Geht es nach den Astronomen, dann ist heute am 21. Dezember der letzte Herbsttag, denn in der kommenden Nacht um 0:58 ist Wintersonnenwende und damit morgen astronomischer Winteranfang. Ich finde das ein bisschen lustig, denn der erste Schnee ist hier vor knapp zehn Wochen gefallen und die letzten 40 Tage hatten wir pausenlos Dauerfrost und Temperaturen bis -20 °C.
Während in Südschweden über 150 Jahre alte Tiefsttemperaturrekorde gebrochen wurden, ist es hier eher der Schnee, der dieses Jahr früh und viel kam.
Wir haben jetzt wieder eine ähnliche Situation wie vor vier Wochen. Vor fünf Tagen hat es angefangen zu schneien und seitdem sind fast pausenlos Flocken vom Himmel gefallen. Mal mehr, mal weniger; mal mit viel Wind, mal mit weniger. Ich habe ein hochwissenschaftliches Schneehöhenmessystem auf dem Grundstück installiert (Drei Zollstöcke stecken an unterschiedlichen Stellen im Schnee) und heute Abend lag die gemittelte Schneehöhe bei 107 cm (97 cm, 108cm, 116cm). Die 90 cm lange Metallstange, die ich vor dem Zollstockkauf zum Messen benutzt habe, habe ich heute morgen nicht mehr gefunden. Sie steckt noch irgendwo im Vorgarten.
Der Nachbar, der vorhin vorbei kam, kann sich nicht entsinnen, hier jemals soviel Schnee gesehen zu haben. Jetzt schneit es zwar mit mehr Pausen noch weiter, aber heute Abend hat der schwedische Wetterdienst zum ersten Mal seit sechs Tagen keine Wetterwarnung mehr für die Region herausgegeben. Aber wer weiß, was diesen Winter noch alles herunterkommt. Und ich frage mich langsam, wo der ganze Schnee bleiben soll.
Eine der seltenen Schneepausen
Die mittlere Messtelle zeigt heute Abend 108 cm
Ich als extremer Schneefan versuche aber, meine Begeisterung nicht allzu offensichtlich zur Schau zu stellen¹, denn die meisten Schweden denken bei Schnee hauptsächlich an die zusätzliche Arbeit wie Schneeräumen oder die Probleme im Zug- und Flugverkehr. Ich hingegen sehe hauptsächlich tolle Motive (leider meist im Dunkeln) und viel Schnee für die nächste Ski- oder Schneeschuhtour. Und weiteren Schnee für Tiefsnow stapfing und Power snowangeling.
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¹ Danke an Sonya für die schöne Formulierung.
Heute war Wintersonnenwende, und damit der kürzeste Tag des Jahres. Für die Astronomen ist heute Winteranfang. Die Sonne ging um 9:42 auf, stand mittags gerade mal 2.1° über dem Horizont, um dann nach 3¾ Stunden Sonne um 13:27 wieder unterzugehen. Zum Glück ist die Dämmerung bei der flachen Sonnenbahn recht lang und verlängert die hellen Stunden, aber ich freue mich – so sehr ich Schnee und Kälte mag – dass die Tage wieder länger werden. Licht ist einfach etwas Tolles!
Vor einem halben Jahr hat mir Sonya die Idee gegeben, am längsten Tag mitten in der Nacht, wenn die Sonne am tiefsten steht, ein Foto zu machen. Da ich heute an meinem letzten Arbeitstag in diesem Jahr ohnehin nicht arg produktiv war, bin ich kurz vor dem Sonnenhöchststand um 11:35 zum Fluss gelaufen, um jetzt ein Foto am kürzesten Tag zu machen, wenn die Sonne am höchsten steht. Wenn man denn die Sonne sieht …
… aber ich hatte Glück: Nach dem tagelangen Schneefall ist heute die Sonne wieder herausgekommen und hat die Teile der Stadt, die sie erreichen konnte, in warmes Licht getaucht. Das meiste allerdings liegt im Schatten. Passend zu dem klaren Himmel ist die Temperatur in der Stadt von anfangs -17 °C auf -19.5 °C gesunken und jetzt zeigt das Alkoholthermometer -23 °C.
Wenn man einfach nur draußen ist, fühlen sich die Temperaturen gar nicht so kalt an, aber beim Schnee schippen habe ich schon durch die Nase geatmet, weil sich sonst die eiskalte Luft ziemlich unangenehm anfühlt. Ich frage mich, ob der Mann, der auf Dach des Nachbarhauses der Agentur Schnee geräumt hat, das auch so kalt fand, aber er macht das bestimmt öfter und kommt dabei nicht so ins Schwitzen wie ich.
Der Schnee auf meinem Grundstück ist übrigens schon gut 10 cm in sich zusammengesunken, der Meter ist also wieder unterschritten. Die nächsten Tage ist es wohl wieder sonniger und das sieht bestimmt toll aus nach dem vielen Neuschnee. Da morgen mein erster Urlaubstag ist, werde ich mir das mal genauer anschauen. Sonya, die gerade bei mir zu Gast ist, muss leider morgen noch einen Tag arbeiten.