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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Schneeschuhtour

Heute habe ich das schöne Wetter genutzt, um meine nächsten Nachbarn zu besuchen. Also habe ich meinen Rucksack gepackt, die Schneeschuhe untergeschnallt, und los gings.

Der Wald sieht jetzt trotz des Schnees schon ein bisschen nach Frühling aus. Um manche Baumstämme herum ist der Schnee schon weggetaut und man sieht den nadelbedeckten Waldboden. An anderen Stellen steht man aber manchmal trotz der Schneeschuhe bis zu den Knien im Schnee, vor allem wenn man nicht auf den Skooterspuren läuft.

Ich war bald an dem kleinen Bootshafen, der Tjuvkistan heißt. Das heißt auf deutsch Diebessarg und klingt sehr nach alten Seeräubergeschichten. Während man links und rechts schon offenes Meer sehen konnte, lag geradeaus zwischen Bootshafen und der Insel Bredskär noch dickes Eis, so dass man gefahrlos zur Insel herüberlaufen konnte. Am rechten Horizont sah man auch die Insel Gåsören mit ihrem Leuchtturm, die ich letzten Samstag mit dem Kajak umrundet habe.

Die Sonne wärmte nicht nur, sondern tauchte alles auf dem weißen und dem blanken Eis in gleißend helles Licht. Gut, dass ich meine Sonnenbrille dabei hatte. Bald war ich am Ufer der Insel Bredskär, wo meine Nachbarn mich zur Fika eingeladen haben – Kaffee und Kanelbullar.

Nun sollte ich vielleicht die Einleitung ein bisschen zurecht rücken: Natürlich brauche ich normalerweise keine Schneeschuhe, um meine Nachbarn zu besuchen, denn sie wohnen in der gleichen Straße direkt nebenan. Dieses Wochenende waren sie aber mit dem Schneeskooter zu ihrer Stuga – dem Freizeithaus – gefahren und dort habe ich sie besucht.

Nach der Fika habe ich dann die Insel Bredskär und die verbundene Nachbarinsel Norrskär auf dem Land umrundet und an der Eiskante habe ich mich über die bis dahin eher überflüssigen Schneeschuhe sehr gefreut, denn vor allem auf den zu blanken Eis gefrorenen Eisformationen hatte man mit den Harscheisen guten Halt. Ohne hätte ich dort kaum laufen können.

Dort, an der Uferkante, stoßen zwei Welten aufeinander: Auf der einen Seite das klare, blaue Meer, welches schon nach Frühling aussieht und die Vorfreude auf den schwedischen Sommer erhöht.

Auf der anderen Seite die zerfurchte Eiskante, die einem klar zeigt, dass der schwedische Winter noch nicht vorbei ist.

Gerade als ich umkehren wollte, bewölkte sich der Himmel und es briste auf. Ich bin noch gemütlich zurück gelaufen, und eine halbe Stunde, nachdem ich angekommen bin, kam ein ziemlich nasser Schneeschauer herunter.

Fazit: Eine schöne Vierstundenrunde mit vielen Eindrücken und Fika. Danke an Lena und Staffan für die Einladung zur Fika!

Schlitterpartie

Seit längerer Zeit benötige ich zu Fuß doppelt so viel Zeit zur Bushaltestelle wie gewöhnlich. Es ist einfach nur sauglatt. In Deutschland wären vermutlich die Schulen seit Wochen wegen Glatteis geschlossen oder große Kipplader würden tonnenweise Salz abladen.

Hier wartet die Kommune einfach mal ab – sind ja nur Nebenstraßen. Irgendwo da draußen in Skelleftehamn.

Die Sámi haben über 100 Worte für Schnee; ich hingegen beginne einen großen Wortschatz für vereiste Straßenbeläge zu entwickeln. Da gibt es zum Beispiel:

ochjag Milchiges Eis mit glatter Oberfläche recht glatt, oft große Flächen
såfanns Eis mit losem Rollsplit obenauf recht gut begehbar
attnär Eis mit halb festgefrorenem Rollsplit sehr rutschfest, aber selten
vaddu Eis mit eingeschmolzenem Rollsplit häufig anzutreffen, glatt
salotta Buckeliges glattes Eis schwer begehbar
domser Eisschicht mit tiefen Löchern trocken, wassergefüllt oder vibara
vibara Dünnes Eis mit tiefer Wasserpfütze darunter nur mit Gummistiefeln
dåsa Tiefe Reifenspuren im gefrorenen Schneematsch Stoßdämpferkiller
föratt Nasses, blankes Eis sehr glatt!
honfår Nasses, glattes Eis am Hang fast unpassierbar

Zugegeben, die Namen sind alle erfunden*, aber alle Straßenbeläge bis auf honfår habe ich gestern und heute selber erlebt.

Vor allem das tiefe dåsa in unserer Straße ließ mich noch heute morgen wünschen, einen Jeep oder Monstertruck gekauft zu haben, aber – oh Überrraschung – heute Abend war unsere Straße freigefräst. Also hat die Kommune doch beschlossen, die Wege wieder begehbar zu machen, eh Mitte Mai ist. Allerdings habe ich gerade vom Nachbarn gehört, dass er und ein anderer Nachbar die Kommune angerufen haben, damit die Wege freigeräumt werden.


* Ich habe ein Buch genommen, eine Seite aufgeschlagen und das zweite und dritte Wort zusammengeklebt. Wenn es zu lang war, habe ich eine neue Seite aufgeschlagen. Die von Euch, die Schwedisch können, bekommen jetzt ein schwieriges Rätsel zu lösen: Welches schwedische Buch habe ich verwendet?

Vier Bildpaare

Heute hat den ganzen Tag die Sonne geschienen und es war überraschend warm. Als ich nach Hause gekommen bin, habe ich meine Gummistiefel angezogen und einen Spaziergang gemacht.

Wald

Auf den Skooterspuren liegt noch ein bisschen Eis und Schnee, aber die südwärts gerichteten Felsen sind schon schneefrei und werden von warmen Licht der Nachmittagssonne angestrahlt.

Schlamm

Die Wärme hat den Boden aufgeweicht und meine Stiefel hinterließen eine tiefe Schlammspur. Auf dem Rückweg wurde es ein bisschen kühler und die ersten Eisnadeln wuchsen auf den Pfützen.

Bagger

Weiter hinten werden Steine weiterverarbeitet. Die von der Abendsonne stehende Baggerschaufel hat es mir angetan. Abstrakte Muster und Strukturen.

Meer

Von dem Erd- und Steinhaufen hatte man einen schönen Blick auf die Halbinsel Näsgrundet und die Insel Gåsören dahinter. Den Bootsanleger habe ich kurz vorher von „unten“ fotografiert.

Mein heutiger Dank geht an die französische Firma Aigle, von denen ich seit fast sechs Jahren ein und dasselbe Paar Gummistiefel trage. Sie sind bequem, extrem robust und – heute sehr praktisch – sehr leicht zu reinigen und zu trocknen.

Besuch

Vor einigen Tagen ist Jan, mein großer Bruder zu Besuch gekommen. Er ist zum ersten Mal hier und ich habe für die Zeit Urlaub genommen, damit wir gemeinsam die für ihn unbekannte Umgebung erkunden können. Und auch entdecke so manches Neues.

I. Wintereinbruch

Am Samstag wurden wir von einem neuen Wintereinbruch überrascht. Wieder einmal kamen Unmengen vom Wasser vom Himmel – teils als Regen, teils als Schnee – die den Wald und dessen Wege in weite Seenlandschaften verwandelt haben. Auf dem Weg lag teilweise noch dicker Altschnee, der aber so tief vom Wasser unterspült war, dass wir an der fotografierten Stelle umgekehrt sind.

Am Nachmittag war das Gras, welches sich nach dem Winter langsam aufrichtet, wieder mit nassem Schnee bedeckt. Aber das war nichts im Vergleich zu Lappland, wo ein Schneesturm zwanzig Zentimeter Neuschnee und Schneeverwehungen brachte. Anfang Mai!

II. Strandpromenade

Am Sonntag waren wir in Byske am Strand. Dort gibt es eine etwas größere Bucht mit Sandstrand, die jetzt auch fast nach Sommer aussehen könnte. Wenn nicht im Windschatten der kleinen Sandhaufen noch Schnee vom Samstag kleben würde. Sich nicht noch Eisschichten unter dem Sand verbergen würden. Und – die Wetterprognose versprach blauen Himmel – es nicht einige sehr nasse, windige Regenschauer gegeben hätte. Aber schön war es trotzdem und am Strand liegen finde ich eh total langweilig.

III. Wasserwandern

Gestern wollten wir nach Bjuröklubb, einer sehr schönen Halbinsel, die südlich von Bureå in die Ostsee ragt. Da Jans Wanderstiefel kaputt gegangen waren, hatten wir die Gummistiefel dabei, die ich ihm als Ersatz geliehen hatte. Zum Glück, wie sich noch herausstellen sollte.

Am Burberget, einer Anhöhe mit Skihang haben wir Zwischenhalt gemacht, denn dort hat man einen sehr schönen Blick auf die ganze Umgebung. Und dieses Mal hatte die Vorhersage mit dem blauen Himmel auch recht. Hier haben wir den Entschluss gefasst, hinunter ans Meer zu laufen. Am Wasser sind wir einen Weg, der zu den Sommerhäusern am Meer führt, weitergelaufen. Ich habe auf der Karte auf dem Handy entdeckt, dass es einen kleinen Weg zurück zum Skihang gibt, so dass wir einfach einen großen Bogen laufen können.

Kurz vor dem Abzweig haben wir den Weg verlassen und sind ein Stück über die glattgeschliffenen Felsen gelaufen. Ich mag diese Landschaft sehr, auch wenn ich dort nicht Baum sein möchte. Die Kiefern krallen sich in irgendwelchen Ritzen fest, wachsen dann mit ihren flachen Wurzeln auf dem nackten Stein weiter und so manche wird irgendwann vom Sturm umgeworfen.

Der Weg entpuppte sich eher als theoretisches Konstrukt. An manchen Stellen lag noch eine dicke Schneedecke, dort war es einfach. Aber an vielen Stellen war der Weg überflutet und manches Mal reichten selbst die hohen Gummistiefel kaum aus, um trockenen Fußes weiterzukommen, zumal der Boden unter den tiefen Pfützen an einigen Stellen weich und schlammig war. Aber nach zwei Kilometer Wasser waten und Schnee rutschen sind wir tatsächlich wieder zum Skihang zurückgekommen. Eine schöne, wenn auch etwas abenteuerliche Wanderung.


Trotz des Wintereinbruchs am Samstag ist die ganze Natur am Aufwachen. Schmetterlinge flattern durch die Luft, Ameisen und Käfer krabbeln den Weg entlang. Von der Querstraße sieht man Rehe im Wald und einen Schneehasen im Fellwechsel, der gemütlich grast. In den Zweigen hüpfen Vögel und das Spatzenpärchen vom letzten Jahr bezieht wieder seine Wohnung unter meinen Dachziegeln. Gefällt mir!

Wollgras

Gestern war ich draußen, ein bisschen die Umgebung bei mir erkunden und mitten auf einer Anhöhe entdecke ich eine kleine sumpfige Stelle mit Wollgras. Das wollte ich ohnehin schon einmal fotografieren und so habe ich meine Kamera ausgepackt und begonnen, Bilder zu machen. Über mir quollen dicke Kumuluswolken und bald darauf lag das Wollgras im Schatten. Noch während ich in den Himmel schaute, um zu schauen, wann die Sonne wieder hervorkommt, hörte ich es ordentlich rumpeln. Ein Gewitter – eine Seltenheit hier. Nun ist bei Gewittern eine kahle Anhöhe nicht der ideale Aufenthaltsort, also habe ich das Weite gesucht und bin durch den Wald nach Hause gelaufen, während dicke Tropfen herunter klatschten. Zu Hause angekommen war das kleine Gewitter aber schon wieder vorbei.

Heute war ich noch einmal unterwegs und habe Wollgras fotografiert. Die Aufnahmen entstanden an anderen Stellen, denn fast überall, wo es nass ist, wächst diese Pflanze.

In den Ritzen, die sich in den großen Felsen gebildet habe, wachsen oft junge Birken. Ob sie genug Platz finden, um starke Wurzeln zu bilden, genug Wasser zu finden und groß und alt werden?

Aufruf an die Botaniker: Weiß jemand, welche Blume auf dem letzten Foto abgebildet ist? Ich habe keine Ahnung und leider auch vergessen, die ganze Pflanze zu fotografieren.

Teichrosenteiche

Die Gelbe Teichrose (Nuphar lutea, Syn.: Nuphar luteum), auch Gelbe Teichmummel, Mummel, Teichmummel oder Teichkandel genannt, wobei sie manchmal auch mit Nuphar luteum tituliert wird, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Seerosengewächse (Nymphaeaceae). […] Der wissenschaftliche Name Nuphar wurde schon von Dioskurides gebraucht und geht vermutlich auf das ägyptische „nu-far“ zurück.

wikipedia

Der kleine Teich, der gleich um die Ecke im Wald liegt, ist jetzt voll mit den leuchtend-gelben Teichrosenblüten und den großen, schwimmenden Blättern.

Die Frösche, die man sonst immer auf den großen Teichrosenblättern vermutet, habe ich statt dessen auf dem Rückweg im Wald gesehen. Auf den feuchten Stellen hüpften hunderte der diesjährig geborenen zentimetergroßen Frösche umher und ich musste aufpassen, dass ich nicht auf einen drauftrete.

Reise nach Norwegen

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Die letzte Juliwoche bin ich nach Norwegen gefahren, um Astrid und Hein, Fridtjof und Fredrik zu besuchen. Sie waren im März letztes Jahres bei mir und es wurde Zeit für einen Gegenbesuch. Die Freunde leben in Nord-Trøndelag in der Kommune Inderøy und damit recht genau westlich von mir. Auf dem Hinweg bin ich aber nicht quer rüber gefahren, sondern erst einmal auf der E4 in Richtung Süden.


Den ersten Zwischenhalt habe ich in Salusanden, einer kleinen Strandstelle südlich von Umeå gemacht. Ich war erstaunt, den Strand an einem warmen und sonnigen Sommersamstag mitten in der Ferienzeit so leer zu finden. Am Ufer lagen einige Tellmuschelnschalen, bei mir ist die Ostsee zu salzarm für Muscheln.

Der nächste Halt war der bekannte Fjällräven-Outlet in Örnsköldsvik, ein gefährliches Pflaster für Outdoorfans. Ein Klassenkamerad in der Fünften hatte nicht wie wir alle Tornister, sondern einen himmelblauen Kånken-Rucksack von Fjällräven. Ich erinnere mich noch gut, wie ich damals diesen Buchstabensalat aus Fj, V und zwei Ä-s bestaunt habe.

Der Küstenabschnitt südlich von Örnsköldsvik nennt sich die Höga kusten, die hohe Küste. Hier habe ich eine mehrstündige Wanderung durch diese herrliche Landschaft gemacht, aber davon erzählt ein anderer Artikel.

Nach der Wanderung, die länger als geplant wurde, habe ich mich ins Auto schlafen gelegt. Das nächste Mal klappe ich die ganze Rückbank um, denn beim Umdrehen war es ein bisschen eng, aber sonst war ich überrascht, wie viel Platz ich in meinem Auto habe. Sollte ich noch zum Saab-Fan werden, oder bin ich es schon ein bisschen?


Was passiert, wenn man nicht so gut schläft und früh wach wird? Man wird mit einer wunderbaren Morgenstimmung am Norrfjärden belohnt. Zu dem Blick gab es Apfelschorle und Nusskuchen zum Frühstück. Lecker! Ein guter Start in den zweiten Anreisetag.

Danach habe ich mich wieder ins Auto gesetzt. Nun ging es in Richtung Westen, dem schlechten Wetter entgegen. Nach einer Mittagspause im grau verhangenen Östersund war ich sehr auf Åre, das größte schwedische Skigebiet gespannt. Aber zumindest bei diesem trüben Regenwetter machte es einen extrem hässlichen Eindruck und ich habe nicht einmal angehalten. Von Åre war es gar nicht mehr so weit zur norwegischen Grenze. Hier gab es viele große offene Moorflächen. Schade, dass die Moltebeeren noch nicht reif waren. Parallel zur Autostraße gab es vermutlich einen alten Weg. Übrig geblieben sind die alten Steinbrücken, die jeden größeren Bach überspannen.

Nun war es gar nicht mehr so weit zu meinem Ziel. Ich wusste, dass meine Freunde nach in Oslo sind und erst am späten Abend des Folgetages wieder zu Hause waren, aber man kann ja auch ein Zelt im Garten aufschlagen und so hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Zeltplatz mit drahtlosem Internet. Daran kann man sich gewöhnen.

Meine Route: Skelleftehamn – Umeå – Örnsköldsvik – Docksta – Ullånger – Nyland – Bollstabruk – Bispgården — Hammarstrand – Östersund – Åre – Stormoen (Norwegen) – Verdal – Røra – Straumen – Utøya – Venneshamn.

Höga kusten

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Auf meiner Reise nach Norwegen habe ich einen Zwischenstopp an der Höga kusten gemacht. Diese Region ist mir schon mehrmals empfohlen worden und nun, wo ich es endlich geschafft habe, im Skuleskogen Nationalpark eine kleine Tour zu machen, kann ich nur sagen, dass die Höga Kusten einen Besuch wert ist.

Nachdem ich mein Auto am „Entré Syd“ abgestellt habe, bin ich den orange/roten Wegmarkierungen gefolgt. Am Anfang lief ich über Holzstege, bald über Baumwurzeln. Dann bin ich abgebogen, um auf den Slåttdalsberget zu gehen. Der blau markierte Weg führt über den roten Granitfels, der die Landschaft hier prägt.

Von den riesigen Granitformationen hat man herrliche Blicke über die Ostsee und die Inseln. Am Gipfel habe ich eine Pause gemacht. Gut, dass außen an meinem Fotorucksack auch eine Wasserflasche und eine Tüte mit Nusskuchen befestigt werden können.

Bekannter als der Slåttdalsberget ist die Slåttdalsschlucht, die sich tief in den Granit einschneidet. Wenn man die dunkle Schlucht durchquert, denkt man an Abenteuerromane, Räuber, Hinterhalte und hofft, dass einem kein Troll Felsen auf den Kopf wirft.

Ich bin dann weiter um den See Tärnättvattnen gelaufen. Hier war auch einer der Plätze, an denen man im Nationalpark sein Zelt aufstellen und übernachten darf. Weiter ging der Weg an der Küste – mal etwas höher, mal fast direkt am Meer. Das letzte Stück zog sich ganz schön, zum einen, weil es schon recht spät – wenn auch noch lange nicht dunkel – war, zum anderen, weil der Proviant längst aufgefuttert war und ich einen Bärenhunger hatte. Nach vier Stunden nach Tourbeginn war ich wieder am Parkplatz und habe erst einmal etwas gegessen. Dabei wurde ich leider ziemlich von Knott umschwärmt, kleinen Mücken, die alle gerne mein Blut wollten. Aber bald habe ich mich ins Auto geflüchtet, wo ich auch geschlafen habe, ehe ich am nächsten Tag weiter nach Norwegen gefahren bin.

Mosvik

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Nach einer zweitägigen Anreise bin ich in Norwegen angekommen. Da meine Gastgeber noch gar nicht da waren, habe ich mein Zelt aufgebaut und bin noch einmal an die Küste gefahren. Was für ein schönes Gefühl, mal wieder an der Nordsee zu sein, wo es nicht nur Ebbe und Flut gibt, sondern im Gegensatz zur nördlichen Ostsee auch Muscheln, Meeresschnecken und Seetang.

Am nächsten Tag habe ich eine kleine Runde mit dem Auto gedreht. An einer Bucht habe ich angehalten und fotografiert. Dabei musste ich feststellen, dass diese Bucht nicht sandig war, sondern sehr, sehr schlickig. Gut, wenn man nicht nur sich, sondern auch die Kamera wasserdicht eingepackt hat und vor allem auch weiß, wie man aus dem Zeugs wieder herauskommt.

An dieser Stelle – weiter oben, an der Straße – habe ich übrigens auch die Walderdbeeren gefunden.

Weiter ging der Weg per Auto zum Ende des Verrasundets, wo Sonne und Regenschauer sich abwechselten. Aber ich will mich nicht beschweren, denn zum Reisebeginn sagte der norwegische Wetterdienst yr sieben Tage Dauerregen vorher.

In der Nacht kamen Astrid, Hein und ihre Kids wieder und am nächsten Morgen sind wir gleich in den Wald gegangen. Denn wenn man mit Astrid und Hein unterwegs ist, dann immer auch, um Pfifferlinge, Blau- oder Moltebeeren zu pflücken oder Fische zu fangen. Am Abend haben wir aber nichts von den Funden gegessen, sondern Walfleisch gegrillt. Der Geschmack ist schwer zu beschreiben, aber man schmeckt, dass es sich um ein Säugetier handelt.

Norwegen ist eines der Länder, in denen Wal gefangen und verkauft wird. Die Quote liegt bei etwa 1000 Tieren pro Jahr, wird allerdings nie ausgeschöpft. Da der Bestand des Zwergwales sich in den letzten Jahren vermehrt hat und der Zwergwal im Gegensatz zu seinen Verwandten nicht bedroht ist, habe ich ehrlich gesagt ein besseres Gefühl, Wal zu essen als Schwein oder Huhn im Restaurant, welches vor seinem Tod vermutlich kein artgerechtes Leben führen durfte.

Die folgenden Tage waren ein schönes Gemisch aus Spielen mit den Kindern (und sie auseinander pflücken, wenn sie wieder das gleiche Spielzeug haben wollen), Beeren im Wald sammeln, mit Hein herumfahren, um französischen Käse vom katholischen Kloster(!) und Kartoffeln vom Bauern zu kaufen, sehr gut zu essen (von Elch mit Pfifferlingsoße bis hin zu Moltebeereneis) und abends zusammensitzen, bis ich irgendwann müde ins Bett fiel. Den Elch, der auf der Wiese hinter dem Haus graste, musste ich natürlich noch fotografieren. Schade, dass es schon so dunkel war und der Elch so scheu.

Viel zu früh musste ich wieder zurückfahren, aber am Montag geht die Arbeit wieder los und ich hatte ja auch wieder einiges an Strecke vor mir. Ich gehöre halt nicht zu den Typen, die gerne sieben-, achthundert Kilometer am Stück fahren und ein bisschen was auf der Fahrt sehen wollte ich ja auch.

Danke, Hein, Astrid, Fridtjof und Fredrik für Eure Gastfreundschaft. Jetzt seid Ihr wieder dran mit kommen ;-)

Auf dem Kahlfjäll

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Norwegen 2012.

Wo war ich – ach ja, auf der Rückreise nach Schweden. Nach einer Zeltnacht mitten im Kahlfjäll (aber an der Straße) habe ich noch den Raavre (932m) bestiegen. Leider hingen die Wolken so tief, dass man zwischendurch nicht viel gesehen hat. Aber dafür war es so windig, dass mich die vielen Mücken in Ruhe gelassen haben. Lieber Mütze als Mücke!

Wunderschön ist es auf dem Fjäll und während Nebel in der Stadt eher nervt, verleiht er hier der Landschaft etwas Geheimnisvolles. Mal blickt man nur in ein weißgraues Nichts, dann geben die tiefen Wolken plötzlich den Blick frei. Auf eine Bergkuppe, eine Wiese, einen Bach oder ein vom späten Winter übrig gebliebenes Schneefeld. Dann plötzlich hat man weite Sicht auf die karge Berglandschaft, ehe die nächsten Wolken durch das Tal heranziehen. Doch seht selbst.


Liebes Fjäll, wenn ich das nächste Mal zurückkomme, dann mit mehr Zeit. Versprochen! Du bist einfach zu schön, als dass man nur zwei Stunden durch Dich durchwandert. Doch jede Reise hat ein Ende und so auch meine Norwegentour. Morgen sitze ich wieder im Büro und arbeite. Und es gibt viel zu tun. Aber in drei, vier Wochen habe ich noch einmal eine Woche frei und dann geht es wieder nach Solberget in Lappland.

Kurz mal nach Bureå

Nach einem Regensamstag klarte der Himmel heute am Sonntag wieder auf und nur einige weiße Wattewolken schwebten über den blauen Himmel. Das allerdings mit Tempo, denn es war ganz schön windig und gleichzeitig im Gegensatz zum heißen Deutschland (Saarbrücken: 38.5 °C!) mit knapp 15 °C erfrischend kühl.

Heute Nachmittag habe ich mich kurz noch mal ins Auto gesetzt und bin in das nahe Bureå gefahren. Schon als ich die Fahrertür aufgemacht habe, konnte ich die Meeresbrandung hören. Und wenig später konnte ich auch sehen, wie der frische Wind die Wellen in die flache Sandbucht drückte, wo sie dann ruhig ausliefen. Außer zwei Surfern, die gerade ihr Equipment auf das Autodach verluden, war der öffentliche Strand menschenleer.

Der Strand ist eigentlich ganz schön, aber vermutlich so flach, dass man ewig laufen muss, bis man mal in schwimmtiefes Wasser kommt. Deswegen habe ich die Badehose im Auto gelassen und bin um die Bucht herum nach Landskär gefahren. Dort bin ich schon einmal Anfang Mai mit meinem Bruder gelaufen und ich musste wieder feststellen, dass das hügelige Gelände dort seinen Reiz hat. Ich mag sowohl diese Felder mit seinen flechtenbewachsenen runden Steinen als auch die vom Gletscher abgeschmirgelten Felsen.

Ich habe mir fest vorgenommen, noch einmal hierher zu kommen, am liebsten in der Dämmerung. Heute hatte ich aber noch etwas anderes vor, was mal so gar nicht mit Schweden, Natur und meinen sonstigen Passionen zu tun hat: In Skelleftehamn lief der Film „Madagaskar 3“ und den wollte ich mir gerne anschauen. Obwohl – das hatte doch etwas mit Schweden zu tun: Während selbst Filme für Jugendliche grundsätzlich im O-Ton mit schwedischen Untertiteln gezeigt werden, wurde dieser an Kinder gerichtete Film synchronisiert. Ich hatte böse Mühe, das Schwedisch zu verstehen, denn natürlich haben alle Tiere irgendwelche besonders überzeichneten Stimmen, die mich vor unerwartete Probleme stellten. Bei den ersten drei Sätzen dachte ich noch, der Film wäre auf Französisch!

Nasser geht’s nicht

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Solberget/Narvik 2012.

Regen. Pladderregen. kalter, fieser Pladderregen. So empfing uns der Montag, zwei Tage nach dem Fest auf Solberget. Doch ich hatte schon eine Tour im Hinterkopf. Angefangen hatte die Idee mit Sandras Hinweis, auf der topografischen Karte sei ein Pfad über das Moor eingezeichnet. Moor finde ich immer spannend, und die Aussicht, auch im Sommer zum Hof Tiurevaara zu laufen, zu dem ich im Winter 2006 mal mit Skiern unterwegs war, verlockte mich. Und der Regen – nun, nass wird’s im Moor wahrscheinlich ohnehin.

Bald waren ich, Kamera und Handy wasserdicht verpackt und ich bin losgelaufen. Anfangs führte ein klar erkennbarer Weg durch den Wald. Der erste Graben ließ sich mit einem großen Schritt überqueren und mit ein bisschen Handynavigation habe ich nach knapp zwei Kilometern die Stelle gefunden, wo der Weg ins Moor führen soll. Zuerst sah ich nur eines der roten Holzkreuze, mit denen in Schweden typischerweise die Winterwege markiert sind. Dann dann sah ich einige vermoderte Bohlen, die geradeaus ins Moor führten. Der Weg schien irgendwo im Nichts zu enden. Na gut – dann mal los, umkehren kann ich immer noch.

Ich habe nur Handyfotos durch die wasserdichte Hülle geschossen, die große Kamera wäre mir wahrscheinlich bei diesem Regen abgesoffen.

Bei der Überquerung des Baches auf dem unter der Wasser liegenden Bohle war Balancieren angesagt, denn wie tief das Wasser war, ließ sich nicht erkennen und auch die Wathose, die ich anhatte geht „nur“ bis zur Brust. Aber hier kam ich noch bequem rüber. Danach glich die Wanderung mehr einem Suchspiel. Wo ist die nächste Bohle? Teile waren unter Wasser, auf manchen wuchs schon Sumpfgras und Sonnentau und manche lagen einen halben Meter daneben. Bei manchem Fehltritt oder Ausrutscher landete ich tief im Matsch, wie praktisch, dass immer eine Bohle in der Nähe ist, obwohl auch sonst das Freikommen leichter ist als oft hin angenommen.

Auch im Wald lag der Pfad manchmal unter Wasser und die Markierungen wurden immer spärlicher, bis der Weg zum Schluss im Nichts verschwand. Aber im Wald ist das ja nicht so wild. Mit dem iPhone ist es sehr bequem zu navigieren, wenn man Netz hat und so waren auch die zweite und dritte Sumpfstelle schnell gefunden. Dort lagen keine Bohlen, aber der Boden war trittfest. Und das Schöne: Ich konnte mich auf dem ganzen Weg an Blau- und Moltebeeren sattessen.

Nach etwa sechs Kilometer waten, wandern und Wege suchen habe ich den Hof Tiurevaara gefunden. Während das Haupthaus noch in Gebrauch ist und sogar über ein Thermometer verfügt (5 °C – brrr!), ist manches Nebengebäude völlig verfallen und die Natur erobert sich das Gelände wieder zurück. Unter dem Vordach habe ich eine Pause gemacht und ein bisschen Schokolade gegessen. Während das Handy trocken geblieben ist, war ich selbst am ganzen Körper klatschnass. Deswegen habe ich mich bald auf den Rückweg gemacht.

Auf dem Rückweg musste ich mehr mit Kompass und (nasser) Karte navigieren, da der Ladezustand meines iPhones schon nach drei Stunden von 98% auf „Ich schalte mich jetzt aus“ abgesunken war. GPS + Internet (Kartendarstellung) + Fotografieren ist für so ein Schönwettersmartphone einfach zu viel. Aber egal, man kommt auch ohne nach Hause. (Und zugegeben, ein „normales“ GPS hatte ich auch noch mit dabei.)

Für ein letztes Foto ließ sich das Handy sogar noch einmal wieder anschalten: Diese schöne Kaffeekanne habe ich schon auf dem Hinweg bewundert und jetzt signalisierte sie mir, dass Solberget nicht mehr weit ist.

In der gemütlichen Holzfällerhütte habe ich mich umgezogen, ein Feuer gemacht, alles, was unterwegs mit war, zum Trocknen aufgehängt. Inklusive Karte und Rucksack.

Teilweise mögen Schweiß und Kondenswasser dafür gesorgt haben, dass ich so klatschnass war. Teilweise lief mir das Wasser aber auch einfach am Kinn unter die Jacke oder in die Jackenärmel, wenn der Unterarm mal eine zehntel Sekunde nach oben oder in Richtung Wind zeigte. (Auch supertoll-konstruierte Outdoorjacken haben ihre Grenzen.) Die Wathose hätte ich mir also echt sparen können, zumal ich mir bei der Wanderung auch das Knie etwas aufgescheuert habe. Einen Vorteil hatte das „Overdressing“ aber: Die meisten Sachen blieben sauber.

Blåbär

Als ich letzte Woche im Wald nach Blaubeeren geschaut habe, dachte ich schon, ich sei zu spät gekommen. Bis auf ein paar vertrocknete und sauer schmeckende Schrumpelbeeren war keine Blaubeere mehr zu finden. So viel können die anderen gar nicht gepflückt haben, die Saison war wohl einfach zu Ende. Da hat sich die Faulheit in mir ein bisschen gefreut.

Letzte Woche habe ich aber festgestellt, dass auf dem Südhang eines bewaldeten Hügels noch einige Blaubeeren wuchsen. Also bin ich heute sammeln gegangen und mein Gefrierschrank ist um ein knappes Kilo Blaubeeren reicher.

Natürlich habe ich einen gewissen Hintergedanken beim Sammeln gehabt: Zu Silvester kommen kochbegeisterte Freunde und die können auch so tolle Dinge wie Blaubeer-Crumble. Oder Blaubeer-Muffins. Oder Blaubeereis. Manchmal wird eben meine Faulheit von meiner Verfressenheit besiegt.

Farbbad

Wikipedia bringt das Wort „Farbbad“ mit Batik und Pelzreinigung in Verbindung. Für mich hingegen ist Farbbad so ein Herbsttag wie heute.

Nach mehreren trüben und warmen Tagen, an denen aus einer öden Hochnebeldecke Nieselregen schwebte, klarte es heute vormittag auf. Da ich heute zu Hause gearbeitet habe, bin ich wie meistens zum Mittagessen zu „Din Fest“ gelaufen. Mit dem Weg habe ich mir aber Zeit gelassen, denn der blaue Himmel, die warmgelben Birken und das tiefblaue Wasser waren einfach wunderbar und ich spürte, wie sich mein ganzer Körper mit Licht und Farbe auftankt. Und das kann er für den langen Winter auch gut brauchen.

Wie gut, dass ich gestern Abend vorgearbeitet habe und heute sehr früh begonnen. So hatte ich kein schlechtes Gewissen, den Nachmittag frei zu nehmen und ein bisschen in der Natur unterwegs zu sein. Ich bin zum Bureberget gefahren und wollte noch einmal den Weg nehmen, den ich im Mai mit meinem Bruder gelaufen bin und der damals völlig überflutet war. Ich dachte, dass ich jetzt einen schön trockenen Weg vor mir habe, aber Pustekuchen! Das Wasser schien fast noch tiefer zu sein. Ich bin dann durch den dichten Wald nordwärts abgebogen. Bald lichtete sich der Wald, denn hier gibt es große, blanke Granitfelsflächen, die immer wieder von kleinen Waldstücken unterbrochen werden.

Immer wieder öffnete sich der Blick nach Norden auf die drei Windräder beim Städtchen Bureå, auf Skelleftehamn, die Ostsee mit ihren Inseln und auf Wald, Wald, Wald. Im Westen konnte man weit am Horizont die ersten flacheren Berge erahnen.

Nach einiger Zeit hatte ich mich an der Ferne sattgesehen und habe mich der Nähe zugewendet. Auch hier – Farben. Vor allem das tiefe Glutrot einiger Heidelbeersträucher ist fast nicht zu glauben. Das letzte Foto ist fast ein Zufallstreffer. Ich habe das Motiv gesehen, die Kamera direkt auf den Fels gestellt und Knips gemacht. Das Motiv war nur halb drauf also noch einmal Knips! Und das war das Foto.

Weniger Glück hatte ich bei dem Birkhuhn; da war ich viel zu langsam mit dem Fotografieren.

Und sonst:+++ Letzte Woche hatte ich Besuch von deutschen Internetbekannten, die aber in ihrem großen Wohnwagen geschlafen haben +++ Ich arbeite an einer neuen Webseite für „Dark & Cold“, unseren Verein, der unter anderem die Winterschwimmmeisterschaft in Skellefteå ausrichtet +++ Am Sonntag hat ein Freund bei mir übernachtet, der von Kiruna nach Hamburg unterwegs war +++ Ich organisiere meine Zeit in Deutschland, dort spiele ich zwischen dem 25.10. und dem 10.11. acht Jazzkonzerte, doch dazu später mehr.

Im Schnee versunken

Dieser Artikel ist Teil der fünfteiligen Serie Wintereinbruch 2012.

Nur zur Erinnerung: Gestern mittag konnte man noch überall den Rasen sehen, denn es war zwar kalt, aber Schnee lagen nur ein paar Millimeter. Dann fing es an zu schneien, mehr zu schneien, noch stärker zu schneien. Entgegen der Vorhersage (10-20 cm Schnee, lässt vormittags nach), schneite es die ganze Nacht durch und auch heute vormittag kamen mit jeder weiteren Stunde fünf Zentimeter dazu. Und da kommt eine Menge zusammen …


Als ich heute aus dem Haus blickte, war alles tief verschneit und es schneite noch immer. Die Straße war eine einzige weiße Fläche und von meinem Auto schauten nur noch ein Teil der Scheiben, Dachreling und Rückspiegel hervor. Bis zum Oberschenkel ging mir das fluffige Weiß auf dem Weg zur Garage. Denn dort standen die Skier, die ich heute nehmen wollte. Inzwischen war der Schneepflug gekommen und hat zusätzlichen Schnee von der Straße vor das Grundstück geworfen. Da musste ich erst einmal durchwaten, um überhaupt auf die Straße zu kommen.

Mit Skiern bin ich dann bergauf die Straße in Richtung Storgrundet gelaufen, bin aber schnell wieder umgekehrt, denn im Wald trug der Schnee nicht und der Weg war schon geräumt, so dass die Skier auf dem Kies kratzten.

Mit den Winterstiefeln (gefüttert – wasserdicht – bequem) ging es dann viel besser. Bei der Skooterspur habe ich den Weg verlassen und bin die Waldwege entlanggelaufen. Oder das, was von den Waldwegen übrig war, denn überall lag der Schnee knie bis hüfthoch. Genau das Richtige, um sich an die alten Trendsportarten von vor zwei Jahren zu erinnern: Tiefsnow stapfing und Power snowangeling! Beim letzten Foto bin ich einfach die verschneiten Felsen heruntergerutscht und weitergerutscht und weitergerutscht. Keine Angst, so tief ist der Schnee dann doch nicht, ich liege hier halb auf den großen schrägen Felsen. (Beim Power snowangeling habe ich mich übrigens einfach rückwärts fallen lassen. Kein Anlauf oder so …)

Die Natur präsentierte sich hauptsächlich in Schwarzweiß. Eigentlich hauptsächlich in Weiß, denn der Schneefall wurde immer stärker und ich war froh, zur Sicherheit einen Kompass dabei zu haben, auch wenn ich die Umgebung inzwischen ganz gut kenne. Vor allem an dem kleinen See Rudtjärnen war alles weiß in weiß und das gegenüberliegende Ufer war nicht zu sehen.

Nach einer recht anstrengenden Runde zu Fuß durch den Tiefschnee bin ich wieder auf den geräumten Weg gekommen. Hier lag schon neuer Schnee. An dem (anderen) kleinen See, an dem ich vor ein paar Tagen noch fotografiert habe, ist es meistens sehr windig. So auch heute. Ich bin kaum zum Ufer gekommen, um ein Vergleichsfoto zu machen, denn der Wind hat die Schneeverwehungen schon hart werden lassen. Eingesunken ist man aber doch bis zum Bauch.

Nun war es bis zur Ostsee nicht mehr weit. Zu meinem Erstaunen war die Ostsee zwischen Insel und Festland zugefroren, auch wenn einige braune Stellen verrieten, dass das Eis noch lange nicht tragfähig ist. Hier habe ich eine Tee- und Esspause gemacht, die war aber bei dem Küstenwind trotz zweiter Jacke ganz schön ungemütlich. Die Insel Storgrundet war im Schneefall und Schneetreiben nicht einmal zu erahnen und auch die Nikon wollte nicht mehr so richtig. Zeit für den Rückweg …

Der Rückweg ging schnell, selbst wenn die geräumte Straße inzwischen wieder zugeschneit war. Als ich wieder in meine Straße einbog, sah ich alle Nachbarn auf einmal. Und alle schaufelten Schnee. Oder unterhielten sich über das Wetter. Manche hatten eine Schneefräse und später kam auch jemand mit einem alten Traktor dazu. Mein Auto war inzwischen bis auf den rechten Außenspiegel komplett unter den Schneemassen verschwunden und auch mein Trampelpfad von vor einigen Stunden war wieder zugeschneit.

Mittags – genau 24 Stunden später – hörte der Schneefall wieder auf. Und in diesen Stunden haben die Wolken 83 cm Neuschnee in meinen Garten geladen. 83 cm in 24 Stunden! Das hat auch der Nachbar von gegenüber noch nicht erlebt! Ich ahnte, dass ich den Rest des Tages mit Schneeschaufeln beschäftigt sein würde. Schon der Pfad zur Haustür hat seine Zeit gebraucht und danach kam das Auto dran, und der Schnee davor. Das ganze war ein bisschen wie Ostereier suchen: Oh, ich habe ein Auto, einen Briefkasten, eine Treppe, ein Kellerfenster! Bloss der Zaun zum Nachbarn ist immer noch im Schnee versteckt.

Ich schätze, ich habe 10 Kubikmeter, also etwa eine Tonne Schnee über meine Schulter geworfen und dementsprechend groggy bin ich jetzt. Richtig groggy! Aber während die meisten Nachbarn nur die Arbeit sehen, freue ich mich, dass der Winter mit einem Paukenschlag pünktlich zum ersten Advent (Stimmt, den haben wir ja heute auch) gekommen ist. Und so viel Schnee bleibt lange liegen, zumal die nächsten zehn Tage Dauerfrost sein soll. Winter wonderland!

Anmerkungen

Eigentlich war heute wieder Skyltsöndag in Skelleftehamn. Da war aber nichts, denn auch der Marktplatz war unter Schnee begraben.

Es hat wohl wieder einen „Lake effect“ gegeben, denn schon zehn Kilometer landeinwärts liegt ungleich weniger Schnee. Und den Lake effekt konnte das smhi vor zwei Jahren auch schon nicht vorhersagen.

Fotografen wird auffallen, dass manche Bilder vignettiert sind. Das liegt daran, dass um die Linse herum ständig Schnee klebte. Zum Schluss war die Hälfte der Bedienelemente an der Nikon eingefroren und das Fotografieren wurde immer schwieriger. Ich werde das nächste Mal die Nikon vorher schon herunterkühlen in der Hoffnung, dass der Schnee dann nicht so leicht am Gehäuse schmilzt und festfriert.

Abendspaziergang

Ich komme gerade von draußen herein und habe seit Wochen wieder Sterne am Himmel gesehen. Zwar nur einige, die matt durch die dünnen Wolken, aus denen immer noch ein bisschen Schnee grieselt, hindurch scheinen, aber immerhin.

Da ich am Freitag nach Deutschland fliege, habe ich heute Abend noch einmal einen längeren Spaziergang durch das Städtchen Skelleftehamn gemacht. Das erste Fotomotiv wartete schon: Die Garagen, die momentan recht ungenutzt aussehen.

Ebenfalls ungenutzt steht so manches Auto, so manches Fahrrad im Schnee oder auch unter dem Schnee. Ich wüsste gerne, wie viele Fahrräder ich einfach nicht gesehen habe, weil dort irgendein Schneeräumfahrzeug einen der bis zu vier Meter hohen Schneeberge angelegt hat.

Zum Schnee, zum Wetter, zum Winter: Seit gestern liegen (wieder) 70 cm Schnee hinten im Garten, gefallen sind vermutlich knapp 160 seit dem 1. Dezember. Aber davon kam ja die eine Hälfte direkt innerhalb von 24 Stunden herunter. Die letzten sieben Tage war es recht mild mit Temperaturen um -3 °C, seit gestern wird es kälter und jetzt sind es -12 °C. Am Wochenende wird es vermutlich kälter, aber da bin ich schon in Deutschland und da interessiert mich das Bremer Wetter mehr. Momentan sieht es zwar nicht nach weißen Weihnachten aus, aber eventuell nach Dauerfrost. Sollte ich es wagen, meine Gummistiefel zu Hause zu lassen …?

Fast Frühling – Nachtrag

Ein kurzer Nachtrag zum Artikel Fast Frühling.

Nachtrag vom 28.2.

Weiterhin war es warm, auch in den letzten beiden Nächten war es frostfrei. Tauwetter. Heute morgen auf dem Weg zum Bus musste ich durch eine riesige und tiefe Pfütze waten. Und dort, wo noch Schnee auf der Straße liegt, ist er braun und meistens schon Schneematsch. Das kenne ich ja aus Deutschland, aber für Nordschweden ist das mindestens einen Monat zu früh!

Auch das Schneemonster ist in sich zusammengefallen – wesentlich früher als ich gedacht hätte. Aber übermorgen, am Samstag, sollen 8 – 10 cm Schnee fallen, und bei dem böigem Wind werden sich die erwarteten -10 °C wie -20 anfühlen. Das kann ich mir ehrlich gesagt bei der heutigen Frühlingsstimmung kaum vorstellen.

18:30: hübsch, jetzt regnet es auch noch richtig. 2.5 °C.

Nachtrag zum Nachtrag vom 1.3.

07:00: es schneit und es ist windig. Das Thermometer zeigt -5.5 °C an, Tendenz fallend. Und auch wenn Teile der weichen und jetzt über Nacht gefrorenen Schneeklumpen noch etwas bräunlich anmuten; das Tauwetter scheint der Vergangenheit anzugehören und weit zurückzuliegen. Das Foto oben habe ich gestern Mittag gemacht, das Foto hier heute vor ein paar Minuten.

Nachtrag zum Nachtrag zum Nachtrag …

Der Wetterdienst smhi hat übrigens gestern einen Blogartikel mit dem Titel „Vår i norr men vinter i söder“ (Frühling im Norden aber Winter im Süden) geschrieben. Wenn man sieben Tage hintereinander Durchschnittstemperaturen über 0 °C hat, nennt man den ersten Tag Frühlingankunft. Und die hatten wir dieses Jahr schon im Nordschweden (Normal wäre das im April), aber noch nicht in Südschweden. So eine Situation hat es das letzte mal 1963 gegeben – vor 40 Jahren.

Wieder Winter

In der Nacht kam der Schnee und der Frost. Dann klarte es auf. Jetzt, um halb sechs sind es -10 °C und der erste Märztag fühlt sich im Gegensatz zu den letzten Februartagen wieder nach richtigem Winter an.

Kurz vor Sonnenuntergang war ich noch einmal am Strand und bin zur nahen Insel Storgrundet hinübergelaufen. Auf der angetauten und wieder gefrorenen Ostsee ist es teilweise spiegelglatt. Das Eis unter einem knackt laut und dumpf. Ich weiß, dass das Eis dort dick ist – heute sah man sogar frische, breite Reifenspuren – und das Eis nur deswegen knackt, weil es sich bei den sinkenden Temperaturen ausdehnt, aber dennoch sehe ich mich bei jedem Knack – und meine teuren Kamerasachen – mit einem lauten Platsch ins Ostseewasser fallen.

Ich wünsche Euch allen ein schönes Wochenende!

Ein komplettes Wochenende

Kennt Ihr das? Die Wochenendplanung? Man möchte was Schönes machen, vielleicht alleine, vielleicht mit Freunden. Man sollte unbedingt ein paar Dinge erledigen und ein bisschen relaxen – zum Beispiel lesen. Und ein kleiner Mittagsschlaf wäre doch auch nett und nützlich. Macht zusammen so drei bis vier Tage. Das Wochenende hingegen hat zwei.

Dieses Wochenende habe ich tatsächlich alles gemacht. In nur zwei Tagen. Das kommt wirklich nicht oft vor.

4. Relaxen: Teile das Nachmittags habe ich im Bett verbracht. Zum einem mit einem recht langen Mittagsschlaf, zum anderem mit dem ersten Buch aus der „Agaton Sax“-Reihe. Das sind herrlich skurrile und schräge Jugendbücher, die Nils-Olof Franzén von 1955 bis 1978 geschrieben hat. Hauptfigur ist der kleine und etwas korpulente Agaton Sax, der Chefredakteur der kleinen Tageszeitung in der fiktiven Stadt Byköping ist und nebenberuflich ein Genie in Sachen Kriminalistik. Und wenn ich dann wieder einen schwedischen Wortwitz verstehe, freue ich mich besonders.

3. Erledigen: Heute Vormittag habe ich ein bisschen länger geschlafen und dann beschlossen, das Thema „Ablage“ in Angriff zu nehmen. Nun gehört Ablage machen zu den Dingen, vor denen ich mich (a) gerne, (b) erfolgreich und (c) sehr lange drücke und so denke ich beim stundenlangen Sortieren und Abheften darüber nach, wie die Zeit vergangen ist. Das mache ich sonst nie, aber nicht wenige der Briefe von Versicherung, Finanzamt, Bank oder Pensionskasse tragen das Jahr 2010.

Als ich nach Schweden kam, habe ich mich über die lustigen vier Löcher gewundert, die hier viele der offiziellen Briefe zieren. Anfangs vermutete ich noch einen Fehler (Warum sollte das auch anders als in Deutschland sein), dann habe ich mir einen schwedischen Locher und passende Aktenordner gekauft.


2. Freunde treffen: Gestern Nachmittag bin ich zur Halbinsel Kallholmen gelaufen, denn dort wohnte ein guter Bekannter, der mich zu einer kleinen Feier eingeladen hat. Dabei bin ich größtenteils außen herum auf dem Eis gelaufen, weil es dort bei der untergehenden Sonne so schön war. Was für ein schöner Nachmittag und Abend mit netten Leuten war das! Mit indischem Essen und Diskussionen, mit Bowle und Weißwein. Sechseinhalb Stunden später bin ich wieder zurück gelaufen. Da das vorhergesagte Nordlicht ausgeblieben ist, war ich auch relativ schnell wieder zu Hause.

1. In der Natur sein: Gestern Vormittag habe ich eine Wanderung zu Fuß gemacht. Im weglosen Wald ist das sehr lustig, weil größere Teile der Schneedecke gut tragen, man aber immer mal wieder bis zur Hüfte im Schnee steckt. Die Elche laufen ja auch gerne Wege, aber haben mit Tiefschnee keine Probleme, obwohl die einzelnen Fußabdrücke auch ganz schön tief sein können.

Auf der Ostsee hingegen war es viel leichter zu gehen, da auf den offenen Eisflächen wesentlich weniger Schnee liegt. Dieses Mal bin ich zu einer winzigen Insel namens Brottören gelaufen. An einigen Stellen hat das Eis ziemlich geknackt. Ich zucke dann jedes Mal ein bisschen zusammen, obwohl das Knacken eher damit zusammenhängt, dass es wieder kälter wurde. Und auf der Insel Storgrundet stand sogar ein Kombi am Strand geparkt, den jemand vom nahen Festland über das Eis gefahren hat. Soviel zur Eisdicke.

Gerne wäre ich zu den Eisbergen, die man am Horizont flimmern sehen konnte gelaufen. Aber die waren mindestens drei Kilometer entfernt und ich hatte keine Ahnung, wie dick und tragfähig das Eis dort draußen auf der offenen See ist.

Gestern Abend: München Flughafen + 8°C, Skellefteå Flugplatz: -21 °C. Hier war es also fast dreißig Grad kälter. Inzwischen war aber der Winter auch nach Deutschland unterwegs und hat Kälte und Schnee mitgebracht.

Vorsichtige Frühlingszeichen

Försynta vårtecken På svenska

Dom finns, de första tecken, att djupaste vintern är över. Pölen på asfalten, den första barmarken i skogen, en blank klippa, som är varken täckt med snö eller istappar. En mosstäckt stubbe, där en blåbärsbuske växer på. Och – en stor undran – en geting som försöker skaka av sig kylan. Synd, att jag hade inte min makroobjektiv med mig.

Men i skogen ligger snön fortfarande mer en knädjupt och idag kom även en ytterligare centimeter snö som visserligen smälte snabbt bort på asfalten.

Alle foton har jag gjort i närheten av mitt hus.

Es gibt sie, die ersten Anzeichen, dass der tiefste Winter vorbei ist. Die Pfütze auf dem blanken Asphalt, die ersten kleinen Stückchen barer Waldboden, der blanke Fels, der nicht schneebedeckt oder mit Eiszapfen behangen ist. Ein moos- und flechtenbedeckter Baumstumpf, auf dem ein Heidelbeerstrauch wächst. Und – eine große Überraschung für mich – eine Wespe, die versucht, sich von der Kältestarre zu befreien. Schade, dass ich mein Makroobjektiv nicht dabei hatte.

Um die Baumstämme schmilzt der SchneeWarmer SüdhangEin HeidelbeerstrauchDie erste frühe Wespe

Im Wald steckt man aber immer noch schnell bis über die Knie im Schnee, und heute Vormittag kam sogar ein Zentimeter Neuschnee dazu – der erste seit Wochen, der allerdings auf dem sonnenbeschienenen Asphalt keine Chance hatte. Nur auf dem Altschnee blieb er liegen und verstärkte die Kontraste der Schnee- und Eisstrukturen.

Neu- und Altschnee am Straßenrand

Alle Fotos sind übrigens in unmittelbarer Nähe meines Hauses aufgenommen. Wer mehr frischen Schnee will, der muss weiter weg, zum Beispiel nach Tromsø, wo heute 143 cm Schnee gemessen wurden. Hier ein Bild, welches Thorbjørn Riise Haagensen gestern in Tromsø aufgenommen hat.