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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Winteranfang

Heute, am ersten Dezember, ist für die Meteorologen Winteranfang. Gleichzeitig ist Skyltsöndag in Skelleftehamn. Doch dazu später.

Zeitungsartikel in der NorranAm Freitag berichtete mir ein Bekannter von dem Zeitungsartikel über mich. Über mich? Ach ja, richtig. Ich wurde ja vor anderthalb Monaten von der Norran interviewt, das hatte ich völlig vergessen. Thema war dieses Mal nicht „Der Deutsche, der freiwillig nach Nordschweden zieht“, sondern „Der Angestellte, der neben seiner Arbeit noch ein Hobby hat“. Während ich das nicht so außergewöhnlich finde, hat Norran aus der Tatsache, dass ich im Kammerchor mitsinge, eine Doppelseite gezaubert.

Gestern morgen war ich kurz an der Küste und habe dort G., den Fischer getroffen. Er hatte ein bisschen zu tun, bis er das Boot erst mit dem Auto an Land gezogen und dann freigeschaukelt hat. Seine Hündin fand das eher doof und hat laut gebellt, bis sie von ihm an Bord gehievt wurde. Eine Minute später hörte man den Außenborder und sah, wie G. sein Boot durch das dünne Eis zum offenen Meer steuerte.

G. wackelt sein Boot frei„Ich bin soo einsam!“

Ruisleipä – RoggenbrotNachmittags war ich bei meinen Nachbarn von gegenüber, um eine Zeitung zu holen, denn ich habe die Norran nicht und war schon ein bisschen neugierig, was man über den Chor und mich so schreibt. Das war ein guter Zeitpunkt, denn ich habe nicht nur die Zeitung bekommen, sondern noch etwas ganz besonderes: E. und ich sind uns einig, dass die Schweden kein Brot können! E. kommt aus Finnland und hatte frisches Roggenbrot gebacken. Da durfte ich probieren und habe gleich ein Stück geschenkt bekommen. Das war so lecker, dass sogar ich Koch- und Backmuffel jetzt beschlossen habe, auch Roggenbrot zu backen. Den Link zum Rezept habe ich, aber ich lasse mir das lieber von E. persönlich zeigen, denn das Rezept ist auf finnisch.


Heute war ja Skyltsöndag, so eine Art kombiniertes Advents-Weihnachtsmarkt-geöffnete-Läden-und-alle-haben-wieder-beleuchtete-Sterne-in-ihren-Fenstern-Fest. Vor zwei Jahren fand es bei Regen statt, letztes Jahr hingegen fiel es aus, weil innnerhalb 24 Stunden 83 Zentimeter Schnee gefallen waren. Und das nach einer Warnstufe 1 (10-20cm). Das räumen auch die Nordschweden nicht mal so eben weg. Ich musste schon ein bisschen lachen, als der smhi gestern wieder Warnstufe 1 Schnee (10 cm) ausgegeben hat.

Als ich heute morgen aufwachte, war auch alles weiß, aber mehr als fünf Zentimeter waren nicht gefallen. Das sieht schön aus, aber das es grau war und auch noch kleinere Schauer herunterkamen, habe ich nur ein paar Photos gemacht.

Reifenspur vorm HausSchneegestöber auf dem kleinen Damm

Die Crystal Topaz in Skelleftehamn„Crystal Pool“ klingt schön. Da denkt man an Urlaub im Süden, türkisblaue Pools mit warmen Wasser, von Palmen umgeben. Und wenn das groß auf einem Schiff steht, dann ist der Gedanke an Kruezfahrten nicht weit. Das Schiff „Crystal Topaz“, welches zur Crysal Pool Group gehört und heute an dem verschneiten Ufer des Ölhafens „Oljehamn“ vertäut war, ist allerdings kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Öltanker. Das erklärt auch die über­dimen­sionale Beschriftung „No smoking“.

SkyltsöndagSpäter war ich dann auch noch auf dem Skyltsöndag, habe ein paar Freunde getroffen, die Verkaufsstände angeschaut und war schnell wieder zu Hause. Allerdings noch mit einem kleinen Umweg nach Ursviken, zur „Kanotudden“, der Kanubucht. Der Fluss ist hier allerdings schon komplett zugefroren und der böige Wind treibt Schnee über die Eisflächen, während die Sonne, die schon um viertel vor zwei unterging, die Wolken in Bonbonfarben taucht.

Eisbedeckte Bucht des Skellefteälven

Am Wintermeer – Teil 1

Ich als Fan des skandinavischen Winters habe heute ein bisschen neidvoll auf andere Orte Schwedens geschaut: Katterjåkk misst jetzt schon 105 cm Schnee. Wir vielleicht fünf oder acht oder so. Und während in Pajala und Hemavan die Mittagstemperaturen unter -30 °C lagen und in Nikkaluokta in der letzten Nacht -38.7 °C gemessen wurden, hatten wir hier „nur“ so um -10 °C. Das liegt natürlich am nahen Meer, welches hier für vergleichsweise milde Temperaturen sorgt. Und manchmal ärgere ich mich dann, dass ich nicht weit, weit, im nördlichen Inland oder besser noch auf dem Fjäll lebe. Aber dann brauche ich nur ans Meer zu gehen oder zu fahren und schon weiß ich wieder, warum ich es hier mag.


Heute bin ich wieder zu Långhällan gefahren, wo ich zuletzt mit Jochen vor zwei Monaten war.

Es ist eine ganz eigene, faszinierende Stimmung heute morgen an der Küste. Die dichten Wolken sorgen für ein kaltes Zwielicht und alles liegt in Eis erstarrt. Die kleinen Sträucher sind dick von Eis umhüllt. Es ist windig und ab und zu fliegt ein bisschen körniger Schneegriesel vorbei. Weder Mensch noch Tier lässt sich blicken – der Winter auf dem Festland ist ruhig. Doch das Meer ist aufgewühlt. Hohe Wellen überlagern sich, brechen sich, lärmen und rauschen und die Brandung schleudert die Gischt meterhoch in die Luft und über die Felsen ans Land, wo sie sofort festfriert.

Deswegen sind alle Felsen mit einer Eisschicht überzogen und ich bewege mich nur teilweise laufend vorwärts. Manchmal krabbele ich eine größere Stufe hinab oder rutsche auf den Knien weiter. Man sollte sich auf den Felsen halten, denn die glatten Eisflächen bedecken Senken, die metertief mit Wasser bedeckt sein können und vor allem nah am Meer ist das Eis noch dünn. Doch es ist wunderschön, in diese raue Landschaft einzutauchen und mit der Natur eins zu sein.

Eisküste

EisküsteEisumhülltes Bäumchen

Einsame Kiefer auf Eis und Fels

Es muss ein sehr lustiger Anblick sein, mich in ziemlich sonderbaren Haltungen auf den Felsen fotografieren zu sehen. Für ein Detail lege ich mich platt auf dem Boden; die Kamera liegt auf einem Handschuh. Das Motiv gibt leider nichts her und bald laufe ich zurück zum Auto. Inzwischen bewege ich mich viel leichter und entspannter auf dem Eis, ich habe mich wohl daran gewöhnt – nein, ich habe bloss mein Stativ vergessen! Also noch einmal zurück. Zum Schluss mache ich noch ein Foto unter dem Motto „Beach Party“, aber ich bezweifele, dass ich damit den Pauschaltouristen ansprechen kann.

Beim Fotografieren„Beach party“

Jetzt könnte ich den Heimweg antreten, aber nein, noch will ich nicht fort

Am Wintermeer – Teil 2

Was macht man, wenn Winter ist, -10 °C, man am Meer fotografiert hat und noch nicht nach Hause will? Man holt die neue wasserdichte Nikon aus dem Auto. Und damit man selbst auch wasserdicht ist, kommt der knallrote Neoprenoverall auch mit. Zu recht – wie sich zeigen wird.

Bald laufe ich durch das knietiefe Wasser einer kleinen Bucht zu den exponierten Felsen. Kaum sitze ich auf den Felsen, kommen schon ein paar Brecher heran gerauscht und überspülen den Felsen, auf dem ich hocke. Ich komme nicht dazu, zu fotografieren, denn ich bin mehr damit beschäftigt, einen guten Halt zu finden, damit mich nicht irgendeine Monsterwelle wegspült. Keine Minute später sind Gesicht und Kamera klatschnass und das erste Wasser hat am Kinn seinen Weg in den Overall gefunden, aber ich sitze.

Wirklich zufrieden bin ich nicht mit den Fotos. Es war wenig Licht, ich kenne die Kamera noch nicht und an die spannendsten Stellen kam ich nicht. Ich hätte liebend gerne seitlich in ein Wellental hinein fotografiert aber dazu hätte ich die sicheren Felsen verlassen müssen und das war mir definitiv viel zu gefährlich.

Ein paar Fotos, die aber nur einen schwachen Eindruck von der Energie des aufgewühlten Meeres zeigen.

Brandung und GischtBrandung und GischtRauhe FelsküsteDie Gischt fliegt auf mich zu

Ich habe auch ein paar Fotos von mir gemacht. Bei dem letzten kam dermaßen viel Wasser angerauscht, dass von mir nicht viel zu sehen ist, obwohl die Kamera ja nur eine knappe Armbreite von mir entfernt ist. Sehr nass, sage ich nur!

SelbstportraitIn der Gischt

Einmal die volle Breitseite

Und die Nikon AW1? Das Wichtigste: Sie hat gehalten! Ich habe sie über Wasser gehabt, in der Brandung und auch oft unter Wasser. Letzteres, um das Eis wieder abzuschmelzen, doch dazu ist das Wasser in der Bucht zu kalt und bald war die ganze Kamera mit einem Eispanzer umgeben. Lediglich den Auslöseknopf konnte ich freihalten und immer wieder die gefrierenden Gischt-Tropfen vom Frontglas entfernen. Aber an Zoomen war nicht mehr zu denken. Doch nachdem ich die Kamera zu Hause gebadet(!) und getrocknet habe, ging alles wieder prima.

Nikon AW1 – eisüberzogen

Nachtrag:

Ich habe ein kleines, wackeliges Video von heute online gestellt.

Der Winter lässt sich Zeit

Es ist schon ein ziemlicher Zickzackkurs, den der Winter dieses Jahr fährt. Vorgestern gab es Pladderregen bei +10 °C, dann ging es in der Nacht in Schnee über mit einem kurzen Sturm. Heute morgen war es klar und -10 °C und jetzt geht es gerade wieder gegen null. Kein Wetter für Schnee, aber die Ostsee zeigt doch immer mehr Winteranzeichen.

Bei der Lotsenstation ist das Meer offen und die Steine sind eisüberzogen.

Winterfelsen am Strand von NäsgrundetWinterfelsen am Strand von Näsgrundet

Doch in den geschützteren Bereichen – keine 150 Meter entfernt – bildet sich eine dünne Eisschicht, die von den Wellen wieder gebrochen wird. Die Eisschollen stoßen sich aneinander rund und bilden das sogenannte Pfannkucheneis. Der halbe Himmel ist in rosa-violette Pastellfarben getaucht, ich nenne ihn „Bonbonhimmel“.

Pfannkucheneis

Ortswechsel. Ich stehe jetzt einer offeneren Stelle unweit der Insel Storgrundet. Erst dachte ich, das Meer sei komplett eisbedeckt, aber nein, die Wasseroberfläche ist nur so ruhig und klar. Ich stehe auf einem Wall von Eisschollen, die vermutlich der letzte kurze Sturm an Land geblasen hat. Einige Meter weiter ist das flache Meer offen.

An der EiskanteBlick aufs Meer

Die kleine Bucht ist restlose mit Pfannkucheneisbedeckt, der Rest des Meeres ist noch offen.

PfannkucheneisPfannkucheneis auf einer kleinen Bucht

Schaut man an die Eiskante, so sieht man hunderte kleine, rubbelige Eiszapfen, die von der Gischt der kleinen Wellen genährt werden. Schaut man mit dem Teleobjektiv hinaus aufs Meer, so sieht man, dass die Oberfläche mit unzähligen kleinen Eisstückchen bedeckt ist, die irgendwann zusammenfrieren werden, wenn es mal ein paar Tage ruhig und kalt ist. Und das da am Horizont, sind das Eisschollen? Ich weiß es nicht.

Eiszapfen unter der EiskanteFernblick

Notiz an mich selber: Wenn man mit der neuen wasserdichten Kamera Unterwasserbilder vom Ufer aus machen will, dann das nächste Mal unbedingt Neoprenhandschuhe mitnehmen! Das Wasser ist viel zu kalt, um in Ruhe die Kamera unter Wasser zu halten und nasse Hände bei -10 °C Lufttemperatur sind nur mäßig gemütlich.

Nachtrag

21:05, gerade habe ich den Artikel veröffentlicht. Plötzlich heult Wind ums Haus und es hat angefangen zu schneien. Mal sehen, wie viel herunterkommt. Morgen Abend soll es regnen :-(

3:44

3:44 ist keine Matheaufgabe für Nordwärts-Blogleser.
3:44 ist auch nicht das Spielergebnis des letzten Eishockeyspiels.
3:44 ist erst recht kein Musikstück von John Cage.

3:44 ist die Länge des heutigen Tages in Skelleftehamn: Drei Stunden, einundvierzig Minuten. Um 9:41 ging die Sonne auf, um 13:25 ging sie wieder unter. Gerade mal 2.2 °C hat sie es über den Horizont geschafft. Das sind etwa zwei Finger breit bei ausgestrecktem Arm.

Das ist nicht gerade viel Licht, aber ich mag den heutigen Tag. Das liegt nicht nur daran, dass heute mein erster Ferientag ist, sondern auch an der Wintersonnenwende. Denn die sagt mir, dass heute der kürzeste Tag ist und damit die Tage wieder länger werden. Und das gefällt mir.

Und so sah es heute gegen halb zwölf aus, als die Sonne „hoch“ im Süden stand.

Eiswall am Kallholmen

Blick über den Sörfjärden

Dieser Dezember war nicht nur milder und windiger als gewöhnlich, sondern auch der Wasserstand war größeren Schwankungen ausgesetzt. Deswegen wurde das Eis an vielen geschützten Stellen wieder kaputt gebrochen und liegt jetzt an manchen Stellen in langen Haufen am Ufer. Die Eisschollen auf dem Wasser sind noch nicht zusammengefroren und treiben frei auf dem Wasser. Ich bin gespannt, wann hier alles so fest zugefroren ist, dass man aufs Eis gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, einzubrechen.

Nachtrag:

Ursprünglich hieß der Artikel 3:41, denn ich habe mich verrechnet. Evi hat das im ersten Kommentar sofort entlarvt und ich habe mich nun entschlossen, den Fehler zu korrigieren.

Auf dem Meer

Gestern stand ich am kleinen Strand und beäugte misstrauisch das Eis, welches das Meer zwischen dem Strand und der Insel Storgrundet bedeckte. Auf dem nassen Eis konnte man Skooterspuren ausmachen, aber das sagt nicht, dass das Eis auch mich trägt.

Heute das gleiche Bild: Ich, der Strand, die Insel, dazwischen Eis. Und mein misstrauischer Blick. Den Unterschied machte B., der dort seine Stuga hat und der Einzige ist, der mich nicht sofort fragt: „Ska du fiska?“ – Willst Du angeln?

Denn B. weiß, dass ich gerne fotografiere und fragte mich stattdessen, ob ich auf’s Eis wollte. Ich: „ja, aber …“ . Er: „Kein Problem, das Eis ist 20 cm dick, da kann man mit dem Auto drüber fahren.“ Ich (gedacht): „Aber bitte nicht mit meinem!“

B. hat zwei Netze draußen unter dem Eis und war ohnehin mit einem Freund auf dem Weg dorthin, da bin ich gleich mitgekommen. Das Eis war recht klar, denn auch gestern hat es erst dicke Flocken geschneit und dann bei Plusgraden geregnet. Jetzt aber war es schön und leicht frostig.

Auf dem Weg zu den Netzen

Das Eisloch wird vom Eis befreitDas erste Netz wird hochgezogen

Im ersten Netz hatte sich nur eine „simpa“, eine kleine Groppe verfangen. Also weiter zum zweiten Netz.

Zum zweiten Netz

Und dort hatten B. und sein Freund mehr Erfolg. Vier Quappen (schwedisch: Lake) zog er aus dem Wasser.

Eine Quappe im NetzEine Quappe wird aus dem Netz gepult

Ich habe erfahren, dass man aus den Quappen im Winter „Rom“, also Fischrogen gewinnen kann. Die Quappen selbst hat man früher als „Lakesoppa“ in Milch zu Suppe gekocht, doch das ist außer Mode gekommen und viele mögen das nicht mehr.

Ich bin dann weiter über das Eis zu der Insel gegangen. Ich bin manchmal ganz schön zusammengezuckt, wenn das Eis unter meinen Füßen das Eis peitschenähnlich knallte, so stark, dass ich das Beben spüren konnte.

Überall knackste und rumste, krachte und tönte das Eis, denn in der Nacht hatten wir hier sehr hohen Wasserstand und jetzt senkte sich der Meeresspiegel wieder, zusammen mit der Eisschicht. Aus dem gleichen Grund war auch der letzte Meter zur Insel der Schwerste, denn dort ist das Eis aufgebrochen und so schwach, dass man dort schauen muss, wo man seine Füße (und Hände) hinsetzt, um an Land zu kommen.

Die Insel Storgrundet ist schmal und schnell war ich am äußeren Ufer. Dort sah es so aus:

Eisschollen vor Storgrundets Ostufer

Dort ist das Meer noch offen, nur einige Eisschollen schwimmen vor der teilweise überschwemmten Bucht. So ganz entspannt war ich nicht, denn ich wusste ja, dass ich wieder aufs Eis muss. Ich habe mich deswegen schnell wieder auf den Rückweg gemacht und wieder den ersten Meter erfolgreich und dank der hohen Gummistiefel trockenen Fußes überwunden. Die tief stehende Mittagssonne leuchtete orange über das Eis.

Die Sonne scheint über das MeereisAuf dem Eis

Ans Festland zu kommen war hingegen einfach, denn dort ist ja B.’s Bootssteg. Ich liebe es, über’s Eis zu laufen und doch bin ich jedes Mal wieder erleichtert, wieder auf dem Land zu stehen. Nach einem Kaffee bei B. habe ich mich auf den Rückweg gemacht.


Der Heizlüfter im Auto hat den Eispanzer des letzten Eisregens erfolgreich von den Fensterscheiben geschmolzen, so bin ich noch kurz zur Bucht „Kallholmsfjärden“ direkt bei mir um die Ecke gefahren. Diese Bucht, gestern noch komplett offen, war heute vollständig mit dünnem Eis bedeckt. Erstaunlich, wie schnell das manchmal geht. Etwa 5 mm stark war das Eis schon. Wer weiß, vielleicht sitzen dort nächste Woche schon die ersten Eisfischer.

Klares, neues EisDer Kallholmsfjärden ist eisbedeckt

Als ich wieder aus dem Wasser stieg (Merke: Unterwasseraufnahmen ohne viel Licht sehen langweilig aus), kam Nebel auf. Es wurde wärmer, der Nebel dichter, die Dämmerung kam. Und mit ihr erneuter Regen …


Für die Statistik: Wann bin ich das erste Mal über das Eis auf die Insel Storgrundet gelaufen?: 5. Dezember 2010 / 22. Januar 2012 / 5. Januar 2013 / 22. Dezember 2013. Also war ich gar nicht so spät dran dieses Jahr.

µ = 0

Und da kam er gestern wieder: der Regen. Einiges kam runter. Bei Minusgraden auf die gefrorene Straße. Ich wollte nur kurz über die Straße zum Nachbarn gegenüber, und …

lägger in ny definition av „halkigt“ i balansdatabasen. Nu är det inte halkigt ute, det är friktionsfritt….

Per-Anders Fjellström

… schrieb Per-Anders heute bei Facebook. Danke, Per-Anders, besser hätte man das nicht beschreiben können. Auf deutsch:

„Ich füge eine neue Definition von „rutschig“ zur Balance-Datenbank hinzu. Jetzt ist es nicht rutschig da draußen, es ist reibungsfrei …“

Es klingt vielleicht wie Nordlandslatein, aber ich bin auf der anderen Straßenseite nicht wieder auf den Fußweg gekommen. Dort gibt es keine richtige Kante, sondern es geht minimal aufwärts, zehn Zentimeter vielleicht. Und die bin ich nicht hochgekommen, sondern kläglich wieder auf die Fahrbahn zurückgerutscht. Ich bin den Meter dann gekrabbelt. Das nenne ich glatt!

Im übrigen würde ich momentan keinen Empfehlen, meine Holztreppe zu benutzen, ohne sich anzuseilen. Blödes Glatteis!

µ ist unter anderem die Einheit für den Reibungskoeffizienten. Den geringsten (zusammen mit PTFE) hat nasses Eis auf nassem Eis mit 0.02. Ich halte es hier aber mit Per-Anders und vergebe eine glatte 0.

Neujahrstag am Strand

Nach einer schönen Silvesterfeier und einem Morgenspaziergang in Norrlångträsk bin ich nicht direkt nach Hause gefahren, sondern habe in Byske noch Halt am Meer gemacht. In Byske gibt es eine große Bucht mit schönem Sandstrand, der im Sommer von vielen Norwegern besucht wird, weil hier oft das Wetter besser ist.

Ich war sehr gespannt, ob schon Eis auf dem Meer ist, aber es war noch komplett offen. Spannend war aber der Grenzbereich zwischen dem schneebedecktem Sandstrand und dem offenen Meer. Hier hat sich eine kleine Abbruchkante gebildet, unter der tausende und abertausende kleine Eiszapfen hingen.

Eiskante am Strand von ByskeEiskante am Strand von Byske

An manchen Stellen war ein Teil der Eiskante abgebrochen und wurde von den flachen Meereswellen umspült.

Meerumspültes Eis von der Abbruchkante

Nun wurde es dunkler und das Licht kälter. Ich stand am und im Wasser und mein rechter Fuss war inzwischen nass. (Notiz an mich selbst: Die Wintergummistiefel sind nicht so hoch wie die Sommergummistiefel.)

Eis schwebt über der OstseeBlick auf Björknäsudden

Ein letztes Motiv habe ich noch fotografiert, ehe ich wieder zum Auto gegangen und nach Hause gefahren bin. Dies ist mein Lieblingsbild 2014 und ich überlege, ob ich am Wochenende noch einmal nach Byske fahre, und dort den ganzen kurzen Tag fotografiere.

Eisskulptur

Eisflächen

„Leise rieselt der Schnee, still und starr liegt der See.“ Finde die beiden Fehler!

Vieles ist eisbedeckt

Fehler eins: Aus den Wolken fällt Sprühregen, kein Schnee. Fehler zwei: Die Eisfläche auf dem Bild ist kein See, sondern ein Parkplatz!

Er ist dick mit nassem, glatten Eis bedeckt. Genauso wie viele Straßen und Wege, der Strand, Teile meines Gartens und natürlich auch die Seen. Bloß die Ostsee ist noch offen.

Wegen der Plusgrade und des Nieselregens ist das Eis nass. Und genau so sauglatt wie eigentlich die meiste Zeit seit Ende November. Zwischen der Insel Storgrundet und der Ostsee liegt zwar Eis auf dem Meer, aber so richtig vertrauenserweckend finde ich das nicht mehr. Damit ich überhaupt vom Parkplatz zum Strand komme, schnalle ich mir Spikes unter die Stiefel und gehe nur dort über das Eis, wo das Meer wirklich flach ist.

Auf dünnem EisSchwaches Eis

Auch der Weg nach Storgrundet ist eine einzige Eispiste und ohne das feine „Traction Control System“ meines Saabs könnte ich solche Straßen kaum entlangfahren, denn auch die Spikes der Winterreifen kommen hier an ihre Grenzen, vor allem beim Anfahren.

Der Weg nach Storgrundet – eine Eispiste

Und so sieht es bei mir im Garten und auf der Straße aus.

Eisflächen im GartenEin Weihnachtsstern spiegelt sich

Ich will ehrlich sein: Mich nervt dieses Wetter! Seit Wochen kommt immer wieder Regen aus tiefen, grauen Wolken gefallen. Und wenn es hier schneit, dann ist der Schnee am übernächsten Tag weggeregnet. Und zu noch mehr nassem Eis geworden. Von der Dunkelheit bei diesen trübem Wetter fange ich erst gar nicht an. Momentan ist keine grundliegende Änderung in Sicht und in einem schwedischen Wetterblog wird angedeutet, dass ein richtiger Winter auch schon einmal ausfallen kann.

Dann werde ich mir wohl Schlittschuhe kaufen und statt über das Meer über die Wege und Plätze gleiten. Und vielleicht das Abfahrtsschlittschuhlaufen erfinden, wenn ich mich nur traue …

Grummel …

Kleine Enttäuschung in Byske

En liten besvikelse i Byske På svenska

Trots det dystra vädret åkte jag idag till Byske igen, eftersom jag har varit där på nyår och tyckte så mycket om isen på stranden. Men tyvärr har värme, vind och vågor tagit bort den vackra iskanten och krossade allt till småbitar. Det var så mild att även Byskeälvens mynningen är nästan isfritt återigen.

Och på något sätt hade jag det svårt att hitta någon motiv idag. Ett stort isflak, som balanserade på en liten ispelare såg ganska imponerande ut i naturen, men gör det inte på bilden. Roligare är väl „making of“-foton som jag tog med min iPhone.

Idag är jag lite missnöjd med mina bilder. Anledningen: Jag var inbjuden av en fotograf som jag träffade för några dagar sedan. Han visade sina bilder och dom är på någon helt annan nivå än mina! Jag är mycket glad över bekantskapen, inte bara för att han är sympatisk men också för att vi har planerad att ta någon fototur tillsammans och det blir väl både roligt och lärorik för mig. Och så ligger något bra i mitt missnöje: Den visar, att jag har potential att bli bättre och det är väl något positivt.

Trotz des ewig-trüben Wetters bin ich heute noch einmal nach Byske gefahren, denn dort war ich Neujahr schon und fand das Eis am Strand so schön. Aber leider haben das Wärme, Wind und Wellen der schönen Eiskante den Garaus gemacht und zu kleinen Stückchen zertrümmert.

Zertrümmertes Eis am Strand

Und irgendwie habe ich kaum Motive gefunden. Eine große Eisscholle, die auf einer kleinen Säule ausbalanciert lag, sah zwar in Natura imposant aus, aber das Foto gibt es irgendwie nicht her. Lustiger ist das „Making of“-Foto, welches ich mit dem iPhone geknipst habe.

Balanceakt„Making of“

Es war so mild, dass sogar die Flussmündung des Byskeälven wieder offen war und dort habe ich doch noch ein recht schönes Motiv gefunden.

Flussmündung des Byskeälven

Ich bin heute unzufrieden mit meinen Fotos. Der Grund: Ich wurde von einem Fotografen eingeladen, den ich vor ein paar Tagen kennengelernt habe. Der hat mir seine Fotos gezeigt und das ist einfach mal ein ganz anderes Niveau. Ich bin sehr froh über die Bekanntschaft, nicht nur, weil er nett ist, sondern auch, weil wir uns vorgenommen haben, mal zusammen fotografieren zu gehen und da kann ich bestimmt jede Menge lernen. Und so hat meine Unzufriedenheit etwas Gutes: Sie zeigt, dass ich noch großes Potential zur Verbesserung habe und das ist ja etwas Schönes.

Ein ganzer Tag frei

Liebe Blogleser: Kennt Ihr schon den Artikel Ein halber Tag frei? Da fängt diese Geschichte an. Also hier erst weiterlesen, wenn Ihr das andere gelesen habt. Versprochen?


… gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen.

Und ich habe geschaut, noch einmal geschaut und dann bei Hello Future angerufen, um den ganzen Tag frei zu bekommen. Denn es ist ein wunderschöner Anblick, wenn die Ostsee beginnt, zuzufrieren und da es heute gerade so klar und schön war, wollte ich noch den Rest des Tages draußen bleiben. Erst habe ich von Land fotografiert, dann auch vom flachen Wasser aus. Es war aber gar nicht so einfach die Eiskante herunter- und wieder hochzuklettern, denn auch wenn sie nicht an allen Stellen zwei Meter hoch ist, glatt ist sie überall.

Eiskante vor der Halbinsel NäsgrundetMeereiszapfen

Warme Sonne, kaltes Eis. Gåsören am Horiziont

Und so sah ich nach den Fotos aus: Wathose gegen kaltes Ostseewasser, warme Jacke gegen die kalte Luft, und rundum zufrieden. Ich musste zwei Anläufe für dieses Foto machen, denn das Eis war so glatt, dass ich beim ersten Mal hinsetzen mich nicht halten konnte und sitzend langsam wieder herunter zur Kamera schlitterte.

Zufrieden und erfüllt

Danach fuhr ich erst einmal zum ICA, Lebensmittel einkaufen und nach Hause, denn ich hatte seit dem Frühstück weder etwas gegessen oder getrunken und mein Magen knurrte ungehalten. Aber dann bin ich noch einmal losgefahren, zu der gleichen Stelle wieder. Denn das schöne Pfannenkucheneis am Damm zur Halbinsel wollte ich noch ablichten.

Pfannkucheneis

Zwei Bilder möchte ich noch zeigen, dieses Mal nicht Natur, sondern Menschgemachtes: Erst (von der ersten Runde) die Lotsenstation vom Wasser aus und dann (von der zweiten Runde) die Industrieanlagen auf der Halbinsel Rönnskär.

Die Lotsenstation aus NäsgrundetRönnskär am Nachmittag

Na gut, ein Bild habe ich noch. Was macht man, wenn man einen wasserdichten Overall und eine wasserdichte Kamera hat: Fotos nah am Wasser. Wenige sind etwas geworden, denn es war fast zu dunkel für die kleine Kamera, um vernünftig zu fokussieren. Wie ein merkwürdiger Traum war es, auf dem weichen Eis zu liegen, halb im Wasser, und zu sehen, wie der Mond, von Jupiter begleitet, seine Strahlen über die vereiste Ostsee schickt.

Traum

Mein Dank geht an Hello Future, dessen fast grenzenlose Flexibilität mir diesen Tag heute ermöglicht hat. Tack så mycket, E., J. und L.

Heute morgen am Meer

Eisbedeckt bis zur Insel Storgrundet

Nun ist die Ostsee also eisbedeckt und die Stellen, die gestern noch offen waren, sind auch zugefroren. Kein Wunder, denn innerhalb einer Woche ist das Thermometer von +3 °C auf -18 °C gefallen, also drei Grad pro Tag. Dabei ist es hier sogar noch mild im Vergleich: Am Flugplatz wurden -23 °C gemessen, Freunde in Kusfors – 70 Kilometer im Inland – hatten heute Abend -28.4 °C und im Norden Schwedisch Lapplands lagen die Minima vielfach unter -35 °C.

Gleissende Lichter am Horizont

Kurz vor Mitternacht hätte ich natürlich auch ins Bett gehen können. Ich bin eher Frühaufsteher und war schon ziemlich müde. Aber der klare Sternenhimmel und der Vollmond, der klar und hell die verschneite Umgebung beschien, da wollte ich noch mal raus. Nur kurz mit Kamera zum Meer. Warmen Parka anziehen empfiehlt sich aber dennoch, bei -21 °C. Doch als ich zehn Minuten später am Meer stand, war alles bewölkt. Wo kamen die Wolken her? Es war nicht so, dass irgendwoher die Wolken aufziehen, sondern „knips!“ – waren sie da.

Na gut, aber am Meer ist es auch bewölkt schön und der Mond schaffte es auch noch durch die Wolken durch und beschien die von Schnee und Eis ummantelten Felsen.

Wintervollmond am gefrorenen Meer

Danach hätte ich natürlich auch nach Hause fahren können, aber Lichter am Horizont machten mich neugierig. Bohrplattformen haben wir nicht, eine Stadt liegt da auch nicht, also ist es vermutlich ein Schiff. So war es dann auch. Als ich an der Lotsenstation stand und die Landzunge hinausging, um zu fotografieren, traf mich von hinten das Scheinwerferlicht eines anderen Autos. Eine in Neongelb bekleidete Figur lief zum Steg und kurze Zeit später konnte man hören, wie das kleine Lotsenboot sich ruckhaft den Weg durch die vereiste Fahrrinne bahnte. Es war auf dem Weg zu dem Schiff. Bei dem Foto sieht man sehr schön, wie sich bei der kalten Luft sofort Eisnebel über dem offenen Wasser bildet.

Nachtschiff am Horizont

Auch weiter nördlich waren die starken Strahler eines Schiffes zu sehen. Der Strahler war nicht zum Himmel gerichtet, sondern durch die Reflektion des Lichtes an Eisplättchen entstand vermutlich eine sogenannte Lichtsäule. Nun weiß ich also, wo Skelleftehamns Nachtleben stattfindet: Auf dem Meer!

Lichtsäule auf See

Meine Güte, zehn vor drei und das mir! Und ich muss morgen arbeiten. Schnell den Artikel veröffentlichen und dann ins Bett.

Wer das Foto vom Schiff nicht so richtig toll findet, darf mir gerne ein besseres Objektiv schenken. Postadresse steht unter Kontakt ;-)

Lichtsäulen

Heute Nachmittag fiel Eisstaub aus dem klaren Himmel. Dann bilden sich oft Lichtsäulen, wie auch gestern schon. So deutlich wie heute habe ich das aber selten gesehen und deswegen habe ich ein Foto von Rönnskär gemacht. Kurze Zeit später ging der Eisstaub in größere Eiskristalle über und der schöne Lichteffekt war schon wieder vorbei.

Lichtsäulen über Rönnskär

Weiße Weiten

Die Kälte der letzten 7 Tage – erst um -10°, dann um -15 °C – hat das Meer zufrieren lassen und ein paar Zentimeter Schneefall haben das Eis weiß bedeckt. Stand man vor zwei Wochen am Meer, so sah man Wasser und Wellen; steht man jetzt am Meer, so sieht man eine weiße, weite Fläche bis zum Horizont. Vielleicht eine eingefrorene Eisscholle hier, eine erste Tierspur dort. Und am Horizont die Insel Gåsören, scheinbar zu Fuß schon sicher zu erreichen.

Die Ostsee. Am Horizont die Ostseeinsel Gåsören

Doch es wird noch dauern, bis man sicher über das Eis zur Insel laufen kann. Das sieht man schon daran, dass hier noch keine einzige Skooterspur über das Eis führt.

Packeisküste

Canada Goose – ein Traum für Winterfotografen

Wenn ich mir das Photo anschaue, dann könnte ich auch behaupten, ich hätte gerade zu Fuss Grönland durchquert. Ihr könntet entgegnen, dass könne ja jeder sagen, es sei ja noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt in der Jacke drinstecke. Darauf hätte ich nichts zu entgegnen, also bleibe ich lieber bei der Wahrheit.

-26 °C im GartenEigentlich sollte es das ganze Wochenende bewölkt sein, aber das Wetter hat sich nicht an die Prognose gehalten und es war schön und klar. Und wenn es klar ist, kann es kalt werden. -26 °C zeigte das Thermometer heute morgen am Haus und das war für mich das Zeichen, nicht nur zum Fotografieren hinauszufahren, sondern mich auch warm anzuziehen. Denn im liebe zwar Winter und Kälte, bin aber im Grunde ein Weichei und habe es gerne warm. Das Bild oben ist also nicht in Grönland, sondern bei Långhällan an der Ostsee entstanden. Kalt war es aber auch.

Wie man auf dem Bild sieht, liegt vor Långhällan kein glattes Eis, sondern zusammengefrorenes Treibeis, welches fahl von den Dämmerungsfarben angestrahlt wird. Zwei Stunden stand ich bestimmt da, schaute und mache Photos, aber am Schönsten war es, als die Sonne herauskam und anfing, immer größere Teile der eisummantelten Küste und des Packeises zu bestrahlen.

Packeis vor LånghällanBald geht die Sonne aufSonnenaufgangNun ist das Eis sonnenbestrahlt

Einen kleinen Schwenk mit dem Auto habe ich noch gemacht. Am schönsten fand ich die Sicht von der Brücke über den Bureälven, aber auch den Zaun um den Flugplatz fand ich sehenswert, obwohl ich Stacheldraht fürchterlich finde. Nach Mittagstemperaturen um -22 °C fiel das Thermometer wieder, aktuell (15:30) liegt es bei -25 °C.

Brücke über den Bureälven bei Östra Falmark

Flugplatzzaun

Nachtrag

Jetzt ist es 0:00, der Sonntag ist vorbei und mit Temperaturen zwischen etwa -22 °C und -26 °C ist er der kälteste Tag der Saison und der erste, dessen Maximum unter -20 °C lag. Auf der Seite Temperaturen 2013/14 kann man ganz gut sehen, wie die Temperaturen innerhalb von elf Tagen um etwa 30 °C sanken.

Wenn Ihr denkt, das sei kalt: In Karesuando und anderen Orten an der Nordspitze Schwedens lagen die heutigen Temperaturen den ganzen Tag unter -35 °C und teilweise unter -40 °C. Das ist dann wirklich kalt und sieht auch dementsprechend aus.

Raureif 70-200mm

Zwei Gründe gab es, heute vor der Arbeit, und dann noch einmal mittags zum Fotografieren draußen zu sein: Zum einen der herrliche Raureif, der sich vor allem um die filigranen Zweige der Birken gelegt hat, zum anderen ist gestern mein neues Nikon-Teleobjektiv gekommen, welches ich natürlich sofort ausprobieren wollte.

Vermutlich werde ich bald irrsinnig starke Handgelenke vom Halten haben, denn alleine das Objektiv wiegt anderthalb Kilo. Ich muss mich jetzt daran gewöhnen, das Tele und nicht die Kamera am Stativkopf zu befestigen, denn sonst nickt die Kamera vorne über.

Aber genug vom Fotografieren, hier kommen drei Bilder von heute morgen in Skelleftehamn und Ursviken:

Raureif ummantelt die Birken am MeerGåsören dunstig und eisumschlossen

Der Kanuverein an der „Kanubucht“ in Ursviken

Nach der Mittagspause war ich noch am Fluss. Die Sonne bestrahlte den eisbedeckten Fluss, der fürchterlich knarkste und krachte, und die beraureiften Baumreihen.

Zwei Flosse vor Skellefteås Flussinseln Ytterholmen und Karl Fredriksholmen

Wenn es trocken und kalt ist, dann rieselt oft feinster Eisstaub aus dem Nichts. Normalerweise würde man den gar nicht sehen, wenn das Eis nicht so in der Sonne glitzern würde. In Richtung Sonne bildet sich dann oft eine Lichtsäule, die durch die Reflektionen der horizontal schwebenden Eisplättchen entsteht. Schwer zu fotografieren, da die Lichtsäule immer genau in Richtung Sonne steht, aber auf dem folgenden Bild sieht man es zumindest ein bisschen im Detail, auch wenn das goldene Glitzern fehlt.

Auf dem Bild mit Floß und Flussinseln kann man nicht nur die Lichtsäule, sondern auch am rechten Bildrand einen schwachen regenbogenfarbigen Streifen sehen. Das ist keine Reflexion im Objektiv, sondern diesen farbigen Streifen konnte man auch in Natura sehen.

Feiner Eisstaub reflektiert die Sonnenstrahlen und bildet eine Lichtsäule

Winterspaziergang vor der Arbeit

Morgenstimmung am Meer

Vor SonnenaufgangDass ich heute morgen kurz zur Küste gefahren bin, weil das Wetter so schön ist, war freiwillig. Aber es lockt mich jedes Mal wieder, auf den Horizont zu blicken. Darüber ein Himmel in allen Sonnenaufgangsfarben mit rosa Wölkchen und Lichtsäule, darunter das kalt bläulich schimmernde schnee- und eisbedeckte Meer.

Unfreiwillig hingegen war der zweite Spaziergang. Er führte von der Autowerkstatt nach Hause. Dort hat man sich heute des Kofferraumschlosses angenommen, welches sich vor kurzem verabschiedet hat. Aber ich hatte meine Kamera dabei und bin ein paar mal stehengeblieben um zu fotografieren. Eigentlich ganz normale Dinge, die ich hier jeden Tag sehe: Schnee und Eis, kahle Bäume, rote Häuser und dies und das in Skelleftehamn.

Haus an der Bucht KurjovikenHäuser auf der Halbinsel KallholmenWolkenschleier über dem alten WasserturmBahnschienen und Stromleitungen führen nach Rönnskär

Und noch zwei Fotos, das erste auch vom Spaziergang mit dem neuen Tele geschossen (das muss ich ja ausprobieren), das andere mit dem Makro im Wintergarten fotografiert. Eisblumen abstrakt.

Raureif bedeckt die Äste der RoseEisblumen am Wintergartenfenster

Übers Meer, Eisfedern und Feuerfest

Heute morgen habe ich es ein bisschen ruhiger angehen lassen, denn die Woche war sehr voll. Um zehn bin ich aber doch zum Bootshafen „Tjuvkistan“ gefahren, nachdem der Nachbar mir eine Nachricht geschickt hat, dass das Meereis trägt. Ich bin dann mit Skier und Pulka zur Insel Bredskär gelaufen. Die Pulka müsste eigentlich nicht sein, aber ich ziehe Kamera, Proviant und Daunenjacke lieber hinter mir her, als dass ich sie auf dem Rücken trage.

Tierspur irgendwo auf dem MeerMeine Pulkaspur hinter der Insel Bredskär

Obwohl die Temperaturen von nachts -21 °C auf -11 °C angestiegen war, habe ich mich über die mitgenommene Daunenjacke sehr gefreut, denn ich kam an einigen Eisflächen vorbei und auf manchen hatte sich federartiger Raureif gebildet …

Ein „Eisfederwald“ auf dem Eis

… und die nächste halbe Stunde habe ich dann auf dem Eis gelegen und Eisfedern fotografiert.

EisfedernEisfedernGespiegeltGespiegelt

Gespiegelt

Ich bin dann um die Insel Bredskär herumgelaufen. Das war teilweise ein bisschen mühsam, weil kaum Schnee auf dem buckeligen Eis lag und sowohl meine Skier als auch die Pulka ihre eigenen Ideen hatten, wo es wohl langgehen sollte. Aber bald war ich wieder auf dem Meer und kurz darauf wieder zu Hause.

Um drei haben mich J. und T. von unserem Verein „Mörkrets och kylans glada vänner“ abgeholt, weil wir auf dem „Feuerfest“ in der alten Kirchenstadt Luleås Winterbaden vorzeigen sollten. Heute nacht habe ich geglaubt, dass das ein frostiges Vergnügen werden würde, da waren es nämlich in Luleå -29 °C. Doch heute um halb sechs, als J. über das Winterbaden erzählte und T. und ich in das kalte Wasser gestiegen sind, war es mit -10 °C geradezu lau.

Wir alle ziehen es vor, in einem gesägten Eisloch im See, im Fluß oder im Meer zu baden, als wie in Luleå in eine mit Eiswasser gefüllte Badetonne zu steigen, während das Publikum teilweise neugierig, teilweise kopfschüttelnd unserem Treiben zuschaut. Aber lustig war es trotzdem. Und wir haben sogar eine kleine Gage bekommen, die nicht nur die Reisekosten deckte (Luleå ist anderthalb Autostunden entfernt), sondern auch noch ein paar Kronen in die immer maue Vereinskasse spült.

Noch ist es leer auf dem EldfestAuch am offenen Feuer steht noch keiner

Doch zur „Feuershow“ sind viele Familien gekommen