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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Auf den Vesterålen

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Als ich auf der Vesteråleninsel Langøya bei Julia und René ankam, musste ich erst einmal direkt an den Strand vor dem Haus und ein Foto machen. Zu schön sah es dort aus, der Blasentang bei Ebbe im Vordergrund, die hohen Berge der Nachbarinsel Hinnøya. Und über dem Sund jagen die Seevögel.

Ein erstes Bild am Strand

Am Abend standen Simon, der gerade dort wwooft, und ich wieder am Strand und haben fotografiert. Wenn die Sonne niedrig steht, ist das Licht einfach schöner. Und dann ging hinter den Bergen der Vollmond auf.

AbendstimmungDer Vollmond geht auf

Vollmond über Hinnøya

Um halb zwölf sind René und Simon noch auf Tour gegangen. Das erste Ziel war der kleine See Rødsætervatnet, wo ich mit den beiden zusammen mit Sonya vor zwei Jahren schon einmal war. Während die beiden hauptsächlich mit Forellen fischen beschäftigt waren, habe ich – wen überrascht’s – fotografiert. Nun hatte ich zu Bergen, Sund und Mond auch noch den See und die Hurtigruten als Fotomotive zur Verfügung. Wenn die Hurtigruten durch das gespiegelte Mondlicht fährt, ist das schon fast kitschig, aber immer noch wunderschön.

Der See RødsætervatnetDie Hurtigruten im Mondlicht

Blick von halber Höhe des Dalbotntinden

Die beiden sind dann noch weitergelaufen, ich war dazu aber zu müde. Ich hatte zwar einen Schlafsack dabei, bin aber doch wieder zurück gelaufen, nicht nur, weil Wolken aufzogen, sondern auch, weil ich keine Lust hatte, alleine zu übernachten. Gegen vier Uhr nachts war ich wieder zu Hause.


Einige Fotos von den nächsten Tagen, die ich ruhig habe angehen lassen. Im vorigen Blogartikel zeige ich ein paar Seevogelfotos.

Die Brücke nach StokmarknesBerge Hinnøya

Auf dem Moor hinter dem Haus

An meinem letzten Tag sind wir nach Langbakkan gegangen, einem Hanggrundstück, auf dem René zusammen mit den Wwoofern Guilia und Simon Heu machen wollte. Ich muss zugeben – ich war faul, habe nicht mitgeholfen, sondern fotografiert und mich mit Julia unterhalten. Doch halt, eine Schüssel Moltebeeren habe ich gesammelt, immerhin etwas.

Langbakkan – Simon harkt

Sicht von LangbakkanRené mähtGuilia harktDas alte Haus auf Langbakkan

„Quallenwolken“ über Hinnøya

Später haben wir am Lagerfeuer gesessen, gegrillt und auf die schöne Landschaft geschaut. Ein herrlicher Abschluss meiner zu kurzen Zeit auf den Vesterålen.

Danke, Julia und René, für Eure liebe Gastfreundschaft.

Lagerfeuer – im Hintergrund spielt Julia mit dem Hund

Einige Tage später:

Einige Tage später (Foto: René Cortis)Als ich schon wieder zu Hause war, zeigte René dieses Foto auf Facebook. Nun ist das Gras nach traditioneller Art auf Harpfen (auf norwegisch: hesje) zum Trocknen aufgehängt, damit die Schafe, die zur Zeit noch frei über die Berge laufen, im Winter etwas zu essen haben. Frits, den Hund, scheint das Heu wenig zu interessieren, er findet Schafe spannender.

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Eine herrliche Nacht auf Bastuholmen

Vor zwei Wochen hat Hans mich gefragt, ob ich mit zur Insel Bastuholmen paddeln möchte. Das wollte ich gerne, aber ich hatte leider keine Zeit. Anfang der Woche fragte er mich wieder und dieses Mal passte es mir.

Gestern Nachmittag um sechs saßen Hans, fünf Freunde von ihm und ich in unseren knallbunten Kajaks und starteten vom kleinen Bootshafen in Kåge zur Insel Bastuholmen. Da das nicht weit ist und das Wetter zwar windig aber schön war, sind einige von uns noch um die schöne Insel herum gepaddelt.

Start im BootshafenIm Gegenlicht

Als wir an der Insel anlegten und unsere Kajaks an Land zogen, hatten die anderen schon Feuer gemacht und hielten Stockbrot in die Glut. Hans hatte Hamburger eingekauft und bald saßen wir alle ums Feuer, grillten und aßen.

Hamburger und Stockbrot über dem FeuerWasser und frischer Hamburger

Es ist immer schön, um ein Feuer herumzusitzen, über dies und das zu sprechen, mit Freunden oder noch Unbekannten. Die meisten wollten am gleichen Tag noch zurück und machten sich kurz nach Sonnengang auf dem Weg, um im letzten Abendlicht noch Kåges Hafen zu erreichen.

Sonnenuntergang auf BastuholmenMit dem Kajak zurück ans Festland

Hans und ich wollten hingegen auf der Insel übernachten. Davor haben wir uns es gut gehen lassen, denn die Insel heißt nicht von ungefähr Bastuholmen und wer schon einmal in Schweden oder Norwegen war, weiß, dass Bastu Sauna heißt.

Während die Sauna noch geheizt hat, war ich auf der anderen Seite der Insel, wo auf der linken Seite die Farben der Abenddämmerung zu sehen waren und auf der rechten Seite der fast noch volle Mond aufging.

Bootssteg auf BastuholmenMondaufgang

Bald danach saßen wir zu dritt in der kleinen Sauna, die gar nicht so heiß war. Na ja, dachte ich, Sauna für Anfänger halt. Dachte ich. Denn bald schaufelten die anderen dermaßen viel Wasser auf den heißen Ofen, dass ich dachte, mein Gesicht fängt an zu kochen. Selbst mit vornüber beugen und das Gesicht mit den Händen bedecken war es mir noch zu heiß und ich habe mich schnell eine Etage weiter nach unten gesetzt. Anfänger halt.

Aber wenn man schon auf einer Insel sauniert, dann muss man natürlich auch im Meer baden und das haben wir gemacht. Drei Mal. Das Wasser hat nur noch 14 °C, so richtig warm ist das nicht mehr, aber immer noch herrlich.

Fladenbrot – heiß, heiß!Bald haben wir mit einem Paar, welches mit einem Katamaran da war gemeinsam am Feuer gesessen und den herrlichen Spätsommer­abend genossen. Es wurde schon recht frisch und war froh über meine warme zottelige Fleecejacke. Und um halb zwölf habe ich mich verabschiedet und mich schlafen gelegt. Hans hatte zwar ein Zweimann-Zelt, aber ich wollte lieber auf der riesigen Holzterrasse vor der Sauna unter freiem Himmel schlafen. Schließlich gab es eine Chance auf ein erstes Nordlicht …


Hier könnte der Bericht enden, Olaf schlafen und es wäre ein rundum schöner Ausflug mit Übernachtung gewesen. Aber …

Kaum hatte ich die Isomatte aufgepumpt, mich hingelegt, den Schlafsack zu- und mir es gemütlich gemacht, da blinzelte ich noch einmal kurz vor dem Einschlafen mit den Augen und sah das erste Nordlicht.

Erstes Polarlicht der SaisonSofort bin ich aus dem Schlafsack gerobbt, habe Kamera und Stativ geschnappt – Mist, ich muss noch die Stativplatte ranschrauben, oh, und das Weitwinkel drauf, oh, und manuell fokussieren – da war das erste Polarlicht schon fast wieder verschwunden.

Aber der Mond, aber der Mond! So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Mond war von einem leuchtenden Halo umgeben, hatte rechts einen ausgeprägten Nebenmond und vor allem über mir fast im Zenith einen ausgeprägten Zirkumzenitalbogen, der in allen Regenbogenfarben leuchtete. Was für ein Naturerlebnis.

Halo mit Nebenmond und Zirkumzenitalbogen

Irgendwann zogen die hohen Wolken, die diese Haloerscheinungen verursachen weiter und der Zirkumzenitalbogen verblasste nach und nach. Zeit wieder in den Schlafsack zu kriechen. Aber …

Jetzt kam noch einmal Polarlicht und zwar richtig schönes! Ich mag es, wenn das Meer noch offen ist und sich die Aurora auf dem Wasser spiegelt.

Polarlicht auf Bastuholmen

Polarlicht auf Bastuholmen

Gegen eins war lag ich wieder im Schlafsack und habe bis fünf geschlafen. Dann wurde ich von der Sonne geweckt. Über mir flog eine V-förmige Formation von Gänsen rufend über die Insel, von der frühen Sonne warmorange angestrahlt. Aber fünf war mir zu früh und ich habe mich noch mal für zwei Stunden umgedreht.

Ausblick am nächsten MorgenHans und ich haben dann auf einem Aussichtsfelsen im Norden der Insel gefrühstückt, ehe wir unsere Sachen gepackt und uns mit den Kajaks wieder auf den Rückweg gemacht haben. Kurz vor zehn waren wir wieder in Kåge.

Ich bin immer noch hin und weg von den Erlebnissen dieses Ausflugs. Kaum vorstellbar, dass dieser keine 16 Stunden gedauert hat.


Tack för Turen, Hans!

Vitberget

Einige Fotos von gestern. Eigentlich wollte ich nochmals auf den überraschend großen Sonntagsflohmarkt in der Stadt, auf dem ich vor einigen Wochen war. Aber da hatte sich wohl der Veranstaltungskalender geirrt, der Fohmarkt fand nicht statt. So war ich statt dessen gleich nebenan ein bisschen auf dem Vitberget unterwegs. Auf diesen Hügel führt Skellefteås Skilift.

Auf dem Vitberget

Auf dem VitbergetAuf dem Vitberget

An dem einen hölzernen Flutlichtmast beim Skilift hat unermüdlich ein Buntspecht gehämmert. Er hat einen Zapfen in einen von ihm vergrößerten Spalt geklemmt und war eifrig am herumhacken und -picken. Diese Plätze werden Spechtschmiede genannt, sagt Wikipedia.

Buntspecht an einer „Spechtschmiede“

Am Parkplatz ließ eine Espe ihre ersten herbstlich gefärbten Blätter fallen. Aber abgesehen davon haben wir noch sommerliche Verhältnisse. Bis auf den Frühnebel. Und die dicken Äpfel an den Apfelbäumen. Und die kühleren Nachttemperaturen. Aber sonst: Sommer.

Ein EspenblattNoch ein Espenblatt

Zwei Photos von heute

Heute Nachmittag: am Straßenrand blühen noch die Blumen wie hier der Herbst-Löwenzahn. Aber um die Pflanzen legen sich die ersten gelben Birkenblätter. Aber bis die Bäume richtig farbig sind wird noch ein wenig dauern. Das ist mir nur recht, denn so richtig nach Herbst ist mir noch gar nicht.

Erstes Herbstlaub umgibt den Herbst-Löwenzahn

Zwei Stunden später: Ich stehe an der Ostsee und schaue in den Sonnenuntergang. Die langen Bahnen der Schleierwolken werden von der untergegangen Sonne gelb, orange und rosa angestrahlt. Der helle blaue Himmel auf der rechten Seite steht im Kontrast zu dem dunklen und wolkenverhangenen Himmel links.

Sonnenuntergang an der Ostsee

Falkberget – Nordostseite

Heute Abend habe ich mich zum ersten Mal mit Kirchenslawisch beschäftigt. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Святей Троице во едином существе, с серафимы зовуще: “свят, свят, свят, еси Господи.” — Sṽı͡at̃éy Tróitse vo yed̃ínom sushchestṽé s S̃eraf̃ímï zovúshche: “Sṽı͡at, Sṽı͡at, Sṽı͡at, yes̃í Ghóspod̃i!”

Nun bin ich weder besonders sprachgewandt noch ausdrücklich an der Liturgie der russisch-ortodoxen Kirche interessiert. Nein, ich habe heute zum ersten Mal bei einer Probe von Skellefteås Kammerchor mitgesungen. Und auf dem Programm steht Sergei Wassiljewitsch Rachmaninows Opus 37 „Vesper“. Ein wunderschönes Stück, dessen Noten ich im Bass 1 ganz gut vom Blatt hätte singen können, wenn da nicht der kirchenslawische Text wäre. Die kyrillischen Buchstaben ignorieren wir eh alle, aber auch die Transkription in lateinischen Lettern hat es ganz schön in sich, zumal noch auf jedem dritten Konsonant eine Tilde steht, um diesen als weich zu markieren.

Ich war überrascht, wie gut die Choristen vom Blatt singen, denn die Musik ist nicht einfach zu lesen, auch da es keine Taktarten gibt. Ende Oktober sind die Konzerte, bis dahin muss ich noch oft in die Noten schauen, bis ich mich wohl fühle.


Die Chorprobe war heute um sieben. Da ich schon um viertel vor fünf mit der Arbeit fertig war, bin ich ein kleines Stückchen mit dem Auto gefahren und dann vom Süden her auf den flach ansteigenden Falkberget gegangen. Das schafft man vom Parkplatz in fünfzehn Minuten, wenn man flink ist. Ich bin deswegen einen anderen Weg hinunter gelaufen und war überrascht, wie schroff, felsig und steil die Nordostseite dieses Berges ist. Ich habe fein aufgepasst, dass ich nur dort hinabklettere, wo ich auch wieder hochkomme.

Schroffe Felsen an der Nordostseite

Steile AbbruchkanteEine kleine Schlucht

Toter Ast in der kleinen Schlucht

Leider war die Nordostseite im Schatten, die Sonne im Südwesten und bewölkt war es außerdem. Also nicht gerade günstige Voraussetzungen für schöne Photos. Eigentlich müsste ich einen der nächsten Tage mal vor dem Aufstehen dort hin, oder vielleicht lieber nächsten Juni gegen Mitternacht. Aber, ich hatte ja ohnehin nicht viel Zeit, denn auf mich wartete ja der Kammerchor. Und mit ihm das Kirchenslawisch.

Ganz schön mühsam, diese ganzen Sonderzeichen für das Zitat oben einzugeben. Das  ͡  -Zeichen heißt zum Beispiel „Combining Double Inverted Breve“. Toll!

Långhällan nach der Arbeit

Da das Wetter heute so warm und schön war, nur die vielen Wespen haben draußen beim Mittagessen gestört, bin ich heute Abend noch einmal an die felsige Küste von Långhällan gefahren. Dieses Mal nicht mit dem Rad, sondern mit dem Auto. Der Weg ist aber doppelt so weit und wirklich viel Zeit spart man nicht. Die Sonne verschwand ziemlich schnell hinter den Bäumen und einer aufziehenden Wolkenschicht, aber fotografiert habe ich natürlich trotzdem. Es war recht windig und die Wellen brandeten gegen die steileren Felsstücke oder rollten die flachen Felsabschnitte hoch.

Ein Platz, den ich mag.

Felsige Landzunge mit WasserlacheSonnenuntergang über LånghällanSchroffe FelsküsteIm Hintergrund der LeuchtturmBrandungEine Felsspalte — wie ein kleiner Canyon

Jetzt hoffe ich, dass der Wind einschläft, denn morgen möchte ich paddeln.

Herbstspaziergang

Ich habe das Gebiet Vitberget unterschätzt. Nördlich von Skellefteås „Hausberg“ (140m, Skilift) gibt es überraschend schöne Wälder, flechtenbewachsene Felsen, Ausblicke und immer noch viele große Blaubeeren zum Naschen. Und wenn man kurz hinter dem Sendemast steht, kann man auf die weiten Waldflächen nördlich der Stadt blicken. Und man sieht, dass der Herbst Einzug gehalten hat. Nicht nur mit grauen Wolken und kühlen Temperaturen um zehn Grad, sondern auch mit der einsetzenden Laubfärbung der Espen und Birken.

Blick vom Prästfäbodberget

Flechten bedecken die FelsenEine Espe zeigt Gelb

Nachdem ich einmal um den halben Prästfäbodberget gestiegen bin, laufe ich unter den Stromleitungen den Hügel herunter. Dort laufen im Winter die Schneeskooterwege entlang und die Wegweiser zeigen bis ins 130 Kilometer entfernte Umeå. Im Sommer ist man dort alleine, denn die Wege führen über nasses Gelände und jeden Schritt erwarte ich, dass ich Wasser im Stiefel habe. Aber ich habe Glück und bleibe trocken.

Weg unter den Stromleitungen

Wegweiser für SchneeskooterNasser Boden

Teil Zwei des Spazierganges: Hinter dem „Naturstig“ und breiten Bahnen, auf denen Menschen durch den Wald joggen liegt ein Moorsee. Ich finde, Moorvegetation sieht immer ein bisschen herbstlich aus, weil die Moose oft gelblich oder rötlich gefärbt sind.

Am Moorsee

Nach dem MatschgrabenIch wäre gerne noch ein paar Schritte weitergegangen, um den See besser mit aufs Photo zu bekommen, aber dazu ist der Boden zu weich und der Schlamm vermutlich zu tief. Und natürlich passe ich auf – vor allem auf die teure Kameraausrüstung hinten im Rucksack. Auf dem Rückweg, das Moorgebiet liegt hinter mir, trete ich in einen winzigen und vermeintlich flachen Graben und verschwinde mit dem rechten Bein fast bis zum Schritt im Matsch. Soviel zum Thema aufpassen … . Ein Freund von mir hätte vermutlich gesagt: „Es war nur eine Frage der Zeit!“

Långnäset

Kurz und ohne Worte einige Bilder von Långnäset, einer langen, schmalen Landzunge, die weit in den See Burträsket hineinragt. Schade, dass das Wetter recht grau war. Dort war ich gestern mit Delle, der mich hier spontan für einige Tage besucht.

Der längste Binnenstrand Västerbottens – LångnäsetGegenüber liegt das Städtchen BurträskIm Wald ist Pilzsaison. Leider keine PfifferlingeEin alter Baum – wie auf Pfahlwurzeln

Grundskattan

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Besuch von Jochen.

Gestern waren Jochen, der zu Besuch ist, an der „Grundskattan“, der Südspitze der Halbinsel Bjuröklubbs. Die kleine, sandige Bucht und die Umgebung lädt zum Fotografieren ein. Kaum, dass wir das Auto mit Fotorucksack und Stativ verlassen haben, standen oder knieten wir am Wasser, um die uns umgebene Natur abzulichten.

Ich finde es ungeheuer inspirierend, sowohl mit Jochen draußen unterwegs zu sein als auch auch zu Hause gemeinsam die Bilder anzuschauen und digital zu entwickeln. Gar nicht so sehr, weil er viel mehr über Fotografie weiß, sondern wegen der Art, wie er über Fotografie denkt. Da kann ich viel lernen und Spaß macht es auch.

Einige Fotos von gestern:

Gras im Wind

Langzeitbelichtung in die Wellen

Eine grantige SteinfigurSchneckenhäuser am Strand

Die ersten beiden Bilder sind wieder mit einem starken Graufilter entstanden. Das Bild mit dem Gras im Wind kommt der Wirklichkeit recht nahe, denn das Wasser war dort auch in Natura ruhig und klar. Bei dem Bild in die Wellen hinein hingegen hat die Langzeitbelichtung ein völlig neues Bild geschaffen.

Jochen hat ein Foto von gestern bei Flickr eingestellt.

Zwei Fotos am Morgen

Einen Vorteil hat es, dass die Tage kürzer werden: Man muss nicht mehr um vier Uhr aufstehen, um die Sonne über dem Meer aufgehen zu sehen. Da haben es die Menschen an der finnischen Küste besser, denn bei denen geht die Sonne abends über dem Meer unter.

Da ich heute um viertel vor Sieben aufgewacht bin, habe ich schnell meine Fotosachen geschnappt und bin zur Lotsenstation gefahren. Die rosa Wölkchen waren schon am verblassen und eine viertel Stunde später ging gleich neben der Insel Flottgrundet die Sonne auf.

Rosa Wölkchen vor Sonnenaufgang

Hinter dem Fliegenpilz geht die Sonne auf

Die nächsten Stunden werde ich in geschlossenen Räumen verbringen, denn da haben wir eine Extraprobe mit Skellefteås Kammerchor. In zwei Wochen sind die Konzerte. Auf dem Programm: Vespers (Op. 37) von Rachmaninow.

Ein kalter Tag

Die Nacht war klar, die Temperatur sank kontinuierlich und heute morgen zeigte das Thermometer -9.6 °C an. Bis um drei pendelte die Temperatur um -10 °C, jetzt, gegen vier, bezieht es sich und es wird ein kleines bisschen wärmer.

Die geschützten Buchten der Ostsee fangen jetzt an zuzufrieren, aber der kleine Bootshafen „Tjuvkistan“ ist noch fast eisfrei.

Tjuvkistan vor Sonnenaufgang

Das geschützte Meer hinter der Insel Storgrundet ist hingegen schon komplett eisbedeckt. Ich finde es jedes Mal wieder erstaunlich, wie schnell das geht – manchmal von einem Tag auf den anderen. Immerhin war die gleiche Stelle am Sonntag noch von zappeligen Wellen bedeckt, nachdem sich Sturm Hilde ausgetobt hatte. Heute morgen, keine vier Tage später sah es hingegen so aus:

Storgrundet in Richtung SüdostStorgrundet in Richtung Nordwest

An dem Stein sieht man gut, dass der Wasserspiegel mehrmals seine Höhe gewechselt hat und jedes Mal ist an der Oberfläche das Wasser festgefroren.

Jetzt bin ich ein bisschen unschlüssig: Soll ich eher darauf hoffen, dass ich noch einmal paddeln kann oder lieber darauf, dass ich bald zu Fuss über das Eis laufen kann. Vermutlich muss ich für einige Zeit sowohl auf das Eine als auch auf das Andere verzichten. Daher hoffe ich auf Schnee, denn auf die erste kleine Runde mit Skiern freue ich mich auch schon.

Eisumkranzter Grashalm

Eispiste

Am Sonntag war es schön, Auto zu fahren. Nicht unbedingt, was die Straßenverhältnisse betrifft, denn der Schnee auf den einsamen Waldwegen verdeckt meistens nur das blanke, glatte Eis und es fordert eine gewisse Disziplin, vor jeder Kurve sanft abzubremsen, damit man nicht doch irgendwann einmal von der Straße rutscht, um mit fast unsichtbaren Steuerbewegungen in die Kurve zu fahren, kaum spürbar gerade zu ziehen und danach ebenso sanft wieder zu beschleunigen.

Schön war es, weil schönes Wetter war und im Inland fünf bis zehn Zentimeter Schnee lagen. Alle Seen waren zugefroren, nur an den Mündungen der kleinen, lebhaften Flüsschen war das Wasser noch offen. Und an den Rändern der Seen liefen die Leute Schlittschuhe oder saßen mit ihrer kleinen Plastikangel vor einem Eisloch. Auch der Sumpf, den ich mitten im Nirgendwo (bei Brännvattnet) gefunden habe, war schon so weit zugefroren, dass man ihn zum Fotografieren betreten konnte.

Abenddämmerung am eisbedeckten SeeSumpf bei Brännvattnet

Irgendwann habe ich auch mal aus dem Auto einen x-beliebigen Waldweg geknipst. Dieser war schön breit, aber es gibt auch Wege, die ganz schön schmal sind. Und prompt kam mir auf so einem Weg ein Auto entgegen. Zum Glück für mich und ihn ist der andere Autofahrer freiwillig und sehr lässig ein ganzes Stück zurückgesetzt, bis ich vorbei passte. Ich hätte wahrscheinlich zehn Mal so lange gebraucht und dabei fünf Mal den Motor abgewürgt. Danke, Du netter unbekannter Autofahrer!

Einer von zigtausend Wegen durch den Wald

Heute hätte ich mich mit dem Auto solche Wege nicht entlanggetraut, denn es ist wärmer geworden und es hat gepladdert. Und der kalte Regen ist auf dem Eis der kleinen Nebenstraßen festgefroren und hat sie noch glatter gemacht. Die Straße, die auf dem folgenden Foto zu sehen ist, liegt keine 50 Meter von meinem Haus weg, aber ich habe mir Spikessohlen unter die Stiefel geschnallt, damit ich da überhaupt hinkomme. Zum Glück sind alle größeren Straßen frei.

Eispisten in Skelleftehamn

Winteranfang

Heute, am ersten Dezember, ist für die Meteorologen Winteranfang. Gleichzeitig ist Skyltsöndag in Skelleftehamn. Doch dazu später.

Zeitungsartikel in der NorranAm Freitag berichtete mir ein Bekannter von dem Zeitungsartikel über mich. Über mich? Ach ja, richtig. Ich wurde ja vor anderthalb Monaten von der Norran interviewt, das hatte ich völlig vergessen. Thema war dieses Mal nicht „Der Deutsche, der freiwillig nach Nordschweden zieht“, sondern „Der Angestellte, der neben seiner Arbeit noch ein Hobby hat“. Während ich das nicht so außergewöhnlich finde, hat Norran aus der Tatsache, dass ich im Kammerchor mitsinge, eine Doppelseite gezaubert.

Gestern morgen war ich kurz an der Küste und habe dort G., den Fischer getroffen. Er hatte ein bisschen zu tun, bis er das Boot erst mit dem Auto an Land gezogen und dann freigeschaukelt hat. Seine Hündin fand das eher doof und hat laut gebellt, bis sie von ihm an Bord gehievt wurde. Eine Minute später hörte man den Außenborder und sah, wie G. sein Boot durch das dünne Eis zum offenen Meer steuerte.

G. wackelt sein Boot frei„Ich bin soo einsam!“

Ruisleipä – RoggenbrotNachmittags war ich bei meinen Nachbarn von gegenüber, um eine Zeitung zu holen, denn ich habe die Norran nicht und war schon ein bisschen neugierig, was man über den Chor und mich so schreibt. Das war ein guter Zeitpunkt, denn ich habe nicht nur die Zeitung bekommen, sondern noch etwas ganz besonderes: E. und ich sind uns einig, dass die Schweden kein Brot können! E. kommt aus Finnland und hatte frisches Roggenbrot gebacken. Da durfte ich probieren und habe gleich ein Stück geschenkt bekommen. Das war so lecker, dass sogar ich Koch- und Backmuffel jetzt beschlossen habe, auch Roggenbrot zu backen. Den Link zum Rezept habe ich, aber ich lasse mir das lieber von E. persönlich zeigen, denn das Rezept ist auf finnisch.


Heute war ja Skyltsöndag, so eine Art kombiniertes Advents-Weihnachtsmarkt-geöffnete-Läden-und-alle-haben-wieder-beleuchtete-Sterne-in-ihren-Fenstern-Fest. Vor zwei Jahren fand es bei Regen statt, letztes Jahr hingegen fiel es aus, weil innnerhalb 24 Stunden 83 Zentimeter Schnee gefallen waren. Und das nach einer Warnstufe 1 (10-20cm). Das räumen auch die Nordschweden nicht mal so eben weg. Ich musste schon ein bisschen lachen, als der smhi gestern wieder Warnstufe 1 Schnee (10 cm) ausgegeben hat.

Als ich heute morgen aufwachte, war auch alles weiß, aber mehr als fünf Zentimeter waren nicht gefallen. Das sieht schön aus, aber das es grau war und auch noch kleinere Schauer herunterkamen, habe ich nur ein paar Photos gemacht.

Reifenspur vorm HausSchneegestöber auf dem kleinen Damm

Die Crystal Topaz in Skelleftehamn„Crystal Pool“ klingt schön. Da denkt man an Urlaub im Süden, türkisblaue Pools mit warmen Wasser, von Palmen umgeben. Und wenn das groß auf einem Schiff steht, dann ist der Gedanke an Kruezfahrten nicht weit. Das Schiff „Crystal Topaz“, welches zur Crysal Pool Group gehört und heute an dem verschneiten Ufer des Ölhafens „Oljehamn“ vertäut war, ist allerdings kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Öltanker. Das erklärt auch die über­dimen­sionale Beschriftung „No smoking“.

SkyltsöndagSpäter war ich dann auch noch auf dem Skyltsöndag, habe ein paar Freunde getroffen, die Verkaufsstände angeschaut und war schnell wieder zu Hause. Allerdings noch mit einem kleinen Umweg nach Ursviken, zur „Kanotudden“, der Kanubucht. Der Fluss ist hier allerdings schon komplett zugefroren und der böige Wind treibt Schnee über die Eisflächen, während die Sonne, die schon um viertel vor zwei unterging, die Wolken in Bonbonfarben taucht.

Eisbedeckte Bucht des Skellefteälven

Am Wintermeer – Teil 1

Ich als Fan des skandinavischen Winters habe heute ein bisschen neidvoll auf andere Orte Schwedens geschaut: Katterjåkk misst jetzt schon 105 cm Schnee. Wir vielleicht fünf oder acht oder so. Und während in Pajala und Hemavan die Mittagstemperaturen unter -30 °C lagen und in Nikkaluokta in der letzten Nacht -38.7 °C gemessen wurden, hatten wir hier „nur“ so um -10 °C. Das liegt natürlich am nahen Meer, welches hier für vergleichsweise milde Temperaturen sorgt. Und manchmal ärgere ich mich dann, dass ich nicht weit, weit, im nördlichen Inland oder besser noch auf dem Fjäll lebe. Aber dann brauche ich nur ans Meer zu gehen oder zu fahren und schon weiß ich wieder, warum ich es hier mag.


Heute bin ich wieder zu Långhällan gefahren, wo ich zuletzt mit Jochen vor zwei Monaten war.

Es ist eine ganz eigene, faszinierende Stimmung heute morgen an der Küste. Die dichten Wolken sorgen für ein kaltes Zwielicht und alles liegt in Eis erstarrt. Die kleinen Sträucher sind dick von Eis umhüllt. Es ist windig und ab und zu fliegt ein bisschen körniger Schneegriesel vorbei. Weder Mensch noch Tier lässt sich blicken – der Winter auf dem Festland ist ruhig. Doch das Meer ist aufgewühlt. Hohe Wellen überlagern sich, brechen sich, lärmen und rauschen und die Brandung schleudert die Gischt meterhoch in die Luft und über die Felsen ans Land, wo sie sofort festfriert.

Deswegen sind alle Felsen mit einer Eisschicht überzogen und ich bewege mich nur teilweise laufend vorwärts. Manchmal krabbele ich eine größere Stufe hinab oder rutsche auf den Knien weiter. Man sollte sich auf den Felsen halten, denn die glatten Eisflächen bedecken Senken, die metertief mit Wasser bedeckt sein können und vor allem nah am Meer ist das Eis noch dünn. Doch es ist wunderschön, in diese raue Landschaft einzutauchen und mit der Natur eins zu sein.

Eisküste

EisküsteEisumhülltes Bäumchen

Einsame Kiefer auf Eis und Fels

Es muss ein sehr lustiger Anblick sein, mich in ziemlich sonderbaren Haltungen auf den Felsen fotografieren zu sehen. Für ein Detail lege ich mich platt auf dem Boden; die Kamera liegt auf einem Handschuh. Das Motiv gibt leider nichts her und bald laufe ich zurück zum Auto. Inzwischen bewege ich mich viel leichter und entspannter auf dem Eis, ich habe mich wohl daran gewöhnt – nein, ich habe bloss mein Stativ vergessen! Also noch einmal zurück. Zum Schluss mache ich noch ein Foto unter dem Motto „Beach Party“, aber ich bezweifele, dass ich damit den Pauschaltouristen ansprechen kann.

Beim Fotografieren„Beach party“

Jetzt könnte ich den Heimweg antreten, aber nein, noch will ich nicht fort

Ein Montag – drei Welten

Es kommt selten vor, dass ich an einem Tag in drei Welten zu Hause bin. Heute war so ein Tag.

Welt 1

Angefangen hat alles wie ein gewöhnlicher Montag mit meiner Arbeit als Programmierer. Heute habe ich zum Beispiel ein PlugIn begonnen, welches Tweets von der neuen Twitter-API 1.1 mithilfe von OAuth liest. Für die, die es wissen wollen. Aber ich habe heute nur einen halben Tag für Hello Future gearbeitet und auch von zu Hause aus, denn

Welt 2

heute nachmittag war ich als Musiker gebucht: Bei einer Veranstaltung „Skelleftehamn 1913-2013“ habe ich im „Sävenäs Maskinhus“ einige Stunden Klavier gespielt. Das war fast wie früher: Man spielt alte Musicalsongs, Bossa Novas und Balladen so knapp über der Hörschwelle. Selbst ich habe mehr gesehen als gehört, was ich gespielt habe, doch den Leuten hat es gefallen. Fast wie früher, aber doch so anders: Man spricht alle mit Du an, ich kenne Johan, den Organisator und auch Pär, den Koch persönlich und auch einen der Gäste kannte ich privat. Eine kleinere Welt. Und noch etwas war anders: Als ich alles wieder ins Auto geräumt habe, zeigte das Thermometer -14 °C an. Und fünf Minuten später war ich wieder zu Hause. Heimspiel.

Normalerweise, wenn ich zu Hause arbeite, gehe ich immer zu Din Fest, meinem Lieblings­restaurant, doch heute nicht, denn heute Mittag war ich

Welt 3

draußen lunchen. Denn es hat die ganze Nacht und den halben Tag geschneit und alles war weiß. Ich habe zum ersten Mal meine Skier untergeschnallt und bin mit gepacktem Rucksack zum Meer gelaufen. Erst auf der Wohnstraße, keine zehn Minuten später im Wald.

Skipremiere 2013/14Mit Skiern im Wald

Dort ist der Schnee aber noch zu locker und flach und man schrappt immer auf den Felsen herum, also bin ich hauptsächlich die verschneiten Wege entlang gelaufen. Es ist immer wieder schön, wenn man der erste ist, der eine frische Spur durch den Schnee zieht und noch kein Skooter vor einem den Weg planiert hat.

Winterlandschaft

Bald war ich am Meer, dort schneite es heftiger und es lag auch mehr Schnee. Das Meer zwischen Festland und der nahen Insel Brambärsgrundet ist fest von Eis gedeckt, doch weiter draußen ist das Meer offen und man hört die Brandung an die Außenseite der Insel rauschen. Ein schöner Picknickplatz, und -8 °C mit Schnee ist auch „wintriges“ Wetter für ein erstes Schneepicknick. (Wer meint, -8 °C sind kalt: In Nikkaluokta gab es letzte Nacht -40.8 °C. Da sind Picknicks erfahrungsgemäß meist etwas kürzer.)

Am MeerSchneeschauer vor der Insel Brambärsgrundet

Bloß mit den Selbstauslöseraufnahmen vom Picknick hat es nicht geklappt. Denn ich hatte meine neue Kamera mit halbvollem Akku dabei, der in der Kälte schnell leer war und Ersatz habe ich noch nicht. Und mein iPhone ist ohnehin eine Memme, die lieber in der warmen Stube bleibt: Obwohl der Akku noch 50% Kapazität hatte, hat sich das iPhone einfach ausgeschaltet. Aber zumindest zwei Fotos gibt es: Eins vom Picknickplatz, eins vom „ersten Gang“.

Der heutige PicknickplatzDagens lunch

Der schwedische Wetterdienst smhi ist ziemlich schlecht darin, Schnee für Skelleftehamn vorauszusagen: statt der prognostizierten ein, zwei Zentimeter Schnee kamen 15 und im Garten liegen jetzt 20 Zentimeter Pulverschnee. Das wird aber nicht lange bleiben, denn ab übermorgen sagt der smhi warmes Wetter mit Temperaturen um +7 °C voraus und Temperaturen kann der smhi leider ziemlich gut.

Aber heute habe ich meine Skipremiere gehabt. Wie schön, dass ich heute in gleich drei meiner Welten zuhause sein durfte.

À la recherche de la neige perdu

Gestern bin ich aus Deutschland zurückgekommen, wo ich die Weihnachtstage verbracht habe. In Skellefteå und Skelleftehamn liegt immer noch kein Schnee, denn auch die Weihnachtswoche hatte es hier Plusgrade und es hat geregnet. Heute habe ich mich dann Auf die Suche nach dem Verschwundenen Schnee gemacht. Dazu bin ich mit dem Auto ins Inland gefahren, wo es zu dieser Jahreszeit meistens kälter als an der Küste ist. Nach dreißig Kilometern habe ich angehalten und im Wald fotografiert.

Schneeloser Wald westlich von Klutmark

Nun ja. Schnee sieht anders aus. Weiß, glaube ich. Ich bin also weitergefahren. Nach weiteren zehn Kilometern hielt ich wieder an, um eine Weide mit einem alten Holzschuppen zu fotografieren.

Alter Schuppen

Das ist immerhin schon ein bisschen mehr in Richtung Schnee, auch wenn die Schneeflecken sehr verharscht und vereist sind. Ich bin also weitergefahren. Wenige Kilometer später hat sich das Bild gewandelt. Plötzlich war auch mal ein ganzes Grundstück schneebedeckt und auch auf den Weiden schaute nicht mehr ganz so viel Gras hervor. Ich bin aber noch ein ganzes Stück gefahren, ehe ich bei Kusmark ein Bild machen konnte, auf dem Schnee und Sonne gleichzeitig zu sehen waren.

Schneefläche bei Kusmark

Das ist wirklich nicht viel Schnee, aber reicht aus, um nach Winter auszusehen. Interessanterweise scheint bei Kusmark ein kleines Winterloch zu sein. Obwohl schon wieder näher an der Küste, lag dort eine geschlossene Schneedecke und das Thermometer fiel dort beim Fahren kurzerhand von + 1 °C auf – 5 °C.

Durch das ständige Tauen, Schmelzen und Frieren haben sich in vielen Senken Schmelzwasserteiche gebildet, die komplette Wiesen mit einer dicken Eisschicht überziehen. An einer dieser bräunlichen Eisflächen habe ich noch einmal angehalten. An einer Stelle konnte ich Hasenspuren ausmachen. Mitten in der dicken Eisschicht. Als der Hase dort entlang lief, war dort vermutlich noch Schneematsch. Inzwischen waren die Spuren aber gefroren und mit einer neuen harten Eisschicht bedeckt. Am Rande ist das Eis aber noch matschig-weich und so habe ich beim Fotografieren mit meinen Stiefeln ein paar neue Spuren dazu gemacht.

Gefrorener Schmelzwasserteich

Morgen soll es zwar schneien, aber hier kommt das Ganze vermutlich wieder als Regen herunter. Und auch die nächste Woche soll wechselhaft, trübe und warm werden. Ich bin wirklich gespannt, wann hier Kälte und Schnee Einzug halten, oder ob ein Winter hier auch einmal komplett ausfallen kann. So wie in Essen, wo ich elf Jahre gelebt habe.

Noch eine Sache mutete heute sehr deutsch an: Das Einkaufen. Ich habe hier noch nie so viel Verkehr erlebt wie heute. Nicht nur auf der Zufahrtsstraße der Einkaufszentren auf der grünen Wiese, sondern auch auf der Europastraße 4 war Stop-And-Go und der erste Gang meines Saabs hatte heute seine große Stunde. Praktischerweise musste ich nicht ganz bis in die Stadt fahren, sondern konnte vorher am Abzweig nach Skelleftehamn die E4 verlassen.

„À la recherche de la neige perdu“ ist eine Verballhornung des Originaltitels von Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Neujahr in Norrlångträsk

Silvester habe ich in Norrlångträsk gefeiert. Für mich hatte das den Vorteil, mit Freunden zusammen feiern zu können (und nebenbei unfassbar gutes Essen geniessen zu dürfen). Für das Blog hatte das den Vorteil, schönere Bilder als in Skelleftehamn machen zu können. Während hier Nieselnebelnässesprühregen alles durchfeuchtet, ist in Norrlångträsk, welches zwanzig Kilometer von der Küste entfernt ist, richtiger Winter: Zwar nicht kalt, aber etwa 30 Zentimeter Schnee.

Um zehn bin ich aufgewacht und habe erst einmal einen Spaziergang gemacht. Nachdem ich die Skooterspur verlassen habe, der ich zum Anfang gefolgt bin, stieg ich auf einen kleinen, felsigen Hügel und hatte Sicht auf den „Hundtjärnen“.

Winterlandschaft bei Norrlångträsk

Über den See bin ich wieder zurückgelaufen und inzwischen stand die Sonne hoch genug, um die Häuser und Höfe Norrlångträsks warm zu beleuchten.

Skooterspur auf dem HundtjärnenWinterliches Norrlångträsk

Dann gab es erst einmal ein Frühstück. Um zwölf habe ich mich auf den Weg gemacht, denn ich wollte noch ein bisschen Licht zum Schauen haben und nicht im Dunkeln nach Hause fahren müssen.

Nachdem vorgestern mancher Wald noch sehr herbstlich aussah, konnte ich heute ein entsprechendes Winterbild machen.

Winterwald auf dem Weg nach Fällfors

Welch Kontrast! Auch die Straßen sehen jetzt nach Winter aus. Fast alle Straßen wurden von dem Schneefall der letzten Nacht geräumt, nur wenige kleinere Wege sind noch vom Neuschnee bedeckt. Und nicht nur die Straßen, auch das Auto sieht jetzt nach Winter aus.

Eine typisch nordschwedische Straße im WinterSchnee klebt auf dem Saab

Über Fällfors bin ich nach Byske ans Meer gefahren, dort wollte ich „nur kurz mal schauen“ … . Aber dann habe ich doch einige Fotos gemacht, die ich heute noch publizieren werde.

Neujahrstag am Strand

Nach einer schönen Silvesterfeier und einem Morgenspaziergang in Norrlångträsk bin ich nicht direkt nach Hause gefahren, sondern habe in Byske noch Halt am Meer gemacht. In Byske gibt es eine große Bucht mit schönem Sandstrand, der im Sommer von vielen Norwegern besucht wird, weil hier oft das Wetter besser ist.

Ich war sehr gespannt, ob schon Eis auf dem Meer ist, aber es war noch komplett offen. Spannend war aber der Grenzbereich zwischen dem schneebedecktem Sandstrand und dem offenen Meer. Hier hat sich eine kleine Abbruchkante gebildet, unter der tausende und abertausende kleine Eiszapfen hingen.

Eiskante am Strand von ByskeEiskante am Strand von Byske

An manchen Stellen war ein Teil der Eiskante abgebrochen und wurde von den flachen Meereswellen umspült.

Meerumspültes Eis von der Abbruchkante

Nun wurde es dunkler und das Licht kälter. Ich stand am und im Wasser und mein rechter Fuss war inzwischen nass. (Notiz an mich selbst: Die Wintergummistiefel sind nicht so hoch wie die Sommergummistiefel.)

Eis schwebt über der OstseeBlick auf Björknäsudden

Ein letztes Motiv habe ich noch fotografiert, ehe ich wieder zum Auto gegangen und nach Hause gefahren bin. Dies ist mein Lieblingsbild 2014 und ich überlege, ob ich am Wochenende noch einmal nach Byske fahre, und dort den ganzen kurzen Tag fotografiere.

Eisskulptur

Morgenwanderung

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Wegen der Chorprobe bin ich schon früh aufgestanden, denn natürlich wollte ich vorher noch raus und den herrlich vielen Neuschnee geniessen. Und auch das eine oder andere Foto machen.

Nach dem Dauerschneefall der letzten beiden Tagen, die hier geschätzte 70 – 80 cm Neuschnee gebracht haben, hat sich heute das Wetter beruhigt. Noch windig, aber kein Schneefall mehr. Um so besser, das macht das Fotografieren leichter. Und so sah es heute morgen vor meinem Haus aus.

Die EinfahrtDer Tallvägen

Mein Haus hinter Schneewehen

Zu Fuß bin ich durch den Schnee in Richtung Storgrundet gelaufen. Der Weg schien geräumt worden zu sein, er war von 20 – 25 Schnee bedeckt. Vor dem kleinen Teich, wo es immer so windig ist, bin ich links abgebogen. Auch dieser Weg war wohl am Vortag geräumt, aber nur bis zur Hälfte. Danach bin ich durch den knietiefen Schnee stampfend dem Weg weiter gefolgt. Es wurde immer heller und das Licht war phantastisch. Willkommen im Winterwunderland!

Ein Weg durch den Winterwald

Schneeummantelt

Mehr als dreieinhalb Jahre lebe ich schon hier, doch bei Spaziergängen wie diesem kann ich es manchmal immer noch nicht fassen, dass ich jetzt hier lebe, solche Erlebnisse vor der Haustür habe und nicht erst zweitausend Kilometer dafür anreisen muss wie früher.

Rechts bin ich über das Grundstück einer Stuga in Richtung Meer gelaufen. Die Stuga hat Meerblick, und damit ist sie auch dem Sturm ausgesetzt. Teilweise war der Boden komplett schneefrei, an anderen Stellen hat eine zwei Meter hohe Schneewehe eine Kinderschaukel halb unter sich begraben. Und auch das Haus, welches winterlich illuminiert war, war mit Schnee bepackt. Und um einem herum heulte und pfiff der Wind und blies einem immer wieder Schneestaub ins Gesicht.

Ein Häuschen am Meer

Natürlich reizte es mich, auf die Schneewehe zu steigen, aber bald stand ich bis fast zum Hals im Schnee und musste rückwärts wieder herausklettern. Nun weiß ich aber zumindest, dass die Wintergummistiefel auch dann warm halten, wenn Schnee hineinkommt und man nasse Füsse hat. Ich habe mich dann auf den Rückweg gemacht. Als ich keine fünfzig Meter gelaufen bin, stand ich wieder im tief verschneiten Wald. Es war, als würde man von einem Sturm in das gute Kaminzimmer einer alteingesessenen Bürgersfamilie treten. Der Wind war ausgesperrt und es war still und alles schien gemütlich, heimelig und warm.

Ein Foto von einem Stück der ersten Schneewehe habe ich, von mir selbst in der Wehe hingegen nicht. Aber das kann man ja prima in Höhe des kleinen namenslosen Teiches nachholen, dann da ist es eigentlich immer windig und nasse Füße habe ich ohnehin schon. Auf dem Foto stehe ich.

Schneewehe am MeerAb in den Tiefschnee

Diese Schneewehe geht mir auch auf dem Weg bis zum Bauch und B. der mit dem Auto ankam, um zu seiner Stuga zu fahren, musste schnell einsehen, dass er mit seinem Auto nicht weiter kommt, eh der Schneepflug da war. Er hat mich dann noch mit dem Auto das kurze Stück nach Hause mitgenommen, und so bin ich sogar noch pünktlich zur Chorprobe gekommen.