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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Am Wintermeer – Teil 1

Ich als Fan des skandinavischen Winters habe heute ein bisschen neidvoll auf andere Orte Schwedens geschaut: Katterjåkk misst jetzt schon 105 cm Schnee. Wir vielleicht fünf oder acht oder so. Und während in Pajala und Hemavan die Mittagstemperaturen unter -30 °C lagen und in Nikkaluokta in der letzten Nacht -38.7 °C gemessen wurden, hatten wir hier „nur“ so um -10 °C. Das liegt natürlich am nahen Meer, welches hier für vergleichsweise milde Temperaturen sorgt. Und manchmal ärgere ich mich dann, dass ich nicht weit, weit, im nördlichen Inland oder besser noch auf dem Fjäll lebe. Aber dann brauche ich nur ans Meer zu gehen oder zu fahren und schon weiß ich wieder, warum ich es hier mag.


Heute bin ich wieder zu Långhällan gefahren, wo ich zuletzt mit Jochen vor zwei Monaten war.

Es ist eine ganz eigene, faszinierende Stimmung heute morgen an der Küste. Die dichten Wolken sorgen für ein kaltes Zwielicht und alles liegt in Eis erstarrt. Die kleinen Sträucher sind dick von Eis umhüllt. Es ist windig und ab und zu fliegt ein bisschen körniger Schneegriesel vorbei. Weder Mensch noch Tier lässt sich blicken – der Winter auf dem Festland ist ruhig. Doch das Meer ist aufgewühlt. Hohe Wellen überlagern sich, brechen sich, lärmen und rauschen und die Brandung schleudert die Gischt meterhoch in die Luft und über die Felsen ans Land, wo sie sofort festfriert.

Deswegen sind alle Felsen mit einer Eisschicht überzogen und ich bewege mich nur teilweise laufend vorwärts. Manchmal krabbele ich eine größere Stufe hinab oder rutsche auf den Knien weiter. Man sollte sich auf den Felsen halten, denn die glatten Eisflächen bedecken Senken, die metertief mit Wasser bedeckt sein können und vor allem nah am Meer ist das Eis noch dünn. Doch es ist wunderschön, in diese raue Landschaft einzutauchen und mit der Natur eins zu sein.

Eisküste

EisküsteEisumhülltes Bäumchen

Einsame Kiefer auf Eis und Fels

Es muss ein sehr lustiger Anblick sein, mich in ziemlich sonderbaren Haltungen auf den Felsen fotografieren zu sehen. Für ein Detail lege ich mich platt auf dem Boden; die Kamera liegt auf einem Handschuh. Das Motiv gibt leider nichts her und bald laufe ich zurück zum Auto. Inzwischen bewege ich mich viel leichter und entspannter auf dem Eis, ich habe mich wohl daran gewöhnt – nein, ich habe bloss mein Stativ vergessen! Also noch einmal zurück. Zum Schluss mache ich noch ein Foto unter dem Motto „Beach Party“, aber ich bezweifele, dass ich damit den Pauschaltouristen ansprechen kann.

Beim Fotografieren„Beach party“

Jetzt könnte ich den Heimweg antreten, aber nein, noch will ich nicht fort

Am Wintermeer – Teil 2

Was macht man, wenn Winter ist, -10 °C, man am Meer fotografiert hat und noch nicht nach Hause will? Man holt die neue wasserdichte Nikon aus dem Auto. Und damit man selbst auch wasserdicht ist, kommt der knallrote Neoprenoverall auch mit. Zu recht – wie sich zeigen wird.

Bald laufe ich durch das knietiefe Wasser einer kleinen Bucht zu den exponierten Felsen. Kaum sitze ich auf den Felsen, kommen schon ein paar Brecher heran gerauscht und überspülen den Felsen, auf dem ich hocke. Ich komme nicht dazu, zu fotografieren, denn ich bin mehr damit beschäftigt, einen guten Halt zu finden, damit mich nicht irgendeine Monsterwelle wegspült. Keine Minute später sind Gesicht und Kamera klatschnass und das erste Wasser hat am Kinn seinen Weg in den Overall gefunden, aber ich sitze.

Wirklich zufrieden bin ich nicht mit den Fotos. Es war wenig Licht, ich kenne die Kamera noch nicht und an die spannendsten Stellen kam ich nicht. Ich hätte liebend gerne seitlich in ein Wellental hinein fotografiert aber dazu hätte ich die sicheren Felsen verlassen müssen und das war mir definitiv viel zu gefährlich.

Ein paar Fotos, die aber nur einen schwachen Eindruck von der Energie des aufgewühlten Meeres zeigen.

Brandung und GischtBrandung und GischtRauhe FelsküsteDie Gischt fliegt auf mich zu

Ich habe auch ein paar Fotos von mir gemacht. Bei dem letzten kam dermaßen viel Wasser angerauscht, dass von mir nicht viel zu sehen ist, obwohl die Kamera ja nur eine knappe Armbreite von mir entfernt ist. Sehr nass, sage ich nur!

SelbstportraitIn der Gischt

Einmal die volle Breitseite

Und die Nikon AW1? Das Wichtigste: Sie hat gehalten! Ich habe sie über Wasser gehabt, in der Brandung und auch oft unter Wasser. Letzteres, um das Eis wieder abzuschmelzen, doch dazu ist das Wasser in der Bucht zu kalt und bald war die ganze Kamera mit einem Eispanzer umgeben. Lediglich den Auslöseknopf konnte ich freihalten und immer wieder die gefrierenden Gischt-Tropfen vom Frontglas entfernen. Aber an Zoomen war nicht mehr zu denken. Doch nachdem ich die Kamera zu Hause gebadet(!) und getrocknet habe, ging alles wieder prima.

Nikon AW1 – eisüberzogen

Nachtrag:

Ich habe ein kleines, wackeliges Video von heute online gestellt.

Ein Montag – drei Welten

Es kommt selten vor, dass ich an einem Tag in drei Welten zu Hause bin. Heute war so ein Tag.

Welt 1

Angefangen hat alles wie ein gewöhnlicher Montag mit meiner Arbeit als Programmierer. Heute habe ich zum Beispiel ein PlugIn begonnen, welches Tweets von der neuen Twitter-API 1.1 mithilfe von OAuth liest. Für die, die es wissen wollen. Aber ich habe heute nur einen halben Tag für Hello Future gearbeitet und auch von zu Hause aus, denn

Welt 2

heute nachmittag war ich als Musiker gebucht: Bei einer Veranstaltung „Skelleftehamn 1913-2013“ habe ich im „Sävenäs Maskinhus“ einige Stunden Klavier gespielt. Das war fast wie früher: Man spielt alte Musicalsongs, Bossa Novas und Balladen so knapp über der Hörschwelle. Selbst ich habe mehr gesehen als gehört, was ich gespielt habe, doch den Leuten hat es gefallen. Fast wie früher, aber doch so anders: Man spricht alle mit Du an, ich kenne Johan, den Organisator und auch Pär, den Koch persönlich und auch einen der Gäste kannte ich privat. Eine kleinere Welt. Und noch etwas war anders: Als ich alles wieder ins Auto geräumt habe, zeigte das Thermometer -14 °C an. Und fünf Minuten später war ich wieder zu Hause. Heimspiel.

Normalerweise, wenn ich zu Hause arbeite, gehe ich immer zu Din Fest, meinem Lieblings­restaurant, doch heute nicht, denn heute Mittag war ich

Welt 3

draußen lunchen. Denn es hat die ganze Nacht und den halben Tag geschneit und alles war weiß. Ich habe zum ersten Mal meine Skier untergeschnallt und bin mit gepacktem Rucksack zum Meer gelaufen. Erst auf der Wohnstraße, keine zehn Minuten später im Wald.

Skipremiere 2013/14Mit Skiern im Wald

Dort ist der Schnee aber noch zu locker und flach und man schrappt immer auf den Felsen herum, also bin ich hauptsächlich die verschneiten Wege entlang gelaufen. Es ist immer wieder schön, wenn man der erste ist, der eine frische Spur durch den Schnee zieht und noch kein Skooter vor einem den Weg planiert hat.

Winterlandschaft

Bald war ich am Meer, dort schneite es heftiger und es lag auch mehr Schnee. Das Meer zwischen Festland und der nahen Insel Brambärsgrundet ist fest von Eis gedeckt, doch weiter draußen ist das Meer offen und man hört die Brandung an die Außenseite der Insel rauschen. Ein schöner Picknickplatz, und -8 °C mit Schnee ist auch „wintriges“ Wetter für ein erstes Schneepicknick. (Wer meint, -8 °C sind kalt: In Nikkaluokta gab es letzte Nacht -40.8 °C. Da sind Picknicks erfahrungsgemäß meist etwas kürzer.)

Am MeerSchneeschauer vor der Insel Brambärsgrundet

Bloß mit den Selbstauslöseraufnahmen vom Picknick hat es nicht geklappt. Denn ich hatte meine neue Kamera mit halbvollem Akku dabei, der in der Kälte schnell leer war und Ersatz habe ich noch nicht. Und mein iPhone ist ohnehin eine Memme, die lieber in der warmen Stube bleibt: Obwohl der Akku noch 50% Kapazität hatte, hat sich das iPhone einfach ausgeschaltet. Aber zumindest zwei Fotos gibt es: Eins vom Picknickplatz, eins vom „ersten Gang“.

Der heutige PicknickplatzDagens lunch

Der schwedische Wetterdienst smhi ist ziemlich schlecht darin, Schnee für Skelleftehamn vorauszusagen: statt der prognostizierten ein, zwei Zentimeter Schnee kamen 15 und im Garten liegen jetzt 20 Zentimeter Pulverschnee. Das wird aber nicht lange bleiben, denn ab übermorgen sagt der smhi warmes Wetter mit Temperaturen um +7 °C voraus und Temperaturen kann der smhi leider ziemlich gut.

Aber heute habe ich meine Skipremiere gehabt. Wie schön, dass ich heute in gleich drei meiner Welten zuhause sein durfte.

Tauwetter

Heute nachmittag: 10.3 °CIgitt sage ich nur! Vorgestern die erste Skirunde bei Minusgraden und pulvrigem Neuschnee und heute 10 °C – in Worten: Zehn Grad Plus!

Dort, wo ich vorgestern noch zwanzig Zentimeter Schnee gemessen habe, ist jetzt wieder braungrüner Rasen zum Vorschein gekommen. Und die Straßen sind dort, wo noch Eis ist, wieder spiegelglatt. Völlig überflüssig, solches Wetter, denn ich finde, Mitte Dezember darf hier gerne tiefster Winter herrschen und über Plustemperaturen kann man irgendwann im März mal wieder reden.

Und so war der Dezember die letzten Jahre:

  • 2010: 40 – 110 cm Schnee und Dauerfrost
  • 2011: kaum/kein Schnee und recht warmes Wetter
  • 2012: 60 – 80 cm Schnee und Dauerfrost

Der Winter lässt sich Zeit

Es ist schon ein ziemlicher Zickzackkurs, den der Winter dieses Jahr fährt. Vorgestern gab es Pladderregen bei +10 °C, dann ging es in der Nacht in Schnee über mit einem kurzen Sturm. Heute morgen war es klar und -10 °C und jetzt geht es gerade wieder gegen null. Kein Wetter für Schnee, aber die Ostsee zeigt doch immer mehr Winteranzeichen.

Bei der Lotsenstation ist das Meer offen und die Steine sind eisüberzogen.

Winterfelsen am Strand von NäsgrundetWinterfelsen am Strand von Näsgrundet

Doch in den geschützteren Bereichen – keine 150 Meter entfernt – bildet sich eine dünne Eisschicht, die von den Wellen wieder gebrochen wird. Die Eisschollen stoßen sich aneinander rund und bilden das sogenannte Pfannkucheneis. Der halbe Himmel ist in rosa-violette Pastellfarben getaucht, ich nenne ihn „Bonbonhimmel“.

Pfannkucheneis

Ortswechsel. Ich stehe jetzt einer offeneren Stelle unweit der Insel Storgrundet. Erst dachte ich, das Meer sei komplett eisbedeckt, aber nein, die Wasseroberfläche ist nur so ruhig und klar. Ich stehe auf einem Wall von Eisschollen, die vermutlich der letzte kurze Sturm an Land geblasen hat. Einige Meter weiter ist das flache Meer offen.

An der EiskanteBlick aufs Meer

Die kleine Bucht ist restlose mit Pfannkucheneisbedeckt, der Rest des Meeres ist noch offen.

PfannkucheneisPfannkucheneis auf einer kleinen Bucht

Schaut man an die Eiskante, so sieht man hunderte kleine, rubbelige Eiszapfen, die von der Gischt der kleinen Wellen genährt werden. Schaut man mit dem Teleobjektiv hinaus aufs Meer, so sieht man, dass die Oberfläche mit unzähligen kleinen Eisstückchen bedeckt ist, die irgendwann zusammenfrieren werden, wenn es mal ein paar Tage ruhig und kalt ist. Und das da am Horizont, sind das Eisschollen? Ich weiß es nicht.

Eiszapfen unter der EiskanteFernblick

Notiz an mich selber: Wenn man mit der neuen wasserdichten Kamera Unterwasserbilder vom Ufer aus machen will, dann das nächste Mal unbedingt Neoprenhandschuhe mitnehmen! Das Wasser ist viel zu kalt, um in Ruhe die Kamera unter Wasser zu halten und nasse Hände bei -10 °C Lufttemperatur sind nur mäßig gemütlich.

Nachtrag

21:05, gerade habe ich den Artikel veröffentlicht. Plötzlich heult Wind ums Haus und es hat angefangen zu schneien. Mal sehen, wie viel herunterkommt. Morgen Abend soll es regnen :-(

Pilot 791 SE

Das Wetter heute: naja! Windig und ±0 °C. Alles andere als schönes Kajakwetter. Aber heute hatte ich es gut und bequem, denn ich hatte einen Lift und musste nicht selbst paddeln.

Um neun Uhr war ich – wie schon oft vorher zum fotografieren – auf der Halbinsel Näsgrundet und kurze Zeit später auf dem Lotsenboot Pilot 791 SE. Unser Ziel war die Insel Gåsören, wo sich beim Sturm, der Donnerstag Nacht kam, der Bootssteg losgerissen hat.

Kurz nach neun kam L., einer der beiden Stugabesitzer, mit zwei Männern vom Sjöfartsverket und wir gingen an Bord. Nach einem Maschinencheck ging es los, erst in Richtung Hafen, dann mit Kurs auf Gåsören. Die kurze Fahrt war ein bisschen zappelig und schnell wurden die Scheibenwischer in Gang gesetzt, um die Gischt der Wellen wegzuwischen. Kurze Zeit legte das Lotsenboot mit dem Bug außen an der Mole an und wir sprangen von Bord.

Auf der Pilot 791 SEEisbrecher Baus vorausAuf dem MeerGåsören voraus

Mitten in dem kleinen Hafen trieb der Bootsanleger. Man kann sich vorstellen, welche Kraft die Sturmböen haben müssen, um die Vertäuung auf der einen Seite zu zerfetzen und den Anleger teilweise zu zerstören. Mit einem Lassowurf hat L. den Anleger eingefangen und wir haben ihn mit einem breiten Spannriemen so fixiert, dass er stabil mitten im Hafenbecken trieb, wo er im Winter festfrieren soll.

LassowurfDie Insel Gåsören

Wir haben dann eine kleine Kaffeepause gemacht, doch bald schon kam das Lotsenboot, um uns wieder abzuholen und wir kletterten an Bord. Klettern ist das richtige Wort, denn wir hatten heute einen sehr hohen Wasserstand, etwa ein Meter über normal. Nach einem kurzen Zwischenstopp am Hafen waren wir schnell wieder am Anleger und gingen mit einem „Tack“ von Bord.

Das Lotsenboot kommt, um uns abzuholenHejdå, Gåsören

Angefangen hat das Ganze übrigens gestern, als ich auf Näsgrundet fotografiert habe und dort zwei Männer wartend neben ihren Autos standen. Das waren T. und L., die schon gestern auf die Insel wollten, es dann aber auf heute verschoben wurde. Da habe ich einfach mal gefragt, ob ich vielleicht mitkommen kann. Ja – vielleicht. Heute war es zum Glück überhaupt kein Problem, mitzufahren. Toll!

3:44

3:44 ist keine Matheaufgabe für Nordwärts-Blogleser.
3:44 ist auch nicht das Spielergebnis des letzten Eishockeyspiels.
3:44 ist erst recht kein Musikstück von John Cage.

3:44 ist die Länge des heutigen Tages in Skelleftehamn: Drei Stunden, einundvierzig Minuten. Um 9:41 ging die Sonne auf, um 13:25 ging sie wieder unter. Gerade mal 2.2 °C hat sie es über den Horizont geschafft. Das sind etwa zwei Finger breit bei ausgestrecktem Arm.

Das ist nicht gerade viel Licht, aber ich mag den heutigen Tag. Das liegt nicht nur daran, dass heute mein erster Ferientag ist, sondern auch an der Wintersonnenwende. Denn die sagt mir, dass heute der kürzeste Tag ist und damit die Tage wieder länger werden. Und das gefällt mir.

Und so sah es heute gegen halb zwölf aus, als die Sonne „hoch“ im Süden stand.

Eiswall am Kallholmen

Blick über den Sörfjärden

Dieser Dezember war nicht nur milder und windiger als gewöhnlich, sondern auch der Wasserstand war größeren Schwankungen ausgesetzt. Deswegen wurde das Eis an vielen geschützten Stellen wieder kaputt gebrochen und liegt jetzt an manchen Stellen in langen Haufen am Ufer. Die Eisschollen auf dem Wasser sind noch nicht zusammengefroren und treiben frei auf dem Wasser. Ich bin gespannt, wann hier alles so fest zugefroren ist, dass man aufs Eis gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, einzubrechen.

Nachtrag:

Ursprünglich hieß der Artikel 3:41, denn ich habe mich verrechnet. Evi hat das im ersten Kommentar sofort entlarvt und ich habe mich nun entschlossen, den Fehler zu korrigieren.

Auf dem Meer

Gestern stand ich am kleinen Strand und beäugte misstrauisch das Eis, welches das Meer zwischen dem Strand und der Insel Storgrundet bedeckte. Auf dem nassen Eis konnte man Skooterspuren ausmachen, aber das sagt nicht, dass das Eis auch mich trägt.

Heute das gleiche Bild: Ich, der Strand, die Insel, dazwischen Eis. Und mein misstrauischer Blick. Den Unterschied machte B., der dort seine Stuga hat und der Einzige ist, der mich nicht sofort fragt: „Ska du fiska?“ – Willst Du angeln?

Denn B. weiß, dass ich gerne fotografiere und fragte mich stattdessen, ob ich auf’s Eis wollte. Ich: „ja, aber …“ . Er: „Kein Problem, das Eis ist 20 cm dick, da kann man mit dem Auto drüber fahren.“ Ich (gedacht): „Aber bitte nicht mit meinem!“

B. hat zwei Netze draußen unter dem Eis und war ohnehin mit einem Freund auf dem Weg dorthin, da bin ich gleich mitgekommen. Das Eis war recht klar, denn auch gestern hat es erst dicke Flocken geschneit und dann bei Plusgraden geregnet. Jetzt aber war es schön und leicht frostig.

Auf dem Weg zu den Netzen

Das Eisloch wird vom Eis befreitDas erste Netz wird hochgezogen

Im ersten Netz hatte sich nur eine „simpa“, eine kleine Groppe verfangen. Also weiter zum zweiten Netz.

Zum zweiten Netz

Und dort hatten B. und sein Freund mehr Erfolg. Vier Quappen (schwedisch: Lake) zog er aus dem Wasser.

Eine Quappe im NetzEine Quappe wird aus dem Netz gepult

Ich habe erfahren, dass man aus den Quappen im Winter „Rom“, also Fischrogen gewinnen kann. Die Quappen selbst hat man früher als „Lakesoppa“ in Milch zu Suppe gekocht, doch das ist außer Mode gekommen und viele mögen das nicht mehr.

Ich bin dann weiter über das Eis zu der Insel gegangen. Ich bin manchmal ganz schön zusammengezuckt, wenn das Eis unter meinen Füßen das Eis peitschenähnlich knallte, so stark, dass ich das Beben spüren konnte.

Überall knackste und rumste, krachte und tönte das Eis, denn in der Nacht hatten wir hier sehr hohen Wasserstand und jetzt senkte sich der Meeresspiegel wieder, zusammen mit der Eisschicht. Aus dem gleichen Grund war auch der letzte Meter zur Insel der Schwerste, denn dort ist das Eis aufgebrochen und so schwach, dass man dort schauen muss, wo man seine Füße (und Hände) hinsetzt, um an Land zu kommen.

Die Insel Storgrundet ist schmal und schnell war ich am äußeren Ufer. Dort sah es so aus:

Eisschollen vor Storgrundets Ostufer

Dort ist das Meer noch offen, nur einige Eisschollen schwimmen vor der teilweise überschwemmten Bucht. So ganz entspannt war ich nicht, denn ich wusste ja, dass ich wieder aufs Eis muss. Ich habe mich deswegen schnell wieder auf den Rückweg gemacht und wieder den ersten Meter erfolgreich und dank der hohen Gummistiefel trockenen Fußes überwunden. Die tief stehende Mittagssonne leuchtete orange über das Eis.

Die Sonne scheint über das MeereisAuf dem Eis

Ans Festland zu kommen war hingegen einfach, denn dort ist ja B.’s Bootssteg. Ich liebe es, über’s Eis zu laufen und doch bin ich jedes Mal wieder erleichtert, wieder auf dem Land zu stehen. Nach einem Kaffee bei B. habe ich mich auf den Rückweg gemacht.


Der Heizlüfter im Auto hat den Eispanzer des letzten Eisregens erfolgreich von den Fensterscheiben geschmolzen, so bin ich noch kurz zur Bucht „Kallholmsfjärden“ direkt bei mir um die Ecke gefahren. Diese Bucht, gestern noch komplett offen, war heute vollständig mit dünnem Eis bedeckt. Erstaunlich, wie schnell das manchmal geht. Etwa 5 mm stark war das Eis schon. Wer weiß, vielleicht sitzen dort nächste Woche schon die ersten Eisfischer.

Klares, neues EisDer Kallholmsfjärden ist eisbedeckt

Als ich wieder aus dem Wasser stieg (Merke: Unterwasseraufnahmen ohne viel Licht sehen langweilig aus), kam Nebel auf. Es wurde wärmer, der Nebel dichter, die Dämmerung kam. Und mit ihr erneuter Regen …


Für die Statistik: Wann bin ich das erste Mal über das Eis auf die Insel Storgrundet gelaufen?: 5. Dezember 2010 / 22. Januar 2012 / 5. Januar 2013 / 22. Dezember 2013. Also war ich gar nicht so spät dran dieses Jahr.

µ = 0

Und da kam er gestern wieder: der Regen. Einiges kam runter. Bei Minusgraden auf die gefrorene Straße. Ich wollte nur kurz über die Straße zum Nachbarn gegenüber, und …

lägger in ny definition av „halkigt“ i balansdatabasen. Nu är det inte halkigt ute, det är friktionsfritt….

Per-Anders Fjellström

… schrieb Per-Anders heute bei Facebook. Danke, Per-Anders, besser hätte man das nicht beschreiben können. Auf deutsch:

„Ich füge eine neue Definition von „rutschig“ zur Balance-Datenbank hinzu. Jetzt ist es nicht rutschig da draußen, es ist reibungsfrei …“

Es klingt vielleicht wie Nordlandslatein, aber ich bin auf der anderen Straßenseite nicht wieder auf den Fußweg gekommen. Dort gibt es keine richtige Kante, sondern es geht minimal aufwärts, zehn Zentimeter vielleicht. Und die bin ich nicht hochgekommen, sondern kläglich wieder auf die Fahrbahn zurückgerutscht. Ich bin den Meter dann gekrabbelt. Das nenne ich glatt!

Im übrigen würde ich momentan keinen Empfehlen, meine Holztreppe zu benutzen, ohne sich anzuseilen. Blödes Glatteis!

µ ist unter anderem die Einheit für den Reibungskoeffizienten. Den geringsten (zusammen mit PTFE) hat nasses Eis auf nassem Eis mit 0.02. Ich halte es hier aber mit Per-Anders und vergebe eine glatte 0.

À la recherche de la neige perdu

Gestern bin ich aus Deutschland zurückgekommen, wo ich die Weihnachtstage verbracht habe. In Skellefteå und Skelleftehamn liegt immer noch kein Schnee, denn auch die Weihnachtswoche hatte es hier Plusgrade und es hat geregnet. Heute habe ich mich dann Auf die Suche nach dem Verschwundenen Schnee gemacht. Dazu bin ich mit dem Auto ins Inland gefahren, wo es zu dieser Jahreszeit meistens kälter als an der Küste ist. Nach dreißig Kilometern habe ich angehalten und im Wald fotografiert.

Schneeloser Wald westlich von Klutmark

Nun ja. Schnee sieht anders aus. Weiß, glaube ich. Ich bin also weitergefahren. Nach weiteren zehn Kilometern hielt ich wieder an, um eine Weide mit einem alten Holzschuppen zu fotografieren.

Alter Schuppen

Das ist immerhin schon ein bisschen mehr in Richtung Schnee, auch wenn die Schneeflecken sehr verharscht und vereist sind. Ich bin also weitergefahren. Wenige Kilometer später hat sich das Bild gewandelt. Plötzlich war auch mal ein ganzes Grundstück schneebedeckt und auch auf den Weiden schaute nicht mehr ganz so viel Gras hervor. Ich bin aber noch ein ganzes Stück gefahren, ehe ich bei Kusmark ein Bild machen konnte, auf dem Schnee und Sonne gleichzeitig zu sehen waren.

Schneefläche bei Kusmark

Das ist wirklich nicht viel Schnee, aber reicht aus, um nach Winter auszusehen. Interessanterweise scheint bei Kusmark ein kleines Winterloch zu sein. Obwohl schon wieder näher an der Küste, lag dort eine geschlossene Schneedecke und das Thermometer fiel dort beim Fahren kurzerhand von + 1 °C auf – 5 °C.

Durch das ständige Tauen, Schmelzen und Frieren haben sich in vielen Senken Schmelzwasserteiche gebildet, die komplette Wiesen mit einer dicken Eisschicht überziehen. An einer dieser bräunlichen Eisflächen habe ich noch einmal angehalten. An einer Stelle konnte ich Hasenspuren ausmachen. Mitten in der dicken Eisschicht. Als der Hase dort entlang lief, war dort vermutlich noch Schneematsch. Inzwischen waren die Spuren aber gefroren und mit einer neuen harten Eisschicht bedeckt. Am Rande ist das Eis aber noch matschig-weich und so habe ich beim Fotografieren mit meinen Stiefeln ein paar neue Spuren dazu gemacht.

Gefrorener Schmelzwasserteich

Morgen soll es zwar schneien, aber hier kommt das Ganze vermutlich wieder als Regen herunter. Und auch die nächste Woche soll wechselhaft, trübe und warm werden. Ich bin wirklich gespannt, wann hier Kälte und Schnee Einzug halten, oder ob ein Winter hier auch einmal komplett ausfallen kann. So wie in Essen, wo ich elf Jahre gelebt habe.

Noch eine Sache mutete heute sehr deutsch an: Das Einkaufen. Ich habe hier noch nie so viel Verkehr erlebt wie heute. Nicht nur auf der Zufahrtsstraße der Einkaufszentren auf der grünen Wiese, sondern auch auf der Europastraße 4 war Stop-And-Go und der erste Gang meines Saabs hatte heute seine große Stunde. Praktischerweise musste ich nicht ganz bis in die Stadt fahren, sondern konnte vorher am Abzweig nach Skelleftehamn die E4 verlassen.

„À la recherche de la neige perdu“ ist eine Verballhornung des Originaltitels von Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.

Schneeintermezzo

Heute morgen kam der Schnee. Einige nasse Zentimeter, aber immerhin. Da habe ich schnell ein paar Fotos gemacht, denn die Temperaturen sind schon wieder im leichten Plus und heute Nacht soll es wieder regnen.

Winterweg zum See RudtjärnenSchilf im Neuschnee

Ich packe jetzt ein paar Sachen und feiere in Norrlångträsk mit Freunden Silvester. Kommt gut ins neue Jahr!

Neujahr in Norrlångträsk

Silvester habe ich in Norrlångträsk gefeiert. Für mich hatte das den Vorteil, mit Freunden zusammen feiern zu können (und nebenbei unfassbar gutes Essen geniessen zu dürfen). Für das Blog hatte das den Vorteil, schönere Bilder als in Skelleftehamn machen zu können. Während hier Nieselnebelnässesprühregen alles durchfeuchtet, ist in Norrlångträsk, welches zwanzig Kilometer von der Küste entfernt ist, richtiger Winter: Zwar nicht kalt, aber etwa 30 Zentimeter Schnee.

Um zehn bin ich aufgewacht und habe erst einmal einen Spaziergang gemacht. Nachdem ich die Skooterspur verlassen habe, der ich zum Anfang gefolgt bin, stieg ich auf einen kleinen, felsigen Hügel und hatte Sicht auf den „Hundtjärnen“.

Winterlandschaft bei Norrlångträsk

Über den See bin ich wieder zurückgelaufen und inzwischen stand die Sonne hoch genug, um die Häuser und Höfe Norrlångträsks warm zu beleuchten.

Skooterspur auf dem HundtjärnenWinterliches Norrlångträsk

Dann gab es erst einmal ein Frühstück. Um zwölf habe ich mich auf den Weg gemacht, denn ich wollte noch ein bisschen Licht zum Schauen haben und nicht im Dunkeln nach Hause fahren müssen.

Nachdem vorgestern mancher Wald noch sehr herbstlich aussah, konnte ich heute ein entsprechendes Winterbild machen.

Winterwald auf dem Weg nach Fällfors

Welch Kontrast! Auch die Straßen sehen jetzt nach Winter aus. Fast alle Straßen wurden von dem Schneefall der letzten Nacht geräumt, nur wenige kleinere Wege sind noch vom Neuschnee bedeckt. Und nicht nur die Straßen, auch das Auto sieht jetzt nach Winter aus.

Eine typisch nordschwedische Straße im WinterSchnee klebt auf dem Saab

Über Fällfors bin ich nach Byske ans Meer gefahren, dort wollte ich „nur kurz mal schauen“ … . Aber dann habe ich doch einige Fotos gemacht, die ich heute noch publizieren werde.

Neujahrstag am Strand

Nach einer schönen Silvesterfeier und einem Morgenspaziergang in Norrlångträsk bin ich nicht direkt nach Hause gefahren, sondern habe in Byske noch Halt am Meer gemacht. In Byske gibt es eine große Bucht mit schönem Sandstrand, der im Sommer von vielen Norwegern besucht wird, weil hier oft das Wetter besser ist.

Ich war sehr gespannt, ob schon Eis auf dem Meer ist, aber es war noch komplett offen. Spannend war aber der Grenzbereich zwischen dem schneebedecktem Sandstrand und dem offenen Meer. Hier hat sich eine kleine Abbruchkante gebildet, unter der tausende und abertausende kleine Eiszapfen hingen.

Eiskante am Strand von ByskeEiskante am Strand von Byske

An manchen Stellen war ein Teil der Eiskante abgebrochen und wurde von den flachen Meereswellen umspült.

Meerumspültes Eis von der Abbruchkante

Nun wurde es dunkler und das Licht kälter. Ich stand am und im Wasser und mein rechter Fuss war inzwischen nass. (Notiz an mich selbst: Die Wintergummistiefel sind nicht so hoch wie die Sommergummistiefel.)

Eis schwebt über der OstseeBlick auf Björknäsudden

Ein letztes Motiv habe ich noch fotografiert, ehe ich wieder zum Auto gegangen und nach Hause gefahren bin. Dies ist mein Lieblingsbild 2014 und ich überlege, ob ich am Wochenende noch einmal nach Byske fahre, und dort den ganzen kurzen Tag fotografiere.

Eisskulptur

Eisflächen

„Leise rieselt der Schnee, still und starr liegt der See.“ Finde die beiden Fehler!

Vieles ist eisbedeckt

Fehler eins: Aus den Wolken fällt Sprühregen, kein Schnee. Fehler zwei: Die Eisfläche auf dem Bild ist kein See, sondern ein Parkplatz!

Er ist dick mit nassem, glatten Eis bedeckt. Genauso wie viele Straßen und Wege, der Strand, Teile meines Gartens und natürlich auch die Seen. Bloß die Ostsee ist noch offen.

Wegen der Plusgrade und des Nieselregens ist das Eis nass. Und genau so sauglatt wie eigentlich die meiste Zeit seit Ende November. Zwischen der Insel Storgrundet und der Ostsee liegt zwar Eis auf dem Meer, aber so richtig vertrauenserweckend finde ich das nicht mehr. Damit ich überhaupt vom Parkplatz zum Strand komme, schnalle ich mir Spikes unter die Stiefel und gehe nur dort über das Eis, wo das Meer wirklich flach ist.

Auf dünnem EisSchwaches Eis

Auch der Weg nach Storgrundet ist eine einzige Eispiste und ohne das feine „Traction Control System“ meines Saabs könnte ich solche Straßen kaum entlangfahren, denn auch die Spikes der Winterreifen kommen hier an ihre Grenzen, vor allem beim Anfahren.

Der Weg nach Storgrundet – eine Eispiste

Und so sieht es bei mir im Garten und auf der Straße aus.

Eisflächen im GartenEin Weihnachtsstern spiegelt sich

Ich will ehrlich sein: Mich nervt dieses Wetter! Seit Wochen kommt immer wieder Regen aus tiefen, grauen Wolken gefallen. Und wenn es hier schneit, dann ist der Schnee am übernächsten Tag weggeregnet. Und zu noch mehr nassem Eis geworden. Von der Dunkelheit bei diesen trübem Wetter fange ich erst gar nicht an. Momentan ist keine grundliegende Änderung in Sicht und in einem schwedischen Wetterblog wird angedeutet, dass ein richtiger Winter auch schon einmal ausfallen kann.

Dann werde ich mir wohl Schlittschuhe kaufen und statt über das Meer über die Wege und Plätze gleiten. Und vielleicht das Abfahrtsschlittschuhlaufen erfinden, wenn ich mich nur traue …

Grummel …

Kleine Enttäuschung in Byske

En liten besvikelse i Byske På svenska

Trots det dystra vädret åkte jag idag till Byske igen, eftersom jag har varit där på nyår och tyckte så mycket om isen på stranden. Men tyvärr har värme, vind och vågor tagit bort den vackra iskanten och krossade allt till småbitar. Det var så mild att även Byskeälvens mynningen är nästan isfritt återigen.

Och på något sätt hade jag det svårt att hitta någon motiv idag. Ett stort isflak, som balanserade på en liten ispelare såg ganska imponerande ut i naturen, men gör det inte på bilden. Roligare är väl „making of“-foton som jag tog med min iPhone.

Idag är jag lite missnöjd med mina bilder. Anledningen: Jag var inbjuden av en fotograf som jag träffade för några dagar sedan. Han visade sina bilder och dom är på någon helt annan nivå än mina! Jag är mycket glad över bekantskapen, inte bara för att han är sympatisk men också för att vi har planerad att ta någon fototur tillsammans och det blir väl både roligt och lärorik för mig. Och så ligger något bra i mitt missnöje: Den visar, att jag har potential att bli bättre och det är väl något positivt.

Trotz des ewig-trüben Wetters bin ich heute noch einmal nach Byske gefahren, denn dort war ich Neujahr schon und fand das Eis am Strand so schön. Aber leider haben das Wärme, Wind und Wellen der schönen Eiskante den Garaus gemacht und zu kleinen Stückchen zertrümmert.

Zertrümmertes Eis am Strand

Und irgendwie habe ich kaum Motive gefunden. Eine große Eisscholle, die auf einer kleinen Säule ausbalanciert lag, sah zwar in Natura imposant aus, aber das Foto gibt es irgendwie nicht her. Lustiger ist das „Making of“-Foto, welches ich mit dem iPhone geknipst habe.

Balanceakt„Making of“

Es war so mild, dass sogar die Flussmündung des Byskeälven wieder offen war und dort habe ich doch noch ein recht schönes Motiv gefunden.

Flussmündung des Byskeälven

Ich bin heute unzufrieden mit meinen Fotos. Der Grund: Ich wurde von einem Fotografen eingeladen, den ich vor ein paar Tagen kennengelernt habe. Der hat mir seine Fotos gezeigt und das ist einfach mal ein ganz anderes Niveau. Ich bin sehr froh über die Bekanntschaft, nicht nur, weil er nett ist, sondern auch, weil wir uns vorgenommen haben, mal zusammen fotografieren zu gehen und da kann ich bestimmt jede Menge lernen. Und so hat meine Unzufriedenheit etwas Gutes: Sie zeigt, dass ich noch großes Potential zur Verbesserung habe und das ist ja etwas Schönes.

Der Winter kommt

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Nun soll es endlich so weit sein: Nach einer weiteren Woche mit Plusgraden, Nieselregen und Eisglätte soll es jetzt richtiger Winter werden. Nichts Extremes, einfach ein normaler Winter.

Schon vor 5 Tagen schrieb Aftonbladet „Nu kommer kylan“ (Jetzt kommt die Kälte) und auch Martin Hedberg von klart.se schrieb Nästa helg kommer kylan! (Nächstes Wochenende kommt die Kälte). Nächstes Wochenende, dass ist übermorgen und heute haben wir das erste Mal seit Neujahr wieder ein kleines bisschen Frost und sogar den ersten Millimeter Schnee.

Ein kleines bisschen Schnee – Vorbote für mehr

Die nächsten Tage sind sich smhi und klart einig: Es wird um die -10 °C, ziemlich windig und bis zum Sonntag fallen etwa 15 Zentimeter Schnee. Und dann kommt vermutlich die Sonne und es wird mal wieder richtig hell. Am Liebsten würde ich natürlich am Wochenende viel draußen sein, aber da habe ich etwas anderes Schönes vor: Ein Wochenende mit dem Kammerchor. Aber auch wenn ich mich sehr darauf freue, werde ich doch vermutlich immer wieder mal heimlich zum Schneegestöber aus dem Fenster hinausschauen.

Aber vielleicht nehme ich mir nächste Woche spontan einen Tag frei, denn das Wetter war zum Jahresanfang so scheußlich, dass ich freiwillig begonnen habe zu arbeiten, obwohl ich eigentlich noch Urlaub hatte. (Und das mir!) Aber so habe ich jetzt zwei Tage gut.

Durch den Schneesturm zum TÜV

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Immer wieder werde ich wach in der Nacht. Der Wind pfeift und heult uns Haus und rüttelt an allem, was ihm im Wege steht. Manche Böe versetzt dem Haus einen regelrechten Schlag. Der stürmische Wind bringt Schnee mit und lädt einiges davon ab. Ich liege da und frage mich, warum ich ausgerechnet am nächsten Morgen um 8:00 einen Termin zur „Bilbesiktning“, der schwedischen Variante des TÜV, gebucht habe.

Am morgen ist alles weiß, aber auf den Straßen lässt sich recht gut fahren, so hoch ist der Schnee nicht, auch des stürmischen Windes wegen. Kaum bin ich auf der Hauptstraße, werde ich von zwei vor mir fahrenden Schneepflügen ausgebremst. Wenn ich jetzt mit Tempo 30 hinter denen herzuckele, sehe ich zum einen nichts, weil die Fahrzeuge meterhohe Schneestaubfahnen hinter sich herziehen, zum anderen komme ich zu spät zum TÜV. Doof, das! Also die Alternativroute über die hohe Brücke nach Örviken und dann auf die Europastraße 4 in die Stadt.

Es ist scheußlich, Auto zu fahren, wenn der Schnee so dicht fällt, dass man selbst das Fernlicht der entgegenkommenden Autos erst spät sieht. Habe ich Abblendlicht an, ist es zu dunkel, habe ich Fernlicht an, dann leuchtet der fallende Schnee grell auf und ich muss aufpassen, dass mir bei dem ganzen Auf und Ab, Hin und Her der konzentrisch wegstiebenden Schneeflocken nicht schwindelig wird. Ab und zu kommt eine Sturmböe und wirbelt den liegenden Schnee hoch auf und dann sieht man für eine Sekunde gar nichts mehr.

Vor der Auffahrt der A4 steht ein Schneepflug. Ist die Auffahrt auf die E4 etwa gesperrt? Nein, zum Glück nicht, aber ich komme die ansteigende Straße kaum hoch, so viel Schnee liegt dort. Zum Glück ist die Autobahn leer und ich kann ganz bequem und langsam in der Mitte der beiden Spuren fahren, dort, wo nicht so viel Schnee liegt. „Den TÜV-Termin kann ich vergessen, das schaffe ich nie im Leben!“, dachte ich, doch schon nach einigen Kilometern nahm der Schneefall immer mehr ab und nahe der Stadt war das Wetter so gesittet und es lag so wenig Schnee, dass ich fast wieder normal fahren konnte.

Und so kam ich tatsächlich 7:58 bei der Besichtigung an, konnte gerade noch einchecken, die Fenster noch einmal enteisen und schon kam ich dran. Lustig sah das Auto aus, vor allem von hinten.

Bei der Bilbesiktning

Zu meiner Freude habe ich wie schon vor einem Jahr ein „godkänt“ (gutgeheißen) bekommen. Ein guter Anfang in den Tag.

Wenig später saß ich bei der Arbeit. In der Stadt waren es etwa -10 °C, weniger Wind und kaum Schnee. Ich fragte mich, wie sieht das wohl in Skelleftehamn aus? Mittags siegte die Neugier und ich bin nach Hause gefahren …

Schneekanonen

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Heute Mittag bin ich nach Hause gefahren. In der Stadt war es wolkig, aber ruhig. Nach 6 Kilometern fiel der erste Schneestaub herunter, nach 10 Kilometern Schneeflocken. Und die letzten Kilometer vor Skelleftehamn ging es richtig ab, es war windig und heftig am Schneien. Sogar der Wetterdienst smhi hat vor 20-30 cm Neuschnee gewarnt.

Näsuddsvägen – fast zu Hause

Das hat es die letzten Male schon einige Male gegeben, dass ein Lake Effect direkt an der Küste für große Schneemengen gesorgt hat, während zehn Kilometer landeinwärts fast nichts herunterkam. Hier wird dieser Effekt „Snökanon“ genannt, wie die Schneekanone, mit der Pisten künstlich beschneit werden. Ich glaube, damit hat irgendein Journalist mal begonnen, denn eigentlich heißt der Effekt „Sjösnö“ (Seeschnee).

Eine kleine Herausforderung war es heute, mit dem Auto auf das Grundstück zu kommen, denn dort lagen bestimmt 30 cm Schnee. Aber mit einem bisschen Schwung ging das gut. Auch die Treppe vor dem Haus war schon gut zugeschneit und neben dem Zaun haben sich Schneewehen gebildet. Vor anderthalb Tagen lag gerade ein Millimeter!

Mit Schwung um die EckeSchneeverwehungen auf der Treppe

Eh es dunkel wurde, bin ich noch zum Strand von Storgrundet gelaufen. Mit dem Auto wäre ich da vermutlich nicht durchgekommen, denn vor allem an der einen Stelle bilden sich oft hohe Schneewehen. Es war etwa -10 °C und heftig windig. Bei guter Kleidung spielt die Kälte keine große Rolle, aber der Wind pfefferte mir den Schnee frontal ins Gesicht und ich bin zum Test mal mit Skibrille gelaufen. Die sperrt zwar den Schnee aus, aber irgendwann beschlägt sie und dann frieren die Wassertröpfchen und irgendwann sieht man nichts mehr.

Die Kamera hat keine Skibrille und zeigt den monochromen Weg zum Strand nicht orange sondern weiß:

Im Schneesturm zum Strand

Am Strand hat man zeitweise gar nichts gesehen, dann wiederum zeigte sich die Insel Storgrundet ein wenig und ich war ziemlich überrascht, dass ein Teil der Meeres zwischen Insel und Festland wieder offen ist.

Am winterlichen StrandOffenes Meer bei Storgrundet

Es schneit weiter, vermutlich das ganze Wochenende und ich nehme an, dass wir hier recht große Mengen bekommen könnten. Bureå, zehn Kilometer weiter südlich, scheint großen Vorsprung zu haben, ein Facebooker schrieb heute Mittag schon von 80 – 100 cm Schnee. Ich muss zugeben, dass ich ein wenig eifersüchtig bin, denn (psst, nicht den Nachbarn verraten) ich will hier auch noch mehr Schnee! Mehr davon! Und vor allem mehr als im Nachbarstädchen!

Wie viel hier runterkommt und wie lange? Wie viel in Bureå? Ich halte Euch auf dem Laufenden, hoffentlich auch mit Bildern. Dafür werde ich vielleicht am Montag frei nehmen, denn am Wochenende probe ich mit dem Chor.

Selbstportrait am „Strand“