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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Roadtrip nach Bodø

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Ich liebe spontane Aktionen! Und als am Freitag Martine angerufen hat, ob ich nicht mit ihr und ihren Gästen aus Australien das Wochenende nach Bodø fahren (und einen größeren Teil am Steuer sitzen) möchte, habe ich begeistert zugesagt. Ich habe ein bisschen früher Feierabend gemacht, zu Hause Kamera und Klamotten ins Auto geworfen und bin nach Kusfors gefahren, wo ich übernachtet habe.

Am nächsten Tag ging es früh raus, denn um kurz nach sieben sind wir aufgebrochen. Schließlich sind es fast 500 Kilometer bis nach Bodø, in Norwegen darf man oft nur 70 fahren und Pause machen möchte man ja auch mal.

Ich bin die Strecke schon zwei Mal gefahren, einmal mit dem Auto im Juli, einmal im Oktober mit dem Bus und ich bin jedes Mal wieder begeistert, wie unterschiedlich die Klimate und die Landschaften auf der Strecke sind. Um halb neun standen wir an dem kleinen, tiefblauen See in Arvidsjaur, keine zwei Stunden Fahrt später an einem mit Eisschollen bedeckten Stausee im Fjäll.

Der Nyborgstjärnen in ArvidsjaurDer Ringosavvun im schwedischen Fjäll

Erstaunlich, wie wenig Wasser in dem Stausee war. Und ebenfalls erstaunlich, dass wir später noch weiter oben im Fjäll an zugefrorenen Seen vorbeikamen, auf denen die Eisfischer saßen. Bald waren wir an dem höchsten Punkt (740m) angelangt. Hier gibt es hauptsächlich kleine, krüppelige Birken und Fels, Schnee und Eis. Und die Asphaltstraße, die links und rechts mit hohen neongelben Stecken markiert ist. Ab der norwegischen Grenze ist Martine gefahren und ich konnte mich entspannt zurücklehnen und den Blick auf die norwegischen Berge geniessen. Vor allem der markante Solvågtinden begeistert mich, auf dem Berg möchte ich gerne mal stehen aber er ist vermutlich viel zu schwierig zu besteigen. Ich bin kein Bergsteiger.

Auf dem KahlfjällSolvågtinden voraus

In Norwegen verliert die Straße an Höhe und bald ist man wieder im Tal, die Bäume sind grün und nur die schneebedeckten Berge am Horizont bleiben. Und schon bald, nachdem man rechts auf die E6 abgebogen ist, hat man einen schönen Blick auf den Saltdalsfjorden. Wenn man nicht gerade durch einen der kilometerlangen Tunnel fährt. Und irgendwann, so siebeneinhalb Stunden später, waren wir in Bodø.


Unser erstes Ziel: Essen! Frühstück war um sechs und eine kleine Zimtschnecke unterwegs macht nicht satt. Wir konnten schön draußen sitzen und unsere leckeren Fish and Chips geniessen. Kaum sind wir gegangen, hörten wir wüstes Möwengeschrei hinter uns. Die Vögel balgten sich um die nicht nennenswerten Reste auf unserem Tisch; eine hat sich sogar den kleinen Glasnapf mit einem Rest Remoulade geschnappt.

Die Möwen lauern schonFish und Chips in der Sonne

Nach einer kleinen Pause in unserem Hostel sind wir durch Bodø gelaufen. Dieses Mal hat mir die Stadt sehr gut gefallen, vor allem am Wasser. Große Schiffe und kleine Boote gleiten durch das Wasser, Möwen kreischen, der Hafen ist voller Boote und Schiffe. Und überall sind Inseln. Von kleinen Felsbuckeln bis zu fernen Inseln am Horizont. Ein kleines Fischerboot kommt genau auf mich zu. Zwei Frauen warten schon am Kai, um zu schauen, was der Fischer anzubieten hat. Ich weiß allerdings nicht, was das für Fisch ist. Angler und Fischexperten: Habe Ihr einen Tipp?

Ein Fischerboot kommtDer Fisch ist fast so orange wie das Ölzeugs des Fischers

Wir haben nach einem Bummel am Wasser in einer Pizzeria gegessen, die norwegischen Preise ignoriert und zur Pizza eine Flasche Wein bestellt. Danach sind die anderen ins Hostel gegangen aber ich wollte noch ein bisschen draußen sein, habe mir zum Glück das Stativ geschnappt und bin an der zentralen Bucht Rønvikleira weitergelaufen. Ich bin dann auf einen Hügel gestiegen, von dem ich einen schönen Blick auf Bodø hatte. Die Sonne stand schon tief und hat die Häuser und die am blassen Bergketten am Horizont in warmes Licht getaucht.

Blick auf BodøBlick auf Bodø

Blick auf Bodø und die Bucht Rønvikleira

Ich wollte unbedingt noch auf das offene Meer schauen. Ich bin die Straße 834 weitergelaufen, bis ich an einem Grashang über dem Meer stand. Wenn ich nicht so müde gewesen wäre und auch ein bisschen gefroren hätte, wäre ich wohl die ganze helle Nacht dort geblieben, so wunderschön war die Landschaft dort und vor allem das Licht! Das Licht! Schaut selbst. Die Fotos sind nur blasse Kopien der Wirklichkeit, aber das ist ja fast immer so.

Die tiefe Sonne taucht alles in goldoranges Licht

Nächtlicher Blick auf das europäische Nordmeer

Wenn andere in Blogs schreiben „Ich habe mich verliebt“, dann sprechen sie meistens von Hundewelpen oder Osterlämmern. Ich habe mich aber wieder einmal frisch in Norwegen verliebt. Und wenn ich nicht so gute Freunde in Schweden hätte, ein Haus, einen interessanten Job, und, und, und …, wer weiß, vielleicht würde ich dann schon die Jobannoncen in Bodø studieren. Allerdings weiß ich, dass Bodø bei Regen ganz schön trist sein kann, und ebenso, dass dies das dort vorherrschende Wetter ist.

Um halb zwölf war ich wieder am Hostel. Und bin ins Bett gefallen.

Und sonst? Zwei Elche in den Morgenstunden · immer wieder Rentiere, aber keine Herden · Hurtigrutenschiff in der Bucht · 51 NOK (6,80 Euro) für eine Halbliterflasche Wasser und einen Schokoriegel am Kiosk

Roadtrip nach Bodø II

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Bodø 2013.

Wo bin ich? In Bodø. Nein, eigentlich bin ich schon wieder seit zwei Tagen in Skelleftehamn, aber der Artikel handelt von dem zweiten Tag unseres Roadtrips nach Bodø. Um sieben bin ich aufgewacht und habe von meinem kleinen Hostelzimmer eine Möwe beobachtet, die ein Nest auf einem Gabelstapler baute. Ob das eine gute Idee ist?

Vor dem Frühstück habe noch einen Rundgang durch die Stadt gemacht. Sie lebt von den starken Kontrasten zwischen Hafenatmosphäre, dem Blick auf das knallblaue Meer – denn wir hatten herrlichen Sonnenschein – die schneebedeckten Berge am Horizont und die moderne Architektur. Ach ja, die Baustellen habe ich vergessen. Überall in Bodøs Zentrum wird gebaut und ich bin gespannt, wie die Stadt in drei Jahren aussieht. Aber eine Stadt am Meer hat immer ihren Reiz, finde ich. Und mir gefällt die klare, moderne Architektur auch gut.

Architektur am MeerEin kleiner Teil des Hafens

Ich bin dann auf die lange Mole gegangen. Sie verbindet die Miniinsel Rundholmen mit dem Festland und reicht bis zu 200 Meter an die Halbinsel Nyholmen heran. Dazwischen die Fahrrinne, die unter anderem von den Hurtigrutenschiffen benutzt wird, wenn sie etwas weiter nordostwärts anlegen wollen. Auf der Insel Nyholmen steht ein kleiner Leuchtturm aus dem Jahre 1875 und ein Fort, welches zwischen 1807 und 1814 gebaut wurde. Nächstes Mal werde ich da hinlaufen und mir das aus der Nähe ansehen.

Warnung vor WindDie Halbinsel Nyholmen

Auf der Insel Rundholmen hat man einen schönen Blick und ich hätte gerne noch ein paar mehr Fotos gemacht, weil ich die Kombination Fels—Tang—Meer—Stadt—Berg unglaublich faszinierend fand und auch, weil das Wetter so schön war. Aber ich war mit Martine und ihren australischen Freunden um neun zum Frühstück verabredet und habe deswegen bald den Rückweg angetreten.

Blick von der Insel Rundholmen Fels—Tang—Meer—Stadt—Berg

Zwei Stunden später haben wir uns auf einen gemütlichen Rückweg gemacht. Dieses Mal konnten wir unterwegs besser anhalten, denn die Parkbuchten liegen alle auf der dem Fjord zugewandten Seite. Enorm, was vierundzwanzig Stunden warmes Wetter und Sonne ausmachen: Die Birken waren um einiges grüner als auf am Vortag.

BrückenbauFjordbucht

Bald schraubte sich der Weg wieder hoch auf das Fjäll und nach der norwegisch-schwedischen Grenze waren wir wieder im Land von Eis und Schnee. Wir haben Skooterfahrer gesehen, einen Skiläufer, der oben ohne auf dem See stand und zwei Frauen, die sich mit kurzer Hose und Bikini im Schnee gesonnt haben. Wir haben an einem Kiosk angehalten, wo einige Skooterfahrer die letzten Wintertage ausnutzten und über den See heizten. Der Kioskbesitzer erzählte, am Morgen seien es 6 °C gewesen, herrlich, doch dann sei die verdammte Sonne gekommen. Er muss selber ein bisschen lachen.

SkooterfahrerDie letzten Skootertage

Nach einer Pause fahren wir weiter und sind bald wieder in vertrauterem Gelände. Arjeplog—Arvidsjaur—Glömmerträsk—Jörn—Kusfors. Unterwegs sehen wir noch einige Rentiere, die großen Herden aber sind woanders.

Schneeschmelze auf dem FjällRentiere an der Straße

ich verabschiede mich von meinen Mitreisenden. Was für ein herrliches Wochenende: So viel Urlaub, so viele schöne Erlebnisse in nur zwei Tagen. Nach einer weiteren Stunde bin ich zu Hause. Der Tacho zeigt 071.0 Kilometer Fahrt. Die Tausender-Eins passt nicht mehr aufs Display.

Frühlingsgrün

Eine der schönsten Farben im Mai ist das frische Grün der Blätter, die in den letzten Tagen aus den Birken schießen. Hat man dann noch blauen Himmel dazu, hebt das die Laune erheblich. Und so habe ich mich nach dem „Lunch“ schnell in eine große verzweigte Birke gestellt und mit dem iPhone nach oben geknipst.

Birkenblätter

Wenn ich das mit vor anderthalb Monaten vergleiche …

Sommerwarm

Meteorologisch unkorrekt: Thermometer in der SonneSommerwarm war es heute in Skellefteå. 21 °C wurden heute Mittag in Skelleftehamn gemessen und in meinem hauptsächlich aus Fenstern bestehenden Wintergarten waren es 32 °C.

Ich habe heute zu Hause gearbeitet, weil wir gerade viel zu tun haben, aber jetzt mache ich Feierabend und werde noch ein bisschen das schöne warme Sommerwetter geniessen.

Rote SchlüsselblumeDas gleiche Sommerwetter hat den Blüten der Sumpfdotterblumen, die ich vorgestern in der Bucht „Kurjoviken“ entdeckt habe schon ziemlich zugesetzt. Aber ein paar Blüten waren noch ganz. Ich mag dieses kräftige Gelb. Eine Schlüsselblume, die auf meiner Kieseinfahrt blüht, hat sich hingegen für ein kräftiges Rot entschieden. Ich kenne die Blumen eigentlich nur in blassgelb.

Sumpfdotterblume in Skelleftehamn

Starker Strom und starke Blume

Tja.

Vom Kajak fahren heute Abend kann ich nicht erzählen, denn ich war zu müde. Das lag daran, dass ich schon um 6:05 (sic) im Büro war und mit dem Programmieren begann. Dass ich so früh wach war, lag auch daran, dass es nicht mehr dunkel wird. Also, keine Kajakgeschichte. Wird nachgeholt.

Ich könnte auch davon erzählen, dass bei uns eigentlich nur schönes Wetter ist. Seit Wochen. Sonne satt, angenehm warm. T-Shirtwetter und mal eine laue, mal eine frische Brise. Draußenwetter. Aber ich weiß bei dem Wetter, welches zur Zeit in Deutschland herrscht – vor ein paar Tagen war Deutschland Europas Kältepol! – mache ich mir damit keine Freunde. Also, keine Sommergeschichte.

Ich könnte auch davon erzählen, dass ich am Sonntag das erste Mal den Rasen gemäht habe und heute einen Strauch ausgegraben. Der war ohnehin schon morsch und die hohen Schneehaufen des letzten Winters haben ihm den Rest gegeben. Da war leider nichts mehr zu retten. Aber das ist mir zu keingärtnerisch, da habe ich keine Lust drüber zu Schreiben. Also, auch keine Held-des-Gartens-Geschichte.

Tja. Was nun.

Na gut, zwei Geschichten habe ich:

Nummer eins:

Als ich heute recht früh nach Hause gekommen bin, stellte ich fest, dass der Bildschirm nicht ging. Ebenso wenig wie die Steckerleiste, die Klimaanlage für den Flügel, der Kühlschrank und die Steckdosen. Licht ging lustigerweise. Nachdem ich einen Freund, der Elektriker ist, angerufen habe und so ziemlich jede Sicherung herausgedreht und ausgewechselt (Ja, ein Teil meiner Sicherungen sind noch die alten Keramikteile zum drehen) und immer noch nichts ging, habe ich dann bei SkellefteKraft angerufen. Sehr netter Kundendienst, muss ich sagen.

Meine Stromversorgung (und die meiner Nachbarn)Und vielleicht eine Stunde später (inzwischen konnte ich den Strauch ausgraben, aber das wollte ich ja gar nicht erzählen) kam einer vom Kundendienst und stellte fest, dass im Schaltkasten auf der Straße zwei Phasen weggeknallt waren. Das ließ sich ja zum Glück schnell beheben. Im Winter hätte man den Kasten erst mal ausbuddeln müssen. Schön, wieder Strom zu haben, vor allem für den Gefrierschrank. Und fürs Smartphone aufladen.

Nummer zwei:

Viola PippilottaAls ich wieder aus dem Wald zurückkam (dort hatte ich meinen Strauch zu den Gartenabfällen … . Ach nein, kein Thema. Stimmt ja.) Wie auch immer, vor meiner kleinen Treppe zum Haus blüht wieder Viola Pippilotta. Das ist das stärkste Veilchen der Welt. Es hat schon letztes Jahr zwischen Schnee und Eis geblüht. Jetzt ist es zurück – vermutlich vom Taka-Tuka-Land – und blüht wieder. Dieses Mal aber weiß statt blau, aber hellblond ist hier ohnehin gerade stark angesagt, vielleicht hat es sich die Blütenblätter gebleicht. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, eine alte Blumenbekannte wiederzutreffen, auch wenn ich sie vielleicht mit einer anderen Blume verwechselt habe (Das geht mir mit Menschen aber manchmal ebenso).

Wie viel Kraft in den Pflanzen hier steckt, zeigt sich im dicken Asphalt des Fußweges, der für einen kleinen grünen Keim, der ans Licht möchte, kein weiteres Problem darzustellen scheint, wie das folgende Foto zeigt. Ganz schön viel Power. Ich hingegen bin in Schweden ein bisschen fauler und ein bisschen dicker geworden, aber auch das soll hier nicht weiter thematisiert werden.

Eine Pflanze bricht durch den Asphalt

Abendbrot am Meer

Nach einem schönen Sonnentag, den ich bis auf das Mittagessen im Büro verbracht habe, war ich einkaufen, habe Essen, Kamera und Ersatzkleidung gepackt und bin mein Kajak hinter mir herziehend zum kleinen Strand von Storgrundet gelaufen. Dort war ein bisschen Strandbetrieb und ein Junge hat sogar gebadet. Das Wasser ist tatsächlich gar nicht mehr so eisig, nächstes Mal nehme ich auch die Badehose mit. Aber mein heutiges Ziel war die Insel Norrskär, denn dort wollte ich in der Sonne sitzen, aufs Meer schauen und abendessen. Und da ich hungrig war, war ich auch bald da. Wir haben seit Tagen sehr wenig Wasser in der Ostsee und an Stellen, wo ich sonst problemlos paddeln kann, schauen jetzt Steine oder ganze Kiesrücken aus dem Wasser. So musste ich das Kajak zehn Meter durchs seichte Wasser ziehen, ehe ich es an Land ziehen konnte.

Kurze Zeit später saß ich auf dem Fels in der Sonne, schaute aufs Meer und aß. Und das war ja auch ungefähr der Plan. Danach habe ich noch ein bisschen dagesessen und – natürlich – noch ein bisschen umher geschaut und fotografiert.

Lachs, Salat und SprudelwasserAbendbrot am MeerFels am Meer IFels am Meer IIKleine GischttropfenFrühe Abendsonne über der Ostsee

Dann habe ich aber wieder meine Sachen zusammengepackt, die Schwimmweste angezogen und bin mit einen Mini-Umweg an Inseln mit roten Sommerhäusern und frischgrün belaubten Birken wieder zurück zum Strand gepaddelt, wo ich von einigen Jugendlichen, die in und auf ihrem Schrottauto saßen, leicht apathisch begafft wurde. Vermutlich war ich total uncool.

Sommerhäuser am Meer

Vor dreieinhalb Wochen saß ich noch mit dickem Neopren eingepackt im Kajak, heute haben T-Shirt und Schwimmweste gereicht. Allerdings habe ich keine große Lust, so ins Wasser zu fallen, denn das ist weiter draußen natürlich noch ganz schön kalt. Aber das Meer war ruhig, nur bei den kleinen Zappelwellen am flachen Kiesufer muss man ein bisschen aufpassen.


Und nun nutze ich noch die Gelegenheit, mich bei meinen Münchner Freunden unbeliebt zu machen:

Skellefteå heute mittag: 21 °C, Wind 3 m/s, Sonne
München heute mittag: 8 °C, Wind 7 m/s, Sprühregen

Ich schreibe hier im Blog aber auch, wenn es hier bei uns scheußlich ist. Versprochen!

Nachtrag

Ich wollte den Artikel gerade veröffentlichen, da schaue ich noch einmal raus. Keine zehn Minuten später stehe ich mit dem Stativ am Meer, um diese herrlichen Abendfarben zu fotografieren. Elf Uhr ist es, als ich dieses Foto mache, zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang. Kurz vor halb drei wird die Sonne wieder aufgehen.

Sonnenuntergang bei Storgrundet

Blumenjagd

Gestern Abend habe ich versucht, Libellen zu fotografieren, die sich auf den Steinen sonnten oder durch die Luft sausten. Leider vergebens, denn die Libellen sind sehr, sehr scheu und fliegen schon weg, wenn man noch einige Meter entfernt ist, viel zu weit weg, um schöne Fotos zu machen. Wer kommt, sind die Mücken. Es war ein Fehler, ohne Jacke loszulaufen, denn Mensch im T-Shirt bedeutet für die Mücken von Sumpf und Wald höchste Festlichkeit. Sie umschwärmen einen begeistert und die drei Sekunden, die ich manchmal für ein eher hektisches Foto stehenblieb, reichten oft aus, um mich in einer kleinen Wolke Mücken verschwinden zu lassen. Da bekommt man wieder Sehnsucht nach dem Winter …

Heute habe ich zwei Sachen anders gemacht: Zum einen habe ich eine Jacke mit Kapuze dabei gehabt (und ziemlich darin geschwitzt), zum anderen habe ich Libellen Libellen sein lassen und mich anderen Objekte gewidmet: Blumen. Die meisten Exemplare wachsen am oder im Sumpf, nur Siebenstern und Heidelbeere sind gerne auch im trockneren Gelände.

Ich könnte jetzt heimlich aus Wikipedia abschreiben und so tun, als sei ich der große Botaniker. Bin ich aber nicht, die Hälfte der Namen habe ich heute im Internet herausgesucht.

Fangen wir an mit Drachenwurz (gerne im Wasser) und Sumpfdotterblume (gerne am Wasser).

Drachenwurz (schwedisch: Missne)Sumpfdotterblume (schwedisch: Kabbleka)

Gerne im Wasser auf Sumpfboden steht auch der Fieberklee.

Fieberklee (schwedisch: Vattenklöver)Die Blüte des Fieberklees

Als nächstes kommen Wollgras (am und im Wasser) und Siebenstern (gerne Trocken).

Eines der Wollgräser (schwedisch: Ullsläktet)Siebenstern (schwedisch: Skogsstjärna)

Die nächsten Exemplare sind besonders interessant, die Früchte kann man nämlich essen. Die Heidelbeere und die im Norden vorkommende Moltebeere.

Blüte einer Heidelbeere (schwedisch: Blåbär)Moltebeere (schwedisch: Hjortron)

Während Heidelbeeren überall und in Massen wachsen, der Wald ist voll davon, sind die Moltebeeren seltener. Sie stehen einzeln im sumpfigen Gelände und sind ausgerechnet dann reif, wenn die meisten Mücken da sind. Ein mühsames Geschäft, sie zu sammeln. Aber sie sind nicht nur sehr lecker (finde ich), sondern enthalten auch sehr viel Vitamin C.

Zum Schluss noch eine kleine Abschweifung, keine Blume, sondern eine fleischfressende Pflanze, die hier in Massen wächst. Der Sonnentau.

Sonnentau (schwedisch: Sileshår)

Trauer um einen Singvogel

Da fuhr ich mit meinem Auto noch einen kleinen Umweg nehmend von einer wunderschönen Geburtstagsfeier nach Hause zurück, freue mich über die saftig-grünen Weiden, den blauen Himmel mit den bauschigen Schäfchenwolken, die sich in jedem See widerspiegeln, die hellgrünen Birkenwälder, die schönen roten Holzhäuser, die Bachstelzen und Kiebitze am Straßenrand, da …

Ein Vogel, eine Drossel sieht mich zu spät, auch ich erkenne den braunen Vogel auf der braunen Schotterpiste erst kurz, bevor ich schon mit dem Auto über ihn hinweg sause, zwei Räder links, zwei Räder rechts. Vielleicht ist ja alles gut gegangen, hoffe ich. Hoffe ich.

Ich bleibe stehen, schaue mich um, und sehe den Vogel an der Seite hocken. Ein kleines, zitterndes Häufchen Elend. Er schlägt verzweifelt mit den Flügeln, aber der restliche Körper ist zu schwer verletzt und gehorcht nicht. Ich nähere mich vorsichtig dem Vogel, der mich furchtsam anstarrt und mit weit aufgerissenem Schnabel anfaucht. Angst. Nach kurzer Zeit unsicheren Nachdenkens – was tun!? – glaube ich, dass die Verletzungen zu groß sind – ich erspare Euch die Details – und auch ein Tierarzt dem Vogel nicht mehr helfen kann. Ich beschließe den Vogel zu töten, ihm das Genick zu brechen, um ihm unnötiges Leiden zu ersparen. Habt Ihr schon einmal einen kleinen, warmen, atmenden Vogel in der Hand gehalten? In seine Augen geschaut? Ihn auf den Boden gelegt, ihm ruhig zugeredet und dann getötet? Und gesehen, wie das Auge bricht? Dies gehört zu den Erlebnissen, die ich keinem wünsche.

Weiter bin ich gefahren, trauernd um den Vogel, den ich mit dem Auto überfahren und dann getötet habe. Und auch voller Selbstzweifel. Hätte ich den Unfall verhindern können? Hatte der Vogel Junge, die im Nest auf ihn warten? Hätte ein erfahrender Tierarzt den Vogel vielleicht doch noch retten können?

Nur auf die erste Frage weiß ich eine Antwort, nein, ich hätte den Unfall nur verhindern können, wenn ich nicht Auto gefahren wäre. Mein Blick war auf die Straße gerichtet, ich fuhr nicht sehr schnell, der Vogel war mit seiner Tarnung und in einem Schlagloch hockend einfach nicht zu sehen gewesen.

Es wird dauern, bis ich mich wieder ins Auto setze, ohne den furchtsamen Blick der überfahrenen Drossel vor Augen zu haben. Und das Auge des toten Vogels.

Ich habe lange überlegt, ob ich einen Blogartikel über dieses Erlebnis schreiben sollte. Aber ich finde, auch solche Erlebnisse gehören zu meinem Leben in Nordschweden dazu, auch wenn es mir schwer fällt, darüber zu berichten.

Wollgras

Heute beginnt der zweitägige Creative Summit, der jedes Jahr in Skellefteå im Juni stattfindet. Während wir die letzten Jahre in den Pausen eigentlich immer draußen gesessen und die Sommerwärme (und abends die Mücken) genossen haben, wird es heute vielleicht ein wenig anders sein, denn es schüttet gerade aus Kübeln.

Bevor ich frühstücke und in die Stadt fahre, zeige ich noch ein Foto vom Wochenende. Das Wollgras steht in Blüte (in Flausch? in Wolle?):

Wollgraswiese

Bjuröklubb und Kyrkholmen

Nur zwischendurch – heute bin ich schreibfaul – ein paar Fotos von Bjuröklubb …

Der Leuchtturm von BjuröklubbMeine Lieblingskiefer auf Bjuröklubb

… und der Flußhalbinsel Kyrkholmen.

BachstelzeBonnstan

Liebe Eltern,
vielen Dank für die schöne Woche, die wir hier gemeinsam verbracht haben.
Und eine gute Heimreise!

Pause in Arlanda

Vier Stunden Pause auf Arlanda, dem Stockholmer Flughafen, und Sonne. Ich werde versuchen, draußen ein bisschen Natur zu finden. Das ist aber gar nicht so leicht, denn der Flughafen ist von Parkplätzen und Straßen ohne Fußweg umringt und es dauert, bis ich überhaupt ein bisschen von dem Gelände herunterkomme. Bis dahin sehe ich hauptsächlich Autos, Draht und Beton. Nur an manchen Rändern zwängen sich Gras und kleine Blumen aus schmalen Ritzen.

Abgang zu weiteren ParkplätzenNatur? Nicht in Sicht!

Doch nach diesem Tunnel teilt sich die Straße und dazwischen sehe ich eine felsige mit Bäumen bewachsene und recht große Verkehrsinsel. Kaum bin ich die paar Meter hochgestiegen und habe zehn Schritte in den Wald getan, bin ich von Natur umgeben. Nur der Lärm der vorbeifahrenden Autos und der startenden Flugzeuge erinnert mich daran, dass ich nicht soo einsam bin. Ich laufe weiter und finde meine erste Heidelbeere des Jahres. Nach dem Foto muss sie dran glauben. Sie ist noch ganz schön sauer.

Natur fast purDie erste Heidelbeere

Jetzt schnell den Artikel online stellen und dann steige ich ins Flugzeug nach München. Ankunft 18:20.

Ein Tag in den Bergen

Schön ist es in der Natur, herrlich in den Bergen und wirklich toll, wenn man nicht alleine unterwegs ist.

Als klar wurde, dass ich eine Woche in Deutschland sein würde, haben Sonya und ich uns gleich den Sonntag reserviert, um in die Berge zu fahren. Sonya hat den Seebergkopf herausgesucht, einen Gipfel, der mit 1538 Metern und 750 Höhenmetern auch gut zu machen ist, wenn man – wie ich – lange nicht mehr in den Bergen unterwegs war. Außerdem lässt sich der Berg auch mit der Bahn gut zu erreichen und man ist schon nach wenigen Minuten aus der kleinen Stadt heraus mitten in der Natur.

Ich mag die eher karge schwedische Natur und fühle mich in Nordschweden sehr wohl. Aber von der Natur auf unserer Wanderung war ich völlig begeistert. Ob es die großen, mächtigen Buchen sind, die vielen Wildblumen am Wegesrand, die bunten Schmetterlinge, oder aber die Ausblicke auf andere Gipfel, manche baumbewachsen, manche blanker Fels mit dem Gipfel in den Wolken, manche schneebedeckt, ich konnte mich kaum sattsehen. Gut, dass Sonya auch gerne fotografiert, so hatte ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich wieder und wieder stehen blieb, um Kleines und Großes digital abzulichten. Den Anfang machte diese Weinbergschnecke, die unseren Wanderweg kreuzte.

Eine Weinbergschnecke kreuzt unseren Weg

Der Weg wand sich im Zickzack den Wald hinauf. Ein Stückchen nach links, ein Stückchen nach rechts, ein Stückchen nach links, ein Stückchen nach rechts. Bald bekam ich Durst und – wie im Märchen – eine Minute fanden wir eine Quelle, wo wir unseren Durst löschen konnten. Die Wasserflaschen blieben im Rucksack.

Die „Sankt Josephs Deliciusquelle“

Weiter führte der Weg, immer höher, bis sich der Wald lichtete und der Weg über lichte Almwiesen führte.

Weg durch den HangwaldWeg über die Bergalm

Und dort standen weißbraun gefleckte Kühe, schauten uns neugierig an und hatten überhaupt nichts dagegen, in Ruhe von uns fotografiert zu werden. Wie professionelle Models schauten sie in die Kamera.

Kuhbild IKuhbild II

Der Weg führte immer höher und schließlich über einen Sattel zum Gipfel. Überraschend war, dass wir den Gipfel für uns alleine hatten. Lag es am wolkigen Wetter oder daran, dass wir so spät losgekommen sind, es war auf jeden Fall etwas Besonderes und lange saßen wir oben und schauten talwärts. Das mag aber auch an den Unmengen von guten Essen liegen, die wir in unseren Rucksäcken hochgeschleppt haben.

Reichliche BrotzeitBlick auf Bayrisch Zell

Zu einem Gipfel gehört natürlich auch ein Gipfelfoto, welches Sonya gemacht hat:

Unser Gipfelfoto (Foto: Sonya)

Doch nach einer Stunde wurde uns langsam kalt, man sollte in den Bergen auch im Sommer immer Handschuhe dabei haben, und nach noch ein paar Fotos machten wir uns an den Abstieg. An der zutraulichen Schafsherde mussten wir natürlich noch eine Pause machen.

Schafsblicke

Irgendwann waren wir wieder im Tal und der Himmel klarte auf. Ich: „Sonne! Sollen wir noch mal hoch?“ Wir beide: „Och, nö!“. Der nächste Halt war das Hotel Alpenrose, wo wir sehr leckeren Kaiserschmarrn gegessen und einen kleinen Aperol Sprizz getrunken haben.

Aperol SprizzLeckerer Kaiserschmarrn!

Dann ging es nach Hause und sogar ein paar Heißlüfter habe ich Ballonfan in der Ferne erspähen können.

  • Alpen: Check!
  • Kaiserschmarrn: Check!
  • Ballone: Check!
  • Kleine Zugfahrten: Check!

Und sonst? Schöne Graffitis gab’s zu sehen: In München eher modern, in Bayrisch Zell ein wenig traditioneller.

Graffiti in MünchenGraffiti in Bayrisch Zell

Einen besonderen Fund habe ich noch gemacht. Als kleines Kind, mit vier oder fünf, fand ich Insekten ganz toll. Und unseren kleinen Kosmos-Insektenführer konnte ich fast auswendig. Darin gab es auch den „Gebänderten Pinselkäfer“, einen Käfer, der mich schon des Namens wegen begeistert hat. Den Käfer, den ich gestern auf der Margarite gesehen habe, hatte ich stark im Verdacht, zu dieser Spezies zu gehören und richtig! – danke Internet – es ist tatsächlich ein Gebänderter Pinselkäfer!

Ein Gebänderter Pinselkäfer

Nachtrag (11. Juli)

Sonya hat in ihrem Blog auch über diese Tour berichtet:
soschyontour.de/wanderung-auf-den-seebergkopf-1-538m

Blumenpracht

Wer glaubt, dass in Nordschweden die Natur karg und langweilig ist, der irrt. Alleine die vielen Blumen, die zur Zeit hier in voller Blüte stehen, betupfen jede Wiese und jeden Wegrand mit gelber, blauer und violetter Farbe. Zwei Arten haben es mir diese Woche angetan. Zum einen die Glockenblumen mit ihren großen, weißen Blüten, die sich zu Hause auf meiner Kiesausfahrt angesiedelt haben, zum anderen die leuchtend orangen Feuerlilien, die ich gestern auf einer Wiese im Inland entdeckt habe, keine zwanzig Meter von dem Platz entfernt, wo ich zusammen mit Freunden Elch gegrillt habe.

Weiße GlockenblumenWeiße GlockenblumeFeuerlilienFeuerlilie

Jetzt sitze ich hier und bin ein bisschen faul. Zu recht, finde ich. Denn erstens habe ich Ferien und zweitens bin ich morgen und übermorgen auch schon bei Freunden eingeladen. Danach, wohl am Sonntag, starte ich dann eine große Autotour nach Norwegen, aber das ist ja noch mehrere Tage hin …

Kågnäsudden

Eine Fahrradtour hat mich heute wieder an die Stelle gebracht, an der ich im Winter schon zwei Mal gewesen bin, einmal im Januar mit dem Auto und einmal im März mit Skiern. Mit dem Fahrrad sind das nur 12 Kilometer, aber teilweise recht kruckelige Waldpfade. Die Landzunge heißt Kågnäsudden, zu deutsch sozusagen „Die Kåge-Landzungen-Halbinsel“ (Kåge ist ein Städtchen in der Nähe.)

Dort bin ich auf den Felsen herumge„klettert“ und habe mich über die schöne Landschaft gefreut, die ein wenig rauher aussieht als sonst in der Umgebung, denn dort sind die manche Felsen recht schroff und verwittert.

Wasserlache mit Ostseeblick

Windgebeugte KieferSchroffe Landzunge

Ein Grasbüschel wächst auf den schroffen Felsen – mein Lieblingsbild von heute

Hier muss ich unbedingt noch einmal hin, wenn das Wetter schöner ist und das Licht wärmer. So viele schöne Motive und gar nicht so weit weg von zu Hause. Herrlich! Als ich mit dem Fahrrad zurückgefahren bin, habe ich noch einmal halt gemacht, um diese Schnepfe (?) zu fotografieren, die hier einbeinig auf einem Felsen stand und mich skeptisch beäugte.

Eine Schnepfe steht auf einem Bein

Das ist für zwei Wochen mein letztes Bild von meiner Umgebung, denn Morgen packe ich das Auto und fahre eine große Runde, die mich erst an die schwedisch-finnisch Grenze und das Dreiländereck führt und dann weiter auf die Lofoten und Vesterålen. Das wird eine schöne Kombination von herrliche Landschaft anschauen und Freunde besuchen. Bloß die lange Autofahrt macht alleine nicht so viel Spaß, aber ich lasse mir auf der langen Hinfahrt schön viel Zeit.

Skelleftehamn—Skibotn: Autoreise mit Tücken und Mücken

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Gestern um halb eins bin ich gestartet, mit vollem Tank und vollem Kofferraum. Von der ersten Etappe gibt es nicht viel zu berichten: Die E4 bis Haparanda, das sind 260 Kilometer Strecke machen, um in Gang zu kommen. Innerhin sind es 1172 Kilometer bis Kabelvåg auf meiner gewählten Route.

Erster Halt: Kukkola

Stromschnellen im Torne älv, eine alte Wassermühle, Wohnwagen, Eis, blauer Himmel. Touristisch, aber schön.

Ein alter Steg – nur für Fischer (und Fotografen?)

Kleines BlockhüttchenHolzgetriebe in der alten Wassermühle

Zweiter Halt: Hietaniemi

Hüben Schweden, drüben Finnland, dazwischen der breite Torne älv. Ein Pärchen lässt Steine springen. Von Övertorneå bis Pello werde ich auch auf der finnischen Seite fahren.

Eine internationale Fähre fürs ViehBlick über den Torneälven

Letzter Halt des Tages: Kaunisjoki Rastplats, 20 km nördlich von Pajala

Alles ist klar für die Nacht: Ich habe noch einmal voll getankt und werde langsam müde. Viertel vor zehn sehe ich einen leeren Rastplatz mit Grillhütte. Einmal durchfegen und fertig ist mein Übernachtungsdomizil. Ich breite Isomatte, Schlafsack und Kopfkissen aus und hole als nächstes eine Jacke und die Wathose aus dem Kofferraum. Ich möchte die schönen Hütten im späten Abendlicht vom Nahen fotografieren, aber der Untergrund sieht sehr nass aus. Ich mache den Kofferraum zu und kurze Zeit später höre ich

* klack *

Sch****, denke ich! Und meine Befürchtungen bewahrheiten sich: Leicht übermüdet habe ich den Autoschlüssel im Kofferraum abgelegt. Da liegt er schön sichtbar. Vorne war das Auto schon abgeschlossen, der Kofferraum schließt automatisch und der Ersatzschlüssel ist im Kamerarucksack, denn den nehme ich immer als erstes raus. Außer dieses Mal, da liegt der Rucksack auf dem Beifahrersitz!

Da stehe ich nun: Zehn Uhr Abends, mitten in der Pampa an der leeren Straße 99. Und mein Auto lässt mich nicht rein.


Wie ging es weiter:

  • Ich habe mein Handy und Empfang. Ich rufe einen Freund in Delmenhorst an, der mir Mut macht: Pappendienst kann so was.
  • Ich rufe die Versicherung an
  • Die hört sich meine Panne an und lacht mich nicht aus, wie schön
  • Ein paar Minuten später ruft mich ein Pannendienst aus Övertorneå an
  • Er wird kommen, um mir zu helfen, braucht aber anderthalb Stunden, bis er da ist
  • Ich warte, mache ein paar iPhonephotos, habe Durst und sehe dem Sonnenuntergang zu
  • Gut geschätzt: Anderthalb Stunden später ist der Pannendienst da
  • Keine zwei Minuten braucht er, um die Fahrertür mit Keil und Luftdruck aufzuhebeln …
  • … und mit einem Haken die Fahrertür zu entriegeln
  • Ich bin so erleichtert, ich sah mich schon mit großen Steinen wahllos Autoscheiben zerdeppern
  • Der Pannendienst bekommt meine Unterschrift und macht sich auf den Rückweg: Wieder 130 Kilometer

So viel zu den Tücken einer Autoreise. Die Mücken kamen etwas später, sie umsummten mich freudig die ganze Nacht, als ich in der Grillhütte übernachtet habe.

Resumé: Eigentlich ist das Ganze gut gelaufen: Ich hatte Handy und Empfang. Ich hatte sogar Schlafsack und Isomatte. Es hat nicht geregnet, es gab keinen Schneesturm. Der Pannendienst war schnell da. Und – Luxus! – ich hatte eine Hütte vor Ort, was will man mehr.

(Mäkel-Olaf: Was will man mehr: die Kamera und Stativ! Es war so tolles Licht!)
(Ein anderer Olaf: Haha, das sagst Du nur, weil im Fotorucksack der Ersatzschlüssel gewesen wäre. Depp!)
(Mäkel-Olaf: Selber Depp!)

Hier noch ein paar Bilder von der Nacht:

Rosa Wölkchen (Bravo, iPhone!)

Mitternachthimmel über der Straße 99Bäumchen im nächtlichen Nebel

Und vom Morgen:

Meine Übernachtungshütte – eigentlich zum Grillen gedacht


Noch ein paar Bilder von heute. Stichworte: Rentiere – Bootsfahrt – Dreiländereck – Weite Sumpfflächen – Moltebeeren – Regen – Skibotn – Gletscherblick – Zimmer mit Dusche und WLAN.

Ein Rentier kommt mir entgegenKaresuando: Links Finnland, rechts SchwedenMeine ersten Moltebeeren (Mjam!)Ziel für heute erreicht: Das norwegische Skibotn

Von der Bootsfahrt und dem Dreiländereck (Treriksröset) schreibe ich später einmal. Vielleicht …

Fotonotizen: Das Display vom MacBook Pro ist nicht zu dolle. Je nachdem, aus welchem Winkel man schaut, ändern sich Farben und Kontrast. Daher werden einige Fotos mehr oder weniger daneben sein. Überrascht hat mich das iPhone mit seinem Rosa-Wolken-Bild. Ich habe in Photoshop noch minimalst nachbearbeitet, aber das Original ist schon überraschend gut.

264.3

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

264.3, das zeigte mein Kilometerzähler an, als ich heute das Auto nach vierzehn Tagen und einigen Stunden Reise wieder auf meiner Einfahrt abstellte. Das ist allerdings ein bisschen untertrieben, denn in Wirklichkeit bin ich 2264,3 Kilometer gefahren:

Skelleftehamn (S) – Haparanda – Övertorneå – Pello (FIN) – Pajala (S) – Karesuando – Kilpisjärvi (FIN) – Skibotn (N) – Gryllefjord – ⚓ – Andenes – Kabelvåg – Fiskebøl – ⚓ – Melbu – Haukenes/Stokmarknes – Riksgränsen (S) – Gällivare – Solberget – Vuottas – Råneå – Skelleftehamn. Die mit ⚓ markierten Strecken sind Fähren.

Das war eine richtig schöne Tour, auch wenn ich froh bin, wieder zu Hause zu sein, denn lange Autofahrten alleine liegen mir nicht so. Vor allem in Norwegen finde ich das Auto fahren nicht leicht.

Autofahren in Norwegen

Kennt Ihr die Schilder 105 Doppelkurve und 120 Verengte Fahrbahn? Diese Schilder gibt es in Norwegen zu Hauf, bevorzugt wenn man bebautes Gebiet verlässt und wieder 80 fahren darf. Ich muss immer lachen, wenn ich die Schilder sehe, denn ich finde, dass in Norwegen fast alle Straßen eng und kurvenreich sind und man die beiden Schilder eigentlich nur einmal an der schwedisch-norwegischen Grenze aufstellen müsste.

Oft schaffe ich es aber gar nicht, 80 zu fahren, denn ich kenne die Strecke nicht. Und selbst wenn ich 80 fahre, habe ich meistens eine Schlange norwegischer Autos hinter mir an der Stoßstange kleben. Sie wollen alle schneller fahren, obwohl auch kleine Geschwindigkeitsübertretungen in Norwegen sehr teuer sind, denn da ist man schnell 500 Euro oder mehr los! Lustigerweise nutzen die Norweger oft keine geraden Strecken, um mich zu überholen, sondern die seltsamsten und meiner Meinung nach gemeingefährlichen Kurvenabschnitte. Im Straßenverkehr scheinen mir die Norweger wesentlich ungeduldiger als die Schweden zu sein – aber – gehupt wird auch hier nicht.

Autofahren in Schweden

Im schwedischen Inland sind es meistens die Rentiere, die den Verkehr bremsen. Ich habe irgendwann aufgehört, die Rentiere auf der Straße zu zählen, aber vier Typen von Rentieren im Straßenverkehr ausgemacht:

  • 1. „Waldflüchter“ – Die Rentiere springen direkt seitlich in den Wald. Sehr praktisch
  • 2. „Blockade“ – Die Rentiere stehen auf der Straße und glotzen. Erst wenn man sie fast mit der Stoßstange berührt, gehen sie leicht widerwillig zur Seite
  • 3. „Marathon“ – Die Rentiere galoppieren lange Strecken auf der Straße vor einem her und lassen einen weder links noch rechts vorbei, ehe sie schließlich seitlich in den Wald springen
  • 4. „ABC-Schütze“ – Die Rentiere laufen einem im Gänsemarsch auf der linken Straßenseite entgegen und laufen gesittet weiter. Vorbildlich, aber selten

Auch wenn mir die Autostrecken manchmal lang geworden sind, hat es doch Spaß gemacht, die vielfältigen Eindrücke der Fahrt in sich aufzunehmen und zu erleben: Die tiefen Nadelwälder, die klaren blauen Seen, die weiten gelbgrünbraunen Moore, die runden Hügel, das kahle schwedische Fjäll, die kleinen Bäche und die großen Ströme, die verschneiten und vergletscherten norwegischen Berge, die sich tief ins Land einschneidenden Fjorde. Die Kiesufer, die weißen Sandstrände mit türkisblauem Wasser, die losen Birkenwäldchen, die Wiesen und Weiden, die kleinen Tümpel. Die großen Brücken, die schönen Uferstraßen, die kleinen weißen Kirchen, die roten Fischerhütten, die kleinen Boote, die großen Schiffe. Nur die Tunnel find ich doof: Sehr eng, düster und langweilig. Aber speziell auf den Lofoten geht es nicht ohne sie.


Die nächsten Tage werde ich Artikel über die Lofoten und über die Vesterålen schreiben. Heute zeige ich nur zwei Fotos von Solberget, wo ich – wie so oft – Zwischenstopp gemacht habe, um Dirk und Silke sowie Jochen zu besuchen. Eines habe ich gemacht, als Jochen die Rentiere gefüttert hat, das andere hat Jochen gemacht, als der riesige Hund Odin sich von mir streicheln und kraulen ließ. Danke, Jochen, für das schöne Foto!

Abendliche RentierfütterungOdin und ich (Foto: Jochen)

… und noch ein Foto, welches ich jedes Mal machen möchte, wenn ich die schöne alte Hütte/Scheune kurz hinter der Polcirkeln-Hütte sehe. Heute bin ich endlich mal ausgestiegen und habe ein Foto gemacht:

Hütte im Moos

Strandfunde

Ich bin Jäger und Sammler. Nein, halt, stimmt nicht, nur Sammler! Als Kind habe ich Briefmarken, Fossilien, Muscheln und Schnecken, Straßenbahnfahrkarten, Münzen, Fahrpläne und was weiß ich alles gesammelt. Heute sind noch zwei Sachen davon übrig geblieben, darunter Muscheln und Schnecken.

Ich liebe es nach wie vor, mit gebeugtem Rumpf am Meeresufer zu wandern und nach Muschel- oder Schneckengehäusen zu schauen. Da die Ostsee vor Skelleftehamn viel zu salzarm ist, und nur von einer winzigen Schneckenart bewohnt wird, freue ich mich um so mehr über die vielen Buchten und Fjorde in Norwegen. Stundenlang könnte ich dort entlang schlendern und tonnenweise Schalen mit nach Hause schleppen.

Und so sieht das in etwa aus, wenn ich von so einem Urlaub zurückkomme:

Muscheln und Schnecken aus Norwegen

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele Arten und was für große Exemplare es in den nördlichen Meeren gibt. Vor allem die eine Schnecke hat es mir angetan, aber ich habe trotz Bücher und Internet noch nicht herausbekommen, was das für eine Art ist.

Einige Arten

Reihe 1 v.l.n.r: unbekannte Schneckenart – Kammmuschel – Wellhornschnecke
Reihe 2 v.l.n.r: Islandmuschel – stumpfe Strandschnecke – Scheidenmuschel – Kaltwasser-Koralle

Ja ja, ich weiß auch, dass Korallen nicht zu den Weichtieren gehören, aber da es vor den nordnorwegischen Küsten große Korallenriffe gibt, findet man an vielen Stellen rundgeschliffene Korallenstücke, so auch an den Stränden der Vesterålen.

Ach ja, und wer die erste Schnecke bestimmen kann, darf gerne hier den Namen posten. (Nein, Zimtschnecke und Lakritzschnecke lasse ich nicht gelten!)

Nachtrag

Neptunea alexeyevi oder Neptunea lyrata (?) nach der ersten Grobreinigung.„Meeresschnecken Sammeln“ auf Facebook hat mir geholfen, die Schnecke näher zu bestimmen. Es ist vermutlich eine „Neptunea alexeyevi“ aus der Unterfamilie „Buccinidae buccininae colini“ und ist grob mit der Wellhornschnecke verwandt. Ich habe vor vielen Jahren mal versucht, meine Sammlung näher zu bestimmen und bin schnell in lateinischen Artenlisten und komplexen Taxonomien gelandet. Seitdem gebe ich mich meistens mit Bestimmungen wie „Napfschnecke“ oder „Miesmuschel“ zufrieden.

Skibotn—Kabelvåg: Fahrt durch Norwegen

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Am Dienstag ging es von Skibotn aus weiter. Dort hatte ich am Montag Abend ein Zimmer genommen, da ich bei dem Dauerregen keine Lust hatte, im Auto zu schlafen oder das Zelt aufzubauen. Kurz vor Bardufoss habe ich die E6 verlassen und bin westwärts nach Finnsnes und von dort aus auf Senja, die zweitgrößte Insel Norwegens, gefahren. Wenn ich dort wieder einmal mit dem Auto unterwegs sein sollte, würde ich mir definitiv mehr Zeit lassen, um diese schöne Insel zu erkunden. Aber ich wollte Mittwoch Mittag in Kabelvåg auf den Lofoten sein, um dort Elisabet, die zur Zeit dort arbeitet, zu besuchen. So bleiben hier nur zwei Fotos zu zeigen:

Auf der Insel SenjaAuf der Insel Senja

Mein Ziel war der kleine Ort Gryllefjord, denn von dort setzt eine Fähre nach Andenes, der Nordspitze der Vesterålen, über. Ich war ehrlich gesagt ein bisschen nervös, denn noch nie bin ich mit dem Auto auf eine Fähre gefahren. Und als die Fähre ankam, habe ich mich gefragt, wie man wieder vom Schiff herunterkommt, denn es sah nicht aus, als ob sich der Bug öffnen ließ. Muß man vielleicht rückwärts auf die Fähre fahren? Wie machen das die Leute mit Wohnwagen? Man weiß ja nicht … . Aber natürlich ließen sich sowohl Heck als auch Bug öffnen und bald stand ich auf dem Deck und ließ mir den recht kräftigen Wind um die Nase wehen.

Blick zurück auf SenjaAn Deck

Dort hatte man auch bald Blick auf Andøy, die nördlichste Insel der Vesterålen.

Im Lande Mordor, wo die Schatten drohn.

J.R.R. Tolkien, Herr der Ringe

… dieser Vers kam mir unwillkürlich in den Sinn, als ich auf die mit dunklen Wolken verhangenen nadelspitzen grauen Felsen schaute. Aber was für ein Kontrast erwartete mich auf der Insel: Weiße Sandstrände, türkisfarbenes Wasser, grünbewachsene Felsinseln, Blumen blühen und auch die Sonne schaut hier und dort durch ein paar Wolkenlücken. Und auf dem Parkplatz: Wohnmobile, Wohnmobile, Wohnmobile!

Andenes vorausSandstrand bei Andenes

Im Grunde könnte man an jedem Rastplatz, an jeder Parkbucht und an jeder Einfahrt anhalten und fotografieren. Die nordnorwegische Landschaft finde ich überall wunderschön. Aber ich habe bewusst versucht, nicht zu sehr in Fotos zu denken, sondern einfach die Landschaft zu erleben und zu geniessen. Aber – Ihr kennt mich vielleicht – ab und zu habe ich doch mal angehalten. Zum Beispiel an der kleinen achteckigen Kirche bei Dverberg.

Dverberg Kirke

Irgendwo auf der Insel Hinnøya, der größten Insel Norwegens (wenn man von Spitzbergen absieht), habe ich Rast gemacht und im Auto geschlafen. Ich war ziemlich früh wieder wach, denn während der letzten Nächte mit Mitternachtssonne ist es die ganze Nacht hell. Nach einem Frühstück ging es weiter südwärts, die Vesterålen und dann die Lofoten entlang.

SpiegelungStrand

Gegen zehn war ich in Svolvær, die mit 4000 Einwohnern die größte Stadt der Lofoten ist. Hier legt auch die Hurtigruten an und dementsprechend touristisch ist die Stadt ausgelegt. Schaut man von der einen Brücke nach Norden, sieht man schöne rote Häuschen und Berge. Schaut man nach Süden, sieht man moderne Häuser und das Meer.

SvolværSvolvær

Nach einer mittelkurzen Stadtbesichtigung bin ich die wenigen Kilometer nach Kabelvåg gefahren, wo ich mich mit Elisabet getroffen habe. Von dort aus haben wir einige schöne Touren auf den Lofoten gemacht, aber davon erzähle ich ein andermal.

Drei Tage Lofoten

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

In Kabelvåg auf den Lofoten habe ich mich mit Elisabet getroffen, die diesen Sommer dort arbeitet. Ich habe einige Tage bei ihr gewohnt und wir haben einige Touren zusammen gemacht.

Mittwoch

Mutter und KindNach einem Mittagessen sind wir nach Utakleiv gefahren, da habe ich vor zwei Jahren schon einmal gezeltet. Unser Plan war, ein Stück den Berg „Mannen“ hochzusteigen, um Ausblick auf die schönen Sandbuchten mit dem türkisfarbenen Wasser zu bekommen. Erst führte ein gemütlicher Weg den Hang hoch und die Schafe äugten uns neugierig an, ehe sie vor uns wegliefen. Dann zweigte ein Pfad ab, der uns auf die Südseite des Hanges führte, von wo man aus einen herrlichen Blick über die Sandbuchten und türkisfarbenen Wasser hatte.

Blick auf Haukland und die Vikbukta

Unkorrigierte Version mit PlastiktüteDoch halt – dieses Bild ist nicht ganz real. In Wirklichkeit sah das Foto so aus →

Das Wetter war nämlich alles andere als schön. Es war kühl, sehr windig und es regnete. Kurzum, das Wetter war scheußlich. Und natürlich kam der Wind genau aus Motivrichtung. Deswegen habe ich immer eine durchsichtige Plastiktüte vor die Kameralinse gehalten, dadurch das Motiv anvisiert, dann die Tüte rasch weggezogen, sofort ein Bild gemacht und direkt danach die Linse wieder abgedeckt. Leider wurde hier die Tüte wieder zurückgeweht und bedeckt daher einen Teil des Bildes.

Weiter oben wurde es noch windiger. Stellte man sich in Windrichtung, so konnte man einzelne große Regentropfen schon in größerer Entfernung ausmachen und waagerecht auf einen zuschießen sehen. Da mir kalt war und ich bei diesem Wind nicht auf den Grat zum Gipfel wollte, sind wir bald umgekehrt und haben im Auto heißen Tee und die Sitzheizung genossen.

Donnerstag

Morgens bin ich erst bei Regenwetter durch Kabelvåg gelaufen und dann, als der Regen nachließ, nach Henningsvær gefahren. Dorthin führt eine Straße, die so schmal ist, dass zwei Autos gerade aneinander vorbeikommen. Die beiden Brücken sind sogar nur einspurig und mit Ampeln geregelt. Ist man angekommen und hat einen Parkplatz gefunden, erwartet einen ein kleines schönes, aber auch sehr touristisches Städtchen.

Henningsvær

Die Berge hängen in den WolkenRørvikstranda

Nachmittags sind Elisabet und ich in eine benachbarte Bucht gefahren. Zum Baden fanden wir es zu kühl und so haben wir statt dessen einen steilen Hügel bestiegen, die Aussicht genossen, Tee getrunken und Schokolade gegessen.

AusblickAusblick

Am Abend haben wir noch einen kleinen Spaziergang gemacht und waren rechtzeitig auf dem Kai, um die beiden Hurtigrutenschiffe Trollfjord und Nordkapp aneinander vorbeiziehen zu sehen.

Hurtigrutenschiffe vor Kabelvåg

Freitag

Schlammweg auf den ReinebringenDiesen Tag hatte Elisabet frei und wir sind fast bis an die Südspitze der Lofoten gefahren, um dort den Reinebringen zu besteigen. Der Weg ist nicht sehr lang und der Wanderführer spricht von 1-2 Stunden für den Aufstieg. Wir haben zwei Stunden gebraucht, was nicht so sehr daran lag, dass der Weg durchgängig steil ist – an zwei Stellen sind sogar Seile angebracht – sondern, dass der Boden sehr schlammig und rutschig war. Ich bin schon schönere und leichtere Wege den Berg hochgelaufen. Aber das wirklich grandiose Panorama von oben über die Bergketten der südlichen Lofoten, die kleinen mit Brücken verbundenen Inseln, auf denen die Stadt Reine liegt und das blaue Meer entschädigten uns voll für den Aufstieg.

Diese Tour kann ich wirklich jedem empfehlen, der ein wenig bergerfahren ist. Nur Geheimtipp kann ich sie nicht nennen, denn trotz des trüben Wetters haben wir viele Menschen aus vielen Ländern auf dem Weg getroffen. Der Abstieg war nicht weniger anstrengend, aber bald standen wir wieder am Auto und haben uns gefreut, dass wir diese schöne Tour gemacht haben.

Blick auf Reine und die südlichen Lofoten

Wir hätten jetzt die restlichen neun Kilometer nach Å fahren können, dem südlichsten Ort der Lofoten, haben uns aber für den Heimweg mit Umwegen entschieden. Wir haben manche Nebenstraße mitgenommen und dabei bei Fredvang diese getrockneten Fischköpfe gefunden.

Fischköpfe hängen zum TrocknenFischköpfe

Und an dieser Bucht musste ich auch kurz aussteigen und ein Foto machen:

Sonne und Berg über türkisfarbenem Meer

Viel zu schnell gingen die Tage vorbei und ich hätte auch noch länger bleiben können, aber Elisabet war ja zum Arbeiten auf den Lofoten und nicht zum Urlaub. Schön, dass sie trotzdem so viel Zeit hatte. Vielen Dank, Elisabet, für die schönen Touren, die gemeinsame Zeit und das Beherbergen.

Am nächsten Tag bin ich weiter auf die Vesterålen gefahren, um dort Freunde zu besuchen, aber davon erzähle ich ein andermal.

Seevögel

Dieser Artikel ist Teil der siebenteiligen Serie Norwegen 2013.

Ach, hätte ich bloß nicht das Nikon 70-200mm/ƒ2.8 von René an meiner D800 ausprobiert. Was für eine phantastische Linse. Ich glaube, die muss ich auch kaufen, auch wenn mich das um die 2000 Euro ärmer macht.

Seht selbst: Erst der Hahn, so wie ich ihn aufgenommen habe, dann ein 100%-Ausschnitt aus dem Foto. Die Schärfe, die Farben und der Kontrast sind der Hammer! Haben-will! Die Fotos sind bis auf Beschnitt von mir unbearbeitet.

Ein Hahn auf dem KystkulturgårdenAusschnitt bei voller Auflösung

Aber ich wollte ja über Seevögel schreiben, nicht über Haushühner und -hähne.

Wenige Stunden später stand ich am Meer und habe Seeschwalben und andere Vögel fotografiert. Dieses Mal aber mit meinem Nikon 70-300mm, welches wesentlich lichtschwächer ist, sich aber überraschend gut schlägt.

Die Vögel machen ganz gut Alarm, wenn man am Strand steht. Sie bleiben lieber unter sich. Während der Austernfischer ohrenbetäubend piepsend um mich herum kreist, fliegen manche Seeschwalben Scheinangriffe. Meistens fliegen sie fast waagerecht schreiend auf einen zu, ziehen dann hoch, so dass sie genau in der Sonne stehen und stoßen dann noch einmal von oben herab. Aber wirklich nahe kommen sie nie. Trotzdem habe ich Respekt vor diesen flinken Seevögeln.

Ich kann die Vögel verstehen, denn immerhin liegen ihre Eier teilweise auf dem bloßen Boden. Ein Foto von Eiern habe ich gemacht und bin dann ganz schnell weitergegangen, damit die Vögel sich wieder um ihren zukünftigen Nachwuchs kümmern können.

SeeschwalbenschwarmEier am Boden

Ich liebe es, den eleganten Seeschwalben zuzuschauen, wie sie elegant durch die Luft gleiten, auf der Stelle schwirren, ins Meer hinabstoßen und manches Mal mit einem Fisch im Schnabel wieder auftauchen.

SeeschwalbeSeeschwalbeSeeschwalbeSeeschwalbe mit Beute

Seeschwalbe

Aber auch die anderen Vögel mag ich, auch wenn mich das Gepiepse des Austernfischers manchmal ein bisschen nervt.

AusternfischerGroßer Brachvogel

Das Tele macht sich ganz gut, aber so ein Nikon 400mm/ƒ2.8 wäre bestimmt noch besser geeignet, um die Seevögel abzulichten. Oops – 8600 Euro! Lassen wir das.