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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Habt Ihr denn Schnee?

Wie andere ein Gespräch einleiten mit „Wie geht’s?“, bekomme ich zur Zeit als Erstes oft ein „Habt Ihr denn Schnee?“ zu hören. Ich muss dann jedes Mal ein bisschen schmunzeln.

An der Garage reicht der Schnee bis an die hohen Fenster, nur die eine Seite des Outdoorpools schaut ein bisschen hervor und der Zaun hinter dem Bäumchen ist nur zu erahnen. Gut 80 Zentimeter liegen bei mir hinten im Garten. Und das, obwohl wir zwischendurch schon kräftiges Tauwetter hatten. Ja, Freunde, wir haben Schnee! Und das wird sich die nächsten Wochen auch nicht ändern. Zumal es mit -15 °C (jetzt um 18:00) auch nicht gerade frühlingshaft warm ist.

Haufenweise Schnee

ich

So sah es heute Abend in Skelleftehamn aus. Die bis zu vier Meter hohen Schneehaufen wurden von den kommunalen und privaten Schneeräumfahrzeugen und Traktoren den ganzen Winter über zusammengeschoben, um die Straßen und Einfahrten schneefrei zu halten. Und dort, an den Straßenrändern, auf den Grünstreifen und am Waldrand liegt der Schnee dann. Und liegt. Und liegt. Ich bin gespannt, wann das letzte bisschen Schnee hier verschwunden ist und der erste Huflattich blüht.

Umzug nach Japan

Mir langt’s jetzt. Seit Wochen hat es hier nicht mehr geschneit. Teilweise liegt hier weniger als ein Meter Schnee. Und das Anfang April, das geht ja gar nicht! Daher habe ich mich jetzt entschieden, ostwärts zu ziehen und zwar nach Murodo (室堂) in Japan. Dort liegt wenigstens noch richtig Schnee! Ich habe schon ein Haus gefunden und gekauft. Leider hat mir der Makler kein Foto vom Haus selber schicken können, dafür aber von meiner Garageneinfahrt. Drei Japaner diskutieren dort gerade, ob die Einfahrt auch gut genug schneegeräumt ist, damit ich, wenn ich übermorgen umziehe, mein Auto in der Garage parken kann.

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Das Blog werde ich dann wohl in „Ostwärts“ umtaufen müssen. Und ein bisschen japanisch lernen.

Foto: jsteph auf Flickr.

Vorsichtige Frühlingszeichen

Försynta vårtecken På svenska

Dom finns, de första tecken, att djupaste vintern är över. Pölen på asfalten, den första barmarken i skogen, en blank klippa, som är varken täckt med snö eller istappar. En mosstäckt stubbe, där en blåbärsbuske växer på. Och – en stor undran – en geting som försöker skaka av sig kylan. Synd, att jag hade inte min makroobjektiv med mig.

Men i skogen ligger snön fortfarande mer en knädjupt och idag kom även en ytterligare centimeter snö som visserligen smälte snabbt bort på asfalten.

Alle foton har jag gjort i närheten av mitt hus.

Es gibt sie, die ersten Anzeichen, dass der tiefste Winter vorbei ist. Die Pfütze auf dem blanken Asphalt, die ersten kleinen Stückchen barer Waldboden, der blanke Fels, der nicht schneebedeckt oder mit Eiszapfen behangen ist. Ein moos- und flechtenbedeckter Baumstumpf, auf dem ein Heidelbeerstrauch wächst. Und – eine große Überraschung für mich – eine Wespe, die versucht, sich von der Kältestarre zu befreien. Schade, dass ich mein Makroobjektiv nicht dabei hatte.

Um die Baumstämme schmilzt der SchneeWarmer SüdhangEin HeidelbeerstrauchDie erste frühe Wespe

Im Wald steckt man aber immer noch schnell bis über die Knie im Schnee, und heute Vormittag kam sogar ein Zentimeter Neuschnee dazu – der erste seit Wochen, der allerdings auf dem sonnenbeschienenen Asphalt keine Chance hatte. Nur auf dem Altschnee blieb er liegen und verstärkte die Kontraste der Schnee- und Eisstrukturen.

Neu- und Altschnee am Straßenrand

Alle Fotos sind übrigens in unmittelbarer Nähe meines Hauses aufgenommen. Wer mehr frischen Schnee will, der muss weiter weg, zum Beispiel nach Tromsø, wo heute 143 cm Schnee gemessen wurden. Hier ein Bild, welches Thorbjørn Riise Haagensen gestern in Tromsø aufgenommen hat.

Rad und Boot

Cykel och båt På svenska

Inte bara människor men också fordon verkar längta efter våren. Medan cykeln stannar kanske kvar långt i skogen, ska båten gå på fisketur med ägaren så snart som det går.

De stora fartyg har det lättare, eftersom en isbrytare banar väg mot havsisen för dom. Nästa dagen ser man bara en bana av ihopfrysen drivis, eftersom nätterna är fortfarande kalla.

Nicht nur der Mensch, sondern auch so manches Gefährt scheint sich nach dem Frühling zu sehnen. Während das rote Fahrrad vielleicht noch lange besitzlos im Wald bleibt, wird das Boot, so bald es geht, mit seinem Besitzer wieder zum Fischen hinaus auf die Ostsee fahren.

Fahrrad im WaldBoot auf dem Eis

Die großen Schiffe haben es einfacher, denn ein Eisbrecher bahnt ihnen einen Weg durch das Eis. Übrig bleibt eine lange Spur von Treibeis, welches am nächsten Tag schon wieder zusammengefroren ist, denn die Nächste sind noch frostig kalt.

Festgefrorenes Eis auf der Fahrrinne

Frühlingsanzeichen

Heute stehen die Zeichen eindeutig auf Frühling. Und es gibt viele Zeichen:

  • Gegen zwölf Uhr sind es acht Grad plus im Schatten, im Wintergarten sogar 22 °C
  • Ich laufe draußen das erste Mal wieder im T-Shirt durch den Wald
  • Ich sehe den ersten Schmetterling – einen kleinen Fuchs
  • Die Nachbarn wechseln auf Sommerreifen
  • Auf dem nassen Eis der nahen Bucht nutzen viele Eisfischer die vielleicht letzte Gelegenheit
  • Die Menschen sind nicht nur zum Schnee schippen und Hund ausführen draußen
  • Der Boden taut auf und weicht auf, an manchen Stellen ist es recht matschig
  • Viele Blätter sind tief in den Schnee geschmolzen, denn wenn sie von der Sonne bestrahlt werden, werden sie warm
  • Draußen knatterte es in der Straße und es war ein Mofa, kein Schneemobil
An manchen Stellen ist der Boden aufgeweichtEin Birkenblatt hat sich in den Schnee geschmolzen

Letztes Jahr war der Boden an den glattgeschliffenen Felsen schon praktisch schneefrei, doch dieses Jahr liegt noch viel Schnee. Auf den Skooterspuren kommt man zu Fuß ganz gut voran, daneben steht man schnell knietief im Schnee. Das erste Bild habe ich gestern vor einem Jahr aufgenommen, das zweite heute:

Gestern vor einem Jahr: Die Felsen sind schneefreiUm die Felsen herum liegt noch viel Schnee

Auch im Garten liegt noch ziemlich viel Schnee, selbst wenn der Zaun jeden Tag ein Stückchen mehr hervorguckt. Der Zaun vorne hat sich durch die festen Schneemassen von den Pfosten gelöst und sobald der Schnee dort weg ist, werde ich Hammer und Nägel in die Hand nehmen und den Zaun reparieren. (Ich und reparieren – Ha!)

Der Zaun hinten lugt aus dem Schneekaputter Zaun

Aber ich habe noch Glück gehabt. Denn gestern Abend, es waren immer noch Plusgrade, kamen bei einigen Häusern in der Straße Dachlawinen herunter. Bei einem Nachbarn haben sie sein mit soliden Eisenstreben aufgehängtes Vordach weggeknickt, bei einem anderen Nachbarn hat der Schnee den ziemlich dicken Pfosten vom Treppengeländer umgerissen. Da möchte ich nicht drunterstehen, wenn so ein dicker, großer Haufen vereister Altschnee vom Dach rutscht.

Jetzt ist wahrscheinlich kein Mensch mehr draußen, denn um 16:00 hat das zweite Hockeyfinalspiel Skellefteå vs Luleå begonnen.

Nachtrag: Zu dieser Zeit macht es keinen Spaß, nachts Auto zu fahren. Der Schnee auf der Straße, der sonst hell im Fernlicht leuchtete, ist weggetaut, und es dauert noch einen guten Monat, bis es nicht mehr dunkel wird.

Nachtrag: Ich habe noch einmal gemessen: Hinten im Garten liegen 65 cm Schnee, rechts neben dem Haus 80 cm. Mal schauen, wann das alles weg ist.

Querfeldeinspaziergang

„Tvärs-igenom-promenad“ På svenska

Efter förmiddagen var uppfyllt bl.a. med deklarationen och lagning av staketet som snön tryckte sönder, var jag ute några timmar i eftermiddag. Just nu är promenader tvärs igenom mark och skog amfibiska. Ibland går på torra sten, ibland genom knädjup snö, sen lämnar man ett djup spår i geggamojan. Och det är bara frågan om tid till man hitta den första djupa pöl, som glömmer sig under snön och – plask! – har man blöta fötter. Men det spelar ingen roll, det finns ju stöveltorkare.

På vakens is fanns fortfarande många isfiskare idag, men hundra meter längre bort var havet öppet. Kanske kan jag paddla kajak nästa helg.

Nachdem der Vormittag unter anderem der schwedischen Steuererklärung und der Reparatur des vom Schnee kaputtgedrückten Zaunes gedient hat, war ich heute Nachmittag noch einmal ein paar Stunden draußen. Zur Zeit sind Querfeldeinspaziergänge amphibisch. Teilweise läuft man über trockene Felsen, dann durch knietiefen Schnee, dann hinterlässt man tiefe Spuren im aufgeweichten Lehmboden. Und irgendwann lauert die erste Pfütze unter dem Schnee und – platsch! – ist Wasser in den Stiefeln. Das macht aber nichts, denn ich habe nicht nur eine Waschmaschine, die meine lehmige Hose wäscht, sondern auch einen Stiefeltrockner, der jetzt die Nässe aus den Gummistiefeln föhnt.

Auf der Buchteis saßen auch heute noch viele Eisfischer, aber keine hundert Meter weiter war das Meer schon offen. Vielleicht wird es nächstes Wochenende ja schon etwas mit dem Kajak fahren.

Eisfischer sitzen und liegen auf dem ufernahen Eis

Ein „Eispril“ windet sich durch das OstseeeisViele Bäche und Sumpfflächen sind schon offen

Der letzte Schneefleck

Den sista snöfläcken På svenska

Även den sista snöfläcken i trädgården skulle försvinna om denna första helgen i maj. Morgonsolen värmer den redan. I garagets skuggan däremot finns fortfarande den snö kvar som rasade ner från taket vid första töväder.

Auch der letzte Schneefleck im Garten dürfte an diesem ersten Maiwochenende verschwinden. Die Vormittagssonne wärmt ihn schon. Im Schatten der Garage allerdings liegt immer noch der Schnee, der irgendwann beim ersten Tauwetter vom Dach gerutscht ist.

Schnee in der SonneSchnee im Schatten der Garage

Abendbrot am Meer

Nach einem schönen Sonnentag, den ich bis auf das Mittagessen im Büro verbracht habe, war ich einkaufen, habe Essen, Kamera und Ersatzkleidung gepackt und bin mein Kajak hinter mir herziehend zum kleinen Strand von Storgrundet gelaufen. Dort war ein bisschen Strandbetrieb und ein Junge hat sogar gebadet. Das Wasser ist tatsächlich gar nicht mehr so eisig, nächstes Mal nehme ich auch die Badehose mit. Aber mein heutiges Ziel war die Insel Norrskär, denn dort wollte ich in der Sonne sitzen, aufs Meer schauen und abendessen. Und da ich hungrig war, war ich auch bald da. Wir haben seit Tagen sehr wenig Wasser in der Ostsee und an Stellen, wo ich sonst problemlos paddeln kann, schauen jetzt Steine oder ganze Kiesrücken aus dem Wasser. So musste ich das Kajak zehn Meter durchs seichte Wasser ziehen, ehe ich es an Land ziehen konnte.

Kurze Zeit später saß ich auf dem Fels in der Sonne, schaute aufs Meer und aß. Und das war ja auch ungefähr der Plan. Danach habe ich noch ein bisschen dagesessen und – natürlich – noch ein bisschen umher geschaut und fotografiert.

Lachs, Salat und SprudelwasserAbendbrot am MeerFels am Meer IFels am Meer IIKleine GischttropfenFrühe Abendsonne über der Ostsee

Dann habe ich aber wieder meine Sachen zusammengepackt, die Schwimmweste angezogen und bin mit einen Mini-Umweg an Inseln mit roten Sommerhäusern und frischgrün belaubten Birken wieder zurück zum Strand gepaddelt, wo ich von einigen Jugendlichen, die in und auf ihrem Schrottauto saßen, leicht apathisch begafft wurde. Vermutlich war ich total uncool.

Sommerhäuser am Meer

Vor dreieinhalb Wochen saß ich noch mit dickem Neopren eingepackt im Kajak, heute haben T-Shirt und Schwimmweste gereicht. Allerdings habe ich keine große Lust, so ins Wasser zu fallen, denn das ist weiter draußen natürlich noch ganz schön kalt. Aber das Meer war ruhig, nur bei den kleinen Zappelwellen am flachen Kiesufer muss man ein bisschen aufpassen.


Und nun nutze ich noch die Gelegenheit, mich bei meinen Münchner Freunden unbeliebt zu machen:

Skellefteå heute mittag: 21 °C, Wind 3 m/s, Sonne
München heute mittag: 8 °C, Wind 7 m/s, Sprühregen

Ich schreibe hier im Blog aber auch, wenn es hier bei uns scheußlich ist. Versprochen!

Nachtrag

Ich wollte den Artikel gerade veröffentlichen, da schaue ich noch einmal raus. Keine zehn Minuten später stehe ich mit dem Stativ am Meer, um diese herrlichen Abendfarben zu fotografieren. Elf Uhr ist es, als ich dieses Foto mache, zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang. Kurz vor halb drei wird die Sonne wieder aufgehen.

Sonnenuntergang bei Storgrundet

Sommeranfang

Heute, am ersten Juni, ist für die Meteorologen Sommeranfang. Sie rechnen gerne mit ganzen Monaten, das macht die Statistiken einfacher.

Für die Nordschweden ist schon seit Wochen Sommer. In Lappland war es gestern bis 30 °C warm, wärmer als in Italien, von Deutschland ganz zu schweigen. Aber ich bin mit den gut 20 °C, die wir hier haben, mehr als zufrieden.

Nach dem langen Winter frage ich mich den ganzen Mai schon: Wird in Skelleftehamn am ersten Juni noch Schnee liegen? Irgendwo? Die ganzen Schneehaufen, die vor zwei Wochen noch den Weg zum Bus gesäumt haben sind verschwunden. Aber an der Norra Hamngatan – der nördlichen Hafenstraße – wurde ich noch fündig. Dort liegen tatsächlich noch Schneereste unter den leuchtend grün belaubten Birken. Woran das liegt? Schaut selbst, wie es dort vor zwei Monaten aussah. (Das letzte Bild ist an der gleichen Stelle gemacht.)

Der letzte Schnee in Skelleftehamn

Heute morgen hat es übrigens geregnet. Kurz, aber – geregnet. Ihr Deutschen werdet müde abwinken und sagen „Regen, das kennen wir! Zur Genüge!“. Ich habe mich aber gefreut, weil jetzt alles nach Erde und Natur duftet.

Klebeschnee

Nasser, kalter KlebeschneeDa freut man sich über ein Wartehäuschen an der Bushaltestelle, wenn man nach der Chorprobe in der Stadt hinaustritt und von nassem Schneefall empfangen wird. Auf den Grünflächen bleibt er liegen, auf dem Asphalt bildet er sofort matschige Pfützen und an der westlichen Glasscheibe des Wartehäuschen bleibt er kleben. Ungemütlich. Doch fünf Minuten später kommt der Bus und fährt mich warm und trocken wieder zurück nach Skelleftehamn.

Nächtlicher Schneefall

Der Schnee, der gestern Abend in der Stadt fiel, kam in Skelleftehamn als Regen herunter. Später allerdings wurde ein bisschen kälter und es schneite auch bei mir zu Hause.

Heute morgen lagen fünf Zentimeter Schnee und hellten den dunklen Morgen auf. Heute in der Stadt schneite es weiter und taute gleichzeitig – Gummistiefelwetter – doch später sanken die Temperaturen unter Null, jetzt aktuell bei mir -3.5 °C.

Zwei Mal stand ich heute am Steinufer hinter der Lotsenstation. Einmal vor der Arbeit, einmal nach der Arbeit:

Schnee am MorgenSchnee am Abend

Sag nie „morgens“ zu einem Klempner!

Sage nie „morgens“ zu einem Klempner, denn das habe ich ihm am Mittwoch vorgeschlagen für die Miniarbeit, die noch zu machen war. In der Antwortmail stand nur:

Kan komma kl 6 imorgon. (Torsdag)

Jon M.

Kann morgen um 6 kommen. (Donnerstag). Nun gut dachte ich, sagte zu und stellte den Wecker auf 5:45. Und pünktlich um sechs stand er vor der Tür, hat den Ablauf des neuen Waschbeckens im Keller funktionstüchtig gemacht und mir gezeigt, wie ich in Zukunft die Heizung regeln soll. Und nun? Wieder ins Bett gehen? Nein, erst einmal frühstücken. Und wie schon am Vortag an die Küste fahren und Stativ und Kamera mitnehmen. Und dieses Mal kam ich rechtzeitig an, um am schneebedeckten Ufer ein wunderbares Morgenrot über der stillen Ostsee zu erleben. Ohne den Termin mit dem Klempner hätte ich eine Stunde länger geschlafen und dieses herrliche Licht verpasst.

Morgenrot

Eine Schattenseite der beiden längeren Klempnerbesuche gibt es allerdings: Von dem Geld, welches ich an den Klempner für Material und Arbeit bezahlt habe, hätte ich mir die neue wasserdichte Nikon AW1 kaufen können und hätte trotzdem noch 600 Euro übrig gehabt.

Wogen, Wind und weißer Schnee

Gestern sollte es eigentlich recht schön sein, statt dessen war es durchgängig trüb und ich habe meine Paddelpläne wieder beiseite gelegt. Erst am Abend kam die Sonne heraus.

Gestern: Sonnenuntergang am Sörfjärden

Dann bewölkte es sich wieder und smhi hatte für die Nacht und heute Regen und 3 °C vorhergesagt. Ich war deswegen erstaunt, als ich heute morgen sah, dass es schneite und die vereiste Straße wieder weiß bepudert war. Ich bin noch nie im Schneefall Kajak gefahren, dachte ich …

… eine halbe Stunde später war ich auf dem Weg zum Strand von Storgrundet, das Kajak im Schlepptau.

Auf dem Weg zum WinterpaddelnAm Strand von Storgrundet

Weil es doch ein wenig windig war, bin ich gegen den Wind in Richtung Nordwesten gepaddelt, damit ich es auf dem Rückweg bequem habe. Hinter der schützenden Insel ging das auch noch ganz gut, aber kaum, dass ich die Bucht verlassen habe, wurde es windiger, die Wellen höher und der Schnee pfiff mir ins Gesicht. Da wäre eine Skibrille schon praktisch gewesen, aber es gibt ja noch eine andere Möglichkeit: Umkehren.

Gegen Schnee und WindSelbstportrait im ruhigeren Wasser

Zwischen der Insel Storgrundet und Festland war es immer noch windig, aber wesentlich ruhiger. Also bin ich weitergepaddelt, bis ich an der Südostspitze der Insel war. Während der ganzen Fahrt hörte man schon die Brandung rauschen, jetzt sah man auch, wie sich die Wellen an der flachen Steinküste brachen.

Kurze Pause an Storgrundets SüdostspitzeBrandung an der Südostspitze von Storgrundet

Nach einer kurzen Pause, in der ich auf der kleinen Inselspitze herumgewatet bin (normalerweise ist der Wasserstand hier um einiges flacher), habe ich mich wieder ins Kajak gesetzt und beschlossen, dass ich versuchen will, hinter der Insel Brambärsgrundet wieder zurück zu paddeln. Dazu musste ich aber durch eine kleine ungeschützte Passage, in der die Wellen, die vom offenen Meer herein drückten, doch recht hoch aussahen. Ich habe erst einmal in Ruhe geschaut, wo ich zwischen den großen Steinen hindurch komme. Na gut dachte ich, dann los!

Eieiei – für einen erfahrenen Kanuten wäre das bestimmt leicht gewesen, aber ich fand es ganz schon ungemütlich, zuerst quer zu den kräftigen Wellen in Richtung Durchlass zu paddeln und dann in der mir doch etwas zu rauen See nach rechts zu wenden und …

… rausch – wumms – platsch – kommt der Brecher des Tages von hinten angerauscht, schüttet mir einen Eimer Wasser ins Kajak (Kein Spritzschutz wegen Kameratasche) und schiebt mich mit großem Schwung durch den Durchlass. Hinter mir höre ich es wieder rauschen. Ich glaube, so schnell bin ich noch nie gepaddelt! „Nur weg hier!“, dachte ich. Aber der große Brecher hat mir genug Schwung gegeben, dass mich die nächste große Welle schnell, aber ruhig in ruhigere Fahrwasser schiebt.

Dort habe ich erst einmal in Ruhe mit dem Schwamm das Kajak entleert. Merke: Die Lenzpumpe, mit der man Wasser wieder aus dem Kajak pumpen kann, gehört so ans Kajak befestigt, dass man auch unterwegs drankommt!

Der Rest der Fahrt war zwar gegen den Wind, aber zwischen Insel und Festland war dieser doch wesentlich ruhiger. Bloss beim Fotografieren wurde man sofort wieder zurückgetrieben. Bald war der schneebedeckte Bootsanleger von Storgrundet in Sicht, den ich nach einem Foto umrundet habe, um dann mit Schwung wieder am Sandstrand anzulegen. Dort habe ich dann den schützenden, aber unbequemen Neoprenoverall gegen Stiefel, Hose und Winterjacke gewechselt und bin mit dem Kajak wieder nach Hause gelaufen.

Jetzt – mittags – hat es aufgehört zu schneien. Sechs Zentimeter Neuschnee liegen in Skelleftehamn und nur noch wenige Grasspitzen schauen vereinzelt aus der Schneefläche im Garten heraus. Eindeutig die schönere Alternative zu drei Grad und Regen.

Bootssteg bei StorgrundetFertig für den Rückweg nach Hause

Drei Millimeter Schnee

Es fällt auf, wenn es Abends draußen plötzlich heller wird – Entweder fährt jemand mit Fernlicht oder es fällt Schnee auf die eisbedeckte Straße und reflektiert alles Licht.

Selbst wenn – wie gestern Abend – nur drei Millimeter herunterfallen, machet das einen Unterschied. Vor allem der eisbedeckte Fluss und das Meer hinter der nahen Insel Storgrundet sehen völlig anders aus als gestern oder vor drei Tagen.

Einige Fotos von heute morgen:

Storgrundet in Richtung SüdostStorgrundet in Richtung SüdostStorgrundet in Richtung NordwestFlusseis

Winteranfang

Heute, am ersten Dezember, ist für die Meteorologen Winteranfang. Gleichzeitig ist Skyltsöndag in Skelleftehamn. Doch dazu später.

Zeitungsartikel in der NorranAm Freitag berichtete mir ein Bekannter von dem Zeitungsartikel über mich. Über mich? Ach ja, richtig. Ich wurde ja vor anderthalb Monaten von der Norran interviewt, das hatte ich völlig vergessen. Thema war dieses Mal nicht „Der Deutsche, der freiwillig nach Nordschweden zieht“, sondern „Der Angestellte, der neben seiner Arbeit noch ein Hobby hat“. Während ich das nicht so außergewöhnlich finde, hat Norran aus der Tatsache, dass ich im Kammerchor mitsinge, eine Doppelseite gezaubert.

Gestern morgen war ich kurz an der Küste und habe dort G., den Fischer getroffen. Er hatte ein bisschen zu tun, bis er das Boot erst mit dem Auto an Land gezogen und dann freigeschaukelt hat. Seine Hündin fand das eher doof und hat laut gebellt, bis sie von ihm an Bord gehievt wurde. Eine Minute später hörte man den Außenborder und sah, wie G. sein Boot durch das dünne Eis zum offenen Meer steuerte.

G. wackelt sein Boot frei„Ich bin soo einsam!“

Ruisleipä – RoggenbrotNachmittags war ich bei meinen Nachbarn von gegenüber, um eine Zeitung zu holen, denn ich habe die Norran nicht und war schon ein bisschen neugierig, was man über den Chor und mich so schreibt. Das war ein guter Zeitpunkt, denn ich habe nicht nur die Zeitung bekommen, sondern noch etwas ganz besonderes: E. und ich sind uns einig, dass die Schweden kein Brot können! E. kommt aus Finnland und hatte frisches Roggenbrot gebacken. Da durfte ich probieren und habe gleich ein Stück geschenkt bekommen. Das war so lecker, dass sogar ich Koch- und Backmuffel jetzt beschlossen habe, auch Roggenbrot zu backen. Den Link zum Rezept habe ich, aber ich lasse mir das lieber von E. persönlich zeigen, denn das Rezept ist auf finnisch.


Heute war ja Skyltsöndag, so eine Art kombiniertes Advents-Weihnachtsmarkt-geöffnete-Läden-und-alle-haben-wieder-beleuchtete-Sterne-in-ihren-Fenstern-Fest. Vor zwei Jahren fand es bei Regen statt, letztes Jahr hingegen fiel es aus, weil innnerhalb 24 Stunden 83 Zentimeter Schnee gefallen waren. Und das nach einer Warnstufe 1 (10-20cm). Das räumen auch die Nordschweden nicht mal so eben weg. Ich musste schon ein bisschen lachen, als der smhi gestern wieder Warnstufe 1 Schnee (10 cm) ausgegeben hat.

Als ich heute morgen aufwachte, war auch alles weiß, aber mehr als fünf Zentimeter waren nicht gefallen. Das sieht schön aus, aber das es grau war und auch noch kleinere Schauer herunterkamen, habe ich nur ein paar Photos gemacht.

Reifenspur vorm HausSchneegestöber auf dem kleinen Damm

Die Crystal Topaz in Skelleftehamn„Crystal Pool“ klingt schön. Da denkt man an Urlaub im Süden, türkisblaue Pools mit warmen Wasser, von Palmen umgeben. Und wenn das groß auf einem Schiff steht, dann ist der Gedanke an Kruezfahrten nicht weit. Das Schiff „Crystal Topaz“, welches zur Crysal Pool Group gehört und heute an dem verschneiten Ufer des Ölhafens „Oljehamn“ vertäut war, ist allerdings kein Kreuzfahrtschiff, sondern ein Öltanker. Das erklärt auch die über­dimen­sionale Beschriftung „No smoking“.

SkyltsöndagSpäter war ich dann auch noch auf dem Skyltsöndag, habe ein paar Freunde getroffen, die Verkaufsstände angeschaut und war schnell wieder zu Hause. Allerdings noch mit einem kleinen Umweg nach Ursviken, zur „Kanotudden“, der Kanubucht. Der Fluss ist hier allerdings schon komplett zugefroren und der böige Wind treibt Schnee über die Eisflächen, während die Sonne, die schon um viertel vor zwei unterging, die Wolken in Bonbonfarben taucht.

Eisbedeckte Bucht des Skellefteälven

Reifenspuren

Eigentlich wollte ich heute Abend Schneewehen fotografieren, denn der trockene Neuschnee, der heute morgen gefallen ist, wurde waagerecht vorbei geblasen. Aber dann habe ich etwas entdeckt, was ich viel spannender fand: Der Wind hat den ganzen Asphalt schneefrei geblasen, bis auf einige Reifenspuren, an denen sich der Neuschnee festhalten konnte.

Reifenspuren vor der LotsenstationReifenspuren vor der Lotsenstation

Auch auf dem Parkplatz am Bootshafen war der Schnee komplett weggeblasen und das Eis, welches die Bucht bedeckt hat, war teilweise vom starken Wind wieder aufgebrochen.

Am BootshafenDünne Eisscholle am Bootshafen

Am Rand, wo Gras, Gestrüpp und kleine Kiefern wachsen, haben sich einige Schneewehen gebildet. Kaum 30 Zentimeter hoch, aber genug, um nur noch die Spitzen der jungen Kieferbäumchen herausschauen zu lassen.

Die kleine Kiefer und die kleine Schneewehe

Ein Montag – drei Welten

Es kommt selten vor, dass ich an einem Tag in drei Welten zu Hause bin. Heute war so ein Tag.

Welt 1

Angefangen hat alles wie ein gewöhnlicher Montag mit meiner Arbeit als Programmierer. Heute habe ich zum Beispiel ein PlugIn begonnen, welches Tweets von der neuen Twitter-API 1.1 mithilfe von OAuth liest. Für die, die es wissen wollen. Aber ich habe heute nur einen halben Tag für Hello Future gearbeitet und auch von zu Hause aus, denn

Welt 2

heute nachmittag war ich als Musiker gebucht: Bei einer Veranstaltung „Skelleftehamn 1913-2013“ habe ich im „Sävenäs Maskinhus“ einige Stunden Klavier gespielt. Das war fast wie früher: Man spielt alte Musicalsongs, Bossa Novas und Balladen so knapp über der Hörschwelle. Selbst ich habe mehr gesehen als gehört, was ich gespielt habe, doch den Leuten hat es gefallen. Fast wie früher, aber doch so anders: Man spricht alle mit Du an, ich kenne Johan, den Organisator und auch Pär, den Koch persönlich und auch einen der Gäste kannte ich privat. Eine kleinere Welt. Und noch etwas war anders: Als ich alles wieder ins Auto geräumt habe, zeigte das Thermometer -14 °C an. Und fünf Minuten später war ich wieder zu Hause. Heimspiel.

Normalerweise, wenn ich zu Hause arbeite, gehe ich immer zu Din Fest, meinem Lieblings­restaurant, doch heute nicht, denn heute Mittag war ich

Welt 3

draußen lunchen. Denn es hat die ganze Nacht und den halben Tag geschneit und alles war weiß. Ich habe zum ersten Mal meine Skier untergeschnallt und bin mit gepacktem Rucksack zum Meer gelaufen. Erst auf der Wohnstraße, keine zehn Minuten später im Wald.

Skipremiere 2013/14Mit Skiern im Wald

Dort ist der Schnee aber noch zu locker und flach und man schrappt immer auf den Felsen herum, also bin ich hauptsächlich die verschneiten Wege entlang gelaufen. Es ist immer wieder schön, wenn man der erste ist, der eine frische Spur durch den Schnee zieht und noch kein Skooter vor einem den Weg planiert hat.

Winterlandschaft

Bald war ich am Meer, dort schneite es heftiger und es lag auch mehr Schnee. Das Meer zwischen Festland und der nahen Insel Brambärsgrundet ist fest von Eis gedeckt, doch weiter draußen ist das Meer offen und man hört die Brandung an die Außenseite der Insel rauschen. Ein schöner Picknickplatz, und -8 °C mit Schnee ist auch „wintriges“ Wetter für ein erstes Schneepicknick. (Wer meint, -8 °C sind kalt: In Nikkaluokta gab es letzte Nacht -40.8 °C. Da sind Picknicks erfahrungsgemäß meist etwas kürzer.)

Am MeerSchneeschauer vor der Insel Brambärsgrundet

Bloß mit den Selbstauslöseraufnahmen vom Picknick hat es nicht geklappt. Denn ich hatte meine neue Kamera mit halbvollem Akku dabei, der in der Kälte schnell leer war und Ersatz habe ich noch nicht. Und mein iPhone ist ohnehin eine Memme, die lieber in der warmen Stube bleibt: Obwohl der Akku noch 50% Kapazität hatte, hat sich das iPhone einfach ausgeschaltet. Aber zumindest zwei Fotos gibt es: Eins vom Picknickplatz, eins vom „ersten Gang“.

Der heutige PicknickplatzDagens lunch

Der schwedische Wetterdienst smhi ist ziemlich schlecht darin, Schnee für Skelleftehamn vorauszusagen: statt der prognostizierten ein, zwei Zentimeter Schnee kamen 15 und im Garten liegen jetzt 20 Zentimeter Pulverschnee. Das wird aber nicht lange bleiben, denn ab übermorgen sagt der smhi warmes Wetter mit Temperaturen um +7 °C voraus und Temperaturen kann der smhi leider ziemlich gut.

Aber heute habe ich meine Skipremiere gehabt. Wie schön, dass ich heute in gleich drei meiner Welten zuhause sein durfte.

À la recherche de la neige perdu

Gestern bin ich aus Deutschland zurückgekommen, wo ich die Weihnachtstage verbracht habe. In Skellefteå und Skelleftehamn liegt immer noch kein Schnee, denn auch die Weihnachtswoche hatte es hier Plusgrade und es hat geregnet. Heute habe ich mich dann Auf die Suche nach dem Verschwundenen Schnee gemacht. Dazu bin ich mit dem Auto ins Inland gefahren, wo es zu dieser Jahreszeit meistens kälter als an der Küste ist. Nach dreißig Kilometern habe ich angehalten und im Wald fotografiert.

Schneeloser Wald westlich von Klutmark

Nun ja. Schnee sieht anders aus. Weiß, glaube ich. Ich bin also weitergefahren. Nach weiteren zehn Kilometern hielt ich wieder an, um eine Weide mit einem alten Holzschuppen zu fotografieren.

Alter Schuppen

Das ist immerhin schon ein bisschen mehr in Richtung Schnee, auch wenn die Schneeflecken sehr verharscht und vereist sind. Ich bin also weitergefahren. Wenige Kilometer später hat sich das Bild gewandelt. Plötzlich war auch mal ein ganzes Grundstück schneebedeckt und auch auf den Weiden schaute nicht mehr ganz so viel Gras hervor. Ich bin aber noch ein ganzes Stück gefahren, ehe ich bei Kusmark ein Bild machen konnte, auf dem Schnee und Sonne gleichzeitig zu sehen waren.

Schneefläche bei Kusmark

Das ist wirklich nicht viel Schnee, aber reicht aus, um nach Winter auszusehen. Interessanterweise scheint bei Kusmark ein kleines Winterloch zu sein. Obwohl schon wieder näher an der Küste, lag dort eine geschlossene Schneedecke und das Thermometer fiel dort beim Fahren kurzerhand von + 1 °C auf – 5 °C.

Durch das ständige Tauen, Schmelzen und Frieren haben sich in vielen Senken Schmelzwasserteiche gebildet, die komplette Wiesen mit einer dicken Eisschicht überziehen. An einer dieser bräunlichen Eisflächen habe ich noch einmal angehalten. An einer Stelle konnte ich Hasenspuren ausmachen. Mitten in der dicken Eisschicht. Als der Hase dort entlang lief, war dort vermutlich noch Schneematsch. Inzwischen waren die Spuren aber gefroren und mit einer neuen harten Eisschicht bedeckt. Am Rande ist das Eis aber noch matschig-weich und so habe ich beim Fotografieren mit meinen Stiefeln ein paar neue Spuren dazu gemacht.

Gefrorener Schmelzwasserteich

Morgen soll es zwar schneien, aber hier kommt das Ganze vermutlich wieder als Regen herunter. Und auch die nächste Woche soll wechselhaft, trübe und warm werden. Ich bin wirklich gespannt, wann hier Kälte und Schnee Einzug halten, oder ob ein Winter hier auch einmal komplett ausfallen kann. So wie in Essen, wo ich elf Jahre gelebt habe.

Noch eine Sache mutete heute sehr deutsch an: Das Einkaufen. Ich habe hier noch nie so viel Verkehr erlebt wie heute. Nicht nur auf der Zufahrtsstraße der Einkaufszentren auf der grünen Wiese, sondern auch auf der Europastraße 4 war Stop-And-Go und der erste Gang meines Saabs hatte heute seine große Stunde. Praktischerweise musste ich nicht ganz bis in die Stadt fahren, sondern konnte vorher am Abzweig nach Skelleftehamn die E4 verlassen.

„À la recherche de la neige perdu“ ist eine Verballhornung des Originaltitels von Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“.