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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Der Tag, an dem ich vielleicht Fan des Inlandes wurde

Im Juni, da kommen alle Einladungen auf Mal, denn im Juli wird Schweden geschlossen. Und so kam es, dass ich sowohl am Samstag als auch am Sonntag eingeladen war. Erst eine Geburtstagseinladung bei Annica und Martin in ihr Sommerhaus in Bygdeträsk. Eine wunderschöne Feier mit netten Freunden und Bekannten, viel gutem Essen, Baden in der geheizten Badetonne und im kaltem See, Gitarre und Gesang und vielem mehr, was aus einem Samstag einen schönen Samstag macht. Hier zeige ich dieses Mal nur zwei Fotos, eines von elf Uhr abends, eines von Mitternacht:

Späte Abendstimmung über dem GöksjöMitternacht

Ich habe in Bygdeträsk übernachtet und um neun Uhr morgens, als die meisten anderen noch schliefen, habe ich mich ins Auto gesetzt und bin über die Dörfer ins Inland gefahren. Wenn ich zur Zeit durch die Landschaft fahre, komme ich mir vor wie ein Schwamm, der Sommerfarben aufsaugt. Das Hellblau des Himmels, das Dunkelblau des Sees. Das Hellgrün der Birkenblätter, das Dunkelgrün des Nadelwalds. Dazwischen das Rot der Häuser und das Blau-gelb der Schwedenfähnchen. Und überall blühen die Wiesenblumen um die Wette. Wunderschön!

Mein Ziel war Åmträsk, welches im Inland genau mitten im Nirgendwo liegt. Dorthin hat Birgit, Autorin der Erzählung Gömda men inte glömda diejenigen, die an dieser Produktion maßgeblich beteiligt waren, auf ihr Sommerhaus eingeladen. Da ich die Musik geschrieben habe und als Pianist mit auf der Bühne bin, durfte auch ich mit dabei sein.

Nach gut zwei Stunden Fahrt bin ich in Åmträsk angekommen und schaue mich begeistert um. Eigentlich fand ich Inland ja immer ein bisschen langweilig: Wald, Wald, Wald, Moor, Wald. Und wieder von vorne. Was ich aber vergessen habe, ist, wie viele Seen es hier gibt. Und auf einer riesigen Wiese, direkt am See Åmträsket, dort haben Birgit und Robert ihr Sommerhaus. Sommerhaus – haha! Das Ganze ist ein riesiger Hof mit mehreren Wohnhäusern, jedes davon größer als mein Haus, mit großen Schuppen, kleiner Hütte am See, Bootshaus und vielem mehr. Ein ganzes Anwesen, nur für die Sommermonate! Ich fühle mich sofort wohl, nicht nur, weil ich weiß, dass ich gleich nette Menschen treffen werde, sondern weil speziell dieser Ort mit positiver Energie getränkt zu sein scheint.

Zuerst saßen wir in der geräumigen ofengeheizten Küche und haben – richtig gedacht! – geschlemmt.

„Könnt Ihr Euch die Küche ohne Frau denken – Ich kann das nicht“Gemütliches Kaminfeuer

Dann zerstreute sich das Ganze ein bisschen: Der dreijährige Sohn der Regisseurin war selig. Er durfte Traktor fahren! Dann sind wir durch den Wald zur kleinen Hütte am See gelaufen. Haben Feuer gemacht. Einige liefen zurück, um kurze Zeit später angelnd im Boot vorbeizufahren. Ich habe meine Nase in die verschiedenen Schuppen gesteckt (ausdrücklich erlaubt!), die kleinen Hunde gestreichelt, noch mehr gegessen und noch etwas für mich ganz Besonderes gemacht:

Ich habe mir das erste Mal in meinem Leben freiwillig Kaffee nachgegossen. Dabei mag ich das Zeugs doch eigentlich gar nicht! Mutiere ich jetzt etwa zu einem Schweden? Oder übertragen manche Mücken ein Ich-mag-Kaffee-Virus? Das könnte den hohen Kaffeekonsum im Norden gut erklären.

Eine der alten ScheunenKaffee kochen

Später – nach dem Grillen und damit noch mehr leckerem Essen – habe ich noch eine Bootstour mit Robert gemacht. Durch den See führt ein wunderschönes Flüsschen, welches man vor einigen Jahren noch weite Strecken bepaddeln konnte. Seit der Renaturierung kann man nur noch ein Stück in die Arme hineinfahren, aber auch diese kürzere Strecke war schon wunderschön. Das Stück Regenbogen am Himmel war dann schon fast zu viel der Schönheit, aber die Natur kennt zum Glück keinen Kitsch. Den erzeugen nur Maler und Fotografen, die Regenbögen abbilden … 

Nach einer Stunde kehrten wir um, ich mit Fotos, Robert mit einem frisch geangeltem Hecht, so waren beide zufrieden!

Mit dem Boot durch den Sommer

RegenbogenSchräglage

Flusswandern – dort vorne ist leider der schiffbare Teil zu Ende

Schwer nur konnte ich mich losreißen, so gut hat mir dieser Platz gefallen. Und so wurde gestern der Sonntag zu dem Tag, an dem ich vielleicht ein bisschen Fan des Inlandes wurde. Aber Skelleftehamn mag ich immer noch lieber, denn dort ist das Meer!

Heute hat es hier übrigens geschüttet und gehagelt und die Temperaturen sanken auf 5 °C. Und eben gerade lese ich von K. aus Nattavaara in Lappland den Facebook-Eintrag, auf den ich schon den halben Tag warte: „It’s snowing!“. (Nachtrag: Hier dazu der Blogartikel von Kevin).

Sommerurlaubsfoto

Was gehört auf ein Sommerurlaubsfoto? Alles! Oder zumindest möglichst viel auf ein Bild. Und alles scharf. Hier mein Versuch vom heutigen Vormittag:

Ein Sommerurlaubsfoto

Da haben wir zumindest Blumen, Ostsee, Bootssteg, blauen Himmel, rote Schwedenhäuser. Fehlen nur noch kleine Wattewölkchen, Strand und eine blau-gelbe Schwedenflagge. Vielleicht noch ein Elch. Es gibt also noch Potential zur Verbesserung dieser idealen Postkartenabbildung.

Zwei Fotos von gestern: Das erste zeigt Glockenblumen, die verbinde ich nach wie vor noch mehr mit Alpenwiesen als mit nordschwedischen Felsinseln. Das zweite zeigt einen Ausschnitt eines riesigen Mückenschwarmes. Der war zum Glück nicht auf Blut aus, sondern schwebte recht friedlich über mir im Windschatten einer großen Birke.

Glockenblumen im GegenlichtEin riesiger Mückenschwarm (Ausschnitt)

Skellefteå und Umgebung erleben

Ein Gastbeitrag von meiner Mutter aus Bremen.

Vier Jahre wohnt Olaf in Schweden – drei Mal waren wir zu zweit, nun ich in diesem Jahr leider allein bei ihm. Die Freude ist doch groß, ihn hier zu erleben, wie selbstverständlich er Schwedisch schnackt, ich verstehe kein Wort, trotzdem schön. Schön, wie viele Freunde und Bekannte er hier gefunden hat, er fühlt sich hier sehr wohl.

Meine Urlaubswoche war ausgefüllt mit Ausflügen und Besichtigungen und fragt man sich, wo sind die Highlights: Sie sind überall. Der Sommermarkt in Burträsk, Spaziergang über die Hängebrücke, Loppis (schwedische Flohmärkte), mal kurz zum Badestrand mit Blick auf die Insel Storgrundet und einmal kurz ins Wasser tauchen (in die eiskalte Ostsee), Skellefteå mit Spaziergang am Skellefteälven, Besuch des Museums mit interessanten Exponaten, Fototouren zu den großen Felsen, Köttbullar essen, mit Auto nach Bjuröklubb zum Aussichtspunkt und den drohenden, fast schwarzen Wolken, fotografieren, am Hafen Graved Lachs kaufen (allerhöchste Qualität), zwei Aufführungen mit einer Erzählung von und mit Birgit Andersson und Olaf am Klavier, Treffen bei lieben Freunden mit vielen anderen netten Menschen und Unmengen an Essen, Waffeln mit Moltebeeren auf einer kleinen Flussinsel.

Fototour abstrakt IFototour abstrakt II

Fototour abstrakt III

Bjuröklubb: leuchtende LupinenBjuröklubb: flechtenbewachsene Steine

Bjuröklubb Hafen: Prasselregen

Gåsören in der SonneWellenmusterAuf der Bühne IAuf der Bühne IINoten lesenFreilichtbühne mit Entenfamilie

So würde ich noch viele weitere Highlights erleben wollen, doch sorry, meine Urlaubszeit hier ist um.

Ich denke, weiter geht es im nächsten Jahr. Olaf, vielen lieben Dank für die schöne gemeinsame Zeit.

Pusteblume

Lofoten 2014 – Teil 1: Von Kabelvåg bis Å

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Lofoten 2014.

Wie schon letztes Jahr war ich auch diesen Sommer wieder auf den Lofoten, um Elisabet zu besuchen, die auch dieses Jahr wieder einige Monate dort arbeitet. Doch dieses Mal bin ich nicht alleine gefahren, sondern zusammen mit meinen Freunden Martine und Lasse, die ich am Donnerstag Nachmittag aus Kusfors abgeholt habe. Wir sind am Abend bis Kiruna gefahren und konnten Dank der Vermittlung eines Freundes in einer schönen kleinen Hütte am See übernachten. Das letzte Stück Weg hat es dermaßen gepladdert, dass man kaum noch etwas sehen konnte. Doch am Morgen bei der Weiterfahrt begann es schon aufzuklaren. Wir sind immer weiter der E10 gefolgt, bis wir am Nachmittag in Kabelvåg waren, wo Elisabet zur Zeit wohnt und arbeitet.

Am Abend sind wir drei und unsere Gastgeber nach Hov auf der Insel Gimsøy gefahren und haben dort am Strand gegrillt. Inzwischen war der Himmel blau, nur an den Bergen klebten noch einige Haufenwolken. Und kühl und windig war es, so dass ich über meine Wolljacke froh war. Das war dann auch ihr letzter Einsatz in diesem Urlaub. Während Elisabet mit Tochter und deren Freund Essen gemacht haben, konnte ich schon ein paar Mal auf den Auslöser drücken.

Berg und Strand bei Hov, Gimsøy

Wellen IWellen II

Den nächsten Tag haben wir in Ruhe begonnen: Erst ein gemütliches Frühstück unter blauem Himmel auf der Terrasse, dann noch einen Kaffee (ohne mich), danach sind Martine, Lasse, Elisabet, ihr Sohn J. und ich ins Auto gestiegen und losgefahren. Ziele waren Eggum und eine Glashütte, beides für mich neue Ziele auf den nicht mehr ganz unbekannten Lofoten. Ganz nach Eggum sind wir nicht gekommen, da mussten wir schon anhalten und ein paar Fotos machen. Da wir hauptsächlich mit dem Auto unterwegs waren und meistens dann, wenn die Sonne am höchsten stand, stehen die meisten meiner Bilder dieses Mal unter dem Motto „Postkarte“. Hier habe ich aber absichtlich die Straße mit drauf genommen, denn solche Ausblicke wie hier bekommt man fast überall auf den Lofoten zu sehen. Keine dramatische Landschaftsaufnahme, sondern ein völlig normaler x-beliebiger Blick auf diesen Inseln.

Blick vom Torvdalsveien

In Eggum gibt es ein altes Gemäuer, aus rohen Steinen zusammengesetzt. Ich hätte diese Ruine auf mindestens tausend Jahre alt geschätzt, doch da hätte ich gut daneben gelegen, denn es handelt sich um eine Radarstation, die die Deutschen 1943/44 gebaut haben. Und natürlich ist auch hier die Landschaft einmalig.

Borga Eggum, eine deutsche RadarstationWolken am Berg Tindan

Berg und See bei Eggum auf der Insel Vestvågøy

Weiter ging es zur „Glassblåserhytte“ in Vikten auf der Insel Flakstadøya, wo wir erst den beiden Glasbläsern bei ihrer Arbeit zugeschaut und dann einen Kaffee getrunken haben.

Die Glassblåserhytte in ViktenIn der Glassblåserhytte

Vikten auf der Insel Flakstadøya

Von da aus wollten wir eigentlich eine kleine Wanderung unternehmen. J. hatte sich am Vortag das Bein überstreckt und Martine kurierte einen Bänderriss aus. Da war es klar, dass der Weg einfach und eben sein muss. Der in einem Lofotenführer beschriebe Weg war aber nicht auffindbar und so sind wir nicht weit gekommen, bis wir an einer Steinwüste zwischen steilem Berg und Meer angelangt waren. Dort haben wir eine Pause gemacht, denn den ganzen Tag schon war das Wetter warm und sonnig und dies sollte sich bis auf zunehmende Temperaturen auch den Rest des Urlaubes nicht mehr groß ändern. Ich habe mich über die Pause gefreut, denn dort konnte ich auf den riesigen runden Felsen, die mit grünen Algen bewachsen waren herumklettern und so auch mein Lieblingsfoto des Tages machen.

Steinstrand bei Vikten

Da die Wanderung ausfiel, hatten wir mehr Zeit als erwartet und sind so weiter südwärts gefahren. Ziel war Å, welches nicht nur der letzte Buchstabe im norwegischen Alphabet ist, sondern auch der südlichste Ort der Lofoten. Vor Reine wurden unsere Geduld noch auf die Probe gestellt: Wegen Bauarbeiten war ein Weg nur einspurig und wir mussten bestimmt 20 Minuten fahren, ehe wir weiter durften. Aber die Stadt Reine ist es wert. Sie gehört zu meinen Lieblingsplätzen auf den Lofoten und am liebsten wäre ich wieder wie letztes Jahr auf den Reinebringen gestiegen. Aber lecker Fish and Chips draußen am Wasser hat ja auch etwas. Von Reine aus ist es nicht mehr weit bis Å, wo man einen schönen Blick auf die Insel Værøy hat. Sie ist bewohnt, aber im Gegensatz zu den Lofoten nur mit den Schiff erreichbar.

Blick auf die Stadt ReineDie Insel Værøya

Auf dem Rückweg wäre ich am Liebsten noch häufiger stehengeblieben, denn fotografisch gesehen begann jetzt die schönste Tageszeit, erst mit warmen Gelb- und dann mit leuchtenden Orangetönen. Aber ich war nicht alleine, wir alle waren schon lange unterwegs und auch etwas müde. Und die Baustelle mussten wir vor elf Uhr passieren, da die Straße dann für ein paar Stunden gesperrt wird. Erst gegen ein Uhr nachts waren wir wieder zu Hause. Zwei Fotos bleiben aber noch von der spätabendlichen Rückfahrt:

Reine im AbendlichtSonnenuntergang

Morgen oder übermorgen schreibe ich den zweiten Teil. Gute Nacht!

Lofoten 2014 – Teil 2

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Lofoten 2014.

Sonntag

Nach der Autotour bis nach Å am Vortag sind wir heute nach Henningsvær gefahren, ein sehr schönes Städtchen auf einer Insel, die durch zwei einspurige Brücken mit dem Festland verbunden ist. Henningsvær ist beliebtes Ziel vieler Kletterer, die sich ohnehin auf den Lofoten mit seinen schroffen und steilen Bergen sehr wohl fühlen. Überhaupt ist Henningsvær touristischer als die meisten anderen Plätze auf den Lofoten, mit dem Nachteil, dass man nicht allein ist und dem Vorteil, dass es mehrere Restaurants gibt. In einem haben wir Mittag gegessen – im Schatten, denn in der Sonne war uns zum Sitzen zu heiß.

HenningsværHenningsvær

Nach einem kürzeren Gang durch die kleine Stadt sind wir zum Parkplatz gelaufen und sind nach Rørvik gefahren. Das liegt am Weg und ist vor allem wegen seines schönen Strandes ein beliebtes Ausflugsziel, sowohl der Touristen als auch der Einheimischen. Dort haben wir alle unser erstes Bad im Europäischen Nordmeer genossen und das Wasser war überraschend warm, wenn auch vermutlich immer noch unter 20 °C.

Abends haben wir im Restaurant „Du verden“ gegessen. Ich glaube, ich habe noch nie in einem Restaurant so viel Chaos erlebt wie dort an jenem Abend. Ein Teil der Gerichte und Getränke war aus, man musste ewig warten, um überhaupt an der Theke eine Bestellung aufgeben zu dürfen und die Angestellten rannten ziellos hin- und her. Ein Teil sprach übrigens überhaupt kein Norwegisch, was ich schon ein bisschen lustig fand. Aber das Wichtigste ist natürlich das Essen selbst, und das war sehr gut. Gegen neun sind Martine und ich zum nahen Anleger gelaufen, um die Hurtigruten zu fotografieren, denn die gehört ja zu Norwegen irgendwie fest dazu.

SvolværDas Hurtigrutenschiff Polarlys

In einem der Postkartenständer hat Martine eine Ansichtskarte gefunden, wo jemand von einem steilen Felsen zu einem anderen springt. Elisabet kannte die Stelle, denn die „Svolværgeita“, die Svolvær-Ziege, ist quasi gleich um die Ecke. Als wir mit dem Auto zu einem kleinen Friedhof gefahren sind, von dem man diese Stelle gut sehen kann, waren tatsächlich auch zwei Kletterer oben. Elisabet hat den einen noch springen gesehen, als ich das Teleobjektiv auf der Kamera hatte, konnte ich nur noch fotografieren, wie ein anderer Kletterer mit breitem Schritt hinüberstieg.

Kletterberge bei SvolværBergsteiger auf der Svolværgeita

Der Artikel „Kletter-Eldorado im hohen Norden“ der Neuen Zürcher Zeitung zeigt ein Bild aus wesentlich besserer Perspektive. Also – ich hätte vermutlich viel zu viel Angst, um dort hinüberzuspringen.

Montag

Elisabet musste arbeiten und so haben Lasse, Martine und ich uns zu dritt auf den Weg gemacht. Dieses Mal wollten wir eine Nebenroute nach Leknes fahren und dann nach Uttakleiv an den Strand. In Valberg haben wir Halt gemacht. Auf der einen Straßenseite liegt die Kirche, auf der anderen Seite der Strand.

Valberg KircheValberg Strand

Weiter in Richtung Uttakleiv. Der „Haukelandstrand“ vor dem Autotunnel war wie erwartet voll mit Menschen. Hinter dem Tunnel liegt Uttakleiv und vermutlich, weil das letzte Stück Weg privat ist und der Besitzer 20 Kronen per Auto haben möchte, ist dort der Strand wesentlich leerer. Ich finde ihn zudem auch noch schöner. Hier war ich schon 2013 und habe 2011 gezeltet, aber zum ersten Mal habe ich diese Bucht bei schönem Wetter gesehen. Wenn man diese hellen Sandstrände und das klare, türkisfarbene Wasser sieht, glaubt man sich eher in der Karibik als in Nordnorwegen. Das kalte Wasser belehrt einen aber sofort des Besseren. Gebadet haben wir aber trotzdem.

Sommerhimmel über UttakleivUttakleiv vom Meer aus

Das haben wir Abends dann gleich noch einmal, als wir abends mit Elisabet und J. zu einer nahen Badebucht gefahren sind und Pfannkuchen über offenem Feuer gemacht haben. Das braucht schließlich Zeit und da kann man gut zwischendurch noch ein, zwei Mal ins Wasser hüpfen, welches hier auch wieder etwas wärmer war als das Meer in Uttakleiv. Ich bin dann vor neun auf einen kleinen Hügel gelaufen, um nochmals ein Hurtigrutenschiff zu fotofgrafieren. Dieses Mal die Midnatsol, die von Svolvær ausgelaufen ist.

PfannkuchenMein Pfannkuchen kurz vor dem VerspeisenStille Badebucht bei KabelvågHurtigrutenschiff Midnatsol

Dienstag

Wieder strahlende Sonne, wieder ein warmer bis heißer Tag. Wir haben uns gemeinsam Kabelvåg angeschaut, aber mein Gehirn war ein bisschen zu sehr gedünstet, als dass ich das wirklich frisch und frei geniessen konnte. Ich war über jeden Schatten froh, und wenn es nur war, den Kopf mal schnell in einen alten Holzschuppen zu stecken.

Durchsicht in Kavelvåg

Ich glaube, im Sommer Südeuropa, oder in Dubai, oder in der Sandwüste wäre ich aufgeschmissen. Wärme und Hitze ist nicht meins. Fünfunddreißig Grad finde ich schöner mit einem Minus davor. Da kann sich wenigstens richtig anziehen …

Aber was soll’s, zum einen waren wir nicht immer nur in der Sonne, zum anderen hat das Auto Klimaanlage. Wir sind nordwärts gefahren und in Sildpollen links abgebogen, um eine Nebenstrecke zu fahren. Zwischen manchen Bergen hingen dicke Wolken und als wir einen kurzen Abstecher nach Laukvik gemacht haben, hingen die dicken Wolken plötzlich über uns und es kühlte sich auf 15 °C ab. Das Zentrum von Laukvik – wenn es eines gibt – scheint hauptsächlich aus einer Schotterfläche zu bestehen. Darum einige Häuser. Ein Restaurant, zu verkaufen, geschlossen. Ein Lebensmittelladen, zu verkaufen, aber immerhin geöffnet. Wir bekamen sogar warmen Kaffee geschenkt, den man als Tourist im Ort sonst wohl vergeblich sucht. Das Ende der Welt. So fühlt sich dieser Ort für mich an, der an diesem Tag sogar sein eigenes Wetter hatte.

Wenn man von hier aus nach Norden segeln würde, an den Inseln Litløya und Gaukværøya vorbei, dann könnte man nach 1100 Kilometern in Longyearbyen auf Spitzbergen an Land gehen. Würde man nach Westen segeln, so würde man auf Grönland treffen. Doch unsere Pläne waren weitaus prosaischer: Zurück zur Nebenstraße und weiter nach Fiskebøl. Und schon nach wenigen Kilometern waren wir wieder in der Sonne.

Graues LaukvikBlick über den Grunnfjorden

Wir sind dann weiter zum Raftsundet gefahren, jenen Sund, der die Lofoten vom Festland abgrenzt. Auf der Festlandseite haben wir wieder herrliche Ausblicke auf die Lofoten gehabt. Schade, dass vor dem berühmten Trollfjord eine Insel liegt. Er ist von der Straße aus nicht zu sehen. Inzwischen war ich aber ein bisschen fotomüde, was auch daran lag, dass wir immer tagsüber im eher kontrastharten Sommerlicht unterwegs waren. Ein Postkartenmotiv zeige ich aber dennoch.

Postkartenmotiv Raftsundet

In Digermulen kam gerade eine Fähre an. Sollte das die Fähre nach Svolvær sein? Das wäre ja toll, diese Tagestour mit einer Fährfahrt zu beenden und dann fast wieder in Kabelvåg, dem Ort unserer Unterbringung zu sein. Aber kein Auto fuhr auf die Fähre, kein Mensch war zu sehen. Im Lädchen, welches gerade schloss, wurde mir dann berichtet, dass diese Fähre schon 2008 stillgelegt wurde. Sehr schade. Also sind wir den ganzen Weg mit dem Auto zurückgefahren. Oder ehrlicher gesagt, Lasse ist gefahren, denn ich hatte es gut und konnte mich auf den Lofoten kutschieren lassen. Da war ich bei den engen und kurvenreichen Strässchen alles andere als böse.

Abends haben wir wieder in Svolvær gegessen, dieses Mal im Bacalao, wo die Küche noch ein bisschen besser war, der Service sehr gut und man sogar noch schöner saß. Ein schöner Abschiedsabend, denn für den nächsten Tag war die Rückreise geplant.

Mittwoch

Und die bedeutete, früh aufzustehen, denn wir wollten unbedingt die 8:15-Fähre von Svolvær nach Skutvik bekommen. Eine Stunde vorher standen wir schon da und das war gut so, denn groß war die Fähre nicht und die nächste würde erst um 16:00 fahren. Wir sind mitgekommen, aber nicht alle hatten so viel Glück. So standen wir draußen auf der Fähre, die mit Zwischenstopp an der Insel Skrova gut zwei Stunden unterwegs ist. Ha det bra, Lofoten, jag kommer tillbake.

Ha det bra, Lofoten!

Jetzt saß ich wieder im Auto und bin gefahren. Norwegen bedeutet ja vor allem kurvige Straßen und steile Straßen. Und Tunnel, viele, viele Tunnel. Manche unterqueren Fjorde und sind dementsprechend steil. Und wirklich breit sind die auch nicht. Wir haben in Røkland getankt. Da bin ich vor fünf Jahren im Winter ausgestiegen, um meine erste Ski- und Hundetour mit Jonas zu machen. Kurz hinterm Saltdal turistcenter bog ich links ab und war nun auf der 95, die nach Schweden führt. Irgendwann waren wir in Arjeplog – inzwischen fuhr Lasse wieder – und dort sieht man den Unterschied zu Norwegen: Die Straßen sind breit, führen geradeaus und links ist Wald und rechts ist Wald. Auch schön, aber verglichen mit der grandiosen und abwechslungsreichen Landschaft auch ein wenig eintönig und langweilig.

Um halb zehn war ich wieder zu Hause. Eine schöne Reise. Nächste Woche fange ich wieder an zu arbeiten. Mal sehen, ob ich nach vier Wochen Urlaub noch weiß, wie das geht.

Lofoten 2014 – Teil 3: Unterwasser

Dieser Artikel ist Teil der dreiteiligen Serie Lofoten 2014.

Meine wasserdichte Nikon AW1 kam ein paar Mal auf den Lofoten zum Einsatz. Leider ist jetzt das Batteriefach jetzt nicht mehr ganz dicht und ich muss die Kamera nächste Woche einschicken. Hoffentlich geht das noch auf Garantie und dauert nicht zu lange. Einige Unterwasser-Fotos von den Lofoten:

StrandkrabbeNapfschnecken und TangEine QualleEin gut getarnter Plattfisch

Zwei Dinge habe ich gelernt:

Ist das Display unter Wasser, so erkennt man rein gar nichts, man macht die Fotos also quasi blind. Ich werde das nächste Mal meine Schnorchelsachen mitnehmen und schauen, ob man dann mehr erkennen kann.

Wenn man geht, anstatt zu schwimmen, so wirbelt man Grund auf. Selbst der relativ schwere Sand braucht Zeit, um sich wieder abzusenken. Auf dem Quallenfoto schwebt noch viel Sand im Wasser, der vom eigentlichen Motiv ablenkt. Das nächste Mal muss ich entweder Grundberührung vermeiden oder länger warten. (Hat man allerdings Schlamm aufgewirbelt, kann man sich einen Wolf warten.)

Noch mehr Hitze

32.5 °C im Schatten31.5 °C in Skelleftehamn. Im Haus hatte ich ähnliche Temperaturen. Im Wintergarten mehr als 40 °C. Sauna mit Solarantrieb.

Am Wasser gibt es ein bisschen Wind und Abkühlung, im Wasser noch mehr. Mit dem Fahrrad fahre ich an die Badestelle, dort liegt in einer kleinen Privatbucht mein Kajak, welches ich dort parken darf.

Auf dem Wasser ist es schön, aber warm. Immer wieder lasse ich die Arme ins gar nicht mehr so kalte Meerwasser hängen, um mich ein wenig abzukühlen.

Natürlich hatte ich wieder eine Kamera dabei, diesmal die kleinere Nikonspiegelreflex mit dem 70-300mm-Tele. Denn heute wollte ich gerne Wasservögel fotografieren, vor allem die Jungvögel, die in großen Gruppen, oft nur von einem ausgewachsenen Vogel begleitet unterwegs sind. Die Vögel fanden die Idee mit dem Fotografieren eher doof und beäugten mich misstrauisch. Wirklich nah herangelassen haben sie mich nicht. Meistens setzte irgendwann der Fluchtreflex ein, der darin besteht, dass die noch flugunfähigen Jungvögel anfangen, auf dem Wasser zu rennen, was urkomisch aussieht, aber bestimmt viel Energie kostet. Deswegen habe ich alle Vögel, die einmal vor mir und meinem Kajak geflohen sind, anschließend in Ruhe gelassen.

Viele Fotos sind unscharf geworden, so lichtstark ist das alte Tele nicht, aber ein paar sind doch ganz nett geworden. Die ersten beiden Bilder zeigen Samtenten, die beiden danach Gänsesäger. Danke an die Facebooker Maria und Tore, die mir beim Bestimmen der Samtente geholfen haben.

Samtenten

Samtenten im Gegenlicht

Gänsesäger

Gänsesäger auf der Flucht

Hund, Katze, Vogel, Krebs

Letzte Woche hatte ich noch einmal Besuch von Annika, die schon einige Wochen zuvor hier war. Unter der Woche musste ich leider arbeiten, aber am Wochenende waren wir zusammen in Kusfors, um dort den Geburtstag von Lasse – einem meiner besten Freunde hier – zu feiern. Da wir am Freitag hinein gefeiert haben, aber auch am Samstag Abend Gäste da waren, kamen wir in den Genuss von gleich zwei Geburtstagsfeiern.

Am Freitag wurde es erwartungsgemäß ziemlich spät, daher wurde aus dem gemeinsamen Frühstück eher ein Brunch. Dabei haben Lasse und wir einige Pläne für seinen Geburtstagstag gemacht und den Rest des Tages dann damit verbracht, die Pläne zu ignorieren. Sehr entspannend!

Erst haben wir kurz bei Flarken vorbei geschaut, einem Hof unweit von Kusfors. Diesen Hof haben Daphne und Fabien, die ebenfalls aus Frankreich stammen, vor zwei Jahren gekauft, um hier Hundeschlittentouren und mehr anzubieten. Die Aufregung war groß bei den 40 Huskys. Gäste, da kann man auch schon mal ein bisschen heulen! Und wie die meisten Huskys waren auch diese hier echte Schmusebacken, die sich wohl stundenlang hätten streicheln lassen können.

Einer der auf Flarken lebenden HuskysSehr lieb und verschmust

Auf Flarken steht auch ein Achtung-Warnschild. Es warnt allerdings nicht vor den Hunden, sondern vor Mücken mit großen, scharfen Zähnen!

Achtung Mücke!

Wieder in Kusfors zeigte Bacchus, der Kater Zähne. An diesem Tag hat er eine Ratte (oder ein ähnlich großes Nagetier) und eine Maus erlegt und ratzeputz aufgefressen. Er hat auch versucht, Vögel zu fangen, aber dafür waren die Vögel zu schnell, auch wenn es einige Male ziemlich knapp war. Aber Bacchus kann auch faul sein, genau so wie manchmal ich …

Bacchus als JägerFaul mit Kater (Foto: Annika Kramer)

Das freut die Vögel bestimmt, denn hier gibt es gutes Futter und die kleinen Piepmätze sind so zutraulich, dass auch ich mich an sie nah heran robben kann, ehe sie dann doch ein Stückchen weg flattern. Der Vogelsenior war allerdings sehr müde und hatte die Augen meistens geschlossen. Ihn fand Bacchus zum Glück völlig uninteressant.

Ein munterer Grünfink (oder?)Ein sehr müder Vogelsenior

Wir wollten zu einem Badesee, haben aber an einem anderen See angehalten, da dort Freunde grillten. Dort haben wir ebenfalls gegrillt und einige von uns auch gebadet. Schwimmen war toll, beim Stehen steckte man allerdings tief im moorigen Seeboden.

MoorseeSteg am Moorsee

Zu Hause sind wir zu dritt in den Wald gegangen, um Heidelbeeren zu sammeln. Wir haben aber fast keine gefunden. Ich hatte schon gehört, dass es wegen der Trockenheit wenige Blaubeeren gibt dieses Jahr, aber vielleicht waren auch einfach die gewerblichen Beerenpflücker schon da. Nun, da kann man nichts machen, dachte ich und legte mich faul auf das Gras.

„Faul sein ist wunderschön“

Am Abend kamen ja noch andere Gäste und die haben Krebse mitgebracht. Das Krebsessen im August ist ein schwedischer Brauch, der meistens von lustigen Papierhütchen und nicht unwesentlichen Mengen Schnaps begleitet ist. Schnaps gab es nicht und Partyhütchen ebenso wenig. Ehrlich gesagt hätten von mir aus sogar die Krebse fehlen dürfen, die ich nun zum ersten Mal gegessen habe. Was für ein Aufwand, um an ein paar Gramm Fleisch zu kommen und auch auf das Aussaugen kann ich verzichten. Mit sind Garnelen lieber, denn sie sind leichter zu pulen und schmecken mir auch besser. Als ich von all den anderen leckeren Dingen satt war, habe ich mir lieber den fast vollen Mond angeschaut, der warm leuchtend zwischen den Bäumen aufging.

KrebseFast Vollmond

An diesem Wochenende habe ich mir übrigens das erste Mal seit drei Wochen wieder etwas über das T-Shirt gezogen, weil es mir sonst ein bisschen frisch war. Die heißen Hochsommertage sind wohl vorbei und dunkel wird es auch wieder. Es darf gerne noch warm bleiben, aber ich freue mich schon aufs erste Polarlicht.

Mit dem Kajak nach Långhällan

Mit dem Fahrrad war ich schon da, mit dem Auto war ich schon da, im Sommer und im Winter. Auf Skiern war ich schon da und sogar Teile schon zu Fuß. Aber mit dem Kajak bin ich noch nie nach Långhällan gefahren. Heute war der Tag dafür: Schönes ruhiges Wetter und nicht zu heiß. Da ich doch einiges Zeugs brauchte, bin ich mit dem Auto zum Strand gefahren und habe dann das Kajak rückwärts von seinem momentanen Liegeplatz ausgeparkt. Wenig später lasse ich das Festland hinter mir und steuere Själagrundet an, eine Erhebung irgendwo zwischen Insel und Kiesbank.

Rückwärts ausparkenTourstart

Själagrundet gehört den Möwen. Wäre ich dort in der Nistzeit angelandet, wäre das Geschrei vermutlich groß gewesen, aber jetzt sind wohl alle Möwen flügge und die kleine Insel verlassen. Doch deutlich sieht man, wo die Möwen gerne hocken, vor allem mancher großer Felsen ist fast vollständig weiß.

SjälagrundetMöwenfelsen

Bis jetzt bin ich im T-Shirt und mit Schwimmweste gepaddelt. Da zwischen Medgrundet, der nächsten Insel und Snusan, der übernächsten fast zwei Kilometer liegen, ziehe ich jetzt den Trockenanzug an, sicher ist sicher. Bei Medgrundet werden die Wellen ein bisschen höher, sind aber so lang, dass die Fahrt weiterhin ruhig ist. Nun ist mir auch wieder warm, denn T-Shirt war bei 12 °C Frühtemperatur doch ein bisschen wenig und die Sonne hat sich noch nicht groß gezeigt. Große Wolkenfelder werfen ihren Schatten. Zwei, drei Paddelkilometer später lege ich am Südufer von Snusan an.

SchichtwolkenmeerAngelandet

Bestand Själagrundet noch aus einem Haufen runder Steine und Felsen, hat Snusan soliden Felsen zu bieten und am Nordufer bricht sich die Gischt. Hoch ist die Insel nicht, aber als ich auf einen großen Stein klettere, habe ich Ausblick über die flache Insel und auch auf mein nächstes Ziel – die Insel Kågnäshällan mit ihrem weißen Leuchtturm.

Gischt am NorduferFelsinsel Snusan

Blick über Snusan und auf Kågnäshällan, die nächste Insel

Auf Kågnäshällan mache ich Mittagspause und bereue, dass ich vor kurzem wieder aufgehört habe, Süßigkeiten zu essen. Schokolade wäre jetzt toll! Aber Käsebrot und Joghurt machen auch satt. Natürlich muss ich den Leuchtturm fotografieren.

Der Leuchtturm auf KågnäshällanDer Leuchtturm auf Kågnäshällan

Am Horizont schweben halbe Schiffe und gespiegelte Baumwipfel. Auch auf dem Meer gibt es Luftspiegelungen. Wie gut, dass ich mein Tele dabei habe. (Als ich vom Kajak aus den Adler gesehen habe, war das Tele natürlich unerreichbar in einem Packsack in einer Packluke verstaut. Typisch!) Doch genug Pause gemacht, jetzt will ich noch einmal mit dem Kajak am Leuchtturm vorbei und dann das kleine restliche Stück nach Långhällan.

Fata MorganaKågnäshällan vom Boot aus

Ein bisschen aufpassen muss ich, denn hier gibt es viele Untiefen und überall brechen sich die Wellen. Gut, dass sie nicht so hoch sind. Doch Långhällan, welches eine meiner Lieblingsstellen ist, enttäuscht vom Wasser aus. Die Felsen sind keine zwei Meter hoch und nur halbherzig mache ich ein Beweisfoto. Da faszinieren mich die unterschiedlichen Farben des Meeres wesentlich mehr. Jetzt ist das Meer richtig zweigeteilt: Links strahlend blau und rechts diesig grau.

Blick auf LånghällanZweigeteilte See

Nun bin ich auf dem Rückweg. Der wird eine Ecke länger sein, denn ich will nicht wie beim Hinweg quer übers Meer von Insel zu Insel paddeln, sondern gemütlich an der Küste zurück. Schnell kommt das Fischerdorf Kågnäsudden, deren Häuser nur im Sommer als Freizeithäuser genutzt werden, in Sicht. Ich werde ein bisschen fotofaul. Meine Rücken- und Schultermuskeln sind ein bisschen beleidigt, sie haben sonst so selten etwas zu tun und kennen es noch nicht, dass ich auch mal eine etwas längere Paddeltour mache. Erst bekomme ich einen kleinen Schreck: noch 16 Kilometer nach Hause! Aber mir fällt schnell ein, dass meine Karte 1:50000 und nicht 1:100000 als Maßstab hat. Trotzdem kürze ich an manchen Stellen ab, man muss nicht in jede Bucht hineinfahren. Trotzdem dauert es ein bisschen, bis ich die Insel Björkskär erreiche.

KågnäsuddenBjörkskär voraus

Von dort aus sind es noch etwa drei Kilometer bis zum Startpunkt. Etwa sieben Stunden nach dem Aufbruch bin ich wieder an Land und wenig später zu Hause. Ein guter Tag.

Blåbär

Heute morgen war ich Heidelbeeren sammeln. Eine hier, eine dort. Ein mühsames Unterfangen. Ich hatte schon gehört, dass es hier dieses Jahr wenig Heidelbeeren gibt, und leider stimmte das. Es waren tatsächlich so wenig Beeren da, dass ich bestimmt 20 Minuten gebraucht habe, bis der Boden meiner Dose halbwegs bedeckt war. Und das ist ja nicht gerade viel. Beim Sammeln ging ich leicht abwärts dem kleinen Waldsee engegen und der Boden wurde etwas feuchter. Und dort wuchsen dann auch mehr Blaubeeren, so dass ich mich auch mal zum Sammeln hinhocken konnte. Das gefiel mir schon besser, zumal jetzt auch ein paar der leckeren Beeren in meinem Magen landeten.

Blåbär – Heidelbeeren

Meine Ausbeute: 680 Gramm Beeren, immerhin ein Anfang.

Seele baumeln lassen in Skelleftehamn

Ein Gastbeitrag von Annika.

Dank meines Jobwechsels und damit verbundener kurzer (und gewollter) Arbeitslosigkeit hatte ich dieses Jahr für den Sommerurlaub sagenhaft sechs Wochen Zeit. Die erste sollte mich nach Skelleftehamn führen. Olaf hatte nach unserem Kennenlernen in Abisko im März ja gesagt, wir dürften ihn besuchen. Ralf hatte leider keinen Urlaub, also fuhr ich allein. Etwas aufgeregt war ich schon wieder, wir hatten uns ja erst einmal gesehen, und da gings zwischen Ralf und Olaf immer viel um Fotografie, wovon ich ja nunmal nix verstehe. Aber dann wurde es doch eine sehr tolle Woche.

Wieder war es merkwürdig, all das zu sehen, was ich aus dem Blog „kannte“ – letztes Mal den Menschen Olaf, jetzt sein Zuhause, das grüne Haus, den weißen Flügel, den Keller, der immer getrocknet wird – nach kurzer Zeit war alles schon so vertraut!

Wir hatten durchgehend Traumwetter, so dass wir jeden Tag draußen sein konnten und auch erste Blaubeeren gefunden haben. 30°C-Sommer mit Meer und Baden, das war bislang nie meine Vorstellung von Urlaub, hier habe ich es so genossen.Von meiner Quasi-Premiere im Kajak hat Olaf ja schon erzählt – ich bin gerne wieder dabei!!!

Steinstrand bei BjuröklubbBlumenfotografieStrand bei GrundskatanGiraffenmuster

Paddeltour auf dem Kågefjärden

Und auch von meinem Abschiedsabend auf der M/S Stormvind gibt es ja schon einen Bericht. Dass es die Menschen waren, die Olaf dazu bringen hier zu bleiben, das konnte ich schon nach einem Abend auf dem Boot verstehen. Und so leckeres Essen gabs :-).

Einen Abend war ich dann noch in Skellefteå zum Tango tanzen am Fluss. Auch das war einfach schön und unkompliziert. Die Tangoskällskap Skellefteå schien ziemlich stolz zu seine, dass ich sie extra via google gesucht hatte, aber es war auch wirklich ein toller Abend, und ich habe jetzt zahlreiche neue Tango-Bekanntschaften in Skellefteå, Umeå und Piteå (und die wichtigste Lektion des Abends an eine Tango-Argentino-Anfängerin wie mich: „Never do travel without your tango shoes!“)

Tango am Skellefteälven

Ansonsten bleiben in meiner Erinnerung:

  • Endlich weiß ich, wie Österreich wirklich ist („The hiiiills are alive with the sound of muuuuusic“)
  • meine ersten beiden Intensiv-Lehrstunden in Musiktheorie am weißen Flügel. Jederzeit mehr davon
  • Ich weiß jetzt, wen alle Klavierlehrer in ihren riesigen Kellern eingesperrt haben („The 5000 fingers of Dr. T“)
  • Auch zu Lupinen habe ich jetzt ein völlig neues Verhältnis („Dennis Moore, Dennis Moore …“)
    und Vielesvielesvieles mehr
LånghällanAuf dem Weg zur Fotostelle

Långhällan

Blick auf den SkellefteälvenKatzenfotografie in KusforsNach meinem Besuch in Skelleftehamn bin ich dann vier Wochen durch Schweden (und auch kurz Norwegen) gereist, bin gewandert, habe noch mehr Menschen kennengelernt und meine Zeit sehr genossen. Anschließend durfte ich noch mal nach Skelleftehamn kommen zum Akkus aufladen, Geburtstag feiern undundund. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Ich danke Dir für die schöne Zeit. Und ich käme gerne wieder, schon allein aus zwei Gründen:
1) Ein Gästezimmer, in dem an drei von vier Wänden Bücher über absolut alles zu finden sind, was einen immer schonmal interessiert hat … . Lesestoff für lange Winter.
2) Olaf. Immer eine Reise wert ;-)

Strand von SorgrundetGästezimmer und Bibliothek

Mit dem Kajak in den Wald?

Sonne, warm, Wochenende und keinen Termin, da blieb der Vormittag faul, doch am Nachmittag war ich mit dem Kajak unterwegs. Außen an Storgrundet vorbei paddelnd habe ich die Idee, vielleicht nach Gåsören zu paddeln schnell verworfen, dazu war mir das Meer zu zappelig. Statt dessen habe ich wie schon oft die Insel Norrskär angesteuert. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich außer im Winter noch nie richtig auf dieser Insel war und bin deswegen an Land gegangen.

Mit dem Kajak auf der OstseeLandgang auf die Insel Norrskär

Da sind erst einmal zehn Meter Fels- und Steinufer und dann steht man im Wald. Dort zeigen sich schon vorsichtig die ersten Herbstfarben und die Fliegenpilze spriessen um die Wette.

Im Wald von NorrskärDie ersten Herbstfarben

Vor allem Flechten und Pilze haben es mir dieses Mal angetan, manche bilden Miniaturlandschaften, manche abstrakte Formen, andere zeigen kreisrunde Motive.

Fliegenpilz von obenRunde FlechtenformationFast abstraktes FlechtenmusterKleine Flechtenkolonie

Es ist kaum zu glauben, dass mein Kajak keine 50 Meter entfernt an der Ostsee steht. Auch die letzten Mücken der Saison können kaum glauben, dass sich ein Mensch bei ihnen im Wald herumtreibt, finden es es aber durchaus begrüßenswert. Deswegen habe ich den Wald wieder verlassen und bin weitergepaddelt. Um Norrskär und Bredskär herum und wieder zurück, jetzt mit dem Wind, zum Anlegeplatz. Eine kurze, aber schöne Samstagnachmittagstour.

Das Kajak wartetWieder auf der Ostsee

Meer statt Wald

Gestern bin ich Kajak gepaddelt und habe mir ein kleines Stück Wald auf der Insel Norrskär angeschaut. Mehr als 80 Meter konnte man dort aber ohnehin nicht in den Wald laufen, ab dann liefe man wieder hinaus …

Heute wollte ich in den Wald und habe mir den Bureberget als Ziel ausgesucht, denn dort hat man Wald, Fels, Wasser (vor allem auf dem Weg) und auch eine schöne Aussicht auf das Meer. Da ich recht früh aufgewacht bin, war ich um acht schon unterwegs.

Etwa 50 Meter vor der Einfahrt zu dem Kiesweg, wo ich immer parke, sah ich ein kleines Warnschild auf die Straße gestellt. „Jakt med drivande hund“ stand darauf.

Jakt med drivande hund

Ach ja, es ist ja September und damit Elchjagd in Schweden. Nun werden wieder überall Jagdgesellschaften unterwegs sein und man sollte sich knallbunt anziehen, wenn man zur Zeit in Schwedens Wäldern unterwegs sein will. Ich denke an meine Jacke im Kofferraum, sie ist waldgrün und eignet sich für vieles, aber nicht dafür, im Wald gesehen zu werden. Damit hat sich mein Plan mit dem Wald erledigt.

Ich fahre weiter, noch kein neues Ziel im Sinn. Neben jedem Hochsitz steht ein Auto und auf jedem Hochsitz sitzt ein Mann mit Jacke in neonorange. Jagd. Bald bin ich in Burvik, wo ich links nach „Burvik N“ – nördliches Burvik abbiege. Der Weg führt um einen Hof und gabelt sich. Ich kenne mich hier nicht aus und wähle rechts. Nach einer Kurve zeigt ein Schild nach links: Storön 7 km. Prima, dort geht es also weiter, denke ich und biege ab.

Auch auf dieser Straße sind die Hochsitz mit Jägern besetzt. Die nächste Jagdgesellschaft? Willkommen bin ich vermutlich nicht, aber die Straßen sind öffentlich und ich kann ja nicht den ganzen September nur die E4 hoch- und runterfahren. Storön selbst entpuppt sich als eine Amsammlung von Sommerhäusern und es gibt noch nicht einmal die Möglichkeit, irgendwo zu parken, es sei dann auf einem der Privatgrundstücke. Nun, das ist nichts außergewöhnliches, mir scheint der Großteil der kleinen Wege nur dazu zu dienen, bequem mit dem Auto zum Sommerhaus zu kommen.

Ich fahre die Stichstraße wieder raus und weiter die Hauptstraße – auch nur ein Kiesweg, bis ich an einer Kreuzung stehe. Rechts ist die Schranke runter und ich laufe zu Fuß los. Ich lande auf der Halbinsel Flakaskäret, die ich aber nicht so spannend finde. Nach anderthalb Stunden bin ich wieder am Auto, steige ein und fahre den linken Weg hinein. Dieser führt eine Weile durch den Wald und hört irgendwann mittendrin auf. Dort stelle ich das Auto ab, denn von dort aus ist es nicht mehr weit zum Meer und dort ist es richtig schön.

Am Ufer von VånörenAm Ufer von Vånören

Ich bin durch Zufall auf der Halbinsel Vånören gelandet, die ich bis jetzt nur von der Karte kenne. Ich laufe ein Stück den Stein- und Felsstrand entlang, bis ich irgendwann wieder umkehre, denn ich habe nur Wasser und nichts zu essen mit. Schön blöd! Als ich mit dem Auto zurückfahre, sind die Jäger verschwunden und es ist helllichter Tag.


Eine Wort-für-Wort-Übersetzung des Warnschildes ist übrigens „Jagd mit treibende Hund(e)“. Ich schaue ein bisschen im Internet und lande schnell auf der deutschen Wikipediaseite zum Thema Brackierjagd. Dort ist von Fuchs und Hase die Rede, nicht von Elch. Jetzt frage ich mich, was dort wohl gejagt wurde. Ich muss aber zugeben, dass mein Interesse daran nicht groß genug ist, um mich durch schwedische Jagd-Websites zu lesen. Wenn ein Blogleser sich damit auskennt, ist er mehr als willkommen, mich in einem Kommentar aufzuklären. Vielleicht war aber auch einfach nur der Text auf dem Schild falsch.

Zwei Gerüche

Von Steinpilzen, Pflaumen und einer Spinne als Nutznießer.

I – Das Steinpilzdesaster

Am Dienstag nachmittag traf ich meine Nachbarin I. Sie hatte einen großen Karton bei sich. Da der Karton offen war und ich sehr neugierig sein kann, lugte ich hinein. Er war voller Steinpilze! Sie war mit dem Naturschutzverein Pilze sammeln und hatte jede Menge „karl johan“, wie die Steinpilze in Schweden genannt werden, gesammelt. Als ich den Fang – äh Fund – bewunderte, bekam ich direkt drei Pilze geschenkt.

Ich liebe Steinpilze, aber nun hatte ich ein Problem. Denn am Abend hatte ich Chorprobe, am Folgeabend eine Einladung und am Folgefolgeabend Diskussionsklub. Und mittags esse ich in der Stadt. Was macht man da mit drei schönen Pilzen?

Bei Google gab ich steinpilze trocknen ein und erhielt jede Menge Treffer mit Rezepten, Bauanleitungen für Trockenöfen und Tipps, wie man Pilze trocknet. Daraufhin habe ich den Ofen auf 50 °C geheizt, zwei Pilze in dünne Scheiben geschnitten (der dritte war leider voller Maden) und zum Trocknen in den Ofen gestellt. Dabei habe ich die Klappe mit einem Stück Holz ein wenig offen gelassen, denn ich wollte ja trocknen, nicht schmoren. Also alles, so wie es im klugen Internet steht, nur dass ich keine Umluft habe …

Frische SteinpilzeSteinpilze zum Trocknen vorbereitet

Und das war vielleicht das Problem. Nach drei Stunden fühlten sich die Pilze erst trocken an, aber sie waren es nicht. Ihre Konsistenz war irgendwo zwischen Gummi und drei Wochen altem Gemüse. Da kam ich auf die Idee, sie in den Kühlschrank zu stellen in der Hoffnung, dass sie sich bis Freitag frisch halten.

Jedes Mal, wenn ich den Kühlschrank nun öffnete, ballte sich eine unsichtbare Faust und schlug mir *bang* kräftigsten Steinpilzgeruch in die Nase. Der Geruch wurde jedes Mal intensiver und mein dienstäglicher Appetit auf Steinpilzomelett oder Tagiatelle in Steinpilzsahnesoße ließ immer mehr nach. Zum Schluss war der Geruch, der mir aus dem Kühlschrank entgegenschlug dermaßen intensiv, dass ich ihn heimlich begann, Gestank zu nennen. Am Freitag warf ich dann die labbrigen Steinpilzscheiben weg. :-(

Was blieb, war der Gestank. Am Sonntag habe ich eine Schüssel mit Essig in den Kühlschrank gestellt. Seitdem riecht es nach Steinpilz und Essig. Man erzählt sich viele Horrorgeschichten über den Gestank von Surströmming – den in Nordschweden teilweise sehr beliebten vergorenen Hering – der wirklich extrem ist. Aber falsch konservierter Steinpilz ist auch nicht schlecht. Die einzigen, die eigentlich ein viel feineres Näschen haben als ich, aber sich völlig unbeeindruckt zeigten, waren die Fruchtfliegen.

II – Der Fliegenfänger von Hamn

Und von denen hatte ich eine ganze Menge. Ob sie mit Obst zu mir kamen oder aus der Blumenerde der kleinen Rosmarinpflanze wird wohl nie ergründet werden. Tatsache ist aber, dass ich jede Menge kleiner Fliegen in Wohnzimmer und Küche hatte und kaum ein Glas Orangensaft abstellen konnte, ohne dass zehn Sekunden später zwei Fliegen am und im Glas saßen.

Freiwillig teile ich Essen und Trinken nur mit guten Freunden. Kleine Fliegen gehören nicht dazu. Meine ersten Versuche, sie mit einer alten Banane wegzulocken funktionierten nicht so gut. Dann kam der Abend, an dem ich tatsächlich zu Hause Rotwein trank. Alkohol alleine trinke ich sonst nie, aber vom Diskussionsklub war noch Rotwein übrig geblieben – und nicht wenig – und den bekam dieses Mal ich.

Und die Fruchtfliegen. Denn als ich am nächsten Morgen einen Blick auf das leere Rotweinglas warf, war es voll mit Fliegen, die wohl in der Nacht eine rauschende Party gefeiert haben. Schnell die Hand drüber und mit dem Glas nach draußen und ich war schon einmal die ersten zwanzig Fliegen los.

Darauf füllte ich einen Winzschluck Wein in eine Glasflasche als Köder und fuhr zur Arbeit. Leider hat sich der Köder nicht bewährt, keine einzige Fruchtfliege flog ihn an. Vermutlich hatten noch alle vom Vorabend einen kräftigen Kater.

Tägliche PflaumenernteNach zwei Jahren Pause trägt mein Pflaumenbäumchen wieder Früchte. Und die letzten Tage ging ich abends raus und pflückte eine Handvoll. Die Kerne landeten auf einem Teller. Und dieser Pflaumengeruch scheint für die kleinen Fliegen wohl unwiderstehlich zu sein. Scharen umschwirrten den Teller mit den Kerngehäusen. Ein leichtes, da die Kerne in die Flasche zu schütten.

Von nun an hatte ich immer jede Menge der kleinen Fliegen in der Flasche und einmal auch einen fetten Brummer. Ich habe sie draußen freigelassen oder Thekla im Wintergarten zum Naschen gegeben. Seitdem ich sie vor zwei Wochen fotografiert habe, hat sie ganz gut an Gewicht zugelegt. Jetzt sind die Fütterungszeiten allerdings vorbei, denn heute habe ich in der Flasche keine einzige Fruchtfliege mehr gefunden.

Jetzt ist die Flasche wieder leer und das Pflaumenodeur Vergangenheit. Bloss der Gestank im Kühlschrank hält sich hartnäckig.

Zum Abschluss noch ein Bild von Thekla, die sich im Wintergarten wohl recht wohl fühlt:

Thekla, die Kreuzspinne im Wintergarten

Eine Nacht auf Gåsören

Gestern stand die Polarlichtvorhersage auf „5 – High“ und klarer Himmel sollte auch sein. Perfekte Bedingungen, um nach der Arbeit zur Insel Gåsören zu paddeln und dort zu übernachten. Um drei habe ich das Büro verlassen, bin nach Hause gefahren und habe gepackt. Und gepackt.

Schlafsack · Isomatte · Zelt · Kocher · Wasser · Lebensmittel · Kamera · Stativ · Objektive · warme Kleidung · Sandalen · Schwimmweste · Trockenanzug · Neoprenschuhe · Taschenlampe · Messer · Handy · Streichhölzer · Badezeugs · Kleinkrams

Meine bange Frage: passt das alles in mein Kajak? Ich habe noch nie mit meinem Kajak eine Zweitagestour unternommen, doch zu meiner großen Überraschung passte alles in die beiden Luken des Bootes, nur der Fünfliterkanister Wasser fand hinter dem Sitz Platz. Und so konnte ich bald in See stechen, an den Inseln Storgrundet, Bredskär und Flottgrundet vorbei paddeln und Kurs auf Gåsören nehmen.

Viel Gepäck im KofferraumGåsören voraus

Eine Stunde später war ich da, denn wirklich weit weg ist Gåsören nicht. Nun musste ich als erstes einen Zeltplatz suchen, bevor es dunkel wird. Ich war nicht sicher, ob es überhaupt irgendwo eine plane Fläche gibt, denn Gåsören ist im Grunde ein großer bewachsener und bebauter Steinhaufen. Eine erste Möglichkeit: der sandige Spielplatz am Hafen, Schaufel und Förmchen inklusive. Nicht schön, aber machbar. Der Inselrundgang hatte erst nichts ergeben, doch zum Schluss habe ich einen fast steinfreien Platz mit Feuerstelle gefunden, da war ich bestimmt nicht der erste, der dort sein Zelt aufgeschlagen hat.

Auf der Suche nach einem Zeltplatz auf Gåsören

Das Heim steht …… und ist fertig eingerichtet

Nun war das Abendessen dran. Ich hatte noch eine norwegische Tüte „Turmat“ – Tourenessen mit Chili con Carne und meinen kleinen Gaskocher dabei. Das „Kochen“ geht schnell: Wasser kochen, in die Tüte giessen, Tüte wieder verschließen, fünf Minuten warten (da kann man ja fotografieren), fertig. Nun ja – ich glaube, dass das Tütenessen wesentlich besser schmeckt, wenn man ausgehungert darüber herfällt. Aber es war warm und machte satt. Und mit einem schönen kleinen Feuer ist das ganze richtig gemütlich, zumal es noch recht warm war. (Ich sehe ein bisschen verkrampft aus auf dem Foto, schließlich darf ich mich vier Sekunden lang nicht bewegen.)

OutdoorkücheRönnskär im Dämmerungslicht

Abendessen am Feuer

Nur das Wetter spielte nicht richtig mit. Der ganze Himmel war bewölkt und selbst der helle Mond konnte sich nur ab und zu mal durch eine kleine Wolkenlücke sichtbar machen. Deswegen bin ich ins Zelt gegangen und habe mich schlafen gelegt. Ich kann ja später gucken, ob das Wetter besser wird. Einen Wecker brauchte ich dafür nicht, denn in der ersten (und hier einzigen) Zeltnacht schlafe ich nie besonders gut, selbst wenn ich so luxuriös viel Platz habe wie dieses Mal.


Ich wache auf, das Handy zeigt 0:52. Es scheint heller draußen als vorhin. Ich öffne die hinteren Reißverschlüsse und luge hinaus. Der Mond ist sichtbar, auch einige Sterne, doch der halbe Himmel hängt voll Schleierwolken. Richtig klar ist es also nicht. Schade! Ich stehe aber dennoch auf, um ein paar Nachtaufnahmen zu machen. Oben herum Daunenjacke, denn wenn ich müde bin, friere ich leicht, aber unten herum barfuß in Sandalen, denn soo kalt ist es auch wieder nicht. Das sieht bestimmt lustig aus.

Ich stelle das Stativ auf und mache ein Foto direkt neben dem Zelt.

Nachts um eins

Ich gehe los und merke, dass die eine Schleierwolke am Südhorizont zu verschwinden scheint. Nun schaue ich genauer und sehe, dass der ganze Himmel nicht mit Wolken, sondern mit fahlem Polarlicht bedeckt ist, vom Nord- bis zum Südhorizont. Das Licht ist so fahl, dass es farblos zu sein scheint, die sonst typischen Grüntöne sind kaum wahrzunehmen, nur die Kamera zeigt sie, denn die nächtlichen Langzeitbelichtungen verstärken die Farben. Zwei Stunden wandere ich in dem vorderen Teil der Insel umher und fotografiere. Die Aurora wird tatsächlich ein bisschen stärker, aber richtig deutlich wie vor zwei Wochen wird sie nicht mehr. Aber einige Fotos werden doch recht schön, denn auf der Insel gibt es einfach schöne Motive.

Leuchtturm und Polarlicht

Insel im MondlichtDas alte Leuchtturmhaus

Farbspiel – im Hintergrund Rönnskär

Eine der kleinen Angenehmlichkeiten Gåsörens ist das „utedass“, das Plumpsklo. Meistens liegen auf einem utedass Zeitschriften und oft hängen an den Wänden kleine Natur- oder Landschaftsfotos. Hier gibt es gleich zwei nebeneinander. Als ich die linke Tür aufmache, lächelt mir von den Fotos kein Rentier, sondern der Adel entgegen. Das ist Grund genug, ein Foto zu machen. Als ich die Tür wieder schließe, sehe ich eine holzgeschnitzte Frauenfigur an der Tür. Oops – hier gibt es tatsächlich Klos nach Männlein und Weiblein getrennt. Das habe ich in Schweden noch nie erlebt, erst recht nicht beim utedass! Neugierig mache ich nun die rechte Tür zum Männerklo auf und erwarte Fotos von Traktoren oder Schneemobilen, doch nein, die Herrentoilette ist karg und hat kein einziges Foto an den Holzwänden. Wie langweilig!

Um drei gehe ich wieder ins Bett. Es ist kühler geworden und irgendwann mache ich den Schlafsack, den ich bis jetzt nur als Decke verwendet habe, zu. Kurz vor Sonnenaufgang wache ich wieder auf. Ich könnte jetzt (A) herausgehen und Morgendämmerungsfotos machen oder (B) weiterschlafen. Ich entscheide mich für B (sorry, liebe Leser) und schlafe bis acht Uhr so gut wie durch.


Den Tag beginne ich mit einem Frühstück: Graved Lachs und auf Feuer frisch geröstetem Ökoroggenbrot. Um Längen besser als das Abendessen. Auch wenn die Luft noch kühl ist, die Sonne wärmt schon.

Frühstück auf der Insel

Ich hänge den Schlafsack auf das Zelt zum Trocknen und laufe auf der Insel herum: Manche Birke und Eberesche trägt Herbstfarben – hunderte Fliegenpilze sprießen im Wald aus dem Boden – Holzwürmer haben geheime Zeichen in den alten Baumstamm geschrieben – Tausend gespiegelte Sonnen glänzen auf dem Meer – ein Bootssteg lädt zum Verweilen ein – ein Glücksbringer hängt an einem alten Stück Mast am Strand.

Ich treffe die Besitzer einer der beiden Stugas, später beginnen erste Boote in dem kleinen Hafen anzulegen. Ich habe kurz überlegt, noch eine weitere Nacht zu bleiben, doch mir fehlen Essen und mein Buch und so mache ich nur noch ein kleines Abschiedsfeuer zum Rösten des restlichen Brotes, verstaue alles wieder im Kajak und paddele gemütlich und mit Rückenwind über die glatte, sonnenbeschienene Ostsee.

Herbstfarbe gelbHerbstfarbe rotFliegenpilzeHorzwurmische LyrikTausend SonnenBootsstegGlücksbringerAbschiedsfeuer

Sch**** (Achtung, Vulgärsprache!)

Heute schreibe ich mal über Scheiße. Das hatte ich schon lange vor. Ich will auch gar nicht so ausführlich berichten, zumal Euch einige Hinterlassenschaften bekannt sein dürften. Dazu gehört zum Beispiel der gemeine Möwenschiet, der hier viele Felsen rund um die Inseln bedeckt.

Möwenschiet

In deutschen Gefilden fast gar nicht, doch hier in jedem Wäldchen anzutreffen ist der Elchkot (nicht mit Nougateiern oder Zimtmandeln zu verwechseln), der so viel Zellulose enthält, dass man daraus Papier herstellen und an deutsche Touristen verkaufen kann.

Elchkot

Während Elche meist recht fantasielose Häufchen scheißen, erinnert mancher Möwenschietfelsen an abstrakte Kunst, auch wenn das von den Verursachern so nicht beabsichtigt sein mag.

Möwenkunst

Warum ich das Ganze schreibe, so spät in der Nacht? Ich fand, dass das Thema heute gut passt, zum Ausgang der schwedischen Reichstagswahl 2014, bei der die Rechtsextremen um die 13 % bekommen haben. Und als ich das las, da dachte ich einfach nur – Scheiße!

Entschuldigung, liebe Blogleser, normalerweise ist meine Sprache artiger und kinderfreundlicher. Aber manchmal gibt es Momente, die durch das unfeine und doch so praktische Wort „Scheiße“ einfach am besten beschrieben werden können. Heute beim Lesen des ersten vorläufigen Wahlergebnisses war so ein Moment.

:-(

Kühler Morgen

Glockenblume in der MorgenkälteHeute morgen zeigte das Thermometer 2 °C, ganz ungewohnte Temperaturen für den warm bis heißen Sommer und milden Herbst. Die Blüte der einzigen Glockenblume in meinem Rasen hing matt auf ihrem Stengel und war mit winzigen gefrorenen Wassertröpfchen bedeckt und auf einer Abdeckung schimmert der erste Reif.

Heute mittag soll die Sonne scheinen und die Temperatur auf etwa 15 °C ansteigen, dass ist in der Sommer immer noch ziemlich warm. Jetzt beginnt wieder die Zeit der zwei Jacken. Und irgendwann greift man wohl wieder wie selbstverständlich zu Mütze und Schal, wenn man aus dem Haus geht. Sommerabschied.

Herbstfarben

Einige Herbstfarben von heute. Die Laubfärbung hat diese Woche wie von einem Tag auf den anderen eingesetzt. Ich war aber bei meinem Waldspaziergang erstaunt, wie viele Blumen noch blühen.

HeidelbeereBirkenblattFliegenpilzTorfmoosRainfarnRot-KleeBergasterHagebutten

Möglich gemacht hat Ganze eine weitere Farbe: Orange. Ich habe nämlich vor zwei Wochen festgestellt, dass ich zwar knallrote Winterjacken habe, aber alles für Sommer und Herbst eher schwarz bis waldgrün ist. Ganz doofe Farben, wenn gerade Elchjagd in Schweden ist und deswegen habe ich mir heute ein knalloranges Softshell gekauft. Damit sieht man mich wirklich und ich traue mich wieder in den Wald. Ein bisschen eingesaut habe ich sie schon und das liegt an dem nächsten Motiv. Diese kleine Heuschrecke hat sich vorbildlich ruhig verhalten, aber leider einen Grasbüschel mitten im Sumpfgelände ausgesucht. Da war hinknien und nass und dreckig angesagt und einen Ellbogen habe ich auf dem schlammigen Boden aufgestützt, damit ich das Motiv nicht verwackele. Was tut man nicht alles für ein schönes Foto.

Heuschrecke

Die Heuschrecke soll die letzten warmen Tage geniessen, denn Anfang der nächsten Woche soll es maximal fünf, sechs Grad werden.