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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Ein Tag vor dem Winterschwimmen

Ein Tag vor dem Winterschwimmen ist immer angefüllt mit hunderten Aktivitäten. Die Hauptarbeit heute war: Stege bauen, denn über dem Eis war noch mehr Wasser als gestern: bis zu 35 cm! Und so wurden aus Europapaletten und Spanplatten Stege gebaut, damit die Schwimmer gut zum Start kommen und die freiwilligen Helfer und Journalisten trockene Füße behalten. Und sonst: Polizeiabnahme, Leitern montieren, Zelt aufbauen, Diplome abholen, Licht aufbauen, Werbebanner abholen und aufhängen, Sicherheitszäune aufstellen, Kleinkrams kaufen und so weiter und so fort.

Eigentlich sollte ich jetzt für die kurze Fotoreise packen, aber da ich Anna-Carin Nordin (Die zweite Person, die die Oceans Seven geschwommen ist) versprochen habe, Fotos ans Radio zu schicken, habe ich gleich noch ein paar andere Bilder mit bearbeitet:

Eis umgibt das Schwimmbecken

Anna-Carin Nordin, ExtremschwimmerinJohn Lule, afrikanischer WinterschwimmmeisterBlick in die TiefeÜber und unter Wasser

Das Winterschwimmbad – morgen geht’s los

Winterschwimmmeisterschaft 2014

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Zum dritten Mal haben wir mit „Mörkrets och Kylans Glada Vänner“ die schwedische Winterschwimmmeisterschaft in Skellefteå organisiert.

Während es zur Meisterschaft 2012 mit -32 °C extrem kalt war und letztes Jahr mit -16 °C „lagom“ kalt, war es dieses Jahr trüb und mit ± 0°C zu warm für Anfang Februar. Einige Schnee- und Schneeregenschauer kamen herunter und Sonne oder blauen Himmel suchte man vergebens.

Und weil es so warm war und der Fluss weiter flussaufwärts immer noch offen war, hatten wir immer noch 10 – 20 Zentimeter Wasser über dem Eis und haben deswegen zusammen mit Handwerkern am Vortag noch einen Steg auf das Eis gelegt, damit Schwimmer, Helfer und Journalisten trockenen Fußes auf den Fluss kommen.


Eröffnet wurde die ganze Veranstaltung von Mieskuoro Huutajat, dem bekannten Schreichor aus Finnland, dessen Performance wirklich sehens- und hörenswert ist und ein schöner Start für diesen besonderen Event war.

Mieskuoro Huutajat auf dem FlussMieskuoro Huutajat: Bäh!SchreiportraitSchreiportrait

Kurz darauf, nachdem die Taucher sich fertig gemacht haben kamen auch schon die ersten drei Wettkämpfer im Bademantel über den Steg zum Start. Kaum waren die Schwimmer im eiskalten Wasser, kam auch schon das Startsignal.

Ein Taucher prüft die Lage unter WasserMit Rentierkappe zum Ziel

Wikingerkampf

Ein Teil unseres Teams hat letztes Jahr eine recht durchgeknallte Veranstaltung organisiert: Die erste afrikanische Winterschwimmmeisterschaft in Jinja, Uganda. Dort wurde das Wasser mit vielen Tonnen Eis, das sonst zum Frischfisch kühlen benutzt wird, auf +6 °C herunter gekühlt. Und John Lule, der Gewinner, wurde von uns eingeladen, an der schwedischen Meisterschaft, die allen Nationalitäten offen steht, teilzunehmen. Nach zwei Übungstagen hat auch er seine 25 Meter geschwommen und Silber in seiner Altersklasse gewonnen. Congrats, John!

John Lule startetJohn Lule

Während wesentlich mehr Frauen als Männer winterbaden, waren bei der Meisterschaft mehr Männer angemeldet. Es ist wohl immer noch so, dass den Männern der Wettbewerb wichtiger ist. Doch bald kamen die ersten Starts mit Frauen aus allen Altersgruppen.

Am StartAm ZielFrauenstart im SchneegestöberWettkampf in jedem Alter

Was ich an diesem Wettbewerb mag ist die Vielfalt der Schwimmer. Während manche am fighten und kämpfen sind, lassen es andere ruhig angehen. Und schaut man sich die Kopfbedeckungen an, so hatten wir ein Rentier, einen Wikinger, eine Trapperin und Kleopatra (mit Baderock!) zu Gast.

Die „Trapperin“ hat warme OhrenAuch Kleopatra schwimmt mit

Zwei Schwimmerinnen sind mit besonders in Erinnerung geblieben: Zum einen I. aus Skelleftehamn, die ruhig und kontemplativ ihre Bahn geschwommen ist, zum anderen I. aus Burträsk, die nach einem Unfall Behinderungen hat und zum Anfang kaum von der Stelle gekommen ist, dann aber mit eisernem Willen die Bahn geschwommen ist. Mit einer Minute zwanzig Sekunden war sie am längsten im Wasser und ist damit meiner Meinung nach die heimliche Gewinnerin des Tages.

I. aus SkelleftehamnI aus Burträsk

Nun waren die Teams am Start, Anna-Carin Nordin ist wieder 450 Meter gekrault und natürlich gab es auch die Zeremonie der Preisverleihungen. Bei all dem war ich aber dieses Jahr nicht mehr dabei, denn die Winterschwimmmeisterschaften waren Auftakt der dreitägigen Journalistenreise, bei der ich als Fotograf mit dabei war. Und während andere noch im Wasser um Bestzeiten kämpften, saß ich erst mit den Organisatoren und Journalisten zusammen zum Mittagessen und dann im gemieteten Reisebus auf dem Weg nach Luleå.

Musik zum Dahinschmelzen

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.


Samstag mittag: Wir haben Skellefteå verlassen und sitzen im Bus mit Ziel Luleå Gammelstad. Dieses alte Kirchendorf lag einmal im Mündungsdelta des Luleälven, jetzt sind es zwanzig Kilometer dorthin. Das liegt an der Landhebung: Nachdem die Gletscher, die das Land unter sich wie einen Schwamm zusammengedrückt haben, vor vielen tausend Jahren verschwunden sind, begann sich das Land wieder anzuheben. Auch heute hebt sich die nordschwedische Ostseeküste immer noch um einen Zentimeter pro Jahr.

Ich war schon zwei Mal in Gammelstad, einmal vor einigen Jahren mit Sonya und einmal vor ein paar Wochen zum Feuerfest, aber jetzt war ich zum ersten Mal in der alten Nederluleå kyrka, die aus dem 15. Jahrhundert stammt.

Nederluleå kyrkaNederluleå kyrka

Nachdem wir unserem Führer immer wieder davon gelaufen sind, um Fotos zu machen, wurden wir noch von einem Paar eingeladen, welches zeitweise in einem der alten Häuser wohnt. Die Häuser sind recht günstig zu kaufen, aber mit strengen Auflagen verknüpft: Man darf dort nicht permanent wohnen, es gibt keinen Stromanschluss und kein fließend Wasser und so etwas wie eine Satellitenschüssel geht gar nicht! Besonders gut (neben den leckeren Pfefferkuchen) hat mir das kleine Schrankbett gefallen. Aber ich frage mich schon, ob dort Eltern ihre Kinder früher eingesperrt haben, wenn sie nicht gehorsam waren …

Eine Straße in der GammelstadGammelstad mit KirchenblickDie gute Stube. Rechts das Schrankbett, daneben der KaminAltes Schrankbett – Kindergröße

Nachdem ich einen größeren Teil des Gammelstadaufenthaltes damit beschäftigt war, Regentropfen von der Linse zu wischen, war ich nicht böse, dass der nächste Aufenthalt zwar im Kalten, aber zumindest drinnen sein würde: Ein besonderes Konzert in einem großen Iglu.

Und es war wichtig, dass es in diesem Iglu kalt war – idealerweise -5 °C – denn die Instrumente waren aus Eis gebaut. Lediglich die Griffbretter von Geige, Gitarre und Kontrabass bestanden aus Holz. Die Instrumente: Ein Schlagzeug (ohne Becken natürlich), ein Marimbaphon, eine Geige – an der Decke aufgehängt, eine Gitarre, ein Kontrabass und ein Instrument aus gestimmten Röhren, dessen Namen ich nicht kenne. Erdacht wurde das ganze von Tim Linhart, einem amerikanischen Künstler, der vor zehn Jahren nach Schweden kam.

Das große „Konzertiglu“Die Bühne für Sänger und OrchesterEisorchesterTim Linhart, der Schöpfer des Eisorchesters

Ich war gleichzeitig fasziniert und enttäuscht: Den Klang der Instrumente fand ich faszinierend und schön: Die dumpfen sonoren Trommeln, das überraschend klare Marimbaphon und den verblüffend normal klingenden Kontrabass. Nur die arme Geigerin kam mit dem Stimmen kaum hinterher und spielte deswegen manchmal ganz schön schief. Kein Wunder, denn draußen war es warm, das Iglu wegen uns überfüllt und die Geige war am Schmelzen! Da hatte es der Bass besser: Mehr kaltes Eis und leichter zu stimmen.

Am liebsten hätte ich für diese Instrumente komponiert: Musik von Weite und Einsamkeit, von kalten, dunklen Wintern, von dahinziehenden Rentierherden und von knirschendem Schnee und krachendem Eis. Und was spielt das Orchester?

ABBA! Ausgerechnet ABBA! Von vorne bis hinten, rauf und runter. Und zum Mitsingen! Das ist so der kleinste gemeinsame Nenner für jede Art Publikum und funktioniert in Schweden eigentlich immer. Nur ich fand es schade, denn zum einen wurde hier eine großartige Gelegenheit versäumt, dem Klang der Instrumente gerecht zu werden und zum anderen brauchen die Instrumente selbst für ABBA doch ein bisschen mehr Druck und Präsenz, wenn das ganze nicht nach Mittelstufenschülerband klingen soll. Und – tut mir leid, das so schreiben zu müssen – genau das tat es.

Zwischenbemerkung: Hilfe, ich schreibe eine Musikkritik! Das wollte ich doch nie, nie, nie in meinem Leben tun! Na gut, ich lasse das jetzt so stehen und höre mit dem Meckern auf.

Auch an diesem Abend bin ich nicht ABBA-Fan geworden, aber schön war das Konzert und der Abend dennoch. Nur mit dem Fotografieren war ich wieder nicht so recht zufrieden: Es war zum einen wahnsinnig eng und zum anderen extrem dunkel. Erst als ich mich frech nach vorne durchgedrängelt habe und auf der Treppe aus Eis Platz genommen habe, konnte ich ein paar bessere Fotos machen.

MarimbaphonAufgehängte GeigeEis-KontrabassMallets in Aktion

Nach dem Konzert sind wir nach Piteå zurückgefahren, denn dort gab es Abendbrot und die erste Übernachtung. Am nächsten Tag sollte es dann aufs Eis gehen …

Bemerkung für Fotografen: Seht Ihr das Foto vom Inneren der Kirche. Sieht hübsch romantisch und weichgezeichnet aus, nicht wahr? Das war aber nicht geplant, sondern lag daran, dass die Linse leicht beschlagen war. Bei vielen anderen Motiven hätte ich mich sehr geärgert, hier passt es.

Gömda men inte glömda

„Gömda men inte glömda“ – Versteckt, aber nicht vergessen – ist eine Erzählung von Birgit Andersson, die von Nicanor Sandström berichtet. Nicanor ist 1812 in Skellefteå geboren und über sein Leben weiß man recht viel, da man sowohl Geschäftsunterlagen gefunden hat, als auch die Briefe, die seine Tochter Nina aufgehoben hat. Es ist spannend, in die Geschichte einzutauchen, die von Schiffsbau und Sägewerken, von Geburt und Verlust, von Kindern und „Frauenzimmern“ und von alten und neueren Zeiten des 19. Jahrhunderts berichtet.

Ich hatte das Glück, nicht nur als Pianist die Erzählung musikalisch zu begleiten, sondern auch die Musik schreiben zu dürfen. Und nach drei letzten Proben in dieser Woche war heute die Premiere im Stiftsgården. Und das war der ideale Platz, denn die Erzählung handelte auch von diesem alten Anwesen und Plätzen, die man vom Fenster aus sehen kann. Birgit hat sich selbst übertroffen und faszinierte das Publikum mit ihrem energiegeladenen Vortrag. Ich musste fein aufpassen, dass ich meine Einsätze bekomme und nicht nur ihrer Erzählung folge.

Unsere „Bühne“ in der guten Stube

Diese 54 Plätze werden bald restlos besetzt seinEin außergewöhnlich leckeres Buffet

Das Schöne: wir werden noch einige Male dieses Stück spielen: morgen und übermorgen am gleichen Ort, am 25. März beim Berättarfestivalen, und im Sommer drei Mal auf der Freilichtbühne, wenn das Wetter es erlaubt.

Mein Dank geht nicht nur an Birgit für den schönen Abend, sondern auch an die Regisseurin Ellenor, die mich für dieses Stück als Pianisten vorgeschlagen hat. So langsam bekomme ich ein paar Kulturkontakte hier in Skellefteå, was mich sehr freut.

Zwischenstopp Solberget

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Heute hat mein Urlaub angefangen! Eine Woche werde ich in Abisko sein, ein bisschen fotografieren, ein bisschen Ski laufen und es ein bisschen ruhig angehen lassen. Da mir der Weg aber zu weit ist, um die Strecke in einem Rutsch zu fahren, habe ich Zwischenstopp auf Solberget gemacht. Jetzt sitze ich im Bauwagen, der Ofen heizt ein und ich schreibe Blog. Nur der Fußboden ist noch ein wenig kalt.

Die Autofahrt ging besser als erwartet, denn für heute wurde eine Schneewarnung 1 mit Wind und 10-20 Neuschnee für Nordschweden herausgegeben. So viel kam aber bis jetzt nicht herunter und auf der E4 ließ es sich gut fahren. Auf den fast unbefahrenen schneebedeckten Straßen Lapplands hingegen konnte man bei dem Schneefall und dem diffusen Licht kaum noch sehen, wo man langfahren soll und ich war über jeden Holzstecken, der als Randmarkierung dient, dankbar. Manches Mal bin ich in den tieferen Schnee am Rand geraten und habe schnell wieder die Straßenmitte angesteuert: Dort, wo alle fahren, wenn kein Auto entgegenkommt. Nach etwa vier Stunden bin ich auf Solberget angekommen; gar nicht so weit für nordschwedische Verhältnisse.

Wo ist denn die Straße?

Bei der schönen Scheune, die ich letzten Sommer schon fotografiert habe, habe ich dieses Mal auch wieder angehalten. Die Schneeschuhe habe ich im Auto gelassen, denn ich dachte, dass die Hütte ja nicht so weit weg steht. Nachdem ich aber bei jedem zweiten Schritt bis zur Hüfte im Schnee steckte, war ich ganz schön außer Atem. Selbst schuld, sage ich nur.

Winterscheune

Dieses Mal bin ich in dem gemütlichen Bauwagen untergebracht und fast finde ich es schade, dass ich morgen weiterfahren muss. Ich könnte gut ein paar Tage hier bleiben und ein paar altbekannte Plätze besuchen. So bleibt mir aber zumindest ein leckeres Abendbrot und die Sauna heute Abend. Morgen nach dem Frühstück fahre ich direkt weiter. Ich hole erst noch Bekannte vom Flugplatz in Kiruna ab und von dort aus ist es nach Abisko gar nicht mehr so weit. Hoffentlich liegt morgen nicht zu viel Neuschnee auf den Straßen.

Solberget: Im Bauwagen

Von Solberget nach Abisko

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Wege fest trampeln – der Schnee ist metertiefEin bisschen nervös war ich. Um halb zwei sollen Annika und Ralf am Flugplatz in Kiruna ankommen und ich bin in Solberget. Eigentlich kein Problem, so weit ist das nicht, aber in der Nacht hat es etwa 15 Zentimeter Neuschnee gegeben und Wind war auch und ich war sehr gespannt, wie die Straßen wohl sein würden. Zwei Helfer, die gerade auf Solberget sind, waren schon fleißig damit beschäftigt, Schnee zu schippen oder mit Schneeschuhen wieder Wege über den Tiefschnee zu trampeln.

Mit dem Saab bin ich mit ein bisschen hin und her überraschend gut aus dem Parkplatz wieder herausgekommen und ab da war alles einfach: Selbst die wenig befahrene Straße an Solberget vorbei war perfekt geräumt. Dennoch hatte ich schon nach einigen Kilometern einen ungeplanten Zwischenstopp: Rentiere an der Straße. Erst eins, dann zwei, dann eine ganze Herde. Das ist auch kein großes Wunder, dass sich mehr als hundert dieser Tiere dort aufhielten: Dort wurden nämlich die Pellets gelagert, die die Sámi benutzen, wenn sie zufüttern müssen. Während ich noch im Auto saß und von den Rentieren umringt wurde, sah ich die Scheinwerfer eines Schneeskooters im Rückspiegel. Zwei Sámi kamen zu der Stelle, um die Pellets von der Straße weg weiter im Wald zu lagern, damit die Rentiere von der Straße kommen.

Rentiere auf der Strasse„Oh, gibt’s hier Futter? Wir kommen.“Willst du was von mir?Leckere Pellets naschen. Drängeln erlaubt!

Da habe ich das Auto an die Seite gestellt und fotografiert. Die Rentiere waren zwar anfänglich ein bisschen misstrauisch, doch bald haben sie mich ignoriert und ich konnte in Ruhe schauen und fotografieren. Aber dann musste ich mich losreißen und weiter fahren.

Ziemlich zeitgleich mit dem Flugzeug aus Stockholm kam ich am Flugplatz an, denn das, was ich zu spät war, war das Flugzeug zu früh. Es ist toll, Annika und Ralf endlich mal „live“ kennen zu lernen, denn wir kennen uns bis jetzt nur über dieses Blog und Facebook.

Die Fahrt nach Abisko dauert nicht lang. Es sei denn, man hält wie wir an jeder zweiten Parkbucht an, um den Torneträsk – einer der größten schwedischen Seen und auch der zweittiefste – und das Fjäll zu fotografieren. Aber da zeige ich hier nur ein Foto, denn von der Straße habe ich keine tollen Bilder gemacht (da war heute schon was ganz anderes dabei …). Und weil daneben noch Platz ist noch ein kleines Polarlichtbild vom ersten Abend, aber ich hoffe, dass wir noch eine schönere Aurora zu sehen bekommen und diese Nacht sieht die Prognose eigentlich ganz gut aus.

Fjäll hinter dem TorneträskEin erstes Polarlicht

Auf dem Torneträsk I

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Der erste Tag in Abisko drehte sich viel um den dick zugefrorenen See Torneträsk.

Manchmal ist es gut, Frühaufsteher zu sein, denn nur so schaffte ich es noch gerade rechtzeitig auf das Seeeis, um dort in den Genuss des herrlichen Morgenlichts von blassrosa bis leuchtend gelb-orange zu kommen.

Ein rosaroter MorgenSonnenaufgang über dem zugefrorenen Torneträsk

Lapporten – das Wahrzeichen Abiskos

Morgensonne auf dem FjällNaturgeformte Eisskulptur

Später am Tag haben Annika, Ralf und ich einen Spaziergang zur Abisko Fjällstation gemacht und dort waren wir wieder auf dem Eis des Torneträskes. Lange noch hätten Ralf und ich dort fotografieren können, aber das Mittagessen im Restaurant der Fjällstation wollten wir uns auch nicht entgehen lassen: Lammlasagne mit See- und Bergblick hat ja auch was.

Eisschollenlandschaft auf dem TorneträskBerge, halb im Dunst verschwunden

Schneeschauer im Gegenlicht

In der Fjällstation wurde ich von einem Verkäufer des Outdoorladens auf mein Fotostativ angesprochen und wir haben von ihm gleich zwei sehr schöne Tipps für gute „Locations“ zum Fotografieren bekommen. Eine davon war eine kleine Halbinsel bei Tornehamn hinter Björkliden. Dort gibt es eine kleine, felsige Halbinsel, an deren steilem, dem See zugewandten Ufer sich große Tropfsteinformationen gebildet haben. Wieder standen wir auf dem Torneträsk und bewunderten die phantastischen Eiszapfen an den Felsen. Inzwischen war es aber recht dämmerig geworden und schon bald haben wir uns auf dem Rückweg gemacht, uns aber vorgenommen, später noch einmal dort hinzufahren.

Die kleine Halbinsel bei Tornehamn

Eine kleine Höhle – von Eiszapfen umgebenFast der ganze Fels ist mit Eiszapfen bedeckt

Am nächsten Tag sind Ralf und Annika Hundeschlitten gefahren und ich war die meiste Zeit auf dem See. Doch davon berichte ich später …

Auf dem Torneträsk II

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Am Montag hatten Annika und Ralf eine Hundeschlittentour gebucht. Am Vortag wurde ihnen freigestellt, zurückzutreten, da Regen und starker Wind erwartet wurden. Selbst in Abisko im nordschwedischen Fjäll hat jetzt also die Wärme zugeschlagen. Doch so schlecht sah es mit dem Wetter nicht aus und die beiden kamen zu ihrer Tour. Ich hatte weniger Glück bei meinem Versuch, mich spontan der Tour anzuschließen, es war kein Platz mehr frei. So kam ich dann nur zum Start mit, um die schönen und überraschend entspannten Huskys zu fotografieren.

Hunde in Aktion: Kauen und sich im Schnee wälzen ist toll!Wann geht’s endlich los!

Nach dem Start bin ich zu der Anhöhe „Stor Nabben“ weitergelaufen. Aufgrund der Wärme ging das auf den Skooterspuren auch ohne Ski oder Schneeschuhe problemlos. Bloß abseits der Spur brach ich manchmal in den verharschten Schnee ein. Vom Stor Nabben hat man einen schönen Ausblick auf Lapporten und auf den Torneträsk. Letzterer hat es mir angetan, denn wegen des warmen Wetters und einiger kleiner Regenschauer war er zwar dick zugefroren aber komplett schneefrei.

Zuhause habe ich Kamerazeugs und Schneeschuhe gepackt und bin auf das Eis des Torneträsk gegangen. Die Schneeschuhe sollten mir helfen, auf dem blanken, nassen Eis Fuß zu fassen. Doch kaum war ich auf dem Eis, zogen graue Wolken auf und es begann zu regnen. Doch kurz darauf klarte es wieder auf. So sollte das Wetter auch den restlichen Tag bleiben: Sonne, Wolken, Regenschauer und ziemlich steifer Wind, der meine Wasserflasche singen ließ, wenn ich sie öffnete. Einmal schwebte sogar mein Stativ auf dem nassen Eis davon …

Mein Weg führte über ein Kilometer Seeeis zur Insel Ábeskosuolu. Allein dieser erste Weg ist spannend: Das Eis ist von vielen Sprüngen durchzogen: Manche sind nur ein paar Zentimeter dick und stammen wohl aus der Zeit, als das Eis noch nicht dick war, doch viele sind halbmeterdick und zeigen, wie solide das blanke Eis auf dem Torneträsk ist. Der See ist so klar, dass man auch den steinigen Boden noch sieht, wenn er zehn Meter tief ist, aber die Seetiefen wollte ich ehrlich gesagt gar nicht so genau wissen, auch wenn das Eis superdick war. Immerhin ist der Torneträsk ja der zweittiefste See Schwedens.

Über das Seeeis des Torneträsk

Über das Seeeis des Torneträsk

Doch nicht nur Sprünge durchzogen das Eis. Es gab bunt schillernde filigrane Grenzflächen, große Gruppen von kleinen eingeschlossenen Luftblasen und ganze Wälder von vertikalen Miniaturluftsäulen. Dazwischen immer wieder Sprünge und Risse. Eine eigene Welt nur aus Luft und Eis.

Bald war ich auf der Insel Ábeskosuolu, die ich aber zügig überquerte – hier spielten die Schneeschuhe ihre Stärken aus – um zu der Eiskante zu gelangen, die uns gestern als Photospot empfohlen wurde.

Und der Weg hat sich gelohnt. Trotz des windigen Wetters mit seinen Regenschauern habe ich einige Stunden an dieser Kante zugebracht, an der sich die Eisschollen bis zu zwei Meter hoch aufbäumten. Was war ich nervös, denn so laut und deutlich habe ich das Eis noch nie arbeiten höhen: Dumpfes Pochen, sonores Rumpeln und lautes Knacken waren ständig zu hören und oft auch als Vibration zu spüren. Doch das Eis unter mit war eher noch dicker und ich fühlte mich trotz der Nervosität sicher. Und jede Menge schöner Motive taten sich auf:

Auf dem Weg zur BruchkanteAn der BruchkanteTürkises SeeeisEine Eisspalte?

Manches Mal stand ich zwar auf festem türkis schimmernden Eis, doch in zwanzig Zentimeter Wasser. Gerne hätte ich die Abbruchkante überquert, doch als ich mit dem Stativ die Wassertiefe an der Rinne maß und erst nach einem halben Meter auf Wiederstand traf, habe ich mich dankend zurückgezogen, denn ich konnte ja nicht einmal sicher sein, ob die Eiskante nicht teilweise offen war. An einer stabilen Stelle habe ich noch ein Photo von dem herrlichen Panorama gemacht – rechts ist Lapporten im Bild – und habe mich dann ein wenig widerwillig wieder auf den Rückweg gemacht.

Bergpanorama am Torneträsk – rechts im Bild: Lapporten

Pause auf ÁbeskosuoluDieses Mal habe ich einen Teil der Insel Ábeskosuolu durchquert und auf der höchsten Erhebung eine kleine Pause gemacht. Aber dort war es dermaßen stürmisch, dass ich schnell mit den Schneeschuhen in die tiefer gelegenen lockeren Birkenwäldchen abgestiegen bin. Dort habe ich manches Schneehuhn aufgeschreckt. Doch trotz Kamera im Anschlag gelang es mir nicht, mehr als nur einen unscharfen weißen Fleck mit Flügeln auf den Sensor zu bekommen. Weiter ging es über das Eis wieder ans Land, wo ich eigentlich nur geradeaus zu meiner Pension laufen wollte, doch eine mich neugierig anstarrende Elchkuh – noch weit entfernt – hat mich davon abgehalten. Ich habe mich langsam an sie herangepirscht – ein aussichtsloses Unterfangen mit knirschenden Schneeschuhen und knallroter Jacke – bis ich die Jagd aufgegeben habe. Nicht nur, weil ich wusste, dass mich die Elchkuh nie näher heranlassen würde, sondern auch, weil ich sie nicht auf die Hauptstraße treiben wollte. Die beiden Fotos, die ich hier zeige sind Ausschnittvergrößerungen und entsprechen etwa 500mm Brennweite.

Elchkuh vor AbiskoElchkuh vor Abisko

Schneeschuh · Narvik · Schneeschuh · Lift

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.


Dienstag: Schneeschuh

Mit Schneeschuhen sind Annika, Ralf und ich losgelaufen. Es ziehen sich genug Skooterwege durch die lockeren Birkenwälder, um bequem auf den Hügel „Stor Nabben“ zu steigen, von dem man eine schöne Aussicht hat.

Blick auf Abisko ÖstraBlick auf Lapporten

Wir wandern weiter in Richtung Lapporten und nehmen dabei zwei weitere Hügel mit. Um wirklich zum Lapporten zu gehen ist es allerdings zu weit und so folgen wir einer Skooterspur, die uns zurückführen soll, aber im Nichts endet. Da der Schnee harschig ist und unsere kurzen Schneeschuhe kaum trägt, hinterlassen wir tiefe Spuren und sind nicht böse, als wir auf einer kahlgeblasenen Fläche wieder auf eine breite Skooterspur treffen. Die führt uns zurück und trägt so gut, dass wir auch ohne Schneeschuhe laufen könnten, aber da der Schnee durch den Regen des Vortags recht glatt ist – er sieht aus wie aus Kunststoff gegossen – lassen wir die sie bis zum Schluss an.

Wenig Schnee auf den freien FlächenHarschiger Schnee

Auf dem Weg von Annikas und Ralfs Hostel zu meiner Bleibe schnalle ich die Schneeschuhe aber ab, denn auf der Straße – das sieht doch albern aus! Ssst-bumm, schon sitze ich auf dem Hintern. Es ist doch glatter als erwartet.

Mittwoch: Ausflug nach Narvik

Am Mittwoch nehmen wir mein Auto und fahren in Richtung Westen. Eigentlich könnte man an jedem Parkplatz stehen bleiben, es ist überall so schön. Doch zum einen versperren einem Bäume und Strauchwerk oft die freie Sicht, zum anderen wollen wir zumindest die schwedisch-norwegische Grenze überqueren. Und von der ist es nicht mehr weit nach Narvik. Und dort ist Frühling. Es wirkt zumindest so, denn der Fjord ist frei und der Boden ist wegen des warmen Golfstroms an vielen Stellen schneefrei. Wir suchen einen Parkplatz in der Stadt und stehen wenig später auf der Aussichtsterrasse des Rica Hotels. Narvik hat seinen eigenen Charme: Die Innenstadt mit ihrer Durchgangsstraße wirkt auf mich immer trist und wenig einladend. Das Stadtbild mit seinen schönen und weniger schönen Häusern, dem Herjangsfjorden und den schneebedeckten Gipfeln sieht aber wieder sehr schön aus.

Strand am RombakenBlick über Narvik, Fjord und Fjell

Auf der Fahrt zum kleinen Bootshafen wird meine mäßige Autofahrerkunst noch auf eine harte Probe gestellt. Auf einer steilen Straße, kurz vor dem höchsten Punkt, komme ich nicht mehr weiter: Die Straße ist so glatt, dass trotz der Spikes die Räder durchdrehen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als die Straße wieder rückwärts zurückzurollen. Wenden kann ich nirgends, ich fahre weiter rückwärts und sehe bald im Rückspiegel, dass die Straße hinter uns wieder ansteigt. Da hoch? Ich? Rückwärts? Auf Eisstraße? Dann lieber einen zweiten Versuch vorwärts. Dieses Mal nehme ich mehr Schwung und versuche dort zu fahren, wo auf der Straße ein bisschen Split liegt und dieses Mal komme ich auch über den Berg. Wenn ich in Narvik leben würde, hätte ich vermutlich ziemlich schnell ein Auto mit Allradantrieb.

Auf dem Rückweg bleiben wir auch immer wieder stehen. Offenes Wasser und Frühlings­stimmungen haben wir längst hinter uns gelassen, jetzt bestimmen wieder Schnee und Eis die Szenerien der schönen Berglandschaft.

Winterlandschaft

Der See ist mit bläulichem Eis bedecktSturm und Gegenlicht

Donnerstag: Schneeschuh

Am Donnerstag waren wir wieder auf Schneeschuhen unterwegs, dieses Mal die ersten Kilometer Kungsleden, vorbei an der Schlucht des Ábeskoeatnu. Dort haben wir uns trotz der Fußspuren nicht aufs Eis getraut, denn man konnte den Fluss gut hören und in fließende Gewässer einzubrechen ist alles andere als lustig. Nach einigen Kilometern haben wir den Fluss an einer breiteren Stelle überquert, sind ein Stück nach Westen den Hang hochgelaufen und dann neben einer alten, vereisten Loipenspur wieder in Richtung Abisko abgestiegen. Ich wäre auch gerne Ski gelaufen, war aber ziemlich froh über die gutmütigeren Schneeschuhe, denn die Loipe hatte einige steile Abfahrten und war – wie vermutlich ganz Nordschweden zur Zeit – vereist. Die beiden asiatischen Frauen, die das erste Mal auf Skiern standen, haben mir leid getan, Dieses Gelände bei diesen Bedingungen ist alles andere als anfängergeeignet.

Die Schlucht bei AbiskoAuf dem Ábeskoeatnu

Freitag: Mit dem Sessellift zur Gipfelstation

Am Freitag war mein Abreisetag, aber wir haben es geschafft, mit dem Sessellift auf die Gipfelstation des Šloahtta zu fahren. Da an diesem Wochenende (erst) Saisoneröffnung war, durfte man den Lift kostenlos benutzen und – für uns noch wichtiger – auch wieder herunterfahren, denn alpine Skifahrer sind wir nicht und bis auf eine rote Piste sind alle anderen Pisten schwarz.

Der Lift war sehr langsam, denn er wird für jeden, der zu- oder absteigt, gebremst und ich war trotz der milden Temperaturen über meine Daunenjacke sehr froh. Von oben hatten wir einen herrlichen Blick auf Lapporten, Abisko, den Torneträsk und das norwegische Fjell dahinter – ein schöner Abschluss unserer gemeinsamen Woche in Abisko. Viel Zeit hatten wir leider nicht, denn ich wollte noch im Hellen zurück nach Solberget fahren, wo ich wieder übernachten wollte. Von dort bin ich am Samstag wieder nach Hause gefahren.

Panorama über Abisko – rechts im Bild: Lapporten

Blick von einem Plateau unterhalb des ŠloahttaMit dem Sessellift talwärts

Und das Polarlicht?

Spur vom nächtlichen Himmel anschauenDas hat sich ein bisschen rar gemacht. Die ersten Tage gab es ein paar grüne Bögen, nicht sehr spektakulär. Für die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gab es Vorhersage Stufe 5, das ist schon ziemlich viel. Der Himmel war klar, aber Polarlicht gab es die ganze Nacht nicht. Die nächste Nacht gab es sehr schöne und starke Polarlichter (bis Stufe 6!), die bis nach Norddeutschland zu sehen waren, aber leider nicht bei uns in Abisko, denn dort war der ganze Himmel wolkenverhangen und klarte erst am Morgen wieder auf. Das Photo hier ist meine Auroraerinnerung: Einige Male bin ich Nachts im Schlafanzug vor das Haus getreten, um nach Polarlichtern zu schauen und noch zwei Tage später konnte man die Fußabdrücke auf dem reifbedeckten Holz gut erkennen.

Ralf und Annika sind einen Tag länger geblieben und haben wohl Polarlichter gesehen und fotografiert. Da mir die beiden einen Gastartikel versprochen haben, werdet Ihr, liebe Blogleser, hier vermutlich doch noch ein paar Auroren über Abisko zu sehen bekommen.

Unser Abisko-Gästeblog

Ein Gastbeitrag von Annika und Ralf.

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Abisko Februar 2014.

Einen Gastartikel über einen Urlaub zu schreiben, bei dem man quasi täglich mit dem Blogger selbst unterwegs war und darum mit Bildern von Situationen, die wir alle drei immer gleichzeitig erlebt haben, das scheint nicht einfach. Aber wir haben es ja nun versprochen :-).
Also: nach schwedisch-Lappland sollte es gehen, schon seit einem Jahr haben Ralf und ich darüber nachgedacht und vor genau 12 Monaten die erste Anfrage an das Hostel in Abisko geschickt. Ralf wollte Polarlicht, ich jedes Winterlicht, und außerdem wollten wir richtigen Winter und ganz viel Schnee (und ich auch Kälte, denn das gehört ja dazu). Sechs Wochen war es nun schon her, dass ich in Idre erneut versucht habe skilanglaufen zu lernen. Eine Ewigkeit. Für Ralf war es nach drei Winterreisen mit der Hurtigrute der erste „Festlandskandinavienwinterurlaub“ überhaupt.

Vor ein paar Wochen wurde dann Olafs vage Andeutung, dass er sich vorstellen könnte, zur selben Zeit an den selben Ort zu fahren, dann wahr. Als fleißige Kommentarschreiberin im Nordwärts-Blog war ich sehr gespannt, den Macher selbst nun endlich kennenzulernen. Gleichzeitig ahnte ich, er würde eine gute Kinderbetreuung für meinen fotografierwütigen Freund abgeben, mit dem ich mich sonst über Technik, Bildgestaltung etc. hätte unterhalten müssen…

Olaf hat uns dann sogar in Kiruna abgeholt, was noch praktischer war. Außerdem saß witzigerweise im selben Flugzeug auch noch A., ebenfalls Skandinavien-Blog-Schreiber, was wir erst ein paar Tage vorher registriert hatten. A. kam aber wegen des Streiks am Frankfurter Flughafen so spät in Stockholm an, dass wir uns kaum noch unterhalten konnten. Nächstes Mal…

Das erste Bild der Reise

Soll ich jetzt erzählen, was wir zu dritt gemacht haben? Schneeschuhwandern durch Eis-Schnee und Autoausflug nach Norwegen? Das wisst Ihr ja alles schon vom Hausherrn. Nur die Hundeschlittentour war ohne Olaf. Für Ralf eine Premiere hat er es trotz ungünstiger Temperaturen, die die Hunde sehr müde machten, sehr genossen. Und auch ich habe es wieder sehr geliebt, auch wenn meine vier Mädels zuerst echt keine Lust zum Laufen hatten (ca. 4° C über Null) und ich als zweiter Schlitten direkt hinter dem Musher den Tross in der ersten Tourhälfte sehr aufgehalten habe… Später wurden zwei der Damen gegen echte Kraftmaschinen ausgewechselt, so dass ich ab da nur noch auf der Bremse stand. Das war einfacher, als den Schlitten fast komplett selber zu schieben :-). Wir waren etwas oberhalb von Abisko, und trotz angesagtem Sturm und Dauerregen war das Wetter ziemlich gut. Kaum zu glauben, dass Olaf gleichzeitig auf dem Torneträsk im Regen stand…Wir hatten sogar einen Regenbogen!

Die Ruhe vor dem Sturm. Mein erster angeleinter Hund wartet erstaunlich geduldig auf die Abfahrt.Annika nach der Schneeschlittenhundetour.

Der zweite Programmpunkt ohne Olaf war, als ich nach seiner Abreise am Freitag doch unbedingt noch Skilaufen wollte. Bin also die vier Kilometer zur Turiststation und zurück auf Skiern, was mehr Eiskunstlauf als Langlauf war, aber immerhin! Die Begegnung mit den asiatischen Mädels, denen Olaf Bergauftipps gegeben hatte, fand ich sehr interessant—konnte ich doch genau nachfühlen, wie es ihnen ging :-(. Ich hätte meine erste Skilanglaufstunde nicht bei Eis haben wollen, es wäre definitiv das Ende meiner Bemühungen gewesen! So beiße ich mich weiter fest.
Ansonsten waren wir drei wirklich fast die ganze Woche zusammen unterwegs. Abendessen gab es immer, Frühstück auch öfter zusammen. Ralf und ich fanden das prima, und auch Olaf sagte, es habe doch ganz gut gepasst (wir glauben das mal :-) ). In meinem inneren Fotoalbum sind auf jeden Fall Bilder von Pasta mit Pesto und natürlich von Köttbullar mit Preiselbeeren dabei. Außerdem von zwei Typen, die sich quasi täglich darüber austauschen mussten, ob Festbrennweiten ohne Autofokus denn nun das Non-Plus-Ultra der Vollformatfotografie seien oder nicht, und ob man denn was anderes außer Offenblende überhaupt noch einstellen sollte oder nicht auch in jeder Ebene scharfe Bilder schön sind (bei diesen Debatten habe ich irgendwann nicht mehr hingehört…ich mag die Bilder von beiden ja sehr!).

Mein Lieblingsbild von OlafDer Blogger aus der Nähe in Sturmhaube

Ausblick auf Abisko

Makrofotografie

Morgendliche Stimmung in Abisko auf den Bahngleisen. Rechts das Hostel Abisko.net, ziemlich basic, aber eine schöne Küche zum Kochen unserer beiden Star-GerichteSchwedische Gastfreundschaft oder harte Gangart?Auf dem TorneträskKein Schlittenhund, aber auch ein wirklich schönes Tier

Olafs Autofahrkünste haben wir bestaunt, über die fast frühlingshafte Wärme haben wir uns gewundert, das fehlende Klavier in der Turiststation aufgrund der Anwesenheit eines echten Jazzpianisten sehr bedauert. Ralf möchte jetzt ein Haus in einem Ort namens Jörn haben, am besten mit Schneemobil, aber Skelleftehamn würde er auch nehmen ;-).

Abends am See

Und nochmal der SeeBlick vom Skilift

Fotografieren … nicht für jeden interessant

Sonnenuntergang in NorwegenSchneelandschaft, ähnlich wie Olafs Bild. Nur bei ihm fehlt diese komische Metallplatte

Noch was?
Ja. Gerne wieder. Jederzeit, auch ohne Winter. Wir haben uns sehr gefreut Dich kennenzulernen, Olaf!


Olaf erklimmt ohne Hilfsmittel eine Eiswand. Gut, wenn die Fingernägel lang genug sind :-) Editorial

Der Text dieses Blogartikels stammt von Annika und alle Bilder stammen von Ralf. Die Entscheidung, wo ich die Fotos in den Artikel einfüge, oblag meiner Wenigkeit.

Ich habe lediglich ein paar Interpunktationen in den Bildunterschriften geändert und mir erlaubt, einen kleinen „Norwegismus“ im Wort Köttbullar zu korrigieren.

Warum ich das schreibe?

Einmal, um mich zu bedanken, aber auch, um hier den Platz zu füllen, denn mein Bloglayout kommt mit Hochformatbildern nicht sonderlich gut zurecht.

Ich freue mich sehr, dass Ihr – Annika und Ralf – mein Blog um diesen Gastartikel bereichert habt. Wenn wir wieder einmal zusammen verreisen oder uns hier im Norden treffen sollten, weiß ich schon, was ich mir wünsche.

Vielen Dank – Tack så mycket.

/Olaf

Das Eis bricht

Ein ganzer Tag mit blauem Himmel ist nach den letzten trüben Wochen ein wirklicher Luxus. Die Sonne scheint und es ist recht warm. Der stürmische Wind der letzten Nacht hat große Teile des Meereises aufgebrochen und meerwärts getrieben, nun sind es wirklich nur noch einige geschützte Bereiche, auf denen noch Eis liegt. Das hat schon etwas von Frühling. Der aufweichende Lehmboden, in dem ich stehe, als ich letzten Eisschollen auf dem Kallholmsfjärden fotografiere allerdings auch.

Am Rand sitzen noch einige Eisschollen fest, doch die Bucht ist fast eisfreiDer Lehmboden weicht auf

Auf der Westseite des Dammes zur Lotsenstation liegt noch Eis

Der gleiche Wind, der das Meer eisfrei macht, verhindert allerdings auch, dass ich meine erste Kajaktour machen kann – es sei denn, ich wollte von dem immer noch stürmischen Westwind nach Finnland geblasen werden. Also habe ich geschaut, wie es auf dem geschützten Meerteil hinter der Insel Storgrundet aussieht. Dort bin ich letzten Sonntag noch mit Gästen über das Eis zur Insel gelaufen. Inzwischen sieht das Eis allerdings auch dort immer löcheriger aus und ohne den Rat von Einheimischen würde ich es nicht mehr betreten …

Eis und offenes Wasser vor Storgrundet

… es sei denn, ich bin wasserdicht angezogen.

Ich habe mir meinen knatschroten Neoprenoverall übergezogen und habe vom Eis und vom Wasser aus ein paar Aufnahmen mit der wasserdichten Kamera gemacht. Wenn der Kopf über und die Kamera unter Wasser ist, sieht man allerdings auf dem Display nur noch Spiegelungen und das Fotografieren gerät zur Glückssache. Aber es macht schon Spaß, ein bisschen im Eiswasser zu paddeln, trocken zu bleiben und ein paar nette Fotos sind auch dabei entstanden.

Eis unter WasserEis unter Wasser

Sonne, Himmel, Welle, Wasser, Eis, Meeresgrund: ganz schön viel für ein Photo

Eisfreier Kallholmsfjärden

Seit gestern ist der Kallholmsfjärden eisfrei, wenn man von ein paar kleinen unmotiviert dahindümpelnden Eisschollen absieht. Letztes Jahr hingegen saßen noch am 21. April Eisfischer auf dem ufernahen Eis, also noch 40 Tage später als dieses Jahr.

Allerdings müssen sich alle, die auf einer der Inseln ihre Stuga haben, noch ein bisschen gedulden, bis sie das Boot nehmen können, denn die Hafenbecken aller kleinen Bootshäfen Skelleffehamns sind noch eisbedeckt, so zum Beispiel Tjuvkistan.

Der Kallholmsfjärden ist fast eisfreiDas Hafenbecken von Tjuvkistan ist noch eisbedeckt

Auch ich muss sehen, wo ich das Kajak einsetzen kann, wenn ich am Wochenende paddeln möchte. Der nahe kleine Hafen Killingören ist noch zugefroren, ebenso das Meer bei Storgrundet, auch wenn es schon große Löcher aufweist. Der Skooterfahrer, den ich dort zur Sonnenuntergangszeit getroffen habe, ist optimistisch. Auf meine Frage „Håller isen?“ – hält das Eis? kam nur ein „Jag hoppas det!“ – Ich hoffe es! zurück. Während ich die Wathose ausgezogen und Kamera und Stativ verstaut habe, konnte ich noch das Knattern des Skootermotors hören, bis der Fahrer auf der Insel ankam.

Schwaches Eis bei Storgrundet

Am Strand von StorgrundetSkooterfahrt zur Insel

Steife Brise auf dem Meer

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Das Wetter war ein bisschen eigenartig: Blauer Himmel und Sonne und ein paar Plusgrade, aber sehr windig. Nicht umsonst hat der Wetterdienst vor Windböen bis 21 m/s gewarnt – das ist Windstärke 9: Sturm. Also habe ich meine Arbeit kurz unterbrochen, um an der Lotsenstation Wellen zu fotografieren, auch wenn die bei Westwind wahrscheinlich nicht sehr eindrucksvoll sind.

Gischt und Eisstücke fliegen durch die LuftDa stehe ich dann auf der kleinen Pier und versuche Gischt zu fotografieren. Erst zu Hause werde ich sehen, dass der Wind nicht nur Wasser, sondern auch Eisstückchen durch die Luft bläst. Da kommt ein Mann mit dem Auto angefahren, sieht mich und beginnt mir sofort, Zeichen zu geben und zu gestikulieren.

Mein erster Gedanke ist, dass er mich von der Pier scheuchen will, weil das (a) streng verboten, (b) seiner Meinung nach total gefährlich ist. Der zweite Gedanke: Erst mal fragen, worum es geht. Ja hej, sagt der Mann, ich wäre wohl am Fotografieren interessiert. Ob ich nicht mit dem Lotsenboot mitfahren wollte, welches gleich anlegt. Er arbeitet als Lotse, hat aber gerade frei.

Mein erster Gedanke ist, ich muss doch arbeiten. Der zweite Gedanke: Das kann ich auch später am Tag. Also habe ich ja gesagt. Der Lotse macht kurz alles klar und in einer halben Stunde, wenn das Lotsenboot Pilot 761 ablegt, darf ich mitfahren.

Ich bin kurz nach Hause gefahren, habe bei der Arbeit Bescheid gesagt, kurz was gegessen und getrunken und war zwanzig Minuten später wieder an der Pier. Die Pilot 761 nicht. Überall auf dem Wasser suche ich das kleine knallrote Schiff. Das kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Doch die Pilot 761 ist verschwunden und ich mache noch ein paar weitere Gischtfotos.

Da kommt aus der letzten Ecke der Bucht ein kleiner roter Fleck, kommt näher und näher und landet tatsächlich an der Pier an, um mich mit an Bord zu nehmen, wo ich auf einem der drei vorderen Plätze sitzen darf. Und los geht die Fahrt. Bald liegt Gåsören backbord voraus.

Auf der Bucht KallholmsfjärdenGåsören backbord

Ich bin verwundert, wie ruhig die Fahrt doch trotz der Sturmböen ist, aber der Wind liegt uns im Rücken und das Schiff rollt nur ein bisschen nach links und rechts.

Schräglage nach links …… und nach rechts

Das ändert sich, als wir auf offener See auf das Schiff Sunnanhav warten. Es liegt noch an der Kai Rönnskärs und wird drei Lotsen mit an Bord nehmen. Diese sollen wir dann vom Schiff abholen und wieder zurückbringen. Wir wenden und kaum fahren wir gegen den Wind, beginnt das Schiff zu stampfen und große Ladungen Ostseewasser werden gegen die Frontscheiben geschleudert.

nordwärts – das gefällt mir ;-)Gischt und Seewasser prasseln

Kurze Zeit später kommt die Sunnanhav in Sicht, die wir direkt ansteuern. Das Beidrehen, Anlegen und Lotsen an Bord nehmen geht so schnell, dass ich kaum dazu komme, das Schiff zu fotografieren.

Hinter der Gischt: Die SunnanhavDrei Lotsen wollen an Bord

Jetzt fahren wir wieder zurück in die Bucht nach Skelleftehamn. Ich finde es extrem schwierig, die Bewegung und die Gischt in ein stilles Foto einzufangen und habe deswegen ein kleines Video mit dem iPhone gemacht:

Eher zufällig habe ich direkt hintereinander zwei sehr unterschiedliche Fotos gemacht, die ich beide sehr mag, auch wenn vor allem das zweite technisch ziemlich daneben ist.

Gischt auf der FensterscheibeGåsören-Traumland

Wir steuern erst den Hafen Rönnskärs an, wo ein Lotse von Bord geht. Direkt vor uns liegt die norwegische Rystraum. Einmal schnell über die Bucht und die beiden anderen Lotsen und ich springen von Bord.

Vor uns die norwegische RystraumWieder an Land

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Pläne darf man ändern und nun muss ich bloß am Sonntag ein bisschen nacharbeiten. Aber das war es wert.

Wie kommt man rüber?

Wile E. Coyote hätte viele Tricks gehabt, um vom Festland zur Insel Storgrundet zu kommen: Mit dem Katapult oder mit mit Stelzen durchs Wasser, mit Bettfedern unter den Füßen springend oder schwebend mit einem selbst aufgeblasenen Luftballon in der Hand. Und höchstwahrscheinlich wäre alles schief gelaufen: Die Stelzen wären im Schlamm versunken und den Luftballon hätte eine Möwe kaputtgepiekst.

Da stehe ich also am Ufer, schaue zur Insel herüber und geniesse die Sonne. Letzte Nacht sind zwei Zentimeter Schnee gefallen und es blieb den ganzen Tag unter null – das erste Mal wieder seit über einem Monat. Und natürlich mache ich Fotos.

Niedrigwasser bei StorgrundetHalboffenes Meer

Der Wasserstand ist sehr niedrig. Überall schauen Felsen und Steine heraus und man hat fast den Eindruck, man könne zur Insel herüberwaten. Das ist aber falsch gedacht, denn nicht überall ist es so flach wie die ersten zwanzig Meter und zwischen den Steinen ist der Grund ziemlich schlammig.

Das Boot? Das liegt auf dem Eis, denn nicht überall ist das Meer offen und noch kommt man nicht zur der Insel, zumindest nicht von hier aus.

Weiter rechts ist aber die Ostsee eisbedeckt und dort sind auch einige zur Insel unterwegs. Einige mit dem Skooter, dem Lieblingsgefährt vieler Schweden.

Das Boot liegt noch auf dem EisMit dem Skooter zur Insel

Und wenn ich von Skooter rede, dann meine ich natürlich den Schneeskooter und keinen Motorroller. Aber nicht alle sind motorisiert unterwegs, so mancher geht auch einfach herüber. Und wenn man etwas transportieren möchte, dann zieht man das einfach in einer Plastikwanne hinter sich her. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit: Den Spark.

Der Spark besteht aus einem Stuhl, unter dem zwei lange flexible Metallkufen angebracht sind. An der Stuhllehne sind Handgriffe befestigt. Man kann zwischen den Kufen spazieren gehen und sich an den Griffen festhalten oder auch wie beim Tretroller auf einer Kufe stehen und sich mit dem freien Fuß abstoßen. Das sagt auch schon ein bisschen das schwedische Wort, denn Spark bedeutet Tritt. Oft sieht man im Winter ältere Leute mit dem Spark vom Einkaufen kommen, die Plastiktüte auf dem Stuhl, doch auch Schulkinder habe ich schon zur Schule sparken sehen. Und in Nattavaara in Lappland habe ich einmal eine alte Dame auf ihrem Spark den abschüssigen Weg zu ihrem Haus abfahren und dabei ohne zu Bremsen locker die Kurve nehmen sehen.

Zu FußMit dem Spark

Die Schwedin, die mir entgegenkam, hat mir direkt erzählt, wie schön es auf der Außenseite der Insel sei. Wir sollten kurz dahinsparken, das dauert ja nur drei Minuten und ich könne ja dort fotografieren. Eine nette Einladung, die ich gerne annehme. Als ich der Frau erzählt habe, dass ich noch nie einen Spark benutzt habe, schaute sich mich völlig fassungslos an. Sie konnte sich wohl nicht vorstellen, dass jemand freiwillig auf so ein bequemes Gefährt verzichtet. Aber Sparken ist ja nicht schwer und nach ein paar Minuten Fahrt gingen wir bei der südlichsten Stuga an Land, wo wir erst mal einen langen Plausch mit dem Paar, welches die Stuga letztes Jahr gekauft hat hielten.

Ich habe noch ein paar Erinnerungsfotos vom Steinstrand gemacht, aber so richtig nichts gefunden. Zum einen waren die Steine eisumhüllt und sauglatt, zum anderen wollte ich nicht nass werden. Außerdem wollte ich die Schweden nicht zu lange warten lassen.

Die Steine sind eisumhülltDas Südostufer von Storgrundet

Nach ein paar Minuten waren wir wieder am Festland. Wenig später war ich wieder zu Hause. Auf den Straßen und meiner Holzterrasse ist der Schnee weggeschmolzen, denn die Märzsonne hat schon einiges mehr an Kraft als die Sonne im Januar. Ein paar Tage soll es noch kalt bleiben und ich bin gespannt, ob Teile des Meeres wieder zufrieren werden.

Ich bin Winter, spielt mit mir!

Wie ein kleines Kind beim Verstecken, welches ein besonders gutes Versteck gefunden hat und stundenlang nicht herauskommt, um dann plötzlich, wo längst alle anderen Kinder schon auf dem Heimweg zum Abendessen sind, aufzutauchen und „Buh! Da bin ich, spielt mit mir!“ zu schreien, so ist dieser Winter. Fünf Wochen hat er sich gründlich versteckt und nun, wo sogar ich auf den Frühling hoffe, da wird es plötzlich wieder frostig kalt. Schon gestern waren die freien Wasserflächen bei Storgrundet, wo ich zwei Tage zuvor fotografiert habe, wieder überfroren und selbst der Kallholmsfjärden war gestern schon wieder großflächig mit neuem Eis bedeckt. Das geht schnell, denn kalt genug ist das Wasser ja noch und auch der stürmische Wind, der uns die letzte Woche begleitet hat und das Eis aufbrach, hat sich gelegt.

Gestern: Storgrundet ist wieder komplett eisbedecktHeute: Pfannkucheneis auf dem Kallholmsfjärden

Eisschollen am Damm zur Lotsenstation

Heute hätte ich gerne freigenommen und das herrliche Sonnenwetter ausgenutzt, um meine erste Kajaktour dieses Jahr zu machen. Aber zum einen habe ich gerade mehr als genug zu tun bei Hello Future, zum anderen habe ich für verschiedene Aktivitäten schon den Freitag freigenommen und auch am Montag nachmittag werde ich nicht am Computer sitzen.

Frühlingsanfang

Liebe Blogleser, heute um 18:32 ist Tag- und Nachtgleiche und damit astronomischer Frühlingsanfang. Und der sieht hier so aus:

Schneefall an der Küste

Deswegen hält sich meine Frühlingsstimmung noch ein wenig in Grenzen. Die Temperatur ist von nächtlichen -13.8 °C auf -3.5 °C gestiegen, es ist grau, windig und es schneit. Einzelne Windböen rappeln am Plastikdach des Wintergartens, fegen den Schnee durch die Straßen und der smhi warnt vor 10-20 cm Neuschnee bei lebhaften Südostwinden. Nicht gerade Frühling!

Morgen fahre ich mit einigen anderen Mitgliedern von Dark & Cold nach Rovaniemi in Finnland, um dort bei den Winterschwimmweltmeisterschaften als Zuschauer dabei zu sein. Auch nicht gerade eine Frühlingsaktivität.

Abschied vom Winter – die erste Kajakfahrt

Sollte es wirklich so sein? Dass ich frei habe und schönes Wetter ist und kein Sturm? Dann steht der ersten Runde mit dem Kajak ja nichts mehr im Wege, denn das Meer ist schon seit Ende Februar offen.

Es gibt einige Plätze, wo ich das Kajak einsetzen kann: Storgrundet (noch eisbedeckt), gleich um die Ecke (nur schön, wenn auch die Bucht Kurjoviken und der Fluss schon frei sind) oder bei der Lotsenstation, die etwas weiter weg ist. Ich habe mich für letzteres, die Lotsenstation entschieden. Mit dem Hüftgurt, mit dem ich sonst die Pulka ziehe, konnte ich mein Kajak bequem die zweieinhalb Kilometer zum Einsetzpunkt ziehen und dabei die Arme baumeln lassen.

Wenig später lag das Boot auf einer Eisscholle am Steinufer und eine Minute später war ich im Wasser. Mein Ziel war die Eiskante, denn ein geschützter Teil der Ostsee zwischen Festland und Inseln ist noch komplett eisbedeckt. Die Fahrt ging überraschend leicht und das kenne ich ja schon von Fahrradtouren: Geht es leichter als erwartet, dann hat man Rückenwind und muss das alles gegen den Wind wieder zurück.

Die erste Kajaktour 2014An der Eiskante

Ich bin dann in eine schmale Lücke im Eis hineingefahren und habe fest damit gerechnet, rückwärts wieder hinauszumüssen. Das Kajak hat stattdessen aber den Riss im Eis erweitert und eine große Eisscholle abgespalten und so konnte ich, vom Wind unterstützt, weiter geradeaus paddeln.

Geht’s da weiter? Ja!

Dicht am EisEine Eisscholle löst sich und treibt seewärts

Wieder bin ich in eine Lücke hineingefahren, aber dort ging es nicht weiter und ich musste rückwärts wieder hinaus.

Geht’s da weiter? Nö!

Bald war ich recht nah den Inseln Bredskär und Klubben. Ich wäre gerne um sie herumgepaddelt, um an der anderen Seite des eisbedeckten Teiles anzulanden, aber der ablandige Wind war doch ziemlich frisch und so bin ich an der Eiskante vor den Inseln umgekehrt. Und die Schokolade, die ich auf einer der Inseln essen wollte, kann man ja auch zu Hause naschen.

Eis vor BredskärEisschollen

Wendepunkt

Das paddeln gegen den Wind ging einfacher als erwartet und bald war ich wieder am Steinufer der Halbinsel Näsgrundet bei der Lotsenstation. Ich schaute einmal noch auf das Eis draußen und habe mich deutlich vom Winter verabschiedet. Jetzt soll der Frühling kommen! Dann bin ich mit dem Kajak im Schlepptau nach Hause gelaufen.

FrühlingsboteEs war überraschend warm und am Straßenrand habe ich kleine Kätzchen als Frühlingsboten gefunden. Es ist schon lustig, wie die Leute schauen, wenn man ein Fünfmeter-Kajak hinter sich herzieht. Auch meine Nachbarn kamen mir mit den Hunden entgegen und sagten, heute sei der wärmste Tag: Jetzt schon 10 °C. Na, das passt ja zum Frühling. Und morgen, nach der Zeitumstellung geht die Sonne erst kurz vor halb acht unter. Herrlich!

Kurz mal zwei Photos

Ein Photo vom Mittwoch. Es zeigt die gleiche Eisfläche, an der ich gestern morgen noch entlang gepaddelt bin von der Landseite. Im Hintergrund liegt Gåsören. Da hätte ich heute hinpaddeln können, aber ich habe mir lieber einen faulen Tag gemacht. Im übrigen war ich genau heute vor einem Jahr auch auf Gåsören, aber da bin ich mit Skiern hingelaufen! So unterschiedlich können die Winter hier sein.

Eis bei Tjuvkistan. Im Hintergrund die Inseln Klubben und Gåsören

Ein Photo noch von gestern, da war mit gut 11 °C der wärmste Tag des Jahres. Auf dem Weg in die Stadt habe ich am Strand von Harrbäckssand angehalten. Am Ufer lagen noch einzelne Eisschollen und der Strand war noch komplett eisbedeckt aber auch hier ist die Ostsee komplett offen und die ersten beiden Schwäne flogen über die See.

Eisreste bei Harrbäckssand. Im Hintergrund die Inseln Djupskäret und Björkskär

Heute sah es ein bisschen anders aus, denn als ich aufwachte, war es unter Null und alles war weiß. Aber der Schnee taute schnell wieder weg, denn der Boden war noch warm.

Huflattichblüte

Heute hatte ich Geburtstag. Deswegen habe ich zu Hause gearbeitet und dann, weil die Arbeit es erlaubte, einen halben Tag Urlaub genommen. Schön, wenn so etwas wie bei uns auf der Arbeit ohne Absprache geht. Und weil das Wetter recht schön war, bin ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgegangen: Ziellos draußen in der Natur herumlaufen. Die Straße entlang, die kleine Abkürzung und den Weg in den Wald hinein. Nach einer kleinen Weile kommt dann links immer eine kleine Felslandschaft. Da das ein Südhang ist, ist der meiste Schnee schon längst weggetaut.

In den schattigen Vertiefungen hält sich noch ein bisschen Altschnee

Auf den Felsen umher, dann nach rechts den Hang herunter über den trockenen Graben auf die Straße. Da leuchtet es gelb! Hurra, der Huflattich (schwedisch Tussilago) blüht! Die erste Frühlingsblume hier in Skelleftehamn, drei Wochen früher als normal (2011, 2012, 2013).

Das erste Tussilago 2014

Über die Straße auf die nasse und lehmige Brachfläche an der Bucht. Und dort blüht noch eine Blüte. Lange knie ich mit der Kamera und dem Makroobjektiv, ehe mir ein Bild gefällt.

Tussilago

Weiter über die matschigen Brachflächen und dann die kleine Straße bis zur Kurve und dann geradeaus. Und dort ist noch mehr Huflattich.

TussilagoknospeTussilago im Profil

Tussilago-GruppenbildUnd noch mehr … . Nach einigen „Huflattichportraits“ und „-gruppenbildern“ verlasse ich die schlammigen Flächen und betrete wieder den Wald. Dort scheint es kühler, denn dort liegt teilweise noch Eis und Schnee. Ich war länger unterwegs als beabsichtigt und so mache ich die letzten Fotos in der Abenddämmerung gegen viertel vor acht.

Altschneefeld auf einer LichtungEis und LehmSpiegelung in einer großen EispfützeAbenddämmerung

Eisschollen auf dem Skellefteälven

Wenn ich mit dem Auto zur Arbeit in die Stadt fahre, ist meistens der Hello-Future-Parkplatz noch frei. Ist er schon besetzt, dann fahre ich zur Bonnstan, dem alten Kirchendorf, denn dort kostet das Parken im Gegensatz zum Zentrum nichts. Von da ist der Weg zum Büro 10-15 Minuten und vielleicht noch zwei Minuten länger, wenn man unten am Fluss entlangläuft. Aber das lohnt sich oft.

Heute trieben große Eisschollen den Skellefteälven hinunter und Enten, Gänse und Singschwäne paddelten auf dem Fluss, letztere laut trötend.

Eisschollen auf dem FlussEisschollen auf dem Fluss

Morgen wird mich ein etwas anderes Bild erwarten, denn da fliege ich nach Stockholm. Der Flieger geht leider schon um 6:30. Dann habe ich morgen zwei Meetings und bleibe noch den Samstag da, ein bisschen durch die Stadt schlendern und Antiquariate, Kajak- und Fotoläden unsicher machen. Aber jetzt schnell ins Bett, die Nacht wird kurz.