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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Grautöne

Ungemütlich ist es: Selbst tagsüber ist es dämmerig-trübe, da dicke graue Wolken über der Region hängen. Aus denen fällt aber kein klarer, weißer Schnee, sondern kalter Sprühregen auf die nassen, vereisten Straßen. Die Sonne geht zwanzig vor zehn auf und kurz vor halb zwei unter und um drei ist es duster. Nur die tiefen Wolken reflektieren ein bisschen das Licht Skelleftehamns. Nicht mein Wetter.

Am Kallholmsfjärden

Heute vor drei Jahren sah es bei uns so aus:

Kontrast: Genau heute vor drei Jahren

Das gefällt mir deutlich besser, auch wenn man einiges mit dem Schneeräumen zu tun hat. Ich bin gespannt, ob und wann der richtige Winter hier Einzug hält.

Auf dem Meer

Gestern stand ich am kleinen Strand und beäugte misstrauisch das Eis, welches das Meer zwischen dem Strand und der Insel Storgrundet bedeckte. Auf dem nassen Eis konnte man Skooterspuren ausmachen, aber das sagt nicht, dass das Eis auch mich trägt.

Heute das gleiche Bild: Ich, der Strand, die Insel, dazwischen Eis. Und mein misstrauischer Blick. Den Unterschied machte B., der dort seine Stuga hat und der Einzige ist, der mich nicht sofort fragt: „Ska du fiska?“ – Willst Du angeln?

Denn B. weiß, dass ich gerne fotografiere und fragte mich stattdessen, ob ich auf’s Eis wollte. Ich: „ja, aber …“ . Er: „Kein Problem, das Eis ist 20 cm dick, da kann man mit dem Auto drüber fahren.“ Ich (gedacht): „Aber bitte nicht mit meinem!“

B. hat zwei Netze draußen unter dem Eis und war ohnehin mit einem Freund auf dem Weg dorthin, da bin ich gleich mitgekommen. Das Eis war recht klar, denn auch gestern hat es erst dicke Flocken geschneit und dann bei Plusgraden geregnet. Jetzt aber war es schön und leicht frostig.

Auf dem Weg zu den Netzen

Das Eisloch wird vom Eis befreitDas erste Netz wird hochgezogen

Im ersten Netz hatte sich nur eine „simpa“, eine kleine Groppe verfangen. Also weiter zum zweiten Netz.

Zum zweiten Netz

Und dort hatten B. und sein Freund mehr Erfolg. Vier Quappen (schwedisch: Lake) zog er aus dem Wasser.

Eine Quappe im NetzEine Quappe wird aus dem Netz gepult

Ich habe erfahren, dass man aus den Quappen im Winter „Rom“, also Fischrogen gewinnen kann. Die Quappen selbst hat man früher als „Lakesoppa“ in Milch zu Suppe gekocht, doch das ist außer Mode gekommen und viele mögen das nicht mehr.

Ich bin dann weiter über das Eis zu der Insel gegangen. Ich bin manchmal ganz schön zusammengezuckt, wenn das Eis unter meinen Füßen das Eis peitschenähnlich knallte, so stark, dass ich das Beben spüren konnte.

Überall knackste und rumste, krachte und tönte das Eis, denn in der Nacht hatten wir hier sehr hohen Wasserstand und jetzt senkte sich der Meeresspiegel wieder, zusammen mit der Eisschicht. Aus dem gleichen Grund war auch der letzte Meter zur Insel der Schwerste, denn dort ist das Eis aufgebrochen und so schwach, dass man dort schauen muss, wo man seine Füße (und Hände) hinsetzt, um an Land zu kommen.

Die Insel Storgrundet ist schmal und schnell war ich am äußeren Ufer. Dort sah es so aus:

Eisschollen vor Storgrundets Ostufer

Dort ist das Meer noch offen, nur einige Eisschollen schwimmen vor der teilweise überschwemmten Bucht. So ganz entspannt war ich nicht, denn ich wusste ja, dass ich wieder aufs Eis muss. Ich habe mich deswegen schnell wieder auf den Rückweg gemacht und wieder den ersten Meter erfolgreich und dank der hohen Gummistiefel trockenen Fußes überwunden. Die tief stehende Mittagssonne leuchtete orange über das Eis.

Die Sonne scheint über das MeereisAuf dem Eis

Ans Festland zu kommen war hingegen einfach, denn dort ist ja B.’s Bootssteg. Ich liebe es, über’s Eis zu laufen und doch bin ich jedes Mal wieder erleichtert, wieder auf dem Land zu stehen. Nach einem Kaffee bei B. habe ich mich auf den Rückweg gemacht.


Der Heizlüfter im Auto hat den Eispanzer des letzten Eisregens erfolgreich von den Fensterscheiben geschmolzen, so bin ich noch kurz zur Bucht „Kallholmsfjärden“ direkt bei mir um die Ecke gefahren. Diese Bucht, gestern noch komplett offen, war heute vollständig mit dünnem Eis bedeckt. Erstaunlich, wie schnell das manchmal geht. Etwa 5 mm stark war das Eis schon. Wer weiß, vielleicht sitzen dort nächste Woche schon die ersten Eisfischer.

Klares, neues EisDer Kallholmsfjärden ist eisbedeckt

Als ich wieder aus dem Wasser stieg (Merke: Unterwasseraufnahmen ohne viel Licht sehen langweilig aus), kam Nebel auf. Es wurde wärmer, der Nebel dichter, die Dämmerung kam. Und mit ihr erneuter Regen …


Für die Statistik: Wann bin ich das erste Mal über das Eis auf die Insel Storgrundet gelaufen?: 5. Dezember 2010 / 22. Januar 2012 / 5. Januar 2013 / 22. Dezember 2013. Also war ich gar nicht so spät dran dieses Jahr.

Neujahrstag am Strand

Nach einer schönen Silvesterfeier und einem Morgenspaziergang in Norrlångträsk bin ich nicht direkt nach Hause gefahren, sondern habe in Byske noch Halt am Meer gemacht. In Byske gibt es eine große Bucht mit schönem Sandstrand, der im Sommer von vielen Norwegern besucht wird, weil hier oft das Wetter besser ist.

Ich war sehr gespannt, ob schon Eis auf dem Meer ist, aber es war noch komplett offen. Spannend war aber der Grenzbereich zwischen dem schneebedecktem Sandstrand und dem offenen Meer. Hier hat sich eine kleine Abbruchkante gebildet, unter der tausende und abertausende kleine Eiszapfen hingen.

Eiskante am Strand von ByskeEiskante am Strand von Byske

An manchen Stellen war ein Teil der Eiskante abgebrochen und wurde von den flachen Meereswellen umspült.

Meerumspültes Eis von der Abbruchkante

Nun wurde es dunkler und das Licht kälter. Ich stand am und im Wasser und mein rechter Fuss war inzwischen nass. (Notiz an mich selbst: Die Wintergummistiefel sind nicht so hoch wie die Sommergummistiefel.)

Eis schwebt über der OstseeBlick auf Björknäsudden

Ein letztes Motiv habe ich noch fotografiert, ehe ich wieder zum Auto gegangen und nach Hause gefahren bin. Dies ist mein Lieblingsbild 2014 und ich überlege, ob ich am Wochenende noch einmal nach Byske fahre, und dort den ganzen kurzen Tag fotografiere.

Eisskulptur

Kleine Enttäuschung in Byske

En liten besvikelse i Byske På svenska

Trots det dystra vädret åkte jag idag till Byske igen, eftersom jag har varit där på nyår och tyckte så mycket om isen på stranden. Men tyvärr har värme, vind och vågor tagit bort den vackra iskanten och krossade allt till småbitar. Det var så mild att även Byskeälvens mynningen är nästan isfritt återigen.

Och på något sätt hade jag det svårt att hitta någon motiv idag. Ett stort isflak, som balanserade på en liten ispelare såg ganska imponerande ut i naturen, men gör det inte på bilden. Roligare är väl „making of“-foton som jag tog med min iPhone.

Idag är jag lite missnöjd med mina bilder. Anledningen: Jag var inbjuden av en fotograf som jag träffade för några dagar sedan. Han visade sina bilder och dom är på någon helt annan nivå än mina! Jag är mycket glad över bekantskapen, inte bara för att han är sympatisk men också för att vi har planerad att ta någon fototur tillsammans och det blir väl både roligt och lärorik för mig. Och så ligger något bra i mitt missnöje: Den visar, att jag har potential att bli bättre och det är väl något positivt.

Trotz des ewig-trüben Wetters bin ich heute noch einmal nach Byske gefahren, denn dort war ich Neujahr schon und fand das Eis am Strand so schön. Aber leider haben das Wärme, Wind und Wellen der schönen Eiskante den Garaus gemacht und zu kleinen Stückchen zertrümmert.

Zertrümmertes Eis am Strand

Und irgendwie habe ich kaum Motive gefunden. Eine große Eisscholle, die auf einer kleinen Säule ausbalanciert lag, sah zwar in Natura imposant aus, aber das Foto gibt es irgendwie nicht her. Lustiger ist das „Making of“-Foto, welches ich mit dem iPhone geknipst habe.

Balanceakt„Making of“

Es war so mild, dass sogar die Flussmündung des Byskeälven wieder offen war und dort habe ich doch noch ein recht schönes Motiv gefunden.

Flussmündung des Byskeälven

Ich bin heute unzufrieden mit meinen Fotos. Der Grund: Ich wurde von einem Fotografen eingeladen, den ich vor ein paar Tagen kennengelernt habe. Der hat mir seine Fotos gezeigt und das ist einfach mal ein ganz anderes Niveau. Ich bin sehr froh über die Bekanntschaft, nicht nur, weil er nett ist, sondern auch, weil wir uns vorgenommen haben, mal zusammen fotografieren zu gehen und da kann ich bestimmt jede Menge lernen. Und so hat meine Unzufriedenheit etwas Gutes: Sie zeigt, dass ich noch großes Potential zur Verbesserung habe und das ist ja etwas Schönes.

Schneekanonen

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Heute Mittag bin ich nach Hause gefahren. In der Stadt war es wolkig, aber ruhig. Nach 6 Kilometern fiel der erste Schneestaub herunter, nach 10 Kilometern Schneeflocken. Und die letzten Kilometer vor Skelleftehamn ging es richtig ab, es war windig und heftig am Schneien. Sogar der Wetterdienst smhi hat vor 20-30 cm Neuschnee gewarnt.

Näsuddsvägen – fast zu Hause

Das hat es die letzten Male schon einige Male gegeben, dass ein Lake Effect direkt an der Küste für große Schneemengen gesorgt hat, während zehn Kilometer landeinwärts fast nichts herunterkam. Hier wird dieser Effekt „Snökanon“ genannt, wie die Schneekanone, mit der Pisten künstlich beschneit werden. Ich glaube, damit hat irgendein Journalist mal begonnen, denn eigentlich heißt der Effekt „Sjösnö“ (Seeschnee).

Eine kleine Herausforderung war es heute, mit dem Auto auf das Grundstück zu kommen, denn dort lagen bestimmt 30 cm Schnee. Aber mit einem bisschen Schwung ging das gut. Auch die Treppe vor dem Haus war schon gut zugeschneit und neben dem Zaun haben sich Schneewehen gebildet. Vor anderthalb Tagen lag gerade ein Millimeter!

Mit Schwung um die EckeSchneeverwehungen auf der Treppe

Eh es dunkel wurde, bin ich noch zum Strand von Storgrundet gelaufen. Mit dem Auto wäre ich da vermutlich nicht durchgekommen, denn vor allem an der einen Stelle bilden sich oft hohe Schneewehen. Es war etwa -10 °C und heftig windig. Bei guter Kleidung spielt die Kälte keine große Rolle, aber der Wind pfefferte mir den Schnee frontal ins Gesicht und ich bin zum Test mal mit Skibrille gelaufen. Die sperrt zwar den Schnee aus, aber irgendwann beschlägt sie und dann frieren die Wassertröpfchen und irgendwann sieht man nichts mehr.

Die Kamera hat keine Skibrille und zeigt den monochromen Weg zum Strand nicht orange sondern weiß:

Im Schneesturm zum Strand

Am Strand hat man zeitweise gar nichts gesehen, dann wiederum zeigte sich die Insel Storgrundet ein wenig und ich war ziemlich überrascht, dass ein Teil der Meeres zwischen Insel und Festland wieder offen ist.

Am winterlichen StrandOffenes Meer bei Storgrundet

Es schneit weiter, vermutlich das ganze Wochenende und ich nehme an, dass wir hier recht große Mengen bekommen könnten. Bureå, zehn Kilometer weiter südlich, scheint großen Vorsprung zu haben, ein Facebooker schrieb heute Mittag schon von 80 – 100 cm Schnee. Ich muss zugeben, dass ich ein wenig eifersüchtig bin, denn (psst, nicht den Nachbarn verraten) ich will hier auch noch mehr Schnee! Mehr davon! Und vor allem mehr als im Nachbarstädchen!

Wie viel hier runterkommt und wie lange? Wie viel in Bureå? Ich halte Euch auf dem Laufenden, hoffentlich auch mit Bildern. Dafür werde ich vielleicht am Montag frei nehmen, denn am Wochenende probe ich mit dem Chor.

Selbstportrait am „Strand“

Expeditionsbericht

Dieser Artikel ist Teil der achtteiligen Serie Schneekanonen 2014.

Der heftige Wind riss an seiner fellbesetzten Kapuze. Es schneite ohne Unterlass. Schritt für Schritt stapfte er weiter, trotz der Skier immer wieder knietief durch Schneewehen watend. An der exponierten Stelle längs des kleinen Sees nahm der Wind noch zu: 10 m/s Durchschnitt, Böen bis 16 m/s. -12 °C. Er wusste, er konnte nicht ewig hier draußen bleiben. Irgendwann würde er Wärme und Nahrung brauchen. Schlafsack, Kocher und Zelt waren schon lange nicht mehr im Gepäck und er hatte nur noch ein wenig Wasser und einige salzige Hartkekse in seinem Rucksack.

Das drahtlose Telefon – gerade eben noch 80 % Akkuleistung anzeigend – kam mit der Kälte nicht zurecht und hat sich kurze Zeit später ausgeschaltet. Hier draußen war keine Menschenseele unterwegs, nur er allein, kein Kontakt zur Welt. Gebeugten Hauptes, dem eisigen Schnee trotzend, schob er seine mit Stahlkanten umrahmten Skier weiter – mal über blankes Eis, dann wieder durch tiefen Pulverschnee. Schritt für Schritt. Schritt für Schritt. Bald stand er am Meer.

Eigentlich sollte es um diese Zeit schon dicht zugefroren sein und ihn zuverlässig tragen, doch ihm schien, als bewegte sich das Wasser auf und ab, als sei die offene Oberfläche von kleinen Wellen bedeckt. Oder war es nur der Schnee, den der Wind in Schüben über die grau-diffuse Ebene trieb? Die Sicht war schlecht, das Tageslicht war begrenzt und für das Wetter schien keine Besserung in Sicht. Er beschloss, umzukehren, seine alte Spur zurück zu verfolgen.

Die alte Spur war schon längst wieder zugeweht, nur noch in Fragmenten erkennbar, immer wieder im Nichts verschwindend. Doch er kannte den Weg. Er wusste, die Strecke, die er auf dieser Expedition schon zurückgelegt hatte, würde er jetzt noch einmal laufen müssen. Und er musste ankommen, ehe das Essen alle ist, das Wasser gefroren. Auf dem Eis hatten die Skier kaum Halt und im Schnee versanken sie bis zum Grund. War die Expedition richtig geplant? Hätte er nicht lieber zu Hause bleiben sollen?

Er bekam Hunger und beschloss, ihn zu ignorieren. Weiterlaufen. Ganz allein. Schritt für Schritt. Schritt für Schritt. Würde er das Basislager erreichen? Doch schließlich fiel das Gelände ab, er wusste, dass die Hütte nicht mehr weit sein konnte. In langen Schritten glitt er bergab und änderte am Fuße des Hanges seinen Kurs nach Südsüdost.

Dann bog er beim dritten Haus links ein, schnallte die Skier ab, schloss auf und genoss die Wärme, einen gefüllten Kühlschrank, Strom, Internet und Kleidung zum Wechseln. Olaf war von seiner kurzen Skitour zum Meer zu Hause.

Mein Bericht von der heutigen kleinen Skitour mögt Ihr für völlig übertrieben halten und da mögt Ihr recht haben. Doch alle Fakten stimmen. Das nächste Mal schreibe ich wieder ein bisschen neutraler. Das nächste Mal bin ich auch hoffentlich nicht so doof, Kamera und Stativ mitzunehmen, aber die Speicherkarte zu vergessen.

Ein halber Tag frei

Heute habe ich mir einen halben Tag freigenommen. Nach den starken Schneefällen der letzten Tage war ich neugierig, ob in Bureå tatsächlich mehr Schnee liegt. Ein Chorsänger, der dort wohnt, meinte, vor allem auf dem Bureberget (99 m!) läge besonders viel.

Die erste Überraschung kam nach 200 Metern: Die Bucht Killingörviken, auf der ich gestern um 22:00 noch Wellen gesehen habe, war komplett zugefroren und weiß bedeckt. Innerhalb von zehn Stunden! Aber mein Ziel war ja der Bureberget, das ist etwa 20 Kilometer entfernt.

Wie ich schon gedacht habe, war der Weg zur „Berghütte“ nicht gespurt, aber zum einen konnte ich das Auto abstellen, zum anderen hatte ich ja Schneeschuhe dabei. Nach einem Kilometer Weg war ich an der Hütte.

Die Strasse zur BerghütteSchneewehen vor der Hütte

Von dort aus bin ich weiter am Nordhang des Burebergets entlanggelaufen. Da es hier große Felsen gibt, habe ich auch die Schneeschuhe und keine Skier gewählt. Bei jedem Schnitt sank ich bis zur Wade in den fluffigen Schnee oder auch bis ans Knie. Aber manchmal, vor allem neben Felsen und in unsichtbaren Gräben geht es auch tiefer hinein und an einer Stelle steckte ich bis zum Bauch im Schnee – mit Schneeschuhen wohlgemerkt.

Von dem Nordhang hat man einen schönen Blick auf Skelleftehamn, die Inseln und das Meer. Ich war erstaunt: Weite Teile des Meeres waren eisbedeckt, nur am Horizont konnte man noch das Blau des offenen Meeres ausmachen. Und während ich fotografierte, bahnte sich ein großes Schiff, unterstützt von Eisbrecher und Lotsenboot seinen Weg durchs Eis. Fasziniert stand ich lange dort und schaute, wie das Schiff die Bucht, an der ich heute früh vorbeigefahren bin verließ und auf das Meer hinaussteuerte.

Inseln im EisEin großes Schiff bahnt sich den Weg

Schließlich bin ich wieder den Hang hoch gestapft, quer durch den tief verschneiten Wald, meine tiefe Schneeschuh-Tatzenspur hinter mir lassend.

Schneebepackter WinterwaldTiefe Schneeschuhspur

Bald war ich dem Weg nah und nun kam die Sonne heraus. Die Sonne, die ich fast zwei Wochen nicht mehr gesehen habe. Und sie tauchte den Schnee und die Bäume in warmes oranges Licht.

Die Sonne kommt hervorWinterwegmarkierung

Der Sonne entgegen!

So ein halber Urlaubstag bei wundervollstem Winterwetter mit Sonne, -15 °C und Schnee satt öffnet mir wirklich das Herz. Ich war einfach nur glücklich, so viele schöne Eindrücke in so kurzer Zeit geboten zu bekommen. Heute mittag würde ich nach Skellefteå fahren und arbeiten.

Noch an dem kleinen Wald mit hohen Fichten vorbei und dann stand ich am Auto, bürstete Rucksack, Jacke und Hose ab und setzte mich ans Steuer. Bei diesem Wetter ist sogar der Weg von Burvik nach Bureå – einer wie viele – ein Traum!

Die Sonne scheint durch den WaldDie Straße von Burvik nach Bureå

In Bureå scheint ähnlich viel Schnee heruntergekommen zu sein wie bei uns, vielleicht noch ein paar Zentimeter mehr. Aber es war wohl nicht so windig und so konnte sich der Schnee besser setzen, zum Beispiel auf dieses Auto:

Eingeschneites Auto in Bureå

Ich wäre noch gerne hier- und dorthin gefahren, aber es zog mich nach Skelleftehamn, wo ich essen wollte, wovor ich in die Stadt fahren würde.

Gleich geht’s los zur Arbeit. Nur noch ein Foto von der zugefrorenen Bucht Killingörviken. Hier sieht man gut, dass das Eis noch nicht solide ist, sondern aus vielen Eisschollen besteht, die wie ein Puzzle ineinander haken.

neues Eis auf der Lillingörviken

Gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen

Ein ganzer Tag frei

Liebe Blogleser: Kennt Ihr schon den Artikel Ein halber Tag frei? Da fängt diese Geschichte an. Also hier erst weiterlesen, wenn Ihr das andere gelesen habt. Versprochen?


… gleich geht’s aber wirklich los zur Arbeit. Nur noch mal bei der Lotsenstation schauen.

Und ich habe geschaut, noch einmal geschaut und dann bei Hello Future angerufen, um den ganzen Tag frei zu bekommen. Denn es ist ein wunderschöner Anblick, wenn die Ostsee beginnt, zuzufrieren und da es heute gerade so klar und schön war, wollte ich noch den Rest des Tages draußen bleiben. Erst habe ich von Land fotografiert, dann auch vom flachen Wasser aus. Es war aber gar nicht so einfach die Eiskante herunter- und wieder hochzuklettern, denn auch wenn sie nicht an allen Stellen zwei Meter hoch ist, glatt ist sie überall.

Eiskante vor der Halbinsel NäsgrundetMeereiszapfen

Warme Sonne, kaltes Eis. Gåsören am Horiziont

Und so sah ich nach den Fotos aus: Wathose gegen kaltes Ostseewasser, warme Jacke gegen die kalte Luft, und rundum zufrieden. Ich musste zwei Anläufe für dieses Foto machen, denn das Eis war so glatt, dass ich beim ersten Mal hinsetzen mich nicht halten konnte und sitzend langsam wieder herunter zur Kamera schlitterte.

Zufrieden und erfüllt

Danach fuhr ich erst einmal zum ICA, Lebensmittel einkaufen und nach Hause, denn ich hatte seit dem Frühstück weder etwas gegessen oder getrunken und mein Magen knurrte ungehalten. Aber dann bin ich noch einmal losgefahren, zu der gleichen Stelle wieder. Denn das schöne Pfannenkucheneis am Damm zur Halbinsel wollte ich noch ablichten.

Pfannkucheneis

Zwei Bilder möchte ich noch zeigen, dieses Mal nicht Natur, sondern Menschgemachtes: Erst (von der ersten Runde) die Lotsenstation vom Wasser aus und dann (von der zweiten Runde) die Industrieanlagen auf der Halbinsel Rönnskär.

Die Lotsenstation aus NäsgrundetRönnskär am Nachmittag

Na gut, ein Bild habe ich noch. Was macht man, wenn man einen wasserdichten Overall und eine wasserdichte Kamera hat: Fotos nah am Wasser. Wenige sind etwas geworden, denn es war fast zu dunkel für die kleine Kamera, um vernünftig zu fokussieren. Wie ein merkwürdiger Traum war es, auf dem weichen Eis zu liegen, halb im Wasser, und zu sehen, wie der Mond, von Jupiter begleitet, seine Strahlen über die vereiste Ostsee schickt.

Traum

Mein Dank geht an Hello Future, dessen fast grenzenlose Flexibilität mir diesen Tag heute ermöglicht hat. Tack så mycket, E., J. und L.

Heute morgen am Meer

Eisbedeckt bis zur Insel Storgrundet

Nun ist die Ostsee also eisbedeckt und die Stellen, die gestern noch offen waren, sind auch zugefroren. Kein Wunder, denn innerhalb einer Woche ist das Thermometer von +3 °C auf -18 °C gefallen, also drei Grad pro Tag. Dabei ist es hier sogar noch mild im Vergleich: Am Flugplatz wurden -23 °C gemessen, Freunde in Kusfors – 70 Kilometer im Inland – hatten heute Abend -28.4 °C und im Norden Schwedisch Lapplands lagen die Minima vielfach unter -35 °C.

Gleissende Lichter am Horizont

Kurz vor Mitternacht hätte ich natürlich auch ins Bett gehen können. Ich bin eher Frühaufsteher und war schon ziemlich müde. Aber der klare Sternenhimmel und der Vollmond, der klar und hell die verschneite Umgebung beschien, da wollte ich noch mal raus. Nur kurz mit Kamera zum Meer. Warmen Parka anziehen empfiehlt sich aber dennoch, bei -21 °C. Doch als ich zehn Minuten später am Meer stand, war alles bewölkt. Wo kamen die Wolken her? Es war nicht so, dass irgendwoher die Wolken aufziehen, sondern „knips!“ – waren sie da.

Na gut, aber am Meer ist es auch bewölkt schön und der Mond schaffte es auch noch durch die Wolken durch und beschien die von Schnee und Eis ummantelten Felsen.

Wintervollmond am gefrorenen Meer

Danach hätte ich natürlich auch nach Hause fahren können, aber Lichter am Horizont machten mich neugierig. Bohrplattformen haben wir nicht, eine Stadt liegt da auch nicht, also ist es vermutlich ein Schiff. So war es dann auch. Als ich an der Lotsenstation stand und die Landzunge hinausging, um zu fotografieren, traf mich von hinten das Scheinwerferlicht eines anderen Autos. Eine in Neongelb bekleidete Figur lief zum Steg und kurze Zeit später konnte man hören, wie das kleine Lotsenboot sich ruckhaft den Weg durch die vereiste Fahrrinne bahnte. Es war auf dem Weg zu dem Schiff. Bei dem Foto sieht man sehr schön, wie sich bei der kalten Luft sofort Eisnebel über dem offenen Wasser bildet.

Nachtschiff am Horizont

Auch weiter nördlich waren die starken Strahler eines Schiffes zu sehen. Der Strahler war nicht zum Himmel gerichtet, sondern durch die Reflektion des Lichtes an Eisplättchen entstand vermutlich eine sogenannte Lichtsäule. Nun weiß ich also, wo Skelleftehamns Nachtleben stattfindet: Auf dem Meer!

Lichtsäule auf See

Meine Güte, zehn vor drei und das mir! Und ich muss morgen arbeiten. Schnell den Artikel veröffentlichen und dann ins Bett.

Wer das Foto vom Schiff nicht so richtig toll findet, darf mir gerne ein besseres Objektiv schenken. Postadresse steht unter Kontakt ;-)

Weiße Weiten

Die Kälte der letzten 7 Tage – erst um -10°, dann um -15 °C – hat das Meer zufrieren lassen und ein paar Zentimeter Schneefall haben das Eis weiß bedeckt. Stand man vor zwei Wochen am Meer, so sah man Wasser und Wellen; steht man jetzt am Meer, so sieht man eine weiße, weite Fläche bis zum Horizont. Vielleicht eine eingefrorene Eisscholle hier, eine erste Tierspur dort. Und am Horizont die Insel Gåsören, scheinbar zu Fuß schon sicher zu erreichen.

Die Ostsee. Am Horizont die Ostseeinsel Gåsören

Doch es wird noch dauern, bis man sicher über das Eis zur Insel laufen kann. Das sieht man schon daran, dass hier noch keine einzige Skooterspur über das Eis führt.

Tegsnäs 8′

Heute bin ich endlich mal dazu gekommen, die Tegsnässki, die ich vor einem Jahr gekauft habe, auszuprobieren. Diese Holzski sind für Wald und lockeren Schnee gemacht, 7.5 cm breit aber vor allem lang: Zwei Meter vierzig misst mein Modell! Ich brauchte gar nicht so weit zu laufen, bis ich den Wald erreicht habe:

Mein Eingang in den Wald

Anfangs waren noch Fußstapfen und Skooterspuren zu sehen, dann Tierspuren von Hase und Reh. Man konnte immer wieder Stellen sehen, wo die Rehe mit den Hufen nach Futter gescharrt haben, doch die wurden, ebenso wie die Spuren, bald weniger. Finden die Wildtiere vielleicht mehr Futter nahe der Zivilisation als mitten im Wald? Der Winter kann hier eine harte Zeit für die Tiere im Wald sein und wenn er lang ist, treibt der Hunger die Rehe auch in die Wohnstraßen. Ich brauchte mir um Futter keine Sorgen zu machen, schwieriger war es hingegen, sich mit den langen Skiern einen Weg durch den dichten Wald zu bahnen. Ich fürchte, ein paar Zweige mussten heute dran glauben, als ich mich durch irgendwelche Lücken gequetscht habe.

Große verschneite KiefernMitten im verschneiten WaldHier haben Rehe nach Futter gesuchtHier habe ich einen Weg gesucht

Bald stand ich am See Snesviken, den ich dann mit den Skiern überquert habe. Inzwischen klarte es langsam auf und die Sonne schien warm durch die Wolken. Ich hatte gleichzeitig blauen Himmel über mir und Schneefall. Und das ist vielleicht mein Lieblingswetter: Schnee aus klarem Himmel, der von der orangefarbenen Sonne goldfunkelnd beschienen wird. Und so stand ich am Ufer, schaute zurück auf meine Spur und freute mich.

Genau am richtigen Platz: Hütte zum Objektiv wechselnAber ich hatte ein Luxusproblem, ein fotografisches Luxusproblem: Das würde ja viel schöner aussehen, wenn ich das mit dem Tele fotografiere, aber bei Schneefall wechsele ich keine Objektive. Fünf Schritte schob ich meine Skier an Land, da sah ich sie: Die freistehende Fotografen-Objektivwechsel-Hütte! So konnte ich mein Foto machen, ehe ich wieder auf mein „Immer-Drauf“-Weitwinkel gewechselt habe.

Schnee und Sonne über dem Snesviken

Weiter bin ich durch den Wald gelaufen, das Gestrüpp wurde immer dichter und der Weg schwieriger. Dabei hätte ich die Ski gar nicht gebraucht, denn der Schnee ist innerhalb einer Woche von ca. 70cm auf handliche 30cm zusammengesackt. Doch bald stand ich dort, wo ich hinwollte: Am Meer!

Die Ostsee, unendliche Weiten. Und zugefroren bis zum Horizont. Ob ich es wagen soll, über das Eis …? Nein, lieber nicht. Doch links läuft jemand mit Skiern übers Eis, rechts gehen zwei zu Fuß zu ihrer Stuga auf die Insel, dann wird das Eis auch meine Monsterski halten. Und so bin ich ein kleines Stück das Meer hinaus gelaufen, ein kleines Stück Außenkante der Insel Storgrundet, und dann über die Insel, um dann den Heimweg anzutreten.

Auf das Meer hinausStuga auf der Insel Storgrundet

Nach Hause? Warum? Es ist doch noch nicht einmal zwölf! Doch ich habe einen entscheidenden Fehler bei dieser Tour gemacht: Keine Schokolade! Auf das komische Maisbrot, was ich auf die Schnelle eingepackt habe, hatte ich keine Lust, denn bei Skitouren bin ich wie eine Wespe im August: Ausschließlich auf Süßes fixiert! Und so war ich, wie die Rehe vor ein paar Jahren, selbst auf Futtersuche und bin nach Hause gelaufen. Bei ICA habe ich erst einmal Kekse und Schokolade gekauft. Kekse für sofort und Schokolade für die nächste Skitour.

Etwas ganz besonderes hatte diese Tour: Ich war nie als weiter von zu Hause weg als 1500 Meter Luftlinie! Und das erste Foto ist gerade mal 300 Meter von meinem Haus entfernt. Es gefällt mir immer besser, so naturnah zu wohnen und auch wenn ich mir vorstellen könnte, nah am Fjäll zu wohnen, so liebe ich es doch, hier die Ostsee vor der Tür zu haben.


Langsam fällt das Thermometer. -15 °C hatte es heute morgen, -17 °C heute mittag und -19 °C um vier. Ich bin noch einmal mit dem Auto losgefahren, dieses Mal zum Strand Harrbäckssand in Ursviken. Mir war ein bisschen fröstlig, denn bei Skitouren habe ich immer wenig an, damit ich nicht schwitze. Mache ich aber viele Fotos, so rächt sich das ein bisschen. Nun war ich zum Fotografieren draußen und habe mich angezogen, als wären es -40 °C: Daunenhose, Canada-Goose-Daunenparka und über die dicken Fingerhandschuhe noch Daunenfäustel. Das heizt! A popros -40 °C: Diese Temperaturen hat es jetzt ganz im Norden Schwedens und der Zug nach Narvik fährt heute nur bis Kiruna, der Kälte wegen. Eine schöne Gelegenheit für das Aftonbladet, eine reißerische Schlagzeile aufs Titelblatt zu platzieren: „Snökaos & Extremkyla“ – Schneechaos und Extremkälte. Während die ganz normale alljährliche „Extremkälte“ den hohen Norden trifft, wird der Schnee in Südschweden erwartet und dort bedeutet Schnee leicht einmal Chaos, ähnlich wie in Deutschland.

Ein Foto noch von Harrbäckssand heute nachmittag:

Wer schaukelt mit mir?

Packeisküste

Canada Goose – ein Traum für Winterfotografen

Wenn ich mir das Photo anschaue, dann könnte ich auch behaupten, ich hätte gerade zu Fuss Grönland durchquert. Ihr könntet entgegnen, dass könne ja jeder sagen, es sei ja noch nicht einmal sicher, ob ich überhaupt in der Jacke drinstecke. Darauf hätte ich nichts zu entgegnen, also bleibe ich lieber bei der Wahrheit.

-26 °C im GartenEigentlich sollte es das ganze Wochenende bewölkt sein, aber das Wetter hat sich nicht an die Prognose gehalten und es war schön und klar. Und wenn es klar ist, kann es kalt werden. -26 °C zeigte das Thermometer heute morgen am Haus und das war für mich das Zeichen, nicht nur zum Fotografieren hinauszufahren, sondern mich auch warm anzuziehen. Denn im liebe zwar Winter und Kälte, bin aber im Grunde ein Weichei und habe es gerne warm. Das Bild oben ist also nicht in Grönland, sondern bei Långhällan an der Ostsee entstanden. Kalt war es aber auch.

Wie man auf dem Bild sieht, liegt vor Långhällan kein glattes Eis, sondern zusammengefrorenes Treibeis, welches fahl von den Dämmerungsfarben angestrahlt wird. Zwei Stunden stand ich bestimmt da, schaute und mache Photos, aber am Schönsten war es, als die Sonne herauskam und anfing, immer größere Teile der eisummantelten Küste und des Packeises zu bestrahlen.

Packeis vor LånghällanBald geht die Sonne aufSonnenaufgangNun ist das Eis sonnenbestrahlt

Einen kleinen Schwenk mit dem Auto habe ich noch gemacht. Am schönsten fand ich die Sicht von der Brücke über den Bureälven, aber auch den Zaun um den Flugplatz fand ich sehenswert, obwohl ich Stacheldraht fürchterlich finde. Nach Mittagstemperaturen um -22 °C fiel das Thermometer wieder, aktuell (15:30) liegt es bei -25 °C.

Brücke über den Bureälven bei Östra Falmark

Flugplatzzaun

Nachtrag

Jetzt ist es 0:00, der Sonntag ist vorbei und mit Temperaturen zwischen etwa -22 °C und -26 °C ist er der kälteste Tag der Saison und der erste, dessen Maximum unter -20 °C lag. Auf der Seite Temperaturen 2013/14 kann man ganz gut sehen, wie die Temperaturen innerhalb von elf Tagen um etwa 30 °C sanken.

Wenn Ihr denkt, das sei kalt: In Karesuando und anderen Orten an der Nordspitze Schwedens lagen die heutigen Temperaturen den ganzen Tag unter -35 °C und teilweise unter -40 °C. Das ist dann wirklich kalt und sieht auch dementsprechend aus.

Raureif 70-200mm

Zwei Gründe gab es, heute vor der Arbeit, und dann noch einmal mittags zum Fotografieren draußen zu sein: Zum einen der herrliche Raureif, der sich vor allem um die filigranen Zweige der Birken gelegt hat, zum anderen ist gestern mein neues Nikon-Teleobjektiv gekommen, welches ich natürlich sofort ausprobieren wollte.

Vermutlich werde ich bald irrsinnig starke Handgelenke vom Halten haben, denn alleine das Objektiv wiegt anderthalb Kilo. Ich muss mich jetzt daran gewöhnen, das Tele und nicht die Kamera am Stativkopf zu befestigen, denn sonst nickt die Kamera vorne über.

Aber genug vom Fotografieren, hier kommen drei Bilder von heute morgen in Skelleftehamn und Ursviken:

Raureif ummantelt die Birken am MeerGåsören dunstig und eisumschlossen

Der Kanuverein an der „Kanubucht“ in Ursviken

Nach der Mittagspause war ich noch am Fluss. Die Sonne bestrahlte den eisbedeckten Fluss, der fürchterlich knarkste und krachte, und die beraureiften Baumreihen.

Zwei Flosse vor Skellefteås Flussinseln Ytterholmen und Karl Fredriksholmen

Wenn es trocken und kalt ist, dann rieselt oft feinster Eisstaub aus dem Nichts. Normalerweise würde man den gar nicht sehen, wenn das Eis nicht so in der Sonne glitzern würde. In Richtung Sonne bildet sich dann oft eine Lichtsäule, die durch die Reflektionen der horizontal schwebenden Eisplättchen entsteht. Schwer zu fotografieren, da die Lichtsäule immer genau in Richtung Sonne steht, aber auf dem folgenden Bild sieht man es zumindest ein bisschen im Detail, auch wenn das goldene Glitzern fehlt.

Auf dem Bild mit Floß und Flussinseln kann man nicht nur die Lichtsäule, sondern auch am rechten Bildrand einen schwachen regenbogenfarbigen Streifen sehen. Das ist keine Reflexion im Objektiv, sondern diesen farbigen Streifen konnte man auch in Natura sehen.

Feiner Eisstaub reflektiert die Sonnenstrahlen und bildet eine Lichtsäule

Winterspaziergang vor der Arbeit

Morgenstimmung am Meer

Vor SonnenaufgangDass ich heute morgen kurz zur Küste gefahren bin, weil das Wetter so schön ist, war freiwillig. Aber es lockt mich jedes Mal wieder, auf den Horizont zu blicken. Darüber ein Himmel in allen Sonnenaufgangsfarben mit rosa Wölkchen und Lichtsäule, darunter das kalt bläulich schimmernde schnee- und eisbedeckte Meer.

Unfreiwillig hingegen war der zweite Spaziergang. Er führte von der Autowerkstatt nach Hause. Dort hat man sich heute des Kofferraumschlosses angenommen, welches sich vor kurzem verabschiedet hat. Aber ich hatte meine Kamera dabei und bin ein paar mal stehengeblieben um zu fotografieren. Eigentlich ganz normale Dinge, die ich hier jeden Tag sehe: Schnee und Eis, kahle Bäume, rote Häuser und dies und das in Skelleftehamn.

Haus an der Bucht KurjovikenHäuser auf der Halbinsel KallholmenWolkenschleier über dem alten WasserturmBahnschienen und Stromleitungen führen nach Rönnskär

Und noch zwei Fotos, das erste auch vom Spaziergang mit dem neuen Tele geschossen (das muss ich ja ausprobieren), das andere mit dem Makro im Wintergarten fotografiert. Eisblumen abstrakt.

Raureif bedeckt die Äste der RoseEisblumen am Wintergartenfenster

Übers Meer, Eisfedern und Feuerfest

Heute morgen habe ich es ein bisschen ruhiger angehen lassen, denn die Woche war sehr voll. Um zehn bin ich aber doch zum Bootshafen „Tjuvkistan“ gefahren, nachdem der Nachbar mir eine Nachricht geschickt hat, dass das Meereis trägt. Ich bin dann mit Skier und Pulka zur Insel Bredskär gelaufen. Die Pulka müsste eigentlich nicht sein, aber ich ziehe Kamera, Proviant und Daunenjacke lieber hinter mir her, als dass ich sie auf dem Rücken trage.

Tierspur irgendwo auf dem MeerMeine Pulkaspur hinter der Insel Bredskär

Obwohl die Temperaturen von nachts -21 °C auf -11 °C angestiegen war, habe ich mich über die mitgenommene Daunenjacke sehr gefreut, denn ich kam an einigen Eisflächen vorbei und auf manchen hatte sich federartiger Raureif gebildet …

Ein „Eisfederwald“ auf dem Eis

… und die nächste halbe Stunde habe ich dann auf dem Eis gelegen und Eisfedern fotografiert.

EisfedernEisfedernGespiegeltGespiegelt

Gespiegelt

Ich bin dann um die Insel Bredskär herumgelaufen. Das war teilweise ein bisschen mühsam, weil kaum Schnee auf dem buckeligen Eis lag und sowohl meine Skier als auch die Pulka ihre eigenen Ideen hatten, wo es wohl langgehen sollte. Aber bald war ich wieder auf dem Meer und kurz darauf wieder zu Hause.

Um drei haben mich J. und T. von unserem Verein „Mörkrets och kylans glada vänner“ abgeholt, weil wir auf dem „Feuerfest“ in der alten Kirchenstadt Luleås Winterbaden vorzeigen sollten. Heute nacht habe ich geglaubt, dass das ein frostiges Vergnügen werden würde, da waren es nämlich in Luleå -29 °C. Doch heute um halb sechs, als J. über das Winterbaden erzählte und T. und ich in das kalte Wasser gestiegen sind, war es mit -10 °C geradezu lau.

Wir alle ziehen es vor, in einem gesägten Eisloch im See, im Fluß oder im Meer zu baden, als wie in Luleå in eine mit Eiswasser gefüllte Badetonne zu steigen, während das Publikum teilweise neugierig, teilweise kopfschüttelnd unserem Treiben zuschaut. Aber lustig war es trotzdem. Und wir haben sogar eine kleine Gage bekommen, die nicht nur die Reisekosten deckte (Luleå ist anderthalb Autostunden entfernt), sondern auch noch ein paar Kronen in die immer maue Vereinskasse spült.

Noch ist es leer auf dem EldfestAuch am offenen Feuer steht noch keiner

Doch zur „Feuershow“ sind viele Familien gekommen

Schneehasenjagd

Heute Nacht sind fünf Zentimeter Schnee gefallen. Wenig genug, um sich keinen Weg vom Haus zur Straße schaufeln zu müssen, aber viel genug, um alles rund und weich mit weißem Neuschnee zu überdecken und so nebenbei auch die vielen hundert Pissmarken der Hunde wieder zu verbergen.

Das wäre ein schöner Tag zum Skilaufen, denke ich und entscheide mich dagegen. Denn diese Woche war mit so vielen Aktivitäten angefüllt, dass ich es heute ruhig angehen lassen möchte. Aber kurz zum Fotografieren wollte ich doch raus. Ich bin mit dem Auto (dekadent) über den verschneiten Weg zum Strand gefahren und von dort aus über das Eis zur Insel Storgrundet gelaufen. Das war ein bisschen seltsam, denn das Licht war so diffus, dass das Auge keinen Halt auf der konturlosen Neuschneefläche fand und man nicht sehen konnte, ob der nächste Schritt auf- oder abwärts geht.

Die schmale Insel ist schnell durchquert und dann hatte ich freie Sicht auf die Ostsee. Ein bisschen kam die Sonne heraus, gerade genug, um das feine Wellenmuster der das Ostseeeis bedeckenden Schneedecke sichtbar zu machen.

Wellenmuster auf der Ostsee

An den dem offenen Meer ausgerichteten Ostufern der Inseln haben sich oft Eiswälle gebildet. Sie sind zwar keine fünf Meter hoch wie vor drei Jahren, aber dennoch immer wieder beeindruckend in ihrem Kontrast zwischen den harschen Figuren des Eises und den weichen Formen des Schnees.

Eiskante vor der Insel Brottören

Mein Plan war eigentlich, ein bisschen herumzuschauen, ein bisschen zu Fotografieren, alles ganz in Ruhe. Doch dann änderte ein flüchtender Schneehase meine Pläne: Gerade noch konnte ich das Tele hochreißen, welches aber leider gerade im Selbstauslösermodus war. So erwischte ich den Hasen nur weit weg und von hinten. Weg war er! Seine Spuren hingegen konnte man in dem Neuschnee ganz prima sehen. Einige Kilometer bin ich den Spuren gefolgt. Über die Insel Brottören, über das Meereis, zur Insel Storgrundet, durch den knietiefen Schnee, durch Gestrüpp, welches für kleine Hasen besser zu durchqueren war als für große Fotografen. Ich habe gelernt, dass Schneehasen in ihrer eigenen Spur zurücklaufen, um den Vorfolger (mich) zu verwirren und auch einmal einen zwei Meter langen Sprung dazwischensetzen. Immer weiter habe ich mich der Küste genähert und fast habe ich erwartet, dass der Hase neben meinem Auto sitzt und ruft „Wo bleibst Du denn so lange?“. Aber im Wald auf Storgrundet waren plötzlich mehrere Spuren zu sehen und das war das Zeichen für mich, dass heute nicht der Tag für ein Schneehasenportrait sein wird.

Also zeige ich hier nur das erste Foto: Schneehase, klein, von hinten. Ausschnittsvergrößerung.

Schneehase, klein, von hinten

Hailuoto

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Journalistenreise mit Boundless Bothnian Bay.

Samstag bis Montag hat „Boundless Bothnian Bay“, ein Projekt, welches die Küstenregion Nordschwedens und Nordfinnland stärken soll, eine Journalistenreise veranstaltet. Zehn Journalisten aus verschiedenen Ländern waren eingeladen, an dieser Reise teilzunehmen und ich war der offizielle Fotograf. So kam ich nicht nur zu einer erlebnisreichen Kurzreise, sondern auch zu meinem ersten bezahlten Fotografenjob.

Oulu: Skulpturen am RathausOulu: finnische Spezialitäten in der Markthalle

Einfach ein FahrradMontag morgen: heute stand eine Fahrradtour auf dem Programm. Oulu, die größte Stadt in Finnlands Norden, hat über 600 Kilometer Radweg und es ist völlig normal, auch im Winter Fahrrad zu fahren. Ob als Student zur Uni oder auch von Meeting zu Meeting. Eine kleine Gruppe von uns ist mit einem Fahrradguide und einer Stadtführerin dann vom Hotel zur Innenstadt geradelt. Man schaue sich das Rad des Fahrradguides an: Keine Handbremse, keine Gangschaltung, einfach ein Fahrrad. Das wäre in Deutschland vermutlich unvorstellbar. Es ist schön, eine Stadt mit dem Fahrrad zu erkunden. Man ist viel näher dran und es ist viel einfacher, kurz anzuhalten und sich umzuschauen als bei einer Stadtrundfahrt mit Bus. Leider hatten wir aber wenig Zeit, denn unser heutiger Plan galt der Insel Hailuoto, einer ganzjährig bewohnten Insel, die über eine kostenlose Fähre an das allgemeine Straßennetz angebunden ist.

Da ich aber eine dicke Kamera in der Hand hatte und Fotos machen sollte, durfte ich mit einigen anderen das Luftkissenboot der Küstenwache benutzten, um zur Insel herüberzuhovern. Das geht um einiges schneller als die Fähre und es war spannend, mal in so einem Fahrzeug drinzusitzen. Bloß mit den Fotos – auch an diesem Tag war es grau und trüb und dementsprechend sehen die Fotos aus.

Das Luftkissenfahrzeug der Küstenwache

Auf dem Weg nach HailuotoDer Antrieb: ein großer PropellerVor uns die AutofähreAngelegt

Großer Reichtum ist mir nicht sonderlich wichtig. Aber sollte mir ein Blogleser mal ein paar Millionen schenken, dann könnte ich mir vorstellen, ein Luftkissenfahrzeug zu kaufen. Ein verlockender Gedanke, das ganze Jahr auf der Ostsee unterwegs sein zu können, unabhängig von der Eislage. Aber verlassen wir meine etwas dekadenten Gedanken und kehren zur Insel Hailuoto zurück, wo bald auch unser Reisebus mit der Autofähre ankam.

Die erste Aktivität: Eisfischen. Davor gab es Suppe und natürlich Kaffee. Dann ging es mit Sampo, dem Eisfischer aufs Eis hinaus zu seinen unter dem Eis hängenden Netzen.

KaffeepauseSampo auf dem Weg zum Fisch

Sampo ist ein geborener Entertainer. Er strahlt in die Kamera, verbreitet direkt gute Laune und ist sich nicht zu schade, sein inniges Verhältnis zum Fisch auf seine eigene Weise zu präsentieren.

Sampo Marjaniemi

Viele Fische sind ins Netz gegangenFischen hinter dem selbstgebauten WindschutzEin Teil des heutigen Fanges

Fischkuss

Dann ging es weiter nach Marjaniemi, einem kleinen Fischerstädtchen, welches bestimmt fotogener wäre, hätte man nicht auf die Mole drei dicke Windräder gebaut und den Radarturm direkt neben den Leuchtturm. Wenn dann zudem noch der Schnee schmilzt, kann der Ort ganz schön trübe aussehen aber immerhin kam – irgendwo draußen am Horizont – ein bisschen die Sonne heraus und zauberte zum ersten Mal auf der ganzen Reise ein kleines bisschen Farbe an den grauen Himmel.

MarjaniemiMarjaniemiEine Außentoilette?Ein Hauch von Sonnenlicht

Weiter draußen auf dem Ostseeeis konnte man Eiswälle sehen, die ich liebend gerne fotografiert hätte, aber wir hatten nur eine halbe Stunde, denn die Autofähre wartet nicht auf uns.

Ich habe wieder nicht die Fähre genommen, sondern bin mit dem Auto mitgenommen worden. Denn wenn das Eis 40 cm beträgt, wird eine Straße auf dem Ostseeeis markiert. Mit Verkehrsschildern und allem. Man tut gut daran, sich an die Tempolimits zu halten, denn auch an der Eisstraße gibt es Radarkontrollen. Diese Fahrt war ganz schön hoppelig, denn das Tauwetter hat das Eis weich werden lassen. Und wir sind durch so manche Riesenpfütze gerollt, die letzte so groß, dass die Bugwelle kübelweise Wasser auf die Windschutzscheibe geworfen hat.

Die Eisstraße nach HailuotoEisstrasse im Gegenlicht

Wir haben noch einen Abstecher nach Liminka gemacht, wo sich ein großes Vogelschutzgebiet mit einem Beobachtungsturm und einem sehr schönen Museum befindet und sind dann wieder nach Oulu gefahren. Nach einer kurzen Pause gab es noch ein abschließendes Dinner. Während die meisten danach noch in eine Bar weitergezogen sind, hat mein Hotelbett laut nach mir gerufen und eine Taxifahrt später war ich im Hotel und bald auch schon am Schlafen.

Am Folgetag sind die meisten Journalisten zurück in ihre Heimatländer geflogen, während wir aus Skellefteå mit dem Bus zurückgereist sind.

Fazit: Eine schöne intensive Reise mit netten Leuten und fürchterlichem Fotowetter. Ein, zwei Programmpunkte weniger hätten der Reise aber ganz gut getan. Ein, zwei Nachtische weniger hätten meinem Bauch aber ganz gut getan, aber das Essen war einfach zu lecker.

Kurz vor dem Urlaub

Dass der Winter dieses Jahr nicht in Gang kommt, hatte ich schon geschrieben. Aber heute hatten wir tatsächlich wieder ein paar Minusgerade und sogar etwas wie Wolkenlücken, wenn man ganz genau hinschaute. Deswegen bin ich vor der Arbeit kurz ans Meer gefahren, mit Kamera und Stativ.

Zu meiner Überraschung war das Meer wieder offen, nur die geschützten Buchten waren noch eisbedeckt und an der Küstenlinie drifteten einige Eisschollen.

Eisschollen auf der OstseeOffenes Meer

Eiswall an Skelleftehamns Küste

Ich habe kurz überlegt, spontan frei zu nehmen und Kajak zu fahren, aber dafür war die Zeit zu knapp, denn ich nehme heute und morgen am Kongress „Attraktionskraft Skellefteå“ teil. Und da – jetzt am Nachmittag – sitze ich gerade. Das Kajak muss also noch ein bisschen warten, dann ab morgen habe ich Urlaub.

Mal schauen, ob ich wegfahren kann …

Journalistenreise
Fotos sortieren und bearbeiten
Proben und Aufführungen „Gömda men inte glömda“
Meetings mit Kammerchor und Dark & Cold
Vortrag bei „Attraktionskraft Skellefteå“ vorbereiten
Vortrag halten

Na gut, den halte ich erst morgen. Aber direkt danach beginnt mein Urlaub und ich steige ins gepackte Auto und fahre nach Abisko. Dort hoffe ich auf klaren Himmel, Dauerfrost, viel Schnee und Polarlicht.

Das Eis bricht

Ein ganzer Tag mit blauem Himmel ist nach den letzten trüben Wochen ein wirklicher Luxus. Die Sonne scheint und es ist recht warm. Der stürmische Wind der letzten Nacht hat große Teile des Meereises aufgebrochen und meerwärts getrieben, nun sind es wirklich nur noch einige geschützte Bereiche, auf denen noch Eis liegt. Das hat schon etwas von Frühling. Der aufweichende Lehmboden, in dem ich stehe, als ich letzten Eisschollen auf dem Kallholmsfjärden fotografiere allerdings auch.

Am Rand sitzen noch einige Eisschollen fest, doch die Bucht ist fast eisfreiDer Lehmboden weicht auf

Auf der Westseite des Dammes zur Lotsenstation liegt noch Eis

Der gleiche Wind, der das Meer eisfrei macht, verhindert allerdings auch, dass ich meine erste Kajaktour machen kann – es sei denn, ich wollte von dem immer noch stürmischen Westwind nach Finnland geblasen werden. Also habe ich geschaut, wie es auf dem geschützten Meerteil hinter der Insel Storgrundet aussieht. Dort bin ich letzten Sonntag noch mit Gästen über das Eis zur Insel gelaufen. Inzwischen sieht das Eis allerdings auch dort immer löcheriger aus und ohne den Rat von Einheimischen würde ich es nicht mehr betreten …

Eis und offenes Wasser vor Storgrundet

… es sei denn, ich bin wasserdicht angezogen.

Ich habe mir meinen knatschroten Neoprenoverall übergezogen und habe vom Eis und vom Wasser aus ein paar Aufnahmen mit der wasserdichten Kamera gemacht. Wenn der Kopf über und die Kamera unter Wasser ist, sieht man allerdings auf dem Display nur noch Spiegelungen und das Fotografieren gerät zur Glückssache. Aber es macht schon Spaß, ein bisschen im Eiswasser zu paddeln, trocken zu bleiben und ein paar nette Fotos sind auch dabei entstanden.

Eis unter WasserEis unter Wasser

Sonne, Himmel, Welle, Wasser, Eis, Meeresgrund: ganz schön viel für ein Photo