin, nach Hause. In den Neoprenstiefeln schwappt das Wasser, der Trockenanzug strotzt vor Dreck, egal – um diese Zeit sieht mich eh keiner.

Zu Hause dusche ich gleich zwei Mal. Einmal mit Anzug, damit der wieder sauber wird, dann ich. Als ich mich ins Bett lege, ist es schon wieder taghell.

War das eine verrückte Idee, so eine Tour zu machen? Ich habe keine Ahnung, vielleicht war es eine. Aber die vielen Erlebnisse – komprimiert in unter sieben Stunden Tour – möchte ich nicht missen. Verrückte Ideen sind manchmal auch gute Ideen.