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Nordwärts

Vom Leben in Skelleftehamn

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Der Winter diese Woche

Am Sonntag um zwei lagen also hinten im Garten 83 cm Schnee, alle von den letzten 24 Stunden. Am nächsten Morgen lagen dort nur noch 67 cm, denn der frisch gefallene Schnee ist so fluffig und leicht, dass er ziemlich schnell zusammensinkt. Das ist vielleicht auch ganz gut so, denn sonst würden hier erstaunliche Pulverschneemengen herumliegen und bei jedem kleinen Windstoß die halbe Nachbarschaft zuwehen.

Am Montag (3.12.) ca. 5 cm Neuschnee, am Dienstag morgen ca. 15 cm Neuschnee (eine halbe Stunde schaufeln), seitdem jeden Tag ein paar Zentimeter. Heute Mittag hatte ich hinten im Garten 56 cm, also ist der Schnee schätzungsweise auf die Hälfte seines Volumens zusammengesunken. Auch heute ist es wieder windig und es schneit, aber wirklich viel kommt nicht herunter.

Am Dienstag (4.12.) Abend wurde es mal kurz überraschend kalt: Am Flugplatz wurden -25 °C gemessen und auch bei mir in Skelleftehamn wurden zum ersten Mal in diesem Winter die -20 °C kurz unterschritten. Seitdem ist es aber langsam wieder wärmer geworden, heute mit Temperaturen zwischen -9 °C und -7 °C. Das ist schön, denn da kann ich noch ohne Handschuhe fotografieren.

Am Mittwoch (5.12.) wurde eine Schneewarnung für Stockholm gegeben und richtig – es kam auch einiges in der Stadt herunter, die damit viel größere Probleme hatte als der Norden, denn dort ist natürlich viel mehr Infrastruktur und die wird intensiver benutzt. Auch der Flughafen war am Vormittag wegen des Schnees geschlossen.

Ein bisschen lächerlich gemacht hat sich aber meiner Meinung nach die Zeitung „Dagens Nyheter“, die ein Bildspiel mit dem Titel „Snökaoset i Stockholm“ im Netz veröffentlicht hat. Da war unter anderem dieses schöne Bild zu sehen, von dem ich einen Screenshot gemacht habe. Als ich das bei Facebook gepostet habe, war die Freude der Nordschweden groß, denn hier denken ohnehin alle, dass der Süden nicht weiß, was Schnee und Winter sind.

Heute (7.12.) bin ich durch den Schneefall wie so oft vom Bus nach Hause gelaufen – mit Handschuhen, Halstuch, Mütze und dicker Kapuze auf. Dazu habe ich brasilianische Musik gehört – ein herrlicher Kontrast zum Wetter hier. Abends war ich dann noch einmal kurz draußen und habe Schneewehen und mein Haus fotografiert. Beim Bearbeiten ist mir aufgefallen, dass die vom Wind gewehten Strukturen den Schnee fast wie Sand aussehen lassen. Ich habe versucht, den Schnee wie Sand aussehen zu lassen, aber das Geglitzer verrät schnell, dass ich nicht in der Sahara unterwegs war.

Schneeloch Bureå

Heute bin ich mit dem Auto nach Bureå gefahren, der Ort, in dem letztes Wochenende noch mehr Schnee herunterkam. Und wenn ich mir den Friedhof von Bureå so anschaue, dann glaube ich das auch. Ganze Reihen von Gräbern waren komplett im Schnee verschwunden und nur ein Teil der Steine und Kreuze lugte aus dem Schnee hervor. Der Hauptweg war wohl mal geräumt waren, auf ihm lagen nur so 30 cm Schnee. Als ich die Fotos gemacht habe, musste ich schon sehr genau schauen, wo ich langgehe, damit ich nicht über irgendeinem Grab herumtrampele. Aber – seht selbst:

Als ich wieder am Auto war, stand eine alte Dame – eine kleine, zierliche Frau – vor dem Hauptweg. Sie wollte eigentlich zum Grab ihres Mannes und dort ein Licht anzünden, aber da der Weg nicht geräumt war, ging das nicht. Sie hat erzählt, dass letztes Wochenende 98 cm Schnee herunterkamen und soviel Schnee lag, dass sie ihre Haustür nicht öffnen konnte und nicht herauskam. Andere kamen dann mit Traktor und Schneefräse und haben ihren Eingang freigebuddelt.

Ich bin dann weiter zum Bureberget gefahren und der Weg zum Skilift war tatsächlich geräumt, auch wenn er noch nicht in Betrieb ist. Was für ein schöner Winterwald erwartete mich dort: Tief verschneit und immer wieder mit Blicken auf die Ostsee: Im Vordergrund die komplett zugefrorene Bucht Burefjärden, links am Horizont das Werk Rönnskär in Skelleftehamn – nur manchmal durch die Schneeschauer zu erkennen, und rechts am Horizont Wasser – denn dort ist das Meer noch offen.

Weit bin ich aber nicht gekommen, denn ich hatte keine Schneeschuhe dabei und so manches Mal stand ich bis zum Bauch im Schnee. Als ich dann von dem einen Schritt auf den anderen plötzlich bis über die Brust im Schnee steckte, bin ich umgekehrt. Da ich ein bisschen erkältet war, gibt so etwas meine Kondition noch nicht her. Abgesehen davon wird das Gelände schroffer und steiler, wenn man weiter geht, und das ist mir bei dem Schnee alleine zu gefährlich. Ich habe keine Lust, in irgendeine unsichtbare Ritze hineinzurutschen.

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich noch kurz zum Badestrand, aber die Straße war nicht geräumt und ohne Allradantrieb habe ich mich nicht getraut, dort entlangzufahren. Also bin ich zurückgefahren. Auf manchen Strecken ist es gar nicht so leicht zu sehen, wo der Weg entlangführt, denn alles ist weiß und kontrastarm und auch die leuchtenden Stecken, die den Wegrand markieren sollen, findet man nicht überall.

Als ich dann in meine Straße zu Hause einbog, dachte ich, „Dann hätte ich auch zum Strand fahren können!“, denn dort erwartete mich eine aufgewühlte Schneepiste. Beim Einbiegen driftete das Auto nach außen und ließ eher das Fahrgefühl einer Rodelschale als eines Autos aufkommen. Eine Stunde später kam dann das große Schneeräumfahrzeug und hat die Straße freigemacht. Wo bleibt der Schnee? Auf den Grundstücken! Also war wieder Schneeschaufeln angesagt. Da das Zeugs ja auch irgendwo bleiben muss, habe ich auf einen Schneehaufen eine Rampe angelegt, auf der ich dann den Schnee hochschiebe. Und das war heute richtig anstrengend, weil es mit -2 °C recht warm war und daher der Schnee zu großen und sackschweren Klumpen zusammengepresst ist. Ächz!

Ein Wintermorgen

Gestern war es klar – und damit recht kalt. So um -17 °C. Dann kamen abends die Wolken und es wurde wärmer. Heute morgen schaue ich aus dem Fenster, schaue zwei Mal. Viel ist nicht zu sehen, denn der Wind, den ich nachts schon gehört habe, treibt Schnee vorbei. Und der smhi hat ganz plötzlich Warnstufe 1 wegen 10 cm Neuschnee mit Verwehungen ausgerufen, die im Laufe des Tages kommen sollen. Wenn ich mir die Straße so anschaue, würde ich sagen, dass das Meiste davon schon angekommen ist.

Vorgestern hat hier ein Räumfahrzeug die Schneeberge am Straßenrand und auf den Fußwegen weggenommen und plötzlich ist die Straße doppelt so breit. Dabei hat das Räumfahrzeug den Schnee wohl weggefräst, denn die Kante am Rand sieht aus wie mit dem Stahllineal gezogen. Nun weht die Straße langsam wieder zu und vor allem am Rand sammelt sich der Pulverschnee.

Mein Auto hat wie die meisten Fahrzeuge einen Motorwärmer und ich schließe es nachts an die Steckdose an, damit der Motor morgens warm ist. (Das Auto springt aber auch bei -26 °C noch ohne Motorwärmer an, selbst getestet.) Jetzt hat man die Wahl: Im Fußraum ist ein kleiner Heizlüfter. Schließt man den an, so hat man es morgens schön warm im Auto und die Scheiben beschlagen nicht. Allerdings ist dann auch das Auto warm genug, dass außen der Schnee schmilzt, dann festfriert und man ganz ordentlich Eis kratzen muss. Lässt man ihn aus, so sitzt man in einer Wolke von gefrierender Atemluft. Ich halte es da mehr mit dem Kratzen.

Und Schnee geschaufelt, damit ich losfahren kann und freigekratzt habe ich schon. Als ich allerdings die Windschutzscheibe freigelegt habe, war die Heckscheibe schon wieder komplett zugeschneit. Also muss ich direkt vor dem Losfahren noch mal Schnee von den Scheiben fegen und dann aber los …!


Facebookkommentare heute mogen:

„Skitväder, igen.“ (Sch***wetter, wieder.)

„Trotsar snökaoset :)“ (Trotze dem Schneechaos).

Nicht über Lucia

Heute, am 13. Dezember ist Luciatag. Da könnte ich einiges drüber schreiben. Wenn es mich irgendwie betreffen würde. Denn von Lucia habe ich außer vielen Fotos auf Facebook nichts mitbekommen. Ich war zu Hause.

Gestern war Aufführung. Nach der Generalprobe am Dienstag hatte gestern das Stück „Julstämning“ – zu deutsch „Weihnachtsstimmung“ Premiere. Auf der Bühne: Saga die Schauspielerin, ein Chor und ich am Flügel. Die Premiere lief richtig toll und an sich sollte ich mich heute auf die zweite (und letzte) Aufführung freuen. Tue ich aber nur mäßig. Denn in der Nacht habe ich das bekommen, was die Einheimischen hier „Vinterkräksjuka“ – zu deutsch „Winterkotzkrankheit“ nennen. Ich erspare Euch die Aufzählung der Symptome. Jetzt habe ich immer noch ordentlich Fieber, werde mich aber gleich ins Auto setzen und zum Theater fahren. Da kann ich mich dann freuen, dass ich einiges an Routine als Pianist habe und die Stücke auch in meinem, sagen wir suboptimalen Zustand gut spielen werden kann.

Unterbrochen wurde der Tag, den ich hauptsächlich mit Schlafen und ekligen Magentee trinken ausgefüllt habe von einem Traktorgeräusch. Der Nachbar von gegenüber hat einen alten Freund, der einen ebenso alten Traktor (Baujahr 1957) sein eigen nennt. Und mit diesem herrlichen Gefährt hat der Freund für kleines Geld meine Einfahrt von den Schneemassen befreit. Das sieht zwar jetzt nicht mehr so romantisch aus, aber dafür komme ich auch wieder ohne Tiefschneegestapfe zur Garage.

Ansonsten war ich heute beleidigt! Nicht, weil ich krank bin. Sondern weil es in München viel kälter war als hier! Ich habe so eine Art Absolutheitsanspruch an den Winter in Skelleftehamn, meinetwegen auch noch den in der Stadt: Hier soll es am kältesten sein, am meisten Schnee liegen und ich will lächelnd abwinken, wenn jemand von Schneechaos redet, weil mein Haus bis zum Dach im Schnee steht.

Von daher habe ich es schon als Affront empfunden, dass vor zwei Wochen in Bureå 98 cm Schnee gefallen sind und hier nur 83 cm. Das ist so wie 4:5 verloren. Bin ich, der nie ein Fußballspiel live gesehen hat, vielleicht doch ein verkappter Wettbewerbsfan?

Und dann das hier!:

Am 4. Dezember schön und gut: München -2 °C, Skellefteå Flugplatz -22 °C. Das klingt doch richtig schön nordschwedisch. Aber heute morgen: Skellefteå Flugplatz -4 °C, München -19 °C. Hallo? Geht’s noch? Ich kann mich bei meinen Münchner Freunden doch gar nicht mehr sehen lassen, die lachen mich doch aus! -4 °C, da hätte ich auch nach Hannover ziehen können. Ich hoffe, dass, wenn ich die Silvestertage hier mit deutschen Freunden verbringe, mehr als das zu bieten habe.

So, jetzt gibt es wieder Magentee und dann setze ich mich ins Auto und mache Theater.

Nachträgliche Anmerkungen:

Über Lucia haben heute unter anderem Swedish freak (englisch) und Schwedenstube geschrieben. Und vor einem Jahr habe ich selber etwas geschrieben.

Die Screenshots von den Temperaturen habe ich von der iPhone-Applikation „AeroWeather Pro“ gemacht. Gibt’s auch für den Anfang als Light-Version.

Trübes Schneewetter

Zur Zeit schneit es fast jeden Tag. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Schneedecke steigt, denn obwohl seit den 83 cm von vor 12 Tagen mehr als ein halber Meter Neuschnee gefallen ist, habe ich jetzt 67 cm Schnee hinten im Garten und nicht einen Meter vierzig.

Aber wenn der Schnee sich setzt, dann trägt er auch Skier.

Und so wollte ich eigentlich schon letztes Wochenende Skilaufen, aber da habe ich mich schon nicht so gefühlt. Jetzt, wo ich zwei Tage krank war und immer noch etwas Fieber habe, wird das dieses Wochenende wohl auch nichts. Und da ich über die Feiertage in Deutschland bin, wird es noch eine Zeit lang dauern, bis ich hier die erste Skitour mache. Soviel dazu, was passiert, wenn man Nordschweden zieht …)

Meine momentan eher geringe Energie werde ich stattdessen morgen wieder in das Schneeschieben investieren, denn das Räumfahrzeug hat wieder einen Schneewall vor meine Einfahrt geschleudert, der jetzt friedlich dabei ist, festzufrieren. Aber – so lange man noch die Straßenschilder sieht …

… das hätte ich nicht schreiben sollen, denn an der Straßenecke türmen sich die Schneeberge am Rand besonders hoch auf. Und lange dauert es vielleicht nicht mehr, bis das Straßenschild „Tallvägen“ verschwunden ist.

Ihr werdet merken, dass ich in letzter Zeit mehr Schwarzweißbilder zeige. Das hat, außer dass mir das gefällt, zwei weitere Gründe:

Meistens ist es jetzt ja dunkel und da werden alle Straßen hier von Neonlampen erhellt, die den Schnee orange erscheinen lassen. Und das sieht auf den Fotos oft ziemlich scheußlich aus. Zum anderen ist es vier Wochen hier, dass es hier mal so etwas wie klaren Himmel gegeben hat, und das war (a) nachts und (b) ganz kurz. Ach nein, jetzt übertreibe ich, den einen Tag war es tatsächlich auch mal tagsüber schön, sogar die Sonne habe ich kurz gesehen, aber da habe ich gearbeitet und saß im Büro.

Andererseits: Der Winter hat gerade mal angefangen. Drei bis vier Monate wird der Winter hier noch dauern, und da habe ich noch genug Zeit fürs Skilaufen. Und dann ist die Ostsee vermutlich auch nicht nur wie schon jetzt mit Eis bedeckt, sondern auch so solide zugefroren, dass ich mit Skiern zu den Inseln laufen kann. Bei blauem Himmel.

Die Ostsee – eisbedeckt

Es hat ja auch was Gutes, wenn man sich von Krankheit erholt: Man darf hemmungslos kurze Strecken mit dem Auto fahren. Einmal zur Lotsenstation, die Nase in den Wind halten, Fotos machen und wieder zurückfahren. Und wieder faul im warmen Haus erholen.

Heute schneit es mal wieder, es sind -3 °C, für halb Schweden sind Schneewarnungen ausgegeben, aber für hier (noch nicht). Und es ist ganz schön windig an der Küste. Die Insel Gåsören, die herrlich vom pastellfarbenen Licht diffus angestrahlt wurde – drei Minuten später war sie fast verschwunden, weil der nächste Schneeschauer, der sich im ersten Bild schon rechts als dunkelgraue Wolke ankündigte, vorbeifegte. Und innerhalb weniger Minuten auch meine tiefen Fußspuren wieder zuwehte.

Ich liebe diese Zeit, wo die Ostsee zufriert und der Winter alles mit Schnee und Eis zudeckt. Ich mag die Eisformationen vor den Ufern und ich mag den weiten Blick über die weiten, weißen Flächen des zugefrorenen Meeres.

Anmerkung für Fotografen: das vorherige Bild mit dem Titel „Ostseeeis“ ist kein Schwarzweißbild. Ich habe lediglich den Weißabgleich ein bisschen genauer gemacht. Und obwohl ich dann sogar spaßeshalber die Sättigung erhöht habe, konnte ich selbst im A-B-Vergleich kaum einen Unterschied zwischen Farbe und Schwarzweiß erkennen.


Auf der anderen Seite der Halbinsel liegt das Lotsenschiff PILOT778 SE. Es scheint das ganze Jahr im Einsatz zu sein, denn hinter dem Heck des Schiffes ist eine eisfreie Rinne zu sehen. Ob das Boot das Eis selber bricht oder ein Eisbrecher zur Hilfe kommt, weiß ich nicht.

Möchte man wieder zurückfahren, so nimmt man das kleine Stück Straße über den Damm. Hier ist links und rechts Wasser, auch wenn man das auf dem Foto nicht sieht, denn zum einen ist eh alles zugefroren und zum anderen – es schneit mal wieder.

Abendspaziergang

Ich komme gerade von draußen herein und habe seit Wochen wieder Sterne am Himmel gesehen. Zwar nur einige, die matt durch die dünnen Wolken, aus denen immer noch ein bisschen Schnee grieselt, hindurch scheinen, aber immerhin.

Da ich am Freitag nach Deutschland fliege, habe ich heute Abend noch einmal einen längeren Spaziergang durch das Städtchen Skelleftehamn gemacht. Das erste Fotomotiv wartete schon: Die Garagen, die momentan recht ungenutzt aussehen.

Ebenfalls ungenutzt steht so manches Auto, so manches Fahrrad im Schnee oder auch unter dem Schnee. Ich wüsste gerne, wie viele Fahrräder ich einfach nicht gesehen habe, weil dort irgendein Schneeräumfahrzeug einen der bis zu vier Meter hohen Schneeberge angelegt hat.

Zum Schnee, zum Wetter, zum Winter: Seit gestern liegen (wieder) 70 cm Schnee hinten im Garten, gefallen sind vermutlich knapp 160 seit dem 1. Dezember. Aber davon kam ja die eine Hälfte direkt innerhalb von 24 Stunden herunter. Die letzten sieben Tage war es recht mild mit Temperaturen um -3 °C, seit gestern wird es kälter und jetzt sind es -12 °C. Am Wochenende wird es vermutlich kälter, aber da bin ich schon in Deutschland und da interessiert mich das Bremer Wetter mehr. Momentan sieht es zwar nicht nach weißen Weihnachten aus, aber eventuell nach Dauerfrost. Sollte ich es wagen, meine Gummistiefel zu Hause zu lassen …?

Tauwetter

Es ist doch wirklich zum Mäuse melken! Neun Tage war ich in Deutschland. Und genau in dieser Zeit war es herrlich kalt in Nordschweden, in Skellefteå bis -25 °C und im Inland bis unter -35 °C. Und kaum bin ich wieder zu Hause, gibt es Tauwetter und Sprühregen. Die Höchststrafe für Winterfotografen und Kälte- und Schneeliebhaber!

Nun, wir haben mehr als reichlich Schnee, der taut nicht so schnell weg. 79 cm ziemlich pappiger Schnee liegen im Garten und auf dem Dach des Wintergartens liegt soviel, dass ich die nächsten Tage den Schnee vom Dach schaufeln werden muss. Heute habe ich gehört, dass ein Nachbar über die täglichen Neuschneemengen Buch führt. Und danach sind seit dem 1. Dezember drei Meter Schnee gefallen (und natürlich zusammengesackt). Das ist schon eine ganze Menge!

Also, Schnee liegt genug. Aber das Tauwetter macht alles ein bisschen hässlicher. Die scharfen Formen der Schneewehen und -wächten sacken zusammen, auf der Straße schimmert der Asphalt durch nasses Eis, viele Bäume sind schneefrei und haben nicht nur Schnee, sondern auch kleine Blätter, Samen, Nadeln und Rindenstückchen abgeworfen. Und überall tropft es. Das ist wirklich kein Fotografierwetter und ich hoffe, dass es bald wieder kälter wird und Neuschnee die dreckig wirkenden Nassschneeflächen wieder in eine weiße Winterlandschaft verwandeln wird.

Zumal ich die nächsten Tage nicht alleine bin, sondern mich fünf gute Freunde aus Deutschland nach Hause begleitet haben. Und denen würde ich natürlich gerne etwas bieten: Kaltes, klares Winterwetter mit trockenem Schnee und gerne ein abendliches Polarlicht dazu. Dann kann man schön Iglu bauen und vielleicht sogar schon über die zugefrorene Ostsee laufen. Bei diesem Wetter sind die Nachbarn aber ein bisschen skeptisch, ob man schon mit einer Gruppe über das Eis laufen sollte.


Gestern morgen klingelte der Wetter um zwanzig vor drei (in Zahlen: 2:40!). Delle, ein Freund aus alten Zeiten hat mich mit dem Auto abgeholt und wir sind nach Göteborg gefahren. Wir hatten den Eindruck, dass es in Dänemark nicht wirklich etwas gibt, denn alles war dunkel und nur wenige beleuchtete Häuser und Höfe waren von der Autobahn aus sichtbar. Nur ab und zu schimmerte eine fahl beleuchtete Fassade einer weißen Steinkirche durch die Finsternis.

Nach einiger Zeit und zwei mautpflichtige Brücken später waren wir in Skåne in Schweden. Es wurde heller, aber Nebel und Sprühregen tauchten die Landschaft in ein trübes Grau. Da wir sehr viel Reservezeit eingeplant hatten, hatten wir genug Zeit, um unsere Füße am Strand von Mellbystrand nördlich von Ängelholm ein bisschen auszuschlenkern. Da hatten wir sogar trockenes Wetter mit recht klarer Sicht. Aber kaum waren wir wieder auf der Autobahn, hing schon wieder der Hochnebel über dem Autodach und die Scheibenwischer bekamen wieder viel zu tun.

Danach: Zug Göteborg—Stockholm, Nachtzug Stockholm—Bastuträsk, Bus Bastuträsk—Skellefteå, Bus Skellefteå-Skelleftehamn. Zu Hause!

Meine Einfahrt war wieder ziemlich im Schnee vergraben. Toll, wenn einer der Freunde mit großer Begeisterung den ganzen Schnee wegschippt. Doch dann kam der Schneepflug und schon lag wieder ein dicker Schneewall vor der Einfahrt, die dann Hans mit dem Traktor auf meine Bitte hin wegräumte.

Bevor es dunkel wurde, sind wir heute zur Ostsee gelaufen. Sie ist zugefroren, aber oberflächlich ziemlich nass. Sowohl Skooter- als auch Fussspuren führen zur Insel Storgrundet, aber ich glaube, ich höre lieber auf die Nachbarn und wir verzichten auf eine Tour über das Eis, eh jemand einbricht und ein unfreiwilliges Bad nimmt.

Aber das Tauwetter, welches mich extrem annervt, hat auch zwei gute Seiten: Zum einen sind die zentimeterdicken Eisschichten vom Autoheck abgetaut, zum anderen kann man, wenn es wieder kälter geworden ist, auf dem gesetzten Schnee bestimmt prima Skilaufen.

Auf’s Dach gestiegen

Wenn so viel Schnee auf dem Dach liegt wie jetzt und es dann warm wird und (sprüh-)regnet, dann habe ich ein bisschen Angst um mein Plastikdach auf dem Wintergarten. Immerhin liegen da 3 Meter × 6 Meter × 50 Zentimeter = 9 Kubikmeter Schnee drauf. Bei einer angenommenen Dichte von 0.25 sind das immerhin mehr als zwei Tonnen.

Ich habe mir deswegen – die Freunde sind währenddessen mit Lesen oder mit den Silvestermenuvorbereitungen beschäftigt – vom Nachbarn die Leiter geliehen, um vom Rand des Dachs aus einen Teil des Schnees wegzunehmen. Der war allerdings so fest, dass ich schließlich aufs Dach gestiegen bin. Auf einem Brett (Ivar 80×30) hockend, um das Gewicht zu verteilen, habe ich auf der gut halbmeterdicken Schneeschicht gesessen und einige Stunden lang Schnee herunter geschaufelt.

Nun ist das Dach von mindestens zwei Tonnen Last befreit und auch ich fühle mich erleichtert, denn jetzt darf gerne wieder ein Meter Neuschnee kommen, ohne dass gleich das Dach zusammenbricht.

Vielen Dank an Delle für die Fotos. Er schafft es tatsächlich, eine halbe Sekunde aus der Hand zu belichten, ohne dass alles total verwackelt ist. Wie er das macht, ist mir ein Rätsel.

Der nächste Programmpunkt: Silvesterlamm mit Hasselback-Kartoffeln, Tahina und Salat. Nachtisch: Eis mit heißen selbst gesammelten Heidelbeeren. Vielleicht ein wenig Sekt. Kein Feuerwerk. 2013.

Winter in Byske

1. Januar – Neujahr – 2013. Autofahrt und Spaziergang am Strand von Byske. Dicker Nebel auf der E4. Nasser Schnee.Trübes Wetter am Strand, aber mit klarer Sicht.

Snögris och snömonster

Seit letzter Woche wird mein Haus bewacht. Gut bewacht! Ein großes Schneeschwein steht vor dem Wintergarten. Neben ihm steht ein großes, rundes Monster mit Hörnern und aufge­rissenem Maul, welches meinem Kleinen Gelben Monster überraschend ähnlich sieht. Dieses behauptet allerdings steif und fest, dass es mit dem Schneemonster nichts zu tun hat. Ich habe definitiv nichts damit zu tun, denn ich habe mit dem Schneeräumen schon genug zu tun. Da muss ich doch mal meine Freunde aus Deutschland fragen, die Silvester bei mir gefeiert haben und von denen einige überraschend lange draußen im Garten im Schnee gebuddelt haben. Vielleicht wissen die mehr.

snö = Schnee · gris = Schwein · och = und · monster = Monster

Kalt und klar

Als ich gestern vom Bus nach Hause zurücklief, merkte ich schon, dass es kälter geworden ist. Denn ab so -15 °C frieren meine Nasenhärchen zusammen und das kribbelt. Und richtig – das Thermometer zu Hause zeigte -17 °C. Eine schöne Nacht, mit dem dicken Schlafsack draußen zu schlafen. Und so habe ich um elf eine Plane auf den Schnee gelegt, Isomatte drauf und mich bei -19 °C in meinen Daunenschlafsack gelegt. Schon bald kamen aber Wolken auf und es fiel leichter Schnee, der dann im Gesicht schmolz. Das ist auch bei mir definitiv unter der Gemütlichkeitsgrenze und ich bin hereingegangen und habe dort weitergeschlafen.

Heute morgen war der Himmel aber wieder klar und es war mit -22 °C noch etwas kälter. Ich habe mich, weil ein herrlich klarer Tag war, ins Auto gesetzt, um ein paar Fotos zu machen. Als ich in Stackgrönnan zum Fotografieren ausgestiegen bin, zeigte das Autothermometer -28 °C an. Das piekst ganz schön in den Fingern, wenn man meint, Stativ und Kamera mal eben ohne Handschuhe bedienen zu müssen. (Selbst schuld!)

Die Lichtstimmungen waren herrlich. Über mir wölbte sich der kaltblaue Himmel und der gesamte Horizont war rosa gefärbt. Doch irgendwann musste ich mich losreißen, zum einen, weil die Zeigefinger anfingen wehzutun, zum anderen schreibe ich ja nicht nur Blog, ich arbeite ja auch.

Aber nach der Mittagspause musste ich trotzdem noch mal kurz raus, um den Rauhreif, der jeden Zweig jedes Baum umgibt zu fotografieren. Vor allem an den weichen Birkenzweigen hielten sich die Eisfedern gut, doch schon das Auffliegen einer Meise ließ den Reif von den Ästen rieseln.

Obwohl ich schon früh nach Hause gefahren bin, war es schon dunkel. Aber die vielen Lichter bestrahlten die berauhreiften Bäume und schufen herrliche Lichtstimmungen.

Zu Hause angekommen zeigte das Thermometer an, dass es auch bei die Temperaturen den ganzen Tag unter -20 °C lagen. Ob es die Nacht noch kälter oder wieder wärmer wird, bestimmen die Wolken.

Tausendundeine Nacht

Den Titel „Tausendundeine Nacht“ hatte ich schon vorgestern im Kopf, schließlich ist die kommende Nacht die tausendste, seitdem ich nach Schweden gezogen bin. Doch was soll ich in der Nacht fotografieren, die Polarlichtaktivität ist ja eher mau zur Zeit …

… dachte ich, bis ich heute eine E-Mail „[gse-aa] Auroral Alert“ von einem Server irgendwo in Alaska zugeschickt kam. Demnach soll just in dieser Nacht eine hohe Polarlichtaktivität sein. Toll! Leider sagte aber die Wettervorhersage Wolken ab dem Nachmittag voraus. Doof! Aber die Wolken ließen auf sich warten und tatsächlich, am frühen Abend war ein fahler grüner Bogen zu sehen, der an Kontur gewann. Toll!

Eilmodus an: Kameras einpacken, Stativ, zwei paar dicke Handschuhe, Ersatzakkus, Taschenlampe, Banane, Trinken, Winterstiefel, Daunenhose, Daunenparka. Ab ins Auto und los!

Wie schon einige Male war das Polarlicht am schönsten, als ich mein Auto packte. Als ich hingegen am Meer angekommen war, war fast nichts mehr zu sehen. Doof! Aber zum Glück sind meine Klamotten warm genug, um sich in den Schnee zu legen und zu warten. Und nach einiger Zeit kam auch das Polarlicht wieder. Wunderschön!

Und weil das fast wie ein Märchen ist, dass ausgerechnet in der tausendersten Nacht Polarlicht zu sehen ist, habe ich noch ein Märchenfoto beigelegt. Denn ab und zu will ich auch mal ein hemmungslos kitschiges Foto machen.

(Die Farben waren übrigens alle wirklich vorhanden und wurden durch die Belichtungszeit von 30 Sekunden lediglich stark hervorgehoben. Ich habe lediglich in Lightroom noch am Kontrast und den Grüntönen geschraubt und anschließend in Photoshop zwei Ebenenkopien mit Auto-Farbton und Auto-Kontrast mit hineinkopiert und kräftig nachgeschärft, denn ich habe bei der manuellen Fokussierung ein bisschen geschlafen.)

Fahrt nach Östersund

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Heute bin ich mit dem Auto nach Östersund gefahren, denn morgen treffe ich mich hier mit Jonas, mit dem ich eine einwöchige Skitour im Helagsfjäll geplant habe.

Die Fahrt fing ein bisschen mühsam an, denn ich bin erst lange Zeit im flotten Schritttempo hinter einer Schneefräse hinterher gezuckelt, die ausgerechnet für die linke Seite (Mittelstreifen und so) zuständig war. Eine halbe Stunde hat es gedauert, bis ich da vorbei gekommen bin.

Die restlichen der 500 Kilometer gingen besser. Kein einziges Rentier, dafür aber meine erste Alkoholkontrolle. Und da das Wetter herrlich war, Sonne pur, war die Fahrt auch nicht sonderlich anstrengend.

Da ich unterwegs eine längere Mittagspause gemacht habe, mehrmals zum Fotografieren angehalten habe und noch bei Östersund eine gebrauchte Pulka für Jonas erstanden habe, war ich erst nach achteinhalb Stunden bei unseren gemeinsamen Freunden, die seit letztem Jahr in Östersund leben. Aber das macht ja nichts, ich hatte ja den ganzen Tag Zeit. Morgen um 6:30 kommt Jonas mit dem Zug an.

Zwei kurze Fotos von heute:

Skitour – Sturm auf dem Fjäll

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Sonntag, 27. Januar

Wir beenden unsere Pause an den Vålåstugorna und laufen weiter in die Berge. Es ist sehr windig, doch wir finden tatsächlich einen Pausenplatz, an dem der Wind nicht zu stark ist.

Kaum brechen wir auf, wird der Wind noch stürmischer und man kann kaum noch etwas sehen. Ich kann gerade noch ein Foto von Jonas machen, ehe eher vom Weiß verschluckt wird.

Ich weiß nicht, ob es auch schneit, oder der Sturm nur den Schnee meterhoch aufwirbelt. Der Effekt ist der Gleiche: Man sieht fast nichts mehr. Wir bleiben dicht zusammen und hangeln uns von Wegmarkierung zu Wegmarkierung. Manchmal sieht man zwei, manchmal eine, dann keine mehr. Wir laufen geradeaus weiter, finden noch zwei Kreuze und stehen dann im weißen Nichts. Der stürmische Wind lässt Schnee an die Kapuze prasseln und zerrt an jeder Schnur, an der Kleidung und an den Skistöcken. Selbst mit Schreien ist die Verständigung nicht leicht.

Wir versuchen noch, durch Zufall eine Markierung zu finden, geben dies schnell auf und suchen statt dessen einen Zeltplatz, sprich eine weiße Fläche, die halbwegs eben ist.

Habt Ihr schon einmal ein Tunnelzelt im Sturm aufgebaut? Ich nicht. Es geht aber überraschend einfach, auch wenn ich Angst hatte, dass uns das Zelt mitsamt der Skier, die wir zum Fixieren benutzt haben wegfliegt. Jonas macht das meiste, er ist ja wesentlich erfahrener als ich. Von ihm kommt auch die Idee, das Innenzelt auszuhängen und unsere Pulken in das Zelt zu tragen. Nun sind wir erst einmal vor den Elementen geschützt. Obwohl es nicht kalt ist, klappere ich mit den Zähnen und ziehe sowohl Daunen- als auch meinen weiten Überanorak an. Jonas kocht Makkaroni mit Butter und Käsesoße. Mit dem Essen kommt die Energie und auch die Wärme wieder. Jonas gräbt das Zelt so weit, wie es geht im Schnee ein, denn selbst durch die kleinste Ritze kommt Schneestaub geblasen. Dann wartet der warme Schlafsack auf uns. Fast …

Manchmal muss man auch über eklige Dinge schreiben. Empfindliche Gemüter dürfen diesen Absatz gerne überspringen. Seid Ihr schon mal draußen auf Klo gegangen? Groß? Im Sturm? Im Schnee hockend? Und sehend, wie die Hinterlassenschaften über das gegrabene Loch hinweggeweht werden? Leute, ich kann Euch sagen, es gibt Dinge, die mehr Spaß machen! Froh war ich, als ich wieder im Zelt war.

Die ganze Nacht rüttelt der böige Sturmwind am Zelt. Jonas verstärkt noch die Schneemauern. Manchmal kommt eine Böe von der Seite und versetzt dem ganzen Zelt einen harten Schlag. Ab wann bricht eigentlich so ein Gestänge, frage ich mich? Mitten in der Nacht wird es ein bisschen heller, der Mond schaut wohl zwischen den Wolken hervor, doch es ist noch unverändert stürmisch.

Montag, 28. Januar

Auch am Morgen ist es noch sehr windig und es schneit. Im Luv hat der Wind meine Skier metertief im Pulverschnee vergraben, im Lee liegt so viel Schnee auf dem Zelt, dass die Apside bis zum Kocher durchhängt. Die Pulken sind halb vom Schnee bedeckt. Wir werden später sehen, dass auch in den Pulken der Schnee an die unmöglichsten Stellen geblasen wurde.

Ich bestimme unsere Position mit dem GPS. Wir stehen mitten auf einem kleinen See. Vermutlich sind hier keine Markierungen gesteckt, da noch Vorsaison ist. Ich speichere die Koordinaten der nächsten zwei Hütten ins GPS, denn unser Ziel ist es, die nächste Nacht in einer Hütte zu verbringen und Kleidung, Schuhe und Schlafsack aufzutauen und zu trocknen.

Nachdem wir das Zelt vom Schnee befreit, Wasser gekocht, Tee und Müsli gemacht und gegessen haben, beruhigt sich der Wind ein wenig. Wir schieben wieder die Pulken in das Zelt und packen. Das Zelt rollen wir mit den einmal geknickten Stangen einfach zusammen und schnallen es auf meine Pulka. Und als wir aufbrechen, klart es auf.

Schnell sind wir bei der drei Kilometer entfernten Härjångsdalen-Hütte. Hier darf man allerdings nur in Notfällen übernachten. Daher machen wir hier nur eine Pause und laufen dann weiter.

Wir laufen weiter aufwärts zu den vier Kilometer entfernten Gåsenstugorna. Der Wind kommt von vorne, ist aber längst nicht mehr so stark. Die Berge im Rücken werden von der Sonne beschienen und auf dem Sattel vor uns leuchten die roten Holzkreuze in der Sonne.

Noch ein Meter, noch ein Meter, da ist sie: Wir stehen und schauen in die goldorange Sonne. Schnee weht uns am Boden entgegen, ebenfalls goldorange bestrahlt. Ein wunderbarer Moment.


Das Schneetreiben als Video. (Wenn die Fläche weiß bleibt, schaut das Video direkt auf Vimeo.)


Wir laufen noch um eine Ecke und dann sind die Gåsenstugorna in Sicht. Die Sonne geht unter und wir laufen in großen Schritten abwärts, bis wir an der Hütte stehen. Wir schaufeln den Eingang frei und ich hole Holz aus dem „Vedbo“, dem Holzschuppen. Es wird Stunden dauern, bis wir die frostige Hütte auf Plusgrade geheizt haben. Wir hängen so ziemlich alle Kleidungsstücke zum Trocknen auf und breiten uns aus, denn wir sind hier alleine. Außer uns ist wohl niemand unterwegs.

Dienstag, 29. Januar

Ein fauler Tag. Den Ofen in Gang halten, mehrere warme Mahlzeiten einnehmen, überprüfen, ob Kleidung und Schlafsack getrocknet sind, auch damit kann man einen Tag ausfüllen. Ich gehe hinaus und fotografiere Holzkreuze.

Doch in einem habe ich mich geirrt: Wir sind nicht allein. Es kommen zwei Männer mit Motorschlitten. Sie kümmern sich um die Markierungen und die Hütten. Von ihnen erfahren wir, dass zwei Schneeschuhläufer kommen werden. Unser erster Gedanke: Deutsche? Denn welcher Schwede läuft schon mit Schneeschuhen, wenn man Skilaufen kann! Doch die Schneeschuhgeher sind Belgier, die beide ein Snowboard hinter sich herziehen, mit dem sie die Abfahrten nehmen wollen.

Wir alle sind früh im Bett, doch nachts ist der Mond so schön, dass ich mir noch einmal Überhose und Anorak anziehe und fotografiere. Mondnächte im Fjäll sind wunderbar.

>>> Fortsetzung: Schlussettappe >>>

Skitour – Schlussettappe

Dieser Artikel ist Teil der sechsteiligen Serie Fjälltour 2013.

Als wir morgens im offenen Winterraum der Gåsenstugorna aufwachen, ist von klarem Himmel nichts mehr zu sehen. Es ist windig und es schneit. Aber abgesehen davon, dass uns beiden der Sinn nach Frischluft und Bewegung steht, gibt es zwei Argumente, die für einen Aufbruch sprechen: Zum einen kommt der Wind von hinten, zum anderen hat der smhi für den Folgetag eine Windwarnung Klasse 1 herausgegeben, es soll also wieder richtig stürmisch werden.

Also packen wir unsere Sachen und machen uns auf den Weg. Nach einem kleinen Anstieg, der uns auf 1200 Meter führt, liegt eine lange Abfahrt vor uns. Jonas macht seine Felle ab, ich lasse sie an, denn ich bin ein schlechter Abfahrtläufer und freue mich über die Bremswirkung der Felle. Nun geht es stetig bergab, manchmal so sanft, dass wir beide laufen, manchmal so schnell, dass Jonas vorweg saust, während ich manchmal sogar Bögen in den Schnee schreibe, um nicht so schnell zu werden.

Manchmal klart es auf und die Sonne legt ein geheimnisvolles Leuchten auf die voraus liegenden Berghänge. Leider habe ich heute eine andere Kamera-Objektiv-Kombination vor meinem Bauch geschnallt und als ich das Weitwinkel parat habe, sind die schönen Lichtstimmungen schon wieder vorbei. Es ist nicht das erste Mal auf der Tour, dass ich mit dem Fotografieren zu langsam bin. Schon nach kurzer Zeit sind wir an der nächsten Schutzhütte „Sjtähtja“, wo wir eine kurze Pause machen.

Schon bald setzen wir die Tour fort, denn nach dem tagelangen Aufwärtslaufen ist es schön, mühelos durch den Schnee hinab zu gleiten. Nur manchmal müssen wir uns einen Weg suchen, denn auf dem baumlosen Kahlfjäll sind manche Stellen so windexponiert, dass kaum Schnee liegt und Gestrüpp und Fels sichtbar sind. Doch bald sind die ersten Bäume in Sicht.

Jetzt beginnt ein herrlicher Teil: Der von Holzkreuzen markierte Weg windet sich talwärts und wir gleiten durch den unberührten Schnee. Hier scheint es meistens windstill zu sein, denn die meisten Birken wachsen sehr gerade und es gibt keine verblasenen Stellen. Statt dessen gibt es immer wieder kleine Abfahrten, die meistens im Tiefschnee enden. Das Skifahren hat hier so viel Spaß gemacht, dass ich erst zum Schluss wieder die Kamera ausgepackt habe. Aber die Freude an der Bewegung kann man eh nicht fotografieren.

Wir laufen, gleiten und sind bald schon an der nächsten STF-Hütte, den Stensdalsstugorna angelangt. Aber wir laufen ohne Pause an den Hütten vorbei, denn wir wollen zelten. Wir laufen noch ein paar Kilometer, ehe wir ein kleines Seitental finden, in dem wir zwischen den Bäumen unser Zelt aufbauen. Die Nacht ist klar und Jupiter und die hellen Wintersternbilder leuchten am Himmel.

Aber kaum liegen wir, da holt uns der vorhergesagte Wind ein. Wieder wird das Zelt vom stürmischen Wind gerüttelt und gebeutelt und dieses Mal sind die Böen sogar noch heftiger. In der Nacht stehe ich auf, denn zwei Heringe haben sich losgerissen und ich ramme zwei Skier in den Schnee, um das Zelt daran festzumachen. Doch auch diese Sturmnacht übersteht das Zelt ohne Probleme. Nur Jonas und ich fanden es in unseren dicken Daunenschlafsäcken mit -2 °C viel zu warm. Auch diesen Morgen lässt der Wind nach und die Sonne scheint durch die immer größeren Wolkenlücken, während die letzten Schneeschauer abziehen.

Den letzten Teil der Tour fand ich ehrlich gesagt etwas langweilig, denn größere Teile der Route lagen auf einer breiten Skooterpiste. Anstatt aktiv meinen Weg zu suchen und die Natur um mich herum wahrzunehmen, schlurfe ich nun einfach nur geradeaus. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Tour fast vorbei ist, doch hauptsächlich daran, dass das Schlussstück eher dem Loipennetz eines Wintersportortes ähnelt und damit nach den starken Eindrücken der letzten Tage ein wenig fad wirkt.

Bald schon stoßen wir auf unseren alten Weg und sehen den kleinen Teich, auf dem wir die erste Pause gemacht haben, den kleinen, gemeinen Abstieg, der nun Abfahrt ist und die erste Abfahrt, die Jonas nun mit V-Schritten hochsteigt. Und nur wenige Minuten später stehen wir auf der Ebene und blicken in die Zivilisation. Ein High-Five beendet diese gar nicht so lange, aber schöne, spannende und ereignisreiche Tour.

Tack för turen, Jonas!

Psst!

Psst, nicht stören! Ich genieße den Alltag!

Das in die Badewanne legen, in Ruhe Arbeiten, keinen Artikel über den Fettisdagen schreiben*, bei warmen -1 °C durch Schneegegriesel nach Hause laufen und die Milchschokolade mit salzigen Lakritzstücken probieren.

Ich genieße den Alltag! Mehr gibt es hier nicht zu schreiben.


* Über den Fettisdagen habe ich letztes Jahr schon etwas geschrieben und meine fleißigen Blogkollegen Brevlåda und Lussekatt sind ja auch noch da.


Aber halt, zwei habe ich noch. Zwei Fotos. Ich habe diesen netten Ordner „unpublished“, aus dem ich mich jetzt bediene. Das eine Foto entstand Ende April 2012 am Strand von Byske, das andere Foto Anfang Dezember 2012, als wir den Wintereinbruch hatten.

Ich mach dann mal weiter mit Alltag: Abendbrot, Geschirrspüler ausräumen, ein bisschen Klavier spielen, vielleicht noch einmal die Badewanne?

Fast Frühling – Nachtrag

Ein kurzer Nachtrag zum Artikel Fast Frühling.

Nachtrag vom 28.2.

Weiterhin war es warm, auch in den letzten beiden Nächten war es frostfrei. Tauwetter. Heute morgen auf dem Weg zum Bus musste ich durch eine riesige und tiefe Pfütze waten. Und dort, wo noch Schnee auf der Straße liegt, ist er braun und meistens schon Schneematsch. Das kenne ich ja aus Deutschland, aber für Nordschweden ist das mindestens einen Monat zu früh!

Auch das Schneemonster ist in sich zusammengefallen – wesentlich früher als ich gedacht hätte. Aber übermorgen, am Samstag, sollen 8 – 10 cm Schnee fallen, und bei dem böigem Wind werden sich die erwarteten -10 °C wie -20 anfühlen. Das kann ich mir ehrlich gesagt bei der heutigen Frühlingsstimmung kaum vorstellen.

18:30: hübsch, jetzt regnet es auch noch richtig. 2.5 °C.

Nachtrag zum Nachtrag vom 1.3.

07:00: es schneit und es ist windig. Das Thermometer zeigt -5.5 °C an, Tendenz fallend. Und auch wenn Teile der weichen und jetzt über Nacht gefrorenen Schneeklumpen noch etwas bräunlich anmuten; das Tauwetter scheint der Vergangenheit anzugehören und weit zurückzuliegen. Das Foto oben habe ich gestern Mittag gemacht, das Foto hier heute vor ein paar Minuten.

Nachtrag zum Nachtrag zum Nachtrag …

Der Wetterdienst smhi hat übrigens gestern einen Blogartikel mit dem Titel „Vår i norr men vinter i söder“ (Frühling im Norden aber Winter im Süden) geschrieben. Wenn man sieben Tage hintereinander Durchschnittstemperaturen über 0 °C hat, nennt man den ersten Tag Frühlingankunft. Und die hatten wir dieses Jahr schon im Nordschweden (Normal wäre das im April), aber noch nicht in Südschweden. So eine Situation hat es das letzte mal 1963 gegeben – vor 40 Jahren.

Schneesturm

Västerbottens Küstenregion: Warnung Klasse 1 Schneefall – Am Samstag Schneefall, der vor allem an der Küste kräftig sein kann. Bis Sonntag Morgen kommen 10-20 cm Schnee.

SMHI, 1. März 2013

Nördlicher Kvarken: Warnung Klasse 1 Starkwind – Von Samstag Vormittag Süd 16-19 m/s.

SMHI, 1. März 2013

Das schrieb gestern der schwedische Wetterdienst. Heute morgen, als ich ins Auto gestiegen bin, um unter anderen zu einer Vernissage in die Stadt zu fahren, war es aber noch ruhig. Wenig Wind, kaum Schnee. Bei Harrbäckssand habe ich eine Pause gemacht und vom Eis aus die Birke auf der winzigen ufernahen Insel fotografiert. Ein paar Stunden war ich auf dem Rückweg und es war ungleich windiger und es schneite stark. Das zweite Bild entstand bei mir quasi um die Ecke. Da die Belichtungszeit nur eine viertausendstel Sekunde war, ist der Schnee, der vorbeifegte, auf dem Bild eingefroren.

Man merkt, dass schlechte Sicht ist, auch daran, dass die Schweden freiwillig langsamer fahren als erlaubt. Das war heute aber auch keine schlechte Idee, denn es schneite teilweise so stark, dass ich beim Autofahren kaum 50 Meter weit schauen konnte. Das Handy-Foto trifft die Stimmung eigentlich ganz gut. Wenn man genau schaut, sieht man die Scheinwerfer eines entgegenkommenden Autos.

Zu Hause habe ich einer kleinen Pause mich noch einmal auf den Weg nach Storgrundet gemacht. Zu Fuß, auch da ich Angst hatte, mit dem Auto in einer Schneewehe steckenzubleiben. (Das wäre mir vielleicht kurz vor dem Ziel auch gelungen.) Am Ufer des Strandes Storgrundet blies der starke Wind jede Menge Schnee über das Ostseeeis und ich hatte die Wahl: Warte ich mit dem Fotografieren, bis gerade mal ein bisschen Sicht ist, sieht es langweilig aus. Warte ich, bis richtig Schnee vorbeifegt, dann ist das Bild weiß. Ich habe einige Male ausgelöst, bis ich ein Bild dazwischen im Kasten hatte.

Es ist mir dagegen nicht gelungen, die Schneefahnen, die sich vor allem an Steinen bilden einzufangen. Das ginge bei diesem diffusen Licht wohl nur mit Video.

Kurz bevor der ICA zumachte, hatte ich Appetit auf Salat und bin durch die knietiefen Schneewehen zu meinem Auto gestapft. Der Pulverschnee ist so leicht, dass ich mir keine größeren Sorgen gemacht habe, mich mit dem Auto festzufahren. Auf der Fahrbahn lagen vielleicht so 15 cm Neuschnee, da driftet der Saab sehr lustig um die Kurve. Und ich muss zugeben, dass es mir Spaß macht, so im Schnee Auto zu fahren, wenn es keine längeren Strecken sind. Als ich allerdings wieder auf mein Grundstück wollte, drehten die Räder dann doch durch. Aber mit ein bisschen rückwärts fahren und ein bisschen mehr Schwung kam ich doch noch in meine Einfahrt.

Der Schnee im Vorgarten ist jetzt noch höher, ich kann vom Haus aus kaum noch die Fahrbahn sehen. Nicht deutet darauf hin, dass vor ein paar Tagen noch das Schneemonster in meinem Vorgarten geleuchtet hat, dort ist nur eine plane und unberührte Neuschneefläche zu sehen. Kaum vorstellbar, dass ich vorgestern noch durch tiefe Pfützen zur Kreuzung gewatet bin.

Jetzt sitze ich mit meinem dicksten Wollpullover am Rechner, das liegt daran, dass schon seit drei Uhr Nachmittags wegen technischen Problemen die Fernwärme ausgefallen ist und bei mir weder warmes Wasser noch die Heizungen funktionieren. Die Elektroheizung, die sonst das Bad im Keller heizt, hat aber tapfer die Innentemperatur im Wohnzimmer von 16.1 °C auf 16.6 °C hochgeheizt und so ist der Pullover eigentlich viel, viel zu warm. Aber auch sehr, sehr gemütlich …

Das Wort „Schneesturm“ klingt immer schön dramatisch. Die deutschen Meteorologen sprechen ab 75 km/h von Schneesturm, so windig war es vermutlich heute auch auf der Ostsee nicht. Für einen Blizzard (Nach US-Wetterbehörde NOAA ab 65 km/h und mindestens drei Stunden Schneefall mit starken Sichtbehinderungen) hat es heute vielleicht sogar gereicht. Aber den Titel ändere ich jetzt dennoch nicht mehr. Ich mag das Wort Schneesturm.

Nachtrag

Sonntag, 5:00 – Fernwärme geht wieder.

Nachtrag 2

Sonntag, 12:30 – ein kleiner Videoschnipsel von gestern auf Vimeo: „Schneesturm“.

Nach dem Schneefall

Draußen höre ich eine letzte Schneefräse. Während alle anderen hier in der Straße schon am Vormittag die Grundstücke freigeräumt haben, ist vor kurzem ein Nachbar aus dem Wochenende zurückgekommen und fräst jetzt sein Grundstück frei, damit er das Auto parken kann.

Wie viel gefallen ist, weiß ich nicht, dazu war es gestern zu windig. Ich schätze, dass etwa 20 cm Neuschnee gefallen sind. Im Garten hinten liegen jetzt 90 bis 100 cm, während sich im Vorgarten bis zu zwei Meter hohe Berge türmen, denn irgendwo muss das Zeugs ja bleiben.

Aber jetzt sieht alles wieder weiß und rund aus und herrlich ruhig ist es. Wenn nicht gerade Schnee gefräst oder Skooter gefahren wird. (Jetzt macht der Nachbar gerade die Schneefräse aus.)

Und weil ich heute keine Lust zum Fotografieren habe, noch ein Bild von gestern. Eher aus der Reihe Experiment als aus der Reihe Winterlandschaft.

Ich habe übrigens mal gezählt: 72 Prozent der Artikel seit Dezember handeln von Schnee, Eis oder Winter allgemein – die Tauwetterartikel nicht mitgerechnet. Ich glaube, ich muss mir mal wieder andere Themen überlegen und andere Fotos machen.