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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Eisfreier Kallholmsfjärden

Seit gestern ist der Kallholmsfjärden eisfrei, wenn man von ein paar kleinen unmotiviert dahindümpelnden Eisschollen absieht. Letztes Jahr hingegen saßen noch am 21. April Eisfischer auf dem ufernahen Eis, also noch 40 Tage später als dieses Jahr.

Allerdings müssen sich alle, die auf einer der Inseln ihre Stuga haben, noch ein bisschen gedulden, bis sie das Boot nehmen können, denn die Hafenbecken aller kleinen Bootshäfen Skelleffehamns sind noch eisbedeckt, so zum Beispiel Tjuvkistan.

Der Kallholmsfjärden ist fast eisfreiDas Hafenbecken von Tjuvkistan ist noch eisbedeckt

Auch ich muss sehen, wo ich das Kajak einsetzen kann, wenn ich am Wochenende paddeln möchte. Der nahe kleine Hafen Killingören ist noch zugefroren, ebenso das Meer bei Storgrundet, auch wenn es schon große Löcher aufweist. Der Skooterfahrer, den ich dort zur Sonnenuntergangszeit getroffen habe, ist optimistisch. Auf meine Frage „Håller isen?“ – hält das Eis? kam nur ein „Jag hoppas det!“ – Ich hoffe es! zurück. Während ich die Wathose ausgezogen und Kamera und Stativ verstaut habe, konnte ich noch das Knattern des Skootermotors hören, bis der Fahrer auf der Insel ankam.

Schwaches Eis bei Storgrundet

Am Strand von StorgrundetSkooterfahrt zur Insel

Steife Brise auf dem Meer

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Das Wetter war ein bisschen eigenartig: Blauer Himmel und Sonne und ein paar Plusgrade, aber sehr windig. Nicht umsonst hat der Wetterdienst vor Windböen bis 21 m/s gewarnt – das ist Windstärke 9: Sturm. Also habe ich meine Arbeit kurz unterbrochen, um an der Lotsenstation Wellen zu fotografieren, auch wenn die bei Westwind wahrscheinlich nicht sehr eindrucksvoll sind.

Gischt und Eisstücke fliegen durch die LuftDa stehe ich dann auf der kleinen Pier und versuche Gischt zu fotografieren. Erst zu Hause werde ich sehen, dass der Wind nicht nur Wasser, sondern auch Eisstückchen durch die Luft bläst. Da kommt ein Mann mit dem Auto angefahren, sieht mich und beginnt mir sofort, Zeichen zu geben und zu gestikulieren.

Mein erster Gedanke ist, dass er mich von der Pier scheuchen will, weil das (a) streng verboten, (b) seiner Meinung nach total gefährlich ist. Der zweite Gedanke: Erst mal fragen, worum es geht. Ja hej, sagt der Mann, ich wäre wohl am Fotografieren interessiert. Ob ich nicht mit dem Lotsenboot mitfahren wollte, welches gleich anlegt. Er arbeitet als Lotse, hat aber gerade frei.

Mein erster Gedanke ist, ich muss doch arbeiten. Der zweite Gedanke: Das kann ich auch später am Tag. Also habe ich ja gesagt. Der Lotse macht kurz alles klar und in einer halben Stunde, wenn das Lotsenboot Pilot 761 ablegt, darf ich mitfahren.

Ich bin kurz nach Hause gefahren, habe bei der Arbeit Bescheid gesagt, kurz was gegessen und getrunken und war zwanzig Minuten später wieder an der Pier. Die Pilot 761 nicht. Überall auf dem Wasser suche ich das kleine knallrote Schiff. Das kann sich doch nicht in Luft aufgelöst haben. Doch die Pilot 761 ist verschwunden und ich mache noch ein paar weitere Gischtfotos.

Da kommt aus der letzten Ecke der Bucht ein kleiner roter Fleck, kommt näher und näher und landet tatsächlich an der Pier an, um mich mit an Bord zu nehmen, wo ich auf einem der drei vorderen Plätze sitzen darf. Und los geht die Fahrt. Bald liegt Gåsören backbord voraus.

Auf der Bucht KallholmsfjärdenGåsören backbord

Ich bin verwundert, wie ruhig die Fahrt doch trotz der Sturmböen ist, aber der Wind liegt uns im Rücken und das Schiff rollt nur ein bisschen nach links und rechts.

Schräglage nach links …… und nach rechts

Das ändert sich, als wir auf offener See auf das Schiff Sunnanhav warten. Es liegt noch an der Kai Rönnskärs und wird drei Lotsen mit an Bord nehmen. Diese sollen wir dann vom Schiff abholen und wieder zurückbringen. Wir wenden und kaum fahren wir gegen den Wind, beginnt das Schiff zu stampfen und große Ladungen Ostseewasser werden gegen die Frontscheiben geschleudert.

nordwärts – das gefällt mir ;-)Gischt und Seewasser prasseln

Kurze Zeit später kommt die Sunnanhav in Sicht, die wir direkt ansteuern. Das Beidrehen, Anlegen und Lotsen an Bord nehmen geht so schnell, dass ich kaum dazu komme, das Schiff zu fotografieren.

Hinter der Gischt: Die SunnanhavDrei Lotsen wollen an Bord

Jetzt fahren wir wieder zurück in die Bucht nach Skelleftehamn. Ich finde es extrem schwierig, die Bewegung und die Gischt in ein stilles Foto einzufangen und habe deswegen ein kleines Video mit dem iPhone gemacht:

Eher zufällig habe ich direkt hintereinander zwei sehr unterschiedliche Fotos gemacht, die ich beide sehr mag, auch wenn vor allem das zweite technisch ziemlich daneben ist.

Gischt auf der FensterscheibeGåsören-Traumland

Wir steuern erst den Hafen Rönnskärs an, wo ein Lotse von Bord geht. Direkt vor uns liegt die norwegische Rystraum. Einmal schnell über die Bucht und die beiden anderen Lotsen und ich springen von Bord.

Vor uns die norwegische RystraumWieder an Land

Heute habe ich zu Hause gearbeitet. Das war zumindest der Plan. Pläne darf man ändern und nun muss ich bloß am Sonntag ein bisschen nacharbeiten. Aber das war es wert.

Wie kommt man rüber?

Wile E. Coyote hätte viele Tricks gehabt, um vom Festland zur Insel Storgrundet zu kommen: Mit dem Katapult oder mit mit Stelzen durchs Wasser, mit Bettfedern unter den Füßen springend oder schwebend mit einem selbst aufgeblasenen Luftballon in der Hand. Und höchstwahrscheinlich wäre alles schief gelaufen: Die Stelzen wären im Schlamm versunken und den Luftballon hätte eine Möwe kaputtgepiekst.

Da stehe ich also am Ufer, schaue zur Insel herüber und geniesse die Sonne. Letzte Nacht sind zwei Zentimeter Schnee gefallen und es blieb den ganzen Tag unter null – das erste Mal wieder seit über einem Monat. Und natürlich mache ich Fotos.

Niedrigwasser bei StorgrundetHalboffenes Meer

Der Wasserstand ist sehr niedrig. Überall schauen Felsen und Steine heraus und man hat fast den Eindruck, man könne zur Insel herüberwaten. Das ist aber falsch gedacht, denn nicht überall ist es so flach wie die ersten zwanzig Meter und zwischen den Steinen ist der Grund ziemlich schlammig.

Das Boot? Das liegt auf dem Eis, denn nicht überall ist das Meer offen und noch kommt man nicht zur der Insel, zumindest nicht von hier aus.

Weiter rechts ist aber die Ostsee eisbedeckt und dort sind auch einige zur Insel unterwegs. Einige mit dem Skooter, dem Lieblingsgefährt vieler Schweden.

Das Boot liegt noch auf dem EisMit dem Skooter zur Insel

Und wenn ich von Skooter rede, dann meine ich natürlich den Schneeskooter und keinen Motorroller. Aber nicht alle sind motorisiert unterwegs, so mancher geht auch einfach herüber. Und wenn man etwas transportieren möchte, dann zieht man das einfach in einer Plastikwanne hinter sich her. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit: Den Spark.

Der Spark besteht aus einem Stuhl, unter dem zwei lange flexible Metallkufen angebracht sind. An der Stuhllehne sind Handgriffe befestigt. Man kann zwischen den Kufen spazieren gehen und sich an den Griffen festhalten oder auch wie beim Tretroller auf einer Kufe stehen und sich mit dem freien Fuß abstoßen. Das sagt auch schon ein bisschen das schwedische Wort, denn Spark bedeutet Tritt. Oft sieht man im Winter ältere Leute mit dem Spark vom Einkaufen kommen, die Plastiktüte auf dem Stuhl, doch auch Schulkinder habe ich schon zur Schule sparken sehen. Und in Nattavaara in Lappland habe ich einmal eine alte Dame auf ihrem Spark den abschüssigen Weg zu ihrem Haus abfahren und dabei ohne zu Bremsen locker die Kurve nehmen sehen.

Zu FußMit dem Spark

Die Schwedin, die mir entgegenkam, hat mir direkt erzählt, wie schön es auf der Außenseite der Insel sei. Wir sollten kurz dahinsparken, das dauert ja nur drei Minuten und ich könne ja dort fotografieren. Eine nette Einladung, die ich gerne annehme. Als ich der Frau erzählt habe, dass ich noch nie einen Spark benutzt habe, schaute sich mich völlig fassungslos an. Sie konnte sich wohl nicht vorstellen, dass jemand freiwillig auf so ein bequemes Gefährt verzichtet. Aber Sparken ist ja nicht schwer und nach ein paar Minuten Fahrt gingen wir bei der südlichsten Stuga an Land, wo wir erst mal einen langen Plausch mit dem Paar, welches die Stuga letztes Jahr gekauft hat hielten.

Ich habe noch ein paar Erinnerungsfotos vom Steinstrand gemacht, aber so richtig nichts gefunden. Zum einen waren die Steine eisumhüllt und sauglatt, zum anderen wollte ich nicht nass werden. Außerdem wollte ich die Schweden nicht zu lange warten lassen.

Die Steine sind eisumhülltDas Südostufer von Storgrundet

Nach ein paar Minuten waren wir wieder am Festland. Wenig später war ich wieder zu Hause. Auf den Straßen und meiner Holzterrasse ist der Schnee weggeschmolzen, denn die Märzsonne hat schon einiges mehr an Kraft als die Sonne im Januar. Ein paar Tage soll es noch kalt bleiben und ich bin gespannt, ob Teile des Meeres wieder zufrieren werden.

Ich bin Winter, spielt mit mir!

Wie ein kleines Kind beim Verstecken, welches ein besonders gutes Versteck gefunden hat und stundenlang nicht herauskommt, um dann plötzlich, wo längst alle anderen Kinder schon auf dem Heimweg zum Abendessen sind, aufzutauchen und „Buh! Da bin ich, spielt mit mir!“ zu schreien, so ist dieser Winter. Fünf Wochen hat er sich gründlich versteckt und nun, wo sogar ich auf den Frühling hoffe, da wird es plötzlich wieder frostig kalt. Schon gestern waren die freien Wasserflächen bei Storgrundet, wo ich zwei Tage zuvor fotografiert habe, wieder überfroren und selbst der Kallholmsfjärden war gestern schon wieder großflächig mit neuem Eis bedeckt. Das geht schnell, denn kalt genug ist das Wasser ja noch und auch der stürmische Wind, der uns die letzte Woche begleitet hat und das Eis aufbrach, hat sich gelegt.

Gestern: Storgrundet ist wieder komplett eisbedecktHeute: Pfannkucheneis auf dem Kallholmsfjärden

Eisschollen am Damm zur Lotsenstation

Heute hätte ich gerne freigenommen und das herrliche Sonnenwetter ausgenutzt, um meine erste Kajaktour dieses Jahr zu machen. Aber zum einen habe ich gerade mehr als genug zu tun bei Hello Future, zum anderen habe ich für verschiedene Aktivitäten schon den Freitag freigenommen und auch am Montag nachmittag werde ich nicht am Computer sitzen.

Frühlingsanfang

Liebe Blogleser, heute um 18:32 ist Tag- und Nachtgleiche und damit astronomischer Frühlingsanfang. Und der sieht hier so aus:

Schneefall an der Küste

Deswegen hält sich meine Frühlingsstimmung noch ein wenig in Grenzen. Die Temperatur ist von nächtlichen -13.8 °C auf -3.5 °C gestiegen, es ist grau, windig und es schneit. Einzelne Windböen rappeln am Plastikdach des Wintergartens, fegen den Schnee durch die Straßen und der smhi warnt vor 10-20 cm Neuschnee bei lebhaften Südostwinden. Nicht gerade Frühling!

Morgen fahre ich mit einigen anderen Mitgliedern von Dark & Cold nach Rovaniemi in Finnland, um dort bei den Winterschwimmweltmeisterschaften als Zuschauer dabei zu sein. Auch nicht gerade eine Frühlingsaktivität.

Winter in Nordschweden 2014

Ein Gastbeitrag von meiner Schwester Katrin aus Augsburg.

Als wir uns Ende Februar in Augsburg auf den Weg zu Olaf machten, wollten wir diesmal vor allem eins erleben: Winter in Nordschweden und natürlich unseren Bruder/Schwager/Onkel sehen. Das hieß in unserer Vorstellung Berge voll von Schnee, meterhohes Eis, eine zugefrorene Ostsee, über die man zu zahlreichen Inseln wandern kann. Die Realität sah dann etwas anders aus: Nach langen Wochen warmen Wetters erschien es wie ein schmuddeliger bayerischer Winter. In den nächsten Tagen konnten wir trotzdem viel Winter erleben. Querfeldein durch den Wald laufend fanden wir noch genug Schnee, um bei jedem Schritt bis zu den Knien darin zu versinken. „Olafs Badebucht“ war noch so vereist, dass wir uns über das Eis zur vorgelagerten Insel wagen konnten, um dann nach kurzer Wanderung über die Insel an der offenen Ostseeküste zu stehen. Und ein Ausflug an eine felsige Küste mit einer Bucht gab uns eine kleine Vorstellung davon, wie Packeis aussieht. Wir sahen auch Eisfischer und ein riesiges Frachtschiff, das sich seinen Weg durch den vereisten Fluss bahnte. Fazit also: Für uns aus dem „Süden“ gab es noch genug Winter zu erleben!

Ein weiteres Highlight war wieder der Besuch bei Bodaborg. So etwas wie Bodaborg kennt man in Deutschland nicht und wir bekamen den Tipp dazu von Freunden. Was man in diesem Haus machen kann, lässt sich nur schwer erklären. Es geht darum, in kleinen Gruppen Aufgaben/Rätsel zu lösen. Mal mehr zum Nachdenken, mal sehr sportlich. Es hat wieder den ganzen Tag ausgefüllt und wir waren alle voll bei der Sache.

Wir alle, aber vor allem unsere Jungens hatten außerdem ihre Freude an einer Ausstellung über die Geschichte von Computerspielen. Rundherum war es eine sehr schöne Woche mit Ausflügen, Doppelkopf spielen und viel Schlaf.

Danke für die schöne Zeit, Olaf!

Wie schwer ist wohl diese Eisscholle?Es tautStein im SchneeEine SchneebrückeWo ist die Ostsee?Wasser oder Eis – manchmal kaum zu erkennen

Abschied vom Winter – die erste Kajakfahrt

Sollte es wirklich so sein? Dass ich frei habe und schönes Wetter ist und kein Sturm? Dann steht der ersten Runde mit dem Kajak ja nichts mehr im Wege, denn das Meer ist schon seit Ende Februar offen.

Es gibt einige Plätze, wo ich das Kajak einsetzen kann: Storgrundet (noch eisbedeckt), gleich um die Ecke (nur schön, wenn auch die Bucht Kurjoviken und der Fluss schon frei sind) oder bei der Lotsenstation, die etwas weiter weg ist. Ich habe mich für letzteres, die Lotsenstation entschieden. Mit dem Hüftgurt, mit dem ich sonst die Pulka ziehe, konnte ich mein Kajak bequem die zweieinhalb Kilometer zum Einsetzpunkt ziehen und dabei die Arme baumeln lassen.

Wenig später lag das Boot auf einer Eisscholle am Steinufer und eine Minute später war ich im Wasser. Mein Ziel war die Eiskante, denn ein geschützter Teil der Ostsee zwischen Festland und Inseln ist noch komplett eisbedeckt. Die Fahrt ging überraschend leicht und das kenne ich ja schon von Fahrradtouren: Geht es leichter als erwartet, dann hat man Rückenwind und muss das alles gegen den Wind wieder zurück.

Die erste Kajaktour 2014An der Eiskante

Ich bin dann in eine schmale Lücke im Eis hineingefahren und habe fest damit gerechnet, rückwärts wieder hinauszumüssen. Das Kajak hat stattdessen aber den Riss im Eis erweitert und eine große Eisscholle abgespalten und so konnte ich, vom Wind unterstützt, weiter geradeaus paddeln.

Geht’s da weiter? Ja!

Dicht am EisEine Eisscholle löst sich und treibt seewärts

Wieder bin ich in eine Lücke hineingefahren, aber dort ging es nicht weiter und ich musste rückwärts wieder hinaus.

Geht’s da weiter? Nö!

Bald war ich recht nah den Inseln Bredskär und Klubben. Ich wäre gerne um sie herumgepaddelt, um an der anderen Seite des eisbedeckten Teiles anzulanden, aber der ablandige Wind war doch ziemlich frisch und so bin ich an der Eiskante vor den Inseln umgekehrt. Und die Schokolade, die ich auf einer der Inseln essen wollte, kann man ja auch zu Hause naschen.

Eis vor BredskärEisschollen

Wendepunkt

Das paddeln gegen den Wind ging einfacher als erwartet und bald war ich wieder am Steinufer der Halbinsel Näsgrundet bei der Lotsenstation. Ich schaute einmal noch auf das Eis draußen und habe mich deutlich vom Winter verabschiedet. Jetzt soll der Frühling kommen! Dann bin ich mit dem Kajak im Schlepptau nach Hause gelaufen.

FrühlingsboteEs war überraschend warm und am Straßenrand habe ich kleine Kätzchen als Frühlingsboten gefunden. Es ist schon lustig, wie die Leute schauen, wenn man ein Fünfmeter-Kajak hinter sich herzieht. Auch meine Nachbarn kamen mir mit den Hunden entgegen und sagten, heute sei der wärmste Tag: Jetzt schon 10 °C. Na, das passt ja zum Frühling. Und morgen, nach der Zeitumstellung geht die Sonne erst kurz vor halb acht unter. Herrlich!

Kurz mal zwei Photos

Ein Photo vom Mittwoch. Es zeigt die gleiche Eisfläche, an der ich gestern morgen noch entlang gepaddelt bin von der Landseite. Im Hintergrund liegt Gåsören. Da hätte ich heute hinpaddeln können, aber ich habe mir lieber einen faulen Tag gemacht. Im übrigen war ich genau heute vor einem Jahr auch auf Gåsören, aber da bin ich mit Skiern hingelaufen! So unterschiedlich können die Winter hier sein.

Eis bei Tjuvkistan. Im Hintergrund die Inseln Klubben und Gåsören

Ein Photo noch von gestern, da war mit gut 11 °C der wärmste Tag des Jahres. Auf dem Weg in die Stadt habe ich am Strand von Harrbäckssand angehalten. Am Ufer lagen noch einzelne Eisschollen und der Strand war noch komplett eisbedeckt aber auch hier ist die Ostsee komplett offen und die ersten beiden Schwäne flogen über die See.

Eisreste bei Harrbäckssand. Im Hintergrund die Inseln Djupskäret und Björkskär

Heute sah es ein bisschen anders aus, denn als ich aufwachte, war es unter Null und alles war weiß. Aber der Schnee taute schnell wieder weg, denn der Boden war noch warm.

Osterbesuch

Kann man bei drei Jahren schon von Tradition sprechen? Wenn ja, dann ist es bei mir Tradition, die Ostertage zu Hause zu sein und hauptsächlich nichts zu tun. Und dann habe ich diese Tradition dieses Jahr gebrochen, als ich Elisabet in Umeå besucht habe.

Auf der Hinfahrt habe ich mir Zeit gelassen und bin mit dem Auto ab Sikeå die kleinen Wege gefahren. Gleich bei „Hemmesmarken“ habe ich angehalten, weil ich über das schöne Schild „Gammellandsvägen“ – sozusagen „Der alte Landsweg“ – gestolpert bin. Von dort aus konnte man schnell auf die bewaldeten Granitfelsen klettern. Dort hätte ich noch lange umherlaufen können, aber ich wollte ja nach Umeå.

Der „Gammellandsvägen“Fels und Wald

Wasserlache auf dem Granitfels

Über kleine Waldwege bin ich weitergefahren. Einige waren so weich vom Tauwetter, dass sich tiefe Spurrillen gebildet haben, denen mein Auto mehr als meinen mehr oder minder kunstvollen Lenkmanövern gehorcht hat. Aber trotz meiner Befürchtungen mich festzufahren ging es doch immer weiter. Den kleinen vereisten Schneerest auf dem nächsten Bild habe ich an der kleinen Bucht von Storsand nördlich von Ratan gefunden.

Schneerest am Meer

Ich hatte fast damit gerechnet: inzwischen habe ich so viel Zeit vertrödelt, dass ich spät dran war. Deshalb bin ich ohne weitere Zwischenstopps weiter nach Umeå gefahren, wo Elisabet und ich dann einen langen Spaziergang um den schönen See Nydalasjön gemacht haben.


Am nächsten Tag sind wir zusammen mit J. in das Naturreservat „Strömbäck-Kont“ gefahren, welches nicht nur alte Wälder, klare Seen, blanke Felsbuckel mit Meerblick und kleine Sandbuchten bietet, sondern auch viele Wanderwege, einen kleinen Bootshafen, der noch im Winterschlaf war und Grillplätze. Nach einer größeren Zickzackrunde sind wir wieder an der ersten Grillstelle angekommen, wo wir das große Glück hatten, von einer aufbrechenden Familie eine Feuerstelle übernehmen zu können. Während Elisabet schon einmal neues Feuer machte, sind J. und ich zum nahen Parkplatz gelaufen, um den Proviant zu holen. Das Menu: Dreierlei Wurst, Stockbrot – (schwedisch: pinnbröd)und geschmorte Schokobanane. Und selbst wenn pinnbröd rein kulinarisch nicht der größte Genuss sein mag, so macht es doch schon großen Spaß, seinen Holzspieß in ein Stück Wurst zu rammen oder mit Teig zu umhüllen und dann über das Feuer zu halten. Und danach hatte ich auch ein bisschen Zeit, auf den glattgeschliffenen Felsen herumzulaufen oder den großen sich brechenden Wellen am Felsstrand zuzuschauen.

Wurst schmort über offenem FeuerNeues Feuer für die Schokobananen„Upside down“ – SpiegelungBrandung an den Klippen vor Kont

Heute am Ostersonntag habe ich mich auf den Rückweg gemacht. Während es in Umeå noch bewölkt war, konnte man im Norden schon blauen Himmel ahnen und bald kam auch die Sonne heraus. Am See Högfjärden habe ich noch ein letztes Foto geschossen, ehe ich mich nach Hause gefahren bin um dort das zu tun, was ich auch die letzten drei zu Ostern hauptsächlich gemacht habe:

Nichts.

Letzte Eisreste auf dem See Högfjärden

Frühlingspaddeln

Heute habe ich zum ersten Mal mein Kajak wieder zum Strand von Storgrundet gezogen, denn auch dort ist das Meer seit kurzer Zeit eisfrei. Storgrundet hat als Startpunkt die Vorteile, dass man nur eine viertel Stunde läuft, einen herrlichen kleinen Sandstrand zum Kajak hineinschieben hat und dann sofort draußen ist und nicht erst noch an der Industrie der Halbinsel Rönnskär entlang paddeln braucht. Bald saß ich im Kajak, ließ das Steuerruder herunter und paddelte durch den kleinen Durchlass zwischen Festland und der Nordwestspitze der Insel Storgrundet. (Ja, es ist etwas verwirrend, sowohl der Strand am Festland als auch die Insel heißen Storgrundet.)

TourstartSelbstportraitAuf dem MeerVielleicht nach Medgrundet?

Heute bin ich in Richtung offenes Meer gefahren, denn Medgrundet lockte am Horizont. Eigentlich war mir die Insel mit drei Kilometern ein bisschen weit weg, denn selbst, wenn es so ruhig und windstill wie heute ist, dann frage ich mich immer, was passieren würde, wenn ich ins Wasser plumpse. Auch wenn die Sonne warm sein mag, das Wasser ist ja immer noch eiskalt. Deswegen würde ich zu dieser Jahreszeit nie alleine drei Kilometer weit aufs offene Meer paddeln.

Doch auf halber Strecke liegt die Insel Själagrundet, die eigentlich nur ein großer, von Möwen bewohnter Steinhaufen ist und das Meer war ja ruhig. Also habe ich mich auf den Weg gemacht. Doch kurz vor Själagrundet wurden die Wellen zappeliger und da der gebraucht gekaufte Trockenanzug, den ich heute anhatte, nicht komplett dicht ist – die eine Armmanschette ist kaputt – bin ich zwar noch nach Själagrundet gefahren, dann aber nicht weiter hinaus gepaddelt, sondern nach links zur Insel Djupskäret abgebogen, wo ich eine kleine Pause gemacht habe.

Am Ufer von Djupskär

Blick auf MedgrundetPause in der Frühlingssonne

Weiter bin ich in Richtung Harrbäckssand, einer flachen Bucht mit Sandstrand gepaddelt und auch dort wollte ich eine Pause machen. Das war gar nicht so leicht, in Richtung Ufer zu kommen, denn das Wasser ist auf weiter Strecke keine 30 Zentimeter tief. Also bin ich zum Schluss ausgestiegen, habe das Kajak auf eine kleine Kiesbank gezogen, die Kamera geschnappt und bin durch das flache Wasser ans Ufer gewatet.

„Schlurp!“ sagt der Boden und verschluckt mich. Ich stecke plötzlich bis zur Hüfte in einem grauen Schlickloch. Ich weiß zwar, dass der Untergrund vor Harrbäckssand teilweise ein bisschen lehmig ist, aber man überall laufen kann. Eigentlich! Vielleicht habe ich das einzige Schlickloch weit und breit gefunden, es würde passen. Schnell mache ich noch ein Foto fürs Blog, ehe ich mich wieder aus dem Schlick befreit habe. Das war nur eine Sache von Sekunden, denn das Zeugs war weich und rundherum war der Boden ja hart. Die nächste Viertelstunde war ich damit beschäftigt, den Anzug wieder sauber zu bekommen. Gar nicht so leicht, wenn das Wasser so flach und der Schlick so anhänglich ist.

Später sehe ich, dass Gewebematten unter der vermeintlichen Kiesbank hervorschauen. Vermutlich ist das Problem bekannt und man hat früher schon versucht, den Boden zu stabilisieren. Ich habe eine Mail an die Kommune geschrieben, mal schauen, ob die etwas unternehmen.

Bis zur Hüfte im SchlickSchlicküberzogen

Nachdem die Hosenbeine wieder mehr nach gelbem Nylon als nach grauem Schlamm aussahen, bin ich weitergepaddelt. Längst schon war es so warm, dass ich die Mütze nicht mehr auf dem Kopf hatte und die Neoprenhandschuhe unter einem der Gummizüge des Kajaks klemmten. Möwen kreisten leicht empört über mir – was, bitte schön habe ich auf ihrem Meer zu suchen?! – und die Sonne schuf gemeinsam mit den kleinen Wellen bizarre Muster auf dem sandig-welligen Meeresufer. Ich finde, dass das Unterwasserbild, bei dem ich die Kontraste stark erhöht habe, eher wie ein fremder Planet als wie die nordschwedische Ostsee aussieht.

Meeresboden

Nun musste ich nur noch geradeaus paddeln und zum ersten Mal überhaupt hatte ich den Eindruck, dass meine Bewegungen im Fluss sind und das Paddeln gar nicht mehr anstrengt. Das liegt natürlich auch daran, dass ich nicht mehr den dicken roten Neoprenoverall anhatte, der sich jeder Armbewegung widersetzt. Als ich wieder am Strand von Storgrundet ankam, hatte ich noch nicht genug. Nach einer kurzen Pause habe ich deswegen das Kajak wieder ins Wasser geschubst und bin noch um die Insel …

+++ Eilmeldung: Gerade eben ist Skellefteå AIK wieder schwedischer Eishockeymeister geworden. Nach 3–0, 6–2, 8–1(!) hat AIK gerade 3–0 gegen Färjestad BK gewonnen. Jetzt ist bestimmt ganz Skellefteå im Siegertaumel – wie schon im letzten Jahr +++

… also, ich bin noch um die Insel Brambärsgrundet gepaddelt. Dort ist das Wasser noch flacher und geschützter als zwischen Storgrundet und Festland und dort habe ich auch noch die letzten kleinen Eisschollen gefunden.

Die letzten kleinen Eisschollen

Als ich zu Hause ankam war T-Shirt-Wetter: 16 °C im Schatten, der erste warme Tag. Und wem das nicht reicht: Die Sonne hat meinen Wintergarten auf 28 °C aufgeheizt. Hochsommertemperaturen!

Die dritte Kajaktour

Fünf Uhr morgens: Die Helligkeit weckt mich. Ich blinzele durch die Jalousien auf klaren Himmel und weiß: Jetzt sollte ich die Kajaktour machen, wenn ich schönes Licht zum Fotografieren haben möchte. Es sind nicht die drei Grad minus, die mich davon abhalten, aufzustehen, sondern mein innerer Schweinehund, der mit zwei Doppelzentnern auf meinem Bauch liegt und mich nicht aus dem Bett lässt.

Acht Uhr morgens: Die Helligkeit weckt mich wieder. Ich blinzele durch die Jalousien auf klaren Himmel und weiß: Jetzt kann ich mir Zeit lassen, denn das warme Morgenlicht ist eh weg und schönes Wetter ist es sowieso.

Ich hole die Neoprenschuhe aus dem Wintergarten. Dort stehen auch meine Skier. Die Tourenski mit den Stahlkanten und die ewig langen Holzski für Wald und Tiefschnee. Ganze drei Mal habe ich diesen Winter auf Skiern gestanden. Das ist definitiv zu wenig. Das will ich nächsten Winter anders machen, selbst wenn er wieder so kurz ist wie dieser. Aber bis dahin dauert es noch mindestens ein halbes Jahr und ich bringe die Skier in die Garage. Weg damit – jetzt Frühling bitte!

Irgendwann so um halb zehn: Ich stehe draußen, das Kajak auf dem Bootswägelchen festgezurrt und treffe meine Nachbarn. Ein dumpfes Grollen lässt uns innehalten. „Was war das“ – fragt sie. „Tåme“ – sagt er. Tåme, das ist weiter nördlich, etwa 35 Kilometer Luftlinie und dort übt das schwedische Militär schießen. Man hört es bis hierhin.

Bald schiebe ich das Kajak am Strand von Storgrundet ins Wasser und paddele los. Immer wieder höre ich die dumpfen Schläge der Schießübungen, so laut, dass ich meine, die Druckwellen auch am Körper zu spüren.

Weiter paddele ich. Nun ist es ruhig. Haben die Soldaten fertiggeknallt oder halten sie nur Fika, die schwedische Kaffeepause? Storgrundet liegt inzwischen hinter mir. Rechts liegen die Außenseiten der Inseln Norrskär und Bredskär, Gråsidan und Nygrundet, links nur das Meer und weit der Horizont.

Gråsidan und Nygrundet voraus

Wie weit weg wohl der Horizont ist? Die Insel Skötgrönnan kann ich mühelos sehen. Sie ist elf Kilometer entfernt, verrät mir zu Hause die Seekarte. Ich bin erstaunt, dass ich vom Kajak, gerade einen Meter über dem Meeresspiegel, doch so weit schauen kann.

Nygrundet ist die östlichste Insel vor Skelleftehamn. Ich fahre um sie herum und habe Wind und Sonne im Rücken. Ich lasse mich ein bisschen treiben. Auch die Gedanken treiben. Das geht gut auf dem Meer. Bald nähere ich mich Bredskärs Innenseite, dort, wo Nachbarn ihr Sommerhaus haben. Und richtig, meine Nachbarin ist da und wir unterhalten uns, sie auf dem Bootssteg stehend, ich im Kajak sitzend. Nach zehn Minuten verlegen wir unser Gespräch auf die Terrasse, wo ich natürlich – wir sind in Schweden – zu einem Kaffee eingeladen werde. Nach kurzer Zeit verabschiede ich mich aber, denn mir wird kalt in meinen klammen Klamotten unter dem Trockenanzug, der weit davon entfernt ist, atmungsaktiv zu sein.

Karte und Kompass sind immer dabeiNygrundet – wo ist das Haus?

Ein Stück paddele ich noch, sehe die Kanadagänse mich misstrauisch beäugen, sehe einen Mann bauchtief im Wasser stehen, er richtet seinen Bootssteg, der vermutlich im Winter an Land lag, damit er vom Eis nicht zerstört werde. Ich sehe Gänsesäger, die immer ein bisschen wie Punk-Enten aussehen und viele Möwen. Nur eines sehe ich nicht mehr: Eisschollen.

Vor dem Strand von Storgrundet ziehe ich am Seilzug, der mein Steuerruder aus dem Wasser hebt und nehme Anlauf. Mit Schwung landet das Kajak auf dem Sandstrand. Bald ist das Boot wieder auf seinem Wägelchen festgezurrt und ich laufe nach Hause. Aber nicht direkt, denn auch B., der sein Sommerhaus um die Ecke hat, lädt mich noch zu einem Kaffee ein.


Ausgelöst durch die Schießübungen enthielt dieser Artikel ursprünglich einige Gedanken zum Konflikt in der Ukraine und andere recht persönliche Gedanken. Beim Lesen hatte ich aber den Eindruck, dass sie zu unausgegoren für eine Veröffentlichung im Blog sind. Daher habe ich die Textteile wieder entfernt. Vielleicht nehme ich mir irgendwann mal Zeit, ein bisschen über andere Themen als Ich-In-Schweden zu schreiben. Ob das dann hier oder in einem neuen Blog sein wird, weiß ich noch nicht.

Maischnee

Gestern habe ich Valborg in Bygdeträsk gefeiert, heute gegen elf sitze ich im Auto und fahre wieder nach Hause. Allerdings nicht direkt. Erster Mai, ein freier Tag! Das Wetter ist schön, die Sonne scheint, ein paar Plusgrade hat es wieder nach frostiger Nacht, vielleicht gibt es noch irgendwo etwas zu sehen.

Das gibt es. Zum Beispiel eine ansteigende Straße, noch nass, in der sich grell die Sonne spiegelt.

Blauer Himmel und Sonnenspiegelung

Doch das Wetter ändert sich. Dunkle Wolken ziehen auf, aus denen es graupelt und schneit, an manchen Stellen überraschend heftig. Ich fahre viele kleine Straßen, viele sind nur sogenannte „Grusvägar“ – Kieswege. Doch die Nadel der Tankanzeige steht schon auf R, also fahre ich nach Lövanger, welches an der E4 liegt und damit eine auch am Feiertag geöffnete Tankstelle hat. Auch hier schneit es und so mancher Passant läuft ziemlich winterlich gekleidet vorbei. Vollgetankt fahre ich weiter und nun nehmen die Schneeschauer zu und werden stärker.

Winterlich gekleidet am 1. MaiEiner der stärkeren Schneeschauer

Und so fotografiere ich noch einmal eine Straße: Dieses mal nicht mit Sonne und blauem Himmel, sondern mit dichtem Schneefall.

Starker Schneeschauer

Die Schneeschauer werden dichter und es kühlt sich ab. Irgendwann zeigt das Autothermometer nur noch 1 °C an und der Schnee beginnt, liegen zu bleiben. Und als ich irgendwo kurz vor Uttersjöbäcken aus dem Wald komme, liegt genug Schnee auf dem Acker, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass heute der erste Mai ist.

Nur noch 1 °CVerschneiter Acker

Es war kein Zufall, dass ich nach Uttersjöbäcken gefahren bin, denn dort ist das schöne Naturreservat „Bjuröklubb“, eine große Landzunge, die in der Ostsee ragt, gleich um die Ecke. Dort wollte ich jetzt den Leuchtturm im Schneeschauer fotografieren. Aber nochmals hat sich das Wetter geändert und plötzlich war es wieder sonnig. Genau das richtige Wetter, um über die Felsen zum 50 Meter tiefer liegenden Felsstrand hinabzusteigen. Ich war ganz froh, in meiner Münchner Zeit so manche Bergtour gemacht zu haben, sonst hätte ich mich an manchen Stellen nicht entlang getraut.

Bjuröklubb Fyr, der alte LeuchtturmGranitfelsen im GegenlichtHoher FelsquaderManche Felsen sind ziemlich hoch

Als ich unten angekommen war, schaute ich über das klare Meer, welches den leuchtend blauen Himmel widerspiegelte. Kleine Wellen plätscherten an die Felsen, sonst war es still und ruhig. Was für ein Kontrast zu der winterlich anmutenden Autofahrt hierher.

Felsküste bei Bjuröklubb

So, Winter, Du hast Dein Gastspiel gehabt, jetzt darf es gerne auch wieder Frühling werden.

Die Route: Bygdeträsk – Andersvattnet – Söderby – Korssjön – Flarken – Gammbyn – Kålåboda – Brände – Vebomark – Lövanger (Volltanken) – Fjälbyn – Uttersjöbäcken – Bjuröklubb – Uttersjöbäcken – Risböle – Burvik – Bureå – Örviken – Skelleftehamn

Zurückdatiert vom 02. Mai 2014 00:32 auf den 01. Mai 2014 23:59

Abendrunde mit dem Kajak

Das ist schön, wenn die Sonne erst um viertel nach neun untergeht – man kann nach der Arbeit noch eine kleine Runde mit dem Kajak drehen. So wie heute bei glatter See und blauem Himmel. Von der kleinen Bucht Killingörviken durch ein kleines Stück Hafen (groß ist er ja nicht), durch den Kejsar Ludvigs kanal einmal um die Halbinsel Kallholmen und durch den kleinen Tunnel Lappstrupen wieder zurück. Noch bevor die Sonne ganz untergegangen ist, bin ich wieder zu Hause.

Glattes Meer auf der BuchtAm Hafen vorbeiSpiegelungBald geht die Sonne unter

Vollmond über Gåsören

21:16: Da ist der MondKaum zu erahnen ist der Vollmond, als er über dem Meer aufgeht, denn die Sonne ist noch über dem Horizont. Er geht rechts der Insel Gåsören auf, also bin ich ein bisschen zu weit gelaufen und gehe ein Stück zurück. Es wird langsam dunkler und der Mond wechselt seine Farbe von fahlweiß über blaßrosa zu warmen Geld- und Orangetönen.

21:26: Rosa Mond über dem Leuchtturm21:44: Mond über Gåsören

21:51: Vollmond über der Insel Gåsören

Jetzt, um elf Uhr Abends strahlt der Mond stärker, aber für Sterne ist es immer noch zu hell, denn richtig dunkel wird es nicht mehr. In fünf Wochen ist Mittsommer.

Stille Reise durch die helle Nacht

Habe ich das selbst erlebt? Heute kommt es mir so unwirklich vor, wie geträumt. Doch die Bilder meiner Kamera zeigen mir, es war wirklich. Denn Träume kann man nicht fotografieren, oder?

Heute ist Feiertag. Ausschlaftag. Das hatte ich auch nötig, denn gestern habe ich nach der Arbeit eine Paddeltour gemacht. Abends um acht setze ich mein Kajak ins Wasser und paddele los. Schnell sehe ich, was ich schon wusste: Wir haben extrem niedrigen Wasserstand, schon seit Tagen, und überall schauen Steine und Kiesbänke hervor, wo sonst nur Wasser zu sehen ist. Schnell bin ich auf dem Kallhölmsfjärden, wo gerade die Baus, der kleine Eisbrecher am Hafen anlegt. Ich fahre durch den „Kejsar Ludvigs kanal“, wo ich zwar einige Seeschwalben aufscheuche, doch sie fliegen nur auf und fliegen keine Scheinangriffe auf mich. Vermutlich haben sie noch keine Eier gelegt. Fährt man den Kanal entlang, so hat man links und rechts Hafen und Industrie mit jeder Menge „Zugang verboten“-Schilder. Ist man aber erst unter den Brücken hindurchgepaddelt, öffnet sich die weite Ostseebucht „Sörfjärden“ und man erblickt nur noch Natur, gespickt mit ein paar Häusern hier und da.

Auf dem „Kejsar Ludvigs kanal“Auf dem Sörfjärden

Ich halte mich in Richtung Südwesten, denn ich möchte südlich der Insel Örviken entlangpaddeln. Die erste sichtbare Landmarke ist die alte, verfallene Seebrücke vor der Insel. Links hinter mir liegen die Inseln Kalkgrundet, Örgrunden und Prästhallan. Die roten Sommerhäuser leuchten in der Abendsonne.

Die alte Seebrücke vor ÖrvikenKalkgrundet, Örgrunden und Prästhallan

Ich paddele weiter. Rechts liegt die kleine Ortschaft Örviken und die bunten Häuser spiegeln sich im glatten Wasser. Links sehe ich den Sundgrundsleden, die Straße zur Europastraße E4. Geradeaus sehe ich nicht viel, denn selbst mit dunkler Sonnenbrille blendet die sich im Wasser spiegelnde Sonne ziemlich.

ÖrvikenSüdlich von Örviken

Zwei Brücken führen über die Bucht und ich entscheide mich für den kleinen Tunnel geradeaus, um auf die andere Seite zu kommen. Nun entdecke ich Neuland, denn hier war ich bisher weder mit dem Kajak noch zu Fuss. Die Karte verrät mir, dass ich gut drei Kilometer geradeaus paddeln muss, um dann nordwärts in den Norra Innerviksfjärden abzubiegen. Rechts hat sich das Wasser weit zurückgezogen und zeigt weite Sand- und Schlickflächen, teilweise von Schilf bewachsen. Vor mir sind viele, runde Grasinseln, die aus dem Wasser schauen.

Unter dem SundgrundsledenGrasinseln im Feuchtgebiet

Gerne würde ich an Land gehen, um dort das halb verrottete Holzschiff zu fotografieren, doch der Boden ist so schlammig, dass ich lieber weiter paddele. Ich klappe mein Steuerruder hoch, denn zum einen ist das Wasser so flach, dass das Ruder aufsetzt, zum anderen sind manche Teile dicht mit Wasserpflanzen bewachsen. Die Sonne beginnt, unterzugehen und taucht die schöne Landschaft in warmes Dämmerungslicht. Alte Schilfstengel spiegeln sich auf der glatten Wasseroberfläche und scheinen geheimnisvolle Schriften aufs Wasser zu zaubern.

UnterwasserdschungelGeheimnisvolle Schilfschrift

Ein Stück noch und ich bin am Eingang zum Norra Innerviksfjärden, gerade noch rechtzeitig, um die pinkrote Sonnenscheibe hinter den fernen Bäumen untergehen zu sehen.

Sonnenuntergang über dem Norra Innerviksfjärden

Die Vögel finden es mäßig lustig, dass ich hier mitten in der Nacht auftauche. Große Möwenschwärme stieben vom Boden auf, Enten und Gänsesäger machen sich von dannen und auch die zwei Kraniche flüchten, lange bevor ich in deren Nähe bin. Die Echos ihrer lauten Rufe hallen noch Sekunden nach. Ich biege in die Bucht ein und vor mir breitet sich eine wunderbare Landschaft aus. Über dem von kleinen Inseln durchsetzten Wasser steigt weißer Nebel auf und alle Sonnenuntergangsfarben spiegeln sich auf der ruhigen Wasseroberfläche. Ich habe ein wenig schlechtes Gewissen den Vögeln gegenüber, für sie bin ich nur ein überflüssiger Störenfried, doch so schön ist es, hier durch die warmen Farben zu paddeln, so schön.

Abenddämmerung über dem Norra Innerviksfjärden

Aufgescheuchte Vögel – schade, ich tue Euch doch nichts

Ein bisschen Sorgen macht mir der Wasserstand. Das Wasser wird immer flacher und immer häufiger versinkt das Blatt des Paddels im Schlick. Vor mir sehe ich mehr und mehr Untiefen und Schlickbänke. Wo es am Besten weitergeht, kann ich nicht sehen, weder auf der Karte noch in natura, denn im Kajak sitzt man ja tief. Also vorwärts.

Irgendwann ist es soweit. Ich stecke fest. Zwei Möglichkeiten habe ich: Entweder rückwärts aus dem Schlick herausstaken oder weiter, wie auch immer. Ich entscheide mich für die Weiterfahrt, denn den halben Tag habe ich schon die Rundtour geplant und will mich durch Kleinkrams wie niedriges Wasser nicht aufhalten lassen. Also steige ich aus und versinke wie schon geahnt im Schlick, aber nicht sehr tief. Die Bandschlinge, an der ich sonst die Kamera sichere, binde ich am Bug fest und kann so das Kajak recht bequem durch Flachwasser und über Schlickbänke bugsieren. Manchmal ist der Schlick knietief, manchmal recht gut begehbar. Die nächste Zeit bin ich damit beschäftigt, aus- und einzusteigen. Mal paddele oder stake ich durch das flache Wasser, manchmal ziehe ich mein Kajak hinter mir hier. Anfangs versuchte ich noch, mich notdürftig zu säubern, ehe ich wieder ins Boot steige, doch das ist aussichtslos, wenn das zweite Bein noch knietief im Matsch steckt. Irgendwann ist das alles egal, der Trockenanzug hält eh dicht und bald sehen Kajak und ich aus wie Sau.

Der Himmel ist inzwischen graublau und die Landschaft wirkt seltsam unwirklich und farblos in dem neblig-diffusen Licht. Ich bin froh, irgendwann rechts ein paar Häuser im Nebel auftauchen zu sehen, ein Zeichen mehr, dass ich richtig bin. Und irgendwann bin ich auch am Ende der Bucht. Vor mir sehe ich nur Schlammflächen, sonst nichts. Wo, bitte schön, soll denn da der Kanal sein, der mich wieder zum Fluss Skellefteälven bringen soll. Ist der überhaupt befahrbar? Oder nur ein Rinnsal zwischen Fels und Stein. Komme ich da weiter? Es hilft nur eins: Ausprobieren! Ein hoffentlich letztes Mal steige ich aus dem Kajak und versinke mit dem linken Bein so tief im Schlamm, dass ich fast aus meinem Gefährt herausfalle. Hier ist der Schlamm quasi bodenlos und bis zum Bauch stecke ich im Schlick. Ich stütze mich auf das Kajak, um nicht noch tiefer einzusinken. Hier zu Fuß zu gehen brauche ich erst gar nicht zu versuchen, aber das rettende Ufer scheint so nah. Was tun? Ausprobieren! Letztendlich laufe ich dann auf Knien weiter, wobei ich mich abwechseln auf das Kajak stütze, um nicht zu tief einzusinken und dann wieder das Kajak zwei Meter weiter nach vorne schiebe. Doch bald bin ich aus dem Gröbsten raus und auf der großen Schlickbank wird zum Glück der Boden bald so fest, dass ich einfach wieder laufen kann. Ich stehe und ruhe mich aus. Mein Puls ist irgendwo bei 180. Einatmen, ausatmen. Einatmen, ausatmen.

Bis zum Bauch im SchlammEndlich an Land

Bald habe ich den Kanal gefunden und auch eine Stelle, wo ich das Kajak ins Wasser und mich ins Kajak setzen kann. Erst ist das Wasser noch flach, doch bald kann ich entspannt den zehn Meter breiten Kanal entlang paddeln. Mitternacht dürfte inzwischen vorbei sein und ich merke, dass ich müde werde. Vor mir schwimmt etwas, doch was? Ein runder Kopf, ein Hintern, ist das etwa ein Biber? Ja, tatsächlich, in dem Kanal tummeln sich mehrere Biber, die von Ufer zu Ufer schwimmen. Toll, ich habe noch nie Biber gesehen, und dann jetzt vom Kajak aus! Ich gleite langsam voran und habe bald zwei Biber vor mir her schwimmen. Sie lassen mich erstaunlich nahe kommen, ehe sie mit einem lauten Platsch ihres breiten Schwanzes abtauchen. Einmal platscht es direkt neben meinem Boot, da hat wohl ein Biber gerade auftauchen wollen und mich gesehen. Ich frage mich, wer sich wohl mehr erschreckt hat? Ich könnte noch lange den Bibern zuschauen, doch ich beginne zu frieren und paddele bald weiter. Bei den Biberfotos kam die kleine wasserdichte Nikon an ihre Grenzen, aber eine nette Erinnerung sind die Fotos dennoch.

Biber voraus!

Biber SteuerbordPlatsch und weg ist der Biber!

Ich paddele den sich windenden Kanal entlang. Eine schöne Abwechslung für mich, der sonst immer nur auf der Ostsee unterwegs ist. Bald sehe ich ein Boot, die ersten Häuser, Zivilisation. Aber auch einen großen Igel, der gerade im Gesträuch verschwindet. Der Kanal mündet bei „Stackgrönnan“ in den Fluss Skellefteälven. Das ist wieder eine kleine neue Welt meiner heutigen Paddeltour, diesen breiten Fluss entlang zu gleiten. Von mir aus könnte die Strömung gerne ein bisschen schneller sein, das meiste muss ich doch selbst paddeln und inzwischen bin ich müde und auch ein bisschen fertig von der nicht ganz planmäßig verlaufenden Tour. Kurz vor dem Bootsmuseum lege ich an, steige einmal ins tiefe Wasser, um mich notdürftig ein bisschen zu säubern und wechsele dann mein nass geschwitztes Unterhemd gegen ein trockenes T-Shirt und ein warmes Fleece. Eine Wohltat! Wie gut, dass ich immer meine eher warmen Wechselklamotten im Kajak spazieren fahre, jetzt habe ich sie wirklich einmal brauchen können.

Auf dem SkellefteälvenUmziehpause bei Stackgrönnan

Bald sitze ich wieder im Kajak, um ein Fleece wärmer und eine Banane satter. Auch der Skellefteälven führt wenig Wasser und ich sehe mitten im Fluss Steinhaufen, wo sonst nur Wasser zu sehen ist. Der Himmel färbt sich wieder, denn es ist inzwischen nach eins. Um halb drei wird die Sonne aufgehen. Doch ich mache weniger Photos, nicht nur weil das Objektiv in der feuchtkalten Luft dauern beschlägt, sondern auch, weil ich müde bin. Was freue ich mich auf eine warme Dusche. Weiter geht es den Fluss hinab und bald ist die große Brücke in Sicht. Von da aus ist es dann nicht mehr so weit.

Morgendämmerung über dem Fluss

Felsbänke im niedrigen SkellefteälvenDie Brücke in Sicht: Endspurt

Eine letzte Untiefe, ein letztes AussteigenMeine Gedanken? Das weiß ich nicht mehr. Ich döse vor mich hin. Auto hätte ich nicht mehr fahren können. Ich mache inzwischen mehr Pausen, meine Hände sind nass und aufgeweicht, die rechte Schulter tut weh und die Kondition hat sich schon schlafen gelegt. Doch irgendwann bin ich unter der Brücke durch, am Schiff M/S Stormvind vorbei, am Bootshafen vorbei in der Bucht Kurjoviken. Nur vor dem Tunnel muss ich ein letztes Mal aussteigen, um das Kajak über den fast wasserfreien Grund zu tragen. Noch ein letztes Stück und der Ehrgeiz packt mich. Mit allem, was die restliche Kondition hergibt, paddele ich über den Kallholmsfjärden zurück. Rechts liegt die Baus. Habe ich den Eisbrecher wirklich heute anlegen gesehen, ach nein, das war ja gestern, vor sechs Stunden. Um viertel nach zwei lege ich wieder an, schnalle mein Kajak auf den kleinen zweirädrigen Bootswagen und laufe, so wie ich bin, nach Hause. In den Neoprenstiefeln schwappt das Wasser, der Trockenanzug strotzt vor Dreck, egal – um diese Zeit sieht mich eh keiner.

Zu Hause dusche ich gleich zwei Mal. Einmal mit Anzug, damit der wieder sauber wird, dann ich. Als ich mich ins Bett lege, ist es schon wieder taghell.

War das eine verrückte Idee, so eine Tour zu machen? Ich habe keine Ahnung, vielleicht war es eine. Aber die vielen Erlebnisse – komprimiert in unter sieben Stunden Tour – möchte ich nicht missen. Verrückte Ideen sind manchmal auch gute Ideen.

Nebelbänke

Als ich heute mit dem Auto den „Näsuddsvägen“ langgefahren bin, habe ich mich gewundert. Blauer Himmel und Sonne, aber wo ist denn die Insel Gåsören mit ihrem markanten kleinen Leuchtturm geblieben? Ach dort hinten, fast im Nebel verschwunden.

Fünf Minuten später war ich an der Lotsenstation und habe den kleinen Seenebelbänken zugeschaut, die fast wie große Geisterquallen über der Ostsee entlang trieben.

Kleine Nebelbank auf der Ostsee

Ich habe zwar vor vielen Jahren auf Sylt einmal Seenebel erlebt und gestaunt, wie schnell der kam und wie dicht der sein kann, doch heute war der Nebel viel lokaler und manchmal sah man einen Teil der Inseln klar und deutlich, manchmal waren sie komplett verschwunden. Und manchmal war der Nebel dicht, aber so flach, dass die Bäume und der Leuchtturm der Insel Gåsören oben heraus schauten.

Gåsören im flachen Nebel

Bestimmt eine Stunde habe ich mir die Sonne auf den Rücken scheinen lassen und die Inseln verschwinden und wieder auftauchen sehen. Wie gut, dachte ich, dass ich am Kajak immer einen Kompass dabei habe, auch wenn ich ihn bis jetzt noch nie ernsthaft gebraucht habe.

Heute Abend bin ich hingegen faul und schaue DVD, nur für diesen Blogartikel unterbrochen. Eigentlich sollte ich jetzt lieber mit dem Kajak draußen sein, dachte ich gerade, doch höre es keine Minute später draußen Grollen. Ein Gewitter? Sehr schön, dann darf ich auch faul zu Hause sein und DVD schauen.

Noch zwei Fotos von vorhin:

Gåsören bei klarer Sicht

Gåsören wenig später im Nebel verschwindend

Sommerpaddeln

Wie soll ich es bitte schön schaffen, noch drei Wochen zu arbeiten, wenn sich alles jetzt schon so schön sommerig anfühlt. Wenn die Schweden nur noch Bilder von Booten und Sommerhäusern posten und sich die Gesprächsthemen nur noch um das schöne Wetter oder eventuelle Urlaubspläne drehen.

Aber – es hilft nichts, drei Wochen muss ich noch durchhalten, ehe Hello Future in die Sommerpause geht und ich vier Wochen frei habe. Heute hatte ich schon einen kleinen Vorgeschmack: Eine kleine Paddeltour. Aber nicht wie vor zehn Tagen mit Handschuhen, Mütze und Trockenanzug, sondern barfuß und mit T-Shirt (und Schwimmweste). Was für ein herrlicher Kontrast. Ein bisschen vor mich hinträumend paddelte ich gemütlich vorwärts oder ließ mich treiben. Es ist absolut unvorstellbar, dass hier im Winter alles dick zugefroren ist. Überhaupt – Winter, was ist das? Doch nicht hier? In Sommerschweden?

Als ich nach der Tour wieder an Land wollte, musste ich aufpassen, dass ich keinen mit meinem Kajak überfahre, denn zwei Familien badeten im Wasser. Wenige Minuten später planschte auch ich in Badehose im kühlen Wasser der Ostsee. Mein erstes Sommerbaden – herrlich!

Quellwolken über dem LandUnter- und Überwasser

Sommerdämmerung

Nennt man das nun eigentlich Abend- oder Morgendämmerung, wenn es ohnehin nicht dunkel wird? Ich entscheide mich für Sommerdämmerung, das klingt am nettesten.

Heute Abend habe ich trotz Müdigkeit keinen Weg ins Bett gefunden und als es um ein Uhr nachts draußen so schön aussah, habe ich mich noch einmal ins Auto gesetzt und bin an den Ostsee-Bootshafen Tjuvkistan gefahren. Dort habe ich lange gestanden und mich an den schönen Dämmerungsfarben erfreut.

Sommerdämmerung

Die Sonne, die um zehn vor zwei aufging, hat sich allerdings hinter den aufziehenden lila-grauen Wolken versteckt und immer nur mal hier und dort einige rotorange Strahlen durch die Wolkenlücken auf die sanft wellige Wasseroberfläche geschickt. Ein völliger Kontrast dazu die Bucht des Bootshafens: Hier war die See spiegelglatt und das Licht immer noch fahl und wäre die Spiegelung der Bojen nicht dunkler als ihr Original über Wasser, so könnte man das Bild auch umdrehen.

Nächtliches WolkendramaSpiegelglatte Bucht

Erst kam ich mir ein bisschen albern vor. Hose und dicke Winterjacke über den Schlafanzug, ist das nicht viel zu warm? Nein, ist es nicht, denn schon seit Mittsommer ist es kalt: Lag die Höchttemperatur vor drei Wochen noch bei 26 °C, wurden heute gerade noch 12 °C erreicht. Und die Nacht war frisch. Irgendwann habe ich sogar die Kapuze aufgesetzt, weil mir kalt war. Als ich gegen halb drei wieder zu Hause war, zeigte das Thermometer gerade noch ein Grad an.

SommerfotografieSommerkälte

Nun hoffe ich, dass es die nächsten Wochen wärmer wird, denn ab Dienstag habe ich vier Wochen Urlaub und erwarte Gäste aus Deutschland. Denen möchte ich gerne schwedischen Hochsommer zeigen, nicht herbstliches Fröstelwetter. Nur einen kleinen Vorteil bietet das Ganze: Auch diese Nacht keine einzige Mücke!


Nachtrag: Das zweite Bilder ist wesentlich dunkler als die Wirklichkeit, so „finster“ wird es bei uns zur Zeit nicht. Aber wenn das Fotos die richtige Helligkeit hätte, wären die Farben zu blass. Fotografie ist oft ein Kompromiss.

Urlaub zu Hause

Wie jedes Jahr habe ich auch dieses Jahr vier Wochen Sommerurlaub im Juli, wie die meisten anderen Schweden auch. Die anderen Jahre habe ich diese Zeit oft genutzt, um herumzureisen und war so mehr in Norwegen oder Deutschland als in Skelleftehamn zu Hause.

Doch dieses Jahr bin ich die meiste Zeit hier, sozusagen eine ganz neue Erfahrung. Vorgestern am Montag flog meine Mutter, mit der ich eine herrliche Woche in Skelleftehamn und Umgebung verlebt habe, um 9:50 nach Deutschland. Um 14:20 kam Annika, die ich im Februar in Abisko persönlich kennengelernt hatte, aus Deutschland angeflogen.

Letzte Woche gab es hier noch einige heftige Regengüsse, doch seit Samstag zeigen sich Sonne und blauer Himmel, über zwanzig Stunden am Tag. Und die Sonne bringt Wärme: Samstag 22 °C, Sonntag 24 °C, Montag 27 °C, gestern und heute 28 °C! Wie schon letzten Freitag mit meiner Mutter bin ich gestern auch mit Annika nach Bjuröklubb gefahren. Das ist so eine schöne Ecke, dass ich da auch prima zwei Mal hinfahren kann. Und auch zwei Mal Räucherlachs mit Kartoffeln und Moltebeerencréme essen.

Doch welch ein Wetterkontrast: Letzten Freitag zogen schwarze Wolken auf und brachten heftige Regenschauer und meine Mutter und ich verbrachten den größten Teil der Zeit drinnen: Im Café, im Auto. Gestern waren Annika und ich nur draußen: An einem Felsstrand, im Garten des Cafés und an einem kleinen Sandstrand.

Bjuröklubb am Freitag: Blick über BjuröfjärdenBjuröklubb gestern: Sandstrand bei Grundskatan

Heute sind wir nach Kågehamn gefahren und haben von Hans zwei Kajaks ausgeliehen. (Ja, Hans hat wirklich einen Legoladen, aber er verleiht auch Kajaks.) Meine Packliste, die ich gestern gemacht habe, war recht lustig. „Ersatzkleidung“ stand an letzter Stelle und „Graved Lachs“ an erster. Das ist – so finde ich – die richtige Priorisierung, denn der Graved Lachs stammt von einem lokalen Fischer, der vor Bjuröklubb fängt und ist unfassbar lecker.

Annika saß vor 18 Jahren das erste und einzige Mal im Kajak. Da ist natürlich die erste Frage, wie man denn in dieses Ding überhaupt hereinkommt. Doch nach dieser kleinen Anfangshürde saß sie im Kajak, als hätte sie die letzten Wochen nichts anderes gemacht und wir konnten eine größere Runde drehen. Das war auch für mich schön, weil ich im Kågefjärden eigentlich nur die Insel Bastuholmen kenne und heute viel Neues gesehen habe.

Und so fuhren wir über kleine, seitlich kommende Zappelwellen über die Bucht: Kleinboothafen Kågehamn – Yttre Björkögrundet – Bastuholmen (kleiner Spaziergang) – Norra Bastuholmsgrundet – Billören – Flatgrundet – Ytterstholmen (Pause mit Zimtschnecken). Wir wären auch noch weiter ostwärts gefahren, doch die Wellen wurden zappeliger, wir fuhren ohne Spritzschutz (viel zu warm) und so sind wir umgekehrt, dieses Mal an den Südseiten der Inseln entlang und sind wieder in Bastuholmen angelandet. Dort haben wir erst einen größeren Teil des am Vortag gekauften Graved Lachs gegessen und haben dann zur Abkühlung im immerhin 23 °C warmen Ostseewasser geplanscht. Mehrmals.

Die Tour beginntDer öffentliche Boots- und Badesteg von Bastuholmen – noch leerAnnika auf der OstseeParallelfahrtMittagspause mit Graved LachsAbkühlung im Meer

Von Bastuholmen sind wir wieder nach Kågehamn gepaddelt, das ist ja nicht weit, und haben die Kajaks abgegeben. Ein herrlicher Sommer- und Urlaubstag, der mich darin bestärkt, doch auch einfach mal zu Hause zu bleiben und es hier schön zu haben.

Die weitere Wetterprognose: Vormittägliche Regenschauer in fünf Tagen, bis dahin Sonne bei Tagestemperaturen zwischen 22 und 28 Grad. Sommer in Nordschweden.