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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Brückenbau-Arbeits-Sommer-Bade-Stadtfest-Panorama

Manche Tage sind dichter als andere. Von so einem Tag komme ich gerade zurück.

Der Morgen

Knallblauer Himmel – schon am Morgen zwanzig Grad – das schreit danach, mit dem Fahrrad zu fahren. Es ist immer herrlich, wenn man schon morgens oben herum nur ein T-Shirt braucht und in den Sandalen mit den Zehen wackeln kann. Kurz vor der Stadt mache ich eine kurze Fotopause, denn da wird eine neue Brücke über den Skellefteälven gebaut. Da habe ich noch nichts von mitbekommen, da ich diese Strecke nicht so oft fahre. Zum Schluss schlängele ich mich durch das Zentrum, denn heute beginnt das Stadtfest und überall stehen Zäune, Autos, Zelte, Menschen und nochmal Autos.

Arbeit

Ich hätte ja jetzt schon gerne Urlaub, aber bis zum Ende der Woche muss ich noch durchhalten. Im Büro ist es überraschend kühl und die Hitze schlägt uns ins Gesicht, als wir zum Mittagessen aufs Stadtfest gehen. Kein Wunder, denn mit 30.4 °C ist Skellefteå heute laut SMHI-Messungen der wärmste Ort Schwedens.
Das Stadtfest? Wie alle Stadtfeste, aber dazu später mehr.

Danach arbeite ich noch ein bisschen, aber die Konzentration geht gegen null und ich beschließe, eine Badepause zu machen.

Badesee

Kurz darauf sitze ich bei einer Freundin im Auto, sie hat ihren Lieblingsbadesee wiedergefunden. Für schwedische Verhältnisse ist dort einiges los. Ich kann das nicht ernst nehmen, die fünfzehn Leute. Die Luft ist warm, das Wasser des kleinen Waldsees herrlich erfrischend kühl, man möchte gar nicht mehr aus dem Wasser heraussteigen. Und zum Schluß sind wir fast alleine da. Aber … noch habe ich keinen Urlaub, die Arbeit wartet.

Arbeit

Die Kollegen gehen nach Hause, ich bleibe noch. Zum einen habe ich ja eine sehr lange Badepause eingelegt, zum anderen bin ich mit Freunden zum Stadtfest verabredet. Aber irgendwann ist es sechs und ich verlasse als letzter das Bürogebäude.

Stadtfest

Und nachdem alle am Treffpunkt eingetrudelt sind, ziehen wir zu neunt über das Stadtfest. Ich bin – wie schon im letzten Jahr – geneigt zu schreiben, dass alle Stadtfeste gleich sind: Fressgassen mit internationaler Imbissküche, die immer gleichen hässlichen Sweater mit Reggaemotiven, billige Taschen, Losbuden und dazwischen Menschen, Menschen, Menschen. Wo kommen die bloß alle her? Von den Menschen hört man allerdings gar nicht so viel, denn was gehört zu jedem Stadtfest dazu? Richtig, lokale Partybands, die unfassbar schlecht abgemischt sind. Die Musik dröhnt und wummert in Lautstärken nah der Schmerzgrenze durch das Stadtzentrum. Wer etwas mitteilen will, der muss halt schreien.

Aber halt, ein paar Sachen sind ein bisschen anders: Alle Festzelte sind abgeriegelt und alle müssen an der Security vorbei, vermutlich damit keine Minderjährigen Bier oder Wein kaufen können. Da es mehrere Festzelte gibt, besteht die Innenstadt eigentlich nur aus Zäunen, die ein gigantisches Labyrinth bilden, denn jede zweite Straße und fast alle Fußwege enden irgendwann vor einem hohen Drahtzaun.

Das Essen wie oft: Von Fast food (amerikanisch bis asiatisch) bis zu den unvermeidbaren ungarischen Langos wird das ganze Stadtfestessen gut abgedeckt. Aber es gibt auch Toast mit Pfifferlingen und dem lokalen Käse überbacken. Oder Ren als chinesisches Wokgericht. Und knatsch-buntes Gebäck, welches vermutlich im Dunkeln leuchtet. An dem unten abgebildeten Gebäck stand „Blåbär“, aber ich vermute eher, dass dort jede Menge Schlumpf mit drin war.

Auf dem Dach

Ich gehe ins Büro, um meine Sachen zu holen und nutze die Gelegenheit, auf dem Dach des Gebäudes die iPhone-Applikation „Photosynth“ auszuprobieren. Dafür, dass das Programm nichts kostet und ich mir auch nicht wirklich Mühe gegeben habe, ist das Panorama eigentlich ganz gut geworden, auch wenn man teilweise deutlich sieht, wo die vielen Einzelfotos aneinanderstoßen.

Nach Hause

Ich bin immer schon lärmempfindlich gewesen und das ist heute nicht anders. Und so verabschiede ich mich als erster und radele um kurz vor elf wieder nach Hause. Ich genieße die Stille und das herrliche Licht auf dem Heimweg. Und um zehn vor zwölf bin ich auch wieder zu Hause.

Und jetzt geht‘s ins Bett. Aber nicht das im Schlafzimmer, sondern das im Gästerzimmer im Keller, denn da ist es dunkel und herrlich kühl.

Nachtrag

  • Laut Norran, der lokalen Zeitung war gestern mit 31,1 °C der wärmste Tag des Jahres.
  • Gestern war auch ein Drachenbootrennen auf dem Fluss. Da habe ich allerdings nur die Rufe durch den Lautsprecher gehört. Man kann nicht überall sein.

Matfesten

Matfesten“ heißt das viertägige Fest, welches gerade in Skellefteå stattfindet. Ich mag den herrlich nüchternen Namen der Veranstaltung, die übersetzt einfach „Das Essensfest“ heißt.

Um ein großes Zelt sind lauter Stände mit kleinen Küchen aufgebaut, wo man ganz unterschiedliches Essen bekommen kann. Da die Restaurants in Skellefteå nicht gerade – nun ja – besonders vielfältige Küche bieten, habe ich mich in unseren Mittagspausen am Donnerstag und Freitag begeistert auf die Stände mit äthiopischer und libanesischer Küche gestürzt. Und dabei ein bisschen wehmütig an die vielen, tollen Restaurants in München gedacht. (Und die vielen netten Freunde, mit denen man sich dort treffen könnte, aber das ist ein anderes Thema.)

Man konnte auch Lebensmittel kaufen, vor allem Beeren und Pilze. Ich empfinde das aber immer ein bisschen als Schummeln, wenn man Pfifferlinge oder Heidelbeeren kauft, wenn die Dinger im Wald auf einen warten, selbst, wenn ich hier noch keine Pfifferlingstellen kenne.

Heute hatte ich aber mein kleines eigenes Matfest, denn ich habe angefangen, in meinem Garten zu ernten. Ich weiß noch nicht, was ich mit den Unmengen an Äpfeln mache, unter deren Last sich die Zweige des kleinen Apfelbäumchens biegen, denn roh bekommen mir die nicht, aber über die süßen Pflaumen, die langsam reif werden, habe ich mich riesig gefreut. Die kann man auch direkt vom Baum essen.

Aus Deutschland

Schweden ist toll. Aber es kann einem – wie alle anderen Länder der Erde auch – nicht alles bieten. Und so importiere ich gerne das eine oder andere „aus deutschen Landen“.

So zum Beispiel handwerkliche Hilfe. Hier im Norden dauert es etwa dreihundertundsieben Jahre, bis man einen kundigen Elektriker ins Haus kommt. Und ich bin riesig froh, dass mir Delle, der mich hier im September besucht hat, geholfen hat und einen Großteil der alten Elektrik aus den vierziger Jahren fachgerecht gegen moderne Kabel und Bauteile ausgetauscht hat. Seitdem schlafe ich wieder ein bisschen beruhigter, vor allem wenn man sich anschaut, welche prähistorischen Bauteile sich hier vorher in den Wänden versteckt haben.

Bei Delle möchte ich mich ebenfalls für das Brot bedanken, welches er mir letzte Woche geschickt hat. Da das Motto der schwedischen Brotkultur eher „weiß und weich“ ist, war es ein großes Vergnügen, mal wieder in ein herzhaftes Brot hineinzubeißen. Und nein – ich war bis jetzt noch zu faul zum Brot selber backen. Kein Foto hingegen gibt es von den beiden kleinen Nusskuchen, die meine Mutter gebacken und mir geschickt hat. Denn beide Male, als ich einen Kuchen gerade ausgewickelt hatte, war mein erster Gedanke „Essen!“ und nicht „Äh, da könnte ich jetzt eigentlich mal’n Foto für das Blog von machen.“ Aber Ihr wisst bestimmt, wie Nusskuchen aussieht, stellt ihn Euch einfach vor, ja?

Von meiner Mutter kam vor Wochen auch ein anderes Paket; ein großes flaches. Und ihn dem waren zwei Ihrer wunderbaren abstrakten Bilder, die, nachdem sie einige Monate in einer Ausstellung hingen, nun frei waren, mein Wohnzimmer zu schmücken. Und das tun sie! Vielen Lieben Dank noch einmal für dieses tolle Geschenk!

Und sonst? Schöner Job mit Klavier (ich) und Gesang (Martin) am letzten Freitag +++ Dort viele Bekannte getroffen +++ Auf meinem Auto sind wieder Winterreifen +++ Morgens ist es meist glatt und unter null, aber Schnee ist nicht in Sicht +++ Am Freitag geht’s nach Deutschland, Familie und Freunde besuchen +++ Die Tage sind schon recht kurz

Der erste Advent

Gestern kam Berit, der Sturm zu uns. Aber außer, dass es ordentlich am Haus gerappelt und im Schornstein geheult hat, habe ich nicht viel mitbekommen. Ich bin kurz zur Bucht gelaufen und habe den Rest des Tages sehr gemütlich im Haus zugebracht. Heute hat sich der Sturm gelegt und die Temperaturen sind wieder leicht unter Null gefallen.


Annica und Martin haben mich heute eingeladen, mit nach Byske zu fahren, um dort den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Der Weihnachtsmarkt war … übersichtlich. Vor dem „Lars-Nischagården“ waren ein paar Stände, wo Handarbeiten verkauft wurden. Und innen konnte man entweder fika machen, also Kaffee und Kuchen zu sich nehmen oder aber Blöta essen.

Blöta kannte ich noch nicht. Es handelt sich hierbei um in Fleischbrühe eingeweichtes Dünnbrot, welches mit Schinken, Apfelmus und Butter – auch mit Senf – serviert wird. Früher war es ein Arme-Leute-Essen und wurde unter anderem von den Waldarbeitern gegessen. Heute ist es eine nordschwedische Weihnachtsspezialität.

Wenn man glaubt, die schwedische und deutsche Kultur seien identisch, dann muss man sich nur mal die Weihnachtsbräuche anschauen. Während ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, was an dem Blöta genannten Pampf (Entschuldigt, Ihr Schweden) so toll oder gar weihnachtlich sein kann, war Martin fassungslos, dass die Deutschen keinen Weihnachtsschinken kennen.

Besser gefallen hat mir das weihnachtliche Fikabröd, so nennt man alles Süße an Keks und Kuchen, was man zum Kaffee essen kann.

Als ich wieder zu Hause war, habe ich mich kurz schlafen gelegt. Ich war unfassbar müde. Ich habe – wie letzten Winter auch – Schwierigkeiten mit meinem Tagesrhythmus, wenn es schon so früh dunkel ist. Als ich aufwachte, war die Temperatur auf null Grad gestiegen. Das heißt meistens, das Wolken aufziehen. Und diese Wolken haben Skelleftehamn tatsächlich den ersten Schnee gebracht. Und diese zwei, drei Millimeter, die gefallen sind, reichen schon aus, um alles ein bisschen heller aussehen zu lassen.

Zum Vergleich, so sah das hier vor einem Jahr aus: Ich wollte Winter Teil 2. Letztes Jahr war der Winter extrem früh dran, dieses Jahr extrem spät. Wetterextreme in Nordschweden.

Die Weihnachtstage

Über Eis, offenes Meer, graue und weiße Weihnachten, essen, faul sein, Sturm und einem kleinen Anhang über Wathosen.

Heilig Abend („Julafton“) – draußen

Am Vormittag hatte ich dann die Faxen dicke! Der Regen vom Vortag und der Bodenfrost haben zusammen wieder einmal die Straßen in einen einzigen Eispanzer verwandelt. Natürlich obenauf noch schön feucht, damit es auch richtig glatt ist. Und so kamen hier in Nordschweden das erste Mal meine Grödel zum Einsatz, die ich mir eigentlich für Wintertouren in den Alpen gekauft hatte. Der Vorteil: Man hat wirklich einen phantastischen Halt auf dem nassen Eis. Der Nachteil: Die Dinger machen dermaßen Lärm, dass vermutlich halb Norrland wusste, dass ich einen Spaziergang mache.

An zwei Stellen war ich an der Ostsee: Hinter der Insel Storgrundet ist das Meer teilweise von dünnem Eis bedeckt und die erste wage Landverbindung geschaffen. Dort, wo der Schutz der Inseln fehlt, ist allerdings nach wie vor offenes Wasser und wenn es nicht ab zu unter den Füßen knirschen würde (ich habe immer noch meine Grödel an), dann könnte es auch September sein.

Es wird also lange dauern, bis man wie im letzten Jahr ausgedehnte Touren auf dem Eis unternehmen kann. Man kann aber bei Storgrundet zumindest vom Ufer aus Eis fotografieren.

Heilig Abend („Julafton“) – drinnen

Mittags habe ich mich dann mit Annica getroffen und wir sind nordwestlich nach Norrlångträsk gefahren. Das liegt nur dreißig Kilometer von der Küste entfernt. Diese Distanz reicht aber schon aus, um eine völlig andere Witterung zu haben: Hier sind die Straßen weiß und es liegen so um die vierzig Zentimeter trockener Schnee. Also habe ich tatsächlich weiße Weihnachten gehabt, wenn auch nur einen halben Tag. Wir waren allerdings nur wenig draußen, sondern haben eine gesamteuropäische Weihnachtstradition fortgeführt: Essen! (Über das Julbord habe ich letztes Jahr geschrieben und wer mag, kann dort lesen, was in Schweden zu einem traditionellen Weihnachtsessen dazu gehört.) Nach einem ruhigen und gemütlichen Abend sind wir dann wieder in Richtung Stadt gefahren und gegen zehn war ich zu Hause.

Erster Feiertag („Juldagen“) – drinnen

Morgens kam in Skelleftehamn ein kurzer Schneeschauer und hat aus grau wieder weiß gemacht. Schön! Aber draußen war ich dennoch nicht. Nachmittags war ich bei Elisabet eingeladen, wo ich und ein anderer Freund ihr beim Verzehren der vom Vortag übrig gebliebenen Leckereien geholfen haben. Dafür sind Freunde schließlich da. Hier wurden wir neben Elchbraten mit zwei besonderen Dingen verwöhnt: Geräuchertem Bärenfleisch, das leider mehr nach Rauch als nach Fleisch schmeckte sowie geräuchertem Rentierherz, einer norrländischen Spezialität, die sogar mir, der um alle Innereien eigentlich einen großen Bogen macht, sehr gut schmeckt. Danach haben wir dann einen gemütlichen Abend verbracht, eh wir wieder mit dem Auto nach Hause gefahren sind. Wir, das sind ich und mein unerwünscht-anhänglicher Begleiter, der Nieselregen.

Zweiter Feiertag („Annandag Jul“) – draußen

Heute kam Dagmar. Sie kam in der Nacht von Norwegen herüber und hat, wie sich das für Stürme so gehört, einiges davon gepustet und den Zugverkehr zum Erliegen gebracht. Heute morgen ist Dagmar dann angekommen und hat durch die kleine Ritze in mein Schlafzimmerfenster geblasen und die Jalousien wackeln lassen.

Auch wenn von dem ausgewachsenen Sturm hier nicht mehr so viel übrig war, so viel Wind habe ich noch nicht erlebt, seitdem ich hier lebe. Ich bin mit dem Auto zur kleinen Halbinsel hinter der Lotsenstation gefahren und habe mich dort ordentlich durchpusten lassen. Auf der Leeseite gab es kleine Kräuselwellen, auf der Luvseite prallte die Brandung gegen die Steine und die Gischt wurde vom Wind waagerecht fortgerissen. Einige Böen haben – zum Glück erfolglos – versucht, mich beim Bilder machen von irgend einem Stein herunterzupusten. Und es ist mir immer noch ein Rätsel, wie ich es geschafft habe, bei der Gischt die Kamera trocken zu halten.

Bei den Gischtbildern konnte ich mich nicht entscheiden, welches mir besser gefällt, also kommen beide rein.

Jetzt hat sich der Wind wieder beruhigt, die Wathose trocknet und meine Finger wieder warm. Die Temperaturen sind von vier auf null Grad gefallen und in der Nacht sollen wieder ein paar Schneeflocken fallen.


Wenn ich fotografiere, dann schmeiße ich meine Wathose ins Auto. Mit ihr man sich auch mal im Meer hinknien oder auf einen nassen Stein setzen. Zum Warm und trocken bleiben sind die Dinger wirklich toll. Zum auf Steinufern herumklettern ziemlich doof, vor allem heute bei dem Wind. Man kann tatsächlich auch mit Wathose Auto fahren, habe ich heute probiert. Aber ich kann mich nicht entsinnen, wann ich mir das letzte Mal so blöd vorkam! Das nächste Mal nehme ich mir gerne die nötige Zeit zum Umziehen.

Durchschnittliche Windgeschwindigkeit in Skellefteå heute Vormittag:
14 m/s ≈ 50 km/h = Windstärke 7. Spitzenböen vermutlich um 22 m/s ≈ 80 km/h ≈ Windstärke 9.
Spitzenböen in Bjuröklubb (25 km weiter südöstlich: 30 m/s ≈ 110 km/h = Windstärke 11.

Weihnachtsnachlese

Weihnachten ist vorbei. Jetzt wird nicht mehr gekuschelt oder einen auf nett gemacht, jetzt wird Klartext geredet!

Also, Ihr Schweden. Schaut Euch mal das Foto an! So will ich das zu Weihnachten sehen! Von links nach rechts: Lebkuchen, selbstgebackene Kekse (mit Ingwer), Spekulatius, noch mehr selbstgebackene Kekse (mehrere Sorten)! Eure Pepperkaka, die ihr mit Tubenkäse esst, könnt Ihr behalten! Und Euren rosa gefärbten Zuckerschaum in Weihnachtsmannform erst recht. So! Das musste mal gesagt werden!! Und noch ein paar Ausrufezeichen!!! Weil’s so’n Spaß macht!!!!!!!!

Möglich gemacht wurde dieses Foto durch ein Paket, welches ich heute mit leichter Verspätung beim ICA in Skelleftehamn abholen durfte. Und das Paket kommt von dreien meiner besten Freunde aus München. Die wissen, wie ich es gerne Weihnachten habe. Nicht auf diesem Bild sind die netten Briefe und jede Menge(!) weiterer Geschenke, die mit in dem Paket waren und über die ich mich riesig gefreut habe. Auch verspätete Weihnachtsgeschenke sind einfach toll!

Das war’s. Ihr braucht nicht weiter zu lesen. Wirklich nicht. Aufhören! Was? Ihr seid immer noch dabei? Also, nun gut: Ich habe mich auch ein wenig sehr geschämt, als ich dieses phantastisch-tolle Paket heute aufgemacht habe. Denn ich habe keinem Menschen auch nur irgendetwas dieses Jahr zu Weihnachten geschenkt. Ich bin eine treulose Tomate! Und ich gelobe Besserung! Ich fange nächstes Jahr viel früher an. Mit dem Geschenke kaufen. Ich geb mir zumindest große Mühe!

Ein kleines Problem birgt dieses Paket allerdings: Die Plätzchen in der rechten, roten Dose sind für das Kleine Gelbe Monster bestimmt. Es hat zwar auch seinen eigenen Keks bekommen (in Monsterform und leider auf diesem Bild nicht verewigt), aber es möchte bestimmt auch die anderen ihm zustehenden Kekse. Und eigentlich will ich die selber, die duften so lecker …

Ebenfalls nicht auf diesem Photo sind die leckeren Sachen, die mir meine Eltern vor zwei Wochen geschickt haben. Ihr ahnt es bestimmt schon, zwei Wochen bedeutet: Inzwischen ratzekahl aufgeputzt. Und Ihr habt recht!

Fettisdagen

Heute ist Fettisdagen – auf deutsch Faschingsdienstag. Aber während in Deutschland die Fröhlichkeit ausgebrochen ist, kümmern Karneval und Fasching hier keinen.

Aber einen kleinen Brauch gibt es und der ist heute das Tagesgespräch: Heute steht nämlich ein Backwerk im Mittelpunkt des schwedischen Lebens, die „semla“. Das war früher Mal eine heiße Wecke mit Milch, aber weil die Schweden erstens gerne süße Sahne und zweitens viel davon mögen, ist es heute eher ein weiches Weizenmehlgebäck, das mit sehr viel süßer Sahne gefüllt ist – quasi eine Art Schweden-Windbeutel.

Und so haben wir heute um halb drei in großer Runde Fika gehalten (die traditionelle schwedische Kaffeepause) und Semlor gegessen.

Für mich ist das etwas, was ich mehr aus Tradition als aus Begeisterung mitesse, denn wie auch bei so manch anderen schwedischen Gebäck ist die Semla einfach nur süß, süß, süß. Unter dem Zuckergeschmack ahnt die Zunge diverse künstliche Aromen, während die Zähne versuchen, in dem pappig-weichen Weizenmehlteig Griff zu finden. Ihr merkt schon, in den Punkten Brot und Backwerk bin ich ein schwedischer Kulturverweigerer (auch wenn ich das weiche Zeugs esse) und ein typischer Vertreter des „Nur Deutsche können Brot“-Chauvinisten. Und da stehe ich zu!

Eigentlich esse ich seit vier Wochen keine Süßigkeiten, keine Chips, keinen Kuchen mehr. Zwei Ausnahmen von der Regel: Die zweite war die Semla heute, die erste war hausgemachte Tiramisu letzte Woche auf Solberget. Auch gute Vorsätze haben ihre Grenzen. Jetzt geht’s aber wieder ohne weiter.

Nach Kiruna

Ich sitze gerade inspiriert und auch ein wenig erschöpft in einem kleinen Apartment in Kiruna. Heute war TEDx Kiruna und ich habe acht sehr unterschiedliche und sehr inspirierende Vorträge gehört. Aber dazu später mehr. Drehen wir die Uhr zwei Tage zurück.

Teil 1 – Die Anreise

Am späten Sonntag Vormittag bin ich mit wie üblich voll gepacktem Auto in Richtung Norden losgefahren. Die geplante Route für den Tag: Skelleftehamn – Piteå – Älvsbyn – Vidsel – Harads – Vuollerim – Murjek – Solberget.

In Vidsel bin ich erst am Abzweig Harads vorbei gefahren, um einen Zwischenhalt am Storforsen, den größten Stromschnellen Skandinaviens, zu machen. Das sah trotz des extrem trüben Wetters sehr beeindruckend aus, da muss ich unbedingt mal bei schönem Wetter zum Fotografieren hin.

Dann bin ich weitergefahren. Vor allem die Strecke von Vidsel nach Harads war erlebnisreich: Da ist mir nach 30 Kilometern doch tatsächlich ein Auto entgegengekommen! Kurz vor Murjek wurde es dann ein bisschen langsamer, da die Straße voller Rentiere stand. In Murjek selbst habe ich Bekannte besucht, die sich damals, als ich im Februar 2012 von Murjek aus einen Job gesucht und ja auch gefunden habe, um mich gekümmert haben. Nach einem gemütlichen Plausch habe ich dann auf den Weg nach Solberget gemacht.

Nach einer Nacht im Bauwagen – da schlafe ich immer hervorragend – habe ich noch gefrühstückt und eines von Dirks zahmen Rens (Ob ich wohl Flechten dabei habe?) und einen Fuchs fotografiert. Der Fuchs kommt jeden Tag, hat sich aber an diesem Tag nicht sehr weit vorgetraut.

Bald habe ich mich bald auf den Weg gemacht, denn die Wettervorhersage sagte ziemliches Mistwetter voraus. Und die Fahrt über Gällivare nach Kiruna war auch alles andere als spaßig: Die meiste Zeit hat es geregnet, geschneeregnet, gepladdert und geschneeregenpladdert. Das Wasser hat sich in den tiefen Spurrillen der alten Straße gesammelt und jedes Mal, wenn einem ein Auto, gerne auch mal ein Laster entgegen kam, musste man sich irgendwie an die Seite drücken, während man eine Fuhre Dreckwasser auf die Windschutzscheibe geschmissen bekam. Ich war froh, als ich gestern in Kiruna angekommen bin und habe mich erst einmal ausgeruht.

Teil 2 – der Dinner Event zur TEDxKiruna

Um halb fünf bin ich gemütlich zum Turistbyrå gelaufen, wo die Taxis uns abholen sollten. Uns, das waren wir alle, die das Dinner Event am Vorabend der TEDx-Konferenz mitgebucht haben. Da stand ich nun. Wer nicht kam, waren die anderen. Und ein Taxi war auch nicht da. Bald stellte sich heraus, dass ich der einzige war, der überhaupt ein Taxi bestellt hatte. Das kam dann auch später und hat mich dann zum Eishotel nach Jukkasjärvi gebracht, wo der Treffpunkt zum Dinner Event war. Dort habe ich dankend darauf verzichtet, mir dort einen Winteroverall auszuleihen, denn wir hatten immer noch leichte Plusgrade.

Wenig später stellte sich dann heraus, dass nur zwölf Personen überhaupt an dem Dinner teilgenommen haben: Einige Organisatoren und sechs der acht Redner. Und ich! Wir sind die Straße zur alten Kirche Jukkasjärvis gelaufen, um dort einen Samen zu treffen, der uns erst einmal Rentiere hat füttern lassen. Die waren vielleicht heiß auf die Flechten.

Dann sind wir in das große Zelt gegangen, in dem ein großes Feuer brannte und haben ein hervorragendes samisches Dreigängemenu genossen, während ich unter anderem mit einem Testpiloten, einem Künstler und einem Astronauten über dieses und jenes geplaudert habe. Schade, dass das Dinner nur kurz war und man nicht die Gelegenheit hatte, sich ein bisschen besser kennenzulernen. Aber auf der anderen Seite war ich auch froh, als ich früh zu Hause war und ich bin kurz nach zehn ins Bett gefallen.