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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Ich wollte Winter und bekam ihn · Teil 2: Der Morgen

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Ich wollte Winter.

„Ich wollte Winter und bekam ihn“
1: Schnee
2: Der Morgen
3: Skitour
4: Trendsport

Nachdem ich die ganze Woche Skelleftehamn nur im Dunkeln gesehen habe, wollte ich heute endlich das Haus (links im Bild) im Hellen Fotografieren und dann eine schöne Skitour machen. Allerdings habe ich Intelligenzbolzen die Skier in der Garage (rechts im Bild). Und vor der Garagentür sind meterhohe Schneewehen, die ich gelassen habe, weil das auf Fotos so schön aussieht. Also war erst einmal Schneeschaufeln angesagt und das sah so aus:

Nachdem ich dann meine Skier endlich hatte, musste ich nur noch den fertig gepackten Rucksack und die Kamera aus dem Haus holen, die Skier im Garten unterschnallen und losfahren.

Ich wollte Winter und bekam ihn · Teil 3: Skitour

Dieser Artikel ist Teil der vierteiligen Serie Ich wollte Winter.

„Ich wollte Winter und bekam ihn“
1: Schnee
2: Der Morgen
3: Skitour
4: Trendsport

Samstag

Nun, die Skier waren aus der Garage heraus und ich war auch sonst fertig. Also habe ich meine Ski untergeschnallt und bin durch den Garten und durch die Hecke auf die Straße und dann den Weg zu Storgrundet gelaufen. Nach einigen hundert Metern bin ich in den Wald abgebogen und musste feststellen, dass ich auch mit den schon etwas breiteren Fischer Europa 99 Ski tief versank. Von den Skier sah man nichts mehr und oft stand ich bis zum Knie im flaumfederleichten Neuschnee. Nach dem ausgiebigen Testen von zwei Trendsportarten (siehe Teil 4) bin ich erst im Wald unterwegs gewesen. Dort lagen etwa 70 cm und von Wind war kaum etwas zu spüren. An der Grenze zu einem kleineren offenen Gelände wurde der Schnee schnell tiefer; oft einen Meter oder mehr. Auf dem sumpfigen Gelände wurden meine Skier schwerer und schwerer. Unter dem vielen Schnee war alles noch nass und ich musste am Rand schnell zwei, drei Zentimeter Schneematsch von den Gleitflächen wegwischen, bevor dieser festfror. Danach bin ich in einem Bogen zu einem kleinen Stichweg gelaufen, der anfangs noch geräumt war, dann aber auch hoch mit Schnee bedeckt war. Dort habe ich auch das Auto fotografiert. Auf den letzten fünfzig Metern zur Ostsee änderte sich die Atmosphäre schlagartig.

An der See heulte der stürmische Wind und trieb einem den Schnee waagerecht ins Gesicht. Schneesturm! Mit diesem Wind, der begrenzten Sicht und den drei Meter hohen Schneeverwehungen hatte dieser Ort gestern schon eine sehr arktische Atmosphäre. Von der Ostsee war eigentlich nichts mehr zu sehen. Das weiße Eis ging in weißes Schneegestöber und dieses in weißen Himmel über. Als ich später wieder im Wald war, kam ich mir vor, als hätte ich eine gemütliche Hütte betreten. Plötzlich war alles wieder friedlich, warm und still. Durch den wieder zunehmenden Schneefall bin ich dann in der Dämmerung nach Hause gelaufen. Das Bild rechts neben dem Selbstportrait zeigt übrigens die Ostsee. Nicht gerade ein Urlaubsfoto …

In diesem Video habe ich ein paar Eindrücke von dieser Tour zusammengeschnitten. Wie immer quick’n’dirty, denn für Film schneiden habe ich keine Geduld. Und das nächste Mal muss ich mehr schreien.

Sonntag

Was für ein Unterschied zum Vortag! Nachdem es hier vier Tage nonstop geschneit hat, hörte der Niederschlag gestern Abend auf, es klarte ein bisschen auf und wurde etwas kälter. Die heute Tour konnte ich bei blauem Himmel und windstillen – 14 °C machen. Der Wald war nett und ruhig und der Schnee bedecke dick die Bäume – und nicht ständig meine Kameralinse, wie gestern. Auf einem kleinen Felsrücken hatte ich Blick auf die Ostsee: Alles weiß. Nach ein bisschen Zickzack laufen war ich dann wieder am gleichen Ostseeufer wie gestern. Ein blauer Himmel überspannt die weiße Eisfläche und einige Bäume leuchten warmgelb in der tiefstehenden Sonne. Dennoch war ich bei meiner Pause über die Daunenjacke froh, denn wärmer geworden war es nicht. Die gleiche Stelle gestern und heute waren zwei Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Bei der Gelegenheit konnte ich gleich noch einmal das völlig verwehte Sommerhaus fotografieren, welches die letzten Tage dem Wind direkt ausgesetzt war.

Dieses Mal bin ich auch wieder im Hellen zu Hause angekommen und bin heißhungrig über die Schokolade in der Küche hergefallen. Merke: 200-Gramm-Tafeln sind gefährlich, selbst wenn man sie nicht ganz auf isst.

Björkskär,

Mininum in der Nacht -17.2 °C, tagsüber um -11 °C. Damit ähnlich wie die letzten Tage.

so heißt die kleine Insel, auf der ich heute bei meiner Skitagestour gelandet bin. Tagestour heißt, solange richtig Licht da ist, also so etwa von neun bis zwei.

Auf dem nahen See lässt sich jetzt hervorragend laufen. Dort bin ich auf eine andere Skispur gestoßen, der ich einige Zeit gefolgt bin. Sie führte durch Wald zu einem Bootsanleger an der Ostsee und von dort aus ufernah auf der Ostsee weiter. Irgendwann bog sie wieder in Richtung Land und durch dichtes Gestrüpp wieder in den Wald. Irgendwann stieß sie dann auf eine Straße, die wiederum zu einem anderen Bootsanleger an der Ostsee führte.

Hier überlege ich dann, ob ich zu der kleinen Insel, die keine 200 Meter entfernt war, laufen soll. Kleine Bäumchen als Markierung waren gesteckt, Fußspuren auch zu sehen und vor der Insel läuft ein Mann zu Fuß über das Eis und winkt mir zu. Das ist mir sicher genug und ich gleite mit meinen Ski über die schneebedeckte Eisschicht zur Insel, wo ich auf den Mann treffe, der gerade von seinem kleinen Spaziergang auf dem Eis zurückkommt. Nach drei Sätzen lädt er mich direkt zum Kaffee in seine Sommerstuga auf der Insel ein und ich nehme gerne an, auch wenn ich auf den Kaffee selber gut hätte verzichten können.

Zu recht ein wenig stolz zeigt mir der Schwede das Bootshaus mit Sauna, das in diesem Sommer gebaute Gästehäuschen, den snickarboden, zu deutsch Tischlerschuppen mit Kajak und Dusche und zum Schluss sein Sommerhäuschen, welches ich bei 50 Quadratmeter Grundfläche gar nicht mehr Häuschen nennen möchte. Wenn ich da an mein Einzimmerapartment in München zurückdenke, das war um einiges kleiner. Nach einem netten Gespräch, bei dem ich erfahren habe, dass die Insel Björksjär heißt und auch, dass mein Gastgeber mir zugewunken hat, weil er mich mit seinem Nachbarn verwechselt hat, habe ich mich bedankt und verabschiedet und bin mit den Skiern einmal um die ganze Insel gefahren. Sozusagen meine erste Inselumrundung mit Ski auf dem Meer. Das habe ich mich aber auch nur getraut, weil der Schwede wusste, dass das kein Problem ist. Danach bin ich relativ geradeaus wieder zurückgelaufen und war überraschend schnell wieder zu Hause. Im Winter kann man hier so schön über Meerbucht, See und Sumpf abkürzen; im Sommer hätte das länger gedauert.

Dadurch, dass die Sonne jetzt so tief steht, hat man den ganzen kurzen Tag ein wunderschönes Licht. Die Morgendämmerung geht quasi in die Abenddämmerung nahtlos über. In Sonnenrichtung leuchtet der Himmel warm orangegolden, während die ganze Gegenseite in zarte rosaviolette Pastelltöne getaucht ist. Die Fotos beispielsweise sind um elf und halb eins gemacht. Allerdings werfen die Bäume so lange Schatten, dass man direktes Sonnenlicht nur auf den Baumkronen oder weit draußen auf dem Meer hat. Oder eben in einer schicken Stuga auf der Insel Björkskär.

Kurztrip nach Storgrundet

Oh, schon viertel nach zwölf! Dann habe ich keine zwei Stunden Tageslicht mehr. Also schnell Skiklamotten anziehen, meine lädierte¹ Nikon einpacken und los geht es.

Auf geräumter Straße mit ein paar Zentimeter Neuschnee gleitet es herrlich schnell zur sommerlichen Badestelle. Von da aus kann ich dann auch Storgrundet ausmachen. Obwohl das andere Ufer keine 200 Meter entfernt ist, kann man im starken Schneefall nur einen Teil der Insel sehen. Mein Teleobjektiv zeigt auf dem Bild überraschend viele Details, die ich mit bloßem Auge nicht sehen konnte.

Schnell hatte ich das Eis überquert und war auf der schmalen Insel. In dem Waldstreifen empfängt mich Windstille und tief verschneite Bäume. Ein paar hundert Meter an der Küste bläst mir der steife Wind mit 40 Stundenkilometer den Schnee ins Gesicht. Ich habe mit bloßen Fingern zwei kurze Videos auf dem iPhone gedreht und eines hochgeladen – aua, taten mir die Finger weh! Die Kuppe des linken Ringfingers ist immer noch ein wenig beleidigt. Fazit: Keine iPhonevideos mehr im Schneesturm.

Das Video, welches ich mit der Nikon gemacht habe, ist eh besser geworden. An dem Gewackel bei 0:13 ist übrigens der Wind schuld.

Nach einer kurzen Tour auf der Insel und dem Ostseeeis habe ich wieder die Bucht überquert und bin nach Hause gelaufen, wo ich neunzig Minuten nach Aufbruch wieder angekommen bin.

¹ Den verstaubten Sensor meiner Nikon D300s habe ich zumindest wieder so reinigen können, dass die bösesten Flecken weg waren und man die anderen nur bei kleiner Blende sieht. Allerdings hat mir eine Sturmböe gestern das Stativ umgeworfen und ich war froh, dass die dabei zerstörte Gegenlichtblende weiteren Schaden verhindert hat. Leider hat es neben dem Gewinde meines UV-Filters auch die Arretiertaste des linken Modusrades erwischt. Sie ist jetzt dauerhaft eingedrückt, so ein Mist! Ich scheue nicht so sehr die Kosten einer Reparatur, sondern eher eine Zeit ohne Spiegelreflexkamera. Ich bin ja schon halb am Überlegen, auf die D700 umzusteigen und die D300s als Zweitkamera zu behalten. Aber dann brauche ich auch zwei neue Objektive und es wird alles ziemlich teuer … . Da muss ich noch ein paar Nächte drüber schlafen. Oder im Lotto spielen.

Ein herrlicher Wintertag

So mag ich das. Am Freitag klart es auf und es wird kälter. Der Samstag präsentiert sich dann in herrlichster Winterlaune: Das Thermometer zeigt -24 °C ¹, es ist windstill und über Skelleftehamn spannt sich ein klarer, blauer Winterhimmel. Um zehn vor neun sind meine üblichen Dinge im Rucksack verstaut und ich breche auf. Im und am Rucksack befinden sich neben Kleinkrams:

  • Mein Fotoapparat. Ersatzakkus sind in der Hosentasche
  • Erste Hilfe und Biwaksack. Zum Nichtbenutzen
  • Tee aus frischem Ingwer und Proviant
  • Ein Fotostativ
  • Meine Isdubbar
  • Heute mal ein GPS zum Weg mittracken
  • Karte und Kompaß. Benutze ich aber fast nie
  • Ersatzhandschuhe und -socken
  • Ein kleines Thermometer
  • Eine warme Daunenjacke (heute nicht gebraucht)

Im Wald sitzt ein Baum voller runder Vögel. Ich könnte ein Foto machen. Aber zum einen habe ich kein Tele dabei, zum anderen zieht es mich auf die Ostsee. Also laufe ich weiter und die Vögel fliegen auf. Bald bin ich schon am Ostseeufer und laufe quer über das Eis zur Insel Klubben, von da aus weiter nach Flottgrundet, ein bisschen weiter nach Gråsidan, dort nach einer kleinen Teepause am gesamten Nordostufer entlang und dann wieder auf dem Rückweg nach Bredskär.

Wie immer begeistert mich das Licht auf der Ostsee und die schneebedeckten Flächen, in die der Wind verschiedene Strukturen und Texturen hinein geblasen hat. Dieses Mal komme ich aber auch in Gebiete, wo die Inseln von bis zu zwei Meter hohen Eisformationen umgeben sind. An manchen Stellen haben sich kleine Tropfsteinhöhlen gebildet. Ich komme mir vor wie einer Ausstellung mit sorgfältig von der Natur geformten Skulpturen. Am Ufer von Gråsidan hat man Blick auf das zusammengefrorene Packeis und später auf weitere Eisformationen. Es erfordert einiges an Disziplin, nicht jede einzelne Skulptur, jeden Eiszapfen und jeden Felsen fotografisch zu kartografieren, sondern sich in der Motivanzahl zu beschränken. Nachdem ich zu Hause aber gerade fast 30 Gigabyte überflüssiger Fotos auf dem Rechner gelöscht habe, gelingt mir das recht gut. Zumal ich weiß, dass mir manche Motive auch nicht wegrennen.

Auf Bredskär passiert es dann! Ich sehe einen anderen Skiläufer! Und ich dachte schon, dass ich der einzige bin, der bei jedem Wetter in der Natur unterwegs ist. Wir sind wohl beide neugierig und steuern aufeinander zu. Ich treffe auf einen Lehrer, der weiter draußen auf der See Blankeis suchen möchte, damit er dort Schlittschuh laufen kann. Nach fünf Minuten Gespräch lädt er mich schon im Sommer zu einer gemeinsamen Kajaktour ein, er hat zwei Seekayaks. Wir laufen dann gemeinsam einen guten Kilometer auf das offene Meer hinaus und man sieht nur Eis, Eis, Eis. Blankes Eis finden wir allerdings nicht und wir kehren um. Ich habe echte Mühe, Schritt zu halten, denn der Lehrer hat eine extrem gute Kondition, ist ziemlich schnell in diesem Gelände und benutzt dabei noch nicht einmal die Stöcke. Wie macht der das?

Bei einer Kaffeeeinlandung in sein Haus wird es mir klarer: Zum einen ist das Haus voller Sportgeräte und Outdoorausrüstung, zum anderen erzählt er von den vielen Touren, die er schon gemacht hat. Ich komme mir ziemlich unsportlich vor, freue mich aber riesig, dass es hier Gleichgesinnte gibt und dass man sie auch trifft. Und vielleicht ergibt sich ja wirklich mal etwas. Ich bin mir nämlich nicht immer so sicher, wie schnell man Einladungen zu einer eventuellen Kajaktour hier in Nordschweden auch annehmen darf.

Zu Hause ziehe ich mir erst einmal trockene Sachen an und hänge den Rest der Kleidung zum Trocknen auf. Heute hatte ich an:

  • Woll-Funktionsunterwäsche von Aklima. Genial! Das Oberteil hat eine Sturmhaube als Kapuze
  • Pullover aus Powerstretch-Fleece. Anfangs zu warm, später war ich froh, ihn anzuhaben
  • Dünne winddichte Mikrofaserjacke mit Kapuze und Fellrand. Hat man die Kapuze auf, vereist sie. Sonst vereisen Haare, Nase und Wimpern
  • Ein Schlauchschal (Buff) vor dem Mund
  • Zweilagige Fingerhandschuhe. Heute gerade noch warm genug. Nächstes Mal Fäustlinge
  • Eine x-beliebige Skihose
  • Warme Socken
  • Zur Skibindung passende Lederstiefel. Die sind leider nicht sehr warm und der schwächste Ausrüstungsgegenstand

Als ich dann um sechs einkaufen wollte, waren draußen immer noch -24 °C. Ich hatte aber eigentlich mehr Lust auf gemütliche Wärme und habe deshalb zum ersten Mal hier meine Canada Goose Daunenhose und den passenden antarktistauglichen Daunenparka dazu getragen. Das ist so, als ob man sein eigenes Heizkraftwerk mit sich herumträgt und man sollte keine großen Strecken laufen, weil es einem sonst zu warm wird. Egal bei welcher Temperatur! Jetzt sitze ich aber wieder schön im Warmen; das hat doch auch was!

¹ Wer meint, das sei kalt: Bei einem Freund, der 50 km landeinwärts wohnt, waren es heute -34 °C. Wem immer noch kalt ist: In der letzten Stunde ist die Temperatur hier um 5 Grad angestiegen. Morgen Nachmittag sollen es nur noch -6 °C sein und es soll 10-20 cm Neuschnee geben. Mal schaun …

Vårvinter

Vårvinter heißt auf deutsch Frühlingswinter. Und obwohl der Frühling noch weit weg ist, hatte der heutige Sonntag schon einen „frühlingswintrigen“ Charakter.

Die Wärme der letzten beiden Tage und der lebhafte Wind, der die letzte Nacht im Schornstein heulte, haben alle Bäume vom Schnee befreit. Da neben einigen kahlen Birken hier hauptsächlich Nadelbäume wachsen, wirkte der Wald lichter und grüner als sonst. Dort konnte ich bei Temperaturen um -5 °C auch ohne Mütze und Handschuhe laufen, bloß auf der Ostsee waren die Sachen doch sehr angenehm, da es doch immer ein bisschen windig ist.

Eigentlich wollte ich heute hinter den Inseln weiter auf das Meer hinauslaufen, aber zum einen war am Horizont ein breiter dunkelblauer Streifen zu sehen – offenes Wasser?, zum anderen war meine linke Wade vom Badmintonspiel am Mittwoch immer noch leicht beleidigt und wollte an einer längeren Tour nicht teilhaben. So bin ich nur ein bisschen um ein paar Inseln gelaufen und habe mich über das Licht und über hohen Eiswände vor den Inseln gefreut. Aber erst zu Hause ist mir beim Betrachten der Fotos bewusst geworden, wie hoch sich das Eis an manchen Stellen so aufgetürmt hat.

Einige Stunden später zu Hause: Was ist das? Ist da jemand im Schnee verschüttet? Muss jemand ausgebuddelt werden? Habe ich es beim Tiefsnow stapfing übertrieben?

Nein, ich kann beruhigen: Ich habe heute das Dach vom Wintergarten so weit es ging vom Schnee befreit. Ich habe mir vom Nachbarn eine Leiter geborgt und sie ringsherum angelehnt. Die ersten beiden Schritte haben nicht mich hoch befördert, sondern die Leiter in den tiefen Schnee gedrückt. Dann konnte ich hochklettern und mit dem Schneeschieber von der Leiter aus den meisten Schnee vom Dach wegräumen. Und das war doch eine Menge. Hm, mal ausrechnen: ca. 3 Meter × ca. 6 Meter × ca. 40 Zentimeter sind ca. 7 Kubikmeter. Bei einer angenommenen Dichte von 200 Kilo pro Kubikmeter sind das also knapp anderthalb Tonnen, von denen jetzt bestimmt eine Tonne um den Wintergarten herum liegt. Kein Wunder, dass ich ins Schwitzen geraten bin und die Jacke irgendwann in den Schnee geworfen habe. Ja, und da hat sie dann doch noch einigen Schnee vom Dach abbekommen. Also: Keiner verschüttet, alles ist gut! Und auch dem Kunststoffdach des Wintergartens tut es bestimmt gut, einen Großteil seiner Last losgeworden zu sein.

Vårvinter

Dieses Wochenende war ich nach sechs Wochen mal wieder in der nahen Umgebung unterwegs.

Gestern am Samstag habe ich meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin quer durch den Wald zur Ostsee gelaufen. Erst war ich auf Norrskär. Von dieser hügeligen Insel konnte man am Horizont einen breiten dunkelblauen Steifen ausmachen. Blankes Eis oder offenes Wasser? Ich beschloss, in die Richtung zu laufen um näher zu schauen, musste aber bald feststellen, dass diese Stelle viele Kilometer entfernt lag. Statt weiter auf die See hinaus zu laufen, bin ich dann nach links abgebogen und habe erstmalig die Insel Medgrundet angesteuert. Mit einem Abstand von 2400 Metern liegt diese Insel in der Hålfjärden genannten Bucht am weitesten vom Festland entfernt. Nach einer längeren Pause habe ich dann den Rückweg angetreten und war um kurz vor drei wieder zu Hause.

Was war nun anders als die Skitour vor sechs Wochen?

  • Die Sonne hat viel mehr Kraft. Sie wärmt und ich bin teilweise ohne Jacke gelaufen.
  • Es ist viel länger hell. Man muss nicht sofort nach dem Frühstück losbürsten und als ich zu Hause war, war es immer noch ein paar Stunden hell.
  • Sonnenbrille und -creme gehören jetzt in den Rucksack. Die dicke Daunenjacke kann zu Hause bleiben.
  • An manchen Stellen ist der Schnee weggeweht und das blanke Meereis zu sehen.
  • Pausen machen mehr Spaß, weil es einfach wärmer ist.

Ja, ich mag auch den knackigkalten Winter im Januar und Februar, aber der Vårvinter, auf deutsch Frühlingswinter ist auch toll. Und ich kann mir kaum noch vorstellen, dass ich vor drei Wochen noch mit meinem Canada-Goose-Parka herumgelaufen bin.

Heute war ich kurz in der Stadt und habe mit Elisabet einen Abendspaziergang auf den Huvudberget gemacht, der jetzt nicht dramatisch hoch ist, aber eine schöne Aussicht über die Stadt bietet. Nun bin ich wieder zu Hause und es hat sich leider ein bisschen zugezogen. So wird es also auch diese Nacht mit nicht mit Polarlichtbeobachtung. Macht aber nichts, denn so kann ich mein Kinderbuch „Agaton Sax och den ljudlösa sprängämnesligen“ weiterlesen.

Hemavan – ein Wochenende im Fjäll

Skelleftehamn gefällt mir – hab ich schon geschrieben, oder? – sehr gut. Was mir hier aber manchmal fehlt, sind die Berge, oder wie man in Schweden sagt, das Fjäll. Und dorthin sind Elisabet und ich letzten Freitag Mittag gefahren. Unterwegs haben wir noch Sohn und Tochter von ihr aufgegabelt und um halb sieben haben wir unser Ferienhaus in Hemavan erreicht.

Man muss ein bisschen Geduld haben, wenn man 40 Meilen (400 Kilometer) in Richtung Westen fährt. Anfangs wollen die verschneiten Nadelwälder kein Ende nehmen, doch dann sieht man am Horizont die ersten Hügel und dann irgendwann das Kahlfjäll, also den Teil der Berge, der über der Baumgrenze liegt. In Hemavan habe ich dann an den Häusern gesehen, dass es doch Regionen gibt, wo noch einiges mehr an Schnee liegt als bei mir zu Hause (laut schneewelt.de 155cm). Würde man jetzt noch 50 Kilometer weiter fahren, wäre man in Norwegen.

Samstag: Skitour ins Fjäll: Ein kleines Stückchen Kungsleden

Am Samstag morgen haben sich Sohn und Tochter mit alpinen Tourenski auf eine Gipfeltour gemacht. Elisabet und ich wollten gerne in Richtung Viterskalsstugan, der ersten (oder letzten) Hütte auf dem 450 Kilometer langen nördlichen Kungsleden. Wir hatten „Backcountry-Ski“, das sind robuste Langlaufski mit Stahlkanten, die für lange Skiwanderungen ideal sind und ich hatte zum ersten Mal meine Pulka dabei. Gleich anfangs ging es ein gutes Stück bergauf und ich habe ganz schön geflucht, denn ich wollte hoch, die Pulka aber zurück ins Tal. Aber damit hatte ich gerechnet und deshalb hatte ich Steigfelle dabei. Damit gleitet es sich nicht mehr so schön, aber man kann auch mit Pulka einfach geradeaus laufen.

Anfangs sind wir noch durch das Skigebiet gelaufen doch bald verschwand der letzte Schlepplift hinter einem Bergrücken und wir waren auf dem Kahlfjäll.

Schon im Skigebiet ist wenig los. Kein Vergleich zu den Menschenmassen, die die Alpen jedes Winterwochenende heimsuchen. Ist man aber erst wirklich im Fjäll, so ist man völlig allein. Fast …

… denn in Schweden darf man auch im Fjäll Schneeskooter fahren. Und das machen viele. Ziemlich viele. In Gruppen rauschen behelmte Personen auf ihren Maschinen laut lärmend vorbei und hinterlassen vor allem den für Zweitakter typischen Gestank. Auch wenn man sich als Skifahrer über die Spuren freut, die machen das Laufen nämlich einfacher, wünscht man sich bei jedem Überholen, die Dinger wären wie in Norwegen größtenteils verboten.

Dazu eine Anekdote, die Elisabet erzählt hat: Eine Bekannte arbeitet im Kindergarten und war mit einer Gruppe Kinder draußen. Zwei nahe Mopedfahrer haben ordentlich Gas gegeben und die Kinder standen in einer Qualmwolke. Daraufhin meinte das eine „Det luktar fjället!“ – auf deutsch: Das riecht nach den Bergen. Da sind mir ehrlich gesagt lila Kühe als Bergklischee lieber!

Nachdem wir dann auch einen Skooter aus dem Schnee mit ausbuddeln durften – nicht alle Schweden können fahren – haben wir die Viterskalsstugan, eine bewirtschaftete Hütte, erreicht. Dort standen schon viele Schneeskooter, aber in der Hütte war es dennoch ziemlich ruhig. Wie in viele Hütten so hat auch diese einen Lebensmittelverkauf. So ist es möglich, lange Touren von Hütte zu Hütte zu machen, ohne für mehrere Wochen Proviant dabei haben zu müssen. Eine tolle Einrichtung!

So gemütlich es auch war – irgendwann muss man wieder zurück, auch wenn der Wind zunimmt und es zu schneien beginnt. Auch wenn wir beide ein bisschen müde waren, so ging der Rückweg doch schneller, da es größere Strecken abwärts ging. Als ich nach dem letzten Gegenanstieg die Felle abgenommen habe, konnte ich auch wieder richtig mit den Ski gleiten – herrlich. Nur auf dem allerletzten Stück ging es doch ganz gut abwärts und ich habe gebremst wie ein Weltmeister, um nicht mit der Pulka ins Tal zu schießen. Verzeiht mir diese Übertreibung. So steil war es nicht, aber ich bin kein toller Skiläufer und lasse es auf Abfahrten lieber ruhig angehen.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt: Nach Hause fahren · duschen · Essen machen · Abend essen · kurz nach neun ins Bett · Schlafen.

Mein kurzes Fazit: Das war ein toller Tag. Auch wenn die Anreise lang war, so ist es doch toll, dass man so eine Tour „eben mal“ an einem Wochenende unternehmen kann.

@Peter: Du, siehst, die Pulka, die ich gebraucht von Dir gekauft habe ist im Einsatz, wenn auch ohne Hund.

Sonntag: Slalom

… so heißt hier der Abfahrtslauf. Und nachdem ich mir Ski, Stöcke und Schuhe geliehen und meinen Eintages-Skipass bezahlt habe, sind Elisabet und ich mit dem Lift zu einer leichten Piste gefahren. Das war auch gut so, denn ich habe in meinem Leben kaum Abfahrtslauf gemacht und bin anfangs immer ängstlich, bis ich mich wieder an einige Grundlagen erinnere. Die meisten Fünfjährigen hier fahren zwar um Längen besser als ich, aber zumindest reicht mein Niveau aus, um auf einfachen Pisten Spaß zu haben und keinen Stress. Wie auch am Vortag war das Wetter eher bescheiden und auf der Abfahrt vom höchsten Punkt aus hat man nur noch ein paar rote Stecken und ein großes weißes Nichts gesehen. Das war dann wieder ein bisschen anstrengend, weil ich nicht sehen konnte, wie steil es wird.

Was ich hier einfach mag, ist wie ruhig es hier ist. Man muss fast nie am Lift anstehen, auf den Pisten ist man fast alleine und es gibt auch keine Außenlautsprecher, die einen mit volkstümelnden Alpenschlagern vollbrüllen. Das ganze kommt meiner Mentalität schon viel näher als so ein großer Skizirkus in den Alpen. In den Osterferien hingegen ist halb Schweden im Fjäll, dann wird es auch in Hemavan voll.

Vielen Dank an Elisabet, die mit mir so manchen „Idiotenhügel“ gefahren ist, mir Skiabfahrt wieder gezeigt hat und auch die gesamte Strecke Skellefteå—Hemavan—Skellefteå gefahren ist.

(NB: Über die Erfahrungen mit der Pulka)

Über die Pulka ist man mit einem Zuggestänge verbunden, daher läuft sie im gleichen Tempo mit einem mit.

Auf ebenem Gelände und wenn der Schnee nicht zu tief ist, ist das Ziehen phantastisch leicht. Hier spielt der Schlitten ganz klar seine größten Stärken aus.

Geht es aufwärts, möchte die Pulka abwärts. Wenn man nicht zickzack laufen oder die ganze Zeit im V-Schritt laufen möchte, so sind hier Steigfelle extrem praktisch.

Geht es abwärts, so kann man ohne Anstrengung bergab gleiten. Allerdings hat man mehr Schwung und ist nicht so manövrierfähig wie ohne.

Geht es steiler abwärts, so könnte man die Steigfelle benutzen, die ein bisschen bremsen (nicht probiert) oder einfach die kleine Etappe abschnallen und ohne Skier gehen (probiert). Steiles und vereistes Gelände ist glaube ich extrem eklig!

Quert man – also läuft man parallel zum Berg – so kann die Pulka schon mal umkippen. Einmal konnte ich sie mühelos aufrichten, das andere Mal hat sie sich ein bisschen in den Schnee eingegraben und ich musste mich aus dem Gestänge ausklinken, um sie wieder aufzustellen. Kein Drama, aber kostet Zeit.

Das Laufen mit Pulka macht aber Spaß und Lust auf mehr, zumal man ja auch Zelt und Schlafsack mitnehmen kann, Proviant, alle Objektive und ein schweres Stativ, fünf Jacken und … und … . Bei der ersten Tour mit Pulka wird es bestimmt nicht leicht, vernünftig zu bleiben, denn es passt einfach so viel hinein.

Winter

Macht die Musik aus und dimmt das Licht. Atmet langsam ein. Und wieder aus. Stellt Euch Stille vor. Einatmen. Ausatmen. Ihr seid allein. Draußen in der Natur.

Öffnet Eure Ohren. Lauscht. Ihr hört den Wind in den Bäumen rauschen und den Schnee, der auf die Kapuze prasselt. Ab und zu kommt eine Böe und schüttelt den Schnee vom Pelzrand. Ihr lauft. Die Skistöcke stechen in den Schnee, die Lederstiefel knarzen in der Riemenbindung. Die Skier gleiten mäßig, denn der warme Schnee klebt unter der Gleitfläche. Aber Ihr kommt vorwärts. Ihr verlasst den Fahrweg und folgt einer Skooterspur, die mitten durch den Wald führt. Die Stirnlampe ist aus, denn die tiefhängenden Schneewolken reflektieren genug Licht des nahen Skelleftehamn. Der verschneite Wald ist in dunkeloranges Licht getaucht. Ihr folgt der Skooterspur weiter und der Wald öffnet sich. Links liegt ein zugefrorener See. Die Bäume am anderen Ufer sind im Schneefall nur schemenhaft zu erkennen. Das Gelände ist offen, der Wind ist stärker. Die Spur ist verweht und irgendwann nicht mehr zu sehen. Ihr lauft einfach weiter. Mitten durch den Wald. Pock, der Skistock stößt auf einen Stein. Krzz, der Ski auf einen anderen. Der Wald wird dunkler. Ihr seid allein in der Natur. Ihr hört den Wind, den Schnee, Eure Bewegungen und Euren Atem. Bald stoßt Ihr wieder auf eine Skooterspur. Ihr folgt ihr und spürt, dass Ihr Euch wieder der Zivilisation nähert. Ihr stoßt auf einen geräumten Weg. Hier gleiten die Skier besser und mit Doppelstock-Zwischenschritt könnt Ihr schneller durch den Wald gleiten. Der Wald öffnet sich und gibt den Blick auf die Straße frei. Es duftet nach Holzofen. Die Straßenlaternen blenden Euch. Ihr gleitet die leicht abschüssige Straße herunter, biegt rechts in den Tallvägen ein und stoppt am drittletzten Haus. Es ist hellgrün. Ihr habt den Schlüssel. Drinnen ist es warm.

Davor: Ich schaufele 15-20 Neuschnee weg. Es schneit bei knapp unter Null Grad.

Davor: Ich sitze im Bus und fahre von der Arbeit nach Hause. Es schneit.

Davor: Mein erster Arbeitstag im neuen Jahr, es schneit den ganzen Tag. Mal mehr, mal weniger.

Davor: Ich wache auf und es sind gut fünf Zentimeter Neuschnee gefallen. Es schneit und es ist windig. Ein Streifen Schnee ist durch den Türspalt in den Wintergarten geweht. Das Auto ist weiß eingehüllt.

Davor: Neujahrsnacht. Wolken sind aufgezogen und es hat angefangen zu schneien. Laut smhi können bis zu 20 cm Neuschnee bis zum Montag Abend herunterkommen. Ich bin gespannt, wie viel wir in Skelleftehamn bekommen. Vielleicht kann ich ja bald meine Skier auspacken und durch den Wald gleiten. Dem Wind lauschen und dem Schnee, der auf meine Kapuze prasselt.


Nachtrag: Zwei Stunden später. Ich sitze gemütlich im Haus und arbeiten tun nur die Wasch- und die Spülmaschine. Der Wind und der Schneefall draußen haben noch zugenommen und es soll die ganze Nacht weiterschneien. Das Schneeräumen hätte ich mir sparen können und selbst auf der geschützten Treppe liegen einige Zentimeter Neuschnee. Es ist aber nur knapp unter Null und es steht auf des Messers Schneide, ob der Niederschlag morgen Vormittag als Schnee oder doch als Regen herunterkommt. Aber ich freue mich schon auf eine schöne Skitour im Inland am Wochenende. Da liegt bestimmt jetzt richtig viel!

Licht und Schatten

Heute hat es bei knapp ein Grad plus in großen Flocken weitergeschneit. In Skelleftehamn sind 5-10 cm heruntergekommen. Nun, die sind schnell weggeräumt, so dass ich danach noch Zeit für eine kleine abendliche Skitour habe. Ich bin zu meinem Sommerstrand Storgrundet gelaufen.

Heute ist es mir besonders aufgefallen: Das Wechselspiel zwischen hell und dunkel. Das gelb-orange Licht der vielen Natriumdampflampen wird von den schneebedeckten Straßen reflektiert und strahlt die tiefen Schneewolken an. Die wiederum werfen das abgeschwächte Licht zurück und strahlen andere Schneeflächen an. Deswegen kann man sich ein ganzes Stück von der Straßenbeleuchtung entfernen und dennoch ohne Lampe Ski laufen. Die Wolken über dem Wald und der Ostsee hingegen sind fast schwarz und oft ist der Himmel in orange und schwarze Bereiche unterteilt. Manchmal ist der Himmel hell und der Weg dunkler, manchmal ist es umgekehrt. Doch schaut selbst:

Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass Äste und Zweige seltsam unscharf-neblig aussehen. Das liegt daran, dass es sehr windig war und bei Belichtungszeiten von mehreren Sekunden die bewegten Teile unscharf werden. Am meisten fiel mir das an der böig-windigen Küste auf, wo ein vom Scheinwerfer angestrahlter Baum mit funkelnden Tropfen in den Zweigen förmlich im Wind tanzte.

Für Fotografieinteressierte: Ich habe die Photos in Lightroom nachbearbeitet, aber keine Verlaufsfilter eingesetzt. Lediglich den von der Lampe angestrahlen Schnee auf dem Tanzender-Baum-Bild habe ich minimal abgedunkelt, damit er nicht ins Weiße absäuft


Nachtrag: 5. Januar, morgens. Es schneit noch immer, es ist noch immer windig. Auf der Straße schleicht ein Jeep vorbei. Wie letztes Jahr kommt der Schnee in Schüben. Vor einer Woche war es hier noch fast schneefrei, jetzt liegen gut 40 Zentimeter auf meinem Grundstück.

Storgrundet

Erst war ich zu faul, aber dann habe ich doch meine Skier genommen und eine kleine Tour gemacht. Der Himmel ist seit Tagen bewölkt und es schneit ein wenig.

Im Wald ist das Skilaufen eher ein Stapfen, da die Fjällski immer wieder 20, 30 cm in den lockeren Schnee einsinken. Ein kleiner Wink der Natur, dass ich mir doch einmal die praktischen und schönen Holzski von Tegsnäs kaufen sollte.

In kleinen Bächen und in Zu- und Abflüssen von Seen kann das Wasser noch offen sein, denn fließendes Wasser braucht wesentlich länger, bis es fest zufriert. So sprudelte auch dieser Bach noch munter vor sich hin und ignorierte den Dauerfrost. Gemein sind die Stellen, wo das Wasser unter der Schneedecke fließt und man sollte genau hinschauen, wo die Schneedecke abgesenkt ist, wenn man keine nassen Füße bekommen möchte.

Bald stand ich am Ufer der Ostsee und hatte Blick auf die langgezogene Insel Storgrundet. Im Sommer und Herbst habe ich hier gebadet, doch jetzt ist das geschützte Ostseewasser zwischen Festland und Insel dick zugefroren. Und es gab mehrere Anzeichen, dass ich das Eis betreten und hinüber zur Insel laufen kann:

  • An mehreren Stellen waren Wege zur Insel mit Zweigen markiert
  • Eisfischer waren auf dem Eis
  • Skooter und Skispuren waren auch zu sehen

Das reicht mir als Sicherheit. Doch auch wenn das Eis dick ist, hänge ich mir immer die Isdbubbar um, sozusagen ein Springseil mit dicken Nägeln am Ende, mit deren Hilfe man sich, falls man eingebrochen ist, wieder aus dem Eis herausziehen kann. Einige Minuten später stand ich auf dem Ostseeeis und bald war ich auf der schmalen Insel Storgrundet angelangt. Die Insel ist nur zwei- bis dreihundert Meter breit und bietet dennoch drei völlig verschiedene Eindrücke:

  • Sommerhäuser Das dem Festland zugewandte Ufer ist teilweise mit Sommerhäusern bebaut. Sommerhaus heißt mindestens ein größeres Haupthaus, Nebengebäude, Sauna und Bootshaus. Es ist windgeschützt und ich fühle mich der Zivilisation nahe, selbst, wenn die Häuser gerade nicht bewohnt sind.
  • Wald Hundert Meter stehe ich mitten im Wald. Ich sehe die Häuser nicht mehr und das andere Ufer noch nicht. Ich habe kaum den Eindruck, dass ich auf einer Insel bin. Nur einige parallele Schneeverwehungen zeigen, dass es hier recht windig sein kann.
  • Offenes Meer Noch einmal hundertfünfzig Meter weiter stehe ich am Meer. Es gibt noch ein paar unbewohnte Inselchen, ansonsten ist fast alles mit Eis bedeckt. Etwas weiter weg ist offenes Wasser und auch das Eis am Ufer trägt noch nicht. Es ist sehr windig und der Schnee weht waagerecht vorbei. Ich bin über die zwei Kapuzen von Funktionshemd und Norrøna-Jacke genau so froh wie über die dicken Fäustlinge, die ich über die dünnen Handschuhe ziehe und die meine Hände wieder aufwärmen, nachdem ich ein Minivideo mit dem iPhone gedreht habe. Hier bin ich alleine in der rauh wirkenden Winterlandschaft und kann mir kaum vorstellen, dass ich kaum mehr als zwei Kilometer von meinem Haus entfernt bin.

Die gute Seite: Entsprechend schnell bin ich auch wieder zu Hause. Die ganze Tour hat vielleicht zwei Stunden gedauert und das auch nur, weil ich es ruhig angegangen bin. Ich hoffe darauf, dass irgendwann diesen Winter auch mal wieder die Sonne heraus schaut und freue mich auf die erste längere Tour bei blauem Himmel und glitzerndem Schnee.


Hier noch ein kleines Video, welches ich mit dem iPhone gemacht habe. Danach musste ich erst einmal meine Finger wieder auftauen.


Heute ist trotz des bewölkten Himmels die Temperatur, von keinem Wetterdienst vorausgesehen, von -3 auf -8 Grad gesunken. Hinten im Garten liegen jetzt 60 cm Schnee und man hat den Eindruck, der Winter ist jetzt wirklich angekommen. Letzten Winter war ich allerdings am 5. Dezember das erste Mal mit Skiern auf der Insel, also sieben Wochen früher und wir hatten schon im Dezember mehr als einen Meter Schnee. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das verratet aber nicht meinen Nachbarn; es sind nicht alle solche Schneefans wie ich

Skitour auf den Dundret

Da auch heute alle Ballonplätze ausgebucht waren und es auch etwas bewölkt war, bin ich direkt nach dem Pilotenbriefing zu einem Parkplatz gefahren, habe meinen Rucksack gepackt, meine Skier untergeschnallt und bin auf den Dundret gelaufen.

von außen

Anfangs lief ich auf einem perfekt präparierten, sechs Meter breiten Weg. Das war fast ein bisschen langweilig. Doch nach einiger Zeit kam ein Abzweig zu einem kleineren Weg, der zu einer Hütte führte. Oberhalb der Hütte führte der Weg weiter und schon bald war ich über der Baumgrenze.

Wenig höher war ich auf der Hochebene des Dundret angelangt. Hier wachsen nur noch wenige kleine Bäumchen, die jetzt im Winter dick mit Schnee und Reif eingepackt sind.

Bis auf die kleinen aber auffälligen Bäume prägen Holzkreuze, die als Wegmarkierungen dienen, das Gelände. Der Rest ist Schnee.

Schnee, der vom Wind in Strukturen gepresst wurde und lockerer Schnee, der im Wind über die Ebene geblasen wird.

Ich laufe geradeaus, bis ich am Südende der Ebene ankomme. Es bewölkt sich und um die Sonne scheint ein Halo. Links in der Ferne sieht man einige weiße Gebäude.

Ich schwenke neugierig nach links und nähere mich den Hütten. Jedes Gebäude ist dick mit Eis und Schnee bepackt.

Inzwischen waren auch südlich des Dundret einige Ballone gestartet. Doch kaum waren sie in der Luft wurde das Wetter schlagartig schlechter, denn Wolken trieben über die Hochebene. Wenn es neblig wird, weiß man die Wegmarkierungen zu schätzen.

Doch in den Wolkenlücken konnte ich ab und zu ein paar der Heißlüfter erblicken

Ich hatte leider keine Karte dabei, aber mit den Wegmarkierungen, GPS mit Ersatzbatterien, Kompaß und Handy, ebenfalls mit Karte und GPS fühlte ich mich sicher genug, noch ein bisschen oben zu bleiben. Zwei dicke Paar Wollhandschuhe hielten meine Finger warm, in den Pausen auch die Daunenjacke, Studentenfutter hatte ich auch, nur Tee hatte ich leider nicht dabei und das Wasser, was ich dabei hatte, war zum Schluss mit Eiskristallen durchmischt.

Da man von den Ballonen nicht wirklich viel gesehen hat, habe ich mich dann aber bald auf den Rückweg gemacht (Zur Orientierung reichte die Sonne völlig aus, sie war noch nicht ganz in den Wolken verschwunden).

Auf dem Rückweg musste ich dann sehen, wie ich den Berg wieder herunterkomme. Ich bin kein toller Skiläufer und der Schnee war hart und damit schnell. Aber mit ein bisschen hin- und her fahren und einigen Bremsmanövern war ich bald wieder auf der breiten, schneebedeckten Straße angelangt. Die war zum Anfang noch recht steil und ich habe größere Teile der Strecke gebremst. Zum Schluss wurde es aber flacher und dann konnte ich die Ski einfach laufen lassen, mich ab und zu mit den Stöcken abstoßen, bis ich mit dem letzten Schwung am Kofferraum meines Autos zum Stehen kam.

von innen

Alles ist Reduktion: Man sieht Himmel, Schnee, Eis, weite Flächen und vom Wind geschaffene Strukturen und Texturen. Ohne die Landmarken, wie beispielsweise die typischen Holzkreuze, hätte man kein Gespür mehr für Entfernungen. Überall liegt Schnee, das Auge kommt zur Ruhe.

Dann der Klang. Auch hier: Reduktion. Man hört deutlich den Wind, der ab und zu an der Kapuze pfeift. Setzt man die Kapuze ab, so kann man das leise, kristallklare Rascheln des Schnees, der über die Ebene getrieben wird, hören. Aber wer setzt bei dem Wind schon die Kapuze ab. Der Wind bläst, das Ohr kommt zur Ruhe.

Dann die Bewegung. Man macht einen Schritt, noch einen, noch einen. Entweder von Holzkreuz zu Holzkreuz oder einfach quer über die weiten Schneeflächen. Schritt für Schritt. Die Bewegung hat etwas Ruhiges und Meditatives. Schritt für Schritt, der Körper kommt zur Ruhe.

Man ist eins mit der Winterlandschaft, eins mit sich selbst. Man kümmert sich nur um das, was hier und jetzt wichtig ist. Orientierung. Essen. Warm bleiben. Alles andere existiert nicht mehr. Die Gedanken kommen zur Ruhe.

Die Seele jubelt, sie möchte schreien vor Glück. Doch auch sie – überall Schnee, der Wind bläst, Schritt für Schritt, Einssein – reduziert sich und kommt schließlich zur Ruhe.


Ich bin kein Eremit, der zwanzig Jahre in den Bergen meditiert. Und ich bin auch gerne wieder mit dem Auto zur momentanen Wohnung gefahren, habe gegessen und einen kleinen Mittagsschlaf gehalten. Doch wenn ich leise horche, so bin ich wieder oben auf dem Fjäll. Und komme zur Ruhe.

Trübes Schneewetter

Zur Zeit schneit es fast jeden Tag. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Schneedecke steigt, denn obwohl seit den 83 cm von vor 12 Tagen mehr als ein halber Meter Neuschnee gefallen ist, habe ich jetzt 67 cm Schnee hinten im Garten und nicht einen Meter vierzig.

Aber wenn der Schnee sich setzt, dann trägt er auch Skier.

Und so wollte ich eigentlich schon letztes Wochenende Skilaufen, aber da habe ich mich schon nicht so gefühlt. Jetzt, wo ich zwei Tage krank war und immer noch etwas Fieber habe, wird das dieses Wochenende wohl auch nichts. Und da ich über die Feiertage in Deutschland bin, wird es noch eine Zeit lang dauern, bis ich hier die erste Skitour mache. Soviel dazu, was passiert, wenn man Nordschweden zieht …)

Meine momentan eher geringe Energie werde ich stattdessen morgen wieder in das Schneeschieben investieren, denn das Räumfahrzeug hat wieder einen Schneewall vor meine Einfahrt geschleudert, der jetzt friedlich dabei ist, festzufrieren. Aber – so lange man noch die Straßenschilder sieht …

… das hätte ich nicht schreiben sollen, denn an der Straßenecke türmen sich die Schneeberge am Rand besonders hoch auf. Und lange dauert es vielleicht nicht mehr, bis das Straßenschild „Tallvägen“ verschwunden ist.

Ihr werdet merken, dass ich in letzter Zeit mehr Schwarzweißbilder zeige. Das hat, außer dass mir das gefällt, zwei weitere Gründe:

Meistens ist es jetzt ja dunkel und da werden alle Straßen hier von Neonlampen erhellt, die den Schnee orange erscheinen lassen. Und das sieht auf den Fotos oft ziemlich scheußlich aus. Zum anderen ist es vier Wochen hier, dass es hier mal so etwas wie klaren Himmel gegeben hat, und das war (a) nachts und (b) ganz kurz. Ach nein, jetzt übertreibe ich, den einen Tag war es tatsächlich auch mal tagsüber schön, sogar die Sonne habe ich kurz gesehen, aber da habe ich gearbeitet und saß im Büro.

Andererseits: Der Winter hat gerade mal angefangen. Drei bis vier Monate wird der Winter hier noch dauern, und da habe ich noch genug Zeit fürs Skilaufen. Und dann ist die Ostsee vermutlich auch nicht nur wie schon jetzt mit Eis bedeckt, sondern auch so solide zugefroren, dass ich mit Skiern zu den Inseln laufen kann. Bei blauem Himmel.

Konsumwochen

Der Januar begann dieses Mal nicht mit guten Vorsätzen, sondern mit Konsum! Kaufen, kaufen, kaufen! Wie kommt’s?

Nun, ich überlege schon seit längerem, mir eine (noch) bessere Spiegelreflexkamera zu kaufen. Mit Vollformatsensor. Ich will Euch nicht mit Details langweilen, aber nachdem die Nikon D700 nicht mehr neu zu haben ist und teilweise zu horrenden Gebrauchtpreisen angeboten wird, habe ich mich für eine Nikon D800 entschieden. Und wo war sie am günstigsten? Nicht bei irgendwelchen Onlinehändlern, sondern im lokalen Handy-Foto-Fernsehgeschäft in Skellefteås Zentrum. Gekauft. Check!

Dazu noch ein schönes Weitwinkel (16-35mm, ƒ4.0, Bildstabilisator) – gibt’s am günstigsten beim Kameradoktorn. Gekauft. Check!

Eigentlich hätte ich noch gerne das 8mm Fisheye von Samyang. Aber nochmals knapp 3000 Kronen bezahlen? Wohl eher nicht! Dann abonniere ich die Suche „samyang nikon“ bei Blocket, Schweden’s großem Kleinanzeigenmarkt und wupps!, am nächsten Tag ist das Objektiv drin. Für die Hälfte! In Skellefteå! Hingefahren. Gekauft. Check!

Ebenfalls sucht Blocket für mich schon lange nach „Tegsnäs“, den schönen schwedischen Holzskiern. Aber die sind entweder zu teuer oder in Malmö abzuholen. Vor drei Tagen waren wieder welche drin. Günstig. 2m40 lang (toll für Neuschnee!). Unter Ort stand wieder „Skellefteå“. Und vorgestern habe ich sie abgeholt, sogar in Ursviken, gleich um die Ecke. Gekauft. Check!

Jetzt habe ich den schwedischen Einzelhandel und die Privatwirtschaft gerettet. Aber ich glaube, jetzt reicht es erst einmal mit dem Konsum. Privatpersonen haben keine Rettungsschirme zu erwarten. Schade eigentlich!

Kurz vor der Skitour

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Beide Pulkas sind randvoll gepackt. Nicht nur mit Zelt, warmem Schlafsack, Kleidung, Isomatte, Daunenjacke, Kocher, Benzin und anderem, sondern auch mit jeder Menge Essen. Die Pulken sind ganz schön schwer und ich bin gespannt, wie es wird, sie über das Fjäll zu ziehen.

Damit es am Anfang nicht zu anstrengend wird, haben Jonas und ich als Ausgangspunkt Vålådalen gewählt, denn dort ist das Gelände anfangs schön flach und wir können uns ein bisschen einlaufen.

Morgen geht es los. Erst mit dem Auto, dann acht Tage mit Ski und Pulka.

Wollt Ihr schauen, wo wir gerade unterwegs sind? Wenn technisch alles klappt, könnt Ihr unsere Position auf der Karte live verfolgen: http://share.findmespot.com/shared/faces/viewspots.jsp?glId=03oMtxmvu7rxXeMC0EkZzHPBTrO4tIZRK

Nachtrag:

Jonas hat die Route unserer Tour online gestellt:

http://www.gpsies.com/map.do;jsessionid=8685749C682EA5453DBF52DAF2F05802?fileId=hpdcnrfihpemreuo.

Skitour – Vom Wald ins Kahlfjäll

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Freitag, 25. Januar

Es ist zwölf Uhr. Nach knapp zweistündiger Fahrt stehen wir am Parkplatz Vålådalen und packen unsere Pulken und Skier aus dem Auto. Das Wetter ist schön. Bald liegt das abgeschlossene Auto in unserem Rücken und Jonas und ich starten nach vier Jahren unsere zweite Wintertour. Die ersten hundert Meter sind eben und die voll gepackten Pulkas lassen sich mühelos ziehen. Auch die erste Miniabfahrt funktioniert; die Zuggestänge sorgen dafür, dass die Schlitten einem nicht in die Hacken fahren. Die ersten Anstiege hingegen fordern: Wir wollen nach vorne, die Pulkas nach unten und es ist gar nicht so einfach, auf den teilweise recht schmalen Wegen die V-Schritte groß genug zu machen, um vorwärts zu kommen. An einem kurzen, aber steilen Anstieg schnalle ich einfach die Skier ab.

Aber heute ist unser Weg nicht weit, denn die Sonne geht schon kurz nach halb vier unter. Auf einer kleinen Lichtung bauen wir das erste Mal das Zelt auf. Es dämmert, wird dunkler und bald sind Jupiter und die ersten Sterne zu sehen, während der fast volle Mond das Zelt bescheint. Jonas kocht: Linguine mit Pesto und Salami (Ja, wir haben gut und reichlich eingekauft). Früh, sehr früh gehen wir ins Bett. Das Thermometer zeigt -21 °C.

Samstag, 26. Januar

Spät sind wir losgekommen. Zum einen dauert es, bis genug Schnee geschmolzen ist, um vier, fünf Liter kochendes Wasser für Tee und Müsli zu erhalten, zum anderen wollen Schlafsack, Isomatte, Kocher, aller Kleinkrams und schließlich auch das Zelt wieder verpackt sein. Außerdem mochte mein kleiner Dreieurowecker die Kälte nicht und ging eine gute Stunde nach.

Was für ein schöner Tourtag! Erst laufen wir weiter durch den Wald. Dieser Teil ist für Skooter gesperrt und dadurch ist der Winterweg, wenn auch markiert, viel naturbelassener. Allerdings geht es langsam, aber stetig bergauf und ich ziehe bald meine Felle auf. Diese verhindern, dass man zurück rutscht, wenn die Pulka wieder zurück nach unten möchte. Warm ist es geworden, nur noch einige Grad unter Null. Um viertel nach eins machen wir eine Pause und lassen uns die Sonne ins Gesicht scheinen.

Keine zwei Stunden später sind wir an der Baumgrenze. Vor uns liegt das Kahlfjäll. Ab und zu sieht man noch eine kleine Birke, sonst ist alles baumfrei. Nur an den Kuppen, an denen der Wind den meisten Schnee weggeblasen hat, sieht man einige Bodendecker durch den Schnee schimmern, ansonsten beherrschen nun Fels, Schnee und Eis die Bergwelt.

Die Sonne geht langsam unter und wir suchen einen neuen Zeltplatz. Bald hat Jonas eine wunderschöne, windgeschützte Stelle gefunden. Die Nacht ist sternenklar und der helle Vollmond bestrahlt die Berge. Lange stehen wir draußen, schauen und fotografieren. Die Temperaturen liegen bei -12 °C.

Sonntag, 27. Januar

Wir haben uns vorgenommen, eine große Runde bis zum Helags zu laufen, deswegen klingelt der Wecker schon um sechs. Der Vollmond steht über den Bergen. Wir schauen, wie er langsam hinter den Kuppen verschwindet. Nun erleben wir eines der schönsten Lichterlebnisse, welches ich je in der Natur hatte: Als der Mond schon hinter den Bergen ist, sieht man immer noch diffuses Licht über dem Berg. Es flackert hin und her, wird stärker, wird schwächer und ab und zu blitzt es auf und bescheint strahlend hell die gesamten Bergkuppen von hinten, um dann wieder zu einem schwach pulsierendem Leuchten abzunehmen. Wir stehen still und schauen gebannt auf dieses Naturschauspiel.

Nach einiger Zeit ist das Mondlicht nicht mehr zu sehen und es wird langsam heller. Wir brechen bei schönem, klaren Wetter auf, doch in verblüffend kurzer Zeit ist der Himmel wolkig und es wird windig. Natürlich kommt der steife Wind von vorne. Es geht jetzt längere Passagen aufwärts und mich – der zur Zeit ziemlich untrainiert ist – strengt das Pulka ziehen ziemlich an. Auch Jonas hat inzwischen Felle aufgezogen, dennoch kommen wir nur langsam vor- und aufwärts. Da kommt die Haupthütte der Vålåstugorna (Stugorna heißt „Die Hütten“) gerade recht, um eine windgeschützte Pause zu machen.

Hier treffen wir auf zwei Jäger, die fünf Jagdhunde dabei haben, sowie einen Mann aus Åre, der eine Tagestour mit seinen beiden Huskys macht. Wir machen eine Pause, trinken Tee, essen Studentenfutter und beschließen, doch nicht die große und sehr ambitionierte Runde über den Helags zu laufen, sondern abzukürzen. Es könnte sonst passieren, dass wir unsere Tour nicht in der uns zur Verfügung stehenden Zeit schaffen.

Noch sitzen wir in der warmen Hütte, doch schon bald laufen wir weiter. Der Sonntag ist noch nicht zu Ende …

>>> Fortsetzung: Sturm auf dem Fjäll >>>

Skitour – Sturm auf dem Fjäll

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Sonntag, 27. Januar

Wir beenden unsere Pause an den Vålåstugorna und laufen weiter in die Berge. Es ist sehr windig, doch wir finden tatsächlich einen Pausenplatz, an dem der Wind nicht zu stark ist.

Kaum brechen wir auf, wird der Wind noch stürmischer und man kann kaum noch etwas sehen. Ich kann gerade noch ein Foto von Jonas machen, ehe eher vom Weiß verschluckt wird.

Ich weiß nicht, ob es auch schneit, oder der Sturm nur den Schnee meterhoch aufwirbelt. Der Effekt ist der Gleiche: Man sieht fast nichts mehr. Wir bleiben dicht zusammen und hangeln uns von Wegmarkierung zu Wegmarkierung. Manchmal sieht man zwei, manchmal eine, dann keine mehr. Wir laufen geradeaus weiter, finden noch zwei Kreuze und stehen dann im weißen Nichts. Der stürmische Wind lässt Schnee an die Kapuze prasseln und zerrt an jeder Schnur, an der Kleidung und an den Skistöcken. Selbst mit Schreien ist die Verständigung nicht leicht.

Wir versuchen noch, durch Zufall eine Markierung zu finden, geben dies schnell auf und suchen statt dessen einen Zeltplatz, sprich eine weiße Fläche, die halbwegs eben ist.

Habt Ihr schon einmal ein Tunnelzelt im Sturm aufgebaut? Ich nicht. Es geht aber überraschend einfach, auch wenn ich Angst hatte, dass uns das Zelt mitsamt der Skier, die wir zum Fixieren benutzt haben wegfliegt. Jonas macht das meiste, er ist ja wesentlich erfahrener als ich. Von ihm kommt auch die Idee, das Innenzelt auszuhängen und unsere Pulken in das Zelt zu tragen. Nun sind wir erst einmal vor den Elementen geschützt. Obwohl es nicht kalt ist, klappere ich mit den Zähnen und ziehe sowohl Daunen- als auch meinen weiten Überanorak an. Jonas kocht Makkaroni mit Butter und Käsesoße. Mit dem Essen kommt die Energie und auch die Wärme wieder. Jonas gräbt das Zelt so weit, wie es geht im Schnee ein, denn selbst durch die kleinste Ritze kommt Schneestaub geblasen. Dann wartet der warme Schlafsack auf uns. Fast …

Manchmal muss man auch über eklige Dinge schreiben. Empfindliche Gemüter dürfen diesen Absatz gerne überspringen. Seid Ihr schon mal draußen auf Klo gegangen? Groß? Im Sturm? Im Schnee hockend? Und sehend, wie die Hinterlassenschaften über das gegrabene Loch hinweggeweht werden? Leute, ich kann Euch sagen, es gibt Dinge, die mehr Spaß machen! Froh war ich, als ich wieder im Zelt war.

Die ganze Nacht rüttelt der böige Sturmwind am Zelt. Jonas verstärkt noch die Schneemauern. Manchmal kommt eine Böe von der Seite und versetzt dem ganzen Zelt einen harten Schlag. Ab wann bricht eigentlich so ein Gestänge, frage ich mich? Mitten in der Nacht wird es ein bisschen heller, der Mond schaut wohl zwischen den Wolken hervor, doch es ist noch unverändert stürmisch.

Montag, 28. Januar

Auch am Morgen ist es noch sehr windig und es schneit. Im Luv hat der Wind meine Skier metertief im Pulverschnee vergraben, im Lee liegt so viel Schnee auf dem Zelt, dass die Apside bis zum Kocher durchhängt. Die Pulken sind halb vom Schnee bedeckt. Wir werden später sehen, dass auch in den Pulken der Schnee an die unmöglichsten Stellen geblasen wurde.

Ich bestimme unsere Position mit dem GPS. Wir stehen mitten auf einem kleinen See. Vermutlich sind hier keine Markierungen gesteckt, da noch Vorsaison ist. Ich speichere die Koordinaten der nächsten zwei Hütten ins GPS, denn unser Ziel ist es, die nächste Nacht in einer Hütte zu verbringen und Kleidung, Schuhe und Schlafsack aufzutauen und zu trocknen.

Nachdem wir das Zelt vom Schnee befreit, Wasser gekocht, Tee und Müsli gemacht und gegessen haben, beruhigt sich der Wind ein wenig. Wir schieben wieder die Pulken in das Zelt und packen. Das Zelt rollen wir mit den einmal geknickten Stangen einfach zusammen und schnallen es auf meine Pulka. Und als wir aufbrechen, klart es auf.

Schnell sind wir bei der drei Kilometer entfernten Härjångsdalen-Hütte. Hier darf man allerdings nur in Notfällen übernachten. Daher machen wir hier nur eine Pause und laufen dann weiter.

Wir laufen weiter aufwärts zu den vier Kilometer entfernten Gåsenstugorna. Der Wind kommt von vorne, ist aber längst nicht mehr so stark. Die Berge im Rücken werden von der Sonne beschienen und auf dem Sattel vor uns leuchten die roten Holzkreuze in der Sonne.

Noch ein Meter, noch ein Meter, da ist sie: Wir stehen und schauen in die goldorange Sonne. Schnee weht uns am Boden entgegen, ebenfalls goldorange bestrahlt. Ein wunderbarer Moment.


Das Schneetreiben als Video. (Wenn die Fläche weiß bleibt, schaut das Video direkt auf Vimeo.)


Wir laufen noch um eine Ecke und dann sind die Gåsenstugorna in Sicht. Die Sonne geht unter und wir laufen in großen Schritten abwärts, bis wir an der Hütte stehen. Wir schaufeln den Eingang frei und ich hole Holz aus dem „Vedbo“, dem Holzschuppen. Es wird Stunden dauern, bis wir die frostige Hütte auf Plusgrade geheizt haben. Wir hängen so ziemlich alle Kleidungsstücke zum Trocknen auf und breiten uns aus, denn wir sind hier alleine. Außer uns ist wohl niemand unterwegs.

Dienstag, 29. Januar

Ein fauler Tag. Den Ofen in Gang halten, mehrere warme Mahlzeiten einnehmen, überprüfen, ob Kleidung und Schlafsack getrocknet sind, auch damit kann man einen Tag ausfüllen. Ich gehe hinaus und fotografiere Holzkreuze.

Doch in einem habe ich mich geirrt: Wir sind nicht allein. Es kommen zwei Männer mit Motorschlitten. Sie kümmern sich um die Markierungen und die Hütten. Von ihnen erfahren wir, dass zwei Schneeschuhläufer kommen werden. Unser erster Gedanke: Deutsche? Denn welcher Schwede läuft schon mit Schneeschuhen, wenn man Skilaufen kann! Doch die Schneeschuhgeher sind Belgier, die beide ein Snowboard hinter sich herziehen, mit dem sie die Abfahrten nehmen wollen.

Wir alle sind früh im Bett, doch nachts ist der Mond so schön, dass ich mir noch einmal Überhose und Anorak anziehe und fotografiere. Mondnächte im Fjäll sind wunderbar.

>>> Fortsetzung: Schlussettappe >>>

Skitour – Schlussettappe

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Als wir morgens im offenen Winterraum der Gåsenstugorna aufwachen, ist von klarem Himmel nichts mehr zu sehen. Es ist windig und es schneit. Aber abgesehen davon, dass uns beiden der Sinn nach Frischluft und Bewegung steht, gibt es zwei Argumente, die für einen Aufbruch sprechen: Zum einen kommt der Wind von hinten, zum anderen hat der smhi für den Folgetag eine Windwarnung Klasse 1 herausgegeben, es soll also wieder richtig stürmisch werden.

Also packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg. Nach einem kleinen Anstieg, der uns auf 1200 Meter führt, liegt eine lange Abfahrt vor uns. Jonas macht seine Felle ab, ich lasse sie an, denn ich bin ein schlechter Abfahrtläufer und freue mich über die Bremswirkung der Felle. Nun geht es stetig bergab, manchmal so sanft, dass wir beide laufen, manchmal so schnell, dass Jonas vorweg saust, während ich manchmal sogar Bögen in den Schnee schreibe, um nicht so schnell zu werden.

Manchmal klart es auf und die Sonne legt ein geheimnisvolles Leuchten auf die voraus liegenden Berghänge. Leider habe ich heute eine andere Kamera-Objektiv-Kombination vor meinem Bauch geschnallt und als ich das Weitwinkel parat habe, sind die schönen Lichtstimmungen schon wieder vorbei. Es ist nicht das erste Mal auf der Tour, dass ich mit dem Fotografieren zu langsam bin. Schon nach kurzer Zeit sind wir an der nächsten Schutzhütte „Sjtähtja“, wo wir eine kurze Pause machen.

Schon bald setzen wir die Tour fort, denn nach dem tagelangen Aufwärtslaufen ist es schön, mühelos durch den Schnee hinab zu gleiten. Nur manchmal müssen wir uns einen Weg suchen, denn auf dem baumlosen Kahlfjäll sind manche Stellen so windexponiert, dass kaum Schnee liegt und Gestrüpp und Fels sichtbar sind. Doch bald sind die ersten Bäume in Sicht.

Jetzt beginnt ein herrlicher Teil: Der von Holzkreuzen markierte Weg windet sich talwärts und wir gleiten durch den unberührten Schnee. Hier scheint es meistens windstill zu sein, denn die meisten Birken wachsen sehr gerade und es gibt keine verblasenen Stellen. Statt dessen gibt es immer wieder kleine Abfahrten, die meistens im Tiefschnee enden. Das Skifahren hat hier so viel Spaß gemacht, dass ich erst zum Schluss wieder die Kamera ausgepackt habe. Aber die Freude an der Bewegung kann man eh nicht fotografieren.

Wir laufen, gleiten und sind bald schon an der nächsten STF-Hütte, den Stensdalsstugorna angelangt. Aber wir laufen ohne Pause an den Hütten vorbei, denn wir wollen zelten. Wir laufen noch ein paar Kilometer, ehe wir ein kleines Seitental finden, in dem wir zwischen den Bäumen unser Zelt aufbauen. Die Nacht ist klar und Jupiter und die hellen Wintersternbilder leuchten am Himmel.

Aber kaum liegen wir, da holt uns der vorhergesagte Wind ein. Wieder wird das Zelt vom stürmischen Wind gerüttelt und gebeutelt und dieses Mal sind die Böen sogar noch heftiger. In der Nacht stehe ich auf, denn zwei Heringe haben sich losgerissen und ich ramme zwei Skier in den Schnee, um das Zelt daran festzumachen. Doch auch diese Sturmnacht übersteht das Zelt ohne Probleme. Nur Jonas und ich fanden es in unseren dicken Daunenschlafsäcken mit -2 °C viel zu warm. Auch diesen Morgen lässt der Wind nach und die Sonne scheint durch die immer größeren Wolkenlücken, während die letzten Schneeschauer abziehen.

Den letzten Teil der Tour fand ich ehrlich gesagt etwas langweilig, denn größere Teile der Route lagen auf einer breiten Skooterpiste. Anstatt aktiv meinen Weg zu suchen und die Natur um mich herum wahrzunehmen, schlurfe ich nun einfach nur geradeaus. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Tour fast vorbei ist, doch hauptsächlich daran, dass das Schlussstück eher dem Loipennetz eines Wintersportortes ähnelt und damit nach den starken Eindrücken der letzten Tage ein wenig fad wirkt.

Bald schon stoßen wir auf unseren alten Weg und sehen den kleinen Teich, auf dem wir die erste Pause gemacht haben, den kleinen, gemeinen Abstieg, der nun Abfahrt ist und die erste Abfahrt, die Jonas nun mit V-Schritten hochsteigt. Und nur wenige Minuten später stehen wir auf der Ebene und blicken in die Zivilisation. Ein High-Five beendet diese gar nicht so lange, aber schöne, spannende und ereignisreiche Tour.

Tack för turen, Jonas!

Einige Nachgedanken zur Skitour

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Hier schreibe ich hauptsächlich über Planung und Equipment:

Schön war die Tour, abwechslungsreich war sie und teilweise auch ziemlich spannend. Das Wetter hätte besser sein können (Weniger Wind und kälter). Und es war toll, sie mit einem guten Freund zusammen machen zu können. Alleine würde ich so eine Tour ohnehin nicht wagen, aber selbst wenn – ich hätte keine Lust dazu.

Das nächste Mal: Wieder eine Skitour zu zweit (vielleicht hast Du wieder Zeit, Jonas) oder mit mehreren. Und hoffen, dass das Wetter besser ist.

Es ist schön, das Gepäck in der Pulka zu haben. Ich hätte auch weder einen Rucksack, der groß genug wäre, noch das Rückgrat, welches breit genug wäre, 30 Kilo oder mehr zu tragen. Mit Steigfellen lässt sich die Pulka auch gut bergauf schieben, allerdings fand ich das sehr anstrengend und ich habe an längeren Anstiegen kaum mehr als 2 km/h geschafft.

Das nächste Mal: Wieder mit Ski und Pulka, aber besser trainiert.

Die Pulka war aber auch so schwer, da wir viele Lebensmittel mithatten. Auf teures Outdoor-Tütenzeugs haben wir verzichtet und stattdessen richtige Salami, richtiges Knäckebrot, Pesto im Glas(!), Nüsse und Trockenfrüchte, Tiefkühlgemüse und Butter mitgenommen. Es wäre bestimmt vernünftig gewesen, hier ein paar Kilos einzusparen.

Das nächste Mal: Wieder unvernünftig sein und wieder richtiges Essen mitnehmen. (Und Zucker für Tee!)

Die Kameras (Nikon D800, Nikon D300s) haben sich gut gehalten. Da es nicht so kalt war (meist zwischen -5 °C und – 10°C), haben die Akkus gut und lange gehalten, selbst wenn sie länger in der Kamera und damit in der Kälte waren. Viele Motive – vor allem Lichtstimmungen – hingegen konnte ich nicht fotografieren, da ich manches Mal einfach zu langsam war. Wenn es stürmisch ist, ziehen eben auch die Wolken schnell. Bloß manches Mal war ein Objektiv beschlagen und dann kann es einige Zeit dauern, bis die Linse wieder klar ist.

Das nächste Mal: Genau so wieder, vielleicht mit einer anderen Objektivauswahl.

Apopros beschlagen: Alles kann einfrieren, wenn es wie am ersten Abend kalt ist: Reißverschlüsse, Kocherventile, Handschuhe, Skistiefel und Thermoskannendeckel. Und mein iPhone arbeitet ohnehin nur, wenn es hosentaschenwarm ist. Aber das war eh fast immer ausgeschaltet.

Das nächste Mal: Keine Wollfingerhandschuhe mehr. Die sind schnell steinhart gefroren und kaum mehr zu gebrauchen.

Die Bildbearbeitung mit Lightroom 4 macht Spaß. Eines jedoch finde ich schwierig: Den Weißabgleich. Da Schnee nie weiß ist, sondern immer hellblau, gelborange, türkis oder alles gemischt, kann man den Abgleich nicht automatisch machen. Wenn ich ihn jedoch manuell mache, sind die Bilder von der Farbtemperatur nicht mehr stimmig und das stört mich.

Das nächste Mal: Üben!

Die Tourplanung haben wir erst kurz vorher gemacht. Das war aber kein Problem, da wir ohnehin keine Erfahrung mit dem Pulka ziehen hatten und daher auch keine Detailplanung machen konnten. Es wäre schön gewesen, ein paar Tage mehr Zeit gehabt zu haben, aber Hauptsache draußen!

Das nächste Mal: Mit der jetzigen Erfahrung ein bisschen genauer Planen und vielleicht ein paar Tage mehr Zeit haben.

Jonas hat uns ein Spot-Gerät ausgeliehen. Es ist ein GPS, gekoppelt mit einem Satellitensender. Es zeichnet zum einen die Strecke auf (leider vermutlich ohne Uhrzeit, aber das habe ich noch nicht überprüft) und zum anderen kann man Hilfe anfordern, sollte man in Not geraten. Ein Knopf, den man hoffentlich nie, nie drücken muss!

Jonas hat übrigens die Tourkoordinaten online gestellt: http://www.gpsies.com/map.do?fileId=hpdcnrfihpemreuo

Das nächste Mal: wieder ausleihen und mitnehmen.

Unsere Schlafsäcke sind warm. Für solche Temperaturen zu warm! Im Schlafsack haben wir einen VBL (Vapour Barrier Liner), das ist ein wasserdichter Sack, der verhindert, dass der Schweiß in die Daunen gerät und dort festfriert. Der Schlafsack würde schwerer werden und schlechter wärmen. Komfortabel finde ich so einen VBL nicht, aber sinnvoll.

Das nächste Mal: wieder so machen, wenn man nicht noch eine bessere Alternative findet. Und auf -20 °C bis -40 °C hoffen, denn dann ist mein Schlafsack vermutlich gerade richtig.


Jonas wird vermutlich auch einen Artikel über seine Erfahrungen mit dem Equipment schreiben. Im Gegensatz zu meinen eher unzusammenhängenden Gedanken wird dieser vermutlich sehr fundiert sein. Ich werde den Artikel verlinken, wenn er online ist.

Habt Ihr Fragen?

Ein Wintertag auf der Ostsee

Heute war ein richtig schöner warmer Wintertag. Morgens war die Luft noch frostig, doch den Rest des Tages hatten wir zwischen vier und sechs Grad. Plus! Und das fühlt sich schon richtig warm an.

Rumms! hat es gerade gemacht, während ich diesen Text hier schreibe. Das heißt, dass irgendwo wieder ordentlich Schnee vom Dach gerutscht ist. Bei Tauwetter sollte man mit Hausdächern sehr vorsichtig sein, wenn man nicht einen halben Kubikmeter Schnee in den Kragen bekommen möchte.

Ich habe meine Skier genommen und eine schöne Tour um und über die Inseln gemacht. Norrskär – Norrskärgrundet – Gråsidan – Nygrundet – Bredskär. Und zum ersten Mal hatte ich nur T-Shirt und leichte Jacke an und auch die Mütze und Handschuhe sind meistens in der Jackentasche geblieben. Dafür kam die Sonnenbrille erstmalig zum Einsatz.

Die spektakulärsten Motive finde ich meistens auf den östlichen Außenseiten der Inseln.

Für viele Motive schnalle ich die Skier ab, da es viel leichter ist so zu fotografieren. Und da ich gerne aus der Froschperspektive fotografiere, hatte ich dauernd nasse Knie. Denn es war ja warm und überall haben sich Pfützen auf dem Eis gebildet und von allen Eiszapfen tropft es. Abgesehen davon ist es sehr mühsam, mit der Pulka, die ich mehr spaßeshalber dabei hatte, über die Packeisfelder zu laufen. Aber auf größeren Teilen der Ostsee liegt aber glattes Eis, auf dem sich ebenso wie auf den schneebedeckten Inseln gut Skilaufen lässt. Auch wenn wegen der Wärme der Schnee manchmal zentimeterdick unter den Skiern klebte.

Aber es zeigt sich, dass Skier ganz praktisch sind, denn die Eisformationen haben Löcher, die teilweise überraschend tief sind. Als ich einmal die Skier zum Fotografieren abgeschnallt habe, um zu Fuß hinunter zum Meereis zu gehen, trat ich plötzlich ins Leere. Unter dem Schnee lauerte eine Tropfsteineishöhle, die ich mit meinem Fuß freigelegt habe. Da das Loch zwar klein, aber knapp anderthalb Meter tief war, war ich danach sehr vorsichtig, wenn ich keine Skier anhatte.

Da war es wesentlich leichter, einfach so über das solide Eis zwischen den Inseln zu laufen, zumal hier kaum Schnee auf dem Eis liegt und man gut dahingleitet, ohne tief einzusinken. An einer Stelle habe ich mal versucht, blind fünfzig Schritte geradeaus zu gelaufen und habe gleich eine hübsche Rechtskurve gegangen. Beim zweiten Versuch hatte ich dann eher Linksdrall. Überkompensation nennt man das wohl.

Nach einer netten Pause bei der Stuga meiner Hausnachbarn auf der Insel Bredskär habe ich den Heimweg angetreten. Der wurde aber noch einmal unterbrochen, da gerade ein größeres Schiff „Blue Garnet“ anlegte. Vom Anleger hat man mich sofort mit verscheucht, denn da hatte ich nichts zu suchen, aber da die Schweden ein höfliches Volk sind, hat sich der Mann sogleich mit „Tack“ bedankt, dafür dass ich auch wirklich die paar Meter zurückgegangen bin. Im Hintergrund ist übrigens der Eisbrecher Baus zu sehen.

Heute Abend habe ich mir übrigens eine Pizza geholt und dabei die ersten mit kurzer Hose und kurzem Rock gesehen. Warum auch nicht, es sind ja Plusgrade …